Monatsarchive: August 2017

Stephanie Seifert – eine Liebeserklärung

DIE GESCHICHTE EINER STOLZEN ANFENGERIN + STARKEN MUTTTER

Dies ist die Kurzversion einer langen Familiengeschichte, deren trauriges Ende der Beginn einer Freundschaft ist.

Stephanie

Windhosen über der Insel Mljet.

Insel Mljet. Mitte August. Alles begann harmlos. Harmlos und unauffällig. Die kroatische Wettervorhersage hatte für den Nachmittag möglicherweise Gewitter vorhergesagt. Möglicherweise. Für Nachmittag. Und Böen aus Nordwest bis Nordost mit 35 bis 45 Knoten. Dabei sah man auf wetteronline.de und blitzortung.org die Front am Morgen schon heranziehen.


Man tut als Segler in einem solchen Fall, was zu tun ist. Man geht in einen Hafen. Auf der Insel Mljet, der einsamen und langen Schönheit ein paar Segelstunden nördlich von Dubrovnik, gibt es keinen Hafen. Einen Fähranleger ja, an dem zweimal täglich der Katamaran von Split anlegt. Sonst? Nur ein paar Restaurantstege, an denen Wirte gegen ein Abendessen einen Segler kostenlos festmachen lassen. Einen Hafen gab es aber nicht. Also suchte ich nach einer Bucht. Einer, die geschützt ist, wenn Böen aus Nordwest bis Nordost mit 35 bis 45 Knoten drohen. An der Ostspitze Mljets gibt es so eine Bucht. Saplunara ist nach Westen, Norden, Osten von kiefernbewaldeten Hängen geschützt. Nur nach Süden ist sie offen, zum Meer hin. Von dort, so dachte ich droht ja keine Gefahr. Ich steuerte am Morgen von Dubrovnik kommend die Bucht an. Mied die Bojen, solange sich kein Verantwortlicher zeigte. Ließ meinen Anker neben einer italienischen Yacht fallen. 


Die Frage, ob man im Gewitter sicherer im Hafen oder auf dem offenen Meer ist, scheint leicht zu beantworten. Tatsächlich antworteten sogar ausgewiesene Schadens-Experten, die wir für unser Buch GEWITTERSEGELN interviewten, dass der einzige Unterschied zwischen „drinnen“ und „draussen“ der sei, dass im Hafen schneller Hilfe verfügbar sei. Sonst? Sei man „drinnen“ wie „draussen“ auf dem offenen Meer in Gottes Hand.

Der Himmel am Morgen war wolkenlos. Und gegen alle Vorhersagen wehte kraftvoll Wind aus Süd in die Bucht. Und machte das Liegen unbequem. „Er wird drehen“, dachte ich, „wenn erst das Gewitter kommt. Er wird drehen.“ Also achtete ich vor dem blauen Himmel nicht darauf.

Gegen Mittag erreichte eine graue Wolkenfront aus Nordwesten die Bucht. Es war nichts als ein Band grauer Wolken von Nord nach Süd, über dem links und rechts der strahlend blaue Himmel weiter leuchtete wie zuvor.

Das erste, was mir auffiel, war, dass das Wolkenband sich plötzlich nicht mehr bewegte. Er blieb genau über der Bucht von Saplunara einfach stehen. Ein langer dunkler Wolkenstrich, der von Norden quer über die Insel genau nach Süden hinaus aufs Meer ragte. Dorthin, woher der Wind kam. An der Unterseite des grauen Strichs zeigten sich plötzlich Wirbel. Und in deren Mitte Wolkenbeulen nach unten. Beginnende Windhosen, die wie eine Brust nach unten hängen und ein untrügliches Zeichen für Gewitter sind. Die große Wolke im Bild oben zog einfach einfach das Wolkenband entlang von Süden nach Norden. Wie auf einer Straße. Sie folgte dem Wind.
Plötzlich begann sich die Wolke, wie eine Zitze nach unten zu denen. Die Kreiselbewegung nahm deutlich zu, ein langer Schlauch entwand sich unten Richtung Wasseroberfläche der Bucht. Wenige hundert Meter nördlich lag ich mit LEVJE vor Anker.
Der Schlauch dehnte sich. Wurde länger. Und länger. Reckte den Rüssel nach unten, Richtung Bucht, wo die italienische Yacht neben mit lag. Plötzlich war sie da. Zog entlang des Wolkenbandes langsam nach Norden. Zugleich bildete sich eine zweite Windhose draussen hinter dem Hügel über dem Meer.
Der erste dünne Schlauch zog hinter dem Hügel auf dem Meer. Er fand hinter uns draußen auf dem Meer statt, zog langsam nach Norden, das Wolkenband entlang, das nun schwarz war. Doch der zweite Rüssel wanderte ebenfalls das Wolkenband entlang. Nach Norden. Er erreichte die Einfahrt in die Bucht, reckte sich weiter nach unten, wo sich ein Wirbel gischtenden Wassers bildete, der genau auf die Mitte der Bucht zukam. Auf die italienische Yacht und mich.

Es ist ein unguter Moment, wenn eine Windhose auf eine ankernde Yacht zusteuert. Ein Boot ist seiner einzigen ihm innewohnenden Abwehrmöglichkeit beraubt – nämlich einfach abzuhauen. Ich saß auf LEVJE, spürte mein Herz schneller schlagen. Und wusste, dass die Windhose uns erreicht hätte, bevor ich auch nur den Anker zur Hälfte geholt hätte. Ich begann, in Eile alles Bewegliche an Deck festzuzurren. Oder einfach unter Deck zu werfen. Sollte die wirbelnde Gischt uns erreichen, würde es an Deck unweigerlich Bruch geben. Ich beschloss in den wenigen Augenblicken, dass der sicherste Ort für mich ebenfalls unter Deck wäre, sollte die Windhose uns tatsächlich erreichen.

Zwischen mir und der Windhose lag nur noch ein Fischer. Er arbeitete zusammen mit seinem Sohn, mit dem Rücken zur Windhose, holte Reusen vom Grund der Bucht herauf. Er sah den langen dünnen Schlauch, der nun vom Himmel bis zur Wasseroberfläche reichte, in seinem Rücken nicht. Ich begann, aus Leibeskräften zu brüllen, um ihn zu warnen. Er hörte mich im Lärm seines Außenborders nicht. Plötzlich sah er den wirbelnden Schlauch in seinem Rücken. Die Reuse ins Wasser fallen und Gas geben waren bei ihm eine einzige Bewegung. Er motorte eilends ins Innere der Bucht. Der Schlauch kam nun unvermittelt weiter auf uns zu, folgte dem Wolkenband mit dem Wind von Süden nach Norden, das sich einfach nicht bewegen wollte.
Es sind genau diese Momente, in denen ich an das Interview in unserem Buch GEWITTERSEGELN denke. Nein, eine Bucht ist bei Gewitter nicht unbedingt sicherer. Es ist eine trügerische Sicherheit, die sie verspricht. Ich? Hatte meine Entscheidung getroffen. Und saß fest. Ich konnte nichts tun, als den Schlauch weiter zu beobachten, der da auf uns zukam. 
Ich gebe gerne zu: Ich vergaß in diesem Moment zu fotografieren. Es war kein großer mächtiger Tornado. Aber wenn sich eine Windhose genau auf Dich zubewegt und Du nichts mehr tun kannst, nicht weglaufen, nicht wegducken, hat man anderes im Sinn als den Auslöser zu drücken.
Die Windhose kam auf ein Fußballfeld heran. Wirbelte, wand sich – und neigte sich plötzlich aus einem unerfindlichen Grund nach rechts, dem felsigen Ufer in der Bucht, 75 Meter von mir. Im selben Moment, in dem sie die Felsen berührte, verschwand der Schlauch. Er zog sich langsam nach oben zurück, in die Wolke, wo von ihm nichts blieb, wie Wolkenfetzen, die wie Qualm aus der Mündung eines Geschützrohrs waberten.

Nichts blieb vom Schlauch als nur ein kreiselnder Wirbel am Himmel, der langsam in sich verwehte. Und erstarb.

Das Ende meiner Geschichte? Das Wolkenband stand für etwa eine Stunde fest über der Bucht am Himmel. Weitere Mammatus-Wolken bildeten sich in ihr. Genau über der Bucht. Ich zählte an diesem Nachmittag insgesamt acht verschiedene Windhosen, die rings um die Bucht aus dem Wolkenband entstanden. Aber keine von ihnen kam uns so nahe wie die eine.

Jetzt in Druck – erscheint Ende September 2017:

Windhosen über der Insel Mljet.

Insel Mljet. Mitte August. Alles begann harmlos. Harmlos und unauffällig. Die kroatische Wettervorhersage hatte für den Nachmittag möglicherweise Gewitter vorhergesagt. Möglicherweise. Für Nachmittag. Und Böen aus Nordwest bis Nordost mit 35 bis 45 Knoten. Dabei sah man auf wetteronline.de und blitzortung.org die Front am Morgen schon heranziehen.


Man tut als Segler in einem solchen Fall, was zu tun ist. Man geht in einen Hafen. Auf der Insel Mljet, der einsamen und langen Schönheit ein paar Segelstunden nördlich von Dubrovnik, gibt es keinen Hafen. Einen Fähranleger ja, an dem zweimal täglich der Katamaran von Split anlegt. Sonst? Nur ein paar Restaurantstege, an denen Wirte gegen ein Abendessen einen Segler kostenlos festmachen lassen. Einen Hafen gab es aber nicht. Also suchte ich nach einer Bucht. Einer, die geschützt ist, wenn Böen aus Nordwest bis Nordost mit 35 bis 45 Knoten drohen. An der Ostspitze Mljets gibt es so eine Bucht. Saplunara ist nach Westen, Norden, Osten von kiefernbewaldeten Hängen geschützt. Nur nach Süden ist sie offen, zum Meer hin. Von dort, so dachte ich droht ja keine Gefahr. Ich steuerte am Morgen von Dubrovnik kommend die Bucht an. Mied die Bojen, solange sich kein Verantwortlicher zeigte. Ließ meinen Anker neben einer italienischen Yacht fallen. 


Die Frage, ob man im Gewitter sicherer im Hafen oder auf dem offenen Meer ist, scheint leicht zu beantworten. Tatsächlich antworteten sogar ausgewiesene Schadens-Experten, die wir für unser Buch GEWITTERSEGELN interviewten, dass der einzige Unterschied zwischen „drinnen“ und „draussen“ der sei, dass im Hafen schneller Hilfe verfügbar sei. Sonst? Sei man „drinnen“ wie „draussen“ auf dem offenen Meer in Gottes Hand.

Der Himmel am Morgen war wolkenlos. Und gegen alle Vorhersagen wehte kraftvoll Wind aus Süd in die Bucht. Und machte das Liegen unbequem. „Er wird drehen“, dachte ich, „wenn erst das Gewitter kommt. Er wird drehen.“ Also achtete ich vor dem blauen Himmel nicht darauf.

Gegen Mittag erreichte eine graue Wolkenfront aus Nordwesten die Bucht. Es war nichts als ein Strich grauer Wolken von Nord nach Süd, über dem links und rechts der strahlend blaue Himmel weiter leuchtete.

Das erste, was mir auffiel, war, dass der Wolkenstrich sich plötzlich nicht mehr bewegte. Er blieb genau über der Bucht von Saplunara einfach stehen. Ein langer dunkler Wolkenstrich, der von Norden quer über die Insel genau nach Süden hinaus aufs Meer ragte. Dorthin, woher der Wind kam. An der Unterseite des grauen Strichs zeigten sich plötzlich Wirbel. Und in deren Mitte Wolkenbeulen nach unten. Mammatus-Wolken, die wie eine Brust nach unten hängen und ein untrügliches Zeichen für Gewitter sind. Die große Mammatus-Wolke im Bild oben zog einfach einfach das Wolkenband entlang von Süden nach Norden. Wie auf einer Straße. Sie folgte dem Wind.
Plötzlich begann sich die Wolke, wie eine Zitze nach unten zu denen. Die Kreiselbewegung nahm deutlich zu, ein langer Schlauch entwand sich unten Richtung Wasseroberfläche der Bucht. Wenige hundert Meter nördlich lag ich mit LEVJE vor Anker.
Der Schlauch dehnte sich. Wurde länger. Und länger. Reckte den Rüssel nach unten, Richtung Bucht, wo die italienische Yacht neben mit lag. Plötzlich war sie da. Zog entlang des Wolkenbandes langsam nach Norden. Zugleich bildete sich eine zweite Windhose draussen hinter dem Hügel über dem Meer.
Der erste dünne Schlauch zog hinter dem Hügel auf dem Meer. Er fand hinter uns draußen auf dem Meer statt, zog langsam nach Norden, das Wolkenband entlang, das nun schwarz war. Doch der zweite Rüssel wanderte ebenfalls das Wolkenband entlang. Nach Norden. Er erreichte die Einfahrt in die Bucht, reckte sich weiter nach unten, wo sich ein Wirbel gischtenden Wassers bildete, der genau auf die Mitte der Bucht zukam. Auf die italienische Yacht und mich.

 Es ist ein unguter Moment, wenn eine Windhose auf eine ankernde Yacht zusteuert.  Das Boot ist seiner einzigen Abwehrmöglichkeit beraubt – der Bewegung. Ich saß auf LEVJE, spürte mein Herz schneller schlagen. Und wusste, dass die Windhose uns erreicht hätte, bevor ich auch nur den Anker zur Hälfte geholt hätte. Ich begann, in Eile alles Bewegliche an Deck festzuzurren. Oder eilends einfach unter Deck zu werfen. So wie ich für mich ebenfalls plante, einfach unter Deck zu gehen, sollte die Windhose uns tatsächlich erreichen.

Zwischen mir und der Windhose lag nur noch ein Fischer. Er arbeitete zusammen mit seinem Sohn, mit dem Rücken zur Windhose, holte Reusen vom Grund der Bucht herauf. Er sah den langen dünnen Schlauch, der nun vom Himmel bis zur Wasseroberfläche reichte, in seinem Rücken nicht. Ich begann, aus Leibeskräften zu brüllen, um ihn zu warnen. Er hörte mich im Lärm seines Außenborders nicht. Plötzlich sah er den wirbelnden Schlauch in seinem Rücken. Die Reuse ins Wasser fallen und Gas geben waren bei ihm eine Bewegung. Er motorte eilends ins Innere der Bucht. Der Schlauch kam nun unvermittelt weiter auf uns zu, folgte dem Wolkenband mit dem Wind von Süden nach Norden, das sich einfach nicht bewegen wollte.
Es sind genau diese Momente, in denen ich an das Interview in unserem Buch GEWITTERSEGELN denke. Nein, eine Bucht ist bei Gewitter nicht unbedingt sicherer. Es ist eine trügerische Sicherheit, die sie verspricht. Ich? Hatte meine Entscheidung getroffen. Und saß fest. Ich konnte nichts tun, als den Schlauch weiter zu beobachten, der da auf uns zukam. 
Ich gebe gerne zu: Ich vergaß in diesem Moment zu fotografieren. Es war kein großer mächtiger Tornado. Aber wenn sich eine Windhose genau auf Dich zubewegt und Du nichts mehr tun kannst, nicht weglaufen, nicht wegducken, hat man anderes im Sinn als den Auslöser zu drücken.
Die Windhose kam auf ein Fußballfeld heran. Wirbelte, wand sich – und neigte sich plötzlch aus einem unerfindlichen Grund nach rechts, dem felsigen Ufer in der Bucht, 75 Meter von mir. Im selben Moment, in dem sie die Felsen berührte, verschwand der Schlauch. Er zog sich langsam nach oben zurück, in die Wolke, wo von ihm nichts blieb, wie Wolkenfetzen, die wie Qualm aus einer Mündung waberten.

Nichts blieb vom Schlauch als nur ein kreiselnder Wirbel am Himmel, der langsam in sich verwehte. Und erstarb.

Das Ende meiner Geschichte? Das Wolkenband stand für etwa eine Stunde fest über der Bucht am Himmel. Weitere Mammatus-Wolken bildeten sich in ihr. Genau über der Bucht. Ich zählte an diesem Nachmittag insgesamt acht verschiedene Windhosen, die rings um die Bucht aus dem Wolkenband entstanden. Aber keine von ihnen kam uns so nahe wie die eine.

Jetzt in Druck – erscheint Ende September 2017:

SV Makaio – Stephanie Seifert AT

FRIESLAND HAT ÜBERALL EINE WATERKANT

Heute haben wir wieder mal ausgeschlafen und sind dann von unserem Inselplätzchen wieder in den Prinses Margriet Kanal eingebogen.

Stephanie Seifert

SV Shalom – Christoph Vougessis GER

AUFBRUCH NACH EUROPA

Moin Herr Foerthmann!
Zeit für ein Update: Seid 5 Tagen bin ich nun auf See. Gestartet von der lieblichen Azoreninsel “Graciosa”. Da ich Motorprobleme hatte, bin ich nicht, wie zuvor angekündigt, zurück nach Faial gesegelt, sondern in Praia do Graciosa geblieben.

Christoph Vougessis

Sommertour – Tage 17 bis 20 – Rödby, Port Olpenitz, Höruphav & Minde

Das Video zum Blogbeitrag

Jetzt gilt es den Rückweg anzutreten. Mein aktueller Standort ist Kühlungsborn und ich möchte nach Minde in der Flensburger Förde. Dazu habe ich viereinhalb Tage Zeit. Ich denke über zwei Möglichkeiten nach:

Die attraktive Variante: Über Gedser und den Guldborgsund in die Smalandsgewässer. Von dort über Langeland und Äerö in die Flensburger Förde.
Vorteile: Landschaftlich attraktiv, Route mir bisher noch unbekannt
Nachteile:  zeitlich länger, Wasserstand im Guldborgsund bei Westwind niedriger als üblich. Und zurzeit herrscht West 5-6!
Die kürzeste Variante: Über Burgstaaken und den Fehmarnsund nach Damp oder Schleimünde. Dann von dort in die Flensburger Förde
Vorteile: Kürzeste Strecke
Nachteile:  Nicht Neues, Wind passt derzeit noch nicht
 
Eigentlich möchte ich sofort losfahren. Alleine rumhängen und auf den richtigen Wind warten ist nicht so mein Ding. So bin ich dann auch um Punkt 0800h wach und mache das Boot klar zum Auslaufen. Im Hafen fühlt es sich noch entspannt an, der Blick durchs Fernglas zeigt mir aber einige wenige Segelboote, die sich in den vielen Wellenkämmen feststampfen. Und die haben noch nicht einmal Fehmarn anliegen. Ich ziehe noch einmal das Wetter zu Rate. Wellenhöhe 1,50m. Kommt hin. Wind aus West auf Nordwest drehend. Mein Kurs von 315° nach Burgstaaken ist so Utopie. Bliebe Gedser. Ich mache mir allerdings ein wenig Sorgen um den Wasserstand. Die Aussagen was den möglichen Tiefgang im südlichen Teil des Guldborgsundes angehen sind widersprüchlich. Und bei starkem West sollen dann noch einmal 60 Zentimeter fehlen. Hmm. Außerdem soll der Wind ab morgen Mittag für ein paar Tage auf Süd-/Südost drehen. Das wäre wiederrum ideal für die Variante zwei und nicht so toll für Langeland Richtung Süd aus Variante eins. Bevor ich mich totgrübele bezahle ich im Hafenbüro für eine weitere Nacht. Die Idee vor dem Wind und eventuell mit Spi nach Flensburg zu rauschen ist einfach zu verlockend.

Unterwegs nach Rödby

Der nächste Morgen beginnt schwachwindig. Ich kann mich tottrimmen, mehr als manchmal 2,5kn sind nicht drin. Meist jedoch unter 2kn. Dazu steht noch eine alte Dünung gegenan, die das Boot zusätzlich bremst. So wird das nichts. Ich starte meinen Außenborder, den ich mir ja genau für diese Zwecke angeschafft habe um meinen Diesel zu entlasten. Und bin mit 5kn unterwegs. So lässt sich das aushalten. Das Gedröhne nervt allerdings und ich suche Beschäftigung zur Ablenkung. Am Ende halte ich mich lange mit den Fenstern auf, die seit einiger Zeit etwas undicht sind. Kein Wunder, sind doch eine Menge der Schrauben lose. Vibrationen, arbeitet das GFK? Schwer zu sagen, aber ich bekomme sie alle wieder fest und hoffe, das nun beim nächsten Regen hier Ruhe herrscht. Irgendwann erstirbt der Motor. Der Außentank ist leer. Ich fülle nach. Doch kurz danach setzt eine leichte Brise ein. Leicht raumschots. Ich habe genug vom motoren und bereite den Spi vor. Umlenkblöcke hinten, Schoten nach vorne, Topnant, Spibaum, Spifall, Spisack befestigen und Schoten und Fall anschlagen. Immer jede Menge Action. Ich begehe jedoch den Fehler, den Spi zu ziehen ohne richtig vor den Wind zu gehen. Der Wind kommt fast halb und ich habe nun einen Ballon an der Seite der ordentlich an den Schoten zieht, die auf dem Vorschiff nur durch meine Hände laufen um sie zu bändigen. Kurskorrektur und hin und her an Deck. Einhand ist das etwas knifflig. Am Ende steht der Spi gut und zwei Brandblasen zieren meine Finger. Naja, wieder was gelernt. Oder besser memoriert. 

Den Kampf gegen den Spi gewonnen
Nun läuft das Boot endlich gute 4,5kn, doch leider kommt der scheinbare Wind genau halb. Und sobald eine Bö einfällt, fällt dann auch der Spi ein. Es ist also steuern per Hand angesagt. Rödby ist so nicht anzulegen, aber wie so oft raumt der Wind im Laufe der Zeit und es passt dann doch. Jetzt muss ich nur noch meine Einfahrt in den Fährhafen timen, denn eine Fähre nach der anderen kommt in oder verlässt den Hafen. Ich quere erst einmal die Einfahrt um auf der Backbordseite um den Molenkopf zu witschen, sobald Platz ist. Passt sogar ganz gut, und direkt hinter eine ‚Fähre laufe ich mit stark quer setzendem Strom ein. Die Fock hilft dabei meinem 10PS Dieselchen. Im Yachthafen ist jede Menge Platz und ich gehe an einen Ausleger. Rödby. Traum meiner Jugend. Puttgarden-Rödby, war unsere Urlaubsroute nach Dänemark. Wie oft stand ich auf der Fähre und habe auf die See gestarrt. Habe zu Hause Anlegen gespielt. Mit Wäscheleinen. Ich hätte einen Leinentick, sagte meine Mutter dann stets. Das Segeln lag mir wohl damals schon im Blut. Hier in Rödby vermisse ich meine verstorbenen Eltern sehr. Gerne hätte ich sie an Bord dabeigehabt, jetzt wo der Junge ein Mann geworden ist. Angerührt von den Erinnerungen buche ich ein Fährticket und fahre einmal nach Puttgarden und zurück. So wie früher. Und esse den Klassiker: Fischfilet, Pommes und Remoulade. Der Yachthafen ist hässlich aber doch irgendwie charmant. Fühle mich dort wie ein Berufsschipper. Und da ich ja nicht zum Spaß hier bin, sondern morgen früh weitermuss, passt das schon so. Ziel für morgen? Bagenkop oder Marstal. Mal sehen. Meine Pläne halten auf dieser Tour ja selten länger als einen Tag.

Die Einfahrt nach Rödby
Und wieder einmal kommt es anders. Morgens höre ich den Wetterbericht. Ab dem späten Nachmittag soll es gewittern. Es gibt eine Böen Warnung der Stärke 9 mit lokalen Unwettern und auf West drehenden Winden. Sprich gegen an sollte ich in Bagenkop oder Marstal liegen. Also ziehe ich die Karte zu Rate. Es wäre ja fast besser gewesen, wenn ich den Fehmarnsund gewählt hätte und heute bis Kiel und dann nordwärts fahren könnte. Hätte, hätte. Ich wähle Schleimünde als Tagesziel. Ist mit 45sm zwar etwas weiter weg, aber ich hätte viel West gutgemacht und könnte bei weiterem Westwind die Flensburger Förde erreichen und zur Not bis Minde kreuzen. Der Kurs sieht auf der Karte ganz spannend aus. Einmal quer hinüber und durch einige Routen der Berufsschifffahrt. Mit der aufgehenden Sonne lege ich ab. Der Wind kommt achterlich mit 5-6Bft. Ich fahre im 1. Reff und mit der Rollfock kann ich feinjustieren.
 Rauschefahrt gen West
 La Mer rennt auch gut los und wir sind ständig mit über 6kn unterwegs. Das schafft natürlich etwas weg. Und so purzeln die Meilen. Auch das etwas Katz- und Mausspiel mit zwei großen Tankern vertreibt die Zeit. Dem ersten fahre ich direkt hinter dem Heck vorbei, dem zweiten dann weit vor dem Bug. Es ist immer wieder schwer einzuschätzen, wie schnell und in welche Richtung genau die großen Dampfer fahren. Oft fühlt es sich lange wie eine stehende Peilung an und am Ende ist man doch mehr als eine Meile am Kreuzungspunkt der Kurse voneinander entfernt. 

Am Heck vorbei 

Dann liegen auch, wie überall in Dänemark, überall Netze aus. Sogar fast direkt neben der rot-weißen Tonne. Der Wind schwächelt, brist dann aber wieder auf. Die Welle wird nach der Abdeckung Fehmarn steiler. Alles in allem wieder ein Schaukeltörn mit gutem Speed. Die letzten Meilen ziehen sich dann mit nachlassendem Wind. Der Wetterwechsel steht an. Ich laufe nach Port Olpenitz. Schleimünde ist eventuell voll und ich möchte dort nicht bei Böen der Stärke 9 mit nur einer Heckleine zwischen einer Menge Urlaubsskipper verbringen. Olpenitz hatte ich in sehr schlechter Erinnerung. Musste dort einmal viel Geld für keinen Strom und keine Sanitärgebäude bezahlen. Aber nun scheint die Marina fertig und ich werde auch sehr herzlich empfangen. Es folgt ein Rundgang durch Sanitärgebäude wie aus dem Schöner Wohnen Heft. Komplette Einzelbäder mit Edeldusche oder gar Badewanne. Toiletten und Waschräume in Top Qualität. Wer das sauber halten soll, wenn es mal brummt? Oder wie lange die Schlangen vor 2 Duschen dann werden? Egal, ich genieße den Luxus. Der kostet zwar Extra, dafür ist der Liegeplatz für die Nacht mit €11,50 sehr günstig. Ein Toilettengang wird auch mit €0,50 berechnet. Schräg, aber es soll bald auch eine kostenlose Alternative geben. Dann allerdings ohne Luxus. Dann kann man selbst entscheiden. Wie auch immer, ich mache um 1800h mitten im Regen und Gewitter kurz die Augen zu und erwache gegen 2200h. Und drehe mich direkt wieder um. Strecke segeln macht müde.
 Gewitter im Hafen
 Luxusdusche in Port Olpenitz
Die nächsten beiden Tage bieten Standardsegeln im Heimatrevier. Der Wind kommt wirklich aus West und ich laufe nordwärts bis Höruphav. Ich liebe diesen Hafen und den SuperBrugsen im Ort. Es wird feinstes Sommersegeln endlich einmal in stabiler Lage am Wind. Nicht schnell aber tiefenentspannt. Denn den Termindruck bin ich hier schon los. Nach einer ruhigen und satten Nacht folgt dann das letzte Stück bis in meine Heimatmarina in Minde. 

 Am Wind nach…

 …Höruphav

Noch einmal hat Rasmus auf Regen und Wind geschaltet, was wir nun aber auch egal ist zumal der Wind achterlich einfällt. Da ich keine Lust auf Stress am Ende habe fahre ich im 2. Reff raus und reffe dann immer mehr aus, bis ich am Ende noch mit einem schönen Butterfly gen Minde laufe.

 Vor dem Wind nach…

…Minde

 Ich fange während der Fahrt schon an, das Boot aufzuklaren. Denn nach 4 Wochen an Bord heißt es nun Abschied nehmen. Mein Auto steht noch auf dem Parkplatz und eine Stunde nach Ankunft in einem Saisonhafen bin ich damit unterwegs nach Hamburg. Es liegen großartige, ereignisreiche, stürmische, sonnige, regnerische, glückliche und anstrengende Tage hinter mir. Die Ostsee hat uns alle ihre Seiten präsentiert. Mir kommt es vor als sei ich Monate unterwegs gewesen. Toll. Aber nun warten erst einmal andere Aufgaben auf mich. Und die beste Ehefrau der Welt. 

 
Das Video zum Blogbeitrag

Wir in Finnland

Was geht und was nicht geht

Wenn einer mal wieder ein schönes Foto von mir macht, dann ist das Nathalie oder Sohn Julian. Is halt so. Das nehme ich doch glatt zum Anlass für ein bisschen Narzissmus. Doch bevor ich damit anfange erst einmal ein Hoch auf MARLIN, meine Crew, Nathalie und die Kinder.

Freundin Sabine hat mal geschrieben, dass wir ja eine absolute Vorzeigefamilie wären. „Hähä? What’s that?“ geht es mir direkt durch den Kopf. Wir? Warum grade wir? Ich schunkel mit der MARLIN durch die Weltgeschichte, Nathalie arbeitet sich durch das Krankenhaus, wir sehen uns definitiv zu wenig und nach zwanzig Jahren, nun, ist man nicht mehr ganz so verliebt wie nach drei Wochen. Is doch klar. Oder Sabinchen? Vielleicht war es gut, dass wir eben doch nie vor den Traualtar getreten sind, so wie viele andere unserer Freunde, die sich dann später getrennt haben. Was uns als Familie wohl am meisten zusammenhält sind unsere Töchter und die gemeinsame Zeit unter Segeln. Schweißt eben doch zusammen.

Und da sind wir. Angekommen in den finnischen Schären. Die Großstadthektik der russischen Saint Petersburg Metropole liegt bereits 147 Meilen hinter uns, die wir größtenteils im Schneckentempo gen West gesegelt sind. Wir mussten in Europa wieder einklarieren, was definitiv einfacher war als in Russland. Aber wir brauchen ja nun auch kein Visa. Der Wind war grade gut, also sind wir einfach weiter gesegelt Richtung West und haben uns eine kleine Schäreninsel gesucht. Bestens, skandinavisch ausgerüstet. Toilette, Verhaltensregeln auf Finnisch, also nicht für uns, ein Grillplatz, Birken-Grillholz, zwei Äxte, Handsäge und Halterung. Wie hieß das noch? Sandoen. Merken. Gut. Nicht bewohnt.

Lena gibt alles und sägt die Baumstämme in ellenlange Stücke. Gar nicht so einfach für die 20kg heranwachsende Dame. Kaum haben wir unsere Grillgut verzehrt, schlagen drei gutgenährte Finnen auf, die ihr Zelt neben dem Grillplatz, aufgebaut haben. Mehr mit Händen als verbal, freunden wir uns an und erfahren die wichtigsten Sachen. Es gibt Fisch und den fängt man mit Wurm auf 20m Tiefe. O.K. „Der arme Wurm!“, meint Vegetarierin Lena direkt. Den Namen des Fisches habe ich nicht verstanden. Sah aber aus wie junger Dorsch, den die Finnen in Mehl und Sanlz gewendet haben. Ein kleine Plastikglas findet seinen Weg an meine Seite. „Cognac?“, nickt der Finne mir zu. Ich nicke zurück. Das Spiel wiederholt sich ein paar Mal. Dann fahren meine Kinder das Dinghy zur MARLIN zurück und Papa geht heute früh schlafen. Nun. Schlafen soll ja gesund sein.

Das war Gestern. Heute sind wir schon wieder zwanzig Meilen weiter westlich. Mir ist etwas mulmig beim Intercostalfahren. Das meint innerhalb der Schären. Immer noch habe ich das Rumpeln der MARLIN auf den Steinen in Aaland im Hinterkopf. Also stehe ich die ganze Zeit in Hab Acht Stellung im Pilothaus, am Steuerstand, vergleiche verschiedene Kartensysteme mit den Anzeigen des Echolots. Aber alles ist gut. Alles korrekt. Vor allen Dingen, wenn man sich an die vorgegebenen Wege hält die als gestrichelte Linien in den Karten verzeichnet sind, kann eigentlich nichts passieren. Man fährt meist von einer Kardinaltonne zur nächsten. Maya kennt das alles schon. Lena kontrolliert mich auch die ganze Zeit. „Papa. Du fährst nicht genau auf der Linie.“ Also alles im Lot. Na ja. Haben wir ja auch schon mal gemacht.

Der Anker fällt in der geschützen Bucht von Granskaer. Landgang. Hier stehen viele Häuser, die ja in privatem Besitz sind. Das finnische Gesetzt sagt, man darf überall anlanden. Aber komisch ist das schon wenn immer wieder plötzlich nackte Finnen aus dem Unterholz kommen. Also eigentlich kommen sie eben nur grade aus ihrer Sauna. Wir entscheiden uns die Wege zu den Fähranlegern als öffentlich einzustufen. Das geht auch gut. Beim Spazierengehen nur nicht stehenbleiben, dass nutzen die Mücken direkt aus um über einen herzufallen. Grade zum Sonnenuntergang. Kennen wir schon in den Tropen. Da ist aber der Sonnenuntergang nicht so lang wie hier. Kratz, Kratz…

Nathalie und ich sitzen beim obligatorischen reimportierten Rotwein, als ein Ankerlicht auf uns zukommt. „Der will aber nah ankern. Ist doch gar kein Platz hier neben uns.“ „Bsstbsst“ macht es auch noch das andere Segelboot. „Schau mal. Sogar kleine Positionslichter neben dem Ankerlicht.“ „Das ist eine Drohne. So. Jetzt reicht es aber. Man weiß ja nie wer die fliegt und wer einem jetzt ins Cockpit schaut.“ Ich denke, ich werde mal wieder eine Gummifletsche bauen. Das macht doch bestimmt Spaß. Drohnen schießen. Wir gehen ins Bett. Das mit dem Narzissmus verschiebe ich auf morgen.

 


 

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Umfrage: Welche Energiequellen sind für Deine Blauwasseryacht die richtigen?

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Wo sind die Pontons ?

Diese Frage habe ich mir gestern gestellt, als ich nach gut 9 Stunden Fahrt in Batsfjord angekommen bin. Es war mittlerweile halb zehn abends und schon ziemlich dunkel, als ich in den großen Fischerei- und Frachthafen eingelaufen bin. Laut meinem für teures Geld gekauften Revierführer (1000 Orte und so weiter) sollen hier am Ende des Hafenbeckens drei Schwimmstege sein, die der örtliche Bootsclub für seine Mitglieder aber auch Gäste bereitstellt. Als ich dann das Ende des langgezogenen Beckens erreiche schaue ich erst mal blöd drein. Denn da is außer Wasser nix. Noch einmal schaue ich auf der Karte nach, ob ich nicht vielleicht in den falschen Fjord eingebogen bin. Aber ich bin richtig, nur die besagten Stege fehlen. Das einizge was noch da ist sind die alten die alten Zugänge zu der Anlage an Land. „Watt soll der Scheiß jetzt ?“, knötere ich prompt. Außerdem schwillt mir langsam der Kamm. Den das Revierhandbuch bietet nicht zum ersten mal falsche bzw. unzureichende Infos. Gut das ich noch Ersatz von Judy Lomax und den großen grünen Havneguide habe. Den darin finden sich gleich zwei Hinweise auf einen weiteren Steg im nördlichen Becken des Hafens. Also drehe ich um 180 Grad und fahre in das kleine Becken. Dort dann tatsächlich ein Schwimmponton mit Fingerstegen. Allerdings sind alle Plätze durch Fischerboote besetzt. Nur am Kopf der Anlage finde ich noch ein Plätzchen. Hier sind zwar auch Fender angebracht und es liegen einige Leinen auf dem Ponton, aber das ist mir jetzt echt Latte. Also festgemacht und erst mal durchgeschnauft. Die Fahrt war zwar nicht besonders lang aber wegen des wechselhaften Winds und vor allem der Kälte anstrengend. Um 13 Uhr war ich aus Vardoe aufgebrochen und mit der aufkommenden Tide und Brise Kurs 315 Grad gefahren. Da der Wind mal wieder genau vom Popo weht, nur mit ausgebaumter Genua. Schmetterling geht mit Windpilot und der trotz schwächelndem Wind ordentlichen achterlichen Welle nicht wirklich. Dann ist der Wind an, aus, an, aus. Erst am späteren Nachmittag stabilisiert sich die Brise und damit auch unsere Fahrt. An Backbord zieht die schroffe und bergige Küste vorbei. Zwischendurch geht’s immer wirder mal in einen Fjord. Sehr schön und imposant zugleich. Unter Deck ist es derweil mal wieder wie im Kühlschrank. Aber so iss datt nun mal im hohen Norden und ich will da nicht zu viel meckern. Etwas später taucht dann hinter mir die „Konig Harald“ auf. Ein Schiff der Hurtigrutenflotte, das genau auf mich zu halten. Also funke ich vorsichtshalber mal den Kapitän an der sich auch brav bedankt. Scheinbar haben die mich tatsächlich noch nicht gesehen. 30 Minuten später zieht der Koloss dann ebenfalls backbord an mir vorbei. An Deck ein paar versprengte Touristen die mir freundlich winken. „Was es da wohl heute zu essen gibt ?“, frage ich mich wie üblich kurz. Im Batsfjord, der zu gleichnamigem Ort führt, weht der Wind dann wieder genau auf die Nase. Also nutze ich für die letzten 5 Meilen den Jockel, bis sich im Hafen oben genanntes zugetragen hat. Als ich an Land bin suche ich auf den umstehenden Fischerbooten nach irgendjemandem, der mir Auskunft geben kann, ob ich hier stehen bleiben kann. Ich habe nämlich kein Bock mitten in der Nach geweckt zu werden und dann hier rumzumanövrieren. Aber obwohl auf den Kähnen alle Lichter brennen, die Plotter brummen und sogar ein Radio läuft, sind keine Menschen an Bord. Vielleicht hängen die gerade in dem nahen Pub rum, der auf der anderen Seite des Hafens Licht macht. Also suche ich weiter und finde in einer kleinen Holzbaracke Eugene. Ein Ukrainer der gerade mit seiner Familie chattet. Dazu stehen eben diese Holzboxen im Hafen rum. Darin Strom, ein Tisch mit Stuhl und viel Charme der 70er. Ich frage also ob mir Eugene helfen kann und ob ich da wovich bin bleiben kann. Eugene sagt alle 5 Sekunden OKAY, bis ich irgendwann bemerke, dass er mich überhaupt nicht versteht. Geil. Dafür kann ich meine neu erlernten russischen Sprachbrocken jetzt nutzen, um mein Problem zu schildern. Und siehe da, er will sich bei seinem eigenen Kapitän erkundigen und mir morgen Bescheid geben. Er selbst ist nämlich auf einem der vielen russischen Trawler Matrose, die hier im Hafen vor sich hin stehen und teilweise rotten. Heute morgen war er dann auch tatsächlich da. Ich könne bleiben, müsse aber bei der Polizei einklarieren. Geld gebe es um die Ecke beim Automat und ein Supermarkt sei auch nicht weit. Sehr nett und hilfsbereit die Russen (oder Ukrainer), wie üblich. Das mit dem Einklarieren ist allerdings Kappes. Denn erstens reise ich ja nicht ein und bin außerdem Bewohner des Schengenraums. Anyway …

Der Ort ist wie Vardoe, urig und rau. Der Supermarkt ist gut sortiert und in der Bäckerei kann man sich so viel Kaffee reinschütten wie hineinpasst. Jetzt sitze ich Carpes Bauch während es leise tröpfelt und bei der gegenwärtigen Flaute plötzlich sehr warm ist. Merkwürdig. Morgen früh geht’s dann für mich los Richtung Nordkap. Gute 90 Meilen will ich entlang der Nordküste segeln, um dann abzufallen und den Hafen von Honningsvag anzusteuern. Der liegt an der südlichen Küste des „Nordkap“ Inselchens. Ob ich das Kap anschließend wirklich nördlich runde, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Erstens wäre das ein ganz schöner Umweg. Und zweitens bin ich ja ohnehin schon die ganze Zeit auf dem Breitengrad des Kaps unterwegs. Im Grunde wäre das nur für die Galerie und ein weiterer Felsen den ich an Backnord liegen lasse. Der Weg durch den Sund im Süden ist zudem kürzer und ruhiger. Denn bei dem angesagten steifen Wind der nächsten Tage wird’s mit der Welle auf See aber insbesondere am steil aufsteigenden Festlandschelf schon wieder ganz schön knackig. Also dann. Wir werden sehen .. bis denne .. Ahoi !

Gudrun Calligaro – 10.05.1948 – 04.08.2017

NACHRUF AUF EINE SEGLERIN MIT GROSSEM HERZEN

Es ist 30 Jahre her, dass ich auf meinem Messestand auf der Boot ungewöhnlichen Besuch erhalten hatte. Eine freundliche Dame mit High Heels und Nylonstrümpfen mit Mittelnaht wollte sich zum Thema Windsteueranlagen beraten lassen. Na gut, so dachte ich damals, warum sollten sich denn nicht auch dem Segeln fremde Damen zum Thema Segeln interessieren? Meine Überraschung stieg, als Gudrun dann – so ganz am Rande der Unterhaltung – bemerkte, dass sie den Plan habe, mit einer Arpège zur grossen Reise aufzubrechen. Ja Donnerwetter – so dachte ich damals – jetzt wird’s bunt, sind wir nun schon soweit, dass „Sekretärinnen“ im Business Look um die Welt segeln? Das Gespräch endete mit einer Unterschrift und den materiellen Folgen, die wenig später, hübsch verpackt, an ihrer Tür in der Nähe ihres Arbeitsplatzes bei den Autos vom anderen Stern klingelten.

Danach die grosse Stille. Zur Erinnerung: es war die Zeit, als man Grüße noch in Postkarten Form verschickte, mit exotischen Briefmarken vorne drauf. Diese Karten waren damals die schönste Form von Anerkennung für einen Windsteueranlagen Fritzen wie mich. Unter den hunderten Grüssen, die mir der Postman damals in den Kasten steckte, war irgendwann im Jahre 1989 eine Karte von Gudrun aus New Zealand. Darin der Wortlauf: Hallo Peter Foerthmann, hätten Sie das gedacht? Gudrun brauchte damals eine Schubstange, weil dies Bauteil im schweren Sturm den Geist aufgegeben hatte. Als die MÄDCHEN im Jahre 1990 über die Kieler Förde kreuzte, hatte ich mir die Geschichte unseres Kennenlernens bereits zu obiger Anekdote verdichtet, frei nach dem Motto: wie man sich doch täuschen kann! Seit 1990 hängt Ihr Bild bei mir an der Wand.

Gudruns Liebe gehörte der weiten See, der sie lebenslang ausführliche Besuche abgestattet hat, obwohl sie doch so weit entfernt von der Küste wohnte. Vermutlich wird es nicht viele Frauen bei uns geben, die vergleichbar viele Meilen hinter sich gelassen haben. Alleine, oder mit Kindern, Hauptsache unter Segeln, die meiste Zeit mit ihrer treuen alten Dame MÄDCHEN, mit der sie im Verlauf von 3 Jahrzehnten zu einer Einheit geworden ist, die nun traurig in Grossenbrode an den Leinen zerrt und vermutlich darüber sinniert, ob es ein Leben nach Gudrun geben wird, denn ich habe von Vereinsfreunden gestern erfahren, dass Gudrun zur letzten grossen Reise angetreten ist.

In traurigem Gedenken
Peter Foerthmann

SV de Pelikaan – Vincent Diephuis NED

1100 TAGE WELTREISE – EINE FAMILIE UND EIN SOLIDES SCHIFF

Sehr geehrter Herr Foerthmann,
wir moechten Ihnen gerne mitteilen, das wir sehr zufrieden mit unserem Windpiloten sind und Ihren immer schnellen Antworten und Service.
Mit freundlichen Gruessen,
Vincent Diephuis S/Y De Pelikaan

SV Tuvalu – Hans Geilinger ES

DUFOUR 40 MIT PACIFIC – DAS FÜNFTE JAHR IM PACIFIC

Lieber Peter
Unsere Bewunderung fuer Deinen Windpilot waechst immer noch taeglich. Er steuert uns souveraen uebr 4 Meter hohe Wellen. Bei normaler Fahrt von so um die 7 Knoten beschleunigt TUVALU dann ab und zu auf dem Wellenkamm, und kommt mit Spitzen bis zu 11 Knoten ins Gleiten. Unten vibrierts und schlingerts dann etwas, aber der WINPILOT meistert alles ohnen Probleme und ohne zu klagen. Definitiv die wichtigste Anschaffung die wir fuer die grosser Fahrt gemacht haben. Gratuliere!!!!
Mit lieben Grüßen
Hans WEITERLESEN