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Hayling Island, UK: Am Gründonnerstag auf Levje II. Oder: Wie man in England sein Boot lagert.




Mit England verbinden die meisten Menschen schlechtes Essen, schlechtes Wetter, ein teures Pfund und den Brexit. Alles Bad News also. Weil ich mit 16 zum ersten Mal auf der Insel war und damals von allen genannten Punkten das gerade Gegenteil dort erlebte, mochte ich das Land. Ich war beeindruckt von der Freundlichkeit der Menschen auf der Insel, die ich so nicht kannte, und von der Gastfamilie, bei der ich damals untergekommen war und die sich mühte, mir nur die besten Seiten dieses Landes zu zeigen. Man kann einem Land nicht gleichgültig gegenüber sein, wenn man bei der ersten Begegnung derart  eingeführt wurde. Als ich im Spätsommer die Bretagne erreicht hatte, waren die Liegeplätze dort rar, ich beschloss, für Levje in Südengland einen Winterliegeplatz zu suchen, sie dortzulassen und nachzuholen, was ich all die Jahre im Kopf gehabt hatte. Dieses England, das ich so mochte, einfach richtig kennenzulernen.

Ich habe nie das Ende meiner Reise vom vergangenen Sommer erzählt. Nach Alderney (siehe den vorvorigen Post!) segelte ich über den Ärmelkanal zur Isle of Wight. Und dort begann ich meine Suche nach einem Liegeplatz, wo ich Levje den Winter über lassen könnte. Südengland bietet vor allem teure Liegeplätze an. Aber weil Schnickschnack nicht mein Ding ist, suchte ich nach einer einfachen Lösung. Und fand sie auf einer Insel, auf Hayling Island, wo der 73jährige Barry und der 80jährige Dave einen kleinen Boatyard betreiben: Wilsons Boatyard.

Ich hatte mir verschiedene Liegeplätze vorher angesehen. Aber am besten gefiel mir Wilsons. Ein kleiner Marinabetrieb an einem Gezeitenfluß, ein sauber aufgekiestes Areal, und statt der üblichen Gestelle mit Balken abgestützte Boote, so, wie man eben seit der Antike Boote mit Holzstützen aufstellt. 

Die Sache hatte nur einen Haken: Die Werft liegt an einem Gezeitenfluss. Bei Flut ähnelt er mehr einem See. Bei Ebbe ist er nur ein Rinnsal, das keine 30 Zentimeter breit ist. Sean, der Vorarbeiter, der mir die Werft zeigte, sagte, ich könne mit Levjes zwei Meter Tiefgang nur bei Springtide den Gezeitenfluss heraufbringen, eben einmal im Monat und nur dann, wenn Sonne Mond und Erde in einer Linie stünden und das Wasser am meisten anheben.

Die letzten 100 Meter vor der Werft: Die Gasse, durch die mein Weg führte, bei Springtide…

… und dieselbe Gasse sechs Stunden später: Die Boote liegen im Schlamm –
„mudberth“, Schlammliegeplatz, nennt man in England diese Art, sein Boot übers Jahr zu bringen.
Alles lief gut. Im September ließ ich Levje auf Hayling Island bei Dave und Berry und Sean zurück. Irgendwie war diesen Winter viel los, ich hatte es anders als in den Vorjahren nicht geschafft, einfach mal nach meinem Boot zu sehen. Sah nur die Stürme auf den Wetterseiten, die in beeindruckender Häufigkeit im Winter entlang der englischen Südküste ziehen.

Die letzten Tage vor Ostern hielt ichs nicht mehr aus. Bekloppt vor Sorge über mein Schiff, das womöglich unbeachtet am Land liegt. Beim Aufwachen stellte ich mir vor, wie mit jedem Regen Wasser ins Schiff oder gar auf meine Koje auf Levje trillt. Oder die Stürme die Persenning zerfetzt hatten wie in Sizilien.

Als ich ankam, lag die Persenning tatsächlich lose. Ein Sturm hatte alle Zeisinge zerrissen, die Plane lag sauber aufgetucht auf dem Baum. Unter Deck mochte die Batterie nicht so recht, aber das gab sich.

Vor allem anderen gefiel mir Hayling Island, eine kleine Insel östlich der Isle of Wight, die sich 16.000 Menschen mit einer Menge Wattvögel und Schlickwürmer teilen. Die Insel ist nur über eine Brücke erreichbar. Und eine von drei nebeneinanderliegenden Marscheninseln, die sich nordöstlich an die Isle of Wight anschließen: Portney Island. Hayling. Thorney. Alle drei sind als Inseln heute fast vergessen – jedenfalls macht keine von ihnen viel Aufhebens darum, dass sie einmal Inseln waren. Portney Island ist über drei Brücken erreichbar und von einer 200.000-Einwohner-Stadt bedeckt, die besser bekannt ist unter dem Namen Portsmouth. Hayling und Thorney sind wie Portney ein Fußball-Feld vom Festland entfernt und mit einer Brücke verbunden. Im Grunde genommen ist Hayling nichts anderes als ein Vor-Vorort von Portsmouth, mit dem es früher auch durch eine direkte Fähre verbunden war. Und damit auf den ersten Blick halt eben eine dieser Kleinstädte an der südenglischen Küste, von denen manche eine mondäne Vergangenheit haben, die längst verflossen ist, seit die Menschen eben nicht mehr im eigenen Land Urlaub machen.

Hayling ist, wenn man Mittelmeer-Inseln kennt, auf den ersten Blick nichts Besonderes. Auf den zweiten Blick schon. Man muss die Insel mögen, wenn man England mag. Die Parklandschaft auf der Insel mit den Eichen am Ufer. Der Fasan, der aus dem Gebüsch am anderen Ufer ruft. Die Freundlichkeit der Menschen, die eigentlich keine Inselbewohner mehr sind, und die mich genauso erstaunt wie vor 42 Jahren. 

Vom Flughafen Gatwick ist man per Bahn und Bus in eineinhalb Stunden auf Hayling Island. Die Sonne schien, als ich ankam. Es war wärmer als daheim, der Löwenzahn blühte eine Woche, bevor er daheim ausschlug. Auf Daves und Barrys Boatyard brummte und


summte es vor Bootseignern, die ihr Boot für den Ostertörn vorbereiteten. Nur Dave, der 80jährige, der vor einigen Jahren das Skifahren ausprobiert und in Chamonix seine Leidenschaft dafür entdeckte hatte, wo er im Pflug (!) mit 80 (!!) letztes Jahr die Hänge


hinunterwirbelte, war traurig, weil ihn seine Schulter nicht recht ließ. Der 73jährige Barry werkelte an seinem Boot. Ich lernte Sandy kennen, der mir voller Stolz seine Dehler 34 zeigte, nicht ohne hervorzuheben, sie wäre ein direkter Nachfahre der DB I (unter Kennern: Jenes Bootes, dem Willi Dehler seinen Ruf als Werftbauer schneller Boote verdankte). Es ist ein nettes Völkchen, das da auf Hayling Island schleift und schmirgelt und spachtelt. Und sich in nichts an diesem Gründonnerstag vom Treiben in einer x-beliebigen Werft in Italien oder Griechenland unterscheidet.

Und das mit dem schlechten Essen, dem schlechten Wetter, dem teuren Pfund und dem Brexit? Das vergessen wir mal alles grob. Es wird höchste Zeit, Segeln zu gehen. Und die Vorurteile dahin zu verbannen, wo sie hingehören. Am besten ganz zuunterst in die Backskiste.

Das Eingangsbild dieses Posts, nur bei Ebbe. Brav sitzen die Schiffe im Schlamm wie Dromedare, die auf ihre Herren warten.












Südsee-Alltag

Fr., 19.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1783, 17.385 sm von HH

Die Tage verrinnen. Der Insel-Alltag ist geruhsam, aber ausgefüllt. Manchmal regnet es – nein, es schüttet. Innerhalb von zwei Stunden sind unsere Wassertanks voll bis zum Überlaufen. Fünfhundert Liter gefangen mit ‚German Engeneering‘. Alle zehn Tage kommt eine Schlechtwetterfront von drei Tagen Dauer durch.
An solchen Tagen verschwatzen wir den Vormittag bei unseren netten Schweizer Nachbarn oder erledigen ein paar Reparaturen. Das Dinghy Cover brauchte ein paar Flicken und Achim hat endlich den Fehler beim Außenborder (the Bitch, wie er das Teil liebevoll nennt) gefunden. Der Vergaser macht seit der Osterinsel-Reparatur keine Probleme mehr, trotzdem lief die Kiste noch immer nicht richtig. Hier in Gambier ist dann der Not-Aus-Schalter kaputt gegangen. Im Grunde ein Glücksfall, weil Achim jetzt den Fehler für den stotterigen Lauf des Motors entdecken konnte: Der Schlüssel vom Notaus hat nicht sauber die Leitung getrennt. Dadurch wurde die Zündung immer mal wieder kurz geschlossen und ‚The Bitch‘ lief unrund.
Ein neuer Schalter muss her, damit man beim Ausschalten des Außenborders keine geflankt bekommt. Unmöglich hier zu bekommen. Also hat Achim einen Kippschalter aus seinem Fundus eingebaut. Der hat genau drei Tage gehalten bis Salzwasser an den Schalter kam und der Schalter unter Strom stand. Eine neue Idee musste her. In meinem Nähkästchen fand sich ein alter Jackenknopf, der jetzt erfolgreich unser neuer Notaus-Schalter geworden
ist. Aus dem Boden einer Plastik-Dose in der mal Nüsse waren, wird ein neues Schauglas für die Tankanzeige am Tankdeckel, der schon seit Monaten zu Staub zerbröselt war.
Alles Schrott, was produziert wird, unser Außenborder ist nicht mal drei Jahre alt. :cry:

Neues Schauglas aus einer alten Plastikdose Das Dinghy Cover kommt in die Jahre Alter Jackenknopf als Notaus

Bei gutem Wetter gehen wir sammeln und jagen. Auf unseren Touren über die schöne Insel werden wir fündig: Chili-Schoten, Papaya, wilden Basilikum und sogar einen Kürbis können wir erlegen. Leider bereits im ersten Drittel der Strecke. „Ist nicht mein Lieblings-Gemüse. Wenn Du ihn willst, musst du ihn selber tragen“, lehnt Achim meinen Tragewunsch dankend ab. Dafür puckelt er mir zentnerweise Pampelmusen und Kokos-Nüsse an Bord.

Die anderen Inseln im Atoll müssen noch warten

Immer wieder schöne Aussichten

 

Und wir sind unter die Perlen-Sammler gegangen. Auf dem Festival konnte man für relativ wenig Geld Perlenschmuck kaufen. Leider alles im Oma-Style, Perlenketten halt, so gar nicht mein Geschmack. Dann gibt es hier noch eine Langzeit-Seglerin, die Perlenschmuck selber herstellt. Der ist moderner mit Lederbändern gefertigt, asymmetrisch aufgefädelt und ganz chic. Der Schmuck erscheint mir aber zu teuer zu sein.. 80 bis 190 USD soll dort ein Kettchen kosten. Wenn ich mir anschaue, wie inflationär bei der Dekoration für das Festival mit Perlen ‚um sich geschmissen‘ wird, können Perlen vor Ort nicht teuer sein. Hunderte von Perlen wurden mit der Heißklebepistole auf Muscheln und Stoff geklebt. Nun fällt diese Dekoration auseinander. Man braucht sich nur noch bücken und die Perlen einsammeln. :-) Diese sind natürlich nicht fehlerfrei, aber das sind die Perlen im Schmuck vom Fest und der Seglerin ebenfalls nicht. Jetzt muss Achim mir nur noch Löcher in die Perlen bohren.

schwarze Perlen sind grau, blau-grau oder anthrazit - unsere haben 1,2 cm Durchmesser und sind somit mittelgroß

schwarze Perlen sind grau, blau-grau oder anthrazit – unsere haben 1,2 cm Durchmesser und sind somit mittelgroß

Mit Heißkleber verklebte Perlen - im Hunderter Maßstab verarbeitet

Mit Heißkleber verklebte Perlen – im Hunderter Maßstab verarbeitet

Und es geschehen immer unerwartete Dinge: mal funktioniert das Internet für einige Tage nicht oder es kommt überraschend das angekündigte Versorgungs-Schiff einen Tag zu früh. Diesmal sind wir erfolgreicher beim Auffinden der angelieferten Waren und halten nachmittags echte Tomaten in den Händen. :mrgreen:
Dann wieder sieht Achim einen Menschenpulk an der Pier. Ein Muschelhorn erklingt. Was ist da los? Wir springen schnell ins Dinghy. Eine Karfreitags-Prozession läuft singend vom Hafen bis zur Kirche. Gefolgt vom Muschelbläser, der statt Kirchenglocke zum Appell ruft.

Muschelhorn statt Kirchenglocke Karfreitags-Prozession

Wenn wir nicht nach Essen jagen, fahren wir bei gutem Wetter mit den Kajaks. An Deck nerven sie ja schon etwas, denn genau genommen sind zwei Stück doch etwas viel für unser kleines Schiff. Aber es war ein großartiger Kauf, erweitern sie doch unseren Radius unglaublich.
Wir wollten schon längst die unbewohnten Nachbarinseln im Atoll besucht haben, aber auf Mangareva gibt es einfach zu viel zu tun. Und schlechtes Wetter wird in einer einsamen Bucht auch nicht besser. Das ist mit ein wenig Unterhaltung besser zu ertragen.

Kajak-Ausflug

Kajak-Ausflug

Das U-Boot RED PEARL alias MARLIN taucht wieder auf

{Time:16:42:00}
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{Title:Das U-Boot RED PEARL alias MARLIN taucht wieder auf}

Was in der Zwischenzeit passierte

Wir hatten eine tolle Zeit. Aber das hatte ich schon oft gedacht und dann gab es eine Bewertung bei handgegenkoje.de handgegenkoje.de, die mir die Fußnägel aufgerollt hat. Andreas Klein und Lena Sönnichsen haben mein Skipper-Leben verändert. Nun. Das war bestimmt ein Grund, der mich mental so unter Strom gehalten hat, dass ich etwas konstatiert gegenüber der Tastatur meines MacBooks war. Also fange ich den Absatz wohl besser noch mal von Neuem an – OHNE den alten Anfang zu überschreiben…

Ich hatte eine tolle Zeit mit meinen Mitseglern Olivia, Urs und Calle auf der MARLIN. Urs, der zumindest an der Oberfläche so tiefen-entspannt daherkommt, dass er alles im Sack hat, als eingefleischter patriotischer Schweizer; hat es sicherlich geschafft, ob gewollt oder ungewollt mag nun mal an zweiter Stelle stehen, ein Seemann zu werden. Ein Seemann muss nicht alles können an Bord eines Schiffes, sonder infiziert worden sein, mit den Planken die die Welt bedeuten. Nun haben wir keine Planken mehr an Deck, sondern solides Aluminium, die Auswirkungen allerdings sind die gleichen. Das er sein erstes Segelabenteuer direkt mit dem bekannten und berüchtigtem Skipper Wnuk hat, hat ihn dann wohl auch mit den richtigen Wassern gewaschen. Die Auswirkungen sind lebenslängliches Seefieber, was Urs noch nicht weiß, aber in den kommenden Jahren immer mehr zu spüren bekommt. Die Anwesenheit von Blume Olivia hat unser dreimännriges Leben an Bord verändert. Plötzlich sitzen die Herren der Schöpfung in T-Shirt am Frühstückstisch, die derben Sprüche über das andere Geschlecht fallen komplett anders aus. Nach einer kurzen Karenz Zeit entfaltet sich die Blume Olivia zur vollen Pracht und bestimmt den restlichen Verlauf der Reise nach dem Motto: Ich bin Profireisende! Ich will möglichst viel in den sieben Tagen an Bord erleben und mitnehmen. Urs nenn seine Bekannte liebevoll eine „Sympathische Schweizer Bergziege, die nicht stillsitzen kann.“ Und so gestaltet sich unser Weg. Zuerst einmal müssen grundlegende Bedürfnisse befriedigt werden. Nein, nicht was man so landläufig denkt. Es geht wirklich um aller vier Bedürfnisse. Tauchen und Kiten auf Union Island. Der Weg dorthin verschlingt eine kleine Ewigkeit. Ein wunderschöner Segeltag an allem vorbei was ich normalerweise besuche. Mayreau und Tobago Keys lassen wir links liegen. Bei Fregatte Island fällt der Anker. Calle muss schnell noch vor dem Abendessen einen Russenstart mit seinem Kite machen. Ich sichere ihn und lasse nicht los. Dafür habe ich ein paar Kratzer am Popo und Calle ist glücklich. Am nächsten Morgen gehen Blume Olivia und Urs auf Tauchstation. Micha und Calle hängen in den vier Leinen, die ebenfalls die Welt bedeuten, unter ihren Kites. Meine persönliche Erfahrung: Geil. Am nächsten Morgen der Muskelkater meines Lebens. Ich bin auf dem besten Weg mein Ziel zu erreichen, wieder an den Strand zu kommen, an dem ich bei ablandigem Wind gestartet bin. Alle vier treffen sich zum Sonnenuntergang auf der RED PEARL alias MARLIN. Das Abendessen ist der Hit. Alle tot vom Sport fallen um wie die Fliegen…

Man könnte Tage an diesem wunderschönen Platz verweilen, mein Calle, denkt Micha und vielleicht auch Urs. Aber es kommt anders. Wir verlegen an eine Mouring direkt hinter Happy Island in der Clifton Bay. Calle geht wieder aufs Brett, ich ins Dorf. Als die Sonne dem Horizont entgegenstrebt, vermute ich einen Sundowner auf Happy Island. Ich schrecke aus der Koje auf. Keiner zu Hause. Die farbigen Profi-Kiter machen ihre Kunststückchen am Happy Island. Die Menge grölt und jubelt. Urs war es doch so wichtig dabei zu sein. Hautnah. Blümchen und Ursli aber kommen erst später zurück vom Schnorcheln, haben dem Kite-Treiben aus der Schildkrötenperspektive zugeschaut. Versteh einer die Schweizer. Waren ihnen die Drinks zu teuer? Calle kommt auch irgendwann zurück. Ein Leinenunfall hat ihm einen Riesenknoten beschert. Er hat jetzt neue Freunde, die ihm beim Entknoten geholfen haben. Ich schmeisse die Spanish Makrel in den Ofen, ein paar Gewürze und Gemüse. Schon ist die Stimmung wieder da wo sie hin soll. Küchenchef Michael fällt tot um. Zuviel Kochwein?

Schnell sind wir da wo wir hinwollen. Schnell klarieren wir am nächsten Tag aus. Schnell segeln wir in die Tobago Keys. Schnell springt meine Crew ins Wasser und schnell gibt es eine Kleinigkeit zu essen aus Michas Küche. Wassersport macht eben hungrig. Das Lobsteressen gehört dazu und das der Skipper von der Bordkasse frei ist; mir ist es lästig das erklären zu müssen. Mir ist das unangenehm. Das ist einfach so. Faktum: Calle kommt nicht mit, Blume Olivia und Urs haben mit mir einen tollen Abend. Herzlichen Dank noch mal an dieser Stelle für die Einladung und Anerkennung meiner Dienste und Fähigkeiten als Skipper. War ein bisschen schwierig für alle. Heute. Zuviel schnell.

MARLIN reitet Olivia und CREW 54 sicher in die Prickley Bay. Als wir ankommen haben die Behörden schon zu. Nun gut. Dann bleibt meine CREW eben noch eine Nacht länger. No worries. Wir haben noch Hühnchen. Ich schmeisse den Druckkochtopf an und es gibt ein Sterne Abendessen dass mich selbst erstaunt. Normalerweise kocht Nathalie das Hühnchen in Kokosnussmilch.

Und um wieder den Faden vom Anfang aufzunehmen. Ich bewerte jetzt mal meine CREW 54, anstatt andersherum plötzlich an die Wand gestellt zu werden, zum Abschuß, so wie es Lena und Andreas von CREW 50 gemacht haben. Blume Olivia war mir zu schnell. Auch ein Profi-Reisender sollte sich Zeit nehmen. Die gleiche Reise hätte man auch in drei Wochen viel entspannter für alle erleben können. Es gab Höhen und Tiefen und alle haben das beste daraus gemacht. Es gab immer eine offene Kommunikation. Die CREW 54 gehört zu meiner Premium Crewerinnerung. Vier Menschen, die allesamt in einer Orientierungsphase sind, auf 40 Quadratmeter einzupferchen, ist ein Experiment. Das Experiment ist zu 95% gelungen. Saefty, Segeln, Essen und trinken war immer erste Sahne. Hey. Es war eine schöne Zeit mit euch. Gerne wieder. Fünf Sterne für meine Gäste. Punkt.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 55 Grenada – Antigua. Noch zwei Plätz frei!
CREW 56 Kite & Sail Expedition Grenadines.
CREW 57 Kite & Sail Expedition Los Roques.
CREW 58 Nike Steiger segelt die MARLIN gegen den Wind ins Paradies.

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Der Vierhundertste

Eigentlich sollte hier der 400. Beitrag stehen, auf den Nico sich schon länger freut und der bereits vorbereitet ist. Es geht darin um den Anfang von Sonnensegler.net und wie sich das Ganze bisher entwickelt hat. Immerhin gibt es diese Seite seit mehr als 6 Jahren. Doch das muss nun warten, denn Nico ist vorerst nicht in der Lage am Bildschirm zu sitzen und zu schreiben.
Wie es dazu kam, das erfahrt ihr nun von mir.

Manchmal ist der Zufall ein A…

Aber erst mal von Anfang an: Nico hat vor ein paar Tagen das gute Wetter genutzt und Morgenstern im Mahnensee verankert, um endlich die Flex anzusetzen. Und wie er da so allein vor Anker vor sich hin flext, da bahnt sich im Land der Wahrscheinlichkeitsrechnung der Gipfel der Unwahrscheinlichkeiten an.
Murphys Gesetz schlägt zu und trotz Brille und Schutzbrille findet ein glühendes Stückchen COR-TEN Stahl seinen Weg ins Auge, ausgerechnet da wo man es am wenigsten gebrauchen kann, mitten ins Schwarze, sprich exakt ins Zentrum der Pupille!
Und was macht Mann da? Während ich für einen Termin am späten Abend bei einer Notdienst habenden Augenärztin gesorgt habe, hat Nico die Zähne zusammengebissen, den restlichen Nachmittag genutzt und noch zu Ende geflext, alles ordentlich sauber gemacht, aufgeräumt und das Schiff zurück in den Hafen gefahren. Der Splitter konnte von der Augenärztin sauber herausgeschnitten werden, danach wurde das Auge an der Stelle mit einem Bohrer, wie man ihn vom Zahnarzt kennt, glatt geschliffen. Die Augenärztin hat wirklich gute Arbeit geleistet, nur das Ergebnis sieht so unansehnlich aus, dass wir euch nur die zensierte Version zeigen möchten.


Jetzt könnte man meinen, super, das hat ja prima geklappt…
Denkste, schon als die Betäubung auf dem Weg nach Hause nachgelassen hat, da fingen die Schmerzen an. Waren diese Schmerzen zunächst erträglich, so steigerten sie sich bis zu dem Punkt, an dem Nico mich mitten in der Nacht geweckt hat, weil er es nicht mehr aushielt. Nach mehreren Telefonaten mit verschiedenen Kliniken habe ich dann endlich eine Notaufnahme gefunden, bei der Nico richtig aufgehoben war. Also ging es um 2 Uhr nachts nach Düsseldorf zur Uniklinik, denn dort sind Spezialisten fürs Auge. Das war mittlerweile stark angeschwollen und blutunterlaufen. Die diensthabende Augenärztin hat Nicos Auge nochmal gründlich untersucht und bestätigt, dass die bisherige Behandlung wirklich gut war und die Schmerzen nun leider dazu gehören, denn mit Schmerzmitteln kann man sie nicht mildern. Zur Sicherheit hat sie aber noch ein Antibiotika direkt ins Auge gegeben und einen Verband angelegt, um das Auge ruhigzustellen. Etwas beruhigter und mit immer noch schmerzendem Auge ging es zurück nach Hause, wo wir dann kurz vor Sonnenaufgang wieder ankamen.
Das war vor 2 Tagen, mittlerweile sieht es so aus, als wäre Nico auf dem Weg der Besserung. Das Auge muss allerdings noch weiter so viel wie möglich geschont werden, also geschlossen bleiben und momentan ist die Sehleistung auf dem verletzten Auge noch stark eingeschränkt. Wir hoffen, dass sein Auge in den nächsten Tagen komplett verheilt und die Verletzung keine bleibenden Schäden hinterlässt.

Festival ‚Te Matapukurega‘

Mi., 10.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1774, 17.385 sm von HH

Langschläfer sind die Rikiteaner nicht. Bereits um 8:00 Uhr morgens läuft die Parade zum Festival auf. Wie bei den Olympischen Spielen tragen die teilnehmenden Gruppen die Namen ihrer Herkunfts-Insel auf Schildern vor sich her. Bunt gekleidet oder in traditionellen Kostümen. Und wieder Blumenkränze auf dem Kopf. Jetzt wird auch klar, warum die Truppe aus Hiva Oa mit kleinem Gepäck anreisen konnte. Sie haben sich heute Morgen ihre Klamotten frisch im Wald gepflückt. :mrgreen:

Parade von der Kirche zum Festplatz

Parade von der Kirche zum Festplatz

Frische Palmenwedel und Farn als erneuerbare Klamotten

Frische Palmenwedel und Farn als erneuerbare Klamotten


Ein Gesicht im Zug kommt uns bekannt vor. Das Schild gibt Aufklärung: eine kleine Delegation von Tänzern ist auch aus Rapa Nui, der Osterinsel, angereist.
Unter lauter Trommel-Begleitung zieht der Tross Richtung Festplatz. Der besteht aus einer Fußballfeld großen Fläche, abgestreut mit feinsten Korallensand. Unter kleinen Holzverschlägen wird Kunsthandwerk der teilnehmenden Atolle angeboten: Perlenschmuck, Flechtwerk und bedruckte Stoffe. Unter Zeltplanen wird schon am Aufbau des Buffets gearbeitet.

Zuschauer im Tross

Zuschauer im Tross

 

Die Reden vom Bürgermeister, vom Dorf-Sheriff und anderen wichtigen Persönlichkeiten ziehen sich. Geduldig warten die Gruppen auf ihre persönliche Vorstellung. Noch mehr Reden werden gesprochen. Merci und Maururu, ‚danke‘ auf tahitianisch, fällt häufig.

Die Rede vom Bürgermeister zieht sich, da kann man schon mal einschlafen

Die Rede vom Bürgermeister zieht sich, da kann man schon mal einschlafen

Die Atolle sprechen eine ähnliche Sprache, verstehen einander, nur die Repräsentantin der Osterinsel muss übersetzt werden. Das Ganze hat gewisse Längen, da einiges auch noch auf Französisch wiederholt wird.
Jedes Atoll gibt schon mal eine kleine Kostprobe seines Könnens und dann folgt auch schon das Essen.

Die wilden Kerle und Mädchen aus Hiva Oa

Die wilden Kerle und Mädchen aus Hiva Oa

Die dazugehörigen Trommler

Die dazugehörigen Trommler

Das halbe Dorf ist dabei mit seinen Kokosnuss-Tellern.
Mehrfach werden wir aufgefordert, uns ebenfalls zu bedienen. Ich mach es kurz: es ist besser als es aussieht. :-) Die schleimigen Breie sind Mango- und Banane-„Chutneys“. Die lila Würfel bestehen ebenfalls aus Banane. Dazu gibt es Maniok und Yucca mit Kokosmilch. Oder wahlweise Brotfrucht mit Kokosmilch. Oder Muschelsalat mit Kokosmilch. Es fehlt an allem: an Salz, an Schärfe und Gewürzen. Essbar, aber schon arg fad.

Skepsis am Buffet

Skepsis am Buffet

Das Essen Kokosschalen als Teller - davon gab es leider nicht genug Eure Hoheit am Buffet

Abends geht es dann zur Sache. Jedes Atoll bringt seinen eigenen Stil mit. Brav im Chor gesungene ‚Aloha-Südseeklänge‘, wie man es sich vorstellt, stammen aus Tubuai. Lieblich und sanft. Die Damen der Austral-Inseln treten in züchtigen Baumwollkleidern auf.

Sängerinnen aus Tubuai

Sängerinnen aus Tubuai

Die Mädchen aus Hao dagegen, lassen die Hüften kreisen. Die Baströcke wippen, die Blicke versprechen alles und nichts. Achim versteht nicht, warum es nur auf der ‚Bounty‘ zur Meuterei kam. Er ist der Meinung, beim Anblick der Mädchen hätte eigentlich jeder Matrose seinen verwanzten Kahn verlassen müssen.

Hüfttanz im Baströckchen

Hüfttanz im Baströckchen

Nymphe beim Hüftschwung

Nymphe beim Hüftschwung

Die wilde Gang aus Hiva Oa lässt keinen Zweifel aufkommen, dass man früher in der Südsee auch im Kochtopf landen konnte. Mit Fackeln, viel Geschrei und Geheule liefern sie einen starken Auftritt. Das wilde Gebaren mit den angemalten Gesichtern und den rollenden Augen kommt auch beim heimischen Publikum großartig an. Hiva Oa kassiert den kräftigsten Applaus.

Gänsehaut-Auftritt mit Fackeln

Gänsehaut-Auftritt mit Fackeln

Wilde Kerle aus Hiva Oa Man achte auf die Unterbüx - der Kevin Klein der Südsee heißt Taaitaaroa ;-)

Drei Abende werden wir aufs köstlichste unterhalten. Während der gesungen Tänze oder dem getanzten Gesang werden auch immer wieder Geschichten erzählt: eine Liebesgeschichte, ein Mädchenraub, ein Überfall mit erfolgreicher Verteidigung des bösen Gegners. Die Geschichten berichten von der Vergangenheit der abgeschiedenen Inseln.

Immer werden Geschichten bei den Tänzen erzählt

Immer werden Geschichten bei den Tänzen erzählt

Das Fest ‚Te Matapukarega‘ auf Mangareva dient dem Flechten und Erhalten von Beziehungen über die weiten Entfernungen der Atolle hinaus, dem Erhalt der Bruderschaft der Polynesier. Erst das zweite Mal ist das kleine Gambier Atoll Gastgeber für solch eine Veranstaltung, die dieses Mal unter dem Motto ‚Te Tutakiraga‘ – ‚die Zusammenkunft‘ läuft. ‚Te Tutakiraga‘ ist ein heiliges Wort in der polynesischen Geschichte, das die Aussage bestätigt: Du bist ein Polynesier, egal wo du geboren wurdest, welchen Tanz du tanzt oder welchen Dialekt du spricht. Das Motto scheint gelungen, wenn man sich am letzten Vormittag die Darsteller anschaut. Alle zusammen tanzen begeistert den Tanz von Mangareva.

 

Von wegen Opfer

Das Klackern war doch nicht das Getriebe oder ein defektes Lager! Erst einmal große Erleichterung. Nur die Opferanode hat sich gelockert. Aber wie aus einem kleinen Schaden dann doch noch ein großes Problem werden kann, entdeckt der Taucher: Anode löst sich, wandert an der Welle zum Rumpf und hämmert ein kleines Loch in den Gelcoat. Gleich geht es zum Kranen. Damit Osmose keine Chance bekommt.

Matriarchat auf der Dilly-Dally

Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit und schon war der Skipper das Kommando los. Angestachelt von der Historie Lykiens, wo angeblich ein Matriarchat herrschte, wurde die Dilly-Dally kurzerhand geentert. Selbst Passagen mit bis zu sieben Windstärken nötigten den Segelnovizinnen keinen Respekt ab. Und so wurde der Skipper zum Handlanger degradiert

Mitseglerin Olivia an Bord genommen

{Time:23:00:00}
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{Photo:20190413}
{Title:Mitseglerin Olivia an Bord genommen}

Wir erreichen meinen Lieblingshafen… Port Elizabeth auf Bequia.

Olivia bringt ordentlich Regen mit aus der Schweiz. „Ich bin eine Regenmacherin“, entschuldigt sich die GLOBETROTTER Managerin und lächelt herzhaft. Olivia hat ein breites schweizerisches Lächeln. Hinter dem Lächeln steht ein solider Charakter. Ihre Mimik und der schweizerische Akzent verwirren mich, so ähnlich ist dieser, wie von meiner Segelfreundin Claudia aus der Schweiz. Olivia bekommt eine 25 Minuten Individualsicherheitseinweisung, eine Rettungsweste, die ihr viel zu groß ist. „Du musst mal ein bisschen mehr essen Olivia.“ Raus geht es auf’s Meer. „Jungs. Sollen wir das Großsegel mit der Hand oder der Elektrowinsch setzten?“ „Mit der der Elektrowinsch“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Ich grinse. Von links ein schwarzer Squall und Wind bis 30 Knoten. Da legt sich die MARLIN auf die Seite. Den Kurs in den Böen per Hand zu halten ist schon ein bisschen kraftaufwendig. Urs macht das prima. Ich geh runter um Logbuch zu schreiben. Als ich wieder hoch komme ist steuert der Autopilot. So ein bisschen vermisse ich die Segelaffinität meiner Crew. Ich übernehme das Steuer und Olivia will steuern. Gut. „Ich zeige Dir das.“ Nach ein paar Schlenkern hat Olivia die MARLIN im Griff. Gut macht sie das und lächelt dabei. „Schau einfach dort auf die Bergspitze, wie beim Fahrradfahren. Einfach dahin schauen, wo Du hin willst. Dann klappt das.“ Es sind nur acht Meilen nach Port Elizabeth. Für den Anfang reicht das.

Wir stehen bei den Customs und füllen Papiere aus. Urs hilft mir und schreibt. 160 USD sagt der Beamte und Urs schluckt. „Bezahlst Du das?“ „Das sind Kosten der Bordkasse“, antworte ich ruhig. Der Eintritt ins Paradies ist eben nicht kostenlos. Es ist wie immer. Don Dinero segelt mit. Nach Fertigstellung aller Papiere verkünde ich Wochenende. „Der Skipper hat jetzt frei. Ihr arbeitet ja auch nicht Samstags und Sonntags…“ Im nächsten Supermarket erstehe ich zwei Hairoun Bier. Ich habe nicht das Gefühl, dass meine Crew mich in die nächste Bar einladen wird.

Bequia hat den schönsten Baywalk, ein schmaler Fußpfad, direkt am Wasser, die ganze Bucht entlang. Hier gibt es unzählige kleine Geschäfte, Restaurants, Cafes und nette Menschen. Hier wird gegrüßt. Olivia und ich finden drei weiße Holzsessel vor einem Haus, dass wohl grade nicht benutzt wird. Der richtige Platz, um unter den ausladenden Bäumen und säumenden Palmen, auf die Bucht von Port Elizabeth zu schauen. Ein bisschen wie der Blick von meiner Leuchtturmterasse in Cuba. Der Platz ist gepflegt. Ein riesiger rostiger Anker liegt vor uns. Pittoresk ist es hier. Olivia und Micha unterhalten sich oberflächig und im Endeffekt geht es um die Frage, wo die Reise Leben eigentlich so hin geht. Es bleibt bei einem Small Talk. Nun. Olivia ist leider nur für knapp eine Woche dazugestoßen. Zu wenig um mein Leben unter Segeln zu verstehen. Ist vielleicht auch nicht ihre Challenge. Irgendwann tauchen Calle und Urs mit einer großen Pizza auf. Ich mag keine Pizza.

Das Bier, die frische Seeluft – Mich zieht es in die Horizontale. Ich wache auf, weil die Wasserpumpe nicht aufhört zu pumpen. Skippers delight. Der Brausenkopf am Heck ist gegen die Bordwand geschlagen und undicht geworden. Standardproblem. Morgen ist Sonntag. Wir essen an Bord. Olivia kocht. Es gibt Reis mit Gemüse und Ei. Hat sie wirklich mit Liebe gemacht. Schmeckt man. Danke Olivia. Es regnet wieder.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 55 Grenada – Antigua. Noch zwei Plätz frei!
CREW 56 Kite & Sail Expedition Grenadines.
CREW 57 Kite & Sail Expedition Los Roques.
CREW 58 Nike Steiger segelt die MARLIN gegen den Wind ins Paradies.

JOIN THE CREW:
www.marlin-expeditions.com

Mitseglerin Olivia an Bord genommen

{Time:23:00:00}
{Date:20190413}
{Position:13°00.1349’N, 061°14.6672’W}
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{Target:Grenadienen}
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{Title:Mitseglerin Olivia an Bord genommen}

Wir erreichen meinen Lieblingshafen… Port Elizabeth auf Bequia.

Olivia bringt ordentlich Regen mit aus der Schweiz. „Ich bin eine Regenmacherin“, entschuldigt sich die GLOBETROTTER Managerin und lächelt herzhaft. Olivia hat ein breites schweizerisches Lächeln. Hinter dem Lächeln steht ein solider Charakter. Ihre Mimik und der schweizerische Akzent verwirren mich, so ähnlich ist dieser, wie von meiner Segelfreundin Claudia aus der Schweiz. Olivia bekommt eine 25 Minuten Individualsicherheitseinweisung, eine Rettungsweste, die ihr viel zu groß ist. „Du musst mal ein bisschen mehr essen Olivia.“ Raus geht es auf’s Meer. „Jungs. Sollen wir das Großsegel mit der Hand oder der Elektrowinsch setzten?“ „Mit der der Elektrowinsch“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Ich grinse. Von links ein schwarzer Squall und Wind bis 30 Knoten. Da legt sich die MARLIN auf die Seite. Den Kurs in den Böen per Hand zu halten ist schon ein bisschen kraftaufwendig. Urs macht das prima. Ich geh runter um Logbuch zu schreiben. Als ich wieder hoch komme ist steuert der Autopilot. So ein bisschen vermisse ich die Segelaffinität meiner Crew. Ich übernehme das Steuer und Olivia will steuern. Gut. „Ich zeige Dir das.“ Nach ein paar Schlenkern hat Olivia die MARLIN im Griff. Gut macht sie das und lächelt dabei. „Schau einfach dort auf die Bergspitze, wie beim Fahrradfahren. Einfach dahin schauen, wo Du hin willst. Dann klappt das.“ Es sind nur acht Meilen nach Port Elizabeth. Für den Anfang reicht das.

Wir stehen bei den Customs und füllen Papiere aus. Urs hilft mir und schreibt. 160 USD sagt der Beamte und Urs schluckt. „Bezahlst Du das?“ „Das sind Kosten der Bordkasse“, antworte ich ruhig. Der Eintritt ins Paradies ist eben nicht kostenlos. Es ist wie immer. Don Dinero segelt mit. Nach Fertigstellung aller Papiere verkünde ich Wochenende. „Der Skipper hat jetzt frei. Ihr arbeitet ja auch nicht Samstags und Sonntags…“ Im nächsten Supermarket erstehe ich zwei Hairoun Bier. Ich habe nicht das Gefühl, dass meine Crew mich in die nächste Bar einladen wird.

Bequia hat den schönsten Baywalk, ein schmaler Fußpfad, direkt am Wasser, die ganze Bucht entlang. Hier gibt es unzählige kleine Geschäfte, Restaurants, Cafes und nette Menschen. Hier wird gegrüßt. Olivia und ich finden drei weiße Holzsessel vor einem Haus, dass wohl grade nicht benutzt wird. Der richtige Platz, um unter den ausladenden Bäumen und säumenden Palmen, auf die Bucht von Port Elizabeth zu schauen. Ein bisschen wie der Blick von meiner Leuchtturmterasse in Cuba. Der Platz ist gepflegt. Ein riesiger rostiger Anker liegt vor uns. Pittoresk ist es hier. Olivia und Micha unterhalten sich oberflächig und im Endeffekt geht es um die Frage, wo die Reise Leben eigentlich so hin geht. Es bleibt bei einem Small Talk. Nun. Olivia ist nur für ein paar Tage dazugestoßen um Urs zu sehen. Zu wenig um mein Leben unter Segeln zu verstehen. Ist vielleicht auch nicht ihre Challenge. Irgendwann tauchen Calle und Urs mit einer großen Pizza auf. Ich mag keine Pizza.

Das Bier, die frische Seeluft – Mich zieht es in die Horizontale. Ich wache auf, weil die Wasserpumpe nicht aufhört zu pumpen. Skippers delight. Der Brausenkopf am Heck ist gegen die Bordwand geschlagen und undicht geworden. Standardproblem. Morgen ist Sonntag. Wir essen an Bord. Olivia kocht. Es gibt Reis mit Gemüse und Ei. Hat sie wirklich mit Liebe gemacht. Schmeckt man. Danke Olivia. Es regnet wieder.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 55 Grenada – Antigua. Noch zwei Plätz frei!
CREW 56 Kite & Sail Expedition Grenadines.
CREW 57 Kite & Sail Expedition Los Roques.
CREW 58 Nike Steiger segelt die MARLIN gegen den Wind ins Paradies.

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Golden Globe Race – Windpilot Referenzen – Bilanz

DIE LEHREN AUS 290 TAGEN MIT FÜNF SCHIFFEN

Windv. Striptease #3

Ein Dorf steht Kopf

Mo., 08.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1772, 17.385 sm von HH

Schon seit zwei Wochen wissen wir, dass ab Mittwoch eine Feier auf Mangareva ansteht. In der Mehrzweckhalle haben wir die Englischlehrerin getroffen, die uns davon berichtete: „Es gibt Musik, Tanz und Gesang. Und jeden Tag gibt es Essen für Alle. For free!“, erzählt sie uns begeistert. Sie half den Dorf-Kinder dabei, die Teller für die Feierlichkeit zu präparieren. Der Bürgermeister möchte kein Plastikgeschirr, also werden halbe Kokosnüsse geschliffen und poliert. „Ihr müsst unbedingt kommen. Es werden Tänzer aus den anderen Atollen erwartet – Marquesas, Tuamotus und den Austral-Inseln.“

Herstellung des Essgeschirrs

Herstellung des Essgeschirrs für die Feier

 

Jetzt ist es nicht mehr zu übersehen, dass etwas Großes auf uns zu kommt. Das sowieso schon schnieke Dorf wird jetzt richtig auf Vordermann gebracht. Mit dem liebsten Gerät der Dorfgemeinde, dem Motor-Rasentrimmer im XXL-Format, wird jeder Halm, der vorwitzig hervor lugt, nieder gemäht. Es wird geharkt, geschnitten und aufgeräumt. Die Betonstraße ist auch rechtzeitig fertig geworden, nur auf dem Festplatz wird noch gearbeitet. Der kleine Fähranleger, alle Laternenpfähle und das Rathaus sind mit Palmen, Farnen und Blüten geschmückt.
Als ich morgens zum Einkaufen gehe :lol: , hält mich ein Opa an. Schnell kramt er ein paar Brocken Englisch aus: „Am Mittwoch. Um 12:00 Uhr. Essen! Umsonst! Unbedingt hingehen!“

Am Nachmittag fängt es am Fähranleger zu trommeln an. Zufällig bin ich vor Ort, weil ich auf dem Weg zum Internet bin. Südseeschönheiten warten mit Blumengirlanden auf die Gäste aus den Nachbaratollen. Sie selber haben kunstvoll geflochtene Kränze auf dem Kopf.

Südseemädchen mit wunderschönen Kränzen

Südseemädchen mit wunderschönen Kränzen

 

Spalier für die Gäste - im Hintergrund dröhnen die Trommeln

Spalier für die Gäste – im Hintergrund dröhnen die Trommeln


Für heute ist ein Sonder-Flugzeug eingesetzt worden. Normalerweise gibt es nur dienstags und samstags eine kleine Maschine aus Tahiti. Die Trommler trommeln. Die Mädchen lächeln. Und es duftet nach Minze. Wo kommt denn bloß dieser Duft her?

Kunstvolle Kränze

Kunstvolle Kränze


Als sich die kleine Fähre sich von der Flughafeninsel her nähert, werden die Trommeln lauter. Die Mädchen schwingen die Hüften. Es wird gelacht und gerufen. Die Stimmung ist großartig. Ich habe Gänsehaut und die Nackenhaare stellen sich auf. Die Gruppen aus Hiva Oa und Hao werden wie eine Mischung aus Rockstars und lang vermisster Familienmitglieder begrüßt. Blumenkränze werden umgelegt. Küsschen verteilt. Die Blumenkränze haben unterschiedliche Qualitäten. Dünne Girlanden, üppige Blütenranken und für den Chef der Hiva Oa Truppe gibt es dicke Bänder aus Minze (aha!) mit eingeflochtenem Hibiskus.

Voluminöser Minzkranz

Voluminöser Minzkranz

Die Jungs von den Marquesas sind wilde Kerle mit Schweine-Hauern als Kette um den Hals.
Außer mir und Hank, unserem holländischen Nachbarn, sind keine anderen Ausländer dabei. Ich werde freundlich in die Mitte genommen. Darf Fotos machen und man posiert ausgesprochen gerne für mich.

Der jonny Depp der Südsee ist auch dabei

Der Jonny Depp der Südsee ist auch dabei

 

Die angekommenen Gäste bedanken sich für den Empfang mit einer Art Sprechgesang. Einer spricht-singt vor, die anderen fallen ein. Lieblich ist der Gesang nicht, es wird eher geschrien. Grob, mit rauer Stimme. Es fällt viel das Wort ‚Rikitea‘, der Rest bleibt mir verborgen. Aber die Botschaft wird klar. Die kehligen Worte gehen unter die Haut. Wieder die aufgestellten Nackenhaare.
Wenn schon die Begrüßung ein Fest der Sinne ist, wie mag dann die eigentliche Feierlichkeit werden?

Junge und alte Blumenmädchen

Junge und alte Blumenmädchen

Jonny

Jonny

Im Angesicht der Pitons von St. Lucia

{Time:23:00:00}
{Date:20190411}
{Position:14°04.6900’N, 060°57.6500’W}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:St. Lucia / Rodney Bay}
{Target:Grenadienen}
{Temp Air/Pressure:28°C}
{TempWater:29°}
{Wind:0-20kn/E}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{Photo:20190411}
{Title:Im Angesicht der Pitons von St. Lucia}

Unvergessliche Segeltage

Ich bin an den Piton’s auf St. Lucia schon mal vorbeigesegelt. Würde ich nach dem heutigen Tag nicht mehr machen. Am Fuße der beiden vulkanischen Kegel sind für die Segler Mourings ausgelegt, denn Ankern am steil abfallenden Grund ist nur mit Landleinen möglich und wohlmöglich sogar verboten. Der Tag neigt sich dem Ende zu. Calle und Urs lieben das Leben und ihren Urlaub. Das Frühstück ist wertgeschätzt, dem ich nur zustimmen kann. Dementsprechend erreichen wir die Pitons erst am Abend. Geplant für diesen Abend war sogar die südlichste Spitze St. Lucias. „Fort Knox!“, wir kommen, meine ich. Meinen tue ich aber die Häuseransammlung „Vieux Fort“. Dort soll es den einzigen Kite Spot der Insel geben. Ich möchte Calle eine Freude machen, mal wieder auf’s Brett zu kommen. Im Moment fahren wir eher meinem Zeitplan hinterher als Kite Spots zu besuchen. So ist das eben. Urlaub machen ist nicht gleich Urlaub veranstalten. Ich lerne viel im Moment. Viel über die Touristik Branche.

Wie auch immer. Wir nehmen eine Mouring auf am Fuße des Piton. Das Wahrzeichen von St. Lucia und der Name des lokalen Biers. Urs legt sich rücklings aufs Vordeck und läßt Sterne und Berge auf sich wirken. Der echte Schweizer Urs. Schon ein toller Typ. Auch mich hauen die Pitons, der Segeltag und der Abend glatt um. Ich will früh raus am nächsten Tag.

Alles wird anders als geplant am nächsten Tag. Die Sonne geht auf. Gut. Das war geplant. Wir motoren eng unter der Küste, patagonisch, gegen die Trade Winds. Muss jetzt sein. Anker fällt im Nowhere. Keine anderen Schiffe. Calle und Urs entern das Dorf auf der Suche nach Immigration und Customs um auszuklarieren. Es wird eine never ending Story. Wie zu erwarten. Der Kite Platz, wegen dem wir hier sind liegt auf der anderen Seite der Insel. Ich bleibe an Bord. Unser Wasser neigt sich dem Ende zu. Generator und Wassermacher brummen gemeinsam ihr Lied. Neues Wasser muss her und dabei verlasse ich nicht das Schiff, schicke die Mannschaft an Land, versorgt mit schöneren Aufgaben. Die Komplexität des Bordlebens und der Abläufe, wann ich was warum mache, um ihnen das Leben an Bord so angenehm zu machen wie es nur irgend entgeht fast allen Gästen, bis auf wenige Ausnahmen. Ich erwarte es auch nicht. Tut nichts zur Sache.

Der Kite Strand auf der andere Seite der Bucht gefällt Calle nicht so sehr, dass er dort zum Kiten hinwill. Ich glaube, am wenigsten gefällt ihm der Inhaber der Kite Schule, die er dort vorgefunden hat. Er sagt nicht wirklich böses, aber ich kenne meinen Calle inzwischen ganz gut. Er ist vom Sternzeichen Schütze, so wie ich. Ich grinse. Wir fahren auf sein Geheiß an den Strand direkt an der MARLIN im Lee der Insel. Es endet wie zu erwarten. Calle kommt auf’s Wasser und kämpft mit den Böen, landet in der nächsten Bucht. Mein Kite steigt in einer Böe in den Himmel und direkt wieder herunter. Nach ein paar Stunden packen wir das nasse Zeug wieder ein und stundenlanges Gerödel an Bord. Ich stelle mir das grade mit vier bis fünf Gästen vor und fälle eine wichtige Entscheidung. Ich werde die Kite & Sail Expeditionen nicht mehr weiter versuchen zu promoten und umwandeln in Segel Expeditionen. Kiten als zusätzlicher Wassersport an Land. Ja. Aber als Basis der Törnplanung war das ein Fehler. Ich bräuchte mindestens einen Kite Lehrer, der die ganze Zeit mit dem Dinghy unterwegs ist um die Mitsegler wieder einzusammeln. Saefty first. Hab ich aber nicht. Ist auch finanziell nicht drin. Da muss ich den Kompass den mir mein Freund Jack Sparrow überlassen hat wohl mal wieder aus seinem Versteck holen um unsere Ausrichtung neu zu planen.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 55 Grenada – Antigua. Noch zwei Plätz frei!
CREW 56 Kite & Sail Expedition Grenadines.
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CREW 58 Nike Steiger segelt die MARLIN gegen den Wind ins Paradies.

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