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Es war einmal ein Streuner

Auf dem Foto seht ihr einen Streuner, den ich im Januar 2017, in einem kleinen Griechischen Dorf auf der Peloponnes Halbinsel, fotografiert habe.
Dieser ausgemergelte Straßenhund hatte den Napf mit Futter, welches ich ihm damals gegeben habe, schneller leergeputzt, als ich die Kamera in die Hand nehmen konnte.

Ich war damals in diesem Dorf, um an unserem alten Stahlschiff zu arbeiten, das zu der Zeit dort in der Werft stand. Direkt neben dem Schiff lag ein Haufen Müll und auf dem Haufen hatte der Straßenhund seinen Schlafplatz.
Keine 10 Meter trennten uns beide. Er hatte sein Leben im Müll, ich hatte mein Leben mit der Arbeit am Schiff. Uns hat nicht viel verbunden, bis auf die Tatsache, dass wir die einzigen waren, die dort in der hintersten Ecke des Werftgeländes, mitten im Winter, irgendwie klarkommen mussten.
Für Griechische Verhältnisse war dieser Winter ziemlich kalt und es war schnell klar, dass der ausgehungerte Streuner den nächsten Frühling sehr wahrscheinlich nicht erleben wird. Er war nach den kalten Nächten am Morgen mehr tot als lebendig und hat lange gebraucht, um wieder richtig auf die Beine zu kommen.
Zu dieser Zeit hatten Sabrina und ich seit ziemlich genau einem Jahr keinen Hund mehr, nachdem unser Lagotto Romagnolo namens Johnny gestorben war. Es war zwar geplant, dass wir irgendwann wieder einen Hund haben werden, aber es sollte ein ganz kleiner werden. So klein, dass man ihn im Notfall im Flugzeug mit in die Kabine nehmen darf. Wir hatten uns deshalb auf einen Toypudel festgelegt und es war beschlossene Sache, dass wir einen haben werden, sobald unser Schiff in Deutschland ist.
Der Streuner brachte bei mir jedoch alles durcheinander und das erste Telefonat mit Sabrina, nach meiner Ankunft in dem kleinen Dorf, drehte sich nicht um das Schiff, sondern um den Straßenhund.

Wie es weiter ging, wissen die meisten von euch. Wer noch nicht so lange hier dabei ist, kann im folgenden Beitrag lesen, was im Januar 2017 noch so passierte: Herz vs. Kopf

Es ist heute genau 3 Jahre her, dass ich dem Streuner auf dem Foto ganz oben zum ersten Mal begegnet bin. Für mich ist es immer noch etwas besonderes, dass dieser Streuner heute unser Filou ist. Während ich noch hier tippe, gibt Sabrina ihm gerade etwas zu mampfen. Danach werden wir gemeinsam die Abendrunde drehen. Ein paar Kilometer durch die Felder am Stadtrand…

Und während wir um die Ecken ziehen, könnt ihr euch ein paar Momente der letzten Jahre mit Filou auf Fotos anschauen:

Wie oft sind Menschen in Seenot auf Ostsee und Nordsee? Das Buch IN SEENOT im Fernseh-Interview.

Am vergangenen Donnerstag war ich mit meinem neuen Buch IN SEENOT 
zum Interview im Hessischen Fernsehen. 
Im Folgenden der Mitschnitt des Interviews – und die Antwort auf die Frage: 
Wieviel passiert tatsächlich auf dem Wasser? Und warum eigentlich?

Wenn eine Yacht ihren Kiel verliert: In IN SEENOT berichten Beate Warnecke und Skipper Vincent Regenhart
über Kielverlust und Kenterung des Folkeboots SAGA in der Flensburger Förde

„Mut und Angst liegen nah beieinander. Das eine ist nicht ohne das andere.“

Wenige Minuten vor dem Live-Interview verblüfft mich ALLE WETTER-Moderator Thomas Ranft mit diesem Statement. Er meint entschuldigend, er hätte nur kurz in IN SEENOT reingelesen. Aber im Verlauf des Interviews zeigt er, dass das nicht stimmt. Denn tatsächlich zeigt er mit diesem Satz, dass er beim Lesen vom Inhalt meines Buches mehr mitgenommen hat, als ich es von einem Leser zu hoffen wagte.

Auch im Interview zeigt sich Thomas Ranft als einer, dem das Thema nicht bloß aus Verlegenheit auf den Moderatoren-Handzettel geriet. Und so wird das Gespräch vor der laufenden Kamera nicht nur zum lieblos heruntergehaspelten Termin, sondern zu einem der besseren und von beiden Seiten überzeugt geführten Interview, auf das ich gerne unten verlinke.

Wenn eine Yacht auf Grund festsitzt: In IN SEENOT berichtet Krinka Bauer,
wie sie im Seegatt vor Norderney bei auflandigem Wind wegen eines Kartenfehlers auf Grund lief.
Erst nach der Sendung dämmert mir auf dem Weg zum Bahnhof, dass wir eine wichtige Frage im Interview nicht angeschnitten haben: Wie oft geraten Menschen eigentlich in Seenot? Neben den 20 Geschichten, die Skipper-Erlebnisse wiedergeben, habe ich für das Buch auch einige Fachinterviews geführt. Neben dem Psychologen Bernhard Streicher und etlichen anderen sprach ich auch ausführlich mit Antke Reemts, der Pressesprecherin der DGzRS. Sie wartete beim Termin in Bremen für das Jahr 2018 mit eindeutigen Zahlen zum Thema auf:

Vom 1.1.bis 31.10.18 liefen die Seenotretter auf ihren Schiffen 2.037 mal zu Einsätzen aus. Immerhin knapp 60% aller Einsätze entfielen auf Wassersportler – das waren in 9 Monaten 1.176 Einsätze. 

Was die Statistik über Seenotfälle sagt. Quelle: DGzRS, Bremen
Aber damit endet die Statistik der Seenotretter noch nicht. Unter den Ursachen fallen – in der Reihenfolge der häufigsten Einsätze – vor allem zwei Kategorien auf:

Motorprobleme verursachten 405 Einsätzen in 9 Monaten. 
Das sind ein Drittel aller Wassersport-Einsätze. Im Gespräch weist Antke Reemts darauf hin, dass diese Havarien auffällig häufig im Frühjahr auftreten – oft durch ungenügend gewartete Motoren, durch verstopfte Filter nach dem Winterlager. 
Die Zahl fällt noch höher aus, wenn man die 12 Fälle von Kraftstoffmangel – wohl ebenfalls vermeidbar – und die 11 Getriebeschäden hinzurechnet.

Grundberührungen stecken hinter 385 Rettungsfahrten.
Neben den Motorproblemen tauchen auch in IN SEENOT die Grundberührungen häufig auf. Sie sind vor allem deswegen erwähnenswert, weil sich ein großer Teil von ihnen, wie Unfallexperten sagen, „unter Beteiligung elektronischer Hilfsmittel“ ereignet. Im Klartext: Laufende Autopiloten, während der Skipper unter Deck ist, Navigationsfehler, aber auch tatsächliche Fehler in elektronischen Seekarten in Küstennähe, wie wir aus dem Seegatt der Insel Norderney in IN SEENOT schildern, verursachen Havarien.

Aber auch in den immerhin 30 Fällen von „Orientierungslosigkeit“, die die Statistik auflistet, sind vermutlich viele Ereignisse, bei denen elektronische Hilfsmittel mit im Spiel sind. Antke Reemts verweist in ihrem Interview nicht nur auf einen Fall, bei dem ein Anwender die Orientierung verlor, weil er im Menü seines Kartenplotters nicht mehr zur Kartenansicht zurückfand.

Vorstellung des Buches IN SEENOT im Interview am 16. Januar 2020. Zum Mitschnitt der Sendung gehts hier, 
das Interview findet sich in der zweiten Hälfte etwa ab Minute 7:10.
Doch so spannend IN SEENOT zu lesen ist, so sehr arbeitet das Buch hinter den geschilderten Ereignissen die handfesten Ursachen heraus, die in den meisten Fällen hinter Seenot stecken. Nicht alles ist vermeidbar. Aber vieles schon. Mit richtiger Vorbereitung. Und dazu will IN SEENOT einen Beitrag leisten.


IN SEENOT erhalten Sie als eBook, Print oder Hardcover-Geschenkausgabe 
unter www.millemari.de, im Shop der Seenotretter, auf Amazon 
und überall, wo es Bücher gibt.
10% des Erlöses eines jeden Exemplars gehen
zur Unterstützung der Seenotretter 
an die DGzRS in Bremen.





Meistens 29 Grad

Sa.,18.Jan.20, Franz.Polynesien/Tuamotu/Hao, Tag 2057, 19.574 sm von HH

Tag und Nacht. Zwei- bis viermal täglich läuft ein kurzer Regenschauer über die Lagune, dann kühlt es runter auf 27 Grad. Der nächste Sonnenschein bringt wieder 29 Grad. Die Einheimischen freut der Regen, füllt dieser prima ihre Wassertanks. Neben jedem Haus steht mindestens ein riesiger Auffangbehälter. Grundwasser oder gar Flüsse gibt es keine auf Hao. Alle sind vom Regen abhängig. Uns freut es auch, dann ist auch für uns genug Wasser da, um Wäsche zu waschen.

Die Wasser-Auffänger sind so groß wie ein halbes Haus

Die Tage verrinnen wie Wasser durch einen Kaffeefilter. Wenn es regnet, machen wir unseren Haushalt, dann wird auch schon mal in den Ecken geputzt. Scheint die Sonne, gehen wir auf Kokosnuss-Jagd und radeln über die Insel.
Eine neue Gastlandflagge muss her und der Chef-Funker an Bord löst ein lange vor sich her geschobenes Problem:

Französisch Polynesien Flagge – Stoffmal-Farben bilden das Logo. In fünf Meter Höhe sieht das aus wie Original

Exkurs von Achim
Seitdem ich die erste Kurzwellenanlage an Bord installiert habe, machte der Kühlschrank Probleme beim Funkempfang. Wenn der Kompressor zu arbeiten begann, dann war der Empfangsteil meines Kurzwellen-Receivers bis mindestens S7 zugemüllt.
Ein Vortrags-Manuskript von DG0SA zum Thema „Entstörung eines Schaltnetzteils“ hat mir dann den entscheidenden Tipp gegeben: Ich habe die Strom-Zuleitungen (+/-) zum Kompressor daher gegenläufig um einen Ferritkern (je 7 Wicklungen) gewickelt, in der Annahme das es sich um Gleichtaktstörungen handelt.
Nur um ganz sicher zu gehen, dass nicht noch Gegentaktstörungen den Funk stören könnten, habe ich beide Zuleitungen noch einmal mit 5 Wicklungen auf einen zweiten Kern gewickelt (gleiche Wickelrichtung). Diese relative kleine Änderung führte zu einer Reduzierung des Störlevel von S7 auf praktisch S0.
Eine entsprechende Lösung benötige ich jetzt nur noch für die Solarpanele und den Votronic mpp Solarregler.

Entstör-Ferite

Ab und an kommt ein Trupp Kinder vorbei. Bis zu fünfzehn Kindern zwischen fünf und zehn Jahren. Vogelfrei streifen sie durch die Nachbarschaft. „Madam“, ruft es dann vor dem Schiff (nach dem ‚Monsieur‘ rufen sie nie). Artig stehen sie in Reihe auf der Pier und plappern und lachen auf uns ein. Manchmal bitten sie an Bord kommen zu dürfen. Wenn man es ihnen erlaubt, möchten sie wissen wo man ‚Pipi‘ macht und schläft. Der Wasserhahn wird kritisch getestet, ob auch wirklich Wasser kommt und sie finden unsere Wohnung viel zu klein. Bisweilen fragen sie nach ‚Pampelmuse‘. Hahaha, frisches Obst und Gemüse haben wir selber nicht mehr. Angebotene Bonbon werden aber auch mit leuchtenden Augen genommen. Süßigkeiten verwöhnt sind die Kinder bei den horrenden Preisen sicher nicht. Soll man ja nicht machen, aber viel verderben kann man sowieso nicht mehr. Die Milchzähne der Kleinsten sind nur noch schwarze Stümpfe. Im Allgemeinen haben die Polynesier aber ganz gute Zähne.
Wird es einem zu viel mit den Kindern an Bord, braucht man nur ‚Sooo, das war’s‘, mit erhobener Stimme zu sagen und schon ziehen sie ab. Das verstehen sie sogar auf Deutsch. :-)

Das Leben ist schön auf Hao. Aber wir wollen jetzt trotzdem weiter. Die letzten Tage hat ein Zyklon unsere Aufmerksamkeit gehabt. Mit großer Geschwindigkeit ist er tagelang schnurgrade nach Osten gezogen, zum Glück ist er seit gestern nach Süden abgeknickt. Wir warten jetzt, ob sein Einfluss bis zu uns reicht – die Biester ziehen ja den Wind großflächig von der Wetterkarte – und dann geht weiter. Es warten noch sechs Segeltage bis Gambier auf uns.

Waschtag

Spaß bei der Arbeit

Meine Reininkarnation. Tag 0!

{Time:22:00:00}
{Date:20200117}
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{Photo:20200117}
{Title:Meine Reininkarnation. Tag 0!}

Stammzelltransplantation

Nach fast zweimonatigem Einzelisolation Aufenthalt auf der Stefan Morsch Station, im Malteser Krankenhaus, kamen heute Abend die Spenderstammzellen (links oben im Bild) mit dem DKMS Kurier, der mit der Bundesbahn aus Dresden über Hamburg anreiste. Ich habe bis zum letzten Moment gezittert und gehofft, dass dies mal nichts schief geht. In den letzten sieben Tagen wurde eine Vorbereitungschemo bei mir gemacht, die mir die Socken ausgezogen hat. Nicht mal die Chemo hat meinem Körper so zugesetzt, sondern ein das sogenanntes Kaninchen Serum, ATG, das tatsächlich auf Kaninchenblut hergestellt wird. Erbrechen, starkes Fieber, starkes Unwohlsein und alles was man sich so vorstellen kann. Die Schwestern von der Stefan Morsch Station haben alles getan und mich in diesen schweren Tagen zu begleiten. Haben sie allesamt super gemacht. DANKE SO SEHR! Die restliche Chemo hat sämtliches Knochenmark und die darin enthalten den Krebszellen zerstört. Hoffentlich alle. Heute also konnten die neuen Spenderzellen hinkommen, die relativ unspektakulär innerhalb von circa 1 Stunde in meinem Blutkreislauf hinein getropft sind. Keine OP, nichts zum Aufschneiden, keine riesigen Spritzen, ca. 300 ml Stammzellen in der Tüte die wie Ketchup aussehen. Über den Spender weiß ich nicht viel, außer, dass er meine gleiche Blutgruppe hat und ein ähnliches Gewicht und Alter. Irgendwann nach einer gewissen Zeit, vielleicht schon einem Jahr, dürfen wir Kontakt miteinander aufnehmen, wenn es beide Seiten wollen. Nun leben in mir zwei DNS Informationen nebeneinander, die von meinem Spender, die mein Knochenmark in den nächsten Tagen bilden wird, sowie, die DNS von den umgebenden Gewebe und restlichen Körper. Mir.

In der nächsten Phase, in der die Spenderzellen anwachsen sollen, werde ich für circa zehn Tage kein Immunsystem haben. So lange ungefähr wird es dauern, bis das neue Knochenmark neues Blut, rote, weiße Blutkörperchen und Thrombozyten herstellen wird. In dieser Zeit bin ich extrem gefährdet mich zu infizieren. Während dessen muss noch die Abwehr der transplantiert Zellen, gegen meinen eigenen Körper, die so genannte Graft-versus-Host-Reaktion (GVHR) auf einen genauen Wert mit Medikamenten eingestellt werden, so dass die Spenderzellen, wohlmöglich übrig gebliebene Leukämiezellen bekämpfen. Deshalb habe ich noch einen erweiterten Aufenthalt in der Stefan Morsch Station von circa 3-4 Wochen vor mir.

Dr. Helge nimmt sich die Zeit die Transplantation selber vorzunehmen. „Danke Helge. Da hast du mir wieder einmal das Leben gerettet!“ „Zum vierten Mal Michael.“ Nathalie, die neben mir sitzt, nickt. Ich kann nur hoffen, dass die folgenden Wochen weitgehend problemlos verstreichen. Für wie lange ich von meiner Hoch-Risiko-Leukämie geheilt sein werde, kann mir niemand sagen. Da muss wohl jetzt ein bisschen darüber nachdenken, wie ich mein zukünftiges Leben gestalten werde. Dr. Helge grinst vertrauensvoll: 2020 wird das Jahr der AML Innovationen. Helge ist so schön positiv. Danke Helge. Danke Nathalie.


Mitsegeln auf der MARLIN!

Atlantiküberquerung West – Ost 2020. Sichere Dir Deinen Platz.

CREW 63 Cienfuegos Cuba – St. Martin 22.02.2020 – 17.03.2020
CREW 64 Atlantik Crossing Leg 1 St. Martin – Bermudas 11.04.2020 – 30.04.2020
CREW 65 Atlantik Crossing Leg 2 Bermudas – Azoren 09.05.2020 – 28.05.2020
CREW 66 Atlantik Crossing Leg 3 Azoren – Europa 01.08.20 – 20.08.2020

JOIN THE CREW

Wie man sieht, geht es in vier Schritten, die Engländer nennen das Legs, durch die karibische See von Kuba über Jamaika in die Dominikanische Republik und nach St. Martin. Für diesen sportlichen Törn über gut 1.000 Meilen mit Skipper Stefan, musst Du absolut seetauglich sein. Nix für Anfänger. Von dem Törn wirst Du dann noch Deinen Enkeln erzählen. Angekommen auf St. Martin, ist es schon eine Wonne Rene kennenzulernen. St. Martin: Ein guter Platz um Reparaturen durchzuführen, sich für den kommenden Törn zu verproviantieren. Hier ist das Zentrum der karibischen Yachtindustrie. Man kommt einfach von Europa mit dem Flieger nach St. Martin. Zu sehen gibt es auf St. Martin nicht so viel. Da ist man an einem Wochenende rum. Mit Rene als Führer ein echter Spass. Vor St. Martin zu den Bermudas sind es 850 Meilen. Wofür drei Wochen? Entweder man muss ein paar Tage auf günstigen Wind warten oder man kann eine Woche auf den Bermudas sein. Die Bermudianer sind extrem entspannt und ich habe selten eine Insel besucht, die es so in sich hat. Klima, Kultur, Land und Leute. Passt einfach. Sollte man einfach mal gewesen sein.

So. „Anker Auf.“ Endlich geht es los. Die Schapps sind voll, die Dieseltanks auch, mit zollfreiem Treibstoff. Auch wenn es eine Flaute erwischt, würden wir quasi mit der Strömung und unter Motor bis auf die Azoren kommen. 1.789 Meilen liegen vor uns. Der logische Weg. Erst einmal machen wir weiter Nord um günstige Winde aus West zu bekommen. Nach der ersten Nacht auf See, legt sich die Aufregung, die Transat Blase legt sich über unser Schiff. Weich drückt der Wind den Mast auf die Seite, lässt das Schiff krängen. Was für ein tolles Gefühl. Wer einmal dem Rausch einer Atlantiküberquerung verfallen ist, will es immer wieder. Es ist wie eine Droge. Ein Einrumpfboot ist das bessere Schiff für die Transat. Du vertraust dem Schiff, schon nach wenigen Stunden, nach der ersten Nacht auf See. Du merkst, wenn der Wind zu stark wird oder zu schwach ist an der Neigung des Mastes. Nicht zwei Rümpfe kämpfen gegen unterschiedliche Wellen und die Bewegungen sind abrupt, so wie bei den Katamaran Platzmonstern, die an den Ankerplätzen der Karibik in der Mehrzahl sind. Hier auf der West-Ost-Transat sind Schiffe unterwegs und Du bist dabei… Morgen geht es weiter… Wer mit will, schreibt mir an [email protected]

{end}

Abenteuer oder Sicherheit

Kleinigkeit für die Amateurfunkstation.

Momentan komme ich an einen Punkt, an dem ich mich fast jeden Tag aufraffen muss und am liebsten einfach nur einen ganz normalen Job wie fast jeder andere machen würde, anstatt an Filmen und Drehbüchern zu werkeln und einen Großteil meiner Zeit mit der Restauration des Schiffs und der Herstellung von Ausrüstung zu verbringen. Tja, man sehnt sich halt oft nach dem, was man gerade nicht hat und das geht auch mir manchmal nicht anders.
Dass bei so einem Mammutprojekt wie Morgenstern mal ein Durchhänger kommen würde, damit haben Sabrina und ich natürlich gerechnet. Seit gut 3 Jahren arbeiten wir am oder fürs Schiff. Sinnkrise würde ich es deshalb noch nicht nennen, aber ich ertappe mich immer öfter dabei, wie ich Stellenanzeigen durchgehe und darüber nachdenke, nicht doch noch einmal einen Schlenker zurück in Richtung 0815 Job und Jahresurlaub zu machen. Die Filme und das Schreiben links liegen lassen und ein letztes Mal beruflich neu durchstarten?
Da sitzt auf der einen Schulter hin und wieder so ein kleiner Typ mit Krawatte, der flüstert: „Vergiss das Abenteuer, denk an die Rente! Soziale Absicherung, geregeltes Einkommen, du kannst auch mal krank werden…“
Und auf der anderen Seite so ein Headbanger, der meint: „Scheiß auf die Rente! Du kippst sowieso mit 64 um! Sieh zu, dass du hier weg kommst und lass das alte Stahlschiff mal so richtig laufen…“

Keine leichte Entscheidung. Aber auch keine, die sofort getroffen werden muss. Bei aller Schwerfälligkeit geht es noch immer jeden Tag ein Stück weiter am Schiff und in den letzten Wochen haben wieder unzählige Bauteile für Morgenstern die Werkstatt verlassen und ihren Weg in den großen Schiffsbauch gefunden.
Die Dieselheizung ist mittlerweile eingebaut, wenn auch noch nicht ganz fertig, aber sie funktioniert wunderbar. Den ersten Lithium Akku fürs Schiff habe ich ebenfalls konfektioniert und testweise in Betrieb genommen. Es handelt sich um einen 4s 60Ah LiFeYPo4 Akku aus Winston Zellen. Damit wird während der Restauration die Bordelektrik versorgt und später soll das kleine Kraftpaket durch einen deutlich größeren Lithium Akku ersetzt werden. Der 60er wird dann als Funkbatterie für die Amateurfunkstation an Bord Verwendung finden.
Warum nun Lithium Akkus? Dazu werde ich hier nicht viel schreiben, das haben andere schon ausführlich getan. Wer daran interessiert ist, kann zum Beispiel einmal bei Klaus vom Kat LESMONA vorbeischauen. Klaus hat vor etlicher Zeit einen informativen Dreiteiler zum Thema verfasst: LiFePO4 Batterien auf einem Segelboot – Teil 1

Dass Morgenstern auf Lithium umgestellt wird, war für mich von Anfang an klar. Die Vorteile gegenüber Blei sind mit der neuesten Generation der Yttrium dotierten Zellen gigantisch. Zyklen spielen praktisch keine Rolle mehr, die Blöcke sind mindestens so sicher wie Bleiakkus und günstiger sind sie im Langzeitbetrieb auch noch. Nur die Anschaffungskosten, die tun halt wirklich sehr weh. Es braucht ein ordentliches BMS (Batterie-Management-System), diverse Zusatzelektronik und Anpassungen oder Neuanschaffungen bei der Ladetechnik. Aber da muss man durch, wenn man einen Akku haben möchte, der mit seiner Charakteristik wesentlich besser zum Bordalltag einer Fahrtenyacht passt, als ein Bleiakku.
Im Gegensatz zum Bleiakku, der es am liebsten hat, wenn er immer voll ist und bereits nach wenigen Stunden im Entladebetrieb leidet, interessiert das einen LiFeYPo4 nicht. Man kann ihm die Kapazität über Tage oder Wochen entnehmen. Wenn man möchte, bis zu 80% der Kapazität. Im Notfall auch noch mehr, ein gutes BMS und Know-How vorausgesetzt.
Und wenn dann irgendwann wieder geladen werden muss oder kann, dann funktioniert das bei Lithium deutlich vorteilhafter als bei Blei. Da sackt der Ladestrom nicht prinzipbedingt schnell ab und füllt den Akku nur kleckerweise und immer langsamer, umso voller er wird, sondern kann bis kurz vor die Ladeschlussspannung voll aufrecht erhalten werden. Wer entsprechend leistungsfähige Ladegeräte und Balancer einsetzt, kann einen LiFeYPo4 Akku mit 3C laden. Sprich, ein vollständig entladener Akku wäre innerhalb von 20 Minuten wieder voll. Gut, so viel Leistung haben die wenigsten zur Verfügung, aber selbst bei einer größeren Solaranlage auf dem Schiff macht sich die Ladecharakteristik eines Lithium Akkus ziemlich positiv bemerkbar. Mit so einem Block kann die Leistung der Solaranlage endlich voll genutzt werden und verpufft nicht in Ladeverlusten und Abwärme.

Ich weiß, dass viele Eigner dieser Technik noch sehr skeptisch gegenüber stehen. Warum das so ist, kann ich allerdings kaum nachvollziehen, sind Lithium-Akkus doch mittlerweile fast überall seit langer Zeit aus gutem Grund Stand der Dinge. Und gerade Lithium-Eisenphosphat-Akkus sind, was die Sicherheit betrifft, einem Blei Akku mindestens ebenbürtig, meiner Meinung nach sogar überlegen.

Neu ist das Ganze jetzt auch nicht. Ich selbst verwende seit ungefähr 20 Jahren Lithium Akkus verschiedenster Sorten, für die verschiedensten Projekte. Von Modellbau, über Solaranwendungen, bis hin zum E-Bike. Ich konfektioniere die Akkus häufig selbst und das Projekt mit der längsten Laufzeit bisher ist eine wasserdichte Taschenlampe, die ich vor 12 Jahren gebaut habe. Befeuert wird darin eine SEOUL P7 LED, von einem 2S 1000 mAh LiPo. Diese Lampe entstand zu einer Zeit, als es noch nichts vergleichbares zu kaufen gab und ich benutze sie in der dunklen Jahreszeit jeden Abend auf der Hunderunde durch die Feldwege am Stadtrand. Früher mit unserem Hund Johnny, heute mit Filou. Der Akku ist noch der erste und er wird nicht geschont. Er werden immer ca. 90% der Kapazität entnommen, bevor wieder nachgefüllt wird. Das Nachladen passiert so ca. alle 2 Wochen. Im Sommer liegt die Lampe dann bis zu einem halben Jahr herum, ohne dass ich mich darum kümmere. Dem Akku macht das nichts aus, er verliert in den 6 Monaten nur wenig an Kapazität. Das einzige, was ich nach dem Winter mache, ich entlade ihn auf Lagerspannung, denn ganz volle Lagerung ist für LiPo`s mit das schädlichste, was man machen kann.
Nach 12 Jahren im Einsatz, funktioniert dieser Lithium Akku also noch wunderbar. Er zeigt wenig Alterungserscheinungen und nimmt nach wie vor einiges an Kapazität an. So langsam merke ich zwar, dass er nicht mehr ganz so gut performt wie einer neuer, aber man muss bedenken, dieser Akku ist kein Lithium-Eisenphosphat Gerät, sondern ein einfacher Lithium-Polymer Akku erster Generation. Trotzdem schlägt er sich nach wie vor wacker.
Ich gehe davon aus, dass heutige (gute) Lithium-Eisenphosphat Akkus, bei ordentlicher Behandlung, ohne Schwierigkeiten 20 Jahre halten. Die Zyklenobergrenze werden die meisten Anwender dabei nicht mal Ansatzweise erreichen. Unsere Winston Zellen schaffen zum Beispiel bei 80% Entladetiefe mindestens 5.000 Zyklen, bei 70% mindestens 7.000 Zyklen und bei 50% nochmals deutlich mehr.
In der Praxis würde das bedeuten, dass ich diesen Akku bei 80% Entladetiefe über einen Zeitraum von knapp 14 Jahren jeden Tag einmal fast vollständig entladen und wieder aufladen müsste, bevor er so langsam anfängt das Zeitliche zu segnen. Sprich: Das schafft man selbst beim Fahrtensegeln nicht.
Es spricht also vieles für Lithium auf einer Fahrtenyacht und nur sehr, sehr wenig dagegen. Ich würde heute nur noch bei einem Szenario nicht auf Lithium umsteigen: Wenn das Boot überwiegend am Steg mit Landstrom liegt. Dann spielt ein Lithium-Akku einfach nicht seine Stärken aus und ein Blei-Akku in AGM oder Gel wäre nicht nennenswert im Nachteil, hat aber den Vorteil der deutlich niedrigeren Anschaffungskosten.

Eigentlich wollte ich ja nicht viel zu dem Thema schreiben, jetzt ist es doch wieder mehr geworden. Aber man könnte wirklich noch wesentlich mehr dazu schreiben. Deshalb der Link weiter oben.

Also, bei allen Zweifeln, die mich gerade plagen, es ist nach wie vor eine Menge Begeisterung für Morgenstern und die Restauration vorhanden. Nur liegt halt noch eine lange Durststrecke vor uns.

Damit wir während dieser Zeit nicht ganz trocken fallen, haben wir beschlossen, dieses Jahr wenigstens 2 Wochen fernab vom Schiff zu verbringen und ein kleines Sommerabenteuer zu wagen.
Endlich mal wieder etwas gemeinsam machen, was geistig und körperlich fordert und nichts mit Konstruktionszeichnungen und Schweißen zu tun hat.

Wir planen also gerade.

Vielleicht mal wieder nach Schweden? Dort waren wir seit 13 Jahren nicht mehr. Oder vielleicht ein Stück die Loire runter Paddeln, auf den Spuren von Gerd Kassel? Mal sehn…

Zum Schluss noch eine kleine Fotoauswahl der letzten Projekte für Morgenstern:

boot Düsseldorf 2020: Wo Ihr mich findet

Wie bereits in den letzten Jahren, werde ich auch heuer wieder die gesamte Messelaufzeit auf der boot Düsseldorf 2020 anwesend sein. Hier meine offiziellen Vortragstermine – freue mich, wenn ich vor oder nach einem Vortrag viele von Euch einmal persönlich kennenlerne. In den Reviervorträgen werde ich wieder primär auf die …

Der Beitrag boot Düsseldorf 2020: Wo Ihr mich findet erschien zuerst auf UNTER SEGELN.

Mitte Januar? Beste Zeit für einen kleinen Segeltrip

Was macht man Mitte Januar? Einige feuern den Countdown an, der langsam, sehr langsam runterläuft, bis irgendwann der Krantermin ist. Andere werkeln schon fleißig im Winterlager. Wir sind dann mal mit fünf Booten für ein paar Tage losgesegelt. Bisschen entspannen von der Kleinstadt. Planschen, Essen, Gassi gehen. Und Zombies jagen unter einem glutroten Vollmond.

Die verstrahlte Vergangenheit von Hao

So.,12.Jan.20, Pazifik, Tag 2051, 19.574 sm von HH

Dreißig Jahre – von 1966 bis 1996 – haben die Franzosen auf Moruroa und Fangataufa fast 200 Atomwaffentests unternommen. Über vierzig davon waren oberirdisch. Hao, keine 450 Kilometer entfernt, wurde zum militärischen Hauptquartier ernannt. Hier wurden die Atombomben zusammen gebaut.
Das Militär baute Straßen und eine Landebahn; hat ein Hafen angelegt, der heutige Liegeplatz von Atanga. Es soll sogar einen Nachtclub mit Tanz bis in den Morgen, einen Swimming-Pool und ein Kino gegeben haben.
„Die Versuche sind sauber“, hat Frankreich damals den Polynesiern versichert. „Fernsehstrahlung ist gefährlicher“, wurde ihnen beteuert. Angelockt durch diese Versicherungen und gute Verdienstmöglichkeiten kamen die Einwohner der Nachbarinseln nach Hao geströmt. Aus wenigen Hundert Einwohnern wurden dreitausend. Eine Hälfte waren Angehörige des Militärs, die andere Hälfte Polynesier. Die Inselbewohner gaben ihre Kokosernte auf und arbeiteten beim Militär als Monteur, Fahrer oder Reinigungskraft.
Wenn die Schiffe und Flugzeuge nach der Zündung der Bomben zurück kehrten, wurden sie auf Hao gereinigt. Die Flugzeuge waren zuvor durch die radioaktive Wolke geflogen, um Messungen vorzunehmen. Gereinigt wurde in kurzer Hose und T-Shirt.

Auf Moruroa gab es außerhalb des Sperrgebietes eine Zone in der die Angestellten Fußball spielten, Kanu fuhren und in der Lagune badeten. Immer wenn eine Bombe gezündet wurde, flüchtete das Militär zusammen mit den einheimischen Arbeitern auf Schiffen aufs offene Meer. Bei der Rückkehr räumten die Polynesier in einfachen Overalls die Trümmer an die Seite, während die Soldaten in Schutzanzügen unterwegs gewesen sein sollen.
Der ‚Fallout‘, der radioaktive Regen, der oberirdisch gezündeten Bomben reichte bis Tahiti – über tausend Kilometer entfernt und bei ungünstigem Wind sogar bis Gambier, entgegen die vorherrschende Windrichtung.
Entsprechend hoch sind noch heute die Fälle an Leukämie und Schilddrüsen-Krebs. Strahlenverseuchte Menschen kamen erst ins Militär-Hospital nach Tahiti und dann zur Strahlenbehandlung nach Paris – aber von dort kehrten sie nicht zurück. Jahrelang mussten Erkrankte ihre Verseuchung beweisen. Diese Beweispflicht wurde seit 2010 aufgehoben, aber noch immer gibt es unsinnige Ausnahmen: Schilddrüsen-Erkrankung wird nur bei jungen Menschen anerkannt. Der französische Präsident Hollande besuchte 2016 Französisch Polynesien und versprach hohe Entschädigungs-Zahlungen wie zuvor bereits Jaques (Fuck) Chirac. Versprachs und ward wieder in Frankreich verschwunden. Die Zahlungen fließen weiterhin schleppend.

‚Heute sind die Strahlenwerte auf Hao kaum mehr erhöht‘ oder auch ‚auf Hao wurde giftiges Plutonium gefunden‘. Die Bandbreite über den Ist-Zustand von Hao ist hoch. Klingt eher nach ‚was genaues weiß man nicht‘. ‚Moruroa bricht auseinander‘ oder ‚von Moruroa geht keine nukleare Gefahr mehr aus‘. Moruroa und Fangataufa sind bis heute Sperrgebiet und das französische Militär hat in fünfzig Jahren nur zweimal Zivilisten Zutritt zu den Atollen gewährt. Bis heute sind die Unterlagen der Atomwaffentest geheim und liegen unter Verschluss beim französischen Militär.

Nach Beendigung der Atomwaffentests zog das Militär Ende der 90er Jahre aus Hao ab. Lastwagen, Maschinen und andere Gerätschaften sollen über dem Außenriff mit Hubschraubern abgeworfen worden sein. Für uns klingt das glaubwürdig. Beim Tauchgang auf der Rückseite des Hafens sind wir sogar in der Lagune auf viel Schrott gestoßen.

Die Franzosen sind wieder weg, geblieben sind knapp über tausend Einwohner auf Hao, die wieder von der Kokosnuss-Ernte leben, in der Verwaltung arbeiten oder arbeitslos auf den monatlichen Scheck aus Frankreich warten.

Hao in den 60er Jahren entliehen von der Seite „Tahitiheritage.pf

Wir gehen auf Hao auf die Suche nach Überresten der damaligen Zeit. Viel finden wir nicht mehr. Die meisten Gebäude, die wir auf alten Fotografien gefunden haben, sind abgerissen. Ein ‚Reihenhaus‘ ist noch bewohnt, zwei stehen als Bauruinen mitten im Dorf. Geblieben ist ein Netz aus breiten Betonstraßen, überwuchert von Unkraut. Und in jedem zweiten Garten steht ein ‚Wohn-Container‘ aus Beton aus den 60er und 70er Jahren. Heute als Schuppen eingesetzt. Alte Fundamente von Häusern, machen sich die heutigen Bewohner als Fläche für ihren Hof zu Nutze.
Auf dem Friedhof finden wir, was wir bereits auf Tahiti gesehen haben: es wird jung gestorben in Französisch Polynesien. Spätestens mit sechzig Jahren ist Schluss. Viele sind nur dreißig, vierzig Jahre alt geworden. Das kann doch kein Zufall sein?!

Die meisten Häuser sind bereits abgerissen

Es wird jung gestorben auf Hao

Reste einer Gemeinschaftsdusche überwuchert am Dorfrand

Überwuchertes Straßennetz auf Hao

Wahrscheinlich das ehemalige Büro-Gebäude am Hafen, heute Wohnhaus von Dorothea, unser Nachbarin auf Zeit

Wohncontainer aus den 60er Jahren -aus Beton

Denkmal für die verstorbenen Soldaten auf Hao – sieht aus wie ein Atompilz

Petergogik in Mindelo

ANSPRÜCHE UND ERWARTUNGEN VON SEGLERN UND HERSTELLERN

Petergogik

Im Chemohimmel. Tag -7

{Time:22:00:00}
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Was mich begeistert

Da ist ja schon wieder. Der Wnuk. „Knust Bar Knust Bar Mäuschen, wer knabbert an meinem Häuschen.“ Bei mir ist es ungefähr 1L Busulfanlösung. Ich leg mich mal vorsichtshalber hin, schließe die Augen, setze meine Kopfhörer auf und lass mich mit leichter elektronischer Musik berieseln. Ich habe mein iPhone bei mir, schreibe einen kleinen Broadcast Absatz und schicke den in Englisch, Spanisch und natürlich Deutsch an meine Freunde, die immer wieder nachfragen wie’s mir dann geht. Mir gehen halt die Antworten aus. „Ja es geht mir gut. Nein die Behandlung hat sich …wieder verschoben…“

QTVLM, heißt dieses kleine französische Programm, dass ganz oben in meiner Lieblingsliste der MARLIN Navigationssoftware steht. „Ja wie geil ist das denn! Die haben es tatsächlich geschafft und die unter bekannten CM93 See Karten in ihr Programm zu integrieren“ Damit mausert sich QTVLM, von einem Multitoopl für Wetter- Diagnose und Vorhersage, mit definiertem GRIB File Abruf auf verschiedenste Open Source Ressourcen, die allen anderen Wettermodellen entsprechen nun zu einer weltweit abdeckenden Navigationssoftware. Alles für eine freie „Donation“. Ist natürlich vorinstalliert auf dem LunaPCmini. Leider ist es mir noch nicht gelungen das Programm unter Catalina OS 15 auf dem MAC zu installieren.

Ich habe erwartet dass es mir am ersten Tag meiner Chemo schlecht geht. Nicht richtig schlecht. Aber eben schlecht. Als die erste Chemo durch den Schlauch, durch meinen Hals, igitt, mein Körper geflossen ist, passiert erst mal gar nichts. Ich muss zusätzlich noch Tabletten nehmen, gegen elliptische Anfälle, Phenytoin. Die Anfälle hat es noch nie gegeben, irgend jemand schlaues hat die aber zur Vorschrift gebracht. Vielleicht hat es die Anfälle noch nie gegeben, weil man immer diese Pillen dazu gibt. Bei Pille muss ich immer an Pille aus Raumschiff Enterprise denken. Der hatte so ein Gerät in der Hand, Damit konnte ja alle Krankheiten diagnostizieren und auch heilen. Als kleiner Junge fand ich das schon immer total genial. Ganz soweit ist Doktor Helge aber noch nicht. Ich muss ihn freundlich darauf hinweisen, dass ich zu hören kann, aber nicht mehr verstehen was er da sagt. Manchmal gleitet er sanft ab. Mit meinem Haus Doktor Pelle, der Helge auch kennt, haben wir ihn mit Miracolix aus Asterix und Obelix verglichen, natürlich nur Spaß. Doktor Helge ist halt schlau, immens schlau, deshalb schreibe ich jetzt auch gerade hier, sonst wäre ich schon längst tot, vielleicht schon wieder geboren auf einem anderen Stern, in einer anderen Galaxie. Nathalie ist auch schlau. Nathalie und Dr. Helge verstehen sich auch, wenn ich nur noch Bahnhof verstehe.

Später am Abend ruft Stefan von der MARLIN an. Erster Abend ohne Gäste, nach drei Wochen, jetzt fällt er ganz tief in ein Loch und weiß gar nichts mit sich anzufangen. So sehr er sich auf diesen Moment gefreut hat, umso sehr fühlt er sich auch plötzlich auf diesem Riesenschild: Allein. Ich kenne das Gefühl, ich kenne das Gefühl ganz genau, und was hast du jetzt mit mir sprechen will. Nachdem er jetzt drei Wochen erklärt, erklärt, erklärt, und noch mal erklärt hat. Jetzt hat er eine Woche keine Gäste. Und dann kommen neue Gäste, Freunde heißt es auf kubanisch. Und dann fängt der wieder an zu erklären, wie die Toilette funktioniert, was man darf und was man nicht darf. Was gut und böse ist. Ja. So ist das. Das hast du alles sehr gut gemacht Stefan. Hat er auch. Die MARLIN hat ihm die volle Breitseite gezeigt. “Wenn du mich Segeln willst, dann musst du es wirklich wollen.”

Natalie fällt auf dass, wir dieses Jahr gar nicht zum Autorentreffen von Delius Clasen Verlag eingeladen sind. Komisch, Sind wir schon abgeschrieben? “Unsere Bücher werden doch gar nicht mehr verlegt, Ob es daran liegt?” Sind das die Rules?ich schlucke runter was ich denke: Die wollen keine Leukämie Glatzkopf am Tisch. Das dämpft die Laune.


Mitsegeln auf der MARLIN!

Atlantiküberquerung West – Ost 2020. Sichere Dir Deinen Platz.

CREW 63 Cienfuegos Cuba – St. Martin 22.02.2020 – 17.03.2020
CREW 64 Atlantik Crossing Leg 1 St. Martin – Bermudas 11.04.2020 – 30.04.2020
CREW 65 Atlantik Crossing Leg 2 Bermudas – Azoren 09.05.2020 – 28.05.2020
CREW 66 Atlantik Crossing Leg 3 Azoren – Europa 01.08.20 – 20.08.2020

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Wie man sieht, geht es in vier Schritten, die Engländer nennen das Legs, durch die karibische See von Kuba über Jamaika in die Dominikanische Republik und nach St. Martin. Für diesen sportlichen Törn über gut 1.000 Meilen mit Skipper Stefan, musst Du absolut seetauglich sein. Nix für Anfänger. Von dem Törn wirst Du dann noch Deinen Enkeln erzählen. Angekommen auf St. Martin, ist es schon eine Wonne Rene kennenzulernen. St. Martin: Ein guter Platz um Reparaturen durchzuführen, sich für den kommenden Törn zu verproviantieren. Hier ist das Zentrum der karibischen Yachtindustrie. Man kommt einfach von Europa mit dem Flieger nach St. Martin. Zu sehen gibt es auf St. Martin nicht so viel. Da ist man an einem Wochenende rum. Mit Rene als Führer ein echter Spass. Vor St. Martin zu den Bermudas sind es 850 Meilen. Wofür drei Wochen? Entweder man muss ein paar Tage auf günstigen Wind warten oder man kann eine Woche auf den Bermudas sein. Die Bermudianer sind extrem entspannt und ich habe selten eine Insel besucht, die es so in sich hat. Klima, Kultur, Land und Leute. Passt einfach. Sollte man einfach mal gewesen sein.

So. „Anker Auf.“ Endlich geht es los. Die Schapps sind voll, die Dieseltanks auch, mit zollfreiem Treibstoff. Auch wenn es eine Flaute erwischt, würden wir quasi mit der Strömung und unter Motor bis auf die Azoren kommen. 1.789 Meilen liegen vor uns. Der logische Weg. Erst einmal machen wir weiter Nord um günstige Winde aus West zu bekommen. Nach der ersten Nacht auf See, legt sich die Aufregung, die Transat Blase legt sich über unser Schiff. Weich drückt der Wind den Mast auf die Seite, lässt das Schiff krängen. Was für ein tolles Gefühl. Wer einmal dem Rausch einer Atlantiküberquerung verfallen ist, will es immer wieder. Es ist wie eine Droge. Ein Einrumpfboot ist das bessere Schiff für die Transat. Du vertraust dem Schiff, schon nach wenigen Stunden, nach der ersten Nacht auf See. Du merkst, wenn der Wind zu stark wird oder zu schwach ist an der Neigung des Mastes. Nicht zwei Rümpfe kämpfen gegen unterschiedliche Wellen und die Bewegungen sind abrupt, so wie bei den Katamaran Platzmonstern, die an den Ankerplätzen der Karibik in der Mehrzahl sind. Hier auf der West-Ost-Transat sind Schiffe unterwegs und Du bist dabei… Morgen geht es weiter… Wer mit will, schreibt mir an [email protected]

Spenderfreigabe ist da

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Jack Sparrow auf der MARLIN

Skipper Stefan reitet über Land. Zumindest kommt mir das so vor. Er will sein ganzes Können zeigen und die Einfahrt von Cienfuegos unter Segeln bezwingen. So was hab ich das letzte Mal während meiner Yachtmasterausbildung 2009 gemacht. Bis zum Ankerplatz ohne Motor, weil der Impeller durch ist oder das mit der Freundschaft zu Yanmar Johann noch nicht so funktioniert. Anscheinend hat es funktioniert mit dem Segeln. „Lass mal, der kann das. Ich habe gesehen wie er seinen Haikutter ALEXA manövriert hat.“ Ich glaube Nathalie und gehe Schlafen.

Heute dann geht es los. Die Freigabe der DKMS für den Spender ist da. Soviel ich mich freu, eben soviel Respekt habe ich vor den nächsten 10-30 Tagen. Der eine sagt, dass das inzwischen eine Standardbehandlung ist, der andere meint, dass es ein Drahtseilakt ist. Also alles ist drin. Von No House bis Full House. „Infektionslos!“ grinst Schwester Elizabeth, die es sich anscheinend persönlich auf die Stirn geschrieben hat, mich dadurch zu manövrieren, so wie Stefan die MARLIN jetzt schwitzend bei den cubanischen Behörden sitzt. Auf der einen Seite möchte ich nicht in seiner Haut sein im Moment. Auf der anderen Seite würde ich lieber in Cuba sein. Mit dem Kite durch die Bucht flitzen. Gesund. Dahin ist noch was zu tun.

Was hilft, wenn nix mehr geht? Mein Tip: „Hört ByteFM!“ Zu Weihnachten hat mir meine Ex, meine Lebensgefährtin, wer sonst als Nathalie, ein Jahresabo geschenkt. „Tip von Maren“, grinst Nathalie. Wie schickt man Skipper Micha durch die Transplantation? Der liest nicht, schaut nicht in die Glotze, denkt nur digital und hat alles was er braucht… 100 Tage, Blue-Water-Exil. Mit Musik. Da kommt mir ByteFM ganz recht. Die Website und die IOS ist schon recht Avant Garde und nach einigen Stunden Labyrinth hören, stoße ich auf André Langenfeld mit seiner Sendung „Schöner Wohnen“. Der Typ trifft meinen Musiknerv. Spielt elektronische Musik aus den wilden 80ern bis heute und es würde mich nicht stören dabei im Stau zu stehen. Is ja nen bisschen so. ByteFM ist moderiertes Musikradio – ein unabhängiges Programm fernab vom Mainstream. Werbefrei und ohne computergenerierte Musikrotation. Da mache ich doch gerne mal nen bisschen Werbung.

So. Die ersten Medikamente machen sich bemerkbar. Ich werde mich mal hinlegen und in den Chemo Modus gehen. Nicht wundern, wenn ich nicht mehr schreibe. Am 17.1.20 habe ich Geburtstag. Da ist die Knochenmarkstransplantation. My start of second life.


Mitsegeln auf der MARLIN!

Atlantiküberquerung West – Ost 2020. Sichere Dir Deinen Platz.

CREW 63 Cienfuegos Cuba – St. Martin 22.02.2020 – 17.03.2020
CREW 64 Atlantik Crossing Leg 1 St. Martin – Bermudas 11.04.2020 – 30.04.2020
CREW 65 Atlantik Crossing Leg 2 Bermudas – Azoren 09.05.2020 – 28.05.2020
CREW 66 Atlantik Crossing Leg 3 Azoren – Europa 01.08.20 – 20.08.2020

Wie man sieht, geht es in vier Schritten, die Engländer nennen das Legs, durch die karibische See von Kuba über Jamaika in die Dominikanische Republik und nach St. Martin. Für diesen sportlichen Törn über gut 1.000 Meilen mit Skipper Stefan, musst Du absolut seetauglich sein. Nix für Anfänger. Von dem Törn wirst Du dann noch Deinen Enkeln erzählen. Angekommen auf St. Martin, ist es schon eine Wonne Rene kennenzulernen. St. Martin: Ein guter Platz um Reparaturen durchzuführen, sich für den kommenden Törn zu verproviantieren. Hier ist das Zentrum der karibischen Yachtindustrie. Man kommt einfach von Europa mit dem Flieger nach St. Martin. Zu sehen gibt es auf St. Martin nicht so viel. Da ist man an einem Wochenende rum. Mit Rene als Führer ein echter Spass. Vor St. Martin zu den Bermudas sind es 850 Meilen. Wofür drei Wochen? Entweder man muss ein paar Tage auf günstigen Wind warten oder man kann eine Woche auf den Bermudas sein. Die Bermudianer sind extrem entspannt und ich habe selten eine Insel besucht, die es so in sich hat. Klima, Kultur, Land und Leute. Passt einfach. Sollte man einfach mal gewesen sein.

So. „Anker Auf.“ Endlich geht es los. Die Schapps sind voll, die Dieseltanks auch, mit zollfreiem Treibstoff. Auch wenn es eine Flaute erwischt, würden wir quasi mit der Strömung und unter Motor bis auf die Azoren kommen. 1.789 Meilen liegen vor uns. Der logische Weg. Erst einmal machen wir weiter Nord um günstige Winde aus West zu bekommen. Nach der ersten Nacht auf See, legt sich die Aufregung, die Transat Blase legt sich über unser Schiff. Weich drückt der Wind den Mast auf die Seite, lässt das Schiff krängen. Was für ein tolles Gefühl. Wer einmal dem Rausch einer Atlantiküberquerung verfallen ist, will es immer wieder. Es ist wie eine Droge. Ein Einrumpfboot ist das bessere Schiff für die Transat. Du vertraust dem Schiff, schon nach wenigen Stunden, nach der ersten Nacht auf See. Du merkst, wenn der Wind zu stark wird oder zu schwach ist an der Neigung des Mastes. Nicht zwei Rümpfe kämpfen gegen unterschiedliche Wellen und die Bewegungen sind abrupt, so wie bei den Katamaran Platzmonstern, die an den Ankerplätzen der Karibik in der Mehrzahl sind. Hier auf der West-Ost-Transat sind Schiffe unterwegs und Du bist dabei… Morgen geht es weiter… Wer mit will schreibt mir an [email protected] <mailto:[email protected]>

Hao zum zweiten Mal

Mi.,08.Jan.20, Pazifik, Tag 2047, 19.574 sm von HH

Richard Burton meint: „The gladdest moment in human life, me thinks, is a departure into unknown land.“ In abgewandelter Form stimme ich ihm zu: es ist für mich immer ein glücklicher Moment an einem unbekannten Ort anzukommen. Ich liebe es, einen neuen Standort zu erkunden und zu entdecken. Ich schaue auch nicht vorher bei ‚Google earth‘, ‚maps me‘ oder sonstigen ‚Spaßverderbern‘ nach, wo ich was finden werde. Die Kirche suchen und von dort sternförmig ausschwärmen, ist sowieso meistens von Erfolg gekrönt. Noch einmal dorthin zu reisen, wo es einem besonders gut gefallen hat, birgt für mich ein gewisses Risiko: man kann Dinge nicht wiederholen.

Ein zweites Mal auf Hao anzulanden, ist allerdings keine Enttäuschung. Wir haben erwartet, dass sich auf der verschlafenen Insel in den letzten sechs Monaten nicht viel verändern hat. Irrtum. Ein Häuschen am Hafen hat eine neue Terrasse bekommen. Im ehemaligen Hafen der Marine, die von hier die Atomwaffentests geleitet hat, liegt eine neue Landungs-Schute. Zwei neue Gräber finden sich am kleineren Friedhof, der mitten im Dorf liegt. Beide Gräber befinden sich außerhalb der Friedhofsmauer. Welche Art Vergehen mögen die beiden begangen haben, dass sie abgesondert beerdigt wurden?
Und außerdem sind im Dorf kleine Verschläge aufgestellt worden zur Mülltrennung von Dosen und Glas. Hao ist im Wandel, sozusagen. ;-)
Wir treffen Anna und Dorothea. Küsschen, Umarmungen, echte Freude uns wieder zu sehen, steht in ihren Gesichtern. Das ist schön und das erlebt man natürlich nur, wenn man an einen Ort zurückkehrt.

Atanga liegt hinter der Schute – wir haben die Darse für uns alleine

Zwei Gräber liegen außerhalb der Friedhofsmauer

Wir radeln die bekannte Inselstrecke ab, finden Vertrautes wieder und entdecken Neues, was wir vor einem halben Jahr übersehen haben. Wir füttern wieder das Schwein von Anna mit unseren Bio-Abfällen. Wir wissen, dass ab 16:00 Uhr das Internet vom Rathaus für die Allgemeinheit freigeschaltet wird und treffen den hässlichen Hund vom Fischer wieder.
Uns geht das Herz auf. Hao war beim ersten Mal schon unser privates kleines Paradies. Daran hat sich nichts geändert.

Am Anleger im Dorf – alte und neue Plätze werden gefunden

Unterwegs auf Hao mit dem Rad