Archiv der Kategorie: Blogs

Skipper Jan hat Geburtstag

{Time:10:45:00}
{Date:20190222}
{Position:12°27.2883’N, 061°29.2903’W}
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{Place:Carriacou}
{Target:Martinique}
{Temp Air/Pressure:26°C}
{TempWater:26°}
{Wind:25kn/NE}
{Wave:0,0m}
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{Photo:20190222}
{Title:Skipper Jan hat Geburtstag}

MARLIN hat das Paradies erreicht

Nachdem ich meine Anfängercrew direkt ins kalte Wasser auf dem Törn von Trinidad nach Grenada geschmissen habe, ist das Segeln in den Grenadinen nun die pure Entspannung. Seebeine haben nun alle und Segeln gegen 3m Welle bei 20 grad Krängung gehört nun quasi zum Alltag. Da darf man sich auch mal einen echten grenadinischen Seemannsrum gönnen. Die Lernkurve geht steil bergauf und jeden Tag muss ich weniger begleiten. Es bleibt also auch mal die Zeit euch einen Blog zu schreiben.

{Photo:20190222a}

Die Crew hat entschieden heute mal lieber vor Sonnenuntergang einen Zwischenstopp in Carriacou einzulegen, statt Nachts in Union Island anzukommen. Es ist die entspanntere Variante, denn es weht ein durchwachsener Nordost-Passat. Außerdem will ja niemand dort ankommen, wenn das Happy Island schon geschlossen hat. Auf dem Weg dorthin lernen meine Schützlinge also was Aufkreuzen bedeutet und das der Wendewinkel nicht nur vom Schiff, sondern auch von der Windstärke abhängt. Irgendwann steht Verena dann mit offener Rettungsweste vor mir. Sie guckt etwas verdutzt, ich vermute, dass sie irgendwo mit der Reißleine hängengeblieben ist. Im Endeffekt war es die Salztablette, die aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit bzw. des Alters nachgegeben hat. Soll wohl ab und zu passieren, natürlich haben wir noch ein paar Ersatzwesten dabei.

Das Wochenende wird wohl der Höhepunkt des Törns, Union, Tobago Cays, Lobster, Schildkröten, Bequia. Alles etwas entspannter, bevor wieder das Segeln im Vordergrund steht.

{Photo:20190222b}

Skipper Jan

Anmerkung von Micha: Jan hat heute Geburtstag. Alles Gute meinem Schützling! Ich wünsche Dir alles Gute & Meer zum diesem besonderen Tag. Das Du noch viele glückliche Meilen mit der MARLIN segeln wirst.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 52 Martinique – Antigua
CREW 53 Antigua – Martinique
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CREW 56 Kite & Sail Expedition Grenadines
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Ankern im Südosten der Osterinsel

Do-So., 14.-17.Feb.19, Chile/Osterinsel/Vinapu, Tag 1719-23, 15.744 sm von HH

Der Grund, warum wir überhaupt umankern müssen, ist ein roter Teufel, der sich westlich von Pitcairn befindet und südwärts zieht. Ein kleiner, unsympathischer Ableger soll die Osterinsel streifen. Es wird von Böen mit 42 Knoten gewarnt. Nicht lustig. Dieser Wind wird aus Westen vorhergesagt und somit können wir unmöglich in Hanga Roa bleiben.

Ein kleiner Ableger sorgt für Ärger

Ein kleiner Ableger sorgt für Ärger

Es ist nicht weit auf die andere Seite von Rapanui. Grad mal 11 Meilen – keine zwei Stunden Fahrt.
Einen guten Ankerplatz zu finden, ist schon schwieriger. Drei Segelboote sind bereits vor uns da. Wir versuchen es deren Nähe. Der Anker fällt. Da Achim Grausen vor dem kalten Wasser hat, springe ich zum Nachschauen. Ein schlechter Platz. Nur Korallenblöcke und Felsplatten. Hier können wir nicht bleiben. Wir gehen Anker auf. Ein Stück weiter versuchen wir es erneut. Der Platz ist nicht viel besser. Erneut gehen wir Anker auf. Beim dritten Platz springe ich erst, bevor wir den Anker fallen lassen. Wieder nur Korallen. Ich klettere zurück an Bord und wir fahren einen Kilometer weiter auf die andere Seite der ‚Bucht‘. Schon beim ersten Blick durch die Tauchermaske sehe ich nur Sand. Hier sind wir richtig. Ich schnorchel vor Atanga her, Achim kommt langsam nach. Der Anker fällt perfekt in Sand auf 20 Meter.

Wie Marta es bereits erzählte, bedeutet ein Insel-Seitenwechsel am Tag bevor der Wind dreht, fiesen Schwell aus Osten. Lustig wackeln wir von einer Seite auf die andere.

Am nächsten Tag hat der Wind gedreht. Die Dünung auch. Sie läuft jetzt westlich in die Bucht ein. Beeindruckend. Unser Nachbar-Katamaran ‚Qxygen‘ verschwindet bis zur ersten Saling hinter den Wellen. Cool. Das Geschaukelt ist nun viel besser. Alle 14 Sekunden kommt eine Woge durch, leichtes Rollen, das war’s.

Normale Ansicht ohne Wellenberg

Normale Ansicht ohne Wellenberg

Kat verschwindet hinterm Wellenberg

Kat verschwindet hinterm Wellenberg

Der Wetterbericht spielt verrückt. Der windarme Streifen, der den Wirbel in Ost- und Westwind teilt soll mal über uns, mal unter uns durchgehen. Windstärke und Richtung werden alle vier Stunden korrigiert. Solange wir nichts genaueres wissen, bleiben wir auf der ’schmuddeligen‘ Seite der Osterinsel. Hier befinden sich Öltanks, die per Pipeline von Tankern befüllt werden und eine Mülldeponie. An Land können wir nicht. Es gibt wohl einen kleinen Steg für die Besatzung der Tankschiffe, aber ein Dinghy kann man dort nicht lassen. Und nach Hanga Roa sind es vier Kilometer zu Fuß.

Ein windarmer Fluß zieht durch den Wirbel-Ableger

Ein windarmer Fluß zieht durch den Wirbel-Ableger

Auch am dritten Tag stellt sich nicht der gefürchtete Wind in Sturmstärke ein. Wir atmen erleichtert auf. An Tag vier ist alles vorbei. Jetzt wird schwacher Ostwind erwartet, so dass wir wieder nach Hanga Roa zurück fahren. Noch steht hier die Dünung aus Westen, so dass der Hafen weiterhin gesperrt bleibt. Fünf Tage konnten wir nicht an Land. Gut für den, der vorher ein paar frische Lebensmittel gebunkert hat.

Mein Praktikum, der Film, Teil 1

My Landlords

{Time:23:00:00}
{Date:20190220}
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{Place:Grenada}
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{TempWater:26°}
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{Title:My Landlords}

Freunde zu haben im Leben ist wichtig

Auf den Weltmeeren unterwegs, ist es oft schwierig seine Freundschaften zu behalten, zu pflegen. Ehrlich gesagt, verliert man bei einer mehrjährigen Weltumsegelung doch die meisten Bekannten und nur die wirklich ernsthaften Freundschaften bewähren sich auf Dauer. Das ist eben der Preis für die Freiheit. Damit musst Du leben wenn Du Ähnliches vorhast. Zwischenzeitlich haben sich die Zeiten geändert. Man rückt näher zusammen über die sozialen Medien. Trotzdem spaltet man sich irgendwie ab. Unterwegs. Auf Reisen. In der Freiheit, den Wind um die Nase. Was man auf der einen Seite allerdings verliert, gewinnt man auf der anderen Seite. Freunde unterwegs. Mit gleichen Zielen, Idealen und dem ähnlichen Alltag. Das ist schön. Das ist so schön, dass man davon abhängig werden kann. Nun habe ich allerdings den Trugschluss erlitten, dass ich der Meinung war, dass dieser Umstand, der Segelfreundschaften, auch sein wird wenn man seine Kojen vermietet. „Uppsi.“ Fehlanzeige. Das sind dann Gäste. Zahlende Gäste. Und so bald es um Geld geht, werden hohe Erwartungen erzeugt. Erwartungen aber sind gefährlich, denn sie können enttäuscht werden. Trotzdem gelingt es mir immer wieder Freunde beim Kojencharter zu gewinnen.

My Landlords. Heike und Bernd sind richtige Freunde in Flensburg und wie meine Bezeichnung schon sagt: Meine Vermieter. Die Beiden sind 2016 auf dem schnellsten Schlag mitgesegelt den ich jemals mit der MARLIN gemacht habe. 230 Meilen in 24h. Von Curacao nach Cuba. Die Zeit auf der MARLIN hat uns sehr verbunden. Fast jedes Mal wenn ich auf Heimaturlaub bin sehen wir uns. Meist mit Wein & Essen. Diesmal hat Bernd gekocht und es gibt spanische Zarzuela. Die Zutaten hier in Flensburg einzukaufen, Muscheln und Meeresinsekten, frischer Fisch, ist nicht mal so eben gemacht. Immer wieder stehe ich mit großen Augen an der Fischtheke und frage mich warum die Preise gleich sind, man hier 100g bekommt und in Portugal aber 1kg?

Schwamm drüber. Nach dem Essen geht es in den Keller und Bernd zieht mich im hauseigenen Billardraum ab. Er übt heimlich. Gibt er aber nicht zu. Dazu verköstigen Heike und Bernd mich mit guten Wein. Kein Wunder dass ich die Kugeln nicht mehr richtig treffe. Worüber unterhalten wir uns währenddessen? Über’s Segeln natürlich. Auch. Unter anderem. Ne, Wir sind richtig Freunde geworden und ich bin mir sicher dass die Beiden bald wieder auf der MARLIN stehen und mit mir zusammen in See stechen. Mit etwas Daumen drücken vielleicht sogar mit Stefan und Karin. (Dies ist ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Jan ist zwischenzeitlich mit seinen fünf Gästen von Trinidad nach Grenada gesegelt. Nicht so ganz einfach. Vier Meter Welle am Wind. Nun haben alle Seebeine und Jan geht zur Entspannung erst einmal alleine Einklarieren. Ja. So ist das. Kenne ich. Nun können sie gemächlich nach Norden segeln. Im Schatten der Antillen gemächlich und auf der Windseite sportlich. Die karibischen Antillen sind das beste Segelrevier der Welt. Nirgendwo sonst hat man so konstante Winde und so vielfältige Möglichkeiten. Ich bin sehr neidisch auf Jan, wenn ich so aus meinem Bürofenster schaue, wo der Nieselregen auf die Straße fällt.


Mitsegeln auf der MARLIN!

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Mein Praktikum als Segelmacher

Nicht gerade einfach, was ein Segelmacher alles können muss. Über meine Erfahrungen als Praktikant und darüber, wie es zu dem Praktikum kam, habe ich beim Float-Magazin geschrieben. Hier geht es
zum ersten
Teil.
 

 

Familienweekend

{Time:23:00:00}
{Date:20190217}
{Position:10°40.3381’N, 061°38.1668’W}
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{Photo:20190217}
{Title:Familienweekend}

Ein bisschen Reset ist immer gut

Sohn Julian ist zu Wochenende zu Besuch gekommen. Wahrscheinlich hat er gemerkt, dass der Alte ihn grade mal etwas gebrauchen kann. Aber nicht nur ich, sondern vor allen Dingen auch Maya und Lena haben ihren älteren Bruder schon lange nicht mehr gesehen. Julian ist so nett und bringt ordentlich Sonnenschein mit. Zu spät für mich, denn ich habe schon die volle Portion Grippe vom Gymnasium via MayaLena bekommen und sieche vor mir her. Gliederschmerzen, Schnupfen, Husten, Hals… das volle Programm. Ich frage mich, warum ich auf dem Schiff so selten krank bin. Nun gut. Liegt vielleicht doch einfach am Klima? Dann hilft eben nur Klimawandel. Ich freue mich jeden Tag meer auf Schiff zurückzukommen.

MayaLena tauchen plötzlich voller Elan in meinem Studio auf. Meinem Studio, meinem Büro, meinem Atelier, wie man es auch immer nennen mag. In meinen Räumen. Sie bauen irgendwie einen Hintergrund für Lenas Playmobillandschaft. Papa hat genug Platz um sich dort mit Farben und Malgrung auszubreiten und es ist immer so schön aufgeräumt bei Papa. Na denn. So soll es sein.

Auf der MARLIN sindzwischenzeitlich die neuen Gäste eingetroffen und Jan freut sich, fünf Segelanfänger an Bord zu haben. Richtige Neulinge. Die kann man wenigstens noch so richtig formen, ohne das die Wiederworte geben. Am Montag geht es dann direkt Richtung Grenada. Vielleicht bekommen wir dann auch Fotos von der neuen Crew.


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{end}

Anker weg – statt Anker auf

Do., 14.Feb.19, Chile/Osterinsel/Vinapu, Tag 1719, 15.744 sm von HH

„So ein Mist, unser Anker ist weg!“ Achim kommt ins Cockpit gestürmt. „Die Bremse von der Ankerwinsch ist durchgerutscht und die Fangschlaufe hat es glatt durchgerissen. Anker weg, Kette weg! Sauber abgelegt auf 23 Meter Tiefe.“
Ich schaue ihn ungläubig an. Sehe blankes Entsetzen in Achims Augen. Wie immer stehe ich bei unseren Ankermanövern am Ruder und Achim bedient die Ankerwinsch. Wir markieren schnell unseren aktuellen Standort am Plotter, dann gebe ich leicht vorwärts, damit wir aus dem Ankerfeld raus fahren können.
Krisensitzung. Gaaanz ruhig. Tief durchatmen und nachdenken.

Als erstes hängen wir Atanga an die Boje von Martha. Die schippert mit Gästen um die Insel, der Platz ist für den Moment frei. Das bringt Ruhe ins Schiff. Das Nachdenken funktioniert schon mal. Dann ruft Achim Ferry ( von der Alrisha ) über Funk. Der steht mit Hilfe sofort zur Verfügung und zehn Minuten später mit seinem Dinghy neben dem Schiff. Achim macht in der Zwischenzeit sein Tauchzeug klar und steigt zu Ferry ins Dinghy. „Den Anker zu finden, dürfte schwierig werden“, verbreitet Ferry Hoffnung.
Gemeinsam düsen sie zum ungefähren Tatort. ‚Fünfzig Meter hinter dem Franzosen, etwas nach rechts versetzt‘, ist zu ungenau. Der Franzose schwoit, will einfach nicht auf seinem Platz bleiben. Achim schnorchelt zunächst an der Oberfläche, um Luft zu sparen. Auf über zwanzig Meter ist die Luft relativ schnell verbraucht. Aber es ist zu tief, so kann er ihn nicht finden. Er taucht ab.

Ich sitze auf Atanga und verdrücke heimlich eine Träne. Immer geschieht uns so ein Müll. Ich hader mit der Welt. Wie konnte das nun wieder passieren? Sind andere auch so doof? Mir fallen Geschichten von Tampen in der Schraube ein, Ablegen ohne angebautes Steuerrad, Auflaufen in flachem Wasser, Entleerung vom Frischwassertank in den Ozean und viele weitere Stories. Gut so. Mir geht es gleich besser. ;-)
Passiert ist es beim Wechsel von der Trosse auf die Ankerkette auf der Winsch (wir ankern zur Zeit 50 Meter Kette plus 30 Meter Ankertrosse). Für einen Moment liegt die Kette ohne Entlastung auf der Winsch. Die ist Bremse angezogen, aber offensichtlich nicht stark genug. Atanga nickt in der Dünung ein. Ein Ruck, zu viel Gewicht auf der Bremse und schon ist es passiert.

Nach dreißig Minuten sehe ich einen Fender am Unfallort schwimmen. Ah, Achim hat den Anker offensichtlich gefunden und markiert. Mir fällt ein Stein vom Herzen.
Ferry bringt Achim zu Atanga zurück. Der Rest ist fast ein Kinderspiel. Wir legen von der Mooring ab, ich steuere auf den Fender zu. Ferry im Schlauchboot daneben, übergibt Achim den Tampen, der fädelt ihn wieder durch die Ankerklüse. Und schon hängt Atanga wieder an ihrem Anker.
Achim legt die Kette auf die Winsch und wir gehen Anker auf.
Wir müssen den Ankerplatz wechseln, es kommt was Dickes auf die Osterinsel zu. Mit nur zwei Stunden Verspätung machen wir uns auf den Weg, so als ob nichts gewesen wäre. Die Tränen hätte ich mir sparen können.

Die Sichtweiten sind gut hier - da sollte ein Anker zu finden sein

Die Sichtweiten sind gut hier – da sollte ein Anker zu finden sein

Es ist ein Bertschi

Am 13. Februar gegen Mittag war ich auf dem Weg von Wesel nach Hannover. Drei Tage zuvor hatte Sabrina überraschend ein vielversprechendes Inserat bei Ebay Kleinanzeigen gefunden. Ein zweiflammiger Petroleumherd von Bertschi mit Backofen wurde dort zu einem sehr guten Preis angeboten. Noch dazu sollte er praktisch neuwertig sein.
Lange überlegen brauchten wir da nicht und so waren wir voller Zuversicht, endlich die richtige Kochgelegenheit gefunden zu haben.
Die Fahrt nach Hannover verging wie im Flug. Unterwegs habe ich mir schon ausgemalt, wie die neue Pantry auf Morgenstern einmal aussehen könnte, wenn alles eines Tages fertig ist. Und ich habe natürlich gehofft, dass der Herd aus dem Inserat auch wirklich so wie beschrieben ist.
Bei dem privaten Verkäufer angekommen, dann zunächst eine kleine Überraschung. Während wir so plauderten, stellt sich heraus, dass seine jetzige Segelyacht ihren Liegeplatz in Preveza (Griechenland) hat. Nur ca. 40 Seemeilen von Kefalonia entfernt. Dort ist er seit ein paar Jahren im Sommer immer unterwegs. Als ich mit Morgenstern im Ionischen Meer war, sind wir praktisch direkt aneinander vorbei gesegelt, ohne es zu wissen.
Den Petroleumherd hat er vor einer sehr langen Zeit neu gekauft und wollte ihn in sein damaliges Schiff einbauen. Ein Refitprojekt, das er allerdings kurze Zeit später aufgeben musste. Und so kam es, dass dieser Herd eine Weile in der Garage stand. Als irgendwann die neue Segelyacht in Griechenland gekauft wurde, stellte sich schnell heraus, dass der Bertschi nicht an den vorgesehenen Platz in der neuen Pantry passen würde und ein Umbau zu aufwändig wäre. Also stand er weiterhin gut eingepackt in Hannover und hat dort einen 12-jährigen Dornröschenschlaf verbracht. Er wurde nie in ein Boot eingebaut und nur kurz nach dem Kauf ein paar Mal getestet. Ein Brot wurde darin gebacken und mit den beiden Flammen kurz gekocht.
Es war alles dabei was man braucht. Ein paar Ersatzteile, Leitungen und ein sehr gut verarbeiteter Drucktank, der in einer Schlosserei hergestellt wurde. Zusätzlich zum Backblech wurde dort auch ein Grillrost aus Edelstahl auf Eignerwunsch angefertigt. Sogar die originalen Prospekte und Anleitungen von damals habe ich dazubekommen. Alles in einem Zustand der erkennen ließ, dass hier jemand lange darauf gehofft hat, dass der Bertschi doch noch eines Tages in sein Schiff einziehen wird.
Die Übergabe war schnell erledigt und ich habe mich anschließend riesig gefreut. Plötzlich stand er im Kofferraum, der Herd mit dem wir niemals gerechnet hatten. Ein Bertschi in der DeLuxe Ausführung! Bei dieser Version sind alle drei Brenner einzeln über zusätzliche Sicherheitsventile abstellbar, was einen enormen Sicherheitsgewinn darstellt und bei einem defekten Brenner dafür sorgt, dass nach dem abstellen mit den verbliebenen Brennern weiter gekocht werden kann.

Am nächsten Tag bin ich in jede Ecke des Ofens gekrochen und habe als erstes die Brenner ausgebaut und alles genau unter die Lupe genommen. Auch um zu testen, ob meine Brenner aus England im Bedarfsfall ohne Anpassungen eingebaut werden können. Ja, sie können! Und während ich so geschraubt, geschaut und ein bisschen poliert habe, bin ich wirklich ins Schwärmen gekommen. Meistens ist es eher so, dass ich beim basteln an einem Gerät darüber fluche, wie die verschiedenen Ingenieursgruppen während der Entwicklung des Produkts aneinander vorbei entwickelt haben und am Ende alles irgendwie, allerdings nicht sinnvoll zusammenpasst und erst recht nicht so, dass es lange hält. Oft bessere ich dann nach und tausche Bauteile aus, wo es möglich ist.
Vor ein paar Wochen war ich sogar kurz davor, selbst mit der Konstruktion eines Herds anzufangen, weil mir bisher nichts unter die Augen gekommen war, was mich zu 100% überzeugen konnte. Da ich vor ein paar Jahren mal eine Heizung nach dem gleichen Grundprinzip gebaut hatte, wäre das mit vertretbarem Aufwand machbar gewesen. Aber das hätte sehr lange gedauert und bei so einem aufwändigen Projekt wäre die erste Version mit Sicherheit nicht ohne Kinderkrankheiten gewesen.


Der Bertschi ist daher großes Glück für uns. Hier muss man nichts austauschen und nichts optimieren. Die verbauten Materialien sind erstklassig. Das fängt schon bei der Blechstärke an. Viel dicker als jeder andere Kocher, den ich bisher gesehen habe! Der Backraum doppelwandig, die Tür ebenfalls, die Frontscheibe gefühlt aus Panzerglas. Die Schweißnähte wurden so gesetzt, dass man sie nirgends sieht, Schrauben sieht man ebenfalls keine von außen. Anstatt einfach ein Loch durchs Blech zu bohren und eine Schraube durchzujagen, hat Heiny Bertschi von der Gegenseite aufwändig Gewindebolzen angeschweißt, um verschiedene Teile zusammenzufügen. Dadurch gibt es keine Stellen, an denen sich beim Kochbetrieb eine übergekochte Suppe ins Innere mogeln kann. Der Herd sieht dadurch sehr sauber und aufgeräumt aus und er lässt sich durch diese Konstruktion auch leicht reinigen.
Was ebenfalls beeindruckt, ist die Passung der einzelnen Teile und wie sie zueinander angeordnet sind. Auch die Zugänglichkeit der Brenner ist großzügig. Hier muss man sich beim Austausch nicht verrenken. Alle, wirklich alle Kanten sind entgratet, was heutzutage (leider) keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Der Bertschi ist selbst dort entgratet, wo nur seltenst ein normaler Mensch mit seinen Fingern hinkommt. Das sind jedoch Details, die ein hochwertiges Produkt ausmachen. Ein absolutes Gegenstück zum Kosumwahn, bei dem alles billig, ständig neu und irgendwie abgedreht aussehen muss und wo man als Endverbraucher am Ende froh sein kann, wenn das Gerät nicht kurz nach Ablauf der Garantie die Hufe hoch macht.

Beim Bertschi stellt man schnell fest, dass hier jemand Herzblut in sein Produkt gesteckt und es (vermutlich) über Jahre optimiert hat.
Dieser Herd hat keine Schwachstellen mehr und ist so gebaut, dass er mich locker überleben wird. So etwas gibt es heute kaum noch. Er kostet neu zwar eine gute Stange Geld und auch gebraucht reißt er noch ein kleines Loch in die Bordkasse, aber wenn man bedenkt, dass so ein Bertschi praktisch unkaputtbar ist, ist er am Ende womöglich sogar ziemlich günstig.

Wir freuen uns jedenfalls immer noch riesig, dass wir diesen Petroleumherd aus der Schweiz bekommen haben. Aus meiner Sicht ist er die Schweizer Uhr unter den Bootskochern.









SV Mirabelle – Antonin Barrier FR

EIN BESONDERES SCHIFF MIT GESCHICHTE

VIA 42

Tapio Lehtinen über Ham Radio

HAM RADIO – ODER DAS NADELÖHR IN FINLAND

Golden Globe

Golden Globe Race – Tapio Lehtinen ja radioamatööriyhteydet. Jari Jussila kertoo, miten yhteyksiä pidetään la 9.2. klo 17 Purjehdussatamassa.

Gepostet von Vene Båt am Samstag, 9. Februar 2019

Die Kommunikation mit Tapio hat sich eingespielt. Wann immer Tapio Fragen hat, werden diese über Jari Jussila , den Ham Radio Operator in Finland übermittelt, alle Antworten sodann an Tapio vorgelesen, der jedes Gespräch mit seinem Kassettenrekorder speichert, um es anschliessend niederzuschreiben. Jari Jussila´s idyllischer Arbeitsplatz ist hier zu sehen:

Tapio Lehtinen

Haka Pei – Bananenschlitten Rennen

So., 10.Feb.19, Chile/Osterinsel/Hanga Roa, Tag 1715, 15.744 sm von HH

Heute steht der sportliche Höhepunkt des Tapati Festivals an: Schlitten fahren auf Bananen-Stämmen. Dazu werden zwei Stämme zusammengebunden und der so entstandene Schlitten erhält rechts und links ein paar Haltegriffe. Den dicken Strunk voran, sausen die Wagemutigen an einem Krater im Inselinneren einen grasbewachsenen Abhang hinunter. Bei 45 Grad Neigung erreichen die Schlitten eine Geschwindigkeit bis 60 Stundenkilometer.
Zufällig haben wir vor zwei Tagen in Hanga Roa gesehen, wie sie verladen werden. Gigantische Teile. Kein Wunder, dass in allen Nachrichten von Tahiti bis Chile von diesem Rennen berichtet wird.
Ungefährlich ist der Wettkampf nicht. Eine echte Mutprobe für Verrückte. Bleibt der Strunk im Gras stecken, kommt es schon mal zu Überschlägen. Letztes Jahr soll das Rennen ausgefallen sein, weil der ewige Gewinner vergangener Jahre sich schwer verletzte.

Um überhaupt zum Krater kommen zu können, mieten wir uns ein Auto. Wir teilen uns das mit Ferry und Brigitte. Die Crew der Alrisha ist vor ein paar Tagen aus Galapagos angekommen.
Mit deutsch-österreichischer Pünktlichkeit sind wir bereits eine Stunde vor dem Start am Krater Maunga Pu’i. Die Rennstrecke ist mit Fähnchen markiert. Rechts und links davon dürfen sich die Zuschauer hinter einer unsichtbaren Linie am Hang verteilen.

Der Abhang - 45 Grad Neigung - kniehoher Bewuchs mit rauem Gras

Die Mittagssonne sticht. Die Insel-Profis haben Sonnenschirme und Eiskisten dabei. Die Feuerwehr steht bereit. Grills werden aufgebaut und aus Boxen kühle Melonen-Stücke verkauft. Die Veranstaltung ist gut besucht. Die ganze Insel ist auf den Beinen. Selbst nach 13.00 Uhr, der offiziellen Startzeit, strömen die Leute herbei. Dann trifft noch ein Krankenwagen ein.

Warten auf den Start

Wir warten. Es wird 14:00 Uhr, dann 14:30. Einen Grund für die Verspätung erfahren wir nicht.
Endlich kommt Bewegung in die Truppe, die auf dem Gipfel steht. „Jetzt geht es los“, verkündet eine Lautsprecherstimme. Acht Schlittenfahrer werden aufgezählt.
Aber plötzlich wird nach ‚Ambulancia, Ambulancia‘ gerufen. Per stiller Post macht die Info die Runde, dass jemand einen Stein an den Kopf bekommen haben soll. Oben auf dem Gipfel. Uns kommt das spanisch vor. Aber der einzige Krankenwagen der Insel sammelt einen Verletzten auf und fährt davon. Per Lautsprecher hören wir, dass ohne Ambulanz das Rennen nicht gestartet wird.
Okay, wir warten weiter. Der Krankenwagen sollte in einer halben Stunde wieder zurück sein. Und richtig, jetzt kann es los gehen mit über zwei Stunden Verspätung.

Der erste Schlitten saust den Abhang runter. Davon bekommen wir nicht viel mit. Wir sind überrascht, der Startpunkt ist bei den Fähnchen auf der gegenüberliegenden Seite und alles geht sehr schnell. Wir warten auf den zweiten Schlitten. Diesmal wissen wir wohin wir schauen müssen. Da kommt er. Brettert den Abhang runter. Aber dann Tumult hinter den Fähnchen. Der Schlitten verschwindet in den Zuschauern, er scheint vom Weg abgekommen zu sein. Menschen laufen aufgeregt zusammen. Wieder hören wir ‚Ambulancia, Ambulancia‘.
Schnell spricht sich herum, dass eine Zuschauerin vom Schlitten getroffen worden sein soll. Die Sanitäter brauchen lange, um die Verletzte in den Wagen zu bringen, dann fährt der Krankenwagen davon. Der Lautsprecher verkündet: „Das Rennen ist abgebrochen.“

Ein kollektives Aufseufzen ertönt. Menschen sammeln ihre Sachen zusammen und traben den Hang hinunter. Die Betroffenheit ist spürbar, so hatte man sich den Sonntag nicht vorgestellt.
Wir stehen mit Ferry und Brigitte unschlüssig am Hang. Wir haben Zeit. So schnell kommen wir sowieso nicht mit dem Auto von dem Wiesen-Parkplatz.

Da entsteht erneut Tumult am Kratergipfel. Eine Fahne wird geschwungen. Die Aufpasser scheuchen schnell ein paar Zuschauer hinter die Absperrung. Und dann kommt auch schon der erste Schlitten angeschossen. Nein, das wollen die Jungs sich nicht nehmen lassen. Sie wollen heute und jetzt ihre Mutprobe. Zuviel Adrenalin hat sich aufgestaut. Das muss raus. Hier lässt sich heute keiner das Rutschen verbieten.
Ein Schlitten nach dem anderen braust den Abhang runter. Atemberaubend. Ein unglaubliche Show. Wie kann man so durchgeknallt sein? Bis zu fünfzig Zentimeter heben die Jungs von ihren Strunken ab. Sie klammern sich fest – bloß nicht den Halt verlieren.
Zwei Jungs fahren im 2er Bob. Übermütig. Tollkühn. Verrückt. Zu wagemutig? Der Hintermann steigt bei voller Fahrt ab. Macht einen Überschlag. Dreht zwei komplette Räder in der Luft. Er steht zum Glück sofort wieder auf.
Alle Schlitten-Fahrer bleiben unverletzt. Okay, ihre blauen Flecken wird man Morgen erst sehen.

Der 2er Schlitten

Der 2er Schlitten

 

 

Der Pilot

Der Pilot

Ein Wehmutstropfen dieses Spektakels ist die verletzte Zuschauerin. Wir könnte nichts über sie heraus finden. Hörten aber, dass sie nach dem Zusammenstoß bewegungslos liegen geblieben sein soll. Wir wünschen ihr alles Gute.
Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass dies das letzte ‚Haka Pei‘ gewesen sein könnte.

Helden für einen Nachmittag
Die Spuren
Der Schlitten

Rapanui Berufskleidung

Rapanui Berufskleidung

Der Herd

Brenner für einen Petroleumkocher.

Was bei einer normalen Küche mit einer Fahrt in den nächsten Einrichtungsladen oder einer schnellen Bestellung bei einem Onlinehändler erledigt wäre, hat uns nun seit mittlerweile etwa 2 Jahren immer wieder beschäftigt: Der Herd fürs Schiff!
Denn der Herd, oder Kocher, ist das Gerät von dem vielleicht am meisten die gute Stimmung an Bord abhängt, vor allem, wenn man dauerhaft auf dem Wasser leben und essen möchte und nicht nur ein paar wenige Wochen Urlaub im Jahr auf dem Boot verbringt.
Im Laufe der Zeit konnten wir ja zum Glück einiges ausprobieren und so war die Entscheidung am Ende nicht besonders schwer. Schwer war hingegen, überhaupt einen dieser Herde zu finden, aber dazu später mehr. Fangen wir zunächst mit einem kleinen Überblick der verschiedenen Systeme an:

Spirituskocher
Auf Eos hatten wir ganz am Anfang einen Kocher, bei dem der Spiritus in Glas- oder Steinwolle gespeichert wird und ähnlich wie bei einer Kerze verdampft und schließlich verbrennt. So ein System kann man gut verwenden, wenn man nur wenig an Bord kocht. Die Kocher sind einfach in der Handhabung, haben jedoch den Nachteil, dass die abgegebenen Leistungen in der Praxis eher gering sind. Die Herstellerangaben werden mit „Wald- und Wiesenspiritus“ selten erreicht.

Spirituskocher mit Vergaser
So einen Kocher haben wir aktuell noch auf Morgenstern und damit habe ich unterwegs mehrere Monate täglich gekocht. Das Prinzip gefällt uns besser als die einfachen Spirituskocher. Vor allem stinkt es etwas weniger und der Brenner lässt sich leicht in der Leistung regulieren. Trotzdem ist die Geruchsbelästigung immer noch unangenehm, wenn man länger damit brutzelt. Die Leistung ist ähnlich (gering) wie beim einfachen Spirituskocher.
Beim Thema Geruchsbelästigung gehen die Meinungen übrigens weit auseinander. Jede Nase riecht anders, manche riechen überhaupt nichts. Ich rieche zum Beispiel bei einer Propangasflamme überhaupt nichts und würde bei Spiritus am liebsten flüchten.

Gaskocher
Hatten wir auf verschiedenen Booten in verschiedenen Ausführungen. Die abgegebene Leistung ist Klasse, die Regulierbarkeit ebenfalls und die Geruchsbelästigung (von Elektro abgesehen) am geringsten. Ein entscheidender Nachteil aus unserer Sicht: Das System Gas ist von allen jenes, welches im „Worst Case“ die größten Probleme macht, oder die Kürzesten (je nach Betrachtungsweise). Alle anderen Systeme können ebenfalls thermisch durchgehen, aber bei Gas liegt die Zeit zum reagieren im schlimmsten Fall unterhalb der Reaktionszeit des Menschen. Stichwort: *Bumm*

Elektro
Finden wir grundsätzlich wunderbar, wäre da nicht das Problem, dass wir unterwegs einfach nicht die Energiemengen dauerhaft sicher zur Verfügung hätten. Wer vorhat, sich von Landstrom zu Landstrom zu hangeln und nie lange in der Einöde unterwegs ist, für den wäre das System vermutlich ideal.

Dieselkocher
Auf Morgenstern hatten wir bei der Übernahme des Schiffs einen Wallas Dieselkocher an Bord. Läuft er einmal (was lange dauert, bis es endlich soweit ist), funktioniert er wunderbar.  Er braucht jedoch zusätzlich zum Diesel eine Menge Strom, da eine elektrische Vorheizung, Pumpe und Elektronik versorgt werden müssen. Bei einem solchen System kann nicht nur der eigentliche Brenner ausfallen, sondern ebenso die Elektrik, die Elektronik und die Pumpe. Aus meiner Sicht ist dieses System für Langfahrt deshalb eher ungeeignet, es sei denn man führt ein umfangreiches Ersatzteillager mit sich und ist in der Lage selbst zu reparieren. Denn Fachleute für solche Spezialgeräte wird man nicht überall finden. Weiterer Nachteil: Ist der Bordakku leer, kann man überhaupt nicht kochen.

Petroleumkocher
Mit einem Optimus Petroleumkocher haben wir auf Eos zusammengerechnet ca. 1 Jahr lang täglich gekocht und waren ziemlich zufrieden. Leistung und Regulierbarkeit sind so gut wie bei Gas. Man muss den Brenner mit einer kleinen Menge Spiritus vorheizen, was jedoch wesentlich schneller geht als der Heizvorgang beim Dieselkocher. Die Geruchsbelästigung ist minimal größer als bei Gas, jedoch deutlich geringer als bei einem Spirituskocher.
Einziger Nachteil aus unserer Sicht: Es dauert eine Weile, bis man einen solchen Brenner perfekt bedienen kann. Anfänger produzieren schnell Stichflammen oder benutzen zum vorheizen nicht die richtige Menge Spiritus. Hat man sich das Know How erst einmal angeeignet, kocht es sich damit jedoch genauso komfortabel wie mit Gas.

Das soweit zu den Kochern selbst. Schauen wir uns noch kurz die verschiedenen Brennstoffe an:

Strom
Kein Brennstoff, aber eine Möglichkeit damit etwas zum kochen zu bringen. Für uns nicht praktikabel, weil wir autark sein möchten und gerade bei der Zubereitung des Essens keine lange und anfällige Kette der Energieerzeugung haben wollen. In der Marina ansonsten eine tolle Sache.

Brennspiritus
Der Heizwert von reinem Ethanol liegt bei 5,8 kWh/l. Brennspiritus ist nichts anderes als Ethanol, mit dem Unterschied, dass er durch sogenannte Vergällung ungenießbar gemacht wurde. Leider schwankt die Konzentration des Ethanols je nach Land und Hersteller enorm. Oft findet man keine Angabe zur Konzentration auf der Flasche. Den besten Spiritus habe ich in Griechenland bekommen, den schlechtesten in einem deutschen Supermarkt. Das Zeug enthielt so wenig Ethanol, dass ich zunächst den Brenner für defekt hielt, bis ich eine andere Sorte ausprobiert habe.
Die Versorgung mit Spiritus war auf meiner Reise mit Morgenstern durch Europa insgesamt sehr problematisch. Manchmal war er sehr teuer, in einigen Ländern habe ich überhaupt keinen bekommen.

Gas
Der Heizwert von Flüssiggas liegt bei 6,6 kWh/l. Eine typische Gasflasche an Bord einer Segelyacht fasst 11kg. Es gibt natürlich viele weitere Größen, aber 11kg kann man durchaus als Standard bezeichnen. Bei einer Dichte von 0,54 kg/l passen in so eine Flasche demnach ca. 20l Flüssiggas.
Die Verfügbarkeit von Flüssiggas (Propan oder Butan) ist auf der ganzen Welt überwiegend gut, wäre da nicht ein kleines Problem, welches die meisten Fahrtensegler mit Gasanlage irgendwann trifft: Die verschiedenen Anschlüsse und Richtlinien! Was in Deutschland zusammen passt, lässt sich woanders möglicherweise nicht so einfach adaptieren, bzw. wird aus Sicherheitsgründen verweigert. Das Befüllen der Flasche kann dadurch zum Abenteuer werden.

Diesel
Der Heizwert liegt bei 9,7 kWh/l und das Zeug gibt es wirklich überall auf der Welt in rauen Mengen, sehr günstig und in guter Qualität.

Petroleum
Der Heizwert liegt bei 9,5 kWh/l. Die Verfügbarkeit ist etwas schlechter als bei Diesel, aber besser als bei Spiritus.

Ihr merkt, die Eierlegendewollmilchsau unter den Kochern gibt es nicht. Kompromisse muss man bei jedem System eingehen. Für uns passen diese Kompromisse bei einem Petroleumherd am besten zum Gesamtkonzept.
Die etwas schlechtere Verfügbarkeit des Brennstoffs gegenüber Diesel oder Gas lässt sich auf Morgenstern leicht umgehen, weil wir genug Platz haben um 50 bis 100l Petroleum zu tanken, je nach Fahrgebiet. Damit kommen wir etwa 1 bis 2 Jahre aus, wenn täglich gekocht wird und das Brot ebenfalls selbst gebacken wird. Innerhalb dieser Zeit stehen die Chancen ziemlich gut, dass man irgendwo Petroleum zu einem guten Preis bekommt. Zur Not kann man einen Petroleumbrenner übrigens auch mit Diesel, Kerosin, Heizöl, Grillanzünder oder Lampenöl betreiben. Es müffelt ein wenig, aber es funktioniert. Lampenöl und Grillanzünder besteht in den meisten Fällen ohnehin fast ausschließlich aus Petroleum.

Um bei einem Gasherd die gleiche Energiemenge an Bord zu speichern wie mit 100l Petroleum, nämlich 950 Kilowattstunden, wären übrigens mehr als 7 Gasflaschen à 11kg nötig, was praktisch unmöglich ist und natürlich auch Quatsch wäre. Wir hätten maximal 2 solche Flaschen verstauen können, denn ein Gaskasten muss aus Sicherheitsgründen ganz bestimmten Anforderungen entsprechen und nimmt eine Menge Raum ein.
Ein Tank für Petroleum lässt sich dagegen viel einfacher einbauen.

In der leichten Speichermöglichkeit sehen wir auch einen der größten Vorteile, der sich auf Eos bereits gezeigt hat. Als wir 2014 mit ihr los sind, haben wir 30l Petroleum dabei gehabt. Nach etwa 4 Monaten an Bord, in denen wir täglich gekocht und alle 3 Tage Brot gebacken haben, war davon etwa die Hälfte verbraucht.
2015 haben wir nichts ergänzt und etwa 2 Monate an Bord verbracht. 2016 haben wir den Vorrat in Le Verdon Sur Mer wieder auf ca. 30l aufgestockt, anschließend wurde wieder mehrere Monate täglich gekocht. In Frankreich bekommt man übrigens in vielen Supermärkten erstklassiges Petroleum in 20l PET Kanistern zu einem sehr guten Preis.

Es stand also seit einer ganzen Weile für uns fest, dass Morgenstern einen Petroleumherd bekommen soll. Und da fingen die Schwierigkeiten an. Genau gesagt fingen sie beim Preis an und hörten auch dort auf. Die Dinger sind Neu einfach sauteuer! Das liegt zum einen an den Brennern, die in der Herstellung einfach komplizierter sind als ein Gasbrenner und zum anderen in den geringen Stückzahlen, die hergestellt werden. Vieles ist Handarbeit, manches sogar fast schon Handwerkskunst. Und gute Wertarbeit kostet nun mal gutes Geld. Je nachdem für welchen Hersteller man sich am Ende entscheidet, muss man bei einem 2 flammigen Herd mit Backofen (also 3 Brenner) mit rund 2.000 bis 3.000 € in der Basisversion rechnen. Da sind dann oft noch keine Backbleche dabei, kein Drucktank, kein Haupttank, keine Kardanik und keine Ersatzteile, die man allerdings dabei haben sollte, wenn man autark sein möchte.
Ihr merkt, das zieht allein bei der Vorstellung in der Magengegend und für uns wäre ein neuer Herd schlicht nicht bezahlbar gewesen. Auf dem Gebrauchtmarkt ist das Angebot ziemlich dünn, noch dünner wird es, wenn man sich auf einen bestimmten Grundtyp festlegt. Wir haben uns auf einen 2 flammigen mit Backofen festgelegt, weil wir bei einem 3 oder gar 4 flammigen Herd zu große Kompromisse bei der Kardanik hätten eingehen müssen. Die maximal mögliche Auslenkung wäre deutlich geringer als bei einem 2 flammigen gewesen. Noch dazu hatten wir während der Reisen mit Eos nie das Bedürfnis, eine dritte Flamme haben zu müssen. Auf Morgenstern musste ich zwangsläufig gut ein Dreivierteljahr an Bord mit einer mickrigen Spiritusflamme auskommen und das hat auch gut funktioniert, wenn man sich darauf einstellt. 2 Flammen plus Backofen ist für uns deshalb bereits purer Luxus.
Bis zu diesem Luxus sollte jedoch noch eine ganze Menge Wasser den Rhein hinunter laufen!

Immerhin konnte ich bereits im Februar 2017 einige nagelneue Petroleumbrenner bei einem Bootshändler in England zu einem sehr guten Preis ergattern. Zusammen mit dem Brenner, den ich vor etlichen Jahren mal von Nico Strangemann (www.tamtam-sailing.de) bekommen habe, hatten wir nun 8 komplette Brenner zur Verfügung. Damit war also das Ersatzteillager auf Morgenstern bereits für die Eignergeneration nach uns gefüllt und auf der Insel gab es gefühlt nun keinen einzigen Petroleumbrenner mehr!

Nur den Herd, den hatten wir da noch lange nicht.

Wann es endlich soweit war und was für einer es am Ende geworden ist, dazu mehr im nächsten Beitrag.

Wilfried Erdmann hat auf seiner Website übrigens auch einen interessanten Artikel zum Thema geschrieben: Link