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Land in Sicht

So wenig Wasser wie aktuell war zuletzt im Oktober 2003 im Rhein. In Wesel hatte der Pegel damals mit 111cm eine neue Rekordmarke erreicht.
Gestern Nachmittag lag der Pegel bei 115cm. In Emmerich, Rees und Duisburg wurden die Pegelstände aus 2003 bereits unterboten. In Wesel könnte heute im Laufe des Tages der niedrigste Wert gemessen werden, seit mit den Aufzeichnungen zu Kaisers Zeiten begonnen wurde.

Nomade steht noch…

Unterwegs in Guernsey. Auf den Spuren meines Großvaters. Oder: Eine deutsche Geschichte.

Es wird Zeit, die Geschichte meiner Einhand-Segelreise von Sizilien 
 bis Südengland um die Westküste Europas zu Ende zu erzählen. 
Nach den Balearen, Gibraltar, Portugal, Nordspanien
und der Nordküste der Bretagne erreichte ich nach fast vier Monaten 
im September 2018 die Kanalinsel Guernsey. Ich blieb ein paar Tage auf der Insel. 
Lieh mir ein Motorrad. Und suchte die Insel nach Spuren ab aus der Zeit, 
in der mein Großvater auf der Insel gewesen war. Im II. Weltkrieg. Als Guernsey wie die anderen Kanalinseln von deutschen Truppen besetzt war. 

Die Einfahrt in den Hafen von St. Peter Port, Guernsey
Vielleicht war mein Großvater schuld. Vielleicht war er der Grund, weswegen ich hierher nach Guernsey gesegelt war. 
Mit meinem Großvater verbinden mich verschiedene Dinge. Seine Ungeduld. Sein Zähneknirschen, wenn etwas nicht gleich so läuft, wie er sich das vorstellt. Seine Neigung zu Halsschmerzen. Er hatte sie ausgeprägt, kam nach dem sonntäglichen Bier aus dem Wirtshaus mit Halsschmerzen heim. Es war dieser Satz, der sich mir von diesem einfachen Mann eingeprägt hatte: „S’oinzige Mol im Läaba, wo I koi Halsweah k’hett han: Des war z‘ Guensay“. ‚Das einzige Mal im Leben ohne Halsweh: Das war, als ich auf Guernsey war.‘
Guernsey. Wie war er da bloß hingekommen?
Er war ein kreuzbraver Mann gewesen, von einfachem Gemüt. So einfach wie das verschlafene Dorf an dem kleinen Fluss im Schwäbischen, wo man ihn nur den „Urle“ nannte, weil er Ulrich hieß, wie die meisten Männer meiner Familie. Hier war er geboren, hier hatte sein Elternhaus gestanden, hier hatte die Familie, deren Namen ich trage, mehrere Generationen gelebt. 
Von meinem Großvater weiß ich nicht viel. Dass er Maurer war, weil unter dem dürren Apfelbaum, wo wir unsere Ferien verbrachten, stets ein Holzbottich mit Kalk und Kelle bereitlag. Dass der „Urle“ im Dorf bekannt dafür war, Sommer wie Winter immer schon eine Viertelstunde vor Abfahrt des Zuges am Bahnsteig zu stehen, aus Sorge, er könne den Zug versäumen, obwohl er nur 50 Schritt vom Bahnhof hinter der Ligusterhecke entfernt lebte. Dass er Sonntags zum Bier und zum Kartenspielen ging – wie mein Vater und seine Brüder es auch taten. Dass er bei den „Veteranen“ war, den alten Herren, die bei der Prozession in Hut und ausgebeultem Anzug, doch mit klimpernden Orden behängt, nach Feuerwehr, Turnern, Sportverein stets den Schluss des feierlichen Zuges durchs Dorf bildeten. Dass meine Großmutter sich diebisch freute, wenn er sich zu diesen Anlässen versehentlich mal wieder ihr „Mutterkreuz“ ans Revers gesteckt hatte, das sie wie jede andere Mutter mit vier Kindern von der Partei bekommen hatte und ihr so garnichts bedeutete. Der Urle war einer, der in Dinge hineingeriet. Nicht einer, der Dinge aktiv lostrat.
Der Hafen von St. Peter Port, Guernsey. Im Hintergrund jenseits der steinernen Barre erkennbar der Yachthafen Victoria Harbour.
Guernsey. Wie war er da bloß hingeraten? Er, der so gut wie nie aus dem Dorf und seiner Umgebung herausgekommen war, außer als junger Turner in den Zwanzigern zu einem Wettkampf nach Dornbirn. Er war Maurer geworden, weil man als Sohn eines Kleinbauern, eines Handwerkers oder Tagelöhners im Dorf nur zwei Dinge werden konnte: Knecht auf einem Hof. Oder Maurer. Für mehr hatte es in der kinderreichen Familie für ihn nicht gereicht. Erst recht nicht für eine Arbeit bei den Juden des Dorfes. Sie waren die Unternehmer des Dorfes, die Rosshändler und Kaufleute, die Privatiers und Geschäftsleute. Irgendein Graf hatte sie vor Jahrhunderten in dem kleinen Marktflecken angesiedelt, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das hatten sie über Jahrhunderte getan. Sie waren es gewesen, die aus eigener Tasche die 15 Kilometer lange Bahnlinie entlang des Flusses bauen ließen, um das ganze Flusstal bis in die nahe Kreisstadt mit der Welt und dem Handel zu verbinden. Das war in dem Jahr, in dem der Urle in dem kleinen Dorf geboren wurde. Und zugleich das Jahr, in dem in Deutschland die meisten Bahnkilometer gebaut wurden, 1902. Die Juden des Dorfes müssen gute Kaufleute gewesen sein, mit Sinn fürs Geschäft und ein Herrenleben. Meine Großmutter war ins Dorf gekommen, weil sie eine Anstellung gefunden hatte als Hausmädchen und Wäscherin bei den jüdischen Kaufmannsfamilien. Erst bei den Lammfromms. Dann beim Philipp Hummel. Vielleicht auch bei der Familie des Leoreiter oder wie immer sie hießen. Sie stammte aus einem einfachen Bauernhof und war plötzlich in vornehme Haushalte gekommen – das hatte sie fürs Leben geprägt. Im Dorf war sie dem Urle über den Weg gelaufen, vielleicht auf einem der Volksfeste, auf dem sie die Maßkrüge austrug, um sich etwas dazuzuverdienen. Vielleicht war der Urle auch unter den Burschen, die nachts die Leitern an die Häuser legten, um zu den Mägden durchs Fenster zu steigen. Ein Abenteurer war er nie. Als sie schwanger war mit 24, heirateten sie heimlich: Frühmorgens um sechs stand der Urle neben der Hanne vor dem Altar, ihr sich deutliche rundender Bauch erlaubte keine ausgelassene Öffentlichkeit. So standen sie – genauso wie 33 Jahre vor demselben Altar um 6 Uhr morgens mein Vater neben einer grazilen rothaarigen Frau stand. Meiner Mutter, in deren Bauch ich strampelte.
Vermutlich arbeitete der Urle als Maurer im Dorf, als die neue Zeit anbrach. Das Dorf hatte die wirtschaftlich schlimmen Jahre gut überstanden, die Bauern hatten Eier, Fleisch und Getreide in Hülle und Fülle, die jüdischen Kaufherren im Ort hatten reichlich zum Handeln. Was Vieh und Felder an Überschuss lieferten, kam zum Bahnhof, den die Juden des Dorfes aus eigener Tasche finanziert hatten wie die Bahnlinie, es wurde in die Viehwaggons verladen und von dort in die hungernden Städte transportiert. Im Dorf zeigten sich die Braunhemden im Wirtshaus, der Urle und die Hanne gehörten nicht dazu – warum auch? Was die Hanne bei den Lammfromms verdiente, konnte die Familie mit den zwei, bald drei kleinen Kindern gut gebrauchen. Zu Weihnachten bekam sie von ihren Dienstherrn einen schwarzen Mantel, ein Geldschein war mit Stecknadel ans Revers gesteckt. 
Irgendwann kam der Brief, der den Urle zur Musterung befahl. Es würde ein zweites Mal Krieg geben in Urles Leben – für den ersten großen Krieg war er gerade so eben zu jung gewesen. Und für den zweiten war er nicht mehr jung genug. Weil er ja Maurer war , hatte man besseres vor mit ihm als Wehrdienst. Man steckte ihn als Handwerker in die „Organisation Todt“. So hieß die Truppe nach ihrem Führer Fritz Todt. Sie trugen Uniform, doch statt der Waffe auf Paraden den Spaten. Anfangs war die „Organisation Todt“ für den Bau ziviler Projekte eingesetzt. Als sich der Krieg mit Frankreich ein Jahr vor Ausbruch abzeichnete, begann die Organisation Todt mit dem Bau von Bunkern entlang der französischen Grenze. Wo der Urle eingesetzt war, weiß ich nicht, doch die Hanne mit den drei Kleinen, der Liesl, dem kleinen Ulrich, den alle Ua riefen und dem Hansl, die sahen den Vater selten in den Jahren, grad alle vier Wochen kam er mal heim. Die Hanne war auf sich gestellt, arbeitete bei den Bauern, schenkte Bier aus als Bedienung. Und ging selbst dann noch heimlich zu den Juden, als Braunhemden und Scharfmacher die Synagoge des kleinen Dorfes in Brand steckten und die Lammfromms, die alten Hummels und die Leoreiters längst den gelben Stern tragen mussten.
Der Urle, der kam nur noch zu Heimaturlauben nach Hause. Es scheint, als wäre er gleich hinter den kämpfenden Truppen, die das riesige Frankreich in sieben Wochen überrollten, mit der Organisation Todt Richtung Atlantik und Ärmelkanal marschiert. Die Baupläne für das, was nun am Atlantik errichtet werden sollte, waren längst ausgearbeitet: In Frankreichs wichtigsten Atlantikstädten sollten gewaltige Bunker für die Uboot-Flotte errrichtet werden. Der Urle, der ein einfacher Mann aus einem kleinen Dorf im Schwäbischen war, stand nun plötzlich in St. Nazaire am Meer. Und baute Schalungen für die meterdicken Betonwände. Flocht Eisenarmierungen für bombendichte Decken. Rührte Mörtel. Er sah die Zwangsarbeiter, die auf den Baustellen eingesetzt wurden, Politische, Homosexuelle, nach Frankreich vor den Nazis geflohene, vornehme und gebildete Juden wie die, die er aus seinem Dorf kannte. Er sah sie während seiner 12 Stunden-Schicht von sieben bis sieben, er
Die britische Festung über dem Hafen von St. Peter Port, in der die deutsche Radarstation während des Krieges untergebracht war.
sah, wie sie schlecht behandelt, manchmal gequält wurden. Vielleicht verstand er die Welt nicht mehr, er war nun 40 und immer noch Maurer, doch er hielt den Mund. Als der erste Teil des Bunkers von Saint Nazaire, der noch heute am Hafen steht, als die ersten Finger fertig waren, wurde er mit weiteren Arbeitern, die wie er an der einfachen Uniform mit den weiten Hosen die gelbe Binde der Organisation Todt trugen, abkommandiert. Auf eine Kanalinsel sollte es gehen, Guernsey, diesmal sollten nicht U-Bootbunker, sondern Gefechtsstände entlang der Küsten der Insel gebaut werden. Betonierte Maschinengewehr-Nester, um die deutsche Radarstation in der alten britischen Festung über dem Hafen von St. Peter Port zu bewachen. Und vor allem Bunker entlang der Strände
und Geschützstellungen für die tschechischen Panzerabwehrkanonen, die im Fall einer Landung in die anstürmenden Soldaten feuern sollten. Der Urle, er rührte Mörtel, baute Schalungen, schleppte Mörteleimer und flocht Eisenarmierungen, nur eben diesmal auf Guernsey. Die Hanne, die ging jetzt nur noch heimlich, und wenn es dunkel war, zu den alten Lammfromms, um für sie zu arbeiten.
Der Strand der Cobo-Bay im Westen von Guernsey heute. Die Bunkeranlagen des II. Weltkriegs verschwinden hinter Steinmauern, die man als Blendfassaden errichtet.
Hatte er Augen für die Schönheit des langen Sandstrandes der Cobo-Bay auf Guernsey, der damals voller Minen, Sprengfallen und Stacheldrahtverhaue war? Hatte er Sinn für die Schönheit der Insel, während er und die Zwangsarbeiter an der langen Mauer eben dieser Cobo-Bay bauten, die den Strand zur tödlichen Falle machen sollte? Er entdeckte jedenfalls, dass hier am Meer seine Halsschmerzen endlich ein Ende hatten. Einer der Zwangsarbeiter, ein jüdischer Arzt, mit dem er darüber sprach, erklärte ihm, woher es kam. Dass das Seeklima eben gut sei für seine Bronchien, seine Atemwege, die ihm ein Leben lang zu schaffen machen würden. Der Urle baute brav weiter an seinen Bunker über dem Strand, in dessen einzige Öffnung millimetergenau die Schnellfeuerkanone eingebaut wurde, vor der heute die Strandbesucher sitzen.
Nur an manchen Stellen der Cobo-Bay sieht man noch die deutschen Bunker.
Es scheint, der Urle hat all die Jahre auch in Guernsey geschwiegen. Er hat sich seinen Teil gedacht. Nur einmal hat er den Mund nicht halten können. Er war auf einem der seltenen Heimaturlaube. Die Juden des Dorfes, die man zuerst in ihrer Synagoge zusammengepfercht hatte wie in einem Getto, man hatte sie längst an einem schönen Junitag durchs Dorf zum Bahnhof und in die Viehwaggons getrieben, wie einst ihr Vieh. Frau Lammfromm war an diesem Tag vor dem Haus, in dem die Hanne mit den Kindern lebte, stehengeblieben. Hatte noch einmal „Frau Käsbohrer“ gerufen, doch die Hanne, die Furcht in ihrem Leben nicht kannte, hatte in diesem einen Moment geschwiegen. Und nicht geantwortet. Sie sollte Frau Lammfromm nicht wiedersehen. Als der Urle auf Heimaturlaub kam, war das alles Geschichte. Es war im Wirtshaus, wo er den Mund nicht halten konnte, und draussen auf der Toilette beim Pinkeln über die Nazis knurrte: „Dia Bettsoicher, dia gottverreckte“, was man mit „Diese verfluchten Bettnässer“ übersetzen kann. Mehr hatte er nicht gesagt.
Am nächsten Morgen kamen sie, um ihn zu holen. Von Dachau war die Rede. Wie er denn das mit den „Bettsoichern“ gemeint hätte. Als sie ihn mitgenommen hatten, warf sich die Hanne in ihr schönstes Kostüm. Setzte sich eines der Kinder auf den Arm und ging schnurstracks zum Ortsgruppenleiter. Vielleicht hatte sie das Mutterkreuz umgehängt, sie kannte keine Furcht. Ich weiß nicht, wie sie es erreicht hatte, der Urle wieder freikam. Am Abend des nächsten Tages war er wieder daheim. Und machte sich, weil sein Heimaturlaub zuende war, auf den Weg zurück nach Guernsey. Von Saint Malo aus wurden sie auf einem Schnellboot hinüber in den Hafen von St. Peter Port Guernsey gefahren, doch englische Schnellboote lauerten den Deutschen jetzt regelmäßig vor Guernsey auf und feuerten auf sie. Die Besatzer waren längst selbst zu Belagerten geworden. Sie warteten auf den großen Angriff, die Landung von der sie wussten, dass sie unmittelbar bevorstand. Sie wussten nur nicht, wo. 
Vielleicht hat der Urle in diesen Jahren von Geschichten auf Guernsey gehört. Von dem 18jährigen Mädchen, das trotz des Verbots, an den Sandstränden der Insel im Meer zu schwimmen zu gehen, im Sommer einfach doch Schwimmen gegangen war. Sich zu den verminten Sandstränden hinausgewagt hatte, um einfach nur mal im Meer zu schwimmen. Natürlich hatte man sie erwischt. Man zog sie heraus. Und stellte sie vor Gericht. Doch sie hatte Glück, kam mit einer saftigen Geldstrafe davon. Vielleicht hatte der Urle von der Geschichte der verwittweten Frau mit dem kleinen Lebensmittelladen gehört. Mit ihrem Sohn hatte sie einen flüchtigen Zwangsarbeiter aufgenommen, heimlich, und versteckt. Das war verboten bei Todesstrafe, doch sie tat es trotzdem. Es war eine mißgünstige Nachbarin, Guernseyerin wie sie selbst, die sie an die Deutschen verriet. Sie kam zuerst nach St. Peter Port zur Vernehmung ins Gefängnis. Dann wurde sie nach Deutschland verlegt, da saß sie im Gefängnis. Weil man nicht wusste, wohin mit ihr, kam sie ins KZ. Und wurde dort kurz vor Kriegsende in die Gaskammer geschickt. Ihr Sohn überlebte – als einziger britischer Insasse. 
Ob der Urle einer der Deutschen war, die bei Privatleuten untergebracht war? Ob er dort, weil er wie andere deutsche Soldaten seine Kinder vermisste, die fremden Kinder auf dem Arm trug, denen der Vater ebenfalls fehlte?
Einer der Strände im Westen Guernsey. Hinter den hübschen Steinmauern verschwindet die Geschichte der deutschen Besatzung von 1940 bis 1945.
Als die Alliierten ein Stück weit östlich von Guernsey entfernt in der Normandie landeten, beschloss der Urle, dass für ihn als Angehörigen der Organisation Todt der Krieg vorbei sei. Er nahm sich mit anderen OT-Leuten ein Wehrmachtsfahrrad. Und radelte darauf von der Bretagne bis in sein Dorf an dem kleinen Fluss im Schwäbischen. Meist radelten sie nachts, tagsüber schliefen sie im Straßengraben, die Tiefflieger waren überall. Der Krieg, der war für den Urle vorbei. Auch wenn sich die Hanne, die den kleinen Hansl auf dem Fahrrad hatte, jetzt auch in dem kleinen Dorf im Schwäbischen vor den Tieffliegern in die Straßengräben werfen musste.
Nach Guernsey ist der Urle danach nie wieder in seinem Leben gefahren. Er blieb, was er war: Ein einfacher Maurer, von gelegentlichem Halsweh geplagt. Und ein kreuzbraver Mann, der sonntags ins Wirtshaus zum Karten ging. Was er sich über seine Zeit auf Guernsey dachte? Darüber sprach er nie. Nur wenn er Halsweh hatte, dachte er an die Insel. Den Rest, den er dort erlebt hatte: Den nahm er mit ins Grab.


Rundreise Süd-Ecuador

Di., 16.Okt.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1599, 13.337 sm von HH

Es geht wieder los: Busfahren in Südamerika. Diesmal möchten wir ganz tief in den Süden Ecuadors.
Mit dem Nachtbus fahren wir über Guayaquil bis nach Zaruma. Dort sollen wir Morgen Vormittag ankommen. Der Süden wird von Touristen relativ wenig besucht. Die meisten Gäste landen mit dem Flugzeug in Quito und da liegen die Attraktionen vor der Haustür. Daher quält sich kaum jemand zwanzig Stunden im Bus nach Zaruma.
Der Ort ist so untouristisch, dass auf booking.com, meiner Lieblingsplattform zur Zimmerreservierung, kein einziger Treffer zu finden war. Ein Hotel, was ich trotzdem im Internet gefunden habe, wollten bei einer Zimmerreservierung eine Anzahlung von 50 Prozent. Ich konnte den netten Jorge überzeugen, dass wir kein Bankkonto in Ecuador haben, alles sehr schwierig ist und dass wir wirklich, wirklich anreisen. Er hat dann die Anzahlung verzichtet. Na, hoffentlich hat das geklappt.

Rundreise Süd-Ecuador

Rundreise Süd-Ecuador

Nach ein paar Nächten in Zaruma, einem alten Goldgräberstädtchen, fahren wir bis kurz vor die peruanische Grenze, nach Vilcambamba. Dann sind wir auch wieder in den Bergen, zunächst nur auf 2.000 Meter. Die Anden haben hier einen kleinen Höheneinbruch, bevor sie in Peru richtig an Höhe gewinnen.
Bei unserer letzten Rundreise sind wir ja nicht höhenkrank geworden. Ob es an der Strategie der langsamen Steigerung der Höhen lag? Ist nicht zu beweisen, aber wir halten an der Taktik fest. Auch konditionell hat das ja gut geklappt. Unsere wunderbar aufgebauten Blutkörperchen sind durch die faule Zeit im Cockpit längst abgeatmet. Die müssen wir grad wieder neu züchten.
Der dritte Stopp in Cuenca liegt bereits auf 2.500 Meter. Von hier können wir sternförmig Ausflüge unternehmen, die uns fast auf 4.000 Meter führen: Nationalparks und Inka-Ruinen. Alles gut von Cuenca aus zu erreichen. Außerdem soll Cuenca die schönste Stadt Ecuadors sein.

Wir sind gespannt. Endlich ist mal wieder was los. Die dicken Projekte sind abgearbeitet und Bahía ist doch etwas langweilig auf Dauer. Also, auf geht’s, der Bus wartet nicht.

Wind hat’s auf 29 Grad N

Schwerwettertraining gefälligst?

Um 14 Uhr gestern hat es, wie mit dem Schlag der Turmuhr, den Wind auf Nord gedreht. Um 16 Uhr hat dann jemand den Schalter für die Windmaschine eingeschaltet und Wnuki wieselt auf den Knien, immer schön eingepickt, über das Deck und klärt noch mal nach. Dinghy war noch nicht sturmsicher vertäut, Running Backstay stb noch nicht gesetzt. Baumniederholer klemmt und viele andere Kleinigkeiten. Von meiner CREW ist nicht viel zu sehen. Eine unsicher daherschauende Birgit sitzt mit Erdmännchenaugen im Pilothaus. MARLIN, noch im zweiten Reff und gereffter Genua, nutzt die Gelegenheit schon mal zu zeigen, dass sie eigentlich ein Wolf im Schafspelz ist. Sie neigt den Mast, zieht den mit Bullenstander gesicherten neun Meter langen Baum, mit dem Ende durchs Wasser und die Logge ist permanent zweistellig vor dem Komma. Nun. Wnuki hat nach dem langen Motoren auch Spass am Run bei 35 Knoten Wind. Aber wie ich dann feststellen muss, bin ich der Einzige der Spaß hat. Es wird schnell dunkel, 100% Bewölkung und Niesel. Meine Crew bisher mit 3 Bft in Kroatien gesegelt, schaut, wie soll man sagen, etwas uncertain? „Hmm. Stimmt. Die haben Angst. Kennen das ja noch nicht.“ Also fahre ich meinen Spaß runter. Mit Ferdi setze ich die Fock statt Genua, das dritte Reff im Groß. MARLIN interessiert das recht wenig. Die rennt weiter mit 9 Knoten. Die Front, mit dem versprochenen Trade Winds dahinter, rennt über uns hinweg. Zumindest ist es unten schon mal soweit, dass ich ein Fried Rice zaubern kann, Markus den Salat dazu. „Wir laufen bei den Wetter Bedingungen Graciosa nicht an“, verkünde ich nach dem Abendessen. „Segeln wir dann durch?“, fragt Birgit vorsichtig. „Ja.“ „Wann sind wir dann da?“ „Am Dienstag vielleicht? Wer weiß das schon.“

Das war Gestern und die Nacht war dementsprechend. Mitsegler, die es sich ion den Leesegeln versuchen bequem zu machen und ansonsten die Decke über den Kopf ziehen, in der Hoffnung das Skippers Worte wahr sind: „Das Schiff kann das ab. Ob ihr das abkönnt, wird sich zeigen. Ihr braucht also keine Angst zu haben“ Die Nacht ist dunkel, der Himmel dicht bewölkt, nur der Sonnenuntergang kurz davor, der hatte es in sich. Lang gezogener Schwell vor groteskem Himmel. Himmlisch schön wieder auf See zu sein. Nach zwei Nächten setzt der Mikrokosmos ein.

Das war gestern. Heute reißt der Himmel auf, die ersten Passatwölkchen erscheinen am Himmel und Skippers Welt ist wieder in Ordnung. Unten blau. Oben blau. Dazwischen die MARLIN. So wie es sein soll. La Palma, die grüne Insel liegt an. Am Dienstag irgendwann werden wir unser Endziel erreichen. Ich freue mich. Nicht weil der Törn dann zu Ende ist, sondern weil ich dann bald für ein paar Tage Heimaturlaub habe und meine Familie, vor allen Dingen meine Töchter sehen werde.

Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 48 La Palma (Kanarische Inseln) – Kapverdische Inseln Rundtour 27.10.2018 – 15.11.18CREW 50 Atlantiküberquerung Kapverden – Karibik 15.12.18 – 11.01.19
Danach geht es in der Karibik weiter. Im März im Antillenbogen nach Guadeloupe und im Mai zu den Bermudas und über den Atlantik zu den Azoren. 2019 geht es dann Rund England. Na? Lust mit zu segeln und den Platz schon mal zu reservieren?Mensch wir freuen uns auf auf dich, der die du mitsegeln willst. Buche Deinen Platz hier: www.marlin-expeditions.com

SV Atanga – Sabine + Joachim Willner DE

LAS PERLAS UND DIE PERLENINSELN


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Endlich wieder Segeln

Nächtliche Kollision

Es fällt mir im Moment etwas schwer gute Laune zu verbreiten. Der ganze Törn ist wie verhext. Dabei hatte ich mich so sehr auf Porto Santo und die Selvagens gefreut. Buchstäblich in den Eimer gefallen wegen diesem Wirbelsturm Leslie, der nun doch wie ich es mir dachte, zwischen den Azoren und Madeira durchgegangen ist und sich nun beim Landfall auflösen wird. Viel Wind um nichts, aber man kann so ein Ding ja nun nicht einfach ignorieren.

Nachdem sich die Wetterdienste alle einigermassen einig waren, haben wir die Leinen in Mohammedia gelöst und sind wirklich sehr schön an der Casablanca Waterfront vorbeigesegelt bei strahlendem Sonnenschein und leichten Winden. Hat mich sehr an Havanna Anfang dieses Jahres erinnert. Das war es dann aber auch mit Wind. Das alte Spiel: Segel rauf und Segel runter. Nachts ist der Wind dann ganz weg und wir motoren an einer anderen Welt in sechs Meilen Entfernung vorbei. Selbst 20 Meter lange Fischerboote fahren hier ohne Licht oder vielleicht noch mit einem weißen Rundumlicht. Geräuschnavigation unter Leichtwind-Segeln. Aus dem Nichts werden wir plötzlich angeleuchtet mit Scheinwerfern. Dann. „KAWUMM. KRATZ. ZONG!“ nehmen wir grade unter Motor, wahrscheinlich eine Fischerboje mit, in der tiefschwarzen Dunkelheit. Am kommenden Tag gibt es für sechs Stunden den langersehnten Nordwind. Endlich segeln. Aber es bleibt nicht lange spassig. Die Welle der MARLIN dreht mit. Der MAX Propellor kann seine Flügel nicht in den Unterwasserfahrtwind stellen. „KLONG. KLONG.“, haut etwas unter Wasser rhythmisch gegen den Rumpf. Na. Mit entspannten Segeln hat das nichts zu tun. Wir suchen uns einen etwas ruhigeren Platz nahe dem Strand von der Stadt Sidi. In Noonsite als der dreckigste Hafen von Marroko beschrieben. Wenn es nicht unbedingt sein muss, tauche ich nicht gerne auf offener See um den Propeller zu klarieren, hier in dem Hafen auch nicht. Markus läßt geräuschvoll den Anker vor der Hafeneinfahrt fallen. Keine Ahnung ob es sich um ein ganzes Netzt handelt oder was auch immer, springe ich mit Ferdi ins Wasser. Ferdi zuerst: „Es ist eine orange Leine, die sich um den Propeller gewickelt hat. Das Malheur ist schnell geklärt. Gott sei gedankt, nicht noch ein neues Problem. Davon habe ich grade echt genug. Passt schon gar nicht mehr auf eine ToDo Liste.

Zeitnah bekommen wir Besuch von den Behörden in einem baufälligen Dinghy, mit noch schlimmeren Aussenborder. „Jaja. Wir fahren schon wieder.“ Markus nimmt den Tampen vom Propeller zwischen die Zähne und knurrt die Beamten an. Alles Spaß. Alles gut. Die beiden Jungs sind nett und bitten uns entweder zu fahren oder in den Hafen zu kommen. Auf stundenlanges Einklarieren habe ich jetzt echt kein Bock, zumal ich die Schiffspapiere in Mohammedia habe liegen lassen. „Ruhig Blut.“ Waren nur Farbausdrucke in Folie geschweißt. Originale liegen in Deutschland.

Seit dem sind wir Tag und Nacht auf See. Wir haben Kurs auf die Nordspitze von Lanzerote genommen und kämpfen weiter gegen den nicht vorhandenen Westwind an und warten auf Sonntag Mittag. Dann soll endlich Nordwind einsetzte. Da kommt schon die Nachricht von Nathalie: „Ob ich den Starkwind gesehen habe.“ Habe ich was verpasst? Ich sehe 20 Knoten aus NE? Ich geh mal raus. Wir dümpeln grade. Die Lust den Motor anzumachen ist gleich null. Das Geräusch kennen wir jetzt zu Genüge.

Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 48 La Palma (Kanarische Inseln) – Kapverdische Inseln Rundtour 27.10.2018 – 15.11.18CREW 50 Atlantiküberquerung Kapverden – Karibik 15.12.18 – 11.01.19
Danach geht es in der Karibik weiter. Im März im Antillenbogen nach Guadeloupe und im Mai zu den Bermudas und über den Atlantik zu den Azoren. 2019 geht es dann Rund England. Na? Lust mit zu segeln und den Platz schon mal zu reservieren?Mensch wir freuen uns auf auf dich, der die du mitsegeln willst. Buche Deinen Platz hier: www.marlin-expeditions.com

Aschenputtel auf Langfahrt

Sa., 13.Okt.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1597, 13.337 sm von HH

In knapp zwei Monaten soll es losgehen. Richtung Südsee. Zeit, dass wir uns mit der Proviantierung beschäftigen. Was man immer wieder hört, sind Geschichten über die schlechte Versorgung im Südpazifik. Zwischen Südamerika und Neuseeland sieht es im Lebensmittel-Bereich finster aus. Vollkornmehl oder Körner gehören zur Kategorie ‚garantiert nicht erhältlich‘.

Okay, das sieht in Bahía nicht viel besser aus. Es gibt ab und an Vollkornmehl im Supermarkt. Dann aber in homöopathischen Mengen. Mit Chance sind mal zwei Kilo zu ergattern. Dann bleibt das Regal wochenlang leer.
Rechnerisch benötigen wir 40 Kilo für zwei Jahre Südsee. Allerdings kann Vollkornmehl nicht so lange gelagert werden. Es wird ranzig. Körner dagegen sind nahezu unbegrenzt haltbar.

Eine Getreidemühle haben wir an Bord. Ein Gerät von dem ich dachte, es verschimmelt ungenutzt im Schrank. Bislang war Vollkornmehl – Weizen und auch mal Roggen- gut zu bekommen.
Vor ein paar Tagen haben wir die Handmühle das erste Mal betrieben. Sieht locker aus, ein bisschen an der Kurbel zu drehen. In Wahrheit verbraucht man mehr Kalorien als eingefahren werden.  Eine halbe Stunde haben wir uns abgewechselt beim Drehen und hatten ein Kilo Mehl und lahme Arme.
Aber es funktioniert. Unser geliebtes Vollkorn-Mischbrot ist gesichert.

Mühsahmes Geschäft

Mühsames Geschäft

Jetzt brauch ich nur noch große Mengen Körner. Ein paar Kilo Roggen habe ich für genau diese Zeit weggebunkert. Weizen finde ich auf dem Markt. Der einzigen Quelle für Getreide.
Der sieht frei von Tieren aus, den kaufe ich. An Bord kommt er in Quarantäne, ob sich nicht doch noch Motten oder Käfer entwickeln. Nein, alles gut (hätten sich Tiere gezeigt, hätte ich den Weizen in der Pfanne erhitzt. Bei spätestens 60 Grad ist für Eiweiß Feierabend).
Aber der Weizen ist unsauber gedroschen. Etliche Körner sind noch von den Spelzen umschlossen und ich finde kleine Strohhalme und Grannen in der Tüte. Jetzt kommt Aschenputtel ins Spiel: Das Gute ins Töpfchen, das Schlechte ins Kröpfchen.
Was für eine öde Arbeit. Ob ich mir zu viel Arbeit mache? Und man den Spreu mitessen kann? So richtig finde ich keine Antwort im Netz darauf, also sortiere ich weiter. Das erscheint mir sympathischer. Sind ja nur ein paar Kilo. ;-)

Die Spreu vom Weizen trennen

Die Spreu vom Weizen trennen

Überhaupt ist Bahía ein schlechter Ort für die große Proviantierung. Obst, Gemüse und Fisch gibt es für wenig Geld in sensationeller Qualität. Reis, Weißmehl, Hülsenfrüchte und alle anderen Grundnahrungsmittel ebenfalls. Bei Konserven, Wein, Fleisch und Milchprodukten sieht es schlecht aus. Vieles ist gar nicht zu bekommen und importierte Waren, wie Salami, sind frech teuer.
Aber gut, wir müssen es nehmen, wie es ist.

Schnipp-Schnapp Haare ab

 

Wenn man mit 46 Jahren (offiziell) wieder zu Hause einzieht, ist das wie eine Reise in die Vergangenheit. Auch wenn das ehemalige Kinderzimmer längst anderweitig verwendet wird, ist man schlagartig wieder der Teeanger, der vor einem Vierteljahrhundert ausgezogen ist. Und so war es nur eine Frage von Stunden (ich hatte ehrlich gesagt mit Minuten gerechnet) bis das Thema nicht mehr umschifft werden konnte. Beim Abendessen war es soweit. „Wann warst Du denn das letzte Mal beim Frisör?“ Nicht dass meinen Vater eine Antwort auf seine Frage interessiert hätte, vielmehr wollte er seinen Protest gegen die lange Mähne kundtun, wobei eine „lange Mähne“ bereits für ihn dann beginnt, wenn die Ohren nicht akkurat frei gelegt sind. Er selbst pflegt Zeit seines Lebens den gleichen kurz geschnittenen Scheitel über gestutztem Schnäuzer. Zumindest gibt es außer wenigen Kinderbildern keinen auf Zelluloid festgehaltenen Moment, in dem mein Vater eine andere Frisur zugelassen hätte, als den militärisch korrekten Haarschnitt.

In der Tat war es einige Wochen her, dass ich zum letzten Mal beim Friseur war. Ich glaube, es war im Juli, vielleicht aber auch schon im Juni. Einerseits aus zeitlichem Mangel. Andererseits, weil ich keinen Sinn darin sah, wie aus dem Ei gepellt durch die Straßen Berlins zu stolzieren (gefühlt 90 Prozent der Berliner machen das übrigens nicht). Einer der Vorteile, wenn man seinen Job gekündigt hat. Auch in Sankt Peter-Ording sah ich keinen Anlass, an meiner Strandmatte auf dem Kopf etwas zu ändern, die jeder zweite Surfer dort mit Stolz trägt. Erschreckend musste ich aber feststellen, dass etwas längere Haare unter einer Schirmmütze extrem ungünstig abstehen können und Erinnerungen an Crusty, den Clown wecken. Trotzdem liebäugelte ich damit, die Matte noch etwas wachsen zu lassen, als Ausdruck des selbst gewählten Vagabundenlebens.  

Als ich nach meiner Rückkehr in die Türkei durch das gut bewachte Tor zur Marina in Marmaris fahren wollte, stoppte mich die Security. Während ich die Formalitäten mit dem netten Wachmann mit Ruhrpott-Slang klärte, in dem ich ihm erklärte, dass mein Boot hier im Hafen läge, das ich gerade gekauft habe, bemerkte ich plötzlich, dass direkt neben der Einfahrt eine kleine Blockhütte steht, über deren Tür in großen Buchstaben „Hairdresser“ prangt. Ein Wink des Schicksals oder purer Zufall? Für einen kurzen Moment hörte ich wieder meinen Vater mit seinen mahnenden Worte über meine Mähne, die wie ein Tinnitus in meinen Gehörgängen hallten. 

Nachdem ich die erste Nacht wie ein Stein geschlafen hatte, kratzte ich mich durch die zweite, erschlug zum Zeitvertreib und aus Rache ein paar Mücken. Als ich gegen sieben Uhr genervt und gerädert den Kampf gegen die Blutsauger aufgab, um mir meinen Instantkaffee zu brühen und den Tag zu begrüßen, blickte mich aus dem Spiegel im Badezimmer ein gerupfter Wischmob an. Sah irgendwie scheiße aus. Langsam nervten mich die Haare. Vor allem bei schweißtreibenden Arbeiten am Boot, pieksen die verschwitzten Strähnen in den Augen. Und so kam es, wie kommen musste. Mittags klopfte ich an die Tür des Barbiers, der gelangweilt in seiner Holzhütte saß und abwechselnd auf sein Handy und den Fernseher starrte. „Shave or haircut“, fragte er zur Begrüßung. Auch wenn mir von früheren Aufenthalten in der Türkei noch bewusst ist, dass der Besuch bei einem Barbier durchaus seinen Reiz hat, beschränkte ich mich auf den Haarschnitt. Eins nach dem anderen.

Auf meine Antwort „haircut“ kam ein tiefer Seufzer. Der Barbier deutete mit einem Wink auf den Platz vor dem Spiegel, kramte nach einer
Sprühflasche, mit der Spießer in Deutschland ihren Ficus Benjamini bestäuben, und besprühte meine Haare so lange, bis sie tropfnass wie zu lange gekochte Spaghetti am Gesicht klebten. Zu meiner
Erleichterung kramte der Frisör nach einer Schere und nicht nach einem Rasierapparat, um mir den Schädel zu scheren. Denn zuvor hatte er mehr befehligt als gefragt, wie ich denn die gerne die
Haare geschnitten hätte. Mit nur einem Wort: „Short.“ Dahinter setze er gefühlt drei Ausrufezeichen, fett gedruckt, und ein winziges Fragezeichen. 

Ich nickte. Mit Kamm und Schere klapperte er wie Edward mit den Scherenhänden dicht an meinen Ohren vorbei – ohne dabei aber auf meinen
Kopf zu schauen. Vielmehr blickte er in den Spiegel, der vor mir an der Wand hing, und beobachtete darin den Fernseher, wo gerade eine adrette blondierte Moderatorin eine ältere Dame in
bäuerlicher Tracht und Kopftuch Punkte und Striche auf die Füße und Hände malte und diese dann massierte. Ich vermute, es ging um das Thema Fußreflexmassage, an dem mein Friseur reges Interesse
zu haben schien. Ich fragte mich, welchen Punkt am Körper man wohl stimulieren müsse, um die Blutung an einem abgeschnittenen Ohr stoppen zu können. Plötzlich fragte ich mich, ob es einen
kausalen Zusammenhang zwischen der Frisörbude und der daneben liegenden Holzhütte gibt. Denn über der Nachbartür steht in der gleichen Typo „Medical Clinic“. 

Nach einer Viertelstunden Scherengerassel war der Kampf wider Erwarten unblutig beendet. Und ich beeindruckt. Nicht nur waren die Ohren
heil geblieben. In den Ohren steckte jetzt sogar jeweils ein Zeigefinger des Frisörs, der Wattebäusche in den Gehörgängen rotieren ließ wie es sonst nur Waschmaschinen mit Frotteehandtüchern im
Schleudergang tun. Ob damit keine abgeschnittene Härchen herauspoliert werden sollten oder aber es ein Tipp der Reflexzonentante aus dem Fernsehen war, kann ich nicht sagen. Es war jedenfalls
nicht unangenehm. Zumindest im Vergleich zu dem, was dann kommen sollte. Plötzlich fasste der Frisör meinen Kopf zwischen seine beiden Pranken und bog ihn schwungvoll nach rechts und links und
wieder nach rechts und wieder nach links. Jovial setzte es dann noch einen schallenden Klaps auf die Schulter. Was ich erst als väterliche Geste deutete, war aber nichts anderes als der Versuch
mit zu bedeuten, dass ich mich vornüber lehnen soll, den Kopf tief gebückt ins Waschbecken, damit er mir die Haare waschen konnten. Nach einer behänden Kopfmassage fühlte ich mich wie neu
geboren. Daran konnte auch das Fönen nichts ändern. Während der heiße Wind die Haare trocken pustete, schlug der Frisör mit der flachen Hand immer wieder sanft über meine Kopfhaut. Eine Bürste
hätte es meines Erachtens auch getan. Aber gut, andere Länder…

Das Ergebnis war jedenfalls ansehnlich. Und ich fühle mich wieder wie ein Mensch. Wer sagt denn, dass Aussteiger lange Haare haben
müssen? Manchmal kann sollte man eben doch auf seinen Eltern hören. Auch mit 46 Jahren. Aber wirklich nur manchmal.

 

 

Davits für Dilly-Dally

Erikas Todestag

Hebel auf’s Pult

Krass. Erikas Kompression ist nach hinten losgegangen, ins Kurbelwellengehäuse und dort am Simmerring als weißer Qualm rausgekommen. Kolbenringe kaputt. Weiß der Himmel warum. Kann man reparieren, aber irgendwann reicht es dann aber doch. Erika hat ihr Lebensziel erreicht, dass der Trindianische Mechaniker mir 2014 in Chaguramas prognostizierte. „Ich habe noch nie einen Fischer Panda gesehen mit mehr als 2.000 Stunden auf’m Tacho hatte.“ Recht sollte er behalten. Ich habe natürlich ordentlich geweint. So viele gemeinsame Stunden im Motorraum, Hoffnung, Höhen und Tiefen, mit Rene, mit Lena, mit Julian, mit Jan… und erst die tausende von Euros für Ersatzteile. Damit ist jetzt Schluß. Erika ist tot und die Geschichte damit besiegelt. Ja. Es war abzusehen, dass unsere gemeinsame Lebensbahn irgendwie ein Ende hat. Es gibt eine Nachfolgerin. Ich will aber noch nicht zu viel verraten. Sicher ist, sie wird kein neuer Fischer Panda sein.

Das Schicksal hat also mal wieder zugeschlagen und ich bin erst einmal froh, dass wir nebst dem Generator auch eine große Lichtmaschine zum Laden der Batterien haben. Auch wenn das nur eine temporäre Lösung sein wird. Die letzte Stunden von Erika hat Ferdi mit mir im Motorraum verbracht und die letzten Wiederbelebungsversuche gemeinsam mit mir durchgeführt. Alle die Erika kannten haben großes Mitgefühl.

Am Morgen danach, also heute, ist die Stimmung dann immer noch nicht besser. GFS, ECMWF, die Noaa sind der Meinung das Hurrican Leslie sich den Kanaren zwar nähert, aber dann vor lauter Schreck wieder zurück nach Westen zieht und sich auflöst in ein kleines Tief. Zygrib allerdings sagt, dass Hurricane Leslie uns quasi auf die Pelle rückt un der Kern bis über Lanzarote zieht. Na das sind ja wieder tolle Aussichten. Es dauert eine weitere Stunde, bis ich entscheide, dass wir aufbrechen und Agadir anlaufen um dort auszuklarieren. Also angenehm ist das alles nicht. Heftige Zeiten grade auf der MARLIN.

Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 48 La Palma (Kanarische Inseln) – Kapverdische Inseln Rundtour 27.10.2018 – 15.11.18CREW 50 Atlantiküberquerung Kapverden – Karibik 15.12.18 – 11.01.19
Danach geht es in der Karibik weiter. Im März im Antillenbogen nach Guadeloupe und im Mai zu den Bermudas und über den Atlantik zu den Azoren. 2019 geht es dann Rund England. Na? Lust mit zu segeln und den Platz schon mal zu reservieren?Mensch wir freuen uns auf auf dich, der die du mitsegeln willst. Buche Deinen Platz hier: www.marlin-expeditions.com

Bewuchs-Wahnsinn unter Wasser

Mo., 08.Okt.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1592, 13.337 sm von HH

Die Pfähle auf denen die Marina gebaut ist, strecken bei Ebbe ihren warnenden Polizeifinger in die Luft: seht her, das passiert hier unter Wasser. Wir ignorieren das zunächst. Wissen wir doch beide, was das für Atanga bedeutet. Unsere Wasserlinie setzt regelmäßig etwas Schleim an, den Achim vom Dinghy aus entfernt. Danke Thomas für die schönen Fotos.

Super Job

Super Job

Arbeit im Liegen

Arbeit im Liegen

Achim zieht die unbequeme Variante der nassen vor. So recht mag keiner in den Fluss springen. Unterhalb des Wasserpasses macht das Antifouling einen guten Job. Soweit wir etwas in der schlammigen Brühe erkennen können, sind keine Muscheln am Rumpf.

Allein Propeller und Welle sind ungeschützt dem Bewuchs ausgeliefert (Es gibt Antifouling auch dafür. Aber durch die schnellen Drehungen von Welle und Schraube bewährt sich das nicht recht). Wenn die Pfähle der Marina zwei Monate nach einer Muschel-Ernte so aussehen, wie mag es dann unserem Propeller nach vier Monaten ergehen? Achim geht tauchen.

Muschelbewuchs an den Pfählen der Marina - nach zwei Monaten

Muschelbewuchs an den Pfählen der Marina – nach zwei Monaten

Das funktioniert nur bei Stillwasser vor dem Hochwasser. Sonst ist die Strömung zu heftig. Und es ist der Zeitpunkt des klarsten Wassers. Achim berichtet, er sieht trotzdem nichts. Der schwarze Schiffsrumpf ist als dunkler Schatten zu erkennen. Das ist seine Orientierung. Details erkennt er keine. Die Schraube kann er nur ertasten. Was er fühlt ist ein einziger Klumpen an Muscheln, Pocken, Kraut und sonstigem Bewuchs. Der Propeller ist komplett verschwunden. Die Welle ist auf ein undefinierbares Rohr von zwanzig Zentimeter Durchmesser angewachsen.
Viel Zeit zum Arbeiten bleibt nicht, vielleicht dreißig Minuten. Schnell setzt wieder die Strömung ein. Dann muss er sich mit einem Arm an der Welle festklinken und mit der anderen Hand versuchen, das Teufelszeug vom Propeller zu kratzen.

Ich höre ihn im Schiff schaben und klopfen. Meine einzige Referenz, dass er überhaupt noch da ist.
Bereits zweimal ist er tauchen gewesen. Und noch lange nicht fertig. :shock:
Die gute Nachricht lautet, dass der Rumpf tatsächlich kaum bewachsen ist. Danke Antifouling.

Die Dilly-Dally-Diaries

 

Den Soundtrack zum neuen Lebensabschnitt liefert das Ploppen der Flip-Flops an den nackten Füßen. Es ist ein gleichmäßiger Takt, ruhig, ohne Hast und Hetze, angepasst an die Umgebung, an das Plätschern der Wellen am Ufer, an das Schlagen der Falle an den Masten im Hafen. Das Quietschen der Fender zwischen den Booten klingt wie eine Bratsche, die hin und wieder für dramatische Soli sorgt. Das Heulen der Böen, die abends von den Bergen brechen, wenn die Sonne, glutrot und aufgedunsen wie heißer Quarzsand von einem Glasbläser, sich im Meer versenkt, erinnert an einen Chor. Es hört sich gut an. Und es fühlt sich noch viel besser an. 

Zwölf Stunden habe ich gepennt. So lange wie seit Jahren nicht mehr. Und das erste, woran ich denke, ist das gleiche, woran ich dachte, als ich einschlief. Eine schöne heiße Tasse Instantkaffee. Eineinhalb Löffel, heißes Wasser und ein Schuss Milch. Für mich schmeckt der einfachste aller Kaffees nach Segeln. So wie Delial nach Sommerurlaub riecht. Aber niemals wäre ich auf die Idee gekommen, in meiner Berliner Altbauwohnung mir morgens einen Instantkaffee zu kochen. Da musste es ein Milchkaffee sein. Aufgeschäumte Milch auf einem Espresso mit der perfekten Crema, natürlich aus einer italienischen Siebträgermaschine. Der Ablauf war automatisiert. Aufstehen, auf dem Weg ins Badezimmer die Maschine aufheizen, dann Kaffee, Kippen, Klo. Der Genuss blieb auf der kurzen Strecke. Routine statt Ritual. 

Auf einem Boot ist das anders. Routine gibt es nicht, kann es gar nicht geben. Denn kaum etwas ist planbar. Der Luxus, den viele mit einem Leben an Bord verbinden, ist sicher nicht Komfort. Denn an Bord, auch wenn mein neues Zuhause mit knapp 43 Fuß komfortabel ist, ist alles eng – und umständlich. Der wahre Luxus liegt aber genau darin: der Entschleunigung. Und dem Selbstverständnis, dass nicht alles selbstverständlich ist.

Das Gas kommt aus einer Katusche, die auch mal leer ist. Das Wasser aus einem Tank, der befüllt werden muss. Verschwendung wird bestraft – durch Extraarbeit. Den Strom liefert die Sonne, und wenn die nicht scheint, bleibt der Kühlschrank warm. Also achtet man automatisch auf den Stromverbrauch. Der Antrieb ist der Wind, der weht wie er will. Mal stark, mal gar nicht. Und wenn doch, dann aus der falschen Richtung. Die Natur bestimmt die Route. Das ist der Reiz. Oder vielmehr der Anreiz. Man fühlt sich plötzlich klein, und
dieses Gefühl ist ganz groß. Kleine Dinge werden zum großen Genuss, weil sie nicht mehr selbstverständlich sind. Wie der Instantkaffee. 

Mittlerweile habe ich mein durchgetaktetes Leben vor sechs Wochen verlassen. Jahrelang hatte ich den Takt geliebt. Erst trieb er mich
an, dann dann vor sich her. Und als ich nicht mehr mithalten konnte, strauchelte ich. Und irgendwann fiel ich auf die Schnauze. Nur weil ich (im übertragenden Sinne) einen 100-Meter-Lauf in
Bestzeit laufen konnte, glaubten andere (und auch ich), dass 200 Meter doch auch im gleichen Tempo zu schaffen sein müssten. Irgendwann wurde daraus ein Marathon, den ich spurten wollte. Hinzu
kamen immer neue und immer mehr Aufgaben. Nein-Sagen empfand ich als Schwäche. Hinzu kam sicherlich auch ein übersteigertes Ich. Wenn ich etwas selber machte, dachte ich, wird es wenigstens
vernünftig gemacht. Hochmut kommt eben vor dem Fall.

Um wieder geerdet zu werden, beschloss ich aufs Wasser zu gehen.

Als ich Ende August die Tür zu meiner Wohnung in Berlin zuzog, war das mehr als ein normaler Auszug. Allein schon deshalb, weil ich die
Wohnung mit allem Inventar verkauft hatte. Selbst die Bilder und sogar Fotos vom Strandsegeln, gedruckt auf Alu-Dipond, wollte der Käufer behalten. Alles, was ich von den vergangenen 46 Jahren
mitnahm, passte in einen Golf. Ein paar Klamotten zum Anziehen, Laptop und Kamera und ein kleiner Gummikopf, der je nachdem wie man ihn knetet, Grimassen zieht. 

Ich hatte vermutet, dass mich die Wehmut packen würde, als ich die Wohnung wie zu einem Wochenendtrip verließ. Aber da war: nichts!
Außer Erleichterung. Ich hatte erwartet, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem ich zweifele, ob die Entscheidung einen festen Job zu kündigen, die richtige war. Er kam nicht. Als ich dann kurze
Zeit später zusammen mit einem Freund in die Türkei reiste, um ein Boot zu kaufen, und ich die Dilly-Dally fand, war ich emotionslos glücklich. 

Wahrscheinlich, weil ich keine Minute an meiner Entscheidung zweifelte, und mir klar war, dass sich eins zum anderen fügen wird. Die
Begeisterung kam erst kurze Zeit später. Zurück in Deutschland.

Zwei Wochen verbrachte ich bei der Strandsegel-Weltmeisterschaft in Sankt Peter-Ording, wohnte mit wirklich tollen Freunden zusammen.
Zum ersten Mal nahm ich an den Wettkämpfen selbst nicht teil, sondern widmete mich ganz der Pressearbeit. Es war noch ein Mal wie ein Ausflug in das alte Ich. Schon früh morgens klingelte das
Telefon und verstummte erst am späten Abend. Von früh bis spät stand ich unter Strom. So ziemlich jeder Fernsehsender berichtete über die WM. Es war der Lohn einer jahrelanger
Aufbauarbeit. 

Keine 48 Stunden nachdem ich Sankt Peter-Ording verlief, stieg ich in den Flieger. Um 1.15 Uhr am Dienstagmorgen stand ich am Flughafen
Hannover. Der Check-in war eine Katastrophe, die Passkontrolle überlastet. Zwei Stunden dauerte das Prozedere. Es störte mich nicht. Ich war froh dieser hektischen Welt zu entfliehen.

Als ich am nächsten Morgen in Bodrum landete, hatte ich – mit Unterbrechungen – vielleicht eine halbe Stunde geschlafen. Von Müdigkeit
aber keine Spur. Eineinhalb Stunden dauerte die Fahrt mit dem Mietwagen nach Marmaris. Jeden Kilometer quer durch die Berge und in Serpentinen entlang des Meeres konnte ich genießen. 

Die Dilly-Dally hatte ich über die Agentur Sunbird gekauft. Das Büro war auch am Dienstagmorgen meine erste Anlaufadresse, alle
Unterlagen waren dort. Der Kauf war problemlos verlaufen. Peter, der Yacht-Broker, ein hochgewachsener Mann, geboren in Sambia, ausgestattet mit feinem britischem Humor und der Gelassenheit eines
Südländers, erwies sich als absoluter Glücksgriff.

Während ich in Sankt Peter-Ording weilte, überführte er die Moody 425, die vor Anker lag, in die Marmaris Yacht Marina am anderen Ende
der Bucht, kümmerte sich um einen (preislich günstigen) Liegeplatz, vermittelte einen Mechaniker, der Davits anfertigen lässt und die Solaranlage montiert. Ich hatte Peter gefragt, ob ich ihn
beauftragen könne, die Arbeiten zu organisieren. Er lehnte ab. Aber er könne mir helfen, in dem er mir drei verschiedene Anbieter vorstellte, die er für die besten halte.

So kam ich an Brian, einen Briten, der wie Peter schon seit Jahren in Marmaris lebt. Er machte mir einen verbindlichen Kostenvoranschlag
mit mehreren Optionen, hielt mich bei jedem Schritt mit Bildern und Konstruktionszeichnungen auf dem Laufenden und riet mir sogar von meinen Plänen, eine überdimensionierte Solaranlage
anzuschaffen, ab. Brian rechnete mir haarklein für jedes Gerät den Verbrauch vor – nur um zu dem Schluss zu kommen, dass eine kleinere Anlage mit 3 x 120 Watt schon mehr als genug für mich sei.
Mit dem Office der Marina klärte er zudem bereits ab, wo und wann die notwendigen Schweißarbeiten ausgeführt werden können. 

Nach meiner Ankunft in Marmaris regelte Peter sofort den behördlichen Papierkram mit Transitlog, schickte seinen Mitarbeiter mit dem
Polster aus der Navigationsecke los, das einen neuen Überzug braucht, empfahl Wäschereien außerhalb der Marinas, die deutlich günstiger sind, beriet mich, wie ich ich am billigsten Wifi aufs Boot
bekomme. Zusammen recherchierten wir im Internet nach Routern und Preisen, ehe er mir den Weg zum Turkcell-Geschäft wies. Das alles, ohne dass ein einziger Cent an Peter fließt. Man kann sagen,
es hätte schlechter laufen können.

Natürlich gibt es viel zu tun an den ersten Tagen. Erst einmal schauen, was eigentlich alles, wo auf dem Boot verstaut ist. Denn der
Vorbesitzer, Hugh aus Südafrika, der nach Hongkong zieht, hat das Boot so verlassen, wie ich meine Wohnung: mit zwei Koffern. Umräumen, aufräumen, wegschmeißen. Gut ein Container ist schon
gefüllt worden. Ansonsten erst mal ankommen. Der Beach Club im Hafen bietet da eine hervorragende Anlaufadresse. Und Wlan – solange der Anschluss auf der Dilly-Dally noch nicht freigeschaltet
ist. Ich hoffe, dass Turkcell da schneller ist als die Telekom. Aber ich bin guter Dinge. Den auch die Abfertigung am Flughafen haben die Türken besser drauf als die Deutschen.

 

„Und, wie war die erste Nacht auf dem Schiff.“ Diese oder so ähnliche Nachrichten erreichten mich gestern etliche. Ich las sie, nachdem
ich den Instant-Kaffee getrunken hatte. Falls ich nicht alle beantwortet habe: „Wie ein Stein!“