Monatsarchive: August 2017

Sozialer Aberwitz

HIER: SOZIALE ANERKENNUNG

Als ich vor kurzem in alten Akten nach einer Postkarte suchte, die mir Gudrun Calligaro im Jahre 1989 aus New Zealand geschickt hatte, habe ich nolens volens in meiner Birne eine Tür aufgemacht, die nun weit offen steht – dass es zieht!

Sozialer Aberwitz

Havoeysund

Mahlzeit zusammen und schönen Gruß aus Havoeysund. Einem winzigen Nest auf halbem Weg vom Nordkap nach Hammerfest. Heute war ein geruhsamer Tag. Jedenfalls im Vergleich zu dem letzten Schlag Richtung Honningsvag. Nach zwei erholsamen Tagen in der kleinen, menschenleeren Clubmarina und einem wirklich schönen Ausflug zum Nordkap, ging es heute morgen früh um 6 unter Maschine los. Wind gabs heute leider keinen. Das war aber nicht wirklich schlimm, den zum einen war die Distanz mit nur 28 Meilen heute überschaubar und außerdem ging es heute quer durch die norwegische Fjordlandschaft, wo es mit segelbarem Wind sowieso immer etwas schwierig ist. Die Fahrt an sich verläuft dann auch undramatisch und kurzweilig. Die Landschaft um mich herum ist der absolute Hammer und lässt mich schwärmen. Hohe karge Berge, weite Wasserflächen und enge Sunde passiere ich heute. Die enge Durchfahrt südlich des Nordkaps ist aber nicht nur für ihre atemberaubende Landschaft bekannt, sondern auch den immensen Tidenstrom, der eine vorausschauende Planung erfordert. Ich habe offenbar alles richtig gemacht, den binnen kurzer Zeit rauscht Carpe mit fast 9 Knoten über Grund durch den Sund. Durchs Wasser machen wir derweil gerade mal 4,5 Knoten. Nicht schlecht der Specht. In der Ausfahrt aus dem Sund kommt mir dann tatsächlich eine andere Segelyacht entgegen. Da muss ich doch gleich mal funken. Es folgt ein kurzer Schnack mit einem Schweden der ebenfalls alleine unterwegs ist. Er ist auf dem Weg nach Kirkenes. Will dann aber wieder kehrt machen und in Tromsoe das Boot überwintern lassen. Daran hatte ich ja auch schon mal gedacht. Mal schauen. Bislang steht der Plan weiterhin nach Deutschland zurück zu segeln. Der Skandinavier macht mich außerdem auf ein U-Boot aufmerksam dass seiner Meinung nach am Horizont zu sehen sei. Ich checke das mit dem Fernglas x mal. Ich glaube aber eher, dass es ich um eine kleine Insel mit Leuchtfeuer handelt. Haben die Norweger überhaupt ne U-Boot Flotte? Na egal. Schon bald taucht in der Ferne Havoeysund auf. Ein echt kleines Kaff inmitten des gleichnamigen Sunds. Hier gibt’s gleich ein paar Hafenbecken die hauptsächlich von – na ratet mal – Fischern genutzt werden. Platz für Gäste gibts hier aber auch. Nach einem kurzen Intermezzo im Fischereihafen verhole ich mich dann doch in das Hauptbecken ganz im Westen. Hier gibt’s direkt vor dem “Zentrum“ einen Schwimmsteg. Platz ist auch. Also angefahren und Leinen fest gemacht. Kurz darauf sitze ich im Rathaus und frage ob ich da nun auch stehen bleiben darf. Die Dame am Empfang ruft darauf hin den Hafenmeister an, der auch schon 10 Minuten später auf Carpe sitzt und viel redet :-). Bleiben darf ich jedenfalls. Muss aber mein Boot ans äußere Ende des Stegs verholen, sobald dieses frei ist. Dort stehen nämlich noch zwei kleine Motorboote. Kurze Zeit später fährt das Äußere dann weg und ich kann umparken. Hinter mir steht derweil noch das andere kleine Boot, auf das von zwei Waldschraten irgendwelches Brennholz geladen wird. Ich verkrümmele mich mal unter Deck. 10 Minuten später scheppert es und Carpe macht einen Satz. Ich springe heraus und sehe das einer der besagten Schrate mich mal eben volles Programm schräg hinten gerammt hat. Platz hatte er eigentlich genug und außerdem hätte er auch noch locker 10 Meter zurücksetzen können. Ich bin begeistert und frage den Typ ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Der guckt mich nur an wie ne Kuh beim kacken und verpisst sich sogleich. Darauf hin rufe ich ihm ein paar international verständliche Nettigkeiten hinterher. An Carpe ist außer eine kleinen Schramme an der achteren Gummilippe Gott sei Dank nix passiert. Trotzdem ärgere ich mich. Gar nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn der Dämel gegen den Windpilot gedengelt wäre. Ihr seht also, es wird hier nicht langweilig. Nun habe ich eben noch eine kleine Runde durch den Ort gedreht und für dezente 20 Euro einen Fettteller in der örtlichen Frittenstation zu mir genommen. Heute bleibt hier an Bord also die Küche kalt. Morgen solls mit dem aufkommenden Nordost dann nach Hammerfest gehen. Laut Revierführer die nördlichste Stadt der Welt. Ich bin gespannt.

Italien Süd: Mit dem Nord über den Golf von Tarent. Oder: Wie fühlen sich 30 Knoten an?

 Am Abend hatte ich mir den Wecker gestellt. Pünktlich um 04.30 kamen aus dem IPad die Harfenklänge. Ich ließ es erst einmal eine Minute „harfen“. Dann schlug ich die Augen auf.


Draußen ließen harte Böen LEVJE an ihrem Anker zerren. Nicht beunruhigend. Die Böen hatten eingesetzt, wie der Wetterbericht es vorhergesagt hatte, pünktlich um ein Uhr Morgens. Ich war aufgestanden. Hatte eine Weile zugesehen, wie die Böen LEVJE im  grellen Licht der Uferstraße in der Ankerbucht schwingen ließen. Hatte beobachtet, ob der Anker hielt, indem ich einfach zwei Minuten die Wassertiefe beobachtete. Sie blieb konstant zwischen 4,80 Meter und 5,00 Meter. Der Anker hielt. Dann war ich wieder in meine Koje gekrabbelt. Und war eingeschlafen.

Jetzt waren die Böen immer noch da. Etwas härter, ein weniger hackiger, übellauniger. Und das Gleißen eines Blitzes, das meine Kammer im Achterschiff erhellte. „Steh auf. Geh nachsehen“, mahnte mein Hirn. Schlaftrunken mache ich meine Runde durchs Schiff. Schließe die Fenster, die noch offenstehen. Werfe einen Blick nach draußen. Keine Minute zu Früh. Plötzlich fallen dicke Tropfen. Erst wenige. Dann setzt schwerer Regen ein, während die Böen weiter an LEVJEs Anker zwerren. Eigentlich ist alles dicht auf dem Schiff, nur der Niedergang, die Treppe in LEVJEs Inneres, ist noch offen. Sie ist abgedeckt durch die Sprayhood, eine Art Haube, die sie vor jedem Wetter schützt und auf die jetzt schwer der Regen schlägt. Obwohl der Niedergang windgeschützt ist, dringt Regen ein, weht in schweren Geschossen um die Sprayhood herum und macht mich nass, während ich auf der Treppe im Niedergang sitze. Und beobachte, wie sich mein Schiff verhält.

Regen am Meer kann es in sich haben. Er ist nicht zu vergleichen mit dem kontinentalen Regen, wie er bei uns niedergeht. Selten feiner Niesel, den die Engländer „drizzle“ nennen. Stattdessen Tropfen wie Geschosse, die im Nu das Wasser 20 Zentimeter auf der Straßen stehen lassen. Und in Sekunden als Sturzbach einen Weg vom Genick abwärts finden.

Nach einer Weile lege ich mich wieder in meine Koje. Nein, nicht jetzt wie geplant ablegen, den Anker holen. Und losfahren. Ich gönne mir noch eine Stunde. Und stelle den Wecker auf halb sechs. Und während ich versuche, einzuschlafen, während ich noch nach draußen lausche und dem rauschenden Regen zuhöre, verebbt er. Als hätte jemand mit einer entschlossenen Handbewegung den Wasserhahn abgestellt. Und mit ihm die Böen. Plötzlich ist es windstill draußen in der Dunkelheit. Das Schiff liegt reglos. Der schwere Regen hat die Wellen plattgedroschen. Ich höre nur noch das Gurgeln des strömenden Wassers, das sich an Deck wenige Zentimeter über mir glucksend in zahllosen Rinnsalen seinen Weg ins Meer sucht.

Als das Ipad zum zweiten Mal harft, ist es immer noch ruhig draußen. Die harten Windstöße sind einem feinen Singen gewichen über dem Schiff, der Wind ist gleichmäßiger geworden in meiner Bucht. Doch ich ahne, wie weiter draußen viel Wind weht. Unter den feinen singenden Tönen ahne ich draußen, wo der Schutz der Bucht endet, ein Orgeln. Vor den Fenstern meiner Kammer ist es draußen grau. Es dämmert. Zeit aufzustehen. Mich fertigzumachen.

Ich koche mir einen Tee. Schütte mir ein paar Haferflocken mit bitterer Schokolade in eine Schale. Früher, als ich noch einen Verlag mit 25 Mitarbeitern führte und mein Leben ein ganz anderes war, hatte ich oft Magenprobleme. Magenreizung hier, Reizmagen da. Ich schluckte jeden Tag Pantoprazol, wie viele in meinem Land das tun. Es half. Jetzt gönne ich mir jeden Morgen etwas Haferflocken. Magenschmerzen habe ich keine mehr. 

Die Tasse in der Hand, sehe ich mir noch einmal die Wetterberichte an. Vor drei Tagen hatte ich noch geplant, die 80 Seemeilen über den Golf von Tarent unter Motor zu überqueren, bevor die Kaltfront uns und die Südostspitze Italiens erreichte. Aber dann waren die Wetterberichte milder ausgefallen. Nur noch von sechs Windstärken aus Nord war die Rede, für drei Tage. Ich hatte beschlossen, genau auf dieses Wetter zu warten, um unter Segeln die Strecke zurückzulegen. Doch pünktlich gestern Abend hatte der Wetterbericht der italienischen Luftwaffe seine Milde sang- und klanglos eingestellt. „Ionio settentrionale forza 7. Con temporali.“, hieß es plötzlich gnadenlos. Gewitter. Und Windstärke sieben genau für meinen Sektor Ionisches Meer Nord. Kein Wetter, bei dem man rausgeht. Ich hatte kurz überlegt. Mir dann weitere Windkarten angesehen. Und beschlossen, die Überfahrt auch bei diesem Wetter zu wagen. Schließlich ist LEVJE ein Schiff, das genau für solches Wetter gebaut ist. Siebeneinhalb Tonnen schwer. Der Mast eher einen Tick zu klein, so dass man auch bei höheren Windstärken die Segel stehen lassen kann. Schwer. Behäbig. Ich ging übers Deck. Und machte mein Schiff seeklar.

Mit der Tasse in der Hand schaue ich nach draußen, in die Dämmerung. Und das fahler werdende Licht der Straßenlampen am Ufer, die plötzlich verlöschen. Ich starte den Motor, lausche einen Moment seinem beruhigenden Bullern. Dann setze ich das Großsegel. Und hole im Wasser, das der Nordwind kräuselt, den schweren Anker. 


Zwei Stunden später. Ich bin draußen, und das Kap von Santa Maria die Leuca, da äußerste Ende des Stiefelabsatzes, verblasst langsam hinter mir. Hier draußen hat der Wind kontinuierlich zugenommen. Erst waren es 15 Knoten. Und vorsichtig hatte ich Großsegel und Genua auf zwei Drittel entrollt. Aber irgendwann schwand die Vorsicht. LEVJEs Geschwindigkeit war mir zu wenig, und ich setzte Vollzeug. Alles, was ich hatte. Weiter draußen war der Wind mehr geworden. Und mehr. Erst 20 Knoten. Dann 25. Dann in der Spitze bis 27. LEVJEs siebeneinhalb Tonnen schossen wie ein Pingpong-Ball von rechts nach links, von links an rechts. Zuviel Segel. Reffen war angesagt. 

Reffen: Die Segelfläche verkleinern. Man rollt sie etwas ein. Das klingt einfach, meist sind es schweißtreibende fünf Minuten mit wütend schlagenden Schoten, knatternden Segeln, schepperndem Rigg, in denen ich zusehen muss, möglichst schnell über die Winschen zu kurbeln. Und den um sich hauenden Schoten aus dem Weg zu gehen. Blaue Flecken, eine aus dem Gesicht gehauene Brille wären jetz übel. 

Aber dann segelt LEVJE wieder so munter wie vorher zwischen den Wellenkämen entlang, surft ein Wellental, das seitlich kommt, entlang. Klettert wiegend auf den Gipfel der unter uns durchlaufenden Welle. Und surft vom gischtend brechenden Kamm der Welle wieder hinunter ins nächste Wellental. Ein nettes Spiel, über dem ich schnell vergaß, dass 25 Knoten eigentlich eine Windstärke sind, bei der man Respekt haben sollte, zumals als Einhandsegler. Früher, auf LEVJE I, war genau das meine Grenze. Sie war kleiner, wog nur die Hälfte, und war doch ein tapferes, braves kleines Schiff, auf dem ich Einhand in die Türkei und von dort nach Sizilien gesegelt war. 25 Knoten. Darüber wurde es mulmig, weil das Schiff, meine kleine Welt, zu kippelig, zu instabil wurden.

25 Knoten. Wieder eine Welle, die gischtend vor uns bricht und LEVJE kurz aus ihrem Kurs spültt.  Aber der Autopilot, der auf langen Fahrten steuert, schafft es in zwanzig Sekunden, LEVJEs siebeneinhalb Tonnen wieder einzufangen, auf Kurs zu bringen. Der Autopilot ist Einhandseglers wichtigstes Utensil. Er übernimmt das Steuern, während ich Segel setze, reffe, unter Deck nach dem rechten sehe. Zudem ist Steuern bei diesem Wetter Scherstarbeit, man schafft es für eine begrenzte Zeit, für zwei, fünf oder sieben Stunden. Aber nicht für die 12 Stunden, die ich über den Golf von Tarent unterwegs sein werde.


Kurz nach 13 Uhr erreiche ich etwa die Mitte des Golfes. 40 Meilen in alle Richtungen bis zum Land. 75 Kilometer zu schwimmen, in alle Richtungen. Der Wind klettert über die Marke von 31 Knoten. Er bewegt sich jetzt oberhalb der 28 Knoten, und auch ohne den Windmesser vor mir im Cockpit wüsste ich beim Anblick der Welllen, was es geschlagen hat. Sie rollen jetzt in langen Reihen steil daher. Mauern aus Wasser, eine unmittelbar nach der anderen, ein tiefer Graben dazwischen. Sie treffen LEVJE seitlich, brechend unmittelbar neben ihr, Spritzwasser weht eimerweise in unachtsamen Momenten über mich, wenn ich mich nicht schnell genug hinter die Sprayhood ducke. Schluß mit lustig. Spiel vorbei. Die Wellen lassen Levja jetzt kaum noch auf den Kamm klettern, sie brechen irgendwo seitlich neben ihr, wenn es weiter weg ist, sehe ich, wie der brechende Wellengipfel unter der weißen Gischt in der Sonne flaschengrün leuchtet. Schaue ich nach hinter, wo LEVJEs 1,80 tief hinunterreichendes Ruderblatt eine aufgwühlte See hinterlässt, dann sehe ich, wie der Wind sofort die Tröpfchen vom Kamm mit sich reißt. 


Ende des Spiels. This is going serious. Als eine Welle neben LEVJE bricht, werde ich erst mit Salzwasser überschüttet. Dann fliege ich in LEVJEs harter Bewegung quer durchs Cockpit, auf die andere Seite. Das geht zwei Mal so. Bis auch dem einzigen Dümmsten an Bord dämmert, dass ich etwas unternehmen muss. Reffen? Geht nur noch minimal – ich habe Vorsegel und Groß schon aufs 2. Reff gebracht. Noch mehr Reffen ist nur noch Kosmetik. Dann die nächste Variante: Ich falle etwas ab. Lasse LEVJE jetzt noch mehr mit dem Wind laufen. Es wird wieder ruhiger an Deck. Und LEVJE wird jetzt nicht mehr gar so wild von den Wellen geprügelt. Ich überlege, wie es nun weitergeht. Eine der Winkarten kündigte an, dass es vor Crotone am frühen Abend noch heftiger werden wird. Noch mehr Wind? Wir kommen langsam an unsere Grenze. Sicher. Ich versuche, mir übers Handy den neuesten Wetterbericht zu holen. Aber wir sind längst so weit draußen, für Stunden geht gar nichts mehr. Ich bin auf mich allein gestellt.


Für eine Stunde bleiben die Dinge, wie sie sind. Es weht in Böen über 30 Knoten. Die Wellen ragen steil. Dann: Fällt plötzlich die Zahl auf dem Windmesser. 27. 24. Dann wieder 30. 23. Die Wut der Wellen lässt spürbar nach, das Meer wird glatter. Ich kann wieder den richtigen Kurs legen.


Nachmittags um halb drei taucht plötzlich der Schemen des Festlands vor uns auf. Das Radar, das ich mitlaufen lasse, hat es längst schon gesehen, der gelbe Fliegenschisse oben rechts auf dem Bildschirm. Jetzt sehe auch ich es. Weitere drei Stunden später habe ich plötzlich wieder Empfang auf dem Handy. Ich lade mir den Wetterbericht. Doch der verheißt erneut nichts Gutes: „Nordovest 7. Temporali“. Nordwest sieben. Und weiter Gewitter. Bad News. Ich werde nicht ankern können. Ich brauche heute Nacht richtig Schlaf, sonst kann ich den morgigen Tag vergessen. Auf der elektronischen Seekarte finde ich den Hafen von Crotone. Da war ich noch nie. Ich rufe an. Und frage, ob sie in zwei, drei Stunden für mich und mein Schiff Platz im Hafen hätten. Pasquale ist dran. Ja, sagt er, komm ruhig. Wir haben noch Platz. Wenn Du in den Hafen reinfährst, siehst Du rechts einen Typen mit rotem Pullover auf der Pier. Das bin ich. Folge einfach unseren Anweisungen.“

Als ich ankomme, weht der Wind quer durchs Hafenbecken auf mich zu. Statt eines roten Pullovers sehe ich gleich drei auf der Pier. Sie winken. Halten mir die Mooring hin. Eine Drehung im Hafenbecken. Rückwärts rein zwischen die Schiffe. Aufmunternde Rufe von den drei roten Pullovern. Was haben die bloß? Ist doch alles ok. Als meine Leinen fest sind, stelle ich LEVJEs Motor ab. Die drei in den roten Pullovern schauen mich an. „Waren nicht viele heute draußen unterwegs!“, sagen sie.“ Ich nicke. „Vuoi una birra?“ „Willst Du ein Bier?“, fragt Pasquale, und greift in den Kühlschrank hinter sich. Und ich, todmüde, fühle mich wieder einmal aufgenommen, getragen, von einer Woge, wie sie nur die italienische Männerwelt dem Fremden gegenübern zu entfesseln fähig ist.


Italien Süd: Mit dem Nord über den Golf von Tarent.

 Am Abend hatte ich mir den Wecker gestellt. Pünktlich um 04.30 kamen aus dem IPad die Harfenklänge. Ich ließ es erst einmal eine Minute „harfen“. Dann schlug ich die Augen auf.


Draußen ließen harte Böen LEVJE an ihrem Anker zerren. Nicht beunruhigend. Die Böen hatten eingesetzt, wie der Wetterbericht es vorhergesagt hatte, pünktlich um ein Uhr Morgens. Ich war aufgestanden. Hatte eine Weile zugesehen, wie die Böen LEVJE im  grellen Licht der Uferstraße in der Ankerbucht schwingen ließen. Hatte beobachtet, ob der Anker hielt, indem ich einfach zwei Minuten die Wassertiefe beobachtete. Sie blieb konstant zwischen 4,80 Meter und 5,00 Meter. Der Anker hielt. Dann war ich wieder in meine Koje gekrabbelt. Und war eingeschlafen.

Jetzt waren die Böen immer noch da. Etwas härter, ein weniger hackiger, übellauniger. Und das Gleißen eines Blitzes, das meine Kammer im Achterschiff erhellte. „Steh auf. Geh nachsehen“, mahnte mein Hirn. Schlaftrunken mache ich meine Runde durchs Schiff. Schließe die Fenster, die noch offenstehen. Werfe einen Blick nach draußen. Keine Minute zu Früh. Plötzlich fallen dicke Tropfen. Erst wenige. Dann setzt schwerer Regen ein, während die Böen weiter an LEVJEs Anker zwerren. Eigentlich ist alles dicht auf dem Schiff, nur der Niedergang, die Treppe in LEVJEs Inneres, ist noch offen. Sie ist abgedeckt durch die Sprayhood, eine Art Haube, die sie vor jedem Wetter schützt und auf die jetzt schwer der Regen schlägt. Obwohl der Niedergang windgeschützt ist, dringt Regen ein, weht in schweren Geschossen um die Sprayhood herum und macht mich nass, während ich auf der Treppe im Niedergang sitze. Und beobachte, wie sich mein Schiff verhält.

Regen am Meer kann es in sich haben. Er ist nicht zu vergleichen mit dem kontinentalen Regen, wie er bei uns niedergeht. Selten feiner Niesel, den die Engländer „drizzle“ nennen. Stattdessen Tropfen wie Geschosse, die im Nu das Wasser 20 Zentimeter auf der Straßen stehen lassen. Und in Sekunden als Sturzbach einen Weg vom Genick abwärts finden.

Nach einer Weile lege ich mich wieder in meine Koje. Nein, nicht jetzt wie geplant ablegen, den Anker holen. Und losfahren. Ich gönne mir noch eine Stunde. Und stelle den Wecker auf halb sechs. Und während ich versuche, einzuschlafen, während ich noch nach draußen lausche und dem rauschenden Regen zuhöre, verebbt er. Als hätte jemand mit einer entschlossenen Handbewegung den Wasserhahn abgestellt. Und mit ihm die Böen. Plötzlich ist es windstill draußen in der Dunkelheit. Das Schiff liegt reglos. Der schwere Regen hat die Wellen plattgedroschen. Ich höre nur noch das Gurgeln des strömenden Wassers, das sich an Deck wenige Zentimeter über mir glucksend in zahllosen Rinnsalen seinen Weg ins Meer sucht.

Als das Ipad zum zweiten Mal harft, ist es immer noch ruhig draußen. Die harten Windstöße sind einem feinen Singen gewichen über dem Schiff, der Wind ist gleichmäßiger geworden in meiner Bucht. Doch ich ahne, wie weiter draußen viel Wind weht. Unter den feinen singenden Tönen ahne ich draußen, wo der Schutz der Bucht endet, ein Orgeln. Vor den Fenstern meiner Kammer ist es draußen grau. Es dämmert. Zeit aufzustehen. Mich fertigzumachen.

Ich koche mir einen Tee. Schütte mir ein paar Haferflocken mit bitterer Schokolade in eine Schale. Früher, als ich noch einen Verlag mit 25 Mitarbeitern führte und mein Leben ein ganz anderes war, hatte ich oft Magenprobleme. Magenreizung hier, Reizmagen da. Ich schluckte jeden Tag Pantoprazol, wie viele in meinem Land das tun. Es half. Jetzt gönne ich mir jeden Morgen etwas Haferflocken. Magenschmerzen habe ich keine mehr. 

Die Tasse in der Hand, sehe ich mir noch einmal die Wetterberichte an. Vor drei Tagen hatte ich noch geplant, die 80 Seemeilen über den Golf von Tarent unter Motor zu überqueren, bevor die Kaltfront uns und die Südostspitze Italiens erreichte. Aber dann waren die Wetterberichte milder ausgefallen. Nur noch von sechs Windstärken aus Nord war die Rede, für drei Tage. Ich hatte beschlossen, genau auf dieses Wetter zu warten, um unter Segeln die Strecke zurückzulegen. Doch pünktlich gestern Abend hatte der Wetterbericht der italienischen Luftwaffe seine Milde sang- und klanglos eingestellt. „Ionio settentrionale forza 7. Con temporali.“, hieß es plötzlich gnadenlos. Gewitter. Und Windstärke sieben genau für meinen Sektor Ionisches Meer Nord. Kein Wetter, bei dem man rausgeht. Ich hatte kurz überlegt. Mir dann weitere Windkarten angesehen. Und beschlossen, die Überfahrt auch bei diesem Wetter zu wagen. Schließlich ist LEVJE ein Schiff, das genau für solches Wetter gebaut ist. Siebeneinhalb Tonnen schwer. Der Mast eher einen Tick zu klein, so dass man auch bei höheren Windstärken die Segel stehen lassen kann. Schwer. Behäbig. Ich ging übers Deck. Und machte mein Schiff seeklar.

Mit der Tasse in der Hand schaue ich nach draußen, in die Dämmerung. Und das fahler werdende Licht der Straßenlampen am Ufer, die plötzlich verlöschen. Ich starte den Motor, lausche einen Moment seinem beruhigenden Bullern. Dann setze ich das Großsegel. Und hole im Wasser, das der Nordwind kräuselt, den schweren Anker. 


Zwei Stunden später. Ich bin draußen, und das Kap von Santa Maria die Leuca, da äußerste Ende des Stiefelabsatzes, verblasst langsam hinter mir. Hier draußen hat der Wind kontinuierlich zugenommen. Erst waren es 15 Knoten. Und vorsichtig hatte ich Großsegel und Genua auf zwei Drittel entrollt. Aber irgendwann schwand die Vorsicht. LEVJEs Geschwindigkeit war mir zu wenig, und ich setzte Vollzeug. Alles, was ich hatte. Weiter draußen war der Wind mehr geworden. Und mehr. Erst 20 Knoten. Dann 25. Dann in der Spitze bis 27. LEVJEs siebeneinhalb Tonnen schossen wie ein Pingpong-Ball von rechts nach links, von links an rechts. Zuviel Segel. Reffen war angesagt. 

Reffen: Die Segelfläche verkleinern. Man rollt sie etwas ein. Das klingt einfach, meist sind es schweißtreibende fünf Minuten mit wütend schlagenden Schoten, knatternden Segeln, schepperndem Rigg, in denen ich zusehen muss, möglichst schnell über die Winschen zu kurbeln. Und den um sich hauenden Schoten aus dem Weg zu gehen. Blaue Flecken, eine aus dem Gesicht gehauene Brille wären jetz übel. 

Aber dann segelt LEVJE wieder so munter wie vorher zwischen den Wellenkämen entlang, surft ein Wellental, das seitlich kommt, entlang. Klettert wiegend auf den Gipfel der unter uns durchlaufenden Welle. Und surft vom gischtend brechenden Kamm der Welle wieder hinunter ins nächste Wellental. Ein nettes Spiel, über dem ich schnell vergaß, dass 25 Knoten eigentlich eine Windstärke sind, bei der man Respekt haben sollte, zumals als Einhandsegler. Früher, auf LEVJE I, war genau das meine Grenze. Sie war kleiner, wog nur die Hälfte, und war doch ein tapferes, braves kleines Schiff, auf dem ich Einhand in die Türkei und von dort nach Sizilien gesegelt war. 25 Knoten. Darüber wurde es mulmig, weil das Schiff, meine kleine Welt, zu kippelig, zu instabil wurden.

25 Knoten. Wieder eine Welle, die gischtend vor uns bricht und LEVJE kurz aus ihrem Kurs spültt.  Aber der Autopilot, der auf langen Fahrten steuert, schafft es in zwanzig Sekunden, LEVJEs siebeneinhalb Tonnen wieder einzufangen, auf Kurs zu bringen. Der Autopilot ist Einhandseglers wichtigstes Utensil. Er übernimmt das Steuern, während ich Segel setze, reffe, unter Deck nach dem rechten sehe. Zudem ist Steuern bei diesem Wetter Scherstarbeit, man schafft es für eine begrenzte Zeit, für zwei, fünf oder sieben Stunden. Aber nicht für die 12 Stunden, die ich über den Golf von Tarent unterwegs sein werde.


Kurz nach 13 Uhr erreiche ich etwa die Mitte des Golfes. 40 Meilen in alle Richtungen bis zum Land. 75 Kilometer zu schwimmen, in alle Richtungen. Der Wind klettert über die Marke von 31 Knoten. Er bewegt sich jetzt oberhalb der 28 Knoten, und auch ohne den Windmesser vor mir im Cockpit wüsste ich beim Anblick der Welllen, was es geschlagen hat. Sie rollen jetzt in langen Reihen steil daher. Mauern aus Wasser, eine unmittelbar nach der anderen, ein tiefer Graben dazwischen. Sie treffen LEVJE seitlich, brechend unmittelbar neben ihr, Spritzwasser weht eimerweise in unachtsamen Momenten über mich, wenn ich mich nicht schnell genug hinter die Sprayhood ducke. Schluß mit lustig. Spiel vorbei. Die Wellen lassen Levja jetzt kaum noch auf den Kamm klettern, sie brechen irgendwo seitlich neben ihr, wenn es weiter weg ist, sehe ich, wie der brechende Wellengipfel unter der weißen Gischt in der Sonne flaschengrün leuchtet. Schaue ich nach hinter, wo LEVJEs 1,80 tief hinunterreichendes Ruderblatt eine aufgwühlte See hinterlässt, dann sehe ich, wie der Wind sofort die Tröpfchen vom Kamm mit sich reißt. 


Ende des Spiels. This is going serious. Als eine Welle neben LEVJE bricht, werde ich erst mit Salzwasser überschüttet. Dann fliege ich in LEVJEs harter Bewegung quer durchs Cockpit, auf die andere Seite. Das geht zwei Mal so. Bis auch dem einzigen Dümmsten an Bord dämmert, dass ich etwas unternehmen muss. Reffen? Geht nur noch minimal – ich habe Vorsegel und Groß schon aufs 2. Reff gebracht. Noch mehr Reffen ist nur noch Kosmetik. Dann die nächste Variante: Ich falle etwas ab. Lasse LEVJE jetzt noch mehr mit dem Wind laufen. Es wird wieder ruhiger an Deck. Und LEVJE wird jetzt nicht mehr gar so wild von den Wellen geprügelt. Ich überlege, wie es nun weitergeht. Eine der Winkarten kündigte an, dass es vor Crotone am frühen Abend noch heftiger werden wird. Noch mehr Wind? Wir kommen langsam an unsere Grenze. Sicher. Ich versuche, mir übers Handy den neuesten Wetterbericht zu holen. Aber wir sind längst so weit draußen, für Stunden geht gar nichts mehr. Ich bin auf mich allein gestellt.


Für eine Stunde bleiben die Dinge, wie sie sind. Es weht in Böen über 30 Knoten. Die Wellen ragen steil. Dann: Fällt plötzlich die Zahl auf dem Windmesser. 27. 24. Dann wieder 30. 23. Die Wut der Wellen lässt spürbar nach, das Meer wird glatter. Ich kann wieder den richtigen Kurs legen.


Nachmittags um halb drei taucht plötzlich der Schemen des Festlands vor uns auf. Das Radar, das ich mitlaufen lasse, hat es längst schon gesehen, der gelbe Fliegenschisse oben rechts auf dem Bildschirm. Jetzt sehe auch ich es. Weitere drei Stunden später habe ich plötzlich wieder Empfang auf dem Handy. Ich lade mir den Wetterbericht. Doch der verheißt erneut nichts Gutes: „Nordovest 7. Temporali“. Nordwest sieben. Und weiter Gewitter. Bad News. Ich werde nicht ankern können. Ich brauche heute Nacht richtig Schlaf, sonst kann ich den morgigen Tag vergessen. Auf der elektronischen Seekarte finde ich den Hafen von Crotone. Da war ich noch nie. Ich rufe an. Und frage, ob sie in zwei, drei Stunden für mich und mein Schiff Platz im Hafen hätten. Pasquale ist dran. Ja, sagt er, komm ruhig. Wir haben noch Platz. Wenn Du in den Hafen reinfährst, siehst Du rechts einen Typen mit rotem Pullover auf der Pier. Das bin ich. Folge einfach unseren Anweisungen.“

Als ich ankomme, weht der Wind quer durchs Hafenbecken auf mich zu. Statt eines roten Pullovers sehe ich gleich drei auf der Pier. Sie winken. Halten mir die Mooring hin. Eine Drehung im Hafenbecken. Rückwärts rein zwischen die Schiffe. Aufmunternde Rufe von den drei roten Pullovern. Was haben die bloß? Ist doch alles ok. Als meine Leinen fest sind, stelle ich LEVJEs Motor ab. Die drei in den roten Pullovern schauen mich an. „Waren nicht viele heute draußen unterwegs!“, sagen sie.“ Ich nicke. „Vuoi una birra?“ „Willst Du ein Bier?“, fragt Pasquale, und greift in den Kühlschrank hinter sich. Und ich, todmüde, fühle mich wieder einmal aufgenommen, getragen, von einer Woge, wie sie nur die italienische Männerwelt dem Fremden gegenübern zu entfesseln fähig ist.


Elektronikschrott und Kabelbrand

Segeln Richtung Aaland

Es ist ruhig auf der MARLIN. MayaLena sitzen mit uns im Pilothaus und knüpfen Freundschaftsbänder. Es ist ein richtiger Wahn ausgebrochen. Nathalie hat ihre Segelhose an und segelt die MARLIN Richtung Åland. Wir sind faul und Segeln nur mit dem Großsegel bei Halbwind. Acht Knoten Durchschnitt, wenig Lage. Ein bisschen wie am Ankerplatz. Ich erhole mich von gestern. Wie von gestern?

Der Elektronik Murphey war zu Besuch. Am Morgen glänzt das Macbook mit einem stehenden Fortschrittsbalken. Letztes Backup vom 14.8.17 Mist. Kann ich grade gar nicht gebrauchen. Wiederherstellung des Backups schlägt fehl. Es dauert Stunden bis ich das Ding wieder zum Laufen bekomme. Genau gesagt bis tief in die Nacht. Nebenbei das Lunatronic und MARLIN Tagesgeschäft. Gut das wir noch einen MacMini Bordrechner haben. Alle wichtigen Daten liegen eh außerhalb auf einer Dropbox.

Seit ein paar Wochen schon teste und optimiere ich einen neuen 4G Router. So genau weiß ich noch nicht wo der hin soll. Also steht er im Schapp mit der Elektronikverteilung. Dumm von mir. Das 12V Powerkabel schubbert immer wieder an der Rückwand des Schapps. Heute gibt es einen Kurzschluss des Kabels an einer Knickstelle. Bis die 10A Sicherung durch ist, ist das Kabel schon komplett verschmort. „Komischer Gestank hier.“ Ich stehe verdutzt vorm Schapp und finde die Schweinerei. „Das hätte auch in die Hose gehen können!“ Da muss ich wohl noch mal nen bisschen feiner absichern.

Zu guter Letzt raucht dann heute noch unser 3G Hauptrouter ab. Nun. Der brennt nicht durch. Er versagt einfach nur den Dienst. Strom dran. Keine Reaktion. „Den habe ich für viel Geld vor fünf Jahren in Peru gekauft.“ Das Gehäuse ist gelblich angelaufen. „Nun ja. Dann war er ja fast noch neu“, meint Nathalie ironisch. „Komm. Mach ein letzte Foto von ihm und mir, bevor er in den Müll geht.“ In den nächsten zwei Stunden nimmt Router II den Thron von Router I ein und die Machtverhältnisse im WLAN Nebel der MARLIN sind endgültig geklärt. Jetzt ist alles sicher und sauber installiert. Der neue Router bekommt einen Namen. Alexander der Große. Alex hat zwei Slots für SIM Karten. Die eine ist von Vodafone Deutschland. Ständig leer und teuer, weil 4GB kosten immer gleich 30 Tacken. Schlimm so was. Im anderen Slot ist jetzt eine schwedische SIM Karte von Telnor drin. Die macht mehr Spaß. 30GB für 20 Tacken. Kann man aber nur aufladen, wenn man in Schweden ist – Oder Freunde in Schweden hat, die das für einen machen. Funktioniert in ganz Europa. Es sei denn der Provider kommt irgendwie dahinter und schaltet einen ab. Na. Das testen wir doch gerne aus. Routerkönig Alex macht das gut. Mit einer Außenantenne haben wir hier in den Schären immer Internet a la Carte. Schluss mit der Internetfreien Zone. Die wird immer kleiner. Letzte Nacht habe geträumt, dass ein Netz von Drohnenroutern die Passage der diesjähigen ARC auf ihrem Weg über den Atlantik mit Internet versorgt.

Wir haben Helsinki gestern Nachmittag schon verlassen und sind genau zwei Meilen weit bis zur Insel Vallisaari gekommen. Hier war das Zentrum der finnischen oder besser gesagt der schwedischen Militärischen Abwehr und die kleine Insel ein riesiges Lager für Sprengstoff in allen Formen. Heutzutage darf man die Insel besichtigen. Feuer machen und Abweichen von den Wegen ist bei Strafe verboten. Irgendwie gruselig. Rund zwei Stunden brauchen wir für den Weg.

Tagesziel ist die Insel Jussaroe. Wieder nach dem Prinzip Finger drauf haben Nathalie und ich ohne uns abzusprechen die kleine Insel ausgewählt. Mag sich nicht so schwierig anhören, bei den tausenden von Inseln, die es allerdings hier gibt, ist das aber schon was besonderes.

 


 

Du willst auch mal mit? www.marlin-expeditions.com

 

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Belfast – Eine Stadt mit vielen Gesichtern

Nach einem entspannten Erkundungstag in Campbeltown brach ich früh am Abend tatsächlich noch nach Belfast auf. Der Wetterbericht passte und irgendwie war mir danach. Durch die irische See und vorbei am Mull of Kintyre sollte es also bei Nacht gehen.

Bevor die Nacht über mich und Nonsuch hereinbracht kam erst erst einmal ein absolut irrer Sonnenuntergang. Davon gibts ja nun wirklich viele, auch und gerade bei Segelbildern, aber dieser hier war wirklich etwas besonderes. Die Sonne versank hinter dem Mull und Kintyre und den Wolken die auf seiner Westseite darauf warteten vom Atlantik über die bergige Halbinsel Richtung Westen zu ziehen. Dabei bekam das Meer eine richtig goldene Farbe und die Wolken ganze tausend verschiedene Farben verpasst. Selbst wenn man schon Hunderte Sonneuntergänge zuvor gesehen hat war das ein einmaliges Spektakel. Zu meinem Abschied aus Schottland verstand ich noch einmal warum die Kelten diesem Landstrich solch eine geheimnisvolle Kultur hinterlassen haben.

Die Nacht war entspannend und fast ereignislos. Der Wind war ruhig, es gab sehr wenig Schiffsverkehr und dank der Nipptide hielten sich auch die Strömungen hier in Grenzen. Ich konnte sogar einige kurze Schlafhäppchen einlegen. Als die Sonne aufging lag das Belfast Lough, die größe Förde vor der Stadt schon direkt vor mir. Und ich dachte für kurze Zeit ich wäre im falschen Film aufgewacht: Hier sah es fast aus wie in der Kieler Förde. Der langgezogene Meeresarm mit einigen kleinen Vororten, am Ende die Großstadt und große Werftkräne, die das Stadtbild prägen. Nur dass die großen gelben Ungetüme hier nicht zur Howaldtswerft sondern zu Harland & Wolff gehören. Der Bauwerft der Titanic…

Die meisten Belfast Besucher legen meistens in einer der Vorortmarinas an und sparen sich den Weg in die Stadt. Versteh ich nicht so ganz, denn da Belfast als Schiffbauerstadt groß geworden ist, gibt es viel maritime Geschichte im Vorbeifahren zu erleben. Der Weg in die kleine City Marina führt zum Beispiel direkt am Baudock der Titanic vorbei. Die Marina selbst liegt dann direkt hinter der alten Werft. Ein Liegeplatz der Geschichte mal ohne Schlossmauern atmet… Was hier ganz witzig ist, ist die Bezahlweise. Auf dem Steg steht einfach mal ein originaler…Parkscheinautomat. Und erst mit der Ticketnummer kommt man nach dem Bezahlen überhaupt vom Steg runter. Dafür habe ich die ganze Zeit keinen Hafenmeister gesehen. So gehts natürlich auch…

Einige Tage bleibe ich bei schlechtem Wetter in Belfast und tauche mal wieder in die Zivilisation ein. Eigentlich das erste Mal seit Inverness. Belfast mit seiner Vielfältigkeit und seiner Geschichte wurde zu keiner Zeit langweilig. Entsprechend der Geschichte der Stadt beginne ich mit der Schiffbauerzeit und besuche das Titanic Museum auf dem alten Werftgelände. Davon gibts ja weltweit ein paar, aber hier wird logischerweise davon erzählt wie das berühmteste Schiff aller Zeiten mit der Stadt und dem zeitgenösisschen Leben zusammenhängt.

In der Innenstadt selbst gibt sich Belfast unglaublich gastfreundlich und modern. Straßenmärkte, durch die Stadt patroullierende Touristenführer die einem mit Rat zur Seite stehen, unzählige Restaurants und kleine Gässchen laden zum Erkunden ein. Belfast scheint sehr hart für den Tourismus zu kämpfen. Und das wohl auch mit Erfolg. Selten hat eine Großstadt so einladend auf mich gewirkt.

Doch bevor es um den Tourismus ging wurde in Belfast ebenfalls gekämpft. Im Nordirlandkonflikt bis in die 90er Jahre hinein war Belfast von einem Bürgerkrieg zwischen irischen Republikanern und pro-britischen Loyalisten geprägt. Wohlgemerkt im ausgehenden 21. Jahrhundert in Westeuropa. Diese Abläufe waren mir bekannt und doch irgendwie kaum vorstellbar, bis ich vor dem Rathaus in der sonst so lebhaften Innenstadt gepanzerte Polizeiwagen sehe. Ganz so friedlich war es hier wohl nicht immer…

Russell, ein irischer Segler den ich schon in Schottland kennengelernt habe, gibt mir einen Tag später eine kurze Stadtführung. Auch durch die damals umkämpften Arbeiterviertel. Und auch im Jahr 2017 ist der Konflikt hier noch sichtbar. Vor allem die Loyalisten „verzieren“ ihre Viertel großflächig mit Fahnen und Statements. Das machen HSV Fans in Nordeutschland zwar auch im Garten, aber hier wirkt das ganze irgendwie unheimlich. Die berühmten Wandmalereien und Peace Walls, echte Mauern in der Stadt um die Konfliktparteien voneinander zu trennen, tun ihr Übriges. Die Straßentore entlang dieser Mauern werden übrigens auch heute noch oft geschlossen. Allerdings auch auf Drängen der Bevölkerung, die ihre Ruhe vor Gewalt und den nervigen Nachbarn haben will…

Im Gesamtbild ist Belfast eine unglaublich lebhafte und vielseitige Stadt. Die Geschichte wird an vielen Ecken deutlich. Auf der anderen Seite blickt die Stadt offen und fröhlich in die Zukunft. Ich beschließe den Besuch der Stadt mit einem Dinner in einem der ältesten Pubs der Stadt, blicke noch ein paar Mal im Hafen auf das Ttanic Museum und überlege wo es als nächstes hingehen könnte…

Video-Botschaft für Patrick Lehner

Lieber Patrick, hier wie versprochen deine persönliche Video-Botschaft aus dem hohen Norden. Vielen Dank für deine Unterstützung und ich hoffe es gefällt dir. Ahoi !



SV Dada Tux – Berckemeier 39 – Aluminium Rundspant Liftkiel – for sale – zu verkaufen – € 168.000

DIE CHRONOLOGIE EINER UNGEWÖHNLICHEN FREUNDSCHAFT

Es gibt Menschen, die ihren Lebens Nerven Kitzel im Spielcasino, der Rennbahn oder Wettkämpfen austoben, weil sie dies als Motor oder Antrieb für das eigene Leben als notwendig erachten. Meine Spielwiese heisst Kommunikation mit fremden Menschen über das immer gleiche Thema: den Traum vom Segeln, insbesondere den ganz handfesten technischen Belangen, einer Inflation von Fragen, die um alle Ecken flitzen und in jeder Gehirn Ecke sitzen, jedenfalls, wenn´s für längere Zeit auf See gehen soll. Je nach Kenntnis und Wissensstand, kommt man dabei schnell überein, oder es dauert ein wenig länger, was die Anzahl der Korrespondenz vergrössert. Keine Seltenheit, dass wir Jahre lang diskutieren, ohne uns zu verlieren – noch erfreulicher, wenn der Austausch Vertrautheit destilliert, die manchmal dann Hand in Hand mit Freundschaft um die Ecke kommt.

Mit Helen und Hansueli aus Zürich verbindet mich ein Verein in Cuxhaven, an dessen Vorstand Hansueli am 22.08.2013 folgenden Brief geschrieben hatte:

Guten Tag
in der Meinung, dass die Probleme um Trans-Ocean gelöst sind, sind wir (Helen Heutschi und Hansueli Schwaninger) Mitglied geworden.

Erst auf Grund von Recherchen für eine Windsteueranlage fanden wir Berichte, nicht nur auf dem Blog von Windpilot, welche unsere Meinung revidierten. Die Hoffnung blieb bei uns trotzdem, dass es vielleicht noch ein wenig Zeit braucht. Prinzipiell finden wir die Idee von Trans-Ocean gut.

Jetzt mussten wir auf der TO Webseite lesen, dass gegen Peter Förthmann gerichtlich vorgegangen wird. Wir kennen Peter Förthmann nicht und er weiss bis anhin nicht, dass wir vermutlich nächstes Jahr Kunden von ihm werden.

Für unser Gewissen ist es unvereinbar, dass gegen ein Ex-Mitglied, der Fehlleistungen anprangerte, der finanzielle Hilfe für jemanden organisierte, die wegen einer vermutlichen Nachlässigkeit vom TO in Bedrängnis kam, mit unserem Mitgliederbeitrag gerichtlich vorgegangen wird.

Deshalb treten wir auf Ende des laufenden Vereinsjahrs von Trans-Ocean wieder aus.
Mit freundlichen Grüssen
Hansueli Schwaninger und Helen Heutschi

PS: Wir senden diese E-Mail als CC an Peter Förthmann, weil das Vorgehen vom Trans-Ocean Vorstand gegen ihn als (scharfen) Kritiker der Auslöser für unseren Austritt ist.

Es folgte ein intensiver Austausch zum geplanten Ausstieg aus dem Berufsleben, sowie der Ausrüstung der DADA TUX, deren Entstehung und Geschichte mir bereits zuvor bekannt gewesen ist, weil ich mich viel in Makkum auf den Werften aufgehalten hatte.

Der Tag der Fertigstellung nahte und es ergab sich, dass ich Helen und Hansueli am 21. Februar 2015 in Hamburg erstmals persönlich treffen sollte, wo sie am Seminar ‚Medizin an Bord‘ von SeaDoc teilnehmen wollten. Es folgte ein stimmiger Abend an der Alster.

Die beiden gingen Segeln in 2015, eine Reise zu den Kanaren, zwischendurch erhielt ich Mails, wie z.B. diese

22.09.2015 aus LA CORUNA

Salü Peter
wir denken, für viele deiner Windpiloten ist die erste grösserer Bewährungsprobe die Biskaya. So auch bei uns und wir sind zufrieden. Die Strecken, die wir segeln konnten (zwischendurch hatten wir flaute), hat immer der Windpilot gesteuert. (Falmouth – La Coruna)

Vorgängig machten wir ein paar Tests, wie Schmetterling und Windpilot. Natürlich ist es kein Knopfdrucksegeln wie mit dem Elektrischen, wir haben ja auch kein Knopfdruck Boot …
Lieber Gruss aus La Coruna
Hansueli & Helen

05.11.2015 aus LAGOS PORTUGAL

Salü Peter
Vor paar Tagen schaute ich bei unserem Verein (CCS) auf der Webseite mal wieder vorbei und staunte. Ich finde es toll, dass jetzt auf unsere Club Ovni 455 ein Windpilot installiert ist. Vereins Strukturen können sich also doch ändern. Der CCS Vorstand wurde erst kürzlich durch die Mitgliederversammlung gänzlich ausgewechselt. Beim vorherigen Vorstand wäre so eine Entscheidung nicht möglich gewesen.
Lieber Gruss aus Lagos
Hansueli + Helen

PS: Hier in Lagos ist auch Moni und Hermi mit der Gräfin V. Und ein paar andere Schiffe mit Windpilot

31.12.2015 aus LANZAROTE

Salü Peter
wir wünsche dir und deiner Frau gute Gesundheit und ein wunderbares Neues Jahr.
Wir waren jetzt rund 5 Wochen auf Lanzarote, morgen wechseln wir die Insel und segeln nach Fuertevetura. Die nächsten paar Monate werden wir auf den Kanaren verbringen.
Lieber Gruss
Hansueli & Helen

29.12.2016 aus CHERBOURG

In unserem Leben hat sich einiges verändert. Das Leben unter Segeln gefällt uns bestens, noch besser allerdings, dass unsere Familie Geschmack am Segeln mit uns gefunden hat und uns samt den Enkeln besuchen wird. Allerdings ist unser Schiff für 6 Personen zu klein, weshalb wir uns nach reiflicher Überlegung durchgerungen haben, nun ein grösseres Boot zu bestellen, auch wenn wir darauf warten müssen. So haben wir also die vergangenen Monate genutzt, um eine Reise von den Kanaren zu den Kap Verden über die Azoren nach Cherbourg zu unternehmen, wo wir nun eingetroffen sind und hier nun geduldig auf die Fertigstellung unserer neuen DADA TUX, einer GARCIA 45 warten, mit der wir dann zur ganz grossen Reise aufbrechen wollen.
Lieber Gruss
Hansueli & Helen

09.06.2017 aus HOE DÜNE WARNEMÜNDE

Jetzt sind wir in Warnemünde, Hohe Düne. Mit unserer neuen DADA TUX sind wir auf Probefahrt in den Norden. Die anscheinend grösste Segelzeitschrift veranstaltet gemeinsam mit Blue Yachting am Wochenende ein Blauwasserseminar für Leute mit einem gut gefüllten Portemonnaie. Unsere GARCIA 45 ist zur Besichtigung mitgekommen und freigegeben, samt Windpilot am Heck.
Ausserdem wollen wir für den Verkauf unserer alten DADA TUX werben, mal sehen, ob das klappt
Lieber Gruss
Hansueli & Helen

Meine Antwort kam am 20.08.2017

Moin Ihr Zwei,
Dada Tux wird Euch die Nerven sägen und schmerzhaft sein, denn jeder an Alu Schiffen Interessierte weiss nun, dass dies Schiff am Markt angeboten wird … für schon lange Zeit. Es ist heute am Markt üblich, bei Interesse auch „brutale“ Angebote abzugeben, egal ob über Makler oder ohne. Ich bin in den vergangenen 2 Jahren Zeuge geworden von Verkäufen von wundervollen Aluschiffen, die allesamt über viele Jahre im Preis Bereich von Data Tux angefangen haben … die dann am Ende fuer TEU 120 – 170 verkauft worden sind, sämtlich Markenschiffe, perfekt ausgerüstet …

Ich weiss, dass ich hier in einen sensiblen Bereich hineinsteche, aber Euren Frag Preis halte ich fuer zu hoch … es wird Euch weiter Geduld und Kosten fuer Lagerhaltung, Versicherung, Maklergebuehren kosten, hier weiter zuzuwarten.

Mein Rat: sprecht die Leute an, die ernsthaft Interesse gehabt haben … und macht ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Wenn das nicht klappt, koennen wir es im Blog versuchen, mein Vorschlag TEU 168 … aber, wie gesagt, Ihr seid der Kapitaen ueber eure Brieftasche … der Markt ist grausam und hart … und auch Niels Schuerg kann keine Kaeufer aus dem Hut zaubern … er bedient den gleichen Markt … den wir alle vor Augen haben.

Das Dumme: je laenger ein Schiff unverkauft bleibt, desto schwieriger wird es werden … ich kennen Schiffe, die seit 5 Jahren durchs Web geistern … und durch zu langsam fallende Preise … am Ende unverkäuflich werden. Das würde ich Euch gern ersparen … darum hier meine offenen Worte.
Herzlich aus Hamburg
Peter

Tja, und so sind wir nun überein gekommen, die DADA TUX hier für einen Preis von € 168.000.–anzubieten, wohlgemerkt, für einen Rundspant Aluminium Bau in Al MG 4.5 Mn mit Liftkiel und Doppelruder, im Neuzustand und komplett ausgerüstet für die weltweite Fahrt.

Berckemeyer Yacht Design
Aluminium Rundspant Bauweise Al Mg 4.5 mit hydraulischem Lift-kiel, Doppelruder
11.97 x 3.78 x 1.10 – 2.55 m
9000 kg
Volvo Penta D2-40 29.1 kw, Aquadrive, Volvo Faltpropeller, Doppelfilter, 380 l Tank
Spectra Wassermacher, 2 x 900 l Wasser

Die Spezifikation ist unter diesem Link zu finden.

Kontakt direkt an die Eigner
Helen Heutschi & Hansueli Schwaninger
mobil: +41 079 502 8456
hansueli@hsch.ch
http://dada-tux.ch/

Ab jetzt bergab

Puh. Das war ein Ritt. Fast 18 Stunden war ich in Kälte und Dauerregen unterwegs. Dazu erst wenig, dann viel Wind und ganz schön hohe Wellen. Dazu Nebel und Fischerbootterror. Alles war nass und als es heute morgen um vier mit über 30 Knoten bläst, finde ich im Haupthafen von Honningsvag auch noch keinen Platz. Also weiter in die Bucht. Hier liege ich nun in einem Vereinshafen auf Päckchen und bin völlig alleine. Im Boot ist es mittlerweile trocken und die Klamotten hoffentlich auch bald. Komme mir gerade mehr wie auf einer Expedition als einem Törn vor. Morgen mache ich erst mal nen Ausflug zum Nordkap. Mittwoch dann weiter. Einsame Grüße in die Heimat. All good & Ahoi.

Von meinem iPhone gesendet

SV Romlea – Henk Dijk NED

CONFESSION FROM FALMOUTH

Hi Peter,
I feel the need to make a confession.
I was very hesitating to deploy the windpilot. Due to all the horror stories one reads about people having a lot of difficulties to use their equipment properly (not windpilot, but generally).
Some people advised me to wait for a longer passage, so I would have the time, day all day, to fiddle around. Therefore I waited for our journey to Spain, to have time to deploy it correctly.


Well, yesterday we made an unsuccesful attemt to leave. Hard south wind, so we returned to Falmouth at the end of the day.

But I took my chance in deploying the windpilot and oh boy, do I regret not to have used it before. Here’s what I did:
Trimmed the sails
Trimmed the ships rudder and fixed it tight
Put the windblade in place in a way where I thought, I think it’ll be allright
Put the contraweight in the direction of the wind
Engaged the pilot by moving the clutch
Trimmed the windblade a little bit and left it as it was
The next few hours during this testdrive I did not do anything.
The only weird thing was a strange big smile on my face.
And we’re talking 25 to 32 knots of apparant wind here…..
Apologies for the little faith I had…..   <img src=“ class=“wp-smiley“ style=“height: 1em; max-height: 1em;“ />“ class=“wp-smiley“ style=“height: 1em; max-height: 1em;“ /><img src=“ class=“wp-smiley“ style=“height: 1em; max-height: 1em;“ />“ class=“wp-smiley“ style=“height: 1em; max-height: 1em;“ /><img src=“ class=“wp-smiley“ style=“height: 1em; max-height: 1em;“ />“ class=“wp-smiley“ style=“height: 1em; max-height: 1em;“ />
Kind regards,
Henk

SV Schlump II – Walter Liebl GER

IN FALMOUTH AUF DER LAUER ZUM GROSSEN SPRUNG

Auf der englischen Seite immer an der Wand lang und von Bucht zu Bucht, landet man dann am Ende dort, wo es nur noch über die offene See weitergeht. Noch schnell einen Anruf beim windigen Piloten Mann, ob man noch was zu bedenken habe … und dann gehts ran … bzw. raus auf die See um den langen Schlag nach Süden zu wagen: La Coruna ist der nächste Hafen, jedenfalls wenn das Wetter ein wenig besser wird.
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Der Crinan Canal

Statt durch den Sound of Jura geht es nun also erst einmal durch den Crinan Canal. Dieser ist zwar nur etwa 16km lang, führt aber einmal quer durch die Kintyre Halbinsel nach Osten und wurde gebuddelt um kleineren Schiffen den ungemütlichen Weg ums das Mull of Kintyre zu ersparen. Heute wird er als „Britains most beautiful shortcut“ beworben. Klingt doch genau nach dem was ich jetzt brauche! Schon bei meiner Ankunft am Westende des Kanals hat mir die Beschaulichkeit des Kanals so gut gefallen. Ein Eindruck der sich während der Überfahrt bestätigen sollte.

Irgendwann kommt mein Helfer Tom dann angetrottet und wir machen uns auf den Weg durch die 15 Schleusen. Und weil alles per Hand bedient wird, geht es hier noch entspannter zu als in den anderen Kanälen. Hier kann man sich wirklich entspannen. Tor aufstemmen, Schiff rein, Tor wieder zu, Fluttore auf, abwarten, bergseitiges Tor wieder auf. Man kann sich sicherlich zwei, drei Tage für den Kanal Zeit nehmen, aber Tom und ich sind ein so gutes Team, dass die Passage heute wie am Schnürchen verläuft. Schon nach 6 Stunden sind wir auf der anderen Seite angekommen. Die dortige Ortschaft Ardrishaig bietet aber irgendwie nicht so viel. Und auch hier scheint der örtliche Baumarkt keine Fassadenfarbe zu führen. Der Firth of Fyne, der große Meeresarm der sich an den Kanal anschließt und in den Firth of Clyde mündet, sieht da irgendwie doch einladender aus. Es ist gerade mal kurz nach 4 und das Wetter ist mit etwas gutem Willen fast als frühlingshaft zu bezeichnen. Trotz der inkludierten Nacht im Schleusenhafen mache ich mich weiter auf den Weg. Vielleicht schaffe ich es ja noch in die alte Whiskyhauptstadt Campbeltown…

Das Segeln an diesem Nachmittag ist eine echte Wohltat und Entschädigung für gestern. Hier ist man vor dem Atlantikschwell geschützt, die Landscahft ist fast ebenso schön und das Wetter hat sich gebessert. Von den meisten Seglern auf meiner Route wird das Gebiet östlich von Kintyre meistens ausgelassen. Schon jetzt steht für mich fest, dass das ein großer Fehler zu sein scheint.  Hier lässt es sich echt aushalten. Da es endlich mal wieder ohne Klippen, Gegenwind und Strom vorwärts geht segele ich aber wie im Rausch und lasse viele einladend aussehende Ortschaften liegen. An der fast schon mystisch anmutenden Insel Arran geht es in der Dämmerung ebenso vorbei. Es ist bereits stockdunkel, als ich in der kleinen Stadt Campbeltown am Südende von Kintyre, etwa 35 SM südlich von Ardrishaig anlege. Wieder mal freut mich die freundliche Begrüßung der Fischkutter in der Fahrrinne die sich nicht über die Anwesenheit des kleinen nervendenen Segelbootes beschweren, sondern fröhlich winken und wir einen „pleasant stay“ einen schönen Aufenthalt in ihrem Ort wünschen.

Ich bin froh hier angekommen zu sein. Zwar habe ich heute auch viele schöne Plätze links und rechts liegen lassen müssen, aber nach dem kleinen Rückschlag gestern bin ich nun fast wieder im Zeitplan. Ich könnte es noch schaffen rechtzeitig in Belfast zu sein und in der Hauptstadt Nordirlands das nächste Tief abzuwettern bevor dieses eintrifft.

Vorher erkunde ich nach einer zufriedenen und geruhsamen Nacht den Ort. Campbeltown war in früheren Zeiten eine Haupstadt der Whiskys und hatte ganze 34 Destillerien. Die Stadt galt sogar als eigenständige Herkunftsbezeichnung für Whisky. Heute gibt es immer noch drei Destillerien hier. Der Whisky von hier wird besonders traditionell hergestellt und die Führung war so herzlich wie noch nie in den letzten Wochen. Als bisher einzige Destillerie wird die Gerste hier sogar noch selbst gemalzt. Normalerweise ist dieser Schritt selbst bei den altehrwürdigen Brennereien schon lange ausgelagert… Der Hafen ist dazu mit allem nötigen ausgestattet, die Stadt hat genau die richtige Größe als Törnziel, kurzum: hier gefällt es mir ich schlendere einen ganzen Tag durch umher. Rundum zufrieden damit, dem Wetter mit den letzten beiden Tagen nicht nur ein Schnippchen geschlagen zu haben, sondern auch zwei echt sehenswerte Ecken entdeckt zu haben.