Kategorie: News & Blogs

Guyot bei The Ocean Race: Dutreux über die Schwierigkeiten an Bord mit Stanjek und Co

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz: Was an Bord passiert, bleibt an Bord. Deshalb ist es umso ungewöhnlicher, dass Benjamin Dutreux so offen über Probleme auf der 1. Etappe spricht. Weiterlesen →

Bootskauf: Wie groß sollte ein Boot sein?

Bei der Suche nach dem idealen Boot spielt die Bootsgröße eine entscheidende Rolle. Worauf kommt es an? was sollte beachtet werden?

Keine Strafzölle mehr bei Bootsimporten aus den USA

Gute Nachrichten für Liebhaber von amerikanischen Booten: Laut der Zollbehörde Dresden sind die 2018 eingeführten Zusatzzölle auf aus den USA importierten Boote außer Kraft gesetzt.

Im Juni 2018 verabschiedete die Europäische Gemeinschaft wegen des Handelsstreits mit den USA einen Zusatzzoll auf US-Produkte in Höhe von 25%. Die Strafzölle waren eine Reaktion der EU auf die Entscheidung der damaligen US-Trump-Regierung, Stahl und Aluminium mit erhöhten Einfuhrzöllen zu belegen. Als Folge wurden Importe von Booten teuer und unattraktiv. Die 25% Strafzoll wurden zusätzlich auf den üblichen Zollsatz von 1,7% und der Umsatzsteuer (19% für den Import nach Deutschland) erhoben. Nach der nun bekannt gewordenen Aussetzung der Strafzölle finden bei der Einfuhr von Booten aus den USA nach Deutschland nun wieder die regulären 20,7% statt 45,7% Anwendung. Der Zoll- und Umsatzsteuersatz bleibt wie bisher für Boote unter und über 7,50 Meter Länge gleich und wird auf den Kaufpreis des Bootes erhoben.

Da das Angebot an gebrauchten US-Booten auf dem europäischen Markt auch wegen der Strafzölle derzeit eher klein ist, stellt die Aussetzung des Strafzolls eine attraktive Möglichkeit dar, Boote direkt aus den USA zu importieren – egal ob neu oder gebraucht.

Wichtig beim Import von Booten

Beim Erwerb eines Neubootes in den USA sollte die zusätzliche, landesübliche Steuer (tax) nicht entrichtet werden, weil das Boot nur für den Export bestimmt ist. Wichtig beim Kauf eines Gebrauchtbootes in den USA ist, dass der sogenannte „Title“ (Certificate of Title, Schiffsdokument) des Vorbesitzers dem Käufer ausgehändigt wird. Ohne dieses Dokument wird die Verzollung in Europa kompliziert.

Beim Kauf von Booten, vor allem Gebrauchtbooten, ist der Nachweis der EU-Konformität wichtig. Boote, die erstmalig in der EU in Verkehr gebracht und in Betrieb genommen werden, müssen der 10. Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) entsprechen.
Boote aus den USA (Drittländern), die nicht der EU-Konformität entsprechen, müssen nachzertifiziert werden. Hierfür muss eine nachträgliche Begutachtung (PCA – Post Construction Assessment) des Bootes durchgeführt werden, die nach Länge und Motor berechnet wird. Zusätzlich fallen Kosten für eventuell erforderliche Umbaumaßnahmen an. Deshalb empfiehlt der ADAC, bereits vor Bootskauf, Kontakt mit den zuständigen Institutionen wie z.B. dem International Marine Certification Institute (IMCI) aufzunehmen, da nicht nur Bootskörper, sondern auch Motoren mit ihren Emissionen von einer Nachzertifizierung betroffen sind. Die zugelassenen Zertifizierungsstellen sind in einer Liste der Europäischen Kommission aufgeführt.

Hier geht es zu allen Infos rund um Steuer & Zoll

US Flagge am Boot

 

So muss Navigation!

Raymarine präsentierte Weltneuheiten, darunter auch diese MFD-Kartenplotter, auf der boot Düsseldorf © Wildberg

So muss Navigation!

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Die Nacht, die die Niederlande veränderte

Das war um 3.24 Uhr am Morgen. Ein schwerer Nordweststurm, der sich zwei Tage zuvor bei Island entwickelte, zog gen Südosten, genau auf die Niederlande zu. Deren Flußdeltas sind nach Nordwesten offen, der Sturm drückte das Wasser hinein in die Trichter. Zu allem Überfluss war auch noch genau Springtide, sodass sich das Wasser extrem hoch auftürmen konnte. In Vlissingen wie gesagt 4,55 Meter höher als NAP, was in etwa dem Meeresspiegel bei mittlerer Tide entspricht. Bei 3,00 Meter über NAP schließt die Oosterscheldekering. Bis zu sechs Meter über NAP kann sie abhalten. Die Deiche waren dem nicht gewachsen. Erstens nicht hoch genug und zweitens schlecht gewartet. Nach dem Krieg hatten andere Dinge Priorität. Sie brachen an 150 Stellen, Wasser strömte ungehindert in die Polder. 1836 Menschen starben, zehntausende wurden Obdachlos. Nach dem Krieg die schwerste Katastrophe des 20. Jahrhunderts in den Niederlanden.

Das darf nie wieder passieren!

Hilfe aus dem In- und Ausland kam schnell. Nothäuser wurden gespendet, Gummistiefel, Geld, Decken, Zelte. Die Niederländer gingen das Thema an. Dennoch dauerte es bis zum November des Jahres 1953, bis bei Ouwekerk an der Oosterschelde der letzte Deich wieder geschlosen war. Sicherheit bedeutete das jedoch nicht, die Deiche waren noch immer noch hoch genug und in schlechtem Zustand. Der Deltaplan wurde präsentiert. Alle Provinzen packten mit an, damit die Niederlande sicher wurden vor dem Wasser. Die Küstenlinie verkürzen lautete die Devise. Die Flussdeltas verschließen, so, wie am IJsselmeer praktiziert. Die allseits beliebten Maasplassen in Limburg etwa entstanden auch, weil der Kies von dort für dieses Projekt benötigt wurde. Die Verteidigung gegen Wasser von der Nordsee hatte höchste Priorität. Als man jedoch bemerkte, welche ökologischen Auswirkungen der Übergang von Salz- zu Süsswasser am IJsselmeer hatte, regte sich Widerstand. Die Oosterschelde musste offen bleiben! Unfassbar! Da waren Leute bereit dafür zu demonstrieren, dass das Land weniger geschützt wird vor der See. Die Idee eines Damms mit beweglichen Toren entstand. Die Wasserbaukunst der Niederländer wurde zum Exportschlager. Am Persichen Golf, in Venedig, in New Orleans, in New York und auch in Jakarta beraten und bauen Niederländische Firmen und schützen die Menschen vor dem Wasser.

Derzeit noch haben die Niederländer das Wasser im Griff, es wird heute nicht bestritten, sondern gemanaged. Und sie schauen in die Zukunft. Das kostet viel Geld. Geld das jeder Niederländer über seine „Waterschapsbelasting“, die Wasserschaftssteuer zahlt. Dass das ohne Diskussion so weitergeht, dafür sorgt das kollektive Gedächtnis, in das sich diese Nacht vor 70 Jahren eingebrannt hat.

Eine Dokumentation zum Thema findet man hier: https://www.youtube.com/watch?v=Kfg5XTTiF0I

 

Het bericht Die Nacht, die die Niederlande veränderte verscheen eerst op Stegfunk.de | Wassersport. Holland..

The Ocean Race Führung: Äquatortaufe für Stanjek und Kasüske – So gelang der Flauten-Coup

Das GUYOT – Team mit Skipper Robert Stanjek hat es tatsächlich geschafft, auf der zweiten Etappe von The Ocean Race die Flotte auf die Südhalbkugel zu führen – mit einem Vorsprung von 20 Minuten.
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Im Osten geht die Rechnung auf

Als Erste fast oben ohne über den Äquator © Charles Drapeau / GUYOT environnement – Team Europe

Im Osten geht die Rechnung auf

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360-Grad-Blick: Visuell mitsegeln auf dem AC40 Kiwi-Cupper – Wie INEOS Britannia kentern

Das britische America’s Cup Team hat nun auch die erste Kenterung mit seinem LEQ12 Testboot erlebt und ist dabei gefilmt worden. Team New Zealand nimmt den Betrachter mit an Bord des neuen AC40. Weiterlesen →

Golden Globe Race: Führender Brite Simon Curwen ist raus – Kirsten Neuschäfer in Führung

Der Brite Simon Curwen segelte beim Golden Globe Race einem scheinbar sicheren Sieg entgegen. Nach einem irren Ritt durch den Pazifik lag er schon 1250 Meilen vorne, gut acht Tage. Nun muss er aufgeben. Weiterlesen →

Ein Schiff aus Holz und Nerven aus Stahl

Der Geruch von Holz, Teer und Salzwasser … © Ekke Erben

Ein Schiff aus Holz und Nerven aus Stahl

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Die Chronik eines Lackier-Versuches

Fr., 27. Jan.23, Neuseeland/Whangarei, Tag 3163, 24.696 sm von HH

Freitag:
– Der Wetterbericht verspricht Sonne für die nächsten Tage.
– Wir mieten ein Rollgestell für eine Woche, um in vier Metern Höhe überhaupt arbeiten zu können.
– Die alten Farbstreifen schleifen wir an (320erKorn).
– Einige Beschädigungen im Gelcoat spachtelt Achim mit Epoxy.
– Der graue Streifen soll zuerst lackiert werden – wir kleben ihn nach unten und oben ab.
– Wir benutzen gelbes Marken-Klebeband.
– Unterhalb vom Streifen kleben wir den Rumpf mit Folie ab – sicher ist sicher.
– Bei Lackierarbeiten bin ich der Boss. Mehr Erfahrung, mehr Geduld, mehr Geschick.
– Achim wäre auch gerne Kalif an Stelle des Kalifen. :mrgreen:
– Zündstoff für Ehegatten-Diskussionen.

Frau und Herr Kalif sind sich nicht nur einig – sie haben sogar unterschiedliche Systeme beim Kleben der Folie

Hier wird noch gelacht -Tolles Gestell – sehr sicher – leider schwer zu schieben – die Räder stellen sich immer quer

Samstag:
– Wir beenden die Abklebe-Arbeiten.
– Ich lackiere die grauen Streifen (am Wasserpass und oben am Rumpf). Zuerst mit der Mohair-Rolle und sofort mit dem Pinsel die Oberfläche verschlichten.
– Achim bekommt die Aufgabe des „Sei so lieb und hol mir mal“ – österreichisch für Handlanger (danke an Seven Seas für diesen neuen Begriff).
– Die Sonne brennt.
– Der Lack trocknet so schnell, dass Achim mir mehrfach die Farbe verdünnen und den Pinsel reinigen muss.
– Ich muss mich sehr beeilen, dass der Lack nicht sofort Gardienen und hässliche Absetze hinterlässt. Vor allem in der Zeit, wenn wir das tonnenschwere Gerüst umstellen.
– Der „Sei so lieb“ arbeitet gut mit: „Sieht toll aus, was du machst. Großartig“.
– Ein zweiter Anstrich wäre laut Lack-Beschreibung nach vier Stunden Wartezeit möglich.
– Es sieht nach Regen aus, wir riskieren es nicht.
– Es regnet nicht.

Die Sonne brennt – mein Handlanger zieht Fratzen

Sonntag:
– Es sieht nicht nach Regen aus.
– Es erfolgt der zweite Anstrich in grau.
– Eine halbe Stunde nach Lackier-Ende tröpfelt es leicht – zum Glück ohne Schaden anzurichten.
– Wir entfernen alle Klebestreifen und Folie.
– Das gelbe Klebeband hat nicht ganz gehalten, was wir uns erhofft hatten.
– Trotz Reinigung der Klebefläche mit Aceton und fester Anpressung ist das Grau an einigen Stellen unter das Klebeband gekrochen und die Linie nicht perfekt glatt.
– Ich stelle fest, dass meine Klebung schlechter als Achims funktioniert hat.
– Achim ist ab sofort der Kalif beim Abkleben.

Montag:
– Aaron, der Farbenfachmann auf dem Yard, rät uns einen Tag zu warten, bevor wir die neue Lackierung überkleben, um den angrenzenden Streifen in rot zu pinseln.
– Da wir das Gestell ja nun schon gemietet haben, nutzen wir es, um eine Hälfte des Rumpfes zu polieren.

Dienstag:
– Wir kleben den roten Streifen ab.
– Wir sind diesmal schlauer – das gelbe Klebeband verschwindet.
– Schlau sein, zieht eine komplizierte Abklebung nach sich (Tipp Aaron – der bereitwillig Auskünfte gibt, obwohl wir seinen Kostenvoranschlag  mit „deutlich über Budget“ von uns gewiesen haben. Sauer ist er nicht, eher froh, den Job nicht machen zu müssen).
– Der rote Streifen wird nun oben und unten mit einem Vinyl-Tape (0,5 cm breit) abgeklebt für eine scharfe Kante.
– Auf den grauen Lack kommt ein weiteres Vinyl-Tape in lila, um den frischen Lack nicht mit dem Tape abzureißen. Auf lila wird dann gelb geklebt, um erneut Folie zum Schutz vom Rumpf anzubringen.
– Das schlaue Kleben dauert so lange, dass wir am Ende zwei Meter nicht mehr schaffen.
– Es regnet!

Aufwendige Maskierung – fünf verschiedene Lagen Klebebänder – oben und unten lila – auf lila flieder zum Schutz vom grauen frischen Lack – dann gelb für die Folie und gegen Übermalen

 

Mittwoch:
– Wir kleben die verbliebenen zwei Meter ab.
– Ich lackiere den roten Streifen.
– Es sieht toll aus. Aaron kommt vorbei und bestätig unsere Meinung: „Nice!“
– Die Spezifikation des Lacks sagt, dass man bei über 20 Grad nach vier Stunden ohne Schleifen die zweite Lage lackieren kann.
– Wir warten fünf Stunden. Achim mischt das zweite Drittel vom roten Lack (zwei Komponenten – vier Stunden Verarbeitungszeit).
– Ich lege los.
– Beim ersten Rollen verliert die neue Rolle Fell. Was soll das??
– Ich kann das Reparieren.
– Ich rolle weiter. Dann will ich mit dem Pinsel verschlichten :shock:  .
– Der Lack ist krumpelig. Gebrochen. Kaputt.
– Aaron kommt zufällig vorbei. Seine Meinung, die erste Schicht ist fertig.  Der Lack reif für die zweite Lage. Alles gut.
– Wir warten noch eine weitere halbe Stunde. Ein Stück weiter vorne setzte ich erneut die Rolle an. Der gleiche Effekt. Alter und neuer Lack reagieren unangenehm aufeinander.
– Wir brechen ab.
– Unser angemischter Lack landet im Müll.

Die zweite Lage rot zerstört die erste – ist bei grau nicht passiert – da haben wir über Nacht gewartet mit lackieren

Donnerstag:
– Wir schleifen den verdorbenen Lack wieder runter.
– Wir gehen auf Nummer sicher und schleifen den Rest der ersten roten Lage ebenfalls an, obwohl die Spezifikation etwas anderes behauptet. Sieben Tage bräuchte man angeblich nicht schleifen.
– Das Wetter ist sonniger als vorhergesagt. Leider auch sehr windig.
– Wird es heute noch regnen oder nicht? Die Abkleberei muss in jedem Fall runter (Aaron empfiehlt es dringend: „Das Ganze endet sonst in einem Chaos.“) – Wir können nur gewinnen, wenn wir heute noch pinseln. Verdirbt die Lage, weil es zu regnen beginnt, müssen wir „nur“ noch einmal schleifen. Gelingt der Anstrich sparen wir uns die Maskiererei.
– Wir pokern und Achim mischt den Rest vom Lack.
– Ich setze die Rolle an. Sie eiert. „So kann ich nicht arbeiten“, bin ich am verzweifeln. „Farbe, keine Farbe, Farbe, keine Farbe kommt von der Rolle.“
– Außerdem ist es heiß, die Sonne scheint. Dazu der starke Wind. Schnell merke ich, das wird nix. Der Lack wird sofort zäh. Lässt sich weder mit Rolle noch mit Pinsel „bewegen“.
– Ich rufe nach Verdünnung. Der „Sei so lieb“ eilt herbei. Zu spät. Das Feld ist verdorben. Gardienen. Ziehstreifen. Hässlich.
– Achim lässt mein Gejammer nicht zu. „Los, los, du kannst das. Wir schieben ein Stück weiter. Dort versuchst du es noch einmal.“ Der Ehe-Segen hängt schief. Ich will nicht mehr. Nicht noch einmal so viel schleifen müssen.
– Achim muntert mich auf. Ich versuche es. Keine Chance. Ein weiterer Abschnitt ist verdorben.
– Wir versuchen es zusammen.
– Achim bedient die Rolle.
– Sofort wird klar, warum ich der Boss beim Lackieren bin. Er hat keine Übung und dann mit dem eiernden Ding. Farbe, überall fehlt Farbe. Ich kann das mit dem Pinsel nicht ausgleichen. Der ist in der Zwischenzeit schon wieder halb steif getrocknet.
– Wir geben auf.
– Die angerührte Farbe kommt in den Müll.
– Es ist 16:45 Uhr. Noch fünfzehn Minuten bis zum Ladenschluss.
– Achim bestellt neue Farbe.
– Wir reißen die komplette Maskierung ab.
– Den schmalen Venyl-Streifen lassen wir kleben.
– Keiner möchte sehen, ob er für eine scharfe Kante gesorgt hat oder nicht. ;-)

Freitag:
– Es gießt wie aus Eimern.
– Eine Woche Regenwetter vorhergesagt.
– Eine Woche Zeit zum Wunden lecken.

 

Fortsetzung folgt … gerne hätte ich Vollzug gemeldet … vielleicht nächste Woche …

Farblich ist der neue Lack perfekt – links neu – rechts alt


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Boot Düsseldorf: Alle Glücklich – leider

Ein Kommentar von Alexander Worms

Nach so einer Woche MUSS man ja ganz euphorisch sein. Eeeeendlich wieder boot, eeeeendlich wieder alle Leute sehen, eeeeeendlich wieder ein Lichtblick im sonst so wassersportfernen Januar. 237.000 Besucher, das klingt erstmal gut, nach der Coronapause. Zuletzt waren es 13.000 mehr. Geschenkt. Die Schlangen am ersten Wochenende, vorallem an den Ständen mit großen Yachten, waren lang. Viele trugen Rucksack. Für Messeprofis ein Zeichen für einen „Gucker“ statt für einen „Kaufer“. Die kamen ohnehin meist in der Woche, wenn das Standpersonal Zeit hat. Die Ausrüster melden gute Verkäufe, auch fein. Die Stimmung war allenthalben gut, die Besucher scheinen zufrieden. Alles in Butter also?

Ich finde nicht. Auch wenn das der neue Chefredakteur der YACHT in seinem Fazit zur Messe nicht nachvollziehen kann, so gab es für mich auf der boot einige Fragen, die sich im Rausch der eeeeendlich wieder stattfindenden Messe keiner zu fragen traut, die allerdings zugegebenermaßen eher mit der Zukunft als mit der Gegenwart zu tun haben. Diese boot war gut. Das ist eine wichtige Nachricht für die Branche. Was aber wird aus der Messe an sich werden?

Was hat der Besucher von der Messe?

24 Euro Eintritt, wenn man nicht bereit ist, seine Daten im Onlineshop abzugeben, sonst 19 Euro. Hinzu kommen 10 Euro Parkgebühren, der ÖPNV ist nicht mehr Teil des Eintrittspreises. Zwei Erwachsene, zwei Kinder sind auf der Messe erstmal um 70 Euro erleichtert. Dann gab es noch kein Eis oder keine Wurst. OK, das kennt man. Auf ein Boot gehen zum gucken? Schwierig, eigentlich nur mit Termin, sicher am Wochenende. Kanufahren, Optisegeln, VR-Brillen-Boot fahren. Alles mit langen Wartezeiten. Auch das kennt man. Papa hätte gerne Ausrüstung gekauft. Nur wo? Ja, die Kleinen Händler sind vereinzelt noch da, sonst Großhändler oder die Hersteller selbst. Kauf? Über den Händler, am besten nach der Messe. Vor Ort ist die Ware eh nicht. Wird man zum individuellen Problem auf dem eigenen Schiff gut beraten? Fraglich. Kaum jemand hat Zeit, sich tiefgehend und intensiv mit dem Problem von Hein Müller auf seiner Hanvaria 345.2 auseinanderzusetzen. Schade. Am Ende geht es heim, mit der Erkenntnis, dass man beim Thema Ausrüstung nicht wirklich weiter gekommen ist, die Boote zwar groß und glänzend aber irgendwie unerreichbar sind und das Rahmenprogramm wie das Hobby an sich eher was für Individualisten ist und nicht auf Besuchermassen ausgelegt. Immerhin: Die Atmosphäre war prima. Mehr Wassersportfeeling geht im Januar eigentlich nicht. Aber reicht das?

Was haben die Aussteller von der Messe?

Im besten Fall Umsatz. Typischerweise am Ende des ersten Sonntages kursieren die Scheißhausparolen: „Wir haben XY Boote verkauft“. Das gilt dann für die Großserie. Und mit Messegoodies dabei. Und mit langer Vorarbeit, wo die Kunden nach Düsseldorf kommen um zu unterschreiben. Da will jeder die Erfolgsgerüchte streuen, knappe Güter sind eben mehr gefragt. Die kleineren Werften haben nachher meist eine lange Liste von Kontakten, aus denen nach dem Abbau erst noch Kunden gemacht werden müssen. Ob das klappt? Fraglich. Was sicher ist: Viele Menschen waren auf den Booten, die brauchen oftmals einige Stunden Zuwendung im Inneren um ohne Messeschrammen (von Rucksäcken) an den Kunden übergeben werden zu können. Und was definitiv bleibt: Die Kosten. Die boot ist die Leitmesse, da werden enorme Summen für den Standplatz aufgerufen. Die aus der Messe zurückzuverdienen wird immer schwieriger. Und dann müssen Boote und Personal auf den Stand kommen, letztere müssen auch übernachten und verpflegt werden. Das alles kostet viel Geld. Die Frage, ob dieses Budget nicht in Hausmessen, Social Media Kampagnen oder anderen Werbeformen besser aufgehoben wäre, wenn man das Ziel neuen Umsatz zu generieren als Maßstab nimmt und eben nicht nur die Euphorie, dass ja eeendlich wieder Messe ist, haben immerhin rund 400 Aussteller mit „ja“ beantwortet. Denn soviele waren 2023 weniger am Rhein als 2020. Unter ihnen Branchengrößen wie Hanseyachts mit Moody, Fjord und Dehler, Sirius, X-Yachts, Sturier oder zum Beispiel SVB im Ausrüstungbereich. Anders als AWN sind die nicht insolvent und deswegen nicht da, sie alle sehen schlicht keinen ausreichenden Return in ihrem Messeinvest. Eine unternehmerische Entscheidung. Dazu mag die enorm gestiegene Nachfrage in der Pandemie beigetragen haben, das ging seinerzeit bestens auch ohne Messe. Ob das so weiteregehn kann, wird jetzt ausprobiert. Das Perfide dabei: Im Ausrüstungssektor sind die Zeiten vorbei, an denen man Plotter oder Fender oder Ölzeug nach der Messe zufrieden nach Hause trug. Man informiert sich und kauft letztlich doch bequem beim Versender. Der ist auch noch günstiger, denn der kleine Aussteller musste ja die Standgebühr berappen, die sich der Versender gespart hat, und kann deshalb schlicht nicht gewinnbringend mit sattem Messerabatt verkaufen. Zum Verkaufen, so haben einige Werften und große Ausrüstungsversender offenbar gelernt, braucht man keine boot. Ob das dauerhaft stimmt, muss sich erst noch zeigen. Die Automatik aber, dass im Wassersport nur überlebt, wer in Düsseldorf ausstellt, steht zumindest in Frage.

Wie finden Kunden Produkte?

Dass diese Automatik in Frage steht, ist eine gute Nachricht. Klar, wir alle sind als kleine Stöpsel mit großen Augen über die Messe gelaufen, haben all die tollen Marken gesehen und haben dort unsere Affinität zum einen oder anderen Motorboot, Außenborder, Plotter entdeckt. Was ein Influencer war, wusste noch niemand. Die nächste Generation Wassersportler aber weiß das nur zu genau. Eine Messe brauchen die nicht, vielleicht wissen sie nicht mal mehr, was das ist. Um sich zu informiren oder auch zu unterhalten, um Markenaffinität aufzubauen, wird wie ganz selbstverständlich das Smartphone mit seinen unendlichen Stunden an Content genutzt. Wenn sich die Branche diesen neuen Werbeformen gegenüber nicht öffnet, wenn sie sich weiter ausschließlich wie ein kleines Kind freut, das eeendlich wieder boot ist und sich an den Besucherzahlen und dem „gelungenen Neustart“ (O-Ton Pressemeldung der boot) berauscht, gehen die Kunden von übermorgen, deren Markenbindung heute gelegt werden muss, verloren. Diese Bindung findet eben vielleicht nicht auf der Messe statt, sondern auf YouTube oder -Gott bewahre- auf TikTok.

Und nächstes Jahr?

Dann gehe ich da wieder hin. Ist doch klar. Denn es ist ja eeendlich wieder boot und einen Januar ohne Messe am Rhein kann man wohl nur auf den Bahamas ertragen. Man trifft Leute, versucht hier oder da auf ein Bötchen zu huschen und die noch fehlende Information zur Ausrüstung abzugreifen. Die Werften und Ausrüster aber sollten sich überlegt haben, welchen Stellenwert die boot in ihrem Marketingmix haben sollte und ob nicht andere Kanäle dringend mehr Beachtung brauchen. Schon um sicherzugehen, dass man keinen Umsatz liegen lässt. Denn die Zielgruppe ist sicher größer als 237.000 Menschen. Ganz bestimmt, wenn man die Leute hinzuzählt, die bislang vielleicht noch gar nicht wissen, dass sie eigentlich Wassersportler sind. Denn die gehen erst gar nicht auf eine Wassersportmesse, die liegen daheim auf dem Sofa und freuen sich über dieses Video mit dem Boot mit den Leuten drauf die so viel Spaß haben in ihrem YouTube-Feed.

Het bericht Boot Düsseldorf: Alle Glücklich – leider verscheen eerst op Stegfunk.de | Wassersport. Holland..