Archiv der Kategorie: News & Blogs

Astréa 42: Fountaine Pajots neuer Fahrtenkatamaran

Fountaine Pajot Astréa 42 2018: <p>
	Viel Platz, viel Decksfl&auml;che: Fountaine Pajot Astr&eacute;a 42</p>

Der neue Astréa 42 aus Frankreich soll Komponenten der großen Einheiten auf das für Eigner und Charterer gängigere Maß herunterbrechen. Der Test im PDF-Download

Deutsches Doppel greift im Mini-Fastnet an

Offshore Team Germany

Der eine ist bekannt für seine Solo-Leistungen, der andere für Siege im 505er, im 470er und erste Einhand-Erfolge: Jörg Riechers & Morten Bogacki in einem Boot

Die Suche nach einem Platz für die Nacht. Diesmal: Ankern unterm Leuchtturm.

Anders als erwartet, ist die spanische Südküste nicht flach und brett-eben, sondern von Gebirgen geformt. Und mit großen Kaps. Etwa 200 Seemeilen vor Gibraltar liegt das Cabo de Palos.

Der Tag war lang gewesen. Ich war erst Mittags aus dem Hafen von Alicante fortgekommen, hatte mich an diesem Samstag zu lange oben auf der Festung und dann im Gewusel der winkeligen Altstadt auf der Suche nach einem Bäcker und frischem Brot herumgetrieben. Der Hafen von Alicante kann überdies Zeit kosten: Es ist eine lange Ausfahrt, vorbei an den Hunderten Seglern und Motoryachten im Real Club Nautico, wo vor einem halben Jahr eine Etappe des VOLVO OCEAN RACE startete. Vorbei an den alten Schleppern. Hindurch zwischen der modernen Fregatte CASTILLIA, die heute Tag der offenen Tür hat und vor der ein paar Leute auf der Pier stehen. Und ihrer 200 Jahre alten Vorgängerin, dem still vor sich hinrottenden Nachbau der SANTISSIMA TRINIDAD, dem alten spanischen Linienschiff, das größten Kampfschiff seiner Zeit, das in der Schlacht von Cabo de Trafalgar von den Schiffen Lord Nelsons so viele Treffer einstecken musste, dass sie einen Tag später beim Versuch der Sieger, sie als Prise zu bergen und in den britischen Heimathafen Gibraltar zu schleppen, noch an den Trossen sank. Mit 150 spanischen Verwundeten in den untersten der 11 Stockwerke an Bord.

Noch immer beeindruckend in seiner Größe, selbst mit fehlendem Bugspriet und geknicktem Fockmast:
Der verfallende Nachbau der SANTISSIMA TRINIDAD im Hafen von Alicante.



Noch im Hafen, ein paar Meter hinter der SANTISSIMA TRINIDAD, setzte ich die Segel, eine milde Brise trieb uns die Küste genau nach Süden. Keine Welle. Keine Rauschefahrt. Nur dies stille Gleiten, als wäre Levje ein Schiff in der Luft. Und ihre siebeneinhalb Tonnen wären nichts als das Gewicht einer Feder, als verlöre die Schwerkraft jede Macht über sie. Als die Küste zurücksprang, hielt ich meinen Kurs nach Süden. Der Wind nahm zu, jetzt wurde es eine Rauschefahrt. Das schwere Schiff rollte mit den Wellen, die backbord leicht von achtern kamen, sie wiegte sich einfach mit den Wellen. Beschleunigte, wenn eine Welle anrollte und unter ihr durchrollte, mitgerissen von den Wassermassen. Bremste ab, wenn die Welle vom Heck bis zum Kiel unter ihr durchgelaufen war, als wäre sie in das Kehrwasser einer Störmung geraten. Ich überließ das Schiff dem Autopiloten und beobachtete fasziniert das Spiel der Wellen und was sie mit meinem Schiff trieben. Sah zu, wie aus der glatten See zuerst Wellen wurden. Wie sich auf den Wellen die ersten weißen Katzenköpfe zeigten, Schaumkronen, die sagen, dass der Wind nun kraftvoll genug ist, ein Segelschiff schnell voranzutrieben. Ich freute mich, wie mein Schiff sich durch die Wellen bewegt, und wie die Küste langsam hinter mir am Horizont verschwand.



Als die Sonne im Westen so tief stand und das Land wie den Scherenschnitt eines thailändischen Schattenspiel erleuchtete, war ich immer noch nicht fertig mit dem Beobachten. Die Seekarte mahnte. Zeit, einen Platz für die Nacht zu suchen. Was die Seekarte zeigte, waren alles Flachwasserhäfen in und um das Mar Menor, das „Kleinere Meer, das sich irgendwo am Horizont hinter der feinen Kontur des Scherenschnitts verbarg. Kleine Häfen, allesamt nicht geeignet für Levjes 2 Meter Tiefgang. Also um Cabo Palos herum in der Dämmerung, dahinter verbarg sich eine windabgewandte Bucht, das wäre der richtige Platz zum Ankern. Doch vorsichtig navigieren. Die braunen Felsen vor dem Kap schieben ettliche flache Felsbuckel als Ausläufer ins Meer hinaus, also jetzt vorsichtig sein.


Ein Zweimaster näherte sich von links, hinter den Inseln. Er schaukelte gemächlich in der Dünung Richtung Kap und rundete es vor mir, als die Sonne hinter einer Wolkenbank verschwand. Ich folgte ihm, er nahm Kurs auf die Bucht, er war größer als LEVJE, und breiter, und nahm Kurs auf die Bucht, die ich mir für die Nacht ausgekuckt hatte.

Anders als erwartet, doch wieso oft, hatte der Wind ums Kap gedreht. Sie lag alles andere als geschützt, die Wellen liefen genau in die Bucht. An Ankern war hier nicht zu denken, es würde eine unruhige Nacht werden. Doch der Zweimaster nahm selbstbewusst Kurs auf die verwinkelte Hafeneinfahrt, die sich hinter den Felsen zeigte. Das war doch auch nur ein Flachwasserhafen? Die Seekarte sagte, dass hier maximal 2 Meter Wassertiefe wären? Der Zweimaster war größer und schwerer und breiter als Levje? Wenn der sich da hinein wagte, käme ich mit Levje da sicher auch hinein. Und hätte einen geschützten Platz für die Nacht. Schnell startete ich in der anbrechenden Dämmerung den Motor, reffte zwischen Untiefen die Segel, und folgte dem Segler, der hinter der Kaimauer verschwunden war und plötzlichen zwischen den anderen Masten wie vom Erdboden verschluckt war. Ich folgte ihm langsam in die Hafeneinfahrt. Erst acht Meter. Dann sechs. Dann 3,60 Meter. Und kaum hatte ich die Nase in der Einfahrt, zeigte der Tiefenmesser 2,0 Meter. Nein, so wurde das nichts. Ich rechnete jeden Moment damit, dass Levjes Kiel mit einem Rums gleich auf dem Felsen aufsetzen würde.

So wurde das nichts. Für dieses eine Mal hatte meine Taktik, „wo ein Dicker reinkommt, komm’ ich locker rein“ nicht funktioniert. Manche Häfen musste man eben selber kennenlernen und konnte nicht rotzfrech einfach hinterherfahren. Der Zweimaster hatte uns jedenfalls in seiner Hafeneinfahrt von seinem Rumpf abgestreift wie eine lästige Entenmuschel.

Ich stoppte Levje, und tastete mich sachte rückwärts aus dem Hafen, aus der Sicherheit wieder hinaus in die anbrandenden Wellen in der Dämmerung. Und jetzt?  

Es war halb neun geworden. Die Sonne war hinter dem Ort verschwunden. Ich drehte vor dem Hafen im Schwell ratlos meine Kreise, während von den Tavernen Licht und fröhliches Stimmengewirr herüberklang. Das würde heute nichts werden für mich. Niemand da, den ich hätte fragen können.

Weitersegeln bis zur nächsten Großstadt, nach Cartagena? Es würde Mitternacht werden. Einen anderen Ankerplatz suchen? Wer segelt, sieht Buchten mit anderen Augen. Vor dem Cap mit dem Leuchtturm hatte ich – wo eigentlich nur Schwell und Wellen sein sollten – beim Passieren in einem Winkel vor dem Strand aus dem Augenwinkel eine glatte Wasseroberfläche bemerkt, wo nach aller Logik gar keine sein konnte. Ich beschloss, die 20 Minuten in der anbrechenden Nacht zwischen den Felsbuckeln hindurch zurückzufahren und dort meinen Platz zu suchen.



Gleich unter dem Leuchtturm von Cabo Palos fand ich ihn. Ein kleiner Sandstrand. 6 Meter Wassertiefe davor. Rasch ließ ich Levjes 20-Kilo Anker vorne ins Wasser platschen. Gab 25 Meter Kette. Zog dann prüfend nach hinten unter Motor. Erst zaghaft. Dann mit Gas. Er hielt. Gab noch einmal fünf Meter Kette. Der Anker hielt. Nun konnte, selbst wenn der Wind es wollte, die Welle in die Bucht stehen. Der Anker würde so lange halten, bis ich wach war. Und ich Levje unter Motor selbst Nachts notfalls aus der Bucht steuern konnte.

Ich schaute mich um. Der kubische zweistöckige Sockel des Leuchtturms. Auf jeder Seite acht Fenster. Die meisten Leuchttürme, die ich sah, sind längst verlassen. Es gibt keine Leuchtturmwärter mehr, anders als früher werden Leuchttürme längst nicht mehr bewohnt. Elektronik regelt alles. Doch an der mir zugewandten Nordseite des Leuchtturms, im oberen Stockwerk des Kubus, gingen drei Lichter an.

Wer hier wohl lebte? Gibt es noch Leuchttürme, die nicht ihr Licht vollautomatisiert in die Nacht schicken? Existierte da noch ein alter Leuchtturmwärter, der sich ausbedungen hatte, seinen Lebensabend hier verbringen zu dürfen, weil er doch sein Leben den Leuchttürmen gewidmet hatte? Der hier mit seiner Tochter lebte? Oder konnte man sich einfach, wie es auf manchen Inseln der Fall ist, in der Wohnung des Leuchtturmwärters einmieten? Ob ein Schriftsteller hier sein Schreibdomizil hatte?

Ich weißes nicht. Niemand zeigte sich in den offenstehenden Fenstern. Es war, als würde hier, unterm Leuchtturm dauerhaft jemand leben, während oben an der Spitze des schlanken Minaretts ein gleichmässig kreisender Strahl sein Licht wie einen langen Finger kreisend in die Weite deuten ließ.

Ich schlief beruhigt ein.

Offshore Team Germany: Morton Bogacki neu „im Boot“ – Mini-Fastnet mit Riechers

Offshore Team Germany, Järg Riechers, Morton Bogacki

Vielleicht startet Bogacki sogar für das OTG bei der Mini Transat 2019? Erste Erfahrungen im Team beim Mini-Zweihand-Rennen zum legendären Felsen vor Irland.  Weiterlesen

Kräftemessen im Starkwind auf der Förde

Kieler Woche 2018: <p>
	Die olympische Nacra-17-Flotte war am Freitag in frischen bis starken Winden vor Kiel gefordert</p>

Bei 30 Knoten Wind und in Böen mehr waren es auch am Freitag die Lasersegler, die am längsten mit den Elementen rangen. Die DSV-Flotte feierte zwei Tagessiege

25% Zoll auf US-Boote in Kraft

Bahía de Caráquez

Do., 21.Juni 18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1482, 13.337 sm von HH

Bahía hat, wie gesagt, keine touristischen Highlights.
Das Dollste, was man im Ort machen kann, ist auf den Hausberg zu steigen. Dort steht ein überdimensionales Kreuz mit einer Wendeltreppe im Inneren.
Die Stufen zum Aussichts-Kreuz verheißen schon nichts Gutes. Auch hier hat das Erbeben vor zwei Jahren große Schäden hinterlassen.

Treppe zum Aussichts-Kreuz

Treppe zum Aussichts-Kreuz

Viel Zutrauen entwickeln wir nicht zu dem Kreuz. Mit Gott-Vertrauen versuchen wir unser Glück, der Rundblick scheint verlockend. Auf den seitlichen Auslegern rufen wir uns ‚Verhalten im Falle eines Erdbebens‘ ins Gedächtnis. Die Risse in der gesamten Konstruktion sind alarmierend.
Beinahe täglich soll es draußen vor der Küste rumpeln, wie diese interessante Seite verrät. Meistens sind es nur kleine Stöße, die am Festland kaum mehr zu spüren sind.

Aussichts-Kreuz mit Tücken

Aussichts-Kreuz mit Tücken

Kleines Ankerfeld im Rio Chone

Kleines Ankerfeld im Rio Chone

Bahía macht trotz (oder gerade wegen) seiner Schlichtheit Spaß. Die Menschen sind ultra freundlich, rufen ihre Hunde zurück, damit die nicht so auf uns einbellen, wenn wir sie passieren. Jede der Hütten am Berg hat mindestens zwei Hunde. Manchmal sogar eine ganze Handvoll.
Die Leute grüßen und winken als wir durch ihr Viertel kommen. Die meisten sind Mestizen, eine Mischung aus Ureinwohnern und Europäern. Schwarze sieht man kaum in Bahía.

Die Kirche ist aus rosa und hellblauem Wellblech - gewagtes Design

Die Kirche ist aus rosa und hellblauem Wellblech – gewagtes Design

Nur ungefähr 70% der Einwohner Ecuadors sind katholisch

Nur ungefähr 70% der Einwohner Ecuadors sind katholisch

Der Ort ist auffällig sauber, es gibt kaum Schmuddel-Ecken und selbst der Gemüse-Markt sieht ständig frisch gefegt aus. Die Preise sind niedrig (Ein Kilo Tomaten gibt es für 50 Cent), die Auswahl ist groß: Neben Radieschen und Brokkoli liegen die Exoten wie Maracuja und Drachenfrucht. Leinsamen, Sesam und Hülsenfrüchte aller Art werden lose angeboten. Alles ist frisch und knackig. Nur fünf Minuten Fußweg und ich bin im Einkaufshimmel. Wir zahlen das gleiche wie die Einheimischen, einen Langnasen-Aufschlag gibt es nicht.
Auf der anderen Seite der Marina gibt es einen großen Supermarkt, der nicht die größte Auswahl hat, aber doch genug, um zufrieden zu sein.
Die Menschen sind närrisch nach Fotos. Sobald ich meinen Fotoapparat hebe, wird gewunken und sich in Pose geworfen. Wer zufällig vor der Kirche steht und meine Knipserei mitbekommt, bedankt sich, dass ich ein Foto von ihn (? okay, kann man so sehen) gemacht habe.

Man achte auf den sauberen Fußboden auf dem Markt. Das haben wir schon ganz anders gesehen.

Man achte auf den sauberen Fußboden auf dem Markt. Das haben wir schon ganz anders gesehen.

Erdbeeren, Bohnen, Melonen, Brokkoli, der Markt gibt alles her

Erdbeeren, Bohnen, Melonen, Brokkoli, der Markt gibt alles her

Fußball können wir in einer Sports-Bar gucken und beim Friseur war ich ebenfalls schon.
Open-Air-Buden meide ich seit Mexiko  Unvergessen: Mexiko und wähle einen richtigen Salon neben dem Supermarkt. Für 11,50 USD gibt es Waschen, Schneiden, Föhnen, wie ein Aushang verspricht. Alles sieht nach europäischem Standard aus. Trotzdem bekomme ich die Haare mit kaltem Wasser gewaschen. Mein Misstrauen wächst. Die Friseurin lacht mich an als ich meine Brille auf die Ablage lege: „Oh, meine Augen sind auch schlecht, in der Nähe sehe ich nix“. Warum trägt sie dann keine Brille als sie anfängt zu schneiden? Ich erwarte eine Katastrophe.
Zu Unrecht. Ich meine, ich habe den besten Schnitt seit Lissabon. Geht doch. Bahía, ich glaube wir werden dicke Freunde.

Der erste gute Haarschnitt in Übersee
Schöner Platz für unsere Räder in der Marina
Kindergeburtstag und sofort wird gewunken

 

Golden Globe Race: 17 Starter in Warteposition – Robin Knox-Johnston wehmütig

Golden Globe Race , Robin Knox Johnston

Sie haben sich reichlich was vorgenommen: Eine Frau und 17 Männer wollen auf Booten, deren Riss vor 1987 gezeichnet wurde, einhand nonstop um die Welt segeln. Weiterlesen

„Vergesst‘ Prison Break, House of Cards und Breaking Bad!“

Volvo Ocean Race 2017/2018: <p>
	Etappe 11, Tag 1: Das Dongfeng Race Team f&uuml;hrt die Flotte an und segelte damit am Freitagmittag auf Kurs Gesamtsieg</p>

Der Finalkrimi spitzt sich zu. Mapfre und Dongfeng ringen um die Etappenführung und den Gesamtsieg. Kann das zurückgefallene Team Brunel zurückschlagen?

Back to normal life.

Farbspritzer im Gesicht

Einigermassen erholt von meiner sechsmonatigen Skipperpassion lande ich in Hamburg und erreiche nach einer langen Fahrt mit einem dieser Flixbusse Flensburg. Das die sich noch trauen zu fragen, ob man mit der Fahrt zufrieden war. Schon etwas unverschämt. Die haben definitiv ein Toilettenproblem. Na ja. Kenne ich was von. Aber wir haben das auf der MARLIN definitiv besser im Griff. Schwamm drüber. Nicht meine Baustelle.

Zuhause angekommen holt mich MayaLena ab vom Bahnhof. Hehe! Da freut Papi sich aber mächtig „Seid ihr aber groß geworden.!“ Ne, dass war jetzt eher Spass. Erst mal haben wir ein kleines Problem zu lösen. Maya wollte mir bei der Office Renovierung helfen und ist nicht so ganz am Ziel angekommen. Nun. Wir einigen uns darauf dass wir das in eine Gemeinschaftsaktion bis Freitag Abend stemmen und den MARLIN / LUNATRONIC Aktionsraum fertig renovieren, damit die Maya Geburtstagsparty denn am Wochenende auch in frisch gestrichenen Räumen stattfinden kann. Lena macht auch mit und so sauen wir uns denn mal eben so richtig ein, wie sich das gehört. Eine große Fläche die mal feucht war muss verputzt werden. Das macht Papi. Auch die Decke streichen muss ich wohl selbst machen. Aber die ganzen Ecken, mit Pinsel und kleiner Rolle, dass machen meine Töchter. Spass haben. Das ist unsere Baustelle. Welcome Home.

Psychologische Sicherheit und Gruppendynamik an Bord – das Fünf-Phasen-Modell

Das Bordleben ist eine aufregende Erfahrung

Viele Wassersportler bereiten ihre Törns seemännisch gut vor. Sie halten das Boot und das technische Equipment durch Pflege und Wartung instand. Sie besorgen sich Seekarten und machen die Crew mit sämtlichen Sicherheitsstandards an Bord bekannt. Zudem verfügt der Skipper oder die Skipperin für gewöhnlich über gute nautische Kenntnisse. So weit, so gut. Doch inwieweit haben sich alle Segelfreudigen mit psychologischer Sicherheit beschäftigt?

Das Bordleben kann eine positiv aufregende und entspannende Erfahrung sein: Wogen und Wellen erleben, den Alltagsstress hinter sich lassen, die Ruhe nach dem Abstellen des Motors genießen. Es kann aber auch spezielle Konflikte und Probleme bringen, Ängste fördern oder die Kommunikation untereinander stören.

Jeder Skipper sollte sich daher fragen, inwieweit er oder sie darauf vorbereitet ist. Wie wird mit Meinungsverschiedenheiten in der Crew umgegangen? Wie kann ein seekrankes Mitglied einigermaßen handlungsfähig gemacht werden? Muss die – oft noch bestehende – Rollenfestlegung bei segelnden Ehepartnern so bleiben, obwohl im Notfall beide gute NavigatorInnen sein müssen?

Das Bordleben ist eine aufregende Erfahrung.

Techniken und Strategien

Techniken und Strategien zu mehr psychologischer Sicherheit an Bord zu reflektieren, sind ein wesentlicher Bestandteil der Törnvorbereitung. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Beispielsweise entsprechende Literatur.

a) „Wie funktioniert eine Gruppe? Gruppenmodelle nach Tuckman und Cohn“, Antje Kreher
b) „Dynamik in Gruppen“, Eberhard Stahl
c) „Moderne Crewführung auf Sportbooten“, Birgit Carstensen und Richard Jeske

Eine weitere Alternative sind Seminare. Zum Beispiel bei der Kreuzer-Abteilung des Deutschen Segler-Verbandes. Dort wird das psychologische Sicherheitstraining vor allem praktisch besprochen und geübt. Aufgebaut wird auf die profunde Erfahrung jedes anwesenden Seglers und jeder Seglerin, unabhängig vom Erfahrungsstand.

Die eigenen Erlebnisse können so in einen professionellen Rahmen eingeordnet werden, Krisen im Nachgang analysiert und verstanden oder eigene Grenzerfahrungen berichtet werden. Dazu gehören auch Themen wie „Führungsstil“ oder „Risikoverhalten“ oder auch der Umgang mit „menschlichen Problemen an Bord“ sowie „Angstbewältigung“.

Stärkung der eigenen psychologischen Sicherheit

Zur Veranschaulichung greife ich ein allgemeines Thema heraus, das viele von Euch kennen werden: Wo zwei oder mehr Menschen sind, gibt es verhandlungsnötige Interessen und Grundbedürfnisse. Das fängt damit an, dass die Mitglieder an Bord gehen und jede/r die schönste Schlafstelle möchte, und hört auf mit gravierenden Interessenkonflikten, wie z.B. im plötzlichen Krankheitsfall eines Seglers, bei dem entschieden werden muss, ob man beim Plan bleibt oder zurück segelt. Wer entscheidet und wie wird entschieden? Wird der Skipper als der „lonely wolf“ seine einsame Entscheidung in der Kajüte treffen oder sich mit einigen oder allen aus der Crew kurzschließen? Wie geht er dann mit den Nörglern um?

Wo zwei oder mehr Menschen sind, gibt es verhandlungsnötige Interessen.

Mit anderen Worten: Eine Stärkung der eigenen psychologischen Sicherheit ist ungemein wichtig, egal, ob man zu zweit, mit FreundInnen oder als Crew aus Fremden segelt. Über Gruppendynamik Bescheid zu wissen und Kommunikationstechniken im Hinterkopf zu haben, erleichtert das Bordleben und ich möchte daher im Folgenden darauf eingehen.

Gruppendynamik: die fünf Säulen der Identität

Mit den fünf Säulen der Identität werden in den verschiedensten psychologischen Konzepten zur menschlichen Identität die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen zusammengefasst. Sie lauten:

– Selbstbehauptung/Unabhängigkeit
– Kontrolle/Macht
– Neugier/Exploration
– Lust/Unlustvermeidung
– Bindungsbedürfnis

Dass die Bedürfnisse in unterschiedlicher Ausprägung bestehen, in Situationen variieren können und sich alterschronologisch verändern, ist selbstredend. Doch jede/r wird eine Gewichtung bei sich erkennen, die handlungsleitend ist. Und vielleicht auch neugierig darauf sein, wie sie bei anderen an Bord ist: Gibt es die harmoniebedürftige Schlichterin, den Alleswisser (der den Skipper übertrumpfen will) oder den „Uninformierten“ ohne Lernbedürfnis?

Die Gruppendynamik an Bord unterliegt spezifischen Eigenheiten.

Gruppendynamik an Bord: das Fünf-Phasen-Modell

Gruppendynamik an Bord ähnelt jener an Land und hat doch spezifische Eigenheiten: Es ist eine geschlossene Gesellschaft, die in jeder Situation, aber vor allem in lebensbedrohlichen, auf gute Beziehungen untereinander angewiesen ist.

Im nachfolgenden Fünf-Phasen-Modell werden gruppenspezifische Phasen benannt, die einen Einblick in Gruppenbildungsstandards geben. Das Modell stammt von Bruce Tuckman. Er war US-amerikanischer Psychologe, Organisationsberater und Professor an der Ohio State Universität und entwickelte seit 1965 sein weltweit bekanntes Phasenmodell für Gruppen.

Nach dem Modell von Bruce Tuckman läuft der Gruppenprozess fast immer in den gleichen Phasen ab – der sogenannten „FSNPA-Reihenfolge“. Dabei steht jeder Buchstabe für eine Stufe des Prozesses. Die Stufen heißen: Forming, Storming, Norming, Performing, Adjourning und werden im Folgenden erklärt.

1. Phase: Forming

Jedes Mitglied einer Gruppe wird sich bei den ersten Begegnungen Fragen stellen, etwa: Werden die anderen mich mögen? Bin ich den Anforderungen gewachsen? Kann ich mich auf den Freund auch an Bord verlassen? Begegnet man sich mit freundlicher Skepsis oder Herzklopfen? Jede/r wird versuchen, die verschiedenen Grundbedürfnisse in Einklang zu bringen, wobei sie oder er auf frühere Erfahrungen zurückgreift: bewusst oder unbewusst. Erste Regeln und Ziele werden miteinander festgelegt.

Jedes Mitglied einer Gruppe wird sich bei den ersten Begegnungen Fragen stellen.

Dazu ein Beispiel: Ein amerikanischer Skipper heuert in Spanien für seinen Atlantiktörn drei erfahrene Mitsegler an und lässt seine Frau, mit der er bislang in Europa gesegelt ist, zurück. Der Skipper reflektierte nicht über die Funktionen seiner Frau, vor allem leibliche und seelische Ernährung zu gewährleisten. Folge davon: Als sich die gespannte Stimmung unter den Seglern nach kurzer Zeit an Bord zuspitzte und keiner harmonisierende Hände ausbreitete, ging einer der vier Männer auf den Kanaren von Bord.

Von den drei restlichen übernahm der Älteste unbewusst die Rolle der Frau, kochte und „entschied“ sich unbewusst, beziehungsmäßige Schwierigkeiten tot zu schweigen. Im mittelamerikanischen Hafen jedoch inszenierte er einen moralisierend getragenen Abgang mit Theaterdonner.

Dass es nicht früher zu einem Eklat kam, lag auch am fehlenden Festland, an der bewundernswerten Kompetenz des Skippers sowie kleinen Gratifikationen (von der Hundewache befreit werden, weil das Essen so gut schmeckte). Hätte der Skipper sich seine eigene Bedürftigkeit bewusst gemacht und sie etwa in der 2. Phase – dem Storming – angesprochen, wäre die Crew vielleicht zusammen geblieben.

Eine besondere Herausforderung für Gruppen – Ozeanüberquerungen.

2. Phase: Storming

Für größere Gruppen gilt: Spätestens ab dem dritten Tag werden Konflikte und Unstimmigkeiten ausgetragen und die strukturierte Arbeit und Aufgabenverteilung beginnt. Bei der (Ehe)Paardynamik kann sich ein möglicher Knoten aus unausgesprochenem Konfliktpotential schon eher lösen – oder gar nicht.

Spätestens ab dem dritten Tag werden Konflikte ausgetragen – hier allerdings im Spaß.

Auch dazu ein Beispiel: Ein erfahrener Segler hat seine Partnerin dazu animieren können, den Sportbootführerschein See zu machen und ein wenig auf inländischen Seen praktisch zu üben. Ihr erster geplanter mehrtägiger Mittelmeertörn unterlag administrativ- und wetterbedingten Verzögerungen sowie einem landestypischen Streik, sodass die vorher eingehend besprochenen Ziele an der griechischen Küste geändert werden mussten.

Der Mann reagierte flexibel und genoss den Alltag im Yachthafen, die Frau hingegen sah ihre wenigen Ferientage in der Hitze verrinnen. Anstatt „Mitseglerin“ üben zu können, war sie „die Frau vom Segler“ sowie ihrer vertrauten Umgebung beraubt. Die restlichen Tage auf See standen unter unausgesprochenen Spannungen zwischen dem Paar, obwohl die Frau dann mehr als nur Fender auslegen konnte.

3. Phase: Norming

In der Regelungs- und Übereinkunftsphase sind die sozialen Rollen festgelegt. Eine gemeinsame Identität besteht. Das merkt man an Aussagen wie „Das Anlegemanöver haben wir super geschafft“. Doch nicht nur crewintern findet diese Wahrnehmung statt. Sie kann auch extern vorhanden sein und spiegelt sich in Aussagen wie „Das sind doch die Mädels von der Poseidon“ wider.

4. Phase: Performing

In dieser Phase läuft die Gruppe. Die Regeln und Rollen sind klar und alle sind an den gemeinsamen Zielen orientiert und konkurrieren nicht destruktiv. Die Gruppe verfolgt ein gemeinsames Ziel und hat Spaß, dieses zu erreichen.

Segelmanöver. Diese Gruppe ist in der Performing-Phase.

5. Phase: Adjourning

Der Törn geht zu Ende und die Gruppe löst sich wieder auf. Es geht sozusagen jede/r wieder in den sonst üblichen „Alltag“ zurück. Das heißt auch, dass die entstandenen menschlichen Bindungen sich lösen bzw. verändern. Der Skipper mit Weisungsbefugnis wird wieder zum Freund auf Augenhöhe und bei der Abschiedsumarmung wird schließlich „Ich melde mich auf jeden Fall“ versprochen.

Zum Törnende gehört aber auch eine Auswertung und Nachbereitung des Törns. Hier sollte vor allem auch der Skipper reflektieren, was auf dem Törn gut und was schlecht gelaufen ist. Daraus lassen sich, wenn Kritik auch angenommen wird, durchaus positive Veränderungen für die Zukunft ableiten.

Zum Törnende sollte immer auch eine Auswertung gehören.

Fazit

Aus profunder Lebens- und Segelerfahrung oder angelernter sozialer Kompetenz kommt das Wissen über Verständnisschwierigkeiten. Wer weiß, dass es die fünf Phasen gibt, kann sie als Raster im Hinterkopf behalten. Darüber hinaus ist es wichtig, zu verstehen, dass wir mit unterschiedlichen Ohren hören, etwa „gesagt ist nicht gehört“ und „gehört ist nicht verstanden“.

Dazu ein Beispiel: Wenn die Skipperin zu einem unerfahrenen Crewmitglied sagt: „Da ist ein Ölfleck im Motorraum.“ wird dieses vielleicht nur mit dem Kopf nicken und diese Aussage nicht als Appell verstehen: „Kümmere dich um den Motor“. Oder wenn ein Törnteilnehmer viel schweigt und sich zurückzieht, kann dies aus unterschiedlicher Motivation geschehen und unterliegt diversen Deutungen. Hat er schlechte Laune? Ist er müde? Möchte er alleine sein? Bevor Unstimmigkeiten und Mutmaßungen entstehen, wäre es besser, den Mitsegler darauf anzusprechen. Das nimmt einem sich aufbauenden Groll die Energie. Selbige kann dann viel besser für konstruktive Bordmanöver genutzt werden.

Mit anderen Worten: Ein Wissen um Kommunikationspsychologie an Bord kann die Sicherheit an Bord erhöhen – für jedes Individuum, für die Gruppe, aber auch für das nautische Gelingen des Törns. In meinen Augen ist es die Aufgabe des Skippers, sich darauf vorzubereiten und entsprechend zu handeln. Viel Spaß dabei.

Seminar-Tipp

Psychologisches Sicherheitstraining für Wassersportler am Samstag, den 01. Dezember 2018, von 10:00-18:00 Uhr beim Deutscher Segler-Verband (DSV) mit Renate Degner.

Infos und Anmeldung unter www.kreuzer-abteilung.org

Der Beitrag Psychologische Sicherheit und Gruppendynamik an Bord – das Fünf-Phasen-Modell erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Der „Rote Mond“ scheint über Zadar

52 Super Series 2018: <p>
	Harm M&uuml;ller-Spreers &quot;Platoon&quot; bietet Patrizio Bertellis Team Luna Rossa bei der 52 Super Series in Zadar Paroli</p>

Patrizio Bertellis Team Luna Rossa schockt im Süden Kroatiens das TP-52-Establishment. Doch zwei gut bekannte Teams mit deutschen Eigner bieten Paroli