Archiv der Kategorie: Atanga

Rundreise Süd-Ecuador

Di., 16.Okt.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1599, 13.337 sm von HH

Es geht wieder los: Busfahren in Südamerika. Diesmal möchten wir ganz tief in den Süden Ecuadors.
Mit dem Nachtbus fahren wir über Guayaquil bis nach Zaruma. Dort sollen wir Morgen Vormittag ankommen. Der Süden wird von Touristen relativ wenig besucht. Die meisten Gäste landen mit dem Flugzeug in Quito und da liegen die Attraktionen vor der Haustür. Daher quält sich kaum jemand zwanzig Stunden im Bus nach Zaruma.
Der Ort ist so untouristisch, dass auf booking.com, meiner Lieblingsplattform zur Zimmerreservierung, kein einziger Treffer zu finden war. Ein Hotel, was ich trotzdem im Internet gefunden habe, wollten bei einer Zimmerreservierung eine Anzahlung von 50 Prozent. Ich konnte den netten Jorge überzeugen, dass wir kein Bankkonto in Ecuador haben, alles sehr schwierig ist und dass wir wirklich, wirklich anreisen. Er hat dann die Anzahlung verzichtet. Na, hoffentlich hat das geklappt.

Rundreise Süd-Ecuador

Rundreise Süd-Ecuador

Nach ein paar Nächten in Zaruma, einem alten Goldgräberstädtchen, fahren wir bis kurz vor die peruanische Grenze, nach Vilcambamba. Dann sind wir auch wieder in den Bergen, zunächst nur auf 2.000 Meter. Die Anden haben hier einen kleinen Höheneinbruch, bevor sie in Peru richtig an Höhe gewinnen.
Bei unserer letzten Rundreise sind wir ja nicht höhenkrank geworden. Ob es an der Strategie der langsamen Steigerung der Höhen lag? Ist nicht zu beweisen, aber wir halten an der Taktik fest. Auch konditionell hat das ja gut geklappt. Unsere wunderbar aufgebauten Blutkörperchen sind durch die faule Zeit im Cockpit längst abgeatmet. Die müssen wir grad wieder neu züchten.
Der dritte Stopp in Cuenca liegt bereits auf 2.500 Meter. Von hier können wir sternförmig Ausflüge unternehmen, die uns fast auf 4.000 Meter führen: Nationalparks und Inka-Ruinen. Alles gut von Cuenca aus zu erreichen. Außerdem soll Cuenca die schönste Stadt Ecuadors sein.

Wir sind gespannt. Endlich ist mal wieder was los. Die dicken Projekte sind abgearbeitet und Bahía ist doch etwas langweilig auf Dauer. Also, auf geht’s, der Bus wartet nicht.

Aschenputtel auf Langfahrt

Sa., 13.Okt.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1597, 13.337 sm von HH

In knapp zwei Monaten soll es losgehen. Richtung Südsee. Zeit, dass wir uns mit der Proviantierung beschäftigen. Was man immer wieder hört, sind Geschichten über die schlechte Versorgung im Südpazifik. Zwischen Südamerika und Neuseeland sieht es im Lebensmittel-Bereich finster aus. Vollkornmehl oder Körner gehören zur Kategorie ‚garantiert nicht erhältlich‘.

Okay, das sieht in Bahía nicht viel besser aus. Es gibt ab und an Vollkornmehl im Supermarkt. Dann aber in homöopathischen Mengen. Mit Chance sind mal zwei Kilo zu ergattern. Dann bleibt das Regal wochenlang leer.
Rechnerisch benötigen wir 40 Kilo für zwei Jahre Südsee. Allerdings kann Vollkornmehl nicht so lange gelagert werden. Es wird ranzig. Körner dagegen sind nahezu unbegrenzt haltbar.

Eine Getreidemühle haben wir an Bord. Ein Gerät von dem ich dachte, es verschimmelt ungenutzt im Schrank. Bislang war Vollkornmehl – Weizen und auch mal Roggen- gut zu bekommen.
Vor ein paar Tagen haben wir die Handmühle das erste Mal betrieben. Sieht locker aus, ein bisschen an der Kurbel zu drehen. In Wahrheit verbraucht man mehr Kalorien als eingefahren werden.  Eine halbe Stunde haben wir uns abgewechselt beim Drehen und hatten ein Kilo Mehl und lahme Arme.
Aber es funktioniert. Unser geliebtes Vollkorn-Mischbrot ist gesichert.

Mühsahmes Geschäft

Mühsames Geschäft

Jetzt brauch ich nur noch große Mengen Körner. Ein paar Kilo Roggen habe ich für genau diese Zeit weggebunkert. Weizen finde ich auf dem Markt. Der einzigen Quelle für Getreide.
Der sieht frei von Tieren aus, den kaufe ich. An Bord kommt er in Quarantäne, ob sich nicht doch noch Motten oder Käfer entwickeln. Nein, alles gut (hätten sich Tiere gezeigt, hätte ich den Weizen in der Pfanne erhitzt. Bei spätestens 60 Grad ist für Eiweiß Feierabend).
Aber der Weizen ist unsauber gedroschen. Etliche Körner sind noch von den Spelzen umschlossen und ich finde kleine Strohhalme und Grannen in der Tüte. Jetzt kommt Aschenputtel ins Spiel: Das Gute ins Töpfchen, das Schlechte ins Kröpfchen.
Was für eine öde Arbeit. Ob ich mir zu viel Arbeit mache? Und man den Spreu mitessen kann? So richtig finde ich keine Antwort im Netz darauf, also sortiere ich weiter. Das erscheint mir sympathischer. Sind ja nur ein paar Kilo. ;-)

Die Spreu vom Weizen trennen

Die Spreu vom Weizen trennen

Überhaupt ist Bahía ein schlechter Ort für die große Proviantierung. Obst, Gemüse und Fisch gibt es für wenig Geld in sensationeller Qualität. Reis, Weißmehl, Hülsenfrüchte und alle anderen Grundnahrungsmittel ebenfalls. Bei Konserven, Wein, Fleisch und Milchprodukten sieht es schlecht aus. Vieles ist gar nicht zu bekommen und importierte Waren, wie Salami, sind frech teuer.
Aber gut, wir müssen es nehmen, wie es ist.

Bewuchs-Wahnsinn unter Wasser

Mo., 08.Okt.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1592, 13.337 sm von HH

Die Pfähle auf denen die Marina gebaut ist, strecken bei Ebbe ihren warnenden Polizeifinger in die Luft: seht her, das passiert hier unter Wasser. Wir ignorieren das zunächst. Wissen wir doch beide, was das für Atanga bedeutet. Unsere Wasserlinie setzt regelmäßig etwas Schleim an, den Achim vom Dinghy aus entfernt. Danke Thomas für die schönen Fotos.

Super Job

Super Job

Arbeit im Liegen

Arbeit im Liegen

Achim zieht die unbequeme Variante der nassen vor. So recht mag keiner in den Fluss springen. Unterhalb des Wasserpasses macht das Antifouling einen guten Job. Soweit wir etwas in der schlammigen Brühe erkennen können, sind keine Muscheln am Rumpf.

Allein Propeller und Welle sind ungeschützt dem Bewuchs ausgeliefert (Es gibt Antifouling auch dafür. Aber durch die schnellen Drehungen von Welle und Schraube bewährt sich das nicht recht). Wenn die Pfähle der Marina zwei Monate nach einer Muschel-Ernte so aussehen, wie mag es dann unserem Propeller nach vier Monaten ergehen? Achim geht tauchen.

Muschelbewuchs an den Pfählen der Marina - nach zwei Monaten

Muschelbewuchs an den Pfählen der Marina – nach zwei Monaten

Das funktioniert nur bei Stillwasser vor dem Hochwasser. Sonst ist die Strömung zu heftig. Und es ist der Zeitpunkt des klarsten Wassers. Achim berichtet, er sieht trotzdem nichts. Der schwarze Schiffsrumpf ist als dunkler Schatten zu erkennen. Das ist seine Orientierung. Details erkennt er keine. Die Schraube kann er nur ertasten. Was er fühlt ist ein einziger Klumpen an Muscheln, Pocken, Kraut und sonstigem Bewuchs. Der Propeller ist komplett verschwunden. Die Welle ist auf ein undefinierbares Rohr von zwanzig Zentimeter Durchmesser angewachsen.
Viel Zeit zum Arbeiten bleibt nicht, vielleicht dreißig Minuten. Schnell setzt wieder die Strömung ein. Dann muss er sich mit einem Arm an der Welle festklinken und mit der anderen Hand versuchen, das Teufelszeug vom Propeller zu kratzen.

Ich höre ihn im Schiff schaben und klopfen. Meine einzige Referenz, dass er überhaupt noch da ist.
Bereits zweimal ist er tauchen gewesen. Und noch lange nicht fertig. :shock:
Die gute Nachricht lautet, dass der Rumpf tatsächlich kaum bewachsen ist. Danke Antifouling.

Anstreichen nach dem Tidenkalender

Do., 04.Okt.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1588, 13.337 sm von HH

Im Prinzip liegen wir im Chone Fluss recht ruhig. Nur zwei Stunden um Hochwasser wird es kappelig. Anstreichen während dieser Phase: schwierig. Ein Schupser einer Welle und schon hat man übergemalt. Ich klebe nicht gerne ab. Meine Klebung wird meisten schief und am Klebeband bleibt eine Lackkante stehen. Gefährlich auch das, mit frischem Lack vollgeschmierte Klebeband, was feucht abgerissen werden soll. Garantiert weht das aus und saut irgendwelche Tampen mit Lack voll. Also pinsel ich lieber freihand meine Kanten.
Dafür brauche ich ablaufendes Wasser. Nach 11:00 Uhr geht es aber auch nicht mehr. Dann kommt der (extrem zuverlässige) Mittags-Wind, der Staub von den dicken Straßenbauarbeiten an Land zu uns rüber weht. Mit dem haben wir sowieso schon zu kämpfen. Das ganze Schiff ist staubig. Der Dreck findet seinen Weg bis in die Schränke. Den will ich auf keinen Fall in meinem frischen Lack wieder finden.

Trotz schwieriger Terminfindung und widriger Umstände, klappt die Anstreicherei zufriedenstellend. Ich bekomme unfallfrei Farbe auf Achims gespachteltes Brett. Wie durch ein Wunder hat unser amerikanischer Nachbar Allan noch eine Tube weißes Sika liegen, die er nicht mehr braucht. Wir können das neu aufgebaute Brett (optisch ansprechend) abdichten.
Hurra!

Vorher der hässliche Schwan

Vorher der hässliche Schwan

 

Nachher oben und unten schön versiegelt mit Sika

Nachher oben und unten schön versiegelt mit Sika und lecker lackiert

Jetzt nur noch hinter der Sprayhood pinseln, wo neulich noch das Loch nach außen klaffte.
Hier werde ich nichts mit meiner Freihand-Malerei. Der Winkel zum Brett ist kleiner als 90 Grad. Ich muss abkleben. Malerband befestige ich nah an der Kante und den Rest decke ich mit Zeitungspapier ab.
Das Brett bekommt zwei Anstriche. Und jetzt mache ich einen wirklich dummen, dummen Fehler. Ich lasse meine Klebung zudammen mit dem Lack trocknen. Aus Doofheit? Aus Bequemlichkeit? Weil ich Abkleben nicht mag? Aus extremer Trotteligkeit? Ich weiß es nicht. Dabei weiß ich doch, dass man das nicht macht. :roll:

Da wo das Malerband klebte, ist die Welt in Ordnung. Abreißen, die Lackkante mit einem Messer glätten, fertig. Kommt ja noch eine Versiegelung mit dem Sika rüber. Sieht bombig aus.
Aber es gibt Stellen, da ist der Lack unter die Zeitung gekrochen. Ich versuche noch was zu retten. Keine Chance. Eine hauchdünne Papierschicht scheint für immer verwachsen mit dem Untergrund. Grün-blaue Werbung auf weißem GFK. Sogar ein paar spiegelverkehrte Buchstaben kann ich noch erkennen. Ich möchte weinen.

Stunden später, unter Zuhilfenahme von diversen Messern, Kratzern und einem Ceranfeld-Schaber, ist mein Schaden behoben. GFK ist zum Glück ein geduldiges Opfer für solche Sauereien. Ähnlich wie von Glas kann man Verunreinigungen fast unsichtbar herunterkratzen und polieren.
Hab ich schon gesagt, dass ich Abkleben nicht mag?

Das Loch gefüllt mit Matte und Harz

Das Loch gefüllt mit Matte und Harz. Kann das je wieder schön aussehen?

Loch weg, verklebte Zeitung weg, schwarze Fugen weg, Riss weg. Projekt abgeschlossen!

Visum-Verlängerung mit Hindernissen

Mo., Okt.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1584, 13.337 sm von HH

Wir sitzen mal wieder im Bus nach Portoviejo. Heute soll mein Visum verlängert werden.
Der Tag fängt fragwürdig an: mit uns im Bus fährt Til Schweiger. Spanisch sprechend. Allerdings grottenschlecht synchronisiert. Während der Nuschelkopp Schweiger die Zähne kaum auseinander bekommt, spricht der Synchronsprecher verständliche Sätze. Mund und Stimme passen nicht zusammen. Warum nur zeigen die im Bus nicht einen ihrer üblichen blutrünstigen C-Movies? Muss es der Schweiger sein?

Noch vor Ende des Films müssen wir raus. Wir trotteln den bekannten Weg zum Immigration Büro. Der zweite Schock des Tages, Eingang und Fenster sind dicht verrammelt. Wir schauen uns hilflos um. Und nun? Aber auf die Südamerikaner ist Verlass. Ein Typ mit einem mobilem Kopierer sieht unsere Ratlosigkeit und zeigt uns den Weg zum neuen Büro, keine hundert Meter weiter. Die Immigration ist frisch in ein neues Gebäude umgezogen.

Dort finden wir unsere Immigration-Schönheit von den letzten beiden Treffen. Sie erkennt uns ebenfalls wieder und begrüßt uns mit den Worten: „No hay internet.“ Es gibt kein Internet! Vielleicht heute Nachmittag. Und nun? Sie schickt uns erst mal zur Bank, damit wir die Gebühren (129 USD) einzahlen können. Sollte das Internet dann noch immer nicht funktionieren, können wir doch einfach Morgen wieder kommen. Sie ist die einzige, die darüber lacht.

Wir fahren mit dem Taxi zur Bank, bezahlen und kehren zur Immigration zurück. Noch immer kein Internet. Der Warteraum vor dem Büro der Schönen ist inzwischen proppevoll. Alle warten auf das Internet. Ich bin für einen Stadtbummel, Achim will bleiben. Seine Strategie: den Druck erhöhen durch Anwesenheit. Er wartet an einer Stelle vor ihrer Glastür, dass sie ihn dauerhaft sehen kann. Ich verstecke mich zwischen den anderen Wartenden.
Nach einer halben Stunde knickt sie ein und übergibt Achim ein Formular, was ich ausfüllen und unterschreiben soll. Als ich es bei ihr abgebe, errechnet sie manuell, dass meine zweimal 90 Tage am 30. Dezember abgelaufen sind. Wir haben also schon mal ein Datum. Ganz ohne Internet.
In zwei Stunden, um 15:00 Uhr, sollen wir wieder kommen, dann läuft ihr System garantiert und ich bekäme meinen Verlängerungs-Wisch. Oder eben doch erst Morgen, wiederholt sie ihren schlechten Scherz. :lol:

Wir fahren mit dem Taxi zu einem großen Supermarkt. Auf Schätzchen-Jagd gehen. Der Supermarkt in Bahía ist leider begrenzt sortiert. Wir werden fündig, beide Rucksäcke sind voll, neunzig Dollar soll ich zahlen. „Deine Kreditkarte funktioniert nicht.“, meckert die Kassiererin. Ich bitte sie, es noch einmal zu versuchen und packe im Geiste schon die Rucksäcke wieder aus. „Haben wir überhaupt noch so viel Bargeld mit“? Auch der zweite Versuch bringt keinen Erfolg. Achim und ich kramen unser Bargeld zusammen. Puh, es reicht.

Bei der Immigration erwartet uns unsere Freundin. Freudestrahlend überreicht sie mir meine Visumsverlängerung. Ein schönes Ende eines wechselhaften Tages.
Heute Morgen kocht ‚Gestern‘ noch einmal hoch: Wir erhalten eine Mail von unserer Bank, dass gestern zweimal für 90 USD eingekauft wurde. Wenn wir das nicht waren, sollen wir uns melden, allerdings müsse dann meine Kreditkarte gesperrt werden. Oh, nein, bitte nicht!
Die Bank kriegt ganz schnell eine Antwort: Im Prinzip sind wir Verursacher dieser Buchung, jedoch…
Unbürokratisch erhalten wir Bescheid, der doppelte Betrag wird gar nicht belastet und meine Kreditkarte bleibt erhalten. So, nun aber bitte Ende mit diesem Tag.

Ein Segel-Video ist online

Di.,25.Sep.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1578, 13.337 sm von HH

Die Fototapeten-Inseln ‚San Blas auf der Karibikseite von Panama und die nicht minder schönen ‚Las Perlas‘ im Pazifik. Dazu segeln mit Rundnasen-Delphinen und trampenden Tölpeln. Und mit Neptun an Bord, der extra zu unserer Äquatortaufe vorbei gekommen ist.
Viel Spaß.

 

#12 Panama – San Blas und Las Perlas

Karies-Befall

Di.,18.Sep.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1571, 13.337 sm von HH

Schon in Deutschland durfte ich ja an dieser Stelle lesen, dass bei meiner Rückkehr ‚rosa‘ Arbeiten (schleifen und lackieren) auf mich warten würden. In der Zwischenzeit hatte Achim den gefundenen Schaden am Cockpitaufbau behoben und ‚Rosa‘ soll zur Tat schreiten. Frau Rosa ist allerdings misstrauisch. Warum sollte das Holz nur auf der Backbord-Seite vergammelt sein? Wo doch auf Steuerbord ebenfalls eine winzige Undichtigkeit auf der inneren Seite der Sprayhood festzustellen war? Frau Rosa arbeitet nicht gerne doppelt und drängt Herrn Blau noch mal genau nachzubohren.

Und siehe da: Blau stößt auf einen weiteren großen Karies-Befall. Zunächst nur mittig. Die kariöse Stelle wird ausgebohrt. Der Befall zeigt sich auf der gesamte Länge des oberen Brettes.
Das morsche Holz wird heraus gebohrt und gepuhlt. Als Füllung kommen zuerst Epoxi hinein, dann Glasfasermatte-Schnipsel und Polyester-Harz dazu. Spachtel oben drauf, schleifen, erneut spachteln, wieder schleifen – bis es richtig gut aussieht. Beim Entfernen der Abdeckung dann noch ein Kollateral-Schaden: der rote Streifen hat Harz abbekommen und benötigt nun ebenfalls einen neuen Anstrich. Damit wäre erreicht, dass sich der Arbeitsaufwand von Frau Rosa mal eben verdoppelt hat.

Doktor Blau bei der Arbeit

Doktor Blau bei der Arbeit

Das Brett ist auf die gesamte Länge morsch im oberen Bereich

Das Brett ist auf die gesamte Länge morsch im oberen Bereich

 

Reparatur mit Polyester-Harz

Reparatur mit Polyester-Harz

Vorgeschliffen

Vorgeschliffen

Wieder fein verspachtelt, aber der rote Streifen hat etwas abbekommen

Wieder fein verspachtelt, aber der rote Streifen hat etwas abbekommen

Dr. Blau will es nun wissen und nimmt jetzt noch an der Ecke eine Probebohrung vor. :cry:
Was uns ins Cockpit fällt, ist der reine Torf. Nur noch zusammengehalten vom Lack. Hier ist eine Wurzelbehandlung nötig. Und die anstehenden Lackerarbeiten haben sich soeben noch auf die Innenseite des Cockpits ausgeweitet. Nach zwei Zentimetern stößt Achim auf gutes Material. Der Kern vom Holz ist gut. Also soll auch hier ein Aufbau mit Polyester-Harz erfolgen.
Im Maler-Laden, die das Harz und Härter verkaufen, begrüßen sie Achim schon mit Handschlag.

Drei Zentimeter vermodertes Holz ergießen sich ins Cockpit

Drei Zentimeter vermodertes Holz ergießen sich ins Cockpit

Uns ist bewusst, dass dies eine Art Fusch-Behelfs-Reparatur ist und das Brett eigentlich ausgetauscht werden müsste. Aber vor Ort gibt es niemandem, dem wir so eine Arbeit zutrauen würden. Und die eigenen Tischler-Handwerklichen Fähigkeiten sind an Bord nicht so ausgeprägt.
Aber wir sind ebenfalls überzeugt, dass diese Reparatur bis Neuseeland halten wird.

So schlecht der Standort für diese Reparatur auch sein mag. Er hat auch ein Gutes: Es regnet nicht in Bahía (seit drei Monaten hatten wir zweimal etwas Nieselregen). Auf ein Dach und aufwendige Abdeckungen kann verzichtet werden. Und Polyesterharz ist extrem preiswert: Ein Liter gibt es für 5 USD. Da darf es schon mal ein Gebinde mehr sein, was Achim in die Löcher gießt. Also, nichts ist so schlecht als dass es nicht auch noch für irgendwas gut wäre.

Behörden-Kram

Mo.,10.Sep.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1563, 13.337 sm von HH

Wer in Ecuador einreist, bekommt zunächst eine Aufenthaltsgenehmigung für 90 Tage.
Achims Zeit ist am Sonntag abgelaufen. Am Wochenende hat die Immigration geschlossen. In deutscher Umsicht beschließen wir also nicht bis zum letzten Tag zu warten, sondern bereits am Donnertag zuvor eine Verlängerung für weitere 90 Tage zu besorgen. Blinder Eifer schadet nur…

Für die Verlängerung müssen wir in das 70 Kilometer entferne Portoviejo. Der Schnellbus der Luxus-Linie ‚Königin der Wege‘ schafft das in einer guten Stunde. Auch die Immigration ist schnell gefunden.
Die nette und sehr hübsche Beamtin schüttelt ihren Kopf:“No! No, es possible. Ihr müsst am Montag wieder kommen. Mein System lässt heute noch keine Verlängerung zu.“
Es hilft kein Betteln und kein Flehen. Gefrustet treten wir den Rückzug an. Der Bus der Linie ‚Milchkanne‘ benötigt zweieinhalb Stunden zurück nach Bahía. Außer Spesen nix gewesen.

Am Montag das gleiche Spiel: Schnellbus nach Portoviejo, fünfzehn Minuten Fußweg und unsere Immigration-Schönheit freut sich schon: „Vor der Verlängerung müsst ihr zur Bank Pacifico. Dort müsst ihr 128 USD bar einzahlen, dann kommt ihr wieder und bekommt ein Verlängerungsvisum.“
Taxi zur Bank, Geld eingezahlt, Taxi zurück zur Immigration und, voila, ein paar Kopien später darf Achim bis zum 08.Dezember in Ecuador bleiben.

Für mich sieht die Sache anders aus. Da ich in den ersten drei Monaten außer Land gewesen bin, verlängert mein Aufenthalt in Deutschland mein Ecuador-Visum um 21 Tage. Somit gibt es am 01.Oktober erneut eine Reise nach Portoviejo.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

Di.,5.Sep.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1558, 13.337 sm von HH

Für alle andern wurden Piktogramme erfunden. Wer die ebenfalls nicht lesen kann, hat es schwer im Leben.
Und wer Piktogramme sieht, wo keine sind, befindet sich am Ende der Nahrungskette.
So wie der Blödmann, der in Hamburg auf dem Flughafen unser ‚Sikaflex‘ aus dem Koffer genommen hat.

Beim Öffnen meines Koffers flattert uns ein Zettel entgegen: „Folgende Gegenstände wurden entnommen: Fugenmasse!“ Daneben eine Menge Drohungen, die Geld-und Freiheitsstrafen in Aussicht stellen, da ich gegen das Luftverkehrsgesetz verstoßen haben soll.
Ohne Unterschrift und ohne Namen. Zumindest in der Hinsicht ist Blödmann clever gewesen.

Entnahme-Quittung

Entnahme-Quittung

Stein des Anstoßes sind sechs Kartuschen (sehen wie Silikon-Kartuschen aus) ‚Sikaflex‘ in meinem Koffer. Dreimal Fugenmasse, das hat Blödmann gut erkannt, und dreimal Dichtmasse. Dafür hat es bei ihm schon nicht mehr gereicht.
Weder Fugen- noch Dichtmasse stellen ein Gefahrstoffe dar, was man leicht an den fehlenden Piktogrammen erkennen kann. Wenn kein Ausrufezeichen oder Totenkopf, kein Feuersymbol oder Explosionsbild zu sehen ist, wird es wohl harmlos sein. Anmelden muss man solche Artikel ebenfalls nicht. Somit habe ich, ausnahmsweise, mal alles richtig gemacht.

Ein Fall für Sherlock Achim. Wenn einer Bock hat, Gefahrstoffblätter und Transportbedingungen zu suchen und einen Ansprechpartner zu finden, dann er. Zunächst bekommt der Flughafen eine Mail. Eine detaillierte Mail. In Ermangelung eines Ansprechpartners geht die Mail an info@blabla.de.
Die antworten prompt, dass sie nicht zuständig seien. Ein Tochterunternehmen würde das Gepäck kontrollieren, aber die könne man nur telefonisch erreichen. Aha. Da wittern wir doch Methode hinter.

Achim findet eine Mail-Adresse der Firma. Unsere Beschwerde geht an diesen Laden und gleichzeitig an das Kundenbüro vom Flughafen. Die Firma rührt sich nicht, aber das Kundenbüro meldet sich, dass es nicht zuständig sei. Aha. Wir sollen es bei der Fluggesellschaft versuchen.

KLM meldet sich prompt und freundlich. Sie bedauern das Missverständnis und erstatten selbstverständlich den entstandenen Schaden von knapp 93 Euro. Cool. Das ging ja mal wirklich flott und unkompliziert.

Verbleibt noch ein Problem: wir sind in Ecuador und hier ist kein Sika zu bekommen. Achim ist bloß froh, dass er in meiner Abwesenheit nicht schon die alte Fugenmasse herausgeschnitten hat und wir ohne Sika, dafür mit offenen Fugen im Teakdeck auf dem Kahn sitzen.
Was tun? Defender in den USA hat nicht das richtige Sika im Sortiment. Ob SVB nach Ecuador schickt, wissen wir noch nicht. Und muss eigentlich KLM für die zusätzlichen Transportkosten aufkommen oder nicht? Wer kann das beantworten?

Die Bombenbastlerin

Di.,4.Sep.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1557, 13.337 sm von HH

„Wir haben einen positiven Alarm“, sagt der junge Mann an der Sicherheitskontrolle zu mir, „warten Sie bitte hier, die Polizei wird gleich kommen“. Was positiver Alarm bedeutet, will er mir nicht näher erläutern. Ich warte. Dass mein Handgepäck unangenehm auffallen würde, damit habe ich gerechnet. Zwölf Kilo Metall im Rucksack (erlaubt) und weitere sechs Kilo in der Handtasche. ;-)
Gepäck-Optimierung nenne ich das. „Verrückt bist Du“, hat Achim mir gemailt, „mach das lieber nicht.“ Aber ich weiß es besser und möchte so viel wie möglich mit nach Ecuador mitnehmen.

Da soll der Alarm schon mal los gehen: Der Abzieher für die Welle, fünf Anoden (drei für den Propeller, zwei für das Bugstrahlruder), ein Bronzerohr (Wellenlager), Ankerkralle und ein extrem verdächtiges Rohr, was sich Wellendichtung nennt. Daneben fallen die Akkus für unsere Handys und einen Laptop gar nicht mehr auf. Auch die bombenförmige Batterie für unsere Epirb (Rettungsboje falls wir sinken) bleibt unentdeckt.

Vor allem das Rohr erregt Aufmerksamkeit

Vor allem das Rohr erregt Aufmerksamkeit

Die Frau Polizistin, die nach kurzer Warterei erscheint, nimmt mir als erstes meine Bordkarte ab. Nicht, dass ich noch abhaue.
Sie wünscht sich, dass ich Handtasche und Rucksack leere. Alles geht erneut durch die Durchleuchtung. Ein Sprengstoff-Abstrich wird vorgenommen. Ich kann eine Diskussion zwischen Security-Mann und Polizei über meine harmlosen Artikel beobachten. Und gebanntes Starren auf den Monitor. Frau Polizistin wirkt enttäuscht, gerne würde sie schon morgens um 4:00 Uhr eine Verhaftung vornehmen. Hat sie doch schon eine Bombenbastlerin in mir gesehen.
Aber ich bzw. meine Gegenstände sind ungefährlich. Ich bekomme meine Bordkarte zurück, darf alles wieder einpacken und gehen. Puh, Hürde Nummer eins erfolgreich abgearbeitet.

Meine beiden Koffer mit erlaubten 22 und 23 Kilo Inhalt sind bereits auf dem Weg zum Flugzeug.
Ich schleppe mich zum Gate. Den Rucksack bekomme ich nur auf den Rücken geschwungen, wenn er erhöht steht. Bloß nicht das Teil auf der Erde abstellen. Er reißt an den Schultern beim Schlange stehen zum Boarding. Die 18 Kilo habe ich massiv unterschätzt.

Zwischenlandung in Amsterdam. Schiphol ist riesig: von hier ab noch 18 Minuten bis zu meinem Gate. Ich werde verrückt mit dem Gewicht. Ich schwitze. Ein kleiner Karren ist meine Rettung. Leider muss ich den an der Passkontrolle stehen lassen. Dahinter lauert erneut eine Sicherheitskontrolle. Ich schwitze mehr. Aber die holländischen Kollegen sind tiefenentspannt. Ich muss zwar wieder den Rucksack öffnen, aber es folgt keine Staatsaffäre. Unbehelligt komme ich weiter. Hürde Nummero zwei.

Von hier ab noch zehn Minuten zum Gate. Der Schweiß läuft. Meine Schultern brennen. Wieder in der Schlange stehen zum Boarding. Völlig ausgepumpt sinke ich in meinen Platz. Mitte, Mitte. Ein schlechterer Sitzplatz war nicht zu kriegen. Obwohl ich wahrscheinlich der erste Fluggast war, der morgens eingecheckt hat. Schuld war der beknackte Onkel in Hamburg, der mich gezwungen hat, den Automaten zum ’self-check-in‘ zu benutzen. „Der funktioniert leider nicht“, mecker ich ihn an. „Kommen Sie, ich zeige Ihnen wie das geht“. Trottelgesicht.
Bei ihm geht es auch nicht. Auch nicht nach mehrmaligen Versuchen. Mein Pass wird nicht erkannt. Ich triumphiere.
„Haben Sie eine Flugbescheinigung“?
„Ach, Sie meinen das Stück Papier, was man eigentlich gar nicht mehr braucht beim Einchecken? Ja, das habe ich.“ Mit dem Buchungs-Code klappt es dann. Zumindest halbwegs. Er könne mich nur bis Quito durchchecken und mein Gepäck auch. Um meinen Anschlussflug müsse ich mich dann selber kümmern. Watt für ein Trottel. Er drückt mir meine Bordkarten in die Hand. Mit dem schlechten Sitzplatz. So ein Mist.

Rechts von mir sitzt ein freundlicher Asiate. Links bleibt alles frei. Ich frohlocke. Zu früh. Eine fünfköpfige Familie rollt auf meine Sitzreihe zu. Der jüngste Sohn ist zwei und hat einen trotzigen Zug um den Mund. Ich befürchte das schlimmste: ein Arschloch-Kind. Wir haben kurz Blickkontakt. Ich signalisiere dem Kleinen, wer heult, fliegt raus. Mit Erfolg. Die ganzen langen elf Stunden ist er super lieb und ruhig. Papa stellt sich schnell als das größere Problem heraus. Ihm läuft der Schweiß von der Stirn. Drei Kinder nebst halben Hausstand über den Flughafen zu bugsieren, haben ihm alles abverlangt. Dampfend nimmt er zwischen seinem Sohn und mir Platz. Sein Geruch wabbert zu mir rüber. Elf Stunden lang. Und er puhlt sich die gesamte Zeit in den Zähnen. Manchmal wünscht man sich ein quengelndes Kleinkind neben sich.

In Quito wartet der Zoll. Ich rolle todesmutig mit meinen zwei Koffern, dem brisanten Rucksack und meiner Handtasche an. Wieder ist es das Handgepäck, was Aufsehen erregt. Erneut muss ich den Rucksack auspacken. Wofür die Teile sind und was sie kosten, will der freundliche Zöllner wissen. Ich lüge ihm irgendwelche Mondpreise vor. 15 USD für die Anoden. 70 USD für die 300 Euro Wellendichtung. Er hat keinen Plan und offensichtlich Mitleid mit meinen stotterigen spanischen Erklärungen wofür man das mysteriöse Rohr verwendet. Ich kann gehen.
Allerdings wirft seine Kollegin einen Blick auf meinen letzten Proviant-Apfel. Wenn ich den nicht an Ort und Stelle esse, darf er nicht mit. :roll: Ich gebe ihr den Apfel. Und ziehe mit mehreren Mettwürsten, Speck und Schinken im Koffer von dannen. Die gefährlichste Hürde ist geschafft.

Dann ein letztes Mal Sicherheitskontrolle. Natürlich muss ich Handtasche und Rucksack auspacken. Fassungsloses Staunen und Kopfschütteln. „Nein, so geht das nicht“, verstehe ich, „der Rucksack muss aufgegeben werden“. Ich stelle mich doof und verstehe angeblich kein Wort. Das nützt mir nichts, der nette Security-Mann holt einen Kollegen mit Englisch-Kenntnissen.
Die Anoden dürfen nicht mit in die Kabine. Damit könnte ich jemanden erschlagen, demonstriert er indem er dem Kollegen andeutungsweise eine überzieht. Es hilft kein Betteln.
Ich darf in Ruhe alles Zerbrechliche aus dem Rucksack entnehmen und die Jungs sind so nett und begleiten mich durch die Katakomben zum Check-In-Schalter meiner Airline. Das Mädel hat mit einem dritten Gepäckstück ebenfalls kein Problem. Mein Rucksack verschwindet auf dem Laufband.

Total fix und alle sitze ich an meinem Gate und frage mich, ob ich es vielleicht doch übertrieben habe mit der Gepäck-Optimierung. „Säbinn Wälner, please“, höre ich da aus dem Lautsprecher. Huch, meinen die mich? Klingt ja wie mein Name. „Säbinn Wälner, please, come to the Security Desk.“
Dort wartet man schon auf mich. Die Security spricht englisch: „Wir haben ein Problem mit einem ihrer Gepäckstücke. Sie müssen mit mir kommen und wir öffnen gemeinsam ihr Gepäck.“ Ich kann es nicht glauben. Durch Hintertüren und Gänge geht es aufs Rollfeld zu den Gepäckwagen.

Schon von weitem kann ich ihn sehen. Anklagend steht mein ehemaliger Handgepäck-Rucksack auf einem Tisch. Natürlich steht er da. Die Kofferkontrolle kann ja nicht wissen, dass er schon beim Handgepäck durchleuchtet wurde. Zum x-ten Mal zeige ich das Rohr, die Anoden und sonstigen Metallkram vor. Alles okay, der Rucksack darf mit und ich werde zum Gate zurück geführt.
Die letzte Hürde ist geschafft.

In Manta holt mich Achim ab und drei Stunden später sind wir zu Hause. „Ich bin schon ganz gespannt, was Du alles in den Koffern hast“, freut er sich. „Ist schon der Hammer, wie du 63 Kilo hierher bringen konntest. Das war sicherlich nicht so einfach. Erzähl mal, wie ist es gelaufen.“ :mrgreen:

Atanga …. is there anybody out there

Mo.,27.Aug.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1549, 13.337 sm von HH

Ruhig ist es auf der unserer Seite, seitdem Bine in Deutschland weilt und sich den Annehmlichkeiten der Heimat hingibt. Mir sind Berichte von Grillgut und anderen Köstlichkeiten zu Ohren gekommen.

Das Leben an Bord kann da nicht ganz mithalten. Die Küche an Bord hat ihren absoluten Tiefpunkt erreicht. Zum Frühstück meist dieses superweiche, fast klebrige Toastbrot der Marke Bimbo, dass mit absoluter Sicherheit bei Dauerkonsum neben den normalen Mangelerscheinungen auch zu Zahnausfall führt. Als Aufschnitt dient, was sie hier Mortadella nennen. Ich habe es vermieden, tiefer zu recherchieren, um die wahren Ingredienzien zu ermitteln. Als Schluckhilfe dient ein Sandwichaufstrich auf Mayonnaisenbasis. Was für ein Start in den Tag.

Mittags gibt es meist Tortillas (entweder mit Rührei, Gemüse oder Käse). Das Rührei ist mittlerweile sogar essbar. Auf einer der letzten Überfahrten habe ich Bine mit einem Rührei verwöhnt, was heute noch für Gesprächsstoff sorgt. Das man Eier derart geschmacksneutral herstellen kann, war selbst Bine neu. Wie schon gesagt, dass ist besser geworden, auch wenn es mir jetzt schon zweimal passiert ist, dass ich die geschnittenen und bereitgestellten Zwiebeln erst wieder entdeckte, nachdem die Eier schon eine Weile in der Pfanne weilten.

Abends kommt dann der Klassiker: Spaghetti (mit Kinder-Tomatensauce). Problematisch ist nur, dass die meisten Packungen hier nur 400g Nudeln enthalten. Da bleibt dann gerade etwas für einen Snack am nächsten Tag übrig. Wo sind die alten 500gr Packungen.

Abgesehen von den oben beschriebenen lebenserhaltenen Maßnahmen gab es viel Arbeit auf dem Schiff.

Es macht mir nichts aus, den ganzen Tag mit „Kabeln zu spielen“.
Wenn es aber darum geht, mit Polyester Harz, Epoxy, Sika und Polyurethan Farbe zu arbeiten, dann bin ich raus. Es dauert maximal eine Minute, dann hab ich das Zeug bis zum Ellenbogen kleben. Selbst an den Fingern finden sich mehr als nur Spuren. Und das trotz Latexhandschuhen. Wer da meint, Tunneleffekte sind eher ein quantenmechanisches Problem, der irrt. Alle klebrigen Materialien finden den Weg durch die Handschuhe direkt auf meine Hände. Immer!

Aufbau

Das Projekt am Aufbau ist weitestgehend abgeschlossen. Die Hohlräume sind wieder mit Leben (Glasfasermatte und Harz) verfüllt. Dieser Job hat viel länger gedauert, als ich dachte. An keine Stelle kam man gut heran und immer wieder musste ich einen Großteil der Masse abschleifen, weil sich eine Blase gebildet hatte oder eine Verbindung nicht gut aussah. Final war dann aber alles verfüllt und gespachelt. Jetzt fehlt nur noch die Farbe ….

fertig zum Malen

fertig zum Malen

Funk

Als Gegengewicht für unsere Kurzwellenantenne haben wir unter der Wasserlinie Kupferfolie verlegt. Schon lange wollte ich diese laminieren und das Ganze dann nett weiß streichen. Aufgrund der nicht unerheblichen Geruchsbelästigung durch Harz und Polyurethanfarbe, war das allerdings etwas, was nur während längerer Abwesenheit von Bine möglich war. Auch hinter dieses Projekt kann ich nun endlich einen Haken setzen.

Malocher auf Atanga

Malocher auf Atanga

Matten anpassen
Erster Anstrich

Undichtes Pütting

Auf der Fahrt von Mexiko nach Providencia hatten wir einen ganzen leichten Wassereinbruch an einem der Püttinge (das sind die Teile, an denen die Wanten festgetüddelt sind…). Für eine Reparatur musste also die alte Dichtmasse raus, um anschließend alles wieder neu mit Sika zu vergießen. Hab ich schon erwähnt, dass Sika problemlos durch Latexhandschuhe geht … was für ein Schweinkram. Jetzt drück ich mir die Daumen, dass es dicht ist, Test folgt – irgendwann.

Eine Woche bleibt mir jetzt noch, dass Schiff wieder aufzuklaren … wenn das mal klappt.

Surprise, surprise …

So.,12.Aug.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1534, 13.337 sm von HH

Ich hasse Überraschungen. Nun ja, nicht wirklich, wenn sie denn angenehm sind. An Bord sieht das anders aus. Noch nie fand ich größere Bündel Geld oder andere Schätze unter irgendwelchen Bodenbrettern, obwohl mir der Gedanke durchaus gefiele. An Bord bedeuten Überraschungen meist Arbeit und Frust.

Nachdem Bine mich an Bord zurück gelassen hat, begann ich mit einfachen Übungen, wie das Wechseln des Kühlwassers. Eigentlich kein großes Ding, wäre da nicht die Ablassschraube am Wärmetauscher, die schon sehr lange nicht mehr bewegt wurde und die aus „solidem“ Plastik gefertigt wurde. Gegen jede Erwartung brach sie nicht, obwohl es ein wenig „Gewalt“ brauchte, sie zu lösen. Um als Überraschung zu dienen reichte das jedoch nicht, dafür war es einfach zu unspektakulär.

Das sollte sich am nächsten Tag ändern. An unserem Aufbau machte seit einiger Zeit ein kleines Leck auf sich aufmerksam. Unter der Scheibe lief bei heftigen Regenschauern ein winzig kleines Rinnsal. Als positiv denkender Mensch hoffte ich auf eine defekte Dichtung. Das sollte sich sehr schnell als falsch herausstellen. Nachdem ich die Leisten, die die Scheiben in Position halten, entfernt hatte, bot sich mir ein Bild des Schreckens. Die Konstruktion auf der die Scheiben stehen, ist als Sandwich aufgebaut. Das bedeutet, dass die Außenbretter aus „richtigem“ Holz bestehen und in der Mitte Sperrholz oder irgendein anderes untaugliches Material verbaut wurde. Durch die Feuchtigkeit hat dieses Innenleben angefangen zu gammeln und hat sich dabei teilweise zu Holzmehl verwandelt.

Aufbau

Aufbau

Lochfraß

Lochfraß

Wie beim Zahnarzt muss dieses Zeug raus, bevor überhaupt daran gedacht werden kann, dass Sandwich wieder mit „Wurst“ zu füllen.

Ich war so schockiert, dass ich mir erst einmal frei genommen habe, um nachzudenken. Das geschieht hier meist durch intensives auf dem Rücken liegen, während man im Internet surft.

An eine professionelle Reparatur vor Ort ist nicht zu denken. Es gibt weder die Leute, noch die Materialien. Ich werde also mein Bestes geben, dem Aufbau eine anständige Plombe zu verpassen, sodass der Aufbau wieder dicht ist.

Die finalen Spachtel-, Schleif- und Lackierarbeiten müssen dann warten, bis Bine wieder da ist. Diese Arbeiten sind auf Atanga als eindeutig „rosa“ deklariert.