Kategorie: Atanga

Aborigines Felsenmalerei

12.07.24, Australien/NT/Kakadu NP, Tag 225 Roadtrip, 16.593 km total, Tages km 8

 Die Vorfahren der indigenen Völker Australiens, als Sammelbegriff  Aborigines genannt, besiedelten den Kontinent vor 40.000 bis 60.000 Jahren. Außer Felsenmalerei ist wenig Geschichte überliefert und historische Funde halten sich in Grenzen. Die ältesten, sicher datierten, Felsenmalereien in Australien sollen 17.000 Jahre alt sein.  In verschiedenen Stilen sind sie quer über den Kontinent verteilt.

Ein bedeutender Fundort liegt in Ubirr, an der östlichsten Kante vom Kakadu Nationalpark. Viele Abbildungen sind im sogenannten ‚Röntgen-Stil‘ gemalt. Die Gräten und Innereien von verschiedenen Fischsorten sind klar zu erkennen.

Verschiedene Fischarten – inklusive Gräten.

Zeichnung eines Kriegers in Ubirr – Alter zwischen 2500 und 4000 Jahre.

Langhals-Schildkröte

 

Die Felsen befinden sich in den noch überfluteten Auen vom East Alligator River.

Das Alter der Zeichnungen in Ubirr ist nicht eindeutig. Zwischen viertausend und eintausend fünfhundert Jahren lautet die Vermutung. Alte Zeichnungen wurden immer wieder übermalt. Mit jeder Zeichnung wurde eine Geschichte erzählt. War diese nicht mehr aktuell, konnte der Platz für eine neue Geschichte genutzt werden.
Der Sinn der Malerei war sowohl Lehrkunde, diente aber auch zeremoniellen Zwecken.

Bis zur Ankunft der weißen Siedler wurde hier gemalt – dies ist ein Mann mit den Händen in den Hosentaschen. Die Geschichte über „moderne“ Menschen auf Felsen nieder geschrieben.

Auf den Fotos sieht man nur eine kleine Auswahl der gemalten Geschichten. Die Vielzahl der bemalten Felsen hat uns überrascht. Ebenso die Lokalität. Tolle Felsen mit Überhängen, Stufen und schroffen Wänden. Absolut lohnenswert zu besichtigen. Eine bunt-rote Zeitreise.

 

Die heutigen Aborigines und die weißen Australier leben parallel in ihren Welten. Das Unrecht der Vergangenheit an den Ureinwohnern wird mit großzügiger Zahlung von Sozialhilfe gesühnt. Und mit billigen Tricks übertuscht.
Berge, Regionen und Nationalparks erhalten ihre ursprünglichen Namen zurück. Heilige Stätten der Aborigines werden auf ihren Wunsch zunehmend für Touristen gesperrt. Alle Broschüren der Nationalparks,  jede Erklärung seitens der Regierung oder einer Firma endet mit den Worten: „Wir erkennen und anerkennen die traditionellen Eigentümer und Hüter des Landes […].“
Ein Lippenbekenntnis, wie uns scheint. Das Wort ‚Hüter‘ verrät viel in diesem Zusammenhang. Hüten dürfen die Aborigines das Land. Wird jedoch abbaufähiges Material gefunden, sind die Besitztümer klar geregelt.

 

Graffiti

In unserem (Touristen)-Alltag finden die Aborigines praktisch nicht statt. Wir befinden uns inzwischen im ‚Northern Territory‘. Hier leben über 30 Prozent der ungefähr 600.000 Aborigines. Klar sieht man kleine Gruppen in den Straßen oder beim Einkaufen. Aber sie bleiben unter sich. Meiden Augenkontakt. Ein Kopfnicken oder Lächeln wird nicht erwidert. Interaktionen begrenzen sich leider auf recht aggressive Bettelei.

Trotz Sozialleistungen geht es den Aborigines schlecht. Viele arbeiten nicht. Das Nicht-Miteinander von Weiß und Schwarz scheint uns in einer Spirale gefangen. Kinder werden nicht zur Schule geschickt. Das führt so weit, dass Geschäfte Schilder am Eingang aufhängen ‚Kinder ohne Begleitung von Erwachsenen werden außerhalb der Ferien nicht in den Laden gelassen‘. Ohne Schule keine Bildung, keine Arbeit. Oder höchstens am untersten Ende der Tätigkeiten. Als Einkaufswagen-Schieber oder Laub-Harker.
Die Perspektivlosigkeit ihrer Zukunft und die Traumata der Vergangenheit lassen die Aborigines grimmig und übellaunig erscheinen.

Alkoholmissbrauch ist ein großes Thema. In Zusammenarbeit versuchen die Regierung und die Chiefs der ‚Communities‘  das Problem in den Griff zu bekommen. Restriktionen beim Kauf von Alkohol sollen die Lösung bringen. Dort wo man Verbote wieder aufgehoben hat, schnellte die Kriminalitätsrate sofort unter die Decke. Autodiebstahl, Einbrüche und häusliche Gewalt. Städte mit hoher Aboriginal-Dichte haben die höchste Kriminal-Statistik.

Diese Kriminalität stößt die weißen Australier ab. Je nach Erziehung warnen weiße Australier uns neutral vor Brennpunkten oder kommunizieren unverhohlen Ablehnung.
Man lebt aneinander vorbei.
Verstärkt wird die Trennung durch sogenannte ‚Communities‘. Das sind Gebiete, die als Aboriginal-Land zurück deklariert wurden. Hier sind die Aborigines nicht nur die Hüter, hier sind sie die Eigentümer. Weiße dürfen dieses Land nur mit Genehmigungen betreten. Auf uns – als Besucher – wirkt das befremdlich und scheint uns nicht dienlich, die Kluft zu überwinden. Aber eine Lösung, wie man beide Ethnien näher zueinander bringt, liegt nicht auf der Hand.

Typisches Eintritt-Verboten-Schild an einer Community.
Man kann die Abschottung aus verschiedenen Gründen nachvollziehen, aber natürlich wirkt das nicht einladend.

Der Fluss, an dem wir die Salzwasser-Krokodile gesehen haben, trennt den Nationalpark von Arnhem. Arnhem ist ein riesiges Gebiet, das den Aboriginalen gehört. Genehmigungen für eine Einreise können bis zu einem Jahr dauern (bis auf drei Spots, die von Touristenbussen angefahren werden dürfen). Der Tankzug bringt Sprit in diese abgelegene Region. Angeblich von der Regierung bezahlt, wie uns ein Campingnachbar erzählte.

Somit angeln die Weißen auf der Nationalparkseite und die Aboriginalen auf der anderen. Trennung symbolträchtig.

 

Aborigines Kunst-Galerien Talk

Mein gesamtes Reiseleben bringe ich mir ein Bild als Souvenir aus dem besuchten Land mit nach Hause. Fündig werde ich bei Straßenmalern, in Touristen-Centern oder kleinen Galerien. Dabei suche ich mir ein typisches Motiv des Landes oder eine besondere Technik aus. In Costa Rica zum Beispiel werden Federn bemalt. Mal ist mein Mitbring auf Leinen gemalt, mal auf Papier. Mit Öl, Aquarell oder Kreide.
Die gesammelten Werke unserer Reise liegen auf Atanga. Schön flach und sicher aufbewahrt zwischen alten Seekarten.

Die Bilder kaufe ich ungerahmt und die meisten haben eine Größe von DIN A5. Die Welt der Maler ist sich einig: ein Bild eines unbekannten Künstlers kostet zwischen zwanzig und fünfzig Euro – je nach Preisniveau des Gastlandes.

Nicht so in Australien. Die Preise hier sind nicht zu verstehen. Es gibt recht viele Aboriginal-Galerien. Bis zu 400 Künstler der jeweiligen Region werden in einer Galerie vertreten. Wunderschöne Bilder, viele in der bekannten Pünktchen-Malerei. Ein heiß begehrtes Sammelobjekt für mich.
Aber die Preise! Für ein kleinformatiges Bild werden vierhundert bis tausend Dollar (250 bis 600 Euro) verlangt. :shock: Wer etwas Großes haben möchte, muss mehr als 2.000 Euro hinblättern.
Mal ehrlich, was soll das? Wer kauft das? Niemand kennt die Künstler. Man kann ihnen nicht bei der Arbeit zusehen, sie stehen nicht mal hinter dem Verkaufstresen. Oder will man nicht verkaufen? Ein noch ungelöstes Rätsel unserer Tour.

Mein Fund – ein Schwirrholz. Diese Geräte gehören zu den ältesten Klangerzeugern der Menschengeschichte. Bis 80 Dezibel können damit erzeugt werden. Sogar Crocodile Dundee hat im Film mit einem Schwirrholz ‚telefoniert‘.            Der Künstler heißt ‚Murrupp‘ vom Stamm der Djirrbal/Ngadjonji, wie ein mitgeliefertes Zertifikat bescheinigt. Das hübsche Schwirrholz hat 35 Dollar gekostet. Ein überraschendes Schnäppchen.

 

 


3

Crocodiles do not swim here

07.-11.07.24, Australien/NT/Kakadu NP, Tag 211-224 Roadtrip, 16.585 km total, Tages km 520+256+101

Wenn Satzzeichen Leben retten. :mrgreen:

Crocodiles!!!
Do not swim here!
Besser, viel besser!

An dem Fluss an dem wir stehen, sind die Schilder eindeutiger.

be crocwise

 

Wir stehen am Fluss, gucken in die schlammige Brühe und brauchen nicht lange zu warten. Träge treibt ein Krokodil an uns vorbei. Ein Leistenkrokodil. Dann sind es zwei.

Leistenkrokodile werden bis fünf Meter lang (die Männchen). In seltenen Fällen wird von sechs bis sieben Metern berichtet.

Ein Exemplar brät am Ufer in der Sonne und wartet darauf auf Betriebstemperatur zu kommen. Leistenkrokodile sind gefährliche Lauerjäger, die sich seit 200 Millionen Jahren nicht verändert haben sollen. Weil sie auch gerne im Salzwasser schwimmen, werden sie von den Australiern ‚Salties‘ genannt. Der niedliche Kosename täuscht. Anders als ihre verträglichen Freshy-Kollegen, sind Salzwasserkrokodile eine reale Gefahr. Durchschnittlich zwei Personen werden jährlich Opfer der Salties. Grade vor ein paar Tagen hat es der schreckliche Tod eines zwölfjährigen Mädchens bis in die Bild-Schlagzeilen geschafft. Gar nicht weit von uns entfernt passierte das Unglück beim Schwimmen im Fluss.

Salzwasserkrokodile können blitzschnell aus dem Wasser schießen. Dieser Geschwindigkeitsüberschuss ist ihre Strategie. Als Mensch hat man da kaum Zeit zu reagieren. Das Krokodil schnappt zu, ertränkt sein Opfer und reißt ihm durch eigene Körperdrehung Stücke aus dem Leib.
Das monströse Gebiss taugt nicht zum Kauen.

Bis zu 5.000 Zähne wachsen einem Krokodil in seinem Leben – 75 Jahre alt können die Tiere werden.

Das Öffnen des Mauls zeigt an, dass dem Croc warm geworden ist. Und richtig – eine Minute später verschwand der Kamerad im Wasser.

Ab in die Fluten

 

 

Gut zu wissen, wer dem ersten Zugriff entgeht, hat eine Chance. Eine Verfolgung an Land wird schnell aufgegeben. Hier hört die Überlegenheit der Krokodile auf. Somit lautet die Experten-Meinung, dass fünf Meter vom Ufer – möglichst erhöht – als Sicherheitsabstand genügen.

be crocwise – fünf Meter erhöht kann man gefahrlos sitzen und staunen.

Von wegen schläfrig…

So sieht wohlige warme Zufriedenheit aus. ;-)

Grundsätzlich sind Salties gar nicht auf große Beute aus. Üblicherweise treiben sie fast bewegungslos im Wasser und lauern auf unvorsichtige Fische, die ihnen zu nahe kommen. Das Maul ist dabei leicht geöffnet. Drucksensoren am Kopf verraten die Annäherung eines Fisches. Expositionsartig schnappen die Krokodile dann zu. Als Opportunisten erlegen sie aber alles, was sie zu fassen bekommen. Auch vor kleineren Artgenossen wird nicht Halt gemacht. Somit überleben nur zehn Prozent der Jungtiere ihr erstes Lebensjahr.

Darwin Award Anwärter. Diese beiden Angler stehen an der Bootsrampe im Schlamm und können sich kaum auf den Beinen halten. Als wir ihn fragen, wie beide so nah vom Ufer wohl weg kommen möchten, guckt er uns groß an. Darüber scheint er noch nicht nachgedacht zu haben…

Wir stehen auf einer Plattform am ‚East Alligator River‘. Fünf Meter oberhalb der Wasseroberfläche. Die Plattform befindet sich am östlichen Ende vom Kakadu Nationalpark. Der bekannteste und größte Nationalpark Australiens ist touristisch gut erschlossen. Dreihundert Kilometer Rundweg durch den Park sind durchgehend asphaltiert. Fast überall gibt es Internetempfang und heiße Duschen auf den Campingplätzen. Der Ruhm wirft seine Schatten – statt üblicher 17 Dollar Eintritt pro Fahrzeug werden im Kakadu 40 Dollar pro Person verlangt.

Die ersten drei Tage sind wir ein wenig enttäuscht. Die Landschaft ist flach und ändert sich kaum. Dichtes Buschland links, dichtes Buschland rechts. Von den 280 Vogelarten, die hier leben sollen, zeigt sich ein halbes Dutzend.
In der Nähe einer Lodge kann man Bootsfahrten im Flussgewirr buchen. Das klingt reizvoll, ist aber mit 260 Dollar (160 Euro) für 1,5 Stunden Fahrt reichlich überzogen. Ein Croc-Sichtungs-Garantie kann natürlich nicht gegeben werden.

Mit diesen Booten geht es auf den Fluss. Besonders stört uns, dass die Sitzreihen drei Plätze haben – wer in der Mitte sitzt, sieht gar nichts.

Auf der überfluteten Ebene leuchten tausende Seerosen im Grün.

Kormoran – erfolgreicher Shrimps-Fänger.

Die Enttäuschung ändert sich spontan als wir auf der Plattform stehen. Vom nahe gelegenen Campingplatz führt ein netter Wanderweg zum Fluss. Egal zu welcher Tageszeit wir schauen, verlässlich patrouillieren einige Salties im Wasser. Es ist schwer, sich an den faszinierenden Tieren satt zu sehen.
Danke Kakadu Nationalpark.

Wem die Landschaft bekannt vorkommt, der hat Recht. Im Kakadu NP wurde Crocodile Dundee gedreht.

 

Wanderweg vom Camp zum Fluss.


20

Off Road in eine Traumlandschaft – und ein Loch im Reifen

27.-29.06.24, Australien/WA/Purnululu, Tag 210-212 Roadtrip, 15.669 km total, Tages km 310 + 96 + 315

Nach unserem wilden Ausritt auf der Gibb bleiben wir sechs Tage in Kununurra. Wäsche waschen und das Auto von seiner dicken Staubschicht befreien. Obwohl wir bei Staubwolken die Lüftung schließen, ist alles rot gepudert.
Wir erwischen den perfekten Campingplatz. Das Auto kann stehen bleiben, alle Geschäfte sind zu Fuß zu erreichen. Die Camp-Küche hat einen Fernseher – eine willkommene Abwechslung.

Camp-Küche in Kununurra

Staub in jeder Ritze

Der Purnululu Nationalpark im Süden lockt. Leider liegt der nicht auf dem direkten Weg, sondern erfordert eine Schleife Richtung Süden von über zweihundert fünfzig Kilometern pro Strecke. Plus sechzig Kilometer Off Road Piste. Die seien „direkt aus der Hölle“, wie unser Campingnachbar berichtet.

Wir versuchen es trotzdem und unser Nachbar soll Recht behalten. :mrgreen:
Die Kilometer bis zur Schotterpiste spulen wir durch eine hübsche Hügellandschaft ab. Aber dann, bereits nach elf Kilometern landen wir vor einem relativ breitem Fluss. Mit uns steht ein Paar aus der Schweiz am Ufer. Gemeinsam begutachten wir die Lage. Grade rechtzeitig kommt ein Wagen von vorne. Der ist fix unterwegs und schiebt eine Welle vor sich her. Es sieht nicht ganz ungefährlich aus. Die Schweizer ziehen sofort den Schwanz ein: „Wir drehen um!“ Sie lassen zwei vorgebuchte Nächte und die Park-Eintrittsgebühr verfallen. „Das ist nichts für uns.“ Wir blicken nur noch in ihre Staubwolke.

Beratung – die Schweizer drehen um.

Achim schickt mich in den Fluss zum Tiefe messen. Die überall stehenden „be crockwise  – achte auf Krokodile“  Schilder fallen mir ein. „Hier gibt es keine“, ruft Achim mir hinterher und gackert. Todesmutig wate ich voran.
Der Wassertiefen-Check fällt positiv aus. Nirgends ist es tiefer als bis zum Knie. Ich winke, dass Achim kommen kann. Langsam wackeln sich Fahrer und Auto über die dicken Steine im Flussbett.

Die Kleinen werden vorgeschickt.

River Crossing

Es folgen noch zwei Dutzend harmlose Bäche. Die Strecke ist aber insgesamt in einem schlechten Zustand. Waschbrett-Abschnitte vom Übelsten lassen alles im Auto schlackern. Plötzlich rappelt meine Tür ganz komisch. Das Türschloss hat sich lose gewackelt. Der Bordmechaniker hat den richtigen Schlüssel griffbereit. Wir rumpeln weiter. Die übliche Art, einfach mit 70 km/h über die Wellblechwellen zu donnert, funktioniert hier nicht. Die Strecke ist kurvig, tiefe Schlaglöcher und große Steine lauern auf Achsen. Bodenwellen und Kuppeln deren andere Seite man nicht überblicken kann, erschweren die Strecke.
Wir brauchen zwei Stunden für sechzig Kilometer. Dass es auf dem Rückweg noch interessanter werden sollte, ahnen wir jetzt noch nicht.

Diese Waschbrettwellen machen einen wahnsinnig – die richtige Geschwindigkeit kann auf der kurvigen Strecke nicht gefahren werden.

Schwierige Wegstrecke

Die Stellplätze auf dem Campingplatz sind großzügig und nur halb belegt. Ein Trittbrett vom Bundy hat sich losgejackelt und ein Glas, im Kaffeebecher und mit Zewa gesichert, ist kaputt gebrochen. Ein himmlischer Sonnenuntergang im Outback entschädigt für die Anreise.

Abend-Idylle

 

Am nächsten Morgen müssen wir zu den Attraktionen noch weitere zwanzig Kilometer fahren. Diese Strecke ist die beste im gesamten Nationalpark.

Blick auf die Hochebene vom Purnululu NP und auf den Campingplatz

Der nördliche Teil von Purnululu

Es warten zwei außerordentliche Schluchtenwanderungen auf uns. Schmale Gänge führen tief ins Gebirge. Zwischen die fünfzig Meter hohen Felswände schafft es kaum ein Sonnenstrahl. Trotzdem gelingt es ein paar Livistona Palmen hier zu überleben. Sie recken sich an langen Stämmen der Sonne entgegen.
Mystisch, verwunschen. Wunderbar!

Die Schlucht wird schmaler

Der Kontrast zwischen rotem Fels und grünen Palmen ist umwerfend.

Am Eingang der Schlucht liegen große Felsbrocken. Flusskiesel wurden von Sediment begraben und durch viel Druck zusammengebacken. Die Oberflächen sehen wie Krötenhaut aus.

Zu gut gefrühstückt? Immer wieder muss man sich zwischen den Krötenfelsen durchquetschen.

Immer tiefer kann man in die Schlucht vordringen.

Echidna Chasm

 

Nach zwei Nächten wechseln wir den Campingplatz, um zum anderen Ende von Purnululu zu gelangen. Der Gebirgszug verändert komplett sein Gesicht. Die erodierten Felsen sehen nun wie gestreifte Bienenkörbe aus. Abwechselnd sorgen Eisenoxid und eine Blaualge für die klar abgegrenzten Farbschichten.

340 Millionen Jahre alt – Purnululu – der südliche Teil.

Einmalig schön (die Felsen)

In ausgetrockneten Flussbetten kann man zwischen den Bienenkörben umherwandern.

Auch hier haben sich enge Schluchten zwischen den Domen gebildet. Tief kann man zwischen Felsspalten ins Gebirge vordringen.
Purnululu ist Unesco Naturerbe. Eine gerechtfertigte Auszeichnung, finden wir.

Wie glühende Holzkohle scheinen die Kuppeln von innen zu leuchten

Auf dem Campingplatz dann erneut ein Schrecken: der Bundy steht schon wieder schief. Hinten rechts ist der Reifen ziemlich platt. Der hatte schon mal ein Loch, was mit lebenslanger Garantie geflickt wurde.
Achim misst noch 20 psi, statt gewünschter 35 psi (pounds per square inch :roll: ). Mit dem Kompressor pumpt er den Reifen wieder auf. Wir warten, was über Nacht passiert.

Der Verlust über Nacht hält sich in Grenzen – ungefähr 1,5 psi pro Stunde  Achim pumpt nach. Wir entscheiden, dass wir damit erstmal fahren können. Allerdings fühlt  sich die Holperstrecke mit Loch im Reifen doppelt  schwierig an. Bei jedem unter dem Reifen weg springenden Stein halten wir die Luft an. Wenn es besonders doll rappelt, leiden wir mit.
Zweimal pumpen wir unterwegs nach und erreichen problemlos Kununurra. Der Reifendienst vor Ort rettet uns für 45 Dollar (28 Euro) aus der Patsche. Hinten rechts hat jetzt zwei Flicken.

 

Off Road Talk

Ich frage Achim als wir gerade besonders heftig durchgeschüttelt werden, ob er eigentlich Spaß hat am ‚off roaden‘.
„Es ist schon anstrengend. Und ich muss mich ganz schön konzentrieren.“
„Das war nicht die Frage.“
Ich bekomme einen Seitenblick mit einem schiefen Grinsen. „Doch, doch es ist alles prima.“

Okay, der Fahrer hat also Spaß. Viel Spaß.
So viel, dass ich bisher noch keinen einzigen Kilometer fahren musste (fahren brauchte; fahren durfte :mrgreen: ).

Die Beifahrerin hat auch Spaß. Wie ein Eiswürfel in einem Cocktail-Shaker durchgeschüttelt zu werden, ist nicht wirklich angenehm. Aber die Fahren sind spannend. Adrenalin und Endorphin sind kräftig mit dabei, wie mir scheint.
Achim fährt zu neunzig Prozent so, wie ich fahren würde. Er bremst, wenn ich bremsen würde. So dass ich nicht das Bodenbrett auf meiner Seite durchtreten muss. Selten brülle ich ein ‚Achtung‘ oder ein Ahhhhhhh wie in der Achterbahn.
Nur manchmal drückt meine Hand den Oberschenkel weich.

Off Road unterwegs zu sein, ist für die Australier ein Hobby wie Angeln oder Joggen. Ein cooles Hobby. Die Aussies haben es drauf. Denn wer fährt, braucht nicht den Staub entfernen. Alte Off Road Regel.


20

Tierische Begegnungen (Stopp 5 und 6 – Gibb River Road)

16.-20.06.24, Australien/WA/Home Valley, Tag 198-203 Roadtrip, 14.825 km total, Tages km 195+112

Tag 8-9

Der Straßenzustand wird holpriger, je weiter wir nach Osten kommen. Die Bodenwellen schütteln uns kräftig durch. Achim versucht, die richtige Geschwindigkeit zu treffen. Das gelingt nicht immer. Zusätzlich liegt grober Schotter auf der Fahrbahn. Ein Reifen-Killer!
Auch die Flussquerungen werden länger.  Und tiefer. Toyota sagt, bis maximal 70 cm sei eine Durchfahrt mit unserem Prado möglich. Dabei gilt es unbedingt eine Welle zu vermeiden, die über die Motorhaube schwappt. Ohne Schnorchel für die Luft-Ansaugung beschert das den sofortigen Tod für den Motor. Auf ‚youtube‘ gibt es aussagekräftige Videos, wie man seinen Motor so umbringen kann. Bei schrägen Durchfahrten macht es sogar einen Unterschied, ob man mit oder gegen die Strömung fährt. Also, schön langsam durch, mit Schaltung im Kriechgang.

Die Flussquerungen werden länger und rauer – im Flussbett liegen fette Steine. Gezogene Wohnwagen wackeln wie ein Hundeschwanz.

Neben der Fahrbahn die Markierung für den Wasserstand. Eindeutig zu tief mit 80 cm, aber in der Mitte sind es nur 60 cm. Alles klappt reibungslos.

Die Straßen werden nach Osten deutlich schlechter.

Die Kimberley Region ist so groß wie Deutschland und Österreich zusammen. Grade 15.000 Menschen leben hier. Fast zur Hälfte sind es Aborigines. Das Gebiet ist allerdings keine Natur belassene Wildnis, sondern im Grunde eine riesige Rinderweide. Da Kühe Baumschösslinge kaum verbeißen, gaukelt lichter Buschbewuchs etwas anderes vor. Nur die Nationalparks werden mit Zäunen vor den Rindviechern geschützt.

Die Landschaft sieht unberührt aus. Aber tausende Rinder wieiden hinter Zäunen.

Die armen Rindviecher, die es auf die falsche Seite der durchgehenden Zäune schaffen, verdursten oder werden tot gefahren. Verdörrte Kadaver liegen am Straßenrand.

Wir stoppen erneut auf einer dieser Farmen – in Ellenbrae. Längst hat man entdeckt, dass mit Touristen leichter Geld als mit Rindern zu verdienen ist. Das Homestaed (das ist der Wohnort der Farm betreibenden Familie) bietet ein gemütliches Garten-Café und dank ‚Starlink‘, das erste Internet seit einer Woche. Aber nur, wenn man sich in einer Hütte einmietet. Der abseits liegende Campingplatz hat diesen Luxus nicht.

Wir verbringen unsere zwei kältesten Nächte im Zelt. Haarscharf reicht die Decken- und Schlafsack-Auswahl aus. Geschätzte fünf Grad. Noch weniger bitte nicht. Die schnell einfallende  Kälte macht unsere Abende etwas unerquicklich. Bereits um 17:30 Uhr ist es dunkel. In Doppel-Fluschi, mit Schal und Socken kochen wir uns ein Abendessen. Ein schneller Abwasch und ab 19:30 Uhr ins kuschelige Zelt. Noch bei einem Plausch draußen sitzen, liegt nicht drin. Wir denken über Glühwein nach. Leider mangelt es an ‚Schuss‘ und Orangen.
Andere Crews sitzen um ihre Fire-Pits herum. Wir haben keinen Platz im Auto für Feuerholz und um den Campingplatz herum ist alles weg gesammelt (in Nationalparks ist dies verboten).

Der Ellenbrae fließt gemächlich durch sein steiniges Bett.

Grevillea – Australische Silbereiche – Die Blüte geht gerade auf, noch liegen die Stängel mit den Stempeln in Schlaufen an der Knospe. Wunderschöne Blüten.

Buschdusche in Ellenbrae. Heißes Wasser wird entweder durch Solar (frühe Duschen ist in diesem Fall ein Quell der Freude) oder durch eine Gastherme erzeugt.

Beim Einpacken am letzten Morgen versucht ein blinder Passagier sich im Beutel vom Klapptisch Zugang ins Auto zu verschaffen. So blind ist der Kumpel nicht. Acht Augen hat er und acht Beine. Körpergröße sicher 4 cm und laaaange Beine. Pfui Spinne. ‚Huntsman Spider“ sind bekannt dafür, dass sie notorisch gerne in Autos klettern. Es gibt schlimme Geschichten über große Exemplare, die plötzlich hinter der Sonnenblende hervor kriechen. :mrgreen:

Huntsman – gerne wäre er mitgefahren.

Wir (also Achim) setzten den Huntsman (nicht sehr giftig) an einem Baum aus. Dort lebt er normaler Weise. Die Spinnen wohnen unter der Borke und warten dort auf unvorsichtige Opfer.
Das ermahnt mich, dass wir in der letzten Zeit etwas nachlässig mit der einzigen Schwachstelle unseres Zeltes umgegangen sind. Über die Scharniere  des Klapp-Mechanismus kann man Stofflappen ziehen, um eine Lücke nach Innen zu verschließen. Wird hier unordentlich gearbeitet, kann man von innen Licht durch das Loch scheinen sehen. Das Grauen-Loch nenne ich es.

Schwachstelle – wo der Kümmerer der Abdeckung ganz leicht seine Hand rein stecken kann, wird der Huntsman, der unter Baumrinde wohnt, ganz easy seinen dicken Körper quetschen können. Ich stopfe von innen immer Socken rein. Sicher ist besser. :lol:

Tag 10-12

Unser letzter Stopp  befindet sich ebenfalls auf einer Farm. Die Home Valley Station ist die fünft größte Rinderfarm Australiens.
Wunderschön gelegen direkt neben einer Gebirgskette, die prächtig vor uns liegt.

Die Aussichten sind phantastisch.

Am frühen Vormittag dann Aufregung im Camp. Ein Mitarbeiter vom Camp kommt auf uns zu: „Vorsicht Schlange!“ Wir springen auf.  Nur fünf Meter von uns entfernt, schlängelt sich eine schwarze, sehr dünne Schlange über die Betonfläche eines Sitzbereiches. Alle laufen zusammen. Eltern gebieten einen hohen Sicherheitsabstand für ihre Kinder. Ungerührt von der Aufmerksamkeit kriecht die Schlange weiter. Aber irgendjemand hat im Camp Bescheid gesagt. Zwei Fänger rücken an und zögern nicht lange. Ein beherzter Griff mit der Zange und schon verschwindet das Reptil in einem Beutel. „Es ist eine Black Whipsnake – eine schwarze Peitschennatter“, erfahren wir. Nur für Kinder richtig gefährlich. Das ausgewachsene Tier wird außerhalb vom Camp wieder in die Freiheit entlassen.

Eine schwarze Peitschennatter streunt durch das Camp.

Das Einfangen gefällt der Dame gar nicht.

Nach drei Tagen im Home Valley beschließen wir das Erlebnis  ‚Gibb River Road‘ zu beenden. Unsere frischen Vorräte sind fast aufgebraucht. Wir sind bei Hülsenfrüchten angekommen: Chili mit Chorizo, Mais und Kidney-Bohnen (Hochzeitstag-Essen – naja). Kartoffeleintopf mit Süßkartoffeln und roten Linsen. Thunfischsalat mit braunen Linsen. Alle Eier sind verbraucht und statt Brot muss es nun Wraps zum Frühstück geben.

„Ein Leben prägendes Abenteuer “, so wird die Tour beschrieben. Und es war in der Tat spannend und abwechslungsreich. Genau das richtige für uns Sonntags-Teufelskerle.
Aber ein wenig scheint die Gibb von den Legenden vergangener Zeiten zu leben. Damals, als nur eine Handvoll verwegener Draufgänger sich getraut haben 700 Kilometer auf Schotterpiste ohne Infrastruktur zu fahren. Damals, als auf der Gibb noch die Rindviecher getrieben wurden. Das ist seit den 50er Jahren vorbei. Heute werden sie auf Lkw verladen und mit drei Anhängern zum Schlachthaus oder in Häfen zum Lebendtransport nach Asien gekarrt.
Heute gibt es organisierte Touren. In 4×4 Bussen werden zahlungskräftige Kunden durch die Kimberley gefahren. In dauerhaft errichteten Zelten werden sie aus Feldküchen beköstigt und ihnen wird jede Verantwortung abgenommen: „Achtung an alle! Wasser, Sonnenhut und Sonnencreme nicht vergessen. Wir laufen jetzt zum Fluss.“

Zeltstadt für betreutes Camping. Sehr teure Vierrad-Touren im Bus kann man buchen.

Betreutes Camping. Die Gibb River Road für Jedermann. Bald wird es Hotels und überall Internet geben. Die Strecke wird komplett asphaltiert werden. Australien wird sich eine neue, „echte“ Abenteuerstrecke suchen müssen. Eine Strecke, die sich nur eine Handvoll verwegener Draufgänger trauen.

Die längste Flussdurchquerung am Ende der Gibb River Road. Der Pentecost ist während der Regenzeit nicht passierbar. Gerne steht das Wasser dann gerne auch drei Meter hoch.

Und dann ist es doch ein Abenteuer. ;-)

 


14

Reifenplatzer (Stopp 4 – Gibb River Road)

13.-15.06.24,  Australien/WA/Manning, Tag 195-197 Roadtrip, 14.440 km total, Tages km 115

Tag 5-7

Wir fahren nur eine Etappe von gut hundert Kilometern. Unser Ziel ist das Manning Roadhouse auf halber Strecke der Gibb. Die Preise für Diesel (2.96 $ ungefähr 1,80 Euro) sind schwindelig hoch – über einen Dollar mehr als der niedrigste Preis für den wir bisher getankt haben. Auch der kleine Shop verlangt das Doppelte für Milch und Konserven.

Staubiges Roadhouse auf der Hälfte der Gibb.

Hier können wir erstmals unseren gesammelten Müll los werden. Im Outback herrschen klare Ansagen.

Wir buchen uns für zwei Nächte auf dem sieben Kilometer entfernten Campingplatz ein. Beim rückwärts fahren, passiert der Super-Gau. Peng! Es gibt einen lauten Knall, der noch fünfzig Meter weiter die Camper von den Stühlen reißt. Wir gucken uns im leicht schief stehenden Wagen entgeistert an. Die Gibb River Road ist ein Reifenfresser. Das liest man überall. Es wird sogar geraten, dass man zwei Reservereifen mitführen sollte.
Allerdings fahren echte Cowboys ihren Reifen auf den Schotterpisten platt. Doch nicht auf dem Campingplatz! An einem stehen gebliebenen Baumstumpen! :mrgreen:

Hinten links klafft seitlich ein großes Loch im Mantel. Ein irreparabler Schaden, soviel ist klar. Alles weitere läuft dann ganz gut. Terry von gegenüber hat Keile, um das Auto vor dem Wegrollen zu hindern. Die Radmuttern lassen sich problemlos lösen. Peter von nebenan borgt uns eine Platte, die Achim unter den Wagenheber legen kann. Der Wagenheber funktioniert tadellos. Der Reservereifen hat Luft und Profil und passt zum Reifen, der sich schon auf der Achse befindet. Peter kann sogar mit einem Drehmomentschlüssel dienen, um die Muttern genau richtig wieder anzuziehen.
Eine Stunde nach Knall steht der Bundy wieder waagerecht.

Der Reifen ist hin

Das Radkreuz an Bord ist keins. Die Muttern kommen aber freiwillig.

Sogar unser wichtig gekaufter Klappspaten bekommt endlich seinen ersten Einsatz. Es ist etwas uneben am Tatort.

 

Genau betrachtet haben wir viel Glück im Pech. Es gibt keinen besseren Ort für einen Reifenplatzer.  Bei weniger als drei Stundenkilometer Fahrt bestand keine Sekunde Gefahr für Leib oder Auto. Und auf dem Campingplatz wird man beim Reifenwechsel auch nicht alle fünfzehn Minuten in eine Staubwolke gehüllt.
Das Oberglück will, dass wir vor nur 35 Kilometern an dem einzigen Reifenhöcker der Gibb vorbei gefahren sind.

So möchte man nicht eingestaubt werden beim Reifenwechsel. Dieseltransport auf der Gibb.

Da müssen wir Morgen wohl vorstellig werden. Beim abendlichen Lagerfeuer nicken alle zustimmend. „Ihr braucht einen neuen Reservereifen. Ohne weiter zu fahren, ist keine gute Idee“.

Schicksale verbinden – wir werden jeden Abend eingeladen am Fire Pit von Denise und Peter dabei zu sein. Die Feuer sind keine romantische Deko, sondern verhindern ernste Erfrierungen. Nach Sonnenuntergang wird es bitterkalt.

Am nächsten Vormittag fahren wir zu Nav. Einen gebrauchten Reifen hat er nicht für uns. „Alte Karre. Alte Maße. Ihr habt einen 16er Reifen. Üblich sind 18er“. War ja klar. Aber immerhin hat er einen Neuen, den er uns mit Dollarzeichen in den Augen anbietet. 420 Dollar! Haben wir eine Wahl? Nein.
„Er ist nur 70 Dollar teuer als in der nächsten Stadt“, versichert Nav.*** „Den bekommt ihr überall, um eine Achse mit dem gleichem Reifentyp zu bestücken“. Bargeld lacht. Seine Kreditkartenmaschine sei kaputt. Wir haben genug dabei, da die Campingplätze in den Nationalparks häufig nur Umschlag-Boxen haben.

Zufahrt zum einzigen Reifenhöcker auf 700 Kilometer.

Bei Nav werden Sie geholfen.

Noch haben wir nichts von der nahe gelegenen Schlucht gesehen. Wir verlängern den Campingplatz um eine Nacht. Die Schlucht liegt unglücklicher Weise auf der anderen Flussseite. In Manning reicht es nicht bis zum Po nass zu werden. In Manning muss man schwimmen. Der Campingplatz bietet drei Fässer der Länge nach aufgeschnitten zum Transport von Rucksäcken und Wanderschuhen.
Es soll auch hier Freshies geben. Die Regel hier für Begegnungen mit Krokodilen sind einfach: „Nicht auf sie zu schwimmen!“  :mrgreen:

Ich habe leider keinen Bikini dabei. Mit dem Badeanzug ist es mir zu viel Getüttel. Also schwimme ich kurzentschlossen in Shorts und BH zur anderen Seite. Die Australier sind rustikal, die können das ab, bedenkt man, in was für Outfits sie morgens über den Campingplatz zur Toilette schlurfen.

Herrlich zum Schwimmen. Wenn man mal drin ist, geht es. Geschätzte 22 Grad.

Die Wanderung zum Wasserfall ist himmlisch. Bergauf, bergab führt es durch eine abwechslungsreiche Savanne. Am Ende wartet ein toller Wasserfall. Wer will – die meisten wollen – kann auch hier schwimmen und sich den Rücken vom Wasserfall massieren lassen.

Der Eindruck täuscht – wir sind nicht allein – es herrscht Hochsaison in der Kimberley. Die Campingplätze sind gut gebucht.

Nach der Regenzeit blüht es überall. Die Kimberley ist so anders als die rote Pilbara mit ihren Mienen.

Um zum Wasserfall zu kommen, muss man ganz schön kraxeln.

Picknick am Wasserfall

Ziel der Wanderung.

 

 

***Als wir Tage später wieder Internet haben, findet Achim heraus, dass der Reifen nicht sooo häufig ist, wie versprochen und eher hundert Dollar preiswerter. Was soll’s?


11

Von Krokodilen und nassen Hintern (Stopp 1bis 3 Gibb River Road)

09.-12.06.24,  Australien/WA/Silent Grove, Tag 192-194 Roadtrip, 13.686 km total, Tages km 141,135,157

Tag 1

Die sagenumwobene Gibb River Road beginnt zahm. Kein Wunder, sind die ersten 120 Kilometer tatsächlich asphaltiert.
Da wir schon ein paar Meilen aus Broome hinter uns haben, legen wir an Kilometern dreißig unseren ersten Stopp auf einer noch aktiven Rinderfarm ein. Geboten werden endlose Stellplätze auf gemähter Wiese. Dazu gibt es abends ein Lagerfeuer und zum Frühstück geiern ein paar Hühner und Pfauen nach verlorenen Krümeln. Bauernhof-Idylle pur.
(38 Dollar inkl. heißer Duschen)

Campfire in Birdwood Down

Wo die Hühner ihre Eier legen-bleibt ihr Geheimnis

 

Tag 2 und 3

Am nächsten Vormittag biegen wir am Ende der Asphaltstrecke auf Schotter ab. Nach zwanzig Kilometern erreichen wir den Windjana Nationalpark. Grade als wir die Gebühren in einen Umschlag legen wollen, kommt der Ranger auf uns zu. Nach einem kurzen Plausch fragt er Achim, ob er bereits über 60 sei. Dann gäbe es einen Senior-Rabatt von fünf Dollar pro Nacht, auch ohne Australischen Rentnerausweis. ‚Alt ist alt‘, seine Devise. Ein Blick in mein Gesicht: „Du bekommst auch Rabatt.“ Ich bin nicht sicher, ob ich mich darüber freuen soll. :lol:

Windjana Gorge Campground mit toller Kulisse

Um den Campingplatz herum gibt es einen Wanderweg auf der Ebene. Die Savanne ist betörend bei Sonnenuntergang.

Wir haben einen stillen Beobachter

 

Wir sind früh dran und spazieren gleich am Nachmittag hinunter zur nahegelegenen Schlucht. Ein Traum, der jeden Designer von Landschaften neidisch macht. Um die Spannung noch zu erhöhen, soll es Krokodile  im Lennard River geben. Von den Australiern werden sie liebevoll ‚Freshies‘ genannt, da sie nur im Süßwasser vorkommen. Sie haben eine auffallend schmale Schnauze und werden maximal drei Meter lang (die Männchen).

Windjana Gorge

Stimmung nach Sonnenuntergang in der Schlucht

Früher Sonnenuntergang in der Schlucht

Windjana Gorge

Brolga-Kranich – bis 1,50 Meter hoch

Eifrig halten wir Ausschau. Und tatsächlich, auf einer Felseninsel im Fluss liegen ein paar träge Exemplare. Die Verhaltensregeln für Freshies sind einfach: „Halte dich fünf Meter entfernt und nicht ärgern, dann sind sie absolut harmlos“. So weit, so der Grundsatz. Schaut man ihre Zähne an, so könnten die auch Krawall bedeuten.

Unerreichbar auf einer Felseninsel die ersten Freshies

Am nächsten Morgen ist es noch frisch, als wir erneut in der Schlucht auftauchen. Das gegenüberliegende Flussufer ist gepflastert mit Krokodilen. Noch steif in den Knochen von der kalten Nacht versuchen sie sich dort aufzuwärmen.

Auf der anderen Seite stapeln sich die Freshies – da möchten wir näher ran

Genau-da-möchten-wir-hin!.

Wir rutschen die sandige Böschung am Ende der Schlucht hinunter und suchen uns eine seichte Stelle, um über den Lennard zu kommen. Nach einem größeren Bogen erreichen wir tatsächlich die andere Seite. Vorsichtig schreiten wir voran. Jetzt bitte kein Krokodil übersehen. Nicht, dass wir ihm den Fluchtweg ins Wasser abschneiden und die Theorie der Harmlosigkeit einer bissigen Realität weichen muss.
Leider hat unser Umweg etwas zu lange gedauert, die Sonne brennt schon heiß und die meisten Crocs sind bereits im Wasser verschwunden, als wir ihren Strand erreichen.

Am Ende der Schlucht suchen wir uns einen Weg auf die andere Uferseite.

Die Windjana Schlucht liegt vor uns

Kroko-Pfote

Wir folgen dem Fluss noch zwei Kilometer weiter

Normalerweise hat nicht jeder Stock im Wasser Augen – im Lennard River aber schon

Am Nachmittag beim dritten Besuch in der Schlucht ist es dann so einfach. Ich stolpere fast über ein Tier, was am Wanderweg-Ufer liegt. Ungerührt von unserer Anwesenheit hebt es nur träge ein Augenlid. Cool. Was für eine Begegnung.

Und dann stolpern wir fast über die harmlosen Tiere

 

Die lieben Kleinen lassen sich gar nicht stören

Sie lüpfen höchstens träge die Augenlider

Und der Kroko – der hat Zähne

Zwei Krokodile liegen wie gemalt vor der wunderschönen Windjana Gorge

(17$ Eintritt/35$ Übernachtung – erstes Camp im Nationalpark mit Duschen)

Tag  4

Nach zwei Tagen ziehen wir weiter. Ab jetzt ist die Gibb River Road unbefestigt.
Schon von weitem kann man die Staubwolken entgegenkommender Fahrzeuge sehen. Und es sind reichlich Wagen. Die phantastische Landschaft der Kimberley Region ist verlockend. Dass man dabei viel Staub schlucken muss, schreckt die Kolone der Rentner, die um Australien ziehen, nicht ab.

Nach zwei Stunden biegen wir ab zur nächsten Schlucht. Der Weg wird schlechter. Erste Flüsschen sind zu durchqueren. Zum Glück kommt uns am ersten Wasserlauf ein Auto ohne Schnorchel entgegen, so dass wir wissen, hier können wir durch ohne dass die arme Beifahrerin die Wassertiefe testen müsste. :mrgreen:

Mitstreiter machen es vor

Okay – Anlauf

Spannend

Nach ein paar Bach-Querungen erreichen wir die ‚Bell Gorge‘. Der schönste Bade-Pool mit Wasserfall in den Kimberleys, so heißt es. Nach zwei Kilometer Wanderung stehen wir vor einem malerischen Wasserlauf. Die Sache hat nur einen Haken: wer den mehrstufigen Wasserfall sehen will, muss über den Fluss.

Da wo die anderen laufen, wollen wir rüber und links runter zum Wasserfall

Barfuß treten wir zur Überquerung an. Achim vorweg. Flitsch! Schon ist es passiert. Der Chef rutscht weg und landet im Bach. Die Steine sind so dermaßen glitschig, dass es kein Halten gibt.
Wir treten den Rückzug an und beobachten die anderen Besucher. Nur wer echte Wasserlaufschuhe hat, kommt unbeschadet ans andere Ufer. Okay, haben wir nicht. Kurzentschlossen stiefeln wir mit unseren Wanderschuhen rüber, bevor es noch Knochenbrüche gibt.
Wir schaffen auch den Rückweg ohne Malheur und sind bereits fast wieder trocken als wir am Auto ankommen. Geht doch. ;-)

Mit so tiefen Wasser haben wir nicht gerechnet

geschafft

(Silent Grove Camp – 17$ Eintritt/40$ Übernachtung – kein Rabatt diesmal)

 

Wetter Talk

Der Wetterbericht in der Kimberley glänzt durch Abwesenheit von Ereignissen. Wetter findet praktisch nicht statt.
Keine einzige Wolke am Himmel. Natürlich kein Regen. Kein Morgentau und kein Wind. Vormittags mag es mal einen Windhauch geben, sonst herrscht absolute Windstille. Nachts ist es so leise, dass der Tinnitus piept wie am Spieß.

Nur die Temperaturschwankungen sind erwähnenswert. Tagsüber gute dreißig Grad, nachts fünfundzwanzig weniger. Und wie schnell es sich erwärmt. Um 6:00 Uhr wird es hell und ist eisig kalt, aber bereits um 7:30 Uhr fliegen die dicken Klamotten. Abends mit umgedrehten Vorzeichen das gleiche.


9

Gibb River Road – wir kommen!

08.06.24,  Australien/WA/Broome, Tag 191 Roadtrip, 13.686 km total

Selbst  für Australische Verhältnisse gilt die Gibb River Road als schwierig. „Leben prägendes Abenteuer“ oder „kultigste Schotterpiste Australiens“ lauten die Hinweise. Die ‚Dirt Road‘ ist 660 Kilometer lang und war früher eine Route auf der Rinder getrieben wurden. Während der Regenzeit ist die Straße nicht passierbar und gesperrt. Ein später Regen vor zwei Wochen hat alles durcheinander gewürfelt. Ein paar Flüsse stehen noch 40 Zentimeter hoch auf dem Fahrweg. Trotzdem, die Gibb ist als machbar deklariert. Vierradantrieb ist Pflicht.

Die Abzweigungen der Road führen zu den Hauptattraktionen: Schluchten, Wasserfälle und Wildbäche mit Krokodilen. Nimmt man alle Nebenstrecken mit, so kann man die zu fahrenden Kilometer leicht mehr als verdoppeln. Es gibt einfache Campingplätze und drei, vier Stationen an denen wir Wasser und Diesel nachbunkern können. Vielleicht kann man dort auch ein Brot ergattern.
Wir haben zehn bis vierzehn Tage für die Gibb geplant. Das Auto ist bis unters Dach mit Essen für diese lange Zeit vollgestopft. Eine kleine Herausforderung. Wie einfach ist dagegen eine Atlantik-Überquerung zu organisieren? Unser Kühlschrank an Bord ist doppelt so groß und vom Stauraum brauchen wir gar nicht erst sprechen.
Morgen geht es los. Internet ist Mangelware unterwegs, so dass es sein kann, dass wir uns erst in zwei Wochen wieder melden können. Bleibt dran! :-)

Gibb River Road in blau. Der asphaltierte Highway Richtung Osten ist die rote Linie. foto credit: mounthart.com.au

 

In den letzten sieben Tagen konnten wir uns wieder eingewöhnen. Allerdings hat die Rückkehr nach Broome überraschende Veränderungen parat. Bei der Abfahrt mussten wir uns noch im Pool abkühlen und hatten vier Wasserflaschen am Start, die wir abwechselnd im Camp-Gefrierschrank durchfrieren lassen haben. Jetzt-ist-es-plötzlich-bitter-kalt. Gefühlte 9 Grad, berichtet ‚Broome Weather‘.

Die Matratze vom Dachzelt (luxuriöse 3 cm) liegt auf einer Metallplatte. Achim steckt als Mumie in seinem Schlafsack. Wolldecke zusätzlich oben drauf. Ich mag so eingesperrt nicht schlafen und benutze den Schlafsack nur als Decke. Dann kann ich ein jederzeit ein Bein raus strecken und etwas überschüssige Hitze ableiten.
Das geht jetzt nicht mehr – die Kälte von unten kriecht in die Knochen. Da wir jetzt zwei Wolldecken haben (vorausschauend eine aus DE mitgebracht), können wir die alte Decke großzügig als Unterlage verwenden. Dazu passt Ski-Unterwäsche statt dünnen Pyjama. Das reicht zunächst. Prima.  Wir brauchen unbedingt Schafsfelle, so die Idee. Der Winter hat ja noch nicht einmal begonnen. Aber wo bekommt man in einem Kontinent mit 125 Millionen lebend Schafen die Felle her? Bisher haben wir erst zweimal einen Shop gesehen, der welche verkauft.

Kleinstadt Broome – sehr touristisch, aber gemütlich und hübsch im Zentrum. Die Touris kommen massenweise eingeflogen.

Der Anfang vom Cable Beach – trotz gebuchten Campingplätzen ist es nahezu leer am Strand.

Tagsüber ist es noch immer sommerlich warm. Aber die Tage sind kurz und die Sonne steht tief. Der Winter ist nah.

Cable-Beach in Broome. der hat seinen Namen, weil von Broome aus das erste Telegrafenkabel von Nordwest Australien nach Indonesien (Java) verlegt wurde.

Broome und die nördlich liegende Halbinsel Dampier punkten mit Farb-Explosionen.

So sieht die Küste von oben aus. Abfotografiert in einem Shop im Zentrum foto credit: yanè.com.au

Spektakuläre Farben. Nicht die eigene Drohne, sondern nur Bilder in einem Shop. Macht nichts, Landschaft mit der Drohne fotografiert, hat man ja auch nie mit den eigenen Augen gesehen.

Die zweite Veränderung ist der gefüllte Campingplatz. Vor fünf Wochen war der nur ein Viertel belegt, jetzt heißt es ‚fully booked‘ – ausgebucht bis auf den letzten Platz. Die Hauptsaison im Norden hat begonnen. Achtzig Prozent sind die berühmten ‚grauen Nomaden‘. Rentner, die mir ihrem Wohnwagen um die Insel reisen. Dachzelte gibt es praktisch keine mehr zu sehen.
Mal schauen, wie sich das auf der Gibb River Road ändern wird. Dort mit dem Wohnwagen zu fahren, mag nicht jeder.

Broome Campground – fast komplett ausgebucht

Dieser kleine Laubfrosch wohnt auf dem Campingplatz im Abfluss von der Wäscherei. Zusammen mit seinen drei Freunden.


2

Tolle Wochen in Deutschland – und eine Rückreise zum Abgewöhnen

03.06.24, Australien/WA/Broome, Tag 186 Roadtrip, 13.686 km total

Deutschland war großartig. Danke an Alle! Ihr ward großartig. Euch zu treffen war uns ein Vergnügen. Wir kommen wieder, versprochen.

Nur dreimal wurde daran gedacht ein Foto zu machen. Nächstes Mal muss das besser klappen.

Familie Willner

Bonus-Familie mit neuem Familienmitglied (Herzchen in den Augen)

Danke für den tollen Nachmittag

 

 

Mitgeholfen hat auch das Wetter – drei Tage Regen in vier Wochen. Frühsommerliche Temperaturen oben drauf. Für Hamburg nicht schlecht. Danke an die Wettergötter.

Unser 20 Quadratmeter Wohnklo (im Phnx Aparthotel im Herzen von Harburg) können wir unbedingt weiter empfehlen. Etwas laute Lage, dafür nur drei Minuten zu Fuß zum Supermarkt und zu einer nicht zählbaren Menge an Döner-Buden. Ebenfalls nur drei Minuten zur S-Bahn und Regionalbahn.

Hamburch – meine Perle!

 

 

Dankeschön auch ans Deutschland-Ticket. Von Uelzen bis Buxtehude, von Halstenbek bis Amelinghausen, plus Hafenfähre und unendliche Fahrten mit dem HVV. Alles für 49 Euro. Ein echter Schnapper. Verspätungen, ausgefallene Züge und Rauswurf aus der S-Bahn, weil Personen im Gleisbett gelaufen sind, inklusive. Alle Gerüchte über schlechten Service der Öffis können wir bestätigen, wir sind aber final überall angekommen.

Südsee-Feeling in Hamburg. Kein alter Moai von der Osterinsel, aber aus Original-Stein.

Alle wichtigen Dinge konnten wir abarbeiten: Artzbesuche, Impfungen auffrischen, eine neue Brille, neuer Pass und ganz wichtig – ein Rentenantrag. Mit einem jungen Mann bin ich nach Deutschland gereist, mit einem Rentner komme ich zurück. :mrgreen:

Auch das ist Hamburg. Ein Pony wie in Mexiko … ich glaube, die Dame hat das mit Absicht gemacht, der Rest ist nämlich gut. Statt schrägen, fransigen Pony zu schneiden, eine Seite einfach komplett abzuhacken. Ich hatte keine Lust auf ihr endloses Geplapper über DNA-Tests, die ihre Herkunft (60 Prozent Griechisch) ermittelt haben, einzugehen. :cry:

Und dann der Heimweg. :roll:
Es fing ganz gut an. Komfortable Abflugzeit am frühen Nachmittag. Es geht pünktlich los. Erträgliche Übergangszeit in Dubai. Ankunft am frühen Abend in Perth.
Der erste Holperstein: unser gebuchtes Hotel ist rottig. Okay, bei Ibis Budget erwartet man nicht viel, aber irgendeine Ablage im Zimmer wäre schon schön. Einfach, einfacher, Ibis. Statt Restaurant gibt es einen Automaten mit Chips und Schokoriegeln. Wir überleben, weil das Essen im Flugzeug gut und reichhaltig war. Nur drei Kilometer Entfernung zum Flughafen war das Buchungs-Argument.

Nach einem spartanischen Frühstück stehen wir um 8:00 Uhr in der Abflughalle für den letzten 2,5-Stunden-Flug nach Broome.
Eine junge Reporterin von 9News TV empfängt uns ganz aufgeregt und weiß zu berichten, dass die (eine?) Pumpe zum Auftanken der Flugzeuge ausgefallen sei. Wir verzichten darauf ins Fernsehen zu kommen, sondern gehen zum Schalter.

Die Anzeigetafeln lassen Schlimmes erwarten. Sogar ankommende Flugzeuge ✈️ werden umgeleitet. Ein Flug nach dem anderen wird gestrichen. Erste Rufe nach Kaffee-Gutscheinen werden laut. Aber die super freundlichen Angestellten von Quantas werden nicht müde zu erwähnen, dass der Fehler nicht bei der Airline liegt. Schuld sei der Flughafen. Reklamationen bitte an diese Adresse.

Im Internet steht, dass Perth Aurport darum bittet, dass keine Flugzeuge mehr mit Ziel Perth starten sollen.

Dann auch für uns Gewissheit – heute wird es kein Flug mehr nach Broome geben. Nach endlosen Stunden Wartezeit werden wir auf 6:30 Uhr nächsten Morgen umgebucht.
Was tun? Mindestens zwei Stunden vorher am Schalter sein und mit der Aussicht, dass wir auf Hotelkosten und Taxi (250 Dollar) hängen bleiben werden, entscheiden wir, dass sich das nicht lohnt. Wir bekämen ja noch nicht mal das Frühstück im Hotel.

Airport Perth zieht inzwischen richtig die Spendierhosen an: zwei kleine Flaschen Wasser und ein Schokoriegel pro Person werden verteilt.
Davon kann man nicht überleben.
Achim leiert einer Quantas-Mitarbeiterin drei Gutscheine á 15 Dollar aus der Tasche. Zwei Cafés in der Abflughalle bieten Mini-Wraps und Muffins zu absurden Preisen an. Die Gutscheine reichen für den holen Zahn.
Wir leeren einen Rucksack aus und ich stiefel los zum zwei Kilometer entfernten Supermarkt. Achim passt auf das Gepäck auf.
Mit Abendessen- und Frühstücksversorgung – Gabeln leihe ich in einem der Cafés – geht es uns somit ganz gut.
Ganz am Ende der Halle finden wir Sitzbänke ohne Armlehen, so dass wir liegen können.Die Decke, die wir für kalte Nächte im Australischen Winter aus Deutschland mitgebracht haben, kommt früher zum Einsatz als erwartet. Inzwischen ist die Halle geleert, so dass das kostenlose WiFi auch wieder funktioniert. Wir haben es passabel, schlafen aber trotzdem schlecht und nur häppchenweise.

Gute Nacht

Am nächsten Morgen geht es planmäßig los. In Broome bringt uns ein Taxi zu unserem Auto. Russel und Familie haben gut auf unseren Bundy aufgepasst. Sie sind übers Wochenende nicht da, der Wagen steht wie verabredet vor der Tür.

Aber er springt nicht an. Ja, darf das denn jetzt wahr sein? Ist das fair? Ich hab doch extra Karma-Punkte gesammelt durch das Verteilen von Snickers an Mitschläfer in der Abflughalle. :cry:

Dass die Batterie nicht mehr ganz neu war, wussten wir, aber nicht, dass nach vier Wochen der Saft zu Ende ist.
Wir haben 30 Grad im Schatten, lange Hosen an und viel zu warme Klamotten. Dazu Trombosekniestrümpfe in Turnschuhen. Die Strümpfe wird man verbrennen müssen. :lol:
Wir werden leicht nörgelig, aber jetzt bitte nicht durchdrehen!
Es ist Sonntag, 11:00 Uhr Vormittag. Wir klappern die Nachbargrundstücke ab, ob wir jemanden im Garten entdecken, der ein Starthilfekabel hat.
Achim wird fündig. Ein junges Paar springt sofort auf, um uns zu helfen. Sie muss extra zu Freunden fahren, um ein Kabel zu holen. Er bietet uns Wasser an. Zehn Minuten später sind die beiden Autos verkabelt. Aber unsere Batterie sagt keinen Mucks. Die ist mausetot.
Für unsere Helfer stellt das kein Problem dar. Natürlich fährt sie mit Achim zum Batterie-Höker (God bless Australia – für seine Sonntags-Öffnungszeiten). Eine Stunde und 140 Euro später läuft unsere Karre wieder. Danke lieber Jason und Anni.

Jetzt brauchen wir uns „nur“ noch etwas zu essen kaufen. Müde quälen wir uns durch die Regale. Bloß nichts vergessen, damit wir Morgen nicht wieder los müssen.
Den Campingplatz hatten wir informiert, dass wir einen Tag später kommen. Die waren so freundlich unsere reservierten Tage um einen Tag nach hinten zu verschieben. Eigentlich ganz unüblich in Australien. No show, no money back, heißt es häufig. Dankeschön.

Wir poppen das Zelt auf und räumen den Koffer leer. Mehr geht nicht. Uns fallen im Sitzen schon die Augen zu. 68 Stunden haben wir von Tür zu Tür gebraucht.
Ich schlafe fast zwölf Stunden. Sogar Kurzschläfer Achim bringt es auf neun. Jetzt sind wir wieder fit und freuen uns auf mehr Australien. Weitere 12 Monate dürfen wir bleiben durch unsere Ausreise. Da geht also noch was – auf zu neuen Abenteuern.

Ein paar graue Haare und Falten dazu … Danke Airport Perth.


4

Atanga macht Urlaub

01.05.24, Australien/WA/Broome, Tag 152 Roadtrip, 13.686 km total, 380 Tages-km

Wir fliegen heute nach Deutschland (Broome=>Perth=>Dubai=>Hamburg==> 36 Stunden, wenn alles glatt läuft) und sagen für einen Monat ‚Tschüss‘ auf diesem Kanal.

Wo lassen wir einbruchsicher das Auto mit unserem gesamten Hauststand? Diese wichtige Frage schien sich bereits im Feburar zu klären.
Eine verrückte Geschichte.
Wir stehen in Norseman in der Camp-Küche zusammen mit einem Mann in unserem Alter und einer jungen Frau. Achim schnappt das Wort ‚Broome‘ in ihrer Unterhaltung auf und spricht die beiden an.
Russel und seine Tochter sind auf dem Weg von Broome nach Wagga Wagga. Das ist eine Strecke von 5000 Kilometern. Die junge Dame möchte dort studieren, aber auf ihr Pferd nicht verzichten. Das steht am hinteren Ende vom Zeltplatz (pet friendly camp ;-) ), grast friedlich vor sich hin und wird im Pferdeanhänger einmal quer über den Kontinent gezogen. Klar, macht man ja auch so. Für die Aussies ist das keine echte Entfernung.

Die beiden kennen Wagga Wagga nicht. Sind dort noch nie gewesen. Aber wir. Haben genau auf dem Showground übernachtet, wo das Pferd zunächst untergestellt werden soll. Wir können also mit vernünftigem Wissen über die Örtlichkeiten zum Gespräch beitragen.
Wir erzählen dann unsere Geschichte und Achim fragt Russel, ob er wüsste, wo man in Broome ein Auto für einen Monat unterstellen könnte. „Bei mir! Gar kein Problem!“, kommt wie aus der Pistole geschossen. Na, das wäre ja ein Ding. Wir tauschen unsere Handynummern und trennen uns in entgegen gesetzte Richtungen.

Einen Monat vor Broome rufen wir Russel an, ob er sich noch erinnert. „Klar! Alles läuft wie besprochen, meldet Euch eine Woche vorher noch einmal.“
Das machen wir. „Ich bin im Augenblick in Queensland. Aber meine Frau Kerri ist zu Hause. Sie weiß Bescheid. Kommt vorbei und besprecht mit ihr alle Details. Ach ja, und vergeßt nicht, einen Karton ‚Coopers Mild Beer‘ mitzubringen. Das ist Tradition in Australien.“
Ja, weiß Russel denn nicht, dass auch in Deutschland Bier echte harte Währung ist? :lol:

Es läuft dann alles wie geschnitten Brot. Wir treffen auf eine hilfsbereite Kerri, die sich sehr über das Bier freut. Und unser Bundy steht sicher auf Privatgrund mit Hund und Zaun. Zum Überfluss werden wir noch am Flughafen abgesetzt.
Wir sagen ein fettes Dankeschön an Kerri und Russel. Was für eine Hilfsbereitschaft ohne Not. Toll. Die Welt ist voll mit außergewöhnlichen Menschen.

Beruhigt können wir nun in den Flieger steigen.
Wie es weiter geht, wenn wir wieder kommen, ist noch nicht endgültig entschieden. Wir haben jetzt etwas Zeit, die fünf Monate Roadtrip sacken  zu lassen.
Tschüss, Ihr Lieben – bis Juni.

Broome Campground – Dieser Platz hat den bisher besten Swimming Pool. Viele Zeltplätze haben einen, aber meistens sind das rechteckige Löcher. Wenig einladend. Dieser ist deutlich anders mit Palmen, Inseln und ein kleiner Wasserfall.
Wenn wir aus Deutschland zurück kommen, haben wir hier für uns ein Platz reserviert.

Schlechte Plätze – gute Plätze

22.-24.04.24, Australien/WA/Port Hedland+80 Mile Beach, Tag 144-146 Roadtrip, 13.308 km total, 336+252 Tages-km

Der Weg raus aus Karijini führt uns an den Great Northern Highway (GNH). Kann man sonst auf den Straßen Australiens getrost einen langsamen Walzer tanzen, so herrscht auf dem GNH fast schon Staugefahr. Bedingt durch Massen von Road Trains. Jeweils vier Anhänger plus Zugmaschine. 53 Meter lang. 120 Tonnen. Zum Vergleich nochmal – deutsche LKW sind maximal 19 Meter lang und wiegen 40 Tonnen.
Diese Monster-Züge schaffen Erz für kleine Mienen, die sich eine eigene Schiene nicht leisten können zu den Verladehäfen. Dass diese Methode noch rentabel gegen die Züge ist, verblüfft uns.
Jedenfalls werden wir kräftig in die Mangel genommen. Ein Überholmanöver dauert gefühlt endlose Minuten. Unser Bundy ist kein Beschleunigungswunder. Bevor der mal schneller als der Road Train ist, kommt schon wieder Gegenverkehr. Leere Trucks, nicht weniger riesig, auf ihrem Weg zur Miene zurück.

Die Verkehrsdichte der Brummis ist enorm – jeder Truck 53 Meter lang.

Bei nochmal sieben Metern länger gibt es erstmals eine Warnung.

Alles im Grunde Schwertransporte …

Im Erz-Verladehafen Port Hedlend übernachten wir. Der Campingplatz ‚Black Rock South Hedland‘ gewinnt die Schrottplatz-Medaille am rostigen Band. Fünfzig Dollar für schmuddelige Duschen mit abgebrochenen Haken und kaputten Türschlössern. Zusätzlich kaltes Wasser aus der Dusche. Das Schild „Vorüber gehende Probleme mit der Heißwasseraufbereitung“ ist durch den Staub der letzten Jahre kaum noch lesbar. Mir fällt der Drehknopf an der Duscharmatur entgegen. Die Ekel-Krönung ist die ‚provisorische‘ Camp-Küche. In einem alten Bad stehen ein Kühlschrank, Toaster und Wasserkocher. Die Arbeitsfläche gegenüber wurde dirket über die alte Kloschüssel gestellt. Mein bestes Beschwerde-Englisch führt nur zu Schulterzucken beim Rezeptions-Kasper. Pfui.

Wer die Kloschüssel in einer provisorischen Küche nicht demontiert, der kann auch den Papierhalter hängen lassen. Konsequent.

Wir bleiben nur eine Nacht. Bis zur vorläufigen Endstation in Broome (unser Abflughafen für den Deutschlandbesuch) sind es noch über siebenhundert Kilometer. Ein Zwischenstopp am Eighty Mile Beach entschädigt für die vorherige Nacht. Ein wundervoller Campingplatz. Er liegt zehn Kilometer abseits auf einer Rinderfarm (keine Fliegen – das verstehe wer will), direkt hinter den Dünen. Schatten und gepflegte Rasenflächen, die abends von Wallabies kurz gehalten werden. 220 Kilometer ununterbrochener Sandstrand liegen hinter den Dünen. Muschelsammel-Freunde kommen auf ihre Kosten. Einfach herrlich.

Schöner Campingplatz. In der Mitte von Nirgendwo. Schattige Plätze mit viel Gras.

Ein großer Mob Wallabies grast am unbewohnten Ende vom Campingplatz.

Strandbeute

Viele Schmetterlinge im Camp. Besonders Nachtfalter. Aber keine Fliegen.

Nur baden kann man nicht. Es ist noch Seewespen-Saison. Diese Quallen tragen eins der stärksten Gifte in der Tierwelt in ihren drei Meter langen Tentakeln mit sich herum. Ein Gift, das einen Menschen innerhalb weniger Minuten töten könnte und kann, zumindest aber höllische Schmerzen bereitet. Hautverätzungen, Übelkeit und Muskellähmungen sind weitere Begleiterscheinungen.
An belebteren Stränden in Touristenorten gibt es Netze gegen die Quallen, so dass man ganzjährig baden kann. Am 80 Mile Beach ist Schwimmen erst ab Juni wieder gefahrlos möglich. Ja, wären da nicht die Salzwasserkrokodile, die hier schon gesichtet wurden.
Wir sind nun da angekommen, wofür der Kontinent berühmt-berüchtigt ist: „Herzlich begrüßt Sie der Norden Australiens. Hier möchte Sie alles töten“. :mrgreen:

Schilder, die es nur in Australien gibt.

Eighty Mile Beach bei Flut. Was für eine „Verschwendung“. Perfekte Wassertemperatur, perfekter Strand.

Eighty Mile Beach bei Ebbe. Der Tidenhub beträgt enorme acht Meter. Das Wasser zieht sich hunderte Meter zurück. Noch mehr Strand als sowieso schon zur Verfügung steht.


13

Naturwunder Karijini

20.-21.04.24,  Australien/WA/Karijini, Tag 142-143 Roadtrip,  12.720 km total, 118 Tages-km

Der von Eisenerzminen umzingelte Nationalpark Karijini wird hoch gelobt: Schönster Park in West Australien! Auf einem Hochplateau haben Flüsse enge Schluchten in uraltes Gestein geschliffen. Die Halbwüste oberhalb der Wasserläufe ist staubig und wasserarm. In den tiefen Schluchten ist die Vegetation üppig und abwechslungsreich.

Nur der nördliche Teil vom Nationalpark ist erschlossen und selbst hier liegen die Hauptattraktionen fast 200 Kilometer auseinander. Daher bleibt Tom Price unser Basislager und als Tagesausflug fahren wir über staubige Schotterpisten zur Hamersley Gorge.
Die Schlucht ist schmal und besteht aus zwei Pools. Das obere Wasserbecken ist nur über eine glatt geschliffene Schräge zu erreichen. Eine rutschige Kletterpartie.

Abstieg in die Schlucht

Alles ist schräg und verwunden in der Hamersley Gorge

Der obere Pool in der Schlucht

Je nach Sonnenstand wechseln die Farben der Felsen

Wer mag darf schwimmen in den Pools – wir haben verzichtet

Am schönsten sind die aufgefalteten senkrechten Felswände. Aberwitze Gesteins-Windungen, wie Knetmasse von einem Riesen zusammengequetscht. Wir sind nicht die einzigen Besucher, viele gehen schwimmen, und somit bleibt uns die perfekte Spiegelung der verschiedenen Eisenschichten in den kleinen Teichen erspart. ;-)

Verrückte Verwerfungen

 

Zu unserem Bedauern ist der mittlere Teil von Karijini zur Zeit gesperrt. Sehr schade – hier kommen wir in unserem Leben sicherlich nie wieder her. Uns bleibt noch die attraktive Dales-Schlucht am östlichen Ende vom Park. Dort gibt es einen einfachen Campingplatz im Nationalpark, den wir für zwei Nächte buchen. Eine wunderbare Entscheidung, wie wir schon bei der Anfahrt feststellen.

Die Hochebene von Karijini ist flach – ein paar Hügel bilden die Ausnahme

Der Karijini Nationalpark wird touristisch durchaus vermarktet. Der Ranger im unbedeutenderen Millstream Park hat uns schon sein Leid geklagt: „Karijini bekommt das meiste Geld und ich nicht mal genug, um die abgebrannten Schilder wieder aufzubauen“.
Fast alle Zugangs-Straßen sind in Karijini asphaltiert. Eine komfortable Eisentreppe führt hinunter in die Schlucht zum Fortescue Wasserwall. 270 Stufen führen knapp einhundert Meter tiefer in die Schlucht.

Touristisch gut erschlossen – an der senkrechten Wand führt diese Treppe zum Boden der Schlucht

Karaijini NP bekommt viel Geld – perfekt angepasste Treppe an den Felsen

Klar, gibt es weitere Besucher, aber die verwunschene Kulisse ist noch nicht überfüllt. Die meisten Gäste sind Tagesbesucher,  bleiben am Wasserfall und am Fern Pool, um zu baden.
Wir erkunden den Weg, der am Bachlauf tiefer in die Schlucht hinein führt. Der erfordert etwas Kletterei über Felsen und auf Trittsteinen am Bach entlang.
Es ist wunderschön. Zauberhaft. Nicht von dieser Welt. Besser hätte man sich die Landschaft nicht ausdenken können.

Die Dales Gorge

mit dem Fortescue Wasserfall

Fern Pool Wasserfall – schwimmend ganz leicht zu erreichen. Ein Froschkönig-Prinzessin-Teich

Herrlich erfrischend – vielleicht 23 Grad. Wir müssen nicht in jeden Tümpel springen, aber hier kann man nicht widerstehen.

Knabberfische gibt es gratis dazu. Alle Hautschuppen werden weg gefressen. Perfektes Spa.

Natürliche Amphitheater aus glattem Gestein sehen wie gemauert aus. Mal erinnert die Art der Schichtung an Legosteine. An die schmalen Legoplatten, von denen man immer zu wenige hatte. Dann wieder sieht es aus wie ein Kalter Hund, dieser Keks-Schokolade-Schicht-Kuchen, der aus der Mode gekommen ist. Farbspielereien und Formvariationen verändern sich laufend. Und dazwischen der glasklare Bach, gesäumt von üppigem Grün. Silberne, blaue und rote Libellen tanzen im Sonnenlicht vor der roten Kulisse der Schlucht.
Wir vergeben elf von zehn Sternen für die drei Kilometer Wanderweg.

Ein natürliches Amphitheater – die glatten Steine sehen wir uralte Kirchenfussböden aus

Kalter Hund

Farben variieren

Blauer Asbest – der ist nur gesundheitsgefährdend, wenn man ihn einatmet. Hier in der Schlucht sollte er gebunden und ungefährlich sein.

Ein Weg ist geschlossen wegen solcher herabgefallener Felsen und weil zu viel Asbest in der Luft sein soll.

Schön in Ritzen greifen beim Klettern – keine Zeit, um auf Spinnen oder Schlangen zu achten. ;-)

Ende an dieser Stelle für Dolly Buster – ich pass noch durch.

 

 

 

Am Ende steht nicht so eine Luxus-Treppe. :mrgreen: Über an die Felswand geklatschte steile Stufen, geht es fast senkrecht zurück auf die Ebene. Der Weg zum Zeltplatz steht im krassen Kontrast. Trockene Steppe so weit das Auge reicht.
Tom Price und der Karijini befinden sich auf ungefähr 700 Höhenmetern. Tagsüber herrschen noch immer üppige 35 Grad. Unsere Lippen sind rau und rissig. Die Haut auf unseren Beinen sieht aus wie Pergamentpapier. Der Dank geht an 14 Prozent Luftfeuchtigkeit. Nachts fällt die Temperatur auf 12 Grad – morgens finden wir trotzdem keinen einzige Tropfen Tau auf dem Zelt.

Trockenes Plateau oberhalb der Schluchten

Unser Campingplatz in Karijini.

 

Es ist fast Vollmond. Die Steppe ist in silbernes Licht getaucht. Es scheint ungewöhnlich hell ohne Luftfeuchtigkeit. Dazu absolute Windstille. Geräusche werden weit getragen.
Als wir bereits im Zelt liegen, hören wir das erste Mal Dingos heulen. Wir haben noch nie Wölfe gehört (wir wohnen ja nicht in Deutschland :lol: ), aber so muss es klingen.
Mal ist das Heulen nah bei uns, mal entfernt. Verschiedene Töne kommen bei uns an. Kräftiges, männliches  Geheul wechselt sich mit gekicherten Tönen ab. Hin und wieder eine Art Mädchengeheul: hoch, etwas fiepsig und schüchtern.
Sicher thronen wir oben im Zel

Warnung vor Dingos – es kommt nur äußerst selten zu Vorfällen zwischen Dingos und Menschen.

t – jetzt bloß keine Blasenschwäche zeigen – und starren ins Mondlicht hinaus. Leider ist nichts zu sehen, aber wir schlafen mit der Gewissheit ein, dass die zwei Tage unvergessen bleiben werden.

 

 

PS: Ich hatte gehofft, dieses Thema nicht wieder anschneiden zu müssen, da wir in Tom Price relativ unbehelligt waren: Kein Paradies ist ohne Quälgeister. Auch in Karijini nicht. Im Gegenteil – so viele Fliegen hatten wir noch nie.
Aber! wir haben bessere Strategien. Tagsüber essen wir nur noch Sachen ohne Messer und Gabel. Fürs erste Mittag haben wir Wraps aus Tom Price mitgebracht. Abends kochen wir nach Einbruch der Dunkelheit (das-bitte-keine-Käfer-im-Dunkeln-Gebet hat geholfen) ohne Belästigung. Außerdem schmieren wir uns gleich Frühstücksbrote für den nächsten Morgen. Hehe.
Mein Netz kommt jetzt unter den Hut. Die Kordeln von Hut und Netz ziehe ich stramm unters Kinn. Da verirrt sich kein Mistvieh mehr drunter und kriecht hinter die Brille (Das ist Schlimmste. Und in den Ohren. Und in die Nase … und …) .

Aber, man gewöhnt sich an alles.


3

Pilbara = Roter Staub, lange Züge und viel Eisen

15.-19.04.24,  Australien/WA/Tom Price, Tag 137-141 Roadtrip,  12.421 km total, 186 Tages-km

Ich nehme es gleich vorweg: wofür Rio Tinto eine Prüfung zum Befahren ihrer Rail Road verlangt, verstehen wir nicht so recht. Die Straße dient als Service-Weg für Gleisarbeiten, weißt sonst jedoch keine Besonderheiten auf. Aber die Straße ist trotzdem spannend und eine Abkürzung von fünfzig Kilometer, wenn man von Karratha in den Karijini Nationalpark möchte.

Die Piste führt 150 Kilometer parallel zu einem Teilstück der Eisenbahntrasse, die ausschließlich zum Eisenerztransport genutzt wird.
Die Züge auf der Strecke können sich sehen lassen: Drei Loks und 236 Waggons bilden eine Länge von 2,4 Kilometern! Rio Tinto verfügt über ungefähr 75 Züge, die in durchschnittlich 28 Stunden ihre Runde Miene- Hafen- Miene schaffen. An uns zieht ein Zug nach dem anderen vorbei. Lokführer gibt es keine. Die Züge werden von Perth aus (Home Office vielleicht?  :mrgreen: ) gelenkt. Fein säuberlich sind die Waggons exakt mit 116 Tonnen Eisenerz beladen. Das ergibt die unglaubliche Menge von 332 Millionen Tonnen Erz jährlich. Die Pilbara wird buchstäblich häppchenweise auf Züge verladen und nach China verschifft. Eine eigene Stahlindustrie leistet sich Australien nicht.

Drei Lokomotiven ziehen 2,4 Kilometer Zug.

Endlose Waggon-Schlangen bringen Australiens Berge an die Küste

Säuberlich gefüllte Waggons

Drei Wasserwerfer fahren vor dem Grader vorweg. Ob das nur auf der Rio Tinto Straße zum Schutz der vielen Gleisarbeiter gegen den Staub gemacht wird, müssen wir noch heraus bekommen.

Der Grader zieht die Straßen glatt – im Grunde wie ein Schneepflug.

Die Entwässerung des Bahndammes nach heftigen Regenfällen. Alle paar Kilometer findet man solche Rohre. Zwei Meter und mehr im Durchmesser.

Wie nach dem Erz gebuddelt wird, wollen wir uns in Tom Price anschauen. Ihren Ortsnamen, der wie ein Video-Spiel klingt, verdankt die Kleinstadt einem amerikanischen Geologen, Thomas Price, der 1962 die Eisenerz Vorräte in der Region entdeckte. Diese gilt als das weltweit größte bekannte Vorkommen an Eisenerz.

Tom Price wurde für die Mienenarbeiter und ihre Familien gegründet. Wirkte die Goldminen-Stadt Roxby Downs wie aus dem Labor, so zeigt Tom Price ein anderes Gesicht. Die Pilbara ist staubig. Und die Pilbara ist rot. Alles ist mit dem farbechten Staub überzogen. Straßenschilder,  Leitplanken, Beton-Fußwege, Autos. Alles wirkt rostig-verstaubt. Versammelt. Puderfein dringt der Staub in jede Ritze und lässt sich nur schwer auswaschen und entfernen. Ein Staubsauger-Vertreter-Paradies.

Kommt ein Lkw entgegen, steht man lange im Nebel.

Der einzige Campingplatz im Ort hat ein dynamisches Preis-System. Achim fragt nach dem Preis pro Nacht. 44 Dollar. Beim Bezahlen von zwei Nächten wird die Kreditkarte mit 89 Dollar belastet. Warum? „ In der Zwischenzeit hat es wohl eine weitere Buchung online gegeben. Bei hoher Nachfrage steigen die Preise. Komm mal in vier Wochen, dann kostet hier die Nacht 100 Dollar“, freuen sich die Damen in der Rezeption. Als wir einen Tag später noch Nächte nachbuchen, ist der Preis auf 37 Dollar gefallen. ;-)
Dass wir in der Vorsaison sind, ist schön bei den Preisen und bei Ausflügen, aber schlecht für die Besichtigung der großen Tagbau-Mine von Tom Price. Buchbare Touren frühestens Ende April. Schade.

Ein Kipper aus der Mine – ein altes Model – die neuen fahren ebenfalls unbemannt und werden von Perth aus gesteuert.

Der Hausberg von Tom Price, Mount Nameless, wirbt mit einer echten 4×4 Strecke zum Gipfel. Von dort versprechen wir uns zumindest einen Ausblick auf das Minen-Loch. Die Dame in der Touri-Info empfiehlt ebenfalls den Weg. „Ist aber nichts für Anfänger“, warnt sie und macht eine Handbewegung, dass schon mal ein Reifen in der Luft hängen kann.
Die ersten fünf Kilometer sind harmlos. Viele Bodenwellen auf Schotter ohne großartige Steigungen. Dann steht ein Warnschild am Weg: ab hier keine Wohnwagen mehr ziehen! Hochmotiviert passiert Achim das Schild. Steil geht es weiter. Nach fünfzig Metern stopt Achim vor großen Auswaschungen. Direkt neben der Spur fehlt die halbe Straße. Rutscht der Reifen an dieser Stelle ab, gäbe es heftige Schräglage im Auto.
Rückwärts geht es bis zum Schild zurück. Wir wollen Auto und Unterkunft noch etwas länger behalten. Somit gehen wir die letzten drei Kilometer einfach zu Fuß.

Mount Nameless voraus. Noch ist die Straße gut

4×4 für Fortgeschrittene

selbst zu Fuß noch rutschig.

Viel rote Erde. Alles ist mit dem Staub überzogen.

Eine langweilige, aber vernünftige Entscheidung. Die weitere Strecke wird noch richtig steil, so dass stellenweise die Wanderschuhe durchdrehen.  Drei, vier Stellen an denen wir vorbei kommen, erscheinen uns unpassierbar. Wie zum Hohn steht auf dem Gipfel ein Arbeiter mit seinem Geländewagen, der etwas an den Antennen repariert. Profi!
Hoch ist es zu Fuß schweißtreibend anstrengend. Zurück geht es schneller, ist allerdings eine Rutschpartie auf rolligen Steinen. Die Mühe lohnt sich. Wir sehen zwar nicht das große Erz-Loch (das befindet sich auf der anderen Seite vom nächsten Berg), haben aber eine phantastische Aussicht zu allen Seiten.

Noch unberührte Hügel

Die Bahnnetz in der Pilbara umfasst 2200 Kilometer. Wo gebuddet wird, ist alles rot überzogen.

Der halbe Berg ist schon weg. 17 Eisenerzminen gibt es insgesamt in der Pilbara.

Der Campingplatz von Tom Price.

Steine wiegen das Doppelte von dem, was man beim Aufheben erwartet.


11