Archiv der Kategorie: Sonnensegler

Familienzuwachs

Erinnert sich hier noch jemand an die Zeit, als ich Filou auf einem Haufen Müll in einer Werft in Kilada, Griechenland gefunden habe?
Fast 4 Jahre ist das nun mittlerweile her, als aus dem einst ausgemergelten Straßenhund innerhalb ganz kurzer Zeit unser bester Freund geworden ist.
Der Anfang war damals nicht leicht für mich, da ich mitten im Winter allein dort unten in dem kleinen Fischerdorf an unserem Schiff geschraubt habe und eigentlich nicht einmal genügend Zeit dafür hatte. Und dann auch noch ein Streuner…
In der ersten Nacht an Bord bin ich Nachts aufgestanden, um nach dem Streuner zu schauen und am zweiten Tag wurde das Schiff zur Nebensache und der Straßenhund zum Hauptthema, während ich mit Sabrina telefoniert habe. Sabrina hatte dann von Deutschland aus den Kontakt zu Stefan hergestellt, der im Nachbarort in einer Werft als Mechaniker gearbeitet und sich in seiner Freizeit, zusammen mit seiner Frau Jutta, um die Straßentiere in der Gegend gekümmert hat.
Ich habe Stefan als jemanden kennengelernt, der lieber selber verzichtet, bevor es einem seiner Schützlinge schlecht geht.
Stefan hat mir damals gute Ratschläge gegeben und über den Verein der ihn unterstützt, ist seinerzeit der Kontakt zu Yanna zustande gekommen, zu der ich Filou dann für ein paar Wochen gebracht habe. Denn ich hätte ihn damals wegen diverser Bestimmungen nicht sofort mit nach Deutschland nehmen können.
Der Kontakt zu Stefan besteht bis heute und die Arbeit, die er in der Gegend um Porto Cheli leistet ist nicht weniger geworden, im Gegenteil. Mittlerweile hat er zusammen mit Unterstützern aus Deutschland eine richtige Auffangstation für Streuner aufgebaut. Kein überfülltes Endlager, sondern eine Arche, die ihren Namen wirklich verdient hat.
Wir verfolgen und unterstützen das ganze Projekt also nach wie vor und seit wir Filou haben, wurden hin und wieder auch Menschen aus unserer Umgebung auf die Streuner aus dem kleinen Dorf in Griechenland aufmerksam. Unter anderem auch meine Schwester.
Sie ist da im Laufe der Zeit sogar aktiver als ich geworden und hat hin und wieder dafür gesorgt, dass zumindest finanzielle Unterstützung erfolgt.
Irgendwann im Sommer war sie dann zusammen mit meinem Schwager und meiner Nichte bei uns zu Besuch und wir waren nach kurzer Zeit mal wieder beim Thema Hund. Eigentlich besuchen sie ja auch nicht uns. Sie besuchen Filou! Sabrina und ich sind halt auch da.
Meine Schwester meinte schließlich irgendwann zu mir, dass Stefan in Griechenland vor einer Weile eine Hündin gefunden hat, die jetzt in der Arche untergebracht ist. Es ergab sich dann etwa folgendes Gespräch:

Nico: „Was für eine Hündin?“
Nicole: „Eine dreifarbige, etwas kleiner als Filou.“
Nico: „Und wo hat Stefan sie gefunden?“
Nicole: „Auf der Straße, kurz vor Kilada.“
Nico; „Ohh … kay.“
Nicole: „Ja, und du weist ja, wir wollen schon seit langem… Was musstet ihr nochmal alles machen, bei Filou?“

Das es nach diesem Satz bereits um sie geschehen war, wusste ich sofort! Aber ich war auch ziemlich überrascht. Ich wusste zwar, dass meine Schwester und mein Schwager schon seit Jahren über einen Hund nachdenken und langsam aber sicher alles in die Richtung einstielen, aber als es plötzlich um eine Streunerin aus dem kleinen Griechischen Dorf auf der östlichen Peloponnes Halbinsel ging, war ich echt baff. Damit hätte ich nicht gerechnet.

Kilada in Griechenland.

Es folgten einige Wochen der Vorbereitung und Organisation. Vor allem Silke und Oliver, die Stefan seit Jahren intensiv unterstützen, haben sehr viel getan um Agapi ein endgültiges Zuhause zu ermöglichen. Danke euch beiden dafür!

Anfang Oktober waren Nicole und ich schließlich auf dem Weg nach Frankfurt. Auf der Rücksitzbank stand die Transportbox von Filou bereit. Die Box, die ich seinerzeit im Nachbarort von Kilada beim Tierarzt besorgt hatte.
In Frankfurt haben wir Agapi dann zum ersten Mal gesehen. Agapi, den Namen hat Stefan ihr gegeben, nachdem er sie gefunden hat und diesen Namen wird sie auch behalten!
Ich hatte dann die Ehre, die Strecke von Frankfurt nach Voerde zu fahren. Ganz sachte, ohne Ruckler, um Agapi die Heimfahrt so angenehm wie möglich zu machen.
Am späten Abend waren wir schließlich da. Agapi haben wir zuerst in den Garten gelassen. Meine Nichte stand dabei hinter der Glastüre, ganz ruhig, aber mit Freudentränen in den Augen. Dann das erste Futter, schnuppern lassen, ankommen lassen, alles gut!

Und wie ist sie so, die Streunerin aus Kilada?

Es gibt viele Parallelen zu Filou, auch wenn sie natürlich ein völlig anderer Hund ist. Aber sie hat die gleiche, erkundende, liebe Art an sich. Und sie ist ziemlich schlau. Sie durchblickt Zusammenhänge sehr schnell, genau wie Filou. Eine echte Streunerin eben.
Am meisten waren wir natürlich gespannt, was passiert, wenn sich zwei Streuner aus Kilada zum ersten Mal treffen.
Was soll ich sagen, sie sprechen die gleiche Sprache und ohne zu übertreiben: Liebe auf den ersten Blick!
Ich glaube, Filou hat Agapi auch ein klein wenig mit seiner Gelassenheit beim ankommen geholfen.
Wenn die beiden wüssten, dass sie eine ganze Weile in dem selben kleinen Dorf auf der Peloponnes in Griechenland ums überleben gekämpft haben…
Oder wissen sie es vielleicht?

Ohne Stefan, Jutta und all die Unterstützer des Vereins Fellnasen im Glück e. V. wäre das alles nicht möglich gewesen und Agapi heute noch eine Streunerin, oder (was wahrscheinlicher ist) nicht mehr am leben.

Ich weiß, dass Stefan der Abschied von Agapi nicht leicht gefallen ist, aber ich weiß auch, dass er pragmatisch denkt. Das Agapi nicht mehr in der Arche ist, bedeutet: Ein Platz frei für die nächste Streunerin!
Und eines ist sicher, es wird nicht lange dauern bis er den nächsten Hund findet, der kein zu Hause hat.

Vielleicht deinen!?

Link zu Stefans Facebook Seite: Strays of Porto Heli

Link zum Unterstützer-Verein in Deutschland: Fellnasen im Glück e.V.

Link zur Facebook Seite von Fellnasen im Glück e.V.: Fellnasen im Glück

Lesestoff

In Fahrt.

Das wir eines Tages selbst einmal mit einer Stahlketsch durch die Gegend segeln werden, hätten wir am Anfang unserer Segelzeit auch nicht gedacht.
Am Anfang, das war vor ungefähr 10 Jahren. Damals hatten wir gerade unser erstes Boot Shamu restauriert. Ein kleines Kielboot von 6,50m Länge, das nach gut einem Jahr Bastelei wieder ganz passabel aussah. Mit Shamu haben wir dann den Rhein und einige Gewässer in Holland unsicher gemacht. Das waren für uns Neusegler schon große Abenteuer.
Für die Abenteuer auf hoher See fehlte uns damals noch die Erfahrung und natürlich das richtige Boot. Also haben wir einen nicht geringen Teil unserer Freizeit damit verbracht, die Bücher der großen Segler vergangener Zeiten zu verschlingen und die Blogs und Youtube Kanäle der jüngeren Generationen abzugrasen.
Viele Blogs sind heute, nach all den Jahren, nicht mehr in den Favoriten übrig geblieben und von allen die wir seinerzeit entdeckt haben und bis heute verfolgen, gibt es nur noch wenige Pärchen, die weiterhin gemeinsam unterwegs sind und aus der Masse der Fahrtensegler herausstechen.
Claudia und Jürgen Kirchberger mit ihrer Segelyacht La Belle Epoque sind solche Menschen. Die beiden haben uns seinerzeit inspiriert wie sonst kaum jemand! Die Fahrten mit La Belle Epoque in die Arktis und ihre Reisen durch das Südpolarmeer bis zum antarktischen Kontinent das waren Abenteuer, die den Namen wirklich verdient haben. Unaufgeregt, nah an der Natur und ohne Schickimicki!

Vor ein paar Tagen hatten wir unerwartet Post. Diesmal nicht vom Zoll, sondern eine E-Mail von Claudia, mit dem Vorschlag, einen Artikel auf ihrer Website über uns zu veröffentlichen.
Deshalb quatsche ich jetzt auch nicht länger hier weiter, sondern verlinke euch den Artikel „Raus aufs Meer“ auf der Website von Claudia und Jürgen, die uns bis heute immer wieder mit ihren außergewöhnlichen Segelreisen begeistern.

Der Wechselrichter – Teil 3

Post vom Zoll.

(Dritter und letzter Teil der Serie.)

Vor wenigen Tagen hatte ich mal wieder einen dicken Brief vom Zoll im Postkasten. Man hat mir darin mitgeteilt, dass der Wechselrichter bei der Bundesnetzagentur zur Begutachtung war und auch das Gutachten in vollem Umfang beigelegt.
Die Bundesnetzagentur hat das Gerät also auf Herz und Nieren geprüft und hatte technisch NICHTS zu bemängeln!
Wer hätte das gedacht!?
Trotzdem kam der Sachverständige natürlich nicht drumherum festzustellen, dass die Bedienungsanleitung in dem Karton nur auf Englisch formuliert ist.

Um es kurz zu machen: Der Zoll hat mir hochoffiziell mitgeteilt, was ich und ihr bereits wussten, nämlich dass der Wechselrichter nicht einfuhrfähig ist.
Da es allerdings technisch nichts zu beanstanden gab, durften sie das Gerät nun nicht einfach vernichten, sondern haben es zur Abholung durch den Verwahrer (ihr erinnert euch?) bereitgestellt.
Ich musste mich jetzt also darum kümmern, dass der Wechselrichter wieder zurück zum Händler nach China transportiert wird.

Rechnungen habe ich bisher noch keine bekommen, aber ich gehe davon aus, dass wird sich noch ändern.
Widerspruch gegen den Bescheid des Zolls einzulegen würde keinen Sinn ergeben, die Kosten und der Aufwand stehen einfach in keinem Verhältnis zum Nutzen.
In diesem Sinne erkläre ich den Zoll nun zum Gewinner dieser wahnwitzigen Auseinandersetzung um einen technisch einwandfreien Spannungswandler und ziehe meine Konsequenzen daraus.

Für Sabrina und mich war die Erfahrung mit dem Zoll das letzte bisschen staatlich organisierter Arschtritt, den wir noch brauchten, um das Schiff möglichst schnell seeklar zu machen.
Von daher muss ich dem Zoll eigentlich dankbar sein für seine Vorladung, für seine Arroganz und die hochwirksamen Methoden.
Er hat mich wachgerüttelt, in einer Phase in der ich kurz davor war mich hier wohlzufühlen.

Der Wechselrichter – Teil 2

Gestern morgen war es endlich soweit. Dieser Beitrag ist also ziemlich aktuell. Ich will das schnell loswerden, bevor all die schlechten Gedanken und Erlebnisse vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis dümpeln und dabei an Kontrast und Schärfe verlieren.
Also los! Auf nach Frankfurt am Main, auf zum Flughafen, wo ich nach knapp 300 Kilometern mit dem Auto vor Tor 26 halte und nicht so recht weiß, wie ich nun in den Sicherheitsbereich des Cargo Centers kommen soll.
Tor 26 ist eine von mehreren Lücken in der gut 10 Meter hohen massiven Betonmauer, welche den Rest der Welt vor Lärm und das Flughafengelände vor dem Rest der Welt schützen soll.
Jedenfalls halte ich kurz, denke nach und treffe dann die Entscheidung, einfach mal vor eine der Sicherheitsschranken zu fahren und zu warten, was passiert, wenn man nicht, wie vorher auf Schildern ausgewiesen, bestimmte Befugnisse hat.
Ich warte also vor der Schranke und nach ziemlich genau einem Wimpernschlag öffnet sie sich, wie von Geisterhand.
Ich fahre sofort los und bin drin!
„Das ging ja einfach.“, denke ich mir und sehe die hohe Betonmauer im Rückspiegel immer kleiner werden. Ich frage mich auch nur einen ganz kurzen Moment, wofür dieser ganze Sicherheitsapparat jetzt eigentlich da ist und widme mich dann schnell der Zielnavigation.

Nach ein paar Hundert Metern hatte ich das Gebäude 453 dann auch gefunden. Die Parkplatzsuche gestaltete sich jedoch etwas kniffliger, zumindest, wenn man wie ich, eigentlich nicht viel von vorsätzlichem Falschparken hält.
Denn egal wohin ich auch schaue, alle Parkplätze die frei waren, waren für irgendwen reserviert. Entweder direkt mit Kennzeichen, oder gleich ganze Reihen für diverse Fluggesellschaften. Nach langem hin und her, habe ich mich schließlich für Air Canada entschieden und Sabrinas Renault Modus auf einem der freien Parkplätze abgestellt.
Air Canada fand ich schon immer super und ich habe mir einfach eingeredet, dass das für die schon Ok sein wird. Noch dazu ist ja gerade ohnehin nicht viel los wegen Covid-19.

Und da sind wir auch schon beim nächsten Thema dieses Artikels angekommen, dem Coronavirus. Dieses Virus verhält sich beim Zoll in Frankfurt am Flughafen möglicherweise ganz anders als im Rest der Welt. Eine allgemeine Maskenpflicht scheint es deshalb für Mitarbeiter des Zolls, innerhalb des Gebäudes, nicht zu geben. Zwar hängen hier und da Schilder, die darauf hinweisen, dass man mindestens eine Alltagsmaske zu tragen hat, aber offenbar macht der Staat bei dieser Anordnung bzw. Ausführung einen gewaltigen Unterschied zwischen Bürgern und Beamten. Als ob es sich um zwei verschiedene Arten der Gattung Mensch handeln würde. Oder ist es vielleicht sogar so und ich habe in der Schule nur nicht aufgepasst?
Jedenfalls komme ich mit mehreren Beamten innerhalb des Gebäudes in direkten Kontakt, die weder Maske tragen, noch Abstandsregeln zu kennen scheinen. Da fragt man sich schon, welchen Grund das wohl haben mag? Aber ich vermute, die Lösung ist ganz einfach:
Es wird die Extraportion Testosteron sein, die manche Zollbeamte zum Frühstück mehr hatten als der Durchschnittsbürger. Dieses Testosteron umgibt den Beamten dann während der Schicht vermutlich wie eine Art Wolke oder Energieschild und lässt jegliches Virus abprallen. Das bisschen was doch noch durchkommt, wird wohl von der Sicherheitsweste aufgehalten. Wer „Bulletproof“ ist, an dem prallen auch Viren ab. Ganz bestimmt.
Nur, wie das dann bei Zollbeamtinnen ohne Testosteron funktionieren soll, dazu fällt mir spontan keine Theorie ein.

Irgendwann hatte ich mich dann durchgefragt, und wurde von einem Vollzugsbeamten durch das Gebäude geführt, um meiner Vorladung zur Zollbeschau des Wechselrichters nachkommen zu können.
Angekommen in den Katakomben der sogenannten Beschauhalle (irgendwie erinnerte mich die Stimmung dort unten eher an eine Leichenhalle), stellte mich der Zollbeamte dem dort wartenden Mitarbeiter jenes Unternehmens vor, welches meine Sendung vor Wochen am Flughafen abgefangen hat, in der Hoffnung, etwas Geld mit einem gewissen Service verdienen zu können.
Plötzlich waren wir allein! Nur er und ich.
Der Mann war wahrscheinlich froh, dass er einen Job hatte und er tat mir ehrlich gesagt etwas Leid. Im Prinzip war er ja auch nur Fahrer und natürlich Bevollmächtigter Vorführer bei manchen Sendungen. Wir haben uns gut verstanden.
Wie solche Vorführungen zwischen Zoll und Bevollmächtigtem ablaufen, konnte ich leider nicht beobachten, dafür war ich nicht lange genug in der Leichenhalle. Wenn man aber bedenkt, dass ein einzelner Mitarbeiter des Verwahrers einen ganzen Sprinter voll mit mehreren Hundert Sendungen in einer Zeitspanne zwischen 9:30 Uhr und 11:30 Uhr abwickelt…
Denkt euch den Rest selber.
Wahrscheinlich geht aber alles mit Rechten Dingen zu und Korruption oder auch nur halbherzig durchgeführte Zollbeschauen gibt es bestimmt keine. Niemals!
Korruption ist sowieso so ein böses Wort. Gerade in einem Rechtsstaat wie dem Unseren. Es kann schließlich nicht sein, was nicht sein darf.
Wenn überhaupt gibt es bei uns allerhöchstens Klüngel. So sagt man in Kölle dazu. Frei nach dem Motto: „Et hätt noch emmer joot jejange!“

Und so habe ich dort eine Weile rumgeklüngelt, im Kopf zum Spaß einfach mal 200 x 29€ Servicegrundgebühr des Verwahrerers ausgerechnet und bin auf einen Stundenlohn von 2.900€ gekommen. Ohne die ganzen Zusatzgebühren, wie Zollbeschauservice, Lagerkostenservice, etc.. Bei so einem miesen Stundenlohn würde natürlich niemand auch nur auf die Idee kommen…
Plötzlich war Sie da! Die Zollbeamtin, die für meine Beschau zuständig war. Mit Maske!
Also doch das Testosteron?
Egal, jetzt war er endlich gekommen, der große Moment und ich war schon ein wenig aufgeregt. Sie übrigens auch, das hat man sofort gespürt. Wir lernten uns schließlich gerade erst kennen. Kommt wohl auch nicht so oft vor, dass man Menschen vom Niederrhein in Frankfurt vorlädt, um Ihnen dann ein scharfes Teppichmesser zu reichen.
Ich habe es sachte entgegen genommen. Ganz sachte! Wir wollen ja keine Vollzugsbeamte nervös machen.
Dann hat sie die Worte gesprochen, für die ich so weit gefahren bin: „Sie öffnen das Paket jetzt und führen die Sendung anschließend vor.“
Was dann ablief, war nicht spektakulärer, wie wenn ich zu Hause ein Paket öffne. Die Vorführung ruck zuck erledigt und dann der Hinweis der Beamtin an mich: „Es sieht so aus, als wenn das Gerät den Einfuhrregeln nicht entspricht.“

Damit hatte ich ja bereits gerechnet. Man kann so eine Aktion schließlich nicht anleiern und dann nicht durchziehen. Wie hätte der Zoll denn dagestanden, wenn er mich das Gerät einfach hätte verzollen und versteuern lassen.
Dann hätte ich wahrscheinlich auch gefragt: „Und dafür musste ich jetzt herkommen!?“
Wer sich einmal so weit aus dem Fenster lehnt, wie es der Zoll mit dieser Aktion getan hat, der MUSS DAS DURCHZIEHEN!

Also ging es mit dem ganzen Krempel eine Etage höher, wo mir ein vorbildlich hinter einer ca. 0,35m² kleinen Scheibe stehender Zollbeamter erklärte, dass man das Gerät beschlagnahmen müsse, da es nicht einfuhrfähig ist.
Das CE-Kennzeichen war zwar ordnungsgemäß angebracht, aber es war leider „nur“ eine englische Bedienungsanleitung dabei. Und wir sind schließlich in Deutschland! (Das hat er so natürlich nicht gesagt.)
Achso, die Hersteller- und Modellbezeichnung war zwar auch Ok, aber es fehlte folgende Angabe direkt auf dem Gerät: Die Adresse des Herstellers.
Und zwar hätte die eingeprägt oder gelasert sein müssen, um den Einfuhrregeln zu entsprechen.

Also wurde ich freundlich über die Beschlagnahme aufgeklärt und wieder nach Hause geschickt.

Nochmal zur Erinnerung: Wir reden nicht darüber, dass ich versucht habe, eine AK-47 aus Pakistan zu importieren und am Zoll vorbei zu schleusen, sondern um einen vernünftigen Spannungswandler (wie ich ihn auch in Deutschland bekomme), welchen ich ordentlich über das sogenannte ATLAS Verfahren angemeldet habe.
Nur hatte er eben keine Bedienungsanleitung auf Deutsch dabei und der Hersteller hat seine volle Adresse nicht aufs Gerät geschrieben.

Laut des beschlagnehmenden Beamten muss ich jetzt so 8 bis 10 Tage warten. In der Zeit wird der Wechselrichter zur Bundesnetzagentur transportiert und ein Sachverständiger nimmt das Gerät dort schließlich genauer unter die Lupe. Was man genau begutachten wird und wer die Kosten dafür zu tragen hat, wurde mir nicht mitgeteilt. Ich könnte mir eine EMV Prüfung vorstellen. Zumindest ist das einer der Fachbereiche der Bundesnetzagentur, die übrigens meine (kein Scherz) allerliebste Behörde in Deutschland überhaupt ist.
Ich kenne keine andere Behörde, bei der man so unbürokratisch Vorgänge erledigen kann, wie bei dieser. Sabrina und ich haben dort zum Beispiel öfters unsere Seefunkgeräte angemeldet oder Änderungen vorgenommen und erst im letzten Jahr habe ich bei der Bundesnetzagentur in Dortmund meine Prüfung zum Funkamateur abgelegt. Bei Kaffee und Plätzchen und mit Beamten die echt gute Laune hatten.
Aber zurück zum Thema. Der Spannungswandler wird nun wegtransportiert und ich muss warten.

Jetzt könnte man natürlich einwenden: „Aber warum vernichten sie es denn nicht einfach, dieses böse, böse Spannungsdingsda, wenn es doch ohnehin nicht einfuhrfähig ist, ohne deutschsprachige Bedienungsanleitung?“
Naja, es könnte ja sein, dass es gegen weitere Einfuhrauflagen noch unbekannter Art verstößt und vielleicht findet man ja sogar eine, die dazu führt Anklage gegen mich erheben zu können. Wie gesagt, wenn der Zoll einmal anfängt, ist er nicht mehr zu stoppen. Bis einer heult.
„Und was passiert, wenn das Spanungsdingsda die EMV Prüfung bei der Bundesnetzagentur mit Bravur besteht, weil das Gerät nämlich richtig gut ist?“
Dann wird es trotzdem vernichtet!

Der Staat bestimmt halt, was er für geeignet hält und wie es auszusehen hat, damit ich es besitzen darf. Und wenn der Staat bestimmt, dass ich den Spannungswandler nicht haben darf, wenn er nur eine Englische Bedienungsanleitung enthält, dann ist das so. Ob ich der Englischen Sprache kundig bin oder nicht! Wir sind schließlich in Deutschland! Und England gehört bald noch nicht einmal mehr zur EU! Basta!

Nach insgesamt knapp 600 Kilometern Roadtrip durch dieses wunderschöne Land und einer spannenden Zollbeschau, war ich am späten Nachmittag schließlich wieder zu Hause und letztendlich froh, nicht verhaftet worden zu sein.

Ich lade jetzt noch schnell ein paar Akkus ohne CE Kennzeichen (welche ich im örtlichen Baumarkt gekauft habe) mit einem Deutschen Ladegerät (auch aus dem Baumarkt), bei dem die Adresse des Herstellers nicht auf dem Gerät angegeben ist.
Anschließend schneide ich noch etwas Brennholz mit meiner elektrischen Kettensäge aus Baden-Württemberg, die durch die aufgedruckte Adresse des Herstellers nun so sicher geworden ist, das ich mir absolut keine Sorgen mehr um schwerwiegende Beinverletzungen machen muss, wenn ich mal abrutsche.
Ich weiß natürlich, das die beispielhaft genannte Kettensäge in Wirklichkeit nicht aus Baden-Württemberg kommt, sondern aus einem Werk, welches der bekannte Deutsche Hersteller mit dem Orangefarbenen Logo in Shenzhen (China) unter ganz miesen Arbeitsbedingungen betreibt und hin und wieder auch Streiks von der lokalen Polizeibehörde mit Knüppeln niederschlagen lässt.
Aber so ist das eben in einem Rechtsstaat.
Deutsche Unternehmen leisten Lobbyarbeit (Politikberatung, um beim Deutschen zu bleiben) und sorgen mit ihrem Einfluss dafür, das die Einfuhrbestimmungen für Produkte ausländischer Hersteller in immer unsinnigere Dimensionen geschraubt werden. Sie selbst produzieren im Ausland oft unter weit mieseren Arbeitsbedingungen als es die ortsansässigen Hersteller im jeweiligen Land tun. Anschließend wird der Krempel unter ganz anderen Bedingungen importiert, als der einzelne Bürger das muss.
Der Zoll und diverse andere Behörden sind zwar nur Handlanger in der langen Kette dieser ekelhaften Machenschaften, aber damit machen sich diese Behörden nicht weniger schuldig.

„Ich hab nur die Aufklärung gemacht.“
„Ich hab nur die Vorladung geschrieben.“
„Ich hab nur beschlagnahmt.“
„Ich bin nur der Sachverständige.“
„Ich bring das nur zur Staatsanwaltschaft.“
„Ich hab nur die Anklage entworfen.“
„Ich hab nur die Unterschrift geleistet.“
„Ich hab nur das Urteil verkündet.“

So funktioniert unser System wie geschmiert und keiner hat ein schlechtes Gewissen.


Eigentlich war der Artikel an dieser Stelle fertig, aber soeben hat sich etwas Neues ergeben:

Ich habe gerade, nach intensivem Lesen aller bisherigen Schreiben, sowie dem sehr Kleingedruckten, Hinweise darauf gefunden, dass die Vorladung des Zolls möglicherweise unzulässig, bzw. rechtswidrig gewesen sein könnte.
Denn eine Begründung für die Aufforderung, das Gerät beim Zoll vorzuführen, fehlte in dem kurzen Schreiben welches mir zugestellt wurde. Auch vor Ort wurde mir gegenüber nicht begründet, warum ich in Frankfurt antanzen musste.
Jetzt steht aber im Anhang des Schreibens folgendes zum Thema „Zollbeschau“ geschrieben:

Auszug aus: Verordnung (EU) Nr. 952/2013 des Rates vom 09. Oktober 2013 zur Festlegung des Zollkodex der Union

Artikel 189
(2) … In begründeten Fällen können die Zollbehörden vom Anmelder verlangen, dass er bei der Prüfung oder Entnahme von Mustern oder Proben anwesend ist oder sich vertreten lässt…

In begründeten Fällen also? Klingt interessant! Klingt so, als hätte man möglicherweise gar keine Befugnis gehabt, mich nach Frankfurt vorzuladen.
Zumindest wäre das eine plausible Erklärung für die überaus nervöse Grundstimmung bei mehreren Beamten, mit denen ich in den letzten Tagen zu tun hatte und über die ich mich immer wieder gewundert habe.
In den weiteren Artikeln der entsprechenden Verordnung finde ich auch nirgends einen Hinweis darauf, dass der Zoll das Recht hat, Waren vom Empfänger nach seinem belieben vorführen zu lassen und Handlungen von ihm zu verlangen. Wenn überhaupt, dann geht es um Anwesenheitspflicht bei der Zollbeschau und ich könnte mir gut vorstellen, dass sich solche begründeten Fälle eher auf Waffen, Drogen oder vergleichbare Dinge beschränken.
Ich könnte mir demnach zumindest auch vorstellen, dass die ganze Aktion rechtswidrig gewesen sein könnte, vielleicht sogar mehr. Aber ich bin schließlich kein Fachmann und Nötigung ist ja auch so ein böses Wort…

Ich denke, ich werde da in der nächsten Woche mal professionelle Unterstzützung in Anspruch nehmen. Kann jemand einen Profi zwischen Düsseldorf und Emmerich empfehlen? Oder liest hier vielleicht sogar ein Rechtsanwalt mit, der sich vorstellen könnte, gegen den Zoll in den Kampf zu ziehen? Dann schreibt uns bitte einfach eine kurze Nachricht über die Seite: Kontakt

Zoll 1:0 Sonnensegler

Bis einer heult…

Der Wechselrichter – Teil 1

Achtung: Dieser Artikel stellt eine Ausnahme dar, denn eigentlich hat das Thema dieses Artikels wenig mit Segeln, Pilgern oder der Restauration unseres Oldtimers zu tun. Aber er hat etwas mit uns zu tun und vielleicht auch mit dem ein oder anderen Leser, der selbst so etwas ähnliches schon erleben musste.

Hatte ich schon erwähnt, dass es in der Garage, in der unser kleiner Oldtimer steht, keinen Stromanschluss gibt?
Ist aber kein Problem, denn ich habe schließlich vor einer Weile für den Malstrøm (unser Elektroaußenborder) einen großen LiFePO4 Akku mit 26Volt und 42Ah Kapazität konstruiert, der ohne Probleme auch ein Schweißgerät befeuern könnte. Man braucht nur einen guten 24V/230V Wechselrichter.

Nach kurzer Suche bin ich auf ein Gerät mit echter Sinuswelle, hohem Spitzenstrom und ein paar nützlichen Zusatzfunktionen gestoßen. Bei einem deutschen Händler war genau dieses Modell nicht mehr verfügbar, also habe ich es kurzerhand bei einem erstklassigen Händler im Land der aufgehenden Sonne geordert. Das ganze gleich noch per Luftfracht und Expressversand, damit ich bald auch mal in der Garage stromern kann. Am 28. August des Jahres 2020 war das.
Vier Wochen später (das Paket hätte spätestens nach 14 Tagen da sein sollen) hat sich dann herausgestellt, dass der Versanddienstleister das ganze verbaselt hat und das Paket endgültig verschollen war.
Der Händler war mehr als zuvorkommend, obwohl völlig unschuldig, und hat die volle Rückerstattung des Kaufbetrags oder einen erneuten Versand des Wechselrichters angeboten. Ich habe dem erneuten Versand zugestimmt und kurz darauf vom Händler die Info bekommen, dass er mir als „kleine Entschädigung“ ein Gerät mit „more power my friend!“ geschickt hat.
Alles gut, sollte man meinen und zunächst lief es auch wirklich gut. Der Inverter war ruck zuck durch den Ausfuhrzoll und kurze Zeit später an Bord der Frachtmaschine. Gerade einmal 4 Tage hat es gedauert, bis das Gerät vom Händler zum Flughafen Frankfurt am Main transportiert wurde.

Ab da fing der Spaß dann an. Anders kann man den Wahnsinn welcher folgte nicht betrachten.

Am 28. September gab die Sendungsverfolgung folgende Meldung aus:
„FLU, Ausnahme – Wir waren nicht in der Lage, Zoll zu löschen“
Kurze Zeit später:
„ FLU, Wir werden/haben Sie per Post, E-Mail oder Fax kontaktiert. Wir brauchen Papiere für den Zoll!“

Am 1. Oktober hatte ich dann Post von einer GmbH im Briefkasten, deren Name ich hier nicht nennen werde. Sinngemäß wurde mir von diesem „Verwahrer“ mitgeteilt, dass man meine Sendung quasi abgefangen hat und ich nun zwei Möglichkeiten hätte:
1. Viel Geld bezahlen, damit sie für mich den ganzen Kram mit dem Zoll erledigen.
2. Alles selber machen!

Ich habe mich am nächsten Tag, nach langer Recherche am Vorabend, für 2. entschieden. Nicht, weil ich besonders viel Lust darauf hatte, mich mit dem Zoll auseinanderzusetzen, sondern in erster Linie, weil gegen den Verwahrer meiner Sendung diverse Klagen laufen, bzw. gelaufen sind und der Leumund ungefähr dem einer bekannten Einzugszentrale für bestimmte Gebühren entspricht. Das Vorgehen dieser Firma scheint zwar nach derzeitigem Stand rechtens zu sein, eine Sauerei ist das gewerbsmäßige Abfangen und Abkassieren trotzdem.

Also habe ich der Firma mitgeteilt, dass ich die sogenannte Internetzollanmeldung selbst vornehmen werde und sie sich um nichts kümmern brauchen.
Internetzollanmeldung hört sich ja irgendwie total easy und digital an, ist es aber nicht! Ich habe es zwar nach etwa 2 Stunden geschafft, alle Formulare (hoffentlich) richtig auszufüllen und das ganze Gerödel abzusenden, trotzdem musste ich im Anschluss noch alles (in doppelter Ausführung) ausdrucken, unterschreiben und per Briefpost an das Hauptzollamt in Frankfurt schicken.

Schlappe 8 Tage später hatte ich dann wieder Post im Briefkasten. Diesmal ganz offiziell vom ZOLL!

Meine Anmeldung haben sie erhalten. Verzollen und Versteuern darf ich den Wechselrichter allerdings noch nicht. Und nach Hause geliefert bekomme ich ihn auch nicht.
Das Hauptzollamt Frankfurt am Main hat mit dem Schreiben eine sogenannte Zollbeschau angeordnet! Was das bedeutet, ist eigentlich ganz einfach.
Man fordert mich auf, innerhalb der nächsten 8 Tage persönlich beim Hauptzollamt Frankfurt am Main zu erscheinen (Scheiß auf Covid-19) und dort vor den Augen der Vollzugsbeamten das Paket zu öffnen und die darin befindliche Ware vorzuführen!

Was wie ein Scherz klingen könnte, bzw. nach DDR Marotte müffelt, ist bitterer Ernst! Eine Einladung ist das auch nicht, sondern eine staatlich angeordnete Vorladung eines Zollhauptsekretärs oder einer Zollhauptsekretärin!
Im Anhang des Schreibens wird man auch gleich auf die möglichen negativen Rechtsfolgen hingewiesen, wenn man der Vorladung nicht nachkommen sollte.
Es wird zwar in einem Nebensatz auch erwähnt, dass man den Inhalt des Pakets auch durch einen Bevollmächtigten vorführen lassen kann, aber das ist für mich irrelevant. Ich habe weder Freunde noch Familie in Frankfurt, noch würde ich so einen Akt überhaupt jemandem, den ich gut kenne, zumuten wollen, noch habe ich auf die schnelle einen seriösen Anbieter gefunden, der sich auf so etwas spezialisiert hat.

Also habe ich heute morgen mit dem Zoll telefoniert und war überrascht, wie überrascht man dort war, dass ich der angeordneten Zollbeschau nachkommen werde.
Das hat mich irritiert, muss ich zugeben.
Anschließend habe ich mit dem Verwahrer des Pakets telefoniert. Auch dort war man außerordentlich überrascht, dass ich der angeordneten Zollbeschau nachkommen werde, was mich ebenfalls wieder außerordentlich überrascht hat.
Gibt es da etwas, was ich nicht weiß? Sollte mich meine Nase beim Öffnen des Zollbriefs etwa doch nicht getäuscht haben? Ich dachte zunächst für einen ganz kurzen Moment, ich hätte da einen Hauch von Korruption gerochen, diesen Eindruck aber ganz schnell wieder verworfen.

Wir leben schließlich in einer Republik!

Am Donnerstag ist es jedenfalls soweit, dann habe ich um 11 Uhr einen Termin bzw. muss meiner Vorladung beim „HZA Frankfurt am Main, Zollamt Fracht, Abfertigungsstelle LCC, Tor 26, Gebäude 453“ nachkommen und fahre mal eben 520 Kilometer durchs Land, um einen Wechselrichter für ein paar Euro Fuffzich verzollen zu dürfen! Sabrina wird versuchen, einen halben Tag Urlaub zu nehmen, damit wir das alles organisatorisch mit Filou auf die Reihe bekommen.
Ob ich den Wechselrichter dann überhaupt bekomme? Damit rechne ich noch nicht. Im Prinzip ist das Gerät ohnehin bereits zur Nebensache geworden.

Jetzt noch kurz ein paar Hintergrundinfos. Den Wechselrichter habe ich ganz bewusst direkt in China bestellt. Hier in D hätte ich natürlich auch einen kaufen können, aber für den Preis wären das dann Geräte gewesen, bei denen ich mich frage, wie die es im großen Stil überhaupt durch den Zoll geschafft haben, ohne beschlagnahmt zu werden.
Ich selbst kaufe seit mehr als 15 Jahren regelmäßig direkt Waren in aller Welt ein, häufig in China. Zum einen aus rein wirtschaftlichen Gründen, zum anderen, weil gerade im Elektronikbereich (Entwicklung) oft die gesuchten Teile nicht in Deutschland verfügbar sind, zum anderen, weil ich einfach auf Sachen aus aller Welt stehe! Mein Ukulele kommt zum Beispiel direkt von einer Manufaktur aus Hawaii, den Bootsofen unserer Segelyacht haben wir aus Kanada importiert, weil es soetwas hier einfach nicht gibt.
Aktuelles Beispiel: Die Drehzahlsteller für die Elektroantriebe an Bord der Morgenstern. Die bekomme ich in der Ausführung wie ich sie haben möchte nur in China.
In diesen gut 15 Jahren bin ich jedenfalls unzählige Male (vor allem in der Anfangszeit) die kurze Strecke zum Zoll nach Bocholt (ein Nachbarort von Wesel) gefahren, um meine Waren direkt dort abzuholen. Das lief immer alles problemlos.
Heute läuft die Verzollung und die Abgabe der Einfuhrsteuer meistens direkt über den Logistiker. Ich bezahle also im voraus oder auf Rechnung und muss mich sonst um nicht viel kümmern.

Der Zoll hat dabei jederzeit das Recht, ein Paket zu öffnen, eine Beschau durchzuführen und Ware, die bestimmte Anforderungen nicht erfüllt, zu beschlagnahmen oder zu vernichten!
Das tut er auch regelmäßig. Also das Öffnen und Herumwühlen! Beschlagnahmt oder vernichtet hat der Zoll bei mir noch nie etwas, ich bestelle schließlich auch keinen Müll.
Zerstört oder beschädigt hat der Zoll bei mir allerdings bereits mehr als einmal etwas und erst in der letzten Woche kam hier ein spezieller elektronischer Schütz an, dessen Verpackung vom Hauptzollamt Frankfurt am Main aufgerissen und so liederlich wieder verschlossen wurde, dass die Halterung nach dem weiteren Transport massiv beschädigt wurde. Bisher habe ich solche Aktionen immer zähneknirschend hingenommen.

Zoll Kunstwerk! Viel Klebeband nützt nichts, wenn vorher mit einem Messer durch alle Lagen der Polsterung geschnitten wurde!

Zum Öffnen und Überprüfen der Pakete braucht der Zoll den Empfänger übrigens nicht und er braucht mich auch nicht zu fragen! Dass der Zoll darüber hinaus aber das Recht hat, den Empfänger einer Sendung zum Hauptzollamt seiner Wahl zu beordern, das war mir neu, aber es ist tatsächlich so. Steht eindeutig im entsprechenden Gesetz und ich muss zugeben, das schockiert mich.
Für so eine Vorladung braucht es auch offensichtlich keine Begründung! Zumindest wurde mir kein Grund mitgeteilt.

Es spielt dabei anscheinend auch keine Rolle, um welche Ware es sich handelt. Solange es sich um ein Paket aus einem Nicht-EU-Land handelt, hat der Zoll das Recht, jederzeit eine solche Zollbeschau anzuordnen und den Empfänger zu behandeln wie einen Sträfling, ihn durch die Republik zu jagen und auf eine Vorführung des Inhalts zu bestehen.

Meine Eltern haben mir mal erzählt, wie sie in der DDR zu den Verbrechern von der Stasi mussten, weil sie ein Paket aus dem Westen bekommen haben. Sie mussten das Paket vor den Augen der Vollzugsbeamten öffnen und alles vorführen. Alles wurde durchwühlt und es wurden Akten angelegt…

Zum Glück gibt es so etwas heute nicht mehr!

Wie es sich schraubt

Der Getriebeflansch wird vermessen.

Seit ein paar Tagen hat unser Trabant keinen Motor mehr. Auch die Auspuffanlage fehlt, genauso wie die Kupplung, die Zündanlage, die Lichtmaschine, der Anlasser…
Alles ausgebaut und zum größten Teil bereits an andere Trabifreunde weitergegeben. Der nagelneue Original Reifen, den ich übrig hatte, ziert nun einen Trabant in Neuzustand mit exakt 14km Laufleistung auf dem Tacho. Der Motor unseres Trabant ist zum Spenderherz eines Oldtimers geworden, dessen Aggregat plötzlich das Zeitliche gesegnet hat und der Tank, den ich bereits restauriert hatte, wird gerade von der Post an den Ort geliefert, an dem er in den 80er Jahren in unseren Trabi eingebaut wurde, nach Zwickau. Ein Westpaket, sozusagen.
So haben die Bauteile, die ich in Zukunft nicht mehr benötige, noch einen sinnvollen Nutzen und der Kreis ist geschlossen.

Und wie schraubt es sich nun am Trabant?

Ganz anders, als ich das von jedem anderen Fahrzeug kenne. Der Trabant ist zwar nicht fundamental anders aufgebaut, als andere Autos, aber im Gegensatz zu Fahrzeugen, die dem kapitalistischen Markt entsprungen sind, wurde der Trabant in einer Gesellschaft entwickelt, in der es wenig kommerzielles Interesse an Wartungsaufträgen gab. Ziel der Ingenieure war es, dass jeder DDR Bürger in der Lage sein sollte, seinen Trabant selbst zu reparieren. Und genau dahingehend wurde er konstruiert.
Er ist in weiten Teilen unglaublich einfach zu reparieren. Viele Bauteile sind direkt zu erreichen, ohne dass Nebenaggregate oder andere Teile vorab entfernt werden müssen. Das kenne ich aus meiner Werkstattzeit praktisch überhaupt nicht. Ich kann mich noch gut an die Flüche erinnern, wenn du dir irgendwo fast die Finger gebrochen hast, weil alles verbastelt und sinnlos zusammengefriemelt war. Im übrigen bei praktisch jedem Hersteller!
Nicht so beim Trabant. Alles irgendwie einfach und gut durchdacht. Bis auf wenige Ausnahmen kein Spezialwerkzeug notwendig, das meiste mit einem 10er oder 13er Ringschlüssel zu demontieren.
So richtig bewusst wurde mir das erst vor kurzem, als jemand bei Instagram auf ein Foto einer Inbusschraube sinngemäß schrieb, dass diese Schraube seinerzeit unbeliebt war, weil sie im Trabant wegen des nötigen Inbusschlüssels eine Ausnahme bildet.

Es macht mir jedenfalls ziemlich viel Spaß, an dem kleinen Oldie zu schrauben. Mittlerweile habe ich auch den Getriebeflansch des Originalmotors vermessen und per CAD Software digitalisiert. Das ist notwendig, um einen neuen Flansch für den Elektromotor herzustellen.
In den nächsten Tagen werde ich den NC-Code für die Fräse schreiben und anschließend ein Probestück aus MDF fräsen. Danach werden sicherlich noch minimale Korrekturen und ein weiteres Probestück nötig sein. Wenn dann alles passt, wird meine CNC Fräse das Bauteil aus Aluminium liefern müssen.
Die Verbindung vom E-Motor zum Getriebe wird über die originale Keilwelle realisiert, allerdings ohne Kupplung, denn die wird beim E-Antrieb nicht mehr benötigt.
Diese Keilwelle hat mich Anfangs etwas Nerven gekostet, denn die Norm, nach der sie gefertigt ist, gibt es heute nicht mehr. Die modernen Profile der Flanken sind heute viel steiler als früher. Also blieb mir nichts anderes übrig, als die originale Kupplungsscheibe zu zerlegen und daraus das Gegenstück zur Trabant-Keilwelle zu gewinnen. Das Bauteil an den Elektromotor anzuflanschen ist zwar etwas aufwändiger, als wenn ich ein Normteil zur Verfügung hätte, aber es ist immerhin möglich.

Ansonsten schlage ich mich nach der ersten Euphorie derzeit mit ein paar Problemchen herum. Der bestellte Wechselrichter, den ich für die Garage brauche, um dort 230V Geräte zu betreiben, ist leider auf dem Versandweg verschollen und vieles verzögert sich dadurch nun.
Am Trabant selbst ist die hintere linke Achsmutter so festgegammelt, dass ich mir das Werkzeug daran zerbrochen habe. Der gekaufte Schlagschrauber, mit dem ich dem Biest nun zuleibe rücken wollte, war defekt!
Wenn es einmal läuft…

Aber es gibt auch Bereiche wo es zügig vorwärts geht. Alle 5 Räder sind mittlerweile komplett restauriert und neu bereift. Die vordere Stossstange und der Unterfahrschutz sind gerichtet und lackiert, das Zündlenkradschloss habe ich komplett überholt und mit vielen Neuteilen ausgestattet. Die Lenkstange, der Blinkerschalter und die Halterung sind ebenfalls fertig restauriert.
Auch die Scheinwerfergehäuse sehen nun wieder aus wie neu und die Scheinwerfer selbst habe ich gegen Nagelneue ausgetauscht.
Sabrina hat in der Zwischenzeit auch das erste Polster erneuert. Sie hat einen Stoffhersteller gefunden, der den Originalstoff von damals nachwebt. Davon hat sie etwas bestellt, das kaputte Stoffteil herausgetrennt, ein Schnittmuster erstellt, ausgeschnitten, mit der Pfaff abgesteppt und von Hand an die originalen Lederteile und Kedern genäht.
Daneben gab es noch einige weitere Miniprojekte, die ich nicht alle dokumentiert habe und die hier aufzuzählen auch langweilig wäre.

Reden wir deshalb lieber noch etwas übers Schiff!

Der erste Elektromotor für Morgenstern ist mittlerweile eingetroffen. Vom Hersteller genau so angefertigt, wie ich ihn haben wollte, mit hohem Kupfer-Füllgrad und Neodym Magneten. Ein Brushless-DC Motor mit einem Wirkungsgrad von 96% ist es geworden. Bis zu 20kW kann er maximal leisten.
Theoretisch würde bereits ein solcher Elektromotor ausreichen, um den Dieselmotor vollständig zu ersetzen. Aber er wäre dann oft am Limit. Deshalb wird der zukünftige Antrieb der Morgenstern aus zwei dieser Elektroantriebe bestehen. Mit Elektromotoren ist solch ein redundantes System, welches auf eine einzige Wellenanlage wirkt, überhaupt erst sinnvoll möglich.
Den zweiten Motor haben wir mittlerweile auch bestellt. Damit wollten wir zunächst warten, denn Brushless-DC Motoren in dieser Leistungsklasse sind derzeit noch überwiegend Kleinstserien oder Sonderanfertigungen und liegen nicht irgendwo in Massen auf Lager. Und damit sind sie natürlich auch ein bisschen ein Ü-Ei. Unser Ü-Ei hat sich beim Testlauf auf der Werkbank jedoch von seiner besten Seite gezeigt und alle Erwartungen erfüllt.
Leider hat sich der Hersteller beim mechanischen Teil des Motors nicht so ganz an Drehmomenttabellen und Toleranzen gehalten. Normalerweise fällt das niemandem auf, denn normalerweise baut ein Endkunde so einen Motor eigentlich nach dem Auspacken irgendwo ein.
Ich baue das Ding jedoch zunächst einmal komplett auseinander, um wirklich sicher zu sein, dass ich der Maschine vertrauen und sie unterwegs auch reparieren kann.
Genau das war eine gute Idee, denn die Zentralmutter wurde dermaßen angeknallt, wie ich das bisher noch nicht gesehen habe! Unterwegs wäre ein schneller Lagerwechsel in dem jetzigen Zustand unmöglich.
Am Ende sind mehrere Versuche des konventionellen lösens der Mutter gescheitert und ich habe sie ganz knapp am Gewinde aufgetrennt, um sie sprengen zu können.
Gesprengt hat es mir beim weiteren zerlegen des Motors dann schließlich auch meinen massiven Abzieher, beim Versuch die Riemenscheibe zu lösen. Trotz vorwärmen, trotz einiger anderer Tricks, trotz beten…
Nix zu machen! Muss ich morgen mit der Flex ran…

Läuft halt nicht immer alles rund.

Da fällt mir ein, unser überarbeitetes Cockpit haben wir euch doch hier auch noch nicht gezeigt! So sieht es nun aus:

Planänderung und Wahlkampf

Der Trabant wartet in seiner Garage auf bessere Zeiten.

Ich habe Post vom Amt! Genauer gesagt vom Landrat, bzw. zumindest in seinem Namen ausgestellt. Ganze 2 Wochen hat man in Wesel gebraucht, um meinen schriftlichen „Antrag auf Ausstellung einer Zulassungsbescheinigung Teil II“ in etwa so abzulehnen, wie den mündlich gestellten zuvor, über den ich im letzten Beitrag berichtet habe.

Sinngemäß steht folgendes drin: „Wir machen das nicht.“

Eine Begründung, bzw. eine Rechtsgrundlage fehlt. Ansonsten lesen sich die paar wenigen Sätze so, als würde der Mensch der sie verfasst hat, wenig Erfahrung mit dem zu Papier bringen von Wörtern haben.
Die Rechtsbehelfsbelehrung haben sie auch vergessen, aber das ist gut für mich. Denn ohne auf das Widerspruchsrecht hinzuweisen verlängert sich dadurch die Widerspruchsfrist von einem Monat auf ein ganzes Jahr. Das ist aber auch schon der einzige Fehler, der mir zugute kommt. Der Rest ist willkürlich gequirlter Amtskäse!
Besonders Makaber finde ich die Tatsache, dass diese Geschichte ausgerechnet mit einem Trabant 601 passiert, DER Frucht politischer Willkür und Symbol staatlichen Scheiterns.

Ich denke momentan nicht, dass ich zeitnah Widerspruch einlegen werde. Auf diesem Weg komme ich kurzfristig nicht zum Ziel und auch in der Behörde würde sich vermutlich nichts an der katastrophalen Arbeitsweise ändern.
Viel besser geeignet dürfte da sein, meinen Mitmenschen auf künstlerisch spielerische Art zu zeigen, was manche Staatsdiener unserer Stadt sich erlauben. Ich plane also gerade für den 3. Oktober ein wenig um. Denn die Chancen, dass der Trabant auf eigener Achse am 30. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands als Zeitzeuge durch die Gegend rollt, sind mittlerweile praktisch gleich Null!

Aber nur weil der Trabant nicht auf öffentlichen Straßen fahren darf, heißt das ja nicht, das er nicht die Wiedervereinigung feiern darf…

Bevor wir zur eigentlichen Planänderung kommen, die den Trabi betrifft, noch eine kurze Bitte an alle Menschen in Wesel:

Geht am 13. September wählen!

Dass in Wesel seit langer Zeit einiges aus dem Ruder läuft, spürt man ja an vielen Ecken. Aber es gibt auch Licht am Ende des langen, muffigen SPD Tunnels. Denn am 13. September wählen wir in Wesel unter anderem einen neuen Landrat!
Ja, den Landrat, von dessen Behörde die weiter oben erwähnte Ablehnung kam!
Der aktuell im Amt befindliche SPD Landrat dankt übrigens ohnehin in Kürze ab und stellt sich nicht der Wiederwahl. Laut Zeitungsberichten liest sich das für mich so, als fühle er sich nach 16 Jahren Regentschaft in der Kreisverwaltung langsam aber sicher überfordert.
Finde ich Klasse, diese Einsicht!
Der neue Landrat wird es nicht leicht haben, den Scherbenhaufen wieder zusammenzusetzen und den Stau von mehr als einem Jahrzehnt abzubauen. Aber es gibt da jemanden, dem traue ich das zu:

Timo Schmitz, 23 Jahre alt, FDP.

Wenn überhaupt jemand die Energie hat, den Amtsschimmel aus der Stadt und den alten Herren im Sessel die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben, dann er!

Ich selbst habe meine Kreuzchen bereits gemacht, weil ich am Sonntag keine Zeit dafür haben werde.

Kommen wir zur Planänderung:

Eigentlich wollte ich erst nach dem 3. Oktober mit der Sprache herausrücken, aber bedingt durch den Amtsquark hat sich der Plan nun geändert.

Der Trabant sollte im September ursprünglich seine neue Zulassungsbescheinigung Teil II bekommen und parallel dazu für die Hauptuntersuchung beim TÜV vorbereitet werden. Wäre beides erledigt gewesen, hätte er am Tag der Deutschen Einheit noch einmal mit Zweitaktsound durch die Gegend knattern sollen. Mit wehender Deutschlandflagge aus dem Seitenfenster und blauer Abgasfahne hinterher, wie einst gegen Ende des Kalten Krieges millionenfach!
Anschließend wäre er zurück in seine Garage gekommen und die Operation am offenen Zweitaktherz hätte begonnen. Die alte „Spritschleuder“ wäre rausgeflogen und vielleicht in ein Museum oder einen Trabant mit H-Kennzeichen gewandert.
Denn unser Trabant braucht den alten Zweitakter in Zukunft nicht mehr, er wird zum Elektroauto umgebaut.

Dafür haben wir ihn gekauft, nach langer Planung und viel theoretischer Vorbereitung.

Die Idee dazu liegt bereits mehrere Jahre zurück, bisher hatten wir nur einfach nicht genug freie Zeit zur Verfügung, um so ein Projekt erfolgreich umzusetzen.
Mittlerweile wird aber wieder etwas mehr Zeit frei. Die Restauration von Morgenstern ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber es herrscht kein Zeitdruck mehr. Viele andere Projekte befinden sich ebenfalls in den letzten Zügen und da wir erst im Frühjahr 2023 zur nächsten längeren Reise mit der Segelyacht starten können, passt das Elektroauto-Projekt jetzt ganz gut in unsere Planung.
Dass wir erst 2023 wieder mit Morgenstern aufbrechen können, dürfte für einige jetzt auch überraschend kommen. Wahrscheinlich wird das Schiff bereits ein Jahr früher endgültig fertig sein, aber Sabrina hat Anfang diesen Jahres eine sehr aufwändige Kieferorthopädische Behandlung begonnen, die uns eben bis 2023 hier festhalten wird. Um es kurz zu machen:
Fast jeder Zahn in Sabrinas Mund wird im Laufe der nächsten Jahre mittels einer Art durchsichtiger Zahnspange und diverser anderer Eingriffe ganz langsam aber sicher, in vielen kleinen Schritten, wieder gerade gerückt. Die Behandlung ist unumgänglich und muss jetzt gemacht werden, damit sie nicht in einigen Jahren Probleme bekommt.
Letztendlich passt das für uns ganz gut. Wir haben keinen Stress mit Morgenstern und können die Bordkasse noch etwas auffüllen.

Für den Trabant bleibt so auch noch etwas übrig und er soll nach dem Umbau für das ein oder andere kleinere Abenteuer an Land verwendet werden. Deshalb haben wir uns eben vor kurzem zu diesem Projekt entschlossen.
Das ganze ist sehr aufwändig, keine Frage.
Man wird bei so einem Umbau quasi zum Hersteller. Es gibt ein Protokoll, an das man sich exakt halten muss und es existieren genaue Vorgaben, die das fertige Fahrzeug erfüllen muss.
Aber damit komme ich klar. Der Trabant wird, wenn er fertig ist, nach dem sogenannten „MB FZMO 764“ Genehmigungsverfahren abgenommen. Das ist eine Richtlinie des TÜV, die jedes technisch relevante Bauteil des Elektroautos regelt. Das Dokument enthält 18 Seiten, vollgepackt mit technischen Anforderungen.
Nach diesem Dokument habe ich vor einiger Zeit bereits die technischen Details geplant und einen Großteil der Komponenten für den Trabi gekauft.
Letztes Wochenende haben wir dann die Bordkasse etwas erleichtert und einen größeren Satz LiFePO4 Akkus geordert. Insgesamt 32 Zellen mit jeweils 200Ah Kapazität. Davon bekommt der Trabant 24 Zellen und Morgenstern 8 dieser Blöcke.
Der Akku für den Trabi wird damit 15kWh Energieinhalt haben und die Verbraucherbank von Morgenstern satte 5kWh, bzw. 12V/400Ah. Diese 400Ah in Form von LiFePO4 Zellen sind für uns der absolute Traum und werden das Schiff elektrotechnisch ins 21. Jahrhundert katapultieren.
Noch dazu fällt dieser Akku finanziell nicht bedeutend ins Gewicht. Denn ab 32 Zellen bekommt man beim Hersteller der Akkus so viel Mengenrabatt, dass wir für den Akku der Morgenstern unterm Strich nur wenig mehr bezahlen, als für klassische Bleiakkus.
Da wir bereits seit einem halben Jahr ein vollständiges LiFePO4 System mit einem 60Ah Testakku an Bord haben, was sich in der Praxis bestens bewährt hat, wird das ein relativ kleines Projekt, den 400Ah Akku einzubauen.

Aber zurück zum Trabant:

Ziel ist es jetzt, die Vorgaben des TÜV umzusetzen und einen kompletten Elektroantrieb in den Trabant einzubauen. Bis Ende des Jahres soll er dann fertig sein und eine Zulassung als E-Auto bekommen. Natürlich mit Vollabnahme, die ist für so ein Projekt ohnehin vorgeschrieben.

Die Zulassung ist jedoch selbst bei Einhaltung aller Vorschriften ein anderes Thema, das noch spannend werden dürfte. Zumindest hier in Wesel am Rhein.
Aber vielleicht ist ja dann der Timo hier der Boss und setzt das um, was er in seinem Wahlprogramm verspricht:

„Persönliche Termine in der Kreisverwaltung kosten Zeit und Nerven und sind in den meisten Fällen nicht nötig. Der Kreis Wesel braucht eine digitale Bürgerplattform, über die alle bügerbezogenen Dienstleistungen online vollzogen und beantragt werden können. Gleichzeitig gibt es keine Wartezeiten für diejenigen, die den klassischen Weg in die Verwaltung bevorzugen. Willkommen im 21. Jahrhundert, lieber Kreis Wesel!“

Timo, ich zähl auf dich und bringe jetzt meinen Wahlbrief zu Post!

Im Haus das Verrückte macht

Ein Hafenamt, irgendwo am Unterlauf der Donau.

Kennt ihr Asterix? Die französische Comicreihe vom großartigen Zeichner Albert Uderzo? Ich finde diese Comics klasse. Bei den permanenten gesellschaftskritischen Anspielungen könnte ich mich manchmal auf den Boden werfen vor lachen.
Als ich vor kurzem beim Straßenverkehrsamt meines Wohnortes war, musste ich mal wieder an Asterix denken. Genauer gesagt, an den Film „Asterix erobert Rom“. In dem Streifen gibt es eine Szene, in der die beiden Protagonisten dazu aufgefordert werden, den Passierschein A38 im „Haus das Verrückte macht“ zu besorgen.
Den Passierschein brauchte ich selbst zwar nicht, aber mich erwartete am 18. August 2020 eine ähnliche Aufgabe verwaltungstechnischer Art:

Ein Mitarbeiter für staatliche Sicherheit, bzw. des Sicherheitsdienstes für staatliche Gebäude steht am Eingang vor dem Straßenverkehrsamt in Wesel und hebt vor mir die Hand, als ich mich nähere, aber noch gute 5 bis 6 Meter von ihm entfernt befinde: „Halt!“
Meine Alltagsmaske habe ich da bereits längst angelegt und ich gehe noch ein, zwei Schritte weiter.
„Was wollen Sie?“, fragt mich der Ordnungshüter und ich erkläre, dass ich einen Termin um 13 Uhr habe.
„Name!?“
Ich nenne ihn und er schaut in eine Liste.
„Dort können Sie sich anmelden!“, sprichts und zeigt auf einen Schalter hinter dem Eingang.

Die Dame am Empfang hinter der Glasscheibe ist recht nett zu mir, als ich erkläre, dass ich einen neuen Fahrzeugbrief für einen Oldtimer beantragen möchte, weil der alte nicht mehr auffindbar ist. Ich schöpfe für einen kurzen Moment Hoffnung, als sie erwähnt, das man ja in dem Fall nur ein Aufgebotsverfahren einleiten muss und gehe in die große Halle.
Im inneren des Gebäudes hängen Kabel von der Decke und ich fühle mich sofort wie auf einem der rumänischen Hafenämter, die ich während meiner langen Einhandreise mit Morgenstern durch Osteuropa so oft besucht habe.
Alles wirkt provisorisch und zusammengebastelt, seit man vor etlichen Jahren angefangen hat hier umzubauen und ich werde das Gefühl nicht los, dass an diesem Ort langsam aber kontinuierlich alles den Bach runter geht. Auch das Parkdeck ist nach wie vor wegen Einsturzgefahr gesperrt und sieht aus wie ein „Lost Place“ aus einem schlechten Horrorfilm. Ich musste gerade selbst kurz recherchieren, seit wann dort die Absperrung steht und das Unkraut sprießt: Seit mittlerweile fast 5 Jahren!
Ich setze mich also auf einen der wenigen Stühle, die wegen COVID-19 weit auseinander stehen und bereite mich gedanklich auf das Abenteuer vor.
Und so wie ich auf meiner letzten Reise mit dem Segelboot durch den Osten des Kontinents der Behördenwillkür ausgeliefert war, so bekam ich das an diesem Tag auf der Zulassungsstelle in Wesel am Rhein zu spüren.

Nachdem ich meine Wartezeit abgesessen hatte und endlich an den Schalter durfte, verlief das Gespräch zunächst recht locker und konstruktiv.
Ich durfte die Sachlage zum Trabant 601 erklären, dass eben keine Fahrzeugpapiere vorhanden sind und das Auto jahrelang auf einem Bauernhof stand.
Ich war eigentlich theoretisch gut vorbereitet, hatte 3 Abende lang Gesetze und Verordnungen gelesen und war durch Erfahrungen anderer Oldtimerbesitzer und den Rechtsanwalt einer Fachzeitschrift gewarnt. Auch hatte ich alle wesentlichen Paragraphen ausgedruckt dabei und die wichtigsten Absätze mit bunten Stiften für mich markiert.
All das hat nichts genützt und es kam, wie es kommen musste! Die Sachbearbeiterin war überfordert. Ein Kollege wurde hinzugezogen, aber der Bereich hinter dem Schalter wurde dadurch nicht durch Sachverständnis oder Fachwissen bereichert. Es herrschte überwiegend Stille auf der anderen Seite der Plexiglasscheibe.
Bis es irgendwann aus ihr herausplatzte: „Sie tun ja gerade so, als wenn das hier einfach wäre!“

Einfach ist so ein Vorgang natürlich nicht. Verglichen mit einer Standardanmeldung, bei der ein Sachbearbeiter oder eine Sachbearbeiterin vier Tasten und zwei Stempel drücken muss, ist so ein Trabant 601 ohne Zulassungsbescheinigung Teil II durchaus eine harte Nuss.
Wie man diese Nuss zu knacken hat, davon hatte man hinter der Scheibe wenig bis gar keine Ahnung. Das einzige was der Sachbearbeiterin noch einfiel war:

„Sie brauchen eine Vollabnahme!“

Mit genau diesem Satz hatte ich gerechnet. Die Vollabnahme nach § 21 StVZO wird nämlich mitunter gerne von überforderten Sachbearbeitern gefordert, wenn sie ansonsten nicht weiter wissen. Diese Abnahme würde dem Amt quasi auf dem Präsentierteller alles wesentliche zur Ausfertigung einer ZBII liefern, ist jedoch überwiegend Sonderfahrzeugen vorbehalten und kostet (auf Deutsch) ein Schweinegeld!
Wenn man sich so durch diverse Oldtimerforen wühlt, dann stellt man fest, dass einige Sachbearbeiter den §21, nach dem sie die Vollabnahme fordern, nicht einmal richtig kennen.

Dass ich die Vollabnahme für den Trabant nicht brauche und warum ich sie nicht brauche, konnte ich der Sachbearbeiterin zwar anhand von bunt markierten Passagen im Gesetzestext erklären, aber genützt hat es trotzdem nichts.
Ich hatte den Eindruck, mein gegenüber hat mich inhaltlich überhaupt nicht verstanden. Die Wörter „Einheitsvertrag“, „ABE“ und „Wiedervereinigung“ hatte man im Zusammenhang mit einem solchen Antrag vermutlich noch nie gehört. Das Gefühl hatte ich zumindest.

Damit euch klar wird, warum gerade der Trabant (aber auch viele andere Fahrzeuge) die Vollabnahme nicht (mehr) benötigen, hier ein Auszug aus § 21 StVZO:
„Gehört ein Fahrzeug zu einem genehmigten Typ oder liegt eine Einzelbetriebserlaubnis nach dieser Verordnung oder eine Einzelgenehmigung nach § 13 der EG-Fahrzeuggenehmigungsverordnung vor, ist eine Begutachtung nur zulässig, wenn die Betriebserlaubnis nach § 19 Absatz 2 erloschen ist.“

Nun hat der Trabant 601 im Jahre 1990, mit der Wiedervereinigung Deutschlands, im Rahmen des Einheitsvertrags, eine Allgemeine Betriebserlaubnis auf nationaler Ebene bekommen, die bis zum heutigen Tag gültig und auch nicht nach § 19 Absatz 2 erloschen ist!
Nachlesen kann man das bei Interesse in der StVZO, sowie im Einigungsvertrag, der seinerzeit zwischen der DDR und der BRD geschlossen wurde. Dieser Vertrag wurde hin und wieder angepasst und in Details abgeändert. Was die DDR Fahrzeuge und die ABE angeht, besteht der entsprechende Paragraph jedoch bis heute unverändert!

Man müsste sich beim Straßenverkehrsamt halt in meinem Fall ein wenig mehr kümmern, als man das sonst tut. Vielleicht wäre ein Gang in den Keller oder auf den Dachboden angebracht, je nachdem wo die alten Ordner stehen.
Es ist ja nun auch nicht so, das ich so eine ZBII unbedingt für mich persönlich bräuchte, weil ich sie besonders schön finde. Der Staat verlangt von mir, dass ich sie beantrage, denn ohne ZBII kann das Fahrzeug nicht wieder zum Straßenverkehr zugelassen werden.

Um nun wieder zurück zur Situation im Amt in Wesel zu kommen, machen wir dort weiter, wo wir oben aufgehört haben:

„Antrag abgelehnt!“

Ohne Begründung.

Das wollte ich schriftlich haben, damit ich Widerspruch einlegen kann.

„Machen wir nicht schriftlich!“

Ab dem Moment waren wir keine Freunde mehr und ich habe (ganz ruhig) darum gebeten mit dem Dienststellenleiter zu sprechen, um eine schriftliche Ablehnung meines „Antrags auf Ausfertigung einer Zulassungsbescheinigung Teil II“ zu bekommen.

Der Mann wurde zumindest angerufen und die Sachlage kurz und wirr am Telefon geschildert. Ihre Dienstpflicht hatte die Sachbearbeiterin damit immerhin getan.
Persönlich mit mir sprechen wollte der „gute“ Mensch jedoch nicht. Er hat sich strikt geweigert! Und wenn ich die Ablehnung meines Antrags schriftlich haben möchte, um Widerspruch einzulegen, dann müsse ich den Antrag auch schriftlich stellen! Aufgelegt!

Ich bin zwar der Meinung, dass bis hier bereits einiges an rechtswidriger Behördenwillkür vorlag, habe mich jedoch auf den schriftlichen Antrag eingelassen.

Ansonsten wars das! Keine netten Verabschiedungen, kein Lächeln mehr.

Ich verlasse die Baustelle und mache mich auf den Heimweg. Richtig enttäuscht bin ich nicht, meine Erwartungen waren so niedrig gesteckt, dass ich zunächst recht gelassen abgedackelt bin.

Am Abend hatte ich den mehrseitigen Antrag auf die ZBII dann fertig. Sauber ausformuliert, alle wichtigen Paragraphen zitiert, ansonsten alles rein sachlich.

Das Zustellen des Antrags am nächsten Tag war dann nochmal ein kleines Abenteuer, das ich hier nur stark gekürzt wiedergebe. Es hat mich jedenfalls einiges an Überzeugungsarbeit gekostet, den Brief persönlich am Empfang abgeben zu dürfen.
Als ich endlich dort angekommen war und dachte, jetzt hältst du dem Mensch hinter der Scheibe einfach den Umschlag hin und sagst, „Post fürs Amt!“ war ich auf dem Holzweg!

Eine laaange Diskussion über den Inhalt des Briefes und die Hintergründe begann. Letztendlich hat man mir den Umschlag dann doch endlich aus der Hand genommen und versichert, ihn seiner Bestimmung zuzuführen.

Das ist jetzt knapp 2 Wochen her. Seitdem warte ich auf eine Reaktion.

Die Chancen, dass der Trabant an den Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands teilnehmen kann, sinken leider stetig.

Elektrifizierung und ein Oldtimer

Als ich vor etwa 2 Jahren damit begonnen hatte, einen E-Außenborder fürs Beiboot der Morgenstern zu konstruieren, da war dieses Projekt weder das Erste, noch sollte es das letzte Elektromotorprojekt sein.
Bereits als Kind hatten es mir Elektromotoren und alles was mit Strom zu tun hat angetan. Eigentlich wollte ich irgendwann auch mal Elektriker werden, aber meine Familie hatte bereits einen. Und so ging ich mit 17 Jahren eben in die Lehre als Kfz-Mechaniker. Ganz unbeeinflusst war diese Entscheidung zwar nicht, aber rückwirkend betrachtet waren die Jahre in der Werkstatt doch eine gute Basis für alles was danach folgte.
Mit Verbrennern hatte ich mich in all den Jahren des Schraubens immer nur irgendwie arrangiert. Ich hab die Aggregate repariert und auch zwei Motoren selbst konstruiert und gebaut. Einen Stirlingmotor und einen Vakuummotor.
Die Faszination für Elektroantriebe hat bei mir jedoch immer dominiert und hätte ich die Kohle übrig, stände schon längst ein E-Auto vor der Tür.

Was unsere Segelyacht angeht, so haben Sabrina und ich seit der Übernahme immer mal wieder damit geliebäugelt, sie eines Tages zum Stromer umzubauen und den Dieselmotor aus dem Schiffsbauch heraus zu operieren.
Die Übernahme des Schiffs ist jetzt mehr als 3 Jahre her. In dieser Zeit hat sich vor allem bei den Akkus und den Controllern enorm viel getan. LiFePO4 Zellen sind bezahlbar geworden und die heutigen Controller haben Wirkungsgrade und Leistungen erreicht, von denen man wenige Jahre zuvor nur träumen konnte.
Anfang diesen Jahres hatten wir uns nach langem hin und her deshalb letztendlich dazu entschieden, den Umbau anzufangen und diverse Systeme um den zukünftigen Elektrontrieb herum bereits während der laufenden Restauration entsprechend anders auszulegen. Wir haben Messfahrten gemacht und ich habe viel gezeichnet und gerechnet, um den optimalen Antrieb für unser Schiff zu entwickeln.
Die 230V Stromversorgung habe ich vor kurzem komplett erneuert und gleich auf 32A ausgelegt. Sie ist zwar noch nicht ganz fertig, aber eben schon zukunftsoptimiert.
Unsere Solaranlage hat jetzt eine Gesamtleistung von 700Wp. Diese Leistung bräuchten wir normalerweise nicht für unser normales Leben an Bord. Wir sind bis vor kurzem mit 160Wp ohne Probleme zurechtgekommen. Die 700Wp sind bereits darauf ausgelegt, den Fahrakku für den Elektroantrieb zu laden. Diese Leistung ist jedoch erst der Anfang. Sobald das Hardtop fürs Steuerhaus fertig ist, werden dort nochmal 600Wp installiert. Damit hätte Morgenstern dann eine 1,3kWp Solaranlage, mit der das Schiff, zusammen mit dem Windgenerator, völlig autark wird.

Die Solarmodule sind klappbar und mit Schnellverschlüssen ausgestattet. Sie können bei Bedarf in wenigen Minuten demontiert und unter Deck verstaut werden.

Was den Antrieb selbst angeht, der ist bereits durchkonstruiert und die ersten Komponenten sind bestellt. Sobald der erste Elektromotor & Controller hier sind, wird Morgenstern zur Hybridyacht umgebaut. Das bedeutet, der Diesel bleibt vorerst drin und beide Motoren wirken auf die gleiche Wellenanlage. Man kann also bei Bedarf schnell umschalten und das System ausgiebig bis in den Grenzbereich testen, ohne Angst haben zu müssen, ohne Antriebsmaschine dazustehen.
Sobald dann alles perfekt läuft, fliegt der Diesel raus und der zweite Elektromotor kommt rein. Das System aus zwei Elektroantrieben hat für unser Schiff viele Vorteile. Das erste ist die Redundanz. Es gibt zwei voneinander unabhängige Motoren, zwei Controller, zwei Drehzahlregler, zwei Schütze usw. … Fällt ein System aus, hat man noch ein zweites mit halber Leistung zur Verfügung. Das reicht, um in den nächsten Hafen zu kommen.
Ein weiterer Vorteil ist für uns die bessere Einbaulage. Zwei Motoren kann ich wesentlich platzsparender, symetrisch neben der Wellenanlage einbauen.
Dritter großer Vorteil ist, dass ich bei meinem System das Drehzahlniveau perfekt auf den maximalen Wirkungsgrad bei Marschfahrt abstimmen kann und jederzeit ohne teure Anpassungen auch Motoren eines anderen Typs einsetzen kann, sollte das mal nötig sein.
Wie das ganze im Detail gelöst ist, darüber reden wir, sobald der Umbau beginnt.

Wer Interesse am aktuell eingebauten Volvo MD31 hat, darf das gerne auch jetzt schon anmelden. So einen Motor kauft und verkauft man schließlich nicht mal eben.
Der Zeitraum des Ausbaus dürfte im Spätsommer 2021 liegen.

Themenwechsel!

Wir haben einen Neuzugang im Fuhrpark!

Ich weiß gar nicht, wo ich bei der Geschichte anfangen soll…

Vielleicht im Sommer 1991?

Ja, da fangen wir an. In diesem Sommer bin ich das letzte Mal Trabi gefahren. Ich kann mich ziemlich genau daran erinnern. Mein Onkel hatte einen und er ist mit dem Trabi und mir durchs Erzgebirge gedüst. Bergauf und bergab, durch Schlaglöcher und über grobes Kopfsteinpflaster, im zweiten Gang Vollgas über die Sehmaer Höh, bis nach Walthersdorf und noch viel weiter.
Der Trabi hat das alles problemlos weggesteckt und für mich war die Fahrt ein riesen Spaß. Dabei war der Trabant 601 nichts neues und eigentlich auch nichts besonderes für mich. Im Gegenteil, die ersten 8 Jahre meiner Kindheit habe ich schließlich im Erzgebirge verbracht und da gab es bis auf wenige Ladas und Wartburgs nun mal hauptsächlich Trabis.
Ich kann mich sogar noch gut daran erinnern, wie wir Kinder manchmal an der Hauptstraße im Dorf gespielt haben und riesige Augen gemacht haben, wenn ein Westauto vorbei kam. Das hat auf uns mehr Eindruck gemacht, als die voll aufmunitionierten Panzer der NVA und der Sowjetarmee, wenn sie mit einem Höllenlärm an uns vorbei gedonnert sind. Die waren für uns Kinder normaler als ein BMW.

Irgendwann im Frühjahr 1989 wars dann Aus mit den Trabis und ich bin mit meinen Eltern und meiner Schwester in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) in den Zug gestiegen. Wenige Stunden später waren wir im Westen, nachdem meine Eltern 3 Jahre lang mit der Stasi um ihre Ausreise gerungen hatten und unzählige Verhöre und Repressalien über sich ergehen lassen mussten.
Das Land verlassen haben wir mit 3 Koffern und 20 DM in bar. So lief das, wenn man zu DDR Zeiten nach etlichen Jahren der Quälerei Grünes Licht bekam. Es blieb kaum Zeit, die nötigen Papiere zu besorgen und die Koffer zu packen.
Aber das spielte kein Rolle. Wir waren frei! Selbst ich als Kind habe das sofort gespürt. In der DDR herrschte irgendwie überall eine Stimmung der Angst. Angst vor der Stasi, Angst vorm System, Angst vor der Polizei, Angst vor Fremden, Angst vor Lehrern…
Und im Westen?
Da hab ich zum ersten Mal in meinem bis dahin kurzen Leben einen Grenzpolizisten lächeln sehen und war überrascht, wie freundlich Lehrer in der Schule sein konnten.

Das zu erwähnen ist mir wichtig, wenn wir über den Trabi reden. Denn bei aller Nostalgie für die Technik ist das bei mir niemals eine Nostalgie für die DDR. Für dieses System der Unterdrückung, Gleichschaltung und Diktatur empfinde ich nichts als Abscheu und Verachtung!

Wir Kinder dachten damals nach der Ausreise in die BRD, dass wir unseren Onkel in der DDR nie wieder sehen werden, aber plötzlich hat sich wenige Monate, nachdem wir 1989 endlich frei waren, das Volk der DDR schließlich auch die Freiheit geholt und die SED Verbrecher zum Teufel gejagt.
Überall in den Nachrichten sah man Trabis, wie sie vollgepackt mit Menschen über die Grenzen gefahren sind. Zuerst über einen riesigen Umweg, über Ungarn und Österreich, später direkt über die Grenze, die unser Land so lange geteilt hat.

Und so hatte ich viel früher als ich mir erträumt hätte, meinen Onkel wieder gesehen und bin zu meiner letzten Fahrt im Trabi gekommen.
Denn lange behalten hat er ihn nicht mehr, den kleinen grauen Trabant 601. Niemand wollte damals dieses Auto noch haben. Plötzlich hatte man eine Wahl und der kleine Zweitakter war schlagartig nichts mehr Wert.
Kurz nach der Wende konnte man einen nagelneuen Trabant im Werk in Zwickau für ca. 2.500DM bekommen. Inflationsbereinigt wären das heute etwa 2.100€. Aktuell zahlt man für einen Gebrauchten Trabant in Topzustand um die 10.000€. Bis 30.000€ gehen die Preise manchmal für Fahrzeuge die praktisch neuwertig sind.
Da blutet einem Technikfreak das Herz, wenn man daran denkt, wie die Trabis kurz nach der Wende einfach auf den Schrottplatz gefahren wurden, weil sie niemand mehr wollte.

Aber ich gebe zu, ich hätte sie damals auch nicht mehr gewollt, die Pappe, wie man ihn, den Trabant, oft genannt hat. Wobei er den Namen „Pappe“ meiner Meinung nach echt nicht verdient hat. Die gesamte Verkleidung des Trabant besteht aus Duroplast, aufgebracht auf eine Karosserie aus Stahlblech. Die Duroplastteile werden aus Baumwollfasern und Phenolharz in einem aufwändigen Prozess unter hohem Druck in einer Presse hergestellt und mit viel Hitze „gebacken“. Der Herstellungsprozess ist teilweise vergleichbar mit der Herstellung von GfK, nur etwas aufwändiger.
Das ganze Prinzip wurde aus der Not heraus geboren. Denn Stahl war in der DDR extrem knapp und teuer. Und nur deshalb hat sich die Produktion eines Autos mit Duroplast Verkleidung gelohnt.
In anderen Ländern wurde das nicht etwa deshalb nicht gemacht, weil es schlecht war, sondern weil es nicht bezahlbar war.
Selbst in der DDR hat es Jahrzehnte gedauert, bis die teuren Maschinen zur Herstellung der Kunststoffteile für den Trabant refinanziert waren. Das war mit ein Grund, warum er über Jahrzehnte praktisch unverändert vom Band lief. Man konnte es sich nicht leisten, mal eben auf etwas anderes umzubauen.
Und so war der Trabant 601 das einzige jemals in Großserie gebaute Fahrzeug mit einer kompletten Kunststoffverkleidung auf Stahlkarosserie.
Bei kleineren Auflagen von Sportwagen hat man das hin und wieder auch schon früher gemacht und heute ist es Stand der Dinge, Rennwagen mit Carbon auf Aluminiumrahmen zu bauen, um Gewicht zu sparen.
Nun ist der Trabant wahrlich kein Rennwagen mit seinem 26PS Motor. Aber er ist leichter als ein Formel 1 Bolide. Der Trabant 601 wiegt gerade einmal 615kg leer. Er hat vier Sitzplätze und einen Kofferraum der 420l fasst.

Und um es am Ende kurz zu machen, seit ein paar Tagen habe ich endlich einen! Gekauft als Scheunenfund, ohne Papiere, Baujahr 1986, aber mit gerade einmal 45.000km auf dem Tacho und Pneumant Erstbereifung, die sogar noch Profil hat.
Die ganze Geschichte des Fahrzeugs lässt sich leider nicht mehr exakt nachvollziehen. Beim KBA gibt es keinen Eintrag und es deutet vieles darauf hin, dass mein Trabi seit der Wende nicht mehr auf der Straße war.

Um den Trabnt abzuholen besorge ich mir einen Autotransporter und leihe mir das Auto meiner Schwester aus.

Jetzt steht er bei Bekannten in der Einfahrt neben dem Haus und die Restauration ist bereits in vollem Gang. Dass er dort steht, wo er jetzt steht, ist ein riesiges Glück!
Denn als ich ihn gekauft habe, war die Bedingung, dass ich ihn schnellstmöglich auch abhole. Nur hatte ich zu dem Zeitpunkt noch keine Garage oder einen anderen Stellplatz und auf einen öffentlichen Parkplatz stellen konnte ich ihn schließlich nicht, ohne Kennzeichen.
Also habe ich überall herumgefragt und einen Aufruf bei Facebook gepostet. Letztendlich hat sich genau eine Person gemeldet und bereit erklärt, dem Trabi für eine Weile Asyl zu geben. Eine ehemalige Arbeitskollegin, die ich seit mehr als 6 Jahren nicht mehr gesehen hatte! Dafür bin ich echt dankbar.

Mittlerweile habe ich auch eine Garage für den Trabi gefunden und warte aktuell nur noch darauf, dass die Formalitäten erledigt werden können.
Dann bekommt er bald ein Dach über den Kopf und der Herbst kann kommen.

Sabrina freundet sich mit dem Zweitakter an.

Was dann mit dem Trabi langfristig passiert, verrate ich heute noch nicht, aber wir haben einiges mit ihm vor.
Was kurzfristig geplant ist, ist jedoch kein Geheimnis. Er soll schnellstmöglich auf die Straße, um an den Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands teilzunehmen!
Dass das in den wenigen Wochen bis dahin gelingt, ist nicht so sehr eine technische Schwierigkeit, sondern vielmehr ein bürokratisches Problem.

Aber dazu mehr im nächsten Artikel, für den ich bereits eine Überschrift habe:

Im Haus das Verrückte macht – Teil 1

Astrogeschichte aus Rees – Komet Neowise

Kann sich noch jemand an „C/1995 O1 Hale-Bopp“ erinnern? Den großen Kometen, der im Sommer 1997 über Monate für einen spektakulären Abendhimmel auf der Nordhalbkugel gesorgt hat?
Hale-Bopp war einer dieser seltenen Kometen, die man ohne optische Hilfsmittel sehen konnte. „Freisichtig“ sagen wir Hobbyastronomen dazu.
Ich kann mich noch gut an den Anblick erinnern. Mit Astronomie hatte ich zu der Zeit, ich war gerade 17 Jahre alt, zwar absolut noch nichts am Hut, fasziniert hat der „Schweifstern“ mich trotzdem, wie er jeden Abend hell über unserem Haus stand.
Anfang der 2000er Jahre begann ich mich schließlich für Astronomie zu interessieren. Allmählich wurde aus dem Interesse ein Hobby, zeitweise fast schon eine Besessenheit mit vielen langen Nächten auf dem Feld und irgendwann hatte ich mir im Garten meiner Eltern eine eigene kleine Sternwarte aufgebaut. Einige der Instrumente waren selbstgebaut, weil ich mir das teure Zeug der etablierten Hersteller schlicht nicht leisten konnte. Als Steuerung für die Teleskopmontierung hatte ich eine Littlefoot im Einsatz, die ich als Bauteilsatz von Anand Rajiva bekommen hatte.
Viele Jahre war Astronomie mein intensivstes Hobby, bis zu dem Tag, an dem Sabrina und ich unser Segelboot Eos gefunden hatten. Eos hat uns viel gegeben, aber sie hat auch Opfer verlangt. Neben vielen anderen Dingen hat vor der Abfahrt auch ein Großteil meiner Astroausrüstung den Besitzer gewechselt, um die Bordkasse aufzufüllen.
Einen kleinen Teil der Ausrüstung habe ich behalten, um wenigstens Minimalastronomie betreiben zu können. Damit sind während unserer Segelreisen die „Astrogeschichten aus…“ entstanden.
In den letzten Jahren ist das Thema Astronomie wegen Zeitmangel bei mir schließlich eingeschlafen. Bis vor wenigen Wochen, als ich von einem Kometen hörte, der vielleicht so hell wird, dass man ihn freisichtig auf die Netzhaut bekommen könnte. Ohne Teleskop, ohne Fernglas, direkt ins Auge!

„C/2020 F3 Neowise“ hieß der Kandidat, der meine Begeisterung weckte und diverse Restaurationsprojekte an Bord der Morgenstern für eine Weile zur Nebensache degradierte.

Am Abend des 10. Juli 2020 sollte er sich in unseren Breiten zum ersten Mal am Abendhimmel zeigen und so gerade eben in den hellen Dunstschichten knapp über dem Horizont zu sehen sein.
Sabrina und ich haben den ganzen Abend im Cockpit gesessen und abwechselnd einen Blick nach Nordosten geworfen. Kurz nach Mitternacht hatten wir ihn schließlich im Fernglas und eine Weile später auch direkt im Blick. Spektakulär war der Anblick noch nicht, dafür stand er noch zu tief am Himmel. Aber für den ersten Abend waren wir mehr als zufrieden mit dem Anblick. Endlich hatten wir wieder einen großen Kometen und das auch noch im Hochsommer, zur besten Zeit!

Die erste Aufnahme von Neowise ist direkt neben Morgenstern auf dem Steg entstanden. Ohne Stativ, ohne Nachführung, einfach am Poller abgestützt.

In den folgenden 2 Nächten habe ich ihn viel beobachtet. Mit am beeindruckendsten war der Anblick, als wir im Mahnensee vor Anker lagen und ich gegen 3 Uhr morgens wach geworden bin. Da war er, der helle Komet und unter ihm die spiegelglatte Wasseroberfläche in der sich die Sterne spiegelten.

Nach diesem ersten Beobachtungswochenende kam leider eine Schlechtwetterphase, die allen Hobbyastronomen und Interessierten in unserer Gegend einen langen Strich durch die Rechnung machte. Erst Ende Juli gab es wieder die Möglichkeit ihn länger zu sehen.
Mittlerweile stand Neowise zwar deutlich höher am Himmel, aber er entfernte sich bereits wieder mit hoher Geschwindigkeit aus dem inneren Sonnensystem und war nicht mehr so hell wie in den ersten Tagen.
Jetzt musste gehandelt werden und das persönliche Verlangen nach Schlaf und Komfortzone war für eine Weile nicht mehr von hoher Bedeutung.
Drei Nächte in Folge habe ich in dieser kurzen Schönwetterphase Ausrüstung durch die Gegend geschleppt und die Nacht zum Tag gemacht.

Zeitweise waren 4 Kameras im Einsatz. Zwei Digitale und zwei Analoge. Mit meiner DSLR sind die Fotos entstanden, die ihr in diesem Artikel seht, mit einer Canon AE-1 habe ich Aufnahmen auf Farbfilm gemacht, der bereits in der Entwicklung ist und mit der SLR, die ich von meinem Opa geerbt habe, sind Belichtungen auf Kodak Tri-X 400 (Black&White) entstanden, die ich noch selbst entwickeln werde.

Die besten Bedingungen hatte ich in der Nacht vom 24. Juli. Da stand ich am Flaggenmast bei uns am See. Kaum Wind, gutes Seeing und die ein oder andere Sternschnuppe, die über den Nachthimmel gehuscht ist. Ansonsten völlige Stille, bis plötzlich, mitten in der Nacht, von weit her eine Stimme zu hören war.
Ich war mir sofort sicher, das ich diese Stimme schon mal irgendwo gehört habe, konnte sie aber nicht sofort zuordnen. Nach einiger Zeit war ich mir sicher: Es war „Heintje“
Meine Oma hat früher manchmal Heintje gehört und als ich noch ein kleiner Junge war, fand ich die Songs eigentlich gar nicht so schlecht.
Dann wurde der kleine Junge größer und fing an Heavy-Metal und Rockmusik zu hören. Heintje spielte in meinem Leben also keine Rolle mehr.
Bis zu dieser Nacht unter dem Kometen, als ich dort einsam am Flaggenmast saß und von irgendwoher Heintjes Lieder in mein Ohr drangen. Immer und immer wieder wurde der Song „Zwei kleine Sterne“ gespielt und schallte laut über den See. Bestimmt 2 Stunden lang. Und was mich am Anfang zunächst verwirrte, klang nach ein paar Runden komischerweise immer besser und machte diese Nacht auf kitschig – groteske Art zu etwas besonderem.

Ohne Heintje im Loop wärs fast langweilig gewesen.

Ein bisschen macht mir allerdings die Tatsache, dass ich in dieser Nacht ein Gesangsstück von Heintje gut fand, Angst!
Ich erklärs mir als musikalischen Ausrutscher unter dem Einfluss von übermäßiger kosmischer Strahlung und versuche das jetzt mit AC/DC und Guns n‘ Roses zu kurieren!

Hitzeschutzschild

Zurzeit sieht es in Deutschland zwar in einigen Gebieten eher nach Frühherbst als nach Hochsommer aus, aber die nächste Hitzewelle kommt bestimmt.
Damit wir und Filou den Sommer dann auch gut überstehen, hat Sabrina vor kurzem etwas angefertigt, das wir Hitzeschutzschild genannt haben. Man merkt vielleicht am Namen, dass wir gerade im Space – Fieber sind. Komet C/2020 F3 (NEOWISE) steht gerade beeindruckend am Nordhimmel und in wenigen Tagen schickt die NASA den Rover „Perseverance “ mit einer Atlas V als würdigen „Curiosity“ Nachfolger zum Mars.

Aber ich schweife gerade ab. Bleiben wir beim Hitzeschutzschild für Morgenstern. Der Grund für die benötigte Abschirmung von Infrarot- und Ultraviolettstrahlung, sind die 3 gigantischen Frontscheiben im Pilothouse. Wenn die Sonne im Sommer eindrucksvoll zeigt, was mit Kernfusion möglich ist und mit rund 1000W pro Quadratmeter auf der Erdoberfläche eine enorme Strahlungsenergie liefert, dann ist das zwar für unsere Solarmodule genial, aber für die Wohlfühlatmosphäre im Cockpit nicht gerade zuträglich. Man fühlt sich dann eher wie in einem Backofen und wird bei Windstille regelrecht gegrillt. Sowohl die Instrumente und Geräte zur Navigation, als auch die Holzoberflächen fühlen sich in so einem Umfeld auch nicht gerade wohl.
Damit das nun nicht mehr passiert habe ich mir etwas ausgedacht und Sabrina hat es mit ihrer Pfaff Nähmaschine in ein fertiges Produkt umgesetzt, mit dem wir nach einigen Wochen im Einsatz sehr zufrieden sind.

Die drei einzelnen Elemente werden mit Tenax Druckknöpfen von innen direkt hinter den Scheiben befestigt. Sie reflektieren und absorbieren vollständig die einfallende UV Strahlung und den bei weitem größten Teil der IR Strahlung.

Wie der Hitzeschutzschild aufgebaut ist, seht ihr in der folgenden Grafik:

Die äußere Lage besteht aus einem UV stabilem, hellen Stoff, dahinter folgt eine Lage Mylarfolie (Rettungsdecke), die mit der silbernen Seite nach Außen eingebracht wird. Die silberne Seite reflektiert UV und IR Strahlung etwas besser, als die goldene Seite. Bei den enormen Energien, die wir reflektieren wollen, spielt dieser kleine Unterschied eine spürbare Rolle!
Die dritte Schicht besteht aus einer PE Schaumfolie, die man im Baumarkt zum Beispiel als Trittschalldämmung bekommt. Sie hat die Aufgabe, eine Isolationsschicht zu schaffen, die im Sommer als Pufferzone wirkt und im Winter zusätzlich dafür sorgt, dass es im Pilothouse nicht so schnell kalt wird.
Die vierte Schicht besteht wieder aus Mylarfolie, mit der goldenen Seite zur PE Schaumfolie ausgerichtet. Dahinter folgt als fünfte Schicht ein beliebiger strapazierfähiger Stoff. Wir haben weißes Ribstop Nylon gewählt, damit es im Cockpit schön hell bleibt.

Dieser Aufbau bewirkt im Sommer maximale Abschirmung der einfallenden Sonnenenergie und im Winter maximale Reflektion der im Pilothouse eingesetzten Energie nach innen.
Denn auch, wenn umgangssprachlich bei Isolation gegen Kälte häufig davon gesprochen wird: „Kälte vor dem eindringen abzuhalten…“, so ist das physikalisch doch falsch und sorgt für eine gedanklich irreführende Herangehensweise, die dann oft nicht zum gewünschten Ergebnis führt.
Kälte dringt physikalisch gesehen nicht irgendwo ein, denn Kälte ist nur ein Zustand geringerer Temperatur. Es ist immer die Wärmeenergie, die vom hohen Niveau zum tiefen möchte. In einem Haus, einer Wohnung oder im Pilothouse der Morgenstern geht es also im Winter immer darum, die Wärme davon abzuhalten, aus dem kleinen warmen Raum nach draußen und bei klarem Himmel direkt und fast ungehindert zu einem Großteil in den Weltraum abzustrahlen.

Und genau das verhindert unser Hitzeschutzschild. Im Sommer reflektiert er die einfallende Sonnenenergie nach draussen und im Winter reflektiert er die Wärmestrahlung ins geschlossene Pilothouse zurück, die unsere Petroleumlampen erzeugen, wenn wir mal wieder gemütlich mit einem Gläschen Wein am Abend den entfernten Rost feiern.

Wer möchte, kann den Hitzeschutzschild gerne nachbauen. Das vernähen gestaltet sich aufgrund der vielen Schichten und der rutschigen Folie zwar etwas schwierig, aber der Aufwand ist die Mühe wert.

Tender to Morgenstern

Im letzten Winter hatten wir uns dazu entschieden, mal ein kleines Abenteuer zu wagen und als Beiboot einen Heckspiegel-Kanadier, anstatt des sonst üblichen RIB zu kaufen.
Geplant war, diesen Kanadier später einmal hochkant am Heck zu befestigen, anstatt quer an Davits aufzuhängen.
Bei Morgenstern, mit ihrem schmalen Heck, hätte das viele Vorteile. Unter anderem ist die Manövrierfähigkeit im Hafen nicht eingeschränkt, was bei mehr als 14m Länge über Alles immer wünschenswert ist und zum anderen bleibt die Heckleiter und die Badeplattform benutzbar, was Anlegemanöver mit dem Heck zur Pier oftmals überhaupt erst möglich macht und (unter anderem) in Südeuropa an der Tagesordnung ist.
Auf längeren Überfahrten kann der Kanadier dann quer an Deck vor dem Steuerhaus deponiert werden und stört uns auch an dieser Stelle weniger, als ein konventionelles Schlauchboot. Jenes hat uns nämlich bisher immer die Decksluke im Salon verdeckt.
Der einzige für uns relevante Nachteil des Kanadiers war die Kentersicherheit, vor allem, weil Filou ja mit an Bord sein wird und gerne mal neugierig umher turnt.

Um dieses Problem zu lösen, habe ich mich von den Seefahrern aus dem Pazifikraum inspirieren lassen.
Vor etwa 5.000 Jahren wurde im Südchinesischen Meer etwas erfunden, was es den Menschen ermöglicht hat, mit ihren offenen Kanus der unberechenbaren Hochsee zu trotzen und die weite Inselwelt des Pazifiks zu besiedeln:

Das Auslegerkanu

Was sich seit so langer Zeit bewährt hat, braucht man nicht neu erfinden und so habe ich den Ausleger genau mit den Dimensionen gebaut, wie man ihn heute in Polynesien mit modernen Werkstoffen herstellt.
Als Baumaterial habe ich Glasfaser und Epoxidharz gewählt. Der gesamte Rumpf ist einteilig in einer Negativ-/Positivform, nass in nass laminiert. Die Faserorientierung der einzelnen Lagen (Köpergewebe und biaxiales Gelege) wurde optimal auf die Belastungen im Rumpf abgestimmt.

Bei den Auslegerarmen habe ich ein klein wenig anders konstruiert als man es in Polynesien machen würde. Die sind als Parallelogramm entworfen und drehbar in massiven Edelstahlbuchsen im Kanadier gelagert. In Verbindung mit einem Reffleinensystem kann man damit den Ausleger in Sekunden an den Hauptrumpf anklappen. So passt er weiterhin in die kleinste Lücke und der Auf- und Abbau des Systems wird ebenfalls sehr erleichtert.

Mittlerweile ist „Tuktoyaktuk“, wie wir das Boot getauft haben, seit einigen Wochen im Einsatz und macht uns eine Freude, die wir mit einem Schlauchboot so nicht hatten.
Manchmal paddeln wir, manchmal lassen wir uns vom Malstrøm schieben und wenn wir viel Wind haben, träumen wir davon, wie es wäre, wenn Tuktoyaktuk einen Mast und Segel hätte…

Aber dafür ist jetzt keine Zeit! An Bord der Morgenstern liegt nach wie vor jede Menge Arbeit herum.

Ich bin seit ein paar Wochen damit beschäftigt, die Elektrik und den Maschinenraum zu überarbeiten und auf das nächste Großprojekt vorzubereiten.
Momentan läuft das „System Morgenstern“ seit etwa 2 Wochen erfolgreich mit dem neuen LiFeYPO4 Akku. Das Projekt wurde am Ende (mal wieder) viel aufwändiger als zunächst geplant. Ich habe alles, wirklich alles aus dem Maschinenraum ausgelagert, den Kabelbaum entschlackt und erneuert, sowie der Batteriebank, den Sicherungen und Reglern einen eigenen Schrank spendiert. Auch der musste zunächst erst gebaut werden. Daneben haben wir die Solaranlage deutlich vergrößert, auf mittlerweile 700Wp und auch die 230V Stromversorgung wird gerade komplett erneuert und auf 32A ausgelegt.

Noch ist nicht alles endgültig fertig, aber sobald das Chaos der Ordnung gewichen ist, dürft ihr natürlich einen virtuellen Blick auf das neue System werfen.