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DSV trauert um Ehrenpräsidenten „Hajo“ Fritze

Der langjährige Präsident des DSV, Hans-Joachim Fritze, ist im Alter von 89 verstorben. Der Deutsche Segler-Verband trauert um seinen Ex-Präses, der die Geschicke des DSV von 1993 bis 2001, prägte.

Hajo Fritze begann seine ehrenamtliche Karriere mit einer Provokation: Es war Mitte der sechziger Jahre, er war Mitglied in einem großen norddeutschen Verein, und dort lag die Regattasegelei im Argen. Um auf diese Misere aufmerksam zu machen, stellte der Finn-Segler Fritze einen Antrag: Man möge doch bitte das „R“ für Regatta aus dem Vereinsnamen streichen – was natürlich abgelehnt wurde. Ob es an Fritzes Vorstoß lag, sei dahingestellt, doch heute gehört dieser Verein zu den sportlichen Aushängeschildern Deutschlands.

Ähnlich leichtfüßig brachte der Hamburger das Surfen auf die olympische Agenda. Seit 1976 saß er als Chairman für das „Board Sailing Comittee“ in Weltsegelverband, der damals noch IYRU hieß. 1980 war dann die Chance, das Internationale Olympische Komitee von der neuen Disziplin zu überzeugen. Fritze und seine Kollegen nahmen „die alten Herrschaften“ im Handstreich für ihre Idee ein, und zwar „mit einem Film der Weltmeisterschaft der Windsurfer, in dem junge hübsche Menschen bei beschwingter Musik die neue Segelsportart vorführen.“ Das Votum für die neue olympische Disziplin Windsurfen fiel einstimmig aus.

Der hanseatische Kaufmann Hans-Joachim Fritze hat für den deutschen Segelsport viel erreicht. Die Liste seiner Ehrenämter ist lang und gipfelt in seiner Wahl zum DSV-Präsidenten 1993. Fritze löste Hans-Otto Schümann ab, der den Verband von 1985 an geführt hatte. „Es muss eine Freude sein, Mitglied im DSV zu sein“ – mit dieser Ambition trat Hans-Joachim Fritze sein Amt an. Er knüpfte internationale Beziehungen, harmonisierte die Verhältnisse innerhalb des Verbandes und verbesserte die Bedingungen für den Leistungssport. In Hajo Fritzes Amtszeit von 1993 bis 2001 ersegelten vier deutsche Teams und Einzelsportlerinnen olympisches Edelmetall.

Der Vater von drei Söhnen verstand es mit seiner ruhigen, freundlichen und ehrlichen Art, Menschen für sich einzunehmen. Die älteren Mitarbeiter/innen der Hamburger Geschäftsstelle erinnern sich an ihn als einen „feinen Mann“, der bei jedem Besuch in der Gründgensstraße allen Mitarbeitern die Hand gab.

Fritze, der lange Jahre Klassensekretär der Finn-Dinghys war, setzte auf den direkten Dialog mit Seglern und Vereinen. „Von dort sind immer gute Impulse und konstruktive Kritik gekommen“, sagte er in einem Interview. Aktiv warb der Kosmopolit für die Arbeit des DSV: „Jeder Verein braucht den DSV; jeder profitiert von seiner Arbeit“, sagte er vor 25 Jahren bei der Jubiläumsrede in einem Verein.

„Mit Hajo Fritze verliert die Segelwelt einen außergewöhnlichen Menschen“, sagte DSV-Präsidentin Mona Küppers. „Mit seinem Engagement, seiner Weitsicht und seinen hanseatischen Tugenden hat er den deutschen Segelsport entscheidend vorangebracht. Im Namen des gesamten DSV-Präsidiums verabschiede ich mich in tiefer Dankbarkeit von einem großen Hanseaten und Segler. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Angehörigen.“

DSV-Ehrenpräsident Hans-Joachim Fritze gestorben

Hajo Fritze: <p>
	Hans-Joachim Fritze in seiner Zeit als DSV-Pr&auml;sident. Der Hanseat starb im Alter von 89 Jahren</p>

Er war Surfer, Segler und diente dem Sport im Ehrenamt. Als Präsident steuerte „Hajo“ Fritze den Deutschen Segler-Verband von 1993 bis 2001

Talsperren-Ebbe: Es geht wieder aufwärts

Bessere Aussichten für die Binnensee-Segler: Die jüngsten Niederschläge haben die Wasserpegel der deutschen Stauseen wieder steigen lassen. Beim Ruhrverband glaubt man aber nicht an ein einmaliges Problem.

So soll es sein. Die Sorpetalsperre gut gefüllt. © Ruhrverband

Der trockene Jahrhundertsommer im vergangenen Jahr war zwar für Sonnenanbeter perfekt, für die Segler auf den deutschen Stauseen aber eher von Nachteil. Laut dem Ruhrverband, der für die Talsperren an den Segelrevieren Möhne, Bigge und Sorpe zuständig ist, lag der Füllungsstand der Stauseen nach dem vergangenen Sommer bei unter 50 Prozent. Die Seen waren 2018 so leer wie seit mehr als 50 Jahren nicht mehr.

Die Folgen der Trockenheit an den Stauseen waren unübersehbar: hohe Ufer durch den tiefen Wasserstand und damit verbundene ungünstige Windbedingungen, wenig Wasser und lange Wege zu den Stegen. Auch das Finale der Jugend Segel-Bundesliga an der Bigge-Talsperre wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Viel Land, wenig Wasser, aber genug Platz für Liga-Rennen auf der Bigge zum Ende der Saison 2018 © DJSL

Die Segler der Binnenreviere hofften nach dem Jahrhundertsommer auf ein regenreiches Winterhalbjahr, das den Wasserpegel der Stauseen wieder ansteigen lässt. Ein niederschlagsreiches Wochenende im Februar kam da gerade recht. Der Wasserpegel an der Sorpetalsperre kletterte deutlich erkennbar bis auf rund 66 Prozent des Vollstaus an. Langsam, aber sicher geht es weiter aufwärts mit dem Wasserstand, und die Segler können auf einen Saisonstart mit besseren Bedingungen als im Vorjahr hoffen.

Allerdings ist der im Moment steigende Wasserstand längst keine Garantie für eine gute Segelsaison. Aktuell sind laut Ruhrverband knapp 85 Prozent des Vollstaus der Stauseen erreicht. „Wir haben wieder aufgeholt und erwarten im März einen Füllstand wie zur gleichen Zeit im Vorjahr“, sagt die stellvertretende Pressesprecherin des Ruhrverbandes Britta Balt. Das würde aber noch keine Prognosen für die kommende Segelsaison zulassen, schränkte sie ein. „Wir sind auch 2018 im Frühjahr sehr komfortabel gestartet. Wie schnell sich die Situation ändern kann, hat der vergangene Sommer gezeigt. Das hängt ganz vom Wetter ab“, betont sie.

Stauseen: Aufatmen für die Binnensegler – Bis zur nächsten Ebbe

Sorpetalsperre

Es geht aufwärts für die Segler der Binnenseereviere. Die jüngsten Niederschläge haben die Pegel für deutsche Stauseen steigen lassen. SR fragte beim Rurverband nach den Aussichten für 2019. Weiterlesen

Umwelt: Megayacht-Designer segelt einhand „ohne alles“ Transat – Protest gegen Plastikmüll

Megayacht, Plastikmüll, Dan Lenard

Er konstruiert Megayachten, die nicht gerade für ihre Umweltverträglichkeit bekannt sind. Nun kämpft Dan Lenard für Umweltschutz und gegen den Plastikmüll in den Meeren. Ein Widerspruch? Weiterlesen

Laser-Rigg: Zweite Neuentwicklung aus den USA

Nach den Australiern stellen nun die Amerikaner ein neues Rigg vor. Warum zwei Hersteller konkurrieren und die Segler verwirrt sind.

Im Januar stellte die australische Skiff-Legende Julian Bethwaite seine Vision vom Laser-Rigg der Zukunft vor. Für die Laser-Hersteller Performance Sailcraft Australia und Japan entwickelte er das C5-, C7- und C8-Riggs, die einmal die aktuelle 4.7-, Radial- und Standard-Version ersetzen sollen.

Nun stellt Laser Performance (Europe) Limited, dritter lizenzierte Laser-Hersteller, seine Rigg-Versionen ARC1 und 2 vor. Im Video werden die von den amerikanischen Doyle-Sails-Spezialisten erdachten Segel vorgestellt, und sie sehen cool aus.

Das neue Standard Rigg ARC1 ist 16,5 Prozent größer. © Laser Performance

Ohne Frage dürften sie die Leistungsfähigkeit eines Laser-Rumpfes verbessern. Aber ist das sinnvoll? Es sind nicht 216000 Laser verkauft worden, weil das Boot so schön schnell oder modern ist. Die Stärke ist die Gleichheit. Und wieso machen sich nun offenbar zwei Hersteller auch noch Konkurrenz und die Klassenvereinigung will eigentlich nichts davon wissen?

Nach den Olympia-Trials vom 11. bis 15. März in Valencia gegen die Klassen RS Aero, Devoti Zero und Melges 14 gibt es vielleicht mehr Klarheit zum Weg, den die Laserklasse in Zukunft nehmen will.

Mehr Hintergründe zur verwirrenden Laser-Rigg-Situation bei SegelReporter

Laser Segel: Neues ARC Rigg vorgestellt – Die Verwirrung geht weiter

Ob das alles so gut ist für die Laser-Klasse? Nach den Australiern stellen nun die Amerikaner ein neues Rigg vor. Die Segler drohen zwischen die Fronten zu geraten. Weiterlesen

Lüdtke/Schäfers gewinnen WM-Silber im FD

Ein Rennen vor dem Ende war die Weltmeisterschaft der FD entschieden. Nach einem Jahr Pause haben sich die Ungarn Szabolcs Majthényi/András Domokos wieder zu den Königen der Ex-Olympiaklasse gekürt. Silber gewannen die Berliner Kay-Uwe Lüdtke/Kai Schäfers.

Der Finaltag bei der Weltmeisterschaft vor Nelson auf der Südinsel Neuseelands stand zwar noch aus. Doch die ersten drei Teams waren von ihren Medaillenrängen nicht mehr zu verdrängen. In einer leichteren Brise als in den Tagen zuvor und mit etwas weniger Wellengang spielten Majthényi/Domokos ihr Geschwindigkeitpotenzial voll aus. Nachdem sie in den ersten Wettfahrttagen den Deutschen Lüdtke/Schäfers zwei Tagessiege überlassen mussten, waren sie am vorletzten WM-Tag nicht zu schlagen. Mit zwei Siegen sicherten sich die bisher elfmaligen Titelträger vor dem Abschlusstag Gold. Damit standen sie zum zwölften Mal an der Spitze des WM-Rankings – im vergangenen Jahr war es hinter den dänischen Brüdern Jörgen und Jacob Bojsen-Möller „nur“ Silber.

Lüdtke/Schäfers durften sich wie bei der Heim-WM auf dem Steinhuder Meer in 2016 über Silber freuen. Die Kieler-Woche-Sieger des vergangenen Jahres (damals hatten sie sowohl die ungarischen als auch die dänischen Dauerweltmeister hinter sich gelassen) hatten zum Start in die WM einige Schwierigkeiten mit dem Material und der Konkurrenz zu bewältigen, dann aber Majthényi/Domokos einen harten Kampf geliefert.

Am vorletzten Tag hatten sie sich aber mehr mit den Niederländern Enno Kramer/Ard Geelkerken, Dauergäste auf dem WM-Podium und Weltmeister von 2013, auseinanderzusetzen. Gerecht teilten sich die beiden Teams mit je einem zweiten und einem dritten Rang die Plätze hinter den neuen Weltmeistern auf. Trotz geringer Punktabstände konnten auch die Niederlände auch bei einem noch ausstehenden Rennen nicht mehr an den Deutschen vorbeiziehen.

In der letzten der neun Wettfahrten unter den 41 Teams aus zehn Nationen legten Lüdtke/Schäfers noch einen weiteren Tagessieg hin und verwiesen die Ungarn Majthényi/Domokos hier auf Platz zwei. Die Ungarn sicherte sich so auch noch die Silver Sombrero Challenge für das beste Resultat ohne Streichergebnis.

Shmuel Markhoff/Lars Stöckmann schafften es zum Abschluss noch, auf Rang vier zu klettern und an den Australiern Edward Cox/Peter Bevis vorbeizuziehen.

Eissegel-WM: Bronze verpasst, zwei Titel gewonnen

Der Angriff auf das Gesamt-Podium bei der WM der DN-Eissegler blieb dem Kieler Holger Petzke mangels Wind verwehrt, doch als Master-Sieger und mit seiner Ehefrau Anja Fiedler als Damen-Siegerin durfte er gleich zwei Titel feiern.

Während in Deutschland der Winter schon auf dem Rückzug ist, gab es in Nordamerika für die Weltmeisterschaft der DN-Schlitten noch beste Eisbedingungen. Auf dem Indian Lake bei Ohio ging eine Flotte von insgesamt 108 Seglern aus neun Nationen in drei Leistungsgruppen an den Start. Trotz gutem Eis waren die Bedingungen bei drehenden Winden und Eisregen nicht einfach. Und am letzten Tag kam gar keine segelbare Brise mehr durch.

Ärgerlich für Petzke: Ausgerechnet im sechsten Rennen, das sich als das letzte der Serie erweisen sollte, hatte der Bootsbauer sein schlechtestes Ergebnis (18.) abgeliefert und war damit vom Podium gestürzt. Vorher waren ihm fünf Top-Ten-Ergebnisse, darunter ein Tagessieg, gelungen. So aber fehlten ihm zwei Punkte zu Bronze, und ein polnisches Trio sicherte sich Gold, Silber und Bronze. Für den neuen Weltmeister Michal Burczynski ist es nach 2006 und 2010 bereits der dritte WM-Titel.

Mit Holger Petzke auf Platz vier und Anja Fiedler auf Rang neun brachten die deutschen Eis-Piloten zwei Segler in die Top-Ten. Und das war gleich ein mehrfacher Grund zum Feiern. Denn Petzke gewann damit die Masters-Wertung, Fiedler war die schnellste Frau auf dem Eis. Es war überhaupt erst das erste Mal in der WM-Geschichte, dass eine Frau in die Top-Ten gerast ist. Und es hat auch noch nie ein Paar gegeben, das gemeinsam in den Top-Ten der WM segelte. Christian Seegers (Hamburg) als Gesamt-27. und bester Grand Master machte den deutschen Erfolg bei den Sonderwertungen komplett.

Yes We Can!

„Karls“ Verwandlung geht voran

Nikes Vlog II #35

Die alte Farbe der Reinke kommt runter… Und dann ist die frohe Botschaft da: Das neue stehende Gut ist angekommen!

Segeln/Chartern in Kroatien – die Perle Süddalmatiens heißt Hvar

Die Insel Hvar bietet Ziele und Abwechslung für einen ganzen Törn

Sie kommen im Sommer, jedes Jahr, Yachten groß wie Fähren. Prunkvoll glitzern Glas und Edelstahl in der gleißenden Sonne, ferngesteuert surren blankpolierte Gangways aus Heckgaragen. Flinke Stewards in weißen Polohemden mit eingestickten Schiffsnamen drauf legen Fußmatten auf die Marmorplatten der alten Hafenpier. Erst dann treten die prominenten Bordgäste durch die getönten Terrassentüren der klimatisierten Salons: Prinz Harry, Roman Abramowitsch, der König von Jordanien, Brad Pitt, Bill Gates, Steven Spielberg, George Clooney, die Klitschkos, Hugh Grant, Ralf Schumacher. Er könne noch viele weitere berühmte Besucher nennen, wird uns Georges Buj vom Hvar Tourist Board später erzählen.

Der Hauptort Hvar auf der gleichnamigen Insel wird auch als das St. Tropez Kroatiens bezeichnet.

Hvar ist das St. Tropez Kroatiens, doch das hört man hier nicht gerne. „Hvar ist Hvar“, wird Georges sagen, „das hier ist kein ehemaliges Fischerdorf. Hier war der Adel zu Hause und die Kultur, hier wurde Politik gemacht und Geschichte geschrieben, dazu hat die Stadt eine lange Seefahrertradition.“ Doch auch der Hafen von Hvar ist nicht für Paläste zur See gebaut. Wie gestrandete Wale, eingeparkt mit den gewieften Manövern ihrer Kapitäne, ziehen die Megayachten jeden Sommer die Aufmerksamkeit auf sich, auch ohne Prominenz an Bord.

Hvar ist einer der ganz wenigen Plätze des Reviers, in dem noch römisch-katholisch festgemacht wird.

Hvar ist ein Epizentrum des kroatischen Tourismus

„Hvar ist wie ein Gericht“, wird Georges weiter erzählen, „der Nautiktourismus ist die Hauptspeise, alles andere gibt es dazu.“ Und das sei ziemlich viel, „wir haben alles außer Sextourismus.“ Game Fishing, Freeclimbing, Wanderwege, Tauchschulen, Mountainbike-Touren, Partys, Geschichte, FKK, Konzerte, Prozessionen. Der braungebrannte Marketingprofi redet viel und schnell, beschreibt Beispiele und erklärt, dass bereits 1868 der „Hygienische Verein“ zur Förderung des Fremdenverkehrs gegründet wurde. Hvar – das Epizentrum des kroatischen Tourismus, des Jetsets, des Wassersports?

Der Platz Sv. Stjepana ist das Herzstück des Inselortes Hvar.

Wir wollen die Insel kennenlernen, nicht nur den Ort. Unsere Charteryacht kommt aus der Marina Kastela bei Split – dunkelblau, ANITA, fünf Jahre alt. Ein Charterboot wie viele, nur die Route ist eine andere. Keine Rundreise inklusive Brac, Solta, Korcula und Vis – nein, auf dem Törnplan steht nur eine Insel: Hvar. Das Gemäkel der Crew vor Törnbeginn hatte nicht lange auf sich warten lassen: Eine Woche für eine Insel, wird das nicht langweilig? Gibt es da überhaupt genügend Ziele? Kommt das Segeln nicht zu kurz? Warum sollte man das tun?

Schon Hvar bietet ein halbes Dutzend Häfen und ungezählte Ankerplätze. Karte: Webapp Navionics

Die ganze Vielfalt Süddalmatiens auf einer Insel

Ein Grund könnte sein, den Urlaub zu entschleunigen. Kein gehetztes Abhaken vermeintlicher Revierhöhepunkte, mehr ruhiges Dahintreiben. Um dabei Plätze und Stimmungen zu entdecken, die im Verborgenen liegen, zumindest abseits der üblichen Durchreiseziele. Und wer genau hinschaut, Seekarte und Revierführer zur Hand, wird feststellen, dass der Plan einer Inselumrundung von Hvar vieles ist, nur nicht abwegig.

Hvar: 40 Seemeilen lang und 80 Törnziele

Die ersten Ziele auf Hvar sind gut 20 Seemeilen von den nahe gelegenen Charterstützpunkten der Küste entfernt, die Insel selbst ist knapp 40 Seemeilen lang. Mit Einbuchtungen und Kreuzschläge kommen auch auf diesem Törn schnell 150 Seemeilen zusammen, rund Mallorca sind es kaum mehr. Fünf Hafenorte, eine Marina in einer Naturbucht, einige Anlegestellen, dazu Buchten, je nach Revierhandbuch, über 70! Törnziele gibt es mehr als auf Ibiza, Elba oder Menorca. Warum, so die Gegenfrage, sollte Hvar nur Durchreisestation und nicht Törnziel sein?

Durch die Abdeckung der umliegenden Inseln und des Festlandes gibt es kaum nennenswerten Seegang.

Tag eins der Reise ist ein Sonntag in der ersten Septemberwoche, in Kroatien bedeutet das immer noch Hochsaison. Die Anfahrt nach Hvar führt zwischen den Inseln Solta und Brac hindurch. Die kargen, felsigen Küsten sind mit grüner Macchia bewachsen, die Durchfahrt keine halbe Meile breit. Dahinter muss unsere Segelyacht ANITA, eine Oceanis 393, an die Kreuz. Der Wind pfeift im Hvarski Kanal parallel zur Küste aus Ostsüdost, die Sonne brennt, Stari Grad im Norden ist das Ziel. Die letzten Seemeilen führen gut geschützt durch einen tiefen, fjordartigen Einschnitt, Starogradski Zaljev. Im Nordteil, dicht nebeneinander, liegen fünf Einschnitte, zusammen Luka Tiha genannt.

Meist sorgt eine kleine Thermik oder eine Düse zwischen den Inseln für brauchbaren Segelwind.

Keine Straße führt hierher, die Buchten sind einsam und unbebaut, das Wasser tief und dunkelblau. Plätze wie diese – mal mit schattigen Pinienbäumen, mal mit Felsplateaus zum Sonnenbaden – gibt es rund um Hvar viele. Ideale Badestopps, die abends zu ungestörten Privatbuchten werden. Inklusive sternenklarem Nachthimmel, zirpender Grillen und wabernder Rosmarindüfte. Wie fast überall rund um die Insel wird auch in Luka Tiha frei geankert, es gibt keine Muringbojen, keine gesperrten Naturschutzgebiete, kein Abkassieren am Ankerplatz.

Einsame Ankerplätze wie in Luka Tiha gibt es viele rund um Hvar.

Stari Grad ist die ehemalige Hauptstadt der Insel

Stari Grad hat auch in der Hochsaison um sechs Uhr abends noch freie Liegeplätze. Liegt das an der für Durchgangsreisende ungünstigen Lage? Am Ort selbst, dem zweitgrößten auf Hvar, kann es nicht liegen. Denn der ist wunderschön, der älteste der Insel, sogar einer der ältesten Europas: gegründet von Griechen der Insel Paros 384 vor Christi Geburt. Wir schlendern durch das Labyrinth aus Gassen, bestaunen die Natursteinfassaden der Renaissancehäuser, den museumsschönen Piazza Skor, das Tvradalj-Wehrschloss des Dichters Hektorovic. In einem Hinterhof treffen wir auf einen Einheimischen, der aus Wurzelholz Schiffsmodelle baut, der Ort gilt auch als Künstlertreff der Insel, Segler sind seine Touristen. „Cool hier“, findet eine österreichische Jugendliche vom Nachbarschiff.

Stari Grad mit seinen 2.000 Einwohnern ist viel entspannter als der Hauptort Hvar.

Segeln, Baden, Flanieren

Tag zwei. „Ab jetzt machen wir’s immer so wie gestern“, schlägt Crewmitglied Jan, Lehrer aus Freising, vor. „Tagsüber segeln und baden, dann in einen Ort fahren.“ Kein Problem: Südlich des Westzipfels von Hvar, ganz dicht unter der Küste, liegt eine Inselkette, die Hölleninseln, zusammen etwa fünf Seemeilen lang. Badeinseln in Sichtweite der Stadt Hvar. Hier gibt es alles außer einem Ort, Autos und permanenten Bewohnern.

Kurze Entfernungen und entspanntes Segeln zwischen der Inselkette Sv. Klement vor Hvar

Auf der Nordseite liegt in der Bucht Palmizana eine voll ausgestattete ACI-Marina, Ausweichhafen für den chronisch überfüllten Stadthafen gegenüber. Im Osten, umgeben vom Nichts, gibt es das Carpe Diem, eine der angesagtesten Discos des ganzen Landes. Unter freiem Himmel dröhnt die ganze Nacht House und R&B bis zum Ankerplatz, tagsüber aber ist der Platz eine lauschige Loungebar mit Pool. Im Süden und im Inselgarten der Mitte liegen mehrere Ankerbuchten, ganz einsam oder mit Restaurant im Scheitel.

Bucht Tarsce: Die kleine Inselkette vor Hvar bietet zahlreiche Ankerplätze wie diese.

Restaurantbuchten gehören in Kroatien zum Törnerlebnis.

Friedlich gleitet unsere Charteryacht ANITA am Abend durch die engen Passagen des kleinen Insellabyrinths. „Der Hafen von Hvar ist jetzt bestimmt schon voll“, vermute ich. Die Wahl fällt daher auf Vela Garska westlich der Stadt, „eine Bucht mit Muringbojen und Restaurant“, wie der Revierführer verspricht. Vor uns steht ein junger Kroate mit blonden Locken, Koteletten und Unterlippenbart in seinem Motorboot und reicht uns eine seiner zehn Muringleinen. Im hinteren Teil der Bucht sehen wir eine kleine Steinpier und ein renoviertes Haus, oben auf dem Hügel ein Schild: „Konoba Marena Welcome“. An den rustikalen Holztischen gibt es gegrilltes Gemüse und Sardellen mit Kapern zur Vorspeise, zur Hauptspeise wahlweise Lamm oder Dorade. „Sehr gutes Essen“, findet Mitsegler Martin aus Köln, „ein toller Laden, idyllisch gelegen, sehr sympathisch.“

Vela Garska ist ein Bucht mit Murings und kleinem Lokal.

Die Stadt Hvar ist voller Geschichte

Stadtbesuch Hvar. „Je reicher die Familien waren, desto verzierter ist die Fassade“, erzählt Jasna Bozdar beim Rundgang durch die Stadt. „Die meisten Bauten sind mit lokalem Kalkstein gebaut, manches auch mit Marmor aus Brac“, weiß die Stadtführerin in perfektem Deutsch zu berichten. Griechen, Römer, Nertertjaner, Venezianer, Österreicher – die Insel ist über die Jahrhunderte in vielen Händen gewesen. Unter der venezianischen Herrschaft zwischen dem Ende des 13. und dem 18. Jahrhundert erlebte Hvar seine Blütezeit, wurde Hauptstadt, wichtige Hafenstadt, Transitzentrum. Immer wieder gab es Ausschreitungen zwischen Volk und Adel, 1610 kam es dann zu einem dauerhaften Friedensabkommen mit Gleichstellung, „dabei wurde auch der Bau eines der ersten öffentlichen Volkstheater in Europa beschlossen.“

Der Platz Trg Sv. Stjepana und die alten Gemäuer der Stadt Hvar sind ein Besuchermagnet.

Wir bestaunen von der hoch über der Stadt gelegenen Festung Spanjol aus den atemberaubenden Blick über die Altstadt, den Hafen und die Hölleninseln, treffen Georges Buj vom Fremdenverkehrsamt, schlendern zusammen durch die vollen Gassen und über den mit weißen Marmorplatten gepflasterten Hauptplatz des Ortes, Trg Sv. Stjepana, den größten Dalmatiens. „Für die Weiterentwicklung des Tourismus mussten die Stadtväter erst das Wasserproblem lösen“, erzählt uns Georges. „Seit den 60er Jahren kommt unser Trinkwasser nun durch eine Leitung vom Fluss Cetina vom Festland.“ So kann die Insel heute ihre jährlich etwa 450.000 Besucher versorgen, „43 Prozent davon kommen alleine im August.“

Die Cafés und Restaurants rund um die Hafenpromenade sind stets gut besucht.

Ein Stadthafen mit Kultstatus

Auf der Hafenpromenade, im Schatten mächtiger Palmen, blicken wir auf eine vollbesetzte Pier: historische Motorsegler im Päckchen, protzige Motoryachten, die Masten der Charteryachten dicht an dicht, eine Katamaranfähre, dazu Fischer- und Ausflugsboote. „Wir wollen ein öffentlicher Hafen bleiben mit einem Mix aus großen und kleinen Booten, bei uns wird keiner bevorzugt“, sagt Ante Buzolic vom Nauticki Centar Hvar, zuständig für das Management des Hafens. „Das Beste an unserem Hafen ist das klare Wasser und der gut haltende Ankergrund“, erklärt der sportliche Hafenmitarbeiter. „In der Hochsaison ist die ideale Zeit einen Liegeplatz zu bekommen gegen zwölf Uhr mittags. Sonst gibt es gegenüber noch Muringbojen oder den Ankerplatz vor dem Hafen.“ Hier zahlt man ausnahmsweise auch als Ankerlieger Hafengeld, dafür darf man aber auch seinen Müll entsorgen („eines unserer größten Probleme“) und an der Pier frisches Wasser bunkern.

Gegenüber der Hafenpier von Hvar gibt es auch Liegeplätze an Murings.

Der Osten der Insel ist schön und einsam

Tag vier und fünf der Reise gehören der Osthälfte der Insel, die hier lang und schmal wird und nirgends mehr als drei Seemeilen breit ist. Die Buchten werden offener und sind nicht mehr so tief in das wuchtige, bis über 600 Meter hohe Felsmassiv der Insel eingeschnitten. Wir stoppen in Srhov Dolac, einer Bucht mit türkisblauem Wasser, kleiner Steinmole, einem Dutzend Häusern und noch mehr Fischerbooten. Es ist ruhig und grün, auf der Terrasse eines nur halbfertigen Hauses sitzt eine Fischerfamilie beim Mittag, wir baden, sonnen und genießen eine Ankerbucht ganz für uns alleine.

Bucht Srhov Dolac: Im Osten der Insel Hvar gibt es viele ruhige Badebuchten.

Ähnlich ist auch die Stimmung in der Bucht Pokrivenik, nur ein paar Inselkenner verirren sich an den schönen Kiesstrand im Scheitel der Bucht. In der steil aufsteigenden Felswand des Westufers kann man durch eine riesige Höhle kraxeln und im Restaurant nebenan mit Blick über die Bucht zu Mittag essen. „Kaum zu glauben, dass Hochsaison ist“, findet Jan in Anbetracht der Stille.

Trotz Hauptsaison verirren sich nur wenige Yachten in die Bucht Pokrivenik.

Selbst die Auswahl an Häfen ist groß

Sichere Liegeplätze gibt es auf dem langen Weg um die Ostspitze auch. Beliebt sind die Ankerplätze und die Restaurants auf Scedro, auf der zwei Seemeilen vor der Küste gelegenen kleinen Insel. Oder der Hafen von Sucuray direkt an der Ostspitze neben dem Leuchtturm. Hier machen die Autofähren vom nahen Festland gegenüber fest, der kleine Ort ist aber viel mehr als die in Reiseführern beschriebene Durchgangsstation. Rot gedeckte Natursteinhäuser, Restaurants, ein Supermarkt, ein kleiner Platz, schattige Palmen, viele bunte Fischerboote und eine kleine Holzsteganlage mit Wasser und Strom für Besucheryachten machen den Ort „sehr gemütlich“, wie Martin findet.

Der selten besuchte Ort Sucuraj an der Ostspitze von Hvar ist einladend.

Vrboska oder Jelsa? „Keine Frage“, hatte Georges uns in Hvar mit auf den Weg gegeben, „Vrboska nennen wir auch ‚Klein Venedig’, da ziehe ich später hin, wenn ich meine Ruhe haben will.“ Wir tuckern durch einen engen, fjordartigen Einschnitt an einer ACI-Marina vorbei bis in den Stadthafen, bekommen eine Muringleine zugewiesen, spazieren über kleine Brücken vom Nord- zum Südufer und zurück und bestaunen die massive Festungskirche Sv. Lovro, ein Renaissancebau zum Schutz gegen die Türken, die den Ort 1571 bei einem Angriff zerstörten. Gute Wahl.

Die Anzahl der schönen Plätze wie hier in Vrboska nehmen kein Ende.

Fazit: Kroatien kompakt auf einer Insel

Vor der Rückkehr zur Charterbasis mieten wir uns für den letzten Tag noch einen Motorroller und rasen mit dem Fahrtwind in den Haaren über kurvige Gebirgsstraßen. Vorbei an verschlafenen Ortschaften, Weinfeldern, Orangenbäumen und Zypressen. Wir stoppen an einem Verkaufsstand am Rande der Straße, kaufen Rosmarinöl, Lavendelseife und eine Flasche Faros, den inseleigenen Rotwein der Südhänge.

Die Bordküche wird mit inseleigenen Spezialitäten aufgestockt.

Die Luft duftet abwechselnd nach Thymian und Salbei, wir düsen an Olivenplantagen, Schafsherden und Feigenbäumen vorbei. Und erhaschen grandiose Ausblicke über die grüne Insel hinweg auf das tiefdunkelblaue Meer, entdecken noch mehr einsame Buchten und halten später auch im Touristenort Jelsa. „Hvar bietet viel zu viele Ziele für eine Woche“, findet Jan, „wir müssen unbedingt wiederkommen.“

Zwischen den vielen Zielen auf der Insel ziehen einsame und ruhige Landschaften vorüber.

Charterbasis

Der größte Charterhafen von Süddalmatien ist die Marina Kastela bei Split.

Rund um Split und Trogir betreiben viele Charterunternehmen ihre Stützpunkte, die größten Flotten liegen in der Marina Kastela zwischen den beiden Städten. Das schönste Ambiente als Ausgangshafen haben vermutlich Trogir und Rogoznica. Neben den bekannten internationalen Flottenbetreibern gibt es eine Vielzahl lokaler Anbieter mit kleinen und mittleren Flottengrößen zwischen zehn und 30 Schiffen, auch deutsche Firmen operieren vor Ort. Pauschal kann man festhalten, dass Standard und Service in Kroatien einen guten Ruf genießen. Der Großteil der Flotten besteht aus Marken herkömmlicher Yachthersteller und das Angebot an Katamaranen nimmt auch hier stetig zu. Wer möchte, findet aber auch Spezialanbieter mit schnellen oder hochwertigen Yachten im Programm.

Diese Charter-Agenturen helfen Dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter können diese Firmen behilflich sein:

Diese Firmen bieten organisierte Reisen an

Flottille, Kojencharter, Crewed-Charter, Segelkreuzfahrt – die Möglichkeiten, das Revier unter Anleitung oder in der Gruppe kennenzulernen, sind vielfältig. Diese Firmen bringen Dich aufs Wasser:

Diese Anbieter betreiben vor Ort einen Stützpunkt

Große und kleine, nationale und internationale Flottenbetreiber bieten vor Ort moderne Yachten an. Unter anderen betreiben diese Firmen vor Ort ihren eigenen Stützpunkt.

Der Beitrag Segeln/Chartern in Kroatien – die Perle Süddalmatiens heißt Hvar erschien zuerst auf Blauwasser.de.