Archiv der Kategorie: Blogs

Tag 3: Immer schön positiv denken

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“Scotty. Mach die Protonenlaser klar.“

Solange ich noch schreiben kann, ist alles klar auf meinem kleinen Raumschiff Enterprise. Endlich gehen meine Blutwerte langsam in den Keller, so wie sie es sollen. Das ist ja nun das Ziel der täglichen Infusionen, der Chemotherapie. „Geh noch mal raus an die frische Luft. Wer weiß, wann Du es wieder kannst“, mein Chemoschwester Sabrina. Echt ne Nette. Hat mich sofort wiedererkannt. „Für morgen stehst Du schon auf der Blutkonservenliste.“ Ich nicke. Weiß was das heißt und lächel in die Kamera des I-phone. Den ZVK dreh ich selber ab von der NaCl 0,9% Flasche über mir. Darf ich auch. Im Flur steht LOA Helge vor mir. „Ne. Alles gut. Schwester Sabrina hat’s erlaubt. Ich bin um drei Uhr wieder da, für die nächste Tüte Gift.“ „Ich dachte schon Du ziehst aus. Aber ohne Seesack wirst Du wohl nicht flüchten.“

Kaum draussen, geniesse ich die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Das Gefühl von 2.5 Std. Freiheit fließt wie Protonenenergie in meinen Körper. „So nen Scheiß“, geht mir durch den Kopf. Schon stehen NathalieMayaLena vor mir mit der Schleuder und packen mich ein. „Eigentlich will ich laufen.“ Es gibt Waffeln, Kaffee, Familienleben auf der Toosbüystr. Schön. Ich geniesse es. „Gegen 15 Uhr muss ich wieder auf meinem Zimmer sein. Also mal los.“ Den Berg rauf werde ich Schritt für Schritt langsamer. Flens steht für Bier – Burg steht für die Toosbüystr. Wieder auf dem Zimmer bekomme ich direkt wieder die Schläuche an den Hals. Ich leg mich hin. Fertig. Schlafe sofort ein.


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Tag 2: Nasebohren

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Papa. Du sollst nicht wieder Segeln gehen. Krokodilstränen

Meine Vodofone GigaCube ist gekommen. Na Gott sei Dank. Vernünftiges Internet. Da nehmen wir uns Zeit mal ne Runde in der Nase zu bohren. Das meine Kinder inzwischen alt genug sind um mich besuchen zu kommen, dass hilft. Der zweite Tag Chemo von fünfen verläuft entspannt. Langeweile kommt nicht auf. Über Whats App habe ich eine Standleitung nach Curacao, Spanien, in die Schweiz und nach Deutschland. Schöne neue Technik. Meine Blutwerte sind immer noch so gut, dass ich fit wie ein Turnschuh bin. Das wird auch noch bis Tag sieben so bleiben. Dank „Seekrankheitsmedikamenten“ wird mir auch nicht schlecht, ich muss nicht kotzen und Haare habe ich auch noch, ich muss noch keinen Mundschutz tragen, sehe nicht aus wie ein Monster und darf auch noch in den Garten. Ich bin auch noch nicht infektionsgefährdet. Kommt alles noch. Also geniesse ich die Tage bis dahin.


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Ein neues Segel-Video

Fr., 04.Okt.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 1951, 18.962 sm von HH

Unser bislang längster Törn – von Ecuador auf die Osterinsel: ein Boot, zwei Menschen, 2400 Seemeilen, 24 Tage.

Ist ja schon eine Weile her, aber trotzdem viel Spaß!

Ein Boot, zwei Menschen, 2400 Seemeilen, 24 Tage

Ein Boot, zwei Menschen, 2400 Seemeilen, 24 Tage

Tag 1: Aderlass

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Sagt man gerne: Das Leben geht weiter

Währenddessen ich die letzte Nacht im Bett mit Maya schlafe sind Räuber in unserem Haus unterwegs und brechen unseren Keller auf. Klauen was? Meinen geliebten 14er Slingshot Kite, Lenas 6er Flysurfer, mein Cabrinha Kiteboard, noch ein Spleen Kite Board, zwei Harnesse, eine Tauchweste, meinen Krankenhaus Wasserkocher, den mir Christian 2016 geschenkt hat, eine Mikrowelle und vielleicht noch mehr. Ich kann es nicht kontrollieren. Vor einer Woche wurde unser Keller schon mal aufgebrochen und ein Beamer mitgenommen. Heißes Plaster, die Toosbüystr. Vor allen Dingen, keine Einbruchsspuren. Es sieht aus als wenn die Täter einen Sicherheitsschlüssel zur Haustür und zum Keller gehabt haben. Nathalie ist total sauer und unterwegs zur Polizei. Na, da bin ich ja mal gespannt ob die so gut sind wie im Frühjahr in Martinique, wo ich den Aussenborder am nächsten Tag wieder hatte.

Mein Tag beginnt mit Aderlass und ZVK (Zentraler Venen Katheder) durch den die giftige Chemo direkt in meine Herzaterie gelangt. Ich habe saumäßig Schiss vor dem Beginn der Chemotherapie. 2016 habe ich auf ein Medikament mit einem Schock reagiert und landete dann für 4 Wochen auf der Intensivstation. Ich hoffe so sehr dass die ganze Geschichte ohne Komplikationen abläuft, so wie Oberarzt Helge sich das vorstellt. Am besten ohne Lungenentzündung oder sonstiges. Alle sind supernett hier zu mir im Malteser Krankenhaus. Ich lege mir direkt eine Liste an mit den ganzen Namen. Das sind echt zu viele. „Können wir uns dutzen?“ ist immer meine Vorstellung. Hmm. Fast immer.

Nathalie ist mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt und hält Händchen an meinem Bett als die Infusionspumpe mit dem ersten der drei Medikamente loslegt. Sie hat aufgrund meiner Krankheit ihren Herbsturlaub nach Italien ebenfalls storniert. Lieb von meiner Ex. Weißes Gift, dann Rotorange… Alles gut. Keine Reaktion, ausser dass ich einschlafe und auch auf der Erde wieder aufwachen. Dann in vier Stunden wieder weiß. Erst mal alles ohne Komplikationen. Na. Dann hoffen wir einfach mal, dass das so bleibt wie geplant.

Das Internet im Malteser ist grottenschlecht. Ich hab mir eine Vodafone GigaCube geordert, damit ich die Wartezeit im Krankenhaus nutzen kann und mir nicht die Decke auf den Kopf fällt. Bringt mir Maya wohl gleich mit.


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Theo ist da! Und das neue Leben an Bord.

Liebe Leser, am 19. September 2019 um kurz nach 19 Uhr erblickte unser Theo das Licht der Welt. Die Geburt war nicht ganz undramatisch … Aber Mutter und Kind geht es mittlerweile wieder super. Und die Resonanz auf die bei…

Winterleukämie

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{Title:Winterleukämie}

Plan abgearbeitet

Es läuft alles wie am Schnürchen. Büro und Wohnung aufgelöst. Speermüll. Sachen in den Keller gebracht. Ebay Verkauf. Besenrein übergebe ich meine Existenz an meine Freunde, Mitsegler und Vermieter Heike und Bernd. Na denn. „Was steht denn sonst noch auf dem Plan?“ Seit zwei Tagen quäle ich mich mit einer aufdringlichen Grippe herum. Ich bekomme schlecht Luft. Aus Erfahrung weiß ich, dass das kein gutes Zeichen ist. Also ab zu meinem Hämatologen Helge in Nathalies Krankenhaus. Der zapft direkt meinen Venen an und schickt die durch den Schnell-Diagnoseapparat. Hämoglobin bei 9. Upssi. Mir wird schlagartig kotzübel und nicke nur in dem Nebel, der mich umhüllt, als Helge mich direkt mitnimmt zur Knochenmarkspunktion. Zwei Stunden später steht fest: Ich habe eine Rezidiv meiner AML Leukämie.

In 10 Stunden geht mein Flieger und er wird ohne mich fliegen. Eine Behandlung meines Rezidivs in Curacao ist genauso töricht wie in Cuba. Ich habe keine Wohnung mehr in Flensburg, kein Büro mehr, mein Zuhause ist mein Schiff, die MARLIN, auf Curacao. „Und nu? Nicht mein Glückstag, der 1. Oktober 2019“ Aber ich bin nicht alleine. MayaLena nehmen mich natürlich sofort auf und Nathalie überbringt die Nachricht, dass ich am Mittwoch schon in die Klinik soll. Chemotherapie und wieder der ganze Mist von vorne, den ich 2016 hinter mich gebracht habe. Abwechselnd bekommen wir Heulkrämpfe und schön ist anders. Eher eine Drama. Die Erinnerungen an 2016 sind nicht schön. Ich fühle mich an die Wand gestellt. Aussichtslos. Ich denke daran von der nächsten Brücke zu springen. MayaLena halten mich am ehesten davon ab.

Es ist aber nicht aussichtslos. Weil ich die erste Chemotherapie 2016 ohne Knochenmarkstransplantation gemacht habe, kann ich diese jetzt machen. Da hat man nur einen Versuch. Ich glaube trotzdem an Verrat und aus lauter Ratlosigkeit besuche ich meinen Hausarzt Pelle und lasse ein Zweitblutbild machen um die Diagnose bestätigen zu lassen. Danach gehe ich zum kurdischen Friseur. „Bitte 6mm und das komplette Programm. Bart, Nase, Ohren, Augenbraunen!“ Leukostyle. Ich versuche mich zu fangen, irgendwie muss ich das hinbekommen. Mit Pillen bekomme ich die Grippe wieder in den Griff, aber beim Gespräch mit Helge am nächsten Tag mit den nun vorliegenden Labordaten wird mir schnell klar, dass das keine Sommergrippe ist. 60% Blasten im Knochenmark, 20% im Blut. Ok. Freitag beziehe ich meine neue Flensburger Wohnung. Zimmer 33 mit Blick auf Flensburg. Hoffentlich geht alles gut.


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SV Inspiration II -Vladimir Marataev RUS

VIER JAHRE WELTUMSEGELUNG MIT LOW BUDGET

Die Inspiration II ist nun das zweite Mal um die Welt gesegelt. Das Schiff hatte bereits mit dem Voreigner Horst Scholz diese Reise vollzogen, der allerdings beim Verkauf des Schiffes an Vladimir die Windpilot Anlage vom Heck demontierte, weil er sie an sein neues Schiff anzuschrauben gedachte, mit dem er die nächste Reise plante.
So kam es, dass ich im Sommer 2015 in Holtenau einen Steuersklaven an die Inspiration verschraubte, ein flinker Job, weil die Löcher auf mich warteten. Wir haben mehr geredet als geschraubt.

Ich habe damals einen überaus symphatischen Seemann kennen gelernt, der mit sparsamen Worten erzählte, dass er eine Weltumsegelung zu machen plante. Mit einem Männerschiff, rustikal, unter Deck eine dunkle Höhle vergleichsweise gering sortiert, die Klorolle am Band im Niedergang, immerhin ein solider Rettungsring, den man allerdings nicht gern an den Kopf geworfen haben möchte.

Langkawi beach

Zwei Jahre später habe ich aus Panama diese Mail erhalten:

Dear Peter. My Yacht INSPIRATION II has your Winpilot Pacific since August 2015. I am in Panama – Balboa today and in few days I will start sail to Marquises, French Polinesia. 
Many thanks you for this Windpilot – it works good.
Be so kind tell me one question – What maximum wind Windpilot Pacific can be used?
Best Regards from Vladimir

Meine Antwort bei solchen Fragen ist immer die gleiche: Eine Windpilot hat keine Augen, um brechenden Seen auszuweichen, aber er kann steuern, solange Wind und Wellen zueinander passen. Ansonsten hält der Steuersklave still die Klappe, und hält mehr aus, als die Nerven eines Skipper´s, der sich u.U. auf der Yacht in die Hosen macht, derweil der Steuersklave einfach nur stoisch funktioniert.

Horst Scholz + Vladimir

Im August dieses Jahres habe ich dann von Horst Scholz – dem Voreigner! – erfahren, dass er zusammen mit Vladimir die letzten Meilen von Spanien bis in die Ostsee gemeinsam zuückgelegt habe.
Am 1.10.2019 erhilet ich folgende Mail aus Kaliningrad:

Dear Peter, Thank you for Windpilot Pacific. Without it IMPOSSIBLE go around world and on long trip alone too.
Best regards
Vladimir

Es folgte ein interessanter Schriftwechsel, in dessen Verlauf ich Vladimir einige Fragen gestellt habe … Die Antworten haben mich sprachlos gemacht, weil ich kaum glauben konnte, was dieser Seemann mir erzählte. Hier die Kurzgeschichte:

Vladimir ( 70 ) hat lebenslang als Berufsseemann gearbeitet, davon viele Jahre als Chief Ingenieur bei der deutschen Reederei Briese Schiffahrt. Seinen Lebenstraum von einer Weltumsegelung hat er wahr werden lassen, vier Jahre war er unterwegs, mit einem Schiff, das zwar aus Stahl, aber angesichts der in Jahrzehnten durchstandenen Strapazen, in einem Zustand, der mich bereits vor der Abfahrt in stille Ehrfurcht versetzt hat. Das Schiff hatte für € 5.000 den Eigner gewechselt, zzgl. dem Preis eines Steuersklaven, den ich damals nicht voll berechnet habe, um das Budget nicht unnötig zu belasten.

Durchgerostet


Ich habe gewagt, Vladimir nach dem Gesamtbudget für seinen Lebenstraum zu befragen, er hat mir gestern mitgeteilt, dass ihm € 30.000 insgesamt für 4 Jahre zur Verfuegung gestanden haben, inklusive dem Kauf des Schiffes, der Heckverzierung, den Transit Kanalgebühren für Panama, Suez und Kiel Kanal … Treibstoff auch für den eigenen Körper und Seele … bis zur Rückkehr nach Kaliningrad!

Gestern schrieb Vladimir:

I try to repair INSPIRATION II for next  trip around world (Cape  Horn).  And I hope find sponsor for this idea.
Regards.
Vladimir

Eine Leistung, die mich still werden lässt, wenn ich an unzählige Blauwassersegler und ihre Budgets denke, die mit ganz anderen Vorraussetzungen … ihre Pläne nicht umsetzen mögen oder können … und dafür immer mal wieder mangelnde Sponsoren Unterstützung beklagen.

Aufgeschrieben 02.10.2019
Peter Foerthmann

SV Raven – Joe Schuelli CH

VIER JAHRE – 1,5 MAL UM DIE WELT – 2 MAILS

Die Schweizer sind schon immer für Überraschungen gut. Zum Beispiel Jo, von dem ich innerhalb von 4 Jahren nur zwei kurze Mails erhielt, z.B. am 31.12.2016:

Hallo Peter, wünsche guten Rutsch, und alles Beste fürs neue Jahr. Bin in Walvis-Bay. Brauche Schubstange, ist mir gebrochen. Habe Pacific in 2015 bei Dir gekauft. Hat bestens Funktioniert, in allen Situationen. Kannst Du hierher schicken?

Mit UPS war die Sache in wenigen Tagen erledigt. Kürzlich kam dann die zweite Mail, am 22.09.2019

Hallo Peter, bin ca. ein und halb Mal um die Welt gesegelt. Jetzt ist die Pacific ein bisschen lotterig in den Lagern. Kannst Du mir neue Lager schicken? Denn ich will weiter segeln, es geht von den Capeverden aus Richtung Süden.
Mit besten Grüssen
Jo, S/V Raven

Auch hier war die Sache schnell erledigt, Jo ist am Sonntag nach Mindelo entflogen, wo sein Schiff geduldig an der Mooring zerrt.
Ein Segler, der abseits der Öffentlichkeit seine Segelreisen still geniesst.

Peter Foerthmann

SV Selene – Kjell Litwin SE

EIN STILLER HELD IST ANGEKOMMEN

Ganz abseits des grossen Trubel´s um die GGR Segelheroen, ist der schwedische Einhandsegler Kjell Litwin mit seiner SV Selene, einer Vagabond 31, im Sommer ohne Trubel geräuschlos in seine Heimatstadt Stockholm zurückgekehrt. Die Welt hatte lediglich einmal von ihm gehört, als er über Kurzwelle darüber informierte, dass sein Trinkwasser ungeniessbar sei, woraufhin Istvan Kopar ihm im indischen Ocean von seinen eigenen Reserven einen Kanister übergab.

Kjell ist im Dezember in Hobart eingelaufen, ohne Trinkwasser Reserve, das Unterwasserschiff vollständig bewachsen, mit defekter Windsteueranlage. Notwendige Reparaturen wurden erledigt, eine Windpilot Anlage installiert, frisches Antifouling, die Reise ist im Januar weiter gegangen. Next Port Stockholm. Ankunft 3.Juli 2019

Wir haben unterwegs Kontakt gehalten, einiges über uns ausgetauscht, was bei Männern im gleichen Alter einfach wird, wenn Erfahrungen in Balance sind. Der Grund für einen Störfall unterwegs – eine verbogene Schubstange – war schnell gefunden. Kjell hat das wie folgt beschrieben:

Peter, I think I know  way the push rod was bent. I found out that the tiller clutch, see picture, was raised by the wind (both time the wind was strong, + 20 m/s), and in standing position the tiller was locked. Without possibility to move the tiller, the force from the WP was transferred to the push rod.

Seine Mail vor wenigenTagen:

Good to be at home, no more salt water and the floor is not moving.
Right now the wind is strong and squally in Stockholm and I am glad to be tied up in a safe place and not struggle in the Southern Ocean.

credits: Jonas Ekblad

Der Selene sind die Strapazen anzusehen, es erscheint kaum vorstellbar, wie das Schiff wohl ohne Zwischenstopp in Hobart ausgesehen hätte.

Peter Foerthmann

Von England nach Irland und Schottland (31): Übers Meer nach Glasgow.



„Was hätte ich alles versäumt, wenn ich nicht rausgegangen wäre heute!“

Der Loch Fyne, ein 50 Kilometer langer schlauchartiger Fjord nach Süden, spiegelt an diesem windigen Tag alle Wetter wieder. Hinter uns im Norden, wo Crinan am Ausgang des gleichnamigen Canals liegt, schwappen Wellen graublauer Regenwolken über die kargen Hänge des Hochlands herunter südostwärts. Im Süden, da, wo wir hinwollen, bricht vor der Insel Arran die Sonne durch die Wolken und zeichnet einen hellen Streifen am Horizont.

Segeln im Westen Schottlands ist wie Segeln auf einem windigen See in Bayern. Es ist Mitte August. Und doch gleicht das Wetter dem im April: Regenschauer und Sonne im Wechsel. Und Böen. Noch an der Boje vor dem Hafen von Tarbert beobachte ich heute morgen besorgt den Windmesser. Levje eiert an der Boje hin und her in den Böen. Sie ziehen von Westen mit 30, in der Spitze mit 35 Knoten heran und malen ihre Fächer aufs Wasser. Als wir draußen sind, sehen wir sie herankommen, ein dunkelgrauer Strich nach dem anderen auf dem Wasser, der auf Levje aus Westsüdwest zuhält, nicht anders, als wäre ich an einem wilden Föhntag auf einem der bayrischen Seen unterwegs und nicht auf dem Loch Fyne, diesem 50 Kilometer langen schlauchartigen Fjord, der sich von Norden nach Süden bis zur Insel Arran zieht.


Die Flanken des höchsten Berges auf der Insel Arran glänzen wie Schnee, wenn die Sonne durchbricht. Doch Schnee kann es nicht sein, selbst wenn der Berg, der da glänzt, der Goatfell, von 0 auf knapp 900 Höhenmeter ansteigt. Es ist ein warmer Tag, die Böe, die gerade mit 30 Knoten übers Wasser heranfaucht, ist mit 20 Grad zu warm. Was die Flanken zum Glänzen und Glitzern bringt, Felsplatten und Gebirgsbäche, die der letzte Regenschauer in der Sonne in polierte Spiegel verwandelt.

Der Wind an diesem Tag ist ein verwandter der kroatische Bora. Erst gemächliche Stille, in der 4-5 Windstärken Levje gemächlich übers Wasser treiben. Dann urplötzlich Böen mit 30 Knoten, in der sich die Wucht des Windes verdoppelt und die Levje erst auf die Seite legen und dann nach Südwesten in den Wind drehen lassen, weil alles, was vorher an Tuch richtig war, im nächsten Augenblick zuviel ist. Reffen und Ausreffen im schnellen Wechsel.


Plötzlich wird der Wind zur Tramontana, zum Kaltluftschwall der Nordadria, der wie aus einer Trillerpfeiffe mit anhaltenden 6 Windstärken kalt aus den Bergen aufs Wasser bricht. Auch hier vor Arran ist die Luft gefühlte 5 Grad kälter, der Wind bläst vor dem Kap zwischen den Inseln Arran und Bute zehn Minuten wie aus einem Föhn ohne Schwankung, die Böen sind plötzlich einem konstanten Kaltluftstrom gewichen, der aus Süden heranfaucht und Gischt mit 25 Knoten flach übers Vordeck jagt.

Weiter Kurs halten auf unser heutiges Ziel, den Hafen Ardrossan am Festland im Südosten? Ist bei diesem Südwind nicht drin. In Arran anlegen ganz im Norden der Insel in Lochranza? Der Name macht neugierig, es klingt mehr Italienisch als Schottisch, ein altes Castle gäbs da mitten in der Bucht und daneben ein Bojenfeld. Wenn der Wind dreht, ist das kein schöner Platz, also weiter um das Kap der Insel Bute herum nach Norden, in den Firth of Clyde hinein, an dessen nordöstlichen Ende, wo der River Clyde enger und enger wird, Glasgow liegt. 

Aus einem geplanten 4-Stunden Segeltag wird wieder mal ein 12 Stunden Tag. Und aus dem Gegenan ein „Platt-vor-dem-Wind“ gleiten. Die Landschaft wird kultivierter und städtischer. Die Nähe Glasgows, Schottlands zweitgrößter Stadt, ist am Festland zu spüren, die Kleinstädte an der Küste wie Fairlie oder Largs oder Greenock sind sternförmig mit Glasgow verbunden, und die Zahl der Marinas an der Küste nimmt spürbar zu. 


Doch so nahe sich Glasgow anfühlt, es dauert bis zum Abend, bis wir die JAMES-WATT-DOCK-MARINA in Greenock endlich vor uns haben. An kaum einem anderen Ort auf der Welt lässt sich die große Veränderung besser spüren, die die Welt in den letzten 30, 40 Jahren umgekrempelt hat, wie in Schottlands Marinas. Zahllose Marinas um Glasgow sind auf dem Gelände einstiger Schwerindustrie errichtet worden. Statt schwerem Schiffbau wird auf dem River Clyde nun Dienstleistung angeboten, die JAMES-WATT-DOCK-MARINA macht da keine Ausnahme, davon erzählt der gewaltige Kran, der die Werft weithin sichtbar überragt und unter dem die Einfahrt in den Hafen liegt. 

Mein nächster Post wird sich um die Marina drehen, die eine ideale Ausgangsbasis ist: Für Ausflüge nach Glasgow und Edinburgh. Aber auch für einen Blick hinüber in den Sonnenuntergang über der langen Halbinsel Kintyre nach einem langen, abenteuerlichen Tag.




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Soeben bei millemari. erschienen: 
Die Hörbücher AM BERG und STURM.
Jetzt kostenlos reinhören!



Kaum jemand segelt freiwillig raus bei Windstärke 8 oder 9 Beaufort. Hier berichten ganz normale Segler, die genau das erlebten, über ihre dramatischsten Stunden auf dem Meer. In Ostsee, Nordsee, Ijsselmeer und Mittelmeer. Über das, was sie richtig oder falsch gemacht haben. Und darüber, was in ihnen vorging, als sie unbeabsichtigt ihre Extremsituation zu meistern hatten. 
Mit diesem Hörbuch schrumpft die lange Fahrt am Morgen zum Boot beträchtlich!

Als Buch.
Als gebundene Geschenk-Ausgabe.
Als E-Book.
Jetzt neu als Audiobook.

Soeben erschienen:





„Spannender als viele Romane!“. 
„Packender als so mancher Thriller“.

Die Bergretter sehen ihr Leben und das, was sie in den Bergen erleben, naturgemäß anders. „Ich hab eigentlich nichts zu erzählen“, antworten sie bescheiden, wenn man sie nach ihren Erlebnissen in den Bergen fragt. Aber schon nach wenigen Minuten ist klar, dass sie Geschichten erlebten, die das Leben dieser Männer und Frauen und der Geretteten für immer prägten. Hier kommt eine Sammlung ihrer spannendsten Geschichten – als Begleiter auf der Fahrt in die Berge. Oder als Gute-Nacht-Geschichte. Aber das müssen Sie selber rausfinden, wie gut Sie danach einschlafen. 

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Und jetzt neu als Audiobook.


PS: We care! Bergretter bezahlen ihre Ausrüstung, mit der sie auf Einsatz gehen, 
ausschließlich aus der eigenen Tasche. 
Mit dem Hörbuch unterstützen wir die Bergretter genauso wie mit dem Buch: 
Wir überweisen vom Nettoverlagserlös 25% an die Bergretter.




TMS – tödlicher Männer-Schnupfen

Sa., 28.Sep.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 1945, 18.962 sm von HH

Nur, dass es mich erwischt hat. Mit trockenem Husten, der nachts das ganze Schiff wach hält und verstopfter Nase. Macht bei 30 Grad genauso wenig Spaß wie bei 4 Grad Nieselregen. Ich kann bei Erkältung ebenso gut wie ein Mann leiden und erwarte ebenfalls, dass ich daran sterben werde. Den Tiefpunkt habe ich überstanden, es war heute schon besser.
Dem Skipper geht es inzwischen wieder prima: Fuß gut, Zahn gut, Auge gut!

Warum wir trotzdem nicht weiter fahren? Wir warten. Und zwar auf mein Geburtstags-Geschenk. Da freut frau sich aber. :lol: In die Hände klatsch. Das habe ich mir schon immer gewünscht. Es gibt dieses Jahr eine neue Ankerwinsch.
Der Frachter auf dem das gute Stück geliefert wird, wird am 2. Oktober in Tahiti erwartet. Dann muss die Winsch noch durch den Zoll, aber am Freitag, spätestens Montag, können wir sie wahrscheinlich abholen. Die alte Winsch hat es hinter sich. Sie kann den Anker seit geraumer Zeit nur noch hoch ziehen, die Passfeder ist ausgejuckelt und hat auch sonst ihre Mucken. Bei den tiefen Ankerplätzen, die auf uns zu kommen im nächsten halben Jahr brauchen wir eine tüchtige Winsch.

Und wir warten auf ein neues Radar. Beim Einlaufen in Tikehau meldete das Teil unerwartet aus dem Nichts ‚Selbsttest abgebrochen‘. Was soll das nun wieder? Auf eine Nachfrage bei Raymarine erhalten wir ohne Zögern die Auskunft ‚kaputt, Hardware-Fehler‘. Das Radar wurde nach unserem Blitzschlag neu eingebaut, ist also 1,5 Jahre alt und hat noch Garantie.
Zunächst zeigt sich Raymarine etwas spröde: „Im Südpazifik gäbe es keine Händler, wir können nicht helfen, erst wenn Sie sich wieder in der Nähe von autorisiertem Personal befinden.“ Die Nummer eins in Yachtelektronik – Eigenwerbung – kann nicht helfen.
Ein paar Mails später hat Achim Raymarine weich gekocht. Aus Australien liefert man uns nun einen neuen Radar-Dom. Das Tracking sagt, er ist bereits in Neuseeland angekommen und durch die Zollabwicklung durch. Ankunft erwartet: noch diese Woche. Den kaputten Radar müssen wir mit zum Zoll nehmen, der wird vernichtet und wir halten dann einen neuen Radar in den Händen. So die Hoffnung.

Sobald wir mit Warten fertig sind, geht es weiter. Noch sind wir im Zeitplan, spätestens am 15. Oktober wollten wir hier weg. Die Zeit ist nicht verschwendet, sondern die ewigen (und ewig langen) ‚to-do-Listen‘ werden abgearbeitet.

Industrie-Romantik

Und während wir warten, genießen wir den Blick auf Moorea, die schöne Schwester Tahitis.

Pelagic – Windpilot – Nike Steiger – Mike Scheck

JAGDSZENEN AUS DEM WINDPILOT REVIER

Windpilot – Pelagic