Kategorie: Blogs

Ein Ende ist in Sicht

So., 22.Nov.20, Franz.Polynesien/Tahiti/Papeete, Tag 2366, 21.218 sm von HH

Unsere Arbeiten sind fast fertig. Zu Beginn haben Regenschauer die Decks-Arbeiten ständig unterbrochen, aber seit zehn Tagen ist es trocken und Achim kommt gut voran. Noch eine Stelle schleifen, dann ist er fertig. Was man so fertig nennt … für die Erneuerung aller Fugen an Deck bräuchten wir ungefähr hundert Tuben. Die würde man vielleicht in Papeete noch zusammen kratzen können, aber leider mit der falschen Spezifikation. Achim ist damit nicht zufrieden. Das falsche Sika zieht sich beim Trocknen stärker ein, hinterlässt also keine glatte Fuge und lässt sich erheblich schlechter schleifen. Die schlimmsten Stellen sind aber repariert – das muss, das soll reichen. Achim hat inzwischen das letzte Messer vom Fein Multimaster in Arbeit – Nachschub kann man vergessen. Selbst Latexhandschuhe für Sika-freie Hände sind auf der ganzen Insel nicht zu bekommen. Dank Corona.

Schnell schleifen bevor der nächste Regen kommt

Nun braucht nur noch das Reinigungspersonal anrücken. Der Staub liegt überall Zentimeter dick. Draußen sowieso und sogar im Salon kann man ‚Sau‘ ins Bücherregal schreiben. Das dauert wohl ein paar Tage bis wir damit fertig sind. Allein die Stellen zu finden, wo das Sika nicht hingehört. :roll: Darum haben wir den Liegeplatz in der Marina noch um eine Woche verlängert, aber dann geht es endlich weiter.

Keine Gottesanbeterin sondern Sika was dort nicht hingehört – ein widerliches Klebzeug was seine Wege sucht

Ich darf bei den Decksarbeiten nicht mitspielen – zu wenig Platz für zwei – und suche mir andere Projekte

 

Aus dem großen Refit in Neuseeland einschließlich neuem Bimini, Polstern und einer kompletten Decksreparatur ist etwas Flickwerk mit den Möglichkeiten vor Ort geworden.
Wir sind trotzdem zufrieden. Wir sind trotzdem zufrieden.
Neuseeland hat gestern die finale Absage einer Einreise-Genehmigung an uns geschickt. Wir sind zu arm, Englische Mitbewerber hatten 60.000 Neuseeland Dollar angegeben, mit der Summe hätten sie theoretisch rein gedurft, aber auch sie haben sich längst dagegen entschieden – die Zyklon-Saison hat bereits begonnen.

Wir sind soweit und reif für einen Aufbruch. Noch eine Woche … :-)

 

Was kann einem Boot im Sturm gefährlicher werden? Der Wind? Oder die Welle?

Ein typischer Anblick in den Wintermonaten in der Bucht von Port de Pollença im Osten Mallorcas. Eine Yacht hat sich bei schwerem Südsturm von ihrem Anker losgerissen. Aber was wurde ihr zum Verhängnis: Der heftige Wind? Oder die Welle in der eigentlich geschützten Bucht?

Auf diese unscheinbare Frage, ob Wind oder Welle einem Boot im Sturm gefährlicher werden,  stieß ich vor kurzem im Handbuch Sturm Taktik von Lin & Larry Pardey. Aber so unscheinbar sie ist, so wert ist es, über diese Frage nachzudenken. Was ist es letztlich, was dafür sorgt, dass ein Boot im Sturm in Bedrängnis gerät?

Ist es vor allem der Wind, der bei aufziehendem Sturm unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht? Die hunderte verschiedener Sinneseindrücke reichen von akustischen Wahrnehmungen wie dem gewaltsamen Klonk-klonk-klonk eines Falls am Mast und dem Pfeiffen des Windes in der Takelage über die optischen Eindrücke eines heftig killenden Segels, wehende Gischt bis hin zum wild hin und her springenden Verklicker. Aber auch unser Körper nimmt Wind wahr, wenn wir uns gegen den Wind lehnen müssen, um aus dem Cockpit aufs Vordeck zu gelangen oder unwillkürlich in einer Böe nach der Mütze greifen, weil eine Böe sie vom Kopf zu reißen droht.

Aber genau in der Aufmerksamkeit, die der Wind auf sich zieht, liegt die Tücke. Denn auf offener See ist es nicht der Wind, der einem Boot gefährlich werden kann, sondern die Welle. Eine heftige Böe kann eine seegehende Yacht zwar kurzzeitig „flach legen“ und den Mast den Wellen nahebringen, aber niemals zum Kentern bringen. Das schaffen auf dem Meer nur brechende Wellen, die das Boot breitseits treffen und praktisch überrollen. Über dieses gefürchtete „Querschlagen“ schrieb ich bereits in den beiden vorangegangenen Posts. Damit das geschieht, brauchts ordentlich „Fetch“: Der Wind muss über eine lange Strecke, mehrere Hundert, besser Tausend Kilometer über die Weite der See anrollen,

Brechende Seen in einem Frühjahrs-Weststurm vor der Südküste Siziliens. Die mit langem Fetch aus der Länge des westlichen Mittelmeers rollenden Wellen brechen vor der Hafeneinfahrt von Sciacca und machen sie unpassierbar.

damit die Wogen Kraft bekommen. Übrigens schreiben Lin & Larry Pardey in ihrem HANDBUCH STURMTAKTIK, dass man die ersten Stunden eines Sturms selbst auf dem Atlantik die Fahrt in der Regel gut fortsetzen kann – bis zum jenem Moment, in dem die Wellen bei signifikanter Höhe brechen.

Lin & Larry Pardey beantworten die Frage eindeutig: Auf offener See ist es die Welle, die einem Boot gefährlich werden kann, nicht der Wind.

Aber wie immer gibt es eine Ausnahme: Jollen auf Binnengewässern. Hier genügt oft schon eine erste Gewitterböe, um Segelfahrzeuge ohne Kielballast umzuwerfen oder sie unter vollen Segeln aufs Ufer zu jagen. Aber deshalb gehört es auch zur praktischen Ausbildung auf Binnengewässern, zu lernen, wie man seine gekenterte Jolle wieder aufrichtet. 

Und die Winterstürme in Port de Pollença? Die gut geschützte Ankerbucht verspricht Seglern trügerische Sicherheit. Bei den tagelangen Südstürmen im Winter reicht schon ein Fetch von ein paar Kilometern, um Wellen aufzuwerfen, die das Schiff derart in Bewegung bringen, dass dessen Anker langsam aus dem Sandgrund gerupft und die Yacht aufs Nordufer gedrückt wird.

Das HANDBUCH STURMTAKTIK ist soeben erschienen und jetzt bei millemari.de bestellbar.

Was kann einem Boot im Sturm gefährlicher werden? Der Wind? Oder die Welle?

Ein typischer Anblick in den Wintermonaten in der Bucht von Port de Pollença im Osten Mallorcas. Eine Yacht hat sich bei schwerem Südsturm von ihrem Anker losgerissen. Aber was wurde ihr zum Verhängnis: Der heftige Wind? Oder die Welle in der eigentlich geschützten Bucht?

Auf diese unscheinbare Frage, ob Wind oder Welle einem Boot im Sturm gefährlicher werden,  stieß ich vor kurzem im Handbuch Sturm Taktik von Lin & Larry Pardey. Aber so unscheinbar sie ist, so wert ist es, über diese Frage nachzudenken. Was ist es letztlich, was dafür sorgt, dass ein Boot im Sturm in Bedrängnis gerät?

Ist es vor allem der Wind, der bei aufziehendem Sturm unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht? Die hunderte verschiedener Sinneseindrücke reichen von akustischen Wahrnehmungen wie dem gewaltsamen Klonk-klonk-klonk eines Falls am Mast und dem Pfeiffen des Windes in der Takelage über die optischen Eindrücke eines heftig killenden Segels, wehende Gischt bis hin zum wild hin und her springenden Verklicker. Aber auch unser Körper nimmt Wind wahr, wenn wir uns gegen den Wind lehnen müssen, um aus dem Cockpit aufs Vordeck zu gelangen oder unwillkürlich in einer Böe nach der Mütze greifen, weil eine Böe sie vom Kopf zu reißen droht.

Aber genau in der Aufmerksamkeit, die der Wind auf sich zieht, liegt die Tücke. Denn auf offener See ist es nicht der Wind, der einem Boot gefährlich werden kann, sondern die Welle. Eine heftige Böe kann eine seegehende Yacht zwar kurzzeitig „flach legen“ und den Mast den Wellen nahebringen, aber niemals zum Kentern bringen. Das schaffen auf dem Meer nur brechende Wellen, die das Boot breitseits treffen und praktisch überrollen. Über dieses gefürchtete „Querschlagen“ schrieb ich bereits in den beiden vorangegangenen Posts. Damit das geschieht, brauchts ordentlich „Fetch“: Der Wind muss über eine lange Strecke, mehrere Hundert, besser Tausend Kilometer über die Weite der See anrollen,

Brechende Seen in einem Frühjahrs-Weststurm vor der Südküste Siziliens. Die mit langem Fetch aus der Länge des westlichen Mittelmeers rollenden Wellen brechen vor der Hafeneinfahrt von Sciacca und machen sie unpassierbar.

damit die Wogen Kraft bekommen. Übrigens schreiben Lin & Larry Pardey in ihrem HANDBUCH STURMTAKTIK, dass man die ersten Stunden eines Sturms selbst auf dem Atlantik die Fahrt in der Regel gut fortsetzen kann – bis zum jenem Moment, in dem die Wellen bei signifikanter Höhe brechen.

Lin & Larry Pardey beantworten die Frage eindeutig: Auf offener See ist es die Welle, die einem Boot gefährlich werden kann, nicht der Wind.

Aber wie immer gibt es eine Ausnahme: Jollen auf Binnengewässern. Hier genügt oft schon eine erste Gewitterböe, um Segelfahrzeuge ohne Kielballast umzuwerfen oder sie unter vollen Segeln aufs Ufer zu jagen. Aber deshalb gehört es auch zur praktischen Ausbildung auf Binnengewässern, zu lernen, wie man seine gekenterte Jolle wieder aufrichtet. 

Und die Winterstürme in Port de Pollença? Die gut geschützte Ankerbucht verspricht Seglern trügerische Sicherheit. Bei den tagelangen Südstürmen im Winter reicht schon ein Fetch von ein paar Kilometern, um Wellen aufzuwerfen, die das Schiff derart in Bewegung bringen, dass dessen Anker langsam aus dem Sandgrund gerupft und die Yacht aufs Nordufer gedrückt wird.

Das HANDBUCH STURMTAKTIK ist soeben erschienen und jetzt bei millemari.de bestellbar.

Restauranttipp: Da Roberto in Scharendijke

Die Lage ist schonmal vorzüglich. Ein Pavillion oben auf dem Deich mit Blick auf den Yachthafen und das Grevelinger Meer. Anlegen kann man in besagtem Hafen. Wenn man den Hafenmeister fragt, ob es während des Essens OK ist, kann man meist gratis liegen. Das ist fein. Dann die Begrüßung: Italienisch. Bißchen chaotisch (so bleibt der Service während des gesamten Besuchs), charmant, mit einem Lächeln. Dann kommt Brot mit Oliven auf den Tisch. Fein.

Die Karte: Typisch Italienisch, logisch bei einem Italiener. Aber es ist eben echt typisch. Carpaccio, Caprese, Vitello Tonato. Auch eine Burrata gibt es. Erwartbar. Aber: Es ist echt schmackhaft und nicht wie sonst schon mal irgendwie aus der Dose. Das passt. Tipp: Gemischte Vorspeisen für alle.

Pasta? Logisch, auch mit Zeugs aus dem Wasser drin. Gut. Ansonsten Fisch und Fleisch und eine Tageskarte. Da gibt´s dann auch mal frisches Seegetier aus der Gegend oder Trüffel (genau der Geschmack der Redaktion…). Die Karte ist nicht echt außergewöhnlich, aber was es gibt ist gut. Pasta auf den Punkt, ebenso Rind. Das hat uns echt gut geschmeckt.

Hmm: Pasta mit Trüffel. Gut und von der Tageskarte.

Und danach gab es -wieder erwartbar- typische Toetjes (Nachtische) aus Italien. Tipp: Affogato…hmmm.

Ach ja: Die Pizzen. Gab es bei uns nicht, die Nachbarn aber wurden damit versorgt und das sah gut aus. Reste gab es nicht, muss also geschmeckt haben.

Was ist das Besondere an Roberto? Roberto. Er verleiht mit seinem Team dem Laden einen italienischen Flair mitten in Zeeland in der Nähe des Massentourismus-Bungalowparks. Das Chaos ist landestypisch, die Kellner setzen sich mal mit an den Tisch, Kinder dürfen rumflitzen und nen Lutscher gibts nachher eh. Das macht Spaß.

Nicht so viel Spaß machen die Preise. Die sind heftig, sogar für Niederländische Verhältnisse. Wegen der scheinbar guten Zutaten und der tollen Location geht das aber in Ordnung. Man muss ja nicht jeden Tag hin.

Wer also mal einen Italienischen Moment im Zeelandurlaub sucht: Da Roberto in Scharendijke kann helfen.

www.da-roberto-trattoria.nl

EDIT: Die Redaktion war dort essen, hat sich nicht als solche zu erkennen gegeben und hat alle Speisen und Getränke voll bezahlt. Auch dieser Artikel wurde nicht vom Restaurant bezahlt.

Het bericht Restauranttipp: Da Roberto in Scharendijke verscheen eerst op Stegfunk.de | Wassersport. Holland..

SV Walusotu – Glen Ainsworth UK

REFERENCE ON WESTERLY STORM 33
Peter, I have been using a Windpilot Pacific since 2004 with great satisfaction.  I believe it to be the most effective investment to my Westerly Storm’s equipment during the various long passages I have made. More than grateful!
Kind regards
Glen Ainsworth, S/Y Walusotu

NL: Kameras kontrollieren auf Handy am Steuer

Eines von drei Unglücken ließe sich auf den Gebrauch eines Handys am Steuer zurückführen. Kontrollen durch Polizisten am Straßenrand lieferten zwar viele Treffer, seien aber sehr Personaläufwändig, so die Polizei.

Schlaues Kamerasystem, hohes Bußgeld für Handy am Steuer

Nun haben die Niederlande als eines der ersten Länder Europas ein neuartiges Kamerasystem im Einsatz, das in einem ganz speziellen Winkel Aufnahmen der Fahrer macht. Dadurch sind deren Hände und das Lenkrad zu sehen, nicht aber das Gesicht. Hält man nun das Handy in der Hand, so bekommt der Halter des Fahrzeuges direkt vom Centraal Justitieel Incasso Bureau, kurz CJIB (die mit den hübschen lila Umschlägen), Post mit einer Zahlungsaufforderung. Die enthält keine Fotos, die kann der Halter des Fahrzeuges beim CJIB anfragen. Das Bußgeld beträgt 240 Euro.

Erfolgreiche Testphase abgeschlossen

Kontrolliert werden alle Fahrzeuge, die unter den Kameras hindurch fahren, egal, ob Tagsüber oder Nachts. Unauffällige Fotos werden sofort gelöscht. Die Kameras sind mobil, sodass sie überall in den Niederlanden eingesetzt werden können. Derzeit sind zwei Kamerasysteme im Einsatz, es sollen aber zügig weitere Systeme angeschafft werden, da eine jetzt abgeschlossene Testphase sehr erfolgreich verlief. 400 Vergehen in sechs Stunden sprechen eine deutliche Sprache.

Bitte lesen Sie Stegfunk.de in Ruhe daheim oder an Bord, nicht aber am Steuer des Autos! Denn schlißleich, so sagt es auch die Polizei, sei das gemeinsame Ziel: Sicher ankommen!

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Technisches K.O. in sechs Runden

So., 15.Nov.20, Franz.Polynesien/Tahiti/Papeete, Tag 2359, 21.218 sm von HH

Runde 1 – die Software
Unsere Handys sind fast sieben Jahre alt. Unvorstellbar für einen Handy-Junkie, aber ein Leben mit solchen Geräten ist möglich. Beide Handys funktionieren tadellos und dank neuer Akkus hängen sie auch nicht nur an der Steckdose. Das Leben ist schön, wäre die Software nicht genauso alt. Ich laufe auf Android 5.0 – Achim, ganz modern auf 5.01 :mrgreen: .
„Dies ist das letzte Update für 5.0“ schnauzt uns unsere Online-Banking-App an. „Nicht mit ihrem Gerät kompatibel“, meckert die App der Krankenkasse. Ein Wunder, dass ‚whats app‘ noch läuft. Es müssen also dringend neue Handys her!

Runde 2 – die Simkarte
Was wir nicht wussten, dass in der Zwischenzeit normale Sim-Karten abgeschafft und durch Nano-Karten ersetzt wurden. Unsere alten Karten passen somit in kein neues Gerät mehr rein. „Kein Problem“, verspricht das Internet, „einfach beim Provider anrufen, dann kommt eine neue Sim-Karte direkt ins Haus geflattert.“ Aha. In unserer Situation etwas schwierig. Für Fälle wie uns gibt es Anleitungen im Netz, wie man seine Karte selber kleiner schneiden kann, was nicht selten zum Totalverlust der Karte führt. In einem der Handy-Läden in Papeete wird Achim fündig. Das Geschäft hat einen kleinen Stanz-Apparat mit dem unsere Karten verkleinert werden könnten.

Runde 3 – die neue Hardware
Groß ist die Auswahl an Handys vor Ort nicht. Ein paar ‚Huawei‘, einige ‚Samsung‘ und das ‚I-phone 10‘. Alles ein bisschen Technik vom letzten Jahr. Allen Geräten ist gemein, dass sie ungefähr das Doppelte kosten wie in Deutschland. Unsere Wahl fällt auf ‚Samsung A31‘. :roll:
Das gibt es nur in Weiß. Okay, man kann nicht immer gewinnen. Noch schlimmer ist, dass wir jetzt Handys im Partnerlook haben. Ich hasse Partnerlook. Und ständig wird man sich das falsche Gerät greifen – ich bin mir sicher. Schutzhüllen gibt es in so kleiner, aber hässlicher Auswahl, dass wir beide die gleiche Hülle wählen würden. Damit wäre also nichts gewonnen. Wir belassen es also vorläufig bei der durchsichtigen Hülle, die im Lieferumfang enthalten ist.

Runde 4 – der Kauf
Die junge Polynesierin bei der wir die Handys bezahlen wollen, ist zuckersüß und hat eine Blume hinter dem Ohr: „Soll ich das Handy gleich auf ‚deutsch‘ einstellen?“, fragt sie hilfsbereit.  „Ja bitte, und kannst du auch unsere Sim-Karten kleiner stanzen?“ Wir schwitzen etwas dabei. Aber das ist kein Problem. Unsere Verkäuferin macht es nicht zum ersten Mal, das sieht man. Souverän der Umgang mit Handy, Karte und Apparat. Achims Handy ist ruck zuck fertig. Bei meiner Sim-Karte passiert ihr ein kleines Missgeschick und die nun wutzi-wutzi klein geschnittene Karte flutscht ihr aus den Fingern und landet genau in dem Spalt zwischen Kassenschublade und Tisch. Sie kichert. Sie prockelt erst mit einer aufgebogenen Büroklammer, dann mit einem Messer und danach mit einem Stück Papier in dem Spalt herum. Ohne Erfolg, die Karte bleibt verschwunden Sie kichert wieder und wendet sich an einen Kollegen. Der drückt ihr einen Schraubenzieher in die Hand, der genau für die Schrauben an der Kassenschublade passt. Warum haben die in einem Handy Laden überhaupt einen Schraubenzieher? Man darf sich zu Recht fragen, wie oft die Kasse wohl schon auseinander gebaut wurde. Unter viel Gekicher schraubt die junge Frau ihre Kasse auseinander. Und dann taucht sie zwischen Wollmäusen wieder auf, meine Sim-Karte. Gut gemacht!

Runde 5 – Die Installation
Ich beginne beim Download fehlender Apps auf meinem neuen Handy mit ‚whats app‘. „Bitte verifizieren sie ihre Handy-Nummer“, werde ich gebeten. Kein Problem. Google-Konto? Nee, habe ich nicht, ich bin immer über Achims Google-Account mit gelaufen, nur irgendwelche Google-Götter wissen warum. Es war mir nie möglich das zu ändern. Damit ist nun Schluss. Ich richte  mir endlich mein eigenes Google-Konto ein. Alles klappt toll, nur meine alten ‚whats app‘ Chats fehlen. Ich frage das Internet.
Okay, doof gelaufen, falsche Reihenfolge, ich hätte erst im alten Handy eine Sicherung meiner Chats erstellen müssen. Ich gehe also zurück aufs alte Handy, um dort ‚whats app‘ zu aktivieren. Aber Fehler wie meiner werden sofort bestraft – ich bin für eine neue Verifizierung direkt mal für dreißig Minuten gesperrt. Nach der Wartezeit kann ich dann aber die geforderte Sicherung vornehmen. Prima. Ich wechsle erneut aufs neue Handy, um ‚whats app‘ hier noch einmal zu verifizieren. Gesperrt für sieben Stunde! Na danke, Zuckerberg oder wer auch immer sich das ausgedacht hat.
Okay, das gibt mir Zeit, dass ich mich um meine Kontakte kümmern kann. Ich sehe Achim bereits tippen. „Ich habe einen Bock mich durchzuwühlen, wie ich die Daten aufs neue Handy bekomme. Schafft auch mal Platz und bereinigt meine Daten“, ist seine Ausrede. Pfft, Anfänger. Ich kann das besser, denke ich und wühle im Internet.
Ich mach es kurz, drei Stunden später sitze ich auch am Tisch und tippe meine Kontakte ab. „Ein Übertrag ist wahrscheinlich wegen meines fehlenden Google-Accounts nicht möglich oder wegen Android 5.0“, so lauten meine Ausreden. Traurig, sehr, sehr traurig.
Wenn ich mich in Zukunft nicht mehr melde, es ist nichts persönliches, sondern nur ein Tippfehler.

Rund 6 – Datenvolumen
Wir haben vor fünf Wochen einen Internet-Vertrag abgeschlossen. Nix Flatrate oder ähnlicher Luxus, sondern 30 GB im Monat für 50 USD. Das ist für hiesige Verhältnisse ein ganz gutes Angebot. Ein kleiner Router ist im Paket dabei, so dass wir gleichzeitig surfen können und sogar unterwegs Internet haben. Bei 1 GB für zwei Personen pro Tag muss man schon darauf achten, was man macht. Filme angucken ist nicht und Updates sind auch so eine Sache. Abends rufen wir ab, was wir verbraucht haben, um am Ende des Monats nicht trocken zu laufen. Das klappt aber alles ganz gut und wir sind nicht unzufrieden – im Gegenteil – im Vergleich zur vorher schon fast Verschwendung.
Die Erstinstallation von zwei neuen Handys kostet mal eben 3,5 GB. Wow, unser Kontingent für  drei Tage ist futsch und dabei fehlen noch auf beiden Geräten lebenswichtige Apps wie ‚Google Maps‘ und ‚Instagram‘. Ich glaube wir müssen mal ein Kaffee trinken gehen. ;-)

Wir gehen nicht davon aus, dass die neuen Handys so lange halten wie die Alten. Akkus kann man in den modernen Geräten nicht mehr tauschen und den Türken um die Ecke, der das trotzdem kann, den gibt es hier leider auch nicht. Das ist aber vielleicht auch ganz gut so – sieben Jahre Pause machen einen zum Technik-Trottel, der seine Daten mit der Hand abtippt.

Unser beider Lieblings-Position zum Surfen