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STURM in Düsseldorf: Auf der BOOT 2019 und bei den Booten.

Wo war ich im Blog stehengeblieben? Ach ja. Auf meiner Segelreise nach Guernsey und Alderney auf den Spuren meines Großvaters. Das war im September.

Seit heute sind Susanne und ich auf der BOOT in Düsseldorf, die heute beginnt. Ich nehme mir vor, von dieser Messe zu berichten: Von Menschen. Von Booten. Vor allem möchte ich über das schreiben, was es in den Häfen und Küsten im Mittelmeer, aus Kroatien, Montenegro und entlang meiner Einhandreise von Sizilien nach Südengland Neues gibt.

Ich werde also täglich posten. Und dazwischen auch meine Vorträge in Halle 13 auf der Reisebühne halten. Auch über Stürme und Gewitter im Mittelmeer. Ich freue mich, Euch dort zu treffen:

Samstag, 19.1. 15 Uhr: INSELSEGELN. UNTERWEGS UM MALTA UND GOZO.
Sonntag, 20.1. 16.15 Uhr: STURM.
Dienstag, 22.1. 13.00 Uhr: SEGELN IN DER BRETAGNE. EINE UNBEKANNTE SCHÖNHEIT.
Ort: Reisebühne in Halle 13

Bis bald!

SV Grégal – Philippe Péché FR

GOLDEN GLOBE RACE – ERFAHRUNGEN IN STICHWORTEN

Philippe Péché FR

 

SV Selene – Kjell Litwin SE

NEXT HARBOUR FALMOUTH

Das Ende der Geschichte von Kjell Litwin wurde vor wenigen Tagen erzählt.

SV Selene – Kjell Litwin SE

Der Anfang begann mit einem Hilferuf aus Schweden, der mich kürzlich von Per Runhammar aus Schweden erreichte:

Good morning Peter!
Hope this letter finds you well. I’m the swedish yachting journalist who pestered you with questions regarding wind vanes some while ago. Anyhow, here is an unusual question for you:

How long would it take to ship a Windpilot to Tasmania?

The backgound: My good friend and fellow club member Kjell Litwin has been forced to make an unplanned call at Hobart/Tasmania on his attempted non-stop-circumnavigation. Kjell is not participating in the Golden Globe Race, but sails along the same route outside of competition. At 71 ears old, he is certainly a very accomplished and skilled sailor, with one circumnavigation to his name already, but along a more leisurely route. However, he has run in to some trouble in the Indian ocean that he cannot solve out at sea. Firstly he unexpectedly run out of fresh water. He has since then collected rain water and was also assisted by Istvan Kopar of the Golden Globe Race, a bit of mid Indian ocean drama that can be read about here: https://goldengloberace.com/istvan-kopar-aid-solo-yachtsman/,. Furthermore, his boat’s underwater hull is covered in goose barnacles and, most importantly, his home built wind vane self steering has broken down beyond repair. I am now in contact with some good people at Royal Yacht Club of Tasmania and they have assured me that they will help him out. I have now taken it upon me to organize as much as I possibly can to prepare for his stay from my desk here in Stockholm, in order to make it as short and inexpensive as possible. he is now at 103 degrees 16 minutes east, on Hobart’s lattitude, which is just over 2 000 NM from Hobart. As he is severely slowed down by the barnacles, I expect this will take him between 20 and 30 days.

Right now, I’m trying to locate a second hand self steering unit for Kjell to pick up at Hobart, which would definately be easier on his wallet, but as I realize this is a slim chance, I will now turn every stone in search of a solution. Hence my question: how long would a shipment to Tasmania take, and what would be the cost of unit and shipment? Kjell’s boat is a Vagabond 31, long keeled and double ender (as I’m sure you know, since you seem to be familiar with all swedish sail boat constructions!). I am assuming that a Windpilot Pacific would be the right choice for him, but you might be able to correct me on that. I am also aware that whatever unit he ends up with his boat will need some sort of structure to support it aft of the rudder, but I seem to remember he already has that, for his old unit.

Anyway, there you go! A long shot and, as I said, turning every stone. I’t may well turn out that a local solution will be more practical than sending a unit from Germany, but at this stage I want to keep all possibilities open.

Thank you in advance and have a nice weekend!

Per Runhammar
Gota Sail Yacht Society
Stockholm/Sweden

Mit Kjell entwickelte sich ein vergnüglicher Mail Wechsel in dessen Verlauf wir viele Gemeinsamkeiten entdeckten, abgesehen davon, dass er, als Mann in gleichem Alter zur zweiten Weltumsegelung unterwegs … und ich immer noch bei der Arbeit bin … was allerdings ohne Zwang erfolgt, weshalb ich bester Laune bin.

Kjell´s letzte Worte:

I hope to arrive in one piece in Stockholm but a lot can go wrong it is still about 15 000 M to go. Yes, I enyoj every second out there.
/Kjell

Zwei Tage danach

/Mi., 16.Jan.19, Chile/Osterinsel/Hanga Roa, Tag 1690, 15.744 sm von HH
/Wir sind jetzt etwas schlauer. Die Welle, die sich quer über die Hafeneinfahrt bricht, hat sogar einen Namen: El cruz. Und es ist nicht jede neunte Welle, die einen umhaut, sondern man muss neun Wellen runter zählen. Danach kann man durch. An unserem Flug-Tag betrug die Wellenhöhe ungefähr zwei Meter. Gestern sogar 2,8 Meter. Da sind wir lieber zu Hause geblieben und haben unsere Wunden geleckt.
Wir befinden uns in guter Gesellschaft. Regelmäßig haut es hier Dinghies auf den Kopf. Unseren schwedischen Nachbarn hat es aus dem Schlauchboot gehauen. Mitten in der Nacht. Das beruhigt dann doch etwas, das es anderen nicht besser ergeht. Gemeinsam doof ist besser als alleine dämlich.
Aber irgendwann müssen wir ja mal wieder an Land. Also sitzen in unserem Dinghy in Lauerstellung am Felsen vor der Hafeneinfahrt. Dort ist man sicher, die Wellen fangen erst dahinter an zu brechen. Wir machen es so, wie Martha*** es uns geraten hat. Wenn es am Kap hinter uns ruhig ist und gleichzeitig keine sichtbare seitliche Dünung rein kommt, heißt es Gas geben. Nervös blicken wir uns um, zählen, beobachten, warten ab und zählen erneut. … sechs, sieben, acht ‚El Cruz‘ laufen unter uns durch und brechen sich tosend vor uns. Wir warten. „Jetzt“, diesmal gebe ich das Startkommando. Achim gibt Gas. Mit Vollgas donnern wir los. Kommen gut voran. Da werden wir plötzlich von einer unsichtbaren Kraft abgebremst. Das zurücklaufende Wasser saugt uns förmlich rückwärts. Achim bleibt am Gas. Mann, diese Fahrt hat feuchte Hände Garantie. Dann endlich sind wir im Schutz des kleinen Hafenbeckens. Hinter uns kommen die ‚Cruzes‘ weiß angeschäumt. Gerettet. Erst mal durchatmen. Wir grinsen uns an und klopfen uns gegenseitig auf die Schultern. Wer drin ist, kommt auch wieder raus.
Wir gehen auf die Suche nach einem Optiker. Meine verlorene Sonnenbrille dürfte sonst wo sein. Da mache ich mir keine Hoffnung, die wieder zu finden. Seit drei Tagen waschen die Wellen den Meeresgrund rund. In einer Apotheke fragen wir nach. Die Apothekerin lächelt charmant: „Ich habe nur Lesebrillen. Wer eine Brille braucht, fliegt nach Santiago.“ Okay. Wir sind am Arm der Heide. Ganz klar, wenn man 4.000 Kilometer fliegen muss, um eine Brille zu bekommen. Dann muss ich wohl mit Kappe laufen, damit ich mir nicht das Augenlicht verbrutzel. Wie ich das hasse, kann ich gar nicht beschreiben.
Wir sind bereits seit über zwei Wochen auf der Insel und haben noch nicht wirklich viel gesehen. Segler, die nach uns gekommen sind, sind bereits wieder abgereist. Morgen aber. Morgen wollen wir uns dann wirklich mal was anschauen. Aber alles hat auch eine gute Seite. Achims Rucksack ist jetzt leer. Die kiloschwere Kamera hat ausgedient und er kann Wasserflaschen und Proviant übernehmen. Das blieb sonst gerne an mir hängen.
*** Martha ist echt cool. Sie ist grade 26 Jahre alt geworden und Herrin über ein 52 Fuss Schiff. Dies gehört ihrem Vater und einem Kumpel. Martha managt Tagesausflüge mit Touristen, die sich an der Küste auf- und absegeln lassen wollen. Nebenbei „kümmert“ sie sich noch um uns Segler und versorgt uns mit Informationen. Warum hätten an dem Tag umdrehen sollen uns sie gleich fragen sollen, wie man ‚El Cruz‘ überlisten kann.

Für die Handvoll Lira (Link)

Erst gestern erreichte mich wieder eine Mail:  “Kannst Du mir mal grob was über die Lebenshaltungskosten in der Türkei sagen?“, fragte ein Segler. Gestern
Abend angefragt, heute morgen im float-magazin geliefert (Okay, das war Zufall). Hier der Versuch einer Antwort auf die Frage aller Fragen. Was kostet es auf einem Schiff zu leben?

 

Hier geht es zum Text

Winter

Eine der letzten Aktionen, bevor es an Bord eindeutig zu kalt wurde.

Da es seit einiger Zeit kaum noch Sinn macht an Bord zu arbeiten, weil es für fast alles zu kalt ist, habe ich mich vor einer Weile langsam auf Winter umgestellt und auf all die Projekte gestürzt, für die im Sommer kaum Zeit übrig war.

Ein paar Kleinteile vom Schiff habe ich in Ordnung gebracht, die Seefunkantenne überarbeitet, diverse Werkzeuge angefertigt und einen uralten Schraubstock restauriert. Ihr werdet es nicht glauben, aber nach diesem Schraubstock für die Werkstatt an Bord musste ich lange suchen. Klar, man hätte auch einen neuen kaufen können, aber ich brauchte einen ganz bestimmten Typ mit ganz bestimmtem Maß. Daneben sollte er hochwertig und nicht zu teuer sein. Alle neuen Schraubstöcke, die ich gefunden habe, waren entweder billiger Schrott, oder hochwertig und dem Preis nach zu urteilen vergoldet. Das hat mir nicht gefallen und so habe ich diverse Anzeigenportale durchwühlt, bis ich endlich etwas vernünftiges gefunden habe. Ein uraltes Stück mit Schwalbenschwanzführung, in genau den Abmessungen, die mir vorschwebten. Rostig war er, mit verbogenem Knebel, aber die Führung in gutem Zustand. Bis auf den Knebel, die Schrauben und die Spannbacken, konnte ich alles verwenden. Der neue Knebel ist nun aus Edelstahl und auch etwas massiver als im Original, den ersten Satz Spannbacken habe ich aus Aluminium angefertigt.






Das große Ladegerät von Morgenstern funktioniert nun auch wieder. Das Teil war bereits defekt, als wir das Schiff vor 2 Jahren übernommen haben. Damals hat eine erste Überprüfung ergeben, dass einige Bauteile auf der Platine weg gebrutzelt waren, vermutlich durch eine Überspannung im Landstromnetz. Ich hatte das Teil damals zunächst beiseite gelegt, weil es auf der Prioritätenliste weit unten stand. In diesem Winter hatte ich endlich die Zeit, es zu überarbeiten. Statt 300€ für ein neues, habe ich weniger als 10€ für die neuen Bauteile ausgegeben und nun wieder ein erstklassiges Ladegerät an Bord.



Wer die Reise mit Morgenstern aufmerksam verfolgt hat, wird sich vielleicht an eine Situation mit unserem hübschen Quadrocopter in der Ägäis erinnern. An dem Fluggerät hat sich während der Filmaufnahmen in turbulenter Luft ein Propeller zerlegt und einige Augenblicke später war es ein Tauchgerät und wurde nie wieder gesehen.
Ein trauriger Moment, nach dem ich beschlossen hatte, nie wieder einen Quadrocopter aufzubauen. Nun ja, mittlerweile ist viel Zeit vergangen und manchmal revidiert man halt auch schon mal Aussagen. Noch dazu ist gerade Winter…
Um es kurz zu machen, ich habe in den letzten Wochen zwei komplett neue Quadrocopter entwickelt und bereits gebaut. Der eine ist ausschließlich für hochwertige Luftaufnahmen vorgesehen und bekommt diverse Sicherheitsfeatures. Zum einen wird er in der letzten Ausbaustufe schwimmfähig sein und über einen Rettungsschirm verfügen, zum anderen wird er mit seiner Kamera (auf dem Wasser treibend) auch unter die Wasseroberfläche schauen können.
Im Moment sieht er noch nicht besonders hübsch aus. Alles was man jetzt an Elektronik sieht, wird langfristig von einer wasserdichten Haube geschützt. Die Schwimmer aus PET Flaschen sind nur Provisorien und werden später wieder verschwinden.












Der zweite Copter ist noch etwas abgedrehter. Es handelt sich dabei um das kleinste Fluggerät, das ich bisher gebaut habe, aber es fliegt sich von all meinen Modellen am besten, was mich selbst überrascht.
Ich habe ihn Picopod genannt und mit dem Gerät versucht, aktuelle Grenzen auszuloten und einen enorm leistungsfähigen Quadrocopter zu bauen.
Der Picopod wiegt gerade einmal 41 Gramm und kann eine kleine 4K Kamera tragen, die fast doppelt so schwer ist wie er selbst. Aktuell verfügt er bereits über Telemetrie und in der letzten Ausbaustufe wird er noch eine zweite Kamera und einen Videosender für First-Person-View Flüge bekommen.
Der große Vorteil dieses Winzlings liegt in seiner Unscheinbarkeit, dem geringeren Gefahrenpotenzial für Mensch und Tier, sowie dem niedrigen Geräuschpegel.












Zwei Copter, sagte ich weiter oben. Naja, stimmt nicht ganz, denn nachdem die beiden „geschlüpft“ waren und Sabrina von den Flugeigenschaften des Picopod ziemlich angetan war, meinte sie ganz bescheiden: „Also, wenn du mal etwas Zeit hast, in ein paar Monaten hab ich ja Geburtstag…“
Das war kurz vor Weihnachten und natürlich ein Ansporn. Denn damit würde sie nicht rechnen, dachte ich mir.
Heiligabend lag er schließlich unterm Baum, der Aries. Benannt ist er nach Sabrinas Sternbild und farblich genau auf ihre Vorlieben abgestimmt. Das war gar nicht so einfach, denn bei Lila versteht sie absolut keinen Spaß! Was für mich noch Lila ist, ist bei Sabrina bereits Blau oder Pink. Bevor ich also die Stirnfläche lackiert habe, lagen deshalb mehrere Mischversuche mit Farbtafeln hinter mir. Die Maschine ist ansonsten auf maximalen Flugspaß ausgelegt. Der Carbonrahmen ist 5mm stark, sehr aufwändig laminiert und längs zur Faser gefräst. Der Schwerpunkt liegt nah an der Rotorebene.
Ein optischer Leckerbissen ist die Plattform für den Akku. Bei genauem hinschauen erkennt man gefräste Linien, die mehrere Punkte miteinander verbinden. Die Punkte sind die Sterne des Sternbilds Widder und entsprechend ihrer Magnitude unterschiedlich groß in das Carbon gefräst und anschließend mit Epoxidharz verfüllt. Eingebettet im Harz befindet sich ein „Glow-in-the-dark“ Pigment, welches die Sterne im Dunkeln leuchten lässt.



Schon Klasse, wenn man eine Freundin hat, die auf Quadrocopter steht.

Ansonsten sind in der Zwischenzeit noch ein paar Holzteile fertig geworden und ein Eignerschild aus Messing hat das Licht der Welt erblickt. Das Schild habe ich auf der CNC Fräse gefertigt und mit einer sehr tiefen Gravur versehen, damit man es immer wieder aufpolieren kann, ohne sich über Materialabtrag Gedanken machen zu müssen.






Das soll es fürs Erste gewesen sein.

Da wir heute thematisch überwiegend in der Luft waren, tauchen wir im nächsten Beitrag zur Abwechslung mal etwas ab…

Ein Dinghy steht Kopf

 Mo., 14.Jan.19, Chile/Osterinsel/Hanga Roa, Tag 1688, 15.744 sm von HH

„Du guckst nach hinten und sagst mir, wann eine Welle kommt“, fordert Achim mich auf. Wir befinden uns noch vor der Stelle an der Hafeneinfahrt, wo die Wellen anfangen sich brechen. Die Wellen sehen beängstigend hoch heute aus. Komisch, wo kommen die her? „Du kannst da nicht rein“, sind meine letzten Worte.
Achim gibt Gas. Die erste Welle geht unter uns durch, alles gut. Dann kommt schon die zweite angerauscht, baut sich als blau-grüne Wand hinter uns auf. Achim gibt mehr Gas. Wir sind zu langsam. Viel zu langsam. Shit. Dann sehe ich nur noch weiß. Brausend bricht sich die Welle in unser Dinghy. Wir surfen für einen kurzen, glücklichen Moment, dann überschlagen wir uns. Achim und ich werden aus dem Dinghy geschleudert. Es dauert lange bis ich aus der rollenden Welle wieder an die Oberfläche gelange. Viel Zeit, um mir zu überlegen, dass der Außenborder Hackfleisch aus mir macht, sollte er mich treffen.
Die Sorge ist unbegründet, wie sich später heraus stellt. Seit seinem Unglück mit dem Dinghy, benutzt Achim immer (!) das rote Spiralkabel für den Notaus des Motors.

Als ich auftauche, bin ich ein gutes Stück vom Schlauchboot entfernt. Es treibt auf dem Kopf, Achim dicht daneben. „Alles in Ordnung bei Dir?“ Ich bekomme ein okay. Die nächste Welle rollt heran. Nimmt uns ein Stück Richtung Ufer mit. Bloß weg von den Felsen links neben uns, denke ich, und schwimme Richtung Hafen. Der ist nicht mehr weit, vielleicht zweihundert Meter. Achim sehe ich beim Dinghy. Die ersten Wellenreiter, die sich in der Brandung amüsieren, sind bereits auf dem Weg zu ihm. Schwimmend sammel ich unsere Wanderschuhe ein, die wir für unseren geplanten Ausflug dabei haben. Ein Schuh von Achim, einer von mir. Ich finde es selber merkwürdig, dass ich das registriere. Ich entdecke noch Achims Kappe und einen gelben Spachtel.

Einer der Surfer paddelt zu mir rüber. Er übergibt mir sein Surfbrett, damit ich leichter schwimmen kann mit dem halben Hausstand im Arm. „Geht es Dir gut?“ Als ich nicke, lässt er mich zurück und schwimmt Achim zur Hilfe. Zu viert scheint es ganz einfach zu sein, das Schlauchboot wieder richtig herum zu drehen. Achim hat den Eindruck, dass die Jungs das nicht das erste Mal machen.

Ich habe vielleicht noch hundert Meter zu schwimmen, da kommt ein Fischerboot aus dem Hafen. Die Jungs nehmen mir Schuhe und das Surfbrett ab. Ein beherzter Griff unter meine Achseln und ich werde wie ein nasser Sack ins Boot gehoben. In der Zwischenzeit sind die drei Surfer und Achim in unser Dinghy geklettert, eine Leine wird zu uns übergeworfen und das Fischerboot zieht unser Dinghy in den Hafen.  
Als ich aus dem Fischerboot klettere, zittern mir die Knie. Jetzt fährt mir richtig der Schreck in die Knochen. Die Fischer wehren meinen Dank mit einem Winken ab. „Siempre.“ Immer gerne. 

Der Schaden
Ich gehe zu Achim auf die andere Seite vom Hafenbecken, wo er mit dem Dinghy angelandet ist. Alle Knochen heil, beide haben wir nicht eine Schramme davon getragen. Wir beglückwünschen uns, das ist das wichtigste.
Wir schreiten zur Schadensbegutachtung. „Nein, sag nichts, ich könnte auch heulen“, findet Achim. Meinen Rucksack hat Achim aus dem Wasser gefischt, seinen trug er auf dem Rücken. Ein Wanderschuh lag noch im Schlauchboot, den zweiten fehlenden haben die Fischer gerettet. Da kommen noch einmal die Surfer um die Ecke mit unserem Dinghy-Anker, der aus dem Schlauchboot gefallen war. Den haben sie extra für uns hoch geschnochelt. Sie wollen nichts von uns haben. Nicht mal ein Dankeschön hören. Alles selbstverständlich, gern geschehen. Take care!

Lächeln fällt noch etwas schwer
Lächeln fällt noch etwas schwer

Unsere Rucksäcke triefen. Wir hatten alles dabei, schließlich wollten wir heute zum Krater ‚Rano Kau‘ wandern, einer der Hauptattraktionen auf der Insel. Achims gute, alte Nikon, eine Spiegelreflexkamera, tropft wie ein Kieslaster. Die ist hin, trotz wasserdichtem Beutel. Dieser Beutel reicht offensichtlich nur für einen Regenschauer, nicht zum Schwimmen. Das ist ja mal richtig Mist. Die Objektive könnten es überlebt haben. Ohne Kamera ist das nicht festzustellen.
Ich bin das erste Mal froh, dass ich immer total spießig meinen Fotoapparat und meine Videokamera in Klick-Boxen transportiere. Diese umständliche Handhabung hat mich so manchen Tag schon affig gemacht. Heute bin ich die Gewinnerin. Beide Teile leben noch. Hurra, wenigstens etwas.
Mein e-Reader ist tot. Den wollte ich erst an Bord lassen, aber da ist der Reiseführer für die Osterinsel drauf. Nicht wasserdicht verpackt. Eigene Schuld. Blöd gelaufen.
Meine und Achims Sonnenbrille liegen auf dem Meeresgrund. Da besteht noch Hoffnung, dass wir die an einem ruhigen Tag beim Schnorcheln wieder finden können. Meine Brille ist ein herber Verlust, ist das doch meine einzige Sonnenbrille mit Gläsern in meiner Sehstärke.
Außerdem sind meine Wandersocken weg. Meine besten Wandersocken. Nagelneu! :cry:

Unser Hab und Gut
Unser Hab und Gut

Während wir uns mit ‚hätte, hätte‘ beschäftigen und die einrollenden Wellen beobachten, kommt der Port-Kapitän zu uns. Der Hafen sei ab sofort für kleine Boote gesperrt. Es tut ihm leid mit unserem Unfall, die Wellen wären in seiner Vorhersage nicht zu sehen gewesen. Wenn wir zurück an Bord wollen, müssen wir einen der Fischer fragen, ob er uns fährt. Na, das ist ja prima, schade, dass die Info etwas spät kommt.

So ein Otto hat uns umgeworfen
So ein Otto hat uns umgeworfen

Achim widmet sich erst mal unserem abgesoffenen Außenborder. Ich organisiere etwas Papier, um unsere Dinge aus dem Rucksack abtrocknen zu können. Triefnass frage ich an einer der Tauchbasen an. „Es ist gefährlich heute mit den Wellen“, bekomme ich zu hören. Man müsse sie zählen (angeblich ist nur jede neunte Welle hoch, so wie damals bei Papillon), abwarten und dann Gas geben. Und es wird noch schlimmer mit den Wellen. Die kommen aus Westen, geschickt von einem Schlechtwetter-Gebiet. Morgen ist der Hafen mit Sicherheit auch noch gesperrt.
Hm, zwei Tage hier an der Pier ohne Schuhe und in nassen Klamotten zu campieren, gefällt mir nur mäßig.

Achim repariert erfolgreich und in rasender Geschwindigkeit den Außenborder. Den Vergaser bekommt er in der Zwischenzeit im Schlaf heraus operiert, nur mit Hilfe seines Lethermens. Den Einlass des Motors spült er mit Süßwasser, Zündkerzen raus und am Anlasser ziehen. Die beiden Zylinder flutet er mit Benzin. Das war’s. Gott, wäre doch alles im Leben so einfach (später an Bord wird noch alles mit WD40 gereinigt).

Da sehen wir unsere neuen Liegenachbarn mit ihrem Dinghy in den Hafen schießen. Pudelnass. Ihnen ist eine Welle in ihr Schlauchboot gestiegen und ihr Außenborder hatte kurz Grundberührung. Allerdings ohne großen Schaden. Die Glücklichen.

Nach drei Stunden haben wir uns so weit sortiert, dass wir versuchen jemanden zu finden, der uns zum Schiff zurück bringen kann. Die Tauchbasen winken ab. Auch für sie ist der Hafen in der Zwischenzeit gesperrt worden. Ein- und Auslaufen verboten. Wir sollen es bei den Fischern versuchen. Die seien abgebrüht und fahren bei jedem Wellengang, obwohl es ihnen auch verboten ist. Wir finden Fischer Mario. Klar, kein Problem, er fährt uns.
Das Dinghy will er aber nicht in Schlepp nehmen. Dann wäre er zu langsam bei der Ausfahrt. Er nimmt Achim an Bord und ich traue meinen Augen nicht. Gemeinsam zerren sie mal eben unser Dinghy quer auf das Fischerboot. Auf dem Kahn wird es dann gedreht, damit es halbwegs stabil liegt. Unglaublich. Unsere Klamotten und ich werden ebenfalls aufgenommen und dann geht es los. „Eine tolle Fahrt, eine schöne Fahrt, einsteigen, mit dabei sein“. Vollspeed geht Mario gegen die einrollenden Wellen an. Hart schlagen wir auf Wasser. Bandscheibenkiller. Nach drei Wellen sind wir durch. Friedlich liegt der Ozean vor uns. Zwei Minuten später sind wir bei Atanga. Jetzt brauchen Achim und Mario nur noch das Dinghy wieder vom Fischerboot zerren.

Mario nimmt unser Schlauchboot mal eben Huckepack
Mario nimmt unser Schlauchboot mal eben Huckepack
Das Dinghy kommt wieder runter
Das Dinghy kommt wieder runter

Was lernen wir daraus?
So schnell kann das also gehen, dass ein Dinghy Purzelbaumschlägt. :mrgreen: Unsere Erfahrungen mit Brandung waren noch jungfräulich. Teures Lehrgeld haben wir da heute bezahlt. Wir hätten uns beide auf den Boden des Dinghys setzen sollen, um den Schwerpunkt zu verlagern. Und wir hätten auf einen besseren Zeitpunkt zum Einfahren warten sollen. Wir hätten die Wellen länger beobachten sollen. Hätten, hätten … Wir haben es unterschätzt und zum Unglück kam auch noch Pech dazu. Nur für Erwachsene, habe ich neulich noch geschrieben. Tja, das ist wohl so.

Klugscheißer-Modus:
Nur fürs Protokoll, nicht etwa, weil ich es besser wusste, also nur fürs Protokoll, sei hier folgendes angemerkt. Ich habe es gleich gewusst! ;-) Schon beim ersten Blick morgens auf den Hafen, sage ich zu Achim: „Das sieht ja heute komisch aus, die Wellen bilden eine durchgehende weiße Linie. Ich sehe gar keine Einfahrt.“. Also, ich mein ja nur, fürs Protokoll.

Am späten Nachmittag sind die Wellen sogar von der Rückseite beeindruckend
Am späten Nachmittag sind die Wellen sogar von der Rückseite beeindruckend
Hinter den Wellen liegt der Ozean wie ein Handtuch da
Hinter den Wellen liegt der Ozean wie ein Handtuch da

In Trinidad gestrandet

{Time:16:00:00}
{Date:20190115}
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{Place:Chaguramas / Trinidad}
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Die Piraten lauern überall in der Karibik

2015 gab es am 20ten Dezember einen Piratenüberfall auf eine 80 Fuss Yacht nur unweit der Hibiscus Gasförderplattform, keine 30 Meilen nördlich von Chaguramas. MARLIN, Co- Skipper Harald und ich sind genau auf der Kurslinie. Wie wahrscheinlich ist es, dass es genau uns diesmal trifft, obwohl seit damals keine weiteren Vorfälle in dieser Art und Weise passiert sind, wer weiß das schon. Ich habe das Thema gar nicht erst groß an die Glocke gehängt. Erst kurz vor der Abfahrt schiebe ich Harald stückchenweise die Details und die Gefahren der Reise unter. Er sagt auch nichts, als ich meine Computerbackupfestplatte und das iPhone hinter der Einbauten der MARLIN wasserdicht verstecke, Macbook und Canon in die Segellast umziehen lasse. 400 Euro liegen in Cash im Kartentisch. Takeaway. Der Bordrechner schickt alle 15 min unsere Position automatisch raus. Nathalie und Jan wissen Bescheid. Weder in Grenada weiß jemand wann wir los segeln werden, noch in Trinidad ist unsere Ankunft bekannt. Nicht das ich mir in die Hose scheiße, nicht wirklich. 2015 habe ich den Standort genau 2 Stunden vor dem Überfall mit Bootsmädchen Claudia passiert. Ist ja auch nichts passiert.

Inzwischen sind wir in Trinidad angekommen. Chaguramas ist leer geworden. Von der Attraktivität als Yachtzentrum von 2000 ist nur noch die Hälfte der Marine-Fazilitäten übrig geblieben. Wir kommen um Punkt 8:00 Uhr am Customs-Steg an. Ich helfe Harald bei dem Stapel Papiere bei der Immigration, die es auszufüllen gibt. Nach 40 Minuten geht es zu den Customs. Ich flirte mit der Beamtin, die sich nicht an mich erinnert. Gut so. Wir hatten 2014 ernsthafte Meinungsverschiedenheiten, die nur Nathalie durch direktes Eingreifen schlichten konnte. Alles gut. Wir sind drin. Drin sind wir auch in den Schlingen des Travellifts, der die MARLIN sanft aus dem Wasser hebt. Bevor ich ins Büro zu Marinafee Daniela gehe, inspiziere ich einmal Schiffsrumpf bis zum Ruder, prüfe das Spiel der Schaftlager und das gleiche am Propeller. Nun ja. Freude kommt da nicht auf. Ich schlucke den Frust erst einmal einfach runter. Ich sehe schon die Baustelle. Alles nen bisschen viel für mich im Moment. Seit Oktober reihen sich die Probleme aneinander. Kaum sitze ich bei Daniela kommt der nächste Schlag in die Magengrube. „Wie lange soll MARLIN hier bleiben?“ „Bis zum 15ten Februar. Das haben wir doch per e-mail so ausgemacht und bestätigt.“ „Oha. Hmm. Uppsi. Ja….“ Daniela wird sichtlich nervös und blättert wild in ihrem Kalender. „Nun. Wir hatten ein Erdbeben und die Pier für den Travelllift muss repariert werden. Die Arbeiten starten am 1. Feb. – Geplant für drei Wochen.“ „Haha. Drei trinidadische Wochen. Da bin ich in Deutschland! Das meinst Du jetzt nich ernst. Am 16ten kommen neue Gäste auf die MARLIN.“ Ich sehe meine mühsam erlegten Felle dahin schwimmen. Vier Schritte vorwärts, fünf zurück. Ich muss eine Entscheidung treffen. Schuldzuweisungen helfen mir jetzt nicht. Eine Stunde später geht mein Lackierer um das Schiff. Auch er kämpft um jeden Auftrag. Chaguramas war früher eine Goldgrube. Wir verhandeln eine neue Lackierung und wer wissen will über welchen Betrag man da bei 60 Fuß spricht. 12.000 $US. Zusätzlich neuem Antifoulig für 4k. „Das Antifouling müßte eigentlich mal komplett entfernt werden.“, ich sehe die Piratendollarzeichen in Allens Augen. „Vergiss es Allen! Ich habe vor zwei Monaten einen neuen Generator kaufen müssen für 15.000 Euro.“ In Deutschland würde das alles das doppelte kosten. Allen macht wirklich gute Arbeit. Aber trotzdem. Ich habe nicht so viel Geld verdient und einen Goldesel habe ich auch nicht im Stall. Dazu noch die Lager für Ruder und Antriebswelle plus Einbau. Diverse kleine Reparaturen. Ich klettere einen Kopf kleiner die Leiter zur MARLIN hoch. Wenn ich nicht wüßte das das Segler-Leben dann doch irgendwie weiter geht – Ich würde meinen Kopf in den Sand stecken und drei Decken drüber ziehen. Für Morgen habe ich ein Flug-Ticket in der Tasche. Erst mal fliege ich nach Flensburg, komme was wolle. Meine Töchter wissen gar nicht mehr wie ich aussehe. Abkühlung gibt es da umsonst.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 52 Martinique – Antigua 02.03.2019 – 14.03.2019
CREW 53 Antigua – Martinique 23.03.2019 – 04.04.2019
CREW 54 Martinique – Grenada 06.04.2019 – 18.04.2019
CREW 55 Grenada – Antigua 27.04.2019 – 09.05.2019

JOIN THE CREW:
” target=”_blank” rel=”noopener”>www.marlin-expeditions.com

SV Shimaguni – Peter Paris GER

BUSCHTROMMEL UNTER SEGLERN – FUNKTIONIERT!

Moin Amos,

vielleicht hast Du ja ein paar Bilder abgespeichert und kannst sie mir zuschicken. Das wäre ein sehr konstruktiver und hilfreicher Beitrag zur Aufklärung von Deiner Seite.

Es gibt eine Art Raubkopie der Windpilot pacific light und der Windpilot pacific. Sie trägt die Typbezeichnung „South Atlantic“. Nicht zu verwechseln mit der alten Windpilot Atlantik. Hier der Link

Im großen und ganzen sieht diese „South Atlantic“-WSA (Windselbststeueranlage) der Windpilot in ihren Versionen sehr ähnlich. Allerdings gibt es einen Unterschied, der den Designklau dann doch wieder relativiert und der die „South Atlantic“ dann doch wieder in die Bedeutungslosigkeit zurückkatapultiert. Die „South Atlantic“ hat eine Gestängekupplung, also werden die Impulse der Windfahne über Edelstahlstangen auf das WSA-Ruderblatt übertragen. Die Windpilot-Anlagen, die von Peter Förthmann stammen, haben im Gegensatz zur Atlantic in allen drei Versionen Kegelzahnräder und sind deshalb vorzuziehen, denn die Impulsgebung der Fahne wird nicht nur feiner auf das Pendelruder der Windpilot übertragen, sondern hinzukommt noch der Vorteil der Gierdämpfung, die ein positives Resultat der Kegelzahnräder ist.

Falls es sich tatsächlich nicht um eine originale Windpilot handelt, sondern – wie von Dir angedeutet – eine „baugleiche“ Kopie der Windpilot sein sollte, kann ich Dir nicht unbedingt empfehlen, die angebotene Anlage zu erwerben. Denn es gibt weitere Nachteile, die anzuführen wären, sollte es sich tatsächlich um die vermutete „South Atlantic“ handeln.

Du kannst es selbst herausfinden, welche Nachteile das sind, in dem Du bei YouTube diesen Film anschaust:

Ich denke, das sollte Dich dann am Ende doch nach Hamburg führen; nämlich zum Gandalf der modernsten und zuverlässigsten Windselbststeueranlagen, die man heutzutage auf dem Markt bekommen kann. Jedenfalls schließt eine Windpilot diese Fehler aus, die in dem Film benannt werden.

Du hast ja einiges vor, und Deine Segelyacht soll viele Meilen fressen. Also halte Dich nicht auf mit unsicheren Lösungen. Im Zweifel lieber das Original kaufen. Für Deine Bandholm 30 ist aus meiner Sicht die Windpilot pacific light ausreichend, denn die Bandholm ist sehr kursstabil; vorausgesetzt, der Segel Trimm wird von Dir gut erledigt und die Segelfläche den vorkommenden Windstärke Bedingungen flächenmäßig angepasst.

Ich bin gespannt, wann es losgehen soll mit Deiner Atlantikrundreise!

Mit freundlichem Gruß

Peter Paris

SV Gegenwind – Asha Reich + Helge Assmann GER

GEGENWIND IM PARADIES – NEIN WIRKLICH! 

Moin, moin oder wie man hier sagt BULA, BULA,

Wir befinden uns in Fidschi und somit haben wir nicht nur die Hälfte unserer faszinierenden Erde umrundet, sondern auch die Datumsgrenze hinter uns gelassen.

Unser Jahreswechsel war ungewöhnlich, denn bereits an Weihnachten gab es für die Neujahrsparty eine Zyklonwarnung. So blieben wir ruhig an Bord und verzichteten sogar auf das übliche Glas Sekt um im Fall der Fälle fit zu sein – aber nichts passierte, denn das zyklondrohende Tiefdruckgebiet hatte sich kurz vor Fidschi aufgelöst.
Zeit für eine völlige Entwarnung gab es trotzdem nicht, denn der nächste Zyklon war angekündigt. Zyklon MONA zog in Hurrikanstärke 1 (Windstärke 10) über uns hinweg. Wir, an unserer gut von Bergen umgebenen Zyklonmooring, merkten allerdings außer Regen nichts davon.

So hatten wir also einen spannenden Jahresbeginn mit gutem Ausgang.
Dies nehmen wir als gutes Ohmen für das anbrechende Jahr!
2019 wird uns vermutlich einige große Veränderungen bringen, auch wenn wir jetzt noch absolut nicht einschätzen können, wo uns der Wind hintreiben wird. Wir spielen mit dem Gedanken, daß uns dieses Jahr unsere Lebensreise wieder mehr an Land spülen wird. Wo wir unseren Lebensanker fallen lassen, das ist für uns noch völlig offen. Wir sind uns einig, daß es Zeit für eine Veränderung wird, auch da wir ja die letzten Jahre keine Einkünfte hatten. Dies wollen wir nun langsam verändern. Vielleicht führt uns dieser Weg wieder nach Deutschland. Aber andererseits haben wir gelernt, daß unsere Erde so bunt und vielfältig ist, daß wir uns auch andere Gegenden vorstellen können. Die Möglichkeit andere Länder, Kulturen und Menschen kennenzulernen und mit der Zeit hinter deren Fassade zu schauen ist etwas, das wir beide eigentlich nicht mehr missen wollen. Hierzu wollen wir uns die nächsten Monate während der Zyklonensaison Zeit nehmen.

Derzeit befinden wir uns in einem Gebiet mit einer der besten Internetmöglichkeiten seit unserer Abfahrt, somit können uns eigentlich nur “gesellschaftliche Verpflichtungen” davon abhalten, unsere Berichte und Bilder gut und zeitnah einzustellen. Auf jeden Fall freuen wir uns auch weiterhin sehr, wenn wir von Euch in unserer Plauderecke, per Mail oder Facebook- Messenger lesen. Seid nicht verzagt, wenn Ihr auf eine Antwort von uns einige Tage warten müsst. Bitte nehmt dies aber nicht als Grund Euch nicht zu melden, denn Eure vermeintlich uninteressanten und langweiligen Alltagsgeschichten sind gerade nach so langer Zeit auf Reisen wie Sternschnuppen in einer klaren Nacht.

2019 wird für uns hoffentlich ein Jahr mit vielen spannenden und bisher noch nie dagewesenen Erlebnissen und Bekanntschaften, in denen wir aber auch wieder viele Seemeilen in unserem Kielwasser lassen wollen.

Wir wünschen Euch und Euren Lieben alles Gute und vor allem ein gesundes Jahr 2019.

Viele Grüße von der SY Gegenwind aus Savusavu, Vanua Levu, Fidschi
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

Ankern vor der Osterinsel

Sa., 12.Jan.19, Chile/Osterinsel/Hanga Roa, Tag 1686, 15.744 sm von HH

Kein vernünftiger Revierführer fürs Mittelmeer oder die Karibik würde diesen Platz auf dem wir parken als Ankerplatz ausweisen. Vor Hanga Roa gibt es weder eine schützende Bucht, noch seichtes Wasser. Der Wind fegt ungebremst über die flache Insel. Das Wasser ist eigentlich zum Ankern viel zu tief. Unser Anker liegt auf 22 Meter, der unseres schwedischen Nachbarn sogar auf 26 Meter.
Immerhin in feinem Sand. Dort wo es flacher ist, sind Korallen und Lavafelsen. Ankern vor der Osterinsel ist kein Kinderspielplatz. Das ist Ankern für Erwachsene. Wir supertollen Erwachsene mussten bereits dreimal umankern.

Der erste Platz war gut, aber in unserer Ankommen-Freude haben wir viel zu weit draußen geankert. Einen Kilometer mit dem Dinghy gegen den Wind an Land zu fahren, ist kein Vergnügen. Also sind wir näher an den „Hafen“ gerückt. Dort hat sich in der ersten Nacht unsere Ankerkette um einen Korallenblock gelegt, weil der Wind untypisch aus Westen kam. Also erneut Anker auf und zwanzig Meter weiter wieder fallen lassen. Jetzt passt es.
Sand soweit das Auge reicht. Und das Auge reicht weit. Das Wasser ist sensationell. Klar, wie Kristall. Wir können den Anker zwanzig Meter tief unter Atanga erkennen. Mit knapp 24 Grad ist es grade so zum Schwimmen zu gebrauchen.

Die Wasseroberfläche sieht ruhig aus. Aber das täuscht. Heimlich, ja tückisch, kommt eine Dünung angerollt. Fast unsichtbar. Ankern fühlt sich an, als seien wir noch unterwegs auf See. Wir rollen von einer Seite zur anderen. Tag und Nacht. Die Antirutschmatten bleiben liegen. Ist besser so. Dieser Schwell (und die tausend Seemeilen Umweg) sind der Grund, warum die Osterinsel von Seglern gemieden wird. Keine hundert Segelboote kommen jährlich hierher. Im Augenblick liegen wir hier mit vier Schiffen.
Obwohl wir unter Deck manchmal ins Straucheln kommen, können wir beide die Schaukelei ganz gut ertragen. Und es ist ja nicht so, dass wir es nicht vorher gewusst hätten.

Den Bewuchs an Entenmuscheln haben wir uns unterwegs eingefangen
Den Bewuchs an Entenmuscheln haben wir uns unterwegs eingefangen

Die Dünung baut sich zum Ufer zu einer imposanten, brechenden Welle auf. Prima zum Wellenreiten, schlecht zum Boot fahren. Es gibt eine kleine Schneise zum Hafen, dort bricht sich die Welle nicht. Diese Schneise muss man finden. Dann erreicht man ohne Dinghy-Purzelbaum das rettende Ufer. Neben der Schneise wird es flach und gefährliche Grundseen lauern auf die Fischer und uns. Wir beobachten genau, wo die Ortskundigen fahren. Bei viel Wind und Schwell ist der Hafen für uns nicht zu erreichen, dann müssten wir auf Atanga warten bis es wieder ruhiger wird. Zum Glück ist es friedlich seit unserer Ankunft.

Das Anlanden mit dem Dinghy ist ebenfalls für Erwachsene. Ein Dinghy-Dock gibt es in Hanga Roa, dem einzigen Ort der Insel, nicht. Hinter einer Felsnase machen die Fischerboote fest. Wie in einem Spinnennetz sind Seile über den Hafen gespannt. An den Seilen binden die Fischer das Heck ihrer Boote fest, damit die von der anrollenden Dünung nicht ans Ufer geschlagen werden. Wir machen es mit unserem Dinghy nach. Jetzt müssen wir nur noch eine Beton-Pier von mehr als einem Meter Höhe überwinden. Nicht so einfach, dies unfallfrei zu bewältigen vom schwankenden Dinghy aus. Ich supertolle Erwachsene habe bereits ein blutig geschlagenes Knie. :roll:

Hanga Roa von der Seite
An Seilen werden die Fischerboote vor Schwell geschützt
An Seilen werden die Fischerboote vor Schwell geschützt
Die Welle vor der Hafeneinfahrt
Die Welle vor der Hafeneinfahrt
Kinder entern sofort unser Dinghy - der Hafen ist der schönste Abenteuerspielplatz
Kinder entern sofort unser Dinghy – der Hafen ist der schönste Abenteuerspielplatz
Wir binden das Heck unseres Dinghys ebenfalls an den Seilen fest
Wir binden das Heck unseres Dinghys ebenfalls an den Seilen fest

Woanders mit dem Dinghy an Land zu gehen, ist nicht möglich. Es gibt keinen Sandstrand, nur Lava-Felsen-Küste mit der entsprechenden Welle davor. Nur eben um die nächste Landzunge herum, gibt es noch Hanga Piko. Das ist der „Industrie“-Hafen ;-) der Osterinsel. An der Pier liegt das Marine-Boot der Armada und ein weitere Fischerboote. Gleiche Situation wie in Hanga Roa. Es gibt eine schmale Gasse ohne brechende Welle, die man treffen muss. Nach Hanga Piko dürften wir (mit Atanga oder dem Dinghy) nur mit Genehmigung und Lotsen einfahren. Um die Genehmigung zu bekommen, bedarf es sehr guter Gründe.
Also bleiben wir draußen und schaukeln fröhlich auf Atanga hin und her.

Lava-Küste um die ganze Insel
Lava-Küste um die ganze Insel
Hanga Piko - der Industriehafen der Osterinsel
Hanga Piko – der Industriehafen der Osterinsel

Hinterher weiß ich immer Meer…

{Time:21:00:00}
{Date:20190111}
{Position:11°59.9857’N, 061°45.7177’W}
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{Place:Grenada / Prickley Bay}
{Target:Chaguramas / Trinidad}
{Temp Air/Pressure:1013.5/27°C}
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{Title:Hinterher weiß ich immer Meer…}

Die schönen Momente bleiben stets erhalten

Heute war der letzte Tag. Abreisetag. Stell Dir vor Du hättest fast vier Wochen Deine vierzig Quadratmeter Wohnung Tag und Nacht mit vier anderen Menschen geteilt, die Du weitestgehend vorher nicht kanntest. Während dieser Zeit hätte ständig ein großer Riese an Deinem Haus gewackelt. Zwei Wochen konntest Du die Wohnung noch nicht einmal verlassen, weil die Tür abgesperrt war. Alles was Du getan hast, Du meinst nach zwei Wochen sogar, alles was Du gedacht hast, bekommen die anderen genau mit und Du bekommst alles von den andren mit. Stimmungen schwanken, so wie das Schiff schwankt. Du siehst herrlich viel Meer, blauen Himmel und Nachts Millionen von Sternen, vom Balkon aus. Andere Menschen siehst Du nicht. Macht Dir diese Vorstellung Angst? Kannst Du Dir vorstellen wie der Moment ist, an dem die Tür wieder auf geht und sich Deine Mitbewohner verabschieden? Das Gefühl kann man nicht beschreiben. Es ist etwas zwischen Freude und Wehmut. So eine Zeit liegt hinter mir. Wieder mal. Zum zehnten Mal und wahrscheinlich werde ich es wieder und wieder machen. Heute braue ich Auszeit.

Das letzte Bild auf meiner Kamera ist Happy Island auf Union Island. Ich finde es wunderschön und freue mich immer darüber, wenn wir eine Mouring direkt neben dem künstlich aus Conchmuschel aufgeschüttetem Island mit der kleinen Bar darauf bekomme. Kurz bevor die Sonne im Westen hinter der Frigate Island versinkt, ist es das schönste Licht. Hat man Lust auf mehr als einen Drink und will seinen Geldbeutel schützen, glüht man an Bord vor, denn die Preise auf der kleinen Insel sind gesalzen. Wenn man bedenkt, das alles mit dem Boot angekarrt werden muss und die Bar ausschliesslich drei Stunden zum Sonnenuntergang dicht besetzt von Touristen ist, geht das auch nur so. Den Blick dafür und die Neigung zum Verständnis („Respect!“ nennen die Rastas das hier zum Gruß) muss man allerdings haben, die so manchen, mir kommt es vor, besonders Deutschen Touristen, abhanden gekommen ist oder nie vorhanden war. Harald verliert das Gleichgewicht, sein teurer Rumpunsch mit „nur“ einem Drehverschluss Rum, versinkt im Muschelschrot. Am Horizont geht die Sonne unter wie ein riesiges zwinkerndes Emojis. Harald holt sich keinen neuen Rumpunsch. Ich zwinker der Sonne zurück.

Mir ist die Fußnote meines Blogs in den letzten Tagen etwas abhanden gekommen. Zu wenig Freiraum für mich selbst. War zu erwarten, dass das irgendwann passiert, ich dann doch lieber zwei oder drei Gläser Rotwein trinke am Abend als Green Tea, denn mit dem Wein lässt sich der Abend besser beenden. Die zweite große Erinnerung der letzten Tage, die ich habe, war der letzte Ankerplatz hinter Frigate Island. Genug Platz zum Ankern, wenig Boote und direkt daneben eine großflächige Kite Rennstrecke, Flachwasser ohne Welle. Ein Traum von Kitespot. Natürlich wollen meine Mitsegler weiter, jeden Tag etwas Neues erleben, ich könnte hier wochenlang verweilen. Auch Harald sieht man eher weniger über Wasser als unter Wasser. Ich gehe mit ans Aussenriff zum Schnorcheln. Doch werd die karibische Unterwasserwelt noch aus dem letzten Jahrtausend kennt, den macht es traurig zu sehen, wie wenig davon übrig geblieben ist. Am Vormittag passt der Wind, 20 Knoten ziehen an meinem Trapez und ich ziehe meine Bahnen auf dem Wasser, hin und her… Das Leben kann so schön sein. Dann ist die Wind wieder wech… Am Abend grillen wir am Strand. Sitzen zusammen und um unsere Füße krabbeln die Einsiedlerkrebse. Für mich geht nicht mehr Karibiktraum. Life at Beach is better.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 52 Martinique – Antigua 02.03.2019 – 14.03.2019
CREW 53 Antigua – Martinique 23.03.2019 – 04.04.2019
CREW 54 Martinique – Grenada 06.04.2019 – 18.04.2019
CREW 55 Grenada – Antigua 27.04.2019 – 09.05.2019
CREW 56 Antigua – Bermudas 11.05.2019 – 23.05.2019
CREW 57 Bermudas – Azoren 01.06.2019 – 20.06.2019

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