Archiv der Kategorie: Blogs

175-Tage-Master-Plan

Fr., 18.Okt.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 1965, 18.962 sm von HH

Essig mit Austral-Inseln – zumindest für die nächsten fünf Tage. Der Wind soll komplett einbrechen auf unserem Weg dorthin. Das wollen wir uns nicht antun. Unser Wochenvertrag in der Marina läuft heute aus, nochmal verlängern wollen wir nicht, also kommt Plan B zum Zug: wir machen einen Abstecher nach Moorea.
„Perle der Südsee“, nennt die Touristen-Branche diese Insel. „Geschenk der Götter an die Polynesier“, sagen die Einheimischen. Klingt also nicht nach einer echten Strafe dort zu stoppen. Und weit ist es außerdem nicht. Nur ein Tageshüpfer. Und mein wichtig vorgekochtes Essen, schmeckt auch am Anker. :roll:

Geschenk der Götter an die Polynesier – Moorea

 

 

SV Inga – Brioan Reynolds UK

HR 42 – 16 YEARS UNDER WINDPILOT – EVERYWHERE

We love our windpilot, and you after sales service is excellent. You always reply promptly and can sort out any problem we raise.
You already have a pic of INGA on you website, with the windpilot when out of the water.
Kind regards
Brian
INGA

SV Florestan – Jèrome Giersé BE

ROUND THE WORLD 40.000 MILES WITHIN FIFE YEARS

Hi Peter, we have been sailing 40.000 miles with our windpilot pacific and all went well.We are close to the last leg of our circumnavigation, from the caribbean to Europe. I noticed that the aquatic part is getting loose. Not on the bolt but a bit lower where there is a kind of rivet. What can I do to fix this?
Many thanks, and kind regards,
Jérôme

Nun, ein Ersatzruder zu den Azoren zu senden, ist schon ein teures Unterfangen, jedenfalls wenn nur noch wenig Bares in der Bordkasse ist, das gerade noch ausreichend ist, Lebensmittel für die letzten Meilen nach Hause zu kaufen.

Dear Peter,
No need to be mad at me. Nor to blame me to be one of the sailors circumnavigating with your product. And I know the price of UPS, and I know the Windpilot is to be found on numerous and prestigious boats. No problem. The only information I sent you is that our windpilot broke down in a strong gale between Azores and Spain, and we are among these very few sailors on earth who cannot afford to fix it. Because, yes, as if was maybe more often the case 30 years ago, boat owners are not only wealthy people. I hoped I could get to the La Rochelle nautical salon with the Windpilot fixed, that’s all. In the meantime, I need these 380 euros to feed my family. I hope you’re not disturbed by this last (unusual) comment, but it is the cruel and bare truth.
Jérôme

Wir haben das Problem am Ende unkonventionell gelöst … in Form einer Holzlatte, deren Vor- und Achterkante ein wenig angehobelt wurde … damit wurde dann sicher gestellt, dass keiner der Crew von Hand zu steuern hatte … bis das Schiff im Heimathafen angekommen ist.

SV Eos – Mikael Lööv SE

16 YEARS AND 40.000 CIRCUMNAVIGATION ON NAJAD 343

Hi, we have a Pacific windvane from 2003. It had been running for 40000 nm now and we are very pleased with it. Please enjoy some picts from Marquesas, Galapagos,Rio Chagres and Louisiade in Papua New Guinea.
Best regards!
Mikael Lööv
SY Eos

Acht Freunde, fünf Wochen und ein Aktmodell

Während sich in der guten alten Heimat die Segler langsam auf das Winterlager vorbereiten, brennt in der Türkei immer noch die Sonne mit 30 Grad vom Himmel. Es ist, keine Frage, die beste Zeit des Jahres. Die Abende werden etwas kühler, der Wind legt leicht zu. Einfach herrlich. Und diese Herrlichkeit konnte ich in den vergangenen fünf Wochen mit acht Freunden aus Deutschland teilen. Mitte September rückte zunächst die Hamburger Herrenrunde an, gegründet 2007 bei Mr. Kebab (wahrscheinlich bereits ein Omen, wohin es mich einmal treiben wird), die sich dort jeden Donnerstag traf, um gemütlich zu essen und sagen wir mal so: herzhaft zu trinken. Nachdem einige von uns die Hansestadt verlassen hatten, sei es nach Berlin oder die USA, verödete das wöchentliche Ritual, nicht aber die Freundschaft, die uns einmal jährlich zu einem Wochenende ausrücken ließ, um der guten alten Zeiten zu huldigen. Und dieses Jahr sollte es die Türkei sein.
Als der Stammtisch die Dilly-Dally wieder verließ, blieben die Erinnerungen an fantastische Tage zwischen Kas und Kekova – und Lars!  Der hatte sich mittlerweile zum besten Heckleinenausbringer ever gemausert, wahrscheinlich angespornt von seinem Titelgewinn bei der ersten offenen Meisterschaft im „Waterboarding“ – einer neuen Szenesportart. Dabei zieht ein Boot an einer Leine Topathleten hinter sich her und erhöht konstant die Geschwindigkeit. Es treten immer zwei Herausforderer gegeneinander an, wer zuerst die Leine loslässt, fliegt aus dem Wettbewerb. Klassisches K.O.-System. Lars hielt sich mühelos dank ausgefeilter Taktik (ähnlich dem Fosbury-Flop im Hochsprung) und einer aerodynamisch an große Wasserlebewesen angepasster Rumpfform bis zu knapp sechs Knoten. Der Titel war ihm sicher. (siehe Video unten)
Von Kas segelten wir nach Göcek, wo wir Mareen und Ilija aufgabelten, die zu diesem Zeitpunkt seit zwei Wochen den gleichen Nachnamen trugen, und bereits mit ihrem dritten Aufenthalt auf der Dilly-Dally in einem Jahr den Besucherrekord knackten. Nach ein paar Tagen in einsamen Buchten und schicken Restaurants setzten wir sie an einem einsamen Strand aus, weil sie dort noch Robinson besuchen wollten.
Lars und ich düsten weiter, wieder zurück nach Göcek, um die Strandsegelfreunde Maike und Kai-Uwe aufzugabeln. Zu viert an Bord ging es zurück nach Kas, um den besten Heckleinenschwimmer ever abzusetzen, der nach knapp drei Wochen wieder zurück nach Deutschland musste.
Da Kai-Uwe mir bereits vor einem Jahr geholfen hatte, die Dilly-Dally nach dem Kauf nach Kas zu segeln, ahnte er bereits, was auf ihn zukommen würde. Schon damals hatte er das halbe Boot zusammen mit unserem Freund Sven Kraja in Schuss gebracht, jetzt, nach einem Jahr, war die Liste der Instandhaltungen bereits wieder stattlich angewachsen. Und so erklomm er vier Mal den Mast, um zu checken, zu reparieren und auszutauschen. Er dichtete alle Decksluken ab, tauschte Scharniere, wartete den Motor, wechselte Filter, Impeller und Öl, schraubte am Kartenplotter, bis der Display wieder Seekarten zeigte statt wirrem Flimmern, wie das Testbild damals nachts um zwei, als es nur drei Programmen gab. Er befreite die Schraube eines befreundeten Seglers von dessen Dinghyleine, half einen Südafrikaner zu retten, dessen Yacht sich nachts in der Marina im Sturm losgerissen hatte, schwang sich von Boot zu Boot, bewaffnet mit Werkzeug. Selber schuld, warum hat er auch 15 Jahre auf der Norderney Werft Dübel & Jesse gearbeitet. Zu seiner Freude entdeckte in der Kas-Marina auch noch eine stattliche Alu-Yacht, die er vor 30 Jahren gebaut hat. Nur die Freude bei den Eignern war noch größer, die uns spontan zum Bier an Bord einluden. 
Und Maike? Die rubbelte, was das Zeug hielt, die Politur fest im Griff, bis das Edelstahl mit der Sonne um die Wette glänzte. Und wenn sie Ruhe suchte, dann zückte sie ihrem roten Stift und lektorierte knapp 600 Seiten meiner Texte. Was soll ich sagen? Ich bin sehr, sehr dankbar!
Es wäre falsch zu sagen, dass es eine Belohnung für die beiden gewesen wäre, aber sicherlich war es eine einmalige Erfahrung. Unser guter Freund und Aktfotograf Jim (seine Geschichte ist übrigens  im Buch „Träum weiter!“ nachzulesen), hatte für mehrere Tage Shooting das australische Aktmodell Anne Duffy in die Türkei einfliegen lassen. Als wir uns in einer Ankerbucht bei Kas trafen, wechselte sie das Boot, um mit uns zurückzusegeln – und die Hüllen am Bug fallen zu lassen. So kam es zum ersten Aktshooting auf der Dilly-Dally. Mit Sicherheit die hübscheste Galionsfigur, die an diesem Tag durch das Mittelmeer segelte. Alles natürlich mit künstlerischen Anspruch :)

SV Glayva – John Apps UK

A POOR WORKMAN BLAMES HIS TOOL

Thank you Peter,
I have not really been following the GGR, but I did hear that one of the competitors had an issue with his Windpilot. In English we would say ‚A poor workman blames his tools.‘ Of course wheel steering is always a little bit problematical with windvane steering in my opinion. Tillers just make everything so easy.

I have been knocked down using both the Pacific Light and the Pacific, in all cases it was my fault for running before the wind when the waves were too big. My knockdowns occurred both in the North Atlantic and the Southern Ocean. In all cases not only did my Windpilots remain undamaged but my steering system was also completely undamaged. The North Atlantic knockdowns were with a spade rudder on my UFO27 and the Southern Ocean was a skeg hung rudder on my Rival 34.

I have included a picture of a Pigeon that trusts Windpilot more than his/her own sense of direction. Also a song that my Windpilot sings when she wants to annoy me. Both my Windpilots have been called ‚Miss Piggy‘ after the tough Sesame Street Character who packed such a ‚Wallop‘. The song Miss Piggy’s lament is based on an old Scottish ballad called ‚My Bonny lies over the Ocean.‘

Danke,
John Apps, SV Glayva

SV Galatée – Laurent Souliée + Shu-In FRA

WELTUMSEGELUNG MIT OVNI 35

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Bonsoir Peter,
I found your technical article about the GGR report very interesting and the analysis very much relevant.
To this subject I would like to add my personal testimony: in august 2017 while crossing the south indian ocean westward, we (my wife and I) experienced a knockdown while sailing in heavy weather and crossed seas under windpilot. Though we had a few damages (dodger sheared-off and main stay attachment disloged), when the boat adjusted back to a normal angle, the windpilot put us back on our route rapidly! It did the job very well without being damaged.
With kind regards
Laurent & Shu-In
S/Y Galatée

SV Cecilia – Peter Burk NOR

AUSWANDERUNG LEICHT GEMACHT – ODER NICHT?

Nach Jahrzehnten der Arbeit als Heizungsbauer und Installateur im Ruhrgebiet, ist im Leben von Peter vor einigen Jahren urplötzlich eine Lebenswende eingetreten: Der Betrieb insolvent, die Lebensuhr bereits fortgeschritten, hat es lange Zeit gedauert, bis Peter diese Situation verarbeitet und verdaut.

Es war schlicht keine Arbeit im angestammten Beruf zu finden, die Umschulung erwies sich als Ausweg, urplötzlich stand die Lebenswende vor der Tür. Norwegen winkte und Peter hat die Gelegenheit am Schopf ergriffen, sich vom Hohen Norden begeistern lassen.

Er lebt und arbeitet heute in Stockmarkness, ist für die kommunale IT verantwortlich und hat erst kürzlich das Segeln angefangen. Die SV Cecilia, eine C&C 30 wurde kürzlich mit einem Steuersklaven ausgerüstet. Nach der Winterpause geht es los …

SV Globi – Robert Baumann GER

ENDLICH MAL EIN WINDPILOT, DER TATSÄCHLICH FUNKTIONIERT!

Manchmal dauert es Jahre, bis der Nagel im Kopf sitzt … und da ich mir zur Angewohnheit gemacht habe, grundsätzlich den Seglern nicht auf die Nerven zu gehen, mit dummen Fragem, warum sie denn immer noch nicht gekauft hätten … liege ich dann eben auf der Mauer auf der Lauer und waaaarte, bis die Segler von alleine kommen.

created by dji camera

Bei Robert war es ein Glücksfall, denn die Ovni, die er in Venezuele kaufen konnte, hatte die Heckverzierung bereits montiert. So erreichte mich gestern diese Mail:

Moin Peter,
Ich habe diese OVNI 435 in Venezuela von Schweizer Seglern gekauft, habe das Schiff nach Martinique verholt und bin dann in 45 Tagen samt meiner Crew nach Deutschland zurückgesegelt. Auf der Reise hatten wir am Ruder nix zu tun, es wurde komplett von Windpilot gesteuert. Ich weiss zwar immer noch nicht warum, aber das Wunderwerk
hat einfach nur funktioniert 🙂
Schönes WE !
Gruss Robert SY Globi

WEITERLESEN

SV Frida – Sebastian Groth GER

HALLUZINATIONEN EINES EINHANDSEGLERS

Preisfrage: was macht ein Einhandsegler auf Weltumsegelung, wenn ihm die Einsamkeit in den Kopf gestiegen ist? Richtig, er multipliziert sich selbst und tanzt im Kockpit Polonaise! Fast hätte ich es nicht gemerkt, als Sebastian mir gestern von Port Louis – Mauritius diese Nachricht mit Fotos schickte:

Sehr geehrter Herr Förthmann,
sonnige Grüße von Mauritius, der indische Ozean ist fast geschafft, wobei das spannende Stück jetzt bis Kapstadt sicherlich noch auf mich wartet.
Ich hoffe, Ihnen geht es gut und Sie konnten den Sommer genießen.
Die Windpilot Pacific hat mich nun zuverlässig mit der alten Frida bis nach Mauritius gebracht.
Da die Pacific bereits beim Vorbesitzer viele Meilen zu steuern hatte,
würde ich die Anlage gerne in Kapstadt mit neuen Lagern bestücken, ich komme über Weihnachten/Neujahr nach Hamburg.
Wunschliste:
306, 327, 328, 332, 333, 341, 410
Wie schätzen Sie Lage ein? Muss ich mir Sorgen für die letzten 2300 Meilen machen?

Für jeden Hinweis vielen Dank im voraus,
schöne Grüße aus Port Louis,
Sebastian Groth SY Frida

Meine Antwort wenig später:

Moin Sebastian,
alles wenig dramatisch … weiter segeln … zu X-Mas können wir dann ein paar Lager in Tüte liefern hier in Hamburg … einfach melden.
ACHTUNG: bitte Verschraubungen pruefen:
2 x Bolzen 805
1 x Bolzen 251
Alles fest?
Allerbest!
schnieke Grüsse aus Hamburg
Peter Foerthmann

WEITERLESEN

Tag 13: Wenn Sie wüßten, dass sie nur noch drei Monate zu leben hätten…

{Time:15:00:00}
{Date:20191016}
{Position:54°47.5541’N, 009°25.2186’E}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:Flensburg}
{Target:Cuba}
{Temp Air/Pressure:19°C}
{TempWater:-°}
{Wind:VAR}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{Photo:20191016}
{Title:Tag 13: Wenn Sie wüßten, dass sie nur noch drei Monate zu leben hätten…}

Haluzinationen

“Sie sitzen beim Arzt und dieser sagt Ihnen, dass sie unheilbar krank sind und nur noch drei Monate zu leben hätten. Was würden sie in den drei Monaten tun?“ Klassische Gretchenfrage würde ich sagen. Vor zwei Wochen noch mit dem Kite über türkises, kristallklares Korallenwasser hinweggefegt, ist mir plötzlich klar, dass der Fall zu 50% eintreten wird. Nicht kann. Wird. Das ist meine Überlebenschance. 50%. Ich habe vorgesorgt. Alles was andere schnell noch machen würden, habe ich schon hinter mir. Garantiert alles. Verbotenes und nicht verbotenes.

Gestern um 16 Uhr habe ich meine erste Blutkonserve bekommen, um 21 Uhr, die zweite. Könnte ich jetzt wieder als der böse Patient aus Zimmer 33 ne lustige Story drum herum schreiben, aber lass ich jetzt mal. Schwester Meda und Josina haben mich komplett professionell im Griff. Patient Dracula aus Zimmer 33 röpst, schläft ein, schnarcht und ist um 6 Uhr morgens fit wie nen Turnshuh nur sein kann. Schwester Denise taucht am Horizont auf. „Na. Alles gut?“ „Ich vermute mal, ich hab mich unbeliebt gemacht. Aber heute ist mein HB bestimmt 7.2.“ „Fast. 7.3 Woher wußtest Du das?“ „Besserwisser“, grinse ich. Mit 7.3 verbringe ich den Tag komplett ausserhalb meines Betts. Ich dusche. Ich rieche gut. Ich bin gut gelaunt. Meine iPhone macht Ping. „Somebody loves you!“

Meine Krankenkasse ruft an, nach einem richtig bösen Wnuk-Mail von gestern und es findet sich eine Lösung, dass ich im Krankenhaus von den Beitragszahlungen befreit werde. „Geht doch.“ Ich habe das Gefühl, dass mein Macbook, nach der Salzwasserdusche in der Vorkabine der MARLIN, von vor einem Monat, nicht mehr lange leben wird. Ich verkaufe es kurzerhand und bestelle mir das gleiche Modell wieder neu. Quasi eine Stammzellentransplantation des definitv wichtigsten Gerätes meiner Existenz und meiner Arbeit. Der Verlust von 800 Euro ist marginal, wenn man bedenkt, das ich es zwei Jahre lang, jeden Tag im Durchschnitt sechs Stunden zum Arbeiten benutzt habe und meinen Lebensunterhalt damit verdiene. Das geht nur mit einem Macbook mit Apel drauf. Wenn das mal so einfach mit meiner Leukämie 2.0 gehen würde. Knochenmark raus. Verkaufen. Neues im Internet bestellen. Kommt innerhalb von 24h. Spenderknochenmark implantieren. Wnuk funktioniert wieder. Genau das ist es was die jetzt machen wollen.

Zurück zur Gretchenfrage: Um es auf den Punkt zu bringen. Wo will ich sterben, wenn es nicht klappt, was die Ärzte da grade machen? An dem schönsten Strand des Atlantiks auf Sao Vicente. Cabo Verde.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 58-63 MARLIN’s Cubatörns 2019-2020. Sichere Dir Deinen Platz.

JOIN THE CREW:
lin-expeditions.com/” target=”_blank” rel=„noopener”>www.marlin-expeditions.com

Tag 12: Es geht mir um Blut

{Time:15:00:00}
{Date:20191015}
{Position:54°47.5541’N, 009°25.2186’E}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:Flensburg}
{Target:Cuba}
{Temp Air/Pressure:19°C}
{TempWater:-°}
{Wind:VAR}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{Photo:20191015}
{Title:Tag 12: Es geht mir um Blut}

Mitten drin in der Aplasie

Die Zeit nach Chemo nennt man Aplasie. Das ist die Zeit, wo sich der Patient ohne Immunsystem herumschlägt. Der Körper selber kann kein Blut produzieren, das Knochenmark ist zerstört, komplett und hoffentlich die bösen Zellen auch. „Die heutigen Chemotherapien sind wirklich super verträglich mit fast keinen Nebenwirkungen“, meint Dr. Helge und grinst. Er ist voll im Thema. „Nun. Nur hast Du noch nie eine Chemotherapie bekommen. Also weißt Du auch nicht wirklich, was die mit Dir macht.“ Mit mir macht die Chemotherapie ganz komische Sachen. Letzte Nacht habe ich kaum geschlafen und das komplette Bett nass geschwitzt. Die erste Schwester die kommt, macht erst mal das Licht an. Push! Nimmt mir erst mal so gegen sechs Uhr ein paar Ampullen Blut ab. Wenn ich Glück habe über den zentrale Venenverweilkatheter, der in meinem Hals steckt und drei Schläuche hat, die direkt bis vor mein Herz führen. Wenn ich Pech habe, will die Schwester aber aus welchen Gründen auch immer, lieber Blut aus meinem Arm. Geweckt werden, mit einer Blutabnahme am Arm. Das ist meine Erinnerung schon an 2016. Ich wollte hier nie wieder hin. Ich wollte lieber sterben. Das Licht geht wieder aus. Was ich nicht weiß, dass mein Hämoglobin Wert über die Nacht inzwischen auf 6 abgesunken ist. Ein nicht vorhandenes Knochenmark kann kein Blut produzieren. Beim HB von sechs fühle ich schon ein akute Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Um acht kommt die Schwester mit dem Frühstück und bezieht mir das Bett neu, mit steriler Bettwäsche. Ich sitze am Tisch, schaue aus dem Fenster nach Dänemark, schlürfe an meinem Pfefferminztee, lese ein par Seiten von Guido Westerwelles Buch „Zwischen zwei Leben“. Ich beiße ein Stück von der hübschen genmanipulierte Rewe Biobanane ab, die nach nichts schmeckt. Unten vorm Haupteingang ist die Raucherkabine. Auf Krücken, im Rollstuhl, treffen sich schnatternd Kranke, zünden sich ihre Zigaretten an dem die Regierung 75% an Steuern einnimmt. Ich stehe auf, laufe Richtung Bad, um zu duschen, falle auf dem Weg dorthin ins Bett und schlafe sofort ein. Ich weiß ja nicht, das ich einen HB von sechs habe.

Ich werde wach weil mein Telefon schellt. „Hi Gerhard!“ „Wo steckst Du grade?“ „Im Krankenhaus in Flensburg!“ „Gut. Ich hab da mal ne technische Frage. Ihr verkauft doch auch die UUPlus Software…. Soll ich ihn unterbrechen? Ihm erklären, dass mein Kopf grade nicht funktioniert, weil mein Blut keine Zellen hat um den notwendigen Sauerstoff ins Gehirn zu produzieren. Bringt doch nichts. Ich stehe mit meinem Porsche Carrera auf dem Seitenstreifen des Nürburgrings. Leider ausgeschieden. Die Klappe zum Motor ist offen. Es raucht. Das Rennen geht weiter. Ist ja auch richtig so. Im gleichen Moment kommt mein geliebteste serbische Ärtzin (Ironie) rein. Spricht mit mir, obwohl ich grade Gerhard am Telefon auf laut habe, der mir sein technisches Problem ausführlich schildert. Ich bin komplett überfordert, schaue auf die Uhr. „Herr Wnuk?“, geht es Ihnen gut? Die Antwort nicht abwartend verlässt sie das Zimmer. Ich denke an Dr. Helges Worte: „Am besten Du lernst serbisch oder russisch für die Woche, die ich im Urlaub bin. Gerhard redet immer noch. „Nein. So ein Problem hatten wir noch nie.“ „Dann mach’s mal gut. Danke das Du mir zugehört hast.“ Gerhard legt auf und ich bin wieder alleine. Ein Mailfenster geht auf und die Hausratversicherung teil mit, dass sie jetzt Akteneinsicht bei der Staatsanwalt beantragt hat, wegen dem Einbruchbdiebstahl’s in meinem Keller, bei dem für 5.000 Euro Kites entwendet wurden. Ausserdem hat sie einen Gutachter mit dem Fall beauftragt. Ich rufe die Nummer der Versicherung an, warte 10 Minuten in der Warteschleife und erkläre der Bayrische Löwenversicherungsdame, dass die Flensburger Polizei noch nicht einmal vorbeigekommen ist. Die Antwort auf den Punkt gebracht: 4-6 Monate Bearbeitungszeit. Es ist 15 Uhr. Das ist fast schon das Ende des normalen Krankenhaustagegeschehens.

Ich drücke auf den roten Knopf an meinem Bett. Nichts passiert. Nach fünf Minuten steckt eine nette Schwester, der Mundschutz schräg auf ihrem Gesicht, das Gesicht durch den kleinen Spalt der Türe, die sie diese notdürftig öffnet. „Wir sind nur zu zweit. Was gibt’s? Herr Wnuk? „Mir geht es nicht gut. Ich möchte gerne den Ausdruck meiner Blutwerte von heute morgen haben. Ich möchte einen Arzt sprechen.“ Zwei Minuten später habe ich den Ausdruck in den Händen. Ich brauche nicht blass zu werden. Ich schicke das Foto an Nathalie, die grade mit den Kindern und Oma bei Ikea in Kiel ist und Köttbullar vertilgt. „Du brauchst sofort eine Blutkonserve.“ Ist das meine Aufgabe, das den Ärzten zu sagen?“ „Nein. Aber es Dein Leben.“ Nathalie kann immer so nett direkt sein.

Ob Guido Westerwelle auch einen ganzen Tag auf eine Blutkonserve warten musste?


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 58-63 MARLIN’s Cubatörns 2019-2020. Sichere Dir Deinen Platz.

JOIN THE CREW:
lin-expeditions.com/” target=”_blank” rel=„noopener”>www.marlin-expeditions.com