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Jahreswechsel in Huahine

1.Jan. 2021, Franz.Polynesien/Huahine/Fare, Tag 2406, 21.334 sm von HH

Die Überfahrt war so lala. Direkt hinter der Abdeckung von Moorea wartet eine kurze, steile Hacksee auf uns, die schräg von achtern kommend Atanga deutlich auf die Seite legt. Diese Drücker sind anstrengend und am ersten Tag unangenehm ungewohnt. Aber es ist ja nur eine Nacht, trösten wir uns. Die Vorhersage hat Wind unter den Squalls von 35 Knoten angedroht. Aber man denkt ja immer, der Ozean ist so groß, vielleicht treffen wir ja keinen Squall. Diese Wind- und Regenzellen sind häufig nur ein paar hundert Meter breit – wie viel Zufall gehört dazu, dass wir zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind. Der Zufall meint es dann gerecht mit uns, es erwischt sowohl Achim als auch mich während unser Nachtwachen. Wind und Regen von der unbequemsten Sorte. Viel Schlaf bekommen wir nicht.
Im Morgengrauen taucht dann schon Huahine am Horizont auf. Es folgt schönes Segeln ohne Welle hinter der Abdeckung der Inselberge als wir auf der Westseite von Huahine hoch düsen. Der Anker fällt nach 17 Stunden in einem See aus Türkis auf fünf Meter. Wann haben wir das letzte Mal so flach geankert? Wir müssen lange zurück gehen in der Zeit – da hieß der Ozean noch Atlantik.

Das Wetter wird zum Nachmittag mistig, da werden wir Silvester wohl an Bord verbringen und auf einen Restaurantbesuch verzichten. Regenschauer kommen über die Berge geflogen. Böen rütteln an der Ankerkette. Für unser Silvestermenü haben wir keine Kosten und Mühen gehabt: es gibt den restlichen Kartoffelsalat von der Überfahrt, Würstchen mit Senf und eine Dose Bier dazu.

Wenn du weißt, gleich ist das bei dir

Im Cockpit ist alles nass – nur in der hintersten Ecke findet sich noch ein trockenes Plätzchen

aber das kann einen Seemann nicht erschüttern – in der Regenpause wird draußen gegessenen

Unser Internet-Guthaben für den Dezember weißt noch einen Rest von drei Gigabyte aus. Da das Morgen verfällt, investieren wir die gesparten Bytes in Deutsches Fernsehen. Wir gucken einen Jahresüberblick 2020 von der Wochenshow, einen von Nuhr, ein paar Shows und Nachrichten, alles, was youtube so bereit hält. Wir haben lange kein Deutsches Fernsehen mehr gesehen. Und obwohl wir fast täglich im Internet unterwegs sind, sagen uns ein paar Dinge und Personen gar nichts, haben noch nie davon gehört. Wir hätten Corona-Bingo spielen sollen – immer wenn das Wort fällt, muss man einen trinken. Aber da wäre uns wohl nach einer Stunde der Schnaps ausgegangen.
Erst fühlen wir uns gut amüsiert, aber nicken dann doch vor der Kiste ein. Um Mitternacht steigen zwei, drei Raketen im Dorf in die Luft, dann ist Ruhe. Nur der Wind heult noch über die Bucht. Herzlich willkommen 2021, zeig uns, dass du es besser kannst als dein kleiner Bruder. Und vielleicht wird aus 2020 Harry Potter mäßig das Jahr, was nicht genannt werden darf. :mrgreen:

Neue Seite für die Gezeiten

Auf getij.rws.nl findet sich seit Jahren die Gezeiteninfo für die Niederländischen Gewässer. Neben der reinen Tabelle mit Zeiten und Wasserständen wird dort nun auch eine interaktive Gezeitenkurve angeboten. Und die ist sehr praktisch

Wassersportler, die auf Tidengewässern in Holland unterwegs sind, haben es gut. Nicht wie in Großbritannien mit viel Rechnerei, nein, einfach durch den Blick in den guten alten HP33 kann pro Standard Port gesehen werden, wie hoch wann das Wasser steht. Soweit, so praktisch. Leider muss man dazu den HP33 jedes Jahr neu kaufen. Und der ist nicht eben günstig. Jetzt aber, sind alle Infos aus dem HP33 auch online verfügbar und sogar noch detallierter. Die Strömungen findet man hier.

Die Infos zur Höhe der Gezeit sind nun auf den Seiten des Rijkswaterstaats aufbereitet. Der Zugang erfolgt weiter über die Seite getij.rws.nl Durch Klick auf den gelben Balken gelangt man auf die neue Seite, waterinfo.rws.nl. Dort kann auf einer Karte der gewünschte Ort ausgewählt werden. Es öffnet sich eine Grafik mit der Gezeitenkurve, auf der man den Zeitpunkt verschieben kann. Ein kleines Fenster zeigt die genaue Höhe der astronomischen Gezeit. Die Grafik bietet Info in Schritten von 10 Minuten. Alternativ wird das Ganze als Tabelle dargestellt. Der Vorhersagezeitraum lässt sich ebenfalls anpassen.

Alle Info auf einen Blick: Die Gezeitenkurve Copyright: Rijkswaterstaat

Hinter dem Button „Expert“ lässt sich die Bezugshöhe anpassen. LAT ist sehr praktisch, weil dann die Höhe der Gezeit einfach zur Kartentiefe einer auf LAT bezogenen Karte addiert werden kann, um die Wassertiefe zu erhalten. Aber Vorsicht: Durch den Einfluss des Windes kann der tatsächliche Wasserstand von der durch die Gestirne verursachten Tide abweichen. Bei nördlichen und westlichen Winden ist er höher, Ost und Süd Wind sorgen für niedrigere Wasserstände. Wer einfach mal ein wenig mit den Angaben auf der Website spielt, wird schnell damit vertraut werden und so bei der Planung vor Ort schnell die gewünschten Daten finden. Viel Spaß dabei!

Bezugshöhe und Uhrzeit lassen sich einstellen. Komfortabler geht es kaum Copyright: Rijkswaterstaat

Übrigens: Auch der Einfluss des Windes wird auf die Höhe der gezeit wird auf der Website dargestellt. Dazu auf der Seite auf den Button „Waterhoogte“ gehen. Dort den gewünschte Ort auswählen, und für West Terschelling zu Beispiel erscheint dieses Bild:

Die rote Linie beschreibt die durch den Wind veränderte Höhe der Gezeit

Es empfiehlt sich unbedingt, bei der finalen Planung mit dieser Linie zu rechnen. Da sie von Wetter und Wind abhängt, kann sie nur für wenige Tage im Voraus angegeben werden.

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Tschüss 2020

30.Dezember 2020, Franz.Polynesien/Moorea/Cooks Bay, Tag 2404, 21.237 sm von HH

Wir machen uns heute Nachmittag vom Acker. Die nächste Insel wartet. Es wird ein ungewohnt kurzer Schlag von ca. 80 Meilen. Grad eine Strecke, die man bei Tageslicht nicht schaffen kann. Wir fahren am späten Nachmittag los und hoffen (unser) Silvester-Morgen anzukommen – auf Huahine.

Eine Nachlese auf 2020 verkneife ich mir. Diesem Jahr wollen wir nicht noch mehr Aufmerksamkeit widmen – das verdient dieses Biest einfach nicht.
Wir hatten mit Französisch Polynesien einen guten Gastgeber, der uns Ausländer ausgesprochen fair und freundlich behandelt hat. Selbst den Engländern, die durch ihren Brexit nicht mehr der EU angehören, ist man unbürokratisch entgegen gekommen.
Nette Leute hier.

Wir wünschen Euch allen ein gutes Jahr 2021 und hoffen, dass wir uns im nächsten Jahr an dieser Stelle wieder treffen. Wie heißt es jetzt auf Neudeutsch? Positiv denken, negativ bleiben! Guten Rutsch.

Und 2020 schicken wir diesen Internet-Fund hinterher:

Wenn man zu Silvester um 23:58 Uhr und 42 Sekunden das Lied
‚Schrei nach Liebe‘ von den Ärzten abspielt, dann ist das letzte Wort,
welches das Jahr 2020 hören wird: Arschloch!

 

Tschüss Moorea – Tschüss Cook’s Bay

Videoupdate #48

Wir haben die Leinen los gemacht!
Allerdings nur für einen Minitörn im Winter auf dem Rhein. Nur ein paar Binnenkilometer die Seele baumeln lassen und die kalte Jahreszeit genießen.
Dabei war seit langer Zeit mal wieder die Filmausrüstung. Herausgekommen ist ein kurzes Filmchen über die letzten Momente dieses turbulenten Jahres.

Wir wünschen euch allen mit diesem Kurzfilm einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

WC-Abwassereinleitung in NL: Stand der Dinge

Seit 2009 ist es verboten, Fäkalien von Booten aus ins Wasser einzuleiten. Nur hält sich niemand daran. Das hat sich jetzt geändert. Seeventile können versiegelt- und Fäkalien trotzdem eingeleitet werden. Wie das geht? Die Übersicht

  • Seit 2009 ist es verboten, WC-Abwasser ins Oberflächenwasser Niederländischer Binnengewässer (dazu gehören auch die Wattensee und das IJsselmeer!) einzuleiten. Spül- und Duschwasser darf weiter eingeleitet werden. Seit 2009 ist kein einziges Bußgeld wegen der Einleitung ausgestellt worden. Es ist nahezu unmöglich, die Täter inflagranti zu erwischen
  • Ein neues Gesetzt schreibt nun vor, dass Seeventile, an die ein Fäkalientank oder ein WC direkt angeschlossen sind, im geschlossenen Zustand versiegelt werden müssen. Das Gesetzt ist in Kraft. ABER: Noch gibt es keine Aussagen darüber, wer, wie und wo versiegeln kann. Das soll in einem Gesetz bis zum 1.1.2021 geregelt sein. Dann wird es eine (kurze) Übergangsfrist geben. Man muss damit rechnen, dass Mitte 2021 versiegelt wird
  • Berufsschiffe bis 50 Personen sind von der Regelung ausgenommen. Sie gilt nur für Freizeitboote. Die Regelungen für die Berufsschiffahrt gelten erst ab 50 Personen an Bord. Damit können die meisten Plattbodenschiffe die mit Gästen fahren, weiterhin einleiten
  • Derzeit darf eine Kontrollinstanz jedoch nicht ohne weiteres ohne Zustimmung des Skippers an Bord kommen. Zum 1.1.2021 tritt ein neues Gesetzt in Kraft, das den Zugang zur Überprüfung der Versiegelung erlaubt. Ist nicht versiegelt und kann nicht nachgeweisen werden, dass man auf direktem Weg von außerhalb Niederländischer Binnengewässer kommt, wird ein Bußgeld fällig
  • Neu ist, dass Toilettenwasser sehr wohl eingeleitet werden darf, wenn es zuvor von einer geeigneten Einrichtung an Bord gereinigt wurde. Dazu hat man im Oktober 2019 Grenzwerte festgelegt. Diese muss der Reinigungsapparat in 90 Prozent der Messungen während eines 68-tägigen Prüfzyklusses erfüllen. Eine Prüfinstanz ist bislang noch nicht festgelegt worden, erste Zertifizierer zeigen jedoch Interesse. Auf der Anlage muss die Prüfnummer deutlich sichtbar sein, das Prüfzertifikat muss an Bord mitgeführt werden. Bei der Zulassung wird auch berücksichtigt, dass das Gerät auch drei Wochen ohne Nutzung überstehen muss. Das ist ein Problem für Einrichtungen, die auf biologischer Basis reinigen, da die dafür eingesetzten Bakterien regelmäßige Nahrung benötigen
  • Ein Gerät der Firma Tom Logisch UG, die enteron, wird die geforderten Grenzwerte einhalten können. Allerdings muss dazu nach längerer Nicht-Verwendung mit einem neuen Bakteriensatz (etwa teebeutelgroß) nachgeholfen werden. Das Gerät kostet in der kleinen Version (bis 50 Liter pro Tag) derzeit auf der Boot Düsseldorf (Halle 10, E30) 2.992,- Euro.
  • Neben der Abnahme der Qualität des eingeleiteten Wassers in den Niederlanden muss eine solche Reinigungsanlage auch der erst später in Kraft tretenden Norm ISO 8099-2 entsprechen. Sie regelt technischen Anforderungen im Rahmen der Sportbootdirektive (auch bekannt als CE-Norm), nicht jedoch die Reinheit des eingeleiteten Wassers
  • Da die Niederlande innerhalb von Europa einen Alleingang in dieser Angelegenheit wagen und weil andere Länder mit ähnlichen Richtlinien nachziehen könnten, scheinen potentielle Hersteller zunächst abzuwarten, bevor Geld in die Entwicklung von Reiningungsanlagen investiert wird. Zu groß die Ungewissheit, ob eine einmal entwickelte Reinigungsanlage auch in anderen Ländern gebraucht werden könnte. Außerhalb der Niederlande ist in vielen Ländern entweder ebenfalls das Einleiten verboten oder besteht eine Fäkalientankpflicht. In den Niederlanden gibt es rund 150.000 Schiffe mit WCs an Bord
  • Es bleibt abzuwarten, ob sich in der Kürze der Zeit Anlagen entwickeln, abnehmen und in ausreichender Stückzahl marktkonform fertigen und verbauen lassen, damit rechtzeitig alle Skipper die das wollen, weiterhin ohne Bedenken ihr WC verwenden können

Das meint Stegfunk.de dazu: Natürlich: Wir alle wollen bei schönem Wetter im Wasser um uns herum vom Schiff aus schwimmen gehen, ohne davon krank zu werden. Doch welche Maßnahmen sind dazu geeignet? Der Fäkalientank? Nein, denn die Absaugung funktioniert schlicht nicht ausreichend gut. Also wird letztlich doch wieder eingeleitet. Die Absaugkapazitäten in den Marinas sind zu gering oder funktionieren schlicht nicht. Also kein Verbot? Doch, gerne. Dann aber bitte mit Alternativen. Beispiel: Auf einigen Inseln in Zeeland stehen Toilettenkabinen, die auch genutzt werden. Die Einsicht bei den Bootsleuten ist da, in sauberem Wasser schwimmen möchte jeder.

Das wäre auch ein Modell für Friesland. Denn dort ist das Problem am größten: Starke Nutzung der sehr flachen Gewässer mit entsprechend umfangreicher Einleitung. Marrekriteplätze mit WC, die an den Abwasserkanal angeschlossen sind oder regelmäßig professionell entleert werden, könnten eine gute Alternative sein. So, wie in Zeeland. Dazu müsste dort jedoch massiv in die Infrastruktur investiert werden. Das wollte man offenbar nicht.

Stattdessen hat man den Wassersportler mit überhassteter Gesetzgebung als Zahlmeister auserkoren, der einige Wochenenden und zwei Wochen im Jahr an Bord ist und dabei brav möglichst oft die Hafen WCs nutzt. Und das, während gleichzeitig die Profis von der braunen Flotte 20 Wochen im Jahr mit ahnungslosen Gästen, die einfach gehen, wenn´s drängt, hemmungslos weiter einleiten dürfen. Das ist unerträglich.

Dennoch: Die Investition in ein stromsparendes, nicht allzugroßes Kästchen, das die WC-Abwässer reinigt, wird kaum ein Eigner scheuen. 1500 Euro wären als Obergrenze wohl in Ordnung, denn soviel kostet auch ein Fäkalientank. Dann aber bitte so, dass es auch in anderen Ländern akzeptiert wird und nicht zum Lex-Hollandia verkommt. Umweltschutz bedeutet oftmals liebe Gewohnheiten über Bord zu werfen. Das kommt auch auf die Wassersportler zu. Und die werden das auch tun. Wenn es sinnvoll bleibt.

Übrigens: Die ungeliebten Blaualgen werden durch die neue Regelung nicht weniger werden, es geht nur um Bakterien. Das macht aber auch nichts, denn die Blaualgen kommen hauptsächlich vom Nitrateintrag der Landwirtschaft durch Gülledüngung. Und die will man nicht so recht anpacken. Kurzum: Das Wasser unter den Blaualgen wird durch uns Wassersportler künftig sauberer. Nur schwimmen kann man dann immer noch nicht. Schade.

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Windpilot Blog 2020-12-28 16:02:21

AUF DER OVNI FUNKTIONIERT WINDPILOT SOGAR BEI REGEN
Moin Herr Förthmann, um es vorwegzunehmen: Es war grandios, Sie haben nicht zu viel versprochen! Das Einstellen und Inbetriebnehmen dauerte nur wenige Minuten – anders, als gedacht – und dann fuhr JOHSTE einfach – einfach perfekt!


Wir haben nun zwei Sommer lang steuerfreie Zeiten auf See genossen. Nun traue ich mich sogar, in enge Einfahrten zwischen den Molen – z.B. nach Norddeich unter der Selbststeueranlage einzulaufen, weil ich nun weiss, wie fein man manövrieren kann: Auch das funktionierte hervorragend.
Fazit: Ein zufriedener Kunde – nee, zwei, meine Frau natürlich genauso – mehr, der Sie weiter empfiehlt! (Ist schon passiert).
Noch einmal herzlichen Dank und bis hoffentlich bald mal wieder!
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Till Schmeling

Dauerthema Antifouling in Holland: 6 Fragen an…

…Jane Albas, Pressesprecherin der Unie van Waterschappen, der Vereinigung der Wasserwirtschaft. Die UvW ist für die Umsetzung der Vorgaben zur Wasserqualität verantwortlich und somit auch für das Thema Antifouling und die Kontrollen davon. Stegfunk.de sprach mit Frau Alblas

Stegfunk.de: Frau Alblas, wie verstehen Sie den Begriff „Gebrauch“ von Antifouling? Ist es das Anbringen der Farbe oder auch das „auf dem Rumpf haben“?

Jane Alblas: Beim Gebrauch geht es im Prinzip sowohl um das Anbringen als auch um das „auf dem Rumpf haben“ des Antifoulings

Stegfunk.de: Wo finden Kontrollen statt, ob zugelassene Farbe verwendet wurde?

J.A.: Kontrollen werden meistens in Yachthäfen durchgeführt, während die Schiffe unterhalten werden (Im Winterlager, d. Red.). Auch in Geschäften, also bei den Verkaufspunkten wird kontrolliert. Kontrollen finden zumeist nicht im Wasser statt.

Stegfunk.de: Sie sagen „zumeist nicht“. Wenn dann doch solch eine Kontrolle im Wasser stattfindet, wie sieht die aus?

J.A.: Wir können nicht ausschließen Kontrollen im Wasser durchzuführen, wie das dann konkret aussehen soll, weiß ich nicht. Meistens finden Kontrollen nicht im Wasser statt.

Stegfunk.de: Um ein Bußgeld von immerhin 2500 Euro auszusprechen, muss das Vergehen sehr schlüssig bewiesen werden, etwa durch einen wie auch immer gearteten, zugelassenen Apparat. Gibt es solch ein Gerät und wenn ja, ist es offiziell zugelassen?

J.A.: Wenn ein Eigner ein Bußgeld erhält, muss in der Tat unumstößlich bewiesen werden, dass eine nicht zugelassene Farbe verwendet wird. Die offensichtlichste Methode ist einen Eigner anzutreffen, der eine nicht zugelassene Farbe gerade anbringt oder angebracht hat. Ob oder wie eine bereits angebrachte Farbe im Wasser kontrolliert wird, darüber habe ich keine Informationen.

Stegfunk.de: Angenommen man kauft ein Boot in Deutschland mit einem dort zugelassenen Antifouling, das noch gut ist und legt das Schiff an seinen festen Liegeplatz in den Niederlanden. Muss man dann zuvor das Antifouling entfernen und neues aufbringen?

J.A.: Formal darf die Farbe ohne Zulassung nicht auf dem Rumpf sein, wenn das Schiff seinen Heimathafen in den Niederlanden hat

Stegfunk.de: Angenommen unter einer neuen Schicht mit zugelassener Farbe befindet sich noch nicht zugelassene Farbe. Bekomme ich ein Bußgeld bei einer Kontrolle?

J.A.: Das sind Grenzfälle. Wenn die älteren Schichten keinen Kontakt zum Wasser haben, also keine giftigen Stoffe ins Wasser gelangen können, ist alles in Ordnung. Allerdings verliert Antifouling mitunter die Haftung, sodass es Kontakt älterer Schichten mit dem Wasser geben kann, was nicht erlaubt ist.

Stegfunk.de: Danke für das Interview!

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Gruß an Bord

Heiligabend 2020, Franz.Polynesien/Moorea/Cooks Bay, Tag 2398, 21.237 sm von HH

Ich hatte ja neulich schon im Nachruf auf meinen Vater erwähnt, dass bei uns zu Hause am Heiligabend immer die Radiosendung ‚Gruß an Bord‘ lief. Was ich unerwähnt gelassen habe: als Kind fand ich die Sendung langweilig und als Teenager einfach nur blöde! Wenn zwischen den Beiträgen Freddy Quinn ‚Junge, komm bald wieder‘ sang, während ich unterm Tannenbaum eine Platte von Nina Hagen liegen hatte, wusste ich, dass mit dieser Sendung die Spitze der Spießigkeit erreicht war. Mit dem Auszug aus dem Elternhaus, vergaß ich diese Sendung.

‚Gruß an Bord‘ gibt es seit unglaublichen 67 Jahren und ist damit eine der ältesten Radiosendungen der Welt. Das Prinzip der Sendung ist einfach: Es werden Grüße von Seeleuten auf See in die Heimat geschickt oder zurückgelassene Familienmitglieder senden ihre Wünsche in die Welt hinaus. Seit 1953 hat sich nur die Technik gewandelt. Lief früher viel über Funk und Morsealphabet, nutzt man heute eMail und Satellitentelefon. Dazwischen gibt es Musikeinspieler – bevorzugt etwas weihnachtliches oder seemännisches.

Zum Frühstück erreicht mich über Messenger eine Nachricht von einem segelnden Facebook-Freund: „Ihr seid bei ‚Gruß an Bord‘ mit dabei.“ Wie jetzt? Wir?
Über Radio können wir das natürlich nicht empfangen, aber der NDR überträgt die Sendung auch zweimal per Kurzwelle. Die Frequenzen und Uhrzeiten sind nutzerfreundlich auf der Homepage vom NDR bekannt gegeben. Wir versuchen es, aber hören nur Rauschen, die Uhrzeit ist ungünstig für unseren Standort, die Sonne steht schon viel zu hoch.
Ganz modern, kann man ‚Gruß an Bord‘ aber auch übers Internet streamen. In zwei Teilen, jeweils eine Stunde lang. Unser Internet-Volumen ist begrenzt und nichts frisst mehr Daten als zu streamen. Wir gehen es taktisch an. In der ersten Hälfte werden wir wohl kaum genannt werden, also fangen wir mit dem zweiten Teil an.
Meine Erinnerung täuscht mich nicht – die Sendung ist noch genauso wie damals. Eine frischgebackene Kaptänsfrau berichtet über ihren einsamen Alltag mit den Kindern, während der Mann drei Monate auf See verbringt, um dann am Ende ‚wir vermissen dich‘ ins Mikro zu hauchen. Es folgt ein Weihnachtlied, gespielt mit hawaiianischem Klängen und Rhythmus. Ein Offizier auf See kommt zu Wort. Es folgt ein Shanty. Dann ein Interview mit der Crew des Bootes, was sich am weitesten vom Sender entfernt befindet. Immerhin! Es ist ein deutsches Segelboot in Neuseeland, die SuAn
Achim und ich lauschen und warten auf unseren Auftritt. „Kann das sein, dass du die Sendung das erste Mal in deinem Leben mit Spannung hörst?“, feixt er mich an. Ich schneide ihm eine Grimasse. Nach zweidritteln der Zeit kommt die Erlösung. Aus Deutschland werden die Atangas und zwei, drei weitere Mitsegler im Pazifik gegrüßt. Hipp-hipp hurra. Freut einen dann doch. Ganz ehrlich! Hätte man mir das als nörgeliger 16-jähriger Göre erzählt, ich hätte denjenigen für bekloppt erklärt. Heute sage ich danke für die nette Idee und schicke Grüße in die Heimat zurück.
Aber ich glaube, noch mehr hätte sich mein Vater gefreut. Ob über den Gruß an seine Tochter oder dass seine Tochter nun auch endlich ein Spießer ist, bleibt ungeklärt. Schade, dass er das nicht mehr erleben durfte.

Den Rest vom Heiligabend verbringen wir auch spießig und mit Völlerei. Der Supermarkt um die Ecke meint es gut mit uns: Thunfisch-Carpaccio vorweg und zum Nachtisch gibt es Mango mit Ingwersirup und mit Schoko-Mousse (okay Schoko-Pudding – zu viel Aufwand im Nachtisch lohnt sich nur, wenn wir Gäste haben, Achim isst meistens nichts davon).
Zum Hauptgericht habe ich Rinderfilet mit Broccoli gekauft, aber beim Auspacken entpuppt sich das Rind als Lammfilet. Ich hatte nicht richtig hingelesen und ‚agneau‘ mit ‚angus‘ gleichgesetzt. :roll: Tückische Sprache, dieses Französisch, aber hey, noch viel besser. Mit Rosmarinkartoffeln und Parmesan der perfekte italienische Schmaus. Frohe spießige Weihnachten.

Ein ungeduldiger Skipper vor seinem Carpaccio

Schick auch der Bikini auf der Leine im Hintergrund und die Handtücher auf dem Ruder :lol:

Studie zu biozidfreien Antifoulings: Ernüchternde Ergebnisse

Um mehr Eigner vom Umstieg auf biozidfreie Antifoulings zu überzeugen, hat die Hiswa eine Studie in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse: Ernüchternd. Stegfunk.de fasst zusammen

Es wurden folgende Produkte getestet:

  • Melkfett
  • Renolit Dolphin S foil
  • MacGlideTM foil (Mactac)
  • MacGlideTM Pyramidal foil (Mactac)
  • Bioclean (Chugoku Marine Paints)
  • Seajet ex3 (Chugoku Marine Paints) – Cu-frei aber mit anderem Biozid
  • Silic One (Hempel)
  • Green Power Nano (GPN)
  • Finsulate (kurze und lange Fasern)
  • Sonihull (Lamers System Care) Ultraschall
  • Shipsonic ultrasound antifouling Ultraschall
  • Ecospeed

Getestet wurde auf Polyvalken in Heeg, also auf Süsswasser, auf Valken in Bruinisse, also auf Salzwasser und an hängenden PVC-Platten im Tidenhafen von Den Helder. Leider wurden nicht alle Produkte überall getestet. Im Süswasser zeigten sich alle Produkte mehr oder weniger als ausreichend. Der Bewuchs hielt sich in Grenzen, jährliches Reinigen würde ausreichen, um das Unterwasserschiff weitestgehend sauber zu halten.

Anders im Salzwasser. Dort zeigten sich bei den Tests in Den Helder eigentlich nur die Folie MacGlideTM Pyramidal und das Silic One als wirklich guter Bewuchsschutz. Das zum vergleich aufgebrachte, biozidhaltige aber kupferfreie Seajet ex3 wurde falsch aufgetragen und zeigte keine Wirkung, sodass ein Vergleich nicht möglich war. Die Systeme auf Siliconbasis funktionierten also am besten.

Besonders schwierig von der Bewuchssituation her waren die Verhältnisse in Bruinisse. Dort bewuchsen die Schiffe besonders stark. Das Silic One zeigte nur unterdurchschnittliche Resultate, die MacGlideTM-Folie wurde leider nicht getestet, obwohl diese in Den Helder am besten abschnitt. Als am besten geeignet zeigte sich hier das nun korrekt angebrachte Seajet ex3, es funktionierte sogar besser, als das zur Referenz angebrachte kupferhaltige Seajet 023.

Basierend auf der Studie, die leider etwas nachlässig aufgesetzt wurde, lassen sich dennoch einige Schlussfolgerungen ableiten:

  • Auf Süsswasser, wie in Friesland, bestehen durchaus Alternativen zu biozidhaltigem Antifouling
  • Auch auf frischem Salzwasser wie in Den Helder sind die siliconhaltigen Produkte mögliche Alternativen, zumal die Folien auch ohne Rückstände zu entfernen sind
  • Bei schwierigen Bewuchsverhältnissen wie auf dem Grevelinger Meer oder dem Veerse Meer sind die biozidfreien Alternativen überfordert. Sogar das zugelassene, kupferhaltige Referenzprodukt kommt an seine Grenzen. Es gibt also, laut der Studie, derzeit dafür in den Niederlanden keine wirklich funktionierende Unterwasserfarbe. Das allerdings abgesehen von dem biozidhaltigen, aber kupferfreien Seajet ex3, dessen Zulassung für die Niederlande beantragt, aber noch nicht gewährt ist
  • Die Studie empfiehlt weitere Untersuchungen zum Thema Reinigung des Rumpfes im Laufe der Saison
  • Auswirkungen der Siliconprodukte auf die Umwelt wurden nicht untersucht
  • Die praktische Anwendung der Produkte wurde ebenfalls nicht untersucht. So gelten Siliconprodukte als sehr druckempfindlich. Schon ein Krangurt kann die Oberfläche beschädigen und die Wirksamkeit beeinflussen

Was bedeutet das für den Eigner? Wer gerade jetzt das Unterwasserschiff von alten Anstrichen befreit hat, muss sich gut überlegen, ob er wieder biozidhaltige Farben aufbringen will. Werden biozidhaltige Farben mittelfristig gänzlich verboten, müssen sie erneut vom Rumpf entfernt werden, bevor dann zugelassene Farben aufgetragen werden können.

Wer jedoch einfach eine neue Lage aufbringen will in diesem Frühjahr, der nimmt am besten ein in den Niederlanden zugelassenes Antifouling. So oder so wird die Wassersportler das Thema noch weiter begleiten.

Wer die Studie genau lesen mag, findet die englischsprachige Version hier.

Het bericht Studie zu biozidfreien Antifoulings: Ernüchternde Ergebnisse verscheen eerst op Stegfunk.de | Wassersport. Holland..