Archiv der Kategorie: Blogs

Si, claro!

Fr., 04.Mai 2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1434, 12.486 sm von HH

Drei Wochen am gleichen Ankerplatz – was machen wir eigentlich den ganzen Tag? Hauptsächlich machen wir uns gegenseitig verrückt.

„Bist du soweit?“ „Si, claro!“ Das hat Achim aus Kolumbien mitgebracht. Die Standardantwort der Kolumbianer ist nun auch seine. „Gleich gibt’s Regen.“ „Si, claro!“
„Kommst du mit schwimmen?“ „Si, claro!“
Es ist nicht zum Aushalten. Nebenbei übt er neue Stücke auf der Gitarre. ‚Nothing else matters‘ mochte ich auch schon mal lieber. Oder er wühlt das Internet nach DSGVO-Fallen durch und verdirbt mir die Bloggerei: „Die Kommentarfunktion muss weg. Facebook-Button, so nicht mehr erlaubt. Youtube-Filme hochladen, sehr bedenklich.“ Er macht mich verrückt mit seiner Genauigkeit. Wo ist die, wenn es ums Aufräumen geht?

Kirk Hammett ;-)

Kirk Hammett

Aber ich kann auch nerven. Ich schneide grade einen neuen Film. Das ist für einen unbeteiligten Zuhörer kein Vergnügen. Die gleiche Stelle läuft unendlich oft durch: „Ich geh voran, weil Maya sowieso die Kamera umrennt“, kann ich nach kurzer Zeit selber nicht mehr hören. Die unterlegte Musik kommt uns beiden zu den Ohren raus. Achim rächt sich, geht nach hinten und quält mich mit ‚Metallica‘.

Ein großer Teil des Tages geht mit dem Sex älterer Ankerlieger drauf: dem Essen!
Das Thema wird von Tag zu Tag schwieriger. Einen richtigen Supermarkt habe ich zuletzt vor vier Wochen gesehen. Unsere frischen Sachen sind längst verbraucht. Ich bin vorbereitet und habe Fleisch eingekocht und Gurken eingemacht. Verhungern müssen wir nicht. Was frisch Gekochtes ist trotzdem etwas anderes.
Selbstgezogene Sprossen aus Mungbohnen werden misstrauisch beäugt: „Bäh, die mag ich nicht.“ Die Zucht gelingt, trotz einiger Sabotage-Akte, die ich beobachten konnte. In einer leckeren China-Pfanne finden sie dann doch noch Gnade.

Zuchterfolge - Mungosprossen

Zuchterfolge – Mungosprossen

Die beiden Supermärkte auf der Insel haben wenig: gummiartige Möhren oder Paprika Typ ‚Großmutter‘ – komplett mit Falten übersät. Mal bekommt man eine frische Mango oder ein paar Bananen.
Die Fleischauswahl ist klein. Es gibt Hähnchenschenkel. Oder Hühnchenbrust noch mit Knochen. Die Brust brate ich am ersten Tag als Filet und der Knochen wird nächsten Tag zu einer Hühnerbrühe abgekocht. Dann gibt es Hühnerfrikassee ohne Frikassee. Aber mit Spargel, passend zur Jahreszeit. Beim nächsten Mal gibt es eine Bohnensuppe auf der Brühe-Basis.

Frische-Abteilung im Supermarkt

Frische-Abteilung im Supermarkt

Ich gehe viel schwimmen. Nach dem Quallen-Unfall jetzt nur noch mit Tauchermaske, dann kann ich den Biestern ausweichen. Von den kleinen roten Feuerquallen haben wir nie wieder welche gesehen. Es gibt manchmal weiße Harmlose. Die will ich aber auch nicht testen.
Das Wasser ist herrlich sauber, aber nicht klar. Grünlich schimmert das Plankton, was der kalte Humboldt-Strom in Mengen mit sich bringt.
Es muss unglaublich viel Fisch geben, trotz der Fischerflotte vor der Haustür. Delphine ziehen vorbei, wir sehen Rochen springen, kleine Fisch-Schwärme stehen unter dem Schiff oder springen über die Wasseroberfläche, um sich vor Jägern zu retten. Unglaubliche Mengen an Seevögeln hauen sich den ganzen Tag den Bauch voll. Ab Juni kommen die Buckelwale aus der Antarktis. Bis zu 6.000 Tiere ziehen an der Küste Ecuadors und Panamas vorbei.

Neben Essen und Vergnügen, gibt es auch Arbeit: alle Mückennetzte über den Luken mussten neu genäht werden. Und Achim schnorchelt fast täglich den Rumpf ab und entfernt angedockte Pocken und Muscheln. Das nährstoffreiche Wasser sorgt für ordentlichen Bewuchs.
Edelstahl will poliert werden und Hausputz fällt auch an.

Bleiben noch die Abende. Ein paar Restaurants und Kneipen gibt es auf Contadora. Da zieht es uns nicht hin. Die Anlandung mit dem Dinghy ist ohne montierte Räder einfach eine Qual. Die ‚Alrisha‘ und ‚Kokopelli‘ sind fort, weitere gesellige Abende fallen somit aus.

Kleines Restaurant auf Contadora - gemütlich wie bei Oma auf der Veranda

Kleines Restaurant auf Contadora – gemütlich wie bei Oma auf der Veranda

Aber an Bord ist trotzdem für Unterhaltung gesorgt: „Der Winter ist da.“
Wir haben sieben Staffeln ‚Game of Thrones‘ auf Festplatte und wissen jetzt endlich, was es mit diesem Winter auf sich hat, der da naht. Wir wissen Bescheid über Westeros und die Lennisters.
Gierig ziehen wir uns die Staffeln rein. „Noch eine Folge?“, frage ich Achim. „Si, claro!“ :roll:

Langweilig? Nicht eine Minute. Wir könnten es noch gut hier aushalten.
Morgen geht es trotzdem nach Panama City zurück. Wir brauchen neue Batterien. In der jetzigen Situation haben wir einfach zu wenig Strom. Es reicht nicht, um den Wassermacher zu betreiben, grade dass wir ihn spülen können. Still legen möchten wir ihn nicht, also geht es Morgen, früher als geplant, zurück. Und es wartet ein Wäscheberg von vier Wochen auf eine Waschmaschine.

Idylle auf Contadora

Idylle auf Contadora

Selten aber wahr: Mir fehlen die Worte.

Der Golfstrom – Mein Feind und Helfer

Die letzten drei Tage haben mich schon an den Rand meines Könnens und meiner Kraft als Skipper gebracht. Aus meiner Crew gibt es leider keinen, den ich als 1st Mate auf dieser Tour einsetzen kann. Die vier Stunden Schichten muss ich alle betreuen, die Segel gemeinsam so setzen, dass die Aufgabe der Wache auf Rundumblick beschränkt ist und für jedes Manöver oder besondere Vorkommnisse lasse ich mich wecken. Jeder Einzelne ist supernett und superlieb, aber wirklich aktiv mitsegeln kann noch keiner. Ist so und das stelle ich auch so im Meeting fest. Dann liegt es jetzt an mir, das in den nächsten Tagen zu ändern. Aufgabe. Wenn das darin endet, dass das Dichtholen einer Genuashot mit ausbildungstechnisch korrekt mit: Briefing, Anziehen der Rettungsweste, sicherer Stand, Vormachen, Nachmachen, alleine machen, Debriefing durchgeführt wird, dann sind wir doch falsch bei einer Atlantiküberquerung E-W. Wie lange soll die denn dauern? Skipper Micha dampft aus den Ohren. Hall o?

Wir haben ONO Wind 25 Knoten. Also voll auf die Nase. 30 Meilen nördlich von Varadero finden wir erwartungsgemäß den Golfstrom. In der Karte ersichtlich. Ich habe ja schon viele Stromengen gesegelt, also so schlimm wird es ja nicht sein und die MARLIN ist ja ein großes Schiff. Wir biegen ein mit Groß im zweiten Reff und Fock, am Wind was nur geht. Ein schräger Einstieg für CREW 45. Schnell haben wir 9-10 Knoten über Grund 6-7 Knoten unter Segeln am Wind und durchs Wasser erreicht. LEV-O-GAGE zeigt 25 Grad durchschnittliche Schräglage. Dazu gibt es nun Waschmaschine. Wellen von allen Seiten, standing waves, ripps, brakers. Es wird dunkel und meine Crew mach das Beste, was man in der ersten Nacht auf dem Schiff unter solchen Umständen macht. Bett und dann die Decke über den Kopf. Hana liegt auf dem Salonsofa, Helen hat sich eine Matraze auf den Salonboden gelegt. In der Vorkabine ist Kirmes. Draussen zeigt ein Bahamas Squall was er so kann und ich nehme blitzschne ll die Segel runter um Schäden zu verhindern. Die Dinger sind einfach unberechenbar. „So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. Regen. Sturm. Das habe ich aber nicht so gebucht.“ In solchen Situationen habe ich diesen Spruch ja schon öfters gehört und ich grinse Helen an: „Wird schon noch. Hier muss es ja auch mal regen.“

Immer wenn wir der amerikanische Küste auf 5 sm nah kommen, machen wir eine Wende. Das geht die ganze Nacht so und das geht den nächsten Tag so, dass geht die zweite Nacht so und das geht den folgenden Tag ebenso. Der Himmel ist grau und am Horizont sehen wir die Skyline von Miami. Ich ändere alle sechs Stunden unsere Pläne zur Weiterfahrt. Bimini diskutieren wir, Freeport kommt als möglicher Stopp ins Gespräch. Immer noch ist die Verproviantierung das Problem. Mein Kopf fährt die „Wilde Maus“ mit mir. Ohne regelmäßigen, ausreichenden Schlaf wird man mittelmäßig durchgeknallt. Die üblichen Probleme bei einer solchen wilden Fahrt stellen sich ein. Ein Toilettensitz bricht, das marode Achterlieg und das Sunbrella UV Schutz am Achterlieg der Fog hängt am nächsten Morgen nur noch als Fetzen vom Segel, meine E-Zigarette bekommt ein Salzwasserbad über das offene Fenster im Deckshaus und ihr Lebenslicht verlischt, die Schlingerleiste vorm Besteckkasten bricht u nd Stephan kann diesen grade noch bewahren davor als Ufo durch die MARLIN zu schweben. Ich will nicht übertreiben, aber auch nicht untertreiben: Die Fahrt durch den Miami Channel bei Ost bis Nord Winden ist ein unvergessliches Erlebnis.

Nach der zweiten Nacht biegen wir Höhe Freeport nach Osten ab. Wieder aufkreuzen. Gegenan. Nun gegen den Atlantik, der mit seiner Öberflächenströmung aus vielen Tagen Ostwind durch die Bahamas mit zum Golf Strom will, um seine H2O Moleküle nach Spitzbergen zu schicken. Da sind wir jetzt. Waren die ersten Tage nun erfolgreich? Ich bin da nicht so der Meinung. Nathalie versucht eine Reparatur der Fock auf den Bermudas zu organisieren. Für den bevorstehenden Ritt zu den Bermudas kann man fast eh schon die Sturmfock anschlagen geht mir so durch den Kopf. Wir reiten weiter ohne Stop durch die Nacht. Der Bug der MARLIN gräbt sich wieder und wieder in die Wellenberge, schneidet die See in zwei Teile. Manchmal gewinnen auch die Wellen. Der Bug geht in den gefühlten Himmel, der Rumpf schlägt in der kommenden Welle aufs Wasser, Frontänen zu beiden Seiten, 30 Tonnen werden ausgebremst, der Mast zittert. Segeln, gegenan ist unromantisch laut und ungemütlich. Am Samstag soll der Wind auf SE drehen. Unsere Chance Bermudas anzuliegen.</p

DSGVO …. mit Kanonen auch auf kleine Spatzen

Di., 03.Mai 2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1433, 12.486 sm von HH

Ja, auch wir sind etwas genervt. Ab 25 Mai müssen die Regeln der DSGVO (Datenschutz Grundverordnung) umgesetzt sein. Das gilt nicht nur für die großen Internetversandhäuser, sondern auch für uns kleine Blogger.

Im Rahmen der Umstellung unserer Seite (u.a. von http auf https (ssl)) wird es möglicherweise ein paar kleine Stolpersteine geben, die dazu führen, dass euer Browser euch auf unsicheren Inhalt hinweist. Keine Bange, nichts hat sich geändert, aber die Browser reagieren auf vermeintlich unsicheren Inhalt bei https:// Seiten sehr empfindlich.

Wir hoffen aber, dass wir das Projekt schnell abschließen werden, sofern uns das Hotel, dessen Internet wir vom Schiff anzapfen, nicht den Hahn abdreht.

Gruss,

Euer Admin

Folge 11 – Von Karlskrona nach Kalmar

 Die bisherige Reiseroute

Video

Eine neue Folge des Videologbuchs ist Online. Viel Spaß damit!
Unterstützt von

Umzug vom Anker an die Mooring

Di., 01.Mai 2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1431, 12.486 sm von HH

An unserem Anker zu hängen von dem wir nicht wissen, wie schnell wir ihn hoch bekommen, ist uns zu heikel. Wenn wieder so ein verrückter Fischer durchs Ankerfeld pflügt, sind wir im schlimmsten Fall an der eigenen Kette gefangen.
Ein paar Hundert Meter weiter sind Moorings ausgelegt. Die werden nur am Wochenende von einigen Motoryachten aus Panama City genutzt. Wie es scheint, gibt es genug davon, sodass wir wohl nicht verscheucht werden. Ein Segler hängt schon seit Wochen an einer Mooring ohne Ärger zu bekommen. Also heißt es ‚Anker auf‘, so eine Mooring soll es für uns sein.

Atanga jetzt an der Mooring vor leeren Stränden

Atanga jetzt an der Mooring vor leeren Stränden

Achim hat Glück, wider Erwarten, braucht er den Anker nicht von Hand noch oben pumpen. Die Lichtmaschine liefert bei 1800 Umdrehungen Strom an die kaputten Batterien. Das reicht grade aus, um den Anker langsam elektrisch zu heben. Cool für den Moment.

Ein Besuch von weiteren Inseln ist unter diesen Umständen ausgeschlossen. Sollten die Batterien noch ihre letzten 20 Prozent Ladekapazität verlieren, funktioniert das Lichtmaschinen-Prinzip nicht mehr. Wir würden ungerne probieren wollen, ob der Regler der Lichtmaschine das überlebt.

Wir sind nicht traurig drum. Wenn wir uns die Strände von Contadora so anschauen, besteht kein Erlebnisdruck unbedingt noch weitere Inseln besuchen zu müssen. Menschenleerer als menschenleer geht nicht.
Und näher am Internet liegen wir jetzt auch noch. ;-)

Unser neuer Vorgarten - auch nicht schlecht

Unser neuer Vorgarten – auch nicht schlecht

Doppeltes Batterie-Sterben

Mo., 30.Apr.2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1430, 12.486 sm von HH

Schon seit einigen Tagen schleicht Achim um die Batterie-Spannungs-Anzeige herum. „Warum laden wir so schlecht?“, brummt er in seinen Bart.
Kurz nach Sonnenuntergang zeigt die Spannung nur 12,5 Volt: „Ja, das kann ja jetzt nicht sein!“
Achim hängt die beiden, parallel geschalteten, Batterien unserer Hauptverbraucherbank ab. Jetzt kann er direkt die Spannung an den Batterien messen. Eine zeigt 11,5 Volt. Klinischer Tod einer Batterie. Batterie zwei lebt, zeigt schnell über 12,5 Volt Spannung an und wird wieder ans Netz genommen. Puh! Glück gehabt.
Unsere Hauptverbraucherbank ist jetzt um die Hälfte ihrer Kapazität beraubt. Nicht so schlimm, wenn wir sparsam mit Strom sind, sollte es reichen. Zusätzlich haben wir noch eine separate Verbraucherbatterie mit 180 Ampere-Stunden, die gut arbeitet.

Beim zu Bett gehen, flackert das Licht im Bad, wenn die Wasserpumpe läuft. Kein gutes Zeichen.
Die Ursache ist schnell gefunden: Exitus! Der plötzliche Batterie-Tod hat jetzt auch Nummer Zwei befallen. Wir vermuten noch eine späte Folgeerscheinung vom Blitzeinschlag.

Kaputt nach 2,5 Jahren - unsere Hauptverbraucherbank mit 280 Ampere-Stunden

Kaputt nach 2,5 Jahren – unsere Hauptverbraucherbank mit 280 Ampere-Stunden

 

Jetzt haben wir ein kleines Problem. Nicht nur, weil wir jetzt noch sparsamer mit dem Stromverbrauch sein müssen, sondern in erster Linie, weil die Ankerwinsch nur über die leblose Verbraucherbank läuft. Eine Restspannung von höchstens 20% zieht den Anker keinen Meter.

Wir ankern auf 10 Meter Wassertiefe – bei Flut. Der Anker wiegt 33 Kilo plus Kette von 200 Kilo. Die elektrische Winsch kann auch manuell betrieben werden mit einem Hebel. Im Handbetrieb schafft die Winsch nur zehn Zentimeter pro Hub. Na, das wird ja ein schöner Spaß. Ich bin froh, dass ich bei den Ankermanövern immer (!) am Ruder stehe. Das bietet keinen Spielraum, das System ganz plötzlich doch noch zu ändern. :mrgreen:
Die letzten Meter werden die schwersten sein, wenn der Anker schon schwebt und noch zehn Meter Kette dran hängen. Kommando ‚Anker auf‘ also schon mal nur bei Ebbe, das spart die ersten vier Meter.

Raus aufs Schwarze Meer

Istanbul taucht langsam auf.

Am 22. April habe ich am frühen Morgen die Viaport Marina in Tuzla verlassen. Gemeldet war, für diesen ersten Tag auf See in diesem Jahr, überwiegend Flaute und blauer Himmel. Ganz ok, für einen Törn zum eingewöhnen. Zumal es nur 19 Seemeilen bis zur Kalamis Marina auf der asiatischen Seite von Istanbul waren.
Der Verkehr auf dem Wasser wurde bereits lange vor dem Bosporus mit jeder Seemeile nach Norden dichter. Fähren, die zwischen den Prinzeninseln und dem Festland pendeln, Fischer und auch ein paar Sportboote.
Gegen Mittag war ich bereits vor der Marina, habe in Ruhe Fender und Leinen vorbereitet und anschließend per Funk gefragt, wohin ich fahren soll. Die Marina ist wirklich riesig. Platz für über 1000 Boote, verteilt auf 2 Hafenbecken.
Es hat nicht lange gedauert, da kam ein Schlauchboot auf mich zu: „Follow me, my friend!“ Also auch hier wieder erstklassiger Service. Das Anlegen wurde so zum Kinderspiel und Nomade war ruckzuck fest!

Nomade in der Kalamis Marina.

Anschließend gab es einen Taxiservice mit dem Schlauchboot zum Büro. Das meiste war bereits klar, weil ich schon ein paar Tage zuvor einige Fragen bezüglich des Ausklarierens per Mail gestellt hatte.
Und so hat der Manager der Kalamis Marina, mir auf meine Bitte, einen Agenten zum Ausklarieren vermittelt, weil die Marina aktuell nicht mehr „Port of Entry“ ist. Das macht es sehr schwierig, noch dazu war der nächste Tag ein Feiertag, an dem alle Behörden, die involviert sind, geschlossen sind.
Eigentlich hatte ich auch keine Hoffnung, aber einen Versuch war es wert. Denn für die Route über den Bosporus und weiter aufs Schwarzmeer hinaus, muss wettertechnisch einiges zusammen passen, damit es gut klappt. Hat man hier Gegenwind, wird es an den Stromschnellen selbst für Nomade sehr schwierig durch zu kommen. Das Wasser an der Oberfläche strömt im ungünstigsten Fall mit bis zu 8kn ins Marmarameer. 8kn ist die Rumpfgeschwindigkeit von Nomade!

Und weil es eben dieses erstklassige Wetterfenster mit wenig Wind aus Süd für den nächsten Tag gab, habe ich den Agenten gebeten, es am Feiertag zu versuchen. Er war sich selbst lange nicht sicher, ob es möglich ist. Der Kontakt lief übrigens per WhatsApp und über Geschäftspartner. Zu Gesicht habe ich ihn persönlich nie bekommen!
Nach ein paar Verhandlungen ging alles ganz schnell. „Bring deinen Reisepass, Bootspapiere, Führerschein, Versicherungspolice und das Transitlog zu einem Büro in der Stadt.“
Das Büro gehörte einem Bootshändler. Etwas flau war mir schon, alle meine Papiere dort abzugeben, aber wer nichts wagt…
Ob es wirklich klappt, sollte ich erst am nächsten Morgen erfahren. Es wurde schließlich später Vormittag, dann Mittag. Und endlich kam die ersehnte Nachricht, dass alle Beamten, die an der Ausklarierung beteiligt sind, mitmachen! An einem Feiertag, an dem sie eigentlich Urlaub haben. Das Ganze hat natürlich etwas gekostet, soviel dürfte klar sein. Aber alles im fairen Bereich.
Irgendwann bekam ich grünes Licht, die Koordinaten im Zollhafen mit Nomade anzulaufen. Etwa 3 Seemeilen waren es bis dahin. In dem kleinen Hafenbecken ging es zur Sache. Nur eine hohe Kaimauer mit dicken Reifen und die Fähren, die für ordentlich Wirbel und Schaukelei gesorgt haben. Aber es hat geklappt. Nach meiner zweiten Runde durch das Becken, kam der Grenzpolizist und ein Helfer des Agenten. Passkontrolle, kurz übers Schiff geschaut, dann musste ich warten. Nach etwa 10 Minuten bekam ich meine Papiere zurück und war ordentlich ausklariert.

Im Zollhafen

Erst jetzt habe ich die vereinbarte Summe bezahlt. Gegenseitiges Vertrauen eben. So läuft das in der Türkei und es läuft wirklich gut.
Was man verbessern könnte, wäre der Prozess des Klarierens an sich. Aber ich kann auch verstehen, das man für die paar Yachten im Jahr keine extra optimierte Ausklarierungsmöglichkeit inkl. Grenzpolizei und Zoll in einer Marina vorhält.

Ich war jedenfalls jetzt bereit für den Bosporus und es ging auch gleich zur Sache! Was hohes Verkehrsaufkommen in engem Fahrwasser angeht, bin ich ja einiges vom Rhein, mit seinen gut 600 Schiffen täglich, gewöhnt. Aber was im Bosporus abgeht, ist dagegen wirklich krass! Ozeanriesen im Verkehrstrennungsgebiet, Sportboote und vor allem Fähren in einer Anzahl, dass einem schwindelig wird. Dazu Fischerboote auf Jagd nach dem Blaubarsch im Fahrwasser!
Das es hier ständig knallt ist unvermeidbar. Eine Schifflänge Distanz war bei Begegnungen oft komfortabel.
Nach einigen Stunden konzentrierten steuerns waren Nomade und ich dann so gut wie durch. Es gab nur wenige Momente, in denen ich den Bosporus wirklich entspannt genießen konnte. Aber diese kurzen Augenblicke, wenn ich mal das Steuer für ein paar Sekunden losgelassen habe und auf dem Achterdeck stehend die Ufer an beiden Seiten beobachten konnte, waren grandios.
„Durch den Bosporus gegen den Strom, man ist das gerade geil!“ habe ich irgendwann laut gerufen und war zufrieden, dass es lief!












Das letzte Drittel der Meerenge im Norden ist nur noch wenig befahren und der Gegenstrom ist hier ebenfalls geringer. An den Engstellen strömte uns das Wasser an diesem Tag mit maximal 5kn entgegen, allerdings sehr weit am Rand des Fahrwassers.
Unter der letzten Brücke über den Bosporus kamen mir dann als toller Abschluss ein paar Delfine entgegen geschwommen und ich war überglücklich.
Anschließend bin ich in den kleinen Hafen von Poyraz abgebogen und habe dort für ein paar Stunden Schlaf geankert.

Am nächsten Morgen ging es früh weiter. Ich hatte den Bosporus noch nicht ganz verlassen, da war sie wie aus dem Nichts plötzlich neben mir, die Sahil Güvenlik, die türkische Küstenwache! „Maschine stoppen!“ hieß es unmissverständlich und die Beamten haben das schnelle Schlauchboot längsseits an Nomade festgemacht. Sie haben gefragt woher ich komme und wohin ich möchte. Dann wurden alle Papiere überprüft und sie haben mir eine gute Überfahrt gewünscht. Sehr unkompliziert, sehr freundlich.
Und so habe ich meinen Weg ins Schwarze Meer fortgesetzt. Ein wirklich komisches Gefühl war das. Bis zum Ende des Bosporus fühlte sich irgendwie alles noch ganz normal an. Zwar nicht immer leicht, aber normal schon deshalb, weil hier auch andere Boote unterwegs waren.
Ab diesem Tag sollte sich das ändern und auch wenn ich es natürlich vorher wusste, so richtig klar wird einem das erst, wenn man wirklich der Einzige ist, der in diese Richtung segelt. Nicht einmal Frachter fuhren an diesem Tag in Richtung Bulgarien, Rumänien oder der Ukraine und die Häfen auf der Krim sind bekanntlich gesperrt.
Ich war also an diesem Tag weit und breit das einzige Boot. Zweimal wurde Nomade von einem Helikopter angeflogen. Vielleicht, um zu schauen ob das Boot zum AIS Signal passt? War jedenfalls sehr interessant und eine willkomme Abwechslung.
Abwechslung haben auch die vielen Delfine gebracht. Noch nie habe ich an einem Tag so viele gesehen wie hier im Schwarzen Meer. Immer wieder tauchten kleine Gruppe um die 5 Tiere auf. Auffällig war, dass die meisten von Ihnen nach Süden geschwommen sind.

10 Seemeilen vor der Küste hatte ich Besuch. Der Kleine bekam Brotkrümel und Wasser. Nach ein paar Stunden ist er wieder abgeflogen.

Das Schwarze Meer hat es an diesem Tag gut mit mir gemeint. Wenig Dünung, etwas Wind aus Ost und maximal 1kn Gegenstrom aus Nord. Im Durchschnitt waren es etwa 0,5kn Gegenstrom.
Am Abend war ich nach 67 Seemeilen schließlich in Igneada, ein kleiner Ort, nicht mehr weit von der bulgarischen Küste entfernt.

Die Küstenwache in Igneada.

Ich hatte gehofft, hier im Fischerhafen vor Anker ein paar Stunden schlafen zu können. Im Hafen ist auch die türkische Küstenwache stationiert und da ich offiziell meine Zeit zur Ausreise (24 Stunden) bereits überschritten hatte und klar war, dass man Nomade auf dem Schirm hatte, wollte ich lieber fragen, ob es ok ist, hier zu übernachten. Zur Not wäre ich weiter bis zum ersten Port of Entry in Bulgarien, da der aber laut meinen (wenigen) Infos nicht ideal zum übernachten ist, wollte ich in Igneada schlafen. Also bin ich längsseits an das Schiff der Küstenwache gegangen und habe den Beamten meine Situation erklärt. „Herzlich willkommen, aber natürlich kannst du hier bleiben!“ war die Antwort und ich war happy!
Kurz danach fiel der Anker auf 4m Wassertiefe im Hafenbecken und ich habe nicht lange gebraucht, um in die Koje zu fallen.

Der letzte Morgen in der Türkei war dann der mit Abstand schönste Morgen, seit ich hier war und der krönende Abschluss einer fantastischen Reise durch dieses wunderbare Land!
Vielleicht war dieser Morgen in Igneada sogar der schönste Morgen meines bisherigen Lebens, denn während ich noch lange vor Sonnenaufgang etwas schläfrig im Cockpit alles vorbereite, höre ich jemanden hinter Nomade atmen. Im ersten Moment war ich wirklich erschrocken. Ein Schwimmer? Unmöglich! Nicht bei der Kälte und um die Uhrzeit. Es waren drei Delfine, die hinter Nomade ganz langsam durchs Hafenbecken glitten! Und während ich die drei völlig fasziniert beobachte, tauchen immer mehr Delfine um mich herum auf und schwimmen langsam umher. Der ganze Hafen von Igneada war voll mit Delfinen! Unbeschreiblich schön.

Delfine im Hafen.

Irgendwann habe ich dann ein paar Aufnahmen von ihnen gemacht und bin mit Nomade langsam aus dem Hafen geschlichen.
Ich hatte einen dicken Kloß im Hals, als ich nach ein paar Seemeilen die türkische Flagge von der Steuerbordsaling eingeholt habe…

Fast allein in einer Megamarina

Auf zum großen Schlag II

International auszuklarieren habe ich mich dann mit meiner neuen CREW 45 doch nicht getraut. Gutes Gefühl ist das eine, Testschlag ist das andere. Ich pumpe sie quasi in in kürzester Zeit voll mit Wissen. Wir legen ab, an der Tanke an, am Zoll an und fahren raus. Alle Manöver klappen 1a. Bestes Anfänger Wetter, 10 Knoten auf die Nase und im Abstand von einer Meile an der Hauptstadt von Kuba längsseits. Hat schon was romantisches. Irgendwie verabschiede ich mich, während „Die Neuen“ mit der MARLIN warm werden. Zum Beginn dann direkt ein Nachttörn. Ich entscheide Varadero in 85 Meilen anzulaufen, um möglichst viel Höhe zu gewinnen für den Schlag nach Norden durch den Miami Channel. ONO ist für den nächsten Tag angesagt mit sechs Bft. Da müssen wir vorher in Varadero ankommen. Na das fängt ja gut an und es wird anspruchsvoll bleiben in den nächsten vier Tagen. In vier Wochen müssen wir auf den Azoren sein. Upps. Und ein Zwischenstopp auf den Bermudas muss sein, denn sich in Cuba zu verproviantieren ist quasi unmöglich. Das wir eine spannende Angelegenheit. MARLIN scharrt mal wieder mit den Hufen.

Ich bin weitestgehend mit meiner CREW zufrieden. Die ersten Nachtwachen verlaufen ruhig. Ab Mitternacht schläft der Wind ein. Alles an Segler-Charakteren ist vertreten und alles ist offen. Das wird auch eine Art von team-building werden. Wie immer, freue ich mich und habe doch eine gehörige Portion Respekt. Im Gensatz zu der Ost-West Transatlantik Überquerung sind die Wind nicht langfristig vorhersagbar. Die Vorhersagekarten werden von der Position des Azorenhochs ab den Bermudas täglich neu gemischt. Ich kenne viele Segler, die ihr Schiff dann doch lieber mit dem Frachtschiff über den Nordatlantik nach Europa zurückbringen lassen. Das geht für mich gar nicht. Wenn schon rüber, dann schon auch zurück.

Für die nächsten zwei, drei Tage aber haben wir es erst einmal mit dem bis zu 3,5 Knoten nach Nord setzenden Golf Strom zu tun. Ich bin mir noch nicht schlüssig ob wir ihn ausnutzen sollen und rein segeln sollen. Da brüte ich derweilen grade drüber nach, während ich diesen Post verfasse. Die endgültige Entscheidung werde ich wohl unterwegs treffen. Angesagt sind 20 Knoten am Wind. Auf jeden Fall kann es sein, dass wir während der nächsten zwei Tage keinen Eintrag schicken werden. Das sollte aber grade bei den Bekannten meiner CREW keine Sorgen entstehen lassen. Hört man nichts von uns, so ist es ein Zeichen dafür, dass es uns gutgeht. Das Schreiben und die Arbeit unter Deck ist während der ersten Tage bedingt durch den Prozess des Seebeinwachsens stark erschwert. Ich als Skipper werde jede Menge zu tun haben, damit es allen gut geht.

Die Marina Gaviota ist ein Klimmzug der Cubanischen Regierung um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden. 1.200 Schiffen bietet die modern und westlich aussehende Marina Platz. Neben einem halben Dutzend Fahrtenseglern sind vielleicht noch 25 andere Schiffe im Hafen. Da ist doch irgend etwas schief gelaufen am Marketing würde ich sagen. Nun gut. Uns soll es recht sein. Morgen geht es weiter.</p

Die Atlantiksegler

Auf zum großen Schlag

Ein Fotograf, der Direktor der Hemmingway Marina und noch drei andere stehen vor der MARLIN. „Darf Meijlina an Bord kommen und wir machen ein paar Fotos? Das Schiff ist so bezaubernd und wir benötigen ein graziöses Bildumfeld.“ Kann ich da Nein sagen? Dann geht es eben richtig südamerikanisch ab. „Stell Dich so hin. Jetzt wie eine Prinzession lächeln…“ Der Fotograf macht das nicht zum ersten Mal. Ich brauche nur meine Kamera über seiner Schulter positionieren. Natürlich habe ich vorher um Erlaubnis gefragt. Die 15 Jahre junge Meijlina feiert demnächst das wichtigste Fest in ihrem Leben. Ihre Quinceañera. Wichtiger vielleicht als ihre Hochzeit. Wer mehr dazu wissen will kann es nachlesen. Und so komme ich zu meinem gestrigen Daypic um ein bisschen sarkastisch am Klischee über Skippers freien Tag zu arbeiten. Dieser lief im übrigen so ab, dass ich mich von Havanna mit einem Dinner vor One in der Altstadt verabschiedet habe und um 22:00 in der Hängematte eingeschlafen bin, bis die Mücken mich vertrieben haben. Für die Parties, die ja immer erst um 23:30 losgehen, fehlte mir dann doch die Energie die ich ja heute für die neue CREW 45 brauche.

CREW 45 ist fast vollständig. Helen, Hana, Ralf und Stephan… Christian fehlt noch. Der kommt erst mit dem Flieger heute nachmittag. Und los gehts. Wie gehabt. Ankommen, Einziehen, Willkommensessen und -trunk, Sicherheitseinweisung. Nur alles viel intensiver als gewohnt. Denn wir segeln nicht um die Ecke, sondern über den Atlantik. Ich freue mich. Coole CREW habe ich ausgesiebt. Starke Typen, starke Frauen. Genau was die MARLIN und ich brauche.

 

Die Regenzeit ist da

Fr., 27.Apr.2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1426, 12.486 sm von HH

Plötzlich. Ohne Vorankündigung. Es gibt keine Vor-Regenzeit, die mit kleinen Schauern anzeigt, dass die schöne Zeit zu Ende geht. Nein, die Regenzeit kommt mit einem großem ‚Bang‘.
Es regnet mit unglaublicher Gewalt. Brutal und gnadenlos wird seit vier Tagen Hektoliter weise Wasser über uns ausgegossen.

Vom Festland rollen die Walzen bereits am frühen Nachmittag an.
Schon von weitem kann man das Elend erkennen, was auf einen zugedonnert kommt. Innerhalb von fünf Minuten geht die Sicht auf ‚Null‘. Boen peitschen den Regen über das Ankerfeld, ein einheimischer Kahn, kurz vor der Sinkgrenze, pflügt zwischen uns Seglern durch.
Ohne Kettenvorlauf hält der Anker den Dampfer nicht an der Stelle. Gespannt beobachten wir, wie der Anker zügig eingeholt wird. Selber können wir wenig unternehmen, außer die Hand am Zündschlüssel zu halten.

Beeindruckend ist die Regenfront erkennbar

Beeindruckend ist die Regenfront erkennbar

Eine Minute später

Eine Minute später

Zwei Minuten später - das soll für zwei Stunden so anhalten

Zwei Minuten später – das soll für zwei Stunden so anhalten

Jetzt aber hoch mit dem Anker, Männer
Der Kahn pflügt keine fünzig Meter an uns vorbei

 

Nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei. Wir haben mit ‚German Engineering‘ 200 Liter Wasser gefangen. Das freut das Seglerherz. Wir sind sicher, so einen Regen haben wir noch nicht erlebt.
Und wir haben eine neue Baustelle: Die Deckenluke im Salon ist undicht. Ist denn niemals Ruhe auf einem Schiff? Ich hoffe noch auf Selbstheilung. Vielleicht hat sich die Dichtung durch drei Monate Dauer-Trockenheit nur zusammengezogen? Achim ist nicht so optimistisch: „Da muss ich ran, wenn wir in Ecuador sind. Bei Regen kann ich nicht viel machen.“
Sehe ich ein, wir behelfen uns mit einer Regenabdeckung.

War was?

War was?

Wir hoffen, dass sich das Wetter noch einmal beruhigt. Wir wollen hier noch nicht weg. Contadora gefällt uns. Seit ein paar Tagen kennen wir auch das Passwort vom Hotel-Internet.
Das schont die teure lokale SIM-Karte.
Das Passwort zu bekommen,war nicht so einfach, denn die sind trickreich auf Contadora. Wenn man einen Kaffee im Hotel-Restaurant trinkt, gibt es keinen Passwort-Zettel, wie üblich, sondern die Bedienung tippt das Passwort selber in das eigene Handy.
Fies, hoffentlich spricht sich das nicht rum. ;-)

Außerdem gilt noch einsame, unbewohnte Inseln zu entdecken. Vier Wochen dürfen wir noch in Panama bleiben. Ja, müssen wir bleiben, sonst geht sich unser geplanter Aufenthalt in Ecuador nicht auf.
Also, lieber Regengott, halte dich bitte etwas zurück. Die Tanks sind voll.

Folge 10 – Von Ystad nach Karlskrona

Die bisherige Reiseroute

Video

Eine neue Folge des Videologbuchs ist Online. Viel Spaß damit!
Unterstützt von

Skippers freier Tag

Was geht in Havanna?

MARLIN und CREW44 sind gut angekommen in der Hemmingway Marina in Havanna. Die letzte zwei Tage sind dann immer noch mal anstrengend. Die CREW will natürlich noch den guten Fisch essen, den sie ja auch bezahlt habe, den Wein auftrinken, damit der nicht verkommt und ich stelle mich noch mal in die Küche. Ein letztes Mal für die 44, bereite ich den Pago an Senf Sahne zu. Im Gegenzug scheuche ich die CREW am nächsten Morgen zu beliebten Grundreinigung mit Kärcher übers Deck und mit Feudel durch Schiff. Das klappt für drei Stunden, dann wird gemeutert und damit nicht die gesamte Blüte der Reise nun in Unmut umschlägt, gebe ich mich Punkt 12:00 befriedigt. „Ihr hättet ja auch einfach 150 Euronen bezahlen können und ich hätte alles selber gemacht.“ Tine meint nur, dass ich dann dann sicherlich eine nette Cubanerin engagiert hätte und das bestimmt nicht selber gemacht hätte. Nun. Die leidliche Endreinigung der MARLIN wird schnell in Vergessenheit geraten und die 11 tollen Segeltage und das andauern gute Essen, die Sonne, die Strände, die Rieseninsekten und und und… werden als einer der positivsten Urlaubserinnerungen im Gedächtnis der Crew an diesen Törn standhalten.

Es war wie immer. Den Rest des Tages verbringe ich damit Wäsche zu waschen. Genau acht Maschinen. Ist doch prima so eine Waschmaschine an Bord zu haben. Kaum habe ich ein große Leine um die MARLIN gespannt wird der Himmel stockdunkel schwarz, es fängt an zu winden und ein dickes Gewitter kommt auf. Es gießt in Eimern. Ich verhole das noch nasse Bettzeug, spanne die Leinen durch die MARLIN um die Wäsche im Schiff aufzuhängen. Super Sache so eine Waschmaschine an Bord. Beim nächsten Schiff gibt es noch einen Trockner dazu. Beide Maschinen, so dass sie auch für 220V/60Hz funktionieren und der Generator nicht die ganze Zeit laufen muss. Denn der Landstrom hier hat nicht wie in Deutschland 50Hz sondern 60Hz und damit gehen alle Motoren ganz einfach und schnell: KAPUTTI!

Für alle Crews ist das Privatleben des Skippers immer ein besonders interessantes Thema. Ein debriefing um kontrovers zu besprechen was gut und was schlecht war am Trip, lasse ich mich diesmal nicht hinreißen. Ich merke, dass die CREW das lieber besprechen möchte, wenn ich nicht dabei bin. Ein Skipper unterliegt klaren seeläufigen Vorstellungen. Was er tut. „Du sitzt mehr am Computer als ich das ganze Jahr. Was schreibst Du denn eigentlich die ganze Zeit?“ Eine Freundin in jedem Hafen der Welt gehört auch zum Bild über den Skipper und vieles andere meer. Durch den Verstand werden die Vorstellungen zur Einheit verknüpft und ich will niemanden seine Visionen nehmen. Wenn ich dann plötzlich rasiert, gutriechend aus der Dusche komme, mir mein letztes sauberes Hemd anziehe, das Sonntagsbesteck über die Daumen stecke und mir offensichtlich 50 CUC in die Tasche stecke, ist doch klar was ich mache. Wenn ich dann noch sage: „Bis Morgen!“ und ins nächste Taxi steige ist das Bild komplett. Bilder sagen doch alles.