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MARLIN Safe in Curacao angelegt

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{Date:20200624}
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Crew & Skipper wohlauf

Schlußendlich hat nach 6 Monaten MARLIN Odyssee, meiner Krankheit, Heute um 10:00 alles sein Ende gefunden an zwei Vorleinen und zwei Heckleinen, sicher in der Secu Boca Marina in Curacao. Neben dem 90 Fuß Catamaran ORION sieht MARLIN richtig klein aus. Nun ist MARLIN safe vor der schon begonnenen Hurricane Season, Stefan und Sven fliegen mit der nächsten KLM Maschine übermorgen nach Amsterdam und weiter nach Frankfurt. So der Plan. Wann und wie ich, auf mein schwimmendes ZuHause komme wird sich auch zeitnah finden. Erst einmal habe ich einen Termin Mitte nächsten Monats zur Impfung. Mein neues Immunsystem ist nämlich jungfräulich und muss wie bei einem Baby gegen die schlimmsten Erkrankungen geimpft werden.


Mitsegeln auf der MARLIN.

Wir müssen die MARLIN jetzt erst mal irgendwie erreichen. Dann wird die MARLIN ein weiteres Jahr in der südlichen Karibik bleiben. So bald es wieder vernünftige Flüge gibt, werden wir auch wieder Mitsegeln anbieten.

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Neues Rigg für Dilly-Dally

Fast zwei Jahre, nachdem ich die Dilly-Dally gekauft hatte, segelten wir zurück nach Marmaris, um das Rigg checken zu lassen. In der Zwischenzeit habe ich viel an dem Boot verändert und einiges investiert. Neue Segel, Davits, Sonnenkollektoren, Beiboot und Außenborder, einen moderner Kartenplotter plus AIS, ich habe die langweiligen blauen Bimini-, Sprayhood- und Cockpitkissen gegen neue fancy graue ausgetauscht. Trotzdem war ich misstrauisch gegenüber dem Rigg. Der Vorbesitzer, der nur anderthalb Jahre lang auf der Dilly-Dally segelte, wusste nicht, wann sie das letzte Mal gewechselt oder zumindest überprüft wurden. Und im Allgemeinen heißt es, dass das stehende und laufende Gut  alle zehn bis fünfzehn Jahre gewechselt, oder zumindest gewartet werden sollte. Okay, das sagen zumindest die Versicherungen. Aber in den vergangenen Wochen hatte ich einige neuere Yachten gesehen, fünf bis acht Jahre alt, die Schäden  an der Takelage aufwiesen. Ich möchte mich beim Segeln sicher fühlen, besonders auf unseren geplanten langen Passagen. Deshalb haben wir Mustafa von Moss Rigging gebeten, Dilly-Dally zu überprüfen. Es stellte sich heraus, was ich erwartet hatte: Dilly-Dally segelte wahrscheinlich noch mit dem ersten Satz Wanten. Immerhin gab es keinerlei Schäden an dem massiven Selden-Mast, der wie eine starke Eiche in den Himmel ragt. Da ich nun schon mal die Wanten und Spanner tauschen wollte, wechselte ich auch gleich noch sämtliche Fallen und Schoten, die im Laufe der Jahre unter der Sonne der Türkei und dem Salz des Mittelmeeres gelitten hatten. Insgesamt kommen da mal schnell  200 Meter zusammen. 

 

Weil die Bordkasse da schon arg gebeutelt war, kam es auf ein paar Euro mehr oder weniger auch nicht an. Und so ließen wir auch noch alle sieben Wünschen warten und säubern (seit ich beim Strandsegeln einmal eine Winsch gereinigt hatte und sie beim Zusammensetzen wie ein Puzzle vor mir lag, das für mich unmöglich zusammenzusetzen war, habe ich einen gehörigen Respekt vor der Arbeit) – und auch das Furlingsystem des Rollgroß verdiente ein wenig Aufmerksamkeit. Wie sich herausstellte, waren auch die Winschen seit Längerem nicht mehr fachmännisch behandelt worden. Das verwendete Fett (offensichtlich kein Marine-Fett) klebte wie Kaugummi auf den Zahnrädern. Da die großen, zweigängigen 52er Lewmar-Winschen pro Stück um die 3500 Euro kosten, waren die Kosten für die Reinigung Peanuts. Außerdem ließ sich Arzum in die Kunst des Zerlegens (und wieder Zusammensetzen) der Winschen einweisen, deren Innenleben ein bisschen an das Uhrwerke einer Schweizer Uhr erinnert.

 

Alles in allem ein nicht ganz günstiger Trip. Aber meiner Meinung nach eine gute Investition. Schließlich gilt: Safety first!. Besonders, wenn man auf einem Segelboot lebt.

Schiffe der Nationen – USA

EINFLUSSFAKTOREN – KAUFBERATUNG

USA

Recht-Kolumne: Wie haftet der Gutachter in Holland?

Ein Gutachter zum Ankauf eines Schiffes hinzuzuziehen ist eine gute Idee. Doch wie haftet der Sachverständige für sein Tun? Was, wenn der Experte etwas Wichtiges übersieht? Stegfunk.de-Rechts-Experte Frits Hommersom gibt Auskunft über die Lage in den Niederlanden

Frits Hommersom ist seit 20 Jahren als Rechtsanwalt spezialisiert auf alle Themen rund um die Freizeitschifffahrt. Denn leider geht auch beim liebsten Hobby nicht immer alles reibungslos vonstatten. In seiner Kolumne bearbeitet er für Stegfunk.de heute das Thema Gutachten auf.

Wichtig: Für den Inhalt ist Frits Hommersom verantwortlich. Meinungen und Auslegungen müssen nicht zwangsläufig den Ansichten von Stegfunk.de entsprechen. Diese Kolumne erstellt Frits Hommersom für Stegfunk.de kostenlos im Austausch für die Sichtbarkeit auf der Seite.

Hier der Text von Frits Hommersom:

Ankaufgutachten erstellt

Herr Van Vuren ließ vor dem Kauf seines Bootes ein Ankaufgutachten erstellen. Eineinhalb Jahre später lief Wasser vom Dach entlang der Fenster des Steuerhauses herein. Kann er von dem Experten Schadenersatz bekommen?

Ein Experte, den Sie beim Kauf eines Bootes beauftragen, hat eine sogenannte Best-Efforts-Verpflichtung (Dienstvertrag) und keine Ergebnisverpflichtung (Werkvertrag). Dies bedeutet, dass der Sachverständige eine Bewertung nach bestem Wissen und Gewissen und sorgfältig durchführen muss, dass er aber nicht unbedingt für Mängel haftet, die er übersehen hat. Er beurteilt in der Regel die Teile, die nur mit den Augen inspiziert werden können. Zum Beispiel wird er niemals Löcher bohren, denn das würde das Schiff verschlimmern. Wenn keine spezifische Anweisung für eine solche destruktive Prüfung gegeben wurde, kann ein Experte nicht für Probleme haftbar gemacht werden, die erst nach einer solchen Prüfung zutage treten würden. Er haftet jedoch für grobe Fahrlässigkeit. Wenn der Experte zum Beispiel ein bestimmtes Stromkabel in der Nähe des Motors übersieht, wodurch eine hohe Brandgefahr besteht, und dieser Brand ebenfalls auftritt, wird er einiges zu erklären haben… Können Sie dann einen Sachverständigen für alle entstandenen Schäden haftbar machen? Auch das ist nicht der Fall. In der Regel, insbesondere für die der HISWA angeschlossenen Inspektoren, enthalten die allgemeinen Geschäftsbedingungen des Sachverständigen eine Ausschlussklausel für Folgeschäden: die Kosten für die Behebung des nicht entdeckten Mangels sind gedeckt, Folgeschäden nicht. Darüber hinaus enthalten diese Bedingungen auch eine Haftungsbeschränkung, wodurch die Entschädigung auf maximal das x-fache des Rechnungsbetrags des Sachverständigen begrenzt ist. Die Bedingungen enthalten zudem in der Regel eine Verjährungsfrist von einem Jahr.

Tipp 1: Denken Sie daran, dass selbst ein Ankaufgutachten keine absolute Sicherheit bietet. Seien Sie beim Kauf Ihres Traumschiffs kritisch. Fragen Sie den Verkäufer/Makler, und wenn Sie einen Sachverständigen hinzuziehen, lassen Sie ihn das Schiff sehr kritisch untersuchen. Wenn er etwas vermutet, riskieren Sie eine destruktive Untersuchung. Das kann großes Elend hinterher verhindern! Wenn der Inspektor Zweifel an einer Sache hat, ergreifen Sie geeignete Maßnahmen.

Tipp 2: Prüfen Sie die Bedingungen des Gutachters für Haftungsbeschränkungen und ob er Mitglied des Ausschusses für Streitigkeiten im Zusammenhang mit Wassererholung (Geschillenkommissie Waterrecreatie) ist. Bei Problemen im Nachhinein können Sie ihn dort zumindest zur Rechenschaft ziehen, ohne direkt vor Gericht gehen zu müssen.

Tipp von Stegfunk.de: Vereinbaren Sie mit dem Gutachter genau den Umfang des Gutachtens. Die Inhalte sind nicht festgelegt, außer eventuell über eine Organisation, der sich der Gutachter angeschlossen hat, wie etwa der HISWA in den Niederlanden oder dem VBS ev. in Deutschland. Mithin kann ein Gutachten auch recht kurz und aussagelos sein. Sollen bestimmte Dinge überprüft werden? Schreiben Sie das in den Auftrag hinein. Je genauer, desto besser. Verlassen sie sich nicht darauf, dass der Gutachter schon ein ordentliches Gutachten abgeben wird.

Das Thema Gutachter und Gutachten habe ich ausführlich in YACHT 13/2020 behandelt. Die kann man hier bestellen.

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Planungs-Pannen auf allen Fronten

Mo.,22.Jun.20, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva, Tag 2213, 20.254 sm von HH

Die Kreditkarten sind angekommen. So weit, so gut. Diese fortschrittlichen Karten verlangen einen Pin bei der Bezahlung. Nun stellt uns solche Sicherheits-Maßnahme ein Bein: „Vor der ersten Nutzung Ihrer Kreditkarte, aktivieren Sie bitte Ihren Pin an einem Geldautomaten“. :mrgreen: Ja, wissen die von Visa und MasterCard nicht, dass der nächste Automat ungefähr 1300 Kilometer entfernt von hier steht? Und ob der so fortschrittlich ist, dass er Pins auslesen kann, ist nicht verbürgt.
Unsere neuen Karten sind somit nur halb brauchbar. Beim Bezahlen in den Läden vor Ort gibt es unterschiedliche Aufforderungen des elektronischen Systems. Mal geht der Vorgang ohne Pin-Eingabe durch, mal wird einer verlangt, der dann natürlich nicht funktioniert, weil er nicht aktiviert wurde. Also nutzen wir gleich die alten Karten so lange sie noch gültig sind. :roll:

Über die Zahnärztin auf Hao haben wir mit Hilfe von Philip, dem Internet-Mann vor Ort und Elsässer, der Deutsch und Französisch spricht, ebenfalls Neuigkeiten erfahren. Sie sei bis Ende Juni auf Hao, macht dann einen Monat Urlaub und kehrt im August nach Hao zurück.
Mit den Infos beladen, sitzen wir auf dem Schiff und planen unsere Abfahrt. Wir müssen Richtung Nord-Westen und der Wind, der hier eigentlich immer aus Osten weht, kommt aus Nord-Westen. Das wird knapp rechtzeitig anzukommen. Und Spaß bedeutet es schon gar nicht.
Und was bedeutet eigentlich bis Ende des Monats? Ein Blick in den Kalender zeigt, dass ‚Ende Juni‘ auf einen Montag und Dienstag fällt. Bedeutet Ende Juni nun die letzte volle Woche oder inklusive der beiden Tage? Wir kontaktieren erneut Philip. „Könnt ihr vergessen, Montag ist ein Feiertag und Dienstag wird auch nicht gearbeitet. Ende Juni ist somit der 26.igste!“ Da ist sie hin, die Lücke, um die Zahnärztin noch rechtzeitig auf Hao zu erreichen.

Yves, der zweite Elsässer auf der Insel, der häufig bei Philip sitzt, belehrt uns: „Du musst die Polynesier präzise fragen, sonst bekommst du nur eine schwammige Antwort. Jede Information muss man einzeln abfragen. Frag hier mal am Schalter von ‚Air Tahiti‘, wann der nächste Flieger geht – keine Chance auf eine korrekte Antwort. Da buche ich gleich in Tahiti und sage hier am Schalter nur noch Bescheid“ Er ist so nett und ruft für uns in der Medizin-Station an, wann in Gambier wohl der nächste Zahnarzt-Besuch erwartet wird. Keine Ahnung, lautet die Antwort, trotz präziser Frage. :roll:
Achim trifft die Entscheidung, wir warten jetzt im Juli auf ein gutes Wetterfenster, um nach Hao zu kommen, warten dort auf August und auf die Ärztin. Die Alternative hieße zehn Tage nach Tahiti segeln. Oder hin fliegen. Leider gibt es nur einen Flug in der Woche, bedeutet somit zusätzlich eine Woche in Tahiti im Hotel zu wohnen. Achim entscheidet, er stopft sich jetzt gut durchgekautes Kaugummi in das Loch – ein Tipp von einem Zahnarzt (danke, Richard). Zum Glück tut es noch immer nicht weh.

Und noch eine Planung ist geplatzt. Der beste Ehemann von allen hatte sich zum Hochzeitstag richtig ins Zeug gelegt. Einmal im Leben sollte ich wie eine Südsee-Schönheit aussehen, einmal im Leben sollte ich einen Blumenkranz tragen. Die Idee hat er mit Maya, der polynesischen Freundin von Philip, ausgeheckt. Selbst ihr Verweis darauf, dass auch Männer zu diesem Anlass einen Kranz tragen müssen, hat ihn nicht abgeschreckt. Er hat die zwei Kränze in Auftrag gegeben.
Am Morgen des Jubel-Tages stand Achim pünktlich im Garten von Philip. Nur keine Maya zu sehen – am Abend zuvor hatte sich das Paar getrennt und Philip hat Maya in ihr eigenes Haus zurück gebracht. Ein paar hastig gepflückte Blumen gaben den Kranz-Ersatz.

Einen Tag später treffen wir Maya zufällig im Ort. „Pardon, pardon“, Maya ist untröstlich. Nicht so schlimm versichern wir ihr. Alles ist in Ordnung. „Ich habe einen Ersatz für euch“, kramt sie in ihrer Tasche. Ein Beutel mit Perlen kommt zum Vorschein. Diesen drückt sie uns in die Hand. Die Perle mit dem Delphin als Gravur ist der männliche Part und für Achim, meine Perle ist die mit der gravierten Rose. Wir sind gerührt. Die Polynesier mögen ja nicht präzise sein, aber sie machen dies mit Herzlichkeit dreimal wett.

Perlen von Maya zum Hochzeitstag – Gravuren sind sowohl auf den Perlmutt-Schalen der Austern als auch auf Perlen üblich

Geiler Segeltag

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Heißer Feger

Sonne, Westwind, blauer Himmel. Was kann es Schöneres geben um die Segel zu setzen? Mit jeder Meile, mit der Stefan mit MARLIN aus der Hurricane Zone Richtung Curacao nach Süden rutscht, geht es mir schlagartig besser. Mehr als die Hälfte hat er schon geschafft. Kann man auch in marinetraffic.com mitverfolgen. Hier die MMSI der MARLIN: 211606420. Wir senden die AIS Position auch Offshore über Kurzwelle und Pactor. Deshalb kann man die MARLIN im Gegensatz zu anderen Schiffen auch ausserhalb der Landstationenempfangsreichweite sehen. Das Akku von unserem Iridium GO! ist aufgeplatzt. Tja. Gut das Stefan alternativ Kurzwelle und Pactor an Bord hat. Sag ich ja immer. LUNATRONIC.

Martin steht am Steuer und grinst. Er ist sichtlich stolz auf seinen Trimaran Grashüpfer. Heute mit frischen 16 Knoten Wind aus Achtern. Wir diskutieren über den besten Kurs, Segelstellung, Schnelligkeit und eben worüber man so diskutiert, wenn sich zwei Skipper mit eigenen, schnellen Schiffen treffen und gemeinsam segeln. Ich darf alles ausprobieren und habe natürlich zu allem meinen Senf abzugeben. Martin weiß es schweizerisch besser. Es bleibt objektiv und sachlich. „Warum segelt Dein Grashüpfer jetzt nicht mit 12 Knoten, sondern nur mit 9?“ Doofe Frage. Muss aber mal gestellt werden. Ich schlage die Antwort selber vor: „Überladen!“ Martin nickt. „Aussenborder, Fahrräder, Krimskrams in den Schwimmern. Das Boot vollgepackt mit Technik und eben ein Fahrtenschiff.“ MERLIN ist einen Tick schneller als MARLIN. 36 Fuß Multihull gegen 60 Fuß Alumono. Kann man irgendwie nicht vergleichen. Am Wind wird MERLIN laut und die Kufen tauchen in die Wellen ein. Jetzt bleiben die Sachen ich Schiff nicht mehr an ihrem Platz, wenn nicht angebunden. Die Bewegungen werden abgehackt. Festhalten ist angesagt und zum ersten Mal benutze ich die Lifeline beim Steuern. Was wäre wenn Martins Grashüpfer 60 Fuß groß wäre? Hmm. Dann wäre der Zug für MARLIN wohl abgefahren. Komfort? Würde mich ja schon mal reizen so ein Rapido 60 zu segeln. CEO bei Wirecard und 2 Millarden sind drin. Einfach so. Ich habe was falsch gemacht in meinem Leben. Was? Oder auch nix.

Am Abend erreichen wir Fehmarn. Die Kiter tanzen vor dem Gold Spot und wir tauchen under der Brücke durch, suchen uns einen Ankerplatz für die Nacht. In Großenbrode werden wir fündig. Ich verführe Martin heute mit einem Thai Curry, wirklich nur ein ganz klein bisschen scharf. Das Blut sammelt sich im Magen und um 22:00 verabschiedet sich mein Skipper in die Vorkoje. Tja. Viel frische Luft, frühes Aufstehen. Ich habe gut Reden. Ich habe Mittagsschlaf gemacht, während Martin gesegelt ist. Morgen Segelpause, Putzen und entspannen? Ich bin gespannt.


Mitsegeln auf der MARLIN.

Wir müssen die MARLIN jetzt erst mal irgendwie erreichen. Dann wird die MARLIN ein weiteres Jahr in der südlichen Karibik bleiben. So bald es wieder vernünftige Flüge gibt, werden wir auch wieder Mitsegeln anbieten.

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Der Malstrøm

Mehr als 1 Jahr Entwicklungszeit und unzählige Fahrversuche liegen mittlerweile hinter einem Gerät, welches ich seinerzeit unter dem Projektnamen „E-Maschine A“ begonnen habe.
Es handelt sich dabei um einen elektrisch angetriebenen Außenborder für kleinere Boote. Ziel war es, einen Antrieb zu bauen, der deutlich leichter und leistungsfähiger als ein vergleichbarer Benziner ist. Dazu sollte er die aktuell kommerziell erhältlichen Elektroaußenborder in Bezug auf Leistung und Robustheit in seiner Größenklasse übertreffen. Das waren die Ziele!

Heraus gekommen und seit einigen Wochen erfolgreich im Einsatz ist folgende Maschine:

Name – Malstrøm
Maximale Wellenleistung im Dauerbetrieb @ 37V – 2.944W (4PS)
Maximale Wellenleistung Kurzzeitig – 3.970W (5,4PS)
Wirkungsgrad des elektrischen Antriebs unter Volllast – 94%
Gewicht – 9,8kg

Durch den hohen Wirkungsgrad wird so wenig Energie in Wärme umgesetzt, dass eine passive Kühlung unter dem geschlossenen Gehäuse aus Carbon zur Zeit ausreicht. Langfristig wird allerdings aus Sicherheitsgründen und zur Optimierung des Controllers eine Wasserkühlung eingebaut.

Die Reichweite ist abhängig vom eingesetzten Akku. Im Moment fahre ich den Malstrøm provisorisch mit einem 37V Lithium-Polymer Akku. Demnächst kommt hier eine Lieferung LiFePo4 Zellen an, mit denen ich einen richtig leistungsfähigen Akku bauen werde.
Eine Drehgaspinne wird ebenfalls noch angefertigt. Momentan wird der Motor mit einem Drehzahlregler an der Front gesteuert. Später wird man den Motor wahlweise über diesen Regler oder mit der Pinne steuern können.
Das Drehmoment des Antriebs ist übrigens deutlich höher, wie bei einem Benzinmotor gleicher Leistung. Dieses gewaltige Drehmoment liegt bereits von der ersten Umdrehung des Motors an. Die Beschleunigung ist so heftig, dass man extrem schnell mit dem Boot ins Gleiten kommt und sich wirklich festhalten muss, um nicht einen Satz nach hinten zu machen, wenn der Regler zu schnell voll aufgedreht wird.
Als ich das Wort „Gleiten“ vor kurzem bei einer Unterhaltung am Steg ausgesprochen hatte, kam sofort ein ungläubiges: „Wie? Mit dem Mixer kommt man ins Gleiten?“
Ja, kommt er, auch mit Ausleger!
Und er macht dabei gigantisch viel Spaß. Wenn der Malstrøm mit voller Leistung betrieben wird, erinnert der Sound ein klein wenig an ein Flugzeugtriebwerk. Er kann allerdings auch Schleichfahrt. Dann hört man ihn fast gar nicht.

Alles in allem kann ich also sagen: Ziel erreicht, das Projekt hat sich gelohnt!

Über das Auslegerkanu reden wir dann im nächsten Beitrag.

Bilderrätsel KW 26 – Wo ist es?

Jede Woche stellen wir ein Bilderrätsel online. Irgendwo in den Niederlanden ist dieser Ort. Wer als erster rät wo, gibt sich als Revierkenner preis. Also los: Mitraten!

Na so einfach machen wir es uns natürlich nicht! Viele Leser scheinen die Frituur de Helling gegoogelt zu haben. Die Antwort lautet dann Vrouwenpolder. Najaaaaaa. Stimmt. Da aber auch viele Mitspieler genauer wussten, wo diese Frittur denn steht, ist die Antwort neben der Roompotschleuse natürlich besser. Oder wie es Leser Christoph formulierte: Die letzte Pommes vor England.

Auch in dieser Woche sind wir wieder in Holland unterwegs. Wer weiß wo, der kann gerne schreiben an [email protected] . Viel Spaß beim raten.

Het bericht Bilderrätsel KW 26 – Wo ist es? verscheen eerst op Stegfunk.de | Wassersport. Holland..

Morgens um 7 auf der MERLIN

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{Title:Morgens um 7 auf der MERLIN}

Holnis

Das Erste, was mich heute morgen weckt, ist die Positionsmeldung, dass Stefan mit der MARLIN endlich losgesegelt ist. Kurs Curacao liegt an. Na endlich. „Dann sollte jetzt ja nichts mehr schiefgehen“, schreibt Nathalie. „Hoffentlich!“, antworte ich.

Martin schläft noch, als ich auf dem bb Trampolin der MERLIN meinen Drohnenflugplatz eröffne. Ich bin schon lange keine Drohne mehr geflogen. Die rumpöbelnden Passanten gehen mir schrecklich auf den Senkel. „Sie wissen aber, dass das hier ein Naturschutzgebiet ist?“ Eine halbe Stunde später kommt die Polizei und ich bin froh, meine Drohne schon wieder verpackt zu haben. Wenn es harmlos läuft, sind es böse Blicke, meist von betagten Menschen. Wenn es schlecht läuft, versuchen sie einem die Steuerung aus den Händen zu reißen. Gut. Das ist mir noch nicht passiert. Wie auch immer. Drohnen sind laut und stören. Das Wort „Drohne“ verursacht direkt negative Assoziationen bei den meisten: „Spionage. Verboten. Kaputt.“

Ich bin vom Filmen eigentlich immer mehr ab. Zu viel Aufwand den Kram zu schneiden. Guckt sich ja eh keiner an und wenn: Schon tausend Mal gesehen. Aber als Kamera aus der Vogelperspektive. Genial. Und es macht Spass. Über Wasser zu Fliegen macht den richtigen Nervenkitzel. Jetzt am frühen Morgen ist die Welt besonders in Ordnung. Wir haben es gestern grade mal bis zu Holnis geschafft und ich habe meinen Kapitän Martin mit Jungbullensteak, Knoblauch-Spagetti an Sahnesoße und gemischtem Salat gefügig gemacht. Mein Herz macht nen Sprung, dass es die Koje endlich wieder wackelt, wenn der Tri in Bezug auf Krängung leider echt schwächelt. Dafür ist er schnell und man kann durchgehend kochen und vorbereiten, schreiben. Es macht den deutlichen Anschein, als wenn die nächsten Tage verdammt erholsam sein werden. Martin und Michael steht für Segelharmonie. Kann ich gebrauchen. Reha auf der MERLIN.

Ich verrate mal die MMSI der MERLIN. Für den, der uns auf Marinetraffic sehen will. 269111030


Mitsegeln auf der MARLIN.

Wir müssen die MARLIN jetzt erst mal irgendwie erreichen. Dann wird die MARLIN ein weiteres Jahr in der südlichen Karibik bleiben. So bald es wieder vernünftige Flüge gibt, werden wir auch wieder Mitsegeln anbieten.

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Männertörn mit der MERLIN

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Der Chef ist nicht der Kapitän

Martin hat mich als Smutje angeheuert. Nach Prüfung seiner Kombüse, hab ich ihn dann heute erst einmal abgeholt, um uns für eine Woche an Bord zu verproviantieren. Die Bedingung, dass ich mitsegel ist klar. „Du bist Kapitän. Ich bin verantwortungsloser Mitsegler und kümmere mich um die Küche. Wir ankern wenn geht! Keine Marina.“ Martin kocht nicht gerne, segelt nicht gerne alleine. Alles klar. Passt. Ich brauche dringend Meer. Die ganze Warterei mit der MARLIN schnürt mir den Hals ab. Martins DRAGONFLY ist genau das, was ich zu der Wettervorhersage der nächsten Woche brauche. Sonne. Segeln. Frische Seeluft um die Nase.

“Sei lieb zu Martin!“, verabschieden mich MayaLena. „Vielleicht sehen wir uns ja gar nicht mehr für lange Zeit. Wenn Du wiederkommst sind wir mit Mama in der Bretagne. Wenn wir wiederkommen bist Du vielleicht auf der MARLIN!“ „Na lass uns mal nicht rumheulen. Wird schon alles. Wir sehen uns bestimmt noch mal. Erst mal muss Stefan die MARLIN nach Curacao schaffen. Stefan? Kannst Du mal lossegeln?“


Mitsegeln auf der MARLIN.

Wir müssen die MARLIN jetzt erst mal irgendwie erreichen. Dann wird die MARLIN ein weiteres Jahr in der südlichen Karibik bleiben. So bald es wieder vernünftige Flüge gibt, werden wir auch wieder Mitsegeln anbieten.

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Endlich wieder auf dem Meer! Auf der Nordadria Mitte Juni 2020.





Morgens acht Uhr, Piran, Slowenien. Ich schwimme im Meer. Hinter mir am Ufer liegen verlassen die Restaurants von Piran. Links neben mir der Altstadt-Hafen, der für mich immer einer der schönsten war. Alte venezianische Architektur, schneeweiße Steinpoller und Piers, von den Venezianern einst erbaut, die Napoleon, zwei Weltkriege und 5 Staaten bis hin zum Sozialismus überdauerten. Im Hafen liegt Levje. Und wir sind gestern von Italien herübergesegelt.

Das Meer ist weich. Und warm. Und wohlig. Und ich bin mittendrin. Noch vor drei Wochen hätte ich mir nicht vorzustellen können, jetzt hier zu sein. Und an diesem Morgen vor Piran im Meer zu schwimmen. Das Meer trägt mich – weit mehr als das Süßwasser der heimischen Seen zuhause. Ich bin der einzige Schwimmer an diesem Morgen. Sonst ist niemand draußen. Nur ein paar Slowenen trinken Espresso im Cafe am Ufer – Großstadtbewohner der slowenischen Hauptstadt Lubliana, für die ihre 46 Kilometer lange Küstenlinie das ist, was für den Hamburger die See oder für den Münchner der See. Ein Wochenendziel.

Gestern brachen wir in San Giorgio in Italien auf. In der Marina Sant‘ Andrea in San Giorgio war wenig los am Mittwochabend, als wir eintrafen. Eine Handvoll italienischer Eigner. Sonst nur ein schweizer Pärchen, das sein Boot für den Törn vorbereitet. Auf dem Nachbarboot zwei kleine Jungs, den die beiden Kinder Nonno, „Großvater“ rufen. Doch der Schein der Ruhe trügt. Vor und in den Hallen wird an Booten gehämmert und gestrichen.


Noch gestern war unsicher, ob wir überhaupt segeln könnten. Levje I war nun 9 Monate im Wasser gelegen – länger als geplant. In was für einem Zustand sie wohl sein würde, nach dem Winter, nach Corona? Doch nach einem Nachmittag und einem Vormittag intensiver Motorwartung, Rigg- und Elektrikkontrolle ist Levje wieder shipshape. Und segelbereit, als hätte sie nur darauf gewartet. Levje I, mein alte DEHLER 31, die mich 2014 von hier erst in die Türkei und dann über Kreta und Sizilien wieder zurück trug, ist ein kreuzbraves, anrührendes Schiff. Der Motor springt bei der ersten Drehung des Zündschlüssels an. Alle Instrumente und Lichter gehen. Das Boot ist innen trocken wie ein Blatt Papier, und das, obwohl es jeden Abend heftige Gewitter hat. Die Küste der Nordadria, vor allem die des Friaul, ist eine Gewitterküste. Gewitter hat es hier im Sommer fast jeden Abend.

Am Freitagmittag machen nicht nur die Gewittertürme im Norden und Westen das Ablegen ungewiss. „Unsicher, ob ein aus Italien kommendes Boot in Slowenien einreisen darf“, erzählt Lucia an der Rezeption. „Und in Kroatien einklarieren kann man nur in Pula.“ Alle übrigen Seegrenzstellen seien noch geschlossen.

Aber das entpuppt sich als Wahrheit von der Sorte, die noch vor drei Wochen richtig war, doch jetzt noch immer als Gerücht durch die Marinas wabert. Weil keiner was Genaues weiß, sagt man halt: „Es geht nicht.“ Ein Anruf bei dem Mann, der mir in den vorigen Posts immer wieder die richtigen Informationen zu Kroatien lieferte. Er sei gerade im Garten beim Erdbeeren ernten. Ja klar könne ich überall in Slowenien und auch Kroatien einklarieren. Die Seegrenzstellen seien alle offen.


Also los. Selbst wenn sich die nahen Gewittertürme im Westen immer höher ballen am frühen Nachmittag. Los und erst mal eineinhalb Stunden raus, durch den betonnten Kanal Richtung Süden. Dorthin, wo der Fluss endet. Und das offene Meer beginnt. Es hat Wind, der die Wellen am Ende des Kanals brechen lässt. Wo weiter draußen im Meer die Dalben enden, tasten wir uns vorsichtig hinaus – keiner weiß, wo die Winterstürme vom Süden vor der Küste unter Wasser ihre Sandberge aufgetürmt haben. Aber alles geht gut. 3,80 Meter zeigt der Tiefenmesser an der flachsten Stelle – „und schon bin ich draußen“.


Erst weit vor der Küste zeigt sich die ganze Größe und Bedrohlichkeit der Gewittertürme. Kann man einem Gewitter davonsegeln? In meinem Buch Gewittersegeln habe ich das stets verneint. Einem Gewitter, dessen Zugbahn den eigenen Kurs kreuzt, kann man nicht davonsegeln. Draußen hats 5 Windstärken. Wir müssen 3mal reffen, Levje legt sich schwer ins Zeug. Und tatsächlich sieht es so aus, als würde das Gewitter über dem Friaul verharren, dieser einzigartigen Landschaft zwischen Meer und Hochalpen voller Weinreben und Industriegebieten, der nordöstlichsten Provinz Italiens an der Grenze zu Slowenien.

Das Friaul entkam vergleichsweise glimpflich der über italienischen Hotspots in der Lombardei und dem benachbarten Veneto wütenden Corona-Gewalt. Die Infektionszahlen lagen – nach neuestem Stand – weitaus niedriger als die der Großstadt München, die genausoviele Einwohner hat. Im Friaul, wo meine alten Levje I nun liegt, hat es nur die Hälfte der Infektionszahlen gegeben. 3.303 Infektionsfälle – dafür sind die Todeszahlen mit 343 Opfern ungefähr vier mal so hoch wie in München gewesen, sagt Fortunato Moratto, das wäre ein niedriger Wert. Trotzdem sei  alles sehr bedrückend gewesen. Die leeren Marinas. Keine Aufträge. Nichts zu tun auf den Booten. Aber jetzt kann er sich vor Arbeit nicht retten. „Die Eigner halten mich ziemlich auf Trab, dass ihre Boote fertig werden. Echter Stress.“ V-förmige Entwicklung nennt man sowas, denke ich mir.

Wie es wohl in Slowenien aussieht? Seit meinem Ablegen im Mai 2014 war ich nicht mehr dort gewesen. Wie das kleine Land wohl die Krise überstanden hat? Aber zuerst erfordert das Meer unsere ganze Aufmerksamkeit. Und das Gewitter hinter uns, dem wir davonsegeln. Und das sich aufbläht wie ein pubertierender 16-jähriger. Groß im zweiten Reff, Fock im ersten. Nach fünfeinhalb Stunden frischt der Wind zur steifen Brise auf vor Kap Savudrija, dem nördlichsten Kap Kroatiens. Noch zwei Reffs könnten wir in die Genua einbinden – danach hätten wir kein As mehr im Ärmel. Aber 8, 9 Beaufort hat es an dieser Küste nur im Gewitter. Aber dem sind wir ja davongesegelt. Diesmal.

Vor Piran liegt ein Motorboot. Sieht aus wie ein Küstenwachboot. Lieber die Papiere fertigmachen, wer weiß, was denen einfällt. Gestern Abend war es beeindruckend, wie die italienische GUARDIA  DI FINANZA jedes kleine Fischerboot auf dem Kanal anhielt und kontrollierte. Aber das weiße Motorschiff entpuppt sich nicht als slowenisches Küstenwachboot, sondern als Oldtimer-Luxusyacht, die vor dem Hafen von Piran in den Wellen schaukelt. Segel runter. Dann rein durch die enge Hafeneinfahrt in den alten Hafen von Piran, hinter einer slowenischen Yacht her, die zum Ausklarieren an die Zollpier strebt. Die Grenzpolizisten lehnen lässig am Geländer – üblicherweise wäre hier an einem Freitag im Juni die Hölle los. Slowenien ist Schengen-Außengrenze. Wer von hier raus will nach Kroatien wie die Yacht vor uns, muss ausklarieren.


Wir legen am Stadtkai an, an dem außer uns nur eine Handvoll Segelyachten liegen. Auch hier herrscht Ruhe. Ein paar Slowenen. Ein Italiener aus dem nahen Triest. Das ist alles. Und während uns das Gewitter weiter nachschleicht, zieht es mich in das Restaurant am Hafen, ins PIRAT. Es liegt etwas abseits der Touristenmeile Richtung Busbahnhof, und vor meiner Abreise 2014 lernte ich die Wirte kennen, Robin und Rok, zwei Brüder, die so aussehen, dass der Restaurantname PIRAT keiner weiteren Erklärung bedarf. Das Restaurant gibt es noch. Es hat sich – ganz anders als 2014 – an die Spitze der Restaurants in Piran mit stolzen 1.450-Positiv-Bewertungen gesetzt. Ob es noch Robin und Rok gehört? Mein Abend damals 2014 mit Robin war unvergesslich, weil er mir, der ich eben gekündigt war, ein Stück seines Lebens erzählte. Dass er keine Lust mehr gehabt hätte auf seinen Beruf. Und obwohl er keine Ahnung von Fischen gehabt hätte, sei er einfach rausgefahren, und hätte begonnen, Fische zu fangen, belächelt von den alten Fischern Pirans. Doch er brachte Doraden nach Hause, und Loup de Meer und Squids und Oktopusse: Soviel, dass er und sein Bruder das Restaurant Pirat eröffnen konnten.

Und heute? Als wir das Restaurant betreten, in dem nur die Kellner, nicht die Gäste Mundschutz tragen, steht Rok in der Ecke. Rok, der große, gewichtige Mann, und röhrt den Gästen am Nachbartisch sein Loblied der italienischen Küche entgegen. Schon damals war die Arbeitsteilung der Brüder, was das Restaurant anging, bemerkenswert. Rok, der Gewichtige, war fürs Lächeln des Hauses zuständig. Und Robin fürs Fischefangen. Und fürs Denken. „Wir sind gut durch die Krise gekommen“, sagte Robin, als er plötzlich vor mir steht. Slowenien hat ja nur soviel Einwohner wie der Ballungsraum München, aber unsere Regierung hat schnell reagiert und die Grenzen sofort dichtgemacht. Dann die Schulen und Betriebe. Wir kamen gut durch.“ Nur Fische fangen hat er aufgegeben. „Wer selber Fisch fängt, darf ihn nicht mehr in seinem Restaurant anbieten. Widersinnig – aber so sind die Gesetze nun mal. Was ich heute fange, muss ich verkaufen. Und was ich hier anbiete, das muss ich zukaufen. Nervig – aber so ist das nun mal.“ Dann deutet er nach draußen, vors Restaurant, wo sich der Himmel von schwarz auf undurchdringliches Grau verfärbt hat. Das Grau von Regenfahnen über dem Meer. „In 15 Minuten wird’s hier schlechtes Wetter geben. Ich lasse Euch lieber drinnen einen Tisch fertig machen.“

Keine 15 Minuten später fegt es über dem PIRAT in allerbester Adria-Manier. Und während meine ganze Aufmerksamkeit Robin und Roks vorzüglichen Vongole in Weißweinsauce, den gratinierten Capesante und gekochten Capelunghe, dem gegrillten Loup de Meer und dem Malvazija gilt, denke ich mir: Robin ist ein gutes Mann, wie er sein Wetter kennt. 


Und: Nein. Man kann keinem Gewitter davonsegeln.

Echte Freundschaft gibt es nur unter Männern

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Neurochirugischer Erfolg

Erst mal ne Rückmeldung aus Oldenburg. Weil Wnuk und Krankenhaus ist ja immer so ne Sache. Ich poste jetzt mal kein OP Fotos von offen liegenden Ulnaris Nerv. Oder doch? Ne. Lasse ich mal. Ich habe mich für die Vollnarkose entschieden. Altes Weichei eben der Wnuk. Als ich wieder wach bin kommt auch schon der nette Dr. Heinen und berichtet freudestrahlend über seinen Erfolg der OP. „Der Nerv sieht leider aus wie die Verengung einer Sanduhr. Es war also wirklich notwendig das operativ zu lösen. Die Rückbildung wir einige Monate dauern und muss physiotherapeutisch betreut werden.“ Ich lächel den netten Doctor an und bilde mir schon mal eine direkte Besserung ein. Dr. Heinen hat die endoskopisch kleine Wunde subkuntan vernäht und mit wasserdichtem Pflaster verschlossen. „Sie sollen den Arm bis zur Schmerzgrenze sofort wieder einsetzten. Also am Wochenende segeln gehen.“ Das hört sich gut an. „Werde ich machen!“ Dr. Heinen hab ich schon mit einem unserer Bücher ausgestattet. „Nächstes Jahr gehen wir zusammen auf der MARLN segeln!“ Heinen grinst: „Yes!“

Damit das mit dem Segeln klappt, müssen Skipper Stefan und Sven mal mit der MARLIN los. Sven heiratet noch schnell die Mutter seiner zwei kleinen Söhne, am Strand von Las Salinas in der DomRep und kleidet Stefan gleich weiß mit ein. Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Beiden ziemlich dicke Freunde geworden sind. Wenn Stefan jetzt nicht in die Hufen kommt, bleibt der bestimmt in der DomRep kleben und ich muss das StarWars Kommando schicken, um die MARLIN aus dem Land und der Hurricane Zone rauszubekommen. Nun machen die Behörden der DomRep Ärger und wollen MARLIN nicht ausreisen lassen. Das Problem müssen die Beiden „Men in White“ nun aber selber lösen. Daran kann ich jetzt nix mehr ändern. Mein Kommentar: „Euch wird in Curacao keiner wieder zurück schicken, ohne Ausreisestempel der DomRep. Nathalie und ich mussten diverse Male schnell in die 12 Meilen Zone, um weiter zu kommen.“

Es bleibt also alles spannend. Wie immer. Wie mein ganzes Leben. Um 16 Uhr umarme ich Segelfreund Martin aus der Schweiz, der mit seiner MERLIN grade in Flensburg liegt. „Kommst Du mit Segeln?“ Was für eine Frage Martin. Ich bin ja sowieso grade ohne Wohnung bis übernächsten Samstag. Die kleine 36 Fuß Dragonfly wollte ich immer schon mal segeln. Martin ist grade alleine. Das passt doch. „Lass uns die Schlei erkunden und nen paar geile Fotos und Videos machen.“ Morgen wird es regen, aber ab Sonntag ist für die ganze Woche Sonne angesagt.


Mitsegeln auf der MARLIN.

Wir müssen die MARLIN jetzt erst mal irgendwie erreichen. Dann wird die MARLIN ein weiteres Jahr in der südlichen Karibik bleiben. So bald es wieder vernünftige Flüge gibt, werden wir auch wieder Mitsegeln anbieten.

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