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Papeete Stadtausflug

Di., 20.Aug.19, Franz.Polyn./Tahiti/Phaeton, Tag 1906, 18.355 sm von HH

„Seelenlose Stadt“, „im Verkehr erstickender Beton-Klotz“, „keine besonderen Sehenswürdigkeiten“, die Beschreibungen Papeetes sind einseitig und eindeutig.
Zwei Drittel aller Einwohner Französisch Polynesiens leben in der Hauptstadt.
Dem Drehkreuz für die Verteilung von Mensch und Ware auf die kleinen Inseln und Inselchen. Jeder Bleistift, jedes Kilo Mehl, der gesamte Diesel und jedes Stück Käse kommt über Papeete rein.
Unser Besuch soll ein Mix aus Sightseeing und Einkaufstour werden. Aber als erstes statten wir dem Stadthafen einen Besuch ab. Wir müssen noch einen Platz finden, wo ich im nächsten Jahr Achim unterbringen kann, wenn ich nach Hause fliege. In der Marina treffen wir Inga und Norbert. Die beiden kennen wir schon ein paar Jahre aus dem Internet, getroffen haben wir uns noch nie. sy-marisol Analog sind die beiden genauso nett wie digital. Natürlich sind sie nett, denn unsere Wege werden sich wahrscheinlich nicht wieder überschneiden.

Inga und Norbert

Danach schleppt Achim mich zum Schiffsausrüster. Ein nerviger Weg durchs Industriegebiet. Papeete zeigt sich von seiner beschriebenen Seite: Autos parken die Fußwege voll, LKWs donnern an uns vorbei. Es wird gehupt und überholt. Hao mit seinen zwanzig Autos war da entspannter. Wir sind im Zweifel, ob wir Großstadt je wieder mögen können.

Aber es gibt im Stadtkern auch ein paar ruhige Ecken. Eine wohltuende Oase ist der Markt mit Obst und Gemüse für die Einheimischen und Souvenirs für die Touristen. Alles nett dekoriert mit Stoffen im typischen polynesischem Blumendruck. Man findet auf den Straßen fliegende Händlern, die an bunten Ständen Obst, Muschelketten und natürlich Perlen verkaufen. Perlen. Perlen wohin das Auge sieht. Billig aufgezogen auf Leder-Imitat-Bänder oder exklusiv in den Schaufenstern der Juweliere präsentiert. Perlen, Perlen, Perlen.

Hübsche Ecken in Papeete

Papeete Markt

Ananas-Verkauf auf der Straße

Die Krönung ist das Perlenmuseum von Robert Wan. Der König unter den Perlen-Machern unterhält einen hübsch gemachten Show-Room in dem man alles über die Austern und die Entstehung einer Perle sehen kann. Robert Wan hat als armer Einwanderer aus China sein Geld als Autoverkäufer und Gelegenheitsarbeiter verdient. Bis er 1974 einen Enkel von Kichimatsu Mikimoto kennen lernte. Mikimoto gelang es vor über 100 Jahren die Methode zu entwickeln mit der eine Perle gezüchtet werden kann. Robert Wan investierte alles in die Perlenzucht und wurde reich. Sehr reich. Er gründete das Imperium ‚Tahiti Perle‘ und ist Besitzer der größten runden Perle, die bislang gezüchtet wurde: Durchmesser 22,93 Millimeter.

Perlenvorhang – der Anteil an Ausschuss Perlen ist riesig

Natürlich kann man neben dem Museum auch Robert Wan Perlen kaufen. Hätten wir nicht gerade die Ankerkette gekauft, so wäre sicherlich für mich ein Kettchen drin gewesen. :mrgreen: So haben wir heute mindestens 90.000 USD gespart.

Größte Perle zum Kauf im Museum – nicht schön, aber teuer 125.000 EUR

Charter, Chaos und Crewshirts

Sommer, Sonne, Chartercrews. Was passiert, wenn in der Hauptsaison plötzlich die sonst heimeligen Buchten überquellen vor lauter Booten. Warum fahren viele Charteryachten eigentlich immer unter Motor? Und warum uniformieren sich deutsche Chartersegler so gerne mit diesen unsäglichen Crewshirts aus dem Copyshop?

 

Hier geht es zum Text

Schottland (26): Unter Segeln. Von den Hebriden zur Insel Iona.

Anfang Juni bin ich von der Isle of Wight aufgebrochen
und über die Scilly-Isles nach Dublin und Schottland.
Von den Äußeren Hebriden geht es nun zurück Richtung Festland.



Am Morgen vor dem Ablegen war noch alles klar. „Wind mit 18 Knoten aus Südwest. Regen ganztags.“ Na dann los – mit halbem Wind nach Südosten Richtung schottisches Festland.

Ganz einfach hatte das geklungen. Jetzt ist alles anders. Der Wind kommt fast von vorn, aus Südsüdwest. Ich hätte es mir denken können. Er bläst stabil mit über 20 Knoten – wenn gerade keine schwarze Wolke anschleicht und  den Windsack noch weiter aufmacht. Vor dem Regenschauer fauchen dann Böen, die LEVJE auf die Seite legten. Ida, Svens Tochter, ist seit dem Ablegen schlecht, doch sie hält sich tapfer, sagt kein Wort, ist ganz auf ihre Musik oder den Horizont konzentriert, während die Wellen unter Levje hindurch rollen.

Es ist eine unwirtliche Welt, durch die wir uns an diesem Morgen bewegen. Und trotzdem ist dies alles herrlich. Die Wellen, die gischtend unter Levje durchrollen. Die Sturmvögel, die  mit lässigem Flügelschlag zehn Zentimeter vom Want entfernt mitschweben im kräftigen Wind, als wollten sie bei uns an Deck nach dem rechten schauen, um dann locker abzudrehen. Sie bewegen sich, als wären 28 Knoten Wind nur ein Hauch. Was für eine fremdartige, was für faszinierend andere Welt, durch die wir uns bewegen.

 Ich denke an Blaise Pascal. „Es ist herrlich, im Sturm unterwegs zu sein, solange man weiß, dass das Schiff ankommt“. Aber weiß man das immer? Gerade hier? Gerade jetzt? Nichts zum Festhalten. Der Gang unter Deck ist ein Abenteuer. Doch ich fühle mich sicher. Warum nur fühle ich mich hier draußen nur immer wieder so geborgen im Unwirtlichen und dort wo es doch unwirtlicher nicht sein kann?  



Die nächste Regenwolke schleicht sich an, während wir uns den Inseln Tiree und Coll nähern. Zwei langgezogene Inseln, die  vor uns xwie langgezogene Riegel den Weg versperren. Aber zwischen den Inseln gibt es eine enge Durchfahrt, doch ist sie flach und der Wind weht auflandig. Als wir näherkommen, sieht die südlich liegende Insel Tiree fast unbewohnt aus. Ein Strand mit hellem Sand, ein verlassenes Haus darauf. Glatte Felsen, Strandgras. Mehr nicht. Der Wind frischt kurz auf 30 Knoten auf, die Wellen nehmen zu. Das hatte ich mir anders vorgestellt heute Morgen, als ich den Kurs zwischen den Inseln hindurch in die Seekarte eingab. Die flache Passage liegt in der Abschattung des Windes, dachte ich, also kommen wir bei ruhiger See durch die flache Passage. Kann man natürlich vergessen – auch das hätte ich mir denken können, dass der Wind der langen Inselküste folgt und nicht dem Wetterbericht.  Zudem setzt starker Strom nach Norden und in die Einfahrt. Jetzt umkehren? Gaaaanz blöde Idee. Und nicht nur, weil das ein Umweg von mehreren Stunden um jede der 12 Seemeilen langen Inseln wäre.

Mir sinkt das Herz in die Hose. Da mag die Seekarte mich noch so sehr mit den angegeben Tiefen beruhigen, dass hier keine Gefahr besteht, aufzusetzen. Wenn der Grund auf kurze Distanz von 100 auf 10 Meter ansteigt, weiß man nie, was auflandiger Wind und Welle dort anstellen. „Ich halte ganz südlich auf das einsame Haus am Strand zu“, sage ich Sven, der vor dem Ipad mit der Seekarte sitzt und mich durch die Engstelle lotsen wird. So machen wir das immer. Einer fährt. Der andere liefert die Ansteuerungspunkte. „Halt weiter drauf zu.“, sagt Sven, „wenn die grüne Tonne in Deckpeilung mit der kleinen Insel dahinter ist, dann halte genau auf die Tonne zu und fahr über sie drüber“. Das geht natürlich nicht. Die Tonne ist eine Stahlbombe von der Größe eines Kleinwagens, die da in den Wellen fest verankert ist. „Über sie drüber“ heißt, so nah wie möglich dran vorbei. „Auf dem Kurs ist das Wasser am tiefsten“, sagt Sven noch. Dann lege ich Ruder.

Einen Moment lang fegt noch eine Böe. Dann während wir Kurs auf die Tonne halten, ist das Wasser plötzlich still. Der Wind ist weg. Das Tosen ist vorbei. Keine Wellen mehr. Levje gleitet wie auf einem Dorfteich. Ächzend fällt das Großsegel zusammen, als wäre es wahrhaft erlöst von der dauernden Anspannung. Ich starte den Motor und steuere Levje durch die Engstelle. Den Motor brauche ich nicht, um vorwärtszukommen. Das macht die Strömung, sie schiebt uns durch die Engstelle hindurch. Der Motor hilft uns nur, den Kurs zu halten. Hätten wir ihn nicht, müssten wir jetzt rudern in der fast windlosen See. Der Strom trägt uns an der Tonne vorbei, dann sind wir durch. Die See weitet sich. Frieden und glattes Wasser und langsames Gleiten für einen Moment.


Zwei Stunden später, gegen 16 Uhr. Schreiben fällt mir schwer. Die Wellen liefern ein wirres Muster ab, sie werfen Levje wie einen Tischtennisball hin- und her. Dabei hat es guten Wind hinter Tiree und Coll, wir laufen wir mit 7 Knoten Geschwindigkeit auf eigentlich angenehmsten Kurs, auf Halbwind. Aber angenehm ist hier gerade nichts. Ein Regenschauer geht nieder, während ich fotografiere, meine Kamera wird triefnass vom Regen, von der spritzenden Gischt. Ich bin zu fasziniert von all dem, was ich da sehe.

Eigentlich sollte der Regen die Wellen plattdreschen. Aber Regen ist in Schottland meist ein 10 Minuten Schauer von feiner Gischt, ein Spray, der für Luftfeuchtigkeit 95% sorgt. Und unter Deck für klamme Kleidung und Bettdecken.

Die Wogenkämme kommen aus dem Süden. Das ist wahrscheinlich das einzige, was Schottland mit Sizilien gemeinsam hat: Regen kommt von Süden. Weil das Meer nach Südwesten offen ist, rollen die Wogen von dort als brechende Berge an, die uns mit Gischt überweht, während wir uns über die Tasse mit Brühe hermachen, die Sven heldenhaft unter Deck für uns zubereitet hat. Wo er sich vor dem Herd nur eingespreizt hat, wo selbst an Deck einen geraden Schritt zu machen gerade nicht möglich ist, selbst im kurzen Cockpit nicht. Einen günstigen Moment abpassen, losrennen – und dann vor allem festhalten. Der nächste Ausheber, eine Woge aus Süden, die an Levjes Bordwand bricht, als würde sie detonieren. Ausheber nenne ich sie, denn so eine Welle könnte Dich einfach aus dem Cockpit bis zum Seezaun raushebeln. Also: Sitzenbleiben. Nicht bewegen. Und jedes dringende Bedürfnis einfach vergessen.

Auch Sven kuckt gerade nicht glücklich aus der Wäsche. Am Horizont im Norden eine Insel, die aussieht wie ein Sombrero auf dem Wasser. Eine flache Krempe, mit einer Beule für den 


Kopf in der Mitte. „Dutchmans Cap“ heißt die Insel, des Holländers Mütze, und sie ist genauso leer und unbewohnt wie die übrigen sieben Treshnish-Inseln, zu denen „Dutchmans Cap“ gehört.


17.30. An Wildheit ist der Anblick nicht zu überbieten. Im Norden ragen die Klippen der Insel Mull in die Höhe, überragt von einer grandiosen Wolkenwalze. Wasserfälle schießen von oben herunter.  Davor erkenne ich Staffa, die Insel der aufragenden Basaltkegel. Im Südwesten liegt Iona, die lange Insel. Ein felsiges Eiland mit langem Sandstrand im Nordwesten. Ein bisschen sieht Iona aus wie Robert Louis Stevensons Schatzinsel. Eine flache Insel mit einem Berg in der Mitte, der in der imaginären Schatzkarte Robert Louis Stevenson mit „Fernrohr“ eingetragen ist. Stevenson war Schotte, ganz sicher hat er Iona gekannt. Ob ihm Iona für seine Schatzinsel Vorbild war? Immer wieder verschwindet die Insel hinter den anrollenden Hügelkämmen. 


Wir versuchen im Iona Sound zwischen der Insel und Mull zu ankern. Aber bei diesem Süd, der durch den Sound pfeift, ist an Ankern nicht mal zu denken. Verwegen und müde, wie wir gerade sind, wagen wir uns in eine schmale Felsgasse hinein, an deren Ende ein anderer Segler liegt. Ein Rattenloch, eine Mausefalle als Ankerplatz. Gefangen bei Niedrigwasser zwischen den Felsen? Nein, es fühlt sich nicht gut an. Wir tasten uns durch die Felsen zurück, segeln weiter, ostwärts, finden eine geschützte Bucht nach Norden, mit glattem Wasser und unberührt bis auf ein paar im Wasser liegenden Booten. Keine Menschenseele. Nur eine Seerobbe, die kurz auftaucht. Sich schneuzt. Und gleich wieder verschwunden ist.

Es ist herrlich, im Sturm zu Segeln. Aber noch herrlicher ist es, die Wildheit eines Tages hinter sich zu haben. Den tiefen Frieden eines Hafens, einer sicheren Bucht zu spüren: Das erfüllt mich jedes Mal mehr als das draußen in den Elementen sein. 

Vielleicht kann es ja ohne Wildheit keinen Frieden geben.


Manuela an Bord genommen

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{Title:Manuela an Bord genommen}

Generations

Das Projekt Kühlschrank ist erfolgreich abgeschlossen. Die „faule Ecke“ bleibt jetzt trocken und Skipper ist wieder glücklich. Es geht halt langsam voran, aber stetig und gründlich. Frisch aus Costa Rica eingeflogen kommt am Sonntag Manuela an. CREW 57. Alles muss ja seine Ordnung haben. Ich fahre zum Flughafen und geniesse einen doppelten Espresso in der italienischen Gelateria. Das Eiscafe in der Eingangshalle ist der Hit. Man hat das Gefühl man sitzt in einen Kühlschrank. Rundherum Glas. Dazu die volle Anti-diat-bombe. Ein Stück Schokokuchen. Geil. Manuela kommt pünktlich und an der minimalisierten Größe ihres Wochenendrucksacks zu messen, muss sie ein Schweizer Reise Profi sein. Mit ihren 26 Jahren ist sie jünger als meine Söhne. Folglich wird mir mal wieder bewußt, wie jung ich mich fühle, aber gar nicht bin. Grins. Manuela und ich tasten uns gegenseitig verbal ab. Ob’s passt? Passt. Die junge, sympathische Dame aus Celerina sieht nicht nur gut aus, ist auch noch sympathisch und eigenständig. Wenn meine Töchter so werden, bin ich zufrieden.

Die letzten Wochen hat Manuela in Wellenreitercamps verbracht. Manuela kommt früher als der Rest der CREW um Nike Steiger, weil sie sich Curacao noch ein bisschen anschauen will und ich sie beeinflusst habe, doch noch einen Kite-Schnupperkurs zu machen. Ne. Nicht bei mir. Sondern bei Kimberly alias Aawasalu-Kiteboarding, die ich am Kiteplatz kennengelernt habe. Das passt auch. Heute nach vier Stunden intensivem Unterricht fährt Manuela ihre ersten 10 Meter und ist angefixt. Beste Vorraussetzungen für den Besuch der Los Roques. Ich habe das Gefühl alles richtig gemacht zu haben. Die letzten beiden Tage war aber auch ein genialer Wind in den Morgenstunden. Während Manuela sich durch das Grundprogramm des Kitens kämpft, komme ich voll auf meine Kosten. Kim leiht mir einen Sitz Harness und ich kite bis zum Umfallen. Ich hab so viel Spass in den Backen, Leuchten in den Augen, dass ich kurz vorm Platzen vor Kite Glück bin. Besser geht es nicht.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 57 Nike Steiger segelt die MARLIN gegen den Wind ins Paradies
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Sailing Dilly-Dally (Video)

Eine paar Impressionen vom Segeln in der Türkei auf einer Moody 425.  Ganz ohne Worte :)

Rund Tahiti

Mo., 12.Aug.19, Franz.Polyn./Tahiti/Phaeton, Tag 1898, 18.355 sm von HH

Bereits um 7:00 Uhr stehen wir an der Autovermietung und nehmen den reservierten Hyundai in Empfang. Ich ziehe beim ‚Streichholz ziehen‘ den Kürzeren und muss fahren. Aber das viel beschriebene Auto-Chaos um Papeete hält sich in Grenzen. Wir kommen besser durch als erwartet, schon vor 9:00 Uhr erreichen wir die ‚Taina Marina‘ (eine große Marina vor den Toren Papeetes). Dabei haben wir erst in zwei Stunden einen Termin mit Mat, der unsere Wanten fertig gestellt hat. Wir gehen Mat in der weitläufigen Marina suchen und werden fündig. Er freut sich, dass wir so früh da sind, das kommt ihm terminlich sehr entgegen. Prima, so freuen sich alle. Unsere „Pflicht“ ist erfüllt und wir haben das Auto.

Taina Marina

Die teure ‚Taina Marina‘ mit einem großen Anker- und Mooringfeld davor. Wir überlegen, ob dieser Platz für uns geeignet ist, wenn wir wieder nach Tahiti zurück kommen.

Die Bucht Matavai

 

Eine geschichtsträchtige Bucht: Die Segelprominenz des 18. Jahrhunderts hat sich in dieser Bucht die Ankerkette in die Hand gegeben. James Cook landete hier mit seiner ‚Endeavour‘ und ein paar Jahre später die ‚Bounty‘, bevor die berühmte Meuterei begann.
James Cook kam 1769 nach Tahiti, weil er als ein Teil einer internationalen Mess-Kampagne den Venus-Transit beobachten sollte. Diese Kampagne diente der Bestimmung der Entfernung Sonne-Erde und der Abstände der anderen Planeten unseres Sonnensystems. 77 Mess-Stationen weltweit lieferten 1769 verlässliche Daten die zur Abstandsberechnung heran gezogen werden konnten.
Beim Venustransit stehen Sonne, Erde und Venus in einer Linie. Wäre die Venus nicht so weit entfernt, würde diese Konstellation zu einer Sonnenfinsternis führen, so sieht man beim Transit die Venus nur als schwarzen Fleck vor der Sonne. Wer diese Phänomen beobachten möchte, muss sich allerdings noch bis 2117 gedulden. Nur viermal in 243 Jahren kommt es zum Venustransit.
Zwanzig Jahre später landeten in der Bucht die Missionare, die im Namen Gottes den christlichen Glauben verbreiteten und den Einheimischen ihre Identität nahmen. Die Kirchenmänner leisteten ganze Arbeit. Keine einhundert Jahre nach den ersten Missionaren, fanden sich Europäer, die ihr Glück in der Südsee suchten, betrogen. „Die glücklichen Bewohner eines unbeachteten Paradieses in Ozeanien kennen vom Leben nichts anderes als seine Süße“, hoffte Gauguin 1890 in einem Brief an einen Malerkollegen, bevor ihn 1891 auf Tahiti die Realität einholte. Die viel beschriebene Leichtigkeit der einheimischen Bevölkerung war aus seiner Sicht bereits verschwunden.

Die wenigen Sträde, die es gibt, sind pechschwarz

Wir lassen Papeete links liegen, die Stadt können wir besser per Bus besuchen. Also einmal rund Tahiti bitte. Im Prinzip gibt es nur eine Straße auf Tahiti Nui – dem großen Tahiti. Einmal ringsum an der Küste entlang – 120 Kilometer. Es gibt zwei Orte, den Moloch Papeete, der den Ruf einer hässlichen Stadt genießt, und Taravo, der Ort am Ende der Bucht, wo wir vor Anker liegen. Diese Städte sind durch ein endloses Straßendorf miteinander verbunden. Haus an Haus reiht sich neben der gut ausgebauten Straße aneinander. Gleich hinter den Häusern wachsen die Berge steil in die Luft. Die wahre Schönheit Tahitis liegt im unbewohnten Inselinneren. Das ist nur über geführte Wanderungen von mehreren Tagen zu erreichen.

Stichstraßen, die ins Inselinnere führen, gibt es so gut wie keine. Nur ein hübscher Wasserfall ist per Auto zu erreichen. Die Küste ist wild an der Windseite. An der steilen Lavaküste gibt es Blow-Holes, die von der Dünung pfeifend mit Wasser gefüllt werden und ihre Fontänen meterhoch in den Himmel schießen. Die Westseite ist brav und etwas langweilig. Strand gibt es nur selten, man kommt nicht ans Wasser, alles ist zu gebaut.

Blow-Holes im Norden von Tahiti

Perfekte Wasserfall-Dusche – heute ist hier Baden verboten

Von weitem geht es mit den Haaren ;-)

Noch ein technischer Nachtrag:
Der Wassermacher läuft wieder. Das Einlassventil war verklemmt. Mit ein paar Handgriffen war das Problem schnell gelöst. Den Wasserhahn hat Achim auch gefunden :lol: , die Tanks sind voll und wir wieder unabhängig. Es kann also bald weiter gehen. Noch einmal mit dem Bus nach Papeete, noch etwas einkaufen und wir sind startklar.

"Gleich gibts was auf die Ohren!" Die 26. und 27. Neuerscheinung bei millemari.


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Die Hörbücher AM BERG und STURM.
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Kaum jemand segelt freiwillig raus bei Windstärke 8 oder 9 Beaufort. Hier berichten ganz normale Segler, die genau das erlebten, über ihre dramatischsten Stunden auf dem Meer. In Ostsee, Nordsee, Ijsselmeer und Mittelmeer. Über das, was sie richtig oder falsch gemacht haben. Und darüber, was in ihnen vorging, als sie unbeabsichtigt ihre Extremsituation zu meistern hatten. 
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Die Bergretter sehen ihr Leben und das, was sie in den Bergen erleben, naturgemäß anders. „Ich hab eigentlich nichts zu erzählen“, antworten sie bescheiden, wenn man sie nach ihren Erlebnissen in den Bergen fragt. Aber schon nach wenigen Minuten ist klar, dass sie Geschichten erlebten, die das Leben dieser Männer und Frauen und der Geretteten für immer prägten. Hier kommt eine Sammlung ihrer spannendsten Geschichten – als Begleiter auf der Fahrt in die Berge. Oder als Gute-Nacht-Geschichte. Aber das müssen Sie selber rausfinden, wie gut Sie danach einschlafen. 

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Das Therapieboot (Video)

Zwei Männer, zwei Frauen, sieben Tage, ein Boot.

Ein Segeltörn in der Türkei zwischen Sehnsuchtsorten und Wlan-Hotspots, zwischen Boutiquen und Buchten. Das größte Problem: Ein Kühlschrank, der nicht richtig kühlt. Das heißt: kein Eis für Cocktails. Dazu ein Instagram-Account, der ständig nach neuen Bildern giert, aber ein begrenztes Datenvolumen auf der Dilly-Dally. Neue trifft alte Welt.

Kann das gut gehen? 

Kühlschrank Intensivstation

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{Title:Kühlschrank Intensivstation}

Baustelleneröffnung

Unser Kühlschrank. Zentrum eines Problems. Im rauen Charterbetrieb wird hier gerne, so wie zu Hause, alles hineingepresst. Die Konstruktion ist dazu aber eher nicht geeignet. Es haben sich Risse gebildet, Luft dringt ein, kondensiert zu Wasser und das läuft gerade bei Schräglage überall hin, vor allen Dingen natürlich dorthin, wohin es eben nicht laufen soll, in die Isolierung. Umliegendes Holz verfault, es bildet sich Schimmel und der Pilz, der sich gerne mal unterm Kühlschrank zeigt, den nennen wir lieblich Hugo. Sechs Wochen konnte alles trocknen und jetzt komme ich. Bisher hat hauptsächlich Jan den Kühlschrank betreut. Ich stelle mir einen Ventilator in den Kühlschrank, eine LED Strahler in meinem Rücken, damit ich bei der OP gut sehen kann und entferne erst mal alles, was morsch ist und quasi in Staub zerfällt. Ich schaffe mit dem Fein Multi Master den exakten Platz für eine Aluschiene. Eigentlich müsste die ganze Front ausgewechselt werden. Ach. Eigentlich müsste der ganze Kühlschrank raus und neu. Aber mich konnte man ja auch noch mal retten. Pingelig klebe ich alles ab, bevor ich mit Sika das Aluprofil einsetze. Passt. Wackelt nicht und hat auch keine Luft. Das muss jetzt erst mal trocknen. Morgen noch drei Schienen und der Kühlschrank sollte die nächsten 50 Crews durchhalten. Ohne Schimmel, Pilze und andere ekelige Sachen.

Ich hatte heute den schlimmsten Kite Tag seit langem. Am SJB Kite Platz ist es ja immer böig und man gewöhnt sich daran. Heute aber fällt mir der Kite einfach runter, um mich im nächsten Moment aus dem Wasser zu katapultieren. Nach dreißig Minuten gehe ich wieder an den Beach, lande und packe meine sieben Sachen, bevor was Schlimmes passiert. Genervt. Nun. Nicht jeder Tag kann perfekt sein.


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Schlimmer geht nicht

So., 11.Aug.19, Franz.Polyn./Tahiti/Phaeton, Tag 1897, 18.355 sm von HH

Wenn du denkst, schlimmer kann es nicht kommen, dann liegt irgendwo ein Schild ‚Coiffeur‘ herum. „Haarschnitt – Erwachsene 10 USD, Kinder 5 USD“. Das Schild gehört zu Ava, die sich auf dem kleinen maritimen Flohmarkt in der Marina etwas dazu verdienen möchte:
Sie ist jung, Amerikanerin und eigentlich ganz nett. Ich zeige auf ihr Schild und sie nickt: „Kann sofort los gehen“.
Wir leihen uns einen Stuhl, ich mache meine Haare im Waschbecken in der berühmten Männerdusche nass und wir verziehen uns in eine Ecke.
„Du kannst aber Haare schneiden ?“, vergewissere ich mich. Ich berichte ihr von meinem schlimmen Erlebnis in Mexiko und dem schiefen Pony in Kolumbien.
Sie lacht und nickt erneut und macht einen kompetenten Eindruck: „Wenn das Haar zu schwer ist, sitzt es nicht. Es muss leichter werden. Ich dünne es etwas aus.“ Für diesen Zweck hat sie sogar ein Rasiermesser dabei. Vertrauensvoll lasse ich mir einen Umhang umlegen und nehme Platz. Ohne Spiegel fehlt mir eine optische Kontrolle, aber es fühlt sich alles richtig an.
Ava fängt nach Friseur-Art das plaudern an. Wo sie herkommt und dass sie eigentlich Web-Designerin ist. „Ich bin kreativ im Netz und beim Haareschneiden“ Ich werde nicht misstrauisch, sondern unterhalte mich weiterhin nett mit ihr. Dabei höre ich das Messer kratzen und die Schere klappern. „Leicht muss es ein! Leicht!“ Das Messer kratzt, die Haare fliegen.

Der halbblinde Spiegel in der Dusche gaukelt mir ein ‚okay‘ vor. Achim sagt nichts zu meiner Frisur, sondern zuppelt nur an einzelnen Strähnen herum. An Bord werde ich dann das Ausmaß der Katastrophe gewahr. Schlimmer geht es nicht. Der Pony ist an den Seiten kürzer als in der Mitte. Stellenweise ist das Haar so ‚leicht‘, dass ganze Partien fehlen. Hinter den Ohren zum Beispiel. Und an einer Pony-Seite. Und auch vor den Ohren … Die dünnen Haare stehen wie Antennen vom Kopf ab. Nicht zu bändigen. Und ich dachte, schlimmer als in Mexiko kann es nicht werden.

Achim sagt jetzt doch etwas zu meiner Frisur als er Fotos machen soll: „Es sieht wirklich scheiße aus!“ :mrgreen: Es geht doch nichts über einen liebenden Ehemann. „Du kannst dir ja eine Pudelmütze aufsetzen“. Und viele gute Ratschläge mehr.
Ich glaube, ich gehe jetzt etwas das Meer anschreien.

große Katastrophe

Aus Datenschutz-rechtlichen-Gründen war die Redaktion gezwungen, das Gesicht unkenntlich zu machen.

Insekten an Bord

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Welcome back to German Business

Wer mag es schon. „Ich bin davon wach geworden, dass mir eine Ameise über das Gesicht gelaufen ist“, mein Skipper Jan und grinst. Ich grinse zurück und frage mich warum er nichts dagegen tut. Google Dich frei. Wenn einem zahlenden Gast eine Ameise nachts über das Gesicht läuft oder Kakerlaken nacht schnell weghuschen, wenn dieser Gast das Licht in seiner Kabine anmacht, dann ist das schnell gar nicht mehr lustig, sondern des Eigners! Schuld. Ob die Insekten durch des Mitseglers Fehlverhalten im Bordleben aufs Schiff gekommen sind ist das Nebensache. Dann gibt es Beschwerden. „Ich werde Dir ein schlechte Bewertung schreiben auf HandGegenKoje.de”, ist der O-ton von Mitsegler Werner Böttcher, als ihm eine Laus über die Leber gelaufen ist. Es wird scharf geschossen im Mitsegelbusiness. Wen wundert es da, wenn Markus Reckers, Eigner der SY SEACHANGE mir am Telefon sagt: „Michael. Mir reicht es mit den Mitseglern. Ich hör auf. Mir reicht es die gesamten Einnahmen
in Reparaturen zu stecken, die Skipper und Mitsegler durch unsachgemäße Behandlung meines Schiffes verursachen.“ So werden es eben immer weniger, wirklich gute Anbieter für Mitsegeln. Aber welchen Interessenten interessiert das schon. Anbieter können Kunden nicht bewerten. So etwas ist nicht vorgesehen bei HandGegenKoje und ein ehrlicher Kommentar über die Unfähigkeit mancher Mitsegler wird nicht gerne gesehen.

Nun. Ich war gespannt was diese kleine grüne Dose für 10 Euro aus dem Supermarket um die Ecke bewirkt. Nach sechs Wochen, die die Ameisen alleine auf der MARLIN waren, haben sie sich aufgelöst. Ein Kakerlaken Problem hatte die MARLIN als wir sie gekauft haben, seit dem nix mehr. Auch Bienen und Fledermäuse haben wir vergrault. Na. Geht doch. Aber irgendwas Neues zum Beschweren wird sich bestimmt finden. Im letzten Spiegel Artikel über Kreuzfahrtschiffe, unter die ich die MARLIN zwischenzeitlich, nach all unseren Erfahrungen der letzten Jahre, klassifiziere, werden die Reinigungskräfte mit 3 Euro die Stunde bezahlt. Maltaflagge und internationale Gewässer machen es möglich. Wie sonst auch kann man zwei Wochen Kreuzschifffahrt für 1500 Euro auch sonst anbieten? Im übrigen verdiene ich ich mit einem Chartertörn auch nicht mehr Stundenlohn, wenn man alle Zeit zusammenrechnet die darein fliest. Bin ich eine Reinigungskraft?

Ja. Meine Schreibweise kommt sicherlich an die von Uwe Röttgering immer näher ran. Menschen, die die Wahrheit sagen. Obwohl es, wie ich merken mußte, seine extrem ehrliche Internetseite leider nicht mehr gibt. Uwe ist verschwunden. Noch ein oben drauf? Seglerin Nicola von der CATIKIN meldet sich am 25. Juni zwecks Beratung. Es folgt eine durchaus intensive LUNATRONIC Beratung per WhatsApp die sich über Wochen hinzieht. Die CATIKIN hat viele Probleme, Nicola und Helmut haben Gutes über mein KnowHow gehört und möchten sich beraten lassen. Es folgt ein ausführliches Gespräch in unseren Räumlichkeiten. Zufriedene Kunden verlassen unser Geschäft. Zwei Stunden meiner Zeit. Tobias erstellt ein ausführliches Angebot. Zwei Stunden seiner Zeit. Dann folgt Stille. Dann bricht sich ihr Sohn den Daumen. Es folgt ein email, dass das CATIKIN Budget leider nicht ausreicht. Nico hat ordentlich Punkt für Punkt unser Angebot (Einkaufsliste) und die Komponenten gegoogelt und schl
ußendlich gemerkt, dass sie ja die einzelnen Komponenten auch günstiger einkaufen kann. Wie auch immer. Auf meine Nachfrage, was denn mit den Kosten der Beratung ist, wenn sie bei uns nichts bestellt, kommt heute folgende Antwort: „Hej Michael, Angebote werden dem potentiellen Kunden zu seiner persönlichen Entscheidung unterbreitet. Dieses kann der pot. Kunde an-/oder wie wir, nicht -nehmen. Nachvollziehbar nicht schön, aber ein normales Verbraucherrecht. Beratungsebuehr, haben wir darüber eine schriftliche Vereinbarung? Unseres Wissens nicht.“ Danke Nicola. Ich wünsche euch viel Erfolg mit eurer CATIKIN und eurer geplanten Reise um die Welt.

Nun. Es ist nicht das erste Mal das so etwas passiert. Mein guter Willen läßt mich immer wieder Kunden vertrauen, dass sie mein KnowHow wertschätzen. Meist erkenne ich die schwarzen Schafe recht schnell, spare mir die Zeit und stelle einer Beratung die Kosten voran, die ja bei einer Bestellung wieder gutgeschrieben werden. In diesem Falle habe ich es nicht gemacht und siehe da. Enttäuschung. Traurig finde ich das, wie sehr sich das alles entwickelt in den letzten Jahren. Macht immer weniger Spass nett zu sein.

Was sonst noch so in meinem Leben passiert? Ich stell mich aufs Kite Board und kann abschalten. Das Thema Höhe laufen ist durch und ich bin übe Wenden und Halsen. Ich bin am richtigen Ort. Warm, windig und schön.


Mitsegeln auf der MARLIN!

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Ein Kindermärchen für Erwachsene

Auf die Frage „Was habt Ihr denn geraucht?“ können wir nur mit den Schultern zucken. Wir wissen es nicht. Es roch ein bisschen wie katholische Kirche und angeblich, wenn man daran schleckte, schmeckte es nach ätherischen Ölen. Ich glaube ja, es war ein ganz gewöhnlicher Busch, auf den sich vielleicht einer der vielen Esel erleichtert hatte.

 

Unser kleiner Ausflug in die Sommerfrische jedenfalls war alles andere als langweilig. Zu viel von allem, als das man ernsthaft darüber berichten könnte. Und so reifte die Idee, ein Märchen daraus zu machen – ein Märchen für Erwachsene. Über das Leben und Zusammenleben an Bord. Und das Überleben in einer zunehmend chaotischen Welt da draußen. Mal schauen ob es gelingt.

 

Das Märchen handelt von Seebärchen und der kleinen Robbe Nimmersatt  (böse Zungen nennen sie auch: die Robbe Immervoll). Dazu stoßen Prinzessin Influenca, die aus Messiana stammt, einer Stadt, in der sich Klamotten, Kleider und Geschirr so hoch stapeln, dass die Menschen von ihnen im Winter Ski laufen. Als Zeichen ihrer Hochgeburt trägt sie immer ein eckiges weißes Zepter mit einem Apfel mit sich herum, über das sie mit ihrem Volk in Bildern kommuniziert. Vorausgesetzt, das magische „heiße Mal“ ist aktiviert.

 

Was Prinzessin Influenca aber nicht ahnt ist, dass das Seebärchen auf hoher See die absolute die Macht über das „heiße Mal“ erlangt hat. Und auch trotz verzweifelten Bitten und Betteln und Augenaufschlägen („Kann ich bitte mal Deinen Hotspot haben“) versucht, der Prinzessin Paroli zu bieten. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Prinzessin Influenca erkrankt plötzlich an dem sonderbaren Virus Wlanitis. 

 

Helfen kann da nur noch die Kräuterhexe, die fern der Heimat auf der Suche nach ihrem Sehnsuchtsort ist. Und jeden Tag einen neuen findet. Zusammen mit der kleinen Robbe Nimmersatt, die aus der Karibik vertrieben wurde, nachdem sie dort alle Rum-Vorräte vernichtet hatte.

 

Und so könnte das Märchen beginnen:

 

 

Die kleine Robbe Nimmersatt

und Seebärchen auf großer Fahrt

 

Ein Kindermärchen für Erwachsene

(basierend auf wahren Begebenheiten)

 

 

Und als die Sonne sich am Abend von diesem wunderschönen Tag verabschiedet, ihr rotes Köpflein immer tiefer zum Dank verneigt, um es abzukühlen in dem glitzernden Meer, da geht das Seebärchen auf den Bug seines Bootes, vorbei an dem großen bunten Gennaker, der sich im lauen warmen Wind aufplustert wie ein eitler Pfau, und genießt das Farbenspiel am Horizont. Die kleinen Wellen kräuseln sich, zaubern Karos und Rauten auf den Spiegel, so dass auf ihnen die letzten Sonnenstrahlen tanzen und funkeln. 

 

„Die schönste Zeit des Tages“, brummt das Seebärchen in seinen von Salz und Sonne ergrauten Bart. Die kleinen Wölkchen, die wie eine Herde Heidschnucken am Himmel von Westen nach Osten ziehen, leuchten wie loderndes Feuer und das Meer spielt mit allen Nuancen von Blau und Grün. Die Konturen der kargen Berge im Süden werden immer diffuser und blasser, so dass die Zikaden beginnen ihre allabendliche Sinfonie zu zirpen, untermalt von dem Plätschern der Wogen an der Bordwand. 

 

Das Seebärchen setzt sich ganz nach vorn an die Spitze seines Bootes und lässt erst seine Beine baumeln, ein rechts, ein links, und dann seine Seele. Was ein schöner Tag das doch wieder war! Der Natur so nah ist er in seinen Gedanken ganz fern, als er ein leichtes Pochen am Rumpf vernimmt, erst zaghaft, dann etwas heftiger. Zwei Delfine schwimmen ganz dicht neben Seebärchens Boot, spielen mit den Wellen, springen aus dem Wasser, wechseln rochadengleich ihre Positionen.

 

Ungläubig steht das Seebärchen auf, hält sich mit der linken Hand am Vorstag fest, mit der rechten greift er seine orangene Limonade und schaut verzückt dem Schauspiel zu. Die beiden Delfine grinsen ihn an mit ihrem verspielten Lächeln, springen immer höher, bis sie die Bugsitze erreichen und einer der beiden dem Seebärchen zuruft: „Oh, eine Fanta!“ Und der andere einsetzt: „Morgens Fanta, abends stand er.“ Dann tauchen die Delfine wieder ins glasklare Wasser und sind verschwunden. Das Seebärchen lacht und kann es kaum glauben.

 

„Fips! Asmus! Was macht ihr denn hier?“

 

Und dann kommen sie wieder aus der Tiefe des Meeres herauf geschossen, ganz dicht vorbei am Kiel, und springen zu Seebärchen auf den Bug. Sie liegen sich in den Armen, knuddeln auf dem Deck. Flosse an Tatze an Flosse. Wie lange haben sie sich nicht gesehen? Ein Jahr? Zwei Jahre?

 

Fips schaut das Seebärchen plötzlich traurig an. „Ich muss Dir was sagen, Seebärchen. Gestern ist meine Frau mit meinem besten Freund Peter durchgebrannt!“.

Asmus rümpft seine feuchte Nase: „Seit wann ist Peter denn dein bester Freund?“

„Na seit gestern!“, wiehert Fips und beide Delfine fiepen vor Lachen und schlagen mit ihren Flossen auf das Deck, so dass es sich anhört wie dumpfer Donner.

„Der Witz ist alt“, sagt das Seebärchen nur und schüttelt den Kopf, so dass sein strähniges Nackenfell hin- und herwabert wie die Mähne eines Löwen in der Savanne.

„Na, gut“, sagt Asmus leicht eingeschnappt. „Aber der ist neu: ‚Was ist der wärmste Körperteil vom Hai? Na, weißt Du’s?“

Das Seebärchen rollt mit den Augen und zuckt die Schultern.

„Die Haizung!“, sagt Fips und prustet Wasser aus dem Blasloch, das ein bisschen riecht wie eine Kneipe am Morgen.