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We are alive

{Time:23:00:00}
{Date:20190904}
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{Title:We are alive}

Nachricht aus dem Paradies

Wir sind schon seit Dienstag auf den Roques angekommen. Mein MacBook verweigert seine Mitarbeit, zeigt einen Apfel und danach einen schwarzen Bildschirm. Ich habe somit noch nicht einmal eine Ahnung was ich zuletzt gepostet habe. Muss wohl der 30.8. gewesen sein. Wir haben kein Internet und die Tasks überschlagen sich. Nach der wunderbaren Zeit auf den Las Aves auf unserer eigenen Insel war der Schlag zu den Roques doch recht anstrengend schräg. Die Luke über der Eigner Kabine war nicht richtig geschlossen und dementsprechend war Salzwasser eingedrungen. Lässt sich ja nun nicht mehr ändern. Wir nutzen einen Zwischenstopp auf Cayo de Aqua für Reparaturen. Mit Manuela hab ich ja schon den gebrochenen Abgasschlauch des Generators repariert. Nun gehe ich mit Nike in den heißen Motorraum, nachdem ich festgestellt habe, dass die Membranen des Wassermachers lecken. Kein Wunder, dass wir Salzwasser in der Bilge haben. Drei Fittings haben Elektrolyse. Genau die entsprechende
Menge an Ersatzteilen ist an Bord. Während die Skipper im Motorraum schwitzend und fluchend kleine Wunder vollbringen um die Süßwasserversorgung wiederherzustellen, vertreten sich die Mitsegler an Land die Beine. Es ist schon nachmittags als wir endlich weiterkönnen. Wir wollen ankommen und reiten die restlichen 16 Meilen gegen an unter Motor. Eine weitere Nacht unter Segeln aufkreuzen will keiner. Mit eine Track können wir blind und ohne Karten die trickige Einfahrt ins Paradies meistern. Ankerfall im Paradies. Juan und Marie Alexandra von der venezolanischen THALASSA kommen uns besuchen. Ein Teil des auf der Überfahrt gefangene Yellow Fin Thuna wird von Nike in eine Sashimi-Variation verwandelt und der andere Teil wandert in den großen Topf mit einem Rest Gemüse und Einerlei aus Skippers Gewürz Schatzkiste. Es wird spät bis die Lichter auf der MARLIN ausgehen und das Spanisch, Englisch und Deutsch Stimmengewirr verstummt.

Am nächsten Morgen geht es kurz nach Sonnenaufgang nach Saki Saki, dem versprochenen Traumankerplatz. Für heute ist 20 Knoten Wind angesagt und der Tag steht ganz unter dem Motto Kiten. Das flache Anfängerrevier füllt sich mit 20 Venezolanern, die ihre Sonnenschirme am Strand aufstellen, dazu eine Handvoll Kitelehrer der Kiteschule Play. Roberto und Frederike, Freunde von mir kümmern sich um Nike und Manuela. Andre hat wieder Probleme mit seinem Kite, der die Luft nicht hält. So ist das nun mal. Wir ziehen einen Ersatzschlauch in die Fronttube. Am Strand jedoch ist auch dieser undicht. Andre hat schlechte Laune. Der versprochene Wind setzt erst nach Mittag ein, dann aber konstant und ohne Böen. Wir kommen alle auf unsere Kosten, wie man so schön sagt. Richtig auf unsere Kosten, vor allen Dingen Nike steht auf dem Kiteboard und zieht Bahnen, dass ich richtig stolz bin. Roberto hat ihr die passenden Tips gegeben. Juan ist auch da und als ich mich im tiefen Wasser abs
eits der Insel in den Wellen tummel, das kleine Island umrunde, ruft er mir zu: „Miguel. Vamos a pasear.“ Es geht über das offene Meer Richtung Franziski. Juan zeigt mir ein paar schöne Spots, aber ich merke wie meine Energie schwindet. Ich bin schon fünf Stunden auf dem Wasser. Das Kiten in der Welle außerhalb des Lee Schutzes der Saki Saki Insel tut seinen Rest und ich folge meinem Gefühl, kite die eine Meile zurück nach Saki Saki. Dort neigt sich die Sonne dem Horizont zu. An Land brechen die Kiter die Zelte ab. Nur ein weiterer Kite Lehrer ich und Nike sind noch auf dem Wasser. Da passiert es. Nike stürzt und steht nicht mehr alleine auf. Alle eilen ihr zu Hilfe und der große Andre nimmt Nike und trägt sie zum Beiboot. Sie hat sich den Fuß verrenkt. Große Diskussion. Nike schaut schmerzverzerrt.

Der Vorfall trübt den Tag. Manuela ist Physiotherapeutin und mit Nathalie über das Satellitentelefon schließen wir ein Fraktur aus. Eine Röntgenaufnahme wäre natürlich besser. Juan lacht nur als ich ihn frage, ob die lokale Krankenstation ein entsprechendes Gerät hat. Mittel aus unserer gut sortierten Bordapotheke lindern Nikes Schmerzen. Sie trägt es mit Fassung, ärgert sich aber grün und blau über ihren eigenen Sturz. Das war es mit Kiten. Den Rest der Reise wird Nike liegend mitsegeln, ich bin als Skipper wieder alleine für den Törn verantwortlich. Bis Nike wieder voll einsatzfähig ist, wird wohl ein paar Wochen dauern.

Soweit die Zusammenfassung der letzten Tage, die deutlich machen, dass trotz vieler Vorsicht und Erfahrung, Unerwartetes eben doch immer passiert. Ich mache mir Vorwürfe, auch wenn ich keinen direkten Fehler gemacht habe.


Mitsegeln auf der MARLIN!

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4 days, 3 boats, 1 massacre (Video)

Sailing to the nearby islands of Kekova is always fun. With three boats we anchored in a lovely bay. Mark on Zinga, Liz and Paul on Caulthead and me on Dilly-Dally. But then I was running out of cigarettes and we had to go the next village – and ended up at a barber shop which turned out to be a massive waxing massacre. On the next day I recovered by scrubbing the hull of Dilly-Dally. Actually quiet exhausting, especially when you are a bad diver.

Hafen, der – Substantiv, maskulin

Mi., 28.Aug.19, Franz.Polyn./Insel Makatea/Westseite, Tag 1914, 18.515 sm von HH

Der ‚Duden‘ meint zu Hafen, dass „dies ein Liegeplatz für Schiffe sei, mit der Einrichtung zum Abfertigen von Passagieren und Fracht“. Wenn das so ist, dann verdient der Hafen von Makatea die Bezeichnung ‚Hafen‘ nicht.
Durch die Wellen vor der Einfahrt mit unseren Kajaks zu paddeln, stellt sich im Nachgang als großer Spaß heraus. Obwohl es aufregend ausschaut, wenn man vor sich die brechenden Wellen sieht und auf den richtigen Moment lauert zur Ein- oder Ausfahrt. Unsere Plastikwannen lassen sich erstaunlich trocken durch die Brecher lenken. Aber in dem ‚Hafen‘-Becken brodelt es. Aussteigen schwierig. Die anrollenden Wellen reflektieren an den Betonwänden. Nachfolgendes Wasser weiß nicht, wo es hin soll. Das Hafenbecken läuft voll – der Wasserstand zeigt. Es kabbelt. Es wackelt. Ein Steg existiert nicht. Aus dem Dinghy und Kajak kann man nur an einer rauen Betonwand aussteigen an der zwei überdimensionale Poller befestigt sind. Der Wasserstand steigt, das Kajak gerät unter den Poller, schaukelt hin und her: eine beinbrecherische Aufgabe.

Die ersten zwei Tage war das noch einigermaßen harmlos, aber am dritten Morgen ist alles anders. Der Lärm im Cockpit hat zugenommen. Brausend rollen die Wellen heran, brechen sich am Riff. Das schäumende türkise Wasser erreicht jetzt schon fast Atanga. Mit Sicherheit ist dies der abgefahrendste Ankerplatz, den wir je hatten. Etwas mulmig beobachten wir das Getöse.

So harmlos sah es bei unserer Ankunft aus und das war schon schlimm

Atanga an der Mooring

Atanga an der Mooring

was muten wir unserem Schiff und unseren Nerven zu

Aber wir wollen noch einmal an Land. Geduldig lauern wir vor der Einfahrt auf den richtigen Moment und kommen unbeschadet in den Hafen. Hinter der Ecke dann die Überraschung: die Einheimischen haben die Poller hochgezogen. Das ist ein schlechtes Zeichen, das machen die ja nicht aus Spaß. Ich riskiere den Ausstieg an einem Einschnitt in der Betonwand. „Ich kann’s nicht mit ansehen, ich kann’s nicht mit ansehen“, höre ich aus Achims Kajak. Geschafft! Den rostigen Haken, der zehn Zentimeter hervor steht, sehe ich zum Glück erst später. Ich lasse für Achim den schweren Poller ins Wasser.
Nanu? Die Fischer haben ja ihr Boot aus dem Hafen genommen. Hundert Meter oberhalb des Hafenbeckens haben sie es in Sicherheit gebracht. Na, wenn das kein weiteres Zeichen ist, dass höhere Wellen erwartet werden.

Makatea wird umrundet von einer Korallenplatte

Wir stromern am Ufer entlang. Strand gibt es auf Makatea nur wenig. Was von weitem hell leuchtet, ist eine flache glattgeriebene Korallenplatte. Den Hafen von Makatea hat man damals aus dieser Platte herausgesprengt. „Mir kommt es vor, als würden die Wellen minütlich höher werden“, findet Achim. Ich nicke. „Komm, lass uns verschwinden, bevor wir hier nicht wieder weg kommen.“

Die Einfahrt wird immer wilder

Brechende Wellen im Hafenbecken

Wir kommen trocken und ohne Blessuren aus dem Hafen zu Atanga zurück. Aber uns ist das Ganze unheimlich. Hier wollen wir nicht bleiben, die Zeichen sollten wir nicht übersehen. In zwei Tagen ist westlicher Wind vorhergesagt, dann müssen wir sowieso hier weg. Wir machen das Schiff segelfertig und hauen mittags ab. Abends beim Wetterbericht lesen wir dann von der ‚Schwell-Warnung‘ für die Tuamotu.

Atanga vor dem Riff

Luftaufnahme Makatea Hafen (Photo im Rathaus)

Klein Curacao Life

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{Title:Klein Curacao Life}

Nike hängt am Kite

Einen Tag geben wir uns auf Klein Curacao, bevor es weiter gehen soll. Nike kommt heute mit zum Kiten. „Irgendwas muss ja dran sein, dass ihr immer mit leuchtenden Augen und superfettem Grinsen aus dem Wasser kommt.“ Ich gebe Nike den kleinen 2qm Trainingskite. Ein Softkissen zum Üben. Den hatte ich letztes Mal Thomas geliehen. Das sollte man eben nicht machen. Die Leinen sind total verheddert. Danke Thomas. Also muss Nike erst einmal geduldig die Leinen auseinandertüddeln. Na. Fängt ja gut an, sagt mir ihr Blick. „Ich geh solange mal kiten.“ „Hmm! Toll!“ Eine Stunde später spielt Nike mit dem kleinen Kite am Beach, ich schaue ihr vom Wasser aus zu. Macht sie gut. Manuela ist währenddessen schon weit draussen, zu weit. Andre fährt mit dem Dinghy raus um Manuels Retter zu sein. Sein eigener Kite ist undicht und somit kann er heute nur in der zweiten Reihe mitspielen. Nike macht ihr Ding so gut mit dem Übungskite, dass ich sie frage, ob sie Manuelas Kite p
robieren will. Ungläubig schaut sie mich an. „Ja!“, antwortet sie etwas unsicher. Ich erkläre ihr komprimiert die Sicherheitseinrichtungen des Kites, um sich vom Schirm zu trennen und starte den 9er für Nike. Dann übergebe ich ihr den Chicken und Nike hängt am Kite, die Hände an der Bar, ich hinter ihr, halte sie fest und bin mit meiner Saefty Leach mit ihr verbunden. „Kann nix passieren, ich sicher Dich.“ Wir gehen ins hüfttiefe Wasser. Nike fliegt die verschiedenen Positionen mit dem Kite ab, hat irre schnell Kontrolle und kapiert schnell worum es geht. Wir üben Kitekontrolle. „Na gut“, es klappt alles so super, dass ich einfach weiter mache. Fünf Minuten später macht Nike ihren ersten Bodydrag. „Könnte ich nicht besser machen“, muss ich sie loben. Ich winke Manuela zu. „Gib mir mal das rote Board.“ Manuela schaut mich ungläubig an. „Was? Jetzt schon?“ Ich nicke. Kurze Zeit später macht Nike ihren ersten Boarddrag nach rechts und wei
ter nach links. Immer mit mir mit der Saefty Leach verbunden. „Na dann. Sach ma? Nike. Ist Dir kalt? Du zitterst ja am ganzen Leib.“ „ICH BIN SO AUFGEREGT!“ „Du willst also auf’s Board?“ „JA!“, kommt gepresst aus ihrem Mund. Bisschen schnell denke ich mir. „Du wirst ein paar Meter fahren und dann im tiefen Wasser fallen. Ich muss Dich von meiner Leine lösen. Du wirst im tiefen Wasser schwimmen und Andre wird Dich retten müssen. Willst Du das wirklich?“ Wenn jemand ehrgeizig ist, ist es Nike. „Ja. Ich will das!“ „OK.“ Ich winke Andre zu und gebe ihm das Zeichen rauszufahren mit dem Beiboot. Ich stelle mich hinter Nike, halte sie fest. Das Bord an den Füßen. „Powerstroke und los!“ Ich halte sie kurz fest und schon schnellt sie hoch und auf’s Bord, fährt ihre ersten fünf Meter und fällt vorneüber ins Wasser. Nix passiert – Ausser… Mit strahlenden Augen und dem typischen superbreiten Grinsen im Gesicht kommt Nike an den Strand. Eine M
ixture aus Endorphinen und Adrenalin im Körper schreit nach „Mehr, Mehr, Mehr…“ Ich schnappe mir mein Board. Die Sonne steht am Horizont und will diesen Tag beenden. Zeit um noch ein paar Bahnen zu ziehen. Wieder am Ufer landet Manuela meinen Schirm. Kurze Umarmung. „Das hast Du extra gemacht! Jetzt hast Du Deine Kite Truppe zusammen!“ Ich grinse Manuela an. „So What?“ Schaun wir mal. „Nike steht in ein paar Stunden sicher auf dem Board und wird ihre Bahnen ziehen. Infiziert. Mia Culpa. So what.“ Klar hab ich das extra gemacht.


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Klein Curacao Life

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{Date:20190827}
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{Title:Klein Curacao Life}

Nike hängt am Kite

Einen Tag geben wir uns auf Klein Curacao, bevor es weiter gehen soll. Nike kommt heute mit zum Kiten. „Irgendwas muss ja dran sein, dass ihr immer mit leuchtenden Augen und superfettem Grinsen aus dem Wasser kommt.“ Ich gebe Nike den kleinen 2qm Trainingskite. Ein Softkissen zum Üben. Den hatte ich letztes Mal Thomas geliehen. Das sollte man eben nicht machen. Die Leinen sind total verheddert. Danke Thomas. Also muss Nike erst einmal geduldig die Leinen auseinandertüddeln. Na. Fängt ja gut an, sagt mir ihr Blick. „Ich geh solange mal kiten.“ „Hmm! Toll!“ Eine Stunde später spielt Nike mit dem kleinen Kite am Beach, ich schaue ihr vom Wasser aus zu. Macht sie gut. Manuela ist währenddessen schon weit draussen, zu weit. Andre fährt mit dem Dinghy raus um Manuels Retter zu sein. Sein eigener Kite ist undicht und somit kann er heute nur in der zweiten Reihe mitspielen. Nike macht ihr Ding so gut mit dem Übungskite, dass ich sie frage, ob sie Manuelas Kite p
robieren will. Ungläubig schaut sie mich an. „Ja!“, antwortet sie etwas unsicher. Ich erkläre ihr komprimiert die Sicherheitseinrichtungen des Kites, um sich vom Schirm zu trennen und starte den 9er für Nike. Dann übergebe ich ihr den Chicken und Nike hängt am Kite, die Hände an der Bar, ich hinter ihr, halte sie fest und bin mit meiner Saefty Leach mit ihr verbunden. „Kann nix passieren, ich sicher Dich.“ Wir gehen ins hüfttiefe Wasser. Nike fliegt die verschiedenen Positionen mit dem Kite ab, hat irre schnell Kontrolle und kapiert schnell worum es geht. Wir üben Kitekontrolle. „Na gut“, es klappt alles so super, dass ich einfach weiter mache. Fünf Minuten später macht Nike ihren ersten Bodydrag. „Könnte ich nicht besser machen“, muss ich sie loben. Ich winke Manuela zu. „Gib mir mal das rote Board.“ Manuela schaut mich ungläubig an. „Was? Jetzt schon?“ Ich nicke. Kurze Zeit später macht Nike ihren ersten Boarddrag nach rechts und wei
ter nach links. Immer mit mir mit der Saefty Leach verbunden. „Na dann. Sach ma? Nike. Ist Dir kalt? Du zitterst ja am ganzen Leib.“ „ICH BIN SO AUFGEREGT!“ „Du willst also auf’s Board?“ „JA!“, kommt gepresst aus ihrem Mund. Bisschen schnell denke ich mir. „Du wirst ein paar Meter fahren und dann im tiefen Wasser fallen. Ich muss Dich von meiner Leine lösen. Du wirst im tiefen Wasser schwimmen und Andre wird Dich retten müssen. Willst Du das wirklich?“ Wenn jemand ehrgeizig ist, ist es Nike. „Ja. Ich will das!“ „OK.“ Ich winke Andre zu und gebe ihm das Zeichen rauszufahren mit dem Beiboot. Ich stelle mich hinter Nike, halte sie fest. Das Bord an den Füßen. „Powerstroke und los!“ Ich halte sie kurz fest und schon schnellt sie hoch und auf’s Bord, fährt ihre ersten fünf Meter und fällt vorneüber ins Wasser. Nix passiert – Ausser… Mit strahlenden Augen und dem typischen superbreiten Grinsen im Gesicht kommt Nike an den Strand. Eine M
ixture aus Endorphinen und Adrenalin im Körper schreit nach „Mehr, Mehr, Mehr…“ Ich schnappe mir mein Board. Die Sonne steht am Horizont und will diesen Tag beenden. Zeit um noch ein paar Bahnen zu ziehen. Wieder am Ufer landet Manuela meinen Schirm. Kurze Umarmung. „Das hast Du extra gemacht! Jetzt hast Du Deine Kite Truppe zusammen!“ Ich grinse Manuela an. „So What?“ Schaun wir mal. „Nike steht in ein paar Stunden sicher auf dem Board und wird ihre Bahnen ziehen. Infiziert. Mia Culpa. So what.“ Klar hab ich das extra gemacht.


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Von England nach Irland und Schottland (28): Durch die Strudel von Corryvreckan.






Die Landschaft ist, als hätte Gott hier einen seiner zahllosen Versuche gemacht, seinem Traum der großen Leere Gestalt zu geben. Kein Baum. Kein Haus. Selbst das Nichts ist abwesend. Nur massige Tundra-überzogene Felsen im großen Grau, in dem ein durchziehender Frachter wie eine flüchtige, zart anrührende Begegnung wirkt, bevor er den Blick freigibt auf die Meerenge von Corryvreckan.

Corryvreckan. Wir sind von den Hebriden süostwärts zu den schottischen Lowlands unterwegs, nach Glasgow, der Stadt am River Clyde. Mit dem Stechzirkel in gerader Linie gemessen, sind das nicht mehr als 110 Seemeilen. Doch die schottischen Berge recken sich von Norden mit drei langen Landfingern nach Südwesten. Drei große Barrieren, um die es nur ein 200 Seemeilen langes Drumherum gibt. Oder ein 110 Seemeilen langes Mittendurch – durch enge Inseldurchfahrten, durch künstliche Kanäle – und durch die Meerenge von Corryvreckan.

Das Meer hat es an dieser Stelle zu einiger Berühmtheit gebracht. Die Strudel der Corryvreckan-Straße gehören „weltweit nach den Strudelgebieten Moskentraumen und Saltstraumen zwischen den norwegischen Lofoten sowie dem Old Sow in Kanada zu den stärksten Strudeln“, schreibt Wikipedia. Und dass die Strudel laute Geräusche verursachen, „die kilometerweit gut hörbar sind“. Corryvreckan – der „Kessel des gefleckten Meeres“. Schöner als auf Gälisch kann man keine Landschaft beschreiben.

Einfach ansteuern und durch fahren? Keine gute Idee. Schon an einem harmlosen, windstillen Tag kann der Strom in der ein Kilometer breiten Enge mit acht Knoten setzen. Wie hoch müsste ich Levjes 50PS starken Motor drehen, um gegen diese Strömung anzukommen? Nein. Segeln heißt, die Kräfte der Natur auf jede trickreiche Art zu nutzen. Wie man zum Anlegen den Wind nutzt, um den Bug schneller an die Pier zu treiben als die Maschine es könnte. Oder zum Still-im-Starkwind-Liegen das Beidrehen, bei dem das eigene Kielwasser jedes Mal wieder die hohen Wellen bricht. Und zum Durchfahren einer Meerenge den Strom, um schneller durchzukommen.

Von der Insel Iona kommend, haben wir uns für die Durchfahrt den ruhigsten Moment ausgesucht. Eine Stunde vor Niedrigwasser stehen wir fünf Seemeilen entfernt, um genau im ruhigen Moment in der Meerenge zu sein, wenn die Strömung dreht.

Über Iona war am frühen Nachmittag der Himmel noch strahlend blau gewesen. Nur im Osten über Corryvreckan, da wo wir hinwollten, stand ein langes Wolkenband. Jetzt ist vom Blau nichts  geblieben bis auf ein Stück oranges Schimmerns. Und vom glatten Meer auch nichts. Levje geigt und giert in der Welle herum. Es ist windstill, doch die See ist merkwürdig. Mal glatt. Mal aufgewühlt, mit sich drehenden weißen Punkten. Als ich näher hinsehe, sind es Schaumkronen, die sich in einem Wirbel drehen wie Pusteblumen. Wie lang, wie schnell muss Meerwasser kreiseln und drehen, damit handhohe Schaumhügel entstehen?


Um 18.20 Uhr sollte fast schon Stillwasser sein, wir gleiten unter Motor auf die Meerenge zu. Tatsächlich setzt der Strom immer noch mit 2,5 Knoten gegen uns. Aber das ist wohl nichts gegen das, was hier vor einer Stunde los war. Levje torkelt und yachtert immer noch wie betrunken durch die Strudel.

In einer Viertelstunde soll der Strom in der Meerenge zur Ruhe kommen. 15 Minuten soll er verharren, sagt der REEDS NAUTICAL ALMANACH, und dann wird er uns mit großer Kraft durch die Meerenge ziehen.


Eine halbe Stunde später. Der Gegenstrom beträgt immer noch 2 bis drei 3 Knoten. Die Logge zeigt 5-6 Knoten Speed an, wir sind laut GPS kaum mit der Hälfte unterwegs. Auf unserem Track auf unserem IPad sehe ich, wie die kreiselnden Strudel Levje bis zu 60 Grad aus dem Kurs versetzen. Peile ich über den Burgkorb nach vorne, treiben wir geradewegs auf die Felswand voraus zu. Aber die Kurslinie auf dem Ipad sagt, dass wir die Meerenge genau in der Mitte passieren werden. Abdrift nennt man das. Ich starre abwechselnd aufs Ipad, dann wieder auf die Felswand.

Warum kommt der Strom hier nicht zur Ruhe? Irgendwo hier unter uns ragt inmitten der 200 Meter tiefen Meerenge ein Felsmassiv bis auf 30 Meter unter dem Meeresspiegel empor. Der Unterwasserberg sorgt dafür, dass das aus der Badewanne des Jura Sounds strömende Wasser an dieser Stelle so verwirbelt wird. Nur die Trottellummen, die aussehen wie putzige schwarze Entchen und immer als Pärchen auftreten, scheinen sich in der Strömung wohlzufühlen. Sind es wirklich Paare? Oder ein Elterntier mit einem halb so großen Jungvogel, die mit hektischen Bewegungen von Levje wegpaddeln? Sie nehmen die wilden Bewegungen des Meeresals gäbe es sie nicht.


Scarba, der Berg im Norden, den wir passieren, ist eine Insel. Kurz zeigt sie ihre nassen Hänge, ihre tiefgrünen Runzeln, ihre vor Nässe speckig glänzenden Felsen, ihre graue Pelzmütze oben auf dem Gipfel,  aus der wenige Augenblicke später zarter Niesel fällt. Eben noch wünschte ich, ich könnte wieder einmal die Runen und Riefen verstehen, in denen die Erdgeschichte geschrieben steht. Doch dann ist der Berg, der eben noch leuchtete, nur noch ein grauer Schatten, im Grau sind nur noch Levjes Konturen an Deck scharf und lesbare Zeichen.


19.15. Wir sind mittendrin. Einen Augenblick ist der Strom wie abgestellt. Logge und GPS-Anzeige stimmen ausnahmsweise überein. Nur wenn ich das Teleobjektiv der Kamera ganz ausfahre und die


1.000 Meter lange Strecke vor mir verdichte, zeigt sich das Muster der sich drehenden Wirbel auf dem Wasser. Keine zwanzig Minuten währt der „slack“, das Niedrigwasser, dann zieht der Strom uns auch schon wieder mit einem Knoten aus der Meerenge heraus. Fünf Minuten später zeigt die Logge gemütliche 5 Knoten Fahrt, während das GPS 7,5 Knoten über Grund anzeigt.


Zwei Stunden später, vor der Einfahrt in den Kanal von Crinan. Ein feiner Wolkenschleier spannt sich in 50 Meter Höhe über dem Meer. Mit einem Mal ist es, als würde das Wolkenband die Welt trennen. Als gäbe es ein Oben und ein Unten in der Welt, bevor der Regen einsetzt und wir den Anker fallen lassen und uns schnell ins Innere Levjes verkriechen, um die nassen Sachen abstreifen. Ein Unten, in dem die Yachten vor Crinan vor der Einfahrt in den gleichnamigen Kanal warten. Ein Oben, in dem Gott ein weiteres Mal träumt: Seinen Traum von der großen Leere. 





Inseltour auf Makatea

Mo., 26.Aug.19, Franz.Polyn./Insel Makatea/Westseite, Tag 1912, 18.515 sm von HH

Makatea ist in den Tuamotu als einzige Insel ein ‚gehobenes‘ Atoll. Die ursprüngliche Lagune wird hierbei durch das Aufleben vulkanischer oder tektonischer Aktivität über den Meeresspiegel angehoben. Im Fall von Makatea auf 60 bis 100 Meter. Nach der Hebung des Atolls ist die ehemalige Lagune trocken gefallen und Pflanzen haben sich angesiedelt.
Wie viele gehobene Atolle weist auch Makatea ein hohes Phosphat-Aufkommen auf.
Dieses Phosphat wurde von 1906 bis 1966 auf der Insel abgebaut. Zurück geblieben sind ein alter Hafen, tausende von Löchern und eine Menge Altmetall im Dschungel.

Die Steilküste von Makatea lag mal auf dem Meeresgrund

Tapu holt uns um 9:00 Uhr zur Besichtigung seiner Insel ab. Bereits seit Großvater lebte auf Makatea und war im Phosphat-Geschäft beteiligt. Heute wohnen noch 60 Menschen auf der Insel. Mit von der Partie sind Kim und David, das amerikanische Pärchen, was gestern das Rennen auf die letzte Mooring gewonnen hat. Die beiden entpuppen sich allerdings von Angesicht als ausgesprochen nett. ;-)

Eine Verladebrücken, die damals über den Hafen als beeindruckende Konstruktion errichtet war, hat man aus Sicherheitsgründen in die Luft gesprengt. Heute stehen nur noch die Stützpfeiler der Brücke auf der Riffkante. Das Eisen der Brücke rostet am Meeresgrund. Im Hafen liegen noch verstreut Deichseln, alte Loren und dutzende Eisenräder herum. Makatea ist die einzige Insel in Polynesien, die Schienen hat. Die Lokomotive, die Generatoren, Werkzeuge, die überdimensionalen Bohrer und Drehbänke wurden erst kürzlich von Tapu und seinen Kumpels vom Dschungel freigelegt.

Dampflok im Dschungel von Makatea

Hafen von Makatea – Verladestation für Phosphat

Dutzende Loren-Räder

 

Der Generator damals

Im Rathaus von Makatea gibt es eine kleine Ausstellung mit alten Fotos aus der Zeit der Phosphat-Gewinnung. Tapu ist gerade dabei noch weitere Fotos aufzutreiben. Überhaupt ist der junge Mann sehr umtriebig. Er möchte mehr Besucher auf die Insel holen. Als passionierter Kletterer macht er Werbung für Free-Climbing-Touren an den Klippen.

Die Buddelei nach dem Phosphat hat die Inseloberfläche komplett verändert. Loch an Loch an Loch. Soweit das Auge reicht, sieht Makatea wie ein Schweizer Käse aus. Mit der Schaufel haben Arbeiter aus China, Japan, Frankreich und Polynesien das weiche Phosphat aus dem harten Gestein gebuddelt. Zwischen drei und sechszehn Meter tief sind die Löcher. Auf wackeligen Brettern, die man über die Löcher legte, wurde mit Schubkarren das Phosphat zu Sammelstellen gekarrt. Eine unvorstellbare Knüppelarbeit. Bis zu zweitausend Menschen haben an der Umgestaltung der Insel mitgearbeitet.

Die Oberfläche von Makatea


Arbeiter buddeln abertausende Löcher in die Insel

Es gibt eine australische Firma, die die Phosphat-Gewinnung wieder aufleben lassen will. Weltweit gehen die Vorräte von Phosphat, was nicht mit Schwermetallen verunreinigt ist, dem Ende entgegen. Im Augenblick scheitern diese Pläne an einer Idee, wie man die Insel für schweres Gerät befahrbar machen könnte. Zur Zeit existiert nur eine Auto-Piste, für die man mühsam die Löcher mit Sand und Korallenschütt befüllte. Für Landwirtschaft ist die Insel ebenfalls ungeeignet, trotz guter Wüchsigkeit der Pflanzen. „Phosphor haben wir ja genug“, witzelt Tapu, „hier wächst alles. Aber es existieren keine Pläne und noch weniger Geld, um die Insel zu planieren.“

Kite Buddies

{Time:22:00:00}
{Date:20190830}
{Position:12°03.5348’N, 067°41.2724’W}
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{Target:Los Roques}
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{Title:Kite Buddies}

Vorbereitung auf die Roques

Unsere Vorräte schrumpfen schnell. Vor allen Dingen Gemüse. Alles was man in Curacao kaufen kann ist gekühlt und hält sich nicht länger als eine Woche. Das ist so ziemlich meine einzige Sorge, die ich im Moment habe. Verhungern werden wir zwar nicht, aber in der zweiten Woche des Törns wird das Essen einfacher werden.

In Navionics heißt die Insel in deren Lee Seite wir vor Anker liegen einfach Lighthouse Island. Die Venezolaner haben sicherlich einen eigenen spanischen Namen für das Island, aber es niemand da, den wir fragen könnten. Wir sind alleine mit tausenden von Seeschwalben, die mit lautem Gezeter am Abend nach Hause kommen und ansonsten den ganzen Tag auf See und Futtersuche sind. Mit meinen Mitseglern und mir hat sich eine äußerst bemerkenswerte Truppe gebildet. Ich habe selten soviel Harmonie unter allen gespürt. Ich kann nicht sagen woran das liegt. Es passt einfach. Unsere Zeit vergeht so dermassen harmonisch, dass es schon erschreckend ist. Jeder einzelne hat seinen Aufgabenpart und macht diesen einfach perfekt. Keiner ist launisch. Wir sind vier komplett unterschiedliche Menschen, die sich vorher nicht kannten, tolerieren uns gegenseitig. Vielleicht weil wir wissen, dass es nur für zwei Wochen ist? Oder weil wir alle vier nichts anderes im Kopf haben als zu Kiten? W
enn das so sein sollte, kann ich nur hoffen, dass der Wind uns treu ist für den Rest des Törns.

Am Strand machen wir unser Kite Camp auf. Ganz schön viel Gerödel. Ich kümmere mich heute besonders um Andre, während Manuela sich um Nike kümmert. Nike ist nicht mehr zu helfen. Hört sich böse an, ist aber ganz und gar nicht so gemeint. Nike hat alles verstanden. Sie geht auf’s Wasser und fährt ohne Probleme heute ihre ersten 20 Meter. Was soll ich da noch helfen. Nike ist im Status: Üben, üben, üben… Irgendwann wird es Click machen und die Koordination zwischen Brett, Kite und Zurücklehnen funktioniert. War bei mir auch so nach 15 Stunden. Bei Manuela hat es nach acht Stunden geklappt. Andre hat seine beiden Kites kaputt repariert. Nicht grade so, dass ich ihm gerne meinen Kite leihe. „Ich weiß, dass Du mir einen neuen kaufst, wenn Du den kaputt machst… Also benimm Dich und knall ihn nicht auf’s Wasser.“ Mit dem Door Board und meinem 12er Kite fährt auch Andre heute ordentlich Strecke, steht definitiv mehr auf dem Kite Board, als das er im Wasse
r kämpft. Mit seinen 100kg ist das auch eine challenge. Weiß ich von mir selbst. Mein Ziel ist es die drei so weit zu bekommen, dass sie mit mir und Lieselotte in den Roques eine Down Wind Kite Safari kiten können. Das ist ein zwei Stunden Kite Törn an der Riffkante entlang und der ultimative Kite Kick. Mit dem Fischerboot geht es an die Südwestspitze der Roques und von da bis zum Ankerplatz der MARLIN zurück nach SakiSaki. Elf Meilen die sie niemals wieder in ihrem Leben vergessen werden. Im Moment sind wir noch weit davon entfernt, aber ich bin guter Dinge.

Mein eigener Kite Status ist auch nicht schlecht. Der Strand im Lee der Lighthouse Insel ist mit Saki Saki auf den Roques der beste Kite Spot den ich bisher kennengelernt habe. Knapp unter Land, hüfttiefes, kristallklares Wasser und 20 Knoten Wind, die komischerweise fast ohne Böen mit 20 Knoten über die Insel kommen. 100% ablandiger Wind. Nur machbar mit unserem Beiboot als Sicherheit. Es ist auch ständig im Einsatz. Ich kann inzwischen so genial Höhe laufen, dass mich das nicht mehr tangiert. Ich konzentriere mich auf Wende, Switch und Springen. Ja. Ich habe das totale Kite-Grinsen im Gesicht. Heute bin ich vier mal auf dem Wasser. Vier Sessions. Es wird einfach nicht langweilig.

“Wollt ihr Steak?“ „JAAAAAA!“ Ich bin körperlich am Ende nach dem ganzen kite work out von heute. Aber die Steakes bekomme ich noch hin. Das Fleisch ist wirklich so lecker, dass sich keiner beschwert, obwohl alle vier Portionen rare sind statt medium. „Warum bratest Du sie überhaupt?“, grinst Andre, der immer einen Spruch auf den Lippen hat. „Die Pfanne ist noch heiß. Ich kann sie nachgaren.“ Keiner will es. Ich falle in die Koje. Ich hab gekocht, muss nicht spülen. Kann ich auch nicht mehr.

Morgen segeln wir auf die Roques. Yeah!


Mitsegeln auf der MARLIN!

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Die Moorings von Makatea

So., 25.Aug.19, Franz.Polyn./Insel Makatea/Westseite, Tag 1911, 18.699 sm von HH
Die Mooring, die wir erwischen, ist nichts fuer schwache Nerven. Keine siebzig Meter vom Riff entfernt. Der Meeresgrund steigt von dreitausend Meter auf null auf einer Laenge von nur hundert Metern an. Am Bug haben wir fuenfzehn Meter unter Atanga, am Heck sechzig Meter. Die Duenung bricht sich donnernd am Riff. Ein leiser Ankerplatz ist das nicht. Im Cockpit muessen wir tatsaechlich die Stimmen erheben. Wenn die Welle sich nach dem Brechen zurueck zieht, das Riff freilegt und bevor eine neuer Brecher sich formiert, bildet sich eine Kante, ja, ein Schlund, ein Vorhof zur Hoelle. „Wo wir haengen, kann sich das Wasser nicht brechen … wo wir haengen, kann sich das Wasser nicht brechen … zu tief … wo wir haengen …“ Wir versuchen uns mit Kuechen-Meeres-Physik den Platz schoen zu reden. :mrgreen: Mit schaurigem Grausen beobachten wir das Schauspiel der brechenden Wellen. Dass vor uns am Riff einige Betonpfeiler stehen (ein Relikt aus vergangenen Zeiten als hier ein Verladeplatz fuer abgebautes Phosphat existierte) und an denen die Gischt zehn Meter hoch spritz, macht den Anblick nicht besser. Aber wir bleiben. Die Mooring ist in einem guten Zustand, der Wind ablandig. Fuer kein Geld der Welt wuerden wir hier bei auflandigem Wind bleiben. Das Heck von Atanga laege direkt ueber dem Schlund. Das waere dann doch zu viel. Waehrend wir noch so ueberlegen, was alles an der Mooring passieren kann, kommt ein junger Mann auf einem SUP-Bord auf uns. Frueher wuerde man mit dem Kanu begruesst, wir haben halt moderne Zeiten. Tapu begruesst uns strahlend: „Die Moorings sind sicher, keine Sorge, nur bei Westwind, huijuijui, dann muesst ihr hier weg. In den Hafen zu kommen, funktioniert wohl mit dem Dinghy, aber man kann es nicht gut fest binden. Zuviel Schwell. Deswegen nehmen wir unser Fischerboot jeden Tag aus dem Wasser. Am besten, ihr kommt mit euren Kajaks.“ Er bietet uns gleich fuer den naechsten Tag eine gefuehrte Tour auf der Insel an. Durch den Phosphat-Abbau gaebe es etliche Industrie-Relikte zu besichtigen, eine Grotte mit christallklarem Suesswasser, wir koennen seinen Vater, den Buergermeister kennen lernen und den Strand auf der anderen Seite sehen. Wir schlagen ein, Morgen um 9:00 Uhr zur Inseltour. Jetzt bleibt uns nur noch zu ueberlegen, wie wir durch die Duenung vor der Hafeneinfahrt kommen koennen.

Krokodilstränen

{Time:23:00:00}
{Date:20190827}
{Position:11°59.2107’N, 068°38.7895’W}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:Klein Curaçao} 
{Target:Los Roques}
{Temp Air/Pressure:30°C}
{TempWater:28°}
{Wind:18kn/SE}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{Photo:20190827}
{Title:Krokodilstränen}

Nike hängt am Kite

Einen Tag geben wir uns auf Klein Curacao, bevor es weiter gehen soll. Nike kommt heute mit zum Kiten. „Irgendwas muss ja dran sein, dass ihr immer mit leuchtenden Augen und superfettem Grinsen aus dem Wasser kommt.“ Ich gebe Nike den kleinen 2qm Trainingskite. Ein Softkissen zum Üben. Den hatte ich letztes Mal Thomas geliehen. Das sollte man eben nicht machen. Die Leinen sind total verheddert. Danke Thomas. Also muss Nike erst einmal geduldig die Leinen auseinandertüddeln. Na. Fängt ja gut an, sagt mir ihr Blick. „Ich geh solange mal kiten.“ „Hmm! Toll!“ Eine Stunde später spielt Nike mit dem kleinen Kite am Beach, ich schaue ihr vom Wasser aus zu. Macht sie gut. Manuela ist währenddessen schon weit draussen, zu weit. Andre fährt mit dem Dinghy raus um Manuels Retter zu sein. Sein eigener Kite ist undicht und somit kann er heute nur in der zweiten Reihe mitspielen. Nike macht ihr Ding so gut mit dem Übungskite, dass ich sie frage, ob sie Manuelas Kite p
robieren will. Ungläubig schaut sie mich an. „Ja!“, antwortet sie etwas unsicher. Ich erkläre ihr komprimiert die Sicherheitseinrichtungen des Kites, um sich vom Schirm zu trennen und starte den 9er für Nike. Dann übergebe ich ihr den Chicken und Nike hängt am Kite, die Hände an der Bar, ich hinter ihr, halte sie fest und bin mit meiner Saefty Leach mit ihr verbunden. „Kann nix passieren, ich sicher Dich.“ Wir gehen ins hüfttiefe Wasser. Nike fliegt die verschiedenen Positionen mit dem Kite ab, hat irre schnell Kontrolle und kapiert schnell worum es geht. Wir üben Kitekontrolle. „Na gut“, es klappt alles so super, dass ich einfach weiter mache. Fünf Minuten später macht Nike ihren ersten Bodydrag. „Könnte ich nicht besser machen“, muss ich sie loben. Ich winke Manuela zu. „Gib mir mal das rote Board.“ Manuela schaut mich ungläubig an. „Was? Jetzt schon?“ Ich nicke. Kurze Zeit später macht Nike ihren ersten Boarddrag nach rechts und wei
ter nach links. Immer mit mir mit der Saefty Leach verbunden. „Na dann. Sach ma? Nike. Ist Dir kalt? Du zitterst ja am ganzen Leib.“ „ICH BIN SO AUFGEREGT!“ „Du willst also auf’s Board?“ „JA!“, kommt gepresst aus ihrem Mund. Bisschen schnell denke ich mir. „Du wirst ein paar Meter fahren und dann im tiefen Wasser fallen. Ich muss Dich von meiner Leine lösen. Du wirst im tiefen Wasser schwimmen und Andre wird Dich retten müssen. Willst Du das wirklich?“ Wenn jemand ehrgeizig ist, ist es Nike. „Ja. Ich will das!“ „OK.“ Ich winke Andre zu und gebe ihm das Zeichen rauszufahren mit dem Beiboot. Ich stelle mich hinter Nike, halte sie fest. Das Bord an den Füßen. „Powerstroke und los!“ Ich halte sie kurz fest und schon schnellt sie hoch und auf’s Bord, fährt ihre ersten fünf Meter und fällt vorneüber ins Wasser. Nix passiert – Ausser… Mit strahlenden Augen und dem typischen superbreiten Grinsen im Gesicht kommt Nike an den Strand. Eine M
ixture aus Endorphinen und Adrenalin im Körper schreit nach „Mehr, Mehr, Mehr…“ Ich schnappe mir mein Board. Die Sonne steht am Horizont und will diesen Tag beenden. Zeit um noch ein paar Bahnen zu ziehen. Wieder am Ufer landet Manuela meinen Schirm. Kurze Umarmung. „Das hast Du extra gemacht! Jetzt hast Du Deine Kite Truppe zusammen!“ Ich grinse Manuela an. „So What?“ Schaun wir mal. „Nike steht in ein paar Stunden sicher auf dem Board und wird ihre Bahnen ziehen. Infiziert. Mia Culpa. So what.“ Klar hab ich das extra gemacht.

Schlechte Nachrichten erhält man auch im Paradies: „Lieber Michael. Wir kennen uns nicht, haben uns nur zweimal kurz gesehen, einmal anlässlich deines Vortrages bei der IBM in Zürich, und einmal in Stockholm. Ich bin (war) die Lebenspartnerin von Chris Schöpflin. Leider muss ich dir die traurige Mitteilung übermitteln, dass Chris vor genau einem Monat nach einem mehrwöchigen Spitalaufenthalt und mehreren schweren Operationen verstorben ist. Er hat sich in unseren Ferien im Mai eine bakterielle Infektion zugezogen, welche leider für seine Herzklappe nicht verkraftbar war. Ich bin sehr traurig, und vermisse ihn fest. tagesanzeiger.sich-erinnern.ch/traueranzeige/christian-schoepflin Zwölf Jahre sind wir gemeinsam durchs Leben gegangen, und wir haben unter anderem viele traumhafte Törns zusammen versegelt. Er hat immer wieder vom Transatlantiktörn mit Dir erzählt und geschwärmt, und es war sein grosser und letzter Wunsch, den Atlantik auch noch von West n
ach Ost mit der MARLIN zu durchqueren. Dazu kam er leider nicht mehr. Ich hoffe für ihn, dass er weitersegeln kann, wo auch immer seine Seele jetzt ist. Segeln war seine grosse Leidenschaft. In tiefer Trauer, Cynthia“

So schnell heule ich ja nicht los. Aber das bricht mir das Genick. Dicke Krokodilstränen laufen über meine Wangen. Chris war einer meiner besten Mitsegler und Navigator der CREW9. 2015 nach dem Start zur Atlantiküberquerung haben wir gemeinsam Stunden im Motorenraum verbracht, rechts und links von Erika gelegen, um sie wieder zum Leben zu erwecken. Um uns herum 28 Knoten Wind und 4 Meter steiler Welle. Er war der ruhige Pol der Crew, hat geschlichtet, motiviert und immer ein Lächeln auf den Lippen gehabt. Chris und ich waren immer wieder im Kontakt und Austausch. Auch ich hätte ihn gerne dabei gehabt um den Nordatlantik erneut zu überqueren. Das war zu früh zum Sterben. In tiefer Trauer bin auch ich.


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Sailing a Salona 45 (Video)

Degradiert zur Galley Schlampe

{Time:23:00:00}
{Date:20190826}
{Position:11°59.2107’N, 068°38.7895’W}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:Klein Curaçao} 
{Target:Los Roques}
{Temp Air/Pressure:30°C}
{TempWater:28°}
{Wind:18kn/SE}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{Photo:20190826}
{Title:Degradiert zur Galley Schlampe}

Skipper im Kite Rausche

Am Morgen lichten wir den Anker und Nike übernimmt nun das Amt des Skippers. Genug Einweisung. Alles andere kommt learning by doing. Ich mache jetzt nur noch Vorschläge und beantworte Fragen, halte mich ansonsten raus. MARLIN mag Nike sichtlich. Nike mag MARLIN sichtlich. Vor uns 130 Meilen zu den Roques. Wer gerne aufkreuzt, hat daran seinen Spass. CREW 57 hat daran sichtlich Spass. MARLIN wackelt kurz mit dem Mast und legt sich auf die Seite. Schon liegt Klein Curacao an. Einfach gesagt sind die Roques 260 Meilen weit weg, weil wir jede einzige Meile genau gegenan aufkreuzen müssen. Dazu kommen ein bis zwei Knoten Gegenströmung. Einfach ist anders. Nike hat Spass. Ich habe Spass. Andre hat Spass und steuert einen Teil der Strecke. Manuela, mein Kite Buddy. Hmm. Ist seekrank. Ih will ihr keine Medikamente geben, aber ich glaube, darum wird sie leider ab dem nächsten Schlag nicht herumkommen.

Am Horizont erscheint gegen Mittag der weißtürkise Sandstrand von Kleen. So nennen die Einheimischen das grade mal eine Meile lange Island mit einer alten Leuchtturmruine, zwei Wracks, zwei Base Camps für Tages-Touristen. „Ist das kitschig“, meint Manuela ironisch und schaut verträumt auf den malerischen Strand.

Manuela, Andre und ich sind zum Kiten hier. Für mich ist es nicht das erste Mal. Manuela ist Anfängerin, Andre ebenfalls und ich mache den Rescue Service, sammel die beiden mit dem Beiboot wieder ein. Dann darf ich selber wieder, als die Beiden am Strand ihre Leinen entwirren. Es ist ein wichtiger Tag. Es ist der Tag in meinem Kite Leben. Unerwartet wächst das Kite Bord an meine Füße und entwickelt eine eigene Dynamic, von der ich seit Jahren geträumt habe. Plötzlich kann ich nicht nur Höhe laufen, sonder Slalom fahren, das Brett in jede beliebige Richtung steuern und alles mit einer ungeahnten Leichtigkeit. Ein Traum wird wahr und ich bin jetzt ein Pro. Hurra. Bis die Sonne untergeht bin ich auf dem Wasser.

Nike leiht sich derweilen meine Speargun, meine Apnoeflossen und erlegt einen Lion Fisch. Das ist noch nicht einmal verboten, den diese gehören hier nicht hin. Daraus zaubert sie eine schmackhafte Vorspeise. Ich wusste gar nicht dass Nike auch kochen kann. Na so was.

“Sonst bin ich ja immer die Galley Schlampe, jetzt bin ich Skipper.“ Das ich damit jetzt die Galley Schlampe bin, verkneift sich Nike und grinst, zwei Flaschen eiskaltes Presidente Bier knallen aufeinander. „Ok. Das habe ich jetzt verstanden. Das kommt in den Blog.“ Es kommt ja nicht alles in den Blog. Aber das schon. Ich verschwinde in die MARLIN Küche zauber ein schmackhaftes Hühnchen Sahne Curry an Salzkartoffeln mit Butter. „WOW! Lecker. Du verdienst Deinen Ruf!“, meint Nike. Grinst. „Galley Schlampe!“ Ich grinse auch. Ich bin so kitebreit und glücklich mit einem Glas bestem Rotwein Camanere in der Hand. Schöner kann das Leben nicht sein. Jetzt aber husch, husch ins Körbchen. Die Galley Schlampe ist fertig für heute.


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