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Staande Mast Route – Ein Erfahrungsbericht

Hier ist sein Bericht:

Nachdem ich Ende September mein erstes eigenes Schiff gekauft hatte, stand der Überführungstörn von Stavoren in den neuen Heimathafen Wolphaartsdijk / Veerse Meer / Zeeland an. Zwischen Familien- und Urlaubsplanung hatte ich mir mit meinem guten Freund und Co-Skipper Jan die letzte Oktober-Woche ausgeguckt. Leider ließ das Wetter die Route über die Nordsee nicht zu, anhaltend Windstärke 6-8 aus SW, weshalb wir uns für den Staande Mastroute von Amsterdam über Dordrecht nach Zeeland entschieden haben.

Mit nur 1.000 Seemeilen im Kielwasser und ganz wenig Erfahrung mit Brücken und Schleusen erschien es mir bei aller sorgfältiger Vorbereitung wie ein großes Abenteuer. Ich hätte mir neben allen Seekarten und Broschüren einen Erfahrungsbericht mit wertvollen Tipps gewünscht, den ich jedoch nicht finden konnte.

Für viele erfahrene Holland-Segler mag das irrelevant sein, für alle anderen habe ich nun diesen Text verfasst. Ich freue mich, wenn ich dem ein oder anderen damit helfen kann.

Tag 1 / Amsterdam

Schellingwouderbrug

Kontakt: VHF 18
Öffnung: auf Anforderung
Wartesteg: separat für Sportboote, gut beschildert, bei Anfahrt steuerbord halten und dann backbord längsseits festmachen
Besonderheiten: während der Straßenverkehrs-Rush Hours geschlossen (werktags 07-09h und 16-18h)

Wir haben morgens von unserem Zwischenstopp Lelystad abgelegt und konnten trotz SW-Wind auf dem Markermeer etwas segeln. Von Osten kommend, ähnelt die Zufahrt auf Amsterdam einem Trichter, entsprechend nimmt der Schiffsverkehr zu. Neben dem Hauptfahrwasser für die Berufsschifffahrt ist ein betonntes Fahrwasser für Sportboote, so dass man ziemlich stressfrei fahren kann. Die Brücke hat geschlossen eine Durchfahrtshöhe von 7,9 m, weshalb die Klappbrücke vorwiegend von Segelyachten genutzt wird. Bei der Zufahrt steuerbord halten, der Wartesteg für Sportboote ist aus der Ferne schwer auszumachen, kurz davor ist er gut beschildert.

Wir haben kurz festgemacht, uns per Funk angemeldet und wenig später, gegen 15:20h konnten wir passieren. Die dahinter liegende Schleuse ist in der Regel dann schon offen für die Einfahrt

 

Oranjesluizen

Kontakt: VHF 18
Öffnung: auf Anforderung, nach Durchfahrt Schellingwouderbrug meist schon „auf grün“
Wartesteg: separat für Sportboote, gut beschildert, bei Anfahrt steuerbord halten
Besonderheiten: Sportschiffe ausschließlich über die nördlichen Schleusenkammern

Zunächst waren wir das einzige Boot in der Schleuse, nach kurzer Wartezeit kam noch ein seltsam anmutender Bagger auf motorisierter Schwimmplattform dazu. In unserer gefühlten Einsamkeit haben wir in der Mitte der Kammer festgemacht und haben uns dann nach Aufforderung nach vorne verholt, um dem Berufsschiff Platz zu machen. Learning: auch wenn Du denkst Du bist alleine in der Schleuse, immer bis nach vorne durchfahren.

 

Westerkeersluisbrug

Kontakt: VHF 22
Öffnung: auf Anforderung, gleichzeitig erfolgt die Anmeldung für die Nachtdurchfahrt Amsterdam
Wartesteg: unklar, wir haben einen Steg für Mietboote an Steuerbord direkt vor der Brücke genutzt
Besonderheiten: während der Straßenverkehrs-Rush Hours geschlossen (werktags 07-09h und 16-18h)

Bei der Anfahrt ist auf den regen Schiffsverkehr zu achten, Frachtschiffe, Fähren, Wassertaxis & Co kommen aus allen Richtungen. Etwas nördlich der Brücke ist ein Fähranleger, an dem quasi im Minutentakt Fähren an- und ablegen.

Auf der Suche nach einem offiziellen Wartesteg für Sportboote haben wir nach ein paar Runden im „Oude Houthaven“ an einem niedrigen Steg direkt an Steuerbord vor der Brücke festgemacht. Den Schildern nach zu urteilen gehört dieser einem Bootsverleih, zu unserer Zeit war dort alles frei und niemand hat sich an uns gestört. Ob das während der Saison anders aussieht, kann ich nicht sagen.

Als wir gegen 16:30h ankamen, hatte die Brücke aufgrund der Rush Hour geschlossen. Für die Nachtdurchfahrt durch Amsterdam muss man sich bis 23:00h anmelden, für uns also noch genügend Zeit. Dennoch wollten wir die Anmeldung unbedingt schon mal erledigen und da die Brücke über Funk nicht erreichbar war, probierten wir es über diverse Telefonnummern aus Seekarte und Wateralmanak. Überall Fehlanzeige, leichte Nervosität kam auf. Klappt das mit der Durchfahrt heute Nacht?

Buchstäblich Licht ins Dunkel kam dann kurz vor 18h, dem Zeitpunkt der offiziellen Betriebszeit der Brücke nach der Rush Hour: vom Wartesteg aus konnten wir sehen, dass im Brückenwärterhäuschen Licht und diverse Monitore angeschaltet wurden. Noch ein paar Minuten gewartet, dann die Brücke über Funk erreicht und kurze Zeit später konnten hinter einem Berufsschiff in den Westerkanaal einfahren.

Im Kanal selbst waren wir mal wieder auf der Suche nach dem Wartesteg für die nächste Brücke, die gleichzeitig den Startpunkt für die Nachtdurchfahrt darstellt. Es gibt mit blauen Schildern ausgewiesene Liegeplätze ohne adäquate Festmacher am Ufer, und den Bereich direkt vor der Brücke mit „Parkverbot“-Schildern aber schönen Pollern zum Festmachen. Letzteres stellte sich als offizieller Wartesteg heraus, die Verbots-Schilder dienen lediglich dazu, die Plätze für die Teilnehmer des nächtlichen Konvois frei zu halten.

 

Nachtdurchfahrt Amsterdam & Tag 2

Spoorbrug Westerkanaal („Railway Bridge“)

Kontakt: VHF 22
Öffnung: Anmeldung für Nachtdurchfahrt bis 23 Uhr, Öffnung zwischen 0-2h
Wartesteg: direkt vor der Brücke an Steuerbord, nicht abhalten lassen von den „Parkverbot“-Schildern
Besonderheit: Kanal 22 dauerhaft abhören, genauer Zeitpunkt der Brückenöffnung wird gegen 23.15h auf Kanal 69 bekannt gegeben und rechtzeitig über Kanal 22 angekündigt

Wir vergewisserten uns per Funk, ob wir denn nun bereits für die Nachtdurchfahrt angemeldet sind. Dies wurde umgehend bestätigt, „yes, you are registered“, offensichtlich geschieht dies automatisch mit Anmeldung und Durchfahrt der Westerkeersluisbrug.

Am Abend wurde dann noch über Funk erläutert, was es mit dem spätesten Anmeldezeitpunkt 23h auf sich hat: die Verantwortlichen für die Schifffahrt sprechen mit der Bahnbehörde einen möglichen Slot für die Brückenöffnung ab. Dies geschieht regelmäßig um 23 Uhr, vorher ist aufgrund etwaiger Zugverspätungen eine verbindliche Aussage nicht möglich.

Pünktlich um 23.15h wurden wir informiert, dass es heute schon um 0.05h losgeht (laut Literatur üblicherweise zwischen 1.00-2.00h). Verwundert ob des frühen Zeitpunktes fragte ich nach, ob die Info tatsächlich uns galt, oder vielleicht einem vermeintlich „südlichen Konvoi“, der die Route heute Nacht in der uns entgegengesetzten Richtung fährt. Daraufhin begab sich die folgende unterhaltsame Konversation:

„Spoorbrug Westerkanaal will open at 0:05h. You are the only one tonight, Sir, there is no other ship.“ Kurz anhaltende Stille, dann eine Stimme aus dem Off: „This is Sailing Yacht XY, we also want to pass this night.“ „Oh, now we have another ship. On the camera, we just see one ship, where are you, second ship?!“. Die zweite Yacht hatte in Unwissenheit irgendwo im Oude Houthaven festgemacht, wurde freundlich ermahnt doch bitte beim nächsten Mal schon früher in den Westerkanaal einzufahren und eine halbe Stunde später lagen wir dann zu zweit am Wartesteg.

Gegen Mitternacht kamen noch letzte Instruktionen: pünktlich losfahren, die „Railway Bridge“ öffnet nur ein Mal pro Nacht für kurze Zeit, zügig fahren, und die Dauer aller Brückenöffnungen möglichst kurz halten: ausdrücklich schon bei „rot grün“ durchfahren sobald es die Durchfahrtshöhe augenscheinlich erlaubt und im Konvoi dicht hintereinander bleiben.

Wir hatten als „first ship“ die Ehre, den Mini-Konvoi durch die Nacht von Amsterdam anzuführen. Anfangs hatte die zweite Yacht immer wieder zu viel Abstand zu uns, über Funk kamen Sprüche wie „Second ship, go faster, pick up the play!“, „this is not a sightseeing trip“, „do you want to stay another night in Amsterdam?“. Liest sich geschrieben nicht besonders freundlich, gleichzeitig finde ich es wirklich außerordentlich, dass für die Nachtdurchfahrt von nur zwei Freizeitbooten unzählige Tonnen Beton und Stahl in Form von Klappbrücken in Bewegung gesetzt werden und am südlichen Ende sogar der Autobahnverkehr gestoppt wird. Da darf man schon mal auf das Mitwirken der Skipper pochen.

Die Durchfahrt selbst: ein großartiges Erlebnis! Über 10 Brücken öffnen sich wie am Schnürchen, während imposante Gebäude und Plätze im Mondschein an einem vorbeiziehen.

 

Schinkelbrug / Nieuwe Meersluis (südliches Ende der Durchfahrt)

Kontakt: VHF 22
Öffnung: automatisch im Zuge der Nachtdurchfahrt
Wartesteg: vorhanden, nicht erforderlich
Besonderheiten: die Ansteuerung ist durch den vorgelagerten „Woonschepenhaven“ nicht ganz eindeutig, immer steuerbord halten entlang der Wohnschiffe am rechten Ufer

 

Nieuwe Meer

Nach der eindrucksvollen Durchfahrt war es an der Zeit, einen Liegeplatz für die Nacht zu finden.
Laut Seekarte gibt es auf dem Nieuwe Meer zahlreiche Marinas, bei näherer Prüfung sind jedoch fast alle zu klein für eine 40“ Segelyacht mit entsprechendem Tiefgang.

Unser Plan A war die „Marina de Boekanier“ am Westufer. Bei der Anfahrt konnten wir dort vor allem kleinere Motorboote ausmachen, weshalb uns das hinsichtlich der Wassertiefe zu heikel erschien.

Auf den Plan B, am südlich der Schinkelbrug gelegenen Wartesteg für den „Süd Konvoi“ der Nachtdurchfahrt Amsterdam festzumachen, hatten wir spontan keine Lust mehr – zu laut und zu fraglich wie lange wir dort niemandem im Weg parken.

Also kurzerhand einen Plan C erdacht, den ich im Nachhinein jedem empfehlen kann: das Nieuwe Meer entlang der beleuchteten roten Tonnen passieren, danach nach Süden in den Kanal Richtung Schiphol Airport einbiegen. Durch zahlreiche Wohnhäuser und Straßenlaternen ist das Kanalufer bei Dunkelheit bestens zu erkennen. Nachtliegeplatz dann am Wartesteg vor der nächsten Brücke.

 

Schipholbruggen

Kontakt: VHF 22
Öffnung: nur auf Anforderung und zu angegebenen Zeiten, Hauptöffnung lt. Seekarte ca. 13 Uhr
Wartesteg: vorhanden, selber Steg für Sport- und Berufsschiffahrt
Besonderheiten: zwei Autobahnbrücken, daher mitunter lange Wartezeit

Einen Wartesteg für Sportboote konnten wir nicht ausmachen, weshalb wir an einer Kaimauer an der Steuerbordseite festgemacht haben. Der Abstand der riesigen Poller war zu groß für Vor- und Heckleine, unsere Konstruktion aus Vor- und Achterspring sowie Mittelleine an ein und demselben Poller sollte sich als tauglich erweisen.

Trotz der langen Nachtfahrt haben wir uns die Wecker auf 05.30h gestellt, um die Schipholbruggen um 06.30h – einer laut Literatur standardmäßigen Öffnungszeit – zu passieren. Gerädert mit nur drei Stunden Schlaf funkten wir um 06.00h die Brücke mit der Bitte um Bestätigung der Öffnungszeit an.
Die Antwort fiel lang und größtenteils niederländisch aus, verstanden habe ich so gut wie nichts. Meine Nachfrage wurde mit einem kurzen „in 15 minutes we will open the bridge“ beantwortet.
Also nichts wie rein in die Klamotten und klar machen zu Ablegen. Währenddessen kam ein Berufsschiff aus unserer Richtung in Sicht, offensichtlich war der Inhalt des ersten Funkspruchs dass wir mit diesem Schiff passieren können. So waren wir um 06.16h schon durch.

 

Weiterfahrt bis Braassemer Meer

Mit dem Gedanken an keiner der folgenden Brücken warten zu müssen, versuchten wir am Berufsschiff dran zu bleiben. Auf den Geraden war dieses zu schnell für uns, in kurvenreichen Abschnitten holten wir stets auf. Der Plan ging für alle Brücken gut auf, einzig von der größeren Leimuiderbrug (VHF 18) wurden wir ermahnt dass der Abstand zu groß und damit die Brückenöffnungszeit zu lange wäre. Doch auch hier sind wir ohne Stopp noch durchgekommen.

Die Yachthäfen entlang des Weges wurden größer und so hielten wir Ausschau nach einem geeigneten Platz für Frühstück und Nickerchen, der kurze Schlaf der vergangenen Nacht machte sich bemerkbar. Am Westufer des Braassemer Meers gab es mehrere „Passanten welcom“-Schilder, gegen 08.30h machten wir bei der WV Braassemer Meer fest.

Pandemie-bedingt waren Duschen und Toiletten geschlossen, doch es gab Landstrom (per Automat, 1 EUR Münze) und Wasser (50 Cent Münze).

Ursprünglich wollten wir am selben Tag noch weiterfahren, entschieden uns aber wegen Müdigkeit und aufkommenden Starkregen mit Wind bis 7 Bft. dagegen. Um 20 Uhr fielen wir in unsere Kojen, am nächsten Tag sollte es im Morgengrauen ausgeschlafen weitergehen.

 

Tag 3

Braassemer Meer bis Willemsdorp (südlich von Dordrecht)

Woubrugsebrug & Durchfahrt Brücken Alphen a.d. Rijn

Kontakt: VHF 18
Öffnung: auf Anforderung
Wartestege: vorhanden, in unserem Fall nicht notwendig, da Brücken nacheinander öffneten
Besonderheiten: malerisches Städtchen

Bei traumhaftem Sonnenaufgang und ruhigem Wetter ging es los Richtung Alphen a.d. Rijn. Die erste Klappbrücke kündigte uns nach Kontaktaufnahme per Funk eine Öffnung bei Annäherung an, was auch so eintrat. Die zweite Brücke, „‘s Molenaarsbrug“, haben wir auch noch angefunkt, für die weiteren Brücken haben wir darauf verzichtet, da uns mittels „rot-grün“ jeweils angezeigt wurde, dass wir direkt passieren können. Schon um 08.20h lag das schöne Städtchen hinter uns und wir steuerten auf die erste Hebebrücke der Tour zu:

 

Hefbrug Gouwsluis

Kontakt: VHF 18
Öffnung: auf Anforderung
Wartesteg: ja, an Steuerbord
Besonderheiten: öffnet standardmäßig auf 16m, bei größerer Durchfahrtshöhe per Funk Bescheid sagen

Direkt an der Ortsausfahrt bogen wir rechts ab, unmittelbar dahinter liegt die eindrucksvolle Brücke. Diese, wie auch die folgenden Hebebrücken, haben die Eigenart standardmäßig auf nur 16m hoch zu fahren. Wir kündigten unsere Durchfahrtshöhe von 18m per Funk an und bekamen prompt die freundliche Antwort dass die Brücke auf 24m öffnen werde. Vor der Durchfahrt ist die aktuelle Brückenhöhe auf einem großen Display ablesbar, so dass man mit gutem Gefühl passieren kann.

 

Hefbrug Boskoop

Kontakt: VHF 18
Öffnung: auf Anforderung
Wartesteg: ja, an Steuerbord
Besonderheiten: öffnet standardmäßig auf 16m, bei größerer Durchfahrtshöhe per Funk Bescheid sagen

Bei erhöhtem Straßenverkehrsaufkommen mussten wir ca. 40 Minuten warten, gegen 09.40h konnten wir passieren. Der Wartesteg ist mit seiner Holzwand und vielen Klampen ziemlich ideal.

 

Hefbrug Waddinxveen

Kontakt: VHF 18
Öffnung: auf Anforderung
Wartesteg: ja, an Steuerbord
Besonderheiten: öffnet standardmäßig auf 16m, bei größerer Durchfahrtshöhe per Funk Bescheid sagen

Einfache Durchfahrt ohne Wartezeit.

 

Coenecoopbrug

Kontakt: VHF 18
Öffnung: auf Anforderung
Wartesteg: ja, an Steuerbord
Besonderheiten: kann zu straßenverkehrsbedingten Wartezeiten kommen

Wir hatten Glück und konnten nach unserer Ankündigung per Funk ohne Wartezeit passieren.

 

Spoorbrug Gouda („Railway Bridge“)

Kontakt: VHF 18
Öffnung: ausschließlich zu festgelegten Zeiten, tagsüber alle 2-4 Stunden
Wartesteg: ja, an Steuerbord weit vor der Brücke
Besonderheiten: Wartesteg vor einer Biegung außer Sichtweite der Brücke. Die nächste Öffnungszeit wird dort an einem Display angezeigt

Mal wieder ein zeitliches Nadelöhr. Die Brücke öffnet ausschließlich zu festgelegten Zeiten.

Wir waren knapp dran und hofften es ohne größere Wartezeit zu schaffen. Bei der Ansteuerung sahen wir auf dem Display des Wartestegs, dass die Brücke genau jetzt geöffnet ist, die Brücke selbst ist von dort nicht zu sehen. Kurz vor der Durchfahrt kam es dann zu einem Missverständnis: wir hatten „grünes Licht“, gleichzeitig kamen aus südlicher Richtung zwei Berufsschiffe entgegen. Die Passage schien breit genug, wir hielten weiter darauf zu. Ein lautes Hupen des vorderen Schiffs gab uns zu verstehen, dass wir besser aufstoppen und warten. Auf Nachfrage per Funk bei der Brücke erhielten wir sofort die Zusage, dass wir nach den beiden Schiffen noch passieren dürfen.

Es lief weiter gut für uns. Um 10.32h waren wir ohne Anlegen durch, das Display auf der Südseite kündigte die nächste Öffnung für 14.30h an – 4 Stunden Wartezeit gespart! Weshalb die in der Literatur angegebene Öffnungszeit 12.30h an diesem Tag offensichtlich ausfiel, wissen wir nicht.

 

Julianasluis & -brug

Kontakt: VHF 18
Öffnung: auf Anforderung
Wartesteg: ja, an Steuerbord
Besonderheiten: Klappbrücke – Schleuse – Klappbrücke

Zur Abwechslung mal wieder eine Schleusendurchfahrt, die prima und ohne nennenswerte Wartezeit geklappt hat.

 

Algerabrug

Kontakt: VHF 22
Öffnung: auf Anforderung
Wartesteg: ja, an Steuerbord
Besonderheiten: sieht aus wie eine Brücke mit dahinterliegender Schleuse, ist aber faktisch nur eine Brücke mit einem vorgelagerten Tor zum Schutz vor Sturmfluten

Nach kurzer Wartezeit und freundlicher Konversation per Funk wurden wir angewiesen, noch vor einem größeren Containerschiff zu passieren. Lektion von der Spoorbrug Gouda gelernt: einfach mal nachfragen, wer zuerst durchfahren soll.

 

Alblasserdam Brug

Kontakt: VHF 22 & Tel 0031 88 7985 132
Öffnung: nur zu festen Zeiten und vorheriger Anmeldung
Wartesteg: nein!
Besonderheiten: telefonische Anmeldung 1-2 Stunden vorher erforderlich. Ohne Anmeldung findet auch zu den festgelegten Zeiten keine Öffnung statt.

Aus Unwissenheit lief es diesmal nicht so glatt für uns. Wir waren in der Annahme, dass die Brücke zu den angegebenen Zeiten „immer“ öffnet oder zumindest auf kurzfristige Anforderung aus Funkreichweite. Eine der definierten Öffnungszeiten war 14.15h, 10 Minuten vorher waren wir da, konnten aber Funk niemanden erreichen. Die erhoffte „automatische“ Öffnung fand leider nicht statt. Über Telefon konnten wir uns dann unkompliziert für 16.15h anmelden. Mangels Wartesteg und keinerlei anderer Möglichkeit zum Festmachen im näheren Umkreis bedeutete dies für uns 2 Stunden lang Kreise drehen, bei unzähligen Berufsschiffen und Fähren im 10-Minuten-Takt fuhren wir das Fahrwasser auf und ab. Die letzten 20 Minuten dann in kleinen Kreisen direkt vor der Brücke, da wir nicht Gefahr laufen wollten, dass die Brücke wieder nicht öffnet, weil sie uns vielleicht nicht sieht. Parallel haben wir auch nochmals angerufen, die Durchfahrt selbst hat dann pünktlich und problemlos geklappt.

 

Spoorbrug Groteburg

Kontakt: VHF 71 & Tel 0031 88 797 0800
Öffnung: nur zu festen Zeiten und vorheriger Anmeldung
Wartesteg: nein!
Besonderheiten: telefonische Anmeldung 2 Stunden vorher erforderlich. Ohne Anmeldung findet auch zu den festgelegten Zeiten keine Öffnung statt

Mit der Erfahrung von der Ablasserdam Brug meldeten wir uns dann umgehend telefonisch bei der nächsten Brücke, der Spoorbrug Groteburg. Im Zuge der Recherche der Telefonnummer hatten wir herausgefunden, dass die Anmeldung mindestens 2 Stunden im Vorfeld erfolgen muss. Wir wollten aber schon beim nächsten Slot in 50 Minuten durch. Zu unserer Erleichterung wurde uns das trotzdem zugesagt, vielleicht lag es an einem größeren Containerschiff, dass schon vor der Brücke lag und später gegen 17.15h vor uns die Durchfahrt passierte.

Die Wartesituation wie zuvor wieder ungemütlich, kein Wartesteg, viel Berufsschifffahrt, und die Klappbrücke liegt aus Norden kommend auf der „falschen“ Fahrwasserseite.

Wir fuhren weiter unseres Weges. Die Wasserwege wurden heute schon ab Gouda immer weniger ein Genuss, die Ufer geprägt von Industrie und mit dem breiter werdenden Fahrwasser viel Berufsschifffahrt mit teilweise richtig dicken Pötten. Stimmung an Bord: mehr als zufrieden mit dem bisherigen Tag, mit einsetzender Dunkelheit, aufkommendem starken Regen und inzwischen böigem Wind bis 6 Bft. aber auch langsam genug für heute.

Unser Ziel für die Nacht: die Marina „the Watersports Kil“ bei Willemsdorp, direkt an der Kanalmündung ins „Hollandsch Diep“. Dort hatten wir vorher angerufen und einen komfortablen Liegeplatz am Kopf eines Steges bekommen, nach langer Fahrt und bei viel Wind ist so ein Steg-Anlegemanöver einfach dankbarer als in eine Box zu fahren.

Der Weg dorthin hatte es nochmals in sich. Wirklich viel Verkehr auf dem Abschnitt nach Dordrecht, untiefe Stellen am Ufer ließen uns nicht viel Raum um uns fern von den großen überholenden Schiffen zu halten, und mit Regen im Gesicht sind die Positionslichter und Tonnen nicht immer leicht zu erkennen. In der Mündung mussten wir eigentlich nur noch einen U-Turn in die Marina fahren, aber auch das war bei dem Verkehr, Regen, Wind, Dunkelheit und einem Universum von beleuchteten und unbeleuchteten Tonnen sowie zahlreichen Lichtquellen an Land kein leichtes Unterfangen. Hochkonzentriert und mit einem Mann mit Suchscheinwerfer am Mast stehend haben wir es schließlich gut hinbekommen. Um 19.45h machten wir fest für die Nacht.

Im Nachhinein kann ich diesen Abschnitt der Tour bei Dunkelheit nicht empfehlen, zumindest nicht bei Regen und viel Wind. Man muss einfach höllisch aufpassen. Andererseits hatten wir seit Gouda, schlappe 8h zurück, keinen adäquaten Liegeplatz gesichtet (allerdings auch nicht gesucht, mag sein, dass wir etwas übersehen haben).

 

Tag 4

von Willemdorp über Volkerak und Oosterschelde ins Veerse Meer

Volkeraksluizen / Jachtensluis

Kontakt: VHF 18 (nur für Yachtschleuse)
Öffnung: feste Brücke, Durchfahrtshöhe tidenabhängig ca. 18,5m
Wartesteg: ja, an Steuerbord, zusätzlich offizielle Nachtliegeplätze direkt NW der Schleuse
Besonderheiten: sofern die Durchfahrtshöhe für Yachten nicht ausreicht, darf die südliche Kammer der Berufsschifffahrtsschleuse mit Klappbrücke genutzt werden

Morgens und bei Tageslicht sah die Welt schon wieder viel freundlicher aus. Wir legten uns nicht fest ob wir heute bis zum neuen Heimathafen im Veerse Meer durchfahren und hatten uns 2-3 Marinas als Plan B entlang unserer Route herausgesucht.

Bei der Ansteuerung auf die Volkeraksluizen sahen wir eine Segelyacht mit vermeintlich ähnlicher Durchfahrtshöhe auf die Schleusen der Berufsschifffahrt zusteuern. Vielleicht hatten die ja schon etwas mit der Schleuse abgesprochen, dachten wir uns, und hängten uns „hinten dran“.

Dieser Gedanke erwies sich als Quatsch, wir bekamen beide ein rotes Signal vor der Kammer, obwohl hinter den Berufsschiffen noch ausreichend Platz gewesen wäre. Learning: immer erst mal die Yachtschleuse checken, der Weg ist ja auch nicht weit.

Die feste Brücke bei der Yachtschleuse liegt an der westlichen Ausfahrt der Kammer. Die relevante Durchfahrtshöhe ergibt sich also bei Durchquerung von Ost nach West wie in unserem Falle aus der Wasserhöhe nach dem Schleusenvorgang. Die Höhen sind in Sichtweite des Wartestegs angegeben, an unserem Tag waren das 18,2m bei Einfahrt (man kann aber wie beschrieben innerhalb der Kammer vor der Brücke festmachen) und 18,8m bei Ausfahrt. Passte gut für uns, auch wenn es von Deck aus ziemlich knapp aussah.

 

Krammersluizen / Jachtensluis

Kontakt: VHF 22 (für komplette Schleusenanlage)
Öffnung: feste Brücke, Durchfahrtshöhe tidenabhängig ca. 18,5m
Wartesteg: ja, an Steuerbord
Besonderheiten: sofern die Durchfahrtshöhe für Yachten nicht ausreicht, darf die nördliche Kammer der Berufsschifffahrtsschleuse mit Klappbrücke genutzt werden

Lektion gelernt, diesmal zunächst zur Yachtschleuse, obwohl wir aufgrund einer Meldung für die Schifffahrt annahmen, dass diese heute gesperrt sei. Doch siehe da, sie war in Betrieb.

Diesmal wurde es unter der Brücke noch einmal spannend. Der Voreigner konnte mir für mein neues Schiff keine verbürgte Durchfahrtshöhe nennen, weshalb wir zu Beginn des Törns mit Maßband, Spifall und Lot selbst gemessen haben. Ergebnis inkl. etwas Puffer: 18m. Bei der Zufahrt auf die Schleuse kündigte ich uns per Funk mit 18,4m an. Antwort: „18,4 metres will be no problem!“. Auf dem Display an der Brücke: ebenfalls exakt 18,4m. Ok, dann los. Mein Co-Skipper meinte ein leichtes Touchieren unserer Antenne gegen eine Brückenstrebe gesehen zu haben, ich glaubte das Wackeln der Antenne kam vom Wind. Wir werden es nie erfahren, wissen aber nun, dass wir mit unserer Messung nicht ganz falsch lagen.

 

Zandkreeksluis

Kontakt: VHF 18
Öffnung: auf Anforderung
Wartesteg: ja, an Steuerbord
Besonderheiten: Brücke – Schleuse – Brücke

Fast am Ziel, wir sollten es doch heute Abend noch schaffen. Gegen 18.00h passierten wir einsam und zufrieden die letzte Schleuse und Brücke auf unserer Tour von Staworen nach Wolphaartsdijk, wo wir knapp 1h später das erste Mal im neuen Heimathafen anlegten. Ein wirklich schönes Gefühl.

 

Fazit:

Keine Blessuren, keine Materialschäden, keine brenzligen Situationen, viele Erfahrungen und Eindrücke gesammelt, harmonisch-entspannte Stimmung an Bord, ein rundum gelungener Überführungstörn.

Mit Ausnahme des einmaligen Erlebnisses der Nachtdurchfahrt Amsterdam und der malerischen Kanalfahrt bis ca. Gouda aber eher ein „Arbeitstörn“, auch wenn wir durchwegs viel Freude daran hatten. Für den sommerlichen Familientörn gibt es meines Erachtens schönere Ziele.

Rookies wie uns, die aus welchen Gründen auch immer diese Route nehmen, kann ich nur bestärken, dass man das bei guter Vorbereitung gut schaffen kann. Ich hoffe dieser Törnbericht ist dem ein oder anderen eine zusätzliche Hilfe.

Ohne Funkgerät scheint es mir schier unmöglich. Manche Brücke mag sich noch auf Sicht oder telefonisch öffnen lassen, die direkte Kommunikation gerade bei viel Durchgangsverkehr hat oft Unklarheit oder Hektik vermieden. Ich persönlich hatte vor dieser Tour noch nie eine Brücke oder Schleuse angefunkt und dementsprechend „Bammel“. Jetzt möchte ich es nicht mehr missen. Um anderen Rookies Ängste zu nehmen, hier eine typische Funk-Konversation auf der Tour: „Woubrugsebrug, Sailing Ship Summertime, on Staande Mast Route from North to South“ … „Sailing Ship, we will open the bridge for you in 2 minutes, have a safe trip.“ So einfach.

 

Karten / Literatur:

NV Charts NL 3, 4, 5 online und Papier
Wateralmanak 2
– beides erwies sich als unbedingt notwendig –

ANWB Wateratlas „Staande Mastroute“
– sehr hilfreiche Ergänzung –

Websites

https://vaarweginformatie.nl/ für Meldungen und Sperrungen, etc.

https://www.varendoejesamen.nl/de für allegemeine Info und Downloads

Schiff:

SY SUMMERTIME

Jeanneau Voyage, Baujahr 1988

LüA 12,5 m / Breite 4 m / Tiefgang 1,7 m / Durchfahrtshöhe ca. 18 m

 

Anmerkung

Ich habe alle Informationen nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen, dennoch ohne jegliche Gewähr.

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Was bedeutet "ein Boot schlägt quer"?

Vor wenigen Tagen ging das Video eines Bootes durchs Netz, das Anfang November im Sturm Aidan wenige Seemeilen südwestlich der Scilly-Isles vor Cornwall querschlug. Das Video zeigt die 34-Fuß-Yacht im Schlepp eines RNLI-Bootes der britischen Seenotretter – und eindrucksvoll die einzelnen Phasen des „Querschlagens“ eines Bootes.  Auf Foto 1 oben läuft die Yacht im Schlepp des Seenotrettungsbootes vor dem Wind und mit den Wellen ab.  Auf dem nachfolgenden Foto 2 unten wird die Yacht von der Welle eingeholt. Man erkennt deutlich, wie die Welle genau unter dem Heck des Bootes bricht. Dadurch wird im nächsten Augenblick das Ruderblatt der Yacht seine Wirkung verlieren… … und wird auf dem nachfolgenden Foto im nächsten Augenblick querschlagen – sie gerät plötzlich und unbeabsichtigt quer zu den nachfolgenden Wellen: Ein fataler Moment: Denn in diesem Augenblick ist die Yacht wehrlos den Wellen ausgesetzt, die den Rumpf seitlich mit voller Wucht treffen. Die Yacht kann jeden Augenblick kentern – das heißt: sich seitlich überschlagen. Und dabei entmastet werden. 

In ihrem HANDBUCH STURM TAKTIK, das am 16. November auf Deutsch erscheint, beschreiben die Autoren Lin und Larry Pardey anhand ihrer eigenen Experimente und Erfahrungen auf einem 24-Fuß-Boot im Sturm, wie eine Yacht das Querschlagen im Sturm vermeiden kann. Und untersuchen die gängigen und altbekannten Sturm-Strategien auf ihre Tauglichkeit und kommen vor allem zu dem Ergebnis, dass das oftmals angewandte Ablaufen vor Wind und Welle unter blankem Mast, auch „Lenzen vor Topp und Takel“ genannt, ab einem bestimmten Zeitpunkt die unsicherste der vier grundlegenden Sturmtaktiken ist. Was die obigen Fotos eindrucksvoll belegen. Mehr Informationen zum HANDBUCH STURM TAKTIK hier. Lin und Larry Pardey gehören in USA zu den bekanntesten Seglern. Um ihre Ergebnisse und die Richtigkeit Ihrer Sturmtaktik zu überprüfen, unternahmen sie auf ihren beiden Weltumsegelungen auch Abstecher in die Ostsee, in die Adria und rundeten Kap Hoorn.

 

Was bedeutet "ein Boot schlägt quer"?

Vor wenigen Tagen ging das Video eines Bootes durchs Netz, das Anfang November im Sturm Aidan wenige Seemeilen südwestlich der Scilly-Isles vor Cornwall querschlug. Das Video zeigt die 34-Fuß-Yacht im Schlepp eines RNLI-Bootes der britischen Seenotretter – und eindrucksvoll die einzelnen Phasen des „Querschlagens“ eines Bootes.  Auf Foto 1 oben läuft die Yacht im Schlepp des Seenotrettungsbootes vor dem Wind und mit den Wellen ab.  Auf dem nachfolgenden Foto 2 unten wird die Yacht von der Welle eingeholt. Man erkennt deutlich, wie die Welle genau unter dem Heck des Bootes bricht. Dadurch wird im nächsten Augenblick das Ruderblatt der Yacht seine Wirkung verlieren… … und wird auf dem nachfolgenden Foto im nächsten Augenblick querschlagen – sie gerät plötzlich und unbeabsichtigt quer zu den nachfolgenden Wellen: Ein fataler Moment: Denn in diesem Augenblick ist die Yacht wehrlos den Wellen ausgesetzt, die den Rumpf seitlich mit voller Wucht treffen. Die Yacht kann jeden Augenblick kentern – das heißt: sich seitlich überschlagen. Und dabei entmastet werden. 

In ihrem HANDBUCH STURM TAKTIK, das am 16. November auf Deutsch erscheint, beschreiben die Autoren Lin und Larry Pardey anhand ihrer eigenen Experimente und Erfahrungen auf einem 24-Fuß-Boot im Sturm, wie eine Yacht das Querschlagen im Sturm vermeiden kann. Und untersuchen die gängigen und altbekannten Sturm-Strategien auf ihre Tauglichkeit und kommen vor allem zu dem Ergebnis, dass das oftmals angewandte Ablaufen vor Wind und Welle unter blankem Mast, auch „Lenzen vor Topp und Takel“ genannt, ab einem bestimmten Zeitpunkt die unsicherste der vier grundlegenden Sturmtaktiken ist. Was die obigen Fotos eindrucksvoll belegen. Mehr Informationen zum HANDBUCH STURM TAKTIK hier. Lin und Larry Pardey gehören in USA zu den bekanntesten Seglern. Um ihre Ergebnisse und die Richtigkeit Ihrer Sturmtaktik zu überprüfen, unternahmen sie auf ihren beiden Weltumsegelungen auch Abstecher in die Ostsee, in die Adria und rundeten Kap Hoorn.

 

TOP 10 – Für Holland-Liebhaber im Winter

Mal eben hinfahren? Nein, im Moment lieber nicht. Was also tun, wenn einen die Sehnsucht nach dem platten Land packt? Wir haben da ein paar Ideen, nicht nur für Wassersportler

1) Sich mit der Sprache beschäftigen. Das geht ganz vorzüglich auf der entzückenden Seite buurtaal.de Denn Sprache geht nie ohne Kultur. Und das wissen die Macher der Seite ganz genau und setzen es so schön um.

2) Borrelen. Einen anderen Haushalt darf man einladen. Und es ist so gemütlich. Freitagnachmittag trifft man sich nach getanem Wochenwerk und bespricht alles ausgebreitet bei einem Borrel. Das ist Ur-Niederländisch

3) Seekarten berichtigen. Das macht doch keiner, oder? Stimmt. Aber wenn man es macht, ist es durchaus spaßig. Denn es geht um mehr als um das Aufkleben von Ausschnitten auf die Karte. Man beschäftigt sich mit seinem Revier, weiß beim nächsten Mal besser bescheid und ganz nebenbei kommen die Erinnerungen an die Saison hoch beim Blick auf die Karte. Hier geht es zu den Berichtigunggen: 1800. NV bietet Berichtigungen nur während der Saison von April bis Oktober an.

4) Die Entwicklung der Niederlande in einer Karte beobachten. Das geht auf der Seite toptijdreis.nl Man sieht dort genau, wann der Afsluitdijk entstand oder seit wann es Flevoland überhaupt gibt. Spannend!

5) Land im Gezeitenstrom schauen. Mit einem Plattboden einmal quer durch die Niederlande, dazu erzählt Volker Lechtenbrink uns Wissenswertes über Land und Leute. Ideal für einen Tag mit schwerem Holland Entzug. Mit Nummer Acht fängt es an. Neun und Zehn gehören auch dazu.

6) Den IBS aktualisieren. Ein neuer Außenborder oder ein neuer Motor an Bord? Neue Ausrüstung oder ein anderer Heimathafen? All das erfordert eine Anpassung des IBS. Verantwortlich dafür ist der Eigner. Er wendet sich an die herausgebende Stelle. Oftmals ist das der ADAC. Hier geht es zum Änderungsformular.

7) Snackbartag einführen. Viele Niederländer gehen Freitags zur Snackbar und holen Essen für die Kollegen oder daheim. Warum das nicht auch in Deutschland tun? Wer nicht zur Bude gehen mag, der brutzelt selbst. Frikandel kann man im Tiefkühlregal finden, Fritten eh. Und schon ist ein bißchen Hollandgefühl auf dem Tisch. Alternativ gehen natürlich auch Pannekoeken, Poffertjes oder Mosselen.

8) Knooppunten anschauen. Es gibt Stellen auf dem Wasser, da wird es oft sehr voll. Und wenn sich dann noch Freizeit- und Berufsschifffahrt begegnen, wird es Zeit, sich die Regeln dort einmal genauer anzuschauen und sie den Beteiligten noch mal bewusst zu machen. Das ist unter anderem die Aufgabe von Varen Doe Je Samen, einer Organisation, der so ziemlich jede Organisation angehört, die in den Niederlanden was mit Wasser zu tun hat. VDJS bringt sogenannte Knoopuntenboekjes heraus. Die lohnt es durchaus einmal anzuschauen. Am besten im Winter…

9) Holland hören. Das ist natürlich Geschmacksache. Aber Radio Veronica ist ja irgendwie Kult und hat zudem eine maritime Vergangenheit. Obendrein lernt man im Vorbeigehen die Sprache. Zumindest den Teil, den man versteht. Die Moderatoren sind teils extrem fix unterwegs. Dennoch lohnenswert. Natürlich gibt es noch jede Menge weitere tolle Musik aus den Niederlanden. Zeelandfans werden das hier mögen. Weiter im Norden hilft eher das hier die Kultur zu verstehen. Der Text ist echt aufschlussreich!

10) Holland lesen. Es gibt ein Buch, das mir besonders viel über unsere Nachbarn klar gemacht hat. Und dabei hab ich auch noch gelacht. Es heißt Mordsgouda und erhält von mir das Prädikat: Sehr lesenswert!

11) Holland schmecken. Warum nicht ein Genever-Tasting durchführen. Geht nicht? Doch, geht. Daheim. Mit dieser Box. Prost!

12) Die Saison 2021 planen. Wohin? Was erleben? Erforschen, was es zu erforschen gibt. Das geht auf Google Earth oder in der Seekarte samt Hafenhandbuch. Welches Motto könnte der nächste größere Törn haben? Was kulinarisches? Oder mal nur ankern? Tipps dazu gibt es hier und hier. Das erste Mal aufs Watt? Egal, auf jeden Fall einfach schon mal an die Zeit nach Lockdown und Winter denken. Das allein ist ja schon ein bißchen wie Urlaub, toch?

Huch, doch das Dutzend voll gemacht. Egal, TOP 10 rankt auf google besser. Viel Spaß damit! Und gesund bleiben.

 

Het bericht TOP 10 – Für Holland-Liebhaber im Winter verscheen eerst op Stegfunk.de | Wassersport. Holland..

SV Marie – Andreas Wiedenfeld GER

EIN SOMMERTÖRN VON BODDEN BIS NACH SARDINIEN

Hallo Peter! wurde mal wieder Zeit für ein Lebenszeichen von mir 🙂
puh….wie die Zeit doch rennt, das halbe Jahr ist nun fast um, nächste Woche endet unsere Reise vorerst 🙁
Immerhin: wir sind tatsächlich bis ins Mittelmeer gesegelt, vom Bodden bis Italien…und das mit einem 8m-Kahn, der Marie – es war eine tolle Zeit!

Das Winterlager haben wir inzwischen erreicht: Sardinien! Auch, dank dir und deiner Anlage, dazu habe ich endlich mal den Artikel fertig gestellt

Du merkst sofort: Leider bin ich immer noch stark hinterher und muss die Zeit nun nutzen, um den letzten Monat aufzuholen…
Hintergrund:
Wir haben die letzten Wochen auf Sardinien etwas ruhiger angehen lassen: relaxen und die spätherbstliche Sonne genießen. (Nachdem wir uns durch die italienischen Behörden gewühlt haben, um die nötigen Tests für die Aufenthalts-Erlaubnis zu organisieren, ein Chaos sage ich dir…). Jetzt ist seit einer Woche auch hier der Herbst angekommen, es regnet viel und ist deutlich kühler geworden…naja, da fällt der Abschied nicht mehr ganz so schwer…

Auf jeden Fall sind wir froh, Spanien erstmal verlassen zu haben und uns am Ende doch nicht für Frankreich sondern Sardinien/ Italien entschieden zu haben. Hoffen wir, dass wir im Frühjahr 2021 wieder herkommen dürfen…
Und da habe ich auch gleich noch eine Frage zur Wartung des Windpiloten: Beim Abbauen der Anlage habe ich festgestellt, dass Wasser im Pendelruder ist, darf das dort bleiben oder ist das unartig und muss raus´? Es lässt sich nämlich nur sehr mühsam „rausschütteln“ (auf der OBerseite ist ein kleiner Spalt, wo es dann rausspritzt).
Kopfüber „läuft“ es auch nicht wirklich von alleine ab, wenn dann müßte man es wohl aufmachen… Also, was tun? Aufschrauben? Aufbohren? trocknen und wieder zukleben?
Viele Grüße
Andreas
27.10.2020


Moin Andreas, danke für die Blog Blumen! Ein klein wenig Wasser im Ruder ist nicht zu verhindern, da trotz Epoxy Verklebung metallischer Kontakt zwischen Gussteil und Profil nicht zu verhindern ist ( Klemmwirkung ). Solange allerdings das Kopfteil fest im Profil sitzt = alles gut! Falls es dort wackelt, durch Treibgut etc. sich gelöst haben sollte und dann nur noch am Spannstift hängen sollte: Spannstift raus, Gussteil raus und neu verkleben und absichern durch Spannstift … Wasser drinnen tut nicht weh´ alle Bauteile sind durch Eloxal geschuetzt …zumal die Menge Mickey Mouse … nix anrichten kann!
Allerbest
Peter

Lesestoff

In Fahrt.

Das wir eines Tages selbst einmal mit einer Stahlketsch durch die Gegend segeln werden, hätten wir am Anfang unserer Segelzeit auch nicht gedacht.
Am Anfang, das war vor ungefähr 10 Jahren. Damals hatten wir gerade unser erstes Boot Shamu restauriert. Ein kleines Kielboot von 6,50m Länge, das nach gut einem Jahr Bastelei wieder ganz passabel aussah. Mit Shamu haben wir dann den Rhein und einige Gewässer in Holland unsicher gemacht. Das waren für uns Neusegler schon große Abenteuer.
Für die Abenteuer auf hoher See fehlte uns damals noch die Erfahrung und natürlich das richtige Boot. Also haben wir einen nicht geringen Teil unserer Freizeit damit verbracht, die Bücher der großen Segler vergangener Zeiten zu verschlingen und die Blogs und Youtube Kanäle der jüngeren Generationen abzugrasen.
Viele Blogs sind heute, nach all den Jahren, nicht mehr in den Favoriten übrig geblieben und von allen die wir seinerzeit entdeckt haben und bis heute verfolgen, gibt es nur noch wenige Pärchen, die weiterhin gemeinsam unterwegs sind und aus der Masse der Fahrtensegler herausstechen.
Claudia und Jürgen Kirchberger mit ihrer Segelyacht La Belle Epoque sind solche Menschen. Die beiden haben uns seinerzeit inspiriert wie sonst kaum jemand! Die Fahrten mit La Belle Epoque in die Arktis und ihre Reisen durch das Südpolarmeer bis zum antarktischen Kontinent das waren Abenteuer, die den Namen wirklich verdient haben. Unaufgeregt, nah an der Natur und ohne Schickimicki!

Vor ein paar Tagen hatten wir unerwartet Post. Diesmal nicht vom Zoll, sondern eine E-Mail von Claudia, mit dem Vorschlag, einen Artikel auf ihrer Website über uns zu veröffentlichen.
Deshalb quatsche ich jetzt auch nicht länger hier weiter, sondern verlinke euch den Artikel „Raus aufs Meer“ auf der Website von Claudia und Jürgen, die uns bis heute immer wieder mit ihren außergewöhnlichen Segelreisen begeistern.

Bilderrätsel KW 45 – Wo ist es?

Wow! Ein bißchen Strand, viel Wasser und ein paar Büsche und das reicht aus, damit sehr viele Stegfunk.de Leser die Marchjepolle im Tjeukemeer erkennen. Respekt, sehr gut. Ist aber auch schön da. Zum Glück waren Tjuske und mArchje seinerzeit mit Milchkannen unterwegs. Als ein Feuer ausbrach, versuchten sie dieses mit der Milch zu löschen. Die war aber, so sagt es die Geschichte, so fettig, dass sich das Feuer nur weiter ausbreitete. Als der Torf schließlich abgebrannt war, blieb das Tjeukemeer zurück.

Auch in dieser Woche geht es weiter mit dem Bilderrätsel für echte Holland-Profis, wir mach es ein wenig schwieriger. Ich bin gespannt, wer das erkennt… Wer glaubt zu wissen, wo diese Insel sich befindet, der oder die schreibt gerne an [email protected] Viel Spaß!

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Noch ein Segel-Video

So., 01.Nov.20, Franz.Polynesien/Tahiti/Papeete, Tag 2345, 21.218 sm von HH

Wer erinnert sich noch an die Muppet-Show? An die beiden Alten? Statler und Waldorf, so heißen die beiden. Die Alten saßen immer meckernd auf ihrem Balkon in der Loge und haben kein gutes Haar an den Muppet-Shows gelassen. Sie waren mit jeder Aufführung unzufrieden und trotzdem als Stammgäste immer mit dabei.
Beim Schneiden dieses Films musste ich immerzu an Statler und Waldorf denken: Der Skipper nur am meckern, ich nur am meckern und trotzdem wieder auf See.
Auch so eine Art Hass-Liebe.

Viel Spaß mit dem zweiten Teil von Tahiti nach Gambier nach unserer Unterbrechung in Hao.

 

Unser Ankerplatz auf Mangareva