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Ein Weinmann in Pauillac

IMG_20160412_191534 Weingüter PauillacAm 12.04. wird Pauillac von mir erkundet. Die Ländereien hinter dem Ort beherbergen einige der berühmtesten Weingüter der Welt. Der Boden ist so wertvoll, dass kaum ein Quadratmeter ungenutzt bleibt. Den Ausflug genieße ich. Wunderbares Wetter, endlich mal wieder ein wenig die Gegend zu Fuß erkunden und vorbei an Châteaus, die Familien wie Rothschild oder Latour gehören. Ich schreibe diesmal mal nicht viel, denn ich muss noch ein paar Dinge erledigen. Am nächsten Tag will ich weiter. Eigentlich…

In Pauillac

IMG_4628 Eos SchlickrutscherAls ich letzte Woche Dienstag hier in Pauillac angekommen bin, da hätte ich die Möglichkeit gehabt gleich am nächsten Tag weiter nach Begles zu fahren. Es wäre allerdings sehr knapp geworden. Zum einen, weil mehr Schlamm im Hafen liegt als erwartet und damit das Zeitfenster zum Auslaufen so kurz vor Springtide verkleinert wird, zum anderen, weil ich erst kurz vorm Dunkelwerden in Begles angekommen wäre, vorausgesetzt, alles wäre nach Plan verlaufen. Gebracht hätte es mir jedoch wenig, denn spätestens in Begles wäre für eine Woche Schluss gewesen, da die Gezeiten nicht zu den Betriebszeiten der ersten Schleuse gepasst hätten. Einen Anleger gibt es vor dieser Schleuse nicht. Man muss sich dort eine halbe Stunde vor der geplanten Ankunft melden, dann wird die Anlage für einen vorbereitet und man fährt direkt aus dem Fahrwasser in die Schleusenkammer. Da muss also auch wieder alles passen. Hätte es aber eben nicht, denn die Garonne, wie auch die Gironde, ist bis weit ins Land durch Gezeiten beeinflusst. Da geht es nur mit dem Strom und nicht dagegen. Theoretisch wäre eine Nachfahrt auf der Garonne um Springtide herum noch möglich gewesen, oder andere „Experimente“. Theoretisch! Denn Nachtfahrten auf dem Fluß sind nicht ganz ohne. Das kann man auf Flüssen in seinem Heimatrevier machen, wenn man es kennt wie seine Westentasche. Wobei einem hier auch noch eine Menge Treibholz, in Form von ganzen Baumstämmen, entgegen kommt. Die sieht man Nachts schlecht. IMG_4709 Treibholz Der Tidenhub beträgt in Pauillac bei Springtide über 6 Meter. In Bordeaux ebenfalls und auch in Castets-en-Dorthe, an der Schleuse zum Kanal, etwa 150 Kilometer hinter der Mündung, hat der Atlantik noch nicht ganz an Einfluss verloren. Es werden enorme Wasser- und Schlickmengen bewegt und in den Häfen kommt man mit dem Ausbaggern kaum hinterher. Was hier, am größten Mündungstrichter Europas, an Wasser ins Meer fließt ist nicht wenig. Allerdings wird die Menge des abfließenden Süßwassers, vom einströmenden Meerwasser bei Flut, um das bis zu 30-fache übertroffen. Das ganze Seegebiet hat daher wenig Eigenschaften eines Flusses. Zumindest hier in Pauillac ist das in Bezug auf die Seefahrt noch Meer, auch wenn das Wasser eine andere Farbe hat, als direkt am Atlantik. Also bin ich vorerst in Pauillac geblieben, habe Barbara und Michael kennengelernt und schöne Stunden bei den beiden an Bord ihrer S/Y IZAR verbracht. Mal war ich zum Tee an Bord, mal zum Abendessen eingeladen. Die IZAR ist eine Bruce Roberts 53 und die beiden haben schon viel mit ihr gesehen. Sie sind von der Türkei aus durchs Mittelmeer gesegelt, dann über Gibraltar um die iberische Halbinsel herum. Biskayaüberquerung, Irland, Schottland, Norwegen und wieder zurück in die große Bucht hier am Atlantik. Es sind interessante Geschichten, die erzählt werden. Geschichten ohne Seemannsgarn und Geschichten, die inspirieren und Mut machen. Irgendwann muss ich mich losreißen, es wird spät. Und wenn ich als Nachteule spät sage, dann ist es wirklich spät. Ansonsten ist hier an meinem Ponton wenig los. Ich liege am anderen Ende des Hafens. Nachdem Eos in der ersten Nacht ziemlich früh trocken gefallen ist, habe ich sie in diese Ecke verholt. Hier wurde gerade erst ausgebaggert und Eos hat selbst bei Springniedrigwasser noch genügend davon unter den Kielen. Ein wenig Aufmerksamkeit hat sie auch von mir bekommen. Ich habe den Ölwechsel und die Inspektion ein paar Motorstunden vorgezogen und eine neue Trinkwasserpumpe eingebaut. Bei der Alten hatte sich der Druckschalter verabschiedet. Vor dem Einbau habe ich der neuen Pumpe allerdings ein Relais spendiert, ein Tipp von einem Bootsnachbarn aus dem Mahnensee. Im Originalzustand muss der Druckschalter die gesamte Last der Pumpe schalten und geht dabei relativ schnell hopps. In der umgebauten Version schaltet der Druckschalter nur noch mit minimalem Strom ein Relais, welches dann die Pumpe ein- und ausschaltet. Das sollte nun ein wenig länger halten. Mit Englisch hatte ich übrigens auch hier wieder überhaupt keine Probleme. Fast jeder, dem ich begegnet bin kann Englisch. Zweimal wurde ich sogar mit meiner Muttersprache überrascht. Mein Französisch ist leider nach wie vor eingerostet. Mehr als ein paar Brocken sind da nicht drin. Aber immerhin habe ich es hin bekommen in Begles anzurufen und mich auf Französisch nach dem Hafen und den Liegeplätzen zu erkundigen. Es war ein langes, holpriges Telefonat aber ich weiß nun wo ich dort festmachen kann.

Videoupdate #23

Ein Einhandtörn

DCIM100MEDIAEs hat geklappt. Ich bin am Dienstag raus aus der Komfortzone in Port Medoc. Und es hat sich ausgezahlt zu warten. Zum einen, weil es bei so einem Törn Sinn macht fit zu sein, zum anderen, weil das Wetter vorher nicht besonders günstig war. Vor allem der Wind wäre absolut suboptimal gewesen, nämlich aus Südost, also gegenan und gegen den Flutstrom. Das hätte keinen Spaß gemacht. Dienstag hat sich dann der Randbereich eines Azorenhochs breit gemacht und mir konstante 4 Beaufort aus Nordwest und strahlend blauen Himmel beschert. Die Leinen habe ich ziemlich genau zu Niedrigwasser an Ponton I, Box 44 losgemacht. Nachdem ich im Hafenbüro meine Schlüsselkarte abgegeben und mich verabschiedet habe. „Und, kommt ihr irgendwann wieder?“ Bei der Frage hatte ich nen Kloß im Hals. Ich hoffe es, dass wir irgendwann wieder nach Port Medoc kommen. Der für Eos vorerst letzte Hafen in der Biskaya, war auch gleichzeitig für uns einer der besten, wenn nicht der Beste. Eine richtig gute Zeit hatten wir hier. Das Lösen der Leinen ist mir genau so schwer gefallen wie damals in Rees und das will was heißen. Ich war froh, dass keiner sonst an diesem Morgen da war. Kein Bootsnachbar, keine bekannten Gesichter. Das hätte es nur noch schwerer gemacht. Also Leinen los und zunächst Radeffekt und Wind aufs Heck gegen mich. War aber kein Problem. Der Ableger lief schonmal gut. Danach habe ich Fender reingeholt und Leinen aufgeschossen. Kurz vor der Hafenmole war alles fertig. Dass der Mast fehlt, hat man sofort gespürt. Die erste Zeit hatte ich die Windsee und die Dünung noch von der Seite und da ist Eos manchmal deutlich und zackig ins Rollen gekommen. Der Mast bringt da ansonsten ein Trägheitsmoment ins Schiff und das fehlte eben. Nach einer Weile war ich am Rande des Fahrwassers, hab den Autopiloten eingekuppelt und bis kurz vor Pauillac ist das auch so geblieben. Dann hatte ich Zeit. Zeit zum Nachdenken und Zeit, um in mich rein zu horchen. Erstaunlicherweise bin ich diesmal nicht Seekrank geworden, absolut überhaupt nicht! Trotz Rollerei, Restdünung und spürbarem Seegang. Dabei hatte ich kein Medikament gegen Seekrankheit genommen, nur mittelmäßig gut geschlafen, war aufgeregt und angespannt. Trotzdem, absolut nichts. Unter Deck konnte ich mich sonst meistens nie lange aufhalten, ohne dass mir kotzübel wurde, auf diesem Törn war das plötzlich überhaupt kein Problem. Also hab ich fotografiert, gefilmt, ab und zu den Kurs korrigiert und dem Festland dabei zu geschaut, wie es langsam wieder näher kam. Ansonsten war dort nicht viel los. Ab und zu kam mal ein Baum an uns vorbei geschwommen und bis auf eine Begegnung mit einem Segelkatamaran war an diesem Tag im April niemand unterwegs. Das hat mir gefallen. Nur Eos und ich. Mit bis zu 9,2 Knoten sind wir am Ende die Gironde hochgeschossen. Und das noch Tage vor Springflut. Fahrt durchs Wasser haben wir dabei etwa 5 bis 5,5 Knoten gemacht. Genau weiß ich es nicht, weil sich das Log verabschiedet hat. Der Gezeitenstrom ist hier wirklich gewaltig. Am Nachmittag waren wir dann kurz vor Pauillac. Bei immer noch 9 Knoten Fahrt über Grund. Fender und Leinen waren wieder klar und es ging auf die schmale Einfahrt zu. In der Karte sind Eddies eingezeichnet und ich konnte mir bereits denken was mich dort an der Außenseite erwarten wird. Beim eindrehen kurz vor der Mole hatten wir schlagartig den Strom gegen uns. Marschfahrt hat nun nicht mehr ausgereicht, wir wurden weiter nach Süden versetzt. Also Vollgas, den Hebel bis an den Anschlag nach unten und am besten nicht auf den Drehzahlmesser schauen. Der Bukh ist auf einmal lebendig geworden und Meter für Meter hat sich Eos langsam aus dem Fahrwasser geschoben. Wir waren im Hafen. Entspannen, Fahrt rausnehmen, alles genau anschauen. Woher kommt der Wind? Gibt es eine Strömung im Hafen? Oh ja, es strömt ordentlich. Mal hier entlang, mal da entlang. Also vorsichtig, aber nicht zu vorsichtig ran an den Gästesteg. Ich war zu vorsichtig beim ersten mal. Die Strömung hat Eos wieder weggedrückt. Nochmal kurz zurück und mit ordentlich Schub wieder ran. Hat geklappt und ich musste nicht von Bord. Ein netter Mensch hat mir die Leinen abgenommen und geholfen. Leinen fest nach 27 Seemeilen! Das war er also, mein erster Einhandtörn. Hätte eigentlich nicht besser laufen können. Nachdem Eos fest war, hab ich mich noch eine Weile mit dem freundlichen Franzosen, der mir geholfen hat, und noch jemandem, der dazu kam, über die Tour unterhalten. Dann „Au Revoir“ gesagt und bevor ich zurück an Bord konnte stand jemand vor mir und meinte: „Grüß Gott, ich bin der Michael.“ Was danach geschah, wieso Eos in der folgenden Nacht auf Grund saß und warum ich immer noch in Pauillac bin, erzähle ich euch die Tage.

Ereignisreiche Woche

IMG_4329 Dune du PilatDie Woche ist nicht ganz zu Ende und trotzdem fasse ich sie schon mal zusammen, denn jetzt habe ich gerade Zeit. Ich häng seit heute morgen nämlich angezählt in der Koje. Halsweh, leichtes Fieber und der Kram, schon wieder. Es nervt, aber was solls, geht auch wieder weg. Was seit Samstag vor einer Woche so passiert ist: Wir hatten viel mit Eos zu tun. Einkaufen, sauber machen, für die Kanalfahrt vorbereiten, die verschiedenen Tanks auffüllen, ein paar kleinere Reparaturen erledigen, sich gemütlich einrichten, Technik checken, und so weiter. So sehen die wichtigsten Füllstände nun aus: Trinkwasser in Tanks – 220l Trinkwasser und Cola in Flaschen – 45l Nahrungsmittel – Viele Diesel – 200l Benzin – 5l Petroleum – 27l Spiritus – 7l Rum – 1 Flasche Neben der Vorbereitungsarbeit war aber auch noch genug Zeit für Urlaub am Atlantik und, ganz spontan, auch für Ausflüge auf dem Jakobsweg. Eigentlich wollte ich Sabrina an ihrem Geburtstag für zwei Tage nach Spanien entführen aber sie wollte nicht. Zu aufwändig, meinte sie. Sie wollte ihren 30. lieber ganz unspektakulär auf dem Jakobsweg hier an der Küste verbringen. Ich muss sagen, es war der ungewöhnlichste 30. Geburtstag, auf dem ich jemals anwesend war, aber auch einer der schönsten. Wir haben morgens unsere kleinen Rucksäcke gepackt. Proviant, ein paar warme Klamotten. Dann die Wanderschuhe angezogen und los. Allerdings nicht nur zu Fuß. Der kleine Renault Modus hat uns an einige Abschnitte gebracht, die wir vor ein paar Monaten gepilgert sind. Erinnerungen kamen hoch und vor allem sehr schnell auch die Erkenntnis, wie wenig Zeit vergangen und wieviel in unserem Leben seitdem passiert ist. In Le Gurp ist nach wie vor alles dicht. Keine Menschenseele war dort. Den Platz im Wald, an dem unser Zelt für eine Nacht stand, haben wir sofort wieder gefunden. Es ist wirklich kurios. Im Alltag vergisst du schon mal wo du vor dem Supermarkt dein Auto geparkt, oder zu Hause den Schlüssel hingelegt hast und hier, auf dem Jakobsweg? Da weiß ich noch, neben welcher Pflanze ich den Hering in den Boden gedrückt habe. So einen Weg geht man irgendwie wacher. Man versucht so viel wie möglich in sich aufzusaugen. Bloß nichts liegen lassen! Irgendwann hatten wir dann die Runde durch den Wald gedreht und uns neben dem Campingplatz unter den hohen Kiefern an einen der Tische fürs Picknick gesetzt und etwas gegessen. An denselben Tisch wie beim letzten Mal. Wir waren allein, nach wie vor keine Menschen weit und breit. Nur ein paar einzelne „Wächter“ von Le Gurp sind noch umher gehuscht. Die Eichhörnchen. Einen Tag später sind wir noch einmal los und haben weitere Orte am Jakobsweg und daneben besucht. Die Tramperstrecke, das Bassin d’Arcachon und noch einmal hoch auf die Dune du Pilat. Wunderbare Tage waren das. Und Johnny? Den haben wir natürlich nicht vergessen! Seine Urne hatten wir mit an Bord und die Zeit mit ihm ist nun endgültig zu Ende. Wir haben jetzt eine Stelle, an der wir an ihn denken können. Seit heute morgen bin ich nun allein an Bord. Ziemlich ungewohnt für uns beide. Sabrina ist mit dem Auto zurück gefahren und auf halbem Weg gut im Hotel angekommen. Morgen fährt sie die zweite Hälfte der Strecke und dann ist ihr Urlaub auch schon wieder vorbei. Ich bin gespannt wie wir mit dem allein sein klar kommen werden. Heute war es jedenfalls für uns beide sehr schlimm. Eine Freundin von Sabrina hat es vor kurzem recht passend ausgedrückt: „Zwischen euch beide passt ja auch kein Blatt Papier!“ IMG_20160401_194111 Sabrina und Nico

April, April

Aprilscherz 2016Eos segelt nicht mit 4 Beaufort von achtern, bei herrlichem Wetter der spanischen Küste entgegen, sondern liegt nach wie vor in ihrer Box in Port Medoc! Die Positionsmeldungen hier auf der Website und bei Facebook waren natürlich ein Aprilscherz.

Bald geht es aber wirklich los. Sabrinas Urlaub ist leider schon fast zu Ende. Sie wird morgen früh mit dem Auto allein zurück fahren, auf halber Strecke im Hotel übernachten und ist Sonntag wieder in Deutschland.

Wenn der Wetterbericht so bleibt, dann mache auch ich morgen früh die Leinen los. Eos ist fertig vorbereitet und alle Tanks sind randvoll.

IMG_4406 Snapdragon 890 Eos IMG_4408 Snapdragon 890 Eos

 

 

 

 

 

Sonnensegler #22 Zurück an Bord

Vom Segelboot zum Kanaldampfer

IMG_20160326_092845Angefangen hat die Tour am Donnerstag Abend etwa 19 Uhr. Ich habe meinen Rhythmus einen Tag zuvor auf Nachtschicht umgestellt und ziemlich lange geschlafen. Sabrina war mit ihrer Bronchitis so gut wie durch. Bei mir haben sich wieder Schnupfen und Halsschmerzen angeschlichen, aber ansonsten war ich fit.
Die Niederländische Grenze lag schnell hinter uns, ebenso die Belgische. An beiden Übergängen war es erstaunlich entspannt.
Die Grenze zu Frankreich wurde stärker bewacht als noch im Dezember, aber auch hier durften wir ungehindert passieren.
Ich hatte mich bereits auf eine ziemlich langweilige Nacht eingestellt, während Sabrina die meiste Zeit geschlummert hat. Eine CD nach der anderen musste das Radio durchleiern, um mich bei Laune zu halten.
Die Mautstationen wurden ebenso von schwer bewaffneten Polizisten überwacht, aber das kannten wir ja bereits von der letzten Tour, ein paar Monate zuvor. Wir haben nur gehofft, dass wir nicht zu denen gehören würden, deren Fahrzeug ausgeräumt und durchsucht wird. Bisher hatten wir wirklich Glück.
Die Mautstation vor Paris wurde besonders gut kontrolliert, allerdings aus meiner Sicht irgendwie ein wenig merkwürdig organisiert. Viel blaues Blinklicht und noch mehr Pylonen. Hab mir dann erst mal eine freies Mautgatter zum bezahlen ausgesucht. Ich wundere mich ja immer wieder, warum so viele Menschen sich in der Mitte knubbeln und anstehen, obwohl man mit einem Schlenker nach rechts oder links gleich ein freies Terminal vor sich hätte. Vielleicht eine Art Herdentrieb? Ich weiß es nicht, bin aber jedenfalls ganz nach rechts außen an ein freies Gatter gefahren und hab das Ticket bezahlt. Nachdem die Schranke hoch gezogen wurde, lag vor mir ein durcheinander aus Pylonen. Einige Autos, die ohnehin bereits mittig durch die Anlage sind und jetzt links neben mir waren, wurden von Polizisten kontrolliert. Die Lage sah ziemlich entspannt aus und ich hab kurz überlegt, ob ich im 90° Winkel nach links ziehen und mich hinten anstellen soll? Aber zum einen soll man sich ja nicht unnötig auffällig verhalten und zum anderen war direkt vor mir eine eindeutige Lücke zwischen den Pylonen. Also wirklich eindeutig!
Was machen? Eine Sekunde, zweiter Gang, noch eine Sekunde…
Irgendwie war ich im Kopf wohl schon auf Eos und habe mir gedacht: Im Zweifelsfall erst mal Kurs halten!
Also geradeaus.

Etwa 100m weit sind wir gekommen, dann wurde laut gepfiffen und gerannt. Die Polizisten waren plötzlich überhaupt nicht mehr entspannt und auch die automatischen Gewehre hingen jetzt nicht mehr nur locker um den Hals.
Der Modus stand mehr oder weniger sofort, ich hab noch schnell das Fenster geöffnet und zumindest eine Hand nach oben gehalten.
Bevor der erste an der Tür war hab ich mich bereits entschuldigt. Er war schnell an der Tür, hat uns dann sehr ernst gemustert, ins Auto geschaut und während ich irgendwie versuchen wollte mich zu erklären, fing er ganz leicht an zu lächeln und fragte dann: „Deutsch?“
Ich hab genickt.
„You can go this way!“ meinte er nur und zeigte in Richtung Autobahn.

Das wars, mehr nicht.
Merci beaucoup!

Das war der einzige Zwischenfall. Morgens um kurz vor 8 Uhr, viele 100 Kilometer später, hat die Fähre den kleinen Renault Modus und uns über die Gironde geschaukelt. Diesmal hat er es endlich auch an den Atlantik geschafft, mit gerade mal 4,7l Diesel pro hundert Kilometer.

Schlüssel umdrehen, Türen auf, in die Kajüte schnuppern. Alles gut!

Nur außen hat Eos ein wenig gelitten. Die Winterstürme haben ein paar Spuren hinterlassen, aber nichts wildes.

Der restliche Tag war gefüllt mit Kisten schleppen, einrichten, alles für den Krantermin vorbereiten.

Am Samstag sind wir mit Eos dann eine große Runde durch den Hafen zum Technik Ponton gedreht. Eine große Runde deshalb, weil im Hafen gerade gebaggert wird. Man muss quasi eine Umleitung fahren.
Etwa eine Stunde später lag der Mast auf seinen neuen Lagerpunkten. Dann zurück in die Box, Wanten, Stagen und das ganze Gerödel sortieren, fixieren, abpolstern. Noch ein Großeinkauf, endlich duschen.

IMG_20160326_092900 FILE8194 Mastlegen IMG_20160326_112248

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Position im neuen Gewand

Position 2016-03-20Pünktlich zum Frühlingsanfang ist die neue Positionsseite fertig geworden. Auf den ersten Blick fällt hauptsächlich die neue Karte auf. Die Seite verwendet jetzt eine OSM-Outdoor-Karte und ich habe auf die neueste Plugin-Version umgestellt. Das bringt in erster Linie einige Erleichterungen für mich beim aktualisieren mit sich. Für euch bedeutet es, dass die Position und Links aktueller sind. Mit Smartphones lässt sich die neue Karte jetzt auch komfortabler bedienen.

Probierts doch mal aus: —> Position

Von Seuchen und Vorbereitungen

IMG_4212Zuerst die Guten Nachrichten:
Alle Einkäufe sind erledigt, alle Bastelprojekte aus der Werkstatt raus und die letzten Bestellungen eingetrudelt. Auch unser kleiner Renault Modus ist wieder fit. Er hat uns bis vor kurzem immer wieder mit Problemchen auf Trab gehalten. Zum Schluss ist noch die Windschutzscheibe getroffen worden. Ein Steinschlag, dekoriert mit einem „schönen“ langen Riss. Aber auch das ist wieder heile, nachdem ich vorgestern eine neue Scheibe eingebaut habe.
Jetzt müssten eigentlich nur noch die Sachen gepackt und etwas Papierkram erledigt werden. Der weitere Plan sieht dann vor, dass wir uns am Donnerstag Abend auf nach Frankreich machen wollen.

Jetzt die schlechte Nachricht:
Sabrina liegt seit heute flach. Aber so richtig. Kopf- und Gliederschmerzen, Halsweh, Husten, Stimme weg und Fieber.
Wir spielen mit der Seuche seit ein paar Wochen Pingpong. Erst Sabrina, dann bis vor ein paar Tagen ich und jetzt wo wir beide wieder einigermaßen fit waren, geht es offenbar von vorne los.

Aber wir haben einen Plan B, falls nicht eine Art High-Speed-Heilung einsetzt! Denn irgendwie muss Eos vorbereitet werden und am Samstag früh zum Servicesteg kommen, dann hat sie einen Termin fürs Mastlegen.

Spurenbeseitigung

IMG_20160227_114830 Tasche1Neben den Spuren, die wir auf unseren Reisen hinterlassen, hinterlassen sie auch Spuren an uns. Dass solche Abenteuer aber auch nicht spurlos an unseren Reisetaschen vorüber gegangen sind, habe ich letztens deutlich gesehen. Haben sie im Laden vielleicht noch gehofft, bei einer Pauschalreise im Flieger ins Warme zu kommen und ein ruhiges Dasein zu fristen, kam alles anders, nachdem wir sie gekauft haben. Sie wurden bis an die Belastungsgrenze bepackt, in der Metrostation im Gatter eingeklemmt und die Rollen beim Sprint von einem Zug zum nächsten zum schmelzen gebracht. Anstatt sie aber nun in den Ruhestand zu schicken, haben sie von Nico kugelgelagerte Inlinescater-Rollen mit einem neuen Gehäuse bekommen. Danach sind im Kampf mit der Nähmaschine und mit einiger Handarbeit die restlichen „Spuren“ von mir beseitigt worden und die Taschen sind wieder bereit für ihren nächsten Einsatz!

Wir bleiben noch ein bisschen

IMG_4198 Gastlandflagge FrankreichSabrina hat bereits eine neue französische Gastlandflagge genäht, denn die alte zeigte nach der langen Zeit unter der Saling nun doch erste Auflösungserscheinungen. Wo ich die neue Tricolore befestigen werde, da bin mir noch nicht ganz sicher. Vielleicht unter dem Geräteträger an Steuerbord? Würde vermutlich am besten passen, wenn in kürze der Mast auf Deck liegt. Aber der Reihe nach…

Delphine sind dort wo ich mit Eos lang möchte, diesmal keine zu erwarten. Aber Berge, oder besser gesagt, Hügel, naja, ein bisschen bergig ist es schon…
Jedenfalls wird es für Eos eine ganz schöne Plackerei werden, ihren dicken Bauch dort hoch zu schleppen, wo ich mit ihr hin will! Es erscheint uns gerade fast als die ideale Ergänzung aus Wandern und Bootfahren: Wasserwandern
Hügel und Felder, Berge und Wälder, dazu viele kleine französische Dörfer rechts und links des Weges. Und mitten drin, die Eos! Klingt idyllisch und unwirklich, oder?
Wie es geht? Ganz „einfach“, über den Canal du Midi, einem alten schmalen Kanal, der zusammen mit dem Garonne-Seitenkanal, der Garonne und der Gironde, den Atlantik mit dem Mittelmeer verbindet.

Ich weiß gar nicht mehr, wer uns als erstes auf die Idee gebracht hat, aber im Laufe der Zeit kam der Vorschlag von einigen Freunden und Lesern. Zuerst waren wir nicht besonders angetan, irgendwann haben wir uns dann aber mal etwas intensiver mit dieser Möglichkeit auseinander gesetzt, Revierführer gekauft, Kartenmaterial gewälzt und Infos gesammelt.
Im Laufe der Recherche hat sich dann immer mehr raus kristallisiert, dass eine Tour ans Mittelmeer und von dort aus weiter nach Norden, quer durch Frankreich und Deutschland, für Eos nahezu ideal ist. Wir haben einen verhältnismäßig starken Motor, wenig Tiefgang und der Geräteträger muss auch nur minimal eingekürzt werden, um durch die teils niedrigen Brückendurchfahrten zu kommen. Dazu hat Eos mit 10,50m noch einen relativ kurzen Mast, der (auf Deck gelegt) auch in den ovalen Schleusen auf dem Canal du Midi wenig stört.

Bis Bordeaux werden wir mit Eos zunächst die Gironde und anschließend den Fluss Garonne befahren. Der Garonne-Seitenkanal beginnt bei Castets-en-Dorthe. Ab da geht es an den langen Anstieg (wie sich das anhört) nach Südosten. Schleuse über Schleuse wird Eos immer weiter hinauf klettern. In Toulouse ist der Garonne-Seitenkanal zu Ende und der Canal du Midi beginnt. Jener alte Kanal, in dem die Fahrrinne kaum breiter als ein Radweg ist und selbst Eos oft nicht mehr als die berühmte Handbreit Wasser unter dem Kiel haben wird. Eine Meisterleistung der damaligen Zeit ist dieser, vor über 300 Jahren erbaute Kanal, der mittlerweile zum UNESCO Weltkulturerbe gehört und entsprechend erhalten wird.

In Sète endet der Canal du Midi und damit der etwa 600 Kilometer lange Wasserweg zwischen atlantischem Ozean und Mittelmeer schließlich.

Die Tour würde dann vom Mittelmeer aus weiter nach Norden über ein kurzes Seestück oder einen Verbindungskanal die Rhône und weiter die Saône stromaufwärts führen. Es geht vorbei an Lyon, bis kurz vor Dijon und dann in den Rhein-Rhône-Kanal nach Osten, der zum Teil im natürlichen Flussbett des Doubs verläuft und über viele Schleusen zwischen dem Jura Gebirge an Steuerbord und den Vogesen an Backbord über die Wasserscheide zwischen Rhein und Rhône in das Rheintal und dort in den Rhein-Seitenkanal führt. Dabei erreicht man auf diesem Abschnitt an der höchsten Stelle, der Scheitelhaltung, die Maximalhöhe der Tour von 345 Metern über dem Meeresspiegel.
Danach geht es nur noch bergab und hinter der Schleuse Iffezheim wollen wir, je nach Rheinpegel, den Mast wieder stellen. Wenn da jemand von euch einen Tipp hat, wo man das gut machen kann, würden wir uns über eine Nachricht freuen.

Uns ist natürlich glasklar, dass auf einer so langen Strecke über die Kanäle und Flüsse eine recht hohe Chance besteht, dass irgend etwas dazwischen kommt und der Plan vollkommen durcheinander gerät. Sei es eine defekte Schleuse, was bei der hohen Anzahl nicht selten vorkommt, oder Hochwasser, oder Niedrigwasser, Motorausfall oder, oder, oder. Hängt man einmal fest, gibt es bis weit nach Lyon keine Ausweichstrecke. Dann bleibt eigentlich nur noch der Tieflader. Aber daran denken wir jetzt nicht. Wir sind optimistisch, dass wir unser Schiffchen auf dem Wasserweg nach Rees bringen werden.
Schon komisch, wie sich Sichtweisen mit der Zeit verschieben. Wir träumen zwar nach wie vor vom weiten Atlantik und Delphinen, jetzt erwische ich mich aber manchmal dabei, wie ich mir mit geschlossenen Augen vorstelle mit Eos unter der neuen Rheinbrücke in Wesel drunter her zu segeln. Wind aus Südwest wäre für den Tag Klasse. Dann vorbei am Weseler Yachthafen, hoch am Wind weiter den Rhein runter, an der alten Promenade in Rees vorbei und schließlich in die schmale Einfahrt zum Mahnensee abbiegen…

Aufwachen, Nico! Zwischen Port Medoc und dem Mahnensee liegen etwa 1.190 Seemeilen, oder 2.200 Kilometer, wie man binnen eigentlich sagt. Achja und dann noch die Schleusen. Es sind 274 um genau zu sein, wenn ich richtig gezählt habe! Einige davon sind mehrstufig, mit vielen Kammern hintereinander und ein paar, auf dem Canal du Midi, auch etwas tricky, wenn man alleine unterwegs ist.

Bammel hab ich natürlich auch vor dieser Tour. Vor allem vor der langen Trennung von Sabrina. In den letzten knapp 12 Jahren gab es nur wenige Tage, an denen wir uns nicht gesehen haben. Wir haben fast alles gemeinsam gemacht. Abenteuer erlebt, gemeinsam gelacht und geweint und immer zusammen gehalten. Auf See, auf dem Jakobsweg und auch sonst!
Jetzt werden wir eine ganze Weile ohne den jeweils anderen auskommen müssen. Aber sie wird mich im Mai an Bord besuchen, dann sollte ich, wenn alles klappt, am Mittelmeer oder schon auf der Rhône sein.

IMG_4199 Revierführer Frankreich - Rhein