Archiv der Kategorie: Atanga

Die Post in Ecuador

Mi., 14.Nov.18, Ecuador/Bahía de Caraquez, Tag 1627, 13.337 sm von HH

In drei Wochen heißt es ‚Anker auf‘. Unsere Zeit in Ecuador läuft ab und der Sommer auf der Südhalbkugel steht vor der Tür. Höchste Zeit aus unserem Camping-Schiff ein See-Schiff zu machen.
Artig arbeiten wir unser Mach-was-Listen ab: Proviant durchsehen, sortieren, aufstocken. Schränke umräumen, sauber machen und fehlende Teile besorgen. Ölwechsel am Wassermacher, Tauchkompressor, Maschine und Getriebe. Wir kommen gut voran.
Da flattert die freudige Mitteilung ins Haus: „Sie haben Post“. Nach zweieinhalb Monaten können wir endlich unser nachbestelltes Sika aus Deutschland in Empfang nehmen. Gemäß Tracking war es bereits nach drei Wochen in Ecuador. Dann hat es vier Wochen an einem unbekannten Ort gelegen. Um es ausgeliefert zu bekommen, werden nun 61 EUR an Gebühren fällig. Sobald wir diesen Betrag auf ein Konto eingezahlt haben, gehen die Tuben auf die Reise nach Bahía.
Nach weiteren 5 EUR in bar am örtlichen Post-Office, halten wir das Sika in den Händen. Die fünf Euro sind für das Tracking, wird uns erzählt. Ein große Witz, denn das Tracking lügt wie gedruckt. Von einer versuchten Bestellung in Porto Viejo wird unter anderem berichtet.

Die Sika-Tuben haben nun einen Gegenwert von Gold. Die 90 EUR Transport vom Versender aus DE hat KLM nicht erstattet – für solche Kollateralschäden seien sie nicht verantwortlich. Sie bedauern allerdings ihren Fehler (danke nochmal an dieser Stelle an den Clown am Hamburger Flughafen. Und wir haben dabei noch Glück. Zoll fällt komischer Weise bei unserer Lieferung keiner an. Da haben wir Geschichten von zweihundert Prozent auf den Warenwert gehört.

Achim fängt sofort an, die schlimmen Fugen auf dem Vorschiff zu entfernen und neu zu versiegeln. Eine Arbeit, die für September geplant gewesen ist. Ein doofer Zeitpunkt so kurz vor der Weiterreise. Sollte doch das Schiff in Ordnung gebracht und nicht in ein neues Chaos gestürzt werden. Jetzt trocknet das Sika und wird in den nächsten Tagen geschliffen.

Neu versiegelte Fugen mit Gold-Sika

Neu versiegelte Fugen mit Gold-Sika

 

Innerhalb Ecuadors funktioniert es ganz anders mit der Post. Ein 20 Liter Eimer Antifouling, den wir mitnehmen wollen in die Südsee, ist nur in Manta (120 km entfernt) zu bekommen. Mit Hilfe von Juan in der Marina bestellt Achim den Pott telefonisch. Dann muss er die 500 USD bei der Bank einzahlen und am nächsten Tag kommt der Eimer mit einem Bus aus Manta. Als alleinreisendes Paket. Am Busbahnhof gibt es ein Sammeldepot und dort können wir das Antifouling unkompliziert abholen.

 

Cuenca und der Süden Ecuadors

Fr., 02.Nov.18, Ecuador/Cuenca, Tag 1616, 13.337 sm von HH

Cuenca ist für uns die schönste Stadt Ecuadors.
Gemütlich kann man durch die koloniale Altstadt bummeln. Gerüchte über Fotoapparat-Klau und nächtliche Überfälle gibt es nicht. In der Nachbarschaft der Kathedrale ist Tag und Nacht was los: Blumenmarkt, fliegende Händler mit ihren witzigen Eigenbauten und die Gläubigen, die sich beim Passieren der Kathedrale bekreuzigen.

Die Altstadt von Cuenca

Die Altstadt von Cuenca

 

Beim Betreten fühlt man sich winzig. Das riesige Gewölbe aus rosa Marmor und die Decken aus hellem Alabaster stimmen sprachlos. Zehntausend Menschen fasst die Kathedrale, die ursprünglich das größte sakrale Gebäude Südamerikas werden sollte. Ein Konstruktionsfehler in den Türmen durchkreuzt diese Idee. Vier, fünfmal am Tag findet eine Messe statt. Gut besucht, auch Sonntagabend um 20:00 Uhr, zur Prime Time, zur Tatortzeit. Monitore übertragen die Predigt in die letzte Ecke, Bose-Boxen sorgen mit gutem Klang dafür, dass keiner einschläft. Am Beichtstuhl wird Schlange gestanden.
Ein schönes Gebäude innen, wie außen, ohne Zweifel. Keine hundertfünzig Jahre alt, erst 1968 endgültig fertig gestellt. Eine Paradebeispiel für den Prunk der katholischen Kirche. Das Geld hätte man wahrlich sozialer ausgeben können.

Kathedrale in Cuenca

Kathedrale in Cuenca

Beichte

Beichte

Unsere zweite Reise in den Süden hatte nicht so viel Drama, wie die Nordreise. Die Entfernungen sind größer und wir haben mehr Zeit im Bus verbracht. Die Wanderungen im Süden sind wegen der geringeren Höhen deutlich entspannter. Eine schöne Reise. Und Cuenca ist sicherlich ein Highlight.

Parque Abdón Calderón

Parque Abdón Calderón

Alstadt in Cuenca
Altar und Werbung schließen sich nicht aus - Markt in Cuenca
Blumenmarkt in Cuenca
Markt in Cuenca
üppiger Markt

Cuenca ist an jeder Ecke schön

Cuenca ist an jeder Ecke schön

Schrumpfkopf im Museum Pumapungo
Inka Ruien in Cuenca, die zum Museum Pumapingo gehören

Unser Hostal (Casa del Rio) liegt perfekt am Fluss, ruhig und trotzdem im Zentrum. Nur am Frühstück muss hier noch gearbeitet werden. Um das Frühstück kümmern sich externe Betreiber, die ‚Tres Hermanos‘, die einen Raum im Hotel dafür gemietet haben. Am ersten Tag gibt es gute Eier, ein wenig Obst und die üblichen Tostadas. An Tag zwei fällt das Frühstück aus, da die Tres Hermanos einen Notfall melden und nicht kommen können. Die jungen Wirtsleute zahlen für uns das Frühstück in einem benachbartem Restaurant. Am dritten Tag schmeckt die Wurst im Ei gammelig. Wir verzichten. Die Wirtin entschuldigt sich tausendmal für die Probleme und gelobt Änderung. Ungefragt wird tagsüber meine schmutzige Jeans aus dem Zimmer mit in die Wäsche gesteckt. Niedlich. An Tag vier gibt es nur Obst und Waffeln. Davon wird jetzt auch keiner richtig satt. Unsere komplette Dreckwäsche wird nun mit gewaschen. An Tag fünf, sechs und sieben ist dann adas Frühstück wieder okay. Schön.
In der achten Nacht feiern die Hermanos bis spät in die Nacht in ihrer Frühstücks-Küche. Wir können es deutlich hören, unser Zimmer liegt genau darüber. Schon klar, dass es an achten Morgen kein Frühstück gibt. Wir ziehen mit unseren Sachen davon. Ungefrühstückt. Atanga wartet. Und zwölf Stunden Bus liegen noch vor uns.

Hostal 4 Rios

Hostal 4 Rios

El Cajas – ein zweiter Versuch

Mi., 31.Okt.18, Ecuador/Cuenca, Tag 1614, 13.337 sm von HH

Uns zieht es nochmals ins Hochgebirge in den Cajas Nationalpark. Es gibt acht ausgewiesene Wanderwege, die wollen entdeckt werden und es muss ja nicht immer neblig da oben sein.
Nach einer Stunde Busfahrt wissen wir mehr. Die Wolken stehen höher, es ist trocken, leicht sonnig.
Schlechtes Wetter droht kurz vorm Start eher von innen heraus: Achim mault an meiner Wander-Leistung herum. Er mag nicht Wanderweg Nr. 3 mit mir gehen, der mit drei, dreieinhalb Stunden ausgewiesen wird. „Ich bin mir nicht sicher, ob Du das schaffst. Du bist zu langsam. Das kommt weil Du an jedem Blümchen stehen bleibst.“
Pffffft! Da kann der Haussegen schon mal in den Angeln hängen. „Du schaffst das nicht, du schaffst das nicht“, äffe ich ihn nach. Blödes Gemecker, finde ich. Als ob ich eine total lahme Oma wäre.
„Ist doch egal, wenn wir fünf Stunden brauchen“. „Und wenn das Wetter kippt und wieder Nebel aufkommt?, wendet Achim ein. „Wenn ich keine Blumen mehr gucken darf, komme ich nicht mit. Dann geh alleine!“ Das will er auch nicht. Achim hat viel zu viel Schiss, dass er sich alleine verirrt. Die Parkaufsicht warnt eindringlich davor, dass es bei Nebel gefährlich sein kann in dem Gewirr aus Teichen, Lagunen und Tümpeln.

Wir maulen uns gegenseitig an, der Ausflug steht kurz auf der Kippe mit einer Busfahrt nach Cuenca sofort beendet zu werden. Dann noch ein wenig Schmollen, dann einigen wir uns (wäre doch schade um die schöne Gelegenheit, den Göttergatten im Moor zu versenken).

Der Bewuchs sieht eintönig aus, ist im Detail aber total spannend

Der Bewuchs sieht eintönig aus, ist im Detail aber total spannend

Die Cajas nehmen mich trotz „Laufschritt“-Tempo in ihren Bann. Eine unglaubliche Landschaft. Nur von weitem sieht der Bewuchs eintönig aus.
Sogar Kolibris leben hier auf viertausend Meter noch. Brillenbär, Tapir, Condor und Puma bleiben uns natürlich verborgen. Ganz alleine sind wir nicht unterwegs. Vier, fünf Pärchen wandern mit uns ebenfalls Weg Nummer drei. Gruppen sind auf maximal acht Personen limitiert und höchstens hundert Wanderer täglich sind erlaubt. Eine schöne Maßnahme. Wer eine zweitägige Wanderung unternimmt, kann auf einem alten Pfad der Inka laufen. Ihr Königspfad führt direkt durch den Nationalpark.

Tümpel, Bäche, Moos

Tümpel, Bäche, Moos

Keine Blümchen, aber heimlich Moos habe ich fotografiert

Keine Blümchen, aber heimlich Moos habe ich fotografiert

El Cajas Nationalpark - zum Verirren

El Cajas Nationalpark – zum Verirren

Trotz roter Markierungen und Wanderkarte, die es am Eingang gratis gab, verlieren wir zwischendurch unseren Weg. Sieht doch alles verflixt ähnlich aus. Dieser Páramo hat es in sich. Bei dickem Nebel wollte ich hier tatsächlich nicht laufen. Wie schön, wenn der liebe Mann vor einem den Weg findet. Nach genau drei Stunden (hä, hä) erreichen wir das Ende des Wanderwegs. Jetzt wird es spannend, gibt es diesmal einen Bus nach Cuenca zurück oder müssen wir wieder trampen? Da es heute lange nicht so nasskalt ist, lässt sich die Wartezeit besser aushalten. Nach zwanzig Minuten kommt dann auch schon der Bus. Glück gehabt.

Das gute Wetter hält an, die Laune ist wieder da

Das gute Wetter hält an, die Laune ist wieder da

Ingapirca – Die Inkamauer

Di., 30.Okt.18, Ecuador/Cuenca, Tag 1613, 13.337 sm von HH

Wenn man ‚Inka‘ hört, denkt man unweigerlich an Peru. Ihren Untergang fanden die Inka jedoch in Ecuador. Ja, ihr letzter Herrscher, Atahualpa, ist sogar im heutigen Ecuador geboren worden.
Das Reich der Inka dehnte sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts bis nach Quito aus. Verbunden mit einem Straßennetz von 30.000 Kilometern und einer Reichweite weiter als vom Nordkap nach Sizilien. Die mit behauenem Stein gepflasterten Inka-Pfade waren bis zu zwanzig Meter breit und wurden ausschließlich zu Fuß begangen. Das Pferde und das Rad existierte bei den Inkas nicht. Zum Teil sind die Inka-Pfade bis heute erhalten. Der sogenannte Königspfad führte von Cuenca direkt nach Ingapirca.
Wir kommen in zwei Stunden bequem mit dem Bus dorthin.

Ingapirca - bedeutet 'Inca Steinmauer'

Ingapirca – bedeutet ‚Inca Steinmauer‘

Auf einem Felsvorsprung auf dreitausend Meter steht die bedeutendste Stätte der Inka in Ecuador. Sie kann sich nicht mit ihren berühmten Brüdern in Peru messen, gibt uns aber eine Idee von der Steinmetz-Kunst der Inka. Das elliptische Hauptgebäude ist eine Sternwarte, gebaut mit astronomischer Präzision. Die Längsachse ist exakt nach Ost-West ausgerichtet. Das Innere des Gebäude bestand aus zwei Räumen, deren Trennmauer der längste und kürzeste Tag des Jahres abgelesen werden konnten. Sonnenstrahlen drangen durch schmale Schlitze in das Innere der Sternwarte ein. Beeindruckend für uns, die fugenlosen Mauern und trapezförmigen Eingänge. Absolut Erdbeben sicher gebaut.

Fugenlose Mauern und trapezförmige Türstürze

Fugenlose Mauern und trapezförmige Türstürze

Inka Mauer-Kunst
Mauer-Kunst

Ingapirca

Ingapirca

Die Ruinen der Vorratslager und Häuser, gebaut auf den Fundamenten der Cañari, die nur runde Steine verwendeten
Von Oben betrachtet hat Ingapirca die Form eines Jaguars

Vor den Inka befand sich an diesem Ort bereits eine Cañari-Kultstätte. An den Cañari nahm Atahualpa grausame Rache: auf seinen Befehl soll 50.000 Cañaris das Herz herausgerissen und im Land verstreut worden sein. Im andauernden Bruderstreit um die Gesamtherrschaft des Inka-Reiches hatten sich die Cañari für den falschen Mann entschieden. Atahualpa besiegte 1532 seinen Bruder Huascar und nahm ihn gefangen. Der Familie und dem Hofstaat von Huascar erging es ebenfalls schlecht. Bis zum letzten Säugling wurden alle grausam hingerichtet.

Der Triumph von Atahualpa sollte nicht lange andauern. Bereits im November 1532 traf er auf den Spanier Pizarro. Er hatte sich zwar über die Wunderwaffen, Rüstungen, Kanonen und Pferde, die die Spanier mit sich führten, schlau gemacht. Trotzdem unterschätze er die Gefahr, die von den Spaniern für die Inka ausging. Vertrauensvoll empfing er Pizarro und ließ seine Truppen die Waffen auf Wunsch Pizarros ablegen. Ein verhängnisvoller Fehler. Aus Enttäuschung, dass eine an ihn überreichte Bibel sich nicht als sprechendes Orakel entpuppte, schleuderte er das Heilige Buch in den Staub. Pizarro nahm Atahualpa gefangen und tötete fünftausend seiner Krieger. Die Männer leisteten keine Gegenwähr, da sie ohne einen Befehl Atahualpas nicht zu den Waffen greifen durften.

Atahualpa versuchte sich von Pizarro freizukaufen und versprach ihm einen fünfzig Quadratmeter großen Raum voll Gold und noch einmal das Doppelte an Silber. Drei Monate wurde das Inka-Reich geplündert und das Gold und Silber nach Ecuador geschafft. Über einen Monat sollen die Schmelzöfen der Spanier geglüht haben, um das Edelmetall einschmelzen zu können.
Atahualpa hat das nichts genützt. Pizarro ließ ihn 1533 nach einer fingierten Gerichtsverhandlung mit einer Würgeschlaufe erdrosseln.

Unrecht Gut gedeihet nicht – Unrecht schmilzt wie Butter in der Sonne oder wie Gold im Schmelzofen. Auf was für eine grausam bewegte Geschichte Ecuador zurück blicken kann.

Tipp: Wir haben Ingapirca von Cuenca aus besucht (4 Stunden Bus hin und zurück). Beim nächsten Mal würden wir in Ingapirca übernachten und von dort aus weiter reisen. Die Lage in den Bergen und das angrenzende Dorf sind wunderschön und einen Aufenthalt von zwei, drei Nächten wert.
Der Eintritt kostet inklusive Führung auf Englisch grad mal zwei Dollar pro Person.

Dorf Ingapirca

Dorf Ingapirca

Gualaceo, ein Sonntagsmarkt

So, 28.Okt.18, Ecuador/Cuenca Tag 1611, 13.337 sm von HH

In den Bergen um Cuenca gibt es noch drei Dörfer mit typischen Anden-Märkten. Wir wählen Dorf Gualaceo und fahren mit einem wackeligen Klapperbus zum Sonntagsmarkt.
Unser erster Markt auf dem Cuy -Meerschweinchen- gegrillt wird. Auf den Grill kommen alle Sorten Cuy, die uns bekannten niedlichen Haustiere und ebenso wilde Meerschweinchen. Eine nachweißlich über dreitausend Jahre alte Tradition in Südamerika. Heute findet man Cuy nur noch auf dem Land, meistens zu besonderen Anlässen, wie Hochzeiten. In die Städte ist Cuy in Delikatessen-Restaurants zurück gekehrt, aber komplett aus dem Alltag verschwunden.

Cuys auf dem Grill sind ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Das Tier wird auf einen dicken Pfahl gestülpt, inklusive Kopf und Pfoten. Die Leber und Niere werden mitgegrillt und baumeln aus dem Bauchloch des ausgenommenen Tieres. Über das verzerrte Grinsen der Cuys muss man als willger Testesser hinweg sehen können.

Cuy neben Huhn

Cuy neben Huhn

Cuy :oops:

Cuy :oops:

ein ungewohnter Anblick

ein ungewohnter Anblick

Ich hätte wohl gerne mal probiert, ber Achim mag nicht recht „Cuys son ratas“ :lol: Da man nur ein ganzes Meerschweinchen kaufen kann und die Biester überraschend groß sind, verzichte ich ebenfalls. Die allgemeine Beschreibung lautet, schmeckt wie Hühnchen. Eine Meerschweinchen-Mahlzeit ist mit 20 Dollar ungewöhnlich teuer. Eine Portion gesichtsloses Huhn gibt es bereits ab drei Dollar.

Die Trachten-Dichte beträgt bei den Frauen nahezu hundert Prozent. Die Herren bevorzugen moderne Kleidung. In der Gegend von Cuenca gehört der berühmte Panama-Hut zum Trachten Outfit. Original Panama-Hüte kommen aus Ecuador. Immer!

Frau trägt Panama Hut

Frau trägt Panama Hut

Alle
tragen
Panama Hut

Sie haben den fälschlichen Herkunftsnamen bereits seit 1855 als die Hüte für Napoleon III aus Panama nach Europa verschifft wurden. Zur Manifestierung des falschen Namens kam es, als Präsident Roosevelt bei der Besichtigung des Panama-Kanals ebendem so einen Hut trug.

Die Gegend um Cuenca ist die Hochburg der Herstellung von Panama-Hüten. Seit 1630 werden die Hüte in Handarbeit in Ecuador gewebt. Über eintausend Dollar kosten Hüte der Spitzenqualität. Sie werden nicht in großen Fabriken, sondern in Heimarbeit von Hutwebern im Umland hergestellt.

Entstehung eines Panama Hutes

Entstehung eines Panama Hutes

El Cajas – ein Ausflug, der nicht ganz glatt läuft

Sa, 27.Okt.18, Ecuador/Cuenca, Tag 1610, 13.337 sm von HH

Cuenca hängt heute, nach zwei Tagen Sonnenschein, voll tiefer Wolken. Wir wollen in den Nationalpark ‚El Cajas‘ zum Wandern. „Das sieht nicht gut aus!“ Achim murrt. „Wenn die Wolken hier schon tief hängen, wie sieht es dann auf viertausend Meter aus?“
Ich habe eine Eingebung: „Bis wir da sind, scheint die Sonne. Schau mal, da hinten wird es schon heller.“ Unser Taxifahrer, der uns zum Bus-Terminal bringt, teilt meine Einschätzung: „Noch eine Stunde und die Wolken brechen auf!“ Wir sollen uns beide irren.

Ein normaler Überlandbus nach Guayaquil schmeißt uns am ‚Centro de Refugio‘ im Nationalpark raus. Es ist grau,  als wir am Startpunkt der Wanderungen ankommen. Die Jungs bei denen wir uns zum Wandern registrieren müssen, machen uns wenig Hoffnung: „Heute wird es neblig bleiben“.

Eingepackt in Windbrecher und Regen-Gummihose wählen wir den kürzesten Wanderweg. Die Wolken hängen so tief, dass es nieselt. Die feuchte Kälte kriecht unter die Jacken. Achim läuft vor mir weg und sein Rücken und Körperhaltung sind  eine einzige Anklage: „Was für eine Würg-Idee!“

Da stapft er durch die Páramo

Da stapft er durch die Páramo

Ich bin nicht so kälteempfindlich und bin vor allem verzaubert von der Landschaft. Grad bei diesem Wetter. ‚El Cajas‘ ist eine tundra-artige Landschaft oberhalb der Baumgrenze, die von Feuchtgebieten durchzogen ist. Schachtelartig sind über 200 Lagunen miteinander verbunden. Regenwasser wird kaskardenartig von einem Tümpel zum anderen weiter geleitet. Ein Traum aus Moosen, Flechten, Farnen und wunderschönen Exoten. Páramo nennt sich diese Vegetationsform. Gehölze kommen nur noch in Krüppelfom vor. Es dominieren Horstgräser und Schopfrosetten. Mein Gärtner-Herz kann sich nicht satt sehen an dieser Schönheit.

Schopfrosette

Feinsten

 

Zauberhafte Natur

Zauberhafte Natur

Wir stapfen durch diese einmalige Landschaft, mal nieselt es heftig, mal kommt sogar ein Sonnenstrahl durch die tonnenschweren Wolken. Achims Laune bessert sich. Er gibt es nicht zu, aber wahrscheinlich nimmt auch ihn die mystische Landschaft gefangen.
Zum Glück haben wir unsere Gummihosen, die feuchten, hüfthöhen Gräser würden uns bis auf die Knochen aufweichen.

Ein Moos-Paradies

Ein Moos-Paradies

Trotz Nebel einfach zauberhaft

Trotz Nebel einfach zauberhaft

Unsere Runde um eine der Lagunen ist nach zweieinhalb Stunden geschafft. Alles mehr oder weniger ebenerdig. Bei kleinen Steigungen müssen wir hecheln. Wir sind nicht so austrainiert wie bei unserer ersten Rundreise, viertausend Meter sind viertausend Meter. Inzwischen ist uns beiden warm, Achim kann auch wieder lächeln. ;-)

Mit Sonne wäre es auch nicht schlecht

Mit Sonne wäre es auch nicht schlecht

 

Wir melden uns bei der Parkaufsicht ab und treten den Rückweg an. Der Reiseführer sagt, man soll vom ‚Centro de Refugio‘ einfach zur Straße gehen und einen der Buse aus Guayaquil anhalten. Im Bushäuschen sitzt bereits eine vierköpfige Familie. Nach zwanzig Minuten kommt noch ein junges Pärchen dazu. Bei der Familie fällt immer häufiger das Wort ‚frio‘ – kalt. Nach weiteren zehn Minuten gesellt sich eine weitere 4er-Gruppe dazu. Du meine Güte, der eine Bengel hat nur ein T-Shirt an, der zweite kurze Hosen. Die Mädchen haben immerhin Handschuhe.

Nach vierzig Minuten Wartezeit sind Achim und ich durchgefroren. Achim strahlt wieder die ‚Würg-Idee‘ aus. Aber da kommt der Bus. Kollektives Aufatmen. Alle sprinten zum Straßenrand und winken dem Bus. Der Bus winkt zurück. Und fährt vorbei. Das ist das erste mal in Südamerika, dass wir stehen bleiben. Wahrscheinlich ist er voll und eine Gruppe von zwölf Personen aufzunehmen, ist ihm zuviel. Fassungsloses Entsetzen. Die Familie hat nun schon andertalb Stunden Wartezeit hinter sich. Eigentlich weniger als stündlich käme ein Bus vorbei, erzählen sie uns.

Das junge Pärchen verliert die Nerven, setzt sich ab und geht die Straße entlang. Sie halten den Daumen raus und, kaum zu fassen, keine zweihundert Meter weiter werden sie sofort mitgenommen.
„Komm, das machen wir auch“, annimiere ich Achim. Er will sich erst nicht recht vom Bushäuschen entfernen. Dem einzigen Schutz vor dem Nieselregen. Ich kann ihn überzeugen. Meine stille Hoffnung ist die Neugierde der Einheimischen auf uns Ausländer. Und wir haben Glück, nach nur zehn Minuten hält ein älterer Herr neben uns. Si, si, er will auch nach Cuenca, wir sollen einsteigen. Der Opa kommt vom Forellen-Fischen in den Bergen, erzählt er uns. Kann er nicht verleugnen, die Karre riecht deutlich nach Fisch. Aber besser schlecht gefahren als gut gelaufen. Es sind immerhin dreißg Kilometer bis Cuenca, nicht zu schaffen. Wie erwartet ist er neugierig, woher wir kommen, wie lange wir bleiben, wie es uns gefällt, das volle Programm, er quetscht uns aus.

Der Fisch-Opi wohnt im Centrum von Cuenca, kennt sogar die Straße von unserem Hostal (ein Taxifahrer am Busbhnhof kannte sie nicht) und setzt uns direkt vor der Tür ab. Angebotenes Geld lehnt er ab, wir wären ‚Amigos‘, es sei ihm ein Vergnügen gewesen.

Das ist Südamerika. Habe ich schon mal gesagt, dass ich es liebe?

In Cuenca

Fr., 26.Okt.18, Ecuador/Cuenca Tag 1609, 13.337 sm von HH

In Ecuador herrscht ein ewiger Wettkampf, ob Quito oder Cuenca schöner ist. Unesco Kulturerbe sind sie beide und ebenfalls fast gleich alt: ungefähr 500 Jahre.
Cuenca ist mit 350.000 Einwohnern nur ein Viertel so groß und hat für uns schon daher die Nase vorne. Vom Busbahnhof brauchen wir nicht eine halbe Stunde, sondern sind mit dem Taxi in fünf Minuten an unserem Hostal. Das liegt ruhig am Rand der Altstadt, direkt am Rio Tomebamba, der sich durch die Stadt schlängelt.

Der Tomebamba schlängelt sich durch Cuenca

Der Tomebamba schlängelt sich durch Cuenca

Amaryllis auf der falschen Seite der Fensterbank in unserem Hostal

Amaryllis gehören doch innen auf die Fensterbank? In unserem Hostal sind es die Balkonblumen. :-)

Altes Gemäuer gibt es genug in Cuenca und für jeden Sonntag eine andere Kirche. Eine moderne Straßenbahn steht kurz davor in Betrieb genommen zu werden. Junge Leute, die optisch auch in Hamburg leben könnten, Sneakers, kaputte Jeans und modische Brillen in Sandwich-Optik, flanieren neben Indigena in traditionellen Klamotten. Quito hat mehr Prunk, Cuenca mehr Ruhe und Charme.

Kleines Schläfchen während der Mittagszeit
Cuenca zeigt Flagge für den Unabhängigkeitstag nächste Woche
Die Kuppeln der neuen Kathedrale in Cuenca

Das mächtige Portal der Kathedrale

Das mächtige Portal der Kathedrale

Wir haben uns aus Vilcabamba um tausend Höhenmeter auf 2550 Meter hoch gearbeitet. Im wahrsten Wortsinn. Der Bus hätte gut fünfzig PS mehr gebrauchen können, dann hätten wir für die 250 Kilometer vielleicht eine Stunde weniger gebraucht. Endlos ziehen sich die Schleifen, Biegungen und Steigungen die Anden entlang.
Statt Landwirtschaft, wie im Norden, wird hier hauptsächlich Viehwirtschaft betrieben. Unsere Holsteiner Schwarzbunte hält sich tapfer an den steilen Hängen. Dazwischen gibt es Abschnitte, da hat Ecuador den Anden ganz schön übel mitgespielt. Etliche Berge zeigen anklagend ihre von Erosion kaputte Flanken. Je näher wir Cuenca kommen, desto besser wird es. Großflächig hat eine Wiederaufforstung mit Kiefern stattgefunden.

Nach sechst Stunden empfängt Cuenca uns mit strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Selbst abends reicht eine dünne Jacke. Ganz klar, auch hier gewinnt Cuenca gegenüber Quito.

Tradition in Cuenca

Tradition in Cuenca

Unter Geiern

Mi., 24.Okt.18, Ecuador/Vilcabamba Tag 1607, 13.337 sm von HH

Meine kaputten Wanderschuhe bescheren uns einen Tag Pause. Da ist keiner böse drum. Wir schlendern durch den netten Ort, geben unsere Wäsche zum Waschen und schlecken Eis im Schatten. Außerdem hat unser Hostal (das Schönste für uns in gesamt Ecuador) hat einen herrlichen tropischen Garten in dem man in der Hängematte chillen kann. Groß-ar-tig!

Der chillige Garten vom Hostal Rendez-Vous

Kirche von Vilcabamba

Am nächsten Tag hat der Schuster meine Stiefel fertig. Alle Sohlen und Schichten neu verklebt und zusätzlich genäht – eine Arbeit für die Ewigkeit für nur fünf Dollar.
Wir können wieder in die Berge.

Der beliebteste Wanderweg in Vilcabamba hat einen schlechten Ruf. Es soll dort schon zu Überfällen auf Wanderer gekommen sein. Unser Wirt bestätigt diese Gerüchte, wir sollten dort besser nicht laufen. Ich kann mir das angesichts der zurückhaltenden Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Ecuadorianer nur schwer vorstellen, dass dort hinter Felsen böse Buben lauern sollen. Bislang sind wir überall unbedarft durch die Landschaft marschiert und haben uns nie Sorgen gemacht, dass wir am Ende des Tages keine Wertsachen mehr haben könnten. Wir hören in diesem Fall auf den Rat und suchen uns eine andere Strecke aus.

Diese Tour gefällt mir deutlich besser als vor zwei Tagen. An Feldern vorbei, geht es natürlich bergan, aber wir haben eine schöne Sicht auf das gesamte Tal und sattfrische grüne Felder. Wir passieren schnieke Haciendas und kleine Bauernhöfe. Wer hier ein Grundstück kaufen möchte, muss zehn Dollar für den Quadratmeter zahlen. Unverbaubarer Blick ins Tal inklusive.

Hacienda auf unserem Weg
So grün kann es hier auch aussehen
Valle Vilcabamba

Wir schrauben uns den Berg hoch. Wieder wenig Schatten, es ist schon heiß hier, meine Güte. Mal ist der Wanderweg beschildert, mal lassen wir uns von der Macht leiten. Die Wirtschaftswege und Trampelpfade für die Bauern sind alle miteinander verbunden und solange wir Vilcabamba sehen, kann es nicht so verkehrt sein. Das Schlimmste, was passieren kann, dass wir abgebaute Höhe wieder hoch kraxeln müssen.

Auf einem Grat zwischen Wiesen und Feldern, sehen wir plötzlich einen Schatten über uns. Zwei Geier kommen kreisend näher: „Was laufen da wohl für zwei Leckerbissen durch die Mittagshitze?“ Sie beäugen uns neugierig. Ihre Kreise werden enger. Dabei kriechen wir noch gar nicht auf allen Vieren. Die Geier kreisen. Jetzt keine Schwäche zeigen, bloß nicht stolpern. Die beiden verschwinden wieder.

Wunderschöner Weg - über uns kreisen die Geier

Wunderschöner Weg – über uns kreisen die Geier

Wir stapfen weiter. Da sind sie wieder. Nun zu viert. Sie sitzen tatsächlich vor uns auf dem Weg auf den Zaunpfählen. Was für eine Unverschämtheit. Hinterhältig lassen sie uns näher kommen. Hungrig gucken sie rüber.  :mrgreen: Sehen wir wie Vogelfutter aus? Dann hauen sie doch plötzlich ab. Zu wenig Aas-Geruch? Senf vergessen?
Ungefressen schaffen wir es ins Hostal zurück.

Vor uns auf dem Weg lauern die Geier

Vor uns auf dem Weg lauern die Geier

Ugly Bird

Ugly Bird

Fünf entspannte Tage haben wir in Vilcabamba verbracht. Kein Tag zuviel. Hier kann man es aushalten und hundert Jahre alt werden. Morgen geht es zurück im den Norden. Wieder sechs Stunden Bus fahren bis Cuenca.

Zum Wasserfall ‚Del Plato‘ (wo wir nicht ankommen sollen)

Mo., 22.Okt.18, Ecuador/Vilcabamba Tag 1605, 13.337 sm von HH

Der Trip dauert fünf Stunden und sei ‚medium difficult‘, preist eine Wanderkarte, die wir im Hostal bekommen haben. Ich finde ihn ‚medium Mist‘. Nach einer dreiviertel Stunde Marsch auf netten Wegen, vorbei an kleinen Höfen, geht es sofort steil bergauf.

Sand-Transport zum Hausbau

Sand-Transport zum Hausbau

Hier ist es noch gemütlich zu laufen

Hier ist es noch gemütlich zu laufen

 

Es ist früher Vormittag, die Sonne brennt. Es ist zum Laufen auf Ebene schon fast zu warm, erst recht zum Überwinden von 350 Höhenmetern. Und dann auch noch ohne Schatten.

Wir kämpfen uns den staubigen Weg hoch. Wie immer kämpfe ich mehr als Achim. Fit tänzelt er vor mir her. So wie es im Augenblich aussieht, wird das in Zukunft sogar noch schlimmer werden. Ich darf es verraten, Achim raucht seit über vier Wochen nicht mehr (hipp-hipp-hurrah, Jubel, Freude, ich drück dich, Begeisterung, gefällt mir riesig, Herzen-in-den-Augen-Emotij :-) )

Nichtrauchender Pfadfinder

Nichtrauchender Pfadfinder :-)

Als wir nach einer Stunde das Schlimmste hinter uns haben und es ‚leichter‘ werden soll, höre ich plötzlich ein ‚Flapp-Flapp-Fladder‘ an meinem Wanderschuh. Eine Sohle hat sich halb gelöst und schlackert lose herum. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass ich sie komplett verlieren werde. Nur auf dem Inlett den Berg runter, möchte ich auf keinen Fall. Außerdem muss der Schuh gerettet werden, es sind meine einzigen Wanderschuhe, die ich dabei habe.

Sofort sind wir MacGyver-artig unterwegs. Wir durchsuchen unsere Rucksäcke nach etwas zum Zusammenbinden. Ohne großartige Ausbeute. Da fällt mir das Gummi an meiner Hose unten am Knöchel ein. Das schneiden wir ab (die Hose ist übrigens nagelneu – ihr zweiter Einsatz). Durch einen dieser Nöppel, die Gummis auf Spannung halten, können wir das Gummi stramm ziehen und an den Schnürsenkelhaken befestigen. Das sieht vielversprechend aus. Achim hat dann noch die Idee, die Kanten mit Pflaster gegen Durchscheuern zu schützen. Das beste Tape, was wir dabei haben. Das funktioniert wunderbar. Das ‚Flapp-Fladder‘ ist weg. Ich kann normal weiter laufen. Wir drehen nicht um.

MacGyver im Einsatz
Notreparatur, die viele Kilometer halten soll

Der Weg ist jetzt schattiger und recht eben, so dass das Wandern wieder Spaß macht. Die Landschaft hat durchaus etwas, leider ist alles braun und verbrannt. Wir sind eindeutig zur falschen Jahreszeit hier. Nach der Regenzeit, wenn alles grün ist, muss es wunderschön hier sein.

Unten rechts liegt Vilcabamba

Unten rechts liegt Vilcabamba

Eine Stunde laufen wir noch weiter, dann hören wir ihn schon, den Wasserfall. Jedoch hat davor der Teufel einen steilen Abstieg in pralle Sonne gestellt. Wir können ihn deutlich sehen. Der bedeutet Kraxelei. Es ist jetzt Mittag und brüllend heiß. Was man runter geht, muss man auch wieder hoch. Wir schauen uns in die Augen und uns fällt gleichzeitig mein kaputter Schuh ein: „Unmöglich! Damit kannst Du den Abstieg nicht riskieren. Ist doch auch nur ein Wasserfall in der Trockenzeit!“ Wir drehen um.

Es ist einfach nur scheisse heiss

Es ist einfach nur scheiße heiß

Zurück ist es natürlich nicht so anstrengend. Aber die Hitze. Solche Temperaturen sind wir gar nicht mehr gewöhnt aus dem kühlen Bahía. Wir kämpfen uns zurück, die Strecke zieht sich. Nach guten fünf Stunden haben wir es geschafft und mein Schuh ebenfalls. Der liegt nun beim Schuster und ich kann ihn Morgen abholen.

Vilcabamba – wildromantisches Bergdorf

So., 21.Okt.18, Ecuador/Vilcabamba Tag 1604, 13.337 sm von HH

Die Strecke von Zaruma nach Vilcabamba zieht sich. Für knapp 200 Kilometer benötigen wir sechs Stunden plus Umsteige-Wartezeit. Eine zähe Anreise durch wild zerklüftete Berglandschaft, dünn besiedelt und wenig erschlossen. Die Anden erheben sich hier nur auf 2.500 Meter. Schließlich landen wir dann doch in Vilcabamba.

Vilcabamba, ein Dorf mit fünftausend Leutchen, liegt hübsch eingeschmiegt in einem Tal auf 1.600 Meter. Der Ort kommt spontan sympathisch rüber. Ein paar Hippies hängen ab, spielen Gitarre oder wollen ihren Schmuck verkaufen. Dazwischen sieht man ein paar Wanderer und hängen gebliebene Ausländer, die sich hier nieder gelassen haben.
Ein Paradies für Trekking und zum Reiten.

Vilcabamba

Vilcabamba

Vilcabamba gilt als das Tal der ‚Hundertjährigen‘. Eine überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung wird den Einwohnern nachgesagt. Das zieht auch Esoteriker an, die behaupten, hier sei das ‚Herz der Erde‘ zu finden.
Alles Schwindel, der auf der übertriebenen Altersangabe der älteren Vilcabamber beruht. Ein Abgleich von Dokumenten hat ergeben, dass Anwohner mit 60 behaupten 71 zu sein, fünf Jahre später sind sie bereits 80 und mit 87 Jahren auf wundersame Weise 121 Jahre alt.

Dramatische Berge umrunden Vilcabamba

Dramatische Berge umrunden Vilcabamba

Direkt von unserem Hostal aus können wir unsere erste Wanderung starten. Für Ecuador unüblich, gibt es ausgeschilderte Wanderwege. Keine Gefahr sich zu verlaufen.
Unseren ersten Trek wollen wir ruhig angehen lassen. Langsam soll die Cockpit-Fäule aus den Beinen vertrieben werden. Der zwickende Waden-Muskelkater vom kleinen Hausberg in Zaruma ist zum Glück bereits am Abklingen. Zunächst geht der Plan auf. Zu ebener Erde geht es an einem Plätscherbach entlang. Schon bald führt unser Weg einen ausgetrockneten Wasserfall den Berg hoch. Die Sonne sticht. Steht senkrecht über uns. Vilcabamba liegt im Trockenregenwald, da verlieren die meisten Bäume während der Trockenzeit ihr Laub. Die blattlosen Bäume spenden kaum Schatten. Es ist deutlich heißer als erwartet.
Wir schnaufen uns den Hang hoch, Trittsicherheit ist gefragt, der olle Weg hat es in sich.

In einem ausgetrockneten Wasserfall geht es steil hoch

In einem ausgetrockneten Wasserfall geht es steil hoch

quer durch Trockenregenwald
Samenkapseln

Weggefährte

Weggefährte

Auf dem Rückweg treibt es uns dann auch noch in einer langen Kurve um das Dorf herum, so dass wir erst noch dreieinhalb Stunden zurück sind. Schön, dass wir es ruhig angehen lassen wollen. :lol:

Die Dorfmark von Vilcabamba

Die Dorfmark von Vilcabamba

Zaruma – ein altes Goldgräberstädtchen

Fr., 19.Okt.18, Ecuador/Zaruma, Tag 1602, 13.337 sm von HH

Zaruma ist zauberhaft. Zum Glück. Die Anreise ist nicht ganz ohne: erst fünf Stunden Busfahrt bis Guayaquil, dort Ankunft um halb fünf Uhr morgens, dann zwei Stunden abhängen auf dem Busbahnhof. Unsere Augen sind rot und brennen. Und noch weitere fünf Stunden Busfahrt. In der Zeit ist man Business Class von Hamburg nach Singapore geflogen.

Aber jetzt ist alles wieder gut. Zaruma ist reizend und kann auf eine lange Gold-Geschichte zurück blicken. Hier hat schon mal jeder nach dem begehrten Metall gebuddelt. Erst die Kañari, ein indigener Stamm in Ecuador. Diese wurden vertrieben von den Inka. Nach dem Untergang der Inka-Kultur trieben die Spanier mit Hilfe von Sklaven den Goldabbau voran. Erst 1820 erlangte Zaruma Unabhängigkeit von Spanien und bis heute wird hier intensiv nach Gold gesucht.

Kleinstadt-Idylle

Kleinstadt-Idylle

Zaruma Neustadt

Zaruma Neustadt

 

Zaruma Altstadt

Zaruma Altstadt

Neben siebzehn internationalen Unternehmen soll es dreitausend Personen geben, die auf eigene Faust unter Tage nach Gold schürfen. Jetzt läuft Zaruma Gefahr zusammenzubrechen. 2017 stürzte im Zentrum bereits eine Schule ein. Ein weit verzweigtes Stollensystem hat Zaruma zu einem Schwamm werden lassen. Die private Buddelei wurde inzwischen verboten, aber ob dies Verbot eingehalten wird, ist nicht gesichert.

und Fronten

und Fronten

Zaruma ist wunderbar verwinkelt, durchzogen von Treppen und schmalen Gassen. Die erste Stadt in Südamerika, die wir sehen, die nicht im Schachbrett-System gebaut wurde. Die hundertjähren Holzhäuser mit ihren Balkonen und Balustraden versprühen den Charme einer echten Westernstadt.

Hundert Jahre alte Holzhäuser
Balkonen
und Fenstern
und Stiegen und Treppen

Die Fußwege sind mit Arkaden überdacht, die Fußwege aus Holz. Unzerstörbares Tropenholz. Seit Jahrzehnten benutzt und wie neu.

Holz-Bürgersteige

Holz-Bürgersteige

Nur fünfzehn Minuten vom Stadtzentrum entfernt finden wir die Mine ‚Sextina‘. So benannt, weil früher die Spanier einen Sechsten Teil an den König in Spanien vom gefundenen Gold abgeben mussten. Bereits die Inkas haben hier geschürft.
Die Sextina ist zwar seit 25 Jahren geschlossen, aber Besucher dürfen noch fünfhundert Meter in einen alten Stollen hinein, danach kommt ein Gitter.

Der Eintritt ist frei. Wir dürfen ohne Begleitung rein. Gut, verlaufen kann man sich nicht, es gibt nur einen Gang. Aber es verwundert uns dann doch. Es besteht Helmpflicht für alle Besucher und Gummistiefel stehen am Eingang bereit. Es ist ja unter Tage immer ein wenig unheimlich. Wird der Stollen nun auch noch diesen einen Tag länger halten? Man kann es nur hoffen. Jetzt bitte keinen Stromausfall. Am Ende des Stollen verstehen wir auch den Sinn der Helme, der Gang wird niedriger und am rohen Stein hauen sich die größeren Besucher schnell die Pläte auf.

Mine Sextina
Kleidsam in Gummistiefeln und Helm
Minenarbeiter

Die Menschen in Zaruma sind super freundlich, grüßen uns auf der Straße und freuen sich über uns Touristen. Ein Blick in das Gästebuch im winzigen Museum zeigt, dass ausländische Gäste sich hierher kaum verirren. Das wird diesem hübschen, gemütlichen Ort nicht gerecht. Dazu perfektes Wetter, sommerlich am Tag, frühlingshafte Temperaturen in der Nacht. Die Bevölkerung ist sehr hellhäutig, indigene Züge sind mit europäischen längst verschmolzen. Hier läuft auch niemand mehr in Trachten, so wie im Norden in den Bergen.
Die Region hat Geld.  Die Häuser sind gut in Schuß, die Autos groß. Zu groß für die verwinkelten Gassen. Der kleine Ort ist zu Stoßzeiten ein Chaos. Der einzige Wehmutstropfen an Zaruma.
Im Nachbardorf soll es einen Fußballplatz, der auf dem Schutt einer alten Mine errichtet wurde. Die Kinder sollen Fußball auf Goldresten  im Wert von 30 Millionen Dollar spielen.

Rundreise Süd-Ecuador

Di., 16.Okt.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1599, 13.337 sm von HH

Es geht wieder los: Busfahren in Südamerika. Diesmal möchten wir ganz tief in den Süden Ecuadors.
Mit dem Nachtbus fahren wir über Guayaquil bis nach Zaruma. Dort sollen wir Morgen Vormittag ankommen. Der Süden wird von Touristen relativ wenig besucht. Die meisten Gäste landen mit dem Flugzeug in Quito und da liegen die Attraktionen vor der Haustür. Daher quält sich kaum jemand zwanzig Stunden im Bus nach Zaruma.
Der Ort ist so untouristisch, dass auf booking.com, meiner Lieblingsplattform zur Zimmerreservierung, kein einziger Treffer zu finden war. Ein Hotel, was ich trotzdem im Internet gefunden habe, wollten bei einer Zimmerreservierung eine Anzahlung von 50 Prozent. Ich konnte den netten Jorge überzeugen, dass wir kein Bankkonto in Ecuador haben, alles sehr schwierig ist und dass wir wirklich, wirklich anreisen. Er hat dann die Anzahlung verzichtet. Na, hoffentlich hat das geklappt.

Rundreise Süd-Ecuador

Rundreise Süd-Ecuador

Nach ein paar Nächten in Zaruma, einem alten Goldgräberstädtchen, fahren wir bis kurz vor die peruanische Grenze, nach Vilcambamba. Dann sind wir auch wieder in den Bergen, zunächst nur auf 2.000 Meter. Die Anden haben hier einen kleinen Höheneinbruch, bevor sie in Peru richtig an Höhe gewinnen.
Bei unserer letzten Rundreise sind wir ja nicht höhenkrank geworden. Ob es an der Strategie der langsamen Steigerung der Höhen lag? Ist nicht zu beweisen, aber wir halten an der Taktik fest. Auch konditionell hat das ja gut geklappt. Unsere wunderbar aufgebauten Blutkörperchen sind durch die faule Zeit im Cockpit längst abgeatmet. Die müssen wir grad wieder neu züchten.
Der dritte Stopp in Cuenca liegt bereits auf 2.500 Meter. Von hier können wir sternförmig Ausflüge unternehmen, die uns fast auf 4.000 Meter führen: Nationalparks und Inka-Ruinen. Alles gut von Cuenca aus zu erreichen. Außerdem soll Cuenca die schönste Stadt Ecuadors sein.

Wir sind gespannt. Endlich ist mal wieder was los. Die dicken Projekte sind abgearbeitet und Bahía ist doch etwas langweilig auf Dauer. Also, auf geht’s, der Bus wartet nicht.