Archiv der Kategorie: Atanga

Tag 4 ==> Hao

So., 12.Mai 19, Pazifik, Tag 1806, 17.768 sm von HH
Der Törn bleibt angenehm. Halber Wind, zwischen 3 und 4 Windstärken. Sonne und Schafwolken. Das Schiff wackelt nicht, die Luken sind geöffnet – schöner kann Segeln nicht sein. Noch 83 Meilen to go. Eine letzte Nacht auf See liegt vor uns. Wir segeln bereits mit Vollzeug, mehr Speed ist also nicht raus zu holen aus unserem alten Mädchen. Allerdings droht nachts schwächerer Wind.
Damit ist das Ankunfts-Roulette eröffnet: Bei Tageslicht anzukommen, reicht diesmal nicht als Aufgabe. Wie schon beschrieben, soll die Einfahrt in den Pass möglichst bei Stillwasser – bei slack water- erfolgen, damit man nicht im Pass gegen eine unmögliche Strömung stecken bleibt. Stillwasser ist Morgen früh um 10:00 Uhr. Soll sein, muss ich sagen. So genau weiß man es nicht. Es gibt verschiedene Regeln, um slack water time zu schätzen: Fünf Stunden nach Mondaufgang. Oder vier Stunden vor Monduntergang. Oder auch drei Stunden nach Durchgang des Mondes über den Meridian. Aha. Uns stehen drei Quellen mit Angaben zum Mondaufgang zur Verfügung. Alle drei nennen andere Zeiten. Das schränkt die Auswahl an Stillwasser-Möglichkeiten schon mal auf drei ein. Eine weitere Regel klingt simpel: Stillwasser ist eine Stunde nach Hoch- oder Niedrigwasser. ‚Navionics‘ und ‚wxtide‘ -seriöse Hilfsmittel für jeden Segler- sind sich leider nicht einig. Die Abweichungen für Hoch- und Niedrigwasser betragen mehrere Stunden. Ergibt zwei weitere Möglichkeiten.
Achim rechnet sich seit Tagen den Wolf. :mrgreen: Zettel mit Grafiken, Tabellen und Mond-Zeiten pflastern den Navi-Tisch. Der Taschenrechner glüht. Er sagt 10:00 Uhr. Mir kommt es wie eine Lottozahl vor. Also lautet die Devise wie immer – ankommen bei Tageslicht, der Rest ergibt sich.
Tag 4 Meilen: 108. Noch 83 Meilen bis Hao.

Tag 3 ==> Hao

Sa., 11.Mai 19, Pazifik, Tag 1805, 17.660 sm von HH
Schluss mit Romantik. Wir haben den Wind gefunden. Zunächst perfekte 13 bis 15 Knoten, die jetzt auf knapp 20 Knoten angestiegen sind. Es geht nun deutlich flotter voran. Wir sind längst in das Tuamotu Archipel vorgestoßen. Unser Weg nach Hao führt uns quer durch die verstreuten Atolle. Rechts und links des Weges tauchen die ersten unbewohnten Inselgruppen auf. Allerdings nur sichtbar auf dem Plotter. Als blaue Flecken mit sandfarbenem Kringel drum herum in die Karte gezeichnet. Tiefenangaben oder Angaben über Pässe, die durch die Riffe führen, werden nicht gemacht. Sowohl die flachen Sandhaufen, die nicht mal drei Meter über die Wasseroberfläche hinausragen, als auch die tückischen Saumriffe sind erst auszumachen, wenn man praktisch dagegen fährt. James Cook nannte vor 250 Jahren die Tuamotu die ‚gefährlichen Inseln‘. Erst mit Einführung der GPS-Naviagtion ist es uns Seglern möglich ‚gefahrlos‘ -auch nachts- durch die Tuamotu u schippern. Vor GPS wurde dieses Seegebiet kaum befahren.
Letzte Nacht haben wir ‚Mururoa‘ und ‚Fangataufa‘ mit ungefähr 50 Meilen Abstand passiert. Diese beiden Atolle wurden von 1966 bis 1996 von den Franzosen für Atomwaffenversuche missbraucht. Heute sind beide Atolle Sperrgebiet. Zurück geblieben sind Unmengen radioaktiver Müll und Tausende krebskranker Menschen. 2018 wurde Frankreich vom Internationalen Gerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verklagt für ihre 193 Tests in Französisch Polynesien, die unter anderem eine Zunahme der Krebserkrankungen in der Bevölkerung zur Folge hatte. Während die USA, die UdSSR und GB bereits 1963 ihre oberirdische Atomversuche einstellten, bombten die Franzosen ungeniert bis 1974 oberirdisch weiter. Bis 1996 fanden noch weitere 152 unterirdische Tests statt trotz internationaler Proteste. In mit Beton versiegelten Röhren lagert nun der Atommüll in den kleinen Atollen. Die Franzosen sind abgezogen, der Müll geblieben. Die Opfer sollen noch immer auf angemessene Entschädigungen warten.
Tag 3 Meilen: 114. Noch 176 Meilen bis Hao.

Tag 1+2 ==> Hao – Schleichfahrt

Do./Fr., 09./10.Mai 19, Pazifik, Tag 1803/4, 17.546 sm von HH
Am Morgen nach der Wanten-Reparatur herrscht Totenflaute am Ankerplatz. Nochmal die Abfahrt verschieben? Nein! Wir ignorieren den Leitsatz ’nur der geduldige Segler hat immer guten Wind‘. Schließlich soll es am frühen Abend Wind geben, sagt die Vorhersage. Am Nachmittag gehen wir Anker auf – wir wollen noch vor Sonnenuntergang das flache Atoll verlassen haben. Nach zwei Stunden erwarten uns auf offener See zwei Windstärken und ein plattgezogenes Meer. Die alte Dünung ist schwach und von niedriger Frequenz. Die ausgebaumte Genua steht wie eine ‚eins‘ und zieht uns mit 1,5 Knoten gemächlich vorwärts. Geräuschloseses Segeln. Aufrecht. Fast romantisch. Unser Abendmahl genießen wir als ‚Candle light Dinner‘ am mondlosen Abend. Die Nacht ist wie Samt und Seide.
Der versprochene Wind bleibt aus. Drei Knoten, mehr Fahrt liegt die Nacht über nicht drin. Der Wetterbericht am Morgen verspricht Wind für den Nachmittag. Wie eine Möhre am Band vor der Nase, die den Esel locken soll, wird das Windgebiet auf der Karte weiter vor uns her nach Norden verschoben. Wir zuckeln gemütlich weiter. Die Schiffsbewegungen sind geringer als an einem schlechten Tag am Ankerplatz vor der Osterinsel. Der nächste romantische Abend folgt.
Am zweiten Vormittag frischt es etwas auf. Vier Windstärken. Für ein paar Stunden. Wir kommen besser voran, zeitweise machen wir 5 Knoten Speed. Damit ist es jetzt wieder vorbei. Das Windfeld ist weiter in den Norden verschoben worden. Ein dritter romantischer Abend droht.
Meilen gesamt in den ersten 48 Stunden: 161. Noch 294 Meilen bis Hao.

Die Abfahrt verzögert sich

Mi., 08.Mai 19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1802, 17.385 sm von HH
„Ich kletter‘ noch mal eben in den Mast und mache einen Rigg-Check“, teilt Achim mir mit. Der Skipper muss sich die Frage gefallen lassen, warum er dies zwei Stunden vor Sonnenuntergang am letzten Abend vor der Weiterfahrt macht ( 30 Minuspunkte). Er hatte dafür 7 ( in Worten: sieben) Wochen Zeit (nochmal 10 Minuspunkte, wenn man mal anfängt genau darüber nachzudenken). Die Untersuchung bringt nichts Gutes zu Tage: „Unser Unterwant ist angeknackst! Eine von neunzehn Litzen ist gebrochen. Da muss ich Morgen wohl was unternehmen.“ Achim geht es wie dem Teufel, der seine Großmutter erschlagen hat: ihm gehen die Ausreden aus (10 Minuspunkte), warum er das erst heute untersucht. „Ich war wohl zu faul“, ist noch die beste Antwort (5 Pluspunkte wegen Ehrlichkeit). „In Zukunft checke ich wohl besser das Rigg direkt nach der Ankunft“, wird mir versichert (5 Pluspunkte für guten Vorsatz, leider 10 Minuspunkte für ein, sowieso faules, Versprechen). Ich kann es nicht ändern, der Mann ist nun mal wie er ist (5 Pluspunkte für mich – für unglaubliche Toleranz). Er macht immer alles auf die letzte Minute. Bleiben wir halt noch einen Tag (5 Pluspunkte); ich bin sowieso verliebt in Mangareva. Durch die Verschiebung kommt der Speiseplan durcheinander. Ich muss nun noch einmal vorkochen für den ersten Tag auf See (10 Punkte Abzug).
Da uns bereits zweimal ein Unterwant angeknackst ist, hat Achim vor zwei Jahren vorgesorgt. Es gibt Reparatur-Teile für alle Wanten an Bord (echte 20 Pluspunkte). Die damalige Investition von 850 Euro ( :shock: ) in Stalock Terminals zahlt sich heute aus. Ganz cool (5 Punkte gutgeschrieben) erläutert Achim mir den Reparatur-Plan. Als wir vor drei Jahren das erste Mal ein gebrochenes Want hatten, haben wir noch Panik auf dem Dampfer geschoben.
Noch vor (5 Pluspunkte) dem Frühstück, sägt Achim das Want unterhalb der Saling einfach ab. *** Der Bruch befindet sich ungefähr 30 cm von der oberen Pressung entfernt. Das ist eine glückliche Fügung (0 Punkte – Eigenleistung fehlt ;-) ), denn das Stalock Terminal passt somit haargenau als Ersatzteil dazwischen.
Die Reparatur ist blitzschnell erledigt, da kann man nichts gegen sagen (55 Pluspunkte). Er ist schneller damit fertig, als wir beide befürchtet haben. „Hätte ich das früher gewusst, wie einfach das mit den Stalock-Teilen ist, hätte ich auf die Scheiß Pressungen komplett verzichtet“ (10 Minuspunkte für ‚hätte-hätte‘-Jammerei und 20 Minuspunkte für mangelnde hellseherische Fähigkeiten : mrgreen: )
Einer heutigen Abfahrt am frühen Nachmittag steht eigentlich nichts im Weg. „Ach nö, jetzt habe ich mich schon ganz und gar auf Morgen eingestellt. Lass uns dabei bleiben“, bittet Achim mich. Wir fahren Morgen. Mir geht es nicht anders, ich hab mich ebenfalls auf Morgen eingeschossen und außerdem den Speiseplan bereits umgestellt (jeweils 20 Punkte Abzug für uns beide, wegen mangelnder Flexibilität). Altersbedingt scheint es bei uns beiden mit lustvoller Spontanität aufgehört zu haben. :lol:
Atanga bekommt ebenfalls 20 Minuspunkte als Unterwant-Killerin. Wir fragen uns nun, woran das liegen könnte. An uns liegt es jedenfalls nicht (jeweils 10 Punkte im Plus) – sind wir doch die Weltmeister im Oma-Segeln. Sind die Unterwanten mit 10 mm vielleicht unterdimensioniert? Bis Tahiti wird die Reparatur in jedem Fall halten. Zumal wir die Segel die nächsten tausend Seemeilen auf der Seite mit der Reparatur stehen haben werden. Das bedeutet keine Belastung auf dem kritischen Want. In Tahiti wird es dann ein neues Unterwant geben, wenn möglich in 12 mm.
P.S. Wir waren nachmittags noch mal an Land. Da aber Feiertag ist (2.Weltkrieg-Ende!), gibt es heute kein Internet. Daher per Funk gesendeter Bericht. Wir hängen noch immer am Anker. :-)
*** Um zu verhindern, dass der kritische Leser ihn für total bekloppt hält, besteht Achim darauf, dass ich schreibe, dass er das Want oben absägen musste. Da sich am anderen Ende (an Deck) bereits ein Stalock-Terminal befindet, konnte er das Want nicht durch die Saling ziehen.

Next Stop: Hao

Di., 07.Mai 19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1801, 17.385 sm von HH

450 Seemeilen. Ein Katzensprung. Alles unter 500 Seemeilen gilt auf dem Pazifik als Kurzstrecke. :lol: Morgen geht es nun endlich los. Das schlechte Wetter hat sich verzogen. Wir haben ein zweites Mal noch ‚ein letztes Mal‘ gewaschen. Diesel ist aufgefüllt, die Wassertanks sind voll. Wir sind für drei Monate mit Grundnahrungsmitteln, eingekochtem Fleisch, Hülsenfrüchten und Gemüse-Dosen ausgerüstet.

Die Tuamotus gelten als ‚versorgungsarm‘. Was auch immer das heißen mag. Wir lassen sich uns überraschen, ob das nur Gerüchte sind . Die Gambiers werden gut versorgt, trotzdem kommt es zu Engpässen von Gas zum Kochen, beim Benzin oder auch H-Milch in Tüten oder Käse.
Die Tuamotus sind einsame Inseln, wenig besiedelt. Flache Sandhaufen auf denen nur Kokospalmen wachsen. Schluss mit dem üppigen Bewuchs der Gambiers. Im Schiffsbauch haben wir 30 Stück der köstlichen Pampelmusen gelagert. Zum Tauschen und selber futtern. Martha von der Osterinsel hat uns erzählt, dass sie für eine Pampelmuse eine Perle eingetauscht hat. Entweder sind Perlen wirklich nichts wert oder die Einwohner der Tuamotus sind ausgehungert nach Obst.

Gut gerüstet geht es in die Obst freien Tuamotus Papaya Pampelmusen Orangen Kürbis Kokosnuss

Gut gerüstet geht es in die Obst freien Tuamotus Papaya Pampelmusen Orangen Kürbis Kokosnuss

Wir wollen drei Monate in den Tuamotus bleiben. Tahiti soll im Juni/Juli total überfüllt sein. Dann würde es gut passen, wenn wir tatsächlich erst im August dort ankommen, wenn die meisten Segler schon Richtung Westen weiter gezogen sind.

Wie immer berichten wir von unterwegs über Funk. Vielleicht erleben wir in den Tuamotus dann auch tatsächlich einen der letzten Plätze auf der Welt ohne Internet. Und ob wir das drei Monate aushalten können. :shock: Hier in Rikitea konnte die Internet-Sucht ja noch ganz bequem (und kostenlos, was ich sensationell finde) befriedigt werden.
Also, Ahoi, next stop: Hao.

Alles wieder friedlich in Rikitea

Alles wieder friedlich in Rikitea

 

Die Tuamotus

Do., 02.Mai 19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1796, 17.385 sm von HH

Die Tuamotus bestehen aus 78 Atollen, verteilt auf eine Länge von fast 2.000 Kilometer. Jedes dieser Atolle ist von einem Saumriff umgeben. Dieser Saum besteht aus bewohnbaren Inseln, aus kleinen Inselchen, den sogenannten Motus, Sandbänken und einem Riff, was nur knapp unter der Wasseroberfläche liegt. An diesen Stellen ist eine Einfahrt in die Lagune unmöglich.
Aber fast alle Atolle haben mindestens einen tiefen Pass durch den man in die Lagune gelangen kann. So ein Durchbruch kann wenige Metern bis mehrere hundert Meter breit sein. Aber eins haben sie gemeinsam: sie sind nur (gut) befahrbar bei Stillwasser. Dem Moment zwischen Ebbe und Flut. Dann kommen die Strömungen, die in den Pässen entstehen können, zum Erliegen. Fünf Knoten, acht Knoten, zwölf Knoten. Die Literatur warnt vor aberwitzigen Geschwindigkeiten in den Riffpassagen.

 

Die Einfahrt vom Hao Atoll liegt im Norden

Die Einfahrt vom Hao Atoll liegt im Norden

Hao Atoll - über das Riff schwappt die Lagune aus Süden voll Wasser

Hao Atoll – über das Riff schwappt die Lagune aus Süden voll Wasser

Unser nächstes Ziel-Atoll soll ‚Hao‘ sein. Hao hat eine Länge von über 30 sm und der Pass zur Einfahrt liegt ganz an der Nordspitze des Atolls. Leider erstreckt sich zur Zeit ein Windfeld von Tahiti, über die Tuamotus bis zu uns auf die Gambier Inseln, von 20 bis 30 Knoten Dauerwind. Der Wind kommt aus Südosten und drückt über das Saumriff die Lagune von Hao voll Wasser. Im Norden strömt das überschüssige Wasser durch den Pass wieder aus der Lagune raus. Stillwasser existiert im Augenblick nicht in Hao. Bis auf 20 Knoten (37 Stundenkilometer) soll sich die ausgehende Strömung dort aufbauen. :shock:

Der Starkwind dauert bereits sechs Tagen an. Zwanzig Knoten im Schnitt, Böen bis 35 Knoten. Die letze Nacht bis zum Mittag war es am schlimmsten. Waagerechter Regen und am Vormittag gehen die ersten Schiffe auf Drift, obwohl der Ankergrund aus exzellentem Schlamm besteht. Hektisch ankern die betroffenen Schiffe um. Die Ankerbucht ist ziemlich voll, so dass sich jeder um sein Schiffchen sorgt. Nicht, dass es vom Vormann weggerissen wird. Besorgte Funksprüche von Schiff zu Schiff: „Hey, du kommst mir zu nahe.“
Glaubt man der Vorhersage soll ab Morgen der Spuk zu Ende sein.

In der aufgepeitschten Bucht werden Ankermanöver gefahren Um 11 Uhr vormittags droht die Welt unter zu gehen Ankerwache im Überlebensanzug

Der Wind bringt reichlich kalte Luft aus dem Süden mit. Der Winter ist nah! :mrgreen: (ja, auch hier kennen wir was von GoT). Wir merken deutlich, dass wir uns im südlichen Spätherbst befinden. Die Gambier Inseln befinden sich in etwa auf dem gleichen Breitengrad wie die Kanaren und dort ist es im Winter ja auch nicht nur lieblich warm. Nachts fallen die Temperaturen ins Bodenlose und morgens müssen wir Socken im Schiff tragen. Pullover-Alarm! Früher müssen die Einwohner in ihren Baströckchen ganz schön gezittert haben.

Bei Sonnenschein ist es herrlich. Nicht zu warm, nicht zu kalt. Wir nutzen die Regen-Pausen mit schwächerem Wind und machen weiterhin die Insel unsicher. Auf jeder Tour entdecken wir noch etwas Neues. Unser Zwangsaufenthalt von seiner schönen Seite.

Die Badewanne der Prinzessin

Die Badewanne der Prinzessin

wird dieses kleine Naturbecken mitten im Dschungel genannt

wird dieses kleine Naturbecken mitten im Dschungel genannt

 

Schwarze Perlen

So., 28.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1792, 17.385 sm von HH

Cherry, Aubergine, Ocean oder Champagner? Welche Farbe darf es sein? Selten ist eine schwarze Perle wirklich schwarz. Gold, sky und water green sind weitere Bezeichnungen für die Farbe, die eine schwarze Perle haben kann.

Seit ungefähr hundert Jahren weiß man, wie eine Auster künstlich dazu überredet werden kann, eine Perle zu produzieren. Die Muschelschalen werden einen Zentimeter geöffnet und der Muschel wird ein Nukleus, ein Fremdköper, eingesetzt. Paradoxerweise besteht der aus einem kleinen Stück Perlmutt einer Süßwasserperle. Zusätzlich kommt noch ein Stück Fleisch einer anderen Auster mit dazu. Dieses Stück Fleisch ist der Farbgeber für die Perle, die nun heranwachsen soll. Da Farbe Geschmackssache ist, hat die Färbung den geringsten Einfluss auf den Wert einer Perle. Der Lüster – die Oberflächenreflektion-, die Größe, die Form und die fehlerlose Oberfläche sind die eigentlichen Preistreiber. Eine perfekt runde Perle mit makelloser Oberfläche kann mehrere tausend Euro kosten.

Durch die Impfung mit einem Nukleus wächst in ca. 30% aller Austern eine Perle heran, allerdings sind nur 1,5 Prozent von höchster Qualität. Der Rest ist Minderqualität oder gehört zu dem Ausschuss, den wir auf dem Festplatz gefunden haben.

Nach jedem Regen oder einem windigen Tag fallen weitere Perlen von der Dekoration herunter. Wir brauchen nur einsammeln. Inzwischen sind die Platten mit den aufgeklebten Muscheln und Perlen ganz abgebaut worden. Ein letztes Mal werden wir fündig und finden drei weitere Perlen. Ein Drittel unseres Fundes ist echter Ausschuss: knubbelartige Auswüchse zerstören die Oberfläche. Aber drei Perlen sind fast ohne Oberflächenfehler. Kugelrund und von durchschnittlicher Größe. Die bekomme ich, um mir eine Kette daraus zu basteln. Achim fabriziert sich aus den mittelprächtigen Perlen einen dekadenten Schlüsselanhänger für unseren Schiffs-Schlüssel. :mrgreen:

Schlüsselanhänger aus schwarzen Perlen

Schlüsselanhänger aus schwarzen Perlen

 

unsere komplette Beute Freihand bohrt Achim die Löcher - nicht immer ganz grade ;-) Perlen-Bohrer

Wir besuchen ein Haus im Ort, an dem ein Zettel ‚Perlen-Verkauf‘ klebt. Wir wollen mal schauen, ob wir nicht mehr über Perlen in Erfahrung bringen und vielleicht etwas dazu kaufen können. Als sich die Tür zu der Küche öffnet in der er auch die Perlen gelagert werden, verschlägt es uns die Sprache. Tausend und abertausend Perlen lagern hier in Zipper-Beuteln. Der Herr, der uns hereinlässt, will als erstes wissen, ob wir auf einem Segelboot wohnen oder in einer Pension. Als wir ‚Boot‘ antworten, verliert er sofort das Interesse an uns. Offensichtlich hat er gelernt, dass die meisten Segler zugenähte Taschen haben und sich ein Verkaufsgespräch wahrscheinlich nicht lohnt. Zudem spricht er leider nur Französisch, was es nicht einfacher macht. Als Achim ihn nach ‚Qualität‘ fragt, schüttet er einen Sack voll Perlen auf ein altes Handtuch. Er pickt zwischen den Perlen herum und zeigt er uns ein mittelgroßes Exemplar für 40 USD. Warum er ausgerechnet diese eine Perle auswählt, erschließt sich uns nicht. Ich könnte schwören, sie sieht genauso aus wie die Beste aus meiner neuen Kette aus. ;-)
Danach dreht er uns den Rücken zu, schaufelt irgendwelche Perlen in einen Beutel und lässt uns ratlos vor der Qualitätsperle stehen. Hier kommen wir nicht weiter, also ziehen wir ohne Kauf von dannen.

Von der Spielerfrau zur Schmuckdesignerin

Von der Spielerfrau zur Schmuckdesignerin

Mit Bordmitteln designter Perlenschmuck. :-)

Unsere Pläne 2019/2020

Sa., 27.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1791, 17.385 sm von HH

Eigentlich wollten wir bereits heute weiter. Aber schlechtes Wetter verzögert die Abfahrt. Dabei ist es eher das schlechte Wetter am Endziel als hier vor Ort. Auf den Toamotus bläst es laut Wetterkarte mit 23 Knoten Durchschnittswind. Zuviel für die heiklen Passeinfahrten in die Atolle. Heftige Strömung entstehen an den schmalen Durchgängen zum Atoll und machen eine Einfahrt (unter Umständen) unmöglich.

Ab 1. Mai ist offiziell die Zyklon-Saison beendet, dann kann man sich überall gefahrlos hinbewegen. Leider ist die Saison kurz und schon ab November sucht man sich besser einen zyklonsicheren Ankerplatz. Den findet man üblicherweise in Neuseeland oder Australien.
Wer dann noch eine zweite Südsee-Saison dranhängen möchte, muss sich aus Süd-Westen zurück quälen. Oder er verlässt sich auf einen der Plätze, der als Zyklon-Hole angepriesen wird. Das ist nichts für unsere Nerven. Viele dieser Löcher haben sich, sowohl in der Karibik als auch im Pazifik, als Falle erwiesen.

im Moment erscheinen uns sechs Monate Südsee definitiv als zu kurz. Also, was tun? Einige Segler fahren zurück auf die Marquesas ganz im Osten, die als zyklonsicher gelten. Wir haben uns die Australinseln und die Gambierinseln als Alternative überlegt. Gegen den Uhrzeigersinn würden wir eine Runde über die Tuamotus bis nach Tahiti segeln und dann ab November in den Süden stechen.
Die Atolle Austral und Gambier gelten als relativ sicher. Alle Jubeljahre gibt es einen Zyklon, der soweit südlich reicht. Wir halten das Risiko für kalkulierbar. Das Ganze hat nur einen Haken: kaum eine Crew macht das! :shock:
Warum nicht, ist uns noch nicht ganz klar. Der Wind soll in den Austral-Inseln unbeständig sein. Der Wind soll dort kräftig sein. Und die Temperaturen sollen im Süden deutlich kühler sein. Wobei Letzteres für mich eher als großer Vorteil erscheint. Am Ende der Runde (ca. 2.700 sm = 5.000 Kilometer) würden wir dann wieder hier in Rikitea landen.

Wenn sich andeutet, dass sich der kräftige Wind aus den Tuamotus verzieht, brechen wir auf. Auf unserem Weg sammeln wir weitere Berichte über unsere Idee. Und schauen uns an, ob die einsame Südsee für uns das Richtige ist und wir tatsächlich eine zweite Saison bleiben wollen.

geplante Route 2019/2020

geplante Route 2019/2020

Südsee-Alltag

Fr., 19.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1783, 17.385 sm von HH

Die Tage verrinnen. Der Insel-Alltag ist geruhsam, aber ausgefüllt. Manchmal regnet es – nein, es schüttet. Innerhalb von zwei Stunden sind unsere Wassertanks voll bis zum Überlaufen. Fünfhundert Liter gefangen mit ‚German Engeneering‘. Alle zehn Tage kommt eine Schlechtwetterfront von drei Tagen Dauer durch.
An solchen Tagen verschwatzen wir den Vormittag bei unseren netten Schweizer Nachbarn oder erledigen ein paar Reparaturen. Das Dinghy Cover brauchte ein paar Flicken und Achim hat endlich den Fehler beim Außenborder (the Bitch, wie er das Teil liebevoll nennt) gefunden. Der Vergaser macht seit der Osterinsel-Reparatur keine Probleme mehr, trotzdem lief die Kiste noch immer nicht richtig. Hier in Gambier ist dann der Not-Aus-Schalter kaputt gegangen. Im Grunde ein Glücksfall, weil Achim jetzt den Fehler für den stotterigen Lauf des Motors entdecken konnte: Der Schlüssel vom Notaus hat nicht sauber die Leitung getrennt. Dadurch wurde die Zündung immer mal wieder kurz geschlossen und ‚The Bitch‘ lief unrund.
Ein neuer Schalter muss her, damit man beim Ausschalten des Außenborders keine geflankt bekommt. Unmöglich hier zu bekommen. Also hat Achim einen Kippschalter aus seinem Fundus eingebaut. Der hat genau drei Tage gehalten bis Salzwasser an den Schalter kam und der Schalter unter Strom stand. Eine neue Idee musste her. In meinem Nähkästchen fand sich ein alter Jackenknopf, der jetzt erfolgreich unser neuer Notaus-Schalter geworden
ist. Aus dem Boden einer Plastik-Dose in der mal Nüsse waren, wird ein neues Schauglas für die Tankanzeige am Tankdeckel, der schon seit Monaten zu Staub zerbröselt war.
Alles Schrott, was produziert wird, unser Außenborder ist nicht mal drei Jahre alt. :cry:

Neues Schauglas aus einer alten Plastikdose Das Dinghy Cover kommt in die Jahre Alter Jackenknopf als Notaus

Bei gutem Wetter gehen wir sammeln und jagen. Auf unseren Touren über die schöne Insel werden wir fündig: Chili-Schoten, Papaya, wilden Basilikum und sogar einen Kürbis können wir erlegen. Leider bereits im ersten Drittel der Strecke. „Ist nicht mein Lieblings-Gemüse. Wenn Du ihn willst, musst du ihn selber tragen“, lehnt Achim meinen Tragewunsch dankend ab. Dafür puckelt er mir zentnerweise Pampelmusen und Kokos-Nüsse an Bord.

Die anderen Inseln im Atoll müssen noch warten

Immer wieder schöne Aussichten

 

Und wir sind unter die Perlen-Sammler gegangen. Auf dem Festival konnte man für relativ wenig Geld Perlenschmuck kaufen. Leider alles im Oma-Style, Perlenketten halt, so gar nicht mein Geschmack. Dann gibt es hier noch eine Langzeit-Seglerin, die Perlenschmuck selber herstellt. Der ist moderner mit Lederbändern gefertigt, asymmetrisch aufgefädelt und ganz chic. Der Schmuck erscheint mir aber zu teuer zu sein.. 80 bis 190 USD soll dort ein Kettchen kosten. Wenn ich mir anschaue, wie inflationär bei der Dekoration für das Festival mit Perlen ‚um sich geschmissen‘ wird, können Perlen vor Ort nicht teuer sein. Hunderte von Perlen wurden mit der Heißklebepistole auf Muscheln und Stoff geklebt. Nun fällt diese Dekoration auseinander. Man braucht sich nur noch bücken und die Perlen einsammeln. :-) Diese sind natürlich nicht fehlerfrei, aber das sind die Perlen im Schmuck vom Fest und der Seglerin ebenfalls nicht. Jetzt muss Achim mir nur noch Löcher in die Perlen bohren.

schwarze Perlen sind grau, blau-grau oder anthrazit - unsere haben 1,2 cm Durchmesser und sind somit mittelgroß

schwarze Perlen sind grau, blau-grau oder anthrazit – unsere haben 1,2 cm Durchmesser und sind somit mittelgroß

Mit Heißkleber verklebte Perlen - im Hunderter Maßstab verarbeitet

Mit Heißkleber verklebte Perlen – im Hunderter Maßstab verarbeitet

Und es geschehen immer unerwartete Dinge: mal funktioniert das Internet für einige Tage nicht oder es kommt überraschend das angekündigte Versorgungs-Schiff einen Tag zu früh. Diesmal sind wir erfolgreicher beim Auffinden der angelieferten Waren und halten nachmittags echte Tomaten in den Händen. :mrgreen:
Dann wieder sieht Achim einen Menschenpulk an der Pier. Ein Muschelhorn erklingt. Was ist da los? Wir springen schnell ins Dinghy. Eine Karfreitags-Prozession läuft singend vom Hafen bis zur Kirche. Gefolgt vom Muschelbläser, der statt Kirchenglocke zum Appell ruft.

Muschelhorn statt Kirchenglocke Karfreitags-Prozession

Wenn wir nicht nach Essen jagen, fahren wir bei gutem Wetter mit den Kajaks. An Deck nerven sie ja schon etwas, denn genau genommen sind zwei Stück doch etwas viel für unser kleines Schiff. Aber es war ein großartiger Kauf, erweitern sie doch unseren Radius unglaublich.
Wir wollten schon längst die unbewohnten Nachbarinseln im Atoll besucht haben, aber auf Mangareva gibt es einfach zu viel zu tun. Und schlechtes Wetter wird in einer einsamen Bucht auch nicht besser. Das ist mit ein wenig Unterhaltung besser zu ertragen.

Kajak-Ausflug

Kajak-Ausflug

Festival ‚Te Matapukurega‘

Mi., 10.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1774, 17.385 sm von HH

Langschläfer sind die Rikiteaner nicht. Bereits um 8:00 Uhr morgens läuft die Parade zum Festival auf. Wie bei den Olympischen Spielen tragen die teilnehmenden Gruppen die Namen ihrer Herkunfts-Insel auf Schildern vor sich her. Bunt gekleidet oder in traditionellen Kostümen. Und wieder Blumenkränze auf dem Kopf. Jetzt wird auch klar, warum die Truppe aus Hiva Oa mit kleinem Gepäck anreisen konnte. Sie haben sich heute Morgen ihre Klamotten frisch im Wald gepflückt. :mrgreen:

Parade von der Kirche zum Festplatz

Parade von der Kirche zum Festplatz

Frische Palmenwedel und Farn als erneuerbare Klamotten

Frische Palmenwedel und Farn als erneuerbare Klamotten


Ein Gesicht im Zug kommt uns bekannt vor. Das Schild gibt Aufklärung: eine kleine Delegation von Tänzern ist auch aus Rapa Nui, der Osterinsel, angereist.
Unter lauter Trommel-Begleitung zieht der Tross Richtung Festplatz. Der besteht aus einer Fußballfeld großen Fläche, abgestreut mit feinsten Korallensand. Unter kleinen Holzverschlägen wird Kunsthandwerk der teilnehmenden Atolle angeboten: Perlenschmuck, Flechtwerk und bedruckte Stoffe. Unter Zeltplanen wird schon am Aufbau des Buffets gearbeitet.

Zuschauer im Tross

Zuschauer im Tross

 

Die Reden vom Bürgermeister, vom Dorf-Sheriff und anderen wichtigen Persönlichkeiten ziehen sich. Geduldig warten die Gruppen auf ihre persönliche Vorstellung. Noch mehr Reden werden gesprochen. Merci und Maururu, ‚danke‘ auf tahitianisch, fällt häufig.

Die Rede vom Bürgermeister zieht sich, da kann man schon mal einschlafen

Die Rede vom Bürgermeister zieht sich, da kann man schon mal einschlafen

Die Atolle sprechen eine ähnliche Sprache, verstehen einander, nur die Repräsentantin der Osterinsel muss übersetzt werden. Das Ganze hat gewisse Längen, da einiges auch noch auf Französisch wiederholt wird.
Jedes Atoll gibt schon mal eine kleine Kostprobe seines Könnens und dann folgt auch schon das Essen.

Die wilden Kerle und Mädchen aus Hiva Oa

Die wilden Kerle und Mädchen aus Hiva Oa

Die dazugehörigen Trommler

Die dazugehörigen Trommler

Das halbe Dorf ist dabei mit seinen Kokosnuss-Tellern.
Mehrfach werden wir aufgefordert, uns ebenfalls zu bedienen. Ich mach es kurz: es ist besser als es aussieht. :-) Die schleimigen Breie sind Mango- und Banane-„Chutneys“. Die lila Würfel bestehen ebenfalls aus Banane. Dazu gibt es Maniok und Yucca mit Kokosmilch. Oder wahlweise Brotfrucht mit Kokosmilch. Oder Muschelsalat mit Kokosmilch. Es fehlt an allem: an Salz, an Schärfe und Gewürzen. Essbar, aber schon arg fad.

Skepsis am Buffet

Skepsis am Buffet

Das Essen Kokosschalen als Teller - davon gab es leider nicht genug Eure Hoheit am Buffet

Abends geht es dann zur Sache. Jedes Atoll bringt seinen eigenen Stil mit. Brav im Chor gesungene ‚Aloha-Südseeklänge‘, wie man es sich vorstellt, stammen aus Tubuai. Lieblich und sanft. Die Damen der Austral-Inseln treten in züchtigen Baumwollkleidern auf.

Sängerinnen aus Tubuai

Sängerinnen aus Tubuai

Die Mädchen aus Hao dagegen, lassen die Hüften kreisen. Die Baströcke wippen, die Blicke versprechen alles und nichts. Achim versteht nicht, warum es nur auf der ‚Bounty‘ zur Meuterei kam. Er ist der Meinung, beim Anblick der Mädchen hätte eigentlich jeder Matrose seinen verwanzten Kahn verlassen müssen.

Hüfttanz im Baströckchen

Hüfttanz im Baströckchen

Nymphe beim Hüftschwung

Nymphe beim Hüftschwung

Die wilde Gang aus Hiva Oa lässt keinen Zweifel aufkommen, dass man früher in der Südsee auch im Kochtopf landen konnte. Mit Fackeln, viel Geschrei und Geheule liefern sie einen starken Auftritt. Das wilde Gebaren mit den angemalten Gesichtern und den rollenden Augen kommt auch beim heimischen Publikum großartig an. Hiva Oa kassiert den kräftigsten Applaus.

Gänsehaut-Auftritt mit Fackeln

Gänsehaut-Auftritt mit Fackeln

Wilde Kerle aus Hiva Oa Man achte auf die Unterbüx - der Kevin Klein der Südsee heißt Taaitaaroa ;-)

Drei Abende werden wir aufs köstlichste unterhalten. Während der gesungen Tänze oder dem getanzten Gesang werden auch immer wieder Geschichten erzählt: eine Liebesgeschichte, ein Mädchenraub, ein Überfall mit erfolgreicher Verteidigung des bösen Gegners. Die Geschichten berichten von der Vergangenheit der abgeschiedenen Inseln.

Immer werden Geschichten bei den Tänzen erzählt

Immer werden Geschichten bei den Tänzen erzählt

Das Fest ‚Te Matapukarega‘ auf Mangareva dient dem Flechten und Erhalten von Beziehungen über die weiten Entfernungen der Atolle hinaus, dem Erhalt der Bruderschaft der Polynesier. Erst das zweite Mal ist das kleine Gambier Atoll Gastgeber für solch eine Veranstaltung, die dieses Mal unter dem Motto ‚Te Tutakiraga‘ – ‚die Zusammenkunft‘ läuft. ‚Te Tutakiraga‘ ist ein heiliges Wort in der polynesischen Geschichte, das die Aussage bestätigt: Du bist ein Polynesier, egal wo du geboren wurdest, welchen Tanz du tanzt oder welchen Dialekt du spricht. Das Motto scheint gelungen, wenn man sich am letzten Vormittag die Darsteller anschaut. Alle zusammen tanzen begeistert den Tanz von Mangareva.

 

Ein Dorf steht Kopf

Mo., 08.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1772, 17.385 sm von HH

Schon seit zwei Wochen wissen wir, dass ab Mittwoch eine Feier auf Mangareva ansteht. In der Mehrzweckhalle haben wir die Englischlehrerin getroffen, die uns davon berichtete: „Es gibt Musik, Tanz und Gesang. Und jeden Tag gibt es Essen für Alle. For free!“, erzählt sie uns begeistert. Sie half den Dorf-Kinder dabei, die Teller für die Feierlichkeit zu präparieren. Der Bürgermeister möchte kein Plastikgeschirr, also werden halbe Kokosnüsse geschliffen und poliert. „Ihr müsst unbedingt kommen. Es werden Tänzer aus den anderen Atollen erwartet – Marquesas, Tuamotus und den Austral-Inseln.“

Herstellung des Essgeschirrs

Herstellung des Essgeschirrs für die Feier

 

Jetzt ist es nicht mehr zu übersehen, dass etwas Großes auf uns zu kommt. Das sowieso schon schnieke Dorf wird jetzt richtig auf Vordermann gebracht. Mit dem liebsten Gerät der Dorfgemeinde, dem Motor-Rasentrimmer im XXL-Format, wird jeder Halm, der vorwitzig hervor lugt, nieder gemäht. Es wird geharkt, geschnitten und aufgeräumt. Die Betonstraße ist auch rechtzeitig fertig geworden, nur auf dem Festplatz wird noch gearbeitet. Der kleine Fähranleger, alle Laternenpfähle und das Rathaus sind mit Palmen, Farnen und Blüten geschmückt.
Als ich morgens zum Einkaufen gehe :lol: , hält mich ein Opa an. Schnell kramt er ein paar Brocken Englisch aus: „Am Mittwoch. Um 12:00 Uhr. Essen! Umsonst! Unbedingt hingehen!“

Am Nachmittag fängt es am Fähranleger zu trommeln an. Zufällig bin ich vor Ort, weil ich auf dem Weg zum Internet bin. Südseeschönheiten warten mit Blumengirlanden auf die Gäste aus den Nachbaratollen. Sie selber haben kunstvoll geflochtene Kränze auf dem Kopf.

Südseemädchen mit wunderschönen Kränzen

Südseemädchen mit wunderschönen Kränzen

 

Spalier für die Gäste - im Hintergrund dröhnen die Trommeln

Spalier für die Gäste – im Hintergrund dröhnen die Trommeln


Für heute ist ein Sonder-Flugzeug eingesetzt worden. Normalerweise gibt es nur dienstags und samstags eine kleine Maschine aus Tahiti. Die Trommler trommeln. Die Mädchen lächeln. Und es duftet nach Minze. Wo kommt denn bloß dieser Duft her?

Kunstvolle Kränze

Kunstvolle Kränze


Als sich die kleine Fähre sich von der Flughafeninsel her nähert, werden die Trommeln lauter. Die Mädchen schwingen die Hüften. Es wird gelacht und gerufen. Die Stimmung ist großartig. Ich habe Gänsehaut und die Nackenhaare stellen sich auf. Die Gruppen aus Hiva Oa und Hao werden wie eine Mischung aus Rockstars und lang vermisster Familienmitglieder begrüßt. Blumenkränze werden umgelegt. Küsschen verteilt. Die Blumenkränze haben unterschiedliche Qualitäten. Dünne Girlanden, üppige Blütenranken und für den Chef der Hiva Oa Truppe gibt es dicke Bänder aus Minze (aha!) mit eingeflochtenem Hibiskus.

Voluminöser Minzkranz

Voluminöser Minzkranz

Die Jungs von den Marquesas sind wilde Kerle mit Schweine-Hauern als Kette um den Hals.
Außer mir und Hank, unserem holländischen Nachbarn, sind keine anderen Ausländer dabei. Ich werde freundlich in die Mitte genommen. Darf Fotos machen und man posiert ausgesprochen gerne für mich.

Der jonny Depp der Südsee ist auch dabei

Der Jonny Depp der Südsee ist auch dabei

 

Die angekommenen Gäste bedanken sich für den Empfang mit einer Art Sprechgesang. Einer spricht-singt vor, die anderen fallen ein. Lieblich ist der Gesang nicht, es wird eher geschrien. Grob, mit rauer Stimme. Es fällt viel das Wort ‚Rikitea‘, der Rest bleibt mir verborgen. Aber die Botschaft wird klar. Die kehligen Worte gehen unter die Haut. Wieder die aufgestellten Nackenhaare.
Wenn schon die Begrüßung ein Fest der Sinne ist, wie mag dann die eigentliche Feierlichkeit werden?

Junge und alte Blumenmädchen

Junge und alte Blumenmädchen

Jonny

Jonny

Sonntag gleich Kirchentag

So., 07.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1771, 17.385 sm von HH

Ziemlich schnell nachdem die ersten Europäer, wie James Cook, Käpt’n Bligh und spanische Konquistadoren, ihre Füße auf Südseeinseln setzten, kamen die Missionare.
Ein gutes Beispiel für das Unheil, was die christliche Kirche anrichten kann, ist das Gambier Atoll. Unter der Knechtschaft eines verrückten Priesters kamen vor 150 Jahren über viertausend Menschen um.
1834 wanderte der französische Priester Honoré Laval auf Mangareva ein. Zuerst bekehrte er den letzen König von Gambier zum Christentum, um ihn anschließend brutal zu unterdrücken.
Laval war besessen von einer Bauwut. In 37 Jahren seiner Unterdrückung, entstand in Rikitea die größte Kirche Polynesiens, die heute die Kathedrale der Südsee genannt wird. Unzählige Kapellen, neun weitere Kirchen, zwei Gefängnisse und Klöster gehen auf seine Kappe. Mit drastischen Maßnahmen zwang er die Bevölkerung seine merkwürdigen Bauwünsche umzusetzen.
Während dieser Zeit starben 90 Prozent der Bevölkerung. Nur knapp 500 Menschen überlebten.
Am Ende seiner Schreckensherrschaft wurde Laval in Tahiti des Mordes angeklagt, aber für geisteskrank erklärt.

Noch heute findet man überall Überreste seiner Bauwut. Kleine Kapellen, Torbögen, Türmchen und ein, zur Ruine verfallenes, Kloster.

Wildromantische Überreste vom Kloster

Wildromantische Überreste vom Kloster

wunderschön überwuchert Die ehemaligen Toiletten des Klosters
Alles ist dem Verfall preisgegeben

Alles ist dem Verfall preisgegeben

Die Südsee-Kathedrale ist renoviert und sonntags wird zum Gottesdienst geläutet. Aufgerüscht und nett zu recht gemacht, findet sich das halbe Dorf zur Messe ein. Der Küster winkt uns trotz unserer Wanderschuhe freundlich herein und weißt uns einen Platz in der letzten Reihe zu. Auf dem Altar, verziert mit Perlmutt, soll sich eine große, schwarze Perle befunden haben, die sich heute im Vatikan befinden soll.

Die größte Kirche Polynesiens

Die größte Kirche Polynesiens

 

Warten auf die Messe um 9 Uhr morgens Aufgehübscht für die Kirche am Sonntag Altar mit Perlmutt

Gesungen (hübsch und mit Inbrunst) wird in Landessprache – in Reo Mangareva. Die Predigt erfolgt im Mix -auf Französisch und Reo. Nach kurzer Zeit verkrümeln wir uns wieder. Kein Problem. Der Küster nickt uns erneut freundlich zu. Die Kirchentür steht die ganze Zeit offen und die Locals kommen und gehen ebenfalls, wann sie Lust haben.