Archiv der Kategorie: Atanga

Tag 3 nach Tahiti: Besser, viel besser!

Sa., 08.Aug.20, Pazifik, Tag 2260, 20.653 sm von HH
Objektiv betrachtet sind die Bedingungen schlechter als an den ersten beiden Tagen. Trotzdem ist die Laune um Klassen besser. Immer wieder erstaunlich, wie der Koerper an Tag drei seinen Widerstand gegen gute Segelstimmung aufgibt. Der Wind blaest jetzt dauerhaft mit sechs Windstaerken. Noch immer schraeg von hinten. Die Welle hat wohl an die drei Meter und trifft aus aehnlicher Richtung auf uns. Das Wellenbild ist konfus, die Intervalle kurz, daher werden wir ganz schoen geschuettelt, aber ohne zu rollen. Nur ab und an gibt es einen Druecker, der uns hart auf die Seite legt. Wir laufen wie am Schnuerli-Band direkt aufs Ziel. Keine Patzer mehr durch unsere Wind-Herta. Die leicht gereffte Genua und das Gross im zweiten Reff passen gut zum Wind und Kurs.
Auch ist der mitteleuropaeische Hygienestandard wiederhergestellt – wir haben geduscht. Kein Vergnuegen mit Wind direkt aus der Antarktis. Brrr. Die Wassertemperatur hat allerdings bereits um zwei Grad zugenommen. Der kalte Meeresarm, der Gambier umschlingt, ist nach Westen abgeknickt. Genau, wie die Literatur es beschreibt. Also nur noch ein paar Meilen und wir haben wahrscheinlich wieder tropische Temperaturen an Bord.
Tag 3: 125 Meilen
Rest: 525 Meilen

Tag 1+2 nach Tahiti: Mimimi

Do/Fr.,06./07.Aug.20, Pazifik, Tag 2258/9, 20.528 sm von HH
Wir sind flott unterwegs, zeitweise rauschen wir mit sieben Knoten voran. Bereits im Atoll koennen wir Segel setzten, die Sonne scheint, ein paar Passatwolken ziehen am Himmel. In der Nacht leuchtet uns ein noch fast runder Mond den Weg. Es ist perfekt, aber an Bord hoert man nur ‚mimimi‘! Wir haben die ‚Segeln-ist-doof-an-den-ersten-beiden-Tagen-Brille‘ auf.
Das Schiff wackelt zu sehr, es ist zu anstrengend und wir schlafen zu schlecht. Gejammer und Wehklagen aus allen Rohren. Ist es noch weit? Sind wir bald da?
Und es ist zu kalt. Mimimi!
Obwohl das mit der Kaelte stimmt, muss man zu unserer Verteidigung sagen. Doppel-Fleece-Jacken plus Faserpelz-Hose plus Socken, anders ist es im Cockpit nicht auszuhalten – da kann man schon mal greinen. Der Wind kommt schraeg von hinten. Mal mit acht Knoten, mal mit zweiundzwanzig Knoten. Uns waren fuenfzehn Knoten im Durchschnitt vorhergesagt worden, aber doch nicht so. Gleichmaessig fuenfzehn Knoten, so hatten wir es bestellt. Diese harten Wechsel stellen die Windsteueranlage – Herta – vor ein Problem. Ab zwanzig Knoten fangen wir an aus dem Ruder zu laufen, luven viel zu stark an, legen uns mit Vollzeug hart auf die Backe. Extrem mimimi!
Statt traege in der Ecke zu liegen, muessen wir haendisch dem Ruder und Herta helfen. Dazu haben wir nun gar keine Lust. Schon gar nicht nachts, wenn es so richtig bitterkalt draussen ist. So hatten wir uns die Segelei nach einem halben Jahr nicht vorgestellt. Also wird getrimmt, was das Tuch hergibt: wir reffen das Gross, wir holen das Gross dicht, wir reffen mehr. Das kostet uns Geschwindigkeit. Das gefaellt uns auch nicht. Wieder mimimi. Hoffentlich ist bald Tag drei!
Tag 1: 150 Meilen (wow!) Tag 2: 124 Meilen
Rest: 650 Meilen

Nun aber wirklich:  Au revoir, Gambier!

Mi.,05.Aug.20, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva, Tag 2257, 20.254 sm von HH

Die Entscheidung ist gefallen, wir setzten alles auf eine Karte. Noch haben wir keine Genehmigung nach Neuseeland einreisen zu dürfen. Das Prozedere zieht sich und ist ein brutal formalistischer Akt, der seinen Gipfel in einem 24-seitigem Papierwerk gefunden hat und nun diversen Kiwi-Behörden vorliegt. Wir sind optimistisch, dass es klappen wird und daher geht es Morgen nach Tahiti!

Gestern sind wir noch einmal unseren Lieblingsweg gelaufen und die Augen tränen. Oh ja, hier könnten wir uns tatsächlich vorstellen zu leben. Das ist wahrscheinlich romantisch verklärt, denn die drei deutschen bzw. elsässischen älteren Herren, die auf Mangareva wohnen, zeigen in Gesprächen alle die gleichen Symptome: gepflegte Langeweile!
Wir sind aber sehr dankbar, dass wir die Lock-down-Zeit hier verbringen durften. Tief in unseren Herzen bleibt dieser Aufenthalt eingebrannt.

Aber es wird nun wirklich Zeit. Unsere Vorräte an Leckerlies sind am Ende. Wir haben kein Vollkornmehl und keine Getreidekörner mehr, Haferflocken sind alle und mal wieder ein paar Tomaten oder Gemüse, was nicht aus der Dose kommt, das hätte was. Es gibt seit Monaten keinen schwarzen Pfeffer zu kaufen – dafür in rauen Mengen ‚Ras el Hanout‘. Eine Gewürzmischung, für die ich in der Weltstadt Hamburg vor Jahren mal unendlich viele Läden abklappern musste. Verrückte Welt, diese Atolle.

Das Vollkorn wurde die letzte Zeit rationiert – ein Halb-Weißbrot und Halb-Vollkornbrot. Achim backt übrigens alle Brote – man, darüber bin ich soooo happy

Die Bordküche ist eintönig geworden: Der beste Kauf ist ein Huhn. Davon essen wir drei Tage. Ich habe alle Varianten durch, wie man ein Huhn verkochen kann: Hühnerfrikassee deutsch, asiatisch scharf, Curry indisch. Am ersten Tag gibt es die Keulen und die Flügel. Am zweiten Tag gibt aus den Rippen abgekocht eine Hühnersuppe und am dritten Tag die Brust, die ich am ersten Tag gleich mit brate. Nach zehn Tagen kommt ein neues Huhn. Zwischen den Hühnern gibt es (mindestens) einen Spaghetti-Tag, einen Kartoffelmus-Tag (für viel was anderes taugen die Kartoffeln nicht), einen Tag mit Eiern und zwei Hülsenfrüchte-Eintopf-Tage. Der Eintopf kann auch schon mal ‚aus Versehen vegan sein‘. Besonders beliebt beim Skipper.
Die Geschirrspül-Bürste ist inzwischen der Sammelpunkt für die Keime dieser Welt. Wir haben die Wahl – diese Ekel-Bürste behalten oder keine haben. Meine Flip-Flops haben Löcher. Dafür gibt es die Nachhaltigkeits-Ehrenmedaille am Greta-Zopf. Ich habe die Wahl – diese Flip-Flops oder keine.

Ich würde sagen, die sind fertig

Es ist problemlos möglich neue Batterien oder ein Solarpanel in Tahiti zu bestellen. Eine Mail an den richtigen Shop, die Kreditkarte gezückt und drei Wochen später liefert die Dinge das Versorgungs-Schiff. Aber die genannten Kleinigkeiten zu bestellen, ist uns nicht gelungen. Die Shops haben abgewunken für uns etwas zu besorgen und die gelangweilten Herren waren auch nicht hilfreicher. Es soll ‚fliegende‘ Moped-Fahrer in Tahiti geben, die Geschäfte und Supermärkte nach Nüssen und Spülbürsten abklappern, ein Paket schnüren und es auf einem Schiff aufgeben. Wir haben weder geschafft herauszufinden, wer das macht, noch was es kostet. Also haben wir aufgegeben. Die Einheimischen schicken sicherlich Freunde und Verwandte los, die diese Jobs übernehmen.

Obwohl wir am teuersten Platz unserer Reise leben, sind unsere Durchschnitts-Kosten ganz massiv gesunken. Da die Vorrats-Schränke leer sind, geben wir inzwischen über tausend Euro im Monat für Essen und Trinken aus. Mal ein Glas Gurken, ein Paket Kekse und das abendliche Bier hauen wirklich rein. Das war’s dann aber auch schon, was man hier an Geld ausgeben kann. Sprit für den Außenborder, Wäsche waschen und hin- und wieder eine Pizza, mehr geht nicht. Die fehlenden Ausgaben sind aber im Prinzip nur aufgeschoben. Das Schiff wird – gefühlt – nur noch von Provisorien zusammen gehalten. Was kaputt geht, bleibt kaputt oder wird irgendwie geflickt. Der abgebrochene Rückwärtsgang am Außenborder besteht jetzt aus einem alten Schraubenzieher und die gerissene Dichtung am Stöpsel für das Waschbecken in der Pantry ist durch einen Tupperdeckel ersetzt worden. Achim hat aus zwei Lesebrillen eine zusammengeschraubt und die kaputte Go-Pro liegt im Mülleimer. Unsere T-Shirts haben alle Flecken und aufgestickte Blümchen, die gefallene Maschen aufhalten sollen, unsere Shorts haben Flicken auf dem Hintern und wir benötigen dringend neue Bettwäsche, Kissen und Bezüge. Die Laken werden mit Kaltwäsche einfach nicht sauber und passen optisch zur Abwaschbürste. :mrgreen:

 

In Tahiti können wir Lebensmittel aufstocken und mal wieder essen gehen. Große Ersatzbeschaffungen, nach sechs Jahren endlich ein neues Handy und einen neuen Laptop, würden wir gerne bis Neuseeland verschieben.
Also, auf nach Tahiti – 850 Meilen – sieben bis zehn Tage. Morgen geht es los. Nun aber wirklich.

 

Präpariert für die Stadt. Für uns noch ungewohnt – wir sehen wie Sofakissen aus – Reste vom Stoff für Kopfkissenbezüge für die Schlafkoje

 

Revierführer Mangareva

Do.,30.Jul.20, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva, Tag 2251, 20.254 sm von HH

Nach sechs Monaten Gambier-Atoll wird es langsam Zeit für ein paar Revier-Informationen und Wanderweg-Beschreibungen. Wer nach Französisch Polynesien segeln möchte, sollte dieses Atoll nicht auslassen.

Klick ==> Gambier – Mangareva 2020  

Mangareva Wanderung Nr. 2

Es duftet nach Planänderung

Fr.,24.Jul.20, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva, Tag 2245, 20.254 sm von HH

Die Zauderer und Zögerer, die Unentschlossenen und Plan-Änderer. Ja hoppla, das sind wir. Vor vier Wochen hieß es an dieser Stelle bereits ‚Au revoir, Gambier‘ und wir sind noch immer da. Zuerst war es ungünstiger Wind und eine echte Ausrede, dann folgten Meldungen aus den Tuamotu, dass das Wetter in Gambier besser sei – ein gerufener Vorwand zum Bleiben. Und jetzt haben wir erneut ein Argument, warum wir noch immer nicht weiter sind: Es gibt Hoffnung, dass es mit Neuseeland tatsächlich klappen könnte.
Das viele Seiten umfassende Werk der neuseeländischen Behörden ist ausgefüllt. Wir sind jetzt offiziell eingetragen bei ‚Sail South Pacific‘ (SSP) als ‚Rally‘-Teilnehmer. SSP fungiert als Agent für uns und übernimmt die Kommunikation mit den offiziellen Stellen in Neuseeland.
Die Neuseeländer stellen drei Bedingungen, um eine Einreise zu erlauben:

1.) Es muss ein dringender Grund für die Einreise vorliegen – hier haben wir Reparaturen genannt, die die Seetüchtigkeit von Atanga gewährleisten sollen; den Austausch der Wellendichtung, eine Maschinenwartung (Formschläuche und Injektoren) und die Osmose-Beseitigung.

2.) Es muss ein ökonomischer Gewinn für Neuseeland herausspringen: Die ‚Hürde‘ mit den gewünschten 50.000 NZ$ für Reparaturen haben wir mit Bravour gemeistert. Wir haben einfach alles aufgeschrieben, was gemacht werden muss, was gemacht werden könnte und was wir schon immer gerne schöner hätten. Wenn man mal anfängt zu rechnen, dann ist so ein Boot ein echtes Dollar-Grab. Vor Ort werden wir dann sehen, was von den Reparaturen überhaupt möglich sein wird.

3.) Die Kiwis wünschen einen detaillierten Selbst-Quarantäne-Plan: Das ist komplizierter als erwartet. Die Fragen, die Neuseeland im Katalog hat, sind für große Schiffe ausgelegt (ist die Crew in die Entsorgung von Masken eingewiesen worden? usw). Achim hat eine abgespeckte Version für ein kleines Segelboot wie Atanga formuliert, auf dem man nicht zwei Meter Abstand halten kann. Leider mochte SSP diese Fassung nicht. Sie haben ein eigenes Werk – mehr auf die Kiwi-Bedürfnisse zugeschnitten – was sie uns zur Verfügung stellen.

Demnächst erwarten wir eine Rückantwort von SSP, die uns eine Indikation geben soll, wie gut unsere Chancen stehen. Sollte das gut klingen in unseren Ohren gehen wir das Risiko ein und segeln direkt westlich. Tahiti heißt dann das nächste Ziel. Dort müssten wir zum Ausklarieren sowieso hin, also kein Umweg. Hao und andere Atolle in den Tuamotu würden wir dann überspringen.

Plan B heißt noch immer Hao!

Plan C nimmt ebenfalls Formen an. :mrgreen:
Wir wissen jetzt, dass ein neues Haus auf Stelzen für 60.000 USD zu haben ist. Leider werden an Ausländer keine Grundstücke verkauft. Bleibt ein Haus zu mieten. Das ist teurer als erwartet. Ein Haus in einem gar nicht mal so gutem Zustand (um nicht zu sagen schäbig) kostet 700 USD Miete im Monat plus Strom. Wir bleiben am Ball mit Plan A.

Standard-Neubau auf Mangareva mit Veranda – die Teile kommen als Fertig-Bausatz aus Tahiti. Alles einfach, Pappwände, Auf’Putz‘-Leitungen, aber hey, es geht schlechter

Französisch Polynesien öffnet die Grenzen

So.,19.Jul.20, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva, Tag 2240, 20.254 sm von HH

Seit dem 15. Juli lässt Französisch Polynesien wieder ausländische Touristen ins Land. Der President Fritch ließ verlauten, dass Land brauche die Einnahmen aus dem Tourismus. Und es sei wahrscheinlich nicht zu verhindern, dass das Virus ins Land gebracht wird. Französisch Polynesien müsse damit leben. Ankommende Gäste, und auch die neue Riege der Beamten, sollen einen negativen Corona-Test vorweisen und sich nach vier Tagen im Land erneut einem Test unterziehen.
Eine Maskenpflicht besteht in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf den Fähren. Und wenn der erforderliche Mindest-Abstand halten nicht eingehalten werden kann. Damit sind die kleinen Inseln, weit weg von Tahiti, raus aus der Maskenpflicht.

Die Welt trägt Maske und gewöhnt sich scheinbar langsam daran. Dagegen sind wir Aliens. Wenn wir wieder zivilisiertes Gebiet betreten, müssen wir erst mal angelernt werden. Wir besitzen nicht mal Masken, außer Staubmasken, die wir beim Lockdown zweimal tragen mussten. Ich glaube, es wird Zeit, dass ich uns welche nähe. Wer weiß, was die Öffnung der Grenze noch für Regeln nach sich bringt. Wir hoffen, dass die Atoll-Bewohner gut mit der Entscheidung ihres Presidenten leben können. Was wird passieren, wenn das Virus auf die Atolle getragen wird? Wer bekommt dann die Schuld? Wir persönlich haben keine Angst vor Corona. Weder dass wir uns anstecken, noch dass wir schlimm erkranken. Die Gefahr sich Dengue-Fieber oder eine Malaria einzufangen, war unterwegs schon viel größer.
Auf der ganzen Welt sind es die ‚anderen‘, die Ausländer, die Fremden, die Schuld bekommen. Das macht uns mehr Sorgen als das Virus selber.

Neuseeland fährt einen komplett anderen Stiefel. Das erklärte Ziel sei ein Corona freies Land – Grenzen zu, bis ein Impfstoff gefunden wird. Wenn man Kommentare der Kiwis darüber liest, so scheint die Mehrheit damit einverstanden.
Trotzdem erhellt ein Lichtstreifen unseren Neuseeländischen Einreise-Horizont. Die Organisation ‚Sail South Pacific‘, die einreisewilligen Seglern helfen möchte nach Neuseeland zu kommen, hat sich gemeldet. Neuseeland hat erstmals signalisiert, dass Segler aus dem Südpazifik die Einreise genehmigt werden könnte. Allerdings wie überall auf der Welt geht es um den schnöden Mammon. Wer als Segler kommen will, soll aufzeichnen welchen Vorteil Neuseeland davon hat. Gern gesehen ist, wer fünfzigtausend NZ-Dollar (ca. 30.000 EUR) im Land beabsichtigt zu lassen. Und nein, Aufwendungen für den Lebensunterhalt sind nicht darin enthalten. Der Kiwi möchte gerne, dass man dieses Geld in Schiffs-Ausrüstung oder Reparaturen investiert.
Wir haben nach sechs Jahren durchaus Refit-Bedarf, wollten unsere Osmose komplett (und diesmal richtig) beheben; das Deck will Pflege, der Motor schreit nach Wartung; neue Poster und ein neues Bimini stehen zur Diskussion. Aber hey, soviel Geld wollten wir dann nun doch nicht für Atanga (sorry, Mädchen) ausgeben. Wir haben jetzt den brandneuen Fragenkatalog der Neuseeländer runter geladen und brüten über den Antworten zu den drolligen Fragen: ‚wie beabsichtigen Sie gebrauchte Masken zu entsorgen‘ und ‚ist gewährleistet, dass Crew-Mitglieder zwei Meter Abstand einhalten können‘. :mrgreen:

Wir sind noch immer in Gambier. Das Ankerfeld hat sich deutlich geleert, die meisten Boote sind jetzt in den Tuamotu. Uns erreichen reuige Nachrichten: das Wetter sei grauslich vor Ort – Regen und andauernd so viel Wind, dass man nichts unternehmen kann und ständig den Ankerplatz wechseln muss. Bei uns ist das Wetter besser, zwar kühler, aber herbstlich angenehm.

Weiterhin herbstlich schöne Wandertage

Mangareva, die schöne Insel, die uns einfach nicht gehen lassen will

 

In der Segel-Sackgasse oder was passiert 2020/2021?

Fr.,10.Jul.20, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva, Tag 2231, 20.254 sm von HH

Unser nächster Schritt ist Hao. Soweit steht der Plan. Nur noch auf den richtigen Wind warten :roll: , dann geht es nun wirklich los (wir haben es übrigens richtig gemacht, denn ein Schiff, was letzte Woche mit uns starten wollte, ist wieder umgedreht – so garstig war das Wetter).
Aber was kommt danach? Wohin können wir? Wohin wollen wir? Alles Ziele liegen tausende Meilen entfernt …

Neuseeland
Unser erklärtes Ziel für Ende 2020 hält weiterhin die Grenzen strikt geschlossen. Es gibt einen Anbieter für Segler, der mit den Behörden in Neuseeland in Verbindung steht und im Rahmen einer ‚Rally‘ eine Einreise-Genehmigung bewirken möchte. Leider läuft dieser Idee etwas die Zeit davon. Bis spätestens Ende September müsste Neuseeland eine Entscheidung getroffen haben, anderenfalls wäre es zu spät Neuseeland noch vor der nächsten Zyklon-Saison zu erreichen. Käme es rechtzeitig so weit, würden wir ohne Zwischenstopp die ca. 2.600 Meilen abreiten.

USA
Wir haben kein US-Visum, weil wir nie geplant haben in die USA zu reisen. Ein Fehler, der sich jetzt als etwas betrüblich herausstellt: Hawaii, ein attraktives Ziel, bleibt für uns unerreichbar.

Kanada
Boote, die von hier aus nach Kanada reisen, machen einen hübschen Zwischenstopp auf Hawaii, um die lange Strecke in den Norden (knapp 5.000 Meilen) zu verkürzen und zu versüßen. Würden wir den langen Non-Stop-Ritt auf uns nehmen, würden wir in Vancouver bei der US-Botschaft ein US-Visum beantragen, so dass danach auch die USA für uns offen stünde. Die Saison für die Fahrt nach Kanada ist allerdings bereits gelaufen – dorthin ist eine Anreise im Mai/Juni angesagt.

Australien
Hat geschlossene Grenzen. Es gibt auch hier einen Anbieter, der für Segler an einer Einreise-Genehmigung arbeitet.  Da wollen wir aber eigentlich so gar nicht hin. Zumindest nicht mit dem eigenen Boot. Australien liegt bereits weit im Westen (ca. 4.000 Meilen), ein Zurück in den Pazifik wäre keine Vergnügungsreise.

Kap Hoorn
Klingt verwegen, ist aber schon häufig von hier aus erfolgreich gesegelt worden. Die richtige Zeit wäre für die knapp 4.000 Meilen der November und Dezember.
Für diese Route fehlen uns leider zwei entscheidende Dinge: eine Heizung an Bord und der Arsch in der Hose!

Wo können wir hin? Alle Strecken sind tausende Meilen lang

Französisch Polynesien
Wenn Neuseeland sich nicht rechtzeitig öffnet, bleibt uns für die nächsten zehn Monate nur übrig in Französisch Polynesien zu bleiben. Bis November sind wir noch vogelfrei, soll heißen, keine Wirbelstürme in Sicht. Von Gambier aus kann man mit dem vorherrschenden Wind ganz leicht alle Atolle erreichen. Und die nächste Zyklon-Saison könnten wir sicher auf den Marquesas verbringen.
Die Sache hat einen kleinen Haken, jeden Meter, den wir jetzt nach Westen segeln, müssten wir im November mühsam nach Osten zurück. Deshalb sind wir auch so zimperlich zögerlich nach Tahiti zu segeln. Das würde uns 800 Meilen nach Westen tragen. Eigentlich müssten wir hin, uns fehlen so einige Sachen, die wir weder in den Tuamotus noch hier kaufen können. Aber wegen „Haferflocken“ nach Tahiti segeln. Brrr, wir kneifen.

Also, was tun nach Hao? Wir wissen es nicht. Jedes weitere Atoll liegt noch ein Stück weiter westlich und so richtig doll  lieben wir die Tuamotu außerdem nicht. Wenn wir wüssten, dass Neuseeland aufmacht, könnten wir nach Tahiti segeln, einkaufen und die Warterei auf die Grenzöffnung prima auf den Gesellschaftsinseln verbringen. Bora Bora und andere klangvolle Namen warten dort. Öffnet Neuseeland nicht, sind wir die Gekniffenen.
Wir stecken fest in einer Sackgasse der Entscheidungen.

In Französisch Polynesien liegen die Ziele auch nicht grade nebenan

Heiva auf Gambier

Fr.,03.Jul.20, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva, Tag 2224, 20.254 sm von HH

Heiva nennt sich das jährlich stattfindende Festival was im Juli auf allen Inseln in unterschiedlicher Form stattfindet. Auf Grund von Corona fällt dieses Jahr auf Tahiti die größte und kommerziellste Heiva. Gambier, weit weg von Tahiti und Corona frei, will sich dem nicht anschließen und komplett auf eine Feierlichkeit verzichten (Hao übrigens auch nicht, wie wir erfahren haben). Allerdings gibt es wenig Musik und Tanz, sondern das Programm der Heiva klingt eher wie Bundesjungendspiele: Volleyball, Kanu fahren und ein Tischtennis-Turnier stehen an. Und die Kleinsten werden mit Sackhüpfen und Tauziehen beglückt. Nur der Eröffnungstag wartet mit etwas Tanz und traditionellen Spielen auf.

Uns gefällt, dass wir nach der langen Zeit auf der Insel die Hälfte der Teilnehmer bereits kennen. Mit Thomas ist Achim schon auf Bäume geklettert, Nicolas besorgt uns Bananen und eine der Tänzerinnen ist uns doch bereits letztes Jahr aufgefallen.  Irgendwie gehören wir dazu, so kommt es uns vor, na, zumindest nicht ganz fremd. :-)

Wie die Bast-Röcke entstehen haben wir beim Wandern im Wald gesehen: Von jungen Schößlingen wird noch vor Ort die Rinde abgezogen und dann auf einer Leine zum Trocknen gehängt

Zwischen Tanz und Bananen-Wettrennen gibt es ein Fingerfood-Buffet. Ganz kann man sich nicht dem Eindruck verwehren, dass die meisten Zuschauer nur deswegen gekommen sind. Wie Kokosnüsse geschlachtet werden, kennen sie. Aber kleine Köstlichkeiten scheint es seltener zu geben. Und es gibt reichlich zu essen! Platten über Platten werden über einen Tresen gereicht. Süße Küchelchen und Zucker-Pasteten liegen neben Mini-Würstchen im Schlafrock, Sushi-Rollen und Speck-Törtchen.
Die Geschwindigkeit in der die Mengen verschlungen werden, ist beeindruckend. Ich sehe Jungs, die sich von zwei Platten gleichzeitig bedienen. Ungeniert werden sich auf mitgebrachte Pappteller die Teilchen gehäuft. Zehn Stück und mehr, kein Problem, es wir so lange zugelangt bis ein Berg auf dem Teller entstanden ist.  Die Mädchen, die mit den Platten umhergehen, sind unbeeindruckt: ‚wenn der junge Mann Hunger hat, soll er nur reinhauen‘, verraten ihre Mienen.

Fingerfood in rauen Mengen

Besonders spektakulär sind die Spiele und Vorstellungen auch für uns nicht, aber da ansonsten jeder Abend an Bord dem anderen gleicht und wir wenig Abwechslung geboten bekommen, fühlen wir uns gut unterhalten. :-)

Auf einer in den Boden gerammten Spitzhacke wird der Bast von den Nüssen gepuhlt

Mit Hilfe einer Raspel wird das Kokosfleisch aus den Hälften geschabt – man achte auf die Dame rechts ;-) mit den Socken in den FlipFlops

 

Durch ein Tuch wird die Kokosmilch aus dem Fleisch gepresst.

Wer noch immer denkt, ich mache Witze über die Kälte hier. Südsee … hahahaha!

 

 

 

 

Abfahrt verschoben

Fr.,03.Jul.20, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva, Tag 2224, 20.254 sm von HH

Die Insel lässt uns nicht los.
So einfach ist es dann nicht, nach so langer Zeit los zu kommen. Alle Vorbereitungen sind getroffen. Wir haben beim alten Fritz (dem Trans-Ocean-Stützpunktleiter-Urgestein) Tschüss gesagt und uns bei Philip verabschiedet. Achim hat Kette und Unterwasserschiff sauber getaucht. Wir haben alles verstaut und weg gerödelt und dann am Morgen der Abfahrt ein letzter Blick ins Wetter.
Heijeijeijei. Das Wetterfenster ist gut – keine Frage – für unsere geplante Ankunft am Montag. Aber ab Dienstag werden 30 Knoten Wind auf Hao vorhergesagt. Nicht schlimm, oder? Dann sind wir ja längst da. Aber was, wenn wir länger brauchen oder der starke Wind zeitgleich mit uns am Montag anreist? Dann sind wir die Doofen. Der Wind käme uns im Pass genau auf die Nase. Wir vermuten, dass wir dann dort nicht hinein fahren könnten. Acht, neun, zehn oder mehr Knoten Strömung würden uns entgegen blasen. Wir haben schon mit eigenen Augen gesehen, was dieser Pass kann. Er kann physikalische Gesetze außer Kraft setzen. Es gibt Geschichten, dass der Pass, wenn er richtig böse ist, zwanzig Knoten Strömung entstehen lassen kann. Die Abfahrt riskieren oder nicht? Zwei Stunden tagt der Crew-Rat, dann fällt die Entscheidung: wir haben es nicht eilig (die Zahnärztin kommt sowieso erst im August nach Hao zurück) und es kommen bessere Gelegenheiten.
Im Chor singen wir: „Wer weiß, wofür es gut ist …“.

Der Pass in Hao kann stehende Wellen von zwei Metern und mehr erzeugen

Au revoir, Gambier!

Mo.,29.Jun.20, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva, Tag 2220, 20.254 sm von HH

Nach fünf Monaten Dauer-Camping auf Gambier geht es nun weiter. Am Donnerstag bietet sich auf der Rückseite von Starkwind ein gutes Wetterfenster, um nach Hao zu kommen. Fünf Monate Gambier plus zwei Monate aus dem letzten Jahr – damit ist Gambier unser absoluter Spitzenreiter in Sachen Daueraufenthalt.
Inzwischen ist es ‚bitterkalt‘ geworden. Zumindest an Bord. Doppel-Fleecejacken-Pflicht ab Dämmerung, mehrere Decken beim Schlafen, Socken, heißer Tee. Und mein Duft-Kokosöl (dem Schönheits-Geheimnis der Polynesier für zarte Haut) ist hart gefroren. Dies macht es erst ab 20 Grad oder weniger. Diese Kälte bringt der Wind aus Süd-Osten, der ungebremst aus der Antarktis kommt.

An Land merkt man nicht ganz so viel davon. Unsere Wanderungen sind schön wie eh und je. Beim Abschieds-Gang gestern haben wir festgestellt, dass Gambier nur ein i-Tüpfelchen vom Paradies entfernt ist. Dieses Tüpfelchen ist das garstige Französisch. Es wäre so viel netter und einfacher, wenn hier Englisch oder zumindest Spanisch gesprochen würde. Und die Versorgungslage könnte etwas abwechslungsreicher sein.
Sieben Monate Gambier. Keine Weg, den wir nicht gelaufen wären. Mehrfach. Wir dürften hier so um die 300 Kilometer zu Fuß zurück gelegt haben. Das merken auch die Schuhe. Achims Sohlen haben Löcher. Meine Sandalen hat Achim mit der Hand-‚Nähmaschine‘ für die Segel genäht. Ersatz für kaputte Schuhe: Fehlanzeige.Unsere Versuche etwas, was uns fehlt zu bestellen, sind ins Leere gelaufen.

So kann der Shop schon mal aussehen, wenn das nächste Versorgungsschiff überfällig ist

Normaler Anblick in der Frischetheke – Butter, ein, zwei Sorten Käse – viel mehr ist nicht zu holen

Tränen in den Augen bei den Süßigkeiten – gut für die Figur – schlecht für die Laune ;-)

Hao also. In zwei Tagen geht es los. Dort waren wir zwar auch schon zweimal, aber der Zahnarztbesuch geht vor. Wir werden drei, vier Tage brauchen und von unterwegs berichten.

Auf Wiedersehen Gambier, au revoir, goodbye, nana! Der Abschied fällt nicht leicht.Mit ein paar Bildern unser schönen Zeit vor Ort sagen wir ‚Tschüß‘.

Mount Duff, der höchste Berg in Gambier 450 Meter hoch – von See aus gesehen

Der Mount Duff von der anderen Seite

Achim lächelt seine Höhenangst weg – erfolglos!

Der Grat hat es schon in sich – steil geht es rechts und links runter auf einem drei Meter breiten Pfad

Immer wieder gab es was Neues zu entdecken

Blätter so groß wie eine Tischtennisplatte

Junge Krieger im Wald

Nette Bekanntschaften unterwegs – leider hapert es immer wieder an einer gemeinsamen Sprache für Informations-Austausch

Idylle: Thomas und seine Hunde im Einklang mit der Natur

Kindertransport zur Kirche am Sonntag – die jungen Damen haben uns unter großem Gekicher mit der Ghetto-Faust begrüßt.

 

 

Planungs-Pannen auf allen Fronten

Mo.,22.Jun.20, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva, Tag 2213, 20.254 sm von HH

Die Kreditkarten sind angekommen. So weit, so gut. Diese fortschrittlichen Karten verlangen einen Pin bei der Bezahlung. Nun stellt uns solche Sicherheits-Maßnahme ein Bein: „Vor der ersten Nutzung Ihrer Kreditkarte, aktivieren Sie bitte Ihren Pin an einem Geldautomaten“. :mrgreen: Ja, wissen die von Visa und MasterCard nicht, dass der nächste Automat ungefähr 1300 Kilometer entfernt von hier steht? Und ob der so fortschrittlich ist, dass er Pins auslesen kann, ist nicht verbürgt.
Unsere neuen Karten sind somit nur halb brauchbar. Beim Bezahlen in den Läden vor Ort gibt es unterschiedliche Aufforderungen des elektronischen Systems. Mal geht der Vorgang ohne Pin-Eingabe durch, mal wird einer verlangt, der dann natürlich nicht funktioniert, weil er nicht aktiviert wurde. Also nutzen wir gleich die alten Karten so lange sie noch gültig sind. :roll:

Über die Zahnärztin auf Hao haben wir mit Hilfe von Philip, dem Internet-Mann vor Ort und Elsässer, der Deutsch und Französisch spricht, ebenfalls Neuigkeiten erfahren. Sie sei bis Ende Juni auf Hao, macht dann einen Monat Urlaub und kehrt im August nach Hao zurück.
Mit den Infos beladen, sitzen wir auf dem Schiff und planen unsere Abfahrt. Wir müssen Richtung Nord-Westen und der Wind, der hier eigentlich immer aus Osten weht, kommt aus Nord-Westen. Das wird knapp rechtzeitig anzukommen. Und Spaß bedeutet es schon gar nicht.
Und was bedeutet eigentlich bis Ende des Monats? Ein Blick in den Kalender zeigt, dass ‚Ende Juni‘ auf einen Montag und Dienstag fällt. Bedeutet Ende Juni nun die letzte volle Woche oder inklusive der beiden Tage? Wir kontaktieren erneut Philip. „Könnt ihr vergessen, Montag ist ein Feiertag und Dienstag wird auch nicht gearbeitet. Ende Juni ist somit der 26.igste!“ Da ist sie hin, die Lücke, um die Zahnärztin noch rechtzeitig auf Hao zu erreichen.

Yves, der zweite Elsässer auf der Insel, der häufig bei Philip sitzt, belehrt uns: „Du musst die Polynesier präzise fragen, sonst bekommst du nur eine schwammige Antwort. Jede Information muss man einzeln abfragen. Frag hier mal am Schalter von ‚Air Tahiti‘, wann der nächste Flieger geht – keine Chance auf eine korrekte Antwort. Da buche ich gleich in Tahiti und sage hier am Schalter nur noch Bescheid“ Er ist so nett und ruft für uns in der Medizin-Station an, wann in Gambier wohl der nächste Zahnarzt-Besuch erwartet wird. Keine Ahnung, lautet die Antwort, trotz präziser Frage. :roll:
Achim trifft die Entscheidung, wir warten jetzt im Juli auf ein gutes Wetterfenster, um nach Hao zu kommen, warten dort auf August und auf die Ärztin. Die Alternative hieße zehn Tage nach Tahiti segeln. Oder hin fliegen. Leider gibt es nur einen Flug in der Woche, bedeutet somit zusätzlich eine Woche in Tahiti im Hotel zu wohnen. Achim entscheidet, er stopft sich jetzt gut durchgekautes Kaugummi in das Loch – ein Tipp von einem Zahnarzt (danke, Richard). Zum Glück tut es noch immer nicht weh.

Und noch eine Planung ist geplatzt. Der beste Ehemann von allen hatte sich zum Hochzeitstag richtig ins Zeug gelegt. Einmal im Leben sollte ich wie eine Südsee-Schönheit aussehen, einmal im Leben sollte ich einen Blumenkranz tragen. Die Idee hat er mit Maya, der polynesischen Freundin von Philip, ausgeheckt. Selbst ihr Verweis darauf, dass auch Männer zu diesem Anlass einen Kranz tragen müssen, hat ihn nicht abgeschreckt. Er hat die zwei Kränze in Auftrag gegeben.
Am Morgen des Jubel-Tages stand Achim pünktlich im Garten von Philip. Nur keine Maya zu sehen – am Abend zuvor hatte sich das Paar getrennt und Philip hat Maya in ihr eigenes Haus zurück gebracht. Ein paar hastig gepflückte Blumen gaben den Kranz-Ersatz.

Einen Tag später treffen wir Maya zufällig im Ort. „Pardon, pardon“, Maya ist untröstlich. Nicht so schlimm versichern wir ihr. Alles ist in Ordnung. „Ich habe einen Ersatz für euch“, kramt sie in ihrer Tasche. Ein Beutel mit Perlen kommt zum Vorschein. Diesen drückt sie uns in die Hand. Die Perle mit dem Delphin als Gravur ist der männliche Part und für Achim, meine Perle ist die mit der gravierten Rose. Wir sind gerührt. Die Polynesier mögen ja nicht präzise sein, aber sie machen dies mit Herzlichkeit dreimal wett.

Perlen von Maya zum Hochzeitstag – Gravuren sind sowohl auf den Perlmutt-Schalen der Austern als auch auf Perlen üblich

Der 20.te Hochzeitstag

Di.,16.Jun.20, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva, Tag 2207, 20.254 sm von HH

Hochzeitstag in der Südsee. Na, wenn das nicht ein romantischer Traum-Ort ist für so ein rundes Jubiläum, dann weiß ich auch nicht. Ohne Corona würden wir jetzt zwischen den Gesellschaftsinseln kreuzen. In meiner Phantasie sah ich uns beim Abendessen auf Bora Bora in einem der Luxus-Hotels: Fackeln am Strand, ein weißes Tischtuch flattert leicht im Abendwind. Kerzen funkeln in den Champagner-Kelchen, es gibt gegrillte Languste und auserlesene Weine. Früher in Hamburg haben wir zum Hochzeitstag die besten Restaurants der Stadt abgeklappert. Kulinarische Feste gefeiert – zumindest meistens.
Nun, man kann nicht alles haben. Es ist die Südsee, der Punkt stimmt. Mangels Restaurant auf Mangareva muss ich selber kochen. Die örtliche Pizzeria hat nur am Wochenende geöffnet. Die Languste fällt etwas kleiner aus, es gibt tief gefrorene Shrimps – immerhin Pacific-Prawns. Dazu der gehütete Metternich Rosé, der über die Jahre nicht gewonnen hat und billigen Wein aus der Plastik-Flasche. Unbezahlbar – unvergessen. Ein schöner Abend.

Heute auf den Tag genau vor 21 Jahren haben Achim und ich das erste Mal telefoniert. Zwei Tage später gab es das erste Treffen. Kennen gelernt haben wir uns durch eine Kontaktanzeige im Stadtmagazin von Hamburg (Internet gab es schon, aber es steckte noch in den Kinderschuhen). Ich war vom Dorf nach Hamburg gezogen und kannte niemanden mit dem ich hätte ausgehen wollen.
Bei unserem ersten Treffen haben wir von abends um acht bis morgens um vier gequatscht, ohne einen Schluck Alkohol zu trinken. Das erste Lokal hat uns rausgeschmissen also mussten wir uns noch ein neues suchen. Ich konnte Achim gleich gut leiden und habe ihm gebannt gelauscht, obwohl er viel Zeug gequatscht hat, was mich nicht wirklich interessiert. Von Schrödingers Katze zum Beispiel. :roll:
Am nächsten Mittag stand Achim direkt wieder vor meiner Tür. Unangemeldet. Ich war gerade dabei in Radlerhosen (jaaa, das war damals so) mit Margeriten-Muster, schlapprigem T-Shirt und ungekämmt den Küchenboden zu wischen. Peinlich bis zum Umfallen. Auch unvergessen. Angeblich war er gerade auf einer Spritztour mit seinem Motorrad und ist zufällig bei mir vorbei gekommen. Klar, Hamburg Wandsbek/Eilbek ist bekannt als gute Motorrad-Stecke. Die Ausrede war so platt, dass ich wusste: „Hey, der kann dich auch gut leiden.“

Der Rest ging schnell: am 16. Oktober kam der Heiratsantrag, am 16. Dezember haben wir unseren ersten Mietvertrag unterschrieben und am 16. Juni 2000 geheiratet. Dann muss es wohl Liebe sein.
Gerne hätte ich ein Foto vom Brautpaar gezeigt. Aber das einzige Foto, was an Bord existiert, darauf ist der Bräutigam leider abgeschnitten. Ich habe das Foto seit ewigen Jahren im Portemonnaie, um beim Friseur besser zeigen zu können, wie ich mir meinen Haarschnitt in etwa vorstelle. Der Gatte wurde kurzerhand entfernt. Dieser Frevel hat unserer Ehe nicht geschadet, die ihre Tücken, ihre Tiefen und Höhen hat, wie jede Beziehung. Achim quatscht noch immer gerne von dieser Katze und ähnlichen Phänomenen und ich höre ihm noch immer gerne zu.

Die glückliche Braut

 

Falls einer unser Hochzeitsgäste zufällig noch ein Bild liegen hat, ein Handy-Foto davon wäre sehr willkommen.