Monatsarchive: Juli 2019

Beste Weltumseglerin unterstützt Greta Thunberg

Copa del Rey: Zwei Könige gegen drei deutsche Skipper – Club Swan 50 im Aufwind

Bei der Copa del Rey trumpft die Club Swan 50 groß auf mit 14 Yachten am Start. Erstmals tritt König Harald aus Norwegen gegen Spaniens König Felipe VI. an. Weltmeister Heidenreich hat sie bisher aber im Griff. Weiterlesen

Blauwasserschiff: Grand Soleil LC 42

Mit ihrem neuesten 13-Meter-Modell möchte die italienische Pardo-Werft jene abholen, die sich mit dem Gedanken tragen, in absehbarer Zeit auf Langfahrt zu gehen. Um die Bestimmung dieser Yacht schon über den Namen kenntlich zu machen, erhielt sie den Zusatz LC, was für Long Range Cruising steht. Wer sich schon länger mit dem Blauwassersegeln beschäftigt, wird sich an die große Schwester LC 52 erinnert fühlen, die sich schon bewährt hat. Für die neue LC 42 steht die (Feuer)Taufe noch an. Ihr Stapellauf ist für Ende September geplant, er soll auf der Bootsausstellung in Cannes erfolgen. Neben dem gleichen Namenszusatz gibt es eine Reihe weitere Gemeinsamkeiten zwischen den LC-Modellen, z. B., dass beide in zwei Bau-Ausführungen angeboten werden, als Standard- oder als Sport-Version. Erstere trägt einen Carbon-Targa-Bügel über dem Niedergang, mit dem Ziel, das Cockpit frei von der Großschot zu halten und ist mit drei Kabine eingerichtet. Eine liegt vorn im Bugbereich, die beiden anderen findet man achtern unter dem Cockpitboden.

In der Sport-Ausführung gibt es achtern nur eine Kajüte. Anstelle der zweiten ist eine große begehbare Backskiste bzw. Vorratskammer eingerichtet, mit einem Zugang von der Pantry aus. Außerdem kommt die sportlich ausgerichtete Grand Soleil 42 LC ohne Targa-Bügel aus und ohne achtern quer aufgestellte Sitzbank für den Steuermann. Auch ihre Beschlagausrüstung ist für mehr Trimmmöglichkeiten ausgelegt. Damit die 106-Prozent-Fock optimal eingestellt werden kann, sind beispielsweise Travellerschienen für die Fockschot montiert. Insgesamt ist die Segelfläche größer, was durch einen längeren Mast möglich wird.

Der Salon mit U-Sofa, Esstisch und zwei separaten Lesesesseln sowie die Vorschiffskabine inklusive eigenem Bad bleiben bei beiden Bau-Versionen gleich. Dasselbe gilt für die Kücheneinrichtung, die über-Eck aufgestellt ist und backbord neben dem Niedergang liegt. Ein zweites Bad befindet sich steuerbord neben der Treppe.

Beneteaus neue Katlinie „Excess“ segelt

Excess: <p>
	Excess-Linie: Moderne R&uuml;mpfe und mehr Tuch</p>

Der Weltmarktführer bringt neben der etablierten Lagoon-Reihe ein zweites Programm, das auf mehr Performance ausgerichtet ist

Mini Transat: Bei voller Fahrt in den Mast – Witzmann und Bogacki beim letzten Test

Die irren Einhand-Helden machen sich im September wieder auf den Weg über den Atlantik. Unter den 69 Mini Transat-Teilnehmern befinden sich zwei Deutsche. Auf was man vorbereitet sein muss, zeigt Lauris Noslier. Weiterlesen

Ocean tribute Award-Gewinner segelt Greta Thunberg Co2-neutral nach Übersee

Greta und ihr Vater treffen Boris Herrmann; Foto: ©Anders Hellberg

Malizia Ocean Challenge-Gründer Boris Herrmann unterstützt die Klima-Aktivistin

Caravan Salon 2019 – Campingurlaub mit dem Boot

Bootssimulator auf der boot Düsseldorf; Foto:ctillmann/messe düsseldorf

Träumen Sie schon immer von einem Campingurlaub mit dem Boot?

Verbinden Sie beide Leidenschaften und holen sich dazu kompetente Informationen auf dem
Caravan Salon in Düsseldorf vom 30. August bis 8. September 2019.
Am Stand 70E11 in Halle 7 beraten Sie Experten des Bundesverband Wassersportschifffahrt e.V.,
Partner des ADAC, rund um den Bootssport.

Wussten Sie, dass Sie Boote bis zu einer Motorisierung von 15 PS ohne Führerschein fahren können? Dies ist möglich auf allen deutschen Bundeswasserstrassen (Binnen und Küste) mit Ausnahme des Rheins.

Am Stand 70 E11 finden Sie den Bootssimulator, ein Highlight auch auf der Messe boot Düsseldorf, den Sie kostenlos ausprobieren können. Mit einer Virtual-Reality-Brille vor den Augen, Steuerrad und Gashebel in den Händen lässt sich dort eine Spritztour den Rhein hinauf Richtung Düsseldorfer Messegelände erleben.

Neben Information zu verschiedenen Außenbordmotoren präsentiert der BVWW ein Komplettpaket „Schlauchboot mit Außenbordmotor“, das sich unkompliziert ins Wohnmobil einpacken lässt.

Alle wichtigen Informationen rund um den Einstieg in den Bootssport finden Sie auf dem ADAC Skipper-Portal und auf www.entdecke-wassersport.de .

Auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf sind auf einer Ausstellungsfläche von 214.000 Quadratmetern 130 Caravan- und Reisemobilmarken vertreten, die ihre neuesten Fahrzeuge einem breiten Publikum präsentieren. Das Team von PiNCAMP wird in Halle 9 das neu geschaffene Campingportal vorstellen.

Der ADAC empfängt in Halle 9 (Stand A 20, Eingang Nord) neugierige Besucher, die sich gerne rund um das Thema Camping informieren möchten.

 

  • Holen Sie sich Ihr individuelles ADAC TourSet
  • Stellen Sie Fragen rund um Tests und Technik
  • Sichern Sie sich Ihren Messe-Rabatt für die ADAC Wohnmobil-Vermietung
  • Erleben Sie live am ADAC Schlingermodells, was zu tun ist, wenn das Gespann ins Schlingern kommt

Für ADAC Mitglieder gibt es vergünstigte Ticketpreise

  • Online-Ticket Erwachsene 11 Euro (statt 15 Euro, gültig für zwei Tage)
  • Online-Ticket Kinder 6 Euro (statt 7 Euro, 6 bis 12 Jahre, gültig für zwei Tage)
  • Tageskarte Erwachsene 15 Euro (statt 18 Euro gültig für einen Tag)

Die Karten erhalten Sie in vielen ADAC Geschäftsstellen und -Vertretungen, telefonisch unter 0800 5 10 11 12 (Mo. – Sa. von 8 – 20 Uhr) sowie online unter www.caravan-salon.de/ADAC.

Die Rache des Walfischs

Der Osmose-Teufel

Di., 30.Jul.19, Franz.Polyn./Tahiti/Phaeton, Tag 1885, 18.355 sm von HH

Die Reparatur des Unfallschadens ist einfacher als man (als ich) denkt. Alles, was wir an Material benötigen, führt Atanga in ihrem dicken Bauch bei sich. Erstaunlich, was der Skipper alles so in seinem Fundus hat. Die Reparatur beinhaltet allerdings etliche Arbeitsschritte:
1. Das Antifouling in der Umgebung muss abgeschliffen werden, da darauf nichts haftet.
2. Die tiefen Ratscher müssen erweitert werden, damit für aufzubringendes Epoxid und Spachtel „Platz“ geschaffen wird.
3. Die große Verletzung wird mit Gasfasermatte und Epoxid gefüllt. Warten bis trocken.
4. Darauf kommt Epoxid Spachtelmasse – warten – schleifen – spachteln – warten – schleifen …

Wer es reingefahren hat, muss es auch wieder raus machen

Hier arbeitet nur die Crew

Die Flächen sind klein, viel Arbeit ist das nicht. Die Wartezeiten bis die Materialien trocken sind, nehmen die meiste Zeit in Anspruch. Was liegt da näher auf der Hand das Antifouling ebenfalls neu zu streichen? Über die überfällige Notwendigkeit eines Neuanstrichs diskutieren wir seit Monaten.
Eine große Tonne Antifouling haben wir dabei. Günstig in Ecuador gekauft – für 500 USD. Beim Öffnen der Tonne dann die Überraschung: das Antifouling ist rot. Feuerwehrauto-rot. Dass es rot ist, wussten wir (war halt günstig :roll: ), aber doch nicht sooo rot.
Aber egal, hier auf Tahiti müssten wir bestimmt das Doppelte bis Dreifache bezahlen. Und richtig, ungeachtet der Farbe steht schon bald ein Geier neben dem Schiff, der fragt, ob wir anfallende Reste verkaufen würden. Also alles richtig gemacht.

Die Farbe lässt sich prima auftragen, die Stellen mit den Reparaturen sparen wir einfach aus.
Das Rot modelliert leider ein paar unschöne ‚Boppel‘ aus. Die waren uns schon beim letzen Antifouling-Job aufgefallen. Aber Schwarz macht schlank, wir haben über die Beulen geflissentlich hinweg gesehen. Was nicht sein kann, darf eben nicht sein: Osmose!
„Soll ich mal eine Blase anstechen, um zu sehen, ob es wirklich Osmose ist?“,fragt Achim.
„Zeit hätten wir ja, die Löcher aufzustechen, auszuschleifen, zu epoxidieren, zu spachteln, zu schleifen, zu spachteln, zu schleifen … Und dass das recht einfach ist, wissen wir ja jetzt auch.“ Gesagt, getan – er sticht zu. Und natürlich läuft uns eine Essigsauce entgegen. Atanga hat Osmose!

Eine ausgeschliffene Osmose-Blase

Osmose ist für ein Schiff wie Karies unter einer Plombe. Unter dem Gel-Coat (der wasserdichten Schicht über dem Polyester) bilden sich Blasen, die sich mit Wasser füllen, nach Essig stinken und das Laminat zerfressen (verkürzt und wissenschaftlich nicht ganz exakt beschrieben). Von alleine heilt das leider nicht, sondern wird immer schlimmer, die Blasen werden größer. Fast jedes GFK-Schiff ist davon betroffen. Ein dauerhafter Aufenthalt des Schiffes im warmen Wasser fördert Osmose. Es gibt wahrhaftige Osmose-Hysterien und eine Industrie lebt sehr gut von der Beseitigung. Fakt ist, dass man von Osmose nicht sinkt. Fakt ist aber auch, dass man was unternehmen muss. Achim greift zum Schleifer und öffnet kurzentschlossen die Blasen. Komischerweise haben wir nur an der Backbord-Seite einen Befall. Vierzig Blasen sind jetzt geöffnet, bereits mit Epoxid und Spachtel behandelt. Noch einmal Schleifen, dann sind die Löcher wieder zu.

Frische Löcher im frisch gestrichenen Schiff

Von England nach Irland und Schottland (20): Islay, Laphroig, Lagavulin und Ardbeg. Eine Insel und der Whisky.

Meine diesjährige Segelreise führt mich seit Juni  
die englische Südküste vom Solent nach Westen zu den Scilly Isles und von dort über  Dublin und Nordirland an die schottische Westküste  zur Insel Islay.


Es war einmal eine Insel. Sie lag weit im Westen vor der schottischen Küste, war wunderschön und viel, viel fruchtbarer als all die anderen Inseln ringsherum. Schafe grasten drauf und kernige Kerle wohnten auf ihr, mit Bärten lang wie Teppichfransen und ungeschorenem Haupthaar, die karierte Faltenröcke trugen und aus Spaß Messer in der Socke stecken hatten. Und weil die Kerle auf der Insel so kernig waren, beschlossen sie, ihr Getreide nicht rauszurücken, damit daraus pappiges Supermarkt-Scheibenbrot hergestellt würde, sondern es zu mälzen, um mit dem Malz die Hefepilze zu mästen, damit die Alkohol produzierten, den man dann destillieren könnte. 
Doch weil nichts langweiliger ist reiner Apothekenalkohol drum beschlossen sie, das scharfe Zeug erst in gebrauchten Sherryfässern jahrelang wegzusperren, um nach einem Jahrzehnt oder so das ganze mit etwas torfigem Wasser aus den Gumpen der Gegend zu strecken. „Whisky“ nannten die kernigen Kerle das brennende scharfe braune Zeug, das dabei herauskam. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann machen sie das noch heute.

Die Insel, über die ich schreibe, heißt Islay. „Aaaailiiiii“ wird das gesprochen. Von der Marina Port Ellen aus, dem einzigen Hafen, kann man die Südküste entlangwandern. Das ist reizvoll, nicht nur wegen der Schafe, sondern weil hier im Abstand von zwei Kilometern gleich drei nahmhafte Whiskybrennereien liegen: Laphroig. Lagavulin. Und Ardbeg.
Eine Gruppe kerniger bayrischer Landsleute steht vor dem Visitor Center in der Destillerie Laphroig, ein paar Schritte südlich der Küstenstraße entlang der Felsküste der Insel Islay. Ich habe Levje am Morgen in der Marina von Port Ellen hinter den Getreidefrachtern geparkt und bin mit Sven und Ida von Port Ellen losgelaufen. Und 45 Minuten später stehen wir hier.
Meine bayrischen Landsleute strahlen, während sie vor dem Schild Visitor Center warten, als würden sie gleich zum Empfang beim wiederauferstandenen Franz Joseph Strauß vorgelassen. Sie sind Kenner der Materie, keine Frage. Auf das hier haben sie lange gewartet. Drinnen unter dem grünen Schild Visitor Center geht es nüchtern her. Bücher, Schürzen, Shirts und Kappen mit der Aufschrift LAPHROIG. Und natürlich die Flaschen in den aufwändig bedruckten Edelkartons. „Irgendwie siehts hier auch nicht anders aus wie im Duty Free von Palma de Mallorca“, denke ich mir. Nur dass die Frauen in Palma ganz wuschig werden wegen des Parfüms, aber die bayrischen Männer sind nicht wuschig, aber eben voller heiliger Vorfreude auf das was da gleich kommt. Die Führung.
Ich boxe mich durch die hoffnungsfrohe Gruppe an den Schalter. „You want me to book you in?“, fragt mich die Studentin hinter dem Tresen. Dabei weiß ich doch noch gar nicht, welche Tour es gibt. Eine Verkostung? In etwa 5 Stunden. Kostet 30 schottische Pfund pro Person, mit Klein-Ida, die sich 20jährig nichts aus Whisky macht, also schlappe 110 Euro für  uns drei und ein paar Stamperl Whisky, die sie hier offensichtlich „drums“ nennen. Aber mit der Führung wirds nichts. „Die nächste in vier Stunden um halb drei“, lässt mich die Studentin wissen.
Naja. Ab jetzt vier Stunden lang den Kleiderständer mit den LAPHROIG-Sweatshirts drehen und Baseballkappen probieren ist kein wirklicher Pausenfüller. Und wenn ich mich in die Bar neben den Sweatshirts setze, brauche ich spätestens in einer halben Stunde keine „drums“ mehr. Aber wir sind ja zu Fuß. Wandern wir doch einfach weiter. Eine halbe Stunde weiter liegt ja der kleine Weiler Lagavulin. So wollte ich mal mein Boot nennen, viele Jahre ist das her.

Gesagt. Getan. Lagavulin ist tatsächlich ein Weiler. Und das Betriebsgelände von Lagavulin sieht auch nicht anders aus wie das von Laphroig. Groß. Weiß. Mit ein paar Jaguars und großkalibrigen Range Rovers auf dem Firmenparkplatz. Und verlassen unter den beiden kirchturmartigen Mälzerei-Hauben, die an ein strenges Schweizer Karthäuserkloster erinnern.

Im Visitor Center sagt mir eine der beiden Studentinnen hinter dem Kassentresen, an dem man Lagavulin-Sweatshirts und -Baseballkappen kaufen kann, dass die nächste Tour bereits ausgebucht sei. Ich sehe zwar niemand, aber zum Glück gäbe es ja die nächste Tour. In viereinhalb Stunden wäre die.
Wir wandern ein bisschen auf dem Firmengelände herum. An den Wänden hängen Fotografien kerniger Kerle, mit Bärten lang wie Teppichfransen und ungeschorenem Haupthaar, die sich im Kilt um einen Mann im Kilt mit stahlhartem Blick scharen. Man hat es wenigstens schön gemacht bei Lagavulin, ein Raum ist noch so dekoriert, wie er zu Zeiten der kernigen Kerle auf den Fotos war, Feuer im Kamin und tiefe Sessel, ja, schön war die alte Zeit. Eine der Studentinnen empfiehlt uns, doch bis zur nächsten Führung die Bar aufzusuchen, aber wir sind noch nicht am Ende mit unserem Latein und wandern einfach eine halbe Stunde weiter. In der nächsten Bucht, da liegt ja Gottseidank der kleine Weiler Ardbeg. Weil das am weitesten von Port Ellen weg ist, kommt da bestimmt keiner so leicht hin.
Die Wanderung entlang der Küste ist wunderschön. Und wo kann man schon so herrlich an einem Inselufer auf einem durchgehend geteerten Wanderweg von Destille zu Destille wandern, während auf der winzigen Straße große Automobile und gewaltige Traktoren an einem vorbeirauschen? Auf Islay scheinen die Dinge wirklich gut zu laufen.

Die Schafe, sie haben jedenfalls nichts von ihrem Gleichmut verloren. „Hauptsache kauen“, denken sie, während ich dem Segler draußen vor der Küste zusehe. Eine halbe Stunde später, nach einer Wanderung über Hügel und durch Wälder und über torfige Flüsschen stehen dann vor der Destille am Meer.

Auch hier ist das mit der Führung nicht so leicht hinzubekommen, sagt mir die Studentin hinter dem Tresen bedauernd. Aber wir könnten doch inzwischen in die Bar gehen… 
Doch Ardbeg hat gegenüber den Anderen die Nase an einer Stelle vorn. Hier gibts ein Restaurant. Es kommt ungefähr so daher wie die Klosterwirtschaft von Andechs bei mir daheim um die Ecke. Groß, und viele Menschen werden hier von meist ahnungslosen jungen Leuten bedient, die halt in Teilzeit hier jobben. Aber das Essen ist mindestens so gut wie in Andechs. Ich entscheide mich erneut für Haggis – obwohl ich weiß, was für ecklige Sachen da drin sind (siehe meinen vorvorletzten Post) schmeckt das doch gar zu gut. Auch diesmal 
kommt der Haggis als kleines Törtchen daher: Unten Haggis. In der Mitte Steckrübenpüree. Oben drauf „Mash“, Kartoffelbrei. Was mich dann aber wirklich begeistert, ist das harmlos dreinschauende Glas mit Whisky links. Der haut mir mit seinen 56% am helllichten Tag alle Lichter raus. So langsam wird der Tag mein Freund.

Und die kernigen Kerle im Kilt? Die, die das Zeug destillieren? Gibt es die noch irgendwo hier auf dem Gelände?

Soweit es mein Zustand erlaubt, wandere ich auf dem Firmengelände herum. Alle Türen stehen offen, doch die Gebäude sind verwaist und stehen unbelebt herum wie ein Freilichtmuseum. Nur die riesigen Lagerhallen scheinen voll belegt.
Ich werfe einen Blick in die Mälzerei. Kein Mensch. Kein Geräusch. Ein paar Schritte weiter höre ich jemand arbeiten. Ja richtig. Da steht einer auf der Trittleiter und schleift das Türblatt ab. Und sonst? Macht denn hier keiner Whisky? 
Auch bei den übermannsgroßen Destillationskolben ist kein Mensch. Selbst der einzige Mann im Kilt zwischen den Whiskyfässern trägt etwas ratlos seine Wasserflasche hin und her, er entpuppt sich als Besucher, wie ich. Ich vermisse ein altes Gesicht auf dem Gelände. Ein Gesicht, das davon erzählt, wie es ist, in guten wie in schlechten Tagen für „seine“ Whisky-Destille jeden Morgen aufzustehen. Aber langsam bin ich mir sicher, hier in Ardbeg werde ich dieses ehrliche alte Gesicht so wenig finden wie in Lagavullin oder Laphroig. Und auch nicht in Caol Ila wenige Kilometer nördlich oder in Bowmore oder in Bruichladdich. Sie alle sitzen hier auf Islay.

Am Ende unseres Weges finde ich das ehrliche alte Gesicht dann doch, als ich mich mit Sven mit einem Sack Wäsche unter dem Arm zum Büro des Hafenmeisters aufmache. Ian heißt der Hafenmeister der kleinen Marina. Er ist Mitte sechzig, trägt eine Halskrause. Jeden Tag um 17 Uhr dreht er seine Runde um Hafen, um zuzusehen.
„Ich bin auf der Insel Lewis geboren, weit draußen auf den äußeren Hebrideninseln. Als junger Mann hab ich Arbeit gesucht und kam hierher nach Islay. 1986 war hier auf Islay alles am Hund. Leute, die weggingen. Häuser die verfielen, weil eine Destille nach der anderen hier dicht machte. Whisky wollte keiner mehr haben, Bitter Lemon und Gin Tonic waren angesagt. Ich war Telefontechniker hier, und wer von den Destillereibesitzern Glück hatte, der verkaufte, bevor er dichtmachten musste.
Und irgendwann ging das alles wieder los. Ich glaube ja, dass alles mit Fernost anfing, dort kam die Sache mit dem Whisky wieder ins Laufen. Aber von den alten Destillerien sind nur nur noch Namen geblieben. Aber seitdem gehts aufwärts in Islay.“
Ian grinst, als ich ihn frage, warum ich keine Arbeiter in den Destillerien sah.
„Die Mälzereien sind längst außer Betrieb, alles wird jetzt zentral hergestellt, was an gemälztem Getreide benötigt wird, hier in der Mälzerei von Port Ellen. Gebrannt wird in den Destillen immer noch, aber das wird alles zentral ferngesteuert, da kannst Du niemandem bei der Arbeit zusehen. In den einstigen Destillen wird vor allem wird der Brand in den großen Lagerhallen gelagert. Ich wünschte, Du hättest eine Führung mitgemacht. Aber ganz verkehrt sind Deine Beobachtungen ja nicht. Viel zu sehen? Gibts beim Whisky-Brennen wirklich nicht mehr.“
Und Islay?
„Die Insel ist heute wohlhabend, dank dem Whisky. Der brachte die Besucher zurück. Ohne Whisky keine Besucher. Ohne Besucher kein Geld. Viele Besucher wollen auch bleiben. Häuser sind auf Islay längst keine mehr zu kaufen, die Preise schossen enorm in die Höhe. Und ich? Ich träume, je älter ich werde, von dem Ort und der Insel, von der ich komme. Von Lewis und den äußeren Hebriden.“

Von Lesern für Leser

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Extrem Wetter: Tornado fegt über ein Mooring-Feld – Skipper hält dramatische Szene fest

Sie zerren an ihren Moorings, springen auf und ab im fliegenden Wasser und reißen an ihren Vorleinen. Einen solchen Tornado-Ausläufer, der die Yachten an der US-Ostküste erwischte, möchte man nicht erleben. Weiterlesen