Monatsarchive: August 2017

SV Makaio – Stephanie Seifert AT

AMSTERDAM ZIEHT ALLE AN – AUCH WENN SIE AUS DEN BERGEN KOMMEN

Heute haben wir angefangen, die Seile und Leinen, die schon abkömmlich sind, abzubauen und zu waschen. Mit der Hafenwaschmaschine im Schonwaschgang. Jetzt sind sie wieder weich und salzfrei und ausserdem riecht es aus der Backskiste jetzt nach Lavendel!

Stephanie Seifert

Hasvik

Ankunft und Leinen fest in Hasvik. Ein Mini-Kaff mit respektablem Fischereihafen. Da Sonntag ist, ist natürlich keine Socke da. Habe mich also wie üblich unter die Fischer gemischt und hoffe, dass ich hier stehen bleiben kann. Ahoi.

Von meinem iPhone gesendet

Aufwachen in: Crotone.

Es gibt Posts, die bedauert man, geschrieben zu haben. 
Bei anderen ist man sich nie seiner Sache so ganz sicher. 
Am schlimmsten aber sind die Posts, die man nicht geschrieben hat. Bei denen einen noch Tage später das Gefühl beschleicht: Über diesen Ort, diesen Menschen hätte man schreiben, für andere berichten sollen. Ganz unbedingt. Weil es ein besonderer Ort ist. 

Crotone an der Südküste Kalabriens ist so ein Ort. Und das nicht bloß, weil ich den Ort nach einer wilden Überfahrt über den Golf von Tarent (siehe meine letzten Post) vor mir hatte. Die Stadt ist rätselhaft, wie sie sich zu Füßen des merkwürdigen, nur karg bewachsenen Höhenrückens bettet. Ein rätselhafter Höhenzug aus merkwürdig graugrünem Gestein, der sich wie eine Sichel schützend um sie legt.

Crotone empfing mich irgendwie mit offenen Armen. Und so ganz anders wie die ihre Hauer bleckende Gorgo, das gruselige Haupt, das die Griechen Crotones zur Abwehr aller Schrecken dieser Welt an ihre Tempelmauern klebten. Crotone war freundlich, die Marineros im YACHTING KROTON CLUB nahmen sich meiner an. 

Die ersten Schritte am nächsten Morgen nach dem Aufwachen am Hafen: Eine Hafenbar, wie man sie sich schöner nicht wünschen kann, mit ein paar Fischern drin, die hier den Vormittag rhabarbernd verstreichen lassen. Links daneben ein großer Fischladen. Ich konnte nicht anders, als hineinschauen, ich litt noch immer unter der essensmäßigen Kargheit Kroatiens, wo einfaches Essen aufzutreiben so schwierig war wie auf den Inseln einen Fisch zu kaufen und auch meine gefühlten 15-Mal-einen-vorbeifahrenden-Fischer-fragen, ob-er-mir-nicht-einen-Fisch-verkauft ohne Ergebnis verlaufen waren. Wo die Fischläden, kaum dass sie geöffnet hatten, am späten Vormittag gleich schon wieder zusperrten.

Ich merkte, ich war ausgehungert, irgendwie, von Kroatien. Und jetzt: Stand ich in diesem Fischladen in Crotone, der eigentlich eine Fischhalle war, inmitten einer Menge von Menschen, die wie ich Freude daran haben, Fisch zu kaufen. Es gab: Die obligaten Branzini (Wolfsbarsch) und Orate (Dorade) sowieso. Seehecht, Rochen, Scorfano. Berge von Muscheln, Vongole, Cozze, mittendrin Austern, Heuschreckenkrebse und Langusten, Lachs und Schwertfisch und Thunfisch und Jakobsmuscheln und Scampi roh zum pulen und überhaupt. Ich hatte das Gefühl, ausgehungert nach gutem einfachen Essen, plötzlich im Paradies zu stehen, im Schlaraffenland.

Ein paar Schritte weiter. Ich hatte Hunger bekommen. Und wer unterwegs ist, der lernt auf die Signale am Wegrand zu achten. Zwischen all den Hafenwerkstätten, Fischläden, Mechaniker- und Bootszubehörläden (… noch so ein Schlaraffenland!) hatte ich einen Mann mit einem frischen Panino in der Hand gesehen. Wenn der das hatte, musste es hier doch in der Nähe … und schon stand ich davor: Ein großes Schild SALUMERIA stand darüber, Wurstladen. Der Laden war nicht größer als der Flur meiner Großmutter. Aber proppenvoll mit verschiedenen Salame und Schinken. Vor meinen Augen drehte das Wort COTTO NAZIONALE große Kreise, zwischen denen die Worte CRUDO NAZIONALE und GORGONZOLA PICANTE wie kleine zwitschernde Vögelchen flirrten. Zehnerlei Käse, vom Mozzarella di Buffalla über Taleggio, Pecchorino bis Bel Paese. Nein, sowas. Ich fühlte, ich war angekommen. „Due Panini, per favore, con…“ was nehm ich bloß? Egal, eine in Öl eingelegte getrocknete Tomate muss da noch mit drauf…

So ging mein Vormittag dahin. Im Hafenviertel entdeckte ich mindestens drei Fischläden, Austern hatten sie alle, da ließ man nichts, aber auch gar nichts anbrennen in Crotone. Ich sauste mit dem Panino von der Salumeria in der Hand zur Werft von Elio, von dem sie sogar im 200 Seemeilen entfernten Marina di Ragusa auf Sizilien schwärmerisch geredet hatten, um ihn wegen meiner heißlaufenden Stopfbuchse um Rat zu fragen. Elio versprach, seinen Mechaniker zu schicken. Ich sauste zurück in die Stadt, nicht ohne die nächste Salumeria am Hafen von innen zu bestaunen, ein Ort, wo eine Anzahl hurtig hantierender Männer HINTER dem Tresen die löwenmäßig ausgehungerten Männer VOR dem Tresen mit allem möglichen zwischen zwei Paninihälften versorgte. Wir reden nun nicht von den zwei Gelaterie im Zentrum, die meinen Aufenthalt im Archäologischen Museum aufs angenehmste einrahmten.
Nein, Crotone mit seinem Gewirr an Werkstätten, Fischläden, Salumerien und sonstigen kleinen Läden zu Füßen der Festung hat was. Vielleicht hat sich mein Weltbild in den letzten drei Jahren grundlegend simplifiziert. Oder sagen wir besser: Noch mehr zu dem verdichtet, was wirklich zählt. Gutes Essen. Ganz ohne Tütteltüh und Schi-Schi. Und ein paar Männer, die machen statt zu quatschen. So wie Pasquale, der Marinero im YACHTING KROTON CLUB. Oder Elio. Oder die Männer hinterm Tresen.

Wer jemals mit dem Boot nach Crotone kommt:

Telefon YACHTING KROTON CLUB, Pasquale: +39 320 611 50 69
Telefon PORTO VECCHIO SERVICE,  Elio:         +39 338 125 89 86

Fischläden, Salumerien, Gelaterien? Da müssen Sie sich schon selber auf die Suche machen. In Crotone.

Aufwachen in: Crotone.

Es gibt Posts, die bedauert man, geschrieben zu haben. 
Bei anderen ist man sich nie seiner Sache so ganz sicher. 
Am schlimmsten aber sind die Posts, die man nicht geschrieben hat. Bei denen einen noch Tage später das Gefühl beschleicht: Über diesen Ort, diesen Menschen hätte man schreiben, für andere berichten sollen. Ganz unbedingt. Weil es ein besonderer Ort ist. 

Crotone an der Südküste Kalabriens ist so ein Ort. Und das nicht bloß, weil ich den Ort nach einer wilden Überfahrt über den Golf von Tarent (siehe meine letzten Post) vor mir hatte. Die Stadt ist rätselhaft, wie sie sich zu Füßen des merkwürdigen, nur karg bewachsenen Höhenrückens bettet. Ein rätselhafter Höhenzug aus merkwürdig graugrünem Gestein, der sich wie eine Sichel schützend um sie legt.

Crotone empfing mich irgendwie mit offenen Armen. Und so ganz anders wie die ihre Hauer bleckende Gorgo, das gruselige Haupt, das die Griechen Crotones zur Abwehr aller Schrecken dieser Welt an ihre Tempelmauern klebten. Crotone war freundlich, die Marineros im YACHTING KROTON CLUB nahmen sich meiner an. 

Die ersten Schritte am nächsten Morgen nach dem Aufwachen am Hafen: Eine Hafenbar, wie man sie sich schöner nicht wünschen kann, mit ein paar Fischern drin, die hier den Vormittag rhabarbernd verstreichen lassen. Links daneben ein großer Fischladen. Ich konnte nicht anders, als hineinschauen, ich litt noch immer unter der essensmäßigen Kargheit Kroatiens, wo einfaches Essen aufzutreiben so schwierig war wie auf den Inseln einen Fisch zu kaufen und auch meine gefühlten 15-Mal-einen-vorbeifahrenden-Fischer-fragen, ob-er-mir-nicht-einen-Fisch-verkauft ohne Ergebnis verlaufen waren. Wo die Fischläden, kaum dass sie geöffnet hatten, am späten Vormittag gleich schon wieder zusperrten.

Ich merkte, ich war ausgehungert, irgendwie, von Kroatien. Und jetzt: Stand ich in diesem Fischladen in Crotone, der eigentlich eine Fischhalle war, inmitten einer Menge von Menschen, die wie ich Freude daran haben, Fisch zu kaufen. Es gab: Die obligaten Branzini (Wolfsbarsch) und Orate (Dorade) sowieso. Seehecht, Rochen, Scorfano. Berge von Muscheln, Vongole, Cozze, mittendrin Austern, Heuschreckenkrebse und Langusten, Lachs und Schwertfisch und Thunfisch und Jakobsmuscheln und Scampi roh zum pulen und überhaupt. Ich hatte das Gefühl, ausgehungert nach gutem einfachen Essen, plötzlich im Paradies zu stehen, im Schlaraffenland.

Ein paar Schritte weiter. Ich hatte Hunger bekommen. Und wer unterwegs ist, der lernt auf die Signale am Wegrand zu achten. Zwischen all den Hafenwerkstätten, Fischläden, Mechaniker- und Bootszubehörläden (… noch so ein Schlaraffenland!) hatte ich einen Mann mit einem frischen Panino in der Hand gesehen. Wenn der das hatte, musste es hier doch in der Nähe … und schon stand ich davor: Ein großes Schild SALUMERIA stand darüber, Wurstladen. Der Laden war nicht größer als der Flur meiner Großmutter. Aber proppenvoll mit verschiedenen Salame und Schinken. Vor meinen Augen drehte das Wort COTTO NAZIONALE große Kreise, zwischen denen die Worte CRUDO NAZIONALE und GORGONZOLA PICANTE wie kleine zwitschernde Vögelchen flirrten. Zehnerlei Käse, vom Mozzarella di Buffalla über Taleggio, Pecchorino bis Bel Paese. Nein, sowas. Ich fühlte, ich war angekommen. „Due Panini, per favore, con…“ was nehm ich bloß? Egal, eine in Öl eingelegte getrocknete Tomate muss da noch mit drauf…

So ging mein Vormittag dahin. Im Hafenviertel entdeckte ich mindestens drei Fischläden, Austern hatten sie alle, da ließ man nichts, aber auch gar nichts anbrennen in Crotone. Ich sauste mit dem Panino von der Salumeria in der Hand zur Werft von Elio, von dem sie sogar im 200 Seemeilen entfernten Marina di Ragusa auf Sizilien schwärmerisch geredet hatten, um ihn wegen meiner heißlaufenden Stopfbuchse um Rat zu fragen. Elio versprach, seinen Mechaniker zu schicken. Ich sauste zurück in die Stadt, nicht ohne die nächste Salumeria am Hafen von innen zu bestaunen, ein Ort, wo eine Anzahl hurtig hantierender Männer HINTER dem Tresen die löwenmäßig ausgehungerten Männer VOR dem Tresen mit allem möglichen zwischen zwei Paninihälften versorgte. Wir reden nun nicht von den zwei Gelaterie im Zentrum, die meinen Aufenthalt im Archäologischen Museum aufs angenehmste einrahmten.
Nein, Crotone mit seinem Gewirr an Werkstätten, Fischläden, Salumerien und sonstigen kleinen Läden zu Füßen der Festung hat was. Vielleicht hat sich mein Weltbild in den letzten drei Jahren grundlegend simplifiziert. Oder sagen wir besser: Noch mehr zu dem verdichtet, was wirklich zählt. Gutes Essen. Ganz ohne Tütteltüh und Schi-Schi. Und ein paar Männer, die machen statt zu quatschen. So wie Pasquale, der Marinero im YACHTING KROTON CLUB. Oder Elio. Oder die Männer hinterm Tresen.

Wer jemals mit dem Boot nach Crotone kommt:

Telefon YACHTING KROTON CLUB, Pasquale: +39 320 611 50 69
Telefon PORTO VECCHIO SERVICE,  Elio:         +39 338 125 89 86

Fischläden, Salumerien, Gelaterien? Da müssen Sie sich schon selber auf die Suche machen. In Crotone.

Keep it simple

Der Sauna Staat

Draußen bläst es heute mit mehr als 25 Knoten. Aus West. Also. Hafentag. Ich hab ja eh zu tun. Der Draht der Motorsteuerung ist natürlich, Fummel Fummel, an der Handschaltung am Steuerrad gebrochen, direkt hinter dem gepressten Terminal. Erst mal bestelle ich zwei neue. Für Gas und Schaltung und noch zwei als Ersatz. Alles nach Stockholm. So. Dann drehe ich das gesamte Ding und baue das gesunde Ende in die Schaltung. Am kaputte Ende kürze ich die Hülse um zehn Zentimeter und verbinde das Terminal mit dem Schubdraht. Eine Seilklemme wird ihren Dienst wahrscheinlich die nächsten zehn Jahre tun. Muss sie aber nur bis Stockholm. Aufräumen. Test. Fertig.

Meine Mädels laufen um die Insel Örö und um vier Uhr treffen wir uns, wie alle anderen Segler wieder in der Sauna. Da ist alles voll. Da sitzen die Finnen und schauen mich ein bisschen komisch an. „Du bist kein Finne. Nicht? Ah. Hmm. Du bist von dem roten Schiff.“ Das war es dann auch mit der Kommunikation. Mir wird es zu heiß. Mein Kreislauf fängt an zu rasen und ich muss in die Ostsee springen. Dann ist mir wieder kalt. Also wieder in die Sauna und da sitzen sie immer noch und trinken ihr Saunabier. Machen die Finnen noch was anderes als in der Sauna zu sitzen?

Nebenbei organisiere ich die Crews unserer nächsten Törns durch. Für die Atlantiküberquerung haben wir jetzt einen patenten, supernetten Schweizer, Martin, einen ebenso netten Trierer, Ralph, im Achterschiff. Beide mein Alter. Im Vorschiff Marie und Esther, beide grade mit dem Abitur fertig. Jetzt fehlen uns noch ein oder zwei Mitsegler für die ARC, dann sind wir komplett. Auf dem Zubringertörn von La Coruna nach Las Palmas, einer der schönsten Törns im Atlantik sind auch noch zwei Plätze frei. Also. Dann mal ran. Ab Samstag nächster Woche steht MARLIN ab Stockholm an der Startlinie. Ausgebucht bis La Coruna. Na. Da können wir uns nicht beschweren.

 


 

Du willst auch mal mit? www.marlin-expeditions.com

 

Download Flyer

Internet-Fundstücke

Moin Moin aus der Regenhölle von Hammerfest. Es schüttet jetzt seit knapp 30 Stunden ohne Pause und so langsam schwindet der Glauben, dass sich das irgendwann nochmal ändert. Aber Spaß beiseite. Alles gut soweit. Ich stehe nach wie vor am Schwimmsteg in der rechten Ecke des Hammerfester Hafens und harre der Dinge die da kommen. Leider ist es gerade nicht nur sehr nass, sondern auch kalt. Die Temperaturanzeige an der Hauswand gleich neben mir durchbricht nur selten die 7 Grad Celsius Marke. Nachts geht’s gerne auch mal auf 4 bis 5 Grad runter. Nur gut, dass ich doch noch Strom organisieren konnte und so der Heizlüfter verhindert, dass ich nachts den arktischen Heldentod sterben muss. Der Wind lässt nach ebenfalls gut 30 Stunden nun langsam etwas nach. Wirklich viel kam hier im Hafen Gott sei Dank davon nicht an. Draußen muss es mit bis zu 30 Knoten aber ganz schön dengeln. Gerade in dem nach Südwest verlaufenden Fahrwasser kommt es da mit Düse und Fallwinden sicher zu ganz schönen Kapriolen. Aber der Wind ist gar nicht das Ding, ich habe gerade ehrlich gesagt einfach keinen Bock auf einen weiteren Tag unter der Eisdusche. Ich bin froh, Boot und Inhalt gerade mal wieder halbwegs trocken zu haben. Dann warte ich lieber noch bis morgen. Dann wird’s zwar mit dem Wind wieder schwierig, aber dafür soll wenigsten der Regen nachlassen. Segeln wäre selbst gestern und heute trotz ordentlicher Brise schwer geworden, da es in den Fjorden immer wieder zu Abschattungen, Kapeffekten und so weiter kommt. Das bedeutet, man muss im Grunde durchgehend auf standby sitzen, um auf die andauernden Änderungen der Bedingungen zu reagieren. Langer Rede kurzer Sinn, ich bleibe heute noch hier und werde morgen Richtung Hasvik starten. Einem kleinen Fischerhafen etwa 35 Seemeilen von hier entfernt. Dort will ich dann eine Nacht verbringen, um dann weiter nach Skjervoy zu fahren. Das liegt bereits außerhalb der Finnmark und ich bin dann ab sofort in der Troms-Region. Tromsoe soll dann auch das nächste Ziel sein, bevor ich die Lofoten in Angriff nehmen will. Ich habe mir übrigens eben mal den Spaß gemacht und mal nach den Temperaturen in Bergen geschaut. Dort sind es gerade über 20 Grad, während hier oben die Milch gerinnt. Der Hammer was das ausmacht. Heute Abend ist hier dann wohl auch noch die große Party mit Livemusik auf einer fetten Bühne und allerlei Tamtam. Bin mal gespannt. Die Soundchecks laufen jedenfalls seit gestern und lassen Carpe unter den mächtigen Bässen erzittern. Datt wird dann wohl ne Nacht mit Ohrstopfen :-).

Ja und dann habe ich in den letzten Tagen immer wieder mal Mails vom Thomas Neumann bekommen, der mich mit Bildern von Webkameras aus dem Internet versorgt hat. So gibt es jetzt also tatsächlich auch mal ein paar Schnappschüsse von Carpe und mir „von außen“. Genauer gesagt aus Vardoe, Honningsvag und Batsfjord. Klasse Thomas, vielen Dank für deine Mühe. Ahoi !

Und noch ein Web-Gimmick, den ich euch nicht vorenthalten möchte hat mich erreicht. Es gibt nämlich eine sehr schöne Panorama-Webcam von Hammerfest. Wenn ihr ganz genau hinschaut, findet ihr Carpe und mich ganz unten links in der Ecke, hinter den roten Dächern. Danke für den Link Stephan Leiner.

Zur Webcam hier klicken

Eine der zwei tollsten Segeltöchter der Welt

MARLIN@Örö.fi

“Sag mal Juha. Was ist denn Dein Special where to go, auf dem Weg durch die Schären von Helsinki nach Stockholm?“ Mein neuer Freund Juha steht vor der 20 Meter Finnischen millionenschweren Motoryacht deren Captain er beruflich ist; sieht mich an. „Örö. Da wird es Dir gefallen. Deinen Kindern. Deiner Frau. Nettes Restaurant. Warte ich zeig es Dir mal.“ Juha zückt sein altes iPhone und zeigt mir in Navionics die Umriss von Örö.

Juha ist schon ein paar Tage her. Gerne hätte ich Juha ein bisschen näher kennengelernt. Aber wie das so ist: Zeit ist eine andere Dimension für mich geworden. Damit gehe ich nicht mehr so leichtfertig um. Geht auch gar nicht. Wir müssen Mitte der nächsten Woche in Stockholm sein. Am Montag kommt meine kleine Lena aufs Gymnasium. Ne. Das geht eigentlich gar nicht. Ich will nicht das meine Lena groß und erwachsen wird.

Auf dem Steg wo auch Juha in Helsinki gelegen hat, habe ich Nathalie gebeten mir die Wolle vom Kopf zu rasieren. Auf meinem Kopf ist das reinste Gewächshaus, viele Haare, dicke Haare und dunkle Haare, aber lockige Haare und Unmengen von Wirbeln. Ich habe in kürzester Zeit wie Max und Moritz / Der Struwwelpeter von Wilhelm Busch ausgesehen. Also. „Nathalie. Stell mal 8mm ein und dann runter mit der Wolle.“ Die Wolle schwimmt langsam an der glatten Oberfläche leewärts durch das Hafenbecken von Helsinki. Hier, wo mich Holger vor gut zwanzig Jahren und ein bisschen meer mit dem Segelvirus angefixt hat.

Kurzhaarig schaue ich heute Morgen in den Spiegel. MARLIN motort. Meine Frauen an Bord. Es regnet. Rechts Schären. Links Schären. Ich muss an Patagonien denken. Ich klemme mich hinter die Klappe des Laptops. Mails, Termine, Rechnungen, Absprachen, Organisation. Ein Eimer voll mit Arbeit ist die MARLIN geworden. Eine Firma. Ein Geschäft. 50 Meilen motoren wir innerhalb der Schären nach Westen. Es regnet, deshalb ist es auch egal. Wir müssen Strecke machen, es ist uns egal dass kein Wind ist. Freundschaftsbänder. Ich installiere VNC, damit man die doppelte Navigation vom Bordrechner auch oben auf dem iPad hat. Scheiß Dosen Software. Immer dieses Rumgefummel.

Am frühen Abend laufen wir in Örö ein. Schon von weitem versprüht diese Insel eine ungemeine Gelassenheit. Fast schuldig machend ruft sie einem zu: „Warum bist Du erst um die ganze Welt gesegelt ohne mich zu kennen?“ Eindeutig eine weibliche Insel. Auch bis vor ein paar Jahren noch militärisches Speergebiet, jetzt Naturschutzgebiet und Teil des Archipelago National Park.

Wir legen an, ich mache einen Aufstopper und nix geht mehr. Die Motorsteuerung ist gebrochen. Schalten geht noch, aber Gas geben ist nix mehr. Hab ich schon zig mal geträumt von, dass eine Motorsteuerung als Ersatz an Bord sein sollte. Hätte. Hätte. Jetzt kann ich mir was einfallen lassen. Wahrscheinlich muss ich Lena trainieren, dass sie im Motorraum die richtige Drehzahl an der Diesel-Injektorpumpe einstellt. Irgendwie wird es schon gehen. Aber wir vertagen das Thema erst mal auf morgen. Die Sauna ist wichtiger und die Sauna von Örö ist so ziemlich die genialste Sauna, die mir jeh untergekommen ist. Einfach schön gestaltet, mit einem Fenster, mit Blick auf die Schären, mit eigenem Steg mitten in die Ostsee. Sogar unsere Kinder kommen heute mit in die Sauna und sind begeistert. Fortschritte. Echte Fortschritte und dazu noch warme Fortschritte.

 


 

Du willst auch mal mit? www.marlin-expeditions.com

 

Download Flyer

Die 7 Königreiche

Die Isle of Man gefällt mir so gut, dass ich beschließe mir noch einige weitere Ecken anzusehen. So mache ich mich dann auf den Weg rund um die Insel in die Hauptstadt Douglas. Ich kann mein Glück kaum fassen, dass das Wetter mir das erste Mal seit Schottland zwei schöne Frühlingssegeltage (Für das Attribut „Sommer“ ist es einfach auch heute viel zu kalt) hintereinander erlaubt. So geht es ganz entspannt vom Tidenstrom getragen zunächst an der Ostküste der Insel entlang bis zum Ayre Point, der Nordspitze der Isle of Man. Irgendwie erinnert mich das hier alles ein wenig an Bornholm. Die schroffe felsige Küste, einige Felder und Weälder und vereinzelte Hütten. Wirklich schön anzusehen.

Ayre Point erreiche ich pünktlich zum Stillwasser. Das ist auch besser so, denn hier verwirbeln sich alle Wassermassen die weiter in Richtung Liverpool strömen wollen. Jetzt aber ist es friedlich und ich kann den Ausblick auf  Den Leuchtturm und das gigantische Nebelhorn daneben werfen. Bei passenden Bedingungen soll man das Ding angeblich über 30 SM weit hören können…

Weit an Backbord gibt es auf einmal eine Wasserfontäne. Schnell greife ich das Fernglas und erblicke tatsächlich… einen Minkwal! Leider bleibt er nicht lange und so wende ich meinen Blick wieder nach Backbord und genieße die immer felsiger werdende Landschaft. Eigentlich komisch, würde man die schroffere Küste doch auf der Luvseite, hier der Westseite erwarten. Dinge über die man sich beim Segeln Gedanken macht… Aus solchen merkwürdigen Gedanken werde ich aber schnell wieder heraus gerissen. Hinter mir spritzt das Wasser wieder auf. Dieses Mal ist es aber kein Wal, sondern schon wieder eine Schule Delphine! In einer langgezogenen Kurve nähern sie sich tierisch schnell von Achtern. Fast wie ein Geschwader Kampfjets. Sie schießen in wenigen Zentimetern Abstand am Boot vorbei, springen hoch und tauchen wieder unter der Bugspitze durch. Zumindest von den Bewegungen her ist der Kampfjetvergleich gar nicht mal so daneben gegriffen… Vor der Kullisse mit Felsen, Feldern, Knicks und britischen Herrenhäusern ist das ganze noch mal schöner als neulich in der Irischen See.

Irgendwann am Abend komme ich dann in Douglas an. Auch hier weiß ich schon lange vorm Anlegen genau meine Liegeplatznummer, mit welcher Seite angelegt wird und alles andere wichtige. Ich finds echt erstaunlich wie gut die Häfen hier nur durch ein bisschen Funkerei organisiert sind. Könnte an der Ostsee auch manches Hafenkino ersparen… Dafür hat der Hafen allerdings auch die abstoßendsten Sanitäranlagen aller meiner bisherigen Reise. Ausdrücklich inklusive Osteuropa.
In Douglas mache ich erstmal einen kleinen Zug durch die Gemeinde. Die Stadt ist heutzutage bekannt als Steuerparadies. Nebenbei ist sie aber auch bereits seit dem 19. Jhdt. ein typisch viktorianisches Seebad mit Promenade, Strand und gesellschaftlichem Leben. Als die Cote d´azur noch zu weit weg war reiste die Londoner Gesellschaft nach Douglas. Dementsprechend prachtvoll sieht es hier an einigen Ecken auch noch aus.

Sogar eine Pferdekutsche fährt hier noch an den alten Prachtbauten entlang. Ich informiere mich mal kurz und steige ein. Die Kutsche fährt hier nicht nur als Touristenattraktion sondern ist ernsthaft eine städtische Buslinie. So kostet der Spaß dann auch nur wenige Pfund. Von dort geht es weiter mit dem öffentlichen Nahverkehr. Hier gibt es nämlich eine uralte Straßenbahn, die der Küste entlang bis auf den höchsten Berg der Insel fährt. Perfekt um einen tollen Eindruck der Landschaft zu bekommen. Das über 100 Jahre alte Gefährt fährt dann auch gar nicht auf der Straße sondern auf engen gewundenen Schienen durch die Dörfer. Fühlt sich fast an wie ne Zugfahrt durch den Märchenwald im Freizeitpark. Ich steige auch mal aus, streife durch die Dörfchen, mache dem Pub meine Aufwartung, und nehme einfach den nächsten Zug weiter.

Das Highlight kommt aber noch: Am Ende quält sich die aus allen Rillen knarzende Bahn auf den höchsten Punkt der Insel hoch. So hoch, bis kein einziger Baum mehr auf dem Rasen steht. Nur noch Schafe und Steine. Nun lohnt es sich aber gleich doppelt, dass heute ein schöner Tag ist. Bei klarer Sicht kann man von hier oben nach einer alten Sage der Manxmen nämlich 7 Königreiche von einem Ort aus entdecken. Und tatsächlich, ich kann sie alle erblicken: Das Königreich der Isle of Man, Irland, Schottland, England, Wales, das Königreich des Himmels und der See.
Spaß beiseite, der Blick ist wirklich einmalig. Von Liverpool in England  kann man über die gesamte Irische See bis nach Irland und zum Mull of Kintyre in Schottland schauen. Neben dem Blick über die Isle of Man natürlich. Stundenlang könnte ich hier oben bleiben und hätte immer noch nicht alles gesehen. Erst den letzten Zug zurück nach Douglas nehme ich dann und es geht zurück durch die Landschaft. Wer sich diese kleine Tour entgehen lässt war nicht auf der Isle of Man sagt der Hafenmeister, und nach diese Tag glaube ich ihm auch. Die Isle of Man war wirklich ein lohnenswerter Abstecher und ein ganz besonderes Törnziel. Und der Landgang heute hat dem ganzen noch die Krone aufgesetzt.

Brotbacken an Bord – Tipps, Tricks und Rezepte

Brot an Bord

Der Duft von frisch gebackenem Brot ist eine Wohltat an Bord, ob auf See oder am Ankerplatz. Doch wie gelingt das Brotbacken an Bord und welche Schritte sind dafür erforderlich? Auf diese Fragen rund um das Brotbacken soll dieser Beitrag Antworten liefern. Dazu gehe ich durch verschiedene Rezeptansätze und zeige auf, wie sie umgesetzt werden. In diesem Sinne viel Spaß beim Lesen! Ach ja, und natürlich: Guten Appetit!

Brot aus Sauerteig

Für viele Brotrezepte wird Sauerteig als Grundlage verwendet. Er zeichnet sich durch eine lange Haltbarkeit und einen fein-säuerlichen Geschmack aus und ist einfach herzustellen:

Einen Becher Roggenmehl in eine große Schüssel geben (keine Metallschüssel verwenden), einen Esslöffel Honig oder Zucker dazugeben, mit Brotgewürzen (Kümmel, Fenchel, Koriander) würzen und lauwarmes Wasser mit dem Kochlöffel einrühren, bis ein sehr cremiger, klumpenfreier Teig entsteht.

Diesen Teig mit einem sauberen Geschirrhandtuch abdecken und drei Tage bei Raumtemperatur, am besten um die 25°C, stehen lassen. Auf See die Schüssel einklemmen oder verstauen, damit der Teig nicht bei Seegang durch die Kajüte fliegt. Auf keinen Fall den Teig luftdicht verschließen, die arbeitenden Milchsäurebakterien benötigen Sauerstoff. In dieser Phase mindestens einmal täglich umrühren (keinen Metalllöffel verwenden). Während seiner Ruhezeit beginnt der Teig zu arbeiten und Blasen zu werfen. Notfalls kann noch mit etwas Roggenmehl oder Zucker nachgeholfen werden. Aus diesem Ansatz Brotteig mischen.

Wird regelmäßig Brot gebacken, einfach ein faustgroßes Stück vom fertigen Teig in der Schüssel aufheben und mit lauwarmem Wasser wieder zu einem cremigen Ansatz rühren. Muss der Teig länger als drei Tage warten, keinen Zucker zugeben, dafür alle zwei Tage mit etwas Roggenmehl „füttern“. Dauert es jedoch länger als eine Woche, bis man wieder Sauerteigbrot backt, ist es besser, frischen Sauerteig anzusetzen und den alten Teig zu entsorgen.

Wird in einem kälteren Revier gesegelt, hilft es, die Sauerteigschüssel in eine Decke oder ein Handtuch einzuwickeln. In kalten Segelrevieren kann sich Sauerteig nur bei laufender Heizung entwickeln. Er braucht Wärme.

Roggenbrot zum Frühstück auf einer Blauwasseryacht.

Grundlagen zum Brotbacken an Bord

Um Brotteig zur richtigen Konsistenz zu kneten, die trockenen Zutaten in einer Schüssel (mit dem Sauerteig) mischen und nach und nach lauwarme Flüssigkeit nach Rezept einrühren, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst. Der Teig darf nicht zu fest werden, da er sonst nicht genug aufgeht. Hat man zu viel Wasser eingerührt, einfach etwas Mehl einrühren.

Tipp: Die meisten Teige lassen sich besser kneten oder zu Brötchen formen, wenn man die Hände zum Arbeiten mit Speiseöl einfettet.

Den Teig mit etwas Mehl bestäuben und in der Schüssel mit einem Geschirrhandtuch abgedeckt an einem warmen Platz gehen lassen. Nach ca. einer Stunde noch einmal kneten und ein zweites Mal gehen lassen.

Die meisten Brotbackrezepte geben an, dass in den Ofen eine Schüssel mit Wasser gestellt werden muss, damit das Brot die richtige Feuchtigkeit beim Backen hat, worauf aber auch verzichtet werden kann, wenn der Teig zum Backen mit etwas Wasser bespritzt wird.

Ist nicht sicher, ob das Brot gut durchgebacken ist, die Klopfprobe versuchen: Beim Klopfen muss das Brot hohl klingen, klingt es eher dumpf, ist es nicht durchgebacken. Verteilt der Yachtherd die Hitze unzureichend, das Brot während der Backzeit mehrmalig drehen. Fertiges Brot nicht im Backofen auskühlen lassen, es wird zu trocken. An Bord hat sich bewährt, das Brot in ein frisches Geschirrhandtuch gewickelt in die saubere und trockene Spüle zu legen.

Für Krustenbrot den Teig zum Backen nicht lange in Form bringen, einfach raus aus der Schüssel aufs geölte Blech und ab in den Ofen. Für eine feinere Brotkruste den Teig auf einem Holzbrett so lange im Kreis drehen, bis die Oberfläche glatt und ohne Risse ist. Dann mit einem Kochlöffelstiel ein paar seichte Löcher stechen, den Teig mit etwas Wasser einstreichen und mit Gewürz bestreuen.

Tipp: Das Brot nicht aufschneiden solange es noch heiß ist. Dann verklebt es. Besser warten.

Backofen an Bord einer Blauwasseryacht.

Brotrezepte für Yachten mit Backofen an Bord

Bauernbrot

  • 700 g Roggenmehl
  • 300 g Weizenmehl
  • Sauerteigansatz
  • 3 EL Salz
  • Brotgewürze (Kümmel, Fenchel, Koriander)
  • 600 ml lauwarmes Wasser

Mehle, Salz und Gewürze mit dem Sauerteigansatz mischen, nach und nach Wasser einrühren, bis sich der Teig von der Schüssel löst. Der Teig muss geschmeidig sein und darf nicht zu einem harten Klumpen geknetet werden, da es dann schwierig ist, noch Wasser zuzufügen.

Den Teig eine Stunde lang gehen lassen und dann zum zweiten Mal kneten, noch einmal ca. eine halbe Stunde lang gehen lassen, zu Brot formen und auf einem gefetteten Backblech ca. eine Stunde backen (Klopfprobe). Je nach Lust und Proviant kann der Teig mit Zusätzen wie Leinsamen, Sonnenblumenkernen oder Kürbiskernen bereichert werden.

Selbstgebackenes Mehrkornbrot.

Mehrkornbrot

  • Gedroschene/entspelzte Haferkörner oder Gerstenkörner
  • Sonnenblumenkerne
  • Sojaschrot, Weizenschrot, Leinsamenschrot
  • Geriebene Haselnüsse
  • 500 g Weizenmehl
  • 200 g Roggenmehl
  • Sauerteigansatz
  • 3 EL Salz
  • 600 ml Wasser
  • Brotgewürz (Kümmel, Fenchel, Koriander)

Die Körner gemeinsam mit dem Schrot kurz in trockener Pfanne anrösten, die halbe Menge Wasser dazugeben und noch einmal aufkochen. Haselnüsse, Sonnenblumenkerne und Leinsamen einrühren, abkühlen lassen. Sobald die Masse handwarm ist, zum Sauerteigansatz rühren, trockene Zutaten beimischen und mit restlichem, lauwarmen Wasser kneten, bis sich das Brot vom Schüsselrand löst. Eine Stunde zugedeckt gehen lassen, noch einmal kneten, ein zweites Mal gehen lassen, zu Brot formen und ca. eine Stunde backen (Klopfprobe).

Bauernbrot mit „schnellem Sauerteig“

  • 700 g Roggenmehl
  • 300 g Weizenmehl (Hefe)
  • 3 EL Salz
  • Gewürze (Fenchel, Anis, Koriander)
  • 1 Dose Kondensmilch
  • 300 ml warmes Wasser

Ca. 300 g Roggenmehl mit Trockenhefe und Gewürzen mischen und mit lauwarmer Milch zu einem cremigen Vorteig mischen. Abdecken und über Nacht stehen lassen. Am folgenden Tag mit den restlichen Zutaten mischen und so viel Wasser einkneten, bis sich der Teig von der Schüssel löst. Eine Stunde ruhen lassen, durchkneten, noch einmal ruhen lassen, Brot formen und mit ein paar Gewürzen bestreuen, ca. eine Stunde backen (Klopfprobe).

Kartoffel-Weißbrot

  • 1 kg Weizenmehl
  • 2 EL Trockenhefe
  • 2 EL Salz
  • 2 große Kartoffeln
  • lauwarmes Wasser
  • Brotgewürz (Kümmel, Fenchel, Koriander)
  • Optional: Leinsamen

Kartoffeln roh reiben und mit restlichen Zutaten zu einem Teig kneten, der sich von der Schüssel löst. Ruhen lassen, durchkneten, noch einmal ruhen lassen und ca. eine Stunde backen.

Ein auf hoher See frisch gebackenes Weizenbrot.

Weißbrot

  • 500 g Weizenmehl
  • 1 EL Trockengerm (Hefe)
  • 1 Dose Kondensmilch
  • 2 EL Öl
  • 1 EL Salz

Trockene Zutaten mischen und mit Öl und lauwarmer Milch zu einem Teig kneten. Mit etwas Mehl bestreuen und zugedeckt ca. vier Stunden gehen lassen. Durchkneten und zu einem Laiboder Baguette formen, am geölten Blech noch einmal ca. eine halbe Stunde gehen lassen und ca. 40 Minuten backen. Für eine schöne Brotkrume ein Eiweiß mit 1 EL Wasser verquirlen und das Brot zehn Minuten vor Ende der Backzeit einstreichen.

Mischbrot mit Kräutern

  • 300 g Weizenmehl
  • 250 g Roggenmehl
  • Sauerteigansatz
  • 5 EL Öl
  • 1 EL Kräuter der Provence
  • 3 TL Salz
  • 1/2 TL Honig
  • abgeriebene Zitronenschale
  • 250 ml lauwarmes Wasser

Trockene Zutaten und Zitronenschale mit Sauerteig oder Hefe mischen, nach und nach Öl und lauwarmes Wasser einrühren und den Teig sehr gründlich kneten. 20 Minuten gehen lassen, zu Brot oder Gebäck formen, noch einmal ca. 20 Minuten auf gefettetem Blech gehen lassen und backen. Gut abkühlen lassen. Der Teig eignet sich auch gut für Fladenbrot oder als Pizzateig.

Blauwassersegler beim Frühstück auf dem Atlantik – mit frischen Brötchen.

Haferflocken-Weizenbrot

  • 750 g Weizenmehl
  • 250 g Haferflocken
  • 2 EL Trockengerm
  • 2 EL Zucker
  • 1 EL Salz
  • Koriander
  • 1 Messerspitze geriebene Nelken
  • 1 Dose Kondensmilch
  • 200 ml lauwarmes Wasser

Alle trockenen Zutaten mischen, mit lauwarmem Wasser und Milch zu einem glatten Teig kneten. Zugedeckt ca. eine halbe Stunde gehen lassen, bis sich der Teig verdoppelt hat, durchkneten, auf zwei gefettete Kastenformen aufteilen und gehen lassen, eine Stunde backen. Halbe Menge für eine Kastenform!

Exotische Ideen, Knabberkram oder Knäckebrot aus dem Backofen

Simit (Salzringe aus dem Libanon)

  • 4 Tassen Mehl
  • 1/2 Tasse zerlassene Butter
  • 1/8 Tasse Öl
  • 1/2 Tasse Milch
  • 1 1/2 TL Backpulver
  • 1 1/2 TL Salz
  • 2 TL Zucker
  • Ei zum Bestreichen

Alle „trockenen“ Zutaten in einer Schüssel mischen. Die „nassen“ Zutaten in einem Becher vermischen und anschließend mit den „trockenen“ zu einem Teig verrühren. Aus Teig-Stückchen bleistiftdicke Rollen formen und daraus Ringe machen. Mit Ei bestreichen und goldgelb backen. Simits halten in einer luftdichten Dose aufbewahrt bis zu 2 Wochen und können als Snack genascht werden.

Teigkneten gehört zum Brotbacken wie der Wind zum Segeln.

Apfelbrot

  • 1 kg Mehl
  • 3 TL Backpulver
  • 2 große Äpfel
  • 300 g Feigen
  • 300 g Haselnüsse
  • 300 g Rosinen
  • einige Trockenpflaumen
  • 2 EL Kakao
  • 1 TL Nelkenpulver
  • 1 Tasse Rum
  • 2 cl Wodka

Mit der Schale geriebene Äpfel mit fein geschnittenen Feigen und Trockenobst, Haselnüssen, Kakao, Nelkenpulver, Rum und Hochprozentigem mischen und über Nacht ziehen lassen. Am nächsten Tag Mehl und Backpulver mischen und alles zu einem Teig verarbeiten. Zwei Laibe formen und sofort ca. eine Stunde backen.

Salbeibrot

  • 650 g Mehl
  • 1 TL Zucker
  • 1/4 Liter Olivenöl
  • 1 EL Trockengerm (Hefe)
  • 1/4 Liter lauwarmes Wasser
  • Salbei
  • 1 TL Salz

Alle trockenen Zutaten mischen und abwechselnd mit Öl und Wasser zu einem Teig verarbeiten. Eine halbe Stunde gehen lassen, in gefetteter Auflaufform Teigbrötchen aneinander setzen, kurz gehen lassen und goldgelb backen. Dieses Rezept kann je nach Geschmack auch mit anderen Kräutern ausprobiert werden. Die Brötchen noch lauwarm essen.

Bordfrühstück auf einem Katamaran mit Selbstgebackenem.

Olivenbrot

  • 600 g Weizenmehl
  • 1 1/2 EL Trockengerm (Hefe)
  • 5 EL Olivenöl
  • 20 entsteinte, schwarze Oliven
  • 240 ml lauwarmes Wasser
  • 2 TL Salz

Mehl, Trockenhefe und Salz mischen, Öl und Wasser einrühren, bis sich der Teig von der Schüssel löst. ½ Stunde gehen lassen und anschließend die Oliven gut unterkneten. Noch einmal ca. ½ Stunde gehen lassen. Den Teig zu einem runden Brot formen und ca. 40 min backen. Ofenwarm mit einem Tropfen Olivenöl beträufelt zu Wein servieren.

Kümmelfladenbrot ohne Treibmittel

  • 700 g Mehl
  • 1 1/2 TL Salz
  • 2 EL Kümmel
  • 4 EL Öl
  • 1/2 Liter kaltes Wasser
  • Kümmel zum Bestreuen

2/3 des Mehls mit Kümmel, Salz, Öl und Wasser in einer Schüssel verrühren, mit dem restlichen Mehl zu einem Teig kneten und 15 Minuten ruhen lassen. Den Teig in vier Teile reißen, auf geöltes Backblech legen und ca. 1,5 cm flach drücken (mit nassen Händen). Mit Kümmel bestreuen und mit Wasser bespritzt ca. 30 Minuten backen.

Knäckebrot

  • 300 g Vollkornmehl
  • 30 g Butter
  • 30 g Sesam
  • 250 ml Wasser
  • 1 TL Salz
  • 1 Messerspitze Backpulver

Vollkornmehl, Sesam, Salz und Backpulver in einer Schüssel mischen und mit Butter „abbröseln“. Mit Wasser zu einem Teig verarbeiten, auf einem gefetteten Blech dünn ausrollen und mit Sesam bestreuen (leicht andrücken). Rechtecke ausschneiden und mit der Gabel Löcher stechen. Ca. eine halbe Stunde backen, abkühlen lassen und in einer Plastikdose verstauen. Für Knäckebrot können verschiedenste Vollkornmehle (Weizen, Dinkel etc.) gemischt werden.

Brotbacken ohne Backofen an Bord

Nicht jede Yacht ist mit einem Backofen ausgestattet. Trotzdem muss nicht auf frisches Brot verzichtet werden, denn ein Schnellkochtopf (notfalls funktioniert auch eine schwere Bratpfanne mit Deckel) kann leicht zu einem Brotbackofen umgerüstet werden, indem aus dem Deckel die Dichtung entfernt wird und ein vom Boden erhöhter Einsatz zum Brotbacken dient. An Stelle von Brotlaiben können aber auch Brotfladen oder mexikanische Tortillas auf der Flamme gebacken werden. Süße, mit Marmelade gefüllte Pfannenkuchen bringen Abwechslung.

Hier einige einfache Rezepte für den Schnellkochtopf:

Weißbrot

  • 4 Tassen Weizenmehl
  • 1 1/2 Tassen lauwarmes Wasser
  • 2 TL Trockenhefe
  • 2 TL Salz

Mehl, Hefe und Salz mischen und Wasser einkneten, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst. 1 Stunde gehen lassen und noch einmal kneten. Den Schnellkochtopf-Einsatz gut fetten und mit Mehl bestreuen und mit dem Brotteig füllen. Noch einmal ca. 20 Minuten gehen lassen. Den Einsatz mit dem Brotteig in den Schnellkochtopf stellen (zwischen Topfboden und Einsatz muss ein Freiraum sein, den man zum Beispiel durch das Beilegen von neuen Edelstahl-Muttern erreicht). Deckel ohne Dichtung schließen und für 30 Minuten auf mittlerer Flamme backen. Das Brot wenden und weitere 20 Minuten backen.

Tipp: Bei den ersten Versuchen öfter nachsehen, damit das Brot an seiner Unterseite nicht verbrennt, da die Backzeiten je nach Zwischenraum zwischen Topfboden und Einsatz sowie die Backtemperatur je nach Flamme unterschiedlich sind.

Immer wieder lecker – ein frisch gebackenes Brot an Bord.

Milchbrot

  • 3 Tassen Weizenmehl
  • 1 Dose Kondensmilch (oder Wasser mit Milchpulver)
  • 1 TL Backpulver
  • 1 TL Salz

Trockene Zutaten mischen und mit Milch zu einem Teig verarbeiten. Auf gefetteten und bestaubten Schnellkochtopfeinsatz geben und ohne Dichtung im geschlossenen Schnellkochtopf (und vom Topfboden erhöht) backen. Nach 30 Minuten umdrehen und weitere 20 Minuten backen. Das Backpulver fängt an zu arbeiten, sobald es mit Flüssigkeit gemischt ist; Backpulver-Teig darf nicht ruhen, sondern muss sofort gebacken werden.

Hirseweißbrot

  • 1/2 Tasse Hirse
  • 2 1/2 Tassen Weizenmehl
  • 3/4 Tasse Wasser
  • 1/2 Tasse Kondensmilch
  • 1 EL Trockenhefe
  • 1 TL Salz

Die Hirse mit dem Wasser aufkochen und bei kleiner Flamme ca. 15 Minuten kochen, lauwarm abkühlen lassen. Mehl mit Hefe und Salz mischen, mit lauwarmem Hirsebrei verrühren und mit Kondensmilch und eventuell etwas Wasser zu einem geschmeidigen Teig kneten. Eine Stunde gehen lassen, noch einmal kneten und auf gefetteten und mit Mehl bestaubten Einsatz geben. Noch einmal 20 Minuten gehen lassen und im Schnellkochtopf ohne Dichtung (mit Abstand zwischen Boden und Einsatz) ca. 30 Minuten backen, wenden und noch einmal 20 Minuten backen.

Sonnenblumenkerne runden den Geschmack eines Brotes ab.

Mischbrot mit Sesam und Sonnenblumenkernen

  • 2 Tassen Weizenmehl
  • 1 1/2 Tassen Roggenmehl
  • Sonnenblumenkerne, Sesam
  • 1 EL Salz
  • Sauerteig
  • 1 TL Trockenhefe
  • Brotgewürze (Koriander, Fenchel, Kümmel)
  • 1 Tasse Wasser

Trockene Zutaten und Sauerteig nach und nach mit lauwarmem Wasser mischen, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst. Eine Stunde gehen lassen, kneten, in gefetteten und mit Mehl bestaubten Einsatz geben und noch einmal 20 Minuten gehen lassen. Im geschlossenen Schnellkochtopf ohne Dichtung und mit Abstand zwischen Topfboden und Einsatz 30 Minuten backen. Umdrehen und noch einmal ca. 20 Minuten backen.

Zwiebelfladen mit Thymian

  • 2 Tassen Weizenmehl
  • 1 Tasse Roggenmehl
  • 1 Zwiebel und 3 EL Öl
  • 1 EL Trockenhefe
  • 1 TL getrockneter Thymian
  • 1 TL Salz
  • Brotgewürze (Koriander, Fenchel)
  • 1 Tasse Wasser
  • Optional: Sonnenblumenkerne

Zwiebel fein hacken und in Öl glasig braten, abkühlen lassen. Alle trockenen Zutaten mischen, Zwiebel dazugeben und nach und nach mit lauwarmem Wasser mischen, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst. Gut kneten und 1 Stunde gehen lassen. Kneten und in gefetteten und mit Mehl bestaubten Einsatz geben. Noch einmal gehen lassen und im geschlossenen Schnellkochtopf ohne Dichtung und mit Abstand zwischen Topfboden und Einsatz 30 Minuten backen, wenden und weitere 20 Minuten backen.

Einfache Rezepte ohne Backofen in der Pfanne

Tortillas de Harina – Weizen-Tortillas

  • 1 kg Weizenmehl
  • 250 g Margarine
  • 1 EL Backpulver
  • 1 EL Salz
  • 300 ml Wasser

In einer Schüssel Mehl, Backpulver und Salz mischen, die Margarine mit den Fingern einarbeiten, bis sich Streusel bilden. Mit dem Wasser zu einem Teig mischen und gut durchkneten. Den Teig in Klarsichtfolie wickeln und ca. 30 Minuten ruhen lassen. Ungefähr 4 cm dicke Kugeln formen, diese zu dünnen Tortillas ausrollen. Pfanne trocken (ohne Öl) erhitzen und die Tortillas der Reihe nach an beiden Seiten ca. 30 Sekunden braten, bis sie leicht aufgegangen und braun gesprenkelt sind. Sollten nicht alle Tortillas gegessen werden, abkühlen lassen, in Alufolie und anschließend in Plastik wickeln, damit sie einige Tage frisch bleiben.

Tortillas de Maiz – Mais-Tortillas

  • 500 g sehr feines Maismehl
  • 1 TL Salz
  • 350 ml lauwarmes Wasser

Zubereitung wie Weizen-Tortillas

Zum Nachlesen

Dieser Beitrag ist im Buch “Bordversorgung heute: Ernährung und Proviantierung an Bord von Fahrtenyachten” in der Reihe Blauwassersegeln 2.0 von Claudia Kirchberger erschienen.

Der Beitrag Brotbacken an Bord – Tipps, Tricks und Rezepte erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Try walking in my shoes

Blende 16 bei 135mm

Meine Töchter fangen an sich für Fotografie zu interessieren. „Papa. Nimmst Du die große Kamera mit? Erklärst Du mir wie das geht, dass hinter der Blume alles unscharf ist?“ Mache ich natürlich gerne und finde es gut wenn sie es von sich aus wissen wollen und ich mich nicht aufdrängen muss, mit so ner blöden Besserwisserei. So erkläre ich eben nur das Wichtigste ohne Langeweile zu verströmen. Zeitautomatik bei Blendenvorwahl und die Wirkung. Wir machen zusammen eine Serie von Fotos, dann ziehen Maya und Lena alleine mit der 6D los. „Von Hundert Fotos die ihr macht ist vielleicht ein gutes dabei.“ Sie schaffen vier. Das beste Foto ist der Schuh. Lenas Schuh. Die Kamera überlebt es. Puh!

Wir liegen auf Jussarö an einem alten Verladepier für Eisenerz. 260m tief haben sich hier schwedische Bergleute 1860 in die Tiefe gebuddelt und gesprengt um an das Eisen ranzukommen. Jussarö war bis 2005 militärisches Sperrgebiet. Jetzt gibt es hier eine für uns zu kleine Marina, viele Trockenklos, ein Cafe und einen Grillplatz. Letzteres nutzen wir nun schon am zweiten Abend, so schön finden wir es hier, dass wir sogar den perfekten Segelwind aus Nord verstreichen lassen und uns dem schlechten Westwind für morgen stellen.

Die Finnen sind schon out of Season. Kaum noch Segelboote sind hier und in der Nacht wird es empfindlich kalt. Die Heizung der MARLIN springt nach Sonnenuntergang schnell an und am Morgen sind die Alurahmen der Fenster klatschnass. Hmm. Zeit aus der Ostsee wegzukommen, denke ich mir. Aber auf der anderen Seite, habe wir fast jeden Tag wunderbaren blauen Himmel und perfektes Segelwetter. Mit dem Blick nach Stockholm erwartet uns dort noch ein warmer Spätsommer mit bis zu 25 Grad. Wir sitzen mit Decken über den Beinen im Pilothaus. Es ist Ruhe eingekehrt. Überhaupt. Für mich könnte es so weitergehen. Nicht drei Wochen, nicht drei Monate, drei Jahre, dass wäre die richtige Zeitspanne.

Morgen geht es erstmal 40 Meilen weiter. Nächstes Ziel wird die Insel finnische Insel Örö sein. Gute Nacht.

 


 

Du willst auch mal mit? www.marlin-expeditions.com

 

Download Flyer

Hammerfest

So geschafft. Kalt war es heute aber dafür hat der moderate Wind wieder gut gepasst. Leider gibt’s am brandneuen Pontoon von Hammerfest noch keinen Strom. Morgen ist hier wohl aber ein Fest. Zumindest stehen ein paar Fressbuden und eine Bühne an Land. Dort dann auch ein Stromkasten an den ich mich hängen konnte. Dafür musste ich allerdings nochmal umparken, weil mein Kabel sonst zu kurz wäre. Morgen werde ich wohl hier bleiben. Es gibt nämlich ne gale warning. Sind zwar laut gribs „nur“ maximale 27 Knoten, die aber aus Nordost und später Nordwest. Das bedeutet zunächst Düse im Fahrwasser nach Südwest und später wieder hohe Wellen am offenen Festlandschelf vor Skjervoy. Außerdem soll’s regnen. Wirklich happy bin ich damit auch nicht, denn ansonsten würde der Wind gut passen, um Strecke nach Süd zu machen. Aber so isses nun mal und wenn man nicht muss ist eben Hafentag angesagt. Vielleicht gibt’s ja morgen auch ein Hammerfest (den Kalauer konnte ich mir nicht verkneifen). Ahoi.

Von meinem iPhone gesendet

Peel – Auf der Wikingerinsel

Als das Wetter endlich mal wieder auf so etwas umschaltet, dass man mit etwas gutem Willen als Frühjahr bezeichnen kann, verlasse ich Belfast. Eigentlich wollte ich mich noch etwas an der nordirischen Küste entlang hangeln, doch als ich das Belfast Lough und die vorgelagerten kleinen Inseln hinter mir gelassen hab, liegt die Irische See auf einmal still und friedlich vor mir. Am Horizont im Osten tauchen wegen der klaren Sicht hohe Berge auf: Die Isle of Man.

Kurzerhand ändere ich den Kurs und lasse mich bei leichten Winden gemütlich in RIchtung dieser Insel schieben. Die Isle of Man gehört nicht zum Vereinigten Königreich, nicht zur EU sondern ist direkter Kronbesitz und damit teilautonom. Vergleichbar mit den Åland Inseln in der Ostsee. Apropos Ostsee: Das Wasser plätschert so friedlich am Rumpf entlang wie lange nicht mehr. Umso mehr genieße ich diese kurze Schönwetterphase. Heute fühlt sich das Wetter mal nicht rau und anstrengend an, sondern wirklich wie an einem schönen Sommertag zwischen den dänischen Inseln.
Ich lasse den Autopiloten die Arbeit machen, vertilge ein paar Müsliriegel und liege die Aussicht genießend im Cockpit, als es auf einmal ein schnaubendes Geräusch gibt. „Wie in der Ostsee halt: Schweinswale“, denke ich mir noch wenig beeindruckt, doch dann bemerke ich, dass gleich mehrere Tiere an Nonsuchs Bug spielen! Und es sind auch keine Schweinswale, sondern Delphine! Mit einem Mal stehe ich auf dem Bug um das Schauspiel zu beobachten. Eine ganze Schule Delphine schwimmt um das Boot herum, taucht drunter hindurch, quer durch die Bugwelle. Manchmal habe ich das Gefühl die Kollegen würden gleich direkt auf dem Vordeck landen. Was für ein Erlebnis! Als der Hafen von Peel auf der Ostküste der Isle of Man sich dann abends langsam nähert, werde ich auch noch für einen Fischer gehalten: Gleich 3 Kegelrobben verfolgen mich neugierig und warten auf ihren Anteil am Fang. Leider kann ich nicht mal fischen und so ziehen die flapschigen Gesellen dann zum nächsten sich nähernden Schiff ab.


Ein spannender Tag: Die Irische ist nicht eben nicht nur ein besonders bissiges Seegebiet, sondern auch eines mit besonders viel Tierleben. Durch die ständige Strömung ist das Wasser hier angeblich besonders sauerstoffreich. Das heißt mehr Fisch, mehr Fisch heißt mehr Delphine und Robben…

Der Hafen von Peel wird von einer alten Festung direkt in der Hafeneinfahrt bewacht. Im Mittelalter war die Insel übrigens lange ein Außenposten der Wikinger und hat die Engländer entsprechend genervt. Auch heute noch ist das Erbe der Wikinger auf der Insel zu finden. Ich finds echt spannend wie sich die Umgebung der Häfen hier regelmäßig oft seit Jahrhunderten nicht mehr verändert haben… Doch auch die Moderne hält hier Einzug: Der Hafen ist seit einigen Jahren mit einem Tor versehen, welches bei halber TIde geschlossen wird. So fällt im Hafen nichts mehr trocken. Und pünktlich zu meiner Ankunft wird das Tor gerade geöffnet. Per Funk weist der Hafenmeister mir noch mit einem breiten „Welcome to the Manx Kingdom“ einen Liegeplatz zu. Und so neigt sich ein schöner Segeltag dem Ende zu.

Auch hier steht wieder mindestens ein Hafentag an. Anfangs noch nicht weil es hier so schön ist, sondern einfach weil das Wetter innerhalb von einem Tag wieder mal zwei Jahreszeiten übersprungen hat. Schon in der Koje höre ich das Heulen im Rigg und den prasselnden Regen. Bis die Ortserkundung starten kann ist es dementsprechend dann auch schon Mittag. Ich mache einen Rundgang durch das Castle an der Hafeneinfahrt, und werde auf der Luvseite fast umgeblasen.  Die Irische See wird ihrem Ruf heute wieder gerecht. Ein einzelner Manxman, wie die einheimischen hier genannt werden, versucht unter den Augen des kopfschüttelnden Hafenmeisters auszulaufen. Er setzt die Segel und dreht nach etwa einer halben Meile wieder um. Das anzusehen treibt mir die letzten Flausen für den heutigen Tag aus dem Kopf und ich mache mich zurück auf den Weg zum Hafen.

Mit einem Mal gibt es einen Knall. Fast als ob ein Schuss abgefeuert wurde. Ich traue meinen Augen kaum, als dann ein dampfbetriebener Trecker aus der Seitenstraße vor mir fährt. Ich folge ihm einfach mal. An der nächsten Ecke reiht er sich in eine Parade ein. Offenbar findet hier heute auch noch ein typisch britisch verrückter Sommerkarneval statt. So richtig mit Oldtimern, Kostümen und einer ganzen Brigade Mini Cooper. Sogar eine kostümierte Dudelsack Band gibt es die trotz des miesen Wetters gute Laune verbreiten. Britain at its best!

Da nur wenige andere Gastlieger im Hafen liegen mache ich mich abends mal auf zum Segelclub. Segelclub heißt in Brittanien meistens nicht, dass es dort einen Hafen gibt, sondern eher nur ein Clubhaus mit Bar. So ist es auch hier. Die Locals freuen sich über den Besuch von weit her, stellen mir einen Pint hin und fragen mich erst mal über meine Reise aus. Am Ende des Abends weiß ich zwar nicht mehr alle Namen und wie viele Hände ich geschüttelt habe, freue mich aber über die Geselligkeit die hier so ausgeprägt wie noch nirgendwo auf meiner Reise war. Auf meinem nächsten Stadtrundgang werde ich dann an jeder zweiten Ecke gegrüßt und gefragt ob ich heut Abend wieder mit im Pub bin. Wirklich ein toller Zusammenhalt.

Auch das Dorf selbst ist herrlich britisch mit kleinen Gassen, alten Läden, verwinkelt, ein wenig abblätternde Farbe, aber immer freundlich und sympathisch.  Und so ist Peel auf der Isle of Man, obwohl es gar nicht so richtig zu Großbritannien gehört, der vielleicht britischste Ort auf dieser Reise bisher.