Monatsarchive: September 2016

Heckverzierungen – Teil #1

INSTALLATION, KOMMENTARE, SPITZFINDIGKEITEN

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Schiffe sind Ansichtssache, eine Binse. Meine Berufs bedingte Aufmerksamkeit gilt verschärft den Hinterteilen, weil ich seitlich oder vorne mein Metall Gedöns nicht verbolzen kann. So bin ich zum Don Quichotte geworden, weil ich die Spiegelmitte seit Jahrzehnten immer wieder frech für mich reklamiere, wobei ich mit List und Tücke, teils mit trockener Zunge, ehrenwerte, lebensschlaue Menschen, darunter auch Besserwisser, mit meinem Wissensstand konfrontiere, was nicht immer ohne Schmerzen endet – beim Gegenüber! Ich habe mir angewöhnt, meine Meinung unverblümt zu formulieren, weil Höflichkeit immer mal wieder Mist verstanden wird und / oder mir als veritabler Vorwurf auf die Füsse fällt. Eine Meinung macht nur Sinn, wenn man sie untermauert und ein Gegenüber sie dann zu verdauen willig und in der Lage ist – unter Besserwissern ein schwieriges Geschäft. WEITERLESEN

SV Seawind – Peter Bartel DE

RUDERBRUCH IM NORDATLANTIK

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Die Chronologie einer Atlantik Runde, die auf dem Rückweg urplötzlich eine unverhoffte Wende genommen hat: Verlust des Ruders und Bau eines Notruders der besonderen Art, das immerhin 800 sm bis zu den Azoren gesteuert hat.

Im Bandholm Forum sind folgende Berichte zu lesen:

Ich hab es wahr gemacht, bin, Einhand,von Greifswald über Kattegat, um Skagen nach Norwegen und von Kristiansand über die Nordsee nach Inverness. Dort den Kaledonian Kanal durch in die Irische See. Weiter nach Oban, Port Ellen, Dublin, Kilmore Quay, nach Crosshavn. Hier liege ich nun erst mal fest, da ich auf einigermassen Wetter für die Biskaya warten muss. Falls es jemand interessiert ich habe AIS an Bord Position kann also nachverfolgt werden. Ich grüsse alle Bandholmer aus Irland 

ein paar Tage später:

Hab Biskaya in 5 Tagen geschafft, bis Bajona. Wettervorhersage hat nur für die ersten 3 Tage ungefähr gestimmt, hatte sicher Glück, dass wenigstens die Windrichtung bei über 30Kn; in Böen mehr, gestimmt hat, aber Bandholm 27 hat sich auch bei ca. 4m Welle ( kann auch mehr gewesen sein) Prima geschlagen. Nur mal als Tipp, imDurchgang zum Vorschiff ,auf dem Fussboden, kann man bei rauer See prima schlafen, man kann sich nur nicht drehen.
Ach so – in Portugal ist tolles Wetter
Gruss an alle Bandholmer 
Peter Bartel & SY Seewind

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und am 01.06.2016 11:41

Hallo zusammen, Ich hoffe das mir jemand helfen kann. Liege zur Zeit mit meiner Seawind in Horta (Azoren) fest, da mir bei der Überfahrt von der Karibik zu den Azoren durch ein driftendes Oelfass mein Ruder abgeschlagen wurde. Das Ruderschaft wurde bei der Kollision oberhalb des Ruders abgebrochen und aus dem Skeg gehebelt, so dass es verloren ist.
Hat jemand eine Zeichnung oder sonst irgend welche Dokumentationen die mir beim Bau eines neuen Ruders helfen könnten? Bin für jede Hilfe dankbar.

Im Juni erreicht mich eine Mail von HARRY SCHANK aus Horta, samt Fotos vom Schaden, den er in seiner Werkstatt durch Neubau eines Ruders hat beheben können. Zwischenzeitlich ist Peter Bartel wieder wohlbehalten im Heimathafen Greifswald angekommen.

Videoupdate #25

Da war doch noch was!
Irgendwie sind die Videoupdates in letzter Zeit ein wenig zu kurz gekommen. Aber ich habe sie nicht vergessen.

AND THE WINNER IS….

Der große „Ich geh‘ segeln“ Videowettbewerb ist beendet und die Jury hat ihre Stimmen vergeben.

Der 1. Preis geht mit 360 Punkten an
Klaus Lettau-Dietz und das Video mit der Startnummer #06


Wir gratulieren zu einem tollen Wochenende Katamaransegeln in den Niederlande von Oceans-Eleven
http://www.oceans-eleven.de/

Der 2. Preis geht mit 349 Punkten an
Phillip Tiefenbacher und das Video mit der Startnummer #08

Wir gratulieren zu einem wunderbaren Mitsegeltörn auf der Kieler Förde von Yachtcharter Kiel
http://ostseecharter.info/

Der 3. Preis geht mit 261 Punkten an
Stephan Leiner und das Video mit der Startnummer #05

Wir gratulieren zu einem Skippertraining von klassisch-am-wind
http://klassisch-am-wind.de/

Der Sonderpreis der Jury geht an
Reinhardt Genies und das Video mit der Startnummer #04

Wir gratulieren zu einem Mitsegeltörn in der Wismarer Bucht von woold records und luvgier
http://www.luvgier.de

Der 4. Preis geht an
Jakob Koch und das Video mit der Startnummer #10

Wir gratulieren zu einem Jahresabo der Zeitschrift SEGELN
http://www.segeln-magazin.de/

Die Preise 5-7 gehen an
Thorsten Therford
Hans Werner-Petersen
Claudine Dörrenbacher
Wir gratulieren zu einem Medienpaket „The Sailing Bassman“ von millemari. und luvgier
https://millemari.de/

Die Preise 8-10 gehen an
Stephan Leiner
Anja Rathmer
Jennifer Franz
Wir gratulieren zu einem eBook nach Wahl aus dem Sortiment von millemari.
https://millemari.de/

Der Song „Ich geh‘ segeln“ aus dem Album „Zeitmillionär“ von Claus Aktoprak kann man u.a. hier erhalten:
AMAZON
https://www.amazon.de/gp/product/B01HL6JBPA…
iTunes
https://itunes.apple.com/de/album/zeitmillionar/id1124268144
oder direkt bei
http://www.luvgier.de

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Durch die Adria. Mit der Segelyacht durch die Schluchten der Krka.

Reisen kann man auf vielerlei Arten und mit unterschiedlichen Intentionen. Von Neugier getrieben immer wieder in neue, fremde Welten eintauchen, den kurzen Kick suchen, dem bielleicht irgendwann verstehen folgt. Oder immer wieder an dieselben Orte zurückkehren, weil sie eine „sichere Bank“ sind und sich die eigene Seele dort wohlfühlt, geheimnisvoll, wie auf einen Tastendruck, als wäre man in einem früheren Leben schon mal dort gewesen und kehrte nur wieder zurück, zu seinen Ursprüngen.

Die Krka, der große Fluss mitten in Kroatien, ist für mich so eine sichere Bank. Bin ich dort, muss ich hin, wieder und wieder, die Krka hinauf bis nach Skradin. Ich kenne den Ort, als ich kurz nach dem Balkankrieg dort hin kam, gab es dort wenig mehr zu sehen als die Einschusslöcher in den Hauswänden, als orthodoxe Serben und katholische Kroaten, die bis dahin friedlich am Ort zusammengelebt hatten, plötzlich aufeinander losgingen und die Messerverkäufer auf dem alljährlichen Jahrmarkt Hochkonjunktur hatten. Das ist nun fast 20 Jahre her, und auch wenn Skradin heute ein normales Touristenörtchen ist: Die Spuren des Krieges sind immer noch sichtbar. Doch davon zu anderer Zeit.

An die Krka reise ich, weil mich nach wochen-, ja monatelangem Salzwasser-Segeln, das Süßwasser immer wieder magisch anzieht. Auf einer Strecke von 18 Kilometern zieht sich der Fluss durch den Fjord, den er sich durch eine Felslandschaft grub, und es ist jedesmal spannend, dieses Stück den Fluss hinauf zurückzulegen bis zum Örtchen Skradin, wo man nicht weiterkommt, weil hier Wasserfälle die Weiterfahrt blockieren.

Die Fahrt selbst beginnt in Sibenik. Der Fluss selbst hat sich tief eingegraben, nur wenige Meter neben der grünen Fahrwasserbetonnung im Foto oben beträgt die Wassertiefe schon 17 Meter, zur Flußmitte hin dreißig Meter. Leicht mulmig ist einem dann doch immer irgendwie, dass nur ja der Motor durchhält und nicht gerade jetzt irgendwelche Zicken macht, obwohl man unter Genua auch segeln könnte, denn irgend ein Windchen weht da oben eigentlich immer. Durch zahlreiche Windungen und Kehren geht der Fluss hinauf, vorbei an größeren und kleineren Muschelfarmen, an

denen man anhalten und Venusmuscheln oder Austern kaufen kann. Es sind kleine Anlagen, die dort im Süsswasser der Krka Meeresmuscheln züchten. Obwohl das mit dem Süsswasser so eine Sache ist. Denn zu den Wundern der tiefschürfenden Krka gehört, dass oberflächlich zwar eiskaltes Süsswasser aus den Bergen strömt. Dass die Krka aber in zwei, drei Meter Wassertiefe eine Gegenströmung besitzt, die unergründlicherweise salzhaltiges Meerwasser 18, 20 Kilometer bis hinein ins Landesinnere nach Skradin zieht. Wer in der Krka badet, dessen Körper schwimmt im kalten Süsswasser, doch die Füße unten: Die stecken im warmen Meerwasser. Ein Kuriosum, das seinesgleichen sucht. Den Muscheln scheint es zu gefallen.

Keine zwei Stunden nach dem Ablegen in Sibenik erreicht man Skradin. Man kann in die Marina gehen, die wie es scheint jedes Jahr mehr und mehr um sich greift. Oder man kann etwas abseits am

 anderen Flussufer in eine der Schilfbuchten gehen und dort seinen Anker fallen lassen. Es ist früher Abend geworden, als ich Skradin erreiche. Und ich ziehe die Schilfeinsamkeit dem Hafen vor, obwohl für die Nacht Gewitter angekündigt sind. Die Bora kann mächtig wehen in dem engen Flußtal. Aber die Aussicht, zu einem langen Schwimm einfach noch mal ins Wasser steigen und dem Einschlafen dem Rufen der Wasservögel und dem Rascheln im Schilf lauschen zu können, lässt mich den vermeintlichen Luxus der Marina schnell vergessen. Und morgen: Da gehe ich das eigentliche Geheimnis der Krka besuchen: Ihre Wasserfälle, die sich über 18 verschiedenen Kaskaden nach unten wälzen.

Gute Nacht also. Von LEVJE aus Schilfröhricht und dem Gezirpe des kleinen blauen Eisvogels.

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Mare Più: heißt „mehr Meer“. 
Und wenn Sie mehr Geschichten 
über die Menschen am Meer lesen wollen:


Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
• Italien
• Griechenland
• Türkei
zu bereisen. Und in fünf Monaten: Von München nach Antalya zu reisen.


Auch als Film:  

Sonntag, 16. Oktober 2016 20.15 Live im Kino
im Rahmen der Allgäuer Filmkunstwochen
im Filmhaus Huber, Bad Wörishofen.


Das sagt die Presse über Buch und Film:

„… ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis.“
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

„… eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre.“
YACHT im Mai 2015 

„Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt.“
SEGELREPORTER im Dezember 2015

„… ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend.“
LITERATURBOOT im Juli 2015

„Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist ‚Einmal München-Antalya, bitte!‘ definitiv zu empfehlen.“

RATGEBER.REISE. im Juni 2015


8 Jahre Mittelmeer – Shop Trailer

Wie fühlt es sich an auf nur 28Fuss mit der Familie im Mittelmeer unterwegs zu sein? Marian Carton zeigt es. Mit seiner Frau Annette und Sohn Tim ist er seit 2008 auf einer Etap 28i im Tyrrhenischen Meer unterwegs. Allerdings anders, als man es erwarten würde. 8 Jahre davon erzählt der Film.

Von 2005 bis 2014 lebte Marian mit seiner Familie beruflich bedingt in Rom. Er ist Cutter und Kameramann. Schon bald wuchs der Wunsch, die grenzenlose Freiheit auf dem Meer vom eigenen Boot aus zu erleben. So wurde 2007 eine Etap 28i, Baujahr 1988 angeschafft. Marian verbrachte 5 Jahre seiner Jugend auf der Baleareninsel Formentera und entwickelte ein inniges Verhältnis zum Meer. Vielleicht ist er deshalb begeisterter Apnoe-Taucher. Annette leidet stark unter der Seekrankheit und nutzt einen der Törns für einen Selbstversuch. Mit Erfolg! Sohn Tim findet sich schon in jüngsten Jahren bestens auf den 28 Fuss der „Abyss“ zu recht. Und 2013 gesellt sich auch noch Bordhund Jackie dazu und bereichert den Film tierisch.

Bemerkenswert ist, wie naturverbunden man heutzutage noch im Mittelmeer unterwegs sein kann – auch in der Hochsaison! Ein 135-minütiger Filmgenuss für alle Segel und Naturbegeisterten! Der komplette Film ist hier bei uns im Shop erhältlich.

Der neue Volvo

Das ging dann doch fixer als gedacht

Kurzentschlossen bin ich nach Hamburg gefahren, um die neue alte Schleuder zu kaufen. Von Privat, an Privat. Alex ist nett und ehrlich. Wir einigen uns auf zweieinhalb tausend Tacken und die Schleuder ist meine. Endlich. Problem gelöst. Ab nach Flensburg. Abmelden, anmelden. Altes Nummernschild bleibt. Tochter einsammeln, ab in die Waschanlage. Die neue Schleuder ist toll. Alle Schalter und Funktionen – Vollkommen ungewohnt funktionieren wie sie sollen. Von der Klimaanlage, über das Autoradio und die Fensterheber. Ziemlich viel zusätzliche Ausstattung. Kein Rost, nix rappelt. Die Investition lässt hoffen. Das geilste kommt aber jetzt. Die Schleuder rollt mit Gas. Volltanken für 30 Euro, wie vor 30 Jahren. Heyhey, wie geil ist das denn.

Mir geht es gut. So gut, dass ich nächste Woche nach Horta fliegen werde, um die MARLIN an Skipper Jan zu übergeben. Wir haben noch diverse Dinge zu besprechen und zusammen vorzubereiten. Es gibt neue Fender, neue Reffleinen, ein ganze Latte an Taten um die MARLIN heile über den Teich nach Flensburg zu bringen. Jan wird das schon machen. Ich darf und will auch nicht mit. Zwischenzeitlich ist der Törn auch endgültig voll. Drei Frauen, drei Männer segeln die MARLIN. Das finde ich besonders gut. Ich werde den Wetterrouter machen und mal schauen, das die Dokumentation auf dem Blog nicht in Vernachlässigung gerät.

Ankunft der Weltumseglerin Mareike Guhr nach 45.000 Meilen

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von Sönke Roever

Lauter Jubel und „Mareike“-Rufe hallen durch den Sandtorhafen im Herzen der Hamburger Hafencity. Rund einhundert Menschen sind gekommen, um mit Mareike Guhr ihre Weltumsegelung zu feiern. Es ist Samstag, der 24. September 2016. Die Sonne scheint, ein Champagner-Korken knallt und Mareike duscht die Menge, wie es sonst die Fahrer der Formel-1 auf dem Siegerpodest tun. Sie hat es sich verdient.

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Ankunft im Sandtorhafen – Mareike duscht die Menge

Im Kielwasser des 50-Fuß-Katamarans „La Medianoche“ liegen rund 45.000 Seemeilen. Das reicht genau genommen sogar zwei Mal um die Welt. Ganze viereinhalb Jahre war die 47-jährige unterwegs, hat 37 Länder und 143 Inseln besucht. Davon zeugen auch die Gastlandflaggen, die zwischen Masttopp und Backbordbug im Wind tanzen.

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37 Länder hat Mareike mit dem 50-Fuß-Katamaran in viereinhalb Jahren besucht.

Insgesamt 140 Mitsegler haben Mareike auf ihrer Reise an Bord der „La Medianoche“ begleitet und viele davon stehen nun an der Pier und klatschen. Aber auch an Bord war einiges los auf den letzten Meilen nach Hamburg. Judith und ich kennen Mareike schon lange und so gehen wir am Freitagabend in Glückstadt an Bord und treffen neben etlichen Familienmitgliedern auch den Eigner und zwei Gäste. Wir sind acht Erwachsene und zwei Kinder, als wir am nächsten Morgen um 5.30 Uhr die Leinen lösen, um mit der Flut elbauf zu gehen. Es ist kalt. „Viel zu kalt“, wie Mareike findet. Sie ist wohl noch die Tropen gewöhnt.

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Am Morgen auf der Elbe.

Die Elbe ist in leichte Nebelschwaden gehüllt. Sie ziehen über das Wasser und verkünden den Anfang eines besonderen Tages. Bereits mit dem ersten Sonnenlicht treffen wir im Morgendunst ein Schiff auf dem Wasser, das Mareike grüßt. Ein großes Transparent ziert die Backbord-Seite, auf dem „Herzlich Willkommen“ steht. Mareike lacht vor Freude und jubelt den Gratulanten zu.

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Der erste Gratulant erreicht die La Medianoche.

Kurz drauf passieren wir die Schiffsbegrüßungsanlage am Willkomm-Höft in Schulau. „Willkommen in Hamburg!“ hallt es aus den Lautsprechern – gefolgt von der Nationalhymne. Mareike verdrückt eine Träne und auch wir bekommen einen kleinen Kloß im Hals. Sechs Jahre ist es her, dass unsere Weltumsegelung zu Ende ging und auch bei uns gab es diesen magischen Moment am Willkomm-Höft. Gänsehaut pur.

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Gänsehaut-Moment. Schiffsbegrüßungsanlage am Willkomm-Höft in Schulau.

Mareike ist nicht nur eine erfahrene Skipperin, sondern auch Segelsportjournalistin und PR-Fachfrau im Bereich Wassersport. Sie lernte bereits früh auf familieneigenen Schiffen das Segeln und ist seit fast 30 Jahren auf Ostsee, Nordsee, Mittelmeer, Atlantik, Pazifik und in der Karibik unterwegs. Häufig war sie als Skipperin für Charteragenturen im Einsatz und hat so bereits viele Crews auf Törns und Regatten sicher und erfolgreich geführt. 2012 startete sie zu ihrer „großen Reise“.

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La Medianoche

Leider gibt es viel zu wenige Frauen ihrer Art. Also jene, die eigenverantwortlich die Welt umsegeln. Dabei scheint das gut zu gehen. „Als Frau bin ich überall mit offenen Armen empfangen worden und hatte das Gefühl, dass sich die Leute ganz besonders bemüht haben, mir zu helfen“, sagt sie.

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Mareike mit Handfackel vor Hamburg-Blankenese.

Es geht weiter die Elbe hinauf und einige Schiffe gesellen sich zu uns – sowie ein Kamerateam des NDR, das an Bord kommt. Während wir Blankenese passieren, folgen die üblichen Fragen nach den besonderen Momenten des Törns. Die Weltumseglerin erzählt vom schönsten Moment der Reise – dem Ankommen auf den Marquesas in der Südsee nach 18 Tagen auf See. Aber sie erinnert sich auch an weniger schöne Augenblicke, wie beispielsweise einen heftigen Sturm vor Anker in dem kleinen Atoll Cocos Keeling.

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Kamerateam des NDR an Bord: Mareike steht Rede und Antwort.

Wer mehr von Mareike wissen möchte, kann ihre Webseite besuchen, ein wenig von ihr in unserem Blauwasserbuch lesen oder sie im Rahmen der Törnberatung auf der Messe hanseboot treffen. Dort ist sie an beiden Messe-Wochenenden anwesend (29./30.10. und 05./06.11.2016 – Törnberatung im Obergeschoss der Halle B1).

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Freunde begleiten Mareike auf den letzten Meilen an Bord der Repsold.

Zurück zur Elbe. Nach fünfeinhalb Stunden erreichen wir um 11 Uhr den Sandtorhafen. Die morgendliche Kälte ist verflogen. Hamburg zeigt sich im Altweibersommer, warm und sonnig. Die Klappbrüche neben der Elbphilharmonie hebt sich und die ersten Menschen klatschen am Ufer. Am Ende der Pier entdecken wir Mareikes Fans und Freunde. Sicher bringt sie das Schiff an die Pier. Leinen fliegen über. Dann ist der Kat nach 45.000 Semmeilen fest und Mareike feiert ihre Reise. Kameras surren, Fotoapparate klicken, Menschen klatschen. Willkommen in Hamburg.

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Glückliche Ankunft in der Hamburger Hafencity.

„Und wie geht es nun weiter?“, fragt ein Reporter. „Ich werde irgendwann wieder losfahren und rate allen, es auch zu tun. Wagt es, zieht los und bleibt nicht in der Karibik kleben. Fahrt durch den Panama-Kanal. Der Pazifik ist der größte und schönste Ozean der Welt!“. Dem können wir uns nur anschließen. In diesem Sinne: Happy Sailing!

Der Beitrag Ankunft der Weltumseglerin Mareike Guhr nach 45.000 Meilen erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Vassilingalou – eine Idee entsteht

GEBURTSSTUNDE EINES CARTOONS

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Vassilingalou – Auf der Flucht

ODER HUNDELEBEN IM PARADIES

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Auf der Straße liegt ein Schein. Ein Zehner, etwas zerknittert. Angelique bückt sich flink als erste und holt ihn entschlossen aus seiner selbständigen Wanderung zurück. Auf ihrem Gesicht tanzt ein geheimnisvolles Lächeln. Sie kneift uns ein Gewinner-Auge zu. Wir sind unbeschwert, obwohl alle immer knapp bei Kasse sind. Sehr knapp. Laufen den staubigen Pfad entlang und kichern ab und zu über Sachen, die sonst sehr ernst sind. Haben eine kleine Machete dabei und etwas Trinkwasser auch. Der taube Hund von Angelique watschelt von Busch zu Busch und liest die Hundezeitung. Da er von Geburt an taub ist, hat er auch keinen richtigen Namen. Er, es ist eine Sie, heißt „Hund“. Auf Französisch. Für Angelique und Cédric ist dies die Muttersprache. Für uns – ein erstrebtes, aber nicht erreichtes Geschick. Zurück bei den Booten teilen wir die Beute – einige Kokosnüsse. Cédric ist glücklich. Er hat am Strand einen angeschwommenen Fender gefunden. Angelique greift in die Tasche und gibt uns fünf Münzen. „Euer Anteil“, meint sie mit dem verschmitzten Lächeln von vorhin.

Ab und zu essen wir zusammen zu Abend. Angelique kocht leidenschaftlich gern. Spindeldürr wie sie ist, schmeckt es ihr selbst offensichtlich nicht besser als uns, aber es gibt immer ausreichend für alle Piratenmäuler und wir loben lautstark. Mit vollen Bäuchen sitzen wir dann noch eine Weile zusammen und spielen Würfel. Cédric ist darin sehr gut. Er hat eine geheime Technik immer Sechser zu würfeln und kann einfach nicht widerstehen. Er schummelt andauernd. Wenn das bloß Gewinn bringen könnte.

Dafür finde ich immer einen Anlass, mir einen weiteren Rumpunsch zu mixen und werde gesprächiger. Nur Inga ist perfekt. Meine Augen umarmen sie innig.

Mit Angelique und Cédric sind wir befreundet. Sie sind jung und bringen eine seltene Bereitschaft an den Tag, das Leben nicht zu ernst zu nehmen. Vor allen Dingen sich selbst nicht. Die Zeit mit ihnen ist leicht wie die Zitronenfalter über den Eifler Sommerwiesen.

„Bringt mich nach Panama!“ Und nach kurzer Pause: „Ich bezahle euch,…gut!“, sagt Ritchie leise, als wir ihn auf der Uferstraße treffen. Seine Augen hinter der Brille sind winzig und eilen wie dunkle Fischchen in einem runden Aquarium, ständig auf der Suche nach dem Ausgang. Das Angebot hat er bereits Monate zuvor Cédric und Angelique gemacht, aber sie haben gezögert, so wiege ich meine Antwort vorsichtig ab. Was wissen wir über ihn? Darf er wissen, dass wir wissen?
„Ihr segelt doch nach Panama, oder?“ Das erbärmliche Hündchen auf seinem Arm, die schwere goldene Kette, die gefärbten Locken an den Schläfen, alles wartet gespannt auf die Antwort. „Was meinst du mit ‚gut‘, Ritchie?“, weiche ich ungeschickt aus. „Gutes Geld für nichts, das meine ich. Wie klingen zehntausend, mh? Ihr segelt doch sowieso dahin!“ „Unser Boot ist zu klein, Ritchie“, versucht Inga einen ehrlichen Rückzug.

„Wir überlegen es uns und sagen dir Bescheid“, schließe ich mit einer durchsichtigen Lüge ab und wir verabschieden uns hastig.

Zwei Tage, nachdem wir Angelique und Cédric über Ritchies Angebot an uns erzählt haben, sind zwischen den dreien alle Einzelheiten schon abgesprochen und ein gemeinsamer Abreisetermin gesetzt. In einer Woche. Am Dienstag soll es sein. Gleich nachdem er bei der Polizei seine Unterschrift gelassen hat. Dann wird bis Freitag keiner nach ihm fragen und danach kommt ein langes Wochenende, wegen der Regatta am Montag. In der Zeit werden sie schon auf Guadeloupe sein und bald aus dem Wasser, um das Schiff auf Vordermann zu bringen. Und ehe man sich versehen hat, sind sie schon in der Dominikanischen Republik. Danach ist es nur noch ein Kinderspiel, sagen sie.

Wir staunen.

Cédric und ich basteln bis zum letzten Augenblick an ihrem Lebekahn rum, damit sie überhaupt auslaufen können. Alles klappt und wird die Reise durchhalten. Sie fahren los, und der Ankerplatz ist öde und leer.

Was wir wussten…:
Ein weißer Mann geht mit seinem Hündchen Gassi. Das Hündchen scheint nur ihm sympathisch zu sein, jedenfalls ist es bissig, nervös und schlecht erzogen. Es versucht seine Zähnchen an einem dunklen einheimischen Bein. Das Bein schnellt zurück, das Hündchen quiekt enttäuscht und trippelt mit eingezogenem Schwänzchen nach Hause. Der weiße Mann wartet auf die Dämmerung und geht die Gassi-Strecke nochmals zurück. Jetzt ist er allein. In seiner Tasche, um seine Faust geschmiegt, ein Schlagring. Der Eigner des gebissenen Beines wacht eine Woche später im Krankenhaus auf. Er muss durch einen Strohhalm ernährt werden. Der weiße Hündchen-Mann wird dafür büßen müssen. In Ketten, wie die Vorfahren des gebissenen und geschlagenen Mannes, wird er nicht gelegt, aber im Bau wird er unter den dunkelhäutigen Halunken auch auf andere Weise das Bereuen erlernen müssen. Während noch Untersuchungen laufen, darf er seinen Fifi spazieren führen und nachdenken. Er denkt nach und verkauft alles, was er besessen hat: Wohnung, Boot, Auto, Seele.

Jetzt reist er erste Klasse nach Panama. Unsere Freunde sind wegen seinem Geld auf der Flucht.

Curacao, 26.09.2015

Die Merkwürdigkeiten des Handyzeitalters


Letztens bei der Ausfahrt aus der Schlei. Seit Tagen herrscht Starkwind aus Ost und auch heute bläst der Wind wieder mit Stärke 6. Aus Ost, also genau gegenan, wenn man die Schlei verlasssen will. Schon im letzten Jahr hatte ich hier sehr unschöne Erfahrungen gemacht, da meine Schraube bewachsen war und kaum noch Schub brachte. Nur das, zum Glück schon bei der Ausfahrt gesetzte, Großsegel gab mir die Chance mich freizukreuzen. Dieses Jahr also auf ein Neues, die Schraube hatte ich nun aber bereits vor Anker kontrolliert. Dafür erscheint mir die Welle dieses Jahr höher. Mühsamst kämpfe ich mich um 0545h mit meinen 10 PS an Maasholm vorbei Richtung Schleimünde. 

In der Nacht beruhigt sich die Ostsee meist etwas; daher der frühe Aufbruch. Rund um die Einfahrt schlagen große Brecher gegen die Mauern, und auch in der Einfahrt brechen sich Wellen. Aber es sind keine Grundseen, denn dann würde ich sofort umdrehen. Stattdessen geht zunächst das Großsegel im zweiten Reff nach oben. Mit dem Traveller sorge ich dafür das es nicht killt, aber auch noch nicht viel Druck aufbaut. Sehr langsam gleite ich nebem dem Leuchtturm vorbei durch die Enge. Zusätzlich zu den brechenden Kronen gibt es hier aber auch „stehende“ Wellen. Beim Wildwasserfahren nennt man diese, glaube ich, Walzen. Und in so einer Walze kommt „La Mer“ zum Stillstand. Ich erhöhe die Drehzahl weiter. Kein Erfolg. Direkt neben dem Leuchtturm Schleimünde stehe ich mit rappelndem Diesel auf der Stelle. Kein Grund zur Panik. 

Ich falle nun etwas ab und bekomme Druck auf das Groß. Bloß noch nicht zuviel. Denn jetzt zuviel Krängung wäre in der schmalen Einfahrt mit den nur wenigen Metern Platz nach Steuer- und Backbord fatal. Es kommt auf das genaue Zusammenspiel von Pinne und Großschot an und siehe da: Langsam geht es wieder vorwärts und ich bekomme etwas Fahrt in das Boot. Aber mit der Krängung steigt nun auch das Risiko für meinen alten Diesel, der ja nicht gerne schräg steht. Ein paar Meter noch, dann rolle ich die Fock etwas heraus, hole sie dicht, falle weiter ab, setze den Pinnenpiloten und stoppe den Diesel. Dafür muss ich in meinem Boot übrigens unter Deck. Das muss nun wirklich alles sehr schnell gehen, denn nun heißt es freikreuzen dicht an der Brandungszone, während enorme Wellen mit dem Boot spielen. Es könnte gerade so passen, aber ich habe im zweiten Reff bei diesem Seegang eine enorme Abdrift. Das Herz schlägt bis zum Hals. Jetzt mit so wenig Fahrt gegen die Brecher wenden zu müssen, könnte auch daneben gehen. Wie so oft bin ich ja alleine unterwegs. Ich kämpfe um jeden Meter Höhe und schaffe es dann endlich die Einfahrt nach Olpenitz an Steuerbord zu lassen. Das war wieder mal knapp! 

In diesem Moment klingelt mein Handy. Meine Frau. „Guten Morgen, Schatz!“, schreie ich gegen den Wind. „Wie gehts dir?“ „Ich bin grad aufgewacht und liege noch im Bett“ Und so weiter…ein ganz normales Morgengespräch eben. Wenn ich nur nicht eben gerade dieses wilde Abenteuer bestanden hätte. „Und wie geht‘s die so?“ „Ja, ich kämpfe gerade etwas mit Rasmus, aber ist grad alles gut. Ein wenig windig…ich muss jetzt auch aufhören!“ „OK, pass auf dich auf“. Ich schmeisse das Handy an seinen Platz unter der Sprayhood, während der Bug tief in eine Welle stampft und ich von oben bis unten geduscht werde. Und denke an den langen harten Ritt nach Kiel, der mir nun noch bevorsteht. Und irgendwie finde ich es schräg, das man mal eben so von Bett zu Boot telefoniert. Während der eine warm unter der Decke liegt und der andere um Boot und (ich übertreibe mal) Leben kämpft. Und während ich stolpernd und fluchend meine vollkommen durchnässten Sachen unter dem wild schaukelnden Deck wechsel, komme ich darüber aus dem Grinsen nicht mehr heraus. Und habe irgendwie Sehnsucht nach dem warmen Bett.