Monatsarchive: Juni 2016

Im Zieleinlauf

Skippers Notes

Der Motor röhrt. Für heute Nacht ist die Windrichtungsänderung von Ost nach Nord angesagt. Erst leicht, dann gut segelbar. Freu mich schon auf den Moment, wenn der Stopp Knopf gedrückt wird. Michi hat heute sein Werk vollbracht und zwei Duschtankschalter, den Hauptbilgenschalter mit Zeitrelay und die Grauwassertank Abpumpelektronik angebracht. Das war mir sehr wichtig. Die elektronischen Schalter von Quick haben beide nur zwei Monate funktioniert. Kann man nix machen. Manchmal fasst man ja ins Klo. Die neue Lösung mit Schwimmer am Reed Kontakt und externes Zeitschaltrelaymodul, sind günstige Standardprodukte ohne Marine Aufkleber. Das passt dann besser. Und eine automatische Bilgenabpumpanlage zu haben lässt mich dann doch ruhiger schlafen. Komisch was?

ESSEN & TRINKEN wird auf der MARLIN ja bekannter weise groß geschrieben. Gemeinsames Frühstück um Neun. Mittags macht sich jeder was selbst und am Abend gibt es ein gemeinsames warmes Abendessen vom Küchen-Chef Der bin ich nun mal und da man mich noch nicht Kiel geholt hat, vermute ich mal, dass ich das gut mache. Meine Crew teile ich gerne zum Schnippseln ein. Im Moment gibt es nur noch Zwiebeln und Knoblauch. Gemüse kommt aus dem Gefrierschrank. Das kenne ich so gar nicht und mache das zum ersten Mal. „Einfach nur auftauen und drei Minuten kochen.“, meinte der Großkundenvertriebler auf den Bermudas. Dabei entsteht allerdings nur gummiartiges Wabbelgemüse ohne Geschmack und auch optisch nicht besonders ansprechend. Mit einer Prise Chili, Knoblauch, Zwiebel, etwas Öl und Kokosnussmilch, alles zum richtigen Zeitpunkt und einer Priese Fischbrühe und Fischsauce kommen wir der Sache dann doch schon näher. Dazu Bandnudeln etwas mit Butter, Sahne aufgemotzt ergibt mit einem je 300 Gramm kurzgebratenem Rindersteak doch ein passables Abendessen. „Passabel? Micha. Das war mal wieder Gourmet. Und das nach 14 Tagen auf See. Der reinste Luxus.“, Michi und die anderen lachen. Da wir motoren, biete ich ausnahmsweise eine Flasche Wein an. Keiner will. „Ne. Lieber wenn wir an Land kommen!“ Ich will auch Land. Ein Königreich für eine Einkaufstasche voller frisches Gemüse. Im Freezer haben wir noch zweimal Lambi, einmal Lammschulter, sechs Tunasteaks, Chorizo für Eintopf. Noch 120 Meilen bis nach Flores. Das sollte reichen. Flores wird unsere Landfallinsel. Sobald es wieder Wind genug gibt, geht es von da aus weiter nach Horta.

HR 35 Rasmus Ketsch – for sale – zu verkaufen – SOLD

GEPFLEGTES SCHIFF WEGEN KRANKHEIT FÜR KURZENTSCHLOSSENE

rasmus_aussen

Hallberg Rassy Rasmus 35 Ketch, Baujahr 1978
Motor Volvo Penta MD 22, Motorstunden ca. 2200h
Windgenerator
Solarpaneel
Bugstrahlruder
Davids
Kuchenbude
VHF, Stereo, GPS, Autopilot, Hardschalendinghy, neuwertiger Außenborder Tohatsu 3,5PS, Hauptanker, Reserveanker
Pütt und Pan (Werkzeug und Pantry-Utensilien sowie Fender, Festmacher, Leinen etc.)
Bezahlte Mehrwertsteuer, lückenloser Eignernachweis
Standort: Martinique
Das Schiff befindet sich in gepflegtem Zustand, ist nahezu lückenlos ausgerüstet und wird wegen Krankheit des Eigners verkauft € 9.900,–

kajuetecockpitniedergangpantrysalontoilette

Für weitere Informationen:
Peter Foerthmann +49 ( 0 ) 40 652 52 44 peter@windpilot.com
Inga + Vassil Beitz–Svechtarov, SV Olgalou
+49 ( 0 ) 163 182 99 74
olgalou@gmx.de

Entspannte Viersamkeit

Ich freue mich auf die Azoren

Seit dem Bergfest geht es wirklich schräg zu auf der MARLIN. Wir alle sehen uns nicht ganz so viel. Einer ist immer am Schlafen und holt seine Nachtwache nach. In der Nacht: Einzelwachen. Sechs, Neun und Drei Uhr. Ich bin Springer und darf dafür von sechs Uhr an drei Stunden. Oft stehe ich in der Küche. Schräg macht der Kurs das Leben und eben nicht abends in der Marina und am Ankerplatz, sondern auch nachts schräg, am Wind, in der Koje und auf Toiletten. Die Stimmung ist trotzdem gut. Die Manöver manchmal etwas laut und deutlich, wenn der Wind so laut ist und der Skipper ungeduldig klare Kommandos gibt. Aber man verzeiht mir dann, wenn ich trotz schrägem Leben unter Segeln immer wieder die Schalen mit warmen Essen zaubere. Tja. Bisschen Manipulation muss eben sein. Dafür darf ich nachts immer zur Stelle sein wenn was nicht klappt. Schäden? Kein neuer Bruch. Reparatur am Baum hält. Fisch gefangen? Leider nicht. Kühlschrank leer.

Durch den permanenten Gegenwind gehen alle Zeitpläne in die Hose, sprich, wir haben Verspätung. „Flight CR18, Bermudas – Horta, Delay“, steht an der Tafel des Flughafens Horta. Gut das keine Anschlussflüge geplant sind. So sind alle entspannt. Das ist jetzt höhere Gewalt. Da kann man nichts machen, außer hinnehmen, das Schicksal will es so. Andere Crews legen den Gashebel ihres Gefährts auf den Pult. Wir erst, wenn die Nadel unter drei Knoten fällt. Aber das macht die MARLIN eigentlich immer. Und so werden aus 378 Meilen bis Horta, wahrscheinlich mit Wenden 580 Meilen. Aber ganz ohne Motor? Das sehe ich auch noch nicht.

“Segeln ist Passion!“, versuche ich Gabi das Leben unter Segeln zu erklären. Gabi schaut mich verständnislos an, antwortet mit einem Witz aus ihrer Kölschen Trickkiste. Gut das ich nicht Gabis Gedanken lesen kann. Sie muss bestimmt denken, dass ich eine ganz schöne Meise unter dem Schädel habe. Manchmal denke ich, wir mögen uns, manchmal denke ich: Die findet mich total blöd. Interessant. Das gemeinsame Leben von Ulli, Michi, Gabi und mir findet im Pilot Haus statt. Das ist definitiv der beste Platz der MARLIN. Schatten, Wärme, Schutz vor Wind und Welle gebend, ist es unser aller Lieblingsplatz. Es mag ja Skipper geben, die ihre Mannschaft bei Regen im Cockpit sitzen lassen. Ich gehöre nicht dazu. Bei mir muss keiner frieren und keiner im Regen am Rad stehen. Der Autopilot ist dazu da das Schiff zu steuern, wenn es draußen ungemütlich ist. Dann heißt es: Tür zu! Eine kleine Remote Control-Einheit ändert den Kurs auf Bedarf. Auch auf die Azoren haben wir uns zwischenzeitlich vorbereitet. Die Fehlkonstruktion der Heizungsanlage, die sich 2014 in Flensburg und Spitzbergen herausgestellt hatte, hat Michi, nach meinen Vorgaben gefixt. Und es funktioniert. Jeder Heizkörper kann jetzt einzeln eingestellt werden. Jetzt müssen wir nur noch ein bisschen Winter haben zum ausprobieren. Vielleicht doch Flensburg? Kalt genug ist es da ja.

Manöver für Einhandsegler – Folge 14 – Die Navigation in den Schären

VIDEO Einhand durch die Schären #14 – die Navigation in den Schären
In Folge 14 geht es um die Schärennavigation. Im Zeitalter von GPS und Tablet ist das nicht mehr so dramatisch wie früher. Aber trotzdem sollte man nicht Seekarte, Echolot und Betonnungsrichtung aus dem Auge verlieren. Und so sind bei meiner Methode auch eine rote und eine grüne Wäscheklammer beteiligt.

Es gibt viele Handbücher für Bootsmanöver aller Art. Doch sehr wenige für Einhandsegler. So saß ich am Start meiner langen Soloreise 2014 durch die Schären ein wenig auf dem Trockenen. Ich wusste nicht wirklich, was mich dort erwartet und wie ich ohne Crew mit allen Situationen umgehen sollte. Aber so ein Schärentörn einhand wurde ja schon oft vor mir unternommen und musste also machbar sein. Von daher  verließ ich mich auf die Methode „Learning-by-doing“. Die hat am Ende funktioniert, war aber anfangs oft unschön. Denn trotz guter Vorbereitung hat man einfach immer zu wenig Zeit und zu wenig Hände. Und dabei geht es buchstäblich um Sekunden. Im Prinzip habe ich daher probiert jedes Manöver auf seine elementarsten Bestandteile herunterzubrechen und so einfach wie möglich zu halten. Und siehe da, irgendwann hatte ich meine Rezepte für alle Situationen gefunden, auch wenn dazu viel herumprobieren gehörte. Und so konnte ich dann am Ende auch endlich Einhand an einer Schäre anlegen. Ein Szenario welches mir anfangs kaum alleine zu bewältigen schien. Schon während der Reise habe ich angefangen meine Manöverrezepte auch auf Video festzuhalten. Zunächst wollte ich diese in meinen Film „Zeitmillionär“ integrieren, das hätte den Film aber extrem lang gemacht und auch sehr speziell für Nichtsegler. 

Filmtrailer „Zeitmillionär“

Daher habe ich nun, zusammen mit ein paar zusätzlichen Erklärungen auf dem Trockenen, eine Reihe von Videos erstellt, die sich speziell an Einsteiger im Einhandsegeln und an potenzielle Schärensegler richten. Und diesen dabei helfen soll, ihren eigenen Stil zu finden. Denn mit Sicherheit hat jeder Segler sein eigenes Rezept und so sind diese Videos auch nicht als Lehrvideos zu verstehen, sondern nur als Anregungen. Jedes Boot und jeder Mensch ist anders. Ich bin mit diesen Methoden jedenfalls einhand heil durch über einhundert Häfen und fünfzig Schleusen gekommen. Aber auch für Segler, die mit Crew unterwegs sind, kann es nicht schaden sich auch einmal mit Einhandmanövern zu beschäftigen. Man kann ja nie wissen, in was für Situationen man gerät. Aus Zeitgründen, und da es alles andere als einfach ist sich bei den Einhandmanövern auch noch selbst zu filmen, sind die Elemente teils etwas wild zusammengeschnitten und wackelig. Geben aber damit auch gut die zeitkritischen Situationen an Bord wieder und sind auch noch vollkommen kostenlos.

Übrigens: Den Film Zeitmillionär gibt es als Download oder DVD hier

Zu Gast bei Salomon’s Kindern … 

Die große Schiffsglocke schlägt zweimal, als wir uns mit dem alten Dreimaster im Dingi nähern. Und mit einem Mal füllt sich das Deck. Aus allen Luken und Türen erscheinen junge Männer, stellen sich nebeneinander in einer Reihe auf, direkt neben…

Die Signale des Schicksals

Heute einmal etwas Philosophie! Während meiner 160 Tage als Zeitmillionär auf dem Wasser habe ich langsam gelernt manche Dinge entspannter zu betrachten und bewusster auf die Signale des Schickals zu achten. Beispiel: Der Gedanke „Für heute reicht es mit segeln“ geht einher mit der Passage eines Steges mit Anlegemöglichkeit. Konsequenz: Segel runter und festmachen. Obwohl ich eigentlich ganz andere Pläne für den Tag hatte. 
Solche Situationen begegnen einem öfter als man es bewusst wahrnimmt, aber wenn man einmal darauf achtet, doch relativ häufig. Noch ein Beispiel: Man fährt auf der Autobahn und die Blase macht sich bemerkbar. Oft geht der Gedanke einher mit dem Schild „Parkplatz/WC“. Aber der Kopf sagt: „Da kommt bestimmt ein Rasthof und das halte ich noch durch“. Was passiert? Stau… Kann alles Zufall sein, muss es aber nicht. 

Wie komme ich jetzt darauf? Gestern auf dem Rückweg von Kiel machte mein Auto merkwürdige Geräusche. Klöter, Klöter. Klonk, Klonk. Egal bis Hamburg wird es schon noch gehen. Wer bleibt schon gerne in der Hitze am Strassenrand liegen? Zwei Autos hupen mich an, ein Dritter fährt mit Warnblinker vor und geleitet mich auf den Standstreifen. „Da hängt etwas unter deinem Auto. Sieht komisch aus!“ Danke, es gibt doch immer wieder sehr hilfsbereite Menschen. Auf dem Standstreifen will ich nicht unter das Auto krabbeln, überlege zunächst noch einfach weiter zu fahren, nehme dann aber doch lieber die nächste Ausfahrt. Irgendwo in der Pampa Schleswig-Holsteins und stehe direkt vor der Einfahrt von „Autoverwertung und Reparatur Remezani“ oder so ähnlich. Gut, plakativer geht es natürlich kaum! Früher hätte ich erst einmal selber nachgesehen. Und gehadert, ob der möglichen Kosten. Vielleicht erst einmal den ADAC gerufen. Aber seit ich bereit bin die Signale des Schicksals anzunehmen, läuft definitv vieles leichter. Ich fahre direkt auf den Hof und erkläre mein Problem. Der Wagen kommt auf die Bühne. Stossdämpfer gebrochen. Schleift auf der Strasse. Nix gut. Den Stossdämpfer hätte er gebraucht auf Lager, in einer halben Stunde wäre es fertig. Kosten? 70 Euro. Das kostet bei manchen Vertragswerkstätten eine neue Glühbirne im Rücklicht…Nach einer Stunde fahre ich dann glücklich weiter Richtung Hamburg. Und habe mich ganz hervorragend mit dem Schrauber und einer Lady samt Chrysler, die auf den TÜV Prüfer gewartet hat, unterhalten.

Eines meiner Lieblingsbücher ist „Jupiters Fahrt“ von Ted Simon. Über eine Weltumrundung auf einem Motorrad. Anfangs voller Ängste und Zweifel passieren ihm ein Haufen Missgeschicke, später folgt dann stoischer Gleichmut, auch Problemen gegenüber. Am Ende der mehrjährigen Reise ist er in Indien dann soweit, das er einen leergefahrenen Tank als Beginn eines neuen Kapitels in seinem Leben begreift. Er setzt sich einfach in den Schatten eines Baumes am Strassenrand und wartet auf die Vorstellung des Schicksals. Irgendwann erscheint dann ein kleiner Junge und fragt, warum er dort sitzen würde. Dieser holt dann einen Freund. Der kennt irgendwo einen Tankwart. Ein anderer Freund kommt dazu mit einem Auto, aber ohne Kanister. Der Bruder hat einen. Und so entspinnt sich eine Geschichte an deren Ende er eine Woche als Gast bei der Familie bleibt und die dreitägige Hochzeitsfeier einer der Töchter innerhab der Großfamilie erlebt. Bis er mit vollem Tank dann ins nächste Abenteuer weiterfährt. Zugegeben, für diese Tiefenentspannung braucht man eine Menge Zeit. Aber im Kern ist das doch die einzig wahre Art des Reisens! Und so konnte ich auch meine Motorpanne im Götakanal als Chance und nicht als Strafe begreifen. Und die drei dabei erzwungenen Hafentage und Bekanntschaften ganz wunderbar geniessen. 

Die Signale des Schicksals

Heute einmal etwas Philosophie! Während meiner 160 Tage als Zeitmillionär auf dem Wasser habe ich langsam gelernt manche Dinge entspannter zu betrachten und bewusster auf die Signale des Schickals zu achten. Beispiel: Der Gedanke „Für heute reicht es mit segeln“ geht einher mit der Passage eines Steges mit Anlegemöglichkeit. Konsequenz: Segel runter und festmachen. Obwohl ich eigentlich ganz andere Pläne für den Tag hatte. 
Solche Situationen begegnen einem öfter als man es bewusst wahrnimmt, aber wenn man einmal darauf achtet, doch relativ häufig. Noch ein Beispiel: Man fährt auf der Autobahn und die Blase macht sich bemerkbar. Oft geht der Gedanke einher mit dem Schild „Parkplatz/WC“. Aber der Kopf sagt: „Da kommt bestimmt ein Rasthof und das halte ich noch durch“. Was passiert? Stau… Kann alles Zufall sein, muss es aber nicht. 

Wie komme ich jetzt darauf? Gestern auf dem Rückweg von Kiel machte mein Auto merkwürdige Geräusche. Klöter, Klöter. Klonk, Klonk. Egal bis Hamburg wird es schon noch gehen. Wer bleibt schon gerne in der Hitze am Strassenrand liegen? Zwei Autos hupen mich an, ein Dritter fährt mit Warnblinker vor und geleitet mich auf den Standstreifen. „Da hängt etwas unter deinem Auto. Sieht komisch aus!“ Danke, es gibt doch immer wieder sehr hilfsbereite Menschen. Auf dem Standstreifen will ich nicht unter das Auto krabbeln, überlege zunächst noch einfach weiter zu fahren, nehme dann aber doch lieber die nächste Ausfahrt. Irgendwo in der Pampa Schleswig-Holsteins und stehe direkt vor der Einfahrt von „Autoverwertung und Reparatur Remezani“ oder so ähnlich. Gut, plakativer geht es natürlich kaum! Früher hätte ich erst einmal selber nachgesehen. Und gehadert, ob der möglichen Kosten. Vielleicht erst einmal den ADAC gerufen. Aber seit ich bereit bin die Signale des Schicksals anzunehmen, läuft definitv vieles leichter. Ich fahre direkt auf den Hof und erkläre mein Problem. Der Wagen kommt auf die Bühne. Stossdämpfer gebrochen. Schleift auf der Strasse. Nix gut. Den Stossdämpfer hätte er gebraucht auf Lager, in einer halben Stunde wäre es fertig. Kosten? 70 Euro. Das kostet bei manchen Vertragswerkstätten eine neue Glühbirne im Rücklicht…Nach einer Stunde fahre ich dann glücklich weiter Richtung Hamburg. Und habe mich ganz hervorragend mit dem Schrauber und einer Lady samt Chrysler, die auf den TÜV Prüfer gewartet hat, unterhalten.

Eines meiner Lieblingsbücher ist „Jupiters Fahrt“ von Ted Simon. Über eine Weltumrundung auf einem Motorrad. Anfangs voller Ängste und Zweifel passieren ihm ein Haufen Missgeschicke, später folgt dann stoischer Gleichmut, auch Problemen gegenüber. Am Ende der mehrjährigen Reise ist er in Indien dann soweit, das er einen leergefahrenen Tank als Beginn eines neuen Kapitels in seinem Leben begreift. Er setzt sich einfach in den Schatten eines Baumes am Strassenrand und wartet auf die Vorstellung des Schicksals. Irgendwann erscheint dann ein kleiner Junge und fragt, warum er dort sitzen würde. Dieser holt dann einen Freund. Der kennt irgendwo einen Tankwart. Ein anderer Freund kommt dazu mit einem Auto, aber ohne Kanister. Der Bruder hat einen. Und so entspinnt sich eine Geschichte an deren Ende er eine Woche als Gast bei der Familie bleibt und die dreitägige Hochzeitsfeier einer der Töchter innerhab der Großfamilie erlebt. Bis er mit vollem Tank dann ins nächste Abenteuer weiterfährt. Zugegeben, für diese Tiefenentspannung braucht man eine Menge Zeit. Aber im Kern ist das doch die einzig wahre Art des Reisens! Und so konnte ich auch meine Motorpanne im Götakanal als Chance und nicht als Strafe begreifen. Und die drei dabei erzwungenen Hafentage und Bekanntschaften ganz wunderbar geniessen. 

Man Over Board

Keine Übung oder doch ne Übung?

Ich falle grade aus der Koje, weil die MARLIN gierig anluvt. Böe. Das geht schon die ganze Nacht so. Mal 5 Knoten Wind. Mal 20 Knoten. Für den einen zu wenig Segel, für den anderen zu viel Segel. Im Wechsel alle 20 Minuten. Alle sind genervt. Ich, glaube ich. Am meisten. Dass ich so langsam den Unterschied zwischen Raum und Zeit verliere, merkt man ja am letzten Logbucheintrag. Ich bin jetzt quasi seit Karneval 24/7 als Skipper im Einsatz. Mit zweimal einer Woche Urlaub ohne Gäste an Bord. Reicht jetzt. Ich will ankommen und nicht „Segel Reinraus“ spielen.

“Moin Prinzessin! Alles klar? Du bist ja ordentlich Handruder gegangen. Warum jetzt nicht mehr?“ „Ach diese Böen, die machen einen fertig. Ich weiß gar nicht was ich machen soll. Wollte auch keinen wecken. Also warte ich grade ab, wie der Wind sich entwickelt.“ „Und? Hast Du denn das Licht am Horizont, schräg achtern gesehen?“ „Welches Licht?“ Prinzessin Gabi wird nervös und versucht das Licht zu erspähen, aber die Taschen mit den Landleinen versperren ihr den Blick. „Ach Du meine Güte. Ja. Jetzt sehe ich es. Ne, habe ich nicht gesehen.“ „Ich hol mir mal nen Kaffee.“, und steige den Niedergang runter. Am Navi, mache ich im Vorbeigehen das AIS an und die Software auf dem Bordrechner blinkt rot und gelb! MOB Modus! Häh? Was soll das denn jetzt. Im ersten Moment suche ich den Übeltäter innerhalb meines teams, die vielleicht die MOB Taste gedrückt haben. Aber nix da. Das MOB Signal ist eindeutig im Log.

AIS Log 24.06.2016 22:38:58 MOB -2 0 2,52 NM 235° T 0,30 NM -1h:19m:28s 39° 02,309′ N 040° 26,409′ W

Also vor einer Stunde, keine halbe Meile neben unserem Kurs. Ich sitze etwas fassungslos vor dem Rechner und zwicke mir in den Arm. Traum? Oder Wahrheit? Übermüdung? Wie kommt dieses MOB Zeichen auf den Monitor und in die Logge? Wieso ist es jetzt weg. Soll ich das jetzt ignorieren? Ist ja nicht mehr da. Oder soll ich nachsehen? Ich entscheide: Im Zweifel für den Absaufenden. „Aufstehen. Segel runter!“ Um Panik zu vermeiden wecke ich erst einmal nur und verzichte auf MOB Ruf. „Was’sn los Chef? Holland in Not?“ „Erkläre ich gleich. Erst einmal die Segel runter und Motor an.“ Ich gehe nach unten und denke, dass alls klappt. Aber nix klappt. Minuten später stehen die Segel back und das Team ratlos mit Leinen in der Hand und keiner weiß was zu tun ist. Ich kläre die Sache mit dem Motor und die Segel finden ihren Weg. Dann motoren wir zum MOB. „Wir haben eine MOB Meldung auf der Navi. 2h30 alt. Signal fehlt. AIS Unbekannt. Kann also ein AIS Sender aus einer Rettungsweste sein. Die haben keine MMSI Nummer einprogrammiert. Kann also sein, dass da einer rumtreibt im Wasser.“ Jetzt wird allen klar: Der Alte macht gar keine Übung.

Am MOB angekommen machen wir den Motor aus. Alle Lichter löschen. Allgemeiner Anruf auf VHF16. Kein Licht zu sehen. Nichts zu hören, wie auch. Wir geben 4 Mal einen einminütigen Ton mit dem Horn. Keine Gegenreaktion. Hier ist kein Schwein. „Prinzessin. Du hast doch das Licht auch gesehen. Oder?“ „Na klar. Aber dann war es super schnell einfach weg.“ Ich bin etwas ratlos und schalte das Radar ein. Auch nix zu sehen. Da endlich finde ich die Lichter. Zwei Schiffe in 16 Meilen Entfernung. Radarsignal ganz schwach. „Die fahren mit 13-15 Knoten. Das kommt hin. Das waren die Lichter. Die sind auch schnell wieder weg. Und Du hast nur die weißen Rücklichter und die Mastlichter am Horizont gesehen. Aber wie kommt das MOB Signal ins AIS?“ „Wir brechen ab. Segel wieder hoch und Kurs NE, 40 Grad zum Wind aus 110 Grad. Morgen Mittag machen wir eine Wende. Wir haben unsere Pflicht getan! Vielleicht war das so nen verrückter Computer Nerd auf einem der beiden Schiffe, der sich einen Spaß machen wollte und ein MOB Fake geschickt hat. Technisch, ja nicht besonders aufwendig.“

Also Langeweile, die haben wir nicht.

Nachrichten vom anderen Ende Europas. Brexit.


Zeitsprung. Ich bin nun seit einer Woche in Sizilien unterwegs. Und die Nachricht vom Votum Großbritanniens erreicht mich an diesem Freitag Morgen im Hafen von Sciacca (gesprochen: Schakka) an der Südküste Siziliens. Sciacca: Ein 40.000 Einwohner-Städtchen mit Hafen und Thermalbad. Von hier aus sind es noch 100 Seemeilen nach Tunis, aber 250 nach Rom – geografisch. Mental ist Sciacca ganz klar Italien. Ein touristisch propper entwickelter Ort, der vorbildlich etwa in markierten historische Rundwege, eine zentrale Piazza oder einen eigenen kontrollierten „Sciacca DOC“-Weinbau investiert hat. Das bessere, das zukünftige Sizilien also, das Chancen nutzt und ergreift.

Was denken die Menschen hier in Sciacca an diesem Morgen über den Ausstieg Großbritanniens aus Europa? Was hoffen, was fürchten sie? Ich packe an diesem Morgen, kaum dass das Gewitter über LEVJE draußen vorüber ist, meinen Rucksack und ziehe los. Und frage einfach die Menschen auf der Straße.

Ich habe das Gelände des CIRCOLO NAUTICO CORALLO, wo ich mit LEVJE liege, kaum verlassen, da läuft mir Vicenzo über den Weg. Er ist Marinero hier im Club, hat einen Vertrag für zwei, drei Monate, die er aushilft. Gestern unterhielten wir uns noch über die Kunst, Bistecca richtig zu braten. Und heute BREXIT.

Vincenzo: „Ich finde es vollkommen richtig, dass die Briten austreten. Europa funktioniert nicht – da essen zu viele aus demselben Teller. Auf politischer Ebene irgendwelche Honoratioren, auf Länderebene irgendwelche schwachen Länder. Nein. Wenn ich heute zu entscheiden hätte: Ganz schnell wäre Italien draußen.
Und überhaupt: ich mag die Deutschen. Aber ein starkes Deutschland, eine starke Merkel: Nein, das würde mir gar nicht gefallen.“

Das fängt ja schon deftig an. Vincenzo lässt sich in seiner Meinung auch gar nicht beirren. Ich wackle weiter um die Hafenbucht und komme zu Nino.

Nino ist der Wirt des hiesigen RISTORANTE ITALIA. Ich kenne Nino, weil ich nun schon zwei Mal vergebens bei ihm angefragt habe, um einen Tisch zu bekommen – zwei Mal vergebens. Sein Fischrestaurant am Hafen brummt. 632 Bewertungen mit vier Sternen auf der einschlägigen Essensplattform muss sich nicht verstecken. Auch Wirt Nino hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Er zählt auf:
„Wir sollten auch raus aus Europa. Ich sage erstens, das funktioniert nicht mit dem Euro. Und zweitens: Früher, als alles schlechter war, war es besser. Damit meine ich, dass heute beim Essen jeder doch jeden Centesimo zwei Mal rumdreht, bevor er ihn ausgibt. Die Leute haben einfach kein Geld mehr. Nein, als wir die Lira hatten, war alles besser.“
Ich wage einen Widerspruch: „Das mit den Steuern ist aber doch Eure italienische, nicht europäische Politik?“
Nino stutzt etwas: „Trotzdem. Raus aus dem Euro. Raus aus Europa.“
Oh je. Wenn das nun so weitergeht? Naja, dann weiß ich wenigstens, was ich denken muss. 
Ein paar Meter weiter treffe ich Roberto in seinem Laden. Er steht vor seinem Brennofen und stellt in seinem Laden die wunderschön glasierten sizilianischen Platten und Schalen her. Sie werden zur Hälfte von Einheimischen, zur anderen von Touristen gekauft.
Roberto: „BREXIT? Was ist das? Ich habe nichts mitbekommen?“
Robertos Tochter, 12 Jahre: „Paaaapaaaa! Sie sind ausgetreten. Die Engländer.“
Roberto: „Ach so?“
Na gut! Wenigstens einer, der keine schlechte Meinung hat über dieses zarte, zerbrechliche Plänzchen Europa. Das ist schon mal was! Meine Hoffnung wächst, als ich die 100 Stufen vom Hafen hinauf in die eigentliche Siedlung erklimme. Oben stehe ich dann auf der großen Piazza. Und da treffe ich dann Desirèe.
Desirèe stammt aus dem Norden, aus Treviso. Und überrascht stelle ich fest, dass sie das gleiche tut wie ich. Sie arbeitet an Segelbüchern. Na das ist ja eine Überrraschung! Trotzdem. Was denkt sie über das Votum Großbritanniens?
Desirèe: „Das ist überhaupt keine gute Nachricht. Das stellt doch Europa komplett in Frage. Ich mache mir Sorgen!“
Ähnlich sieht es auch Marco, de nach eineinhalb Stunden auf der Terrasse des Cafés zu uns stößt.
Marco und Desirèe leben auf einem Motorschiff. Es ist ihr Büro, und sie kartografieren von hier aus  die sizilianischen Häfen und Buchten. Und machen Seehandbücher daraus.
Marco: „Eigentlich ist das alles verheerend! Das ist doch ein ganz großes Signal der Schwäche, das dieses Europa aussendet. Es ermutigt doch andere Nationen, die gleiche Abstimmung loszutreten und vielleicht Europa ebenfalls zu verlassen. Nein. Kein guter Tag.“
Nun ist mein Weltbild doch wieder einigermaßen geradegerückt. Nicht alle meine Gesprächspartner wollen Italien verlassen. Viele Italiener machen sich doch ihre Sorgen. Auf der Straße treffe ich zwei junge Deutsche, Manu und Kim. Die beiden Hamburgerinnen sind Mitte/Ende 20 und machen Urlaub hier Sciacca. Was Sie denn über den Abschied von England aus Europa dächten? Schließlich seien sie doch in Hamburg Großbritannien um so vieles näher als der Süden.
Manu: „Ich bin schon geschockt. Großbritannien ist schließlich eine der vier größten Wirtschaftsmächte in Europa. Das wird wirtschaftlich für Deutschland ganz sicher Konsequenzen haben. Ich fürchte vor allem die wirtschaftlichen Folgen für Deutschland.“
Kim: „Ich finde es ganz gut, dass Großbritannien aus Europa austritt. Ich habe keinerlei Verständnis dafür, dass die Briten immer noch an ihrer Monarchie festhalten – und die kostet doch unendlich viel Geld, auch unseres. Nein. Es ist gut, dass die Briten sich entschieden haben und rausgehen.“
Als ich die beiden bitte, ob ich sie für meinen Beitrag fotografieren darf, sind sie nicht glücklich. Wie viele aus der deutschen „Generation Facebook“ gehen sie anders als andere sensibel mit dem Thema Fotos um.
Ein paar Schritte weiter treffe ich Calogero und Ruggiero in einer Bar. Beide sind hier geboren, Calogero studiert und arbeitet in Rom im Bereich „Human Resources“ und ist gerade auf Urlaub hier. 
Calogero: „Den Ausstieg Großbritanniens aus Europa finde ich gar nicht gut. Das ist schließlich nicht ein kleines Land wie Albanien, was da eben mal seine eigenen Wege geht. Ein ökonomisches Schwergewicht – und wie sollen jetzt die restlichen Länder denn die ganzen finanziellen Aufwendungen ohne Großbritannien schultern? Das ist nicht gut.“
Auch Ruggiero denkt so. Er ist angehender Jurist in Palermo und ebenfalls auf Urlaub in seiner Heimat. Wie denn Italien heute entscheiden würde, wenn es auch hier eine Abstimmung gäbe? frage ich ihn. „Das sähe nicht gut aus, höchstwahrscheinlich. Vermutlich würde Italien ebenfalls rausgehen. Europa hat mit seiner Bürokratie zu viele verstört.“ Und Calogero lächelt versonnen: „Eine solche Abstimmung wird es in Italien wahrscheinlich nie geben. Sie würde einfach auf halbem Weg irgendwo hängenbleiben. Nein. Da mache ich mir keine Sorgen.“
Nein. Ein richtiger Trost ist mir das alles nicht, was ich gehört habe. Auch die Menschen in Sciacca denken sich ihren Teil, machen sich ihre Gedanken über das, was die Menschen weit nördlich an einem ganz anderen Meer für sich und ihre Zukunft entschieden haben. Es ist vor allem das junge Italien, das sich Sorgen macht, das Schwierigkeiten und negative Auswirkungen klar vor sich sieht.
Eines scheint mir allerdings klar. Auf dem bisherigen Weg gibt es kein weiter. Die Straße des „Weiter so!“ ist versperrt. Es scheint, dass die bisherigen Institutionen, die bisherigen Formen, in denen Europa sichtbar ist und wirkt und tätig ist, ein Brüssel, ein Europa-Parlament Straßburg, ein Komissionspräsident Juncker und ein Parlamentspräsident Martin Schulz den Kontakt zu den Menschen verloren haben.
In Großbritannien. Aber auch hier in Sciacca, an der sizilianischen Südküste.
Mare Più: heißt „mehr Meer“. 
Und wenn Sie mehr Geschichten 
über die Menschen am Meer lesen wollen:


Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
• Italien
• Griechenland
• Türkei
zu bereisen. Und in fünf Monaten: Von München nach Antalya zu reisen.


Auch als Film:  


Demnächst auch in den CINEPLEX-Kinos 
in Aichach und Germering bei München.

Das sagt die Presse über Buch und Film:


„… ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis.“
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

„… eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre.“
YACHT im Mai 2015 

„Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt.“
SEGELREPORTER im Dezember 2015

„… ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend.“
LITERATURBOOT im Juli 2015

„Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist ‚Einmal München-Antalya, bitte!‘ definitiv zu empfehlen.“


RATGEBER.REISE. im Juni 2015


Nachrichten vom anderen Ende Europas. Brexit.


Zeitsprung. Ich bin nun seit einer Woche in Sizilien unterwegs. Und die Nachricht vom Votum Großbritanniens erreicht mich an diesem Freitag Morgen im Hafen von Sciacca (gesprochen: Schakka) an der Südküste Siziliens. Sciacca: Ein 40.000 Einwohner-Städtchen mit Hafen und Thermalbad. Von hier aus sind es noch 100 Seemeilen nach Tunis, aber 250 nach Rom – geografisch. Mental ist Sciacca ganz klar Italien. Ein touristisch propper entwickelter Ort, der vorbildlich etwa in markierten historische Rundwege, eine zentrale Piazza oder einen eigenen kontrollierten „Sciacca DOC“-Weinbau investiert hat. Das bessere, das zukünftige Sizilien also, das Chancen nutzt und ergreift.

Was denken die Menschen hier in Sciacca an diesem Morgen über den Ausstieg Großbritanniens aus Europa? Was hoffen, was fürchten sie? Ich packe an diesem Morgen, kaum dass das Gewitter über LEVJE draußen vorüber ist, meinen Rucksack und ziehe los. Und frage einfach die Menschen auf der Straße.

Ich habe das Gelände des CIRCOLO NAUTICO CORALLO, wo ich mit LEVJE liege, kaum verlassen, da läuft mir Vicenzo über den Weg. Er ist Marinero hier im Club, hat einen Vertrag für zwei, drei Monate, die er aushilft. Gestern unterhielten wir uns noch über die Kunst, Bistecca richtig zu braten. Und heute BREXIT.

Vincenzo: „Ich finde es vollkommen richtig, dass die Briten austreten. Europa funktioniert nicht – da essen zu viele aus demselben Teller. Auf politischer Ebene irgendwelche Honoratioren, auf Länderebene irgendwelche schwachen Länder. Nein. Wenn ich heute zu entscheiden hätte: Ganz schnell wäre Italien draußen.
Und überhaupt: ich mag die Deutschen. Aber ein starkes Deutschland, eine starke Merkel: Nein, das würde mir gar nicht gefallen.“

Das fängt ja schon deftig an. Vincenzo lässt sich in seiner Meinung auch gar nicht beirren. Ich wackle weiter um die Hafenbucht und komme zu Nino.

Nino ist der Wirt des hiesigen RISTORANTE ITALIA. Ich kenne Nino, weil ich nun schon zwei Mal vergebens bei ihm angefragt habe, um einen Tisch zu bekommen – zwei Mal vergebens. Sein Fischrestaurant am Hafen brummt. 632 Bewertungen mit vier Sternen auf der einschlägigen Essensplattform muss sich nicht verstecken. Auch Wirt Nino hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Er zählt auf:
„Wir sollten auch raus aus Europa. Ich sage erstens, das funktioniert nicht mit dem Euro. Und zweitens: Früher, als alles schlechter war, war es besser. Damit meine ich, dass heute beim Essen jeder doch jeden Centesimo zwei Mal rumdreht, bevor er ihn ausgibt. Die Leute haben einfach kein Geld mehr. Nein, als wir die Lira hatten, war alles besser.“
Ich wage einen Widerspruch: „Das mit den Steuern ist aber doch Eure italienische, nicht europäische Politik?“
Nino stutzt etwas: „Trotzdem. Raus aus dem Euro. Raus aus Europa.“
Oh je. Wenn das nun so weitergeht? Naja, dann weiß ich wenigstens, was ich denken muss. 
Ein paar Meter weiter treffe ich Roberto in seinem Laden. Er steht vor seinem Brennofen und stellt in seinem Laden die wunderschön glasierten sizilianischen Platten und Schalen her. Sie werden zur Hälfte von Einheimischen, zur anderen von Touristen gekauft.
Roberto: „BREXIT? Was ist das? Ich habe nichts mitbekommen?“
Robertos Tochter, 12 Jahre: „Paaaapaaaa! Sie sind ausgetreten. Die Engländer.“
Roberto: „Ach so?“
Na gut! Wenigstens einer, der keine schlechte Meinung hat über dieses zarte, zerbrechliche Plänzchen Europa. Das ist schon mal was! Meine Hoffnung wächst, als ich die 100 Stufen vom Hafen hinauf in die eigentliche Siedlung erklimme. Oben stehe ich dann auf der großen Piazza. Und da treffe ich dann Desirèe.
Desirèe stammt aus dem Norden, aus Treviso. Und überrascht stelle ich fest, dass sie das gleiche tut wie ich. Sie arbeitet an Segelbüchern. Na das ist ja eine Überrraschung! Trotzdem. Was denkt sie über das Votum Großbritanniens?
Desirèe: „Das ist überhaupt keine gute Nachricht. Das stellt doch Europa komplett in Frage. Ich mache mir Sorgen!“
Ähnlich sieht es auch Marco, de nach eineinhalb Stunden auf der Terrasse des Cafés zu uns stößt.
Marco und Desirèe leben auf einem Motorschiff. Es ist ihr Büro, und sie kartografieren von hier aus  die sizilianischen Häfen und Buchten. Und machen Seehandbücher daraus.
Marco: „Eigentlich ist das alles verheerend! Das ist doch ein ganz großes Signal der Schwäche, das dieses Europa aussendet. Es ermutigt doch andere Nationen, die gleiche Abstimmung loszutreten und vielleicht Europa ebenfalls zu verlassen. Nein. Kein guter Tag.“
Nun ist mein Weltbild doch wieder einigermaßen geradegerückt. Nicht alle meine Gesprächspartner wollen Italien verlassen. Viele Italiener machen sich doch ihre Sorgen. Auf der Straße treffe ich zwei junge Deutsche, Manu und Kim. Die beiden Hamburgerinnen sind Mitte/Ende 20 und machen Urlaub hier Sciacca. Was Sie denn über den Abschied von England aus Europa dächten? Schließlich seien sie doch in Hamburg Großbritannien um so vieles näher als der Süden.
Manu: „Ich bin schon geschockt. Großbritannien ist schließlich eine der vier größten Wirtschaftsmächte in Europa. Das wird wirtschaftlich für Deutschland ganz sicher Konsequenzen haben. Ich fürchte vor allem die wirtschaftlichen Folgen für Deutschland.“
Kim: „Ich finde es ganz gut, dass Großbritannien aus Europa austritt. Ich habe keinerlei Verständnis dafür, dass die Briten immer noch an ihrer Monarchie festhalten – und die kostet doch unendlich viel Geld, auch unseres. Nein. Es ist gut, dass die Briten sich entschieden haben und rausgehen.“
Als ich die beiden bitte, ob ich sie für meinen Beitrag fotografieren darf, sind sie nicht glücklich. Wie viele aus der deutschen „Generation Facebook“ gehen sie anders als andere sensibel mit dem Thema Fotos um.
Ein paar Schritte weiter treffe ich Calogero und Ruggiero in einer Bar. Beide sind hier geboren, Calogero studiert und arbeitet in Rom im Bereich „Human Resources“ und ist gerade auf Urlaub hier. 
Calogero: „Den Ausstieg Großbritanniens aus Europa finde ich gar nicht gut. Das ist schließlich nicht ein kleines Land wie Albanien, was da eben mal seine eigenen Wege geht. Ein ökonomisches Schwergewicht – und wie sollen jetzt die restlichen Länder denn die ganzen finanziellen Aufwendungen ohne Großbritannien schultern? Das ist nicht gut.“
Auch Ruggiero denkt so. Er ist angehender Jurist in Palermo und ebenfalls auf Urlaub in seiner Heimat. Wie denn Italien heute entscheiden würde, wenn es auch hier eine Abstimmung gäbe? frage ich ihn. „Das sähe nicht gut aus, höchstwahrscheinlich. Vermutlich würde Italien ebenfalls rausgehen. Europa hat mit seiner Bürokratie zu viele verstört.“ Und Calogero lächelt versonnen: „Eine solche Abstimmung wird es in Italien wahrscheinlich nie geben. Sie würde einfach auf halbem Weg irgendwo hängenbleiben. Nein. Da mache ich mir keine Sorgen.“
Nein. Ein richtiger Trost ist mir das alles nicht, was ich gehört habe. Auch die Menschen in Sciacca denken sich ihren Teil, machen sich ihre Gedanken über das, was die Menschen weit nördlich an einem ganz anderen Meer für sich und ihre Zukunft entschieden haben. Es ist vor allem das junge Italien, das sich Sorgen macht, das Schwierigkeiten und negative Auswirkungen klar vor sich sieht.
Eines scheint mir allerdings klar. Auf dem bisherigen Weg gibt es kein weiter. Die Straße des „Weiter so!“ ist versperrt. Es scheint, dass die bisherigen Institutionen, die bisherigen Formen, in denen Europa sichtbar ist und wirkt und tätig ist, ein Brüssel, ein Europa-Parlament Straßburg, ein Komissionspräsident Juncker und ein Parlamentspräsident Martin Schulz den Kontakt zu den Menschen verloren haben.
In Großbritannien. Aber auch hier in Sciacca, an der sizilianischen Südküste.
Mare Più: heißt „mehr Meer“. 
Und wenn Sie mehr Geschichten 
über die Menschen am Meer lesen wollen:


Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
• Italien
• Griechenland
• Türkei
zu bereisen. Und in fünf Monaten: Von München nach Antalya zu reisen.


Auch als Film:  


Demnächst auch in den CINEPLEX-Kinos 
in Aichach und Germering bei München.

Das sagt die Presse über Buch und Film:


„… ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis.“
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

„… eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre.“
YACHT im Mai 2015 

„Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt.“
SEGELREPORTER im Dezember 2015

„… ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend.“
LITERATURBOOT im Juli 2015

„Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist ‚Einmal München-Antalya, bitte!‘ definitiv zu empfehlen.“


RATGEBER.REISE. im Juni 2015


MARLIN Expeditions

You will feel the drive

“So meine Damen und Herren. Nachdem jeder von Ihnen seinen Platz eingenommen hat, bitten wie sie nun die Rettungswesten vorschriftsmäßig anzulegen und sich an den markierten Punkten im Cockpit einzupicken. In wenigen Minuten geht es los!“ Die junge Dame in dem schick eng anliegenden marlinroten Neoprenanzug und MARLIN Schriftzug auf der linken gut geformten Brust, dreht sich herum und verschwindet im Bauch des Schiffes. Zwei Mitsegler tuscheln und ich verstehe Brocken wie „Sauerstoff. Synthetisches LSD. Trombose. Seekrankheit. THC Geschwindigkeitsrauschblocker.“ Ich habe einzeln eingecheckt und die anderen Mitsegler noch nicht kennengelernt. Kapitän Wnuk hat mir kurz seine Hand gegeben und mir seine goldbestaubten Stiefel gezeigt. „Absolut Rutschfest. Sogar bei 40 Grad Schräglage!“, erklärt er mir stolz und läuft zur Demonstration die Wand hoch und hängt im 90° an der Wand vor mir. „Sehen sie? Absolut Rutschfest! Qualität aus Lichtenstein unserem MARLIN Forschungslabor. Setzten sie sich ruhig. Meine Assistentin Sandy haben sie ja schon kennengelernt. Heiße Spur was? Klopfen Sie ihr ruhig mal aufs Hinterteil. Sie ist ein Roboter der 13S Reihe. Nen bischen aus der Mode gekommen. Aber was besseres, hübscheres gibt es ja immer.“ Captain Wnuk zieht in seinen goldbestaubten Stiefeln von dannen ins Vorschiff, wo er die geheimen Zylanitsegel bunkert, die erst auf offener See angeschlagen werden, damit die Konkurrenz, deren Commander Wüstenhund, das neue Segelmaterial nicht ausspionieren kann.

Sandy lächelt immer, wie die gesamte 13S Serie es tut. „Ein THC Bonbon gefälligst?“ Ich lächele zurück und greife in die trockeneisdampfende Plastikbox. Auf der projizierten Shortcommuncication Videotouchbox escheint Wnuk im Commanderstuhl. Unzählige Instrumente vor sich, drückt er mehrere Knöpfe gleichzeitig. Genua 1,2,3 werden hyraulisch angeschlagen, Fock 3 und Main erscheinen über unseren Köpfen. Etwas altertümlich weiß flattern die Segel im Startkanal um auf den Südatlantik losgelassen zu werden. Start ist auf 44 Grad Süd. Etwa 130 Meilen unterhalb des 994er Tiefs auf Spur 40, das mit 65 Knoten im dritten Viertel Richtung Kapstadt unterwegs ist. Der Puerto Williams Startkanal ist der neuste vom Planet Erde. Ich bin soooooooo glücklich mit dabei sein zu dürfen. „Kling, kling, kling… Micha aufwachen. Deine Wache.“ Bootsjunge Michi steht neben meinem Kopf und rührt das Ikeaglas mit dem frischen Kaffee. „Wie immer. Nur gerührt, nicht geschüttelt.“ „SANDY!“, ist das einzige was spontan meinen Lippen entgleitet. „Ne nicht SANDY. MICHI! Dein Bootsjunge. Deine Wache. Noch 500 Meilen bis Horta. Nimm mal die Hand aus Deinem Schritt und komm ins Pilothaus.“, Michi grinst über beide Ohren. „Der Skipper! So was.“

Wir haben es nicht grade einfach im Moment. Oder eigentlich doch! Mit vierzig Grad am scheinbaren Wind und über sechs Knoten prügeln wir die MARLIN Richtung NE 40°N40°W. Eher wenig Wind ist gegen uns. 40-50 Prozent Mehrwertwind aus 10 Knoten macht die MARLIN und segelt mit 15 Knoten. Hut ab. Läuft einfach. Ich genieße es, wie ich in der Salonbank sanft nach achtern gedrückt werde, wenn der Wind uns sanft, aber konsequent, nach vorne zieht. Die Frage ob wir, wann ankommen, mir eigentlich egal, aber es ist ja mein Job mit den alltagsgestressten Mitseglern irgendwelchen vorzeitig festgelegten Flugterminen hinterherzujagen. „Nicht ich mache den Wind! Ich kann nur ein bisschen vermuten wo er morgen daherkommt. Aber eins ist klar. Wir sind ein Segelschiff und segeln nach dem Wind.“ „Michi, kann ich noch mal in die Koje, vielleicht bekomme ich noch mal Anschluss an meinen Traum.“ „Alles klar Skipper. Grüß Sandy.“

Einhand um Malta, Teil IV.




Tief beeindruckt von den Fels und Gesteinsformationen an Maltas Westküste schrieb ich vor einigen Tagen einen Post darüber, den ich heute fortsetze.

                                                                     Weiterlesen bei: Einhand um Maltas Westküste. Hier.
Eigentlich ist Malta fast rund. Geografisch stimmt das vielleicht. Aber für den Segler eben nicht. Denn in Wahrheit liegt die Insel mit ihrer Ost- und Westküste wie eine Wetterfahne in  Hauptrichtung der vorherrschenden Winde. Der Nordwest, der an Siziliens Südküste im Mai heftig wehte, streicht hier die Ostküste entlang von Nord nach Süd, so dass ich beschließe, die Insel im Uhrzeigersinn zu runden. Die zweite dominierende Windkraft kommt aus Südost – ideal, um die bereits beschriebene Westküste zu bereisen, denn selbst schwache Winde aus Südost sorgen durch Kap- und Küsteneffekt für flotte Fahrt nach Norden. Und wie beschrieben für heftige Fallböen in den wenigen Buchten an der Ostküste. Zu Umrunden ist die Insel eigentlich schnell: Mit meinem 31-Fuß-Schiff Levje könnte ich in vier Stunden die Südspitze erreichen und weiteren fünf, sechs Stunden meinen „Heimathafen“ Mgarr (gesprochen Im-Mdscharr) auf Gozo wieder erreichen.



Aber wer will schon schnell? Ich breche zeitig am morgen aus Mgarr auf und passiere im Morgenlicht die kleine Insel Comino, die genau zwischen Gozo und Malta liegt. Es ist einsam hier, nur ein paar Boote, die in der Passage zur Insel Cominotto ankern. Aber da will ich heute nicht hin, sondern mein Tagesziel heißt: Grand Harbour. Und Marsamxett Harbour. Die beiden tiefen Hafenbuchten der Hauptstadt Valetta.




Nach zwei Stunden kommt tatsächlich Wind auf. Aber dummerweise genau aus Südost – da wo ich hinwill. Die Lust am Segeln überwiegt, ich mache einen Kreuzschlag von Maltas Küste weg, genau Richtung Sizilien. Und weil LEVJE bei diesem Vierer grad so schön dahinschnürt, bin ich so hellauf begeistert, dass ich die Zeit vergesse, einfach wegsegle von der Küste, hinaus aufs offene Meer. Und dort fast der Versuchung erliege, einfach die acht Stunden mal schnell nach Sizilien… Aber nein! Valetta heißt mein Ziel. Disziplin. Jetzt nicht einfach nach Lust und Laune. Also gehe ich schnell auf den anderen Bug – und werde belohnt.


Denn die Einfahrt in die nördliche der beiden Hafenbuchten, den Marsamxett (gesprochen: Marsam’schett)-Harbour ist faszinierend. Wir ziehen unter Segeln in die Bucht, vorbei an Festungsmauern, Kuppelkirchen, alten Forts, die die Johanniter hier errichteten. 

Die Johanniter. Weil ich ein Buch über die große Belagerung Maltas durch die Türken gelesen hatte, reiste ich als 19jähriger alleine hierher. Die Geschichte einer Handvoll Ritter, die eine Insel gegen ein osmanisches Heer verteidigten, faszinierte mich damals so, dass ich begeistert anrückte. Malta damals? Eine vergessene Insel auf der Suche nach einer neuen wirtschaftlichen und politischen Zukunft. Die Briten, für die Malta jahrhundertelang wichtigster Flottenstützpunkt gewesen war, waren abgezogen. Jede Menge Jobs in den Werften gingen mit der Selbständigkeit Maltas 1964 mit einem Schlag verloren. Nur die englischen Touristen blieben. Malta in den 80ern: Man liebäugelte mit den Sowjets, kungelte mit Ghaddafi. Und beim Attentat auf die PAN AM-Maschine über dem schottischen Lockerbie, bei dem …. ein Jumbo durch eine Bombe in der Luft auseinanderbrach, spielte Malta eine unrühmliche Rolle. Der Koffer und die Kleidung, in denen die Bombe an Bord geschmuggelt worden waren, waren in einer Boutique im Touristenort Sliema gekauft worden und via Frankfurt in die Maschine geschmuggelt worden. Die Spur – sie führte nach Libyen, zu Muammar al Ghaddafi.

Von der Armut der 80er ist heute nichts mehr zu spüren. Malta, der dichtbesiedelste Staat der EU, brummt und summt. Steuervorteile locken Firmen, Finanziers und Vermögende gleichermaßen auf die Insel. Die Immobilienpreise auf Malta haben längst Münchner Innenstadt-Niveau erreicht. Die Insel prosperiert. Und jedesmal bin ich wieder darüber erstaunt, wie sehr sich die arme Insel von einst gemacht hat.

Wer nach Valetta segelt, hat die Wahl: Vier, fünf Marinas stehen dem Segler zur Verfügung. Die etwas mondäne Camper+Nicolson-Marina im Grand Harbour vor dem historischen Vittoriosa ist für den gehobenen Geldbeutel. Für meine 31-Fuß-Levje müsste ich 67 Euro berappen, plus Mehrwertsteuer macht laut Preisliste 91 € die Nacht. Muss nicht sein. Mich verschlägt es stattdessen hinter Fort Manoel, ganz am Ende der Marsamxett-Bucht in die Msida-Marina, einen alten Flußarm auf der sonst wasserarmen Insel Insel Malta, in dem Platz für … Boote ist. Kaum ist das Groß in den Lazyjack gefallen, kaum drehe ich meine Runde im Hafenbecken, um Fender und Leinen zu klarieren, rauschen drei Marineros im Dinghi an und geleiten mich an meinen Liegeplatz. Der liegt diesmal nicht an Felswänden, sondern inmitten von Hochhäusern, dort, wo der Fluss, der „Creek“ immer enger wird.
Einer der Marineros entpuppt sich als … Chef, der sich nicht hinter Schreibtisch und Visitenkarte verschanzt, sondern selber die schmuddelige Mooring in die Hand nimmt. „Heiß heute“, meint er, „ich hab mir einen Sonnenbrand geholt“, sagt er und zeigt mir seinen roten Arm. Ein braungebrannter Malteser mit Sonnenbrand! Die Sonne ist hier nicht zu unterschätzen. 


Im Marinagebäude ist alles neu, die Waschräume sind im Hochhaus mit den runden Balkonen untergebracht. Zu einem meiner vielen ungeschriebenen Büchern, an denen ich jeden Tag im Geiste weiterfeile, gehört auch ein illustrer Titel, an dem ich, seit ich segle, im Geiste ständig schreibe: Er heißt „100 Toilets to Sea. Ein Europäischer Kloführer.“ und ist nichts anderes als ein Kloführer für Segler – von den Schären bis Malta. Von Quiberon bis Don. Würde ich ihn schreiben, kämen die MSIDA-MARINA-Räume (Stand 6/2016) mit glatten 4,8 von 5 Punkten weg. Und das auch nur, weil ich aus Prinzip keine Höchstpunktzahl vergebe. Alles ist nagelneu und gepflegt, Wasser sprudelt richtig heiß und richtig kalt aus der Leitung, ich genieße das Süsswasserbad im Hochaus, bevor ich mich in die Großstadt stürze. Valetta lockt, ich setze mich in den Bus, der ein paar Meter weiter ins Zentrum fährt, streife durch die Straßen der Stadt.


Valetta und Malta: Sie sind so ganz anders in ihrem Gepräge als Inseln wie die große Schwester Sizilien zehn Segelstunden entfernt im Norden. Wer ankommt, wird mit „Sir“ begrüßt. Die Sprache ist arabisch, doch in lateinischen Buchstaben geschrieben. Die Insel ist wohlhabend – was man daran merkt, dass in der Main Road eines typisch maltesischen Hauptortes wie Valetta oder Victoria auf der Nachbarinsel Gozo mehr Immobilienhändler als Bäcker zu finden sind. Und Zufahrtsstraßen von Autohändlern gesäumt sind. Aus Furcht, wie 1980 mit den Schattenseiten der englischen Küche konfrontiert zu werden, habe ich mir aus Sizilien 10 Flaschen Wein und gutes italienisches Brot auf LEVJE gepackt. War gar nicht notwendig. Ist alles da: Malta produziert mittlerweile achtbaren Wein. Malta hat nette Fischläden, die jeden Tag geräucherten Lachs anbieten. Das Brot im Supermarkt ist wunderbar. Eine Insel auf dem Weg nach oben. Selbst eigene Ölbohrinseln im Süden betreibt Malta mittlerweile, das keinerlei Bodenschätze hat und zu den wasserärmsten Regionen der Welt gehört.



Was also ist es, was die Insel so brummen lässt? Eine Insel, auf der nichts produziert wird, auf der (fast) alles importiert werden muss?
Wieder einmal kommt mir die Frage meines besten Freundes Andal in den Sinn: „Kann eine Wirtschaft funktionieren, die davon lebt, dass jeder für jeden nur eine Pizza bäckt?“ So eine Art „Perpetuum Mobile“ der Dienstleistung – aber das hat ja schon in der Physik nicht funktioniert. Ich finde keine Antwort.

Am nächsten Mittag auch nicht in der großen Doppelbucht an der Südspitze Maltas. Der Wind am Vormittag war eingeschlafen, eigentlich merkwürdig, denn heute sollte es mit vier aus Südost wehen. Also motorte ich die Küste hinunter, zahllose Fischfarmen liegen vor der Südostspitze, ich musste aufpassen, dass ich zwischen den gelben Bojen und Aquakulturen nicht in einen Irrgarten geriet. Marsaxlokk (gesprochen: Marsah:schlokk) ganz im Süden ist das Tor, durch das hereinkommt, was Malta so zu brauchen meint. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus, was für riesige Schachtelfahrer (So nennen sie sich selber – ich bin zwei mal auf Containerschiffen mitgereist!) hier abladen. Das sind keine Fiederschiffe mehr, es wird direkt importiert. Und so geht es mir mit Malta und seinem Wirtschaftswunder so wie mir neulich der kluge französische Skipper bei einem Glas Wein sagte. Man hätte im Leben doch immer zwei Möglichkeiten:

„Entweder viel sehen. Und nichts kapieren.
Oder viel kapieren. Und nichts sehen.“

Was das Begreifen von Maltas Wirtschaftswunder angeht, bin ich eindeutig im ersten Satz befangen.













Und weil es in Marsaxlokk nur Bojenfelder gibt, wo ich anlegen könnte, segle ich weiter und streife nun die Westküste hinauf. Aber das ist eben eine Geschichte, über die ich bereits schrieb.
                                                                 Weiterlesen bei: Einhand um Maltas Westküste. Hier.
Fazit: 
Malta ist seglerisch allemal einen Abstecher wert. Eine Handvoll Marinas, zwei Handvoll netter Buchten und atemberaubende Naturlandschaften von See aus sind Gründe genug, sich  hier herumzutreiben. Und die Tempel von Gigantija – sie sind es allemal wert!
Wer Infos über Preise und Marinas möchte: Bitte einfach schreiben über das Kontaktfeld ganz unten auf der Seite.



Mare Più: heißt „mehr Meer“. 
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Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
• Italien
• Griechenland
• Türkei
zu bereisen. Und in fünf Monaten: Von München nach Antalya zu reisen.


Auch als Film:  


Demnächst auch in den CINEPLEX-Kinos 
in Aichach und Germering bei München.

Das sagt die Presse über Buch und Film:


„… ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis.“
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

„… eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre.“
YACHT im Mai 2015 

„Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt.“
SEGELREPORTER im Dezember 2015

„… ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend.“
LITERATURBOOT im Juli 2015

„Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist ‚Einmal München-Antalya, bitte!‘ definitiv zu empfehlen.“


RATGEBER.REISE. im Juni 2015