Monatsarchive: Juni 2016

Die Monetarisierung der Blauwasser Seminare

INTERESSEN UND KOLLISIONEN

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40 Jahre Parcours in meiner Spur haben mich geprägt, meine Attitüde ist bekannt und nachlesbar. Als Idealist leiste ich mir eine Meinung, bei der Umsatz nicht die Mutter aller Überlegungen ist, wissend, dass ich damit als weisses Einhorn einigermassen einsam unterwegs bin. Meine gelebte Unabhängigkeit ist der ICE, mit der WORD OF MOUTH in der Cruising Community die Runde macht, in dessen Folge ich meine Produkte geräuschlos weltweit vertreibe, ganz ohne die bekannten Verdächtigen der Medien zu belästigen oder gar zu bezahlen – was einigen Damen und Herren der globalen schreibenden Zunft natürlich nicht gefällt, weil meine Haltung dem System der Erzeugung von Abhängigkeiten, zuwider läuft, weil ich ihren Businessplan – Gehalt samt Sonderleistungen – nicht mit Anzeigen Aufträgen füttere, um in deren Folge dann redaktionell gefällige Beachtung zu erhaschen. WEITERLESEN

Sashimi satt!

Mastbesteiger alias Hugo Boss

In der Nacht hat der Wind eine Pause gemacht und wir mussten für etwa 2 Stunden motoren. Dann briste es auf und mit nach und nach zunehmendem Wind geht es unter Segeln weiter unserem Ziel entgegen. Richtig mit Schräglage so hart am Wind wie möglich. Auch wir gehen „schräg“ durchs Schiff, können nicht mehr am Salontisch frühstücken, wir essen „auf der Hand“ im Pilothaus, den Kaffeebecher in der einen, das Brot in der anderen Hand. Dazu gibt es den Ausblick auf den schönen großen Atlantik, blauer Himmel mit Schäfchenwolken und Sonne satt. So kann es weitergehen. Es sieht vorerst nach einem ruhigen Segeltag aus, aber auch nur ganz kurz.

Wie gut, dass unser Skipper immer so gut auf uns und das Schiff aufpasst. Nacheinander schickt er uns nach vorn: „Und? Fällt Dir was auf?“ Nicht jedem von uns ist so schnell aufgefallen, dass das Bändsel, welches eine Verlängerung der Refföse des 3. Reffs bildet, sich am Mast verheddert hat und das Herunterlassen des Großsegels verhindert. Lösungsvorschläge werden diskutiert. Aber es gibt nur eine Lösung: „Jemand muss im Bootsmannstuhl nach oben! Das macht Michi, Ulli sichert.“„ Du machst Fotos! Du kannst doch zoomen!“ Damit war ich gemeint. Also: Ein Schiff, dass mit 30% Krängung fährt, ständig über 7 kn Fahrt macht und ein Mast der gefühlt mit einem Radius von 3 Metern ständig hin und her schwankt. Das Bändsel ist in über 10m Höhe. Michi lässt sich ganz routiniert im Bootsmannsstuhl am Mast laufend nach oben ziehen und löst das Bändsel. Und das während der Fahrt. Und mit ordentlich Bewegung am Mast und mit richtig Schräglage! Respekt! Sein Kommentar- wieder an Deck : „Von dort oben hat man einen tollen Ausblick.“

Von Martin von der First Step kommen gute Nachrichten. Sie haben einen großen Thuna gefangen, 16 – 18 kg Filets ….kaum zu glauben. Das muss auch alles gegessen werden, wenn auch nach und nach aus dem Freezer, aber der ist jetzt sicher voll und die Angel wird dort vorerst eingemottet. Na dann: Guten Appetit! Wir schauen weiterhin sehnsüchtig auf das Ende unserer Angel und am Spätnachmittag des 8. Tages auf See haben auch wir endlich Anglerglück! Ob das wohl mit dem Zünden der Glückslaterne vom Vorabend zu tun hat? Egal. Ganz aufgeregt schauen Ulli und ich wie Michi die Angelleine einholt nicht ohne Kommentare: „Langsam, damit er sich nicht los reist!“ „Halt fest!“ „Das ist ein Yellow Fin Thuna!“ habe ich sofort erkannt. Der Fisch zappelt noch, wird dann schnell ins Jenseits befördert und dann werden fachmännisch die Filets geschnitten, in der Freezer getan, alles geputzt und im Cockpit sieht es wieder so aus, als wär nix gewesen. Mein Wunsch einen Yellow Fin Thuna zu fangen ist in Erfüllung gegangen. Die Crew sitzt dort mit einem leichten Lächeln im Gesicht und freut sich auf die Delikatesse. Die gibt es dann auch. Sashimi satt: 2 Teller fangfrische Filetstückchen, die mit Wasabi-Creme und in Sojasauce getunkt auf der Zunge zergehen. Das gibt es nur auf hoher See!

Das war heute ein ereignisreicher Tag!

Gabi

Lloyd’s Open Form (LOF) regelt Bergungskosten

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von Sönke Roever

Ein Seenotfall, der zu einer Bergung des Schiffes führt, ist eine ärgerliche Angelegenheit, die wohl keiner erleben möchte. Und trotz aller Sicherheitsmaßnahmen kann jeder noch so erfahrene Skipper einmal unverhofft in eine solche Situation geraten.

Ein viel diskutiertes Thema im Rahmen einer Bergung ist der Bergelohn, der in der Regel fällig wird, wenn ein anderes Schiff zur Hilfe eilt, um den Havaristen zu retten. Können sich beide Parteien schnell einigen, ist das der Idealfall. In der Praxis sieht es meistens anders aus.

Da gibt es zum Beispiel ein ungeschriebenes Gesetz, das viele Skipper gerne anwenden. Es besagt, dass derjenige, dem die Schleppleine gehört, den Bergelohn bestimmt. Das bedeutet folgendes: Angenommen ich befinde mich in Seenot, weil ich auf eine Untiefe aufgelaufen bin und ein fremdes Schiff kommt, um mir zu helfen und schleppt mich frei. Benutzen wir meine Leine dafür, darf ich den Lohn für die Hilfe festlegen. Benutzen wir hingegen die Leine des anderen Schiffes, bestimmt der Skipper dort den Bergelohn. Logischerweise führt diese Regelung immer wieder zu Streitigkeiten über die Höhe – insbesondere auch, weil sie nicht geregelt ist und jeder auf den „good will“ der anderen Seite angewiesen ist.

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Eine Yacht wird geschleppt. Wer die Leine besitzt, bestimmt den Preis.

Es hat sich daher in der Praxis bewährt, bei einer Bergung nach „Lloyd’s Standard Form of Salvage Agreement“ vorzugehen, das umgangssprachlich übrigens nur Lloyd’s Open Form (LOF) heißt. Das ist ein international gebräuchlicher standardisierter Vertrag, der äußerst simpel gehalten ist und der Rettung eines Havaristen aus Seenot dient.

Das Gute an diesem Vertrag ist, dass bei Streitigkeiten ein unabhängiges Schiedsgericht über die endgültige Höhe der Bergungskosten entscheidet und diese somit nicht vor Ort diskutiert werden müssen. Oftmals ist eine Rettung aus einer schwierigen Situation ein Wettlauf mit der Zeit und so sollte selbige nicht mit Verhandlungen vergeudet werden.

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Für diesen Katamaran kam eine Bergungshilfe leider zu spät.

Interessant ist auch, dass bei Benutzung des LOF die Bergungskosten nur dann fällig werden, wenn die Bergung erfolgreich war. Das ist dem Vertrag auf der ersten Seite ganz oben in dicken Lettern zu entnehmen. Dort steht: „No cure – no pay“. Sinngemäß übersetzt heißt dies: „Keine Rettung – keine Bezahlung“.

Manch einer mag beim Lesen über Punkt Nummer 7 – „Scopic Clause“ – stolpern. Hierbei geht es um die Frage, ob diese Teil des Vertrages sein soll oder nicht. Vereinfacht gesagt, handelt es sich bei der „Scopic Clause“ um eine Zusatzvereinbarung zu Lloyd´s Open Form, die der Berger verlangen kann, wenn das gerettete Gut (Schiff) keine ausreichende Absicherung für die entstandenen Kosten darstellt. Die Scopic Clause definiert in solchen Fällen notwendige, zusätzliche Zahlungen von Versicherungen (sofern vorhanden) an den Berger, damit dieser seine Kosten decken kann. Das ist eher ein Thema aus der Berufsschifffahrt als aus der Sportschifffahrt. Im Zweifel sollte „Nein“ angekreuzt werden. Dann entfällt diese Regelung – das Einverständnis des Bergers vorausgesetzt.

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Eine Fahrtenyacht mit Motorschaden wird abgeschleppt.

Bei uns an Bord führen wir das Formular mit, damit es im Ernstfall zur Hand ist und ggf. eingesetzt werden kann – gleichwohl man natürlich immer darauf angewiesen ist, dass es die Gegenseite auch akzeptiert. So gesehen kann ich nur hoffen, dass dieser Artikel dazu beiträgt, das Wissen über dieses Formular zu verbreiten und im Sinne eines fairen Umgangs auf dem Wasser das LOF genutzt werden kann.

Wobei ich auch sagen muss, dass für mich persönlich die Rettung eines anderen Wassersportlers aus Seenot eine Ehrensache ist, die unentgeltlich erfolgen sollte. Wobei ich nach erfolgreicher Bergung zu einer Einladung auf ein gemeinsames Bier nicht nein sagen würde. Schließlich muss ja darauf angestoßen werden, dass (hoffentlich) nichts Schlimmes passiert ist und man noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen ist.

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Hier kann Lloyd’s Open Form herunter geladen werden.

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Bergfest

Die Mitte unserer Nordatlantiküberquerung ist erreicht

Und schlagartig schlägt der Wind um von West aus Ost. Gut, es hat fast einen ganzen Tag gedauert und wir haben drei Motorstunden mehr auf dem Tacho. Aber jetzt läuft die MARLIN wieder wie gewohnt mit lauem Lüftchen, macht aus 6 Knoten True Wind, 11 Knoten Fahrtwind und zieht sich und uns mit 5kn SOG in östliche Richtungen. Kein Anlieger auf Horta, aber die generelle Richtung zischen den täglichen Wenden stimmt. qtVLM spuckt sogar ETA’s raus, die gar nicht so verkehrt sind, aber außer der Crew keiner kennen sollte. Wir segeln bei wenig Welle mit 35 Grad am Fahrtwind. Unter der MARLIN gurgeln das Wasser, der lange Bug hebt und setzt mit einem sanften, satten „Wuschwummbuh“ alle drei Sekunden in die entgegenkommenden Wellen ein. Wunderschönes Segeln. Kann gar nicht schöner sein. Ich will gar nicht ankommen. Von mir aus kann das ruhig ein paar Tage so bleiben. Muss gar nicht mehr Wind sein.

Das Bergfest liegt bei 803 Meilen seit Bermudas. Es ist deutlich angenehmer geworden vom Klima. Der Wind von vorn ist kühl und erfrischend. So habe ich die Azoren in Erinnerung. Demnach haben wir jetzt auch noch 803 Meilen zu segeln.

Mittags gibt es ein Bier, für mich und Gabi alloholfrei. Ulli beruhigt den Skipper und steckt ihm eine cubanische Zigarre in den Mund. Die Stimmung ist festlich. 7 Tage zum Bergfest. Nicht schlecht, der Specht. Ab Nachmittag stellen sich Gabi und ich in die Küche. Gabi verwandelt ein gefühlten Kilo Zucker in einen leckeren Kuchen, zaubert Bratkartoffeln und ich mache den Steakmaster. Das Gemüse kommt jetzt aus der Tüte. Ein bisschen weniger knackig. Und der obligatorische Skipperkrautsalat fehlt natürlich auch nicht. Zur Feier des Tages brechen wir wie gewohnt das „No-Allohol 2 Sail“ Gesetz und auch ich genehmige mir zwei-drei Weinchen. Die MARLIN nickt dazu und segelt einfach mit Gustav, dem Autopilot weiter. So genau, wie Gustav die 35 Grad zum scheinbaren Wind einhalten kann und das über Stunden, ist ja nun eh unglaublich. „Finger weg vom Steuer!“ kommt mir über die Lippen. „Schwung aufnehmen im scheinbaren Wind dauert immer so lange.“ Am Ende des Tages versucht Micha noch einen Heißluftballon starten zu lassen. Leider landet der im Wasser. Hoffentlich bringt das jetzt kein Unglück.

Sightseeing auf den Azoren

Liebe Leser, für einen Segler ist es immer mehr als ungünstig Termine zu machen. Irgendetwas kommt immer dazwischen, sei es das Wetter oder eine unvorhergesehene Reparatur, das Warten auf notwendige Ersatzteile oder die Gesundheit. Möchte uns jemand zu einem bestimmten…

Freie Fahrt auf dem „Langen Trödel“

Der historische Finowkanal ist seit dem 16.06.2016 in der gesamten Länge von 42 km für Sport- und Freizeitboote wieder befahrbar. Mit der offiziellen Eröffnung des 10 km langen Teilstückes „Langer Trödel“ zwischen Liebenwalde und Zerpenschleuse wird ein Projekt der Wassertourismus Initiative Nordbrandenburg abgeschlossen.

Eröffnung Langer Trödel

Eröffnung „Langer Trödel“: Die Landräte aus den Landkreisen Oberhavel und Barnim mit ihren Politikerkollegen beim Durschschneiden des Bandes.

Mit der Eröffnung des Langen Trödels ist die WIN-AG dem Ziel, ein zusammenhängendes touristisches Wasserstraßenrevier von europäischer Bedeutung im Norden Brandenburgs und im Süden Mecklenburgs mit einer Gesamtlänge von über 345 km Länge zu vernetzen, einen großen Schritt näher gekommen. Zu diesem Revier hat die ADAC Sportschifffahrt auch jüngst eine Informationsbroschüre veröffentlicht.

Der „Lange Trödel“ ist ein 10 Kilometer langes Teilstück des Finowkanals und verbindet Liebenwalde mit Zerpenschleuse. Das durch die Europäische Union, das Land Brandenburg, die Landkreise Oberhavel und Barnim, und die Gemeinde Wandlitz finanzierte Bauprojekt wurde in der Zeit von August 2013 bis Herbst 2015 durchgeführt, dabei wurden eine Schleusenanlage mit Wehr und Zufahrtsbereichen, drei Brücken, Anlegestellen, Slipanlagen und Einstiegsstellen für Wasserwanderer sowie Kanalbauarbeiten und Umweltausgleichsmaßnahmen durchgeführt.

Die Wassertourismusinitiative Nordbrandenburg (WIN AG) wurde 2003 gegründet und hat sich die Lobbyarbeit für die WIN-Region auf Bundes-, Landes- sowie kommunaler Ebene, die Qualitätsentwicklung der wasser- und landseitigen Tourismusangebote, die Unterstützung wassertouristischer Investitionsprojekte und die Entwicklung eines durchgängig führerscheinfreien und mit Charterschein befahrbaren Wasserstraßenrevieres von europäischer Bedeutung im Norden Brandenburgs und im Süden Mecklenburgs zur Aufgabe gemacht. Mitglieder der WIN AG sind die Landkreise Barnim, Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin, die Städte Eberswalde, Liebenwalde, Fontanestadt Neuruppin, Oranienburg, Templin und die Gemeinde Wandlitz.

Manöver für Einhandsegler – Folge 13 – An- und Ablegen an einer Schäre

 
VIDEO Einhand durch die Schären #13 – Anlegen an einer Schäre

In Folge 13 meiner Videoreihe zu Einhandmanövern geht es nun endlich um das Festmachen an einer Schäre. Ein alleine relativ komplexes Manöver, gilt es doch einen Weg auszukundschaften, den Heckanker sicher auszubringen und mit Schärennägeln oder langen Leinen an Bäumen das Boot zu vertäuen. Und das alles einhand? Wie das geht, erfahrt ihr in dieser Folge.

Es gibt viele Handbücher für Bootsmanöver aller Art. Doch sehr wenige für Einhandsegler. So saß ich am Start meiner langen Soloreise 2014 durch die Schären ein wenig auf dem Trockenen. Ich wusste nicht wirklich, was mich dort erwartet und wie ich ohne Crew mit allen Situationen umgehen sollte. Aber so ein Schärentörn einhand wurde ja schon oft vor mir unternommen und musste also machbar sein. Von daher  verließ ich mich auf die Methode „Learning-by-doing“. Die hat am Ende funktioniert, war aber anfangs oft unschön. Denn trotz guter Vorbereitung hat man einfach immer zu wenig Zeit und zu wenig Hände. Und dabei geht es buchstäblich um Sekunden. Im Prinzip habe ich daher probiert jedes Manöver auf seine elementarsten Bestandteile herunterzubrechen und so einfach wie möglich zu halten. Und siehe da, irgendwann hatte ich meine Rezepte für alle Situationen gefunden, auch wenn dazu viel herumprobieren gehörte. Und so konnte ich dann am Ende auch endlich Einhand an einer Schäre anlegen. Ein Szenario welches mir anfangs kaum alleine zu bewältigen schien. Schon während der Reise habe ich angefangen meine Manöverrezepte auch auf Video festzuhalten. Zunächst wollte ich diese in meinen Film „Zeitmillionär“ integrieren, das hätte den Film aber extrem lang gemacht und auch sehr speziell für Nichtsegler. 

Filmtrailer „Zeitmillionär“

Daher habe ich nun, zusammen mit ein paar zusätzlichen Erklärungen auf dem Trockenen, eine Reihe von Videos erstellt, die sich speziell an Einsteiger im Einhandsegeln und an potenzielle Schärensegler richten. Und diesen dabei helfen soll, ihren eigenen Stil zu finden. Denn mit Sicherheit hat jeder Segler sein eigenes Rezept und so sind diese Videos auch nicht als Lehrvideos zu verstehen, sondern nur als Anregungen. Jedes Boot und jeder Mensch ist anders. Ich bin mit diesen Methoden jedenfalls einhand heil durch über einhundert Häfen und fünfzig Schleusen gekommen. Aber auch für Segler, die mit Crew unterwegs sind, kann es nicht schaden sich auch einmal mit Einhandmanövern zu beschäftigen. Man kann ja nie wissen, in was für Situationen man gerät. Aus Zeitgründen, und da es alles andere als einfach ist sich bei den Einhandmanövern auch noch selbst zu filmen, sind die Elemente teils etwas wild zusammengeschnitten und wackelig. Geben aber damit auch gut die zeitkritischen Situationen an Bord wieder und sind auch noch vollkommen kostenlos.

Übrigens: Den Film Zeitmillionär gibt es als Download oder DVD hier

Eröffnungsfeier: ACI-Marina Slano ab 1.7. geöffnet

Gute Nachrichten für Kroatien-Skipper: Die 22. ACI-Marina, benannt nach dem ACI-Gründer Veljko Barbieri, öffnet am 1.7.2016 feierlich ihre Pforten.

Slano befindet sich unweit der Elaphiten-Inseln und war bereits in der Antike und während des frühen Christentums besiedelt. Heute ist Slano ein Touristenziel mit Hotels und Stränden entlang der ganzen Bucht.

ACI Marina Slano

Am 1.7. wird die 22. ACI-Marina feierlich eröffnet.

 

Die Marina Veljko Barbieri verfügt über 200 Wasserliegeplätze für Yachten bis 20 Meter Länge. Skipper und Crews finden eine Wechselstube, ein Restaurant mit Café-Bar, ein Schwimmbad mit Café-Bar, Behindertengerechte Sanitäranlagen, einen Waschsalon, eine Charteragentur und Wi-Fi Internetanschluss.

 

Die fetten Tage sind vorbei

Italienisches Mittelmeerflair mitten auf dem Atlantik

Urlaub in Balkonien, so sieht es doch aus? Oder etwa nicht? Nein, nein, wir sind mitten auf dem Atlantik. Tausende Meilen um uns herum nur Wasser, wir in unserer kleinen Blase in unserer kleinen Welt. Der Kühlschrank ist ganz mittig angebracht und der Kühlschrank ist langsam, aber sicher: LEER. Direkt daneben ist aber der Gefrierschrank und da gibt es immer noch Thunfischsteaks, Rindersteaks, gefrorenes Gemüse und … für die letzten Tage auf See: Lambiiiii! Und wenn die dann auch weg sind, haben wir noch Kürbis und Dosen. Wir werden nicht verhungern. Gabi macht von jedem Gericht das es an Bord gibt ein Foto. Am Ende der Reise machen wir daraus ein flying Gif!

Eigentlich war für heute Bergfest angeplant. Ausgefallen wegen Windmangels. Wir dümpeln die ganzen schönen Etmale ab. Leichtwind aus West, genau von hinten, so um 5-8 Knoten. Das kann die MARLIN gar nicht. Also schiften wir mit einem Wendewinkel von 90 Grad, wie beim Aufkreuzen, Meile für Meile Richtung Peters Sport Cafe. Die Stimmung ist gut. Eigentlich haben wir uns entschieden sogar den Motor zu starten, aber MARLIN segelt immer genau so schnell, dass die Schlüsselgrenze noch nicht erreicht ist. Wir warten auf den Gegenwind, dass kann sie dann wenigstens wieder, mit eigenem Fahrtwind.

Wir nutzen die Zeit für Reparaturen an Bord. Also hauptsächlich Michi. Der installiert heute zum Beispiel endlich die Regelventile im Bauch der MARLIN, die der Skipper schon vor Monaten bestellt hat, damit alle Wärmetauscher einzeln geregelt werden können. Das bei 27 Grad. Falls es denn mal kalt werden sollte ;-) Ne, ganz ehrlich. Die Heizung im Sommer in Stand setzen macht mehr Spaß als im Winter, wenn man sie braucht.

Was kann man sonst noch machen, wenn der Wind ausbleibt? Wäsche waschen. Sieht man. Richtig? Waschmaschine an Bord. Nie wieder ohne. Uns selber haben wir dann auch mal ausgiebig gewaschen. Sogar mit Heißwasser. Es riecht durchweg gut in der MARLIN. Es geht uns gut.

Wir sind auf Tour

Ein Traum wird wahr: Viereinhalb Jahre Musiksegelabenteuer kulminieren in den kommenden 2 1/2 Monaten mit den besten Musikern unserer Reise quer durch Deutschland in einer wahnsinns Tour! Mit dabei sind: Vicky Lucato aus Brasilien Jack Mantis aus Südafrika Lincoln Davis aus Australien Ujjayinee Roy aus … Wir sind auf Tour weiterlesen

Mare Più. 2016-06-19 23:21:00

Wieder einmal hilft mir LEVJE, mein Boot, das Land zu entdecken. 

Zurückgekehrt aus der Türkei, beschließe ich beim Aufwachen, doch mal die Motorbilge zu kontrollieren. Das kann man auf LEVJE machen, indem man sich im Bett einfach nach links dreht, so als wollte man beim Aufwachen seine Gefährtin liebevoll betrachten. Dann öffnet man eine kleine Klappe, und schon kann man hinunterschauen in den Motorraum und ….  –  Mist! Wieso steht da jetzt eigentlich Wasser drin????

Wasser im Schiff ist blöd. Vor allem, wenn es dort ist, wo es gar nie sein soll. Meine Laune geht auf minus 15 Grad, ich überlege, während mir nach Fluchen zumute ist, beim Zähneputzen, wie ich das Leck finde. Und das Problem löse.

Hauptverdächtiger ist der Wassersammler aus Edelstahl. Also schraube ich flux Auspuff, Krümmer, Schläuche, Dieselfilter, siebenerlei Schlauchschellen ab. Und keine Dreiviertelstunde später habe ich den Übeltäter ausgebaut in der Hand. Tatsächlich. Eine rostige Stelle. Angefressen. Aus der es seffzt und seicht und trielt. Wie das? Ist doch Edelstahl?



Das gute an der Malaise ist: Ist doch Edelstahl! Man kann es also schweißen. Ich muss jetzt nur auf Gozo, der kleinen Nebeninsel Maltas, jemanden finden, der das kann. Ich packe mir das baumstammdicke Teil in eine große Tasche und trotte zum Hafen. In der Ecke, in der die Fischer ihre ranzigen Kähne aus dem Wasser hieven und überholen, ist tatsächlich jemand. Und die Antwort, die ich von ihm erhalte, liest sich wie eine Ereignisfeld-Karte: 

„Gehe nach Victoria, in den Hauptort der Insel Gozo. 
An der Straße nach Marsalforn gibt es einen Schlosser. Er baut Boote. Und er heißt Frankie. Er schweißt Edelstahl.“



Keine halbe Stunde später, in der der Bus hinauf ächzt und mich und meinen Freund, den Wassersammler, hinaufkarrt zum höchsten Punkt der Insel, zur Hauptstadt Victoria, stehe ich vor Frankie. Der verblüfft mich, weil er sofort weiß, warum das Teil angefressen ist. „Zu viel Elektrizität im Wasser. In den Häfen ist zu viel Elektrizität. Von anderen Booten. Das erzeugt galvanische Effekte. Und die fressen dann den Edelstahl. Oder was immer.“

Right or wrong: Da hat einer nachgedacht über das, was im Wasser so vor sich geht. 
Und während Frankie sich an die Arbeit macht, streune ich ein bisschen in seiner Werkstatt hin und her. Und bin begeistert. Frankies Werkstatt ist so ganz anders als die Werkstätten, die ich kenne. Keine tolle STANLEY-Werkzeugkiste. Keine tollen „WÜRTH-wir-machen-ihr-leben-leichter“ Werkzeugschränke mit Vollauszügen. Nichts. Gar nichts dergleichen.
Das Gehäuse eines alten Schiffsgetriebes am Boden, wer weiß, wie lange schon. Da liegt es, wie ein leeres Schneckenhaus, wenn der Schneck, das Leben, längst ausgezogen und fort ist.
Vier Edelstahltrommeln von Waschmaschinen in der Ecke. Wer weiß, was Frankie daraus bauen wird?



An der Wand: ein fünfblättriger Bootspropeller. So einen habe ich ja noch gesehen. Eine Schiffsschraube, die aussieht wie eine PRIL-Blume aus den siebzigern, wie irgendetwas, das aus einer anderen Zeit stammt. Hineinragt in die unsere. Und hier einen Ort gefunden hat, wo sie einfach nur sein darf. Zweckfrei. Jahrzehnte. An der Wand hängen. Und von den Zeiten träumen, als fünfblättrige Bootspropeller einfach hip und der letzte Schrei waren.

Hölzerne Schablonen, oben in der Ecke. „Die sind noch von meinem Vater. Er war Bootsbauer hier in Malta und hat hier in dieser Werkstatt die traditionellen Holzboote gebaut. Sie heißen Luzzu oder Dghajsa.“



Treibriemen, die von der Decke hängen, für alles mögliche. Um alles mögliche oder unmögliche damit anzutreiben.

Überall im Raum verteilt Maschinen. Um aus Stahlteilen etwas heraus zu drehen, Späne wegschälend freizulegen, zu schweißen. Eine alte englische Drehbank aus der Zeit, als die Engländer, Kolonialherren über die Insel, plötzlich abzogen. Die Insel sich selbst überließen. Die Werften, die zweihundert Jahre die Menschen beschäftigt hatten, plötzlich sich selber überließen, sie nicht mehr benötigten. Was man alles wissen muss, um die Drehbank einzusetzen.



Eine Muschel unter dem eingestaubten Blatt einer uralten Säge. Wer weiß, wen sie woran erinnern soll. Stahlteile. Soweit das Auge reicht.












Frankie erzählt. „Mein Boot habe ich mir selber gebaut. Aus GFK. Es ist ein einfaches 
Fischerboot, mit dem ich zum Angeln rausfahre, wenn es hier nichts zu tun gibt. Es ist nicht groß, gerade mal sieben Meter. Aber es reicht, um …. zu fangen. Wo kommst Du eigentlich her?“

Als Frankie erfährt, dass ich Deutscher bin, nimmt er mich am Arm: „Das hat mein Vater im Krieg aus einem abgeschossenen deutschen Flugzeug. Es ist der leergeschossene Gurt eines deutschen Kampffliegers, der oben an der Straße nach Ta’Pinu abstürzte.“



Leer geschossene Patronen eines Kampfflugzeugs. Und plötzlich ist sie da, die Geschichte, wie sich deutsche und italienische Flieger vom nahegelegenen Sizilien aus aufmachten, manchmal 10 mal, 20 mal am Tag die Insel Malta angriffen. Die hundert Kilometer übers offene Meer hinüberflogen, die Inseln zwei Jahre lang bombardierten, um sie niederzuzwingen, damit noch verwegener, noch monströser: Die deutsche Armee in Nordafrika ihren Nachschub bekam und Richtung Ägypten marschieren konnte. Was wollten, all die Georgs, die Hansens, die Sebastians und Rolfs denn in Nordafrika? So ganz werde ich es nie verstehen. 



Teile aus einem englischen Flugzeugwrack. Das Rad, um die Sauerstoff-Zufuhr zu öffnen, wenn das Flugzeug in zu große Höhen aufgestiegen war. Teile aus einer anderen Welt. Frankie’s Werkstatt: Ein Museum dessen, was einmal war. Und heute Teil unserer Geschichte ist. Teile, die still an der Wand hängen und vielleicht dort an der Wand hängen bleiben, bis Frankie eines Tages seine Werkstatt aufgibt. Und im boomenden Malta an die Stelle seiner Werkstatt irgendetwas anderes dort gebaut werden wird.





Und während ich meinen Gedanken nachhänge, ist Frankie schon beim nächsten Teil. Eine verbackene Wasserpumpe aus einem Trawler will wieder gängig gemacht werden. Frankie macht sich mit Liebe an das Teil heran. Spannt es in einen Schraubstock. Und klopft mit einem kleinen Hammer auf Schrauben und Muttern, um sie zu lösen. Ich aber lasse Frankie weiterarbeiten. Lasse ihn ankämpfen, den Mann mit den klugen, wissenden Augen, gegen den Zerfall, die Enthropie, das Vergehen, das sich noch gegen jedes vom Menschen geschaffene Teil richtete. Für kurze Zeit wird Frankie in seiner Werkstatt den Kampf gewinnen.



MARLIN ist krank

Murphey schon wieder da?

“Da stimmt irgendwas nicht.“ Meine Augen scannen suchend das Rigg der MARLIN ab. „Ich hab’s im Urin. Irgendwas stimmt hier nicht.“ Nach 30.000 Meilen auf dem eigenen Schiff bekommt man einen siebten Sinn für Unheil. Und Unheil erschreckt mich heute mit einem sechs Zentimeter langen Haar-Riss im Baum der MARLIN, direkt eine Armlänge hinter dem Lümmelbeschlag. Der Zug des Baumniederholers hat hier wohl gewonnen. Die ganzen Baumniederholer Konstruktion ist mir eh ein Dorn im Auge. Schon auf Curacao hat uns das viel Geld und Zeit und Nerven gekostet. Jetzt der Baum. Das ist nicht schön.

Am Morgen frühstücken wir wie gewohnt um acht Uhr zusammen im Pilothaus. Die Stimmung von gestern ist immer noch da. Gedrückt. Mit Gabi hatte ich in der letzten Nachtwache noch ein klärendes Gespräch. Nachdem alle ihre Schalen geleert haben, einen Cafe in der Hand vor sich hin und her schieben, fange ich an. „Also. Heute ist ja Sonntag. Also spreche ich mal das Wort zum Sonntag ;-)“ Ich grinse. Im anstehenden Meeting klären wir gemeinsam was gestern los war und was jeder grade so auf dem Herzen hat. Ab sofort soll der Skipper entspannter werden und keine Sprüche mehr bringen. Na ob das klappt? Der Skipper gelobt Besserung und entschuldigt sich mal global für alle Sprüche der letzten Woche. Der Wachplan wird in vier Einzelwachen mit je drei Stunden umgeändert. Der Skipper darf immer geweckt werden. Is klar ;-) Ab sofort darf nur noch über die Reling gepinkelt werden, wenn Gaby in ihrer Kabine ist. Zucht und Ordnung findet den Eingang auf die MARLIN. Und alle sollen-wollen mehr Handruder gehen. Finally lachen alle wieder und gemeinsam geht es weiter Richtung Peters Sports Bar.

Im ersten Moment erschrecke ich mich tierisch. Der Haarriss im Baum der MARLIN kann zum sofortigen Bruch des Baumes führen. Ob nun unterdimensioniert oder nicht. Was machen wir denn jetzt? „Downkicker fieren. Sofort!“, rufe ich nach hinten. „Ganz?“ „Ja. Ganz!“ Sofort schließt sich die 1mm klaffende Wund zum fast nicht sichtbaren Haarriss. Erst mal gehe ich Schlafen. Das Defizit der Nacht hindert beim Denken. Weiteres Handeln will gut überlegt sein. Denn ohne Großsegel würden wir ewig bis Peters Sport Bar brauchen. Wir sind zu allen Seiten ca 1.000 Meilen von jeglichen Werkstätten entfernt.

Wir machen das, wie das mit mit meiner Schulter geschehen soll. Bruch richten in die richtige Position, eine Platte von Innen und dann mit 8mm Schrauben fixieren. Im Bauch der MARLIN finden wir Material, Schrauben, Flex, Bohrmaschine. Alles vorhanden. Gut so. Nach ein paar Stunden sieht es aus, als wenn es immer schon so gewesen wäre. Na. Fast. Wir haben direkt beide Seiten gemacht. Für eine Reparatur am Rigg mit Bordmitteln sieht das echt gut aus. Oder? Wir setzen Vollzeug und den Baumniederholer. Alles gut. Für die kommenden 1234 Meilen sollte das funktionieren, zumal wir ab Montag auf Am Wind Kurs laufen, wenn der Downkiker nicht so sehr gebraucht wird. Ich geh noch mal schauen und ein Photo machen. Bitte mal alle mal die Daumen drücken, dass das auch wirklich hält.