Monatsarchive: Oktober 2014

Unter Segeln: Tahtali Dag. Ankern, wo die Götter wohnen.

„Mount Olymp“, heute „Tahtali Dag“. Von 0 auf 2.366 Meter Höhe.

Den Berg Olymp, den Ort, an dem die Götter wohnen, gibts nur einmal. Denkt man. Aber kurz vor der schönen Stadt Antalya kann man lernen, dass die Griechen gleich mehrere „Berge Olymp“ besaßen.

Vermutlich waren es Siedler aus Rhodos, die hier in der Bucht um 690 vor Christus die Stadt Phaselis gründeten, deren drei (!!) Häfen man heute noch besichtigen kann. Glaubt man Legende und Mythos, begann alles wie so oft mit einem cleveren Deal: Den ersten Hirten, dem die Kolonisten aus Rhodos hier begegneten, fragten sie, was er denn als Ansiedlungsgebühr gerne hätte: Gerstenbrot? Oder gesalzenen Fisch? Der Hirte, offenbar schlichten Gemüts oder einfach nur hungrig, entschied sich für den gesalzenen Fisch. Und da waren Sie nun. Und der unaufhaltsame Aufstieg der Stadt Phaselis begann.

Genau wie ich heute beim Aufstehen in der Ankerbucht, hatten auch die Griechen von Phaselis das gewaltige, auf über 2.300 Meter aufragende Bergmassiv vor Augen, das sie „Olymp“ nannten. Und weil „Bergsteigen“ und „Bergwandern“ eine Sache ist, die die Menschheit zu Lust & Zeitvertreib gerade mal seit 150 Jahren planmässig betreibt – vorher kam niemand auf die Idee, so etwas aus Spaß zu tun – war das, was da oben auf dem Olymp war, für die unten „terra incognita.“ Man blieb unten. Und dachte sich sein Teil über „das da oben“. Leere. Stille. Abwesenheit des Nichtigen. Unerreichbarkeit: Ein Ort, wo die Götter wohnen.

Nachsehen, ob die Götter da wirklich wohnten, ging damals niemand. Erstens sind es ja manchmal unsere Träume, die unser Leben erst so richtig schön machen. Und wenn man nachschauen geht, dann ist der Traum unweigerlich futsch. Und zweitens wäre Nachsehen auf unwirtlichen 2.000 Höhenmetern mit Beschwerlichkeit, wenn nicht gar Gefahr verbunden gewesen. Das  lehrte uns nun wirklich Ötzi und sein Schicksal, das sich 2.500 Jahre vor der Gründung von Phaselis erfüllte.
Heute geht das einfacher: eine Seilbahn bringt bis zu 80 Wissbegierige pro Kabine mit einer Geschwindigkeit von 36 km/Stunde in 10 Minuten von 0 auf 2.366 Meter, auf den Gipfel. Aber Nachsehen, ob da die Götter wohnen, kann man vermutlich da nicht mehr. Der Berg heißt ja auch heute nicht mehr „Olymp“, sondern „Tahtali Dag“, „Tachtali Daaah“ gesprochen. Aber wunderschön ist er immer noch, im Morgenlicht, der „Tahtali Dag“. Und wer weiß, was man da oben findet, wenn man Nachsehen geht? Immer noch: Leere. Stille. Abwesenheit des Nichtigen. Unerreichbarkeit.
Und das wäre doch schon unglaublich viel.
Ich nehme mir vor, irgendwann in den nächsten Wochen nachsehen zu gehen. Auf dem „Tahtali Dag“.
„Tahtali Dag“? Wo ist das denn, bitte? Nicht weit von Antalya. Gleich hier.

Ein letztes Anlegemanöver

Ein schöner Empfang am Steg. Der Diesel wird ausgeschaltet und Begrüßungen ausgetauscht. Man hat so viel zu erzählen, das man erst einmal gar nichts sagen kann. Nach 160 Tagen unterwegs bin ich nun wieder am Abfahrtsort angekommen. Für mich eine kleine Ewigkeit, den mich Empfangenden kam es höchstens halb so lange vor. Relative Zeitwahrnehmung. Wie fühlt man nun, wenn das große Abenteuer, welches zum Zentrum des Lebens geworden war, zu Ende geht? Zunächst einmal gar nicht. Die vielen Menschen fordern meine ganze Aufmerksamkeit und fangen mich gleichermassen auf, war ich doch nach den vielen Wochen eher die Einsamkeit gewöhnt. Es ist schön alle wieder zu sehen und zuhause zu sein. Der erste böse Moment kam, nachdem sich alle verabschiedet hatten und ich wieder alleine auf dem Boot war, um am nächsten Tage ins Winterlager aufzubrechen. Halbherzig fange ich an ein paar Sachen zusammenzuräumen, komme aber nicht wirklich in Gang. In der eigentlich gewohnten Einsamkeit fühle ich nun wirklich das Ende dieser Reise. Es ist kalt, grau und nass, und somit eigentlich ideal um sich auf das heimische Sofa zu wünschen, aber etwas nagt an mir. Ich kann und will es an diesem Abend nicht weiter ergrübeln und gehe früh ins Bett, um Ruhe im Kopf zu haben. 

Nach kurzer Kanalfahrt folgt nun das Leerräumen des Bootes, Legen das Mastes, Einwintern des Diesels, die üblichen Vorwinterarbeiten eben. Und dann ist das Boot ruckzuck aus dem Wasser und aufgebockt. Alle Schönheit ist damit irgendwie vergangen. Das Boot sah ausgerüstet nach langer Sommerreise und Urlaub aus, nun bleibt nur noch eine schmutzige Hülle ohne Mast und Segel. Das schmerzt. Daneben liegt ein bunter Stapel aus Wäsche, Büchern, Konserven, Leinen, Schwimmwesten  etc. Die komplette Ausstattung  für mein Leben der letzten sechs Monate, nun aufgetürmt wie ein Haufen Sperrmüll.  Böse Augenblicke. Aber auch Momente in denen mir klar wird, das das Reisen ein Teil meines Lebens ist und war, und das es hier  kein Ende, sondern nur eine Pause sein kann. Ich bespreche dann noch ein paar Winterarbeiten mit einem Bootsbauer und sehe dabei schon das nächste Jahr vor Augen. So geht es schon wesentlich besser. Bei der Rückkehr in unsere Wohnung fühlt es sich an als wäre ich mit dem ganzen Gerödel erst gestern aufgebrochen. Nun schleppe ich alles wieder nach oben, suche Plätze und verstaue all die Dinge die hier wertlos sind wie Echolot, Fernglas oder GPS. 

Es wartet ein Riesenstapel Post auf mich. Finanzamt, Künstlersozialkasse, Bank, der ganze „alltägliche“ Kram der für sechs Monate nicht zu meinen Tagen gehörte, fordert nun alleine durch die Menge noch mehr Aufmerksamkeit. Ich war mir ja nicht sicher, ob die Idee zwei Tage nach der „Rückkehr“ direkt wieder 3 Wochen in unsere Türkeiwohnung aufzubrechen eine Gute war, und ich mir damit eventuell das Einleben noch weiter erschwere. Doch jetzt an der frischen Luft mit dem tiefblauen Meer vor Augen und jeder Menge Wind fühle ich mich hier gerade sehr gut aufgehoben. Irgendwie gleichermassen unterwegs wie angekommen. Meine Frau ist bei mir, wir haben uns natürlich jede Menge zu erzählen nach der langen Zeit, und geniessen das Zusammensein. Ich kann nun auch Loslassen und mich auf die Zukunft und die vielen neuen Pläne konzentrieren. 

Die nächsten Tage werden wir es noch sehr ruhig angehen; nach Merihs Abreise beginne ich dann mit der Arbeit an MultiMedia-Show und DVD und werde mich dabei durch Berge von Fotos und Videos, sowie den damit verbundenen, langsam bereits verblassenden, Erinnerungen wühlen. Die 100 Häfen und Buchten, die Sommertage und Nächte, die Sonnenaufgänge, die Tage auf und mit dem Wasser. 

Darauf freue ich mich wirklich sehr, werde ich doch so die Reise in Gedanken noch einmal erleben.

SV Resolute – Barbara + Hans Rauert GER

Super Secura Rauert lowLOSSEGELN – UND IRGENDWANN IST MAN RUM
Barbara und Hans haben das wahr gemacht.

Am 16.03.2014 um 09.10 Uhr passierten wir die Ansteuerungstonne von Cabedelo. Minuten später knallte der Sektkorken – unsere Weltumseglung war vollendet, denn wir hatten gerade unseren Ausgangskurs gekreuzt!
Zurückgelegt wurden 27 198 sm unter Segeln und 6479 sm unter Motor ( die vielen Motorstunden entstanden durch das Befahren der Patagonischen Kanäle )

Zwischenzeitlich liegt die RESOLUTE hoch und trocken bei PEAKE YACHTS in TRINIDAD.
Vor dem Gletscher Pius xI, Patagonien

Barbara und Hans haben den Sommer in der Heimat zugebracht und sind nun dabei, wieder die Koffer zu packen, denn sie wollen den Winter in der Karibik verbringen um hernach im Frühjahr Richtung Heimat zu versegeln.

Hao, Tuamotus

Hans hat es auf den Punkt gebracht: Als Kapitän und Lotse ist er ein Freund trockener Kommentare, in seiner Website beschreibt er treffend:
Hans – lotst alles
Barbara – verarztet alles
Resolute – besegelt alles

CAP HOORN QUERAB
Cap Horn querab

Hans hat mich vor einigen Tagen in der Werkstatt heimgesucht, weil an seinem Windpilot Oldie ein Bauteil nach 20 Jahren am Ende seiner Lebensdauer angekommen ist. Wir haben Gemeinsamkeiten aufgedeckt … und wissen plötzlich, warum wir seit Jahrzehnte niemals einander angeeckt … im Gegenteil, wir haben höchst vergnügliche Zeiten verbringen können – elektronisch und in Persona einander gegenüber. Ich sag´s immer wieder gern: Menschliche Begegnungen sind das Salz in meiner Lebenssuppe. WEITERLESEN

Kanisterschleppen …

Bildschirmfoto 2014-10-19 um 18.18.56

Hier kommt der wahre Sport am Motorbootfahren: Das Kanisterschleppen ; ) Morgen früh starten wir nach La Coruña – und weil wir die herbstliche Biskaya so schnell wie möglich hinter uns lassen wollen, habe ich heute nochmal richtig vollgetankt. Mit 100 Litern im Tank und 30 in Kanistern haben wir eine theoretische Reichweite von 470 Seemeilen. Bis La Coruña sind es “nur” 335 Seemeilen Luftlinie, aber der Sprit ist hier billig und es kann sein, dass wir die letzten 100 Meilen motoren müssen. Ein Hochdruckgebiet soll sich am Mittwoch über der Bucht breit machen, sagen die Grib-Files von Wetterwelt. Kein optimales Segelwetter also, aber perfekte Konditionen um die Biskaya im Oktober sicher hinter sich zu bringen.

Die letzten Tage war es hier windig, grau und regnerisch. Deshalb freuen wir uns sehr über dieses Wetterfenster – und darauf endlich nach Spanien zu kommen.

Vielen Dank an alle Mails und Anrufe zu dem Motorproblem. Ich habe viele gute Tipps bekommen und werde einiges davon ausprobieren.

Wir melden und (hoffentlich) das nächste mal aus Spanien!

Johannes

 

Frage an alle Motorexperten …

Bildschirmfoto 2014-10-18 um 16.52.03

Nachdem wir auf den letzten Blogpost von Cati insgesamt acht E-Mails mit extrem guten Tipps zum Thema Seekrankheit bekommen haben (DANKE an alle! :-)) hier mal eine Motorfrage, die mich schon seit längerer Zeit beschäftigt.

Wir haben im Sommer einen generalüberholten Volvo Penta MD-11c eingebaut. Der alte Motor war im Grunde dergleiche, ebenfalls ein MD-11c, sogar ein paar Jahre jünger, hatte aber keine Zweikreiskühlung wie der neue.

Um den alten Motor abzustellen hab es einen Zughebel, wie man ihn von den meisten Yachten kennt. Habe ich am Hebel gezogen, wurde über einen Bowdenzug eine Wippe am hinteren Teil des Motors betätigt, über den ein Pin in den Motor gedrückt wurde, um die Einspritzpumpe zu unterbrechen.

Beim neuen Motor gab es diesen Pin nicht mehr. Das Loch war einfach mit einer lose angesetzten Schraube verschlossen. Also bin ich davon ausgegangen, dass der Voreigner den Pin demontiert hat – denn er hatte auch schon Getriebe und die Motorelektrik separat verkauft. Ich habe also den Pin und Wippe vom alten Motor abgebaut und am neuen montiert. Der Motor sprang beim ersten Versuch hervorragend an, ließ sich aber nicht mehr abstellen. Der Pin hatte keine Wirkung.

Wenn der Motor noch kalt ist und die Motorverkleidung demontiert, ist es möglich den Gashebel am Motor mit aller Kraft gegen den Anschlag für das Standgas zu drücken, dann geht er aus. Ist der Motor warm, braucht man nicht nur sehr viel Kraft, sondern auch gute Handschuhe.

Seit wir Oberndorf verlassen haben ist der reguläre Weg den Motor abzuschalten deshalb für mich folgender: Ich schraube die Luftfilter ab, ziehe mir gute, gummierte Handschuhe an und drücke die Handballen auf die Luftansauglöcher. (Gut, dass wir keinen Dreizylinder haben, sonst müsste Cati mitmachen).

Was als Provisorium halten sollte, ist nun zur Dauerlösung geworden. Zwischendurch hatte ich auch schon einen Draht am Gashebel befestigt, um ihn von außerhalb des Motorkastens abschalten zu können. Aber die benötigte Kraft lässt sich kaum aufbringen und der Draht muss immer so viel Spiel haben, dass er nicht gegen den Bowdenzug des Gashebels arbeitet. Also keine gute Lösung.

Meine Erklärung: Der Vorbesitzer hatte ganz sicher eine Zweihebelschaltung und der Motor wurde ohne die Funktion gebaut, ihn über den Pin an der Einspritzpumpe abzuschalten. Wahrscheinlich hat der Vorbesitzer den Gashebel an der Zweihebelschaltung immer soweit zurück gezogen, dass er nicht mehr genug Gas hatte und aus ging.

Bildschirmfoto 2014-10-18 um 16.50.26

Wir haben nun eine modernere Einhebelschaltung und offenbar ist das Problem, dass neue Technik auf alte Hardware trifft.

Ich bin nun ganz sicher kein Motorexperte. Deshalb die Frage an euch: Hat jemand eine Idee, wie ich den Motor auf elegantere Art und Weise aus bekomme? Schreibt mir doch gern an mail@johannes-erdmann.com

Johannes

 

 

SV Carpe Diem – Guido Dwersteg GER

SAILING SELFIE UNPLUGGED – JUGENDFREI

Guido kehrt heim – macht am heutigen Samstag 18.10.2014 Zwischenstation in Stavoren NED – um das Ende seiner Atlantik Runde gehörig mit Freunden zu befeuchten. Als ungekrönter Selfie König hat er seiner Kamera – und der dahinter lauernden neugierigen Fangemeinde – seine ganz eigene Sicht auf die Wasserwelt erklärt. Ganz ohne Schminke oder Maske, überwiegend unrasiert, gleichwohl gut gelaunt, obwohl unbeweibt, zeigt er mit Witz und offenem Herzen, das Innerste seiner Seglerseele verblüffend unprätenziös und unbeschönigt. Seine Filme sind ein herzerfrischendes Spiegelbild des Fahrtensegelns, wie es denn wirklich ist – inklusive Frust bis Bruch sowie Chaos unter Deck – sie unterscheiden sich wohltuend von den Botschaften vieler Buchautoren, die gegen Zahlung eines Preises, Distanz erzeugen.
Mein Kompliment! mehr

Levje’s Lieblinge: Was für einer ist das denn? Oder: Mit Knoten ist es wie mit Menschen.

Ein simpler Knoten. Jeder kennt ihn. Wie heißt er?
Knoten gibt es unglaublich viele, mehr, als man glauben mag. Es ist erstaunlich, wie viele davon und zu welch unterschiedlichen Zwecken der Mensch sie ersann. Na klar: So schlaue Dinge wie Tape, Tüten, Sekundenkleber stehen der Menschheit erst ein paar Jahre zur Verfügung, sie mußte sich seit der Steinzeit mit Knoten behelfen. Einige zehntausend Jahre Zeit also, sich ein paar Gute auszudenken: Allein das gewichtige „Ashley-Buch der Knoten“, eines meiner Lieblingsbücher hier auf Levje, listet über 2.000 (!) Knoten auf.
Und: Knoten ist nicht gleich Knoten! Es gibt welche, denen traut man gerade als Segel-Neuling sehr, sehr viel zu. Dem Palstek, zum Beispiel. In meinen ersten Segeljahren habe ich ihn praktisch für alles und jedes eingesetzt. Um die Fender festzubändseln. Oder mich auf der Klampe festzumachen. Denn bis der Kopfschlag, das Belegen auf der Klampe (aber richtig, bitte!) auf Anhieb und ohne Gefummel saß, dauerte es ein paar Jahre. Auch der Kreuzknoten ist einer, dem man traut. Aber glaubt man Clifford Ashley, dann  hat der Kreuzknoten mehr brave Seeleute das Leben gekostet als man denkt. Mit Knoten ist es wie mit Menschen: Manche haben schnell unser Vertrauen, zu schnell. Andere verdienen sich unser Vertrauen erst langsam. Aber es wird lebenslange Freundschaft.
Und so ist es mit dem Knoten im Bild oben. Ich habe ihm lange nicht getraut. Er geht zu einfach. Ich habe nie gedacht, dass er hält. Und wieviel er hält. Und stattdessen immer den Palstek verwendet. Bis uns, es ist viele Jahre her, auf Korsika, in Ile Rousse, damals kaum ein Hafen, eher nur eine Mole, ein Sturm festhielt. Wir waren gerade eben noch untergekrochen, hingen halb an der Mole, halb an den Nachbarliegern, nichts Halbes und nicht Ganzes. Bis mir der Hafenmeister von Ile Rousse den Knoten vormachte, raps zaps. Und wir lagen in guter Seemannschaft und sicher.
Seitdem verwende ich ihn gerne. Im Hafen. Am häufigsten draußen. Er ist einer der Lieblinge hier auf Levje.
Aber was für ein Knoten ist das?

Noch ein Knotenrätsel gefällig? 
Diesmal eins aus Venedig: hier klicken.

27. Nautila Gebrauchtbootausstellung in der Aprilia Marittima

An den Wochenenden vom 18. und 19. Oktober sowie vom 24. bis 26. Oktober lockt die NAUTILIA-Gebrauchtbootmesse zum 27. mal zahlreiche Skipper in die Aprilia Marittima nach Latisana.

Die Nautila Gebrauchtbootmesse lockt jedes Jahr rund 1000 Besucher nach Latisana

Die Nautila Gebrauchtbootmesse lockt jedes Jahr rund 1000 Besucher nach Latisana

Die Gebrauchtbootsausstellung „Nautilia“, organisiert vom „Ente Fiera Cantieri di Aprilia“, ist ein wichtiger Treffpunkt für alle Bootsbegeisterte. Die Ausstellung findet stets im Oktober, kurz nach der Bootsausstellung in Genua, auf dem über 50.000 qm großen Werftgelände der Aprilia Marittima, statt.

Die „Nautilia“ ist nicht nur für den nord- und mittelitalienischen, sondern auch für den mitteleuropäischen Markt von großer Bedeutung. Die Internationalität der Besucher und Händler und die Tatsache, dass dies die einzige Bootsaustellung ist, bei der die Boote an Land stehen, macht die „Nautilia“ zu einer in ganz Italien einzigartigen Messe.

Dadurch, dass die Boote an Land stehen, bekommen die Besucher die Gelegenheit den Bootsrumpf, das Ruderblatt, die Gelenkwellen und die Propeller zu begutachten, ohne zusätzliche Kranbewegungen durchführen lassen zu müssen.

Zum 27. mal lockt im Oktober 2014 die Nautila in die Aprilia Marittima

Zum 27. mal lockt im Oktober 2014 die Nautila in die Aprilia Marittima

Die ausgestellten Boote sind meistens zwischen 7 und 20 Meter lang, von denen ca. 20% Segelboote, 75% Motorboote und die restlichen 5% Motorsegler sind. Es handelt sich um eine echte „Gebrauchtboots-Vitrine“, die jedes Jahr rund Tausend nationale und internationale Besucher anzieht.

Für Gebrauchtbootkäufer hat die ADAC Sportschifffahrt eine entsprechende Webseite mit entsprechenden Informationen zusammengestellt, u.a. steht hier auch ein Muster-Kaufvertrag bereit.

Weitere Informationen zur Messe erhalten Interessierte unter www.nautila.com.

YACHT frei Haus

20141016

Pascal auf der MARLIN

Knock, Knock, macht es auf der MARLIN. Nach einem kurzen Hallo, Geschenke für die Kinder und uns, will Pascal, Textchef von der YACHT Redaktion erst einmal lieber durch die Flensburger Förde paddeln, als mit uns zu sprechen. Wir schmeißen unser Ersatzdinghy ins Wasser und denn mal los Pascal. Der paddelt los und macht bei wenig Sonne erst mal Reality Fotos von uns und der MARLIN. Es folgt ein vier Stunden langes Verhör, aehm, Interview. Pascal will alles wissen. „Wann habt ihr euch am schönsten gestritten? Wo waren die niedrigsten Wellen und was war die hässlichste Insel in den letzten 14 Jahren?“ Spaß. Ganz ehrlich, Pascal, es war ein total professionelles Interview. Mitte November kommt ein mehrseitiger Artikel über uns, die alte LADY, die neue MARLIN und vieles was bisher keiner weiß. Wir sind gespannt auf den Artikel.

Aber erst mal musste Pascal am Hochsicherheitstrakt vorm Steg, vor verschlossener Tür warten, weil ich Ihn mit Mütze und Schal nicht direkt erkannt habe. Ein Stegnachbar hat ihn dann reingelassen. Ich hatte für 110 kg Alu auf dem Steg mehr Interesse. Unser neues Dinghy ein NAIAD 3.6 aus Neuseeland ist nach monatelanger Arbeit und Organisation aus Neuseeland angekommen. Photos gibt es morgen. Jetzt ist es schon zu dunkel. Ist auch noch nicht zusammengebaut und außerdem regnet es weiter. Flensburg. Der Winter kommt.

Das tut gerade sehr weh…

Fronkreisch, Fronkreisch

DSC_6044

Da sind wir also mal wieder in einem Land, das wir gar nicht auf der Liste hatten: Vorgestern Abend haben wir Camaret-sur-Mer erreicht. Noch immer ist die Wetterlage für eine Biskayaüberquerung bescheiden, wir haben deshalb schon mal Liegegeld für eine Woche im Voraus bezahlt. Genug Zeit, mein sehr eingerostetes Schulfranzösisch auffrischen zu können. Immerhin hat es gereicht, um die nette Dame im Marinabüro auf französisch zu fragen, ob sie englisch spricht. Tat sie. Klappt doch!

Wir hatten ab England viel Regen, aber super Wind. “Maverick” ist mit zweifach gerefftem Groß und voller Genua im Durchschnitt 7 kn gerannt! Ab Mitternacht ist der Wind dann leider eingeschlafen und wir mussten den Rest mal wieder motoren.

Das sagt zumindest Johannes, denn von der Überfahrt habe ich leider herzlich wenig mitbekommen. Direkt nach dem Ablegen musste ich unter Deck in die Koje verschwinden. Die Seekrankheit hat mich mehr denn je dahingerafft. Ich hatte gehofft, dass es schon so langsam besser wird. Seit ich in der allerersten Nachtfahrt von Cuxhaven nach Ijmuiden einmal über der Reling hing, hatte sich die Seekrankheit zumindest nur auf Unwohlsein, Müdigkeit und Paralyse beschränkt. Dieses Mal konnte der Eimer nicht nah genug sein. Das macht mich traurig und wütend zugleich! Ich komme mir vor wie ein Kind, unfähig allein irgendwas zu tun. Ich kann die schönen Momente auf See nicht genießen, weil ich sie schlicht nicht mitbekomme, und ich bin Johannes keine Hilfe – im Gegenteil! Dieses Mal war er hart damit beschäftigt mir gut zuzureden und mir mit allem zu helfen. Um Mitternacht hat er mir gut zu einer Banane zugeredet. Um drei Uhr, als der Wind schon sehr leicht war, fühlte ich mich so weit ok, dass ich unbedingt Wache gehen wollte, damit Johannes endlich auch mal eine Mütze Schlaf bekommt. Keine Stunde später wurde er unschön von mir geweckt – da war die Banane wieder.

DSC_6031

Ich frage mich, wie Paare es schaffen mit Kindern unterwegs zu sein, sich selbst und auch noch die Kinder zu versorgen! Auch wenn ich mich in den Momenten wirklich hundselend fühle, nagt an mir noch schlimmer das schlechte Gewissen und die Angst für Johannes eine Belastung zu werden. Vielleicht bin ich zu ungeduldig mit mir. Eins ist aber sicher: ich lasse mir die Freude am Unterwegs sein durch diese bescheuerte Seekrankheit nicht vermiesen! Non!

Wie wunderschön der “Notnagel” Frankreich ist, zeigen wieder die Bilder.

Cati

Der Mensch und seine Sachen: Die Gorgo von Paros. Oder: Von Angst und Schrecken in Dunkelheit und Finsternis.

Ein Ort, den wir nicht verstehen und voll lauernder Gefahren, ist die Welt für uns nicht erst seit Putin, dem „Islamischen Staat“ oder dem letzten Börsencrash. Furcht, Angst und Schrecken: sie gehören zu unserem Dasein, seit wir Menschen sind. Vieles an unserem Dasein hat sich verändert in den letzten 500.000 Jahren: dass wir Furcht empfinden, nicht. Nur wovor; und wie wir Menschen mit dieser Furcht umgehen, unterliegt einem ständigen Wandel. In seinem Buch „Traumpfade“ denkt Bruce Chatwin darüber nach, ob es die Begegnung des Menschen mit dem Säbelzahntiger war, die die Angst ins menschliche Dasein brachte. Richtig daran ist: dass es den überwiegenden Teil der Menschheitsgeschichte Naturgefahren, Naturgewalten waren. Es war nützlich, Angst zu haben, bevor wir uns unachtsam einen giftigen Pilz in den Mund schieben. Oder eine Kreuzotter in die Hand nehmen. Oder bei Windstärke neun aufs Meer gehen.
Betrachtet man die Entwicklung des menschlichen Lebens auf einer Uhr, die 24 Stunden hat: dann sind es vermutlich nur die letzten fünf Minuten auf dieser Uhr, in denen unsere Angst nichts mehr mit der uns umgebenden Natur zu tun hat. Unser Leben ist geprägt vom Schutz, den wir in großen Gemeinschaften, „Staat“, „Stadt“ oder „Firma“ genannt, geniessen. Zu gruseln gibts da überschaubar wenig. Erst wenn ein Unwetter tobt oder eine Kündigungswelle anrollt: bricht Angst in unser Leben. Ansonsten schauen wir, wollen wir uns gruseln, Horrorfilme. Lesen in der Abendzeitung oder in Büchern Mordgeschichten. Fahren Geisterbahn. Springen mit Gummibändern an den Füssen in Abgründe. Oder kucken – in milderer Dosierung – „Tatort“. Keine echten Gefahren, denn diese Schrecknisse bleiben ja im Fernseher, auf dem Papier. Und kommen nicht an uns heran. Aber irgendwo muss sie ja nun mal hin, unsere Angst. Denn sie ist in uns eingebaut.
Mit Schrecknissen anders gingen die Mittelmeervölker der Antike um. Meine Reise führte mich nach Paroiki, den Hauptort der Insel Paros. Im dortigen archäologischen Museum traf ich auf diese Figur einer Gorgo, die mir seither im Kopf umgeht. Gorgonen: Schreckgestalten, deren Blick denjenigen zu Stein erstarren lässt, der nicht gewappnet ist. Drei von Ihnen kennt die griechische Mythologie: Stheno, die Mächtige. Euryale, die Weitspringende. Und natürlich Medusa. Sie hat es kraft ihres greulichen Antlitzes tatsächlich bis in die Gegenwartskunst und auch in manche Gegenwartssprache geschafft: „Una medusa, una medusa“, rufen italienische Kinder erschreckt am Strand, wenn sie tote Quallen entdecken. 
Unsere Medusa aus Paros aber ist ein echtes Kunstwerk, eins für den zweiten Blick. Der Körper zart, der eines Mädchens. Anmutig kniend, wie eine Dienende. Die Flügel setzen wir in unserer Bildsprache natürlich mit einem Engel gleich. (Die wurden aber erst etwa 1.300 Jahre später erfunden. Und dann mit den Flügeln aus der griechischen Tradition ausgerüstet.) Die Gesten anmutig. Bis hierher stimmt alles. 

Doch dann tritt Verstörendes ins Bild: Der Gürtel ist eine Schlange, den Schlangenkopf hält die Gorgo fest in ihrer Linken. Vollends verstörend der Kopf: Viel zu groß. Verzerrt zu einer Grimasse. Zu einem Sinnbild der Scheußlichkeit. Nichts, was wir sehen wollen. Nichts, was wir um uns haben wollen. Ein Schrecknis. 
Die Figur stammt aus dem 6. Jahrhundert vor Christus. Homer war gerade ein paar Jahre tot, die Perser noch weit weg von Griechenland, Rom eben aus dem Ei geschlüpft, noch nicht mal ein Kaff, das Heiligtum von Olympia in vollem Betrieb. und auf der anderen Seite der Adria ritzte das rätselhafte Volk der Daunier seine wunderbaren Vogelmenschen in Stein. 
Man fand die Figur ein paar Meter von dort entfernt, wo sie heute noch steht: in Steinschutt und Geröll neben dem archäologischen Museum von Paros. Aufgestellt haben sie die Alten, vor ihrer Stadt: nicht um sich zu gruseln. Sondern um Schrecknisse von ihrer Gemeinschaft abzuwenden: Den bösen Blick. Krankheit. Siechtum. Krieg. Untergang. Der Schrecken, um die Schrecken ihrerseits zu bannen. Bedrohungen, deren Herkunft sie nicht verstanden. Wir kennen das: von den „Augen“-Amuletten auf Fischerbooten oder Häusern, von Malta über Sizilien bis in die Türkei. Die Mittelmeer-Völker haben sich, Islam hin, Christentum her, die Amulette aus der Antike erhalten. 
Und wir? „Angst macht erfinderisch.“ „Karrieren werden aus Angst gemacht.“ Aber mein Satz lautet: Angst haben wir alle. Es ist menschlich. Aber niemals sollte man seinen Ängsten folgen. Weder wenn es darum geht, eine schwierige Entscheidung im Leben zu treffen. Noch im Gewitter auf dem Meer. Es ist keine leichte Übung, Tag für Tag. Aber sie lohnt sich.