Monatsarchive: September 2014

EINLADUNG: Ankunft in KAPPELN – 05.10.14

Moin Moin! Es lässt sich nicht mehr leugnen, die Ankunft steht vor der Tür. Am nächsten Sonntag, am Ende des langen Wochenendes, werde ich in Kappeln eintreffen und das Projekt “Rund Ostsee” beenden. Wer mich auf den letzten Metern begleiten möchte, oder auch nur am Steg auf ein gemeinsames Festmacher vorbeikommen will, darf sich gerne eingeladen fühlen!

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Ich werde ( Stand jetzt) mit der 14:45 Brückenöffnung durch die Kappelner Brücke gehen und gleich dahinter im Hafen meines Vereins, ASC, festmachen. Durch Schleimünde werde ich dementsprechend wohl eine Stunde vorher kommen.

Also, falls ihr in der Nähe seid kommt gerne vorbei und begleitet mich auf den letzten Metern. :-)

7 Tipps für das Segeln in der Türkei: Erforderliche Papiere,Vorschriften, Internet, Wetterdienste.

Die Bucht Ciftlik, wenige Seemeilen südwestlich von Marmaris. Sauberes Wasser, gut gewartete Restaurantstege, an denen man kostenlos liegen kann. Aber alles hat seinen Preis: Die Küstenwache kontrolliert auch dort penibel, ob man seinen Fäkalientank immer ordentlich im Hafen entleert. Und der Restaurantbesitzer erwartet für den kostenlosen Liegeplatz, dass wir unser Abendessen bei ihm und nicht am Nachbarsteg einnehmen.
In der türkischen Ägäis segelnd, folgende 7 Tipps (Stand Oktober 2014):
Da ich diesen Post aktuell halten will, bin ich auf Feedback, Fragen, Kritik, Anregungen angewiesen.  Und bitte Sie in jedem Fall um eine Mail. Auch wenn Sie mir nur sagen wollen: „War alles richtig und brauchbar.“

Unterwegs mit dem eigenen Boot: Einklarieren und erforderliche Permits (Stand September 2014)
Fürs Einklarieren in der Türkei können Sie die in jedem Hafen und jeder Marina ansässigen Agenten beauftragen – einfach beim Hafenmeister oder in der Marina nachfragen. Da deren Preise aber schwanken – ich habe von 20 € bis 100 € für die Erstregistrierung alles erlebt – lohnt sich das nachfragen. Als Charterer erledigt das Transitlog sowieso Ihr örtliches Charterbüro – gegen die oben genannten Gebühren.
Da ich es aber genau wissen wollte: habe ich versucht, ohne Agenten einzuklarieren – was fast klappte. Ganz – so meine Erfahrung – kommt man allerdings ohne einen Agenten nicht aus.

    Das kleine Hafenstädtchen Bozburun auf der Halbinsel Datca lockt mit guten Restaurants und perfektem Lebensmittel-  
     Angebot. Ein Ort zum „Auffüllen“. Richtig nett wirds allerdings ein bis zwei Seemeilen südlich des Hafens: Schwimmen 
      im kristallklaren Wasser – und herrliches Ankern zwischen den Inseln.

1. Das ist wichtig an Dokumenten, Gebühren und Vorschriften: 
1.1 Das Transitlog
Das Tranistlog ist das wichtigste Dokument für Ihren Törn in der Türkei. Es ist ein einfacher, aus mehreren Seiten bestehender Durchschreibsatz, den Sie in der örtlichen Marina erwerben und nacheinander von fünf verschiedenen Stellen/Personen bearbeiten und abstempeln lassen:
1. Ein Agent macht für Sie den Grundeintrag ins türkische Register: sechs, sieben Zeilen mit Bootsnamen, Nationalität. Dies können Sie nicht selber übernehmen, den Systemzugang hat nur der Agent. Gelegentlich macht es wohl ein gutwilliger Hafenmeister oder auch eine örtliche Seefahrtsbehörde.
2. Amtsarzt.
3. Zoll.
4. Passkontrolle.
5. Port Authority.
Das Transitlog wird sowohl in Marinas als auch bei Kontrollen durch die Küstenwache (Sahil Güvenlik) verlangt und eingesehen.

1.1 Die Wahl des Einklarierungshafens
Diese hat ganz erheblichen Einfluß auf die Zeit, die Sie für das Erstellen des Transitlogs einrechnen müssen. Immerhin sind fünf Stationen nacheinander abzuarbeiten: Agent, Amtsarzt, Zoll, Passkontrolle, Port Authority. 
In der Marina Turgutreis sitzen alle fünf Personen praktisch in EINEM Gebäude, dem Fähranleger im Süden der Marina. Mein Zeitaufwand: 2,5 Stunden.
In der Marina Bodrum sitzen die vier Behörden bis zu 40 Minuten Gehweg auseinander: Zeitaufwand eines befreundeten Seglers für dieselbe Prozedur: über 6,5 Stunden
Datca: keine Erfahrungen. Da der Ort nicht groß ist, gehe ich eher von kurzen Distanzen aus. Zudem liefen Gerüchte um, dass Datca als Einklarierungshafen geschlossen worden sei? Also vorher anrufen.
Marmaris: Zumindest die Port Authority sitzt am „anderen Ende“ der Stadt wie die Marina. Also: Zeitaufwand für Gehwege mit einplanen. Und da Marmaris ein großer Charterhafen ist: auch Wartezeiten bei jeder der einzelnen Behörden. Der Agent vor mir in der Marmaris Port Authority hatte die Transitlogs für 100 (!) Yachten dabei. Der Hafenmeister meinte, wir sollten in zwei Stunden wiederkommen… Aber der Agent war wohlwollend. Und ließ uns vor.

1.2 Kosten
Das blanke Transitlog, der Durchschreibsatz, kostete in der Marina Turgutreis 51 €.
Hinzu kam – als Minimalgebühr für das Erfassen meiner „sieben Zeilen“ im türkischen Register – 20 € an den Agenten.

ADAC Bootsschein und Bootsführerschein sowie blauen Versicherungsschein nicht vergessen.

    Der Steg des Restaurants RAFET BABA, diesmal von der anderen Seite. Mattelagen, Sonnenschirme, Stranddusche: wie   
     so oft ist die Türkei perfekt bis ins Detail.   

1.3 Fäkalientank
In der Türkei herrscht Tankpflicht. Das Einleiten von Fäkalien in Buchten wird nicht als Kavaliersdelikt angesehen. Ich kenne den Eigner einer 17-Meter-Yacht, der in Istanbul in einer Marina wegen angeblichen Einleitens von Fäkalien mit einer Forderung von 10.000 € konfrontiert wurde – und nur mit Mühe die Forderung abwenden konnte. „Nie wieder Türkei“, sein Fazit.
Das Positive:  man merkt es eindeutig an der Wasserqualität, die schon beeindruckend ist. Auch in engen Buchten mit fast stehendem Gewässer glasklares Wasser. Da hat sich seit meinem ersten Türkei-Törn 1998 sehr viel getan. Allerdings waren das Problem damals auch weniger die Yachties, sondern vielmehr die türkischen Gülets mit Hunderten ferienfroher Tagesausflügler aus den Hotels von Antalya, nach denen an ein Schwimmen in der Bucht einfach nicht mehr zu denken war.
Zwar gibt es viele ausländische Bootsbesitzer, die nach wie vor ohne Fäkalientank in der Türkei unterwegs sind. Aber wer einen längeren Aufenthalt in türkischen Gewässern einplant, sollte sich einen Tank einbauen lassen – vor allem im Marmaris traf ich auf fixe Bootstechniker mit hervorragendem Know-How zu dem Thema, inklusive individuell für mein Schiff hergestelltem Schwarzwasser-Tank.

    Die Bucht von Bozukale auf der Loryma-Halbinsel, südwestlich von Marmaris.   

1.4 Die „blaue“ Magnetkarte
Ein ernstes Thema: Und dummerweise weist den ankommenden Segler weder bei der Einreise noch beim Einklarieren eine Marina, ein Agent oder Hafenmeister auf Folgendes hin:
Vor einigen Jahren führte die Türkei eine blaue Magnetkarte ein, mit der jeder Eigner nachweisen muss, dass er seine Fakälientanks ordentlich im Hafen hat abpumpen lassen. Bisher galt „Entweder drei Meilen vor der Küste“ oder „im Hafen abpumpen“. Da wird’s nun ganz ernst, denn die Türkei hat die Regelungen zur blauen Karte in diesem Jahr verschärft:
– jeder Bootseigner MUSS eine blaue Karte haben (Ob man einen Tank eingebaut hat, wird nicht kontrolliert. Ob man eine blaue Karte hat: schon.)
– jeder Bootseigner muss auf dem Magnetchip mehrfaches Abpumpen nachweisen (wohlgemerkt: ob man einen Tank eingebaut hat, wird nicht kontrolliert. Lediglich der Nachweis des Abpumpens wird kontrolliert …)
– hat man keine blaue Magnetkarte: drohen wiederum saftige Geldstrafen.
Die Behörden meinen es ziemlich ernst, das haben wir auch vergangene Woche bei der Kontrolle aller Boote in der Bucht Ciftlik durch die SAHIL GÜVENLIK, die Küstenwache, am eigenen Leib gemerkt. Noch vor den Pässen oder dem Tranistlog wird per Smartphone die Eintragung auf der „blauen Karte“ kontrolliert. 
Da zeigt die streng geführte Türkei ihre bürokratischen Zähne. Und in Verbindung mit saftigen Marina-Preisen und manch „cleverem“ Restaurant-Stegbetreiber kommt man dann schon auch an ein „Nie wieder Türkei“ heran.

Die blaue Karte kostet 25 €. Und man kann sie in jedem Hafen und jeder Marina erwerben. Nur dass man sie braucht: DAS sagt einem keiner. Also auch wenn beim Erwerb des Transitlogs niemand davon spricht: gleich mitorganisieren. Die Behörden wollen die blaue Karte sehen.


3. Internet in der Türkei (Stand September 2014):
Schon in Griechenland waren meine Erfahrungen mit COSMOTE sehr gut. In der Türkei habe ich mir von TURKCELL im örtlichen Shop in Turgutreis eine Karte geholt: 10 GB für 3 Monate Laufzeit für 99 TL, also etwa 37 €. Die TURKCELL ist nach VODAFONE in der Türkei der größte Netzbetreiber – entsprechend gut funktionierte das System auch in abgelegenen Gegenden. Arbeiten vom fahrenden Überland-Bus aus kein Problem.
Die Karte erhält man in allen örtlichen Telefonläden. Sie ist innerhalb einer Viertelstunde nach Erwerb freigeschaltet. Pfiffig.

4. Internet-Wetterdienste
Auch in der Türkei arbeite ich mit den Wetterdiensten, die ich in mehreren Wetterartikeln in diesem Blog vorgestellt habe: Im Wesentlichen – da wir vor der Haustüre von Rhodos segeln – sind es griechische: die Windkarten von Poseidon, HNMS für die „Warnings“ sowie Windguru und Meteo Marine.
Gleich vorweg: Solche „dauerhaft stabilen“ Abweichungen bei allen Vorhersagen zwischen Vorhersage und Wirklichkeit habe ich nun über Jahre hinweg in keinem anderen Revier erlebt. Das hat vor allem mit den gebirgigen türkischen Küsten zu tun, die täglich beschliessen, etwas ganz anderes an Wind zu produzieren als sie eigentlich eben noch wollten. Die Hauptrichtung steht von Juni bis Anfang September zwar fest: Meist Nordwest, gelegentlich mehr West oder ein bisschen mehr Nord. In den Windstärke-Angaben liegen die Vorhersagen aber herzhaft daneben.
Beispiel vergangene Woche: Vorhersage Poseidon und Windguru „Nordwest 4 bft“. De facto war das nicht sooooo verkehrt, es waren 4-5 bft., eher 5 bft. ablandig. Bis auf die 26-33 Knoten-Böen, die Levje fünf-, sechs-, siebenmal flach aufs Wasser legten…
Meine Faustregel: Schläft der Meltemi abends pünktlich um 10 Uhr ein, ist für den nächsten Tag wenig zu fürchten. Hält er in der Nacht stark und böig durch: dann kann es am nächsten Tag – ab 15 Uhr, wenn der Meltemi kräftig wird – auch mal mit 35 Knoten und darüber wehen.


5. Revierführer
Obwohl von manchen kritischen Lesern in den Wertungen als „veraltet“, „überholt“ bezeichnet, weil 1994 erstmals erschienen, fand ich das Buch von Andrea Horn/Wyn Hoop: TÜRKISCHE KÜSTE/OSTGRIECHISCHE INSELN immer noch ausgesprochen brauchbar und aktuell. Ich arbeite mit der 5. Auflage und finde die Angaben bislang sehr verlässlich.

    Auf dem Weg nach Bozburun.






Seebär

Leaving Kopenhagen. Mit einem echten Seebären an meiner Seite.

13. JadeWeserPort-CUP: Leinen los zur ältesten Traditionssegler-Regatta Deutschlands

LogoWilhelmshaven – Wilhelmshaven setzt die Segel. Zum dreizehnten Mal startet am ersten Oktoberwochenende die älteste Traditionssegler-Regatta Deutschlands – der JadeWeserPort-CUP. Vom 03. bis 05. Oktober 2014 können interessierte Besucher die spannende Regatta der Traditionssegler auf der Jade selbst miterleben. Neben dem garantiert unvergesslichen Wettstreit am Samstag auf der Jade sorgt auch das Rahmenprogramm mit Straßenkünstlern, Hafenrundfahrten und Bühnenprogramm von Freitag bis Sonntag für abwechslungsreiche Unterhaltung. Somit steht eines bereits fest: es wird bunt und richtig maritim – an allen Tagen!

Eröffnet wird das Veranstaltungswochenende am Freitag, dem Tag der deutschen Einheit, mit dem Kajenmarkt. In maritimer Atmosphäre können Besucher die Schlemmermeile am Bontekai entlang schlendern. Die Crews und Kapitäne der Traditionssegler öffnen ihre Luken und laden zu kostenfreien Schiffsbesichtigungen ein. Das überwältigende Höhenfeuerwerk, das den Himmel über dem Großen Hafen hell erleuchten wird, ist der krönende Abschluss des Freitages.

Am Samstag um 08.30 Uhr heißt es „Leinen los“ zur Fahrt um den begehrten JadeWeserPort-CUP 2014. Die Regatta hat sich zu einer festen und überaus beliebten Veranstaltung mit überregionaler Strahlkraft entwickelt und wird erstmalig durch die Wilhelmshaven Touristik & Freizeit GmbH veranstaltet.

Während die Traditionssegler auf der Jade um den Regattasieg kämpfen, startet im Großen Hafen die Jugend zur Wettfahrt beim JadeWeserPort-Junior-CUP. Am Nachmittag findet zudem das 3. Hafenschwimmen statt. Zurückzulegen ist eine Strecke von der Deichbrücke bei der DLRG bis zum Feuerschiff und wieder zurück.

Das Highlight der Veranstaltung bildet am späten Nachmittag die Einlaufparade der Segler durch die Kaiser-Wilhelm-Brücke. Dann kehren die zahlreichen Traditionssegler von der Regatta auf der Jade zurück. Das Spektakel bietet fantastische Fotomotive. Die Sieger werden anschließend auf der Bühne am Bontekai geehrt. Am Abend kann bei der großen Seglerparty mit Live-Musik im Pumpwerk ausgiebig gefeiert werden.

Am Sonntag laden die Traditionssegler dann noch einmal zum kostenfreien „Open-Ship“ ein. Hier können Besucher die Schiffe genauer erkunden, einen Blick in den Steuerstand werfen und die überwältigende Kulisse der Segler am Bontekai genießen. Unter dem Motto „Piratencity“ findet zudem wieder ein verkaufsoffener Sonntag statt, der die Wilhelmshavener Innenstadt in ein Piratennest verwandeln und großen wie kleinen Kunden einen abenteuerlichen Piratensonntag bescheren wird.

Tickets für das Segelerlebnis am Samstag sind unter www.jadeweserport-cup.de sowie bei der Tourist-Information Wilhelmshaven in der NordseePassage unter 04421 / 91 3000 erhältlich.

Informationen zu den Marinas und Anlegestellen am Veranstaltungsort unter www.marinafuehrer.adac.de

Ich bin ein Alien; auf jeden Fall nicht mehr der Alte

Ende September habe ich nun Kopenhagen erreicht. Aus irgendeinem Grund war das für mich immer ein sehr wichtiges Ziel auf der Reise; ich denke es liegt daran das ich dort schon mehrmals “an Land” war und immer davon geträumt habe, dort auf eigenem Kiel einzulaufen. Um den Rest des Rückweges nun nicht mit einer “Nun aber schnell nach Hause” Einstellung weiterzuhetzen, habe ich mir jetzt bewusst eine kurze Pause  verdordnet und fahre für 3 Tage nach Hamburg, in der Hoffnung dann, das von Walter Kretschmer vorausgesagte Superwetter in der ersten Oktoberwoche, mitnehmen zu können und in aller Ruhe und mit Urlaubsgefühlen meine Reisemonate ausklingen zu lassen. Ausserdem gilt es meinen Freund Dara auf seiner Hochzeitsfeier zu überraschen und mit meiner Frau unser 15 jähriges Kennenlernjubiläum zu feiern.

Nach nur vier Stunden Bahnfahrt später bin ich wieder in Hamburg und fühle mich wie ein Ausserirdischer. Da hat sich in mir doch einiges verändert in den letzten 3 Monaten, die ich ja komplett auf dem Schiff verbracht habe.

Zunächst einmal spricht hier natürlich jeder Deutsch; so natürlich ist das aber nicht mehr für mich. Nach fast schon automatischen Gruß “HejHej” guckt hier schon einmal jeder etwas merkwürdig und ich bin es schlicht nicht mehr gewohnt in Gastronomie oder Geschäften deutsch zu sprechen und stammel mir einen zurecht…schon verrückt. 

Dann sind hier Alle in unglaublicher Eile, die ich auch nicht mehr so kenne. Vom Hauptbahnhof bis nach Hause musste ich zwei U-Bahnen und einen Bus nehmen. Dazwischen habe ich immer erst einmal eine Pause von 30 Minuten machen müssen um einfach irgendwo ins Leere zu starren. Prompt bin ich auch noch ein paar Stationen träumend zu weit gefahren; schon merkwürdig! 

Und zu Hause erwartet mich die große Wandkarte mit meiner Planung und ausgeschnittenen Fotos aus Berichten über Schweden…das hat sich ja nun erledigt und ich habe über 1.500 eigene Bilder im Gepäck. In diesem Moment merke ich sehr stark, wie sehr die Reise mich verändert hat und habe mir einmal ein paar Punkte notiert, an denen ich das gut festmachen kann.

– Am Waschbecken trete ich mit dem Fuss ins Leere statt denn Wasserhahn zu öffen. An Bord habe ich ja Fusspumpen dafür.

– Ich brauche wesentlich weniger Schlaf und freue mich morgens auf das Aufstehen. Endlich kenne ich dieses Gefühl wieder!!

– Meine Ernährung hat sich extrem verändert. FastFood wie McDonalds ist unvorstellbar. Nicht aus Vernunft sondern aus Körpergefühl. An Bord esse ich ja eher zielgerichtet nach vorhandenen Vorräten und Lust am Kochen. Daraus resultiert dann ein kleines Frühstück und eine warme Mahlzeit am Tag. Und viel Obst und Gemüse; das an Bord immer vorhanden, schnell zubereitet und vom Verderben bedroht ist. An Land sind meine Favoriten asiatisch oder indisch. Burger und vor allem Kohlenhydrate mag ich überhaupt nicht mehr. Salat mit Lachs oder typische Asia Gerichte schmecken und bekommen mir am Besten. Ich lebe also deutlich gesünder. Nicht aus Vernunft, sondern aus Geschmack. Auch esse ich nur noch ca. 20% der Menge Fleisch als vor der Reise. Keinen Aufschnitt und Berge von Tomaten.

– Wie schon einmal erwähnt gehe ich viel offener auf Menschen zu und komme schnell in Gespräche. Diese sind dann meist sehr bewusst, aufmerksam und mit viel mehr Augenkontakt.

– Überhaupt beobachte ich sehr viel genauer und bewusster. Das gilt für Umgebung und Wetter genauso wie für andere Menschen und deren Verhaltensweisen. Stundenlang kann ich dem Gewusel zusehen und dabei “Verhaltensforschung” betreiben.

– Auch dieses bewusste Abschalten, das Öffnen des Blickwinkels und des genussvollen Zeitverstreichenlassen ist mir neu. Das kommt sicher von den vielen Stunden der Segelei, die ja im Verhältnis zu den Entfernungen immer sehr langsam vor sich geht. Da muss man schon lernen 5-6 Stunden einfach nur Dazusein! Häufig das Ziel 3 Stunden vor Ankunft schon vor den Augen.

– Daraus resultiert dann auch ein anderes Tempo. Ich bin am Bahnhof sicher der Langsamste und stehe wohl auch anderen im Weg…aber wozu die Eile, wo es doch so viel zu sehen gibt.

– Und last but not least das Versinken in den eigenen Gedanken. Ich kann mich sehr lange damit beschäftigen über Dinge nachzudenken. Beispiel: Sinn des Lebens, Anzahl der vorhandenen Universen, Karma, was koche ich nachher, Altern, Glück und Ziele, warum habe ich vor 20 Jahren so gehandelt, wie ich es damals getan habe…..all son Zeugs.  

Ein für mich wichtiges Ergebnis daraus ist es, sich nicht so sehr ans Leben zu krallen. Mit jetzt über 50 muss man sich ja damit auch mal auseinandersetzen. Das bedeutet jetzt nicht Suizidgedanken oder Todessehnsucht, im Gegenteil. Aber ich will jederzeit bereit dafür sein den Auftritt hier zu beenden, ohne zu sagen: Ich wollte aber noch Dieses oder Jenes machen, aber habe dafür ja keine Zeit. Nach der Rente fange ich an zu Leben. Richtig glücklich bin ich nichts, aber so ist das eben etcetcetc.
Ich werde niemals alle meine Wünsche erfüllen können, aber ich gebe nicht auf. Ich habe die Liebe meines Lebens gefunden. Bin gesund und glücklich. Bin unterwegs und immer auf der Suche. Bin auf dem Wasser. Wenn der Mann mit der Sense anklopft kann ich ihm also lächelnd entgegentreten. Das ist ein sehr friedliches und beruhigendes Gefühl. Zumal mich die Größe und Weite des Himmels, des Meeres und des Universums, von denen es ja nach neuen Erkenntnissen mehrere geben soll, im Verhältnis zu meiner kleinen Existenz, davon überzeugt, das wir weit davon entfernt sind unser Leben und unseren Tod auch nur ansatzweise zu verstehen. Irgendwie geht es also immer weiter….
So bevor es nun zu philosophisch wird, mache ich mich wieder auf den Weg nach Kopenhagen und auf das weite Meer.

Der Vorhang für den Sommer fällt – Anholt

Ich wollte auf der Rückfahrt unbedingt noch auf Anholt vorbeischauen. Die Insel hat mich bei meinem ersten Besuch dort nachhaltig fasziniert. Der Haken dabei: Ich müsste von Albaek wohl durchfahren, denn am nächsten Tag soll ein erster Herbststurm aufziehen. Bis dahin soll der Ostwind aber noch wehen…

Kurzes Nachdenken und dann los! Der erste Teil der Reise verläuft unspektakulär. Die Sonne scheint, der Wind weht leicht aus Ost und so geht es entlang der jütländischen Küste vorbei an Frederikshavn und Laesø. Es ist ein ruhiger Sommertag wie es schon so viele gab. Der Gennacker steht, ich muss kaum was tun außer mal nach dem Kurs oder anderen Schiffen zu tun. Ich habe Zeit über Vieles nachzudenken, ein wenig zu lesen oder ein 1A Mittagessen (Maggi ;-) )zu genießen. Schon den ganzen Tag ist die Sicht aber eher moderat. Vielleicht gerade mal 10km. Und wer meinen Geschichten schon eine Weile folgt, kann sich bestimmt denken was jetzt kommt.

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Ich bin gerade irgendwo im Nirgendwo zwischen der Insel Laesø und Anholt und nach dem letzten Rundumblick vor 5 Minuten eher in mein Buch vertieft, als mir auf einmal buchstäblich ein kalter feuchter Schauer durchs Gesicht fährt. Ich blicke auf und sehe: Nichts. Mal wieder Nebel. Keine 50m Sicht und der Wind schläft innerhalb von Sekunden ein. Nach einigen Minuten wüsten Flüchen (Nebel hatte ich dieses Jahr nun schon wirklich genug) arrangier ich mich halt damit. Hier ist sowieso nichts los, das letzte Schiff habe ich schon vor Stunden gesehen. Außerdem bin ich mitten auf offener See weitab der Schifffahrtsrouten, außer Häfen der sicherste Platz im Nebel. Und nach den Nebelerfahrungen im Frühjahr gehe ich mittlerweile ziemlich locker damit um. “Einfach weiter, passt schon”. Was soll man auch schon anderes machen. Wenn ich einfach liegenbleibe und nichts tue bleiben mir im Zweifel wenn jemand auftaucht nur Sekundenbruchteile mehr um zu reagieren, als wenn ich einfach weitertucker. Das bringts dann auch nicht…
An diesem Nebel ist allerdings etwas ganz Anderes bemerkenswert. Wie ein Theatervorhang schmeißt er den Sommer von der Bühne. Noch vor wenigen Stunden schien die Sonne, es war warm, ein leichter Ostwind wehte. Als der Nebel sich mitten in der Nacht schließlich lichtete, kam der Wind aus Westen und sollte sich innerhalb von 12 Stunden auf Sturmstärke mit Regen und allen Schikanen verstärken. Der Nebel markiert das Ende des Sommers… Auch die fast 4 Wochen andauernde Ostwindphase ist damit vorbei. Schade! Denn die hat stabiles schönes Wetter garantiert. Einen anderen Wind als Ost hatte ich das letzte Mal noch auf dem Vänern…

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Zunächst aber sollte der Nebel noch bis weit in die Nacht anhalten. Selbst als der Wind langsam aus Westen aufkam, hielt er sich noch. Im Dunkeln ist Nebel besonders unangenehm. Die Positionslampen reflektieren sich in der feuchten Luft und blenden einen. “Aber was soll Nachtsicht auch schon bringen? Es gibt ja eh nichts zu sehen”, tröste ich mich. Irgendwann hat das Wetter auch ein Einsehen mit mir. Kurz vor Anholt reisst der Himmel dann auch. Der gigantische Windpark im Westen blitzt regelmäßig aus, und ich kann zu meinem Schrecken auch einige Fischerboote in einiger Entfernung ausmachen. So dicht der Nebel eben noch wahr, so klar ist jetzt der Himmel. Und weit hier draußen, mit kaum Licht um einen herum, sind die Sterne so klar wie seit der Überfahrt nach Polen nicht mehr auszumachen. Sogar die Milchstraße ist klar und deutlich erkennbar. Mit dem Fernglas erkenne ich abertausende dicht zusammengedrängte Sterne. Heute genieße ich diesen Anblick, der in den letzten Monaten schon fast normal geworden ist, ganz besonders. Vielleicht ist es meine letzte Nacht auf See.
Weit nach Mitternacht mache ich dann im Hafen von Anholt fest.

Auch Anholt, im Sommer ein absoluter Hotspot, ist bereits wie ausgestorben. Ganze 3 andere Boote sind außer mir hier. Alle liegen mal wieder längsseits. Normalerweise muss man hier wie auch in Smögen um jeden Zentimeter Steg kämpfen. Doch im Gegensatz zu Smögen, welches leer einfach nur halb so schön ist, entfaltet Anholt  seinen Charme jetzt erst so richtig. Der angekündigte Sturm bläst an diesem Morgen bereits mit guten 7 Beaufort. Eine Fahrt nach Anholt wäre heute also eher schwerlich möglich. Wer jetzt noch ankommt, wird ordentlich auf links gedreht. Am Hafen laufen einige Fischer herum, die Hände tief in die Jackentaschen gestopft. Ansonsten wirkt der Hafen wie ausgestorben. Sämtliche Fischgeschäfte und Imbisse haben ihre Läden bereits verrammelt. Heißt leider auch, dass es keine Internetcoupons für das Hafen WLAN mehr gibt. Das war aber während meines Aufenthaltes hier auch das einzige Manko. Diese Leere während des aufziehenden schlechten Wetters verleiht dem Hafen diesen Eindruck die einzige Verbindung zur Welt an einem abgelegenen Winkel selbiger zu sein. Und das ist er ja irgendwie auch. Er erinnert mich sehr an den Hafen Bensersiel in der Verfilmung von “Das Rätsel der Sandbank”. Mir gefällt diese Stimmung. Im vollbelegten Anholt des Sommer wäre das hier sicher ganz anders.

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Alle Segler haben sich in ihre Boote verkrochen. Nur hin und wieder schaut man mal raus um sicherzustellen, dass man nicht schon weggeflogen ist. Es gibt ja diesen Spruch, wie Männer die in einer Kneipe immer zur selben Zeit zur Toilette gehen, nach dem zweiten Mal dicke Kumpels sind. Und nachdem Hugo und ich immer zur selben Zeit nach dem Wetter schauen, winken wir uns kurz zu und ich bin zum Kaffee auf der “Brigo” aus Bremen eingeladen. Wieder einmal werden viele Erfahrungen des Sommers ausgetauscht.

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Es hilft aber alles nichts, ich bin ja nicht nach Anholt gekommen um nur auf dem Boot herumzusitzen. Also mache ich mich noch auf zu einer kleinen Inselrundfahrt, denn Anholt ist wirklich besonders. Diese kleine Insel ist wie eine Miniaturwelt mitten auf dem Wasser. Es gibt Berge, Täler, Strände, Heidefelder, Dünen die so riesig sind, dass sie wie eine Wüste wirken. Wer mit dem Fahrrad über die Insel fährt, hat in der einen Minute das Gefühl auf Sylt entlangzufahren, und 5 min. später durchs ostwestfälische Bergland. Das kleine Dorf, fast ohne asphaltierte Straßen hat ebenfalls seinen Reiz. Obwohl die Insel vom Tourismus lebt, ist hier nichts herausgeputzt. Außer der geschlossenen Bude am Hafen gibt es sogar nur ein einziges Gasthaus, Touristen dürfen ihre Autos nicht mit auf die Insel nehmen (lohnt sich wohl auch nicht), und kulturelle Sehenswürdigkeiten sind auch spärlich gesät. Ich habe ja zwar für das Internet eine dänische SIM-Karte, aber nicht mal alle dänischen Provider haben hier ein Netz aufgebaut. Wer hier her kommt sucht entweder die Natur oder Ruhe. Der Kro hat jetzt nach Saisonschluss nur 3 Stunden am Tag geöffnet. Ehrensache, dass in dieser Zeit am Sonntag fast das ganze Dorf vorbeischaut. Bei der Einrichtung würde jeder Blindenhund zwar nach Hilfe jaulen, aber diese urige Stimmung macht das wieder wett. Auf Anholt läuft die Zeit einfach in einem ganz anderen Rhythmus. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Ich kann mir glaube ich keinen besseren Ort vorstellen, um mal so richtig den Kopf freizubekommen. Ablenkung gibt es hier fast keine. Anholt in der Nachsaison ist eine echte Offenbarung. Es scheint, als wäre das hier eine ganz andere Insel als imJuli/August.

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Am nächsten Tag tobt dann der erste Herbststurm so richtig. Bis zu 53kn, das ist Windstärke 10 – schwerer Sturm, werden im Hafen gemessen. Heute kommt wohl niemand mehr hier an. Da spare ich mir die Wanderung durch die Dünen ans andere Ende der Insel lieber. Wobei, wäre bestimmt ein klasse Gesichtspeeling. Ein Gang durch das Innere der Insel, wo der Wind deutlich schwächer weht, muss reichen. Trotzdem stellt der ein eindrucksvolles Naturschauspiel dar. Der ganze Strand scheint halb wegzufliegen und die Gischt auf der Brandung an der Leeküste weht in die entgegengesetzte Richtung. Erst am späten Abend beruhigt sich das Wetter wieder ein wenig. Zur Abreise gibt es noch ein kleines Ärgernis. Der Automat am Hafen behält meine Wertkarte, mit der für Wasser und Strom bezahlt wird, einfach ohne Auszahlung des Restguthabens ein. Eigentlich nicht weiter wild, doch passiert mir das hier schon zum Zweiten mal. Auch andere Segler haben mir berichtet, dass das regelmäßig passiere, und der Hafenmeister dann noch gaaaanz lange brauchen würde um Geld per Hand auszuzahlen. Ein Schelm wer Böses denkt….
Tags drauf verlasse ich Anholt dann wieder. Nur ein einziger Tag mit kommodem Wetter, danach ist schon das nächste Herbsttief im anrollen. Der Herbst ist da. Das wird wohl so weitergehen…

In Brighton

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Liebe Leser,

fünf Tage haben wir in Ramsgate damit verbracht, letzte Baustellen an Bord der “Maverick” zu beseitigen. Dafür gab es dort gute Gelegenheit, denn neben uns lag die “Heimkehr”, das Schiff unserer lieben Nachbarn Bert und Marlene aus Oberndorf (www.heimkehr-hamburg.de). Nach vier Monaten in England waren sie nun auf dem Rückweg nach Hause und haben uns ihr schwimmendes Werkstattschiff für viele Tage zur Verfügung bestellt. Ich war echt baff, was für Mengen an Ersatzteilen und doppelter Ausrüstung sich an Bord des Schiffes fanden – und an Bord der “Maverick” verbaut worden. Nicht selten haben wir bis spät in den Abend gebastelt. Einen Gaskasten zum Beispiel, in dem die Gasflasche nun sicher und selbstlenzend gelagert werden kann. Herrlich, mit einem funktionierenden Backofen an Bord  ; ) Außerdem einige Leckagen an Deck beseitigt.

Seit vorgestern sind wir nun wieder unterwegs nach Westen. Der erste Trip hat uns 80 Seemeilen bis Brighton geführt.

Blöderweise hat unser elektrischer Raymarine-Autopilot (Typ SPX 5) auf dem Weg den Dienst quittiert. Ich habe ihn heute früh auseinandergenommen. Erkenntnis: Getriebeschaden. Die kleinen Plastikzahnräder hat es einfach zerlegt – und das schon nach nur 600 Seemeilen. Sehr, sehr ärgerlich, denn die ganze Woche sind nur leichte Winde angesagt. Bei Motorfahrt und beim Schwachwindsegeln müssen wir nun also von Hand steuern. Bei unseren 14-Stunden-Trips (wie gestern) ist das mühselig, denn “Maverick” läuft nicht immer gern geradeaus.

Foto

Mal sehen, ob wir irgendwo ein Ersatzgetriebe bekommen. Hier in England soll es 200 Euro kosten. Die Frage ist, wie lang das dann hält? Eigentlich wäre ein richtiger Autopilot die bessere Lösung gewesen, als unser an der Steuersäule montierter Radpilot. Aber dafür fehlte am Ende dann doch das Geld.

Johannes

The Sailing Bassman – Episode 26 – Unterwegs im Öresund

Das bisher längste Video der Sailing Bassman Reihe ist spontan entstanden. Meine Route führte von Helsingborg am Eingang des Öresundes bis Kopenhagen. Am Vorabend habe ich mich an die etwas aufwendigere Navigation und Sichtung der Karten gemacht, und dabei dann einfach die Kamera eingeschaltet. Diese lief dann ebenfalls bei meiner frühmorgendlichen Abfahrt im Dunkeln mit. Das Video zeigt daher recht anschaulich im direkten Vergleich die Übereinstimmungen und die spontanen Abweichungen von der Planung, die durch Strömung und Wind nötig werden können. Ich erreiche mit Kopenhagen eines der Highlights meiner Reise und freue mich dann auch entsprechend über die Ankunft im Christianshamn, nach langer Anfahrt durch den Kopenhagener Hafen.

Noch 158 Seemeilen…

…bis Kiel, sagt mir zumindestens die Navionics Software!

Lütt beten scheef hätt Gott lev

So sagt man hier im Norden

Schönste Marina Dänemarks

Besser kann man nicht liegen. Im Kanal, mitten in der Stadt :-)
Ein Traum wird wahr.

Schönste Marina Dänemarks

Besser kann man nicht liegen. Im Kanal, mitten in der Stadt :-)

Ein Traum wird wahr.