Monatsarchive: September 2012

Der Preis der Moral – offener Brief an den Vorstand

OFFENER BRIEF AN DEN VORSTAND des TRANS OCEAN e.V.

Der traurige Fall der SV DRIFTER verfolgt unseren Verein seit Jahren wie eine blutige Spur – viele Segler sind deshalb bereits ausgetreten, ohne dass aus Cuxhaven je ein Signal ertönte – geschweige denn eine Aufarbeitung und Wiedergutmachung aktiv angegangen worden wäre!

Welchen Sinn bitte macht ein NEUANFANG, wenn kapitale Fehler einer Vorstands Riege nicht nachhaltig aufgearbeitet und beendet werden?

MARTIN BIRKHOFF und DIRK MENNEWISCH waren vormals Kassenprüfer, ANDREAS HUELSENBERG ist seit Jahren im gleichen Amt – Sie wollen uns sicher nicht erzählen, dass Ihnen die FAKTEN nicht seit Jahren auf den Füssen liegen! Welchen Sinn bitte machte ein RUNDER TISCH, wenn die Hälfte der dort Beteiligten als Mitwisser dieser rabenschwarzen Tat, sich in Stillschweigen hüllen? Vorstand, Kassenprüfer, Webmaster, Versicherungs Vertreter, Sekretariat, Mitwisser, Unterstützer – habe ich was vergessen?

TRANSPARENZ haben Sie versprochen – ich nehme Sie heute nun beim Wort!

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Bei den Westcotts

Bei den Westcotts

Martin und Melanie laden ein. Blumenkinder

Heute Morgen stehen vier Pferde für uns bereit. Direkt nach dem Frühstück geht es los über die Farm der Westcott’s, der Familie unseres Segel-Freundes Martin. Die Farm ist 25×10km, 2.500 Hektar groß. Das ist für ein Grundstück so groß, wie wir es uns nicht wirklich vorstellen können, auch nicht mit Pferd.

Melanie sehen wir leider nicht so oft, wie wir es gerne tun würden, denn sie ist kurz vor der Geburt ihres ersten Sohns. Das die Beiden uns trotzdem als Gäste empfangen wissen wir um so mehr zu schätzen!

Wir haben ja nun seit Bolivien ordentlich Gas gegeben und die Wüste Atacama hinter uns gelassen. Hier in der Nähe von Valparaiso, auf der Höhe von Santiago ist eindeutig der Frühling ausgebrochen. So war es ja nun auch geplant. Felder voller blühender Blumen sind der Beweis. Es ist warm und schön, was wollen wir mehr.

Die verlorene Ehre des Trans Ocean e.V.

Fiji, Nabouwalu Bay, Insel Ono, Position : 18°53.2 Süd, 178°27,8 Ost, Mittwoch 26.09.2012

Arnold und Coby Lelijveld, SY Drifter zu Gast auf der SY Kira von Celle

Detlev: Wir haben über Euch in den letzten Jahren immer mal wieder etwas gehört. Stets ging es um Cobys Krankheit und Eure Not. Was ist in Panama geschehen?

Arnold: Ich möchte das Gespräch mit Dir führen, Coby ist dazu nicht in der Lage. Wir hatten gerade den Panamakanal passiert und lagen vor Anker in La Plaita. Coby joggte täglich über den Damm nach Panama City und zurück, wir waren glücklich den Pacific vor uns zu haben. Dann klagte Coby über Schmerzen in der Brust und Magengegend und die Schmerzen nahmen zu. Eines Abends war es so schlimm, dass wir in ein Krankenhaus fuhren. Coby wurde als Notfall aufgenommen.
Die Diagnose: Gallensteine. Nähere Untersuchungen ergeben, das Coby Wasser in der Lunge hatte und eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Eine Operation der Gallenblase war in diesem Zustand nicht zu verantworten. Coby ging es immer schlechter, sie wurde auf die Intensivstation verlegt. Ich blieb praktisch Tag und Nacht bei ihr.

Detlev: Gute medizinische Versorgung gibt es in Panama nur in Privatkliniken, bei wem wart ihr Krankenversichert?

Arnold: Wir sind 2003 in den TO eingetreten und waren dort in einem Gruppenvertrag ab 2004 krankenversichert. 2006 erfuhren wir von einem Wechsel des Versicherers und erhielten eine Police der “Würtembergischen”. Die Zahlungen haben wir jährlich im Voraus an den TO geleistet, so wie es auf der Internetseite gestanden hat. Wir haben sogar immer zeitgleich mit der Zahlung ein mail an die Geschäftsstelle in Cuxhaven geschickt. Ich habe sofort nach Cobys Einweisung Unterstützung von guten österreichischen Seglerfreunden erhalten, die sich auch sofort mit der Würtembergischen in Verbindung gesetzt haben.

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luscious friday

DesTopNews 2012-39

Observatorio Mamalluca

Zweiter Versuch

Nach zwei Tagen Verschnaufen in Antofagasta mit heisser Dusche und zivilisierter Küche sind wir wir wieder auf dem Weg nach Süden, nach Hause. Das Reisen per Auto, das doch soviel schneller ist, als das gemächliche Tempo der Lady, zehrt an unseren Nerven. Alle freuen sich auf zu Hause, auf die eigenen, vier, wenn auch wackelnden Wände, den festen Bordrechner, die Playmobilkiste, andere Bücher und vor allem auf die Bordroutine. Museen, Kirchen, und andere Sehenswürdigkeiten interessieren uns nur noch am Rande, wir wollen Meilen machen. Doch ein paar Ausnahmen gibt es natürlich noch.

Die erste heisst Mamalluca und ist das Observatorium, dass wir auf der Hinfahrt schweren Herzens ausfallen lassen mussten, da einer der wenigen Wolkennächte im Jahr heraufgezogen war. Vier Tage vor Vollmond sind die Bedingungen zwar aufgrund der Helligkeit, über die wir uns beim Segeln immer freuen, nicht ideal, dafür ist der Himmel wolkenfrei. Um halb neun werden wir in der kleinen Stadt Vicuña in Busse verfrachtet und zur Sternwarte gebracht. Die Sternwarte ist rein auf Tourismus ausgelegt, geforscht wird überall in der Umgebung mit VLTs (very large telescope) und demnächst sogar ELTs (extremely large telescope). 30% aller Teleskope der Welt stehen in Chile, und wer den klaren Himmeln über der Wüste hier jemals gesehen hat, weiß warum. Superlative gibt es in Mamalluca nicht, aber wir sind ja auch keine Hobbyastronomen und sind schon froh, wenn wir hier unten im Süden den Skorpion, Orion und das Kreuz des Südens finden können.

Mit Hilfe unseres enthusiastischen Führers blicken wir vier das erste mal durch ein Teleskop und erwischen gerade noch Saturn mit bunten Ringen und einem Mond, bevor er untergeht, dann Mars und ein paar Sterne. Doch am beeindruckendsten ist die Vergrößerung des Mondes, jeden Krater können wir erkennen, die Oberfläche leuchtet so hell, dass man fast geblendet wird. Unser Führer zeigt uns die Stelle, wo Neil Armstrong einst seine Fahne platzierte, sehen können wir sie nicht, aber das muß ja nichts heissen.

Die Führung endet mit einem Vortrag über die verschiedenen Sternenbilder der südlichen Hemisphäre und einer schlafenden Lena auf dem Schoß. Halb 12 ist eben doch keine Kinderzeit mehr, Maya hält sich wacker und schläft erst in dem Moment ein, als ihr Kopf im Hotel aufs Kissen fällt.

Unser Dickerchen auf der ersten Regatta

Wir wussten schon immer, dass unsere „Marianne“ auf Grund ihres korpulenten Kiels nicht gerade die Schnellste ist. Doch noch nie hatten wir die Möglichkeit, uns mit anderen zu vergleichen. Normalerweise verlässt ein Weltumsegler-Boot den Ankerplatz nur für die nächste Ozeanüberquerung, doch „La Grande Regate de Nosy Be“ können wir uns einfach nicht entgehen lassen!

Um 11 Uhr am Samstag sollen sich alle Skipper der 15 teilnehmenden Boote an der Bar der Marina in Crater Bay einfinden. Ein ausgesprochen guter Treffpunkt wie sich herausstellt, denn bis tatsächlich alle eintrudeln und die Besprechung beginnen kann, entwickelt sich bei den Pünktlichen ein enormer Durst. Mit nur anderthalb Stunden Verspätung erklärt uns Marina-Chef Rudi in einem Kauderwelsch aus Französisch, Englisch und Deutsch die Strecke zur Russian Bay und am nächsten Tag wieder zurück.
Alle versuchen höchste Aufmerksamkeit vorzutäuschen und dabei so viel Schabernack wie möglich zu treiben. Es wird verständnisvoll genickt, aber ansonsten gelacht und dazwischengerufen. Wir nehmen nach der Besprechung die Klassenfahrtsatmosphäre mit aufs Boot und tuckern langsam zum Startpunkt.

Dank taktischer Weitsicht meines Captains können wir tatsächlich als einer der ersten über die Startlinie fahren, doch schon nach kurzer Zeit überholt uns noch das letzte Boot. Um der aufkommenden Schwermut entgegenzuwirken, gibt es zum Baguette ein Bier. Etwas munterer beobachten wir dann, wie die Katamarane nicht hart am Wind fahren und direkt auf die Bucht zusteuern können, sondern etwas weiter abfallen. So müssen sie zwei Mal Wenden, um das Ziel zu erreichen. Drei dieser schwimmenden Häuser reihen sich dann kurz vor dem Zieleinlauf tatsächlich hinter uns ein und in uns keimt Hoffnung auf.

Entweder ich hatte bei der Besprechung nicht richtig zugehört oder unsere „Regatta-Vorbereitung“ im Number One Club bis 3 Uhr in der Früh war extrem kontraproduktiv. Wir wurden zwar vor einem Riff östlich der Bucht gewarnt und wir befinden uns westlich von dieser, doch innerhalb von wenigen Sekunden wird das Wasser immer flacher. Der Tiefenmesser zeigt plötzlich nur noch 1,5 m Platz unter dem Kiel an. Um nicht auf Grund zu laufen, navigieren wir mit vier Wenden aus der Untiefe heraus und fahren Dank dieses Umwegs als Vorletzter ins Ziel.

Mit großem Hunger nach den vier Stunden Fahrt setzten wir über zum Strand und freuen uns auf Kartoffelsalat, Fleischspieße und gegrillten Fisch. Leider sind die Madagassen nicht so gute Techniker, wie sie kochen können und so bleibt die aufgebaute Musikanlage stumm. Es wird Bier getrunken und meilenweise Seemannsgarn gesponnen, bis wir uns irgendwann erbarmen und unsere Gitarren holen.
Zur Belohnung werden wir mit Bier und einem Kokosnussmilch-Rum-Gemisch versorgt. Die Kehlen bleiben feucht und so schmettern wir einen Song nach dem anderen, bis um 4 Uhr auch der Letzte sich in sein Dinghy setzt und zu seinem Boot fährt. Uns tun die Finger weh und wir entscheiden uns, nicht zur Marianne zu paddeln, sondern im weichen Sand unter dem klaren Sternenhimmel am Strand zu schlafen.
Keine gute Entscheidung, wie sich später herausstellt. Am nächsten Morgen ist unser Schlauchboot weg und in der gesamten Bucht nicht mehr zu finden. Trotzdem nehmen wir an den Strandspielen gegen die anderen Mannschaften erfolgreich Teil und geben auch auf dem Rückweg zur Marina alles. Obwohl wir ein Schlauchboot leichter als auf der Hinfahrt sind, kommen wir so spät am Ziel an, dass unsere Zeit von der Jury nicht mehr gestoppt wird und wir disqualifiziert werden. Wir wussten ja, dass wir langsam sind… aber so langsam? Das hätten wir nun wirklich nicht gedacht.

Als Trostpreis und kleines Dankeschön, dass wir den Abend mit unserer Musik gerettet haben, dürfen wir dann aber tatsächlich ein Dinghy von Rudi nun unser Eigen nennen. Wir sind total aus dem Häuschen über dieses Geschenk und können unser Glück kaum fassen. Hoch und Tief liegen auf diesem Trip manchmal sehr nah beieinander…

flattr this!

Salz auf Beugers Haut

Abschied von Wladimir und Camilla

Der Salzsee hat dem Beuger ganz schön zugesetzt. Doch wir mussten das Wochenende abwarten bis wir eine Klinik gefunden haben, die mit Dampfstrahler und Hochdruck die Salzkruste Herr wurden. Unterboden, Motorraum und Karosserie sind jetzt blitzblank und frisch konserviert. Beuger strahlt wie neu und wir sind unser schlechtes Gewissen los. Prima Sache so ne Autoklinik. Billig war’s nicht, weil wir ja wieder in Chile sind. Und so machen wir mit 100 Sachen jeden Tag 500 Kilometer nach Süd. Geht relativ schnell, denn die Sehenswürdigkeiten kennen wir ja schon. Antofagasta haben wir auch nicht richtig gesehen, sondern eher die Sauberkeit der Wohnung und die Waschmaschine von Wladimir genossen. Wenn da nur nicht südamerikanisch den ganzen Tag der Fernseher laufen würde. Aber das ist halt so in Südamerika. Keiner guckt hin, Hauptsache das Ding rödelt vor sich hin. Mir wird das ja manchmal zu viel. Aber was meckere ich, der einen „IRONLADY“ Hotspot über das chilenische G3 Netz im Auto betreibt, damit wir ja nicht ohne Internet sind. Berufskrankheit? Finden die vielleicht auch nicht normal.

Wir sind in Caldera angekommen, haben das Schild „Santiago 1000 km“ passiert und haben einen Termin mit meinem Freund und Kunden Martin in Vila Alemania bei Valparaiso am Wochenende. Da bleibt noch ein bisschen Zeit und wenn es klappt besuchen wir noch Franzisco, den ich in Puerto Montt kennengelernt habe. Beides supernette und interessante Menschen. Wir werden sehen, was auf uns zukommt, was lateinamerikanisch klappt und was nicht.

Zeppelinstek

Der Zeppelinstek wird verwendet, um Tauwerk gleichen Durchmessers zu verbinden. Seinen Namen hat er übrigens wirklich durch die Zeppeline. Er wurde u. a. bei den Festmachertauen der Zeppeline verwendet.

Der Zeppelinstek gilt als einer der sichersten Knoten zum Verbinden zweier Seile mit gleicher oder ähnlicher Dicke., denn er lockert sich auch bei wechselnder Belastung nicht, lässt sich aber auch nach größter Belastung relativ leicht wieder lösen. Na denn…

Back in Chile

Durchatmen

Ein letzter Tag offroad bis zur chilenischen Zivilisation. Es beginnt wie schon gewohnt in dieser Gegend, tausend Wege führen ins Nichts, ohne Beschilderung, ohne den geringsten Hinweis auf den Zielort, irgendwie fragen wir uns durch und meinen zumindest die richtige Richtung über den nächsten Salar eingeschlagen zu haben. Autospuren beweisen, dass zumindest schon einer vor uns hier entlanggefahren ist. Nach 10 Minuten Holpern erblicken wir am Horizont unverkennbar drei Jeeps mit Dachgepäck, Touristen mit ortskundigem Fahrer auf dem Weg zu weiteren Sehenswürdigkeiten. Wir heften uns an ihre Fersen und in ihre Staubwolke, um in dieser Einöde zumindest nicht alleine zu sein. Kurze Zeit später halten alle drei vor der Bahnlinie und lassen ihre Gäste aussteigen. Zeit für einen kurzen Plausch. Juan kennt den Weg, entweder hier lang, oder da lang, oder einfach ihm hinterher und dann kurz vor der Grenze rechts ab. Wir entscheiden uns für letzteres und bekommen zum guten Schluß nochmal offroad pur geboten. Statt Hauptstrasse, die in Bolivien schon abenteuerlich genug ist, bietet Juan seinen Gästen und auch uns echtes Camel-Feeling. Micha und ich überlegen ernsthaft, ob wir nun bald fit genug für Paris-Dakar sind. Nur mit Herrn Beuger zusammen natürlich und den tripulantes, die auf der Rückbank Restaurant spielen und sich Sandwich mit Chili con carne servieren.

Nach einer halben Stunde Fahrt durch Salzsee und Dünen mit spektakulären Ausblicken auf die uns umgebenden schneebedeckten Vulkane, erreichen wir die bolivianisch-chilenische Grenze. Die Bolivianer entlassen uns innerhalb von fünf Minuten aus ihrem gastfreundlichen Land, dann geht es weiter bei den chilenischen Kollegen. Das dauert länger und endet erst, nachdem der sympathische Quarantänebeamte unser gesamtes Gepäck durchsucht hat und Käse, Honig, Fussrasseln aus Schafhufen und eine angeknabberte Möhre konfisziert hat. Wegen der Maul- und Klauenseuche. Die Cocablätter durften wir behalten, wer hätte das gedacht.

Zurück in Chile, ein komisches Gefühl. Auf einmal sind die Strassen wieder breiter, es gibt eine Beschilderung und man weiß immer, wo man lang fährt. Dafür ist es einsamer, wo in Bolivien hinter jeder Biegung ein Dorf wartete und in jedem Dorf ein Automechaniker und ein Reifenspezialist, ist in Chile gähnende Leere. An wunderschönen, flamingobewohnten Lagunen am Fuße des schwefelig rauchenden Vulkanes Ollague führt der Weg weiter nach Calama. Da waren wir doch schon, bei der chaotischen Paola zu Gast. Auf Matratze im Wohnzimmer haben wir allerdings heute keine Lust, stattdessen suchen wir die erste Shoppingmall seit Wochen auf, um mit dem dortigen WiFi-Netz unsere nächsten Couchhosts in Antofagasta zu kontaktieren. Bett für die Nacht gesichert.

Herr Beuger bekommt an der nächsten Tankstelle seine erste bleifreie 95er Tankfüllung, mal sehen, ob ihm dieses gesunde Futter überhaupt noch bekommt, nachdem ganzen Sprit in Peru und Bolivien, ist das ja fast wie Müsli statt Hamburger. Dafür kostet die Tankfüllung wieder 80 statt 30 Euro, Reformhaus war eben schon immer teurer. Und auch für uns gehen die Umstellungen weiter. Meter für Meter geht es weiter hinab bis auf Meereshöhe, von 4000 auf null in einem Tag. Hoffentlich gibt das keine Sauerstoffvergiftung. Die Luftfeuchtigkeit steigt und auch die Temperaturen werden deutlich wärmer. In den Cafes von Antofagasta sitzen die Menschen draußen auf der Terrasse, und das am Abend, unglaublich! Ich überlege ernsthaft, heute nach langer Zeit mal wieder ohne Socken ins Bett zu gehen.

Am Ende des langen Tages und einer Irrfahrt durch Antofagasta, weil in Chile die Hausnummer 1230 nicht zwangsläufig zwischen der 1226 und der 1242 liegt, erwarten uns Wladimir und Camilla mit Pizza in ihrer Wohnung mit Blick auf’s Meer. Ein perfekter Tagesabschluß.

Einer der 10 schönsten Tage meines Lebens

Die Überquerung des “Salar de Uyuni” Salzsees

Es gibt sie, diese zehn schönsten Orte der Welt, die man einfach in seinem Leben gesehen haben muss! Must be seen! We did the Salar de Uyuni, in der Trockenzeit mit Herrn Beuger. Sprich wir durften einmal drüber fahren. Great. Genial. Super! Ja es war einer der zehn schönsten Tage meines Lebens. Unten weiß, oben strahlend blau auf fast 4.000 Meter über dem Meeresspiegel.

Es fing alles ganz normal an: „Papa – Ich will nicht auf den Salzsee. Da sind nur die Fußabdrücke von den ganzen Touristen. Das ist total langweilig. Ihr macht wieder tausend Photos und wir langweilen uns!“ Klare Ansage für einen jungen Vater. Ein aufklärendes Gespräch folgt, doch wirklich überzeugen kann auch Nathalie nicht. Da hilft nur Zwang zum Glück. Manchmal muss das wohl sein.

Nun. Maya ist dann doch mitgekommen, Wir haben schlecht gefrühstückt, für zu viel Geld in dem Touristencamp Uyuni. Dann haben wir uns hinter die anderen 20 Toyota Geländewagen an der Tankstelle in Uyuni gestellt. Mit dem Tanken in Bolivien ist das so eine Sache. Die Locals zahlen 3,5 Bolivianos, dass sind 33 Euro Cent! für den Liter Sprit, die Ausländer 9,5 Bolivianos. Das geht gar nicht, finde ich. Nathalie findet das ganz normal. Na gut, dass wir uns wieder so einig sind. Nicht das das Leben im Beuger einfacher wäre als in der eh schon engen IRON LADY! Auf jeden Fall habe ich mir angewöhnt den Tankwarten einen Schein in die Hand zu drücken mit dem Hinweis, dass wir ja vom Herzen her eigentlich Bolivianer sind. Das funktioniert meist auch gut. Manchmal nicht bei der ersten, dann aber bei der zweiten Tankstelle oder bei der dritten oder vierten. Heute soll es anders sein. Nachdem ich mich schon den ganzen Tag über unfreundliche Uyunianer aufgeregt habe und schlechte Laune im Beuger verstreue, steht da dieser nette Tankwart, nachdem wir in der 20er Schlange auf Platz 1 vorgerückt sind und lächelt mich an: „Nicht nötig mit dem Tip!“ Mit dem Blick auf Maya und Lena erklärt er mir dass ausgerechnet heute die Fomulare für die Ausländerabrechnung ausgegangen sind und wir den Sprit auch ohne „Tip“ zum bolivianischen Preis bekommen. Nicht ohne zu erwähnen, dass die Kontrollen ab „Morgen“ in ganz Bolivien so verschärft werden, dass das wohl da letzte Mal war. Letzte Ausnahme sozusagen.

Dann geht es endlich auf den Uyuni!

Nathalie will noch unbedingt am Salzmuseum halten, dass sich dann aber doch als Andenkenladen entpuppt. Und schwupps, jetzt endlich die Sonnenbrillen auf und Papa gibt Gas, denn er will Spaß. Der Salzsee ist glatt wie ein Kinderpopo, leider nicht rutschig, weil es ja grade Trockenzeit ist und nicht regnet. Aber auch gut so, denn so verteilt sich das ganze Salz wenigstens nicht auf und unter dem ganzen Auto. Die Piste ist hart, der Weg durch die Spuren der anderen Wagen vorgegeben. Der typische europäische Zaun und das Gate mit dem Eintrittgeldzahlhäuschen fehlt. Komisch.

Am Anfang des Sees werden in einen kleinen Feld lang noch Salz abgebaut, das verliert sich aber schnell, denn der Uyuni Salzsee ist fast so groß wie der Tititaca See. Unglaublich. Und, wir fühlen uns wirklich wie auf einem See. Die Sonne steht zwischenzeitlich im Zenith, wir vertilgen Unmengen von Wasser und ohne Sonnenbrille würde überhaupt nichts gehen. Es ist unglaublich. Mit hundert Sachen, wir könnten auch Vollgas geben, rasen wir über das Eis, Richtung der Insel Isla Incahuasi. Das Salz ist glatt wie Eis. Nur eigenartige kleine zentimeterhohe Erhebungen, wabenartig, sechseckig, ungefähr einen Quadratmeter groß, vom kristallisieren, vermute ich mal als halbweiser Wikipediaologe. Wir erreichen nach ca. 40 km die Isla und halten auch sofort an der Nordspitze an! „Wow!“ Riesige Korallenkakteen mit bis zu 5 Meter Höhe zieren die Insel. Es ist wie die Landung auf einem anderen Planeten. Wir landen mit dem Beuger an und ziehen ihn an den Strand ;-) Auf geht es. Wir exploren die Insel und steigen den Berg hoch und versuchen die 1.000 Photos zu machen, die Maya prophezeit hat. Wieder am Strand angekommen, packen wir unser Picknickkram aus, und dinieren in aller Ruhe. Alle zehn Minuten, kommt ein Toyota Landcruiser vorbei, aber keiner hält an. Alle fahren an diesem paradiesischen Ort vorbei. Komisch.

Die Auflösung passiert als wir weiterfahren. Um die Ecke parken zwei Dutzend der Beuger Verwandte. Es gibt eine öffentliche Toilette, ein Eintrittskartenhäuschen, ein kleines Restaurant und das volle Touristenprogramm. Auf befestigten Wegen darf man über die Insel gehen, aber auch nur da. Tja, haben wir wieder alles falsch gemacht. Aber ohne es zu wissen. Ich schaue auf Nathalies neue Haarnadel, einen 15 cm langen Korallenkaktusstachel, der in ihrem Haarknoten am Hinterkopf. „Berühren der Kakteen verboten!“

Wir haben trotzdem noch einen wunderschönen Tag auf dem Uyuni Salzsee, erreichen das südliche Ende und schlagen uns über wirkliche Off Road Wege durch bis nach San Juan. Es gäbe, wie jeden Tag, noch so viel zu schreiben, doch irgendwann muss Schluss sein.

Altiplano

Offroad

Von La Paz führen viele Wege nach Chile, doch da schon der Immigrationsbeamte beim Grenzübertritt gesagt hat, dass wir unbedingt zum Salar de Uyuni müssen und seitdem ungefähr jeder zweite dasselbe behauptet hat, ist klar, dass wir diesem Rat folgen müssen. Der Salar de Uyuni ist ein riesiger Salzsee, in der Regenzeit von ein paar Zentimetern Wasser bedeckt, aber jetzt, am Ende der Trockenzeit, so trocken wie eine Sandwüste und komplett befahrbar, wenn man dem Motor nach dem Offroadtrip eine Motowäsche gönnt. Südlich des Salars führt ein Pass über die Anden und über die Grenze nach Chile bis nach Calama in der Nähe von San Pedro de Atacama, womit wir fast 1000 km Ruta 5 in Chile, die wir ja nun schon kennen, abgekürzt hätten. Liegen immer noch noch mehrere tausend vor uns, aber daran denken wir heute lieber nicht.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in der sehr untouristischen aber irgendwie auch sehr langweiligen Stadt Oruro, ging es heute 300 km über das Altiplano, die Hochebene. Spätestens mit dem Wechsel von Asphaltstrasse zu Offroadpiste wurde auch die Natur wilder, die ersten Vicuñas tauchten auf und statt unbestellter Felder, verlassener Dörfer und Bauruinen gab es endlich wieder die typische wilde Vegetation der Gegend. Auf halbem Weg verlassen wir die Strasse, fahren an einem kleinen Wasserlauf querfeldein und picknicken zwischen Lamas und bizarren Felsformationen an einem kleinen Wasserlauf.

Ordentlich durchgerüttelt erreichen wir am Nachmittag Uyuni, das Tor zum mächtigen Salzsee, der keine 10 km entfernt liegt. Vor den Hotels parken schon die Jeeps, die das Gepäck ihrer Gäste für die morgige Tour an Bord nehmen. Bis zu 7 Gäste plus Fahrer werden teilweise in die Autos gepackt, wie gut, dass wir unseren Herrn Beuger für uns haben. Morgen früh noch die Wasser- und Benzinvorräte aufstocken, dann kann das nächste Offroadabenteuer beginnen.