Monatsarchive: August 2012

luscious friday

Machu Picchu, Teil 2

Machu Picchu, Teil 2

Die Ruinen

Vor genau zehn Jahren sassen Micha und ich in der schwülen tropischen Regenzeit Panamas auf der Lady, während viele andere Fahrtensegler einen Abstecher nach Peru und Machu Picchu machten. Damals scheiterte es an dem nötigen Kleingeld und heute soll es endlich soweit sein. Viele Geschichten haben wir seitdem über die verlorene Stadt gehört, wieviel besser es doch noch vor zehn Jahren war, wie touristisch heute, und das man eigentlich gar nicht mehr hinfahren kann. Dementsprechend besteigen wir mit gemischten Gefühlen morgens um sechs den Reisebus, der uns in einer dreissig-minütigen Serpentinenfahrt hoch nach Machu Picchu bringt.

Vor dem Eingang ein teures Hotel, eine Terrasse mit Selbstbedienungscafe, ein kleiner Souvenirshop und die obligatorischen Toiletten, kein Artesaniamarkt, keine Peruaner in Inkakostümen mit Federn und keine Panflöte. Lediglich ein paar vereinzelte Postkartenverkäufer versuchen ihre Ware an den Mann zu bringen, der restliche Rummel ist in Agua Calientes geblieben, was uns positiv überrascht.

Nachdem wir unsere Tickets vorgewiesen haben, dürfen wir endlich das Heiligtum betreten, steil führt der Weg bergauf zur Hütte des Grabhüters und damit zu dem Aussichtspunkt, von dem aus mittlerweile sicherlich Millionen von Bildern geschossen wurden. Es ist noch früh am Morgen, aus den Tälern steigen Wolken empor und verhüllen die umliegenden Gipfel der Berge, auch der berühmte Huayna Picchu ist nur schemenhaft zu erkennen. Wir lassen uns auf einem Felsbrocken nieder und saugen die Atmosphäre in uns auf, versuchen uns vorzustellen, wie es wohl vor fünfhundert Jahren gewesen sein muss, als die Anlage gerade gebaut worden war und hier Könige und hohe Priester residierten, die Dächer gedeckt waren, und die Tempel reich ausgestattet mit Gold und Silber. Einer der zahlreichen Führer reißt uns aus den Gedanken, denn wir sitzen genau auf SEINEM Fotopunkt, wo SEINE Gruppen immer Fotos machen. Müßig darüber zu streiten, dass es um uns noch zig andere Felsen gibt, von denen aus man genauso gut fotografieren kann und dass uns unsere Bilder auch besser ganz ohne das Gewusel von Goretexjacken mit Inkamützen gefallen würden, dass hier nun aber eben mehrere hundert Menschen unterwegs sind. Wir beschliessen in der Mittagssonne wiederzukommen und machen uns auf den Weg in das Herz der Stadt, zum Tempel der drei Fenster und zum Sonnenstein Intihuatana. Der Stein enthält viel Quarz und soll das Sonnenlicht als Energie speichern können, ganze Reisegruppen versammeln sich um den heiligen Stein, lassen ihre Hände auf Kommando ihres Guides zwei Zentimeter über dem Fels schweben. Mit einem Mal kommt die Sonne heraus. Die Wolken steigen in Fetzen dramatisch aus der Tiefe, eine mystische Atmosphäre. Weiter ziehen wir durch die Ruinen der Stadt, die so viele Jahrhunderte verborgen war und so von den zerstörerischen Eroberungszügen der Spanier verschont blieb.

Natürlich kann man Machu Picchu auch in einem Zwei-Stunden Besuch kurz umreissen, doch wir sind ja extra am Morgen gekommen, um den ganzen Tag zu haben, also begeben wir uns nach der Frühstückspause in eine zweite Runde. Mittlerweile ist es zehn Uhr, die Hauptbesucherzeit, da nun die Züge aus Cuzco ankommen, doch von einem Besucheransturm mit Schlange stehen und Menschenmassen kann keine Rede sein, entweder verläuft sich die Menge auf dem Gelände, oder es beginnt gerade die Nebensaison und es sind tatsächlich viel weniger als 2500 Touristen hier.

Ein zweites Mal erklimmen wir den Hügel, diesmal mit Ziel Puente del Inka, der Inkabrücke. Ein alter Inkapfad, der einem eine ungefähre Vorstellung davon gibt, wie es wohl sein würde Machu Picchu wandernd zu erreichen, führt durch den dichten Regenwald entlang einer steilen Felswand. Zum Schutz gegen Angreifer haben die Inka eine Lücke in dem am Abhang gemauerten Weg gelassen, der bei Bedarf durch lange Holzbalken zur Brücke wurde. Lena interessiert sich mehr für die riesigen Gummibaumblätter, und sammelt den halben Urwald in meinem Rucksack zusammen.

Unser letzter Besuch gilt den königlichen Gemächern, dem Sonnentempel und den heiligen Quellen. Während in den Wohnhäusern des einfachen Volkes die Mauern aus groben Steinen, die mit Mörtel zusammengefügt wurden, bestehen, ist hier jeder einzelne Fels millimetergenau eingepasst. Keine Staubkorn passt in die Ritzen, perfekt sitzt ein Stein auf dem anderen, fest miteinander verzahnt ohne Mörtel oder Zement und doch erdbebensicher.

Der Energieabfall kommt am frühen Nachmittag, Batterie alle, der eine muß aufs Klo, der andere kann nicht mehr laufen, der dritte will ein Eis und auch meine Aufnahmekapazität für neue Eindrücke ist erschöpft. Ein nächstes Mal wird es für uns hier oben sicher kaum geben, aber das macht nichts. Unser Tag in der verlorenen Stadt zählt definitiv zu den Höhepunkten der Reise und wir bereuen es nicht, die mittlerweile doch sehr hohen Kosten in Kauf genommen zu haben,

DesTopNews 2012-35

Machu Picchu, Teil 1

Mit dem Zug in den Regenwald

So gut organisiert wie die kommenden zwei Tage, war bisher die gesamte Reise nicht, aber anders lässt sich ein Besuch Machu Picchus heute auch nicht realisieren. Das Erleben der berühmten Inkaruinen ist komplett durchgeplant. Ob vier Tage über den Inkatrail wandern, mit dem Zug fahren, Mountainbike, Riverrafting oder bequem im Luxuswaggon mit Pisco Sour in der Hand, alles ist möglich. Nur mit dem Auto vorfahren, das geht ausnahmsweise nicht. Auf der Spiegel Seite stand vor ein paar Tagen, dass die peruanische Regierung überlegt, einen Flughafen in der Nähe der Stätte zu bauen.

Wir haben schon in Cusco das Zugticket für Hin- und Rückfahrt und die Eintrittstickets gekauft, sowie die Hostalreservierung organisiert, und so steht der Fahrt nach einem letzte Cappuchino in unserem Lieblingscafe in Ollanta nichts mehr im Wege.

Am Bahnhof stehen schon die blau-gelben Waggons von Perurail bereit, adrette Mitarbeiter prüfen Pässe und Tickets und bieten während der Fahrt Kaffee und Süssigkeiten an, aus dem Lautsprechern dudelt leise die Panflöte. Ich muss zugeben, in einem Waggon mit ein paar Hühnern, zahnlosen Bauerfrauen und säckeweise Kartoffeln, könnte ich mich irgendwie besser auf das Abenteuer Machu Picchu vorbereiten. Aber die lokalen Züge sind nicht für Touristen zugelassen, dafür haben unsere Waggons auch in der Decke Fenster, was angesichts der immer enger werdenden Schlucht sehr praktisch ist. Je länger ich aus dem Fenster schaue, desto weiter verzieht sich der kleine Kritiker in meinem Bewusstsein nach hinten.

Es geht kontinuierlich bergab entlang des Rio Urubamba, die Vegetation wird dichter und grüner, Orchideen und Callas wachsen am Wegesrand, eine Stunde nach unserer Abfahrt sind wir im Nebelwald der Anden und zum ersten Mal kann ich mir vorstellen, warum die vergessene Stadt der Inka so lange unentdeckt bleiben konnte. Nach 90 Minuten erreichen wir Agua Calientes am Fusse der Ruinen. Alle, die schon vor dem großen Ansturm um zehn Uhr Machu Picchu erleben wollen, verbringen die Nacht in dem kleinen Dorf, um sich morgens um sechs mit den ersten Bussen auf den Berg bringen zu lassen. Ohne Tourismus gäbe es diesen Ort nicht. Jedes Haus ist entweder ein Hotel, ein Restaurant, ein Souvenirladen, oder alles zusammen, ohne Ausnahme.

Doch, eine kleine Ausnahme gibt es, und die gab dem Ort ihren Namen, denn zwanzig Fußminuten bergauf liegt ein kleines Themalbad mit heissen Quellen und trübem Wasser, das gut gegen allerhand körperliche Leiden ist. Vor allem aber funktioniert es bei akuter Reizüberflutung. Im körperwarmen Wasser lassen die Kinder und icheine Stunde unsere Seele baumeln, inmitten des fast schon tropisch anmutenden Regenwaldes. Herrlich. Niemand der einem eine Menukarte oder irgendein Kunsthandwerk unter die Nase hält und der Eintritt war mit drei Euro für alle endlich mal wieder bezahlbar.

Auf dem Rückweg finden wir einen echt französischen Bäcker, der aussieht, als sei er vor ein paar Jahren durch die Fremdenlegion in den Urwald gekommen. Er bäckt echte französische Croissants und freut sich über mein gestammeltes Französisch dermassen, dass er die Kinder reich mit Obst und Schokoladenmuffins beschenkt. Zufrieden und entspannt essen wir eine viel zu teure Pizza am Ufer des Rio Urubamba und gehen früh ins Bett, denn morgen klingelt der Wecker um fünf.

pee in your pants waves

via: http://horsesmouth.typepad.com/hm

Puma – nice reprise

Puma x The xx – Final Cut from Tyler Ross on Vimeo.

Markthalle

Alltag am Nabel der Welt

In Cuzco gönnen wir uns eine Atempause, fünf Nächte, bis Samstag wollen wir hierbleiben, um uns in aller Ruhe die Stadt anzusehen. Schule am Morgen, sight seeing am Nachmittag, ein ganz geregelter Alltag, nur Micha ist leider nur halb mit von der Partie, den er hängt vor seinem Macbook um einen Job fertigzubekommen.

Immerhin, zur Mittagspause können wir ihn loseisen und die führt in die Markthalle San Pedro im Herzen von Cuzco. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt. Von frischem Obst und Gemüse, über Fleisch, Käse, Kunsthandwerk, Cocablätter, zu Quinoa, Linsen, Erbsen und unzähligen Kartoffelsorten. Für die Hartgesottenen gibt es auch wahlweise lebende oder tote Frösche, bzw. irgendein Extrakt daraus, auf bunten Decken zucken schwarze Raupen um die Wette und auch ein Heiler mit seltsamen Tinkturen und Pülverchen, die vor allem Übel schützen sollen, preist seine Ware an.

Wir halten uns an Obst, Gemüse, Käse und den Mittagstisch einer der vielen kochenden Muttis. Wer Ruhe sucht, ist hier fehl am Platz. Vor unserem Tisch postiert sich ein Gläubiger Christ und versorgt uns während der Suppe mit einem Tischgebet, von links trompetet mir ein Strassenmusikant mit der Maultrommel ins Ohr und rechts soll ich wahlweise Tierbücher oder Obstschalen kaufen. “Guck nich hin, sonst denken die, Du willst was kaufen” raunt die erfahrene Weltenbummlerin Maya ihrer kleinen Schwester ins Ohr.

Nach dem Essen seilt Micha sich wieder ab, die Kinder und ich stürzen uns ins Getümmel. Enge Gassen mit Kopfsteinpflaster winden sich bergab und bergauf durch die historische Altstadt und auch wenn heute davon nicht mehr viel zu sehen ist, sind viele dieser prächtigen kolonialen Bauten aus den Felsblöcken gebaut, mit denen einst die Inka hier das Zentrum ihres Reiches gegründet haben.

Vor einer der zahlreichen Kirchen der Stadt ist anlässlich des internationalen Tages der Folklore (wusste nicht, dass es so etwas gibt) eine Bühne aufgebaut. Auf den kalten Stufen warten wir die übliche südamerikanische Verspätung von einer Stunde, bis das Schauspiel beginnt und fünf lokale Tanzgruppen ihr Können zeigen. Knallbunte Kostüme, Andenmusik, die Kinder sind begeistert. Die alte Oma ohne Zähne neben mir kichert, als die Tänzerinnen ihren männlichen Kollegen bei der Balz eine Abfuhr erteilen und sie choreographisch gekonnt auf den Asphalt stossen.

Auch in unserem Hostal können wir uns über mangelnde Unterhaltung nicht beklagen, denn gestern morgen ist eine kleine Strassenzirkustruppe eingezogen, die tagsüber übt, musiziert und die Kinder bei Laune hält, ab mittags sind auch Milka und Morena, 5 und 7, die beiden Kinder der Besitzerin zu Hause, ein perfekter Ort also, um es mehrere Tage auszuhalten.

One Bead – Glasperlen für eine bessere Welt

One Bead ist ein gemeinnütziger Verein, der sich als Ziel gesetzt hat, die Bildungsmöglichkeiten in Ost-Afrika durch den Verkauf von selbstgmachten Glassperlen aus Altglas zu unterstützen. Derzeit erhalten sie etwa 150 Perlen pro Woche, welche dann weltweit an Hochschul-Vertreter weiterverschickt werden. Der durch den Verkauf von Perlen als Armbänder erzielte Erlös, kommt schließlich der staatlichen Oloosirkon Grundschule in Kenia zu Gute. Mit diesen Mitteln können dann teure, aber notwendige Projekte gefördert werden. One Bead hat es sich als Langzeit-Ziel gesetzt, ein Unterrichts-Programm in Kenia zu entwickeln, das die Kinder durch Fächer wie Kunst, Musik und Sport, den Spaß am Lernen entdecken lässt.

Gründerin Sara über die Sailing Conductors

Oloosirkon Government Primary School

Die staatliche Oloosirkon Grundschule

“2010 hat mein Cousin Max ein Jahr in Australien vebracht, wo er Captain Ben von den Sailing Conductors getroffen hat. Als Max nach Hause kam und der Familie von dem Projekt erzählte, waren wir alle total begeistert. Als ich dann anfing, an unserem One Bead Projekt zu arbeiten, blieb da in meinem Hinterkopf immer diese Idee, dass es doch unheimlich cool wäre, beide Projekte miteinander zu verbinden. Aus einer Laune heraus habe ich Ben einfach mal eine e-Mail geschrieben und die Antwort kam prompt: “…von Madagaskar aus segeln wir weiter südlich in Richtung Kapstadt. Aber das hält uns ja nicht davon ab, einen Bus zu nehmen, ein Motorrad zu kaufen oder per Anhalter nach Kenia zu fahren! Ich wollte dort schon immer mal hin. Also: Ja, wir werden da sein!”
Seit ich diese Mail im März erhalten habe, bin ich begeistert die Idee wachsen zu lassen und weitere Pläne zu schmieden. Wenn alles nach Plan läuft, werden die beiden irgendwann im November ankommen und ein paar Tage mit den Schülern der Oloosirkon Schule für ein großes Konzert am Ende des Besuchs proben.

Our beads look beautiful!

Unsere Armbänder sehen großartig aus!

Das wird eine großartige Chance sein, für die teinehmenden Schüler mit anderen Musikern zu spielen. Das daraus ein witziges Video entstehen wird, steht natürlich außer Frage… Es ist einfach verrückt über all die Verbindungen auf der ganzen Welt nachzudenken, und was dadurch alles möglich werden kann! Australien, Kenia die Karibik und Deutschland – wie klein die Welt doch ist.

Von der One Bead Website

  1. Derzeitiges Ziel ist es, 6000 Dollar für einen neuen Zaum um die staatliche Oloosirkon Grundschule zusammenzutreiben. Der Schule in Nairobi, Kenia wurden eigentlich Bücher gegeben, wurden auf Grund von Sicherheitsmängeln jedoch nach kurzer Zeit wieder gestohlen. Bei einem Gespräch mit dem Schulleiter und Mitgliedern aus der Gemeinde über ihre Bedürfnisse wurde dann beschlossen, einen Zaun zu bauen.
  2. In naher Zukunft soll nach der Fertigstellung des Zaunes eine Bibliothek gebaut werden, die für Schüler und Gemeindemitglieder gleichermaßen zugänglich ist.
  3. Langfristig will One Bead durch die Einbringung von Kunst, Musik und Sport die Schüler in Kenia zum Lernen anregen und ihnen Alternativen aufzeigen. Am liebsten aber sogar weltweit!

Also holt euch eins der schicken Armbänder auf onbead.org und unterstützt, was auch wir unterstützen!

Wieder weiter weg von Zu Hause

Gedanken

So, ich habe grade zwei Stunden gebraucht um das MacBook wieder ans Netzt zu bekommen. Kommt davon. Never touch a running system. Cusco liegt für ein paar Tage hinter uns und irgendwie machen wir uns natürlich auch manchmal Gedanken, dass wir den ganzen Weg ja auch wieder zurück müssen. Nathalie kann da heute nicht viel drüber nachdenken, denn Sie hat nun die Infektion die der Arzt als Scharlach definiert hat. Nun, hoffentlich schlägt das Antibiotika auch bei Ihr heute schnell an und hoffentlich erwischt es mich und Lena nicht auch noch.

Wir haben es bis nach Ollantaytambo geschafft in das ansässige http://www.mysmallhelp.org Haus, wo Marya und Lea mit einer gemischten Truppe aus Volontärinnen lebt, die ab und an auch mal Couch Surfing Gäste aufnimmt. Mit unserem Beitrag einer normalen Hostalübernachtung, fördern wir die Betreuung von den behinderten Kindern. Gut, so ganz habe ich das noch nicht verstanden. Morgen mehr. Heute haben wir erst mal ein Dach über dem Kopf, daß hat Nathalie schon mal wieder gut organisiert. Herrn Beuger haben wir wieder vor die lokale Polizeidienststelle geparkt, denn Ollantaytambo ist zwar klein, aber es gehen jeden Tag sämtliche Besucher von Machupicchu hier durch. Ganz schön hektisch.

crash & burn

Von Madagaskar und gefährlichen Liegeplätzen

Wir sind erst ein paar Tage hier, doch trotzdem ist schon einiges passiert auf der viert größten Insel der Welt. Je gefährlicher die Ankerplätze sind, desto besser sind wohl die Musiker. Schaut her für Musik und lest weiter unten von peinlichen Anker-Geschichten!

Es gibt im Grunde zwei Möglichkeiten, was man mit seinem Boote nach Ankunft in einem fremden Hafen machen kann. Entweder man hat das Glück eine Marina zu finden und macht sein Boot am Steg fest, oder man schmeißt einfach 10-50 Meter entfernt von Strand seinen Anker.

Erste Variante hat den großen Vorteil, dass man trockenen Fußes schnell und bequem auf sein Boot steigen kann. Nachteilig dagegen sind die Liegegebühren (die außerhalb von Europa eigentlich zu verkraften sind) und die Wahrscheinlichkeit, dass Ungeziefer und Ratten ebenso bequem an Bord kommen wie wir.
Da es auf abgelegenen, paradiesischen Inseln aber in der Regel keine Marinas gibt, greifen wir häufig auf unseren Anker zurück. Man lässt ungefähr 3 Mal so viel Ankerkette heraus, wie tief der Meeresgrund ist, bläst das Schlauchboot auf und Paddelt an die Küste. Was jetzt so einfach klingt, birgt aber viele Gefahren:

1. Probleme mit Ebbe und Flut

Wir Grünschnäbel vergessen in Madagaskar doch tatsächlich, dass gerade Ebbe ist. Wie immer am ersten Tag können wir es nicht erwarten an Land zu kommen, um nach fünf Wochen auf See das erste Bier zu trinken und Pizza zu essen. Als wir nach 5 Stunden wieder kommen, ist die Flut bereits in vollem Gange und dafür haben wir anscheinend zu wenig Kette gelassen. Mit steigendem Wasserspiegel treibt Marianne immer weiter auf den Strand zu. Gerade noch können wir sehen, wie andere Segler unsere Marianne wenige Meter vom Strand entfernt entern und sie wieder an ihren alten Platz fahren. Diesmal aber mit genug Ankerkette… Peinlich.

Wir legen in Darwin bei Flut an und unterschätzen den Tidenhub. So wundern wir uns eines nachts, als bei Ebbe das Wasser verschwindet und Marianne sich langsam auf die Seite legt. Sieht seltsam aus, aber so hat man endlich die Möglichkeit, bei einem nächtlichen Spaziergang ganz bequem den Kiel zu inspizieren.

2. Unfälle vom Boot zum Land / Land zum Boot

Nach dem wir also mit dem ersten Ankerplatz auf Madagaskar keine guten Erfahrungen gemacht hatten, entscheiden wir uns dazu, den Standort zu wechseln. Wir liegen also nun in der Nähe des richtigen Hafens. Leider sieht uns eines morgens auf dem Weg an Land, eines der kleinen, superschnellen Fährboote nicht, das mit dem Bug aus dem Wasser kommt, wenn es so richtig in Fahrt ist. Wir werden also tatsächlich über den Haufen gefahren! Ein Glück passiert unseren Laptops und der Kamera nichts, und auch wir werden nur ein wenig nass. Das hätte auf alle Fälle das Ende unserer Reise sein können.

Wenn man dann abends nach einer netten Runde im „Taxi-Bé“ nach Hause will, kann es durchaus passieren, dass auf Grund unruhiger See bei starkem Wind eine Heimkehr einfach nicht möglich ist. Da heißt es dann eben zurück in die Bar…

Aufgehalten

Cusco – Winter 2012

Uns gefällt es wieder mal so gut, dass wir einfach nicht wegkommen – auch nicht wollen. Wir haben uns so weit an die Höhenluft der Anden gewöhnt, dass wir zumindest keine Kopfschmerzen mehr bekommen, so lange wir uns nicht zu sehr bewegen geht es. Die Kinder haben am wenigsten Probleme damit, doch gestern ist Maya ausgefallen. Krank: Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Ausschlag am ganzen Körper. Nathalie ist sich nicht sicher und so wollen wir ins Hospital, aber die wollen lieber vorbeikommen. Die Diagnose des netten peruanischen Arztes ist kurz und knapp. Scharlach. Gut das es Penicillin gibt. Maya, geniest ihre Krankheit in vollen Zügen und Micha braucht am Freitag abend mal ne kurze Familienauszeit. Und so streune ich über den Plaza de Armas, dem Zentrum des wunderschönen Cuscos, gönne meinen Bandscheiben eine Massage und stehe dann mit einem Bier in der Hand unter einem der alten Steinbögen und schaue dem bunten Treiben der Touristen und der Peruaner zu. Es soll spät werden, den Cusco hat ein buntes Nachtleben zu bieten.

Entsprechende Startschwierigkeiten begleiteten meinen heutigen Tagesanfang, meine Familie lacht. Immerhin, unsere Reise Versicherung meiner Barclaycard hat den Autoeinbruch Einbruch in Chile inzwischen bezahlt und ich habe mir gestern eine neue Lederjacke und einen warmen Pullover geleistet. Schluss mit Dauerfrieren sobald die Sonne weg ist. Cusco ist sehr billig, wenn man weiß wie es geht. „Was soll das kosten?“ „220 Soles. Aha!“ Man bietet 50, um schon mal klar zu machen, dass man Bescheid weiß. Der peruanische Händler, sieht jetzt schon, dass wir keine Touristen sind. Dann kommt der wichtige Part, auf den man sich halt vorher vorbereiten muss. Man zückt seine Brieftasche und bekommt genau 85 Pesos zusammen. „Haben oder nicht haben?“ Der Peruaner kann dem Anblick von Geld nicht wiederstehen, wird das Geld annehmen und der Handel ist perfekt. Sein anderes Geld hat man in einer anderen Tasche. Würde der Peruaner sehen, dass man noch mehr Geld hat, würde das nicht funktionieren. Das Ganze hat mir der englischblütige Automechaniker in Arequipa erklärt – nachdem ich seine Rechnung aber schon bezahlt hatte ;-)

Morgen geht es dann weiter nach Ollantaytambo. Von da aus geht es nach Machu Picchu, dem nördlichsten Punkt unserer geplanten Reise, doch wie wir halt immer so sind, wollen wir, wenn wir schon mal hier sind, in den Manu National Park, der etwa acht Autostunden nördlich von Cusco liegt.