Archiv der Kategorie: News & Blogs

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Volvo Ocean Race: <p>
	&quot;Vestas&quot; im letzten Volvo Ocean Race</p>

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Gasflaschen auf Weltumsegelung füllen

von Sönke Roever

Auf nahezu jeder Blauwasseryacht kommt Gas zum Einsatz. Zum Kochen, zum Backen, zum Grillen oder um eine Brennstoffzelle zu betreiben. Wer Gas an Bord einsetzt und auf eine Langfahrt geht – wie beispielsweise eine Weltumsegelung – muss sich früher oder später damit beschäftigen, wie Nachschub an Bord kommt.

Auf fast allen Blauwasseryachten wird mit Gas gekocht.

Dabei muss zunächst mit einem Missverständnis aufgeräumt werden. Während wir aus der Heimat gewöhnt sind, eine leere Gasflasche an der nächsten Station gegen eine volle auszutauschen, funktioniert das außerhalb Deutschlands etwas anders. Auf einem Blauwassertörn wird die eigene Flasche die ganze Törndauer über behalten und immer wieder aufgefüllt. Daher sollten vor Fahrtantritt Flaschen mit einer langen TÜV-Laufzeit erworben werden. Andernfalls kann es passieren, dass ein Befüllen abgelehnt wird.

Der deutsche Gasanschluss.

Adapter zum Befüllen der Gasflaschen beim Blauwassersegeln

Damit die eigene Flasche weltweit befüllt werden kann, gibt es ein Adapter-Set, das für kleines Geld im Fachhandel erworben werden kann. Achtung! Es gibt zwei Versionen des Sets. Blauwassersegler brauchen das vierteilige „Euro-Füllset“ zum Befüllen deutscher Gasflaschen im Ausland – nicht das „Euro-Set“, welches erlauben würde, ausländische Flaschen in Deutschland zu füllen, und folglich an Bord eher keinen Sinn ergibt.

Das Euro-Füllset mit den vier Adaptern.

Das Set enthält vier Adapter:

  • Übergangsstutzen 1: Italien, Schweiz
  • Übergangsstutzen 2: Italien
  • Übergangsstutzen 3: Belgien, Dänemark, Finnland, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Portugal, Schottland, Schweiz, Italien, Schweden
  • Übergangsstutzen 4: Dänemark, England, Frankreich, Niederlande, Italien, Österreich, Schweiz, Spanien

Der Clou ist, dass die meisten Länder weltweit in irgendeiner Form in Bezug zu den genannten stehen — beispielsweise, weil es sich um ehemalige Kolonien handelt. So kann auf den Niederländischen Antillen Aruba, Bonaire und Curaçao der Adapter Übergangsstutzen 4 benutzt werden, in Australien und Neuseeland der englische (ebenfalls Nr. 4) und in Brasilien oder auf den Kapverden der portugiesische Adapter (Nr. 3).

Für die USA und Kanada wird dieser Adapter benötigt.

Wer in die USA oder nach Kanada segelt, benötigt unabhängig vom Euro-Füllset einen weiteren Adapter, da das Euro-Füllset dort aufgrund anderer Anschlüsse nicht weiterhilft. Um den Adapter zu finden, wird nach „LPG Adapter POL“ gegoogelt. Achtung: Es gibt zwei verschiedene Adapter. Benötigt wird der, der es erlaubt eine deutsche Flasche in den USA zu befüllen. Nicht anders herum.

Gasflaschen mit Butan bzw. Campingaz.

Welches Gas? Propan oder Butan?

Damit dies alles so reibungslos funktioniert, wie es hier klingt, sollte besser Propangas (graue Flasche) genutzt werden. Die Alternative Butangas (blaue Flasche) – auch Campingaz genannt – ist nicht in allen Ländern verfügbar.

Typenschild einer Butan-Gasflasche. 2,75 Kilogramm sind fürs Blauwassersegeln eher zu wenig.

Größe der Gasflasche

Zudem sind die blauen Flaschen zu klein, um lange Strecken damit zu überbrücken. Da müssten dann deutlich mehr Flaschen an Bord vorrätig sein, um nicht einen Versorgungsengpass zu riskieren. Man darf ja nicht vergessen, dass der Verbrauch auf einer Weltumsegelung ein anderer ist als bei einem Sommerurlaub auf der Ostsee – vor allem auch durch das zeitintensive Brotbacken im Ofen.

Brotbacken ist zeitintensiv und verbraucht entsprechend viel Gas.

Anzahl der Gasflaschen

Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, sollten mindestens zwei Gasflaschen an Bord mitgeführt werden. Ist die erste leer, wird die zweite Gasflasche angeschlossen und die erste bei der nächsten Gelegenheit gefüllt. Fünf Kilogramm pro Flasche sind in meinen Augen das Minimum. Eine Fünf-Kilo-Flasche reicht bei normalem Verbrauch (Kochen und Backen) für mindestens eineinhalb Monate – eher mehr. Auf unserer Weltumsegelung hatten wir für zwei Personen zwei Elf-Kilo-Flaschen an Bord und haben im Schnitt alle vier bis fünf Monate eine Flasche aufgefüllt.

Wohin mit den vielen Flaschen? Hier wurde eine Flasche an Deck gestaut.

Natürlich bedarf es auch an Platz, um zwei Elf-Kilo-Flaschen zu verstauen. Auf den meisten Serienyachten ist das eher eine Herausforderung. Bei uns an Bord haben wir vor der Abfahrt zu unserer Weltumsegelung eine kleinere Backskiste zu einer Gasbox umgebaut.

Eine unserer Backskisten haben wir zur  Gasbox umgebaut.

Die Praxis – Gasflaschen im Ausland füllen

Doch wie läuft das Befüllen in der Praxis ab? Im Idealfall kann die Flasche in einer Marina abgegeben werden, und ein paar Tage später erhält man sie wieder zurück. Dies war auf unserer Weltumsegelung beispielsweise in Indonesien oder Panama der Fall. Dafür sollte die Flasche unbedingt mit dem Bootsnamen versehen, die rote Schutzkappe aufgesteckt und der Adapter gegebenenfalls fest aufgeschraubt werden. In vielen Ländern ist der Adapter inzwischen nicht mehr zwingend erforderlich, da die Füllstationen selber über passende Anschlüsse verfügen. Man könnte so gesehen das Geld sparen. Da der Preis aber nicht sehr hoch ist, würde ich die Adapter vorsichtshalber mitnehmen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Gut sichtbar: Der Bootsname auf der Gasflasche.

Alternativ kann man auch selbst den Weg zum Gaswerk auf sich nehmen, was mitunter jedoch recht abenteuerlich sein kann. Auf den Cook-Inseln mussten wir die volle Flasche auf dem Rücksitz eines Motorrads transportieren. In Vanuatu hingegen konnten wir mit dem Schlauchboot direkt zum Gaswerk fahren und dort anlegen.

Leider stehen dem Befüllen hin und wieder auch die Vorschriften eines Landes im Wege. So berichten Segler zunehmend davon, dass es beispielsweise in Französisch-Polynesien oder Portugal Probleme gibt, deutsche Flaschen zu befüllen (siehe auch Länderliste am Ende des Artikels). Noch ein Grund mehr, möglichst große Flaschen mitzunehmen. Das schafft Freiräume und Flexibilität bei der Überbrückung solcher Fahrtgebiete.

Gasflaschen umfüllen

Sollte es mit dem Befüllen gar nicht funktionieren und Gas dringend benötigt werden, muss umgefüllt werden. Dazu wird eine volle Gasflasche erworben und diese mit der eigenen leeren Flasche über einen Schlauch miteinander verbunden – ohne Druckminderer dazwischen! Bitte beachten: Der Schlauch muss dem Druck standhalten. Am besten verwendet man dafür einen so genannten „Hochdruck Umfüllschlauch PB30“, der bis 30 Bar Druck gedacht ist.

Einsatz eines Umfüllschlauches an Bord einer Blauwasseryacht – Foto: SY AKKA.

Das Umfüllen erfolgt wie folgt: Die volle Flasche wird kopfüber aufgehängt. Die leere Flasche steht richtig herum darunter. Der Schlauch verbindet die beiden Flaschen. Logischerweise gelingt es nicht immer, den Umfüllschlauch auf die ausländische Flasche aufzuschrauben, da diese meistens ein anderes Gewinde hat. Hierfür gibt es auch ein Adapterset. Es funktioniert sozusagen anders herum als das oben genannte. Es heißt in dem Fall nur „Euro-Set“ – also ohne den Zusatz „Füll“.

Nach dem Öffnen der Absperrhähne strömt das Gas von der einen in die andere Flasche. Je nach Umgebungstemperatur wird erreicht, dass hinterher beide Flaschen gleich voll sind. Dies kann über eine Federwaage kontrolliert werden.

Wichtig: Der Vorgang dauert ein paar Stunden. Einfach hängen lassen und warten.

Von der vollen Flasche (oben) läuft das Flüssiggas in die leere Flasche (unten) – Foto: SY AKKA.

Das Ergebnis wird verbessert, indem die obere Flasche erwärmt und die untere Flasche gekühlt wird. Erwärmung funktioniert in der Sonne mit schwarzen Tüchern oder warmem/heißem Wasser; kühlen mit nassen, kalten Tüchern im Wind. Je größer das Temperaturgefälle ist, desto schneller fließt das Flüssiggas von oben nach unten.

Bitte beachten:

  1. Das Umfüllen sollte an einem luftigen Ort erfolgen und – je nach Zustand des Verbindungsschlauchs – auch nicht an Bord, da bei einem Unfall oder auch Leck unter Umständen durch einen offenen Niedergang oder eine offene Luke Gas ins Schiffsinnere strömen könnte (Explosionsgefahr). Gas ist schwerer als Luft und die Schiffe sind tief.
  2. Nie den Inhalt einer großen Flasche in eine kleine füllen. Wer mit einer Elf-Kilo-Flasche eine Fünf-Kilo-Flasche füllt, beseitigt mit hoher Wahrscheinlichkeit die erforderliche Gasphase, die zum Vergasen des Flüssiggases benötigt wird.

Material der Gasflasche

Bei der Wahl der Flasche stehen drei Optionen zur Auswahl: Stahl, Aluminium oder Kunststoff. Da Stahl-Gasflaschen mit der Zeit rosten und ziemlich schwer sind, setzen viele Segler auf leichte, rostfreie Aluminiumgasflaschen. Mit Kunststoffflaschen habe ich selber keine Erfahrungswerte gesammelt.

Elf-Kilo-Flasche aus Aluminium.

Wartung und Sicherheit der Gasanlage

Der Form halber noch ein kleiner Hinweis: Wird an Bord mit Gas gekocht, sollte die Anlage regelmäßig durch einen Fachmann auf Dichtigkeit geprüft werden. Bei Nichtgebrauch ist es ratsam, das Gas direkt an der Flasche abzudrehen – sei es manuell oder durch einen Fernschalter. Ein Gaswarner in Bodennähe oder der Bilge (Gas ist schwerer als Luft) ist zusätzlich sinnvoll. Siehe hierzu auch diesen Artikel über „Umgang mit Feuer an Bord“.

Gasbox mit Prüfplakette und zertifiziertem Schlauch.

Gasflaschen auf Weltumsegelung – Länderübersicht

Abschließend habe ich noch eine Liste mit Ländern erstellt (siehe auch interaktive Karte). Sie gibt Aufschluss darüber, wo deutsche Flaschen befüllt werden können und wo nicht. Ich freue mich über Ergänzungen, da die Liste noch unvollständig ist.

Hier hat das Befüllen deutscher Flaschen funktioniert:

  • Belgien: gleicher Anschluss wie in Deutschland
  • Brasilien: in Cabedelo
  • Cook Inseln: in Rarotonga – Gaswerk am Hafen
  • Ecuador
  • Estland
  • Griechenland: mit Glück an Tankstellen
  • Indonesien: Bali in der Bali Marina oder Bali Serangan
  • Irland: siehe www.calorgas.ie
  • Island: in Reykjavík bei Esso
  • Italien
  • Kanada
  • Kroatien: bei INA (Flaschen dürfen nicht älter als fünf Jahre sein)
  • Kolumbien
  • Lettland
  • Litauen
  • Marokko: in Mohammedia
  • Namibia
  • Niederlande: gleicher Anschluss wie in Deutschland
  • Niederländische Antillen: in Curacao
  • Norwegen: bei LPG Norge
  • Panama: Colon in der Shelterbay Marina oder bei TropiGaz
  • Polen: gleicher Anschluss wie in Deutschland
  • Slowenien
  • Südafrika
  • Tonga
  • Trinidad
  • USA
  • Vanuatu: in Port Vila – Gaswerk am Hafen

Hier hat das Befüllen deutscher Flaschen nicht funktioniert:

  • Dänemark
  • Frankreich
  • Französisch-Polynesien
  • Großbritannien
  • Neuseeland
  • Portugal
  • Schweden
  • Spanien

Auf der Karte sieht das dann so aus:

Deutsche Flaschen mit Gas füllen Placeholder
Deutsche Flaschen mit Gas füllen

Fazit

Die Versorgung mit Gas auf einer Weltumsegelung ist in der Regel keine große Herausforderung wenn man etwas Geduld für die Suche nach einer Füllgelegenheit mitbringt, sich im Vorwege die passenden Adapter besorgt und darauf achtet, dass die Flaschen groß genug dimensioniert werden.

Abschließend sei noch eine kleine Anekdote erwähnt: Ein Fallschirmspringer springt aus dem Flugzeug. Nach einer Weile zieht er die Reißleine, aber der Fallschirm öffnet sich nicht. Als er nur noch 1.000 Meter vom Boden entfernt ist, kommt ihm plötzlich von unten jemand entgegen und er ruft: „Reparieren Sie Fallschirme?” Im Vorbeifliegen ruft der Andere: „Nein, Gasflaschen!”

Der Beitrag Gasflaschen auf Weltumsegelung füllen erschien zuerst auf Blauwasser.de.

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Viertes Schnuppersegeln auf der Förde

Mehr ein Starkwindtraining

Wir wachen am heutigen Morgen schräg auf. Die MARLIN will am Anker segeln und schwoit an der Kette was das Zeug hält. Von 15° Schräglage auf steuerbord, nach 15° backbord, fast rolle ich aus der Koje. „Wir laufen nicht aus! Der Anker bleibt da wo er ist. Windstärke acht ist Sturm“, verkünde ich unseren Mitseglern, die währenddessen die Tassen festhalten die ansonsten ins Rutschen kommen. Schon gestern sind wir bei Windstärke 7 aus dem Flensburger Hafen raus und raumschots mit 9-10 Knoten, nur mit dem zweiten Reff im Groß, bis nach Vemmingbund bei Sonderburg gekommen. Ordentlich Fisch, ordentlich Weinchen hat ebenfalls ordentlich Stimmung aufkommen lassen. Ich lasse mit NavMonPC die Winddaten mitschreiben. Am Horizont kommt eine schwarze Wolke nach der anderen und zieht über uns her. Aus dem geschützten Ankerplatz gegen W ist ein ungeschützter offen NW geworden. In den Böen sind 40 Knoten Wind, der Durchschnitt liegt bei 35 Knoten. Nicht das richtige Wetter um mit einer Crew loszusegeln, die das Schiff bisher nur flüchtig kennt.

Lange Gesichter. Pelle und Lars legen sich noch eine Runde auf’s Ohr. Dorit werkelt in der Küche. Wim und Jan sitzen vertieft mit ihren Handys im Salon. Die Stimmung ist nicht grade gut. „Schweinekalt ist es auch noch.“ „So ein Mistwetter hatte ich nicht gebucht.“ Da entdecke ich den ersten blauen Fleck am Himmel. Auch am Horizont tut sich was. Der Starkwind bleibt. Auf NavmonPC können wir die Windentwicklung live mitverfolgen. Gegen Mittag pendelt sich der Wind auf 30 Knoten ein. „Dann mal los!“, entscheide ich und ziehe mir meine Segelsachen an. Long John, Stiefel, warme Unterwäsche und natürlich die gute Musto Jacke bis unter die Nasenspitze. Außentemperatur 5°. Innentemperatur 19°. Im Pilothaus sitzt es sich gemütlich. Durch die großen Scheiben kann man die aufgepeitschte See beobachten. „Dann mal raus. Jan, Du bleibst am Steuerrad. Den ROCNA hebe ich mit Pelle. Alle anderen können schon mal die Leinen klar machen.“ Alles läuft wie am Schnürchen. Der 70kg ROCNA Anker an 30 Meter Kette kommt leicht hoch. Sofort legt sich MARLIN auf die Seite und segelt los. „Viereinhalb Knoten bei Halbwind. Ohne Segel.“ Ich schaue zum Horizont. Ein neues schwarzes Ungetüm taucht am Himmel auf. „Da sind noch mal vierzig Knoten drin. Wir warten noch mit dem Großsegel bis die Gewitter-Wolke durch ist. Dann gehen wir ins dritte Reff. Das sind ja Verhältnisse wie in Patagonien. Kap Hoorn liegt auf 56°S. Wir segeln grade auf 53°N.“ Pelle, Pille auf dem Raumschiff MARLIN, lacht. „Kap Hoorn hatte ich aber nicht auf dem Plan!“ Das Manöver zum Segelsetzen fahre ich selbst. Kaputt brauchen wir jetzt nicht. Ein paar Minuten später steht das Segel im kleinsten Reff, was wir haben. Ich falle ab. Jan schlägt den Bullenstander an. MARLIN segelt Richtung Kalkgrund mit Rumpfgeschwindigkeit. „Was ist Rumpfgeschwindigkeit?“, fragt Lehrer Lars. „Aehm. Da gibt es eine Formel für. Habe ich vergessen. Wim? Kennst Du die?“ „Wurzel der Wasserlinie mal 2,43“, kommt aus der Pistole geschossen! Ich zeige Wim den Daumen nach oben. Wim ist Profisegler, an Bord weil er besonders mich und die MARLIN mal kennenlernen wollte. Da passte der kurze Schnuppertörn bestens in seine Freizeitplanung. Überhaupt: Es hat sich wieder mal eine besonders stimmige Crew auf der MARLIN zusammengefunden.

Eigentlich sollte Skipper Jan das Segelzepter heute in der Hand halten, aber auf Grund der Windverhältnisse schalte ich mich ein. Es geht flott mit Rumpfgeschwindigkeit Richtung Leuchtturm Kalkgrund in den kleinen Belt. Schnuppersegeln. Downwind ist das ja alles gut und einfach, spaßig. Zwischenzeitlich haben wir durchgängig blauen Himmel und Sonne. „So hatte ich das bestellt.“ Die berühmt berüchtigte, steile, kabbelige Ostseewelle kommt ungebremst aus Norden, als wir in den Belt kommen. Die Insel Aero liegt zum Greifen nah vor uns und die Zeiger der Uhr im Salon der MARLIN dreht sich unweigerlich weiter. „Jan, ich koche mal ne Spagetti mit Sauce, bevor wir eine Wende fahren. Wir haben 20 Meilen bis nach Hoerup Havn, die wir gegen 30 Knoten aufkreuzen müssen.“ „Jou! Mach mal. Ich pass auf dass keiner über Bord geht.“ Am Steuer steht Dorit, die mutige Krankenschwester aus dem Spreewald. Als langjährige Leserin unseres Blogs, kennt sie mich vielleicht besser als ich mich selbst. „Irgendwie konnte ich es nicht sein lassen. Die Maus am Computer ist beim Buchen Button für diesen Schnuppertörn festgeklebt und ich habe gedrückt“, stellt sich sie die junge Krankenschwester mit Berliner Akzent vor. „Ich war noch nie auf einem Segelboot.“ „Na dann hast Du ja die richtige Wahl gemacht. Hast Du den Starkwind extra bestellt, damit es uns nicht langweilig wird?“ Dorit lacht mich mit strahlend blauen Augen an. Ja. Alle haben Fun ohne Ende, stehen abwechselnd am Ruder und in Rauschefahrt genießen sie die MARLIN. Ich verschwinde in der Kombüse. Spagetti a la Nathalie gibt es zum verspäteten Mittagessen.

“Klar zu Wende?“ Der Bug der MARLIN dreht sich Richtung Schlei Mündung, dann wieder Richtung Kalkgrund. Es wird ruppig und schräg. Sehr schräg. Jetzt kommen zu dem Wind, mit immer noch 25 Knoten, der Fahrtwind. Wieder steht die Nadel auf fast dreißig Knoten. Das Schiff zeigt was es kann. Der Rumpf schneidet den Belt in zwei Teile. Mit dreißig Tonnen liegen wir relativ ruhig im Wasser. Strömung gibt es hier kaum, die Schläge werden immer kürzer, die Sonne neigt sich immer weiter Richtung Westen und kaum verschwunden wird es eisig kalt draußen. Keine Diskussion. Nur noch für die Wenden gehen wir raus, den Rest der Zeit sitzen wir alle im warmen Pilothaus und schauen MARLIN beim Segeln zu, genießen die mollige Wärme, sind froh jetzt nicht am Steuer stehen zu müssen. Plötzlich ein Geräusch, ein Krachen, als wenn wir in einen Container gefahren sind. Ich kann es nicht lokalisieren. Chaos an Bord. „Was ist los?“ Skipper Jan wieselt über das Deck und findet schnell die Ursache: Die Ankerwinsch ist plötzlich angesprungen und hat versucht den Anker hochzuziehen, der aber bereis festgebunden in seiner Halterung liegt. Die Rutschkupplung ist mit einem irren Krach durchgedreht. „Mach schnell die Ankerwinschsicherung aus!“, Jan findet auch direkt die Ursache. Vom Fußschalter ist das Gummi kaputt gegangen, Seewasser eingedrungen und hat den Schaltimpuls ausgelöst. Gut gemacht Jan. Sehr gut.

Der Tag endet, wie er enden muss nach so viel Abenteuer. In Hoerup Havn fällt der ROCNA auf 10 Meter Wassertiefe, die Buddel Rum kommt aufn Tisch und der Skipper zaubert am Herd. „Heute habe ich Seeteufel beim Segeln gefangen.“ Keiner glaubt mir mehr, als ich den Fisch im Eimer zeige. Komisch. Es ist spät geworden. Und ich bin der erste, der schon mal das Nachtkonzert in der Steuerbordkabine anschnarcht. Tolle Crew. Toller Tag. Tolles Segeln. Unvergesslich.

 


 

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