Monatsarchive: Juli 2015

England. Wir sind da.

20150730

Etwas übermüdet?

Ich bin ziemlich durch. Die letzte Nacht war ich Springer bei der Wache. Immer wenn mich jemand braucht, Essig mit schlafen. Na ja und mich brauchte ständig jemand. Am Himmel hat es geblitzt wie wild, die Traffic Zone gilt es zu durchqueren, Motor an, Motor aus, zwischendurch noch Mails und SMS schreiben. Kann ja nicht gutgehen. Nun sitzt Jan in Plymouth statt in Portsmouth. Tja, so kann es gehen. Ich kauf mir bei nächster Gelegenheit nen T-Shirt mit der Aufschrift: „Ich bin Skipper. Ich bin immer schuld.“ Spaß dahin – Spaß daher, ich habe mich schon lange damit abgefunden. Solange ich dabei noch lachen kann, ist alles gut.

Unser Segeltag war ein Traum. Am Morgen durchqueren wir mit reichlich Strömung auf den Punkt genau zur richtigen und geplanten Zeit den Ärmelkanal. Das heißt, mit der Strömung im Nacken und 10-11 Knoten über Grund. Das schlechte graue Wetter aus den Niederlanden verzieht sich und der Tag beginnt mir einem aufreißenden blauen Himmel. Die Kalkfelsen von Dover werden angestrahlt und zwischendurch kann ich mir an jeder Ecke mal eine Mütze Schlaf holen. Unter Vollzeug geht es an der Küste von Südengland entlang zum besagten Hafen von Plymouth, ach ne Portsmouth. Der Wind ist weg und um die Spitze von Beachy Head kommen wir unter Segel nicht in einem vertretbaren Zeitmaß rum. Acht Knoten durchs Wasser, zwei Knoten über Grund. Mit der IRON LADY wären wir rückwärts gesegelt. Da dreh ich den Schlüssel rum. Johann, der Motor läuft immer noch. Morgen früh Landfall in Portsmouth.

 


Nächste Abfahrtmöglichkeit mit der MARLIN: Derzeit ist fast alles dicht bis September. Dann geht es von Faro nach Madeira. Da sind wieder Plätze frei und von Madeira zu den kanarischen Inseln. Im Oktober kannst Du noch auf den Kapverden mitsegeln. Die Atlantiküberquerung ist ausgebucht. www.marlin-expeditions.com

 

Nominiert!

Heute wurden die nominierten Yachten zur Wahl der European Yacht Of The Year (EYOTY) vorgestellt. Bente24 ist dabei. Der EYOTY-Award wird jedes Jahr von 11 europäischen Magazinen aus 11 Ländern vergeben. 25 Boote aus verschiedenen Kategorien werden nominiert. Unsere Bente24 wird sich in der Kategorie Special Yachts mit sehr starker Konkurrenz messen: Corsair Pulse 600 , Fareast 28R, Farr 280, Quant … Nominiert! weiterlesen

Grüßen – Nett oder lästig?


Situation 1: Deutsche Ostsee: Ein Segelboot passiert mich von vorne kommend. Ich sehe den Skipper am Ruder stehen und grüße ihn freundlich. Er guckt mich einfach nur mit ausdrucksloser Miene an und segelt weiter. Schwedische Ostsee: Ein Segelboot passiert mich von vorne kommend. Obwohl noch weit voneinander entfernt winken wir uns gegenseitig fröhlich zu. 
Situation 2: Ich betrete ein Restaurant in Deutschland. Alle Bedienungen sind unsichtbar oder im gemeinsamen Gespräch. Ich setze mich also einfach an einen freien Tisch. Als nach 5 Minuten immer noch niemand kommt, hole ich mir selbst die Karte. Begrüßt werde ich dann mit einem knappen „Die Küche macht aber gleich zu“. Ich betrete ein Restaurant in den USA. Es folgt dann in etwa dieser Dialog: „Hey, how are you today?” “Great, and you?” “Awesome, please follow me… Where do you come from?” “Germany, we are on a round trip” “Yeees? How nice…what do you want to drink?” “Sweet tea, please” “Great, here is our menu. I’ll be right back to take your orders.” Fühlt sich doch gleich viel besser an. 
Situation 3: Ich freue mich auf die neue Marina in Dänemark, da ich die Skandinavier als sehr liebenswerte und freundliche Menschen kennengelernt habe. Mir kommt ein Paar entgegen. Freundlich grüße ich sie. Doch schnell wird der Blick abgewendet und wortlos vorbeigehuscht. Ich schaue mich genauer um und sehe überall deutsche Kennzeichen. Na gut, dann eben wortlos vorübergehen. Das vierte Paar grüßt mich. Ich bekomme fast einen Schreck. Heckflagge? Danebro…
So könnte ich endlos Beispiel an Beispiel fügen, aber es ist wohl klar worauf ich hinaus will. Warum tun wir Deutschen (ich schließe mich hier leider mit ein) uns so schwer mit den simplen Formen der Höflichkeit und des Umgangs miteinander? In Amerika gilt es als unhöflich im Fahrstuhl schweigend nebeneinander zu stehen oder gemeinsam irgendwo Seite an Seite zu sitzen. Also wird simpler Small Talk gemacht und dabei stets gute Laune suggeriert. Und mir gefällt das. Denn dieser Umgang macht mir gute Laune, auch wenn es mein Gegenüber absolut nicht interessiert, wie es mir denn heute wirklich geht. In Deutschland wird jede persönliche Frage doch irgendwie immer gleich als Angriff gewertet. Wenn ich in einen Fahrstuhl einsteige und dort jemanden frage, wie es ihm geht, denkt er/sie doch gleich ich will die Brieftasche klauen oder eine Versicherung verkaufen. Small Talk? Fehlanzeige. Bloß schnell wegschauen und raus aus dieser unangenehmen Situation. Wovor fürchten wir uns denn? Vor ein paar netten, unverbindlichen Worten? Mir geht es nach einem Small Talk jedenfalls besser als nach einem verkrampften Schweigen. Aber häufig werden hier andere Menschen meist eher misstrauisch als wohlwollend gemustert, und wirklich sicher ist man nur in den eigenen vier Wänden vor dem Fernseher. Der fragt wenigstens nicht wie es einem geht, sondern plärrt einfach vor sich hin. Wäre ja auch noch schöner. Schlimm genug, dass die Supermarktkassiererinnen auch neuerdings auch alle freundlich grüßen (müssen). Viele, gerade der Älteren, lassen diesen Gruß aber unbeantwortet, wie ich immer wieder beobachte. 
Nun mag man den Einwand bringen, das gerade Amerika das Land der Oberflächlichkeit ist und die Höflichkeit daher nur aufgesetzt. Stimmt. Aber: Na und? Es herrscht darüber ja Konsens und fühlt sich dabei trotzdem besser an und als das deutsche Gebrummel. Eine Bekannte von mir brachte es mal so auf den Punkt. Bei der Ankunft in den USA wollte sie ihren schweren Koffer vom Band holen. Doch kaum setzte sie dazu an, sprang ein freundlicher Herr dazu und half ihr. Er begrüßte sie kurz in den USA und fragte wohin die Reise geht, doch die allzu ausführliche Antwort wartete er dann doch nicht ab, sondern machte sich mit einem schnellen „Yeah, have a great trip!“ vom Acker. „Naja, so sind die hier eben“ dachte die besagte Bekannte. Zurück in Deutschland kam ihr in selber Situation natürlich niemand zu Hilfe. Und sie wurde sogar noch von einem Mann angeschnauzt, weil sie den Koffer nicht schnell genug vom Band bekam. Natürlich kam er ihr dabei nicht zur Hilfe. Da kam dann doch schnell wieder Sehnsucht nach dem oberflächlichen Amerika auf.
Mich stört es nicht immer wenn ein Gruß ins Leere geht. Gerade auf dem Segelboot ist man ja oft beschäftigt oder die Entfernungen sind groß. Auch ich habe dabei wohl schon häufig einen Gruß verpasst. Was ich aber absolut nicht nachvollziehen kann ist das „bösartige“ Nichtgrüßen. Sprich, man fährt dicht aneinander vorbei (und ich meine dabei nicht auf der Förde zur Kieler Woche), ich hebe mein Arm und mein Gegenüber schaut mir einfach nur lange und komplett ausdruckslos in die Augen. Warum? Wieso? Weshalb? So gerne wüsste ich die Antwort! Ich empfinde es als echte Frechheit und so ist dann von einfachem Abwinken bis selten zum Mittelfinger (ich gestehe) alles drin…je nach Tagesform. Woher kommt bloß diese ablehnende und (im Wortsinne) fremdenfeindliche Haltung in Deutschland? Freundlichsein erscheint vielen offenbar als Zumutung oder sogar als Anstrengung. Und da man selber gerne unfreundlich und mies gelaunt ist, sollen es die anderen bitte auch sein? Die Standardantwort in Amerika auf ein: „How are you?“ ist „Great!“. In Deutschland folgt auf „Na, wie geht’s?“ ein „Muss ja!“. Das sagt doch schon alles. Und wir haben dabei einen Sozialstaat von dem viele Amerikaner nur träumen. 
Diese meckerige Attitüde findet man nun leider auch online in eigentlich fast allen Gruppen und Foren. Ich kann diese Beiträge eigentlich nur lesen, indem ich konsequent alles themenfremde filtere. Wenn ich eine Antwort auf ein Problem suche interessiert es mich doch nicht, ob die Frage schon einmal (absolut unauffindbar) gestellt wurde. Oder ob der Fragende ein Idiot und der Antwortende ein noch ein größerer Idiot ist. Und daher nun  das Forum verlässt. Aber mit geübtem Filterblick findet man dann irgendwo  auf Seite 3 dann doch den gesuchten Link oder die Information. Und auch hier können wir uns gerne etwas von den Briten oder auch den Amerikanern (außer natürlich zum Thema  privater Waffenbesitz) abgucken. Jede noch so dämliche Frage (die dem Fragenden aber doch offenbar wichtig war) wird da höflich beantwortet. Beispiel: „Ich habe gerade ein kleines Segelboot gekauft und möchte in drei Monaten die Welt umrunden. Brauche ich dafür eigentlich einen Motor und reichen 100 Euro?“
Englisches Forum: „I have great respect for your plans to round the world in a sailboat with just €100.-. It will surely be a great lifetime experience. But I am also sure it will be even greater after a good time of making some sailing experiences in your coastal waters. Also it might be a good idea to spend some time sailing on a boat with an experienced sailor to learn some stuff you might need on your journey. Don’t get me wrong here…I really appreciate your sense for adventures and your courage to face this dangerous trip, which already took the life of many even more experienced sailors. But you will have much more fun when to know exactly how to handle your boat. Good luck, and give me a note if you managed to go round in three month, so I can shake your hand to this new world record!” Oder so ähnlich.
Deutsches Forum: ”Was ist das denn fürn Idiot” “Bleib besser zuhause, du Penner” „Kauf dir nen Strick für €10.- Ist billiger.“ Und das in 786 Variationen plus Insiderwitze über die richtigen Socken beim Kentern.  Bis dann der Ruf an den Admin laut wird dieses A…loch doch endlich zu sperren. Und sehr wenige würden sich dabei die Mühe machen, einfach einmal freundlich und höflich auf den Unsinn dieses Plans hinzuweisen. Generell habe ich den Eindruck, dass vollständig formulierte Sätze es in Deutschland schwer haben. Denn die klingen ja immer noch zu nett. Lieber ein „Tolle Idee, Spinner“ als ein „Entschuldigung, aber ihre Idee ist leider sehr bescheuert!“ Dabei wäre das doch schon ein großer Schritt in die richtige Richtung! In diesem Sinne: Auf die Rückkehr der respektvollen Umgangsformen, damit wir alle mehr vom Leben haben. Jaja, ich hör schon auf zu meckern :-)

SV Voyager – Familie Bey GER

SV Voyager

WELTUMSEGELUNG MIT 30 JAHRE ALTER REINKE HYDRA

Hallo Herr Foerthmann,
Ich habe ein paar Fragen zum Lagerspiel unserer Windpilot Pacific nach erfolgreicher Weltumsegelung.

Nach dieser Mail kam Jan Bey heute zu uns in die Werkstatt und berichtete von seiner Reise um den Spielball, in deren dreijährigen Verlauf er mit seiner Familie 35.000 sm störungsfrei absolvierte. Die Heimreise über den Atlantik, die man im Mai versucht, hat die Familie hingegen auf das kommende Jahr vertagt, weil Wind, Wetter und vor allem Gewitter die Umkehr mitten auf dem Atlantik erzwungen haben. Und so liegt das 30 Jahre alte Stahlschiff nun in Martinique in einem Hurricane Hole zwischen Mangroven sicher vertäut, um im kommenden Jahre dann die Heimreise erneut zu versuchen. Jan berichtete unaufgeregt von einer nächtlichen Begegnung mit einem Wal, der ausser einer enormen Beule im Unterwasserschiff – sowie einem dazu gehörendem Schreck – keine weiteren Folgen hinterlassen hat. Stahl sei Dank ist manchmal die beste Nervenberuhigung. WEITERLESEN

England. Wir kommen.

20150729

Under way

Früh am Morgen um vier Uhr verlassen wir Scheveningen. Draußen immer noch West Wind mit 25 Knoten und ordentlich Welle. Nicht schön und der Grund warum ich jetzt erst dazu komme mal eine Meldung abzusetzen. Der Törn beginnt mit Aufkreuzen gegen Wind und Welle. Süllkante und Reling sind dauerhaft unter Wasser. Wir segeln mal mit und mal gegen die Strömung, tacken uns entlang der holländischen Küstenlinie nach Süden. „Bumm!“ Die zweite in Flensburg angeschweißte Halterung für das Running Backstay fliegt mir am Mittag um die Ohren. War nur eine Frage der Zeit. Der Nathalie Softschäckel ist an der soliden Achterklampe schnell montiert und das Problem beseitigt. Na dann muss ich die Halterung wenigstens nicht abflexen.

Zwischenzeitlich ist es Mitternacht und wir kreuzen die Traffic Separation Zone brav im rechten Winkel. Dank AIS Transponder viel einfacher als noch vor fünfzehn Jahren, als ich hier mit der LADY lang gesegelt bin. Der Verkehr hält sich in Grenzen, der Wind ist eingeschlafen. Nicht viel zu sagen. Der Motor läuft, ebenso wie der Wassermacher. Am Morgen sollten wir Wind bekommen um durch den Kanal Richtung Solent zu segeln. Wir sind durch den Aufenthalt in Scheveningen spät dran. Crewwechsel am Freitag ist jetzt geplant in Portsmouth. Mal schauen ob das wie geplant klappt.

 


Nächste Abfahrtmöglichkeit mit der MARLIN: Derzeit ist fast alles dicht bis September. Dann geht es von Faro nach Madeira. Da sind wieder Plätze frei und von Madeira zu den kanarischen Inseln. Im Oktober kannst Du noch auf den Kapverden mitsegeln. Die Atlantiküberquerung ist ausgebucht. www.marlin-expeditions.com

 

Hafengeschichten, Teil 1: Der Zwanziger

Häfen, Hafenkino und -Geschichten. Was wäre das Segeln ohne sie. Heute: Der Zwanziger