Monatsarchive: Juli 2015

MARLIN hat brav gewartet

20150721

Wieder auf’m Kutter

Ein bisschen besorgt ist der Skipper dann eben doch, wenn er sein Schiff einfach so in der Ferne zurück lässt. Gutes Ankergeschirr und die morgendliche Kontrolle via AIS darüber, dass die MARLIN noch an der gleichen Stelle vor Anker liegt hilft schon mal ordentlich komische Gedanken zu verdrängen. Aber ob mich jetzt ein abgetauter Gefrierschrank überrascht oder tiefentladene Batterien, Wasser im Schiff oder sonstiges was meinen Passageplan empfindlich plattbügeln könnte… Wer weiss das schon. Hab mir da schon so manches zusammengeträumt in Flensburg. Aber alles ist gut. Die üblichen Kleinigkeiten. Am Generator haben sich ein paar Schrauben losgerüttelt. Im Achterschiff riecht es immer noch etwas nach faulen Eiern, weil ein Palette irgendwo in Norwegen mal runtergepurzelt ist, ein Schloss klemmt, das Dinghy zieht Wasser durch einen undichten Ablauf. Ich freue mich, dass ich bis Freitag Zeit habe ein paar Sachen zu richten und den Feudel zu schwingen im Salon und auf der Toilette. Nein – Alles ist gut. Wurde aber auch Zeit, dass Papi wieder zu Hause ist.

Die letzten beiden Tage habe ich in Düsseldorf verbracht. Mein Freund Guido hat sich ein neues Sofa gekauft. Ganz schön schmal für den großen Skipper. Mit ein paar Gläsern Wein geht es dann aber doch. Maya und Lena habe ich bei der Oma abgeliefert. Folgendermaßen kam es zu einem dicken Kopf am Montag morgen. War ja auch nicht anders zu erwarten. Ein großes Dankeschön an Gudrun und Guido, die mich immer so herzlich in ihrem Zu Hause aufnehmen. Statt BlaBla Car oder der teuren Bahn bin ich mit dem Fernbus nach Amsterdam. Ganz schön eng. Ähnlich Guidos neuem Sofa. Hier geht es mit Gelassenheit. „Es geht vorbei Micha. Daran kannst Du grade nichts ändern.“ Nach mehrmaligem Umsteigen komme ich dann in der Segelvereinigung Durgerdamm bei Amsterdam an. 400 Meter vor der Hafeneifahrt liegt die MARLIN. Das Dinghy an Deck der MARLIN. Hmm. „Wie komme ich jetzt zu meinem Schiff?“ Wieder ist es die Gelassenheit. Ich berate Kunde Daniel am Telefon, schaue ein paar e-mails nach und schon findet sich ein kleines Segelboot, was mich mit auf mein Schiff nimmt. Die Crew: Drei von noch mehr Kindern der niederländischen Fahrtenyacht die neben mir geankert haben. Zu allererst falle ich in einen verdienten Mittagsschlaf. Alles weitere morgen.

 


Nächste Abfahrtmöglichkeit mit der MARLIN: Derzeit ist fast alles dicht bis September. Dann geht es von Faro nach Madeira. Da sind wieder Plätze frei und von Madeira zu den kanarischen Inseln. Im Oktober kannst Du noch auf den Kapverden mitsegeln. Die Atlantiküberquerung ist ausgebucht. www.marlin-expeditions.com

 

Heute in Griechenland (9): Heute am Strand in Agios Nikolaos.

Vor Wochen bin ich auf LEVJE von der Türkei aufgebrochen und über Marmaris, Rhodos nach Kreta gesegelt. Überrascht von den Ereignissen in Griechenland bin ich unmittelbar nach dem Referendum aus Deutschland zurückgekehrt zu meinem Schiff LEVJE im Hafen von Agios Nikolaos, um von hier zu berichten.

                       Weiterlesen bei: Heute in Griechenland, Teil 1. Hier.
                                                                              

Am Strand im Süden von Agios Nikolaos treffe ich Sven. Sven ist zuständig für die Vermietung der  Sonnenschirme und Sonnenliegen an diesem Strand.


Sven ist Ende 30 und Belgier. Er ist in Antwerpen geboren, zur Schule gegangen, hat dort eine Ausbildung gemacht und eine feste Anstellung beim Wasserwirtschaftsamt bekommen. „Ich hatte einen sicheren Job, verdiente gutes Geld, hatte ein Haus zwischen Antwerpen und Brüssel. Aber vor fünf Jahren hab’ ich gedacht: Das wird nix mit Europa. Und mit Belgien gehts bergab. Ich wollte weg aus Belgien.“ Es sind vor allem soziale Probleme und steigende Kriminalität, die ihm in seiner Heimat zu schaffen machten. Besonders, als er Vater wurde. Er deutet auf sein Kind, Noemi, die mit anderen Kindern 50 Meter weiter in den Wellen plantscht. „Das wäre in Belgien ganz unmöglich: Dort am Meer würde ich Noemi keine fünf Meter weit von mir weg gehen lassen. Ständig gibt es in Belgien Kidnapping, Entführung, Erpressung. Und Kindesmisshandlung. Es gibt viele Leute, die sich an Kindern vergehen in meinem Land. Ich wollte nicht, dass mein Kind dort aufwächst, obwohl Belgien meine Heimat ist.“ 
Antwerpen und vor allem Brüssel – woran liegt es, dass dort die Kriminalität so zunimmt? Sven meint, vor allem die Integration der dritten Einwanderer-Generation sei dort gescheitert. „Die erste Generation von Maghrebinern, die in den Nachkriegsjahren nach Belgien und auch nach Frankreich kam, die wollte ein besseres Leben und suchte einfach Arbeit. Die fanden sie in der Industrie. Und damit waren sie zufrieden. Die zweite Generation ist aus diesen Industriejobs rausgeflogen, als die Firmen wegrationalisiert wurden und die Fertigungsbetriebe schlossen oder abwanderten. Die dritte Generation, die Jungen, die haben gar nichts. Die hatten nie Arbeit. Keinen Job, nichts dergleichen. Sie hängen in den Banlieues herum, der Staat bezahlt sie als Arbeitslose – fürs Nichtstun. Keiner ermuntert sie, irgendwas zu machen. Keine Perspektive. Sie laufen durch die Fußgängerzone und verprügeln irgendjemand, nur so, weil es Ihnen eben mal Spaß macht. Die Polizei kämpft in Belgien einen aussichtslosen Kampf.“ 

Sven ist kein Weichei, sondern einer, der etwas wegstecken kann. Abends, nebenbei, hat er als Türsteher gearbeitet. Als „Bouncer“, wie er sagt, in Diskotheken und Clubs, weil es ihm Spaß machte. „Aber im letzten Jahr, da wurde es immer krimineller. Immer öfter war ich in Kämpfe verwickelt, geriet in Schlägereien. Drogenleute, Agro-Typen, Kleinkriminelle auf der Suche nach Zoff.“ Es wurde ihm zuviel. Nach zwei Griechenland-Urlauben beschloss er mit seiner Frau Sophie, die Zelte in Belgien abzubrechen, das Haus zu verkaufen und mit der damals zweijährigen Noemi nach Griechenland zu gehen. Bei Null anfangen. „Hier hab ich Noemi den ganzen Tag im Auge, sie spielt mit den anderen Kindern. Griechenland ist im Vergleich zu Belgien eine heile Welt. Mir gefällt es hier. Klar gibt es hier auch Probleme. Aber im Vergleich zu dem, was wir zuhause hatten, ist das Nichts.“ Ob er denn nicht Angst hätte, vor den Folgen eines Finanzcrashs in Griechenland? „Hier läuft doch alles. Mein Barometer, wie es den Leuten wirtschaftlich geht, heißt „IPhone – Ipad – NIKE“: Jeden Tag kommen Leute an den Strand, die alle drei Dinge besitzen, auch Griechen. Solange das so ist, mache ich mir keine Sorgen. Die Alten sitzen noch jeden Tag im Kafeneion. Nein, hier gehts noch gut.“ 


Die Leute mögen Sven, es macht Spaß, ihm zuzusehen, wie er mit den Menschen umgeht, auf seinem Strand herumwerkelt, ständig überall ist. Liegen geraderückt, Sand herunterklopft. Mal setzt er sich zu diesem Pärchen auf einen Schwatz. Mal zu den beiden älteren Damen, mal zu der einsamen Schönheit, die sich als russisches Model entpuppt und Sven bittet, doch ein paar Fotos von ihr zu machen. „Wenn Du als Türsteher nicht lernst, wie Du mit Frauen sprechen musst, lernst Du es nirgendwo.“ 

Sven ist seit vier Jahren in Griechenland. Er arbeitet hart, als Vermieter der Sonnenliegen steht er jeden Morgen um halb sieben auf und ist zeitig am Strand. Von Sonntag bis Sonntag. Sieben Tage die Woche. Von Mai bis Oktober, ohne einen Tag Pause. Jeden Tag vom frühen Morgen bis um 17 Uhr. Pünktlich um fünf, nachdem er seinen Strand aufgeräumt hat, geht Sven dann in den Laden in der Touristenzone, den seine Frau Sophie dort betreibt. „Noemi’s Shop“ haben sie ihn nach ihrer Tochter benannt. Dort löst Sven dann seine Frau ab, steht noch bis zehn Uhr Abends im Laden und verkauft. „Frauenklamotten und T-Shirts. War Sophie’s Idee. Das lief anfangs sehr gut, aber wir spüren die Krise, sie ist überall in Europa, die Leute schauen schon aufs Geld. Hinzu kommt, dass jetzt auch In Agios Nikolaos ein Hotel nach dem anderen auf „All-inclusive“ umstellt. Als wir vor vier Jahren öffneten, war es kein Thema: Leute kamen rein ‚das T-Shirt, und das, und das‘ und legten 40 Euro hin. Heute heißt es bei ‚3 für 2‘: Ich nehm’ doch lieber nur eins. Die Krise: sie ist in ganz Europa, das spüre ich bei unseren Kunden.“

Am nächsten Tag treffe ich Sven erst spät am Strand. Er ist wütend. Irgendein griechischer Bus hat sein Auto am Straßenrand beschädigt. Und ist einfach weitergefahren. „Ich war bei der Polizei. Ich mag Griechenland echt gerne, aber das ist die Schattenseite, wie sie mit den Sachen umgehen. Einfach weiterfahren. Dabei ist an dem Bus viel mehr beschädigt als bei mir: Der ganze hintere Blinker und das Bremslicht des Buses sind zertrümmert. Das merkt man doch.“ Die Polizei? Würde nichts unternehmen. „Das ist so leicht herauszubekommen, welcher Bus das war. Ruft einfach die paar Busgesellschaften von hier und von Heraklion an. Nach einer Stunde wisst ihr, wer es war. Wenn ihr es nicht tut, mach ich es. Ich kümmere mich selber darum.“ 

Noch wütender ist Sophie, Sven’s Frau. Von ihrem Vater ist aus dem Senegal hat sie die dunkle Hautfarbe, unter der es jetzt gerade kocht und brodelt. „Es ist nicht leicht hier“, sagt sie und schaut hinaus aufs Meer. „Sven ist hier glücklich. Trotz der anstrengenden Arbeit, den ganzen Tag in der Hitze und der Sonne. Aber für mich ist es schwierig. In Antwerpen hab ich toughe Sachen gemacht. Erst hab ich mit 18 Klempner gelernt. Das war nicht einfach, in so einem Männerberuf. Ich mochte mein Handwerk, die Arbeit, aber irgendwann hat es mich genervt, immer als Mädchen angemacht zu werden. Heute wüsste ich, wie ich mich zu wehren habe – damals hab ich nach ein paar Jahren aufgehört und begonnen, in Kneipen und Clubs im Service gearbeitet. Das war mir dann nach ein paar Jahren zu langweilig. Danach hab ich als Türstehern gearbeitet, als „Bouncer“ wie Sven. In Antwerpen bin ich bekannt wie ein bunter Hund, jeder kennt mich. Hier? Ist es schwer für mich, ich selber sein zu können. Und nur wegen meiner anderen Hautfarbe nicht gesehen, nicht respektiert zu werden. Aber Sven ist glücklich hier. Ich gehe mit ihm, wo immer er hingeht.“

Als Noemi müde vom Spielen kommt, hab ich die drei vor mir. Europa. 


Es ist lustig, den dreien zuzuhören, wie sie flämisch sprechen. Flämisch unter Griechen.

Vielleicht ist das der Kern von Europa: Menschen, die bereit sind, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. Selbst und nicht irgendwem, einem Land, einem Staat, einer Firma, dafür die Verantwortung zu geben.

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Heute in Griechenland (9): Heute am Strand in Agios Nikolaos.

Am Strand im Süden von Agios Nikolaos treffe ich Sven. Sven ist zuständig für die Vermietung der  Sonnenschirme und Sonnenliegen an diesem Strand.

 
Sven ist Ende 30 und Belgier. Er ist in Antwerpen geboren, zur Schule gegangen, hat dort eine Ausbildung gemacht und eine feste Anstellung beim Wasserwirtschaftsamt bekommen. „Ich hatte einen sicheren Job, verdiente gutes Geld, hatte ein Haus zwischen Antwerpen und Brüssel. Aber vor fünf Jahren hab’ ich gedacht: Das wird nix mit Europa. Und mit Belgien gehts bergab. Ich wollte weg aus Belgien.“ Es sind vor allem soziale Probleme und steigende Kriminalität, die ihm in seiner Heimat zu schaffen machten. Besonders, als er Vater wurde. Er deutet auf sein Kind, Noemi, die mit anderen Kindern 50 Meter weiter in den Wellen plantscht. „Das wäre in Belgien ganz unmöglich: Dort am Meer würde ich Noemi keine fünf Meter weit von mir weg gehen lassen. Ständig gibt es in Belgien Kidnapping, Entführung, Erpressung. Und Kindesmisshandlung. Es gibt viele Leute, die sich an Kindern vergehen in meinem Land. Ich wollte nicht, dass mein Kind dort aufwächst, obwohl Belgien meine Heimat ist.“ 
Antwerpen und vor allem Brüssel – woran liegt es, dass dort die Kriminalität so zunimmt? Sven meint, vor allem die Integration der dritten Einwanderer-Generation sei dort gescheitert. „Die erste Generation von Maghrebinern, die in den Nachkriegsjahren nach Belgien und auch nach Frankreich kam, die wollte ein besseres Leben und suchte einfach Arbeit. Die fanden sie in der Industrie. Und damit waren sie zufrieden. Die zweite Generation ist aus diesen Industriejobs rausgeflogen, als die Firmen wegrationalisiert wurden und die Fertigungsbetriebe schlossen oder abwanderten. Die dritte Generation, die Jungen, die haben gar nichts. Die hatten nie Arbeit. Keinen Job, nichts dergleichen. Sie hängen in den Banlieues herum, der Staat bezahlt sie als Arbeitslose – fürs Nichtstun. Keiner ermuntert sie, irgendwas zu machen. Keine Perspektive. Sie laufen durch die Fußgängerzone und verprügeln irgendjemand, nur so, weil es Ihnen eben mal Spaß macht. Die Polizei kämpft in Belgien einen aussichtslosen Kampf.“ 

Sven ist kein Weichei, sondern einer, der etwas wegstecken kann. Abends, nebenbei, hat er als Türsteher gearbeitet. Als „Bouncer“, wie er sagt, in Diskotheken und Clubs, weil es ihm Spaß machte. „Aber im letzten Jahr, da wurde es immer krimineller. Immer öfter war ich in Kämpfe verwickelt, geriet in Schlägereien. Drogenleute, Agro-Typen, Kleinkriminelle auf der Suche nach Zoff.“ Es wurde ihm zuviel. Nach zwei Griechenland-Urlauben beschloss er mit seiner Frau Sophie, die Zelte in Belgien abzubrechen, das Haus zu verkaufen und mit der damals zweijährigen Noemi nach Griechenland zu gehen. Bei Null anfangen. „Hier hab ich Noemi den ganzen Tag im Auge, sie spielt mit den anderen Kindern. Griechenland ist im Vergleich zu Belgien eine heile Welt. Mir gefällt es hier. Klar gibt es hier auch Probleme. Aber im Vergleich zu dem, was wir zuhause hatten, ist das Nichts.“ Ob er denn nicht Angst hätte, vor den Folgen eines Finanzcrashs in Griechenland? „Hier läuft doch alles. Mein Barometer, wie es den Leuten wirtschaftlich geht, heißt „IPhone – Ipad – NIKE“: Jeden Tag kommen Leute an den Strand, die alle drei Dinge besitzen, auch Griechen. Solange das so ist, mache ich mir keine Sorgen. Die Alten sitzen noch jeden Tag im Kafeneion. Nein, hier gehts noch gut.“ 

 
Die Leute mögen Sven, es macht Spaß, ihm zuzusehen, wie er mit den Menschen umgeht, auf seinem Strand herumwerkelt, ständig überall ist. Liegen geraderückt, Sand herunterklopft. Mal setzt er sich zu diesem Pärchen auf einen Schwatz. Mal zu den beiden älteren Damen, mal zu der einsamen Schönheit, die sich als russisches Model entpuppt und Sven bittet, doch ein paar Fotos von ihr zu machen. „Wenn Du als Türsteher nicht lernst, wie Du mit Frauen sprechen musst, lernst Du es nirgendwo.“ 
 
Sven ist seit vier Jahren in Griechenland. Er arbeitet hart, als Vermieter der Sonnenliegen steht er jeden Morgen um halb sieben auf und ist zeitig am Strand. Von Sonntag bis Sonntag. Sieben Tage die Woche. Von Mai bis Oktober, ohne einen Tag Pause. Jeden Tag vom frühen Morgen bis um 17 Uhr. Pünktlich um fünf, nachdem er seinen Strand aufgeräumt hat, geht Sven dann in den Laden in der Touristenzone, den seine Frau Sophie dort betreibt. „Noemi’s Shop“ haben sie ihn nach ihrer Tochter benannt. Dort löst Sven dann seine Frau ab, steht noch bis zehn Uhr Abends im Laden und verkauft. „Frauenklamotten und T-Shirts. War Sophie’s Idee. Das lief anfangs sehr gut, aber wir spüren die Krise, sie ist überall in Europa, die Leute schauen schon aufs Geld. Hinzu kommt, dass jetzt auch In Agios Nikolaos ein Hotel nach dem anderen auf „All-inclusive“ umstellt. Als wir vor vier Jahren öffneten, war es kein Thema: Leute kamen rein ‚das T-Shirt, und das, und das‘ und legten 40 Euro hin. Heute heißt es bei ‚3 für 2‘: Ich nehm’ doch lieber nur eins. Die Krise: sie ist in ganz Europa, das spüre ich bei unseren Kunden.“
 
Am nächsten Tag treffe ich Sven erst spät am Strand. Er ist wütend. Irgendein griechischer Bus hat sein Auto am Straßenrand beschädigt. Und ist einfach weitergefahren. „Ich war bei der Polizei. Ich mag Griechenland echt gerne, aber das ist die Schattenseite, wie sie mit den Sachen umgehen. Einfach weiterfahren. Dabei ist an dem Bus viel mehr beschädigt als bei mir: Der ganze hintere Blinker und das Bremslicht des Buses sind zertrümmert. Das merkt man doch.“ Die Polizei? Würde nichts unternehmen. „Das ist so leicht herauszubekommen, welcher Bus das war. Ruft einfach die paar Busgesellschaften von hier und von Heraklion an. Nach einer Stunde wisst ihr, wer es war. Wenn ihr es nicht tut, mach ich es. Ich kümmere mich selber darum.“ 

Noch wütender ist Sophie, Sven’s Frau. Von ihrem Vater ist aus dem Senegal hat sie die dunkle Hautfarbe, unter der es jetzt gerade kocht und brodelt. „Es ist nicht leicht hier“, sagt sie und schaut hinaus aufs Meer. „Sven ist hier glücklich. Trotz der anstrengenden Arbeit, den ganzen Tag in der Hitze und der Sonne. Aber für mich ist es schwierig. In Antwerpen hab ich toughe Sachen gemacht. Erst hab ich mit 18 Klempner gelernt. Das war nicht einfach, in so einem Männerberuf. Ich mochte mein Handwerk, die Arbeit, aber irgendwann hat es mich genervt, immer als Mädchen angemacht zu werden. Heute wüsste ich, wie ich mich zu wehren habe – damals hab ich nach ein paar Jahren aufgehört und begonnen, in Kneipen und Clubs im Service gearbeitet. Das war mir dann nach ein paar Jahren zu langweilig. Danach hab ich als Türstehern gearbeitet, als „Bouncer“ wie Sven. In Antwerpen bin ich bekannt wie ein bunter Hund, jeder kennt mich. Hier? Ist es schwer für mich, ich selber sein zu können. Und nur wegen meiner anderen Hautfarbe nicht gesehen, nicht respektiert zu werden. Aber Sven ist glücklich hier. Ich gehe mit ihm, wo immer er hingeht.“

 

Als Noemi müde vom Spielen kommt, hab ich die drei vor mir. Europa. 

 

Es ist lustig, den dreien zuzuhören, wie sie flämisch sprechen. Flämisch unter Griechen.

Vielleicht ist das der Kern von Europa: Menschen, die bereit sind, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. Selbst und nicht irgendwem, einem Land, einem Staat, einer Firma, dafür die Verantwortung zu geben.

Flensburg

20150718

Es wird Sommer. Der Regen wird warm

Flensburg ist eine außergewöhnliche Stadt. Da komme ich am Mittwoch in Portikus, meiner Um die Ecke Kneipe für den letzten Absacker, oder auch zwei, sitzen die gleichen Gäste an der Bar, die gleiche Bedienung hinter dem Tresen und es werden die gleichen Würfelspiele gespielt, wie vor 3 Monaten. So ist das in Flensburg. Hier ist das Leben anders, ruhiger und gelassener. Die Leute spannen Seile über die Straße und werfen ihre alten Schuhe drüber und finden das schön. So sind se die Flensburger. Ich könnte jetzt noch ne seitenlange Liste schreiben von Kuriositäten. Meine Mädels fühlen sich hier sauwohl und das sehe ich gern. So hab ich nämlich nicht so nen schlechtes Gewissen wenn ich nächste Woche die Segel der MARLIN wieder setze um gen England und Spanien zu fahren.

20150718a

So lang wird das mit dem Vermissen auch nicht dauern, denn Nathalie und die beiden Mädels kommen schon im August auf das heimatliche Schiff nach Spanien und wir machen gemeinschaftlich Urlaub. “Urlaub? Was ist das denn Micha? Du hast doch immer Urlaub!“ Galicien steht auf dem Plan. 100 Meilen in drei Wochen. Genau. Gut gelesen: 100 Meilen. Wir haben genug gesegelt. Wir wollen vor Anker liegen, lesen, gut kochen, lange schlafen und die Decke über den Kopf ziehen, wenn es regnet. Ansonsten mal nen bisschen wandern und in spanischen Cafés sitzen und den Tag, Tag sein lassen. Hört sich das nach nem Plan an? Galicien stand ja sogar mal so sehr auf dem Plan, dass wir da immigrieren wollten! Na, nicht das Spanien Flensburg den Rang abläuft. Nene, Nathalie fühlt sich so wohl im Krankenhaus und mit ihrer Anstellung, da wir wohl nix passieren.

 


Nächste Abfahrtmöglichkeit mit der MARLIN: Derzeit ist fast alles dicht bis September. Dann geht es von Faro nach Madeira. Da sind wieder Plätze frei und von Madeira zu den kanarischen Inseln. Im Oktober kannst Du noch auf den Kapverden mitsegeln. Die Atlantiküberquerung ist ausgebucht. www.marlin-expeditions.com

 

Heute in Griechenland (8): Und wie gehts uns heute?

„Crisis? What Crisis?“ Donnerstag Nachmittag am Strand von Agios Nikolaos: Die Strände sind gut besucht, von Krise wenig zu spüren. Und das ist gut so.
Agios Nikolaos: Ein Ort zwischen Normalität und Anspannung.

Agios Nikolaos mitten im Juli: Auch in der zweiten Woche der Krise fühlt sich die Welt in Agios Nikolaos auf Kreta sehr normal an. Die Lebensmittelläden sind unverändert gut bestückt. Die Geldautomaten geben Geld aus. Die meisten Tavernen am Abend sind voll. Und die Strände tagsüber auch, siehe mein Foto vom gestrigen Nachmittag. Das Leben: es geht seinen Gang.
Ich merke: sitze ich hier auf LEVJE und lese die internationale Berichterstattung: werde ich wütend, baue Vorurteile auf. Gehe ich nach der Lektüre raus und gehe „nachsehen“, ob es denn mit meinen Ängsten so richtig ist: dann entdecke ich, wie wichtig das Aufeinander-Zugehen, das simple Miteinander-Reden ist, um Dampf aus der Debatte zu nehmen.
Vor wenigen Wochen überraschte mich mein Freund Andreas in Deutschland mit dem einfachen Imperativ: „Nur gelebte Solidarität ist echte Solidarität.“ Da ist was dran – quatschen kann jeder. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass die meisten der Strandbesucher weniger aus altruistischen, sondern aus Bedürfnissen nach „endlich Urlaub“ hier sind und sich ihren Jahresurlaub nicht nehmen lassen: So trägt der unverändert stete Besucherstrom sehr zur Beruhigung der aufgewühlten Lage bei. 
Das Leben, die Dinge: sie gehen ihren Gang. 
Trotzdem: Wie sehen die Menschen hier in Agios Nikolaos die Beschlüsse, die am Montag Morgen in Brüssel vereinbart wurden? Vorgestern gab es eine Demonstration auf dem großen Platz in Agios Nikolaos: „Aber da waren nicht viele Leute“, sagt Mikhalis Farsaris, Vorstand der MARINA AGIOS NIKOLAOS. Mit ihm hatte ich vergangene Woche ein erstes Interview geführt. 
                                                               Weiterlesen bei: Warum der Unternehmer sagt… Hier.


Als ich ihn zu einem zweiten Gespräch oberhalb der Marina treffe, sprechen wir über die Reaktion auf Brüssel hier in Agios Nikolaos:
MIKHALIS FARSARIS: „Jetzt ist eine erhebliche Menge Testosteron im Raum – und das haben wir provoziert. Wir haben eine Menge Ärger heraufbeschworen, und auch eine unangemessene Reaktion von Seiten der anderen Europäer.“ 
MARE PIU: „Wie geht es denn jetzt weiter hier in Agios Nikolaos: Hat sich etwas verändert?
MIKHALIS FARSARIS: „Wir haben immer noch sehr gute Besucherzahlen, sowohl an den Stränden hier, als auch in der Marina. Es ist einfach in der schwierigen Phase schön zu sehen, dass die Berichterstattung der Massenmedien hier bislang keinen Schaden anrichtet. Immerhin kommen mehr als 50% des Bruttosozialprodukts von Kreta aus dem Tourismus.
Und Wir? Wir haben uns daran gewöhnt, einmal täglich an den Geldautomaten zu gehen und 60 Euro abzuheben. Die Lebensmittelläden sind bestückt wie vor der Krise. Soweit läuft alles. Aber: Unser Alltag ist von den Umständen nach wie vor stark eingeschränkt. Vor allem die Unsicherheit ist belastend: Wir wissen nicht genau – sollte es zum Schlimmsten kommen – wie wir ohne Währung, ohne Geld auskommen werden. 
Wir wissen nicht, wie unsere Wirtschaft das aushält, keine Auslandsrechnung begleichen zu können. Bisher tun die Firmen das aus Reserven, die sie im Ausland aufgebaut haben. Aber irgendwann gehen auch die zur Neige.
Die Situation ist unverändert. Wir können einfach nur weitermachen.“
MARE PIU: „Was fürchten sie am meisten?“
MIKHALIS FARSARIS: „Mit den Ergebnissen von Brüssel kann niemand zufrieden sein. Aber: die Gefahr eines UNKOORDINIERTEN Grexit: die ist erstmal abgewendet. Und da standen wir letzte Woche unmittelbar davor. Das Problem ist: Selbst Island hatte ja zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs isländischer Banken einen Plan, wie es weitergehen sollte. Wir haben gar nichts dergleichen. Selbst wenn ein Grexit notwendig werden sollte: dann aber bitte mit Plan. Und koordiniert und mit Struktur und mit der Unterstützung unserer europäischen Partner.“
MARE PIU: „Und was denken Sie über die internationale Kritik an Wolfgang Schäuble?“
MIKHALIS FARSARIS: „Das war schon hart, als die Ergebnisse bekannt wurden. Aber noch einmal: Griechenland hat das provoziert. Und eigentlich denke ich wie die meisten anderen auch, die beim Referendum mit „Ja“ gestimmt hatten: ‚Wir sollten zuerst an unseren Problemen arbeiten. Und dann erst über die anderen urteilen‘.“

Am Donnerstag Nachmittag treffe ich den Arzt Dr. Aris Pagalis. Er praktiziert als HNO-Arzt und ist einer von etwa 50 Medizinern, die sich um die medizinische Versorgung von 28.000 Einwohnern im Bezirk Agios Nikolaos kümmern. Von Dr. Pagalis, der zugleich Präsident des örtlichen ROTEN KREUZES ist, will ich wissen, wie es um die Versorgung der Menschen steht. Aber der überrascht mich im Gespräch erstmal mit der Erkenntnis, dass es sich bei der bestehenden Krise auch um eine ökonomische, aber vor allem um eine WERTE-Krise in Europa handelt. „Wie konnte es dazu kommen?“, fragt Dr. Pagalis mich, der ich doch ihm mit einem Bündel an Fragen gegenübersitze und auf meine Fragen nach Antworten suche. „Das gute an der Krise“, stellt Dr. Pagalis fest“, ist: wir stehen in Griechenland am Abgrund. Visionen gab es so viele – dafür ist jetzt kein Platz mehr.“
Das ausführliche Interview mit Dr. Pagalis erscheint am Sonntag hier auf MARE PIU hier unter dem Titel: Heute in Griechenland (9). Was der Doktor sagt.

                           Wer mehr über die MARINA AGIOS NIKOLAOS auf Kreta erfahren möchte, wo ich                        mit LEVJE derzeit liege: Hier klicken.
     
                           Jeden Post aus der Serie HEUTE IN GRIECHENLAND lesen: Nach unten scrollen.
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Vom Autor von MARE PIU: 

Ein Mann verliert seinen Job.
Aber statt zu resignieren, begibt er sich einfach auf sein kleines Segelboot.
Und reist in fünf Monaten: Von München nach Antalya.


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Wenn Sie keinen Post von Mare Piu versäumen und jeden neuen Artikel bei Erscheinen erhalten wollen: 
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Heute in Griechenland (8): Und wie gehts uns heute?

„Crisis? What Crisis?“ Donnerstag Nachmittag am Strand von Agios Nikolaos: Die Strände sind gut besucht, von Krise wenig zu spüren. Und das ist gut so.
Agios Nikolaos: Ein Ort zwischen Normalität und Anspannung.

 

Agios Nikolaos mitten im Juli: Auch in der zweiten Woche der Krise fühlt sich die Welt in Agios Nikolaos auf Kreta sehr normal an. Die Lebensmittelläden sind unverändert gut bestückt. Die Geldautomaten geben Geld aus. Die meisten Tavernen am Abend sind voll. Und die Strände tagsüber auch, siehe mein Foto vom gestrigen Nachmittag. Das Leben: es geht seinen Gang.
Ich merke: sitze ich hier auf LEVJE und lese die internationale Berichterstattung: werde ich wütend, baue Vorurteile auf. Gehe ich nach der Lektüre raus und gehe „nachsehen“, ob es denn mit meinen Ängsten so richtig ist: dann entdecke ich, wie wichtig das Aufeinander-Zugehen, das simple Miteinander-Reden ist, um Dampf aus der Debatte zu nehmen.
Vor wenigen Wochen überraschte mich mein Freund Andreas in Deutschland mit dem einfachen Imperativ: „Nur gelebte Solidarität ist echte Solidarität.“ Da ist was dran – quatschen kann jeder. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass die meisten der Strandbesucher weniger aus altruistischen, sondern aus Bedürfnissen nach „endlich Urlaub“ hier sind und sich ihren Jahresurlaub nicht nehmen lassen: So trägt der unverändert stete Besucherstrom sehr zur Beruhigung der aufgewühlten Lage bei.
Das Leben, die Dinge: sie gehen ihren Gang.
Trotzdem: Wie sehen die Menschen hier in Agios Nikolaos die Beschlüsse, die am Montag Morgen in Brüssel vereinbart wurden? Vorgestern gab es eine Demonstration auf dem großen Platz in Agios Nikolaos: „Aber da waren nicht viele Leute“, sagt Mikhalis Farsaris, Vorstand der MARINA AGIOS NIKOLAOS. Mit ihm hatte ich vergangene Woche ein erstes Interview geführt.
Als ich ihn zu einem zweiten Gespräch oberhalb der Marina treffe, sprechen wir über die Reaktion auf Brüssel hier in Agios Nikolaos:
MIKHALIS FARSARIS: „Jetzt ist eine erhebliche Menge Testosteron im Raum – und das haben wir provoziert. Wir haben eine Menge Ärger heraufbeschworen, und auch eine unangemessene Reaktion von Seiten der anderen Europäer.“
MARE PIU: „Wie geht es denn jetzt weiter hier in Agios Nikolaos: Hat sich etwas verändert?
MIKHALIS FARSARIS: „Wir haben immer noch sehr gute Besucherzahlen, sowohl an den Stränden hier, als auch in der Marina. Es ist einfach in der schwierigen Phase schön zu sehen, dass die Berichterstattung der Massenmedien hier bislang keinen Schaden anrichtet. Immerhin kommen mehr als 50% des Bruttosozialprodukts von Kreta aus dem Tourismus.
Und Wir? Wir haben uns daran gewöhnt, einmal täglich an den Geldautomaten zu gehen und 60 Euro abzuheben. Die Lebensmittelläden sind bestückt wie vor der Krise. Soweit läuft alles. Aber: Unser Alltag ist von den Umständen nach wie vor stark eingeschränkt. Vor allem die Unsicherheit ist belastend: Wir wissen nicht genau – sollte es zum Schlimmsten kommen – wie wir ohne Währung, ohne Geld auskommen werden.
Wir wissen nicht, wie unsere Wirtschaft das aushält, keine Auslandsrechnung begleichen zu können. Bisher tun die Firmen das aus Reserven, die sie im Ausland aufgebaut haben. Aber irgendwann gehen auch die zur Neige.
Die Situation ist unverändert. Wir können einfach nur weitermachen.“
MARE PIU: „Was fürchten sie am meisten?“
MIKHALIS FARSARIS: „Mit den Ergebnissen von Brüssel kann niemand zufrieden sein. Aber: die Gefahr eines UNKOORDINIERTEN Grexit: die ist erstmal abgewendet. Und da standen wir letzte Woche unmittelbar davor. Das Problem ist: Selbst Island hatte ja zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs isländischer Banken einen Plan, wie es weitergehen sollte. Wir haben gar nichts dergleichen. Selbst wenn ein Grexit notwendig werden sollte: dann aber bitte mit Plan. Und koordiniert und mit Struktur und mit der Unterstützung unserer europäischen Partner.“
MARE PIU: „Und was denken Sie über die internationale Kritik an Wolfgang Schäuble?“
MIKHALIS FARSARIS: „Das war schon hart, als die Ergebnisse bekannt wurden. Aber noch einmal: Griechenland hat das provoziert. Und eigentlich denke ich wie die meisten anderen auch, die beim Referendum mit „Ja“ gestimmt hatten: ‚Wir sollten zuerst an unseren Problemen arbeiten. Und dann erst über die anderen urteilen‘.“

 

Am Donnerstag Nachmittag treffe ich den Arzt Dr. Aris Pagalis. Er praktiziert als HNO-Arzt und ist einer von etwa 50 Medizinern, die sich um die medizinische Versorgung von 28.000 Einwohnern im Bezirk Agios Nikolaos kümmern. Von Dr. Pagalis, der zugleich Präsident des örtlichen ROTEN KREUZES ist, will ich wissen, wie es um die Versorgung der Menschen steht. Aber der überrascht mich im Gespräch erstmal mit der Erkenntnis, dass es sich bei der bestehenden Krise auch um eine ökonomische, aber vor allem um eine WERTE-Krise in Europa handelt. „Wie konnte es dazu kommen?“, fragt Dr. Pagalis mich, der ich doch ihm mit einem Bündel an Fragen gegenübersitze und auf meine Fragen nach Antworten suche. „Das gute an der Krise“, stellt Dr. Pagalis fest“, ist: wir stehen in Griechenland am Abgrund. Visionen gab es so viele – dafür ist jetzt kein Platz mehr.“
Das ausführliche Interview mit Dr. Pagalis erscheint am Sonntag hier auf MARE PIU hier unter dem Titel: Heute in Griechenland (9). Was der Doktor sagt.

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Vom Autor von MARE PIU:
Ein Mann verliert seinen Job.
Aber statt zu resignieren, begibt er sich einfach auf sein kleines Segelboot.
Und reist in fünf Monaten: Von München nach Antalya.

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SV Athesa – Zia Ahari US

Bob-Zia in Cordova(1)

SINGLEHAND FROM VESTERAS TO HAWAII with MONSUN 31
Hi Peter;
I have sailed with Windpilot Pacific on my Halberg Rassy 31 since 1998. I have singlehanded the boat to From Vasteras in Sweden to San Francisco USA. Since we have been to Hawaii and Alaska using the Windpilot Pacific with great satisfaction, which is why we calling her SINDBAD.
best regards from
Zia Ahari, San Rafael, California continue

Der längste Selfie-Stick der Insel, Americas Cup und ein kleiner Unfall

(Dieser Post wurde im Voraus geschrieben und automatisch veröffentlicht.) Wir sind jetzt schon eine Weile in Bermuda und haben außer Marianne, das Customs-Büro und den Supermarkt noch nicht viel gesehen, doch heute geht’s los! Wir wollen uns einen Roller mieten und den berühmten pinken Strandsand … Der längste Selfie-Stick der Insel, Americas Cup und ein kleiner Unfall weiterlesen

Heute in Griechenland (7): Bürgermeister auf einer Insel.

Dies ist Antonis Zervos, und er ist seit 2014 Bürgermeister von Agios Nikolaos, einem 13.000 Einwohner zählenden Ort auf Kreta. Zervos ist nicht zum ersten Mal an der Spitze der Kommunalverwaltung, er war hier schon einmal Bürgermeister, früher, als er noch in der sozialistischen PASOK war, von 1999 bis 2002. 2014 ist Antonis Zervos wieder ins Amt gelangt, diesmal als Parteifreier. Der gelernte Ingenieur ist Vater einer Tochter, sie studiert in Athen und übersetzt unser Gespräch.
MARE PIU: Herr Zervos, irgendwie scheint Agios Nikolaos besser mit der Krise fertig zu werden als manch andere Insel oder Athen oder Thessaloniki. Ich habe kaum Schlangen vor Geldautomaten gesehen, die Versorgung klappt einwandfrei, die Stimmung ist gut. Macht es Agios Nikolaos einfach besser?
ANTONIS ZERVOS: Da muss ich korrigieren: Schlangen vor Geldautomaten, die hatten wir hier auch. Aber davon war der Tourismus nicht betroffen. Dass es hier anders läuft, liegt daran, dass Kreta in Griechenland Tourismus-Markführer ist. Wir haben hier sehr früh mit dem Tourismus begonnen. Der nur eine Autostunde Griechenlands entfernte Flughafen Heraklion ist – gemessen am Charter-Flugverkehr – der größte in Griechenland, weit vor allen anderen, selbst vor Athen oder Chania. Wir haben einen eigenen Hafen hier in Agios Nikolaos für Kreuzfahrtschiffe, eine Menge Schiffe kommen hierher. Das alles sorgt dafür, dass die Tourismus-Saison im Gesamtvergleich länger als anderswo dauert: Tourismus beginnt bei uns im April und er endet im Oktober. Das ist lang, auch im internationalen Vergleich.
MARE PIU: Aber nicht jeder Ort, der auf Tourismus setzte, ist damit auch glücklich. Von anderen Inseln hört man, dass aufgrund der Krise Besucher fernbleiben, Hotels klagen über Rückgänge.

ANTONIS ZERVOS: Wir haben derzeit keine Rückgänge bei den Besucherzahlen. Das liegt daran, dass Agios Nikolaos bereits in den 60ern begann, 5-Sterne-Hotellerie anzubieten. Vor allem in und um Elounda  konnten wir diesen anspruchsvollen Tourismus halten, wir haben noch heute dort eine ganze Menge 5-Sterne-Hotels. Daneben erweist sich der von den Reiseveranstaltern angebotene Tourismus jetzt in diesen schwierigen Wochen als stabiler als der Individualtourismus, auf den viele kleinere Inseln in den letzten Jahren setzten. Die Gäste, die individuell reisen, stornieren schneller und bleiben schneller weg.
MARE PIU: Wenn Sie ans Restjahr denken: womit rechnen Sie?
ANTONIS ZERVOS: Der August wird schwierig werden. Sehr schwierig. Ich fürchte, da werden auch wir die Folgen der internationalen Berichterstattung der letzten Woche zu spüren bekommen.
MARE PIU: Als Bürgermeister ist das ja im richtigen Leben wie in manchem Computergame: Sie haben die Aufgabe, mit möglichst wenig Mittel nicht nur das Vorhandene zu erhalten, sondern auch etwas Neues aufzubauen. Was macht Ihnen Sorgen?
ANTONIS ZERVOS: Sorgen macht mir vor allem unsere Infrastruktur. Zunächst mal unsere Straßen: Die sind in keinem guten Zustand, und wir schaffen es gerade so, das zu erhalten. Die Sauberkeit des Ortes – das geht gerade eben so. Ich habe hier in Kommune nur 200 Leute, das ist viel zu wenig.
MARE PIU: Moment mal: 200 Leute für 13.000 Einwohner: Ist das nicht viel zu viel?
ANTONIS ZERVOS: Der Ort Agios Nikolaos hat 13.000 Einwohner, das ist richtig. Die Großgemeinde umfasst mehr als das Doppelte, nämlich 28.000 Einwohner, die in einem Radius von 35 Kilometern rund um Agios Nikolaos in größeren Gemeinden wie Elounda und kleineren Weilern auf dem Land leben. Es ist ein riesiges Gebiet, das wir versorgen und instand halten müssen.
MARE PIU: Spielen wir weiter SIM CITY: Wenn Sie Geld hätten: wie würden Sie investieren?

ANTONIS ZERVOS: 10% unseres Tourismus kommt über die Kreuzfahrt nach Agios Nikolaos. Unser Hafen liegt mitten in der Stadt – das ist einmalig, einfach nicht auf einen Bus angewiesen zu sein. Die Leute kommen mitten in der Stadt an, gehen vom Schiff herunter und sind dann mitten im Ort. Viele der Gäste, die auf einem Kreuzfahrtschiff zum ersten Mal hier sind, sind begeistert und kommen beim nächsten Mal per Flugzeug wieder, als Gast eines kleinen oder großen Hotels. Wenn ich Geld hätte: dann würde ich den Hafen ausbauen, der ist im Moment sehr „basic“ ausgestattet. Ein zweites Problem unseres Hafens entsteht eben aus  dem einzigartigen Vorteil der Lage in der Stadtmitte: Um Besichtigungen in der Umgebung anbieten zu können, zum Beispiel Knossos, benötigt ein Kreuzfahrtschiff mindestens 10, besser 15, 20 Busse. Die sich dann mühevoll durch die Stadt nach draußen und wieder herein wälzen. Ich habe mir für kommenden Mittwoch Verkehrsexperten eingeladen, um dafür mal eine Lösung zu finden. Eine Stadt am Meer: das ist sehr schwierig, weil eben die Küsten-Seite der Stadt für jede Verkehrsplanung tabu ist. Ich würde zu gerne investieren – aber mit Investitionen haben wir es nicht leicht, hier in Griechenland. Wenn ich könnte: würde ich noch mehr in Hotels investieren. In kleinere, nicht in größere.

                                          Die Kreuzfahrt-Pier im Hafen von Agios Nikolaos.

MARE PIU: Was lässt Sie nicht ruhig schlafen derzeit?
ANTONIS ZERVOS: Was jeden Griechen schlecht schlafen läßt: das ist einerseits die Finanzkrise. Aber andererseits seit vielen Jahren das „Everyday Life“.
MARE PIU: Was meinen Se damit?
ANTONIS ZERVOS: Sie sind mit Ihrem Segelboot LEVJE hier in der Marina. Wenn Sie ihren Wassertank füllen wollen, füllen Sie ihn einfach, an der Pier sind überall Zapfsäulen. Wenn Sie Diesel tanken wollen, sagen Sie einfach an der Rezeption Bescheid. Die kümmern sich, und Diesel kommt.
Wenn ich hier für die Kommune Diesel brauche: Muss ich einen Antrag ausfüllen. Der geht dann eine höhere Stelle. Die bearbeitet ihn und leitet ihn an eine andere Behörde weiter. Die setzt den Stempel drunter, schickt ihn mir zurück. Und ich leite ihn an eine dritte Stelle zur Genehmigung weiter. Irgendwann bekomme ich ihn wieder. So geht das mit vielen Dingen, und nicht nur hier in der Kommune, sondern auch für Unternehmer und Privatleute.
MARE PIU: Woran liegt das?
ANTONIS ZERVOS: Unsere Bürokratie ist in weiten Teilen nicht aufgebaut nach Effizienz oder Leistungsfähigkeit, sondern oftmals als Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme. Für viele meiner Landsleute war es erklärtes Lebensziel, in den Staatsdienst zu kommen. Dann hatte man ausgesorgt. Viele Regelungen aus der EU, die umgesetzt werden müssen, tragen ein Übriges zum Wirrwarr bei. Das macht einerseits unseren Alltag richtig frustrierend. Aber andererseits ist es wahnsinnig schwierig, zu investieren. Es gibt so vieles, was strangulierend ist. Und vieles, was die Wirtschaft ankurbeln soll: geht ins Gegenteil, läuft ins Leere. Daraus resultiert auch die Enttäuschung meiner Landsleute.
MARE PIU: Was hoffen Sie?
ANTONIS ZERVOS: Die Procedere für Investitionen in Griechenland sind sehr, sehr, sehr schwierig. (Antonis Zervor blickt auf seine Tochter). Es wird mehr als eine Generation dauern, um dies grundlegend zu ändern. Ich hoffe trotzdem, dass meine Generation das schafft – die neuen Leute an der Spitze: die wollen das ändern.
Meine Kommune möchte ganz klar in der Europäischen Union bleiben. Wenn wir zurückfallen in den Status eines auf sich gestellten Staates sind wir ohne Zukunft. 
Ich hoffe sehr, dass man in Brüssel zu einer Einigung kommt. Denn eines steht fest: Für den Fall eines GREXIT habe ich keinen Plan für Agios Nikolaos. Ich fürchte, dass es dann ganz schnell ganz schlimm wird. In den Hotels wird binnen weniger Tage die Versorgung zusammenbrechen. Sie werden geschlossen, weil sie ihre Gäste nicht mehr versorgen können.
Das Interview von MARE PIU mit ANTONIS ZERVOS fand auch das Interesse der örtlichen Tageszeitung ANATOLI, „Der Osten“. Als ich etwas verschlafen am nächsten Morgen im Marina-Büro bei Despina aufschlage, finde ich ein Foto unseres Gesprächs links oben auf der Titelseite. 

Und neben dem Bericht über die Verhandlungen zwischen Herrn Tsipras und Frau Merkel auf der linken Seite: einen zweiseitigen Bericht rechts darüber: dass ein deutscher Blogger in der Ägäis von Insel zu Insel segelt und beim Bürgermeister, der Sozialarbeiterin und dem Marina-Betreiber einfach nachfragt: „Warum?“


Ich bin mir durchaus bewusst, dass meine kleinen Posts und Interviews auf MARE PIU aus diesem Land in der gegenwärtigen Lage, wie mein Freund Andal sagt, nicht mehr bewegen „als der Schlag eines Schmetterlingsflügels“. Aber wenn die Tageszeitung dem einfachen Fragesteller aus „Schäuble-Land“ gleich zwei Seiten wohlwollend widmet: können ein paar Fragezeichen mehr in der Welt so verkehrt nicht sein.
Deshalb am kommenden Freitag ein Interview aus der Arztpraxis in Agios Nikolaos.
                                                 Weiterlesen bei: Warum Despina kein Geld von mir annimt. Hier.
                                                 Weiterlesen bei: Warum ein Unternehmer sagt: „Everybody in Greece 
                                                                            pays like Hell.“

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Heute in Griechenland (7): Bürgermeister auf einer Insel.

 

Dies ist Antonis Zervos, und er ist seit 2014 Bürgermeister von Agios Nikolaos, einem 13.000 Einwohner zählenden Ort auf Kreta. Zervos ist nicht zum ersten Mal an der Spitze der Kommunalverwaltung, er war hier schon einmal Bürgermeister, früher, als er noch in der sozialistischen PASOK war, von 1999 bis 2002. 2014 ist Antonis Zervos wieder ins Amt gelangt, diesmal als Parteifreier. Antonis Zervos ist Vater einer Tochter, sie studiert in Athen und übersetzt unser Gespräch.
MARE PIU: Herr Zervos, irgendwie scheint Agios Nikolaos besser mit der Krise fertig zu werden als manch andere Insel oder Athen oder Thessaloniki. Ich habe kaum Schlangen vor Geldautomaten gesehen, die Versorgung klappt einwandfrei, die Stimmung ist gut. Macht es Agios Nikolaos einfach besser?
ANTONIS ZERVOS: Da muss ich korrigieren: Schlangen vor Geldautomaten, die hatten wir hier auch. Aber davon war der Tourismus nicht betroffen. Dass es hier anders läuft, liegt daran, dass Kreta in Griechenland Tourismus-Markführer ist. Wir haben hier sehr früh mit dem Tourismus begonnen. Der nur eine Autostunde Griechenlands entfernte Flughafen Heraklion ist – gemessen am Charter-Flugverkehr – der größte in Griechenland, weit vor allen anderen, selbst vor Athen. Wir haben einen eigenen Hafen hier in Agios Nikolaos für Kreuzfahrtschiffe, eine Menge Schiffe kommen hierher. Das alles sorgt dafür, dass die Tourismus-Saison im Gesamtvergleich länger als anderswo dauert: Tourismus beginnt bei uns im April und er endet im Oktober. Das ist lang, auch im internationalen Vergleich.
MARE PIU: Aber nicht jeder Ort, der auf Tourismus setzte, ist damit auch glücklich. Von anderen Inseln hört man, dass aufgrund der Krise Besucher fernbleiben, Hotels klagen über Rückgänge.

 

ANTONIS ZERVOS: Wir haben derzeit keine Rückgänge bei den Besucherzahlen. Das liegt daran, dass Agios Nikolaos bereits in den 60ern begann, 5-Sterne-Hotellerie anzubieten. Vor allem in und um Ellounda konnten wir diesen anspruchsvollen Tourismus halten, wir haben noch heute dort eine ganze Menge 5-Sterne-Hotels. Daneben erweist sich der von den Reiseveranstaltern angebotene Tourismus jetzt in diesen schwierigen Wochen als stabiler als der Individualtourismus, auf den eben viele kleinere Inseln in den letzten Jahren setzten. Die Gäste, die individuell reisen, stornieren schneller und bleiben schneller weg.
MARE PIU: Wenn Sie ans Restjahr denken: womit rechnen Sie?
ANTONIS ZERVOS: Der August wird schwierig werden. Sehr schwierig. Ich fürchte, da werden auch wir die Folgen der internationalen Berichterstattung zu spüren bekommen.
MARE PIU: Als Bürgermeister ist das ja im richtigen Leben wie in manchem Computergame: Sie haben die Aufgabe, mit möglichst wenig Mittel nicht nur das Vorhandene zu erhalten, sondern auch etwas aufzubauen. Was macht Ihnen Sorgen?
ANTONIS ZERVOS: Sorgen macht mir vor allem unsere Infrastruktur. Zunächst mal unsere Straßen: Die sind in keinem guten Zustand, und wir schaffen es gerade so, das zu erhalten. Die Sauberkeit des Ortes – das geht gerade eben so. Ich habe hier in Kommune nur 200 Leute, das ist viel zu wenig.
MARE PIU: Moment mal: 200 Leute für 13.000 Einwohner: Ist das nicht viel zu viel?
ANTONIS ZERVOS: Der Ort Agios Nikolaos hat 13.000 Einwohner, das ist richtig. Die Großgemeinde umfasst mehr als das Doppelte, nämlich 28.000 Einwohner, die in einem Radius von 35 Kilometern rund um Agios Nikolaos in größeren Gemeinden wie Elounda und kleineren Weilern auf dem Land leben. Es ist ein riesiges Gebiet, das wir versorgen und instand halten müssen.
MARE PIU: Spielen wir weiter SIM CITY: Wenn Sie Geld hätten: wie würden Sie investieren?

 

ANTONIS ZERVOS: 10% unseres Tourismus kommt über die Kreuzfahrt nach Agios Nikolaos. Unser Hafen liegt mitten in der Stadt – das ist einmalig, einfach nicht auf einen Bus angewiesen zu sein. Die Leute kommen mitten in der Stadt an, gehen vom Schiff herunter und sind dann mitten im Ort. Viele der Gäste, die auf einem Kreuzfahrtschiff zum ersten Mal hier sind, sind begeistert und kommen beim nächsten Mal per Flugzeug wieder, als Gast eines kleinen oder großen Hotels. Wenn ich Geld hätte: dann würde ich den Hafen ausbauen, der ist im Moment sehr „basic“ ausgestattet. Ein zweites Problem unseres Hafens entsteht eben aus  dem einzigartigen Vorteil der Lage in der Stadtmitte: Um Besichtigungen in der Umgebung anbieten zu können, zum Beispiel Knossos, benötigt ein Kreuzfahrtschiff mindestens 10, besser 15, 20 Busse. Die sich dann mühevoll durch die Stadt nach draußen und wieder herein wälzen. Ich habe mir für kommenden Mittwoch Verkehrsexperten eingeladen, um dafür mal eine Lösung zu finden. Eine Stadt am Meer: das ist sehr schwierig, weil eben die Küsten-Seite der Stadt für jede Verkehrsplanung tabu ist. Ich würde zu gerne investieren – aber mit Investitionen haben wir es nicht leicht, hier in Griechenland. Wenn ich könnte: würde ich noch mehr in Hotels investieren. In kleinere, nicht in größere.
MARE PIU: Was lässt Sie nicht ruhig schlafen derzeit?
ANTONIS ZERVOS: Was jeden Griechen schlecht schlafen läßt: das ist einerseits die Finanzkrise. Aber andererseits seit vielen Jahren das „Everyday Life“.
MARE PIU: Was meinen Se damit?
ANTONIS ZERVOS: Sie sind mit Ihrem Segelboot LEVJE hier in der Marina. Wenn Sie ihren Wassertank füllen wollen, füllen Sie ihn einfach, an der Pier sind überall Zapfsäulen. Wenn Sie Diesel tanken wollen, sagen Sie einfach an der Rezeption Bescheid. Die kümmern sich, und Diesel kommt.
Wenn ich hier für die Kommune Diesel brauche. Muss ich einen Antrag ausfüllen. Der geht dann eine höhere Stelle. Die bearbeitet ihn und leitet ihn an eine andere Behörde weiter. Die setzt den Stempel drunter, schickt ihn mir zurück. Und ich leite ihn an eine dritte Stelle zur Genehmigung weiter. Iregdnwann bekomme ich ihn wieder. So geht das mit vielen Dingen, und nicht nur hier in der Kommune, sondern auch für Unternehmer und Privatleute.
MARE PIU: Woran liegt das?
ANTONIS ZERVOS: Unsere Bürokratie ist in weiten Teilen nicht aufgebaut nach Effizienz oder Leistungsfähigkeit, sondern oftmals als Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme. Für viele meiner Landsleute war es erklärtes Lebensziel, in den Staatsdienst zu kommen. Dann hatte man ausgesorgt. Viele Regelungen aus der EU, die umgesetzt werden müssen, tragen ein Übriges zum Wirrwarr bei. Das macht einerseits unseren Alltag richtig frustrierend. Aber andererseits ist es wahnsinnig schwierig, zu investieren. Es gibt so vieles, was strangulierend ist. Beispielsweise Neuwagen-Anschaffung in Firmen: Da gibt es ein Gesetz, das Unternehmen verpflichtet, nur Neu- und nicht Gebrauchtwagen zu kaufen. Im Moment gibt es jede Mange Gebrauchtwagen zu guten Preisen am Markt. Aber nein: es muss ein Neuwagen sein. Als läßt manches Unternehmen das lieber, bevor es sich weiter verschuldet. Vieles, was die Wirtschaft ankurbeln soll: geht ins Gegenteil, läuft ins Leere. Daraus resultiert auch die Enttäuschung meiner Landsleute.
MARE PIU: Was hoffen Sie?
ANTONIS ZERVOS: Die Procedere für Investitionen in Griechenland sind sehr, sehr, sehr schwierig. (Antonis Zervor blickt auf seine Tochter). Es wird mehr als eine Generation dauern, um dies grundlegend zu ändern. Ich hoffe trotzdem, dass meine Generation das schafft – die neuen Leute an der Spitze: die wollen das ändern.
Meine Kommune möchte ganz klar in der Europäischen Union bleiben. Wenn wir zurückfallen in den Status eines auf sich gestellten Staates sind wir ohne Zukunft.
Ich hoffe sehr, dass man in Brüssel zu einer Einigung kommt. Denn eines steht fest: Für den Fall eines GREXIT habe ich keinen Plan für Agios Nikolaos. Ich fürchte, dass es dann ganz schnell ganz schlimm wird. In den Hotels wird binnen weniger Tage die Versorgung zusammenbrechen. Sie werden geschlossen, weil sie ihre Gäste nicht mehr versorgen können.
Das Interview von MARE PIU mit ANTONIS ZERVOS fand auch das Interesse der örtlichen Tageszeitung ANATOLI, „Der Osten“. Als ich etwas verschlafen am nächsten Morgen im Marina-Büro bei Despina aufschlage, finde ich mein Foto links oben auf der Titelseite.

 

Und neben dem Bericht über die Verhandlungen zwischen Herrn Tsipras und Frau Merkel auf der linken Seite: einen zweiseitigen Bericht rechts darüber: dass ein deutscher Blogger in der Ägäis von Insel zu Insel segelt. Und beim Bürgermeister, der Sozialarbeiterin und dem Marina-Betreiber einfach nachfragt: „Warum?“
 

 

Ich bin mir durchaus bewusst, dass meine kleinen Posts und Interviews auf MARE PIU aus diesem Land in der gegenwärtigen Lage, wie mein Freund Andal sagt, nicht mehr bewegen „als der Schlag eines Schmetterlingsflügels“. Aber wenn die Tageszeitung dem einfachen Fragesteller aus „Schäuble-Land“ gleich zwei Seiten wohlwollend widmet: können ein paar Fragezeichen mehr in der Welt so verkehrt nicht sein.
Deshalb am kommenden Freitag ein Interview aus der Arztpraxis in Agios Nikolaos.

SV Chamade – Sylvie Cohen + Marc Decrey CH

SIEBEN JAHRE AUF UNGEWÖHNLICHEM KURS

Japon, SV Chamade

Hello Peter,
I’m the skipper of Chamade, an OVNI 365 sailing in the Pacific Ocean. We have on board a Windpilot Pacific and we are very happy. We used it during our long cruising in the far North of the Atlantic in 2007-2010, crossed the North West Passage in 2011 and during all our crossing of the Pacific Ocean during 2014 and 2015.

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Chamade is now in Japan and we are back in Switzerland for 2 months. We return to Japan beginning september.
Sincerely
Marc Decrey WEITERLESEN

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Good@Wood Shipwrights – Horta Azores PT

SCHLAFLOS AUF FAIAL – DAS LEBEN AM FLASCHENHALS

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Was die Kanaren für den Westbound Segler im Herbst, sind die Azoren für die Gegenrichtung im frühen Sommer: eine Lebensader, die Schiffe und Besatzungen fahrplanmässig transportiert, fast so sicher wie die Deutsche Bundesbahn. Es sind die Trichter oder Flaschenhälse für Segler aus aller Welt, deren geografische Lage ihnen Besonderheit verleiht, lange Distanzen unterbricht, und darüber hinaus, als kleine Punkte im grossen Ozean, auch abseits des weissen Sports eine Menge Reize zu bieten.

Im Transit zu neuen Abenteuern oder auf Heimatkurs, passieren jährlich einige tausend Yachten die Inselgruppe der Azoren, bemüht, beim Anlaufen nicht den Walen über den Rücken zu fahren, für die diese Inseln ebenfalls ein Stopover, worüber sie selbst zur Attraktion geworden sind.

Im Unterschied zu den Kanaren, die von Touristen okkupiert, die nur der Sonne wegen unterwegs, besitzen die Azoren verborgene Reize, weil sie – noch! – nicht in den Fokus grosser Touristenkonzerne geraten sind. So teilt sich die Spreu vom Weizen, was erstaunliche Auswirkungen auf das Bild der Inseln hat, weil die unschönen Begleiterscheinungen von Menschenmassen dort nicht anzutreffen sind.

Es verwundert kaum, dass die Azoren für Individualisten zum Traumziel lebenserfahrener Menschen avanciert und insbesondere für viele Segler zur Heimat geworden sind. Sie finden unberührte Natur, liebenswerte Menschen, preiswerte Unterkünfte, Häuser und Grundstücke, Puzzlestein innerhalb einer gemeinsamen Wirtschaft und Währungszone inkl. Logistik und Flugverkehre … und weit genug entfernt von den falschen Besuchern, die auf der Suche nach einem preiswerten Urlaubsziel, am Ende nur Sofa und Besucherbetten preiswert be- oder heim- suchen wollen.

Die Hafen Eindrücke sind sämtlich frisch geschossen.

Peter Foerthmann

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