Monatsarchive: Oktober 2013

Sylt versus Hamburg: Spendenwettbewerb für neuen Seenotkreuzer

Es ist ein ungewöhnlicher Wettbewerb, der seit März dieses Jahres im hohen Norden ausgetragen wird: Hamburg und Sylt sind gegeneinander angetreten, den größten Betrag zur Anschaffung eines neuen Seenotkreuzers der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zusammenzutragen. Der Gewinner darf das Spezialschiff am 14. Dezember taufen. Und es bleibt spannend: Nur noch knapp 58.000 Euro liegt die Hansestadt (rund 672.000 Euro) im Wettbewerb „Reetdach gegen Reeperbahn!“ vor der Nordseeinsel (rund 614.000 Euro).

Dass die Marke von beeindruckenden 1,3 Mio. Euro überschritten wurde, liegt vor allem am „Seenotkreuzer-Abend“ vom Freitag, dem 25. Oktober. Bei der Spendenveranstaltung kamen fast 400 000 Euro für beide Seiten zusammen.

Für alle Sylt-Liebhaber heißt es jetzt, sich kräftig ins Zeug zu legen. Angesichts des relativ knappen Vorsprungs können sich auch die Hamburg-Freunde noch nicht zurücklehnen. Denn erst der Spenden-Endstand am 6. Dezember, dem Nikolaustag, mit dem weltweit an den Schutzpatron der Seefahrer erinnert wird, bringt die Entscheidung.

Hintergrund

Angesichts der Gefahren im Einsatz benötigen die Seenotretter stets zuverlässige und sichere Schiffe. Der neue Seenotkreuzer ist das vierte Schiff der 20-Meter-Klasse der DGzRS. Er ist auf der Fassmer-Werft an der Unterweser entstanden und befindet sich derzeit in der Erprobung. Wie alle Schiffe der DGzRS wurde er vollständig aus Aluminium gebaut und als Selbstaufrichter konstruiert.

Der neue Seenotkreuzer bei der Erprobung.

Der neue Seenotkreuzer bei der Erprobung.(Foto: DGzRS)

Ehrenamt als tragende Säule

180 fest angestellte und etwa 800 freiwillige Seenotretter sind mit 60 Rettungseinheiten der DGzRS an Nord- und Ostseeküste jederzeit einsatzbereit – rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Sie fahren raus, wenn andere reinkommen. Freiwillig. Mehr als 2 000 Mal im Jahr. Seit Gründung der DGzRS im Jahr 1865 verdanken mehr als 80.000 Schiffbrüchige den Seenotrettern schnelle Hilfe.

Nach wie vor wird die gesamte Arbeit der DGzRS ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert. 85 Cent jedes gespendeten Euros gehen direkt in den Rettungsdienst. Schirmherr der Seenotretter ist der Bundespräsident, zahlreiche Prominente engagieren sich als ehrenamtliche „Botschafter“.

Helfen und spenden: so geht’s

  • Onlinespenden (www.reetdach-gegen-reeperbahn.de) verändern den Spendenstand in Echtzeit.
  • Überweisungen sind unter Angabe von „Aktion Sylt“ oder „Aktion Hamburg“ auf das Konto 107 2016 bei der Sparkasse Bremen (BLZ 290 501 01) möglich.
  • Von unterwegs ist die Hilfe per SMS mit dem Wort „Sylt“ oder „Hamburg“ an die Nummer 8 11 90 (5 Euro, Abrechnung via Handyrechnung) besonders schnell.

DesTopNews 2013-44

MARLIN on drift!

Lektion Ankern

“Papa, da ist die MARLIN. Da musst Du hinfahren.“ Maya und Lena weinen und schreien am Strand, während dessen ich mit der Capitana den zweiten Versuch starten unser Boot wiederzufinden. Stell dir vor. Du kommst abends nach Hause und Dein Haus ist nicht mehr da. Wir kommen grade aus dem Restaurant, stehen am Strand. Da, wo das Ankerlicht der MARLIN noch vor einer Stunde am Himmel leuchtete… Jetzt – Nichts zu sehen. „Unser Boot ist weg!“

Wir haben verlegt. Mittags fahren wir aus dem Cano Francesco zurück zur Hauptinsel. Außer Bier, gähnende Leere im Kühlschrank. Es wird auch Zeit Ziel Curacao anzusteuern. Kaum eine Meile, fällt der Anker in vier Meter Tiefe, direkt vor unserm Lieblingsrestaurant. „Soll ich einfahren?“ „Nein, nicht nötig, der Anker ist sofort eingeruckt.“ Fehler! Ein Anker muss immer eingefahren werden. Aber die Quittung bekommen wir zwei Stunden später, als unser Haus nicht mehr da ist, wo es hingehört. Die MARLIN ist beim Durchziehen einer Regenfront mit 25 Knoten Wind einfach aufs offene Meer gedriftet. Die Kinder entdecken das Ankerlicht, weit weg auf dem Meer zuerst. “Papa, da ist die MARLIN. Da musst Du hinfahren.“ Nathalie und ich fahren in die Tiefe der Nacht, Richtung Licht. Toni passt auf die Kinder auf. Unendlich erscheint uns die Zeit bis wir unser Haus wiederfinden, dass friedlich beigedreht Kurs Kolumbien aufgenommen hat. 30 Meter Kette hängen senkrecht im Wasser. Wenig Sand auf steinigem Boden ist die einzige Erklärung für den Umstand, dass die MRLIN auf Drift gegangen ist. Gott sei Dank, haben wir unser Ankerlicht 24/7 an und können unser Heim und alles was wir haben, nach 20 Minuten, etwa eine Meile weit weg wiederfinden. Sogar die Coast Guard hat irgendwas mitbekommen und taucht mit Blaulicht auf. Die Situation klären wir schnell und ankern neu an dem ersten Platz von vor einer Woche. Unsere Herzen sind in die Hose gesackt. Echt. Könnt ihr euch vielleicht vorstellen. Unglaublich, was einem in solchen Momenten durch den Kopf geht. „Was wäre wenn?“ Aber es ist noch mal gut gegangen. Wieder was gelernt, was wir eigentlich immer schon wussten. Niemals das Boot verlassen ohne den Anker Vollgas rückwärts eingefahren zu haben. Auch Profis machen Fehler.

Welcome Maya Gabeira

Besuch bei Edgar

Ein Traumhaus im Sand

Der Wind meint es nicht gut mit uns, was das Kiten betrifft. Hoch motiviert zieht Micha am frühen Nachmittag Richtung Kiteinsel. Der Windmesser zeigt 15 Knoten, das reicht so gerade, meint Edgar. Leider schläft der Wind innerhalb der nächsten halben Stunde noch mehr eine und die leichte Brise reicht nicht mehr aus, den Schirm in der Luft zu halten. Nachdem er einmal im Wasser gelandet ist und selbst Edagr ihn nur noch mit Schwierigkeiten bergen kann, wird die Stunde abgebrochen und Micha kommt mit hängenden Schultern zurück. Ich fange gar nicht erst an. Sei’s drum. In Kuba, Belize und den Bahamas gibt es auch Wind.

Am Abend fallen wir zu viert in der kleinen, offenen Hütte am Strand ein. Hinter den schroffen Felsen von Gran Roque geht in einem dramatischen Farbschauspiel die Sonne unter. Hunderte Einsiedlerkrebse machen sich auf den Weg nach wer-weiß-wohin, in der Abendstille hört man das Klackern ihrer Häuser, wenn sie sich gegenseitig aus dem Weg schubsen. Die Möbel auf der Veranda sind aus Treibholz zusammengezimmert, im Laufe der Jahre weiter verwittert, in bunten Emailletöpfen wachsen Rosmarin, Thymian und Basilikum. Ich fühle mich wie auf einem Filmset für eine Surfersaga. Wo sind die Kameras. Doch keine Scheinwerfer blitzen auf, nur die Geräusche des Meeres scheinen in der Dunkelheit lauter zu werden.

Die Küche besteht ebenfalls aus ein paar groben Brettern. Mit den Füssen im warmen Sand stehe ich am Herd und koche Pasta. Dazu gibt es frisches Brot, Hummus, Tomatensalat, Gurkensalat, die Reste aus unserem nun vollends leeren Kühlschrank. Die Einsiedlerkrebse haben inzwischen den Weg in die Küche gefunden und machen sich über die heruntergefallenen Krümel her. Wir setzen uns mit Edgar und Agusto, den beiden Kitelehrern an den Tisch.

Edgar ist genauso entspannt wie das Haus, in dem er lebt. Das Essen schmeckt, der Wein auch, die Kinder werden müde und schlafen auf dem Sofabett mit 360° Meerblick in der Hütte ein und wir philosophieren bis in die späte Nacht über die Seele des Segelns, des Surfens, den schönsten spanischen Akzenten und das Leben.

Wir danken Jörn für seine Mithilfe und Motivation. Auch Spende genannt. Wir sind von den neuen Segeln nun wieder ein Promille weniger entfernt! Da brauchen wir wohl noch ca. 1.200 Spender die den gleichen Betrag spenden. Das sollte klappen bis zu unserer Ankunft in Hamburg im September 2014. Wir sind da ganz optimistisch. Und bis dahin halten die alten Segel. Dann müssen alle Spender noch vorbeikommen und ihre Unterschrift auf dem Großsegel setzen. Damit das auch Glück bringt. So, das war jetzt ein bisschen Spaß und an jedem Spaß ist ein bisschen Ernst.

Potsdamer und Brandenburger Havelseen – Revierreportage

Vielen Ostsee- und Mittelmeerseglern ist gar nicht bewusst, dass auch Binnenreviere ihren ganz eigenen Reiz haben.

Zum Beispiel erstrecken sich nur wenige Kilometer vor den „Toren“ Berlins auf einer Gesamtlänge von 180 Flusskilometern mehr als 40 Seen, verbindende Kanäle und verschlungene Havelarme, die Potsdamer und Brandenburger Havelseen. Für uns Segler, aber auch ganz allgemein für alle Wassersportler bietet die Region ein extrem vielseitiges Angebot. Und inmitten einer einzigartigen Kulturlandschaft gibt es trotz der Nähe zu Berlin auch erstaunlich idyllische und wenig besiedelte Gebiete. Wir haben uns ein bisschen umgeschaut…

Mehr Infos zum Revier (inklusive eines Wasserwanderkartendownloads mit potentiellen Tourvorschlägen) findet ihr übrigens auf www.potsdamer-brandenburger-havelseen.de