Im Osten geht die Rechnung auf

Als Erste fast oben ohne über den Äquator © Charles Drapeau / GUYOT environnement – Team Europe
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Als Erste fast oben ohne über den Äquator © Charles Drapeau / GUYOT environnement – Team Europe
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Der Geruch von Holz, Teer und Salzwasser … © Ekke Erben
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Fr., 27. Jan.23, Neuseeland/Whangarei, Tag 3163, 24.696 sm von HH
Freitag:
– Der Wetterbericht verspricht Sonne für die nächsten Tage.
– Wir mieten ein Rollgestell für eine Woche, um in vier Metern Höhe überhaupt arbeiten zu können.
– Die alten Farbstreifen schleifen wir an (320erKorn).
– Einige Beschädigungen im Gelcoat spachtelt Achim mit Epoxy.
– Der graue Streifen soll zuerst lackiert werden – wir kleben ihn nach unten und oben ab.
– Wir benutzen gelbes Marken-Klebeband.
– Unterhalb vom Streifen kleben wir den Rumpf mit Folie ab – sicher ist sicher.
– Bei Lackierarbeiten bin ich der Boss. Mehr Erfahrung, mehr Geduld, mehr Geschick.
– Achim wäre auch gerne Kalif an Stelle des Kalifen. ![]()
– Zündstoff für Ehegatten-Diskussionen.
Frau und Herr Kalif sind sich nicht nur einig – sie haben sogar unterschiedliche Systeme beim Kleben der Folie
Hier wird noch gelacht -Tolles Gestell – sehr sicher – leider schwer zu schieben – die Räder stellen sich immer quer
Samstag:
– Wir beenden die Abklebe-Arbeiten.
– Ich lackiere die grauen Streifen (am Wasserpass und oben am Rumpf). Zuerst mit der Mohair-Rolle und sofort mit dem Pinsel die Oberfläche verschlichten.
– Achim bekommt die Aufgabe des „Sei so lieb und hol mir mal“ – österreichisch für Handlanger (danke an Seven Seas für diesen neuen Begriff).
– Die Sonne brennt.
– Der Lack trocknet so schnell, dass Achim mir mehrfach die Farbe verdünnen und den Pinsel reinigen muss.
– Ich muss mich sehr beeilen, dass der Lack nicht sofort Gardienen und hässliche Absetze hinterlässt. Vor allem in der Zeit, wenn wir das tonnenschwere Gerüst umstellen.
– Der „Sei so lieb“ arbeitet gut mit: „Sieht toll aus, was du machst. Großartig“.
– Ein zweiter Anstrich wäre laut Lack-Beschreibung nach vier Stunden Wartezeit möglich.
– Es sieht nach Regen aus, wir riskieren es nicht.
– Es regnet nicht.
Die Sonne brennt – mein Handlanger zieht Fratzen
Sonntag:
– Es sieht nicht nach Regen aus.
– Es erfolgt der zweite Anstrich in grau.
– Eine halbe Stunde nach Lackier-Ende tröpfelt es leicht – zum Glück ohne Schaden anzurichten.
– Wir entfernen alle Klebestreifen und Folie.
– Das gelbe Klebeband hat nicht ganz gehalten, was wir uns erhofft hatten.
– Trotz Reinigung der Klebefläche mit Aceton und fester Anpressung ist das Grau an einigen Stellen unter das Klebeband gekrochen und die Linie nicht perfekt glatt.
– Ich stelle fest, dass meine Klebung schlechter als Achims funktioniert hat.
– Achim ist ab sofort der Kalif beim Abkleben.
Montag:
– Aaron, der Farbenfachmann auf dem Yard, rät uns einen Tag zu warten, bevor wir die neue Lackierung überkleben, um den angrenzenden Streifen in rot zu pinseln.
– Da wir das Gestell ja nun schon gemietet haben, nutzen wir es, um eine Hälfte des Rumpfes zu polieren.
Dienstag:
– Wir kleben den roten Streifen ab.
– Wir sind diesmal schlauer – das gelbe Klebeband verschwindet.
– Schlau sein, zieht eine komplizierte Abklebung nach sich (Tipp Aaron – der bereitwillig Auskünfte gibt, obwohl wir seinen Kostenvoranschlag mit „deutlich über Budget“ von uns gewiesen haben. Sauer ist er nicht, eher froh, den Job nicht machen zu müssen).
– Der rote Streifen wird nun oben und unten mit einem Vinyl-Tape (0,5 cm breit) abgeklebt für eine scharfe Kante.
– Auf den grauen Lack kommt ein weiteres Vinyl-Tape in lila, um den frischen Lack nicht mit dem Tape abzureißen. Auf lila wird dann gelb geklebt, um erneut Folie zum Schutz vom Rumpf anzubringen.
– Das schlaue Kleben dauert so lange, dass wir am Ende zwei Meter nicht mehr schaffen.
– Es regnet!
Aufwendige Maskierung – fünf verschiedene Lagen Klebebänder – oben und unten lila – auf lila flieder zum Schutz vom grauen frischen Lack – dann gelb für die Folie und gegen Übermalen
Mittwoch:
– Wir kleben die verbliebenen zwei Meter ab.
– Ich lackiere den roten Streifen.
– Es sieht toll aus. Aaron kommt vorbei und bestätig unsere Meinung: „Nice!“
– Die Spezifikation des Lacks sagt, dass man bei über 20 Grad nach vier Stunden ohne Schleifen die zweite Lage lackieren kann.
– Wir warten fünf Stunden. Achim mischt das zweite Drittel vom roten Lack (zwei Komponenten – vier Stunden Verarbeitungszeit).
– Ich lege los.
– Beim ersten Rollen verliert die neue Rolle Fell. Was soll das??
– Ich kann das Reparieren.
– Ich rolle weiter. Dann will ich mit dem Pinsel verschlichten
.
– Der Lack ist krumpelig. Gebrochen. Kaputt.
– Aaron kommt zufällig vorbei. Seine Meinung, die erste Schicht ist fertig. Der Lack reif für die zweite Lage. Alles gut.
– Wir warten noch eine weitere halbe Stunde. Ein Stück weiter vorne setzte ich erneut die Rolle an. Der gleiche Effekt. Alter und neuer Lack reagieren unangenehm aufeinander.
– Wir brechen ab.
– Unser angemischter Lack landet im Müll.
Die zweite Lage rot zerstört die erste – ist bei grau nicht passiert – da haben wir über Nacht gewartet mit lackieren
Donnerstag:
– Wir schleifen den verdorbenen Lack wieder runter.
– Wir gehen auf Nummer sicher und schleifen den Rest der ersten roten Lage ebenfalls an, obwohl die Spezifikation etwas anderes behauptet. Sieben Tage bräuchte man angeblich nicht schleifen.
– Das Wetter ist sonniger als vorhergesagt. Leider auch sehr windig.
– Wird es heute noch regnen oder nicht? Die Abkleberei muss in jedem Fall runter (Aaron empfiehlt es dringend: „Das Ganze endet sonst in einem Chaos.“) – Wir können nur gewinnen, wenn wir heute noch pinseln. Verdirbt die Lage, weil es zu regnen beginnt, müssen wir „nur“ noch einmal schleifen. Gelingt der Anstrich sparen wir uns die Maskiererei.
– Wir pokern und Achim mischt den Rest vom Lack.
– Ich setze die Rolle an. Sie eiert. „So kann ich nicht arbeiten“, bin ich am verzweifeln. „Farbe, keine Farbe, Farbe, keine Farbe kommt von der Rolle.“
– Außerdem ist es heiß, die Sonne scheint. Dazu der starke Wind. Schnell merke ich, das wird nix. Der Lack wird sofort zäh. Lässt sich weder mit Rolle noch mit Pinsel „bewegen“.
– Ich rufe nach Verdünnung. Der „Sei so lieb“ eilt herbei. Zu spät. Das Feld ist verdorben. Gardienen. Ziehstreifen. Hässlich.
– Achim lässt mein Gejammer nicht zu. „Los, los, du kannst das. Wir schieben ein Stück weiter. Dort versuchst du es noch einmal.“ Der Ehe-Segen hängt schief. Ich will nicht mehr. Nicht noch einmal so viel schleifen müssen.
– Achim muntert mich auf. Ich versuche es. Keine Chance. Ein weiterer Abschnitt ist verdorben.
– Wir versuchen es zusammen.
– Achim bedient die Rolle.
– Sofort wird klar, warum ich der Boss beim Lackieren bin. Er hat keine Übung und dann mit dem eiernden Ding. Farbe, überall fehlt Farbe. Ich kann das mit dem Pinsel nicht ausgleichen. Der ist in der Zwischenzeit schon wieder halb steif getrocknet.
– Wir geben auf.
– Die angerührte Farbe kommt in den Müll.
– Es ist 16:45 Uhr. Noch fünfzehn Minuten bis zum Ladenschluss.
– Achim bestellt neue Farbe.
– Wir reißen die komplette Maskierung ab.
– Den schmalen Venyl-Streifen lassen wir kleben.
– Keiner möchte sehen, ob er für eine scharfe Kante gesorgt hat oder nicht. ![]()
Freitag:
– Es gießt wie aus Eimern.
– Eine Woche Regenwetter vorhergesagt.
– Eine Woche Zeit zum Wunden lecken.
Fortsetzung folgt … gerne hätte ich Vollzug gemeldet … vielleicht nächste Woche …
Farblich ist der neue Lack perfekt – links neu – rechts alt
8
Nach drei Jahren Zwangspause hat die boot Düsseldorf einen erfolgreichen Neustart hingelegt. Auch die ADAC Sportschifffahrt zieht eine überaus positive Bilanz der neun Tage.
237.000 Besucher aus über 100 Ländern, 1.500 Aussteller aus 68 Nationen, 220.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in 16 Messehallen – so lautet das Fazit der boot 2023 in reinen Zahlen. Fast genauso wichtig wie Statistiken und Zahlen sind die Reaktionen und Emotionen von Besuchern, Ausstellern und dem Messeteam – und auch in dieser Hinsicht war die boot Düsseldorf nach drei Jahren pandemiebedingter Pause ein voller Erfolg.
„Trotz der nicht einfachen Rahmenbedingungen hat die boot 2023 Erfolgsgeschichte geschrieben. Ein so positives Resultat hätten wir uns nicht träumen lassen.“ Wolfram Diener, Geschäftsführer Messe Düsseldorf
Dass die weltgrößte Indoor-Wassersportmesse nach so langer Pause endlich wieder stattfand, führte bei Ausstellern wie Besuchern zu sichtlicher Freude. Laut Aussagen vieler Aussteller hat sich die Messe auch wirtschaftlich in Form von Bestellungen und Aufträgen gelohnt – als Ergebnis blicken viele Anbieter der Branche positiver auf das Jahr 2023 als noch wenige Wochen zuvor. Bestätigt wurde das große Interesse auch durch die Tatsache, dass es teilweise bei den ausgestellten Yachten fast keine freien Besichtigungstermine mehr gab.
„Die Gespräche mit den Ausstellern waren unfassbar gut, Besichtigungstermine auf den Booten komplett ausgebucht und die Unternehmen berichteten von einer Vielzahl an Boots- und Zubehörverkäufe“ Petros Michelidakis, Director boot
Karsten Stahlhut, Geschäftsführer des Bundesverbands Wassersportwirtschaft e. V. (BVWW), bestätigt die positive Stimmung, die durch die erfolgreiche Messe in der Branche herrscht: „Aufgrund der durchgängigen Krisen seit 2020 und zwei ausgefallenen boot sind wir alle mit gemischten Gefühlen in die Ausstellung gestartet. Insgesamt wurden bei den meisten die Erwartungen jedoch nicht nur erreicht, sondern in jederlei Hinsicht übertroffen. Eine starke boot im Januar ist ein Indikator für ein gutes Jahr. Ich bin mir sicher, es wird besser als wir vor wenigen Wochen eingeschätzt haben.“
Erfolgreiches Messe-Debut: Die ADAC Skipper-App als Beta-Version
Nachhaltigkeit und Umweltschutz als starke Themen der Messe
In diesem Jahr drehte sich auf der Messe vieles um die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit – mit Beteiligung des ADAC. Vor allem bei den elektrischen Antrieben wurde viel Neues gezeigt – von Motorlösungen über Ladeinfrastruktur in den Marinas. Und so fand das neue Forum für Nachhaltigkeit „blue innovation dock“ einen großen Anklang in Industrie, Politik und internationalen Verbänden. Über 100 Redner aus Politik, Industrie und Verbänden, dazu reger Austausch und Dialog füllten das neuntägige Programm und zeigten der Branche neue Perspektiven und Facetten bei Thema Nachhaltigkeit auf dem Wasser. ADAC Tourismuspräsident Karlheinz Jungbeck nahm an der Podiumsdiskussion im Rahmen der „blue innovation dock“-Initiative teil. Jungbeck rückte den aktuellen Trend zu Nachhaltigkeit in den Fokus und ging auf Erkenntnisse einer vom ADAC Skipper Club durchgeführten Befragung ein. Der ADAC will Marinas und Reviere in Sachen Nachhaltigkeit aktiv unterstützen und setzt sich für Initiativen der Politik ein.
„Die Bootsindustrie kann einen besonderen Beitrag zur Nachhaltigkeit im Tourismus leisten, indem sie die bereits bestehenden Bemühungen intensiviert und Innovationen schnellstmöglich umsetzt“, Karlheinz Jungbeck, ADAC Tourismuspräsident
Knapp 10.000 Gespräche und Kontakte am ADAC-Messestand
Auch am Messestand des ADAC herrschte nach den neun Tagen Messe eine überaus positive Stimmung, die sich bereits in unserem Zwischenbericht nach dem ersten Messe-Wochenende zeigte. Nach Messeschluss am 29. Januar 2023 konnten knapp 10.000 Gespräche, Beratungen und Kontakte gezählt werden. Zahlreiche Neuheiten und Serviceleistungen wurden in Halle 14 auf verschiedenen Themeninseln präsentiert und von den Besuchern zahlreich genutzt. Publikumsmagnet war sicher der realistische VR-Boots-Simulator XRNAUT, bei dem die Besucher ihr Können auf verschiedenen Booten und realitätsnahen Manövern unter Beweis stellen konnten.
MdB Gülistan Yüksel unter fachmännischer Aufsicht von Christian Felder (Segelschule JoJo) am VR-Simulator am ADAC-Messestand. Im Hintergrund: Daniel Rickert (Tourismusauschuss des Bundestages) im Gespräch mit Axel Brinkmann (l), ADAC Sportschifffahrt.
„Die hohe Zahl an Kontakten, die vielen Branchengespräche sowie die Besucher der Delegationen war ein großer Erfolg für uns.“ Dr. Steffen Häbich, Special Interest Tourismus ADAC
Ebenso begeistert zeigten sich viele Besucher von der neuen ADAC-Skipper App, die rechtzeitig zum Start der Messe als Betaversion veröffentlicht wurde. Viele Skipper und Interessierte luden sich noch am Stand die neue App herunter und testen sie nun auf Herz und Nieren.
Wer beim Betatest mitmachen will, kann sich unter diesem Link registrieren.
Zum ersten Mal gab es auf der Messe auch die Möglichkeit, direkt vor Ort am ADAC Stand den Internationalen Bootsschein/Bootskennzeichen (IBS) zu beantragen und gleich mitzunehmen. Den „IBS-To-Go“ nutzten viele Besucher, Neu-Eigner und Bootsbesitzer, um ihr Bootskennzeichen rechtzeitig zur bald beginnenden Saison zu haben. Wer die Möglichkeit auf der Messe nicht nutzen konnte, dem steht die IBS-Vorterminierung zum Wunschtermin zur Verfügung.
Auch von Charterangeboten, Revierinformationen, der Marinawelt und allen anderen Servicebereichen wurde an den neun Messetagen während der boot von den Besuchern sehr rege gebraucht gemacht.
Traditionell gilt die boot Düsseldorf auch für den ADAC als idealer Treffpunkt zum direkten Austausch und für das Knüpfen neuer Kontakte. Auch dieses Jahr gab es im Rahmen der Messe gute Gespräche und Dialoge zu verschiedenen Themen. Unter anderem ein Besuch und Gespräche mit dem Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages sowie ein Treffen mit einer WIN-Delegation (Wassertourismus-Initiative Nordbrandenburg) am Messestand.
Besuch und Dialog am ADAC-Messestand: v.l.: Carsten Stahlhut (Geschäftsführer BVWW), Manfred Todtenhausen MdB, Dr. Steffen Häbich (Leiter Special Interest Tourismus), Gülistan Yüksel MdB (Tourismusausschuss Bundestag), Lukas Benner MdB, Harald Kuhnle (GF Kuhnle Tours), Robert Marx, Präsident BVWW
Termin für nächste boot Düsseldorf steht fest
Mit dem positiven Fazit wächst bei vielen Ausstellern und Besuchern die Vorfreude auf die boot 2024, die vom 20.-28. Januar 2024 stattfindet.
Die kommende boot findet vom 20. bis 28. Januar 2024 statt. Foto: Messe Düsseldorf, Constanze Tillmann

Brabus 900 Spyder mit „One-Second-Wow“-Faktor © Werft
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Nobel wird die Welt gerettet – mit einem Rumpf aus Flachs-Verbundstoff © Spirit Yachts
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Die Tutima-Crew bei ihrem bisher letzten Rennen in Kiel © Felix Diemer
Mi., 25.Jan.23, Neuseeland/Whangarei, Tag 3161, 24.696 sm von HH
Die Basis unseres Cockpits ist GFK und lückenlos mit dem Rumpf verbunden. Ursprünglich war das Cockpit mal eine Art Deckshaus mit festem Dach, welches vom Vorbesitzer in seine heutige Form umgebaut wurde. Hierfür wurde auf die Basis des Cockpits (den GFK-Teil) ein Holzbrett geschraubt, worauf die feststehende Fensterkonstruktion installiert wurde.
Ursprüngliches Cockpit auf Atanga – als das Schiff noch Folkwang hieß
Das damals verwendete Holzbrett ist kein Brettchen, sondern eine ernst zu nehmende Bohle von bestimmt vier Zentimeter Stärke. Innen und außen laminiert. Im Prinzip gut gebaut, stabil und formschön. Nur leider hat im Laufe der letzten zwanzig Jahre Wasser seinen Weg zum Holz gefunden und dort sein Unheil angerichtet. Zwischen den beiden Laminat-Schichten ist aus dem Holz Torf geworden. Undichtigkeiten im Inneren des Cockpits zeigen uns schon länger, da stimmt etwas nicht. Eine provisorische Reparatur in Ecuador (vier Jahre alt) zeigt Schwächen.
Achim geht dem Übel mit dem Bohrer auf den Grund. Dort, wo das Holz morsch ist, wird es ausgebohrt. Zunächst glauben wir nur an kleine faule Stellen an der Fensterkante im oberen Bereich. Aber an den Ecken kommt die Wahrheit zu Tage. Großflächig wird Atanga nur noch vom Lack zusammen gehalten. Also bohrt Achim weiter. Bis zum Laminat an der Innenseite. Dies soll möglichst stehen bleiben, damit wenigstens ein Form gebendes Element für den Wiederaufbau erhalten bleibt. Das gelingt weitestgehend.
Somit hat Achim es „total einfach“ von außen die Lücken wieder zu füllen.
Das morsche Holz bohrt Achim oben an der Fensterkante weg
Die Lücken werden mit Glasfasermatte und Epoxy verfüllt
Dann die üble Überraschung – die Form gebenden Kanten sind komplett verrottet
Diese großen Löcher bekommen zusätzlich eine Holz-Füllung – eingebettet in Matte und Harz
Das Loch schließt sich in mehreren Arbeitsschritten
Schritt für Schritt
Mir erscheint, das Brett in die alte Form zurück zu schleifen als der schwierigste Teil. Aber Achim hat Talent. Tatsächlich nennt er sich nach kurzer Zeit schon ‚Michelangelo‘.
Mit Recht!
Spachteln, schleifen, spachteln, schleifen und es sieht wieder super aus. Ein leichtes für mich mit etwas Lack das Werk abzuschließen.
Der letzte Schritt ist Epoxy-Spachtel und Schleifarbeit – der umgedrehte Michelangelo war am Werk
Letzter Arbeitsschritt – Lackieren – unten gut zu erkennen der schlechte Zustand der farbigen Streifen
Kaum zu glauben – die Oberfläche ist wieder 1a – jetzt frisch lackiert
Unterhalb des Brettes befinden sich zwei Streifen. Rot und grau. Die Farbe ist auch schon nicht mehr das Original – wahrscheinlich beim Umbau des Cockpits neu gespritzt worden. Diese Streifen sind in den letzten Jahren nicht schöner geworden. Stellenweise kommt weißes GFK hervor und das Rot ist total ausgeblichen. Die Streifen sollen neu!
Am Rumpf haben die Streifen die gleichen Farben – ebenfalls unschön anzusehen. Wir überlegen, dass wir uns mal was gönnen könnten und lassen uns von der Werft einen Kostenvoranschlag zum Streichen der Rumpfstreifen geben.
Wir lachen noch immer: 6.000 Euro sollen wir dafür bezahlen.
Beflügelt vom großartig gewordenen weißen Brett im Cockpit entscheiden wir, das können wir selber. Was für eine sau-dämliche Entscheidung!
Fortsetzung folgt … stay tuned.
3
Bevor wir uns thematisch wieder näher ans Meer begeben, müssen wir noch über etwas reden, das mich nun schon eine ganze Weile beschäftigt und mittlerweile längst zu meinem Alltag gehört.
Als ich noch ein Kind war, in den frühen 90ern, fuhren in meiner Stadt, neben den vielen Autos mit Verbrennungsmotor, ein paar wenige kleine Elektroautos umher. Ich wusste damals nicht, was das für Autos waren, aber sie gefielen mir enorm gut. Immer wenn ich eins davon lautlos vorbeihuschen sah, war ich begeistert.
In der Pubertät hat sich die Begeisterung für die kleinen Raumkapseln dann wieder gelegt und mein Mofa musste möglichst laut knattern und nach Benzin riechen. Nach dem Mofa kamen ein paar Zwischenstationen im Motorsport, für die Straße eine ZX-9R und unzählige Runden auf der Nürburgring Nordschleife. Gedanken an Nachhaltigkeit habe ich mit Anfang 20 praktisch keine mehr verschwendet. Die Raumkapseln, von denen ich nicht einmal wusste wie sie heißen, verschwanden langsam aus dem Straßenbild und gerieten bei mir in völlige Vergessenheit.
Als Sabrina in mein Leben kam, wurde ich langsam ein wenig vernünftiger. Die ZX-9R habe ich ihr zuliebe abgegeben und bereue das keine Millisekunde!
Jahre vergingen, es wurde gesegelt und gepilgert. Unsere Autos wurden immer kleiner, meistens sind wir aus Überzeugung Twingo gefahren.
Und dann kam irgendwann die Idee, selber ein Elektroauto auf Basis eines kleinen Verbrenners zu entwickeln. Die Geschichte mit dem Trabant begann und hat dazu geführt, dass ich mich an die kleinen dreirädrigen Autos aus meiner Kindheit erinnert habe.
Vor etwa einem Jahr habe ich dann gezielt danach gesucht und schließlich den Fahrzeugtyp gefunden. Es gab allerdings kaum noch welche, die zum Verkauf standen und wenn, dann waren sie meistens völlig verbastelt oder nicht fahrtauglich.
Im Sommer habe ich schließlich ein unverbasteltes, aber defektes „Mini EL“ in Niedersachsen für kleines Geld gefunden und mit dem Subaru, auf dem Anhänger, abgeholt.
In wenigen Wochen hatte ich es restauriert und nun steht die kleine Raumkapsel im Originalzustand hier und wird fast jeden Tag von mir bewegt.
Mein EL ist als vollwertiger Pkw zugelassen, hat ein großes Nummernschild und fährt ca. 50km/h. In der Stadt schwimmt man damit wunderbar im Verkehr mit. Parkplatzprobleme kenne ich mit ihm nicht und der Verbrauch ist ein Traum. Etwa 3,5kWh brauche ich für 100km. Das entspricht dem Heizwert von ungefähr 0,4l Benzin. Was will man mehr, bzw. weniger.
Im Moment fährt das EL noch mit Blei-Akkus, wie in den 90ern, aber ein Satz LiFePO4 Akkus steht bereits hier. Damit wird die Reichweite mit einer Akkuladung von aktuell ca. 40km auf knapp 200km steigen.
In der Stadt kommt man also genauso schnell vorwärts wie mit einem großen Auto. Auf der Landstraße bin ich natürlich deutlich langsamer. Das war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Man wird halt ständig überholt. Die meisten Leute nehmen dabei aber Rücksicht auf das kleine zerbrechliche Ding.
Auf meiner 30km langen Strecke von unserer Haustür bis zu Morgenstern, bin ich im Schnitt nur etwa 3 Minuten länger unterwegs, als wenn ich mit dem Subaru fahren würde. Manchmal sind es 5 Minuten, manchmal bin ich aber auch keine einzige Minute später am Ziel, wenn irgendwo auf der Landstraße ein Lkw mit 60km/h eine Schlange hinter sich her zieht oder die Ampelphasen passen.
Ich fahre die kleine Raumkapsel jedenfalls ziemlich gerne und träume hin und wieder von einer Gesellschaft, in der irgendwann ein Umdenken in Richtung zweckmäßiger Mobilität einsetzt. In der man große, schwere kW Boliden nur dann nutzt, wenn man sie wirklich braucht. Zum Beispiel, wenn viel transportiert werden muss, auf Langstrecke, oder zum Beispiel auf der Nordschleife.
Die Umstrukturierung des Sonnensegler-Fuhrparks ist mit dem „Mini EL“ (auch „City EL“ oder „Ellert“ genannt) abgeschlossen.
Der Subaru wird nur noch für die echte Langstrecke genutzt, dafür haben wir ihn gekauft. Er ist unser Microcamper und entsprechend optimiert. Der Trabant wird in Zukunft den Twingo ersetzen und das EL wird immer dann eingesetzt, wenn Sabrina oder ich allein irgendwo hin müssen. Ziel ist es, die beiden Oldtimer und den Youngtimer sehr lange zu fahren und zu erhalten.
Der Subaru steht übrigens reisefertig vor der Tür, morgen geht’s los! Ein neues Abenteuer liegt vor uns…

140 Grad und dann scharf links: das 2. Leg nach Kapstadt © The Ocean Race

Nein, das ist nicht Kopenhagen: Die Rand 22 wurde dort getestet, wo sie auch gebaut wird … © Rand