Kategorie: News & Blogs

Ostsee/Schlei: Schwierige Situation für Eigner im Winterlager

Seit vielen Jahren gibt es immer wieder große Probleme mit der alten Klappbrücke in Lindaunis (Schlei). Nun gibt es neue Probleme, die Schifffahrt ist stark betroffen.

Die unklaren Verhältnisse für Segler im Revierbereich der Schlei nehmen offenbar kein Ende. In der Vergangenheit gab es immer wieder Probleme, teils öffnete die Brücke nur noch sporadisch, einige Male ging gar nichts mehr. Segler, die sich westlich der Brücke befanden und die Schlei nicht mehr verlassen konnten, mussten zum Teil ihren Mast legen, um wieder zum Heimathafen zurückzukehren. Die Brücke ist Teil der Bahnstrecke Flensburg-Kiel, wichtig auch für den Straßenverkehr und Schiffe mit hohen Aufbauten für die Schleipassage.  Im Normalbetrieb öffnete sie für den Schiffsverkehr im Stundentakt.

Häufige Verzögerungen beim Neubau

Bereits 2014 wurde der Abriss und ein Neubau genehmigt, Baubeginn sollte 2016 mit Fertigstellung 2019 sein. Seitdem kam es immer wieder zu Verzögerungen, teilweise Sperrungen. Zunächst wurde der Baubeginn wegen Verzögerungen bei der Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamts auf 2019 verschoben. Erste Bauvorbereitungen begannen schließlich im September 2020, wurden aber im Sommer ’21 wieder gestoppt, weil an der alten Brücke wegen Setzungen bei den Bauarbeiten Beeinträchtigungen am Klappmechanismus auftraten. Der Neubau wurde danach unterbrochen und sich für Instandsetzungsarbeiten an der alten Brücke entschieden. Die Inbetriebnahme des Neubaus wurde deshalb auf 2025 verschoben.

Marode LindaunisbrückeMarode: Die alte Brücke Lindaunis. Foto: Pixabay
Irreparable Schäden am Klappmechanismus festgestellt

Nachdem die Brücke im vergangenen Winter komplett für den Schiffsverkehr gesperrt wurde, hat die Deutsche Bahn in einer Mitteilung nun schlechte Neuigkeiten veröffentlicht – sowohl für die Schifffahrt als auch für den Bahn- und Straßenverkehr. An der alten Klappbrücke traten nun neue Schäden zum Vorschein, die eine angekündigte Öffnung ab April 2023 verhindert. An der Haltekonstruktion seien laut Bahn neue Schäden entdeckt worden. Die Klappbrücke müsse daher rückgebaut und durch eine behelfsmäßige, provisorische Brücke für Fußgänger und Radfahrer ersetzt werden.

Von November 2022 bis voraussichtlich Anfang April 2023 bleibt die Schleibrücke dauerhaft geschlossen.

Eine Passage von Schiffen mit niedrigen Aufbauten ist derzeit nicht möglich.

Beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee (WSA) erhalten Sie die Klappzeiten der Brücke. Auf der Internetseite des WSA erhalten Sie Informationen, wann die Brücke passiert werden kann.

Quelle: BauInfoPortal der Deutschen Bahn

Was das für Eigner bedeutet

Das Problem an der Mitteilung der Bahn ist ein Wort, welches viele Eigner in der Region seit Jahren fürchten: „voraussichtlich“. Denn die voraussichtlich angekündigte Brückenöffnung im April ist vor allem für Eigner, die im betroffenen Bereich ihre Boote und Yachten im Winterlager haben, problematisch und führt zur Unsicherheit. Viele verlassen ihre Winterquartiere zum Saisonbeginn, um die hinter der Brücke liegenden Sommerliegeplätze aufzusuchen. Sollte die Öffnung der Behelfskonstruktion erneut verschoben werden, können die Bootsbesitzer die hintere Schlei zum Saisonbeginn nicht mehr verlassen. Da Liegeplätze in der gesamten Region knapp sind, stehen auch kaum Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung, um das Boot für ein paar Wochen zwischenzuparken. Für viele Eigner fällt der langersehnte Osterurlaub (Karfreitag ist bereits am 7.4.2023) auf dem Wasser somit aus. Aufgrund der vielen Verzögerungen in der Vergangenheit glauben viele Schiffsbesitzer nicht an eine Öffnung im April. Die Saisonplanungen, auch der Termin fürs Kranen, sind somit von Unsicherheit geprägt.

Wir informieren, sobald es Neuigkeiten oder Termine gibt.

Orca-Angriffe: Online-Vortrag für ADAC Skipper

Gesunkene Yachten, angefressene Ruderblätter – Autor Thomas Käsbohrer hat die Orca-Angriffe in einem Buch aufgearbeitet. Für Newsletter-Abonnenten findet ein Online-Vortrag statt.

Direkt zur Anmeldung zum Online-Vortrag

Seit nunmehr drei Jahren beschleicht Skippern von Segelbooten stets ein mulmiges Gefühl, wenn sie vor der Iberischen Küste im Atlantik unterwegs sind oder die Straße von Gibraltar passieren. Der Grund: Seit 2020 wurden mehrere hundert Übergriffe von Orcas gemeldet, teils mit schweren Schäden an den Yachten, bis hin zum Totalverlust. Über 300 Ruder wurden zerstört. Auch im Januar und Februar 2023 wurden vom „Team Orca Iberia“ bereits wieder einiger Interaktionen erfasst, wie eine Übersichtkarte auf der Website zeigt. Schilderungen von betroffenen Skippern und Crews erinnern eher an den Buch-Bestseller „Der Schwarm“ von Franz Schätzing als an die Realität. Anfangs wurden drei Schwertwale gezählt, denen die Angriffe zugeordnet werden konnte, mittlerweile sind es 16.

Die Orcas rammen die Boote, stoppen sie, drehen sie um 180 Grad, teilweise um 360 Grad herum und machen sich über die Ruder her“ Thomas Käsbohrer, Autor „Das Rätsel der Orcas“

Meeresbiologen, Verhaltensforscher und Experten aus aller Welt rätseln seither, was der Hintergrund der Übergriffe sein könnte. Für Segler wurden Verhaltensregeln veröffentlicht, falls es zu einer Begegnung mit den Meeressäugern kommen sollte. In den Foren und Online-Communities diskutieren Blauwasser-Segler über eigene Maßnahmen, teilweise sehr drastischer Art, während die Yellow-Press die Vorfälle nutzt, um ziemlich plakative Überschriften („Angriff der Killerwale“) zu kreieren.  Es herrscht eine Gemengelage von verschiedenen Theorien, Erklärungen und Fragen: Schlägt die Natur zurück? Sehen die Orcas Segelyachten als Spielzeuge? Als Feinde? Die Stimmung in der Seglerwelt kann derzeit irgendwo zwischen Verunsicherung und Aufgeheizt eingeordnet werden.

Thomas Käsbohrer PorträtHält Online Vortrag für ADAC-Skipper: Thomas Käsbohrer ©Thomas Käsbohrer
Bemerkenswerte und detaillierte Aufarbeitung

Der Journalist, Segler, Autor und Historiker Thomas Käsbohrer („Die vergessenen Inseln“) hat sich in einem bemerkenswerten Buch auf Spurensuche begeben, um das Rätsel so weit möglich zu lösen und für Jedermann zugängliche Erkenntnisse zu sammeln. Das Buch „Das Rätsel der Orcas“ (240 Seiten, millemari-Verlag) ist eine Aufarbeitung vieler Orca-Angriffe, 40 betroffene Skipper wurden für das Buchprojekt intensiv befragt – darunter einige wenige, deren Maßnahmen gegen die Orcas erfolgreich waren. Käsbohrer geht die Suche sehr penibel an, verfolgt die Routen der Meeressäuger von den westeuropäischen Küsten bin in die Antarktis, spricht mit Naturschützern, Meeresbiologen und Tierpsychologen, um möglichst nahe an eine Erklärung der Verhaltensänderung zu gelangen. Käsbohrer nennt die intelligenten Meeressäufer „Top-Predator der Meere“ und traut ihnen durchaus mehr zu, als nur zufälliges Spiel mit Yachten. „Orcas sind wahnsinnig intelligent, ihr Gehirn wiegt bis zu 5 Kilogramm, entwickelt sich seit über einer Millionen Jahren (Menschen im Vergleich: 1,4 Kilo und „nur“ 200.00 Jahre alt). In ihrem Neo-Kortex, der Großhirnrinde, die für das Nachdenken zuständig ist, befinden sich viel mehr Falten als im menschlichen Gehirn.“

Sind die Übergriffe ein Signal?

Eine große Frage liegt nahe: Holen sich die Orcas das Meer zurück, sind die Angriffe eine Reaktion auf aussterbende Fischschwärme, auf Umweltbelastungen, auf Stress, auf Futtermangel? Geben Orcas mit dem Verhalten ein Signal? Käsbohrer schließt das Buch mit einem entsprechenden Appell:  „Ich bin ganz sicher, dass die iberischen Orcas uns eine Botschaft senden. Auch wenn wir sie nicht verstehen, halten sie uns mit ihrem Verhalten brühwarm den Spiegel unserer eigenen Schwächen vor. … Erst wenn wir über uns hinauswachsen und das Unmögliche vollbringen zu begreifen, dass das Thunfischsteak so wenig vom Grill kommt wie der Strom aus der Steckdose, wenn uns in jedem Augenblick klar ist, wie alles mit allem zusammenhängt und jede Sekunde unseres Daseins ihren Preis hat, werden wir in der Lage sein, die Dinge wirklich zu ändern.“

Online-Vortrag/Webinar zum Thema Orca-Angriffe für ADAC Skipper

Abonnenten der ADAC-Skipper-News können sich kostenlos für einen Vortrag von Thomas Käsbohrer am 15. März 2023 um 19:30 Uhr registrieren. Der Vortrag dauert ca. 90 Minuten und enthält viele neue Informationen, viel Interessantes und Wissenswertes über die Meeressäuger und was hinter der Angriffen steht.

Wer vorweg einen Eindruck gewinnen will: Im Podcast „Segeln ist Meer“ gibt der Autor einige Einblicke in seine Recherche. Hier gehts zum Podcast.

Das Rätsel der Orcas - BuchDas Rätsel der Orcas ©millemari-Verlag

 

Titelbild: Unsplash/NOAA

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Golden Globe Race – Susanne Huber-Curphey

NACHDENKLICHKEITEN FRAGEN UND ANALYSEN

Susanne Huber-Curphy

Kroatien im Februar: Und plötzlich war das Meer weg!

In den vergangenen Tagen berichteten mehrere kroatische Küstenzeitungen über stark fallende Pegelstände in kroatischen Buchten und Häfen. Üblicherweise unter Wasser liegende Flächen waren begehbar, Boote lagen in Marinas plötzlich auf dem Trockenen. Das Phänomen war an der gesamten Küste zwischen Istrien und Dubrovnik zu beobachten. 

Was war die Ursache? Erdbeben? Ein Seebeben in der Adria? Tsunamis? Durch Trockenperioden ausgelöster Wassermangel? 

Nichts davon. Die über Tage ungewöhnlich niedrigen Wasserstände sind die Folge globaler Luftströmungen. Sie verändern die Gezeiten und lassen Flut, aber auch Ebbe extremer ausfallen. Laut der Zeitung Vecernij List weisen Meteorologen darauf hin, dass Gezeiten immer dann extrem ausfallen, wenn der Luftdruck sehr hoch ist. Und der lag an der kroatischen Küste über mehrere Tage über 1030 Hektopascal. Besonders häufig kann man das Phänomen im Januar und Februar beobachten. Und manche ältere Leser erinnern daran, das Phänomen des sich zurückziehenden Meeres häufiger erlebt zu haben. Wie in ihrer Kindheit nutzten sie die starke Ebbe, um ihre Körbe zu packen und Meeresschnecken zum Kochen zu sammeln.

Noch beeindruckender ist das Phänomen, wenn starke Luftdruckschwankungen zu kurzzeitiger Ebbe und nachfolgender heftiger Flut führen. Sogenannte Meteotsunamis kennt man an der kroatischen Küste zur Genüge, aber auch in den engen Buchten auf Menorca und Mallorca, wo sie „Risaga“ heißen und es eigene Warn-Apps dafür gibt. Ich schrieb bereits in einem früheren Artikel auf marepiu darüber.

Mehr über die kroatische Küste zwischen Istrien und Dubrovnik? Steht im REVIER KOMPASS KROATIEN, Band NORD und SÜD:

https://millemari.de/shop-kategorie/buecher/   

Insiderwissen für  deinen Traumtörn. Als Buch, als eBook. 
Ebook ausschließlich über millemari.de erhältlich. Um beste Bildqualität bei den Hafen-Luftaufnahmen zu garantieren, erstellen wir jedes eBook persönlich für den Nutzer.

Band NORD: Slowenien bis Kornaten. 
Band SÜD: Von der Krka bis Kotor.

Kostenloses Preis-Update für alle Käufer der aktuellen Ausgabe des REVIER KOMPASS KROATIEN pünktlich zum Saisonstart 20. April 2023 auf www.millemari.de

Übrigens: Wir sind Aussteller auf der AUSTRIA BOAT SHOW 2023 in Tulln. 
                 Vom 1.-5. März 2023 in Halle 10, Stand 1028.

Echte Lesermeinungen:

„Nicht nur die genialen Wimmelbilder, die auf einen Blick einen hervorragenden Überblick über alles Wissenswerte geben, auch die vielen auf den Punkt gebrachten Informationen halfen uns bei der Törnplanung und gaben uns täglich wertvolle Orientierung.“

„Vielen Dank für die beiden Revier Kompasse.

Und für die vielen angenehmen Stunden mit Ihren Büchern.

Ihre Art zu Beschreiben mag ich sehr und macht Lust auf Meer, und mehr!“

„Der Revier-Kompass Kroatien war auf unserem Chartertörn ständig in Gebrauch.“

„Außer den inzwischen verfügbaren, recht brauchbaren Apps mit Revierinformationen und diesem Führer haben wir keine weiteren Revierhandbücher verwendet und auch nicht vermisst.“

Nach Norden

Habt ihr euch eigentlich mal gefragt, ob ihr dort wo ihr gerade lebt, wirklich freiwillig lebt? Ob ihr genau an diesem Ort bleiben würdet, wenn ihr ganz und gar zwanglos entscheiden könntet?

Sabrina und ich haben uns das seit langer Zeit ziemlich oft gefragt und ich denke, damit sind wir nicht allein. Das Thema hatten wir auch hin und wieder hier auf der Website und es hat einen nicht unbedeutenden Anteil an unserer Reiselust. Ein bisschen ist dieses Reisen sicherlich auch die unbewusste Suche nach dem einen Ort, an dem man ein wenig länger, vielleicht bis an sein Lebensende bleiben möchte.
Aber nicht nur das. In den letzten Jahren hat sich bei uns auch die Sehnsucht nach einer Basis verstärkt, die es uns erst ermöglicht, so zu reisen wie wir uns das vorstellen. Schwierig, so einen Ort zu finden.

Schwierig auch, euch jetzt in wenigen Zeilen zu erzählen, was wir in den letzten Jahren im Hintergrund so angestellt haben.
Solche Beiträge kratzen immer nur an der Oberfläche. Ein Artikel über so ein komplexes Projekt gibt aus dem Erlebten nur wenige Momente wieder und kann nicht mehr, als eine Stimmung transportieren. Aber ich will versuchen, euch ein kleines Stück mitzunehmen, auf einen Weg der uns weit nach Norden führen wird, dorthin wo das mystische Nordland beginnt und der Polarkreis zum greifen nah ist.

In erster Linie haben wir in den letzten paar Jahren gesucht und viel gelesen. Ganz leise haben wir uns irgendwann gesagt: „Nur mal angenommen, wir würden in ein anderes Land ziehen wollen…“
So fing es an.
Kurz nachdem wir Morgenstern übernommen hatten, sind wir die ersten kleinen Schritte in diese Richtung gegangen. Trippelschritte! Immer nur einen kleinen vor und gleich wieder einen halben zurück.
Wir waren uns lange nicht sicher, ob wir es wirklich wagen sollten. Unsere Stimmung war am Anfang großen Schwankungen unterworfen. Einerseits wollten wir es versuchen, andererseits hatten wir natürlich auch Angst zu scheitern.
Vor gut 3 Jahren haben wir dann einen Entschluss gefasst. Zu einer Zeit, in der Morgenstern eine Großbaustelle war und ein bekannter Virus in den Startlöchern stand, um für einige Verzögerungen zu sorgen. Am Ende war das für uns nicht einmal schlecht. Im Gegenteil. Wir hatten mehr Zeit, um Erfahrungen zu sammeln.
Damals haben wir das natürlich nicht so empfunden. Als der erste Termin geplatzt war, dachten wir: Das wird doch nie was…

Und das ist es auch eine ganze Weile nicht. Wir hatten Flüge gebucht, die wieder abgesagt werden mussten und Termine, die wir am Ende verpasst haben.
Dazwischen war umso mehr Zeit für Recherche. Die Frage, ob wir dort wo wir hin wollen wirklich das Gesuchte finden werden, konnte noch ein wenig länger diskutiert werden.
Die Wochenenden waren immer voll mit Gesprächen und ernsthafter Suche. Kartenmaterial sichten, Webseiten von Behörden durchforsten, Gesetze durchblicken, die Möglichkeiten virtuell ausloten…
Und immer wenn wir an Bord der Morgenstern waren, haben wir geträumt. Wie würde das wohl sein, wenn wir den Absprung wirklich schaffen sollten? Wie fühlt sich das Leben dort an? Wie werden die Menschen sein? Schaffen wir es, uns zu integrieren und noch einmal eine fremde Sprache zu lernen? Ist das der richtige Ort für Morgenstern? Denn eins war von vornherein klar, Morgenstern kommt mit!

Diese letzten Jahre waren ein Abenteuer und Spagat für uns, das ich hier kaum beschreiben kann. Eine innerliche Achterbahnfahrt. Uns war oft schlecht, obwohl wir sicher waren, in die richtige Richtung zu gehen.
Den ersten Termin, den wir einhalten konnten, hatten wir mit einem Makler am 7. April 2022 um 14 Uhr, in einem kleinen Ort am Rand der Arktis.
Es folgten weitere Hausbesichtigungen im Hohen Norden als auch weiter südlich, die wir lange vor der Reise im letzten Jahr vereinbart hatten. Zurück in Deutschland haben wir uns dazu entschlossen bei einem der Häuser in die sogenannte Bieterrunde zu gehen. Dazu muss gesagt werden, dass man in Norwegen nicht so einfach ein Haus kaufen kann. Häuser werden dort grundsätzlich versteigert und es ist in der Regel einiges an Aufwand notwendig, um dort als Ausländer mitmachen zu können. Fallstricke gibt es ebenfalls. Aber da kam uns letztendlich „Corona“ zugute. Wir hatten quasi 2 Jahre Zeit zu lesen…
Und so waren wir ruck zuck drin in der Runde und hatten auch eine recht gute Taktik. Irgendwann nützt aber die beste Taktik nix, wenn die Kohle schlicht nicht reicht. Nach 2 nervenaufreibenden Monaten mussten wir aufgeben.
Aber wie man immer so schön sagt: Wer weiß, wofür es gut war!?
Das haben wir natürlich nicht sofort so gesehen. Anfangs waren wir echt fertig!

Ein paar Monate später ergab sich dann eine neue Chance. Ein Haus bei dem fast alles passen würde. Die beste Gelegenheit in all den Jahren.
Ironischerweise haben wir es deshalb am Anfang nicht einmal richtig ernst genommen. Wir hatten zu dem Zeitpunkt nicht zugelassen uns in das Haus und die Gegend zu verlieben.
Alles wurde nur nüchtern nach einem festen Plan begutachtet und abgearbeitet. Irgendwann waren wir soweit für unser erstes Gebot. Das war im Oktober 2022.
Im November haben wir den Zuschlag erhalten und alle Verträge und Anträge wurden auf den Weg gebracht.
Von da an haben wir uns wie in einer Seifenblase gefühlt. Wird das gerade wirklich wahr, oder pikst gleich jemand von außen und alles platzt?
Kurz vor Weihnachten wurde die Überweisung, die wir in Auftrag gegeben hatten, auf einem Treuhänder-Konto in Norwegen verbucht.

Heiligabend waren wir blank. Aber sowas von!
Und hatten ein Haus in Norwegen!

Es steht auf einer Insel im „Fylke“ Nordland, nicht weit entfernt vom Polarkreis, auf 65° Nord. Dort wo die Berge grün sind und das Meer drum herum dunkelblau.
Bis zum Meer sind es von unserer Haustür genau 30 Meter. In Worten: Dreißig! Aus dem Wohnzimmer schaut man nach Südosten auf den Fjord und die dahinter liegenden hohen Berge auf dem Festland. Der offene Nordatlantik liegt auf der anderen Seite der Insel. Der Fjord ist vor der Dünung des Meeres sehr gut geschützt. Noch besser geschützt ist die kleine Bucht direkt vor unserer Haustür. Sie ist nur durch 2 kleine natürliche Kanäle mit dem Fjord verbunden. Die Wassertiefe in dieser Bucht liegt bei maximal 15 Metern. So etwas findet man in dieser Konstellation auch in Norwegen nicht oft.
Was wir planen, dürfte klar sein. Morgenstern bekommt endlich den Liegeplatz, der zu diesem Schiff passt.

Das alte Haus ist für uns ein Traum. Es steht komplett frei, trotzdem haben wir Nachbarn, nicht weit entfernt. Das Grundstück um das Haus ist ziemlich groß und besteht überwiegend aus Wald. Genau so haben wir uns das immer erhofft. Einen Wald zu haben, der einem mehr bietet als nur Feuerholz.
Der Wald, er beginnt direkt hinterm Haus. Würde man von dort aus immer tiefer in den Wald laufen, man würde kein anderes Haus mehr sehen, keinem Menschen begegnen, keine Straße und keinen Weg mehr finden. Nach etwa fünf Kilometern durch unberührte Natur würde man das Europäische Nordmeer vor sich sehen. 1.500 Kilometer weiter liegt Grönland.

Zurück am Haus würde einem wahrscheinlich als erstes die viele Arbeit auffallen. Aber ich denke nicht, dass ihr bei uns etwas anderes erwartet habt.
Bis das gesamte Projekt rund ist, werden Jahre vergehen. Es wird auch noch eine Weile dauern, bis wir Morgenstern nach Norwegen verlegen können. Realistisch dürfte der Sommer 2024, vielleicht auch erst 2025 sein.
Für dieses Jahr sind diverse Arbeiten am Haus geplant und die ersten Schritte in Richtung eigener Mooringboje. Für ein 17 Tonnen Schiff ist das allerdings nicht mal eben gemacht.

Vor wenigen Wochen haben wir also einen Anhänger organisiert, schnell aufgemöbelt, Subaru und Anhänger vollgepackt und waren schließlich startklar und hoch motiviert.
Am 27. Januar um kurz nach 20 Uhr sind wir los. Vor uns lagen fast 2.400 Kilometer bis zum Ziel und nochmal soviel wieder zurück. Dafür und für die ersten Arbeiten am Haus hatten wir nur 7 Tage Zeit.
Alles musste deshalb perfekt geplant werden und für alles was schief gehen konnte wurde Ersatz mitgeführt, soweit das möglich war.
Die erste Etappe durch die Nacht war meine Aufgabe. So haben wir das schon früher immer gemacht, wenn wir zusammen gesegelt sind. Das hat sich bei uns am besten bewährt, da ich die „Eule“ bin und Sabrina lieber früh aufsteht. Am 28. Januar habe ich sie gegen 6 Uhr morgens geweckt. Wir waren bereits in Schweden, haben zusammen gefrühstückt und anschließend die Plätze getauscht.
Als ich wieder wach geworden bin, waren wir nördlich des Vänern. Hier hat sich der linke Reifen des Anhängers verabschiedet. Das Ersatzrad war schnell montiert und weiter ging die Fahrt nach Norden. Wir hatten gehofft, dass wir es in maximal 24 Stunden bis Östersund schaffen könnten. Dort kennen wir jemanden, der einen Campingplatz hat und eine kleine warme Hütte für uns bereit gehalten hätte.
Letztendlich mussten wir den Versuch nach 25 Stunden Fahrt abbrechen. Das Risiko wurde zu groß. So weit nördlich war es bereits seit Stunden dunkel. Immer mehr Wild war unterwegs und wir sind die letzten paar Hundert Kilometer fast durchgehend auf Eis gefahren. ABS hatten wir mittlerweile auch keins mehr, da sich ein Fehler in die Elektronik eingeschlichen hatte.
Nach scheitern fühlte sich das deshalb auch nicht an. Wir sind in diesen 25 Stunden 1.740km weit gefahren. Neuer persönlicher Rekord, den wir wahrscheinlich so schnell nicht einstellen werden.


Übernachtet haben wir auf einem kleinen Rastplatz, gleich neben einem wunderschönen, zugefrorenem See. Wir kannten den Platz bereits von unserer letzten Reise und hatten ihn für genau diesen Fall eingeplant.
Der Subaru war ruck zuck zum Schlafwagen umgebaut und nach dem Abendessen und einer Runde mit Filou sind wir schneller im Reich der Träume gewesen, als die Elche Gute Nacht sagen konnten.
Die Nacht war bis minus 15°C kalt. Mit guten Schlafsäcken, isolierten Scheiben und einer Decke für Filou lässt sich das aber mehr als gut aushalten. Gefroren haben wir nicht.
Am frühen Morgen ging es schließlich weiter. Noch gut 600 Kilometer lagen vor uns und die Strecke war überwiegend vereist oder verschneit.
Aber wir hatten ja unseren symmetrischen Allradantrieb und der hat uns mehr als einmal vor dem Aufziehen der Schneeketten bewahrt und damit viel Zeit eingespart. Damit macht Schnee und Eis erst so richtig Spaß und der Winter wird zum Genuss.
Irgendwann am frühen Nachmittag, es war bereits dunkel, trennten uns nur noch 200km vom Ziel, aber der Schneefall wurde so stark, dass wir nur noch sehr langsam vorwärts kamen. Immer wieder mussten wir anhalten um die Scheinwerfer vom Schnee zu befreien. Unser Nachbarn, den wir bis dahin nur „online“ kannten, hat derweil die Wärmepumpe in unserem Haus hochgedreht und die Beleuchtung eingeschaltet. „Damit das Ankommen etwas Besonderes wird.“

Das war es! Die ganze Fahrt mit dem Youngtimer war etwas besonderes, mit einem CD-Wechsler voll mit „A-HA“ und „Aurora“ im Loop.
Es fühlte sich an, als würde alles seit vielen, vielen Jahren auf genau diesen Moment hinauslaufen müssen. Als wäre alles vorher nur Vorbereitung und Probe gewesen, ohne die es das hier oben nicht hätte geben können.
Wir waren überglücklich, konnten das alles aber so schnell überhaupt nicht begreifen.

Angekommen und bereit für neue Abenteuer.

Unser rotes Haus am Meer.

Am nächsten Tag waren wir im Einsatz. Ausmessen, Zeichnungen machen, Pläne schmieden, die erste Anhängerladung auspacken und einräumen. Aufräumen, Kettensäge zum Einsatz bringen…
Wir hatten viel zu tun und es hat unglaublich viel Spaß gemacht.

Erster Grünschnitt erledigt.

Erster Rundgang durch unseren Märchenwald.

Einer von drei kleinen Bächen, die durch unseren Wald fließen.

Am zweiten Abend war einer unserer Nachbarn zu Besuch und wir saßen lange zusammen im Haus.
Am dritten oder vierten Morgen habe ich so langsam realisiert, dass wir nicht nur für ein paar Tage in diesem Haus zu Besuch sind. Ich bin ganz früh morgens, noch vor dem Frühstück, zum Meer gelaufen, habe mir das Haus und den Wald dahinter von weitem angeschaut und ganz langsam realisiert.

Das Haus von der Seeseite aus gesehen. Davor befinden sich direkt am Ufer Bootsschuppen.

Wobei? Wenn ich jetzt, aus der Ferne, darüber nachdenke, fühlt sich alles wieder unwirklich und ganz weit weg an.
Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis wir beide vollständig realisiert haben, dass wir tatsächlich gerade dabei sind, nach Norwegen auszuwandern.

Am Abend bevor wir wieder zurück nach Deutschland mussten, kam ein großer Traktor rückwärts die Einfahrt zu unserem Haus hochgefahren. Es war einer unserer Nachbarn, der ein paar Hundert Meter weiter wohnt. Es hatte sich schnell herumgesprochen, dass die neuen Nachbarn hier sind. Und da er wusste, dass wir selbst noch keinen Traktor haben, wollte er den Schnee in unserer Einfahrt mit seinem Traktor räumen.
Wir haben in kürzester Zeit viel Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit erlebt. So viel, dass wir ein wenig überwältigt waren.
Am 3. Februar mussten wir früh morgens wieder los. Wir wären am liebsten gleich für immer geblieben, in dem roten Haus an der kleinen Bucht, kurz vorm Polarkreis.
Den Rückweg erspare ich euch im Detail. Wir waren schnell! Samstag Abend waren wir bereits zurück am Niederrhein und hatten nochmal knapp 2.400 Kilometer abgespult. Davon die ersten etwa Eintausend Kilometer fast durchgehend auf einer festen Schnee- oder Eisdecke. Übernachtet haben wir an einem abgelegenen Platz am Öresund in Schweden, an dem wir fast 2 Jahrzehnte zuvor mal gezeltet hatten. Alles war dort noch so wie damals.

Nun heißt es, Listen abarbeiten, die nächste Fahrt planen und Morgenstern nicht aus den Augen verlieren. Der Anhänger braucht neue Reifen, der Subaru hat ebenfalls gelitten und muss wieder aufgemöbelt werde. Neue Windschutzscheibe, neue Stoßdämpfer…

Letztes Foto vor der Rückfahrt nach Deutschland.

Besuch in der Nacht

Do., 23.Feb.23, Neuseeland/Whangarei, Tag 3190, 24.696 sm von HH

Normalerweise braucht es eine Elefanten-Herde, um mich nachts zu wecken. In dieser Nacht ist es anders – ich höre ein leises Klingeln. Die Nacht ist windstill, die Luke über meinem Bett steht weit offen. Außer dem Klingeln ist nichts zu hören. Ich lausche: da wieder! Das müssen die Ketten der Ständer sein in denen Atanga steht, erkenne ich. Was mag in drei Metern Höhe mit den Ketten rasseln? Mein schlaftrunkenes Hirn versucht eine Lösung zu finden. Eine Katze? Dann höre ich Schritte an Deck. Tapp, tapp, tapp. Zu laut für eine Katze. Ich lausche und starre in die Dunkelheit. Über mir erscheint ein Gesicht und schaut frech zu mir herunter. Ich starre zurück. Ohne Brille kann ich nicht wirklich erkennen, wer da über mir hockt.

Höchste Zeit den Käpt’n zu wecken. Ich rüttel ihn wach. Das Gesicht an der Luke ist verschwunden. „Da ist was an Deck“, flüstere ich Achim zu. „Ein Tier.“  Mein Jäger ist sofort auf den Beinen. 30 Tausend Jahre Evolution seit Neandertal haben keinen Schaden angerichtet. Wiesel schnell schaltet Achim auf Jagdmodus und die Decksbeleuchtung an. Er springt ins Cockpit. „Da ist nichts. Hast du geträumt?“ Er schleicht ums Cockpit herum. „Doch, hier sitzt was. Ich glaube das ist ein Possum.“ Der freche Kerl lässt sich gar nicht stören. Ich kann auch einen Blick auf ihn werfen und sogar gemütlich den Fotoapparat holen. Selbst der Blitz irritiert unser Possum kein bisschen. Erst als wir ihm von zwei Seiten auf den Pelz rücken, klettert er an den Ketten so herunter, wie er gekommen ist.

Possum in der Nacht

Der Fuchskusu, in Australien und Neuseeland Possum genannt, wird knapp so groß wie eine Katze und ist Neuseelands größter Schädling. Das Beuteltier mit wertvollem Pelz stammt ursprünglich aus Tasmanien. Vor hundert Jahren wurden 200 Tiere für die Pelzzucht nach Neuseeland gebracht und die haben sich hier ungehemmt vermehrt. Ohne natürliche Feinde ist die Population auf 40 bis 70 Millionen (!) Exemplare angewachsen.

Diese verwüsten nicht nur Gärten und Felder, sie fressen wortwörtlich ganze Wälder kahl. Bevorzugte Nahrung sind Blätter und Knospen.
Seit den 1990er Jahren rückt man den Possums mit Fallen auf den Pelz. Unterwegs auf unseren Wanderungen haben wir viele Fallen gesehen. Häufig sind die erst nach stundenlangem Marsch zu erreichen. In keiner Falle haben wir ein erschlagenes Possum gefunden.
Dafür sieht man umso mehr überfahrene Tiere. Die nachtaktiven Fuchskusus scheinen auf Autos so zu reagieren, wie auf uns an Deck. Nämlich gar nicht. Somit sind in einigen Gegenden die Straßenränder förmlich übersät mit Kadavern. Wer für Naturschutz ist in Neuseeland, bremst nicht für Tiere.
Zusätzlich gibt es noch Fallen mit Giftködern. Die Possums auszurotten ist erklärtes Ziel der Naturschutz-Behörde.

Possum-Falle in Opotiki – Achim hat die Falle gespannt und mit einem Ast ausgelöst – der wurde von der Wucht der Falle in tausend Stücke zerschlagen

Das Fell der Fuchskusu ist außerordentlich weich. Da aber weltweit die Nachfrage nach Pelz zurück gegangen ist, kam in Neuseeland der Handel fast zum Erliegen. Vor knapp zwanzig Jahren fand man jedoch ein Verfahren, um aus den Haaren des Possums Wolle zu spinnen. Seitdem lohnt sich die Jagd nach dem Schädling wieder.
Putzige Tiere – nur zur falschen Zeit am falschen Ort. In Australien ist das Possum übrigens geschützt. Durch Fress-Feinde, wie Schlangen, Eulen und Dingos hält sich ihr Bestand auf ein natürliches Maß.


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Die Orcas – im ZDF. In der YACHT. Und letzte Woche live vor Gibraltar.

Geschenk zum Valentinstag: Ein Orca samt Begleiter schwimmt vergangene Woche
mit dem eben abgerissenen  Ruder einer Yacht davon.

Frank Schätzings Bestseller kommt ab Donnerstag, 23.2. mit den ersten drei Teilen in die ZDF-Mediathek und wird am 6. März im TV gezeigt. In dem aufwändigen Acht-Teiler, nach ZDF-Angaben die teuerste Produktion, spielen die Schwertwale wie schon in der Romanvorlage eine prominente und verheerende Rolle.

Während also die Spannung steigt, was das ZDF aus dem 2004 erschienenen Öko-Besteller gemacht hat und Frank Schätzing dem Sender mitteilt, dass es im Film „mehr pilchert als schwärmt“, ist mein umfangreicher Artikel über die Orcas in der aktuellen YACHT 5 erschienen. Ich freue mich riesig über das Interesse der YACHT an meinem neuen Orca-Buch und die Einladung, eine Übersicht über die Ereignisse, mögliche Ursachen und Abwehrmaßnahmen zu verfassen – jetzt downloadbar in Heft 5 auf yacht.de.

Auch die Übersetzung der englischen Ausgabe unseres Buches ist fertig und wird spätestens Anfang März in Großbritannien und USA online gehen. Viele Briten, aber auch Polen und Portugiesen sind Erzähler und Augenzeugen in meinem Buch, es wird Zeit, dass sie ihren Bericht gedruckt in Händen halten.

Und was treiben die Orcas jetzt im Februar, während all das passiert? Im vergangenen Jahr wurden laut Quellen mindestens 250 Interaktionen mit Booten gezählt. Die offizielle Zahl dürfte weit höher liegen. Halten sie Winterpause zwischen Dezember und Februar wie in den vergangenen  Jahren? Mitnichten. Allein im Februar wurden in und um die Straße von Gibraltar weitere Interaktionen mit Yachten gemeldet, deren die Ruderblätter beschädigt wurden. In einem Video sieht man, wie zwei Orcas am Valentinstag vor Tanger mit dem zuvor abgerissenen Ruder eines französischen Skippers davonschwimmen. Oder am vergangenen Donnerstag, als fünf Orcas vor Gibraltar in einer halbstündigen Interaktion Rumpf, Kiel und Ruder einer Yacht bedrängten und das Ruder letztlich zerstörten. Die Liste lässt sich fortsetzen. 

Auch wenn der Meeresbiologe Renaud de Stephanis den Verdacht äußert, dass aktuell nur zwei Orcas dabei sind, Yachtruder zu demolieren, ist eine echte Winterpause der Orcas nicht in Sicht. Zumindest nicht in der Straße von Gibraltar.

Ob meine im Buch und im YACHT-Artikel wiederholte Prognose haltbar ist, dass die Zahl beschädigter Yachten in 2023 weiter steigen wird? Es sieht ganz danach aus.

Mehr Informationen über die Hintergründe gibt es im Buch, das auch als eBook und bei millemari. als Hörbuch erhältlich ist. Oder in einem meiner Online-Vorträge unten.


Zum Buch

Nächste kostenlose Veranstaltungstermine
über Ursachen, Vorgehen der Orcas, mögliche Abwehrmaßnahmen:

 Live-Online-Vortrag Dienstag, 28. Februar 2023 19.30 Uhr
in Zusammenarbeit mit SEA-HELP: www.sea-help.eu

Live-Vortrag AUSTRIA BOAT SHOW TULLN
am Samstag, 4. März und Sonntag 5. März 2023  jeweils 11.00 Uhr

Live-Online-Diskussion TRANS-OCEAN e.V.
am Donnerstag, 9. März 2023  19.00 Uhr

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Aug in Aug mit Gabrielle

Mi., 15.Feb.23, Neuseeland/Whangarei, Tag 3182, 24.696 sm von HH

Gabrielle ist hebräisch und bedeutet „Gottes Heldin“. Wer hatte nur die schlechte Idee, einem Zyklon diesen Namen zu geben?
Hurrikane, Taifune und Zyklone sind dasselbe. Mit dem einzigen Unterschied, dass Zyklone nur auf der Südhalbkugel vorkommen und sie sich im Uhrzeigersinn drehen. Das Gute an Wirbelstürmen ist, dass man ihre Entstehung heutzutage frühzeitig entdecken kann. Die Vorwarnzeit beträgt mehrere Tage. Nur die exakte Laufbahn ist noch immer schwierig vorherzusagen.

Samstag, 4. Februar
Wir bekommen heute das erste Mal Wind (`tschuldigung – doofes Wortspiel  :lol: ) von einem sich aufbauenden System. Das ist total uninteressant. Eher beunruhigend für Insel-Staaten im Norden wie Neu Kaledonien und Fiji. Was hat Neuseeland mit diesem Tief zu tun?

Dienstag, 7. Februar
Aus dem harmlosen Sammelbegriff „Tief“ ist nun ein Zyklon geworden. Die ‚Heldin Gottes‘ wird aus der Taufe gehoben. Gabrielle ist in den letzten drei Tagen mächtig gewachsen und auf direktem Weg nach Neuseeland unterwegs. So richtig ernst nehmen wir das noch nicht. Gabrielle wird schon abdrehen. Wann wird Neuseeland direkt von einem Zyklon getroffen? Eben! So gut wie nie! Deswegen kommen die Segler aus Fiji ja extra hier rüber.
„Hui, das wird windig“, amüsieren wir uns.

Die Laufbahnen von Zyklonen zwischen 1985 und 2005 – Bola 1988 war noch schlimmer als Gabrielle – Foto Wiki

Mittwoch, 8. Februar
Gabrielle ist nun ein Zyklon der Klasse 3. Hat einen Druck von 962 Hektopascal. Eine Faustformel behauptet, je niedriger der Druck, desto größer die Zerstörungskraft.
An Neukaledonien und Fiji zieht Gabrielle bequem vorbei. Mehr als 30er Böen sind nicht vorhergesagt. Gabrielle hält weiter Kurs auf Neuseeland. Mit Amüsement ist es nun auf Atanga vorbei. Das Auge soll direkt über den Norden der Nordinsel ziehen. Über uns. Mit einem Grundwind von 45 Knoten und Böen bis 72 Knoten. Sonntag oder Montag soll das passieren. Erste Empfehlungen kommen über die Medien rein: Kaufen sie für einige Tage was zu essen, halten sie Trinkwasser bereit und eine Taschenlampe.
Ich gehe einkaufen.

Gabrielle rückt näher

Donnerstag, 9. Februar
Gabrielle rollt unbeirrt auf Neuseeland zu. Prognosen sagen jetzt, das Auge soll etwas weiter östlich an uns vorbei ziehen. Das würde einen Unterschied bedeuten von Böen 70 Knoten zu 50 Knoten – gefährlich zu unangenehm.
Wir binden alles weg. Räumen das Deck leer und unseren Arbeitsplatz unter dem Schiff.

Freitag, 10. Februar
Bestes Sommerwetter. Achim und ich gehen noch mal in die Stadt etwas bummeln. Die nächsten Tage kommen wir garantiert nicht vom Kahn. Gabrielle ist weiter auf dem Weg zu uns. Dass sie noch abdreht, wird immer unwahrscheinlicher. Nur wie stark wird sie sein? Die letzten zwei Tage ist sie zum Glück auf Kategorie 2 runter gestuft worden. Der Luftdruck im Auge ist etwas gestiegen.
Das Auge soll weiterhin östlich vorbei gehen, dann allerdings auf halber Höhe der Nordinsel einen Schlenker nach Süden machen. Die Regenfälle, die der Zyklon mitbringen soll, sind außerordentlich. Es gibt örtliche Warnungen von 400 mm in 24 Stunden.

Samstag, 11, Februar
Gabrielle hält Kurs. Sie ist zum Tropensturm herab gestuft worden. Zum Glück. Es geht los. Erste Böen mit 30 Knoten kommen tagsüber rein. Es regnet heftig. Aber alles auszuhalten. Dass Neuseeland so ein Wetter kann, hat es uns diesen Sommer schon etliche Male gezeigt. Nichts Besonderes.  Wir hocken trotzdem vor dem Wetter-Ticker. Der Wind soll zunehmen in der Nacht. Also beschließen wir als letzte Amtshandlung  auch noch das Bimini abzubauen.  Alle Luken sind zu, inzwischen schüttet es aus Eimern. Böen von 36 Knoten berichtet uns die Alrisha. Wir schlafen trotzdem gut in dieser Nacht.

Gabrielle

Sonntag, 12. Februar
Wir tappen morgens in den Salon. Ihhh! Pfui, was ist das denn? Der Fußboden im Eingangsbereich schwimmt. Es tropft von der Decke. Es tropft durch das Schott am Niedergang. Es tropft von den Leisten. Erste Rinnsale haben sich gebildet, die die Wand runter laufen. Es tropft auf den Herd, in die Spüle. Wir gucken uns ratlos an. Wo kommt das her? Da haben wir Millionen Dollar für die Decks-Sanierung ausgegeben und haben Wasser im Schiff? Da haben wir das Cockpit mit Epoxy repariert, Dichtungen neu gezogen und haben Wasser im Schiff? Ich könnte heulen.
Achim ist pragmatischer und geht auf die Fehlersuche: Der Wind kommt genau aufs Heck von Atanga (natürlich kommt er genau von hinten, grrr). Und waagerecht. Und in Mengen. Durch das fehlende Bimini wird der Regen bis an die Scheiben vom Cockpit getrieben. Dort weiß das Wasser nicht, wo es hin soll und sucht sich einen Fluchtweg durch einen Kabelkanal für die Navigation. Außerdem findet es seinen Weg durch zwei Abflüsse, die sich in den Kästen rechts und links vom Eingang befinden. Diese Abflüsse sind mit Kunststoffabdeckungen verschlossen und versiegelt. Hahaha, dachten wir zumindest. Die Versiegelung hat Undichtigkeiten, die wir bisher nicht gesehen haben. Ja, gar nicht sehen brauchten. Denn noch nie hat es so bei uns ins Cockpit geregnet.
Achim hat die Ursache gefunden und wer es findet, muss es beseitigen. Achim muss raus. :mrgreen: Das Bimini bei den Böen wieder aufzubauen, geht nicht. Da würden wir von Deck fliegen. Also installiert Achim ein Provisorium aus Planen vor den Niedergang. Die Planen bringen etwas Schutz, aber es tropft weiterhin im Halbsekundentakt von der Decke.
Achim baut eine Deckenverkleidung ab. Er schafft es, unter das Ende vom Kabelkanal eine Schüssel zu stellen. Die muss alle zwei Stunden ausgeleert werden. Der Rest fließt weiterhin die Wände runter. Mehr können wir nicht machen. Außer Handtücher überall auslegen. Immerhin ist es nur Süßwasser. :-)
Gabrielle wird zu unserer heimlichen Heldin erklärt  –  ohne sie hätten wir diese Schwachstelle niemals gefunden.

Um 16:30 Uhr dröhnt aus dem Handy ein Alarm. Der Notstand wird für unsere Region –Northland-  ausgerufen.

Alle zwei Stunden ist die Schüssel voll

Der Rest tropf daneben

 

Hier ist das Wasser rein gelaufen – Foto ist heute entstanden

Mit diesen Provisorien versuchen wir etwas Regen vom Eingang fern zu halten

und hier – die Deckel sind schon runter – die Reparatur hat bereits begonnen

Montag, 13. Februar
Wir gehen nur raus, wenn wir unbedingt müssen. Toilette ist ja nicht zu benutzen an Land.
Es gießt und stürmt. Es stürmt und gießt.
Wieder starren wir auf den Wetter-Ticker. Der Wind soll doch drehen. Wann ist es denn das so weit? Dann, am Nachmittag, ist es für zwei, drei Stunden etwas ruhiger. Das Zyklon Auge befindet sich ungefähr 150 Kilometer draußen auf offener See. Endlich dreht der Wind. Er kommt jetzt von vorne. Mit voller Wucht. Die Rückseite hat es in sich. Atanga rappelt und wackelt in ihren Stützen. Es fühlt sich an wie in einem Achterbahn-Wagon. Segeln ohne Schräglage. Segeln ohne Wasser. Schön ist das nicht, außer, dass spontan das Getropfe im Salon aufhört. Es gießt und gießt und gießt, aber der Regen bleibt draußen. Wunderbar. Da ist das Gewackel fast zweitrangig.
Die Nacht ist unruhig. Der Höhepunkt von Gabrielle ist erreicht. Unser Windmesser ist noch nicht wieder installiert, aber Alrisha und der Wetterbericht sprechen von Böen bis knapp 60 Knoten. Ja, so hört es sich auch an. Das Heulen und Brüllen des Windes ist grausam.

Der Blick runter von den Whangarei Falls an normalen Tagen

Gleicher Blick – gleiche Bäume am Sonntag – Foto credit unknown – Internetfund

Townbasin von Whangarei bei normalem Wasserstand

Der Wasserstand von Sonntag vor dem Restaurant – Foto Credit unknown – Internetfund

Dienstag, 14. Februar
Die hefigen Böen halten noch den Vormittag an. Dann hört der Regen auf. Der Wind geht runter. Grundwind noch 30 Knoten, Böen 45 Knoten. Nichts Besonderes ;-)
Wir haben das Gefühl, es überstanden zu haben. Uns ist nichts passiert. Nichts ist kaputt gegangen. Atanga steht noch – wäre auch irgendwie blöd gewesen,  das frisch renovierte Schiff auf die Seite zu legen.

Hier ist das höchste Hochwasser schon vorbei – Atanga steht links – zweites Schiff

Allerdings hat Gabrielle die Nordinsel in Verwüstung hinterlassen: Überflutungen. Erdrutsche und umgewehte Bäume. Weg gerissene Straßen. Stromausfall. Einhundert tausend Haushalte verbringen die nächsten Tage im Dunkeln. Ein Feuerwehrmann soll von einem Erdrutsch verschüttet worden sein. Von mehr Todesfällen haben wir zum Glück noch nicht gelesen. Whangarei ist im Augenblick abgeschnitten, so wie viele andere Orte auch. Zu viele Straßen sind nicht passierbar. Die Versorgung wird schwierig. Schon am Samstag soll es kein Brot und keine Milch mehr im Supermarkt gegeben haben. Der nationale Notstand ist ausgerufen worden.

Mittwoch, 15 Februar
Der prognostizierte Schlenker von Gabrielle ist eingetroffen. Was für ein Unglück. Das bedeutet, dass der Osten der Nordinsel auch die Rückseite vom Wirbel abbekommt. Als ob der Schaden im Norden nicht gereicht hätte. Im Süd-Osten kommt es zu den schlimmsten Überflutungen. 240 mm Regen fällt in 24 Stunden. Böen bis 75 Knoten an exponierten Stellen werden gemessen. MetService berichtet von 11 Meter hohen Wellen offshore. An der Küste kommen noch 5 bis 6 Meter Brecher an.

Bei uns in Northland scheint die Sonne mit stahlblauem Himmel. Als wir aufwachen, ist es fast windstill. Kein Geräusch mehr zu hören. Eine Wohltat nach 72 Stunden Dauerwind, Dauergetöse. Aber es fühlt sich wie eine Verhöhnung an: war was?
Niemals, nie, unter keinen Umständen möchten wir so einem Wirbel auf See begegnen. Ein Lehrstück, wie wichtig Wetter-Beobachtung ist – sogar an Land.

Gabrielle ist Morgen weg. Sie wird sich über dem kalten Wasser weiter im Süden einfach auflösen. Neuseeland wird etwas länger unter dieser Antiheldin leiden.

Nur ein Beispiel von vielen – Straßen sind verschwunden – Foto credit unknown – Internetfund


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Peterisch

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Peterisch