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Nach 13 Jahren am 13. September: endlich am Ziel!

126. Kieler Woche: <p>
	Die 49erFX-Seglerinnen Tina Lutz und Susann Beucke nach ihrem Kieler-Woche-Sieg und der gewonnenen Olympia-Fahrkarte im Gl&uuml;ck</p>

Tina Lutz und Susann Beucke haben ihren Traum von der Olympia-Teilnahme wahr gemacht. Die Kieler-Woche-Siegerinnen im 49erFX wackelten im dritten Anlauf nicht

Gewagt, gelernt, gewonnen

Für Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ist die etwas andere Kieler Woche ein Erfolg: „Wir haben es geschafft zu zeigen, dass man in Coronazeiten eine solche Veranstaltung machen kann – mit Mut, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein.“

Viele Veranstaltungen wie die Konzerte auf der „Secret Stage“, Live-Übertragungen der Auftritte von Top-Acts oder die Windjammer-Segelparade seien sehr gut besucht gewesen. Auch neue Formate wie das Segelkino wurden gut angenommen.

Für Kämpfer steht fest: „Wir haben viel Neues gewagt und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Und am Ende haben ganz viele gewonnen: Die Segler*innen, die sich nur hier in Kiel in diesem Jahr auf Weltniveau messen konnten. Die Veranstaltungsbranche, für die wir ein starkes Signal in schwierigen Zeiten gesetzt haben. Die Bands, die endlich wieder live spielen konnten. Und vor allem die Kieler-Woche-Fans, denen wir besondere Gemeinschaftserlebnisse ermöglichen konnten.“

Insgesamt wurden rund 38.000 Tickets für die Veranstaltungen der Kieler Woche 2020 gebucht – 44.000 hätten zur Verfügung gestanden. Hinzu kommen die spontanen Besucherinnen auf den Erlebnisarealen, die Teilnehmerinnen von Regattabegleitfahrten und die rund 30.000 Zuschauer*innen der Windjammerparade, bei der insgesamt 400 Boote ein besonderes Bild auf die Förde zauberten.

Online hatten die Livestreams der Kieler Woche auf unterschiedlichen Kanälen rund 195.000 Zuschauer*innen.

Auch Philipp Dornberger, Leiter des Kieler-Woche-Büros, ist zufrieden mit dieser „KiWo“, die vor allem organisatorisch eine große Herausforderung war: „Vieles hat von Beginn an gut funktioniert. Manches haben wir im ‚laufenden Betrieb‘ angepasst. Gerade das zweite Wochenende hat gezeigt, dass die Menschen immer mehr in Kieler-Woche-Stimmung gekommen sind.“

Einige Neuerungen wie das weltweit erste Segelkino auf der Förde kann sich Dornberger auch als Teil einer „normalen“ Kieler Woche vorstellen: „Das hat wirklich sehr gut funktioniert und die Stimmung war eine ganz besondere.“

Das umfassende Sicherheits- und Hygienekonzept hat sich bewährt. „Das Hygienekonzept für die Kieler Woche hat funktioniert. Wir haben uns zunächst für sehr strenge Vorgaben entschieden, konnten dann feststellen, dass eine dreifache Absicherung von Abstand, Maske und begrenzte Teilnehmer*innenzahl bei Veranstaltungen im Freien nicht überall zwingend notwendig ist. Diese Erfahrungen sind sehr wertvoll für weitere Veranstaltungen in Zeiten der Corona-Pandemie“, erklärt Kiels Gesundheitsdezernent Gerwin Stöcken.

Segeln: Jahreshöhepunkt für viele Aktive

Nach sechs Monaten Regattapause setzte die internationale Segelwelt in diesem Jahr voll auf Kiel. Die Weltspitze reiste an und wurde nicht enttäuscht, denn die Landeshauptstadt überzeugte mit Wind und einem vollen Regattaprogramm.

An Land sorgte die strikte Einhaltung der Hygienevorschriften für die Sicherheit der Seglerinnen. „Zu dem Setup der Kieler Woche an Land kann ich sagen, dass in Summe die Konzepte aufgegangen sind, die wir in den vergangenen Monaten erarbeitet haben. Dies lag neben den Konzepten selbst insbesondere an der hohen Disziplin und der hohen Akzeptanz der Seglerinnen und Betreuerinnen“, so Regattaleiter Dirk Ramhorst. Vielen Seglerinnen hätte unabhängig von den besonderen Rahmenbedingungen der Fokus auf das Segeln gefallen.

„Wir hatten mehrere hundert Pre-Screenings und auch zahlreiche veranlasste PCR-Testungen, die alle negativ waren. Uns wird sicherlich – leider – der eine oder andere Baustein aus unserem Hygienekonzept auch im nächsten Jahr begegnen“, meint Ramhorst und ergänzt: „Der Spruch des einstigen Vorsitzenden des Weltseglerverbandes Paul Henderson aus Kanada – ‚Do it like in Kiel‘ – gilt vielleicht ab sofort im doppelten Sinne“.

Für den Deutschen Segler-Verband zog Sportdirektorin Nadine Stegenwalner ein positives Resümee: „Ein großes Lob an die Organisatorinnen! Wir freuen uns, dass sich die viele Arbeit in der Vorbereitung ausgezahlt hat. Ich konnte auch viel positives Feedback von den Seglerinnen und Trainer*innen – auch intern – hören, die sich sehr gefreut haben, dass ein Event stattfindet und die Aktiven endlich wieder Wettfahrten segeln konnten“.

Der Deutsche Segler-Verband hatte die Kieler Woche in vier Bootsklassen für die Olympia-Qualifikation ausgeschrieben. „Es war eine gelungene Serie mit hochkarätigen Feldern. Und eine Qualifikation vor der eigenen Haustür ist immer etwas Besonderes. Die Segler*innen aus dem German Sailing Team kennen das Revier und Umfeld aus dem Effeff. Und die mediale Aufmerksamkeit ist natürlich höher“, so Stegenwalner.

Die deutschen Skiff-Crews haben die Olympiakriterien nach der Kieler Woche erfüllt und der DSV wird die Crews dem Deutschen Olympischen Sportbund zur Nominierung vorschlagen.

Die 49er-Bronzemedaillengewinner von Rio, Erik Heil und Thomas Plößel, waren als WM-Zweite 2019 und Dritte bei der WM im Frühjahr schon vor der Kieler Woche uneinholbar, doch nun ist es offiziell. Nach der langen Pause seit Februar war die Regatta für die Crew zwar eher holperig, aber die Kieler Woche war ohnehin eher eine Kür.

Ab November steht für Erik Heil dann für drei Monate das Studium im Vordergrund: „Thomas wird sehen, wie er mit unseren Trainingspartnern arbeiten kann. Ab Februar geht es dann voll weiter in Richtung Tokio.“ Und das mit hohen Ambitionen, nachdem Heil/Plößel mit Bronze vor Rio die einzige deutsche Segelmedaille gewannen. Erik Heil legte in Kiel die Messlatte hoch: „Das Ziel ist es, besser zu sein als beim letzten Mal.“

Freude pur versprühten Tina Lutz und Susann Beucke. Das 49erFX-Team sicherte sich vor Kiel im dritten Anlauf das erste Olympiaticket. „Es ist die Belohnung für zwölf Jahre harte Arbeit“, so Beucke. Die Europameisterinnen von 2017 waren zweimal in der nationalen Qualifikation knapp gescheitert, ließen aber nicht locker. „Hartnäckigkeit sticht Talent und Genie aus“, so Tina Lutz. Die Stranderin Beucke (damals 29er) und die Chiemseerin Lutz (damals 420er) hatten sich 2006 bei einer Pressekonferenz der Kieler Woche kennengelernt und beschlossen, künftig gemeinsam zu segeln. Nach 14 Jahren schließt sich so der Kreis in Kiel.

Freude pur. Olympiaqualifikation gewonnen und den Kieler-Woche-Titel gesichert: Tina Lutz (links) und Susann Beucke. Foto: www.segel-bilder.de

Digitale Woche

Die Digitale Woche Kiel, das bundesweit größte öffentlich initiierte Digitalfestival, fand erstmals parallel zur Kieler Woche statt. Neun Tage – ein Thema: Wie kann Digitalisierung unsere Zukunftsfähigkeit stärken? In rund 280 Veranstaltungen konnten fast 38.000 Interessierte online oder vor Ort live an der diwokiel20 teilnehmen. „Wir sind begeistert von der Qualität und Intensität der Diskussionen vor Ort und im digitalen Austausch mit Zuschauenden über die neue Plattform kiel.live,“ so Kathrin Reinicke, Leiterin des Digitale Woche Kiel Büros in der KiWi.

Für Reinicke steht fest: „Unser Konzept eines hybriden Formates für die diwokiel20 ist voll aufgegangen – für die diwokiel21 werden wir in jedem Fall hier anknüpfen!“ Wer den Livestream aus dem diwokiel-Studio verpasst hat, findet die Events in der Mediathek auf der Website der Digitalen Woche Kiel www.digitalewochekiel.de/mediathek.

Die Kieler Woche 2021 wird – Stand jetzt – vom 19. bis 27. Juni 2021 stattfinden. Alle Informationen zur „KiWo“ gibt es unter www.kieler-woche.de.

Sechs Nationen in der Siegerliste

„Wir sind sehr zufrieden, haben bis auf ein paar wenige Ausnahmen das komplette Programm in allen Klassen segeln können. In den Silber-Gruppen der Laser und 29er haben wir wegen des kräftigen Windes zum Abschluss auf ein paar Rennen verzichtet“, bilanzierte Bach. Seinen Wettfahrtleitungen auf den Bahnen stellte er ein Bestzeugnis aus: „Die Teams haben super gearbeitet. Wir hatten natürlich auch Glück mit dem Wind, aber das gehört dazu.“

Die Zusammenarbeit mit den Seglern habe im Großen und Ganzen gut geklappt, so der Chef-Wettfahrtleiter: „Mit einigen werden wir sicherlich sprechen müssen, ob ihre und unsere Vorstellungen der Kieler Woche zusammenpassen. Da geht es um Anzahl der Wettfahrten und auch die Platzierung auf den Bahnen. Aber wir haben eben nur begrenzten Platz auf den Innenbahnen.“ Und gerade in diesem Jahr konnte nicht alle Wünsche erfüllt werden, da wegen der Corona-Pandemie die Teams bewusst klein gehalten wurden und die Anzahl der Organisationsboote reduziert wurde.

„Das Ziel war es, hochklassige Wettfahrten anzubieten. Das hat gut funktioniert. Für 2021 planen wir jetzt wieder mit der Regatta im Juni und hoffen darauf, dass wir mit weiteren Erkenntnissen noch besser mit Corona umgehen können. Dann lassen sich vielleicht einige Maßnahmen zurückschrauben. Aber auch so haben wir gezeigt, dass die Kieler Woche selbst unter diesen Bedingungen Regatten anbieten kann“, so der oberste Wettfahrtleiter für die Dreiecksbahnen.
Sechs Nationen trugen sich in der zweiten Hälfte der Kieler Woche in die Siegerliste ein. Auf Platz eins im Ländervergleich landete dabei Dänemark vor Deutschland.

Gestern bereits die gelungene nationale Olympiaqualifikation, heute Kieler-Woche-Sieg: Für Tina Lutz/Susann Beucke hätte es nicht besser laufen können. Foto: www.segel-bilder.de

49er FX:

Nach dem Sieg in der nationalen Olympia-Qualifikation sicherten sich Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande) auch ihren dritten Kieler Woche-Sieg. Nach 2012 und 2016 geht die Kieler Goldmedaille an die deutschen Ausnahmeseglerinnen. Bis zur letzten Wettfahrt war es ein Bug-an-Bug-Rennen mit den Amerikanerinnen Stephanie Roble/Maggie Shea, denen ein zehnter Rang im letzten Rennen nicht reichte, um die deutsche Crew von Platz eins zu verdrängen. Auf Platz drei landeten die Britinnen Charlotte Dobson/Saskia Tidey. „Es ist etwas Besonderes in Kiel zu gewinnen. Heute Abend wird gefeiert“, so die Siegerinnen der deutschen Olympiaqualifikation direkt nach dem Zieleinlauf. Die Familie feierte die Siegerinnen schon beim Einlaufen in den Hafen. Nach den verpassten Tickets für die Olympischen Spiele in London und Rio gelang der Coup im dritten Anlauf.

49er:

Nach einer überlegenen Vor- und einer soliden Finalrunde hätte der dänische Olympiasieger von 2008 Jonas Warrer den Sieg vor Kiel mit dem letzten Zieldurchgang fast verspielt. Gemeinsam mit seinem Vorschoter Jakob Precht Jensen kam er zum Abschluss nicht über einen siebten und einen neunten Platz hinaus. Die Ergebnisse stießen das Tor zum Gesamtsieg einen Spaltbreit auf, und die Vizeweltmeister Diego Botin/Iago Lopez Marra (Spanien) standen bereit. Mit einem ersten und einem dritten Platz zogen sie nach Punkten mit Warren/Precht Jensen gleich. Aber die Dänen hatten aufgrund der besseren Einzelergebnisse das bessere Ende für sich. Die Franzosen Lucas Rual/Emile Amoros kletterten noch auf Rang drei. Für die deutschen WM-Dritten Erik Heil/Thomas Plößel reichte es trotz eines Tagessieges zum Abschluss nicht mehr zu einer Verbesserung im Gesamtranking. Sie beenden die Kieler Woche als Sechste. „Zum Abschluss haben wir die richtige Segeleinstellung gefunden, hatten mehr Speed. Wäre uns der erste Tag nicht missglückt, wäre mehr drin gewesen“, sagte Thomas Plößel.

Finn:

Nach einer nicht zufriedenstellenden Europameisterschaft in der vergangenen Woche in Polen, als er sich mit Platz fünf begnügen musste, hat sich der Niederländer Nicholas Heiner rehabilitiert. Zur Kieler Woche holte er sich den Sieg vor dem Argentinier Facundo Olezza und dem Schweizer Nils Theuninck. „Es war ein wichtiger Erfolg, eine Bestätigung für die Arbeit im Sommer“, so sein Trainer Mark Andrews, vor sieben Jahren selbst Finn-Sieger zur Kieler Woche. „EM-Platz fünf war nicht das, was wir wollten. Die Bedingungen dort waren schwierig, aber das waren sie für alle. Hier passte es besser. Dennoch gibt es noch einige Arbeit. Das ist okay, denn wir wissen nun, woran wir arbeiten müssen.“ Das Ziel für Trainer Andrews ist klar: „In Tokio geht es um eine Medaille. Deshalb fahren wir dahin.“

Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer setzten sich knapp gegen das Team Lange/Carranza durch und kamen als bestes deutsches Team auf den dritten Platz. Foto: www.segel-bilder.de

Nacra 17:

Zum Abschluss wurde es noch einmal eng mit dem Medaillentraum der Deutschen Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (Kiel) vor Kiel. Die argentinischen Olympiasieger Santiago Lange/Cecilia Carranza machten mächtig Druck auf das jüngste Team im Feld. 33 Jahre Lebenserfahrung und der Gewinn von drei Olympiamedaillen trennen die 58-jährige Segellegende Lange vom 25-jährigen Paul Kohlhoff. Vor Kiel aber betrug der Unterschied nur einen Punkt, und der schlug letztlich zugunsten von Kohlhoff/Stuhlemmer aus. Nach einem sechsten und einem zehnten Platz am finalen Tag rettete sich das Heimteam auf dem Bronzeplatz ins Ziel. Lange/Carranza mussten trotz eines Tagessieges und eines vierten Platzes insgesamt mit Rang vier vorliebnehmen. Weit über der versammelten Weltklasse agierten die Italiener Ruggero Tita/Caterina Banti. Ohne Ausrutscher und mit sieben Siegen in den zwölf Rennen verwiesen sie auch die amtierenden Weltmeister John Gimson/Anna Burnet (Großbritannien) deutlich in die Schranken. Der nächste Showdown der Hochgeschwindigkeitsakteure steht ab dem 28. September mit der Europameisterschaft auf dem Attersee in Österreich an.

Svenja Weger beendete die Kieler Woche auf dem 15. Platz. Foto: Sascha Klahn

Laser Radial:

Ein Ausrutscher, und das Kieler Gold ist weg. Diese Erfahrung musste die amtierende Laser-Radial-Weltmeisterin Marit Bouwmeester im finalen Rennen machen. Die Niederländerin kam nur als 20. ins Ziel, kassierte damit ihr Streichresultat und musste die 2019er-Weltmeisterin Anne-Marie Rindom (Dänemark) passieren lassen. „Ich bin überrascht. Gerade bei viel Wind ist Marit eine starke Wettkämpferin. Aber sie hat einige Fehler gemacht, das war mein Glück“, sagte Rindom. „Wir kommen jedes Jahr zur Kieler Woche, es ist immer ein tolles Event. Wir lieben es. Aber dieses Jahr war es besonders hochwertig, da wir nach der WM keine Regatta mehr hatten.“ Rindom nutzte beide Regattahälften der Kieler Woche, segelte zunächst in der offenen Laser-Radial-Klassen und dann bei den olympischen Frauen: „22 Rennen in acht Tagen sind ein perfektes Training für die Europameisterschaft in drei Wochen.“ Danach geht der Fokus bereits in Richtung Tokio: „Ich werde hart arbeiten und erwarte dann wieder einen engen Fight mit Marit.“ Für die deutschen Seglerinnen ging es zur Kieler Woche um wichtige Qualifikationspunkte für die Tokio-Nominierung. Trotz des 15. Platzes konnte Svenja Weger (Kiel) einen kleinen Vorsprung vor der neuntplatzierten Hannah Anderssohn (Warnemünde) wahren. Zufrieden war sie trotzdem nicht: „Heute habe ich es verbockt. Ich bin gut gestartet, war auch nach der ersten Kreuz gut dabei. Dann habe ich aber falsche Entscheidungen getroffen, mich nicht optimal positioniert. Der letzte Downwinder war dann reiner Überlebensmodus. Da hat uns noch einmal eine heftige Böe erwischt.“ Die letzte Ausscheidungsrunde der deutschen Olympia-Anwärterinnen steht nun bei der Europameisterschaft in Polen an. „Ich werde mit meinem Trainer besprechen, wie wir die konkrete Vorbereitung gestalten“, so Weger.

Laser Standard:

Im Finale von Kiel hat Philipp Buhl schon einige Male Finalqualitäten bewiesen. Und auch 2020 stellte der Allgäuer, der Kiel als zweite Heimat hat, seine Gegner in den Schatten. Mit einem ersten und einem dritten Platz eroberte der 30-Jährige noch Platz eins. Geschlagen war einmal mehr Elliot Hanson. Der Brite hatte vor zwei Jahren in einem Millimeter-Finale Buhl den Kieler-Woche-Sieg überlassen müssen, diesmal machte der Unterschied zum Abschluss immerhin vier Punkte aus. Für den deutschen Weltmeister ist es der sechste Titel vor Kiel – gefolgt vom britischen Duo Hanson und Michael Beckett. „Bei Wind zu segeln, habe ich nicht verlernt in der langen Pause. Aber zu gewinnen, ist kein Selbstläufer in dieser Klasse. Es waren sieben, acht aus den Top-15 der Welt am Start“, so Buhl. Gerade die Briten hatten in den vergangenen Monaten in einer starken Trainingsgruppe gearbeitet und waren eine hohe Hürde. „Es freut mich umso mehr, dass es funktioniert hat. Es war seglerisch eine kontrollierte Leistung“, so der deutsche Vorzeigeathlet. In der Corona-Zeit hatte er die Möglichkeiten genutzt, um den Kopf freizubekommen und einige neue Dinge zu probieren. Bis zur Europameisterschaft bleibt der Fokus von Buhl nun beim Laser-Segeln, danach wird es noch einmal etwas entspannter, bevor Anfang des Jahres die konkrete Vorbereitung für Tokio beginnt.

29er:

Mit ihrem Doppelsieg segelte sich das maltesische Geschwisterpaar Richard und Antonia Schultheis in den Fokus der Öffentlichkeit. Die gebürtigen Deutschen sind mit der Familie vor zwölf Jahren auf die Mittelmeerinsel gezogen und haben dort das Segeln gelernt. Nach der Ausbildung im Opti sind sie nun im 29er angekommen, segeln nebenbei auch noch Waszp. Im Nachwuchsskiff agiert das Geschwisterpaar getrennt – jeweils am Ruder mit deutschen Vorschotern. „Zusammen liefe es wohl nicht so gut“, sagt die 17-jährige Antonia, die mit ihrem Vorschoter Ole Ulrich erst seit eineinhalb Monaten ein Team bildet und zur Kieler Woche gleich auf Platz zwei landete. Ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Richard segelt dagegen schon seit rund einem Jahr mit Max Körner zusammen und siegte souverän vor Kiel. „Die Verbindung ist über unsere Kontakte nach Deutschland zustande gekommen. Unseren Vorschotern fehlte jeweils ein Steuermann. Im Winter haben wir vor Malta trainiert, jetzt im Sommer auf dem Gardasee“, erklärte Richard Schultheis und freute sich über den Gesamtsieg: „Erwartet haben wir das nicht, aber wir hatten schon hohe Ambitionen.“ Den dritten Platz hinter den beiden maltesischen Teams belegten die Dänen Jens-Christian und Jens Philip Dehn-Toftehöj.

Formula 18:

Zum Abschluss der Kieler Woche bekam die Serie der Kat-Asse Cedric Bader/Nicolaj Björnholt (Frankreich/Dänemark) noch einen „Kratzer“. Mit Rang drei fuhr das Duo sein schlechtestes Resultat ein, sparte sich danach die Abschlusswettfahrt und genoss den triumphalen Sieg mit 39 Punkten Vorsprung vor den ersten Verfolgern Robert Schütz/Rea Kühl (Krefeld) sowie Mikko und Kirsikka Räisänen (Finnland). An Land konnte sich Bader ein Grinsen ob der Überlegenheit nicht verkraften: „Es ist das erste Mal, dass wir zusammen gesegelt sind. Wir haben vorher noch nie gemeinsam auf einem Boot gesessen.“ Ohne Training gingen die beiden auf den Kurs und fuhren neun Siege, einen zweiten und einen dritten Platz in den zwölf Wettfahrten ein. Nach diesem geglückten Projekt könnte das Erfolgsrezept für die Zukunft konsequente Arbeitsteilung lauten. „Wir haben uns jeder auf uns selbst konzentriert“, sagte Nicolaj Björnholt, der sonst selbst am Ruder sitzt. Eine Fortsetzung ist indes nicht fest geplant: „Wir kennen uns über Hobie-Regatten, sind gut befreundet. Aber mein Nummer-Eins-Partner bleibt mein Bruder“, so Bader. Ausschließen wollte er eine Wiederholung aber auch nicht: „Wenn sich die Gelegenheit ergibt…“

OK-Jolle:

Bei den OK-Jollen hatte zum Abschluss der Regatta der Stand vom Vortag bestand. Angesichts der Windbedingungen hatte die Klasse entschieden, nicht mehr auf den Kurs zu gehen. Damit siegte Mads Bendix (Dänemark) vor André Budzien (Schwerin) und Thomas Hansson-Mild (Schweden).

Bezauberndes Kekova

Für eine Woche sind wir nach Kekova gesegelt. Die versunkene Stadt mit ihren wundervollen Buchten und geschützten Ankerplätzen ist ein Paradies für Segler. Zumindest solange, bis eine Megayacht samt Helikopter neben dir auftaucht. Ehrlich, wir sind kein Stück neidisch. Wir machen uns auch bestimmt nicht lustig über den Pott. Und dann ist da noch der US-Sänger Gregory Porter, der neidisch auf Bordhund Cingene ist.

Flussfahrt mit Grace

Flussfahrt mit Grace

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Mit Innovationen durch die Krise

Der Verlauf der vergangenen Tage und das Feedback, das wir bekommen haben, hat uns in unserem Vorgehen bestätigt, frühzeitig unsere Pläne zu kommunizieren“, erklärt Sven Christensen, Geschäftsführer der Vermarktungsagentur Point of Sailing (POS). Die Skepsis, die es im Vorfeld gegeben hat, hat man vielen Partnern nehmen können. Und so ist es gelungen, bis auf eine Ausnahme alle Unterstützer und Sponsoren an Bord zu halten, wenn auch in verändertem Umfang. „Wir haben die Inhalte mit allen Partnern individuell abgesprochen. Einige verschieben ihre Leistungen auf das kommende Jahr, andere leisten zehn Prozent des ehemals vereinbarten Umfangs. Das Gros liegt zwischen 30 und 50 Prozent des ursprünglichen Engagements, und einige sind sogar voll dabeigeblieben“, so Christensen. 

Wichtig für die Sponsoren und Unterstützer war jeweils, wie sie sich bisher in das Event eingebracht haben und wie sie sich diesmal präsentieren konnten – ob sie auf den direkten Kontakt zum Publikum angewiesen sind oder vorrangig auf das Branding der Veranstaltung setzen, das durch die intensive mediale Aufbereitung auch in diesem Jahr gut zu sehen war. Aber trotz der Treue der Unterstützer ist die Kieler Woche in 2020 nur möglich geworden, weil sich die Stadt Kiel zu der Regattawoche bekannt hat und Verluste auffängt. „Durch die Fokussierung auf den Sport wären viele Kosten zum Aufbau der Infrastruktur ausschließlich beim Kieler Yacht-Club hängen geblieben. Das hätte der Club nicht stemmen können, da die Meldegelder für die Deckung der Kosten nicht ausreichen. Hier springt die Stadt ein“, sagt Sven Christensen.

Mit viel Zufriedenheit erfüllt den POS-Geschäftsführer die Umsetzung des über viele Monate entwickelten Corona-Konzeptes. „Bis heute hat alles gut funktioniert, auch wenn es immer einen kleinen Teil von Menschen gibt, die die Maßnahmen nicht wollen. Im Laufe der Woche haben wir feststellen können, dass die Akzeptanz unter den Sportlern noch stärker geworden ist. Das liegt auch daran, dass wir im zweiten Teil die olympischen Klassen am Start hatten. Die wissen durch ihre Professionalität und in ihr Verantwortungsbewusstsein noch viel mehr zu schätzen, dass wir durch die Regeln die Basis für ihr Spielfeld schaffen.“Aus den Maßnahmen der Corona-Version dieser Kieler Woche lassen sich auch einige positive Aspekte für die Zukunft ziehen. „Die Umstellung auf Online in vielen Bereichen hat Vorteile. So konnten wir frühzeitig mit den Meldegelder kalkulieren, weil alle frühzeitig bezahlt haben. Die Einführung des digitalen Flaggenmastes und der Möglichkeit Protest- und Clearingformulare online herunterladen zu können, werden wir beibehalten“, so Christensen. „Außerdem haben wir die interne Kommunikation durch die Nutzung von Video-Meeting-Tools verbessert. Statt zweimal im Jahr in persönlichen Runden wie bisher geben wir den Teams nun einmal monatlich ein Update.“

Sven Christensen, Geschäftsführer der Vermarktungsagentur Point of Sailing (POS). Foto: www.segel-bilder.de

Der Aufwand für die TV-Produktion hat sich trotz gleichbleibender Qualität im Vergleich zu den vergangenen Jahren durch die Corona-Maßnahmen verringert. Ein extra Studio im Olympiazentrum wurde nicht aufgebaut. Die deutschen Moderatoren kommentierten die Rennen aus dem Produktionsbüro in der Kieler Innenstadt, die englisch-sprachigen sogar aus England bzw. Kanada. Christensen: „Das hat super geklappt, ganz ohne Zeitverzögerungen zwischen Bild und Ton.“   

Mitnehmen in künftige Kieler Wochen wollen die Organisatoren von POS auch gern positive Änderungen für die Athleten. So wurden die Möglichkeiten für die Tageshygiene durch zusätzliche Container verbessert, und auch die Abgrenzung der Liegeplätze von den Laufwegen kam gut an. „Das waren gute Maßnahmen. Die Abgrenzungen kann man natürlich offener gestalten als in diesem Jahr, aber sie bieten neben einem besseren Schutz der Boote und Athleten auch Möglichkeiten zu weiterem Branding“, sagt Sven Christensen. 

Doch trotz aller positiver Effekte ist klar, dass die Kieler Woche wieder zu ihrem üblichen Geschehen mit allen Finanzierungsmöglichkeiten zurückkehren muss. Christensen: „Ansonsten ist es wirtschaftlich nicht tragbar und realistisch. Als Agentur haben wir das Jahr nur durch die verbleibenden Einnahmen aus Sponsoring, aus anderen Tätigkeiten wie zur boot und durch Maßnahmen wie Kurzarbeit überstehen können.“
2020 hat die Kieler Woche gezeigt, zu was Kiel.Sailing.City trotz aller Einschränkungen und Probleme in der Lage ist, 2021 muss sie aber wieder die gewohnte Kombination aus Weltklasse-Segelsport und Festival bieten.

Lutz/Beucke holen Kieler-Woche-Sieg

Bis zur letzten Wettfahrt war es ein Bug-an-Bug-Rennen mit den Amerikanerinnen Stephanie Roble/Maggie Shea, denen ein zehnter Rang im letzten Rennen nicht reichte, um die deutsche Crew von Platz eins zu verdrängen. Auf Platz drei landeten die Britinnen Charlotte Dobson/Saskia Tidey. „Es ist etwas Besonderes in Kiel zu gewinnen. Heute Abend wird gefeiert“, so die Siegerinnen der deutschen Olympiaqualifikation direkt nach dem Zieleinlauf. Die Familie feierte die Siegerinnen schon beim Einlaufen in den Hafen. Nach den verpassten Tickets für die Olympischen Spiele in London und Rio gelang der Clou im dritten Anlauf.

Durch das Nadelöhr ins Ziel gehangelt

Eine besondere Herausforderung hatte die schnellste Yacht auf dem Kurs zu meistern. Nach über 18 Stunden auf See rauschte die „Halbtrocken 4.5“ auf dem engen Kurs der Innenförde in den Gegenverkehr der Windjammer-Parade hinein. Doch Eigner und Steuermann Michael Berghorn (Kiel) schlüpfte am Führungsschiff der Parade, der „Alexander von Humboldt“, durch das Nadelöhr von Friedrichsort, hangelte sich dann mit mehreren Wenden dicht unter Land in der Heikendorfer Bucht an der Flotte der Traditionsschiffe und Freizeitsegler vorbei und zog schließlich zum Ziel vor dem Sportboothafen von Düsternbrook.

Nach 18:27:31 Stunden hatte die „Halbtrocken 4.5“ die 134 Seemeilen von Kiel aus in die dänische Südsee, um Aeroe herum, durch den engen Svendborgsund und entlang der Insel Langeland bis zurück nach Kiel absolviert und damit den Schlusspunkt hinter eine intensive Kieler Woche gesetzt. Berghorn und seine Crew nutzten die Regattawoche voll aus, bestritten alle Rennen von der Deutschen Seesegel-Meisterschaft über den Senatspreis bis hin zum Silbernen Band. Mit dem Sieg im Senatspreis sammelte die „Halbtrocken 4.5“ auch eine große Trophäe ein, beim Silbernen Band blieb ihr berechnet allerdings nur der vierte Platz.

Die „X-Day“ von Walter Watermann gewinnt das „Silberne Band“ der Kieler Woche 2020. Foto: www.segel-bilder.de

In der Vermessungswertung der großen ORC-Yachten durfte die „X-Day“ von Walter Watermann (Kiel) mit Skipper Lars Hückstädt feiern. Sie kam zwar rund zwei Stunden nach der „Halbtrocken 4.5“ ins Ziel, hatte berechnet aber über eine Stunde Vorsprung. „Wir hatten ein sehr gutes Rennen, sind gut gestartet und sauber durchgekommen“, berichtete Lars Hückstädt. Nach dem Eingewöhnen zu den Travemünder Seeregatten und dem zweiten Platz beim Blueribboncup vor drei Wochen passten jetzt alle Manöver und auch die navigatorischen Vorgaben im Svendborgsund durch Johannes Frenzel sehr gut. „Wir hatten wohl 15 Segelwechsel und von Langeland runter eine anspruchsvolle Kreuz mit viel Verkehr in der Kieler Förde. Die Crew ist jung und talentiert und hat das sehr gut gemacht“, lobte Hückstädt seine Vorderleute. Für das kommende Jahr plant das Projekt mit weiteren Großaufgaben. Je nach den Möglichkeiten angesichts von Corona könnte es zur Cowes Week nach England, eventuell inklusive Fastnet Race, gehen oder zur Weltmeisterschaft nach Estland.

In der ORC II siegte die „Rarotonga“ von Werner Lemmel (Berlin), in ORC III+IV die „Jalapeno“ von Hinnerk Blenckner (Eckernförde). Frank Krupinska (Kiel) gewann mit der „io“ das Duell der beiden Yardstick-Yachten.

Die Wertung für die Double-Handed-Crews gewann die „Halbtrocken“ (Flensburg) von Knut Freudenberg und Nils Reichert. Ursprünglich war zur Kieler Woche die zweite Deutsche Meisterschaft in dieser Klasse ausgeschrieben worden. Das Starterfeld hatte sich aber schließlich soweit reduziert, dass nur noch ein Quartett übrigblieb – zum Leidwesen von Knut Freudenberg, der seinen Titel aus dem vergangenen Jahr gern in einem echten Leistungstest verteidigt hätte. „Ich verstehe das nicht. In der Flensburger Förde haben wir Zweihand-Regatten teilweise mit 30 Startern, aber wenn es zur Deutschen Meisterschaft geht, dann kneifen sie scheinbar alle.“

Ruderdruck: alles eine Frage der Dosierung

WauquiezCenturion45S_2.jpg: <p>
	Wenn das Ruder zu stark dr&uuml;ckt, kann wom&ouml;glich das Achterstag gegenwirken</p>

Wie am Lenkrad im Auto erlebt der Segler das Schiff maßgeblich über den Druck in Pinne oder Rad. Dabei empfindet jeder den optimalen Druck anders. Ein Überblick

Wieder ein Einschlag ganz nah

{Time:15:07:00}
{Date:20200912}
{Position:12°04.6845’N, 068°51.4851’W}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:Curacao / Spanish Waters}
{Target:British Virgin Islands}
{Temp Air/Pressure:31°C}
{TempWater:28°}
{Wind:E 15kn}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{YouTube:}
{Photo:20200912}
{Title:Wieder ein Einschlag ganz nah}

Viel Wasser trinken

Das ich nicht mehr der Fitteste bin seit der Stammzellentransplantation, ist ja nun hinlänglich bekannt. Bei vorherigen Behandlung ging es danach wieder aufwärts. Jetzt ist der Trend deutlich abwärts. Der elfte September ist ja nun eh nicht der Tag der Zuversicht und schon mal historisch belastet. Wer hätte damals wissen können, dass es noch viel schlimmer kommen kann? Eine Pandemie, die unsere Welt verändert. So gesehen ist das Schicksal des Michael W. aus D. leidlich gesehen doch eher unwichtig. Aber das ist mein Blog. Hier geht es um mich.

Bei der Küchenarbeit will ich den Wasserkocher anheben und der rutscht mir einfach aus der Hand. Ich habe einen leichten Schmerz im rechten Bein und mir ist etwas schwindelig. Ich laufe wie angetrunken auf Eiern. Alles von einem Moment auf den anderen. Oder war es in der Nacht davor, als ich so Rückenschmerzen hatte? Ich rufe meinen neuen Hausarzt an, den ich erst vor zwei Tagen kennengelernt habe. „Kommen Sie bitte sofort in die Praxis! Können sie Autofahren? Sicher?“ Zwei Stunden später bin ich in der neurologischen Notaufnahme den neuen Sint Elisabeth Hospital. Verdacht auf Schlaganfall. Es wird ein CT von meinem Kopf gemacht. Kein Schlaganfall, aber zwei Schatten. Ich werde stationär aufgenommen. Das klärende MRT kann erst am folgenden Tag gemacht werden. In der Nacht, Rückenschmerzen. Viel Rückenschmerzen. Viel schlimmer. Die Phantasie. Viel Phantasie. Tumor im Kopf?

Am folgenden Nachmittag werde ich entlassen. Diagnose? Keine. Eine Auflistung der Beschwerden. Ein Schlaganfall ist nicht nachweisbar. Ich habe auch keinen Tumor. Ob mein Unfall beim Kiten schuld war, kann ebenfalls nicht nachgewiesen werden. Knochen und Weichteile der Halswirbelsäule sind in Ordnung. Prophylaktisch bekomme ich Blutverdünner und Schmerzmittel und werde nach Hause geschickt, wenn ich will, denn am Wochenende passiert erst einmal gar nichts.

Jetzt sitze ich da. Auf meiner MARLIN. In Curacao. Und nun?


Mitsegeln auf der MARLIN.

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Kieler Woche: 49FX Olympiaqualifikation entschieden – Lutz/Beucke im dritten Anlauf

Tina Lutz und Susann Beucke haben vorzeitig das Ticket für Tokio gelöst. Nachdem sie 2012 im 470er und 2016 im 49erFX-Skiff noch gescheitert waren, sind liegen sie nun uneinholbar vor Jurczok/Lorenz. Weiterlesen

Formel eins auf dem Kartoffelacker

Es hat mäßig angefangen, wurde dann mit Böen über 30 Knoten noch sehr herausfordernd. Aber wir haben fast alle Rennen nach Plan geschafft“, berichtete Regatta-Organisationsleiter Dirk Ramhorst. Eine Herausforderung für die Wettfahrtleitungen war der Aufzug der Windjammerparade. „Einige Boote sind durch die Regattabahn gefahren und mussten feststellen, wie schnell ein 49er oder Nacra17 da ist. Zum Glück ist nichts passiert. Aber das muss noch besser kommuniziert werden“, so Ramhorst. Für den Abschlusstag erwartet er einen sonnigen Tag mit noch mehr Wind, der wohl einige Teilnehmer vom Start abhalten wird.

49erFX:

Holprig wie ein Kartoffelacker präsentierte sich der Parcours auf der landnahen Bahn für die 49erFX. Und in wechselhaften Winden mit kurzer Welle lieferten die Skiff-Frauen eine Formel-Eins-Show mit Hochgeschwindigkeit, einschließlich diverser Überschläge ab. Die Ergebnisse purzelten kräftig durcheinander, nur einige wenige Teams zeigten beständige Top-Ergebnisse. Allen voran Tina Lutz und Susann Beucke. Auf ihrem Hausrevier haben sie in der gesamten Serie von elf Wettfahrten noch keinen Ausrutscher stehen. Und mit dem Sieg in der letzten Tageswettfahrt katapultierten sie sich auf Gesamtrang eins. Damit können sie ganz beruhigt in den Abschlusstag gehen, sogar schon den Sekt kaltstellen. Denn in der nationalen Olympia-Ausscheidung sind sie von den zwölftplatzierten Konkurrentinnen Victoria Jurczok/Anika Lorenz nicht mehr einzuholen. „Uns fehlen die Worte. Wir sind super happy mit dem Tag, sind über unsere Möglichkeiten hinausgewachsen. Von außen hat es wohl souverän ausgesehen. Aus der Innensicht hat es sich aber gar nicht so angefühlt“, berichtete Susann Beucke und erklärte: „Es zittert alles. Seit Monaten stehen wir unter Anspannung. Heute Abend feiern wir etwas im Familienkreis.“ Tina Lutz ergänzte: „Ich bin völlig fertig.“ Nach der Erfüllung der Olympia-Kriterien wäre der Kieler-Woche-Sieg das i-Tüpfelchen. Die Verfolgerinnen Stephanie Roble/Maggie Shea (USA) hängen aber mit nur einem Punkt Rückstand dicht am Heck. Auf die drittplatzierten Britinnen Charlotte Dobson/Saskia Tidey ist das Punktepolster dagegen schon groß.

49er:

Je länger der Tag dauerte, desto heftiger wurden die Bedingungen. Die Skiff-Männer bekamen als Starter der Spätschicht die volle Breitseite des Wetters ab. Dennoch brachte die Goldflotte mit den 26 besten Teams vier Rennen über die Bahn. Dabei zeigten die deutschen WM-Dritten Erik Heil/Thomas Plößel, dass sie trotz Trainingsrückstand mit heftigen Winden umzugehen wissen. Mit zwei Siegen, allerdings auch einem 16. und einem 13. Rang kletterten sie auf Gesamtplatz fünf. Während es die bisherigen Zweiten, die Polen Lukasz Przybytek/Pawel Kolodzinski, hart traf, und sie auf Rang zehn zurückgespült wurden, bleiben die Dänen Jonas Warrer/Jakob Precht Jensen trotz mäßiger Ergebnisse auf Platz eins – gefolgt nun von Bart Lambriex/Pim van Vugt (Niederlande) und Lucas Rual/Emile Amoros (Frankreich).

Finn:

Nach der Frühstart-Disqualifikation des Schweizers Nils Theuninck in der ersten Tageswettfahrt steuert Nicholas Heiner (Niederlande) einem scheinbar sicheren Kieler-Woche-Sieg entgegen. Der Finn-WM-Dritte von 2017 und ehemalige Laser-Weltmeister (2014) ergänzte seine Top-Serie durch die Ränge 2, 1, 1 und muss nun am Abschlusstag nur noch ein solides Rennen in den beiden ausstehenden Wettfahrten ins Ziel bringen, um Nils Theuninck und den Argentinier Facundo Olezza auf Distanz zu halten.

Laser Radial:

Hannah Anderssohn liegt als beste Deutsche im Laser Radial auf Rang sieben. Foto: www.segel-bilder.de

Die junge Ungarin Maria Erdi musste in den schwierigen Bedingungen des Samstags einige Federn lassen, wahrte aber ihren Medaillenplatz vor dem finalen Tag. In der Top-Position scheint Marit Bouwmeester (Niederlande) unangefochten, denn der Rückstand der zweitplatzierten Dänin Anne-Marie Rindom beträgt bereits zwölf Punkte. In den Verfolgerrollen geht es für die besten Deutschen um wichtige Punkte in der Olympia-Ausscheidung. Und das Rennen wird vor der Europameisterschaft in Polen im Oktober, die abschließend über die Nominierung entscheidet, spannend. Hannah Anderssohn (Warnemünde) hat nach Punkten als aktuelle Siebte fast mit Svenja Weger (Kiel) auf Rang 13 gleichgezogen. Dabei hatte Anderssohn ihre Karriere eigentlich schon beendet: „Nach dem Sommer 2019 habe ich das Thema Segeln beiseite gelegt. Ich hatte täglich Schmerzen und wollte das nicht mehr auf mich nehmen. Es war eine schwere Entscheidung, die ich aber für meinen Körper getroffen habe“, berichtete die ehemalige Bewohnerin des Kieler Segelinternats. Doch aus der Zusammenarbeit mit einem neuen Athletiktrainer kam sie fitter und schmerzfreier heraus als je zuvor und stieg wieder in den Laser ein, um Spaß zu haben. „Es ist toll, hier wieder mit den Mädels zusammen zu sein. Ich will das einfach genießen, gucke gar nicht auf die Olympischen Spiele, sondern schaue nur von Rennen zu Rennen. Die Hauptsache ist, dass ich die Kieler Woche als zweite Regatta in diesem Jahr schmerzfrei zu Ende bringe.“ Svenja Weger haderte etwas mit den Bedingungen: „Die kurze Welle liegt mir nicht, und für diesen Wind fehlen mir ein paar Kilos. Ich hoffe darauf, dass wir morgen eine etwas längere Welle haben.“

Laser Standard:

Philipp Buhl kämpfte sich am Samstag auf Rang zwei vor. Foto: www.segel-bilder.de

Im starken Wind von Melbourne hat Philipp Buhl im Februar mit dem Gewinn des WM-Titels seine Karriere gekrönt. Zur Kieler Woche zeigt er, dass er mit kräftigen Böen immer noch bestens umgehen kann, auch wenn er sich nach eigenen Worten derzeit nicht in WM-Form fühlt. Mit den Platzierungen 3, 5, 1 kletterte er auf Rang zwei, liegt vor dem finalen Tag zwischen den Briten Michael Beckett und Elliot Hanson.

Nacra 17:

Segeln am Limit waren die Bedingungen für die Nacra17. Doch die Italiener Ruggero Tita/Caterina Banti scheinen dieses Limit nicht zu kennen, flogen zu drei Siegen. Sie zeigten eine Beständigkeit, der kein anderes Team aus der Spitzengruppe folgen konnte. Und so könnten sich die Italiener vor dem Abschluss am Sonntag nur noch selbst schlagen. Selbst die Weltmeister John Gimson/Anna Burnet (Großbritannien) haben nur noch eine winzige theoretische Chance auf den Sieg. Und das deutsche Heimteam, Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer, wird den Blick von Rang drei eher nach hinten richten müssen, um den Podiumsplatz abzusichern.

Formula 18:

Die Kieler Woche war für die Seriensieger Helge und Christian Sach (Zarnekau) beendet, bevor der dritte Tag begonnen hat. Beim Einsegeln fiel ihnen der Gennaker ins Wasser und brachte soviel Druck auf den Gennakerbaum, dass dieser abbrach. Mit viel Mühe schafften die Brüder alles Eqipment zurück an Land, beendeten den Tag aber ohne Resultat. „Das Ding ist für uns gelaufen“, so Helge Sach. Auf dem Plan steht jetzt noch der Start bei der Berliner Meisterschaft und dann endet die Saison auch schon für die Sieger der deutschen Bestenermittlung. An der Spitze der F18-Katamrane drehen die Katamaran-Multitalente Cedric Bader/Nicolaj Björnholt unbeirrt ihre Kreise. Das französisch-dänische Duo steht nach weiteren drei Siegen bereits vor den beiden Abschlusswettfahrten als Sieger fest. Erste Anwärter auf die weiteren Podiumsplätze sind Mikko und Kirsikka Räisänen (Finnland) und Robert Schütz/Rea Kühl (Krefeld).

OK-Jolle:

Eine Kenterung in der letzten Tageswettfahrt scheint Mads Bendix nicht von seinem ersten Kieler-Woche-Sieg abhalten zu können, möglicherweise aber sein enges Zeitbudget. Der Däne hat bereits sein Boot verpackt und ist auf dem Weg zurück in die Heimat: „Ich muss arbeiten. Das war vorher so geplant. Aber wie ich hörte, wollen die Top-Fünf alle nicht mehr raus auf das Wasser“, so Bendix. Der Laser- und Finnsegler hat seine Olympiaambitionen vorerst auf Eis gelegt und hält sich in der OK-Jolle fit: „Es macht Spaß und ist ein gutes Niveau.“ Das Gesamtergebnis nach drei Tagen weist ihn auf Platz eins vor Andre Budzien (Schwerin) und dem Schweden Thomas Hansson-Mild aus.

29er:

Kämpfen nicht nur um den Kieler-Woche-Sieg sondern auch den Titel beim 29er Eurosaf. Insgesamt sind 90 Skiffs vor Kiel am Start. Richard Schultheis/Max Körner führen vor Antonia Schultheis/Ole Ulrich in der Gesamtwertung. Auf dem Foto führt die Schwester. Foto: Sascha Klahn/Kieler Woche

Die maltesische Doppelführung bei den Nachwuchs-Skiffs hat weiterhin Bestand, und die Vergabe von Gold und Silber auf der Kieler Förde wird wohl zur Familienangelegenheit. Richard Schultheis/Max Körner führen vor Antonia Schultheis/Ole Ulrich und den Dänen Jens-Christian und Jens-Philip Dehn-Toftehöj.