Kategorie: Blogs

SV Barracuda – Kate + Graham Walker UK

UPDATE FROM GALAPAGOS – STARTING WEST TOWARDS TAHITI

We woke this morning to find an e-mail from our agent in French Polynesia saying that we had been cleared to go to Tahiti, possibly via Nuka Hiva. This is very good news and just what we hoped for. We laid out the logic for wanting to make this trip a few days ago. So now it’s action stations, as we complete our preparations.
19th April 2020 reading the blog

SV Midnight – Niki + Ben Coulson UK

PACIFIC PLUS 20 YEARS ON DUTY

Hello Peter, thank you for support on Easter Monday! We have cleared for Banjul. ( The Gambia ). We’ve taken our vessel there 3 times.
Reading in your blog .. I have to say, that we’ve been in some of  the same waters my friend !

I recall meeting you on about 2000 at London Boat show. I was enquiring about your unit for my Colin Archer. I was concerned about the windpilot coping with that boats weather helm  You said.  “ Ben, your boat is a toy compared to my equipment “ it was funny then (and true). We still laugh about that comment .
         
Best wishes from Ben

SV Jonathan III – Caro + Mark van de Weg NED

LONGTERM ARTIC SAILOR COMMENTS THE WINDVANE REPORT

Again a very clear explanation with excellent diagrams by Peter, to tell us high latitude long-distance sailors on how things work. It tells you all the detail that goes into the design of modern WSS systems.

Windvane report

Having developed from huge appendages hanging of the back of transom by way of medium sized systems to an efficient, compact, light, strong and powerful pendulum concept.

As high latitude sailors it is even more important that one does not have to hang down over the transom to sheer in new lines or replace shear pins or worse. Without gloves your fingers would be stiff in minutes. We sailed the Arctic, the NW passage and crossed the Drake Passage to Antarctica 22 times.

We never worried if the Windpilot would get through the ordeal when hit by bad weather. The pictures of Abhilash Tomy’s boat after the knock down say it all. And if the Windpilot needed any tweaking or new steering lines things could be done easily from the aft deck without any Houdini acts.

If the innovative Dutch designer of boats like the Maltese Falcon, Gerard Dijkstra, chooses a Windpilot for his own 53 footer then one can be sure there is no better WSS around.

Mark van de Weg
SY Jonathan

Lockerung des Lockdown

Mo., 20.Apr.20, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva, Tag 2150, 20.254 sm von HH

Der Hohe Kommissar – der ‚Hout commissaire‘ wird doch nicht meinen Bericht „mehr Augenmaß, bitte“ gelesen haben? Nein, unwahrscheinlich. Er ist von alleine auf die Idee gekommen, dass die Inseln ‚draußen‘ eine andere Behandlung brauchen als die einzigen Inseln mit Corona-Fällen: Tahiti und Moorea. Nach vier Wochen gibt es erste Erleichterungen des Lockdowns. Die Ausgangsbeschränkungen tagsüber sind aufgehoben. Die Kinder gehen ab Morgen oder Übermorgen wieder zur Schule und die Locals und wir dürfen mehr oder weniger machen, was wir wollen. Versammlungen sind noch untersagt und in die Kirche darf nur die Hälfte der maximalen Kapazität, höchsten fünfzig Personen. Nachts zwischen 20:00 Uhr und 5:00 Uhr ist die Ausgangssperre bestehen geblieben. Man könnte denken, das Virus sei nachtaktiv. Egal, wir sind happy!

Der Alkoholverkauf ist – noch eingeschränkt – ebenfalls wieder erlaubt. Es gibt Wein und Bier von Montag bis Donnerstag zu kaufen. Die so liebenswürdigen Polynesier verhalten sich zu Hause wohl nicht ganz so freundlich. Häusliche Gewalt soll weit verbreitet sein. Das wollte man mit dem Verbot des Alkoholverkaufs unterbinden. Aber wir haben gehört, dass dies nicht recht geklappt haben soll. Die Einheimischen saufen nun selbstgebranntes Zeug und verprügeln noch immer ihre Kinder. Damit jetzt nicht alle blind oder doof im Kopf werden, hat man den leichten Stoff wieder freigegeben. Ein kleines Detail: Bier darf nur warm verkauft werden, um eine Sofortvernichtung noch an der Kasse zu verhindern.

Uns treibt es den ersten Tag der Bewegungsfreiheit in die Botanik. Es ist nicht so, dass wir an Bord nicht genug Zeit miteinander verbracht hätten. :mrgreen: Aber eine Wanderung zu zweit macht uns dann doch doppelt so viel Spaß. Wir gehen erst mal eine einfache Strecke ohne viel Steigung – aus Rücksicht auf die mangelnde Kondition von Oma und Opa Willner. Wir genießen und die Einheimischen genießen. Die Lethargie und die trübe Atmosphäre im Dorf sind verschwunden. Alle sind aufgeräumt, ja euphorisch. Am Gartenzaun wird ein Schwätzchen mit uns gehalten, wir sind wieder willkommen. Überall fröhliche Gesichter, Musik schalt durch den Ort. Die Kinder toben mit ihren Rädern auf der Straße. Das normale Leben ist zurück. Unsere englischen Nachbarn betätigen unseren Eindruck: „Es war heute toll im Dorf, war es nicht?“ Der Mensch ist nicht dazu gemacht, um eingesperrt zu sein.

Freude über unsere neue Freiheit am Lieblingsplatz

Quarantäne-Fakten

Fr., 17.Apr.20, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva, Tag 2147, 20.254 sm von HH

1. Der Schuld-Faktor
Das wichtigste zu erst. Es ist ganz einfach – Achim hat Schuld! :mrgreen:
Wenn er nicht auf eine zweite Saison in Französisch Polynesien bestanden hätte, könnten wir jetzt im superschönen Neuseeland weilen. Mit prall gefüllten Supermärkten und würden nicht vor Anker am Ende der Welt hängen mit einem Versorgungs-Schiff, was alle drei Wochen Kohl, Möhren und Zwiebeln bringt, die nach wenigen Tagen ausverkauft sind.

2. Der Alkohol-Faktor
Der Alkohol-Verkauf in Französisch Polynesien ist verboten seit, keine Ahnung, über zwei Wochen. Wein haben wir schon viel länger nicht mehr an Bord. Das ist blöd, gibt es doch im Netz den hilfreichen Tipp, bereits sein Frühstücksmüsli mit Rotwein statt Milch einzuweichen. Die Quarantäne bekäme dann bereits morgens einen rosa Schimmer und nach drei Tagen hätte man sich auch an den schlechten Geschmack gewöhnt.
Wir haben noch einen Bier-Vorrat für wenige Tage. Da wir selten harte Sachen trinken, konnten wir in der Bilge noch eine Flasche Rum aus Panama (zwei Jahre alt) und eine angebrochene Flasche Anis-Schnaps aus Gomera (5 Jahre alt) finden. Zunächst sind wir gerettet!

3. Der Ankerplatz-Faktor
Hier haben wir es richtig gut getroffen: Traumhaftes Wetter seit vier Wochen. Nicht zu warm, grad 25 bis 26 Grad, nachts kühlt es ab, so dass wir gut schlafen. Die Aussicht auf die Berge ist wunderschön und halbwegs türkis Wasser ist auch noch da. Der Ankergrund ist bombig haltender Schlamm, dadurch ist das Wasser etwas milchig und nicht kristallklar, aber trotzdem verlockend zum Reinspringen.
Wir sind hier sicher vor Wirbelstürmen – die Saison ist in gut vier Wochen endgültig zu Ende. Die Segel-Kollegen in der Karibik müssen sich Sorgen um die nahende Hurrikan-Saison machen. Wohin, wenn Dich kein Land aufnimmt? Das bleibt uns erspart. Außerdem haben wir die friedfertigsten Gastgeber der Welt. Kriminalität gleich Null – Französisch Polynesien gilt als eines der sichersten Länder der Welt. Wir schließen weder Kajaks, noch Dinghy ab. Der Niedergang bleibt nachts offen. Es wird hier nicht gestohlen und es haut einem auch keiner einen Stein an den Kopp.

4. Der Gefühl-Faktor
Eine der häufigsten Antworten auf die Frage, was ist am Langfahrsegeln das Schönste, lautet von vielen Crews: die Freiheit! Damit ist nun mal Schluss. Regierungen, die zufällig auf unserem weiteren Weg liegen, entscheiden über unsere Freiheit. „Du kommst hier nicht rein!“ Der Bürgermeister unserer kleinen Gastgeber-Insel befindet, dass wir nur eine Stunde täglich allein an Land gehen dürfen. Französisch Polynesien untersagt uns das Segeln in ihrem Land. Unfrei, gefangen, eingesperrt, bestraft, so fühlt es sich an.
Das Auswärtige Amt hat über 200.000 Deutsche heim ins Reich geholt. Manchmal denke ich, wir sind die letzten, die ‚draußen‘ geblieben sind. Das fühlt sich einsam an. Das stimmt natürlich nicht, hunderte, ja tausende Segler aus der ganzen Welt sind auf ihren Booten geblieben. Viele, so wie wir, haben zu Hause ja auch gar kein Zuhause mehr. Unser Boot ist unser Heim. Das könnten wir nicht irgendwo an einer Ankerkette zurück lassen und hoffen, dass wir es in einem oder zwei Jahren wieder sehen werden. Was mag dann übrig sein von unserem Zuhause? Somit war es nicht eine Sekunde eine Option für uns Atanga zurück zu lassen.
Das zweite große Gefühl ist die Ungewissheit. Was wird das Virus noch anrichten? Was wird aus uns werden? Wie lange wird es dauern? Wohin können wir? Und auch Kleinigkeiten beschäftigen uns: wie kommt eine Ersatzkreditkarte hierher? Jetzt schicken lassen oder später? Sind wir dann überhaupt noch hier? Wie lange reicht unser Bargeld (einen Automaten gibt es hier nicht – entweder du hast lokale Währung, US-Dollar oder du „hungerst“). Fragen über Fragen. Das fängt an zu bohren.

5. Der Zwischenmenschliche-Faktor
Wir sind ein Paar, was sich streitet (was aber nichts mit Punkt 1 zu tun hat ;-) ).
Wir vertragen uns aber auch schnell wieder. Viele Paare streiten sich ja nie, wenn man ihren Blogs oder Aussagen Glauben schenken darf. Sie sitzen auf ihren Booten und ‚finden ihren Frieden‘ … ‚kommen zu sich selber‘ … ‚genießen die Reduzierung auf die Gemeinschaft‘. Da kann bei mir schon mal etwas Sozialneid aufkommen bei so viel Glück.
Denn bei uns ist das anders. Wir sind wie immer. Achim nervt mich, ich nerve Achim. Nicht mehr und nicht weniger als sonst. Und natürlich nicht immer. Ab und an gibt es eine Diskussion über etwas oder eben sogar einen Streit. Dann beruhigen sich alle wieder, es folgt die Versöhnung und gut. Wir haben uns in den letzten sechs Jahren zusammen gerauft, unseren Rhythmus gefunden, wie wir auf engem Raum miteinander auskommen können. Wir schätzen uns, wir schenken uns Freude, wir achten uns. Und während ich das schreibe, vergeht der Neid auch schon wieder, weil wir andere Menschen meistens für glücklicher halten als sie sind.

6. Der Zukunfts-Faktor
Wenn man realistisch darüber nachdenkt, erscheint es uns ziemlich sicher, dass wir das nächste halbe Jahr hier nicht wegkommen. Darüber kann ich schon mal eine Träne ins Kissen quetschen. Gefangen! Nicht nach Hause fliegen. So sehr hatte ich mich im Mai darauf gefreut nach fast zwei Jahren mal wieder in Deutschland zu sein.
Aber es ist unwahrscheinlich. Die Inseln zwischen uns und Neuseeland sind zum größten Teil Viren-frei. Das wollen die mit Sicherheit auch bleiben und werden somit wohl niemanden rein lassen die nächsten Monate. Und nach Neuseeland können wir erst im November, weil die Wetterbedingungen es erst dann erlauben.
Nichts ist gewiss im Augenblick, alles möglich. Und vielleicht wendet sich alles noch zum Besseren. Wir warten gespannt und nicht immer nur geduldig.

Unser täglicher Quarantäne-Blick ist vom Feinsten

Corona Zwischenbericht

HOME OFFICE – OLGALOU – WINDPILOT

Corona Zeiten

SV Bonnie af Stockholm – Helene + Tommy Larsson SE

FROM ST. HELENA TO BRAZIL DUE TO CORONA

Hi Peter, the repair of our Windpilot worked fine during our trip to Brazil where we are now due to the Cornona situation.
We have been sailing around the world and one of the most reliable things we have is a windpilot Pacific plus that is helping us over all oceans, we also have raymarine autopilot that we use only for help if we do a day sailing. Pacific plus is quiet and take no power and fell more reliable. We have lots of time sailing together with friends that only have an electronic autopilot that have failed and they have to hand steer. And if we need support, Peter is always there for a quick response.
Best Regards Tommy and Helene Larsson from Bonnie af Stockholm

SV Speck – Byron + Dan + Isaac US

INDIA TO EGYPT – PASSAGE OF HIGH RISK AREA
…The unmanned boat was actually a remote controlled bomb boat. Either the detonator failed or they wanted a juicier target. Either way lucky stars were counted that day.
THE FULL REPORT

SV Selene – Claudia Windisch + Martin Küttner GER

GARTEN EDEN DOMENICA – TROTZ CORONA

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Wanderer III – Kicki Ericsson + Thies Matzen GER

58 JAHRE – 300.000 SM OHNE WINDFAHNE UM DIE WELT UNTERWEGS

Thies and Kicki, winners of the OCC Award of Merit, are the current owners of Wanderer III designed by Laurent Giles, British built, and launched in 1952. She has been sailing the world’s oceans almost constantly ever since.

SV Wahkeena – Albert Lankhorst GER

REINKE EURO – PACIFIC SEIT CA 30 JAHREN IM EINSATZ

Hallo Herr Förthmann, habe eine noch handgefertigte Pazifik von Ihnen. Zuerst einmal 1000 Dank für dieses Gerät, das uns 5 mal Karibik und zurück gesteuert hat, und schon davor auf einer LM 30 gute Dienste geleistet hat.


Jetzt ist sie auf unserer Reinke Euro montiert, eines der wenigen Ausrüstungsteile, die immer (!) ihren Dienst getan hat und noch tut. Bei Flaute und Motorfahrt sind wir allerdings auf unseren schwachen Raymarine Pinnenpiloten (ST 4000) angewiesen. Vier von dessen Antrieben haben wir schon verschlissen, und nur von Hand zu steuern geht es, wenn wir mal gegen Wind und See steuern müssen.
Unsere Reinke Euro wiegt 7,5 to, ist pinnengesteuert, hat diese Twinkiele und einen nach steuerbord aus der Mittellinie versetzten Saildrive. Der Propeller strömt also das große Spatenruder schräg an, was kein Problem ist; aber was wäre, wenn ich den kleinen Tillerpiloten an die Windfahne setzen würde und ihn steuern ließe? Wie würde sich das Hilfsruder – schräg vom kräftigen Motor angeströmt – verhalten? Halten Flansch und Hilfsruder das aus und ist die Reaktion schnell genug?
Für ihre fachkundige Meinung wäre ich dankbar, vielleicht kann ich mir dann die Umrüstung auf einen Pelagic Pinnenpiloten o.ä. sparen.
Liebe Grüße aus Santa Cruz de Tenerife
Albert Lankhorst

MEIN ANTWORT
Moin in die Sonne,
Danke für den netten Schnack. Ca 60% aller Windpilot Segler fahren einen kleinen Tillerpiloten auf die Windfahne, eine prima Sache … funzt auch bei Ihnen – garantiert.

Allerbest
Peter Foerthmann

Pacific

Segeln, Corona und das Leben der Anderen (4): "Wann kann man in Kroatien wieder Segeln, Herr Beständig?"

In den vergangenen Jahren habe ich auf meinen Segelreisen viele Menschen kennengelernt. Wie geht es diesen Menschen in ihren Ländern heute, das habe ich mich die vergangenen Wochen immer wieder gefragt. Karl-Heinz Beständig bereist für seinen Handbuch-Bestseller 888 HÄFEN UND BUCHTEN seit bald vier Jahrzehnten die kroatischen Küsten. Heute ein Telefonat mit ihm, wie der Sommer in Kroatien wird. Und warum er glaubt, dass wir im Sommer wieder dort segeln werden.

Grüße aus einem Land mit Ausgangsbeschränkungen ins andere: Buchautor Karl-Beständig schickt zusammen mit Jonas,
einem Fan des kroatischen Fußballstars Luka Modrić, ein Winken nach Kroatien….

Thomas Käsbohrer: Guten Tag, Herr Beständig. Wie geht es Ihnen vor dem Osterfest? 

Karl-Heinz-Beständig: Mir geht es gut. Ich lebe sehr bescheiden.

tk: Ist die Covid-19-Zwangspause für Sie eher Qual oder Befreiung?

Karl-Heinz-Beständig: Die Freiheit liebe ich sehr – aber Freiheit hat immer auch mit Verpflichtung zu tun. Ich muss mich jetzt halt etwas einschränken – die meisten Maßnahmen in Deutschland sind sinnvoll. Und die Menschen halten sich, soweit ich das beobachten kann, zu 95% an die Vorschriften.

tk: Woran fehlts Ihnen gerade?

Karl-Heinz-Beständig: Eigentlich an nichts, ich sitze gerade im Garten hier in meinem Zuhause in Nordbayern an der thüringischen Grenze, wo ich lebe, wenn ich nicht im Herbst für die Recherchen zu meiner nächsten Ausgabe der 888 Häfen auf meinem kleinen Schiff segle.

Wirtschaftlich mache ich mir etwas Sorgen. Und das nicht nur wegen meiner Bücher. Normalerweise verkaufe ich in einem Monat 1.000 Exemplare. In den letzten 4 Wochen hab ich gerade mal 10 Exemplare verkauft…

tk: … das sieht bei millemari., unserem Segelbuchverlag, gerade nicht anders aus. Reisen ist gerade out – da können wir uns für unsere Sturm- und Abenteuer-auf-dem-Meer-Geschichten Leser wünschen, soviel wir wollen.

Wie siehts gerade in Kroatien aus?

Karl-Heinz-Beständig: Es gibt – Stand Karfreitag – in Kroatien bisher 1.500 Infizierte und 20 Todesopfer. Es gibt einige Hotspots. Vor allem Zagreb ist betroffen – und das gleich zweifach. In der Panik des schweren Erdbeben vor wenigen Wochen mitten in der Epidemie gerieten natürlich alle Vorschriften unter die Räder. Wer morgens um halb sieben aus einem schwankenden Gebäude um sein Leben auf die Straße rennt, den kümmern Mindestabstände nicht mehr. Durch die vielen Nachbeben gab es Schieflage in der Einhaltung der Vorschriften. Das hat die Infektionszahlen in der Hauptstadt deutlich steigen lassen.

Auch die Insel Murter ist zur Zeit ein Hotspot und abgeriegelt.

Insgesamt bessert sich die Situation in Kroatien – die Neuerkrankungen nehmen offensichtlich ab. Istrien, das nördlichste und anfangs am heftigsten betroffene Gebiet hat die Beschränkungen vergangenen Mittwoch gelockert. 

tk: Wie sieht die Prognose für Kroatien aus?

Karl-Heinz-Beständig: Die Behörden gehen davon aus, dass Ende April der Höhepunkt der Epidemie erreicht wird. Und wenn dieser Höhepunkt da ist, sollen, so die Schätzungen, nur 30-40% der Intensivbetten belegt sein. Kroatien ist sehr zuversichtlich, dass die vorhandenen Kapazitäten reichen. Im Mai rechnet der kroatische Gesundheitsminister mit den vorerst letzten Todesopfern der Epidemie. 

tk: Das sind ungewohnt präzise Aussagen von Politikern. Ist das glaubhaft? Ging Kroatien denn anders vor als beispielsweise Deutschland?

Karl-Heinz-Beständig: Methodisch tat man in Kroatien dasselbe wie bei uns. Nur härter. Schneller. Die Kroaten waren die ersten, die harte Maßnahmen wie Grenzschließung, Haus-Quarantäne für Bewohner und Hospital-Quarantäne etwa für auf dem Wasser Einreisende sowie strikte Ausgangsbeschränkungen einführten. Sie waren sehr schnell mit der Einführung eines individuellen elektronischen Passierscheins, den man brauchte, wenn man aus Arbeitsgründen auf die Straße musste. Ohne den Passierschein konnte man seinen Wohnort nicht verlassen oder mal eben von Pula nach Porec fahren. Aber weil man sich den sofort im Internet runterladen konnte, kamen Berechtigte wie zum Beispiel Pendler reibungslos durch jede Straßenkontrolle. Kroatien ist IT-technisch mindestens so gut aufgestellt wie Deutschland.

Auf meine Frage, welche Geschichte er positiv mit Kroatien verbindet, schickt mir Karl-Heinz Beständig diese Geschichte der Strandung einer Yacht vor Veli Rat im Norden Dugi Otoks, deren Crew sich
an Land rettete und unter Segeln in einem selbstgebauten Zelt im Hintergrund die Nacht abwetterte… 

… Kroatien befand sich damals wenige Monate im Krieg, doch kroatische Bewohner zögerten nicht und bewiesen mit einem rasch herbeigeholten Bagger ungewöhnliche Hilfsbereitschaft und Improvisationskunst,
gerade dann, als ihr eigenes Land auseinanderbrach. 

tk: Renata Marevic berichtete im vorletzten Interview auf diesem Blog, dass die kroatische Bevölkerung ungewohnt hinter den Maßnahmen ihrer Regierung stünde…

Karl-Heinz-Beständig: … was ja keineswegs immer so war. Kroaten waren mit ihren Regierungen selten glücklich, man wählte schnell jemanden ab und danach genau die andere Richtung. Sie hatten ganz wenig Vertrauen in ihre Politiker. Das ändert sich inzwischen, ähnlich wie in Deutschland. 

tk: Wie ist die Versorgungslage in Kroatien?

Karl-Heinz-Beständig: Soweit ich das weiß, gut. Die kroatische Bevölkerung kauft nicht so ein wie wir. Man kauft die Grundnahrungsmittel, Mehl, Zucker und dergleichen. Jeder, der dort in der Nachsaison unterwegs war, kennt das: Sind die Touristen weg, wird das Angebot heruntergefahren und die leeren Regale mit Tüchern verhängt. Die LIDL-Märkte haben dort ganzjährig unser breites Angebot, aber viele kleinere Lebensmittelmärkte haben außer der Saison nur ein reduziertes Angebot, die meisten Einheimischen haben in der Regel nicht viel Geld.

tk: Womit rechnen Sie wirtschaftlich für Kroatien?

Karl-Heinz-Beständig: Die Arbeitslosenzahlen werden steigen, wahrscheinlich noch stärker als bei uns. Das liegt vor allem daran, dass viele Kroatinnen und Kroaten im Ausland arbeiten. Wenn die jetzt gekündigt werden, kehren viele ohne Arbeit nach Kroatien zurück.

Wie vermutlich bei uns wird wohl auch Kroatien 3-4 Jahre brauchen, um aus der Krise zu kommen. Der Tourismusminister rechnet mit 75% Einbruch im Tourismus in diesem Jahr.

Dabei lief es bis Anfang März im Tourismus gut. Dem Vernehmen nach waren die Charter-Vorbuchungen gut, das ging bis zur AUSTRIA BOAT SHOW in Tulln Anfang März. Die Vercharterer gingen auch während der Messe größtenteils noch davon aus, dass Kroatien profitieren, dass es ein gutes Jahr werden würde.

tk: Wenn kaum noch jemand kommt: Könnte es denn in Kroatien auf dem Meer ein traumhafter Sommer werden wie in den späten 90ern?

Karl-Heinz-Beständig:  Das kommt ganz darauf an, wie schnell Kroatien das Virus in den Griff bekommt. Sobald die Grenzen offen sind, werden Gäste sehr willkommen sein. Die Hotelketten haben große Probleme, weil Touristikunternehmen den Großteil ihrer Buchungsverträge gekündigt haben. Die Flugverbindungen an die Küste sind bis auf Weiteres unterbrochen, nur Split wird noch regelmäßig angeflogen. Flughäfen wie Pula, Zadar oder Rijeka entlang der Küste sind geschlossen. Ryanair will diese Flughäfen erst wieder 2021 anfliegen. Urlaubsgäste, die bevorzugt per Flugzeug anreisen – das sind überwiegend Pauschalreisende – werden sich also heuer sicherlich zurückhalten.

Auch der Kreuzfahrt-Tourismus dürfte es schwer haben – worüber manche Städte wie Dubrovnik nicht unfroh sein dürften.

Die kleinen Pensionen werden halbwegs durchkommen, weil sie auf ihre Stammgäste setzen können.

tk: Und die Segler und Motorbootfahrer?

Karl-Heinz-Beständig: Bei den Wassersportlern sehe ich diese Zurückhaltung nicht. Die warten ja nur darauf, dass es wieder losgeht. Ich bekomme Anrufe von Leuten, die mich fragen: Wann darf ich denn wieder rein nach Kroatien? Ich will nach meinem Boot sehen…

tk: Was rechnen Sie für die Sommermonate?

Karl-Heinz-Beständig: Ich vermute, dass die ersten Reisenden etwa Anfang Juni kommen können, sofern es keinen Rückschlag gibt. Im Juli und August könnte es im besten Fall wieder so laufen wie im Vorjahr. Gäste aus stark betroffenen Nachbarländern wie Italien werden voraussichtlich eher ausbleiben aufgrund der Schwere der Epidemie im eigenen Land. Für manche, die Kroatien wegen Überfüllung gemieden haben in den letzten Jahren dürfte das ein Grund sein, wiederzukommen.

tk: Wie werden Reisen in diesem Sommer aussehen?

Karl-Heinz-Beständig: Es wird sicherlich noch einige Unsicherheiten geben. Covid-19 ist ja weiterhin vorhanden und flackert vielleicht in Wellen wieder auf. Dann könnte die Zahl der Erkrankungen zumindest auf lokal begrenzter Ebene wieder nach oben gehen. Einige der jetzigen Vorsichtsmaßnahmen – Mindestabstand zu Anderen – sollte man einstweilen auch in Kroatien im öffentlichen Raum beibehalten. Schutzmasken im Urlaubsgepäck sind kein Fehler.

tk: Müsste man damit rechen, hinzureisen und plötzlich nicht mehr zurückzukommen, weil meine Urlaubsregion plötzlich wieder Ausgangsbeschränkungen hat?

Karl-Heinz-Beständig: Das glaube ich nicht, dass man Angst haben muss, nicht mehr zurückkehren zu können.

tk: Was wünschen Sie sich denn für diesen Sommer?

Karl-Heinz-Beständig: Ich wünsche mir, dass die Leser meines Buches Kroatien treu bleiben. Kroatien hat gerade in den vergangenen Wochen gezeigt, dass das Land sehr handlungsfähig in der Krise ist und zudem Kurs hält auf dem Weg in die Rechtsstaatlichkeit – in Ungarn oder Polen ist das keine Selbstverständlichkeit. Kroatien dürfte letztlich gestärkt aus der Krise hervorgehen. Die Bevölkerung war immer ungeduldig mit ihren Regierungen. Jetzt ist das Vertrauen gewachsen. Geduld ist jedoch nach wie vor nötig – nicht nur in Kroatien.

tk: Wo kann man sich zuverlässig über die aktuelle Lage in Kroatien informieren?

Karl-Heinz Beständig: Die neuesten COVID-19-Statistiken finde ich auf Total Croatia (hier klicken). Die politische Entwicklung verfolge ich auf der deutschsprachigen Seite des kroatischen Fernsehens (hier klicken).

tk: Vielen Dank für unser Telefonat. Ich wünsche Ihnen frohe Ostern!

„Wo wir doch nicht segeln können“:
Neben vielen Anderen steuerte auch 
Karl-Heinz Beständig eine von 24 Abenteuergeschichte für mein Buch bei:


https://millemari.de/shop/buecher/auf-see/