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Kroatien und Corona: Aktuelle Infos von Karl-Heinz Beständig.

Die Zahl der aktiven Fälle vom 23.8.2020 auf www.koronavirus.hr.
Die Seite ist nicht nur auf kroatisch, sondern auch englisch lesbar.












Thomas Käsbohrer: Kroatien meldet stark steigende Zahlen von Neuinfektionen. Rückreisende berichten am Wochenende von langen Staus wegen Corona-Tests an Grenzen. Wie sieht es aktuell aus in Kroatien?
Karl-Heinz Beständig: Wenn man über Kroatien spricht, muss man differenzieren: Istrien, Kvarner und Süddalmatien verzeichnen eine niedrige Zahl an Neuinfektionen, wie man auch an der obigen Karte sieht. Auf den Inseln, auch den mitteldalmatinischen, sieht es sogar noch etwas besser aus. Die sind zum Teil völlig coronafrei.
tk: Und woher kommen dann die starken Anstiege bei Neuinfektionen?
Karl-Heinz Beständig: Die kommen vor allem von der mitteldalmatinischen Festlandküste aus den Bereichen Sibenik und Split.
tk: Warum dort an der Küste? Die Haupttourismus-Region ist doch Istrien mit seinen vielen Hotels und Campingplätzen?
Karl-Heinz Beständig: … die in den vergangenen Monaten auch gut besucht war. In Istrien ist fast alles gut organisiert und das Virus dort deshalb unter Kontrolle.
Die Behörden in Mitteldalmatien waren aber laxer, insbesondere was Nachtbars und Diskotheken angeht. Das hat sich auch im Internet herumgesprochen – im Nu wurden diese Küstenregionen zum Reiseziel für den europäischen Partytourismus. Das hat dann dazu geführt, dass die Infektionszahlen dort kräftig angestiegen sind. Mit dazu beigetragen haben auch einige Partyschiffe, auf denen es dichtgedrängt und unkontrolliert zugeht. Die laufen am Abend aus und kehren oft erst kurz vor Sonnenaufgang ans Festland zurück. 

tk: Überall fürchtet man aktuell ja eine „zweite Welle“ mit Corona-Ansteckung. Wie muss man diese aktuelle Welle in Kroatien einschätzen?


Karl-Heinz Beständig: Bemerkenswert ist, dass in Kroatien derzeit die dritte und bisher größte Corona-Welle läuft. Die erste Welle begann Mitte März und hatte aufgrund entschlossener Gegenmaßnahmen einen sehr flachen Verlauf. Zwischen Ende April und Mitte Juni war Kroatien deshalb nahezu coronafrei. Als die Beschränkungen gelockert wurden, kam es – überwiegend verursacht durch ausgelassene Familienfeiern – zu einer zweiten und größeren Infektionswelle vor allem im Landesinneren.  Trotz erfolgreich angelaufener Urlaubs-Hochsaison ebbte diese in den ersten Augusttagen ab. 

Die jetzige dritte Welle begann ungefähr Mitte August und hat insbesondere die mitteldalmatinische Festlandküste erfasst. Sie ging in den vergangenen Woche steil nach oben, könnte in wenigen Tagen jedoch ihren Höhepunkt überschreiten.


tk: Und wie haben die Nachbarländer reagiert?
Karl-Heinz Beständig: Auf die steigenden Zahlen wurde unterschiedlich reagiert: So sprachen Österreich, Slowenien und Italien für ganz Kroatien eine Reisewarnung aus. Deutschland hat etwas mehr Augenmaß bewiesen und eine Reisewarnung nur für die betroffenen Regionen Sibenik und Split ausgerufen. Wer von dort kommend in Deutschland einreist, muss einen Test machen und das Ergebnis in häuslicher Quarantäne abwarten. Erste Testergebnisse in Österreich zeigen, dass sich 1,3 Prozent der Kroatienrückkehrer angesteckt haben. Das Durchschnittsalter dieser Corona-Infizierten liegt bei 23,5 Jahren. Es sind jetzt offensichtlich die Jüngeren, die sich infizieren.


tk: Was erwarten Sie für die nächsten Wochen?
Karl-Heinz Beständig: In Dalmatien sind Bars und Diskotheken immer noch offen. Nur die Öffnungszeiten wurden gekürzt – doch auch das ist problematisch, wenn nicht gleichzeitig konsequent kontrolliert wird oder energisch wie auf Mallorca dichtgemacht wird, wo Übertretungen stattfinden. Trotzdem glaube ich, dass die Neuinfektionen zurückgehen werden. 


tk: Wie sieht Ihre Prognose für eine Reise im Herbst aus? Segeltörns werden sicherlich auch auch im Spätsommer und im Herbst in den kroatischen Gewässern möglich sein. Trotzdem dürfte an der Küste touristisch deutlich weniger los sein als in den Vorjahren. Aber lassen wir uns überraschen. Von Anfang Juli bis Mitte August war die Nachfrage seitens der Gäste schließlich auch viel besser als zunächst erwartet. Einige Charterflotten waren sogar nahezu ausgebucht.
Sollten die Reisewarnungen auch im Herbst bestehen, muss man sich vor oder bei der Rückkehr aus den Problemgebieten auf den Coronavirus testen lassen.

Tests in Kroatien kosten für Urlauber rund 100 Euro, vereinzelt auch fast 200 Euro. Ein solcher Test darf bei der Einreise nicht älter als 48 Stunden sein.
tk: Würden Sie im Moment selbst nach Kroatien zum Segeln fahren?
Karl-Heinz Beständig: Ich fahre für die Recherchen für die Neuausgabe meines Buches in der zweiten Septemberwoche für mindestens zwei Monate nach Kroatien. Dort werde ich alle Corona-Regeln konsequent einhalten. Sorgen vor einer Ansteckung habe ich deshalb keine.


tk: Welche Corona-Regeln meinen Sie im Besonderen?
Karl-Heinz Beständig: Man weiß doch heute einiges. Familienfeiern und Geselligkeit sind Hotspots, daran hat sich seit dem Ischgl-Trauma überhaupt nichts geändert. Gefährlich wirds, wo Vorsicht über Bord gekippt wird. Meine Regeln:
• Einkaufen nur mit Mundschutz.
• Schmierinfektionen sind kein Thema. Aerosole schon. Ich gehe zum Essen nicht in die Innenräume von Restaurants und Konoben. Und werde auf den Terrassen bleiben.
• Ich bin bei Crew-Einladungen vorsichtig. Es wird gerne viel getrunken – also bleib ich lieber auf Distanz. 
• Man sollte auf einem Törn die Entwicklung in seinem Reisegebiet regelmäßig prüfen: Die Seite koronavirus.hr bietet eine sehr gute Aufteilung nach Reisedestinationen.
Ich habe mit diesen einfachen Regeln keine Sorge, mich anzustecken.
tk: Wie siehts bei den Corona-Tests in kroatischen Marinas aus? Sie sprachen ja die Tests an, die an der Grenze kostenlos sind und nicht nur in kroatischen Marinas bis 100€ pro Person berechnet?
Karl-Heinz Beständig: Teilweise werden auch bis 200€ verlangt. Charterfirmen versuchen aktuell, dieser Entwicklung gegenzusteuern und sind dabei, günstigere Testmöglichkeiten zu organisieren. Man kann sich aber gut auf der kroatischen Webseite über Testcenter informieren, die kostenlos sind und auch auf dem Weg liegen:
Die auch auf englisch lesbare Website www.koronavirus.hr listet derzeit knapp 40 Testcenter mit Kontaktdaten, Preisen, „Drive-In“-Möglichkeit und Dauer bis zum Eintreffen eines Ergebnisses auf.

tk: Vielen Dank für das Gespräch. Wir sprechen uns hoffentlich wieder auf Ihrem Törn.

Im Mai 2020 erschienen. 
Das Buch zum Couch-Segeln entlang Europas Küsten: Worum gehts? eine viermonatige Reise entlang der Küste und der Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen.
„Vier Monate und zwei Wochen ist er unterwegs, allein. Davon erzählt er ausnehmend sympathisch, unterhaltsam, menschenaufgeschlossen – immer wieder macht er neue Bekanntschaften, stößt auf teils skurrile, teils pittoreske Figuren, und auf oft herzliche Gastfreundschaft.
Manchesmal wird es gefährlich. Tatsächlich erfährt er auf dem Wasser Lebenskunst: Entdeckt neue Seiten an sich, neue an anderen, leuchtet Einsamkeit aus und die Schönheit der natürlichen Welt.“ Schreibt DER STANDARD, Wien, Mitte August 2020
„Ich habe das Gefühl, dieses Buch musste mich finden.“ Schreibt ein Leser, seit 1990 in der Segelausbildung aktiv.
„Habe Dein Buch mit Begeisterung täglich inklusive Meerblick (Norderney) am Strand gelesen… Ich hoffe, Du bringst ein weiteres Buch über Deine Segelreisen heraus.“ Sagt Dominik, mein HNO-Arzt zuhause (Er segelt selber). „… ein spannendes Werk, von dem man sobald man sich eingelesen hat und ein bisschen Liebe für das Meer empfindet, so schnell nicht wieder los kommt.“ sagt das Mallorca-Magazin letzte Woche (26.7.2020) „Ein Pageturner.“  Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt) „Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“.  Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.) „Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur,  sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“ Magdalena (segelte auf dem See.) „Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“  Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte. Und was ich drüber denke?  Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts. Wenn ich vor lauter Schreiben zum Schreiben komme.

Unter Segeln rund um Irland (3): Von echten Urlaubsfreuden und Puffins.


Zu den unbeantwortet im Raum schwebenden Fragen zuhause gehört Katrins scheinbar beiläufig geäußerte Frage: „Wäre es nicht schön, das Boot wieder im Mittelmeer zu haben? Du könntest es doch einfach wieder von Irland zurück ins Mittelmeer segeln. Und wir könnten einfach wieder vom Deck ins warme Meer hüpfen. Wir könnten Urlaubsfreuden wie früher haben.“ 

In solchen Momenten wünsche ich mir wieder die gedruckte Zeitung herbei, weil man sich dahinter – anders als beim iPad – noch verstecken konnte. Wie soll ich es meiner Frau erklären, dass ich ein 13 Grad kaltes Meer mit 4 Metern Tidenhub gerade interessanter finde? Mit Seesternen an den Kaimauern, deren Arme dick wie Aale sind? Mit 16 Grad Außentemperatur und großblättrigem Kelp, der mich samt meinem Dinghi festhält, wenn ich versehentlich hineinrudere? Dass alles an diesem Atlantik irgendwie größer ist und weiter und wilder und erhabener und ich selbst im übelsten Sauwetter hier draußen noch fähig bin zu dem Gedanken: „Ist das hier schön“ statt mich ins sommerlich heiße Oberbayern nachhause zu wünschen. Wie soll ich ihr plausibel erklären, dass es mir die allergrößten Urlaubsfreuden sind, mit anderen Männern auf der Werft rumzuhängen und mit ihnen gemeinsam an schwerwiegenden Problemen wie dem richtigen Anzugsmoment der Kielbolzen raumzukauen? Kann man einer Frau, die man aufrichtig liebt, wirklich glaubhaft beibiegen, dass der nachfolgend beschriebene Urlaubstag mir das Maximum aller mir denkbaren Urlaubsfreuden beschert? Der Tag begann in Casteltownbere, wie er im letzten Post geendet hatte: Mit nassen Klamotten. Unter Deck ist alles immer noch so nass wie gestern. Der Wollpullover. Das Fleece-Innenfutter der Segeljacke. Deren triefende Ärmel. Wie sollen die Sachen auch trocknen, wenn die Luft feucht ist und schwer vom nächtlichen Regen?  Ein Wetter, bei dem sich selbst Levjes Festmacher aneinanderkuscheln. Wir sind zusammen mit der ALOHA I eines irischen Seglerpärchens, neben der wir im Päckchen liegen, die einzigen Seglern im Fischereihafen von Castletownbere. Von den Hängen fallen immer noch 30er-Böen in den Hafen, als wir ablegen und unter Segeln durch den schmalen Kanal zwischen Festland und Bear Island in die Südost Böen steuern. Es ist zunächst ein kippeliges Segeln, zwei Stunden mit raumem Wind durch Kreuzseen, die der Wind von hinten schickt und die nahen Felsen von vorn zurückwerfen wie eine Felswand ein Echo zurückwirft. Ein Gekabbel, in dem man sich wünscht, möglichst bald um die nächste Ecke zu kommen, damit der Wind abnimmt. Doch was ist der Mensch, dass er sich derlei wünscht? Im Hafen hatte Bootsnachbar O’Shea noch gefragt, ob wir durch die Meerenge von Dursey Island gehen würden, das ganz im Westen dem Festland vorgelagert ist. „Oh nein“, hatten wir noch versichert, durch nadelörartige Meerengen mit Untiefen würden wir nur an gaaaanz ruhigen Tagen segeln. Doch westwärts um Dursey Island herum sinds noch einmal eineinhalb Stunden länger. Mürbe vom Gekabbel beschließen wir, dem Südost zu entwischen durch die nordwärts gerichtete Enge zu steuern. Da frischt der Wind auf, der Friedhof der unbewohnten Insel grüßt vom Ufer, wie mich das positiv stimmt für unser Unterfangen, genau hier durchzufahren: Eine Meerenge mit angeschlossenem Friedhof! Und kurz dahinter auch noch einer Seilbahn über die Meerenge, damit drollige Touris aus nächster Höhe unserem Gestöppsel in der Durchfahrt auch noch live beiwohnen können. Doch alles klappt wie am Schnürchen. Der böse Stein bleibt einfach rechts liegen, wir sind durch durch die Engstelle und freuen uns, dass der Südost jetzt einfach hinter uns liegt und wir durch Glattwasser nordwärts rauschen. Denkste. Nordwärts Dursey weht der Südost erneut wilder, mit 25 im Mittel, später dreißig. Die Wolken am Himmel, die Schaumkronen am Horizont zeigen an, dass es heute eher wild zugehen wird  Warum und wie ich zu meiner 29,95€ teuren neuen Segeljacke kam, lesen Sie im letzten Post, meinem Bericht mit Testergebnissen zum Thema „Segeljacken“.  als friedlich. Ich gebe gern zu, dass mir gelegentlich ein bisschen mulmig war, selbst wenn wir vor dem Wind abliefen. Aber um das abzulegen, haben wir einfach bei diesen Bedingungen ein paar der Stumtaktiken ausprobiert, die Lin und Larry Pardey in ihrem HANDBUCH DER STURMTAKTIK empfehlen, das ich derzeit übersetze und das Anfang Oktober bei millemari. erscheinen wird. Dazu haben wir in den Wellen ein kleines Video gedreht, in dem Sven und ich die Praxistipps des Buches ausprobierten. 

 

Nach drei Stunden taucht Skellig Michael am Horizont auf. Aus den Wellen ragt ein über 200 Meter hoher gezackter Fels, den Gipfel in den Wolken, auf dem noch immer die Ruinen eines Klosters stehen, das 12 Mönche und ihr Abt hier draußen im 8. Jahrhundert gegründet hatten. Die Mönche sind schon im 11. Jahrhundert von der Unwirtlichkeit des Felsens wieder verschwunden, bereits 1992 auf meiner ersten Irlandreise schlichen wir vom Ufer der Dingle-Halbinsel um den sagenhaften Felsen herum, auf dem heute Kolonien von Basstölpeln, Alken und Trottellummen nisten. Und des Papageitauchers, dessentwegen wir seinerzeit nach Irland fuhren und den wir doch nicht zu Gesicht bekamen wie die meisten, die den Puffin sehen wollen. Zeit darüber nachzudenken, wie Menschen dort oben zwischen den blanken Zacken wohl ausgeharrt hatten in Gottesfurcht, haben wir nicht. Wenige Sekunden nach der obigen Aufnahme und kurz vor Puffin Island frischt der Wind unter einer schwarzen Regenwolke auf knapp 40 Knoten auf. 40 Knoten Wind erkennt man daran, dass die Gischt waagrecht übers Deck jagt. Wir reffen noch einmal, ich bin noch mit der Schot beschäftigt, als Sven plötzlich ruft: „Da sind sie!“ Mitten im Sauwetter, als wäre das genau sein Element, plantscht ein Papageitaucher seitwärts in den Wellen, ein „Puffin“ – ein kaum taubengroßer Vogel mit dem typisch roten Papageischnabel. Nur einen kurzen Augenblick ist er auf den Wellen sichtbar, und wir erkennen ihn nur, weil er aussieht wie eine Trottellumme, die eine  roten Ball im Maul trägt. Doch das leuchtend rote ist nur der Papageischnabel des kleinen Vogels. Kaum sieht er uns, fliegt der rote Papgeienschnabel davon, Richtung der Insel vor dem Festland mit den steilen Felsen, die seinen Namen trägt: Puffin Island. Wie viel das Meer einem schenkt noch in seinen wildesten Augenblicken. Zwei Puffins auf einem Felsen. So nahe wie auf diesem Foto
haben wir die scheuen Tiere nie zu sehen bekommen. Hinter Puffin Island wird es noch einmal wild. Um zu unserem Zielhafen Portmagee zu kommen, Von Süden kommend (Mitte linker Bildrand) müssen wir im Uhrzeigersinn vor Skellig Michael um die gezackten Felsen herum,
um dann Kurs in den Kanal nach Portmagee (Mitte unterer Bildrand) zu nehmen. müssen wir auf Höhe von Skellig Michael um die Felsen rum. Der Wind bläst immer noch zwischen 35 und 40 Knoten. Nur einmal ist es Levje zuviel, in einer wilden Böe vor den langen Felsrücken kann Sven sie nicht mehr halten – weil wir immer noch zuviel Segelfläche drauf haben, schießt sie „in die Sonne“ und dreht ungefragt bei. Das können wir uns im engen Kanal nach Portmagee hinein nicht leisten. Also Segel runter – und schnell rein in den Kanal und angelegt an der Pier der THE MOORINGS Inn in Portmagee. Wo uns der Wirt beim Abendessen versichert: Wir hätten Glück gehabt, mit den Puffins. Die seien nur jetzt gerade 14 Tage da. Ich glaub: Das wird noch dauern, bis Levje wieder im Mittelmeer segelt. Die irische Westküste ist doch gar zu schön! Levje am Steg der Inn THE MOORINGS in Portmagee. Auch wenn THE MOORINGS am Abend voll ist mit irischen Reisenden, die Urlaub im eigenen Land machen: Wieder einmal sind wir fast allein im Hafen.

Im Mai 2020 erschienen. Mit noch mehr Geschichten vom Meer und Europas Küsten:
Worum gehts? Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen.
„Ich habe das Gefühl, dieses Buch musste mich finden.“ Schreibt ein Leser, seit 1990 in der Segelausbildung aktiv.
„Habe Dein Buch mit Begeisterung täglich inklusive Meerblick (Norderney) am Strand gelesen… Ich hoffe, Du bringst ein weiteres Buch über Deine Segelreisen heraus.“ Sagt Dominik, mein HNO-Arzt zuhause (Er segelt selber). „… ein spannendes Werk, von dem man sobald man sich eingelesen hat und ein bisschen Liebe für das Meer empfindet, so schnell nicht wieder los kommt.“ sagt das Mallorca-Magazin letzte Woche (26.7.2020) „Ein Pageturner.“  Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt) „Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“.  Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.) „Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur,  sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“ Magdalena (segelte auf dem See.) „Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“  Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte. Und was ich drüber denke?  Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts.

Rund Irland in 18 Tagen (3): Von echten Urlaubsfreuden, hohen Wellen und Puffins.


Zu den unbeantwortet im Raum schwebenden Fragen zuhause gehört Katrins scheinbar beiläufig geäußerte Frage: „Wäre es nicht schön, das Boot wieder im Mittelmeer zu haben? Du könntest es doch einfach wieder von Irland zurück ins Mittelmeer segeln. Und wir könnten einfach wieder vom Deck ins warme Meer hüpfen. Wir könnten Urlaubsfreuden wie früher haben.“ 

In solchen Momenten wünsche ich mir wieder die gedruckte Zeitung herbei, weil man sich dahinter – anders als beim iPad – noch verstecken konnte. Wie soll ich es meiner Frau erklären, dass ich ein 13 Grad kaltes Meer mit 4 Metern Tidenhub gerade interessanter finde? Mit Seesternen an den Kaimauern, deren Arme dick wie Aale sind? Mit 16 Grad Außentemperatur und großblättrigem Kelp, der mich samt meinem Dinghi festhält, wenn ich versehentlich hineinrudere? Dass alles an diesem Atlantik irgendwie größer ist und weiter und wilder und erhabener und ich selbst im übelsten Sauwetter hier draußen noch fähig bin zu dem Gedanken: „Ist das hier schön“ statt mich ins sommerlich heiße Oberbayern nachhause zu wünschen. Wie soll ich ihr plausibel erklären, dass es mir die allergrößten Urlaubsfreuden sind, mit anderen Männern auf der Werft rumzuhängen und mit ihnen gemeinsam an schwerwiegenden Problemen wie dem richtigen Anzugsmoment der Kielbolzen raumzukauen? Kann man einer Frau, die man aufrichtig liebt, wirklich glaubhaft beibiegen, dass der nachfolgend beschriebene Urlaubstag mir das Maximum aller mir denkbaren Urlaubsfreuden beschert? Der Tag begann in Casteltownbere, wie er im letzten Post geendet hatte: Mit nassen Klamotten. Unter Deck ist alles immer noch so nass wie gestern. Der Wollpullover. Das Fleece-Innenfutter der Segeljacke. Deren triefende Ärmel. Wie sollen die Sachen auch trocknen, wenn die Luft feucht ist und schwer vom nächtlichen Regen?  Ein Wetter, bei dem sich selbst Levjes Festmacher aneinanderkuscheln. Wir sind zusammen mit der ALOHA I eines irischen Seglerpärchens, neben der wir im Päckchen liegen, die einzigen Seglern im Fischereihafen von Castletownbere. Von den Hängen fallen immer noch 30er-Böen in den Hafen, als wir ablegen und unter Segeln durch den schmalen Kanal zwischen Festland und Bear Island in die Südost Böen steuern. Es ist zunächst ein kippeliges Segeln, zwei Stunden mit raumem Wind durch Kreuzseen, die der Wind von hinten schickt und die nahen Felsen von vorn zurückwerfen wie eine Felswand ein Echo zurückwirft. Ein Gekabbel, in dem man sich wünscht, möglichst bald um die nächste Ecke zu kommen, damit der Wind abnimmt. Doch was ist der Mensch, dass er sich derlei wünscht? Im Hafen hatte Bootsnachbar O’Shea von seiner ALOHA I noch herübergefragt, ob wir bei dem Wetter die Akkürzung durch die Meerenge von Dursey Island nehmen würden, das ganz im Westen dem Festland vorgelagert ist. „Oh nein“, hatten wir noch versichert, durch nadelörartige Meerengen mit Untiefen würden wir nur an gaaaanz ruhigen Tagen segeln. Doch westwärts um Dursey Island herum sinds noch einmal eineinhalb Stunden länger. Mürbe vom Gekabbel beschließen wir, dem Südost zu entwischen durch die nordwärts gerichtete Enge zu steuern. Da frischt der Wind auf, der Friedhof der unbewohnten Insel grüßt vom Ufer, wie mich das positiv stimmt für unser Unterfangen, genau hier durchzufahren: Eine schmale Durchfahrt mit angeschlossenem Friedhof! Und kurz dahinter auch noch einer Seilbahn über die Meerenge, damit Besucher Durseys aus nächster Höhe unserem Gestöppsel in der Enge auch noch live auf der Skipiste beiwohnen können. Doch alles klappt wie am Schnürchen. Der böse Stein bleibt einfach rechts liegen, wir sind durch durch die Engstelle und freuen uns, dass der Südost jetzt einfach hinter uns liegt und wir durch Glattwasser nordwärts rauschen. Denkste. Nordwärts Dursey weht der Südost erneut wilder, mit 25 im Mittel, später dreißig. Die Wolken am Himmel, die Schaumkronen am Horizont zeigen an, dass es heute eher wild zugehen wird  Warum und wie ich zu meiner 29,95€ teuren neuen Segeljacke kam, lesen Sie im letzten Post, meinem Bericht mit Testergebnissen zum Thema „Segeljacken“.  als friedlich. Ich gebe gern zu, dass mir gelegentlich ein bisschen mulmig war, selbst wenn wir vor dem Wind abliefen. Aber um das abzulegen, haben wir einfach bei diesen Bedingungen ein paar der Stumtaktiken ausprobiert, die Lin und Larry Pardey in ihrem HANDBUCH DER STURMTAKTIK empfehlen, das ich derzeit übersetze und das Anfang Oktober bei millemari. erscheinen wird. Dazu haben wir in den Wellen ein kleines Video gedreht, in dem Sven und ich die Praxistipps des Buches ausprobierten. 

 

Nach drei Stunden taucht Skellig Michael am Horizont auf. Aus den Wellen ragt ein über 200 Meter hoher gezackter Fels, den Gipfel in den Wolken, auf dem noch immer die Ruinen eines Klosters stehen, das 12 Mönche und ihr Abt hier draußen im 8. Jahrhundert gegründet hatten. Die Mönche sind schon im 11. Jahrhundert von der Unwirtlichkeit des Felsens wieder verschwunden, bereits 1992 auf meiner ersten Irlandreise schlichen wir vom Ufer der Dingle-Halbinsel um den sagenhaften Felsen herum, auf dem heute Kolonien von Basstölpeln, Alken und Trottellummen nisten. Und des Papageitauchers, dessentwegen wir seinerzeit nach Irland fuhren und den wir doch nicht zu Gesicht bekamen wie die meisten, die den Puffin sehen wollen. Zeit darüber nachzudenken, wie Menschen dort oben zwischen den blanken Zacken wohl ausgeharrt hatten in Gottesfurcht, haben wir nicht. Wenige Sekunden nach der obigen Aufnahme und kurz vor Puffin Island frischt der Wind unter einer schwarzen Regenwolke auf knapp 40 Knoten auf. 40 Knoten Wind erkennt man daran, dass die Gischt waagrecht übers Deck jagt. Wir reffen noch einmal, ich bin noch mit der Schot beschäftigt, als Sven plötzlich ruft: „Da sind sie!“ Mitten im Sauwetter, als wäre das genau sein Element, plantscht ein Papageitaucher seitwärts in den Wellen, ein „Puffin“ – ein kaum taubengroßer Vogel mit dem typisch roten Papageischnabel. Nur einen kurzen Augenblick ist er auf den Wellen sichtbar, und wir erkennen ihn nur, weil er aussieht wie eine Trottellumme, die eine  roten Ball im Maul trägt. Doch das leuchtend rote ist nur der Papageischnabel des kleinen Vogels. Kaum sieht er uns, fliegt der rote Papgeienschnabel davon, Richtung der Insel vor dem Festland mit den steilen Felsen, die seinen Namen trägt: Puffin Island. Wie viel das Meer einem schenkt noch in seinen wildesten Augenblicken. Zwei Puffins auf einem Felsen. So nahe wie auf diesem Foto
haben wir die scheuen Tiere nie zu sehen bekommen. Hinter Puffin Island wird es noch einmal wild. Um zu unserem Zielhafen Portmagee zu kommen, Von Süden kommend (Mitte linker Bildrand) müssen wir im Uhrzeigersinn vor Skellig Michael um die gezackten Felsen herum,
um dann Kurs in den Kanal nach Portmagee (Mitte unterer Bildrand) zu nehmen. müssen wir auf Höhe von Skellig Michael um die Felsen rum. Der Wind bläst immer noch zwischen 35 und 40 Knoten. Nur einmal ist es Levje zuviel, in einer wilden Böe vor den langen Felsrücken kann Sven sie nicht mehr halten – weil wir immer noch zuviel Segelfläche drauf haben, schießt sie „in die Sonne“ und dreht ungefragt bei. Das können wir uns im engen Kanal nach Portmagee hinein nicht leisten. Also Segel runter – und schnell rein in den Kanal und angelegt an der Pier der THE MOORINGS Inn in Portmagee. Wo uns der Wirt beim Abendessen versichert: Wir hätten Glück gehabt, mit den Puffins. Die seien nur jetzt gerade 14 Tage da. Ich glaub: Das wird noch dauern, bis Levje wieder im Mittelmeer segelt. Die irische Westküste ist doch gar zu schön! Levje am Steg der Inn THE MOORINGS in Portmagee. Auch wenn THE MOORINGS am Abend voll ist mit irischen Reisenden, die Urlaub im eigenen Land machen: Wieder einmal sind wir fast allein im Hafen.

Im Mai 2020 erschienen. Mit noch mehr Geschichten vom Meer und Europas Küsten:
Worum gehts? Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen.
„Ich habe das Gefühl, dieses Buch musste mich finden.“ Schreibt ein Leser, seit 1990 in der Segelausbildung aktiv.
„Habe Dein Buch mit Begeisterung täglich inklusive Meerblick (Norderney) am Strand gelesen… Ich hoffe, Du bringst ein weiteres Buch über Deine Segelreisen heraus.“ Sagt Dominik, mein HNO-Arzt zuhause (Er segelt selber). „… ein spannendes Werk, von dem man sobald man sich eingelesen hat und ein bisschen Liebe für das Meer empfindet, so schnell nicht wieder los kommt.“ sagt das Mallorca-Magazin letzte Woche (26.7.2020) „Ein Pageturner.“  Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt) „Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“.  Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.) „Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur,  sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“ Magdalena (segelte auf dem See.) „Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“  Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte. Und was ich drüber denke?  Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts.

Reden wir mal über: Segeljacken. Was deutsche Segler raten. Umfrageergebnisse, was wirklich taugt.

LEVJE im Hafen von Castletownbere als äußerstes Boot. Warum ich auf meinem Törn
in Irland eine Umfrage über undichte Segeljacken startete
und welche Ergebnisse dabei herauskamen, lesen Sie in diesem Post. Der Tag jedenfalls ging weiter, wie er im letzten Post geendet hatte. Mit nassen Klamotten. Unter Deck ist alles immer noch so nass wie gestern. Der Wollpullover. Das Fleece-Innenfutter der Segeljacke. Deren triefende Ärmel. Als ich die leckenden Ärmel nach außen klappe, stelle ich fest, dass die Beschichtung innen verletzt und abgerieben ist. Hersteller MARINEPOOL hatte zwar an den besonders belasteten Stellen im Schulter- und Ellenbogenbereich meiner INNOVATION-Jacke einen zusätzlichen Patch aufgebracht, aber der ist in der Göße von zwei mickrigen Handtellern eher ein winziges Feigenblatt. Mein Fazit in vier Punkten:
Deutlich erkennbar in der Polyurethan-Innenbeschichtung meiner MARINEPOOL-Jacke:
Durch mechanische Belastung aufgeraute Bruchstellen im Ärmel.
In der Mitte die aufgeklebte Verstärkung des Ellenbogens…
  1. Beim nächsten Segeljackenkauf keine Polyurethan-Innenbeschichtung mehr. Sie bietet zwar durch den Stretch-Effekt mehr Dehnbarkeit, scheint aber langfristig deutlich weniger Widerstandsfähig gegen mechanische Belastungen zu besitzen.
… sowie der Patch an der Schulter, der dichthielt. Die umliegenden Stellen weisen
aber deutlichen Abrieb auf. Kein Wunder, dass ich trotz vorheriger intensiver
Außenimprägnierung tropfnasse Schultern und Arme hatte.
  1. Gerade die mechanische Belastung einer Segeljacke scheint Hauptfaktor für langwährende Dichtheit zu sein. Vor allem an Schulter und Oberarmen ist die Polyurethan-Beschichtung porös geworden. Vermutlich rührt das vom Überstreifen und Tragen der Rettungsweste her. Allerdings wurde die jetzt sechs Jahre alte Jacke auf meinen langen Reisen im Mittelmeer eher selten getragen.
  1. Segeljacken mögen nicht verreisen! Das enge Zusammenlegen im Segelgepäck (gerade für die Charterer wichtig!), egal ob im Auto- oder Fluggepäck hat meine Segeljacke übelgenommen.
  1. Die üblichen Zeitschriftentests gehen kaum auf den Aspekt der Belastbarkeit des Materials kaum ein. Den „unser Tester stand 7 Minuten unter der Dusche“-Dichtheitstest (einer großen Segelzeitschrift im Mai 2020) bestehen alle Jacken mit Bravour. Doch genau das ist der springende Punkt: 7 Minuten Dusche hält auch meine löchrige Polyurethan-Beschichtung halbwegs durch. Wer will denn schon beim achten Törn oder nach 4 Stunden Rudergehen plötzlich triefend wie ich an Deck stehen?
Weil ich nicht weiter wusste und mich die Testberichten nicht weiterbrachten, habe ich in meinem letzten Post auf MAREPIU einen Aufruf gestartet. Die Frage war:  Wer ist mit seiner Segeljacke nach sechs Jahren Tragen immer noch zufrieden?  Welchen Hersteller können Skipper nach sechs Jahre immer noch uneingeschränkt empfehlen? Auf diese Fragen haben vor allem in den Segelforen im Internet 88 Segler und 4 auf MAREPIU.BLOGSPOT. COM geantwortet. Brauchbar waren davon 45. Es gingen kluge Antworten ein, neben den üblichen „Off-Topics“ aber auch unkonventionelle Beispiele, wie Segler dem Schietwetter trotzen, die ich ebenfalls mit aufliste.  Vor allem die Eindeutigkeit des Ergebnisses hat mich verblüfft – und ich stelle die Ergebnisse jetzt unkommentiert ein: Platz 1:  MUSTO HPX, MPX, BR 2 18 (!!) Segler von insgesamt 45 rieten mir zum Kauf einer MUSTO-Jacke. Das sind immerhin satte 40%. Auffallend oft wurde die Kombination aus MPX-Jacke (weniger steif als HPX) und HPX-Hose empfohlen. Platz 2: PARASAIL 6 von 45 empfahlen mir den Hersteller Parasail.  Immerhin 13%. (Beim Schnellcheck im Parasail Online-Store gabs aber nur schmale Größen von XS bis M. Ich werde aber nach meiner Rückkehr aus Irland dort anrufen.) Platz 3: GIL und HENRY LLOYD 3 Skipper rieten mir zu einem dieser Hersteller. Jeweils 7%. Platz 4: 2 Segler waren überzeugt von ihrer MARINEPOOL. Platz 5: 2 Skipper rieten mir zu Motorradkleidung aus Leder. Platz 6: DECATHLON, ZHIK, COMPASS, WESTCOAST. Jeweils 1 Skipper empfahl diesen Hersteller. Zu den eher „originellen und individuellen“ Empfehlungen bei Schietwetter gehörten diese Antworten:
  • „Segeljacke? Brauch ich nicht. Hab Innensteuerstand! Ich geh nur kurz zum Schotenziehen raus.“
  • „Gebrauchtes COMPASS-Ölzeug! Einmal jährlich mit MUSTO-Spray imprägniert.“
  • „Motorradklamotten! Am besten waren die alten gefütterten Thermokombis. Hab das mit den überteuerten Segelklamotten vor Jahren aufgegeben. Und auch ein superleichter Motorradhelm ist 100% wasserdicht, eigent sich aber nicht zum Schwimmen und Tauchen!“
  • „Hat jemand einen Tipp für Jackengröße ‚Walhai‘? Ich bin nun mal groß und dick…“
  • „Friesennerz vom Baumarkt. Baumwollhemd und Pullover drunter.“
  • „Schau mal unter dem Stichwort ‚Drysuit‘ im Internet nach. Ich persönlich nutze einen Smock.“
  • „eine rote JACK WOLFSKIN Bergjacke in Rot. Hält auch 5 Stunden im Regen.“
Und ich? Ich sitze hier im Fischereihafen von Castletownbere an der Südwestspitze. Ich habe noch eine alte Segeljacke an Bord und meine MAMUT-Treckingjacke. Die ist garantiert regendicht. Aber tagelang unter der Rettungsweste wird sie leiden und auch ihr Material undicht werden.
Ladenbesitzerin Mary-Ann verkauft mir, was irische Männer tragen…

Also mache ich auf den Weg in die Stadt. Klettere über die vier Boote, weil wir am äußersten Ende im Päckchen liegen und finde gleich am Hauptplatz Castletownberes ein in die Jahre gekommenes Geschäft für Modeartikel. Nichts wie rein. Drinnen empfängt mich Mary-Ann, die Besitzerin, die sich freut, dass jemand in diesen dürren Corona-Zeiten zu ihr kommt. Mary-Anns Laden ist wie sie: In die Jahre gekommen, mit einem Herz aus Gold und ein liebenswertes Relikt aus jenen besseren Tagen des Fischerstädtchens Castletownbere, in denen dieser Mary-Anns Geschäft das erste Haus am Platze war. Heute liegt Mary-Anns Angebot abseits von Errungenschaften wie Goretex, „atmungsaktiv“ oder allem sonstigen Marken-Unwesen. Dafür hat sie, was des Fischers Herz begehrt. Und statt „Marke“ hat Mary-Ann eine Jacke in XXL, wie sie die Fischer tragen. Und die Arbeiter am Straßenrand, wenn sie die Teerdecke ausbessern oder den Tanklastzug befüllen. 29,95€? Was dem Fischer taugt, tuts auch für mich. „Die nehm ich“. Knallrot orange ist sie oben auch, Leuchtstreifen hat sie über und über, dass Sven mich gleich findet, sollte ich ins Wasser fallen. Stolz ziehe ich sie auch gleich an und trete mit meiner neuen Errungenschaft auf die Straße zu Sven, der sich bei Mary Ann mit einer Regenhose für 13€ eindeckte und jetzt die Schaufenster-Auslage beäugt. „Du siehst aus, als würdest Du gleich Deinen Baukran ausfahren“, brummt er und schielt auf meine neue Jacke. „Mir egal. Ich will jetzt einfach was Trockenes am Leib haben“. Den ersten Guss kriegt die Jacke dann auch gleich auf den 400 Metern von Mary-Anns Laden zur Pier ab. Kaum zurück auf Levje grinst mich Bootsnachbar O’Shea von seiner ALOHA I an und deutet auf die Fischkutter, zwischen denen wir liegen, während er mich anerkennend ansieht. „You are looking like a local fisherman“, sagt O’Shey. Ist das die irische Variante von Svens doofem Baukran-Spruch?  Ja. Dafür liebe ich die Angelsachsen in all ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen, den Briten, den Schotten, den Walisern, den Iren: dass sie allesamt die edle Kunst beherrschen, vernichtende Kritik in ein scheinbares Lob zu wickeln wie ein Fake-Bonbon. Was O’Shea dann auch genauso anerkennend sage. Wer reist, der lernt schließlich. Seine Antwort ist ein breites Grinsen. Und ein leerer 20-Liter-Dieselkanister, den er mir durch den aufziehenden Nieselregen in den 30er Böen herüberreicht – denn Levjes 200 Liter Tank ist halbleer und will von der Tankstelle neben Mary-Anns Laden befüllt werden. Aber darüber und wie sich eine 29,95€-Jacke im Sauwetter und in den 30er-Böen macht: Darüber schreibe ich in meinen nächsten Posts.
… meine neue Segeljacke. Ob Provisorien wirklich haltbar sind?
Auf dem Törn entlang der irischen Westküste machte die 29,95€-Jacke
aus Mary-Anns Laden keine schlechte Figur…


Im Mai 2020 erschienen. Mit noch mehr Geschichten vom Meer und Europas Küsten:
Worum gehts? Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen. „… ein spannendes Werk, von dem man sobald man sich eingelesen hat und ein bisschen Liebe für das Meer empfindet, so schnell nicht wieder los kommt.“ sagt das Mallorca-Magazin letzte Woche (26.7.2020) „Ein Pageturner.“  Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt) „Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“.  Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.) „Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur, sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“ Magdalena (segelte auf dem See.) „Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“  Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte. Und was ich drüber denke? 


Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts. Soeben erschienen. Mit noch mehr Geschichten vom Meer und Europas Küsten:
Worum gehts? Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen. „… ein spannendes Werk, von dem man sobald man sich eingelesen hat und ein bisschen Liebe für das Meer empfindet, so schnell nicht wieder los kommt.“ sagt das Mallorca-Magazin letzte Woche (26.7.2020) „Ein Pageturner.“  Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt) „Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“.  Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.) „Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur, sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“ Magdalena (segelte auf dem See.) „Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“  Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte. Und was ich drüber denke? 


Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts.




Reden wir mal über: Segeljacken. Was deutsche Segler raten. Umfrageergebnisse, was wirklich taugt.

LEVJE im Hafen von Castletownbere als äußerstes Boot. Warum ich auf meinem Törn
in Irland eine Umfrage über undichte Segeljacken startete
und welche Ergebnisse dabei herauskamen, lesen Sie in diesem Post. Der Tag jedenfalls ging weiter, wie er im letzten Post geendet hatte. Mit nassen Klamotten. Unter Deck ist alles immer noch so nass wie gestern. Der Wollpullover. Das Fleece-Innenfutter der Segeljacke. Deren triefende Ärmel. Als ich die leckenden Ärmel nach außen klappe, stelle ich fest, dass die Beschichtung innen verletzt und abgerieben ist. Hersteller MARINEPOOL hatte zwar an den besonders belasteten Stellen im Schulter- und Ellenbogenbereich meiner INNOVATION-Jacke einen zusätzlichen Patch aufgebracht, aber der ist in der Göße von zwei mickrigen Handtellern eher ein winziges Feigenblatt. Mein Fazit in vier Punkten:
Deutlich erkennbar in der Polyurethan-Innenbeschichtung meiner MARINEPOOL-Jacke:
Durch mechanische Belastung aufgeraute Bruchstellen im Ärmel.
In der Mitte die aufgeklebte Verstärkung des Ellenbogens…
  1. Beim nächsten Segeljackenkauf keine Polyurethan-Innenbeschichtung mehr. Sie bietet zwar durch den Stretch-Effekt mehr Dehnbarkeit, scheint aber langfristig deutlich weniger Widerstandsfähig gegen mechanische Belastungen zu besitzen.
… sowie der Patch an der Schulter, der dichthielt. Die umliegenden Stellen weisen
aber deutlichen Abrieb auf. Kein Wunder, dass ich trotz vorheriger intensiver
Außenimprägnierung tropfnasse Schultern und Arme hatte.
  1. Gerade die mechanische Belastung einer Segeljacke scheint Hauptfaktor für langwährende Dichtheit zu sein. Vor allem an Schulter und Oberarmen ist die Polyurethan-Beschichtung porös geworden. Vermutlich rührt das vom Überstreifen und Tragen der Rettungsweste her. Allerdings wurde die jetzt sechs Jahre alte Jacke auf meinen langen Reisen im Mittelmeer eher selten getragen.
  1. Segeljacken mögen sich nicht bewegen! Und vielleicht auch nicht verreisen! Während die Schutzschicht auf Brust und Rücken unverletzt blieb, zeigen sich in Bereichen, die stark Bewegungen ausgesetzt sind wie Schulter und Arme beschädigte Stellen. Das enge Zusammenlegen im Segelgepäck (gerade für die Charterer wichtig!), egal ob im Auto- oder Fluggepäck hat meine Segeljacke übelgenommen.
  1. Die üblichen Zeitschriftentests gehen kaum auf den Aspekt der Belastbarkeit des Materials kaum ein. Den „unser Tester stand 7 Minuten unter der Dusche“-Dichtheitstest (einer großen Segelzeitschrift im Mai 2020) bestehen alle Jacken mit Bravour. Doch genau das ist der springende Punkt: 7 Minuten Dusche hält auch meine löchrige Polyurethan-Beschichtung halbwegs durch. Wer will denn schon beim achten Törn oder nach 4 Stunden Rudergehen plötzlich triefend wie ich an Deck stehen?
Weil ich nicht weiter wusste und mich die Testberichten nicht weiterbrachten, habe ich in meinem letzten Post auf MAREPIU einen Aufruf gestartet. Die Frage war:  Wer ist mit seiner Segeljacke nach sechs Jahren Tragen immer noch zufrieden?  Welchen Hersteller können Skipper nach sechs Jahre immer noch uneingeschränkt empfehlen? Auf diese Fragen haben vor allem in den Segelforen im Internet 88 Segler und 4 auf MAREPIU.BLOGSPOT. COM geantwortet. Brauchbar waren davon 45. Es gingen kluge Antworten ein, neben den üblichen „Off-Topics“ aber auch unkonventionelle Beispiele, wie Segler dem Schietwetter trotzen, die ich ebenfalls mit aufliste.  Vor allem die Eindeutigkeit des Ergebnisses hat mich verblüfft – und ich stelle die Ergebnisse jetzt unkommentiert ein: Platz 1:  MUSTO HPX, MPX, BR 2 18 (!!) Segler von insgesamt 45 rieten mir zum Kauf einer MUSTO-Jacke. Das sind immerhin satte 40%. Auffallend oft wurde die Kombination aus MPX-Jacke (weniger steif als HPX) und HPX-Hose empfohlen. Platz 2: PARASAIL 6 von 45 empfahlen mir den Hersteller Parasail.  Immerhin 13%. (Beim Schnellcheck im Parasail Online-Store gabs aber nur schmale Größen von XS bis M. Ich werde aber nach meiner Rückkehr aus Irland dort anrufen.) Platz 3: GIL und HENRY LLOYD 3 Skipper rieten mir zu einem dieser Hersteller. Jeweils 7%. Platz 4: 2 Segler waren überzeugt von ihrer MARINEPOOL. Platz 5: 2 Skipper rieten mir zu Motorradkleidung aus Leder. Platz 6: DECATHLON, ZHIK, COMPASS, WESTCOAST. Jeweils 1 Skipper empfahl diesen Hersteller. Zu den eher „originellen und individuellen“ Empfehlungen bei Schietwetter gehörten diese Antworten:
  • „Segeljacke? Brauch ich nicht. Hab Innensteuerstand! Ich geh nur kurz zum Schotenziehen raus.“
  • „Gebrauchtes COMPASS-Ölzeug! Einmal jährlich mit MUSTO-Spray imprägniert.“
  • „Motorradklamotten! Am besten waren die alten gefütterten Thermokombis. Hab das mit den überteuerten Segelklamotten vor Jahren aufgegeben. Und auch ein superleichter Motorradhelm ist 100% wasserdicht, eigent sich aber nicht zum Schwimmen und Tauchen!“
  • „Hat jemand einen Tipp für Jackengröße ‚Walhai‘? Ich bin nun mal groß und dick…“
  • „Friesennerz vom Baumarkt. Baumwollhemd und Pullover drunter.“
  • „Schau mal unter dem Stichwort ‚Drysuit‘ im Internet nach. Ich persönlich nutze einen Smock.“
  • „eine rote JACK WOLFSKIN Bergjacke in Rot. Hält auch 5 Stunden im Regen.“
Und ich? Ich sitze hier im Fischereihafen von Castletownbere an der Südwestspitze. Ich habe noch eine alte Segeljacke an Bord und meine MAMUT-Treckingjacke. Die ist garantiert regendicht. Aber tagelang unter der Rettungsweste wird sie leiden und auch ihr Material undicht werden.
Ladenbesitzerin Mary-Ann verkauft mir, was irische Männer tragen…

Also mache ich auf den Weg in die Stadt. Klettere über die vier Boote, weil wir am äußersten Ende im Päckchen liegen und finde gleich am Hauptplatz Castletownberes ein in die Jahre gekommenes Geschäft für Modeartikel. Nichts wie rein. Drinnen empfängt mich Mary-Ann, die Besitzerin, die sich freut, dass jemand in diesen dürren Corona-Zeiten zu ihr kommt. Mary-Anns Laden ist wie sie: In die Jahre gekommen, mit einem Herz aus Gold und ein liebenswertes Relikt aus jenen besseren Tagen des Fischerstädtchens Castletownbere, in denen dieser Mary-Anns Geschäft das erste Haus am Platze war. Heute liegt Mary-Anns Angebot abseits von Errungenschaften wie Goretex, „atmungsaktiv“ oder allem sonstigen Marken-Unwesen. Dafür hat sie, was des Fischers Herz begehrt. Und statt „Marke“ hat Mary-Ann eine Jacke in XXL, wie sie die Fischer tragen. Und die Arbeiter am Straßenrand, wenn sie die Teerdecke ausbessern oder den Tanklastzug befüllen. 29,95€? Was dem Fischer taugt, tuts auch für mich. „Die nehm ich“. Knallrot orange ist sie oben auch, Leuchtstreifen hat sie über und über, dass Sven mich gleich findet, sollte ich ins Wasser fallen. Stolz ziehe ich sie auch gleich an und trete mit meiner neuen Errungenschaft auf die Straße zu Sven, der sich bei Mary Ann mit einer Regenhose für 13€ eindeckte und jetzt die Schaufenster-Auslage beäugt. „Du siehst aus, als würdest Du gleich Deinen Baukran ausfahren“, brummt er und schielt auf meine neue Jacke. „Mir egal. Ich will jetzt einfach was Trockenes am Leib haben“. Den ersten Guss kriegt die Jacke dann auch gleich auf den 400 Metern von Mary-Anns Laden zur Pier ab. Kaum zurück auf Levje grinst mich Bootsnachbar O’Shea von seiner ALOHA I an und deutet auf die Fischkutter, zwischen denen wir liegen, während er mich anerkennend ansieht. „You are looking like a local fisherman“, sagt O’Shey. Ist das die irische Variante von Svens doofem Baukran-Spruch?  Ja. Dafür liebe ich die Angelsachsen in all ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen, den Briten, den Schotten, den Walisern, den Iren: dass sie allesamt die edle Kunst beherrschen, vernichtende Kritik in ein scheinbares Lob zu wickeln wie ein Fake-Bonbon. Was O’Shea dann auch genauso anerkennend sage. Wer reist, der lernt schließlich. Seine Antwort ist ein breites Grinsen. Und ein leerer 20-Liter-Dieselkanister, den er mir durch den aufziehenden Nieselregen in den 30er Böen herüberreicht – denn Levjes 200 Liter Tank ist halbleer und will von der Tankstelle neben Mary-Anns Laden befüllt werden. Aber darüber und wie sich eine 29,95€-Jacke im Sauwetter und in den 30er-Böen macht: Darüber schreibe ich in meinen nächsten Posts.
… meine neue Segeljacke. Ob Provisorien wirklich haltbar sind?
Auf dem Törn entlang der irischen Westküste machte die 29,95€-Jacke
aus Mary-Anns Laden keine schlechte Figur…


Im Mai 2020 erschienen. Mit noch mehr Geschichten vom Meer und Europas Küsten:
Worum gehts? Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen. „… ein spannendes Werk, von dem man sobald man sich eingelesen hat und ein bisschen Liebe für das Meer empfindet, so schnell nicht wieder los kommt.“ sagt das Mallorca-Magazin letzte Woche (26.7.2020) „Ein Pageturner.“  Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt) „Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“.  Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.) „Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur, sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“ Magdalena (segelte auf dem See.) „Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“  Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte. Und was ich drüber denke? 


Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts. Soeben erschienen. Mit noch mehr Geschichten vom Meer und Europas Küsten:
Worum gehts? Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen. „… ein spannendes Werk, von dem man sobald man sich eingelesen hat und ein bisschen Liebe für das Meer empfindet, so schnell nicht wieder los kommt.“ sagt das Mallorca-Magazin letzte Woche (26.7.2020) „Ein Pageturner.“  Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt) „Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“.  Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.) „Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur, sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“ Magdalena (segelte auf dem See.) „Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“  Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte. Und was ich drüber denke? 


Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts.




Unter Segeln rund um Irland (2): Über Menschen, Delfine, und Segeljacken, die nicht halten, was sie versprechen.

„Das Meer ist ein keimfreier Raum“, stellte Boris Herrmann im Interview für mein Buch IN SEENOT lange vor Corona klar. Also geh ich dieses Jahr Segeln. ;-)) auf Levje und entlang der irischen Westküste. Im Folgenden ein Bericht über die Strecke von New Ross/Südirland bis zur Südwestspitze Irlands. Die Werft am River Barrow. Und das Boot von Stephen, von dem im Folgenden die Rede sein wird. Es wurde Zeit, von Levjes Liegeplatz der letzten 11 Monate aufzubrechen und die Werft in New Ross am südirischen River Barrow zu verlassen. Das Seeventil war wieder gängig, die Antriebswelle neu justiert, nichts leckte oder vibrierte mehr beim Test an der Pier in New Ross. Mickayla vom Werftbüro versorgte mich noch mit einem Zettel neuer gälischen Worte, den sie mir in die Hand drückt: „Go n-eiri an bóthar leat!“ – Möge Dein Weg voller Gelingen sein, das gälische Wort für „Gute Reise“! Am Abend vorher hatte ich noch Stephen, der zusammen mit seinem Bruder Michael die Werft betreibt, auf seinem Boot besucht unten am Ponton im Fluss. Ein wunderschöner Fischkutter, gebaut 1942 im Osten Irlands in Arklow, auf dem Stephen unterwegs ist, wenn die Werft ihn losließ. Rund Irland, rund England, hinüber nach Frankreich. Während draußen der Regen an die Fenster des Deckshauses prasselt, der Sturm am Tauwerk rüttelt und es drinnen behaglich warm ist 

und Stephen einen Schluck von seinem Shiraz nimmt, berichtet er schweren Herzens, dass er heute dieses Boot verkauft hätte – nach zwei Jahrzehnten Reisen. „Ich bin jetzt siebzig. Michael ist sechzig. Es ist Zeit, dass ich was Neues mache. Selbst wenn ich heute Tränen in den Augen hatte, als ich meine Unterschrift leistete: Das Leben muss weitergehen, immer weiter. Und ich träume davon, etwas Wärme in meine alten Knochen zu bringen. Das musst Du bedenken: Wenn Du alt bist, brauchst Du mehr Wärme. Und ich werd’ nach Südfrankreich gehen, nach Narbonne, das hatte ich seit Jahren vor.“ Ein Platz, wo Boote liegen ist stets ein kleiner Kosmos – mit tausenden Geschichten darin, die man entdeckt, sobald Menschen und Boote zu reden beginnen. Am nächsten Mittag laufen wir mit der Flut die 10 Seemeilen den Fluss hinunter, wo die Eisenbahnbrücke den River Barrow überspannt. Golden ziehen sich die Kornfelder vom Ufer zwischen den Steinreihen die rollenden Hügel hinauf, mal ein Gehäuft, mal ein normannischer Wehrturm am Ufer, während ich von unterwegs Andrew, den Brückenwärter anrufe und darum bitte, ob er in eineinhalb Stunden die Drehbücke

für Levje öffnen kann. Ich kenne Andrew nur vom Telefon, ein höflicher Mann, der auch malvon sich aus anruft, um sich zu erkundigen, wann man denn genau einträfe, weil er dann die 500 Meter Stahlbrücke bis zum drehbaren Teil zurücklegen muss, um den Weg freizugeben. Alles klappt wie am Schnürchen. Schon nach der letzten Flussbiegung beginnt sich die Brücke zu drehen, als wir mit der Tide mit 8 Knoten anrauschen, hat Andrew schon den Mechanismus betätigt und wir rauschen weiter Richtung Meer, hinaus ins 8 Seemeilen entfernte Mündungsdelta des River Suir.
Der Tag war lang, Sven legt sich zur Ruhe, ich übernehme die erste Wache bis Mitternacht, während Levje unter Autopilot in den irischen Sonnenuntergang westwärts Richtung Fastnet Rock segelt. Kein Schiff ist draußen außer uns. Kein Segler, kein Fischer. Vor Cork um Mitternacht die Lichter eines Frachters, der in der Dunkelheit vorbeizieht. Es ist ungewohnt, niemanden zu sehen, allein unterwegs zu sein, als wäre dies die Südsee abseits aller Schiffahrtsrouten und nicht die irische Südküste. Nur eine Begegnung begleitet mich durch die Nacht: Immer wieder höre ich das Atmen von Delphinen neben Levje. Das typische kurze Platschen, wenn ein Delphin die Wasseroberfläche durchstößt und kurz und energisch durch sein Blasloch am Rücken Luft holt. Ich sehe ihre Schatten neben dem Boot im Wasser. Als der Morgen graut, es ist meine zweite Wache, sehe ich sie endlich. Immer wieder kommen Schulen der weißbäuchigen, mittelgroßen Delphine aus der Ferne auf Levje zu – fast so, als wollten sie sich vergewissern, dass die Menschen, die plötzlich wegen des Lockdowns auf unerklärliche Weise das Meer verlassen hatten, tatsächlich wieder zurückkehren. In seinem Buch PER ANHALTER DURCH DIE GALAXIS beschreibt Douglas Adams, wie rätselhafterweise für die Menschen erst die Delphine verschwinden, bevor ein bürokratischer Fehler galaktischen Ausmaßes die Erde entsorgt. In diesem Juli ist es, als hätten die Delphine sich über das plötzliche Ausbleiben der Menschen verwundert und müssten sich nun ganz schnell überzeugen, dass die Menschen ja noch da sind. Immer wieder biegen Delphine von ihrem Kurs ab. Schwimmen zum Boot heran, wirbeln während der Fahrt vor Levjes Bug durcheinander. Dann blitzschnell in die Tiefe. Dann wieder hoch. Ich kauere auf dem regennassen Vordeck, klammere mich an die Reling, um den Tieren nah zu sein, während Levje durch den grauen Morgen segelt. Schau ich am Bug links herunter, zischen die Delphine ganz schnell nach rechts. Schau ich nach rechts, zischen sie unter Levjes Bug nach links, als wollten mich die Delphine foppen. Wie meistens, wenn Delphine kommen, bin ich nicht stummer Beobachter, sondern Mitspieler in ihrem Spiel. Ein ums andere Mal 

drehen sie sich zur Seite, um heraufzuäugen zu mir, sich zu vergewissern, dass ich nur ja ihrem Treiben aufmerksam zuschaue, applaudiere, begeistert ausrufe, wenn sie mit unmerklichem Flossenschlag Levjes 7 Knoten Speed lässig übertrumpfen. Sich wieder zurückfallen lassen, kurz einander streifen, als würden sie sich zärtlich versichern, noch dazusein bei den übrigen Spielgefährten. Zu mir hochblicken, ob ich nur ja jedes ihrer Kunststücke aus nächster Nähe beobachte.
Kaum dass ein Rudel fort ist, biegt das nächste aus der Ferne ab. Fast schenken Sie mir wie Jacques Mayor in THE BIG BLUE das Gefühl, ich wäre einer der ihren. Erst in den nächsten Tagen werde ich lernen, dass 2020 offensichtlich das Jahr der Delphine ist, denn immer wieder begegnen wir auf dem Weg entlang Irlands Westküste Delphinen, die Kunststücke zeigen. Frühmorgens vor Fastnet Rock. Da war die Jacke noch dicht… Um 10 Uhr passieren wir im Regen Fastnet Rock, den legendären Felsen, der die südwestlichste Ecke Irlands markiert. Der Regen wird mehr, die Welle auch, als wir um Irlands Westspitze herum sind und Kurs nordwärts legen auf den zweieinhalb Stunden entfernt liegenden Hafen von Castletownbere, steigert der Südost den Regen zu einem beachtlichen Sauwetter. Nach einer Stunde Rudergehen ist meine Jacke innen nass. Das Wasser läuft innen über die Schulter beide Ärmel hinunter. Dabei hab ich das sechs Jahre alte Ding, ein Geschenk von Katrin, vor der Abreise noch gründlich imprägniert, weil der Hersteller bei meinem Anruf sagte, er würde keine Imprägnierung vornehmen. Sven hats natürlich eher als ich Dödel gecheckt, dass Segeljacken aus mehreren Lagen Material bestehen und dass kein Imprägnieren hilft, wenn die wasserabweisende Lage im Inneren einmal beschädigt ist. Smart Ass! Da stehe ich jetzt im heftigen Regen, und während mit jeder Drehung des Ruderrades das Wasser aus den Ärmeln des tropfnassen Pullovers unter der Jacke trielt, denke ich übellaunig nach. Muss es wirklich so sein, dass sündteure Segeljacken nach sechs Jahren Mittelmeer, wo man sie seltenst braucht, auf den Sondermüll gehören? Wütend zitiere ich die Sprüche wie „für den harten Bordeinsatz gemacht“, während ich kurble, weil der Südost uns achterliche 30er-Böen beschert, die Levje heftig ausbrechen lassen und nur von einem noch mehr bringen: Dem Regen. Nein, ich glaube, ich habe ein für alle Mal die Nase von derartigem Segeljacken-Mist! Es muss bessere Lösungen geben als die, die ich habe. Hat einer meiner Leser einen Tipp, welcher Segeljackenhersteller nicht nur Marketingsprüche klopft, sondern wirklich dichte Regenjacken produziert? Solche, die atmungsaktiver als eine Plastiktüte sind und NACHWEISLICH mehr abkönnen als sechs laue Sommer?  Ich brauch eine neue Jacke. Und ich bitte alle Leser dieses Posts: Schreiben Sie mir in der Kommentarfunktion eine kurze Mail, wenn Sie Ihre Segeljacke uneingeschränkt fürs irische Sauwetter empfehlen können.  Die eMail mit dem richtigen Tipp belohne ich noch hier von Irland aus mit einer Flasche irischen Whiskey. Mit Widmung und hier noch aus Irland versandt. Versprochen! PS: Der wirkliche Regen, der setzte erst eineinhalb Stunden später ein, als wir im Fischereihafen von Castletownbere im Päckchen neben dem einzigen Segler festmachten, der uns an dem Tag begegnete. Wie es in Castletownbere weiterging: Das lesen Sie im nächsten Post!



Soeben erschienen. Mit noch mehr Geschichten vom Meer und Europas Küsten:
Worum gehts? Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen. „… ein spannendes Werk, von dem man sobald man sich eingelesen hat und ein bisschen Liebe für das Meer empfindet, so schnell nicht wieder los kommt.“ sagt das Mallorca-Magazin letzte Woche (26.7.2020) „Ein Pageturner.“  Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt) „Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“.  Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.) „Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur, sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“ Magdalena (segelte auf dem See.) „Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“  Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte. Und was ich drüber denke?  Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts.



Rund Irland in 18 Tagen (2): Über Menschen, Delfine, und Segeljacken, die nicht halten, was sie versprechen.

„Das Meer ist ein keimfreier Raum“, stellte Boris Herrmann im Interview für mein Buch IN SEENOT lange vor Corona klar. Also geh ich dieses Jahr Segeln. ;-)) auf Levje und entlang der irischen Westküste. Im Folgenden ein Bericht über die Strecke von New Ross/Südirland bis zur Südwestspitze Irlands. Die Werft am River Barrow. Und das Boot von Stephen, von dem im Folgenden die Rede sein wird. Es wurde Zeit, von Levjes Liegeplatz der letzten 11 Monate aufzubrechen und die Werft in New Ross am südirischen River Barrow zu verlassen. Das Seeventil war wieder gängig, die Antriebswelle neu justiert, nichts leckte oder vibrierte mehr beim Test an der Pier in New Ross. Mickayla vom Werftbüro versorgte mich noch mit einem Zettel neuer gälischen Worte, den sie mir in die Hand drückt: „Go n-eiri an bóthar leat!“ – Möge Dein Weg voller Gelingen sein, das gälische Wort für „Gute Reise“! Am Abend vorher hatte ich noch Stephen, der zusammen mit seinem Bruder Michael die Werft betreibt, auf seinem Boot besucht unten am Ponton im Fluss. Ein wunderschöner Fischkutter, gebaut 1942 im Osten Irlands in Arklow, auf dem Stephen unterwegs ist, wenn die Werft ihn losließ. Rund Irland, rund England, hinüber nach Frankreich. Während draußen der Regen an die Fenster des Deckshauses prasselt, der Sturm am Tauwerk rüttelt und es drinnen behaglich warm ist 

und Stephen einen Schluck von seinem Shiraz nimmt, berichtet er schweren Herzens, dass er heute dieses Boot verkauft hätte – nach zwei Jahrzehnten Reisen. „Ich bin jetzt siebzig. Michael ist sechzig. Es ist Zeit, dass ich was Neues mache. Selbst wenn ich heute Tränen in den Augen hatte, als ich meine Unterschrift leistete: Das Leben muss weitergehen, immer weiter. Und ich träume davon, etwas Wärme in meine alten Knochen zu bringen. Das musst Du bedenken: Wenn Du alt bist, brauchst Du mehr Wärme. Und ich werd’ nach Südfrankreich gehen, nach Narbonne, das hatte ich seit Jahren vor.“ Ein Platz, wo Boote liegen ist stets ein kleiner Kosmos – mit tausenden Geschichten darin, die man entdeckt, sobald Menschen und Boote zu reden beginnen. Am nächsten Mittag laufen wir mit der Flut die 10 Seemeilen den Fluss hinunter, wo die Eisenbahnbrücke den River Barrow überspannt. Golden ziehen sich die Kornfelder vom Ufer zwischen den Steinreihen die rollenden Hügel hinauf, mal ein Gehäuft, mal ein normannischer Wehrturm am Ufer, während ich von unterwegs Andrew, den Brückenwärter anrufe und darum bitte, ob er in eineinhalb Stunden die Drehbücke

für Levje öffnen kann. Ich kenne Andrew nur vom Telefon, ein höflicher Mann, der auch malvon sich aus anruft, um sich zu erkundigen, wann man denn genau einträfe, weil er dann die 500 Meter Stahlbrücke bis zum drehbaren Teil zurücklegen muss, um den Weg freizugeben. Alles klappt wie am Schnürchen. Schon nach der letzten Flussbiegung beginnt sich die Brücke zu drehen, als wir mit der Tide mit 8 Knoten anrauschen, hat Andrew schon den Mechanismus betätigt und wir rauschen weiter Richtung Meer, hinaus ins 8 Seemeilen entfernte Mündungsdelta des River Suir.
Der Tag war lang, Sven legt sich zur Ruhe, ich übernehme die erste Wache bis Mitternacht, während Levje unter Autopilot in den irischen Sonnenuntergang westwärts Richtung Fastnet Rock segelt. Kein Schiff ist draußen außer uns. Kein Segler, kein Fischer. Vor Cork um Mitternacht die Lichter eines Frachters, der in der Dunkelheit vorbeizieht. Es ist ungewohnt, niemanden zu sehen, allein unterwegs zu sein, als wäre dies die Südsee abseits aller Schiffahrtsrouten und nicht die irische Südküste. Nur eine Begegnung begleitet mich durch die Nacht: Immer wieder höre ich das Atmen von Delphinen neben Levje. Das typische kurze Platschen, wenn ein Delphin die Wasseroberfläche durchstößt und kurz und energisch durch sein Blasloch am Rücken Luft holt. Ich sehe ihre Schatten neben dem Boot im Wasser. Als der Morgen graut, es ist meine zweite Wache, sehe ich sie endlich. Immer wieder kommen Schulen der weißbäuchigen, mittelgroßen Delphine aus der Ferne auf Levje zu – fast so, als wollten sie sich vergewissern, dass die Menschen, die plötzlich wegen des Lockdowns auf unerklärliche Weise das Meer verlassen hatten, tatsächlich wieder zurückkehren. In seinem Buch PER ANHALTER DURCH DIE GALAXIS beschreibt Douglas Adams, wie rätselhafterweise für die Menschen erst die Delphine verschwinden, bevor ein bürokratischer Fehler galaktischen Ausmaßes die Erde entsorgt. In diesem Juli ist es, als hätten die Delphine sich über das plötzliche Ausbleiben der Menschen verwundert und müssten sich nun ganz schnell überzeugen, dass die Menschen ja noch da sind. Immer wieder biegen Delphine von ihrem Kurs ab. Schwimmen zum Boot heran, wirbeln während der Fahrt vor Levjes Bug durcheinander. Dann blitzschnell in die Tiefe. Dann wieder hoch. Ich kauere auf dem regennassen Vordeck, klammere mich an die Reling, um den Tieren nah zu sein, während Levje durch den grauen Morgen segelt. Schau ich am Bug links herunter, zischen die Delphine ganz schnell nach rechts. Schau ich nach rechts, zischen sie unter Levjes Bug nach links, als wollten mich die Delphine foppen. Wie meistens, wenn Delphine kommen, bin ich nicht stummer Beobachter, sondern Mitspieler in ihrem Spiel. Ein ums andere Mal 

drehen sie sich zur Seite, um heraufzuäugen zu mir, sich zu vergewissern, dass ich nur ja ihrem Treiben aufmerksam zuschaue, applaudiere, begeistert ausrufe, wenn sie mit unmerklichem Flossenschlag Levjes 7 Knoten Speed lässig übertrumpfen. Sich wieder zurückfallen lassen, kurz einander streifen, als würden sie sich zärtlich versichern, noch dazusein bei den übrigen Spielgefährten. Zu mir hochblicken, ob ich nur ja jedes ihrer Kunststücke aus nächster Nähe beobachte.
Kaum dass ein Rudel fort ist, biegt das nächste aus der Ferne ab. Fast schenken Sie mir wie Jacques Mayor in THE BIG BLUE das Gefühl, ich wäre einer der ihren. Erst in den nächsten Tagen werde ich lernen, dass 2020 offensichtlich das Jahr der Delphine ist, denn immer wieder begegnen wir auf dem Weg entlang Irlands Westküste Delphinen, die Kunststücke zeigen. Frühmorgens vor Fastnet Rock. Da war die Jacke noch dicht… Um 10 Uhr passieren wir im Regen Fastnet Rock, den legendären Felsen, der die südwestlichste Ecke Irlands markiert. Der Regen wird mehr, die Welle auch, als wir um Irlands Westspitze herum sind und Kurs nordwärts legen auf den zweieinhalb Stunden entfernt liegenden Hafen von Castletownbere, steigert der Südost den Regen zu einem beachtlichen Sauwetter. Nach einer Stunde Rudergehen ist meine Jacke innen nass. Das Wasser läuft innen über die Schulter beide Ärmel hinunter. Dabei hab ich das sechs Jahre alte Ding, ein Geschenk von Katrin, vor der Abreise noch gründlich imprägniert, weil der Hersteller bei meinem Anruf sagte, er würde keine Imprägnierung vornehmen. Sven hats natürlich eher als ich Dödel gecheckt, dass Segeljacken aus mehreren Lagen Material bestehen und dass kein Imprägnieren hilft, wenn die wasserabweisende Lage im Inneren einmal beschädigt ist. Smart Ass! Da stehe ich jetzt im heftigen Regen, und während mit jeder Drehung des Ruderrades das Wasser aus den Ärmeln des tropfnassen Pullovers unter der Jacke trielt, denke ich übellaunig nach. Muss es wirklich so sein, dass sündteure Segeljacken nach sechs Jahren Mittelmeer, wo man sie seltenst braucht, auf den Sondermüll gehören? Wütend zitiere ich die Sprüche wie „für den harten Bordeinsatz gemacht“, während ich kurble, weil der Südost uns achterliche 30er-Böen beschert, die Levje heftig ausbrechen lassen und nur von einem noch mehr bringen: Dem Regen. Nein, ich glaube, ich habe ein für alle Mal die Nase von derartigem Segeljacken-Mist! Es muss bessere Lösungen geben als die, die ich habe. Hat einer meiner Leser einen Tipp, welcher Segeljackenhersteller nicht nur Marketingsprüche klopft, sondern wirklich dichte Regenjacken produziert? Solche, die atmungsaktiver als eine Plastiktüte sind und NACHWEISLICH mehr abkönnen als sechs laue Sommer?  Ich brauch eine neue Jacke. Und ich bitte alle Leser dieses Posts: Schreiben Sie mir in der Kommentarfunktion eine kurze Mail, wenn Sie Ihre Segeljacke uneingeschränkt fürs irische Sauwetter empfehlen können.  Die eMail mit dem richtigen Tipp belohne ich noch hier von Irland aus mit einer Flasche irischen Whiskey. Mit Widmung und hier noch aus Irland versandt. Versprochen! PS: Der wirkliche Regen, der setzte erst eineinhalb Stunden später ein, als wir im Fischereihafen von Castletownbere im Päckchen neben dem einzigen Segler festmachten, der uns an dem Tag begegnete. Wie es in Castletownbere weiterging: Das lesen Sie im nächsten Post!



Soeben erschienen. Mit noch mehr Geschichten vom Meer und Europas Küsten:
Worum gehts? Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen. „… ein spannendes Werk, von dem man sobald man sich eingelesen hat und ein bisschen Liebe für das Meer empfindet, so schnell nicht wieder los kommt.“ sagt das Mallorca-Magazin letzte Woche (26.7.2020) „Ein Pageturner.“  Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt) „Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“.  Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.) „Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur, sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“ Magdalena (segelte auf dem See.) „Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“  Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte. Und was ich drüber denke?  Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts.



Irland (1): Ankommen auf der Werft am River Barrow.

„Das Meer ist ein keimfreier Raum“, stellte Boris Herrmann im Interview für mein Buch IN SEENOT lange vor Corona klar. Also geh ich dieses Jahr Segeln. ;-)) Auf Levje und entlang der irischen Westküste. Im Folgenden ein erster Bericht. Die Werft NEW ROSS BOAT YARD im südirischen New Ross hatte ich im vergangenen Jahr am Oberlauf des River Barrow
eher zufällig entdeckt. Und hatte Levje hier für den irischen Winter in guten Händen zurückgelassen. Am 20. Juli unterbrach ich meine Arbeit an der Übersetzung des Sturm-Taktik-Handbuches von Lin und Larry Pardey, das im Herbst bei millemari. erscheinen wird, und fuhr zum Flughafen. Das Flugzeug nach Dublin war nur halb besetzt. Der Autoverleiher in Dublin sagt, wir wären mit die ersten Touristen. Der 20. Juli war der erste Tag nach dem irischen Covid-19-Lockdown, an dem man als Reisender in Irland wieder ohne Quarantäne einreisen durfte. Irland gehörte zu den Ländern, das die Krise dank sehr strenger Regeln gut gemeistert hatte und wie Mallorca mit niedrigen Fallzahlen gut durchgekommen war. Nur in den dünn besiedelten Countys im Norden an der Grenze zu Nordirland waren die Erkrankungen höher gewesen, die Grenze und die lockereren britischen Regelungen hatten zu mehr Erkrankungen geführt.
Zwei Autostunden weiter südlich stehe ich mit Sven auf der Werft in New Ross am Ufer des River Barrow in Südirland. Da, wo ich in der Werft von Michael und seinem Bruder Stephen LEVJE vor genau 11 Monaten nach der Rückkehr von den Hebriden zurückgelassen hatte. 11 Monate nicht auf LEVJE gewesen zu sein ist hart. Für mich jedenfalls. Ich bin nun mal ein „Kümmerer“, einer der sich kümmert um die Dinge, die ihm im Leben etwas bedeuten.  Ich kann
Iren sind Individualistenund Eigenbrötler. Und nichts gibt darüber mehr Auskunft als das Werftgebäude von Michael und Stephen, das ein überdimensionales Thermometer in Fahrenheit angibt. Damit man auch stets weiß, dass der Sommer da ist, wenn das Thermometer mal 16 Grad anzeigt.  mein Fahrrad nicht über Nacht am Bahnhof des kleinen Dorfes stehen lassen. Ich kann kein Buch wegwerfen. Und elf Monate nicht auf meinem Boot gewesen zu sein ertrage ich schlecht. Wilde Alpträume quälten mich beim Aufwachen. Dass ich nach dem letzten Törn vergaß, dass Salonluk ganz zu schließen und der irische Dauerregen das Innere meine LEVJE füllt, bis sie unter den Rand vollgelaufen mit einem Knall auf ihrem Cradle, dem Lagerbock, auseinanderbricht. Dass das Wasser, von dem es anders als in Mallorca in Irland im Überfluss gibt, wegen irgendeiner winzigen Undichtigkeit seinen Weg ins Schiffsinnere findet und Polster, Federbett den Holzboden tränkt, bis alles grünlich schimmelt und rottet.
„It has a lot of storms“, sagte Michael Kehoe im Winter, wenn ich gelegentlich mit ihm telefonierte. Ihm gehört zusammen mit seinem Bruder Stephen die Werft, New Ross Boat Yard. „Don’t worry. We look after her“, sagte Michael, der meine Sorge während des Lockdowns spürte. Manchmal sandte mir Mickayla vom Werftbüro ein Foto von LEVJE. Mickayla, die im Büro arbeitet und mir immer neue Brocken Gälischer Worte beibrachte, wenn Sie so nett war, mich im Herbst nach New Ross zur Reinigung zu fahren. Von der ich lernte, dass Dublin auf gälisch Baile atha Cliath heißt. Und dass man das aber „Bolja oha Klija“ spricht. Und New Ross „Ross Mic Truine“. Und Wexford „Loch Garman“. Und Waterford „Port Lairge“. Wenn der Südweststurm besonders arg wehte, schickte mir mein Bootsnachbar Gábor Fotos. Gábor gehört die SHEENANIGAN neben LEVJE und er erklärte mir lachend, dass SHENANIGAN das irische Wort für Aufschneider sei. Gábor ist Ungar. Weil er wie viele Ungarn unter dem dortigen Autokraten Orban die Hoffnung verlor, dass sich die Dinge zum Besseren wenden, hat er als Elektronik-Ingenieur einfach zusammen mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern Ungarn Lebewohl gesagt und die Sommerhitze Ungarns gegen die Unbeständigkeit des irischen Wetters eingetauscht.
Und dann stehe ich vor LEVJE. Einträchtig steht sie neben SHEENANIGAN, mein „Liebchen“ neben dem irisch weiß-grünen „Aufschneider“. Eigentlich sieht sie aus wie immer. Mickhayla vom Büro grinst von einem Ohr zum anderen. „Haben wir nicht gut auf sie aufgepasst?“ Unterm Arm schleppt sie die schwere Persenning, die der Wintersturm losriss und die sie auf der Werft für mich gerettet haben. Meine Erinnerung an Sciacca in Sizilien.
Am nächsten Tag machen sich Sven und ich an die Arbeit. Tatsächlich ist entlang des Wants etwas Wasser ins Bootsinnere gelaufen und trielte den langen Winterregen genau ins Werkzeug-Schapp. Meine Träume haben also nicht gelogen. Aber weil ich meine Schraubenzieher, Feilen, Hämmer, Sägeblätter sortiert in Bechern aus halbierten Wasserflaschen aufbewahre, ist nur der Becher mit den ausrangierten Schraubenziehern vollgelaufen. Die sind hin, allesamt verrostet – ein Verlust, der gemessen an meinen Alpträumen zu verschmerzen ist. Schlimmer ist das große Seeventil, dessen Hebel Sven bei der ersten Berührung in der Hand hält.
Männer sind schon komisch. Manchmal eitel. Manchmal pfeifen sie auf Bella Figura und die „Sockenfrage“. Männer sind die einzigen Lebewesen, die herausfinden können, ob sie noch in die Hosen passen, die sie vor 40 Jahren kauften. Am nächsten Morgen scheint die Sonne über dem River dem River Barrow. Also nutzen wir das schöne Wetter und machen uns ans Streichen des Unterwasserschiffs. Nur wer sein Unterwasserschiff selber streicht, ist wirklich Bootseigner. Weil nur einer mit dem Pinsel voller Antifouling in der Hand erfährt, wie rank und schnell der Bug seines Schiffes ist, den man im Nu gerollert hat. Und wie verflucht breit der Bauch seines Schiffes sein kann, wenn man über Kopf den Walbauch streicht. Rot soll das Unterwasserschiff diesmal werden, wo es vorher blau war 

und ganz zuvor schwarz. Damit man sieht, wo es nicht hält. Eigentlich ist Unterwascherschiff streichen eine schöne Arbeit. Nichts verändert ein Boot in seiner Substanz so wenig und optisch so viel wie zwei Eimer Farbe.

Sven und ich rechnen nach: Es dürfte jetzt das 22. Mal sein, dass wir zusammen ein Schiff streichen. Als ich Miteigner an seiner JUANITA wurde, strichen wir immer zusammen deren Bauch. Seit ich mein eigenes Schiff habe, streicht Sven eben den Bauch meines Schiffes mit. Es ist unser Ritus, eben einmal im Jar zusammen am Boot zu arbeiten. Manchmal an JUANITA in Livorno. Meistens an LEVJE, wo immer sie liegt. Ob in in Sizilien, der Türkei oder jetzt in Irland.  
Seit ich Sven kenne, halte ich gute Maschinenbauer längst mehr als Ärzte für Halbgötter. Sven weiß weiter, wenn Wasser ins Schiff läuft und eine Schraube festsitzt. Er weiß weiter, wo ich aufgebe. Von Sven habe ich ein Stück weit gelernt, was man „Zen oder die Kunst, ein Boot zu warten“ nennt: Die ganze Widersetzlichkeit, die ein Boot einem Menschen entgegenbringen kann, gelassen zu betrachten. Und statt in Zorn oder Verzweiflung über auseinanderfallende Seeventile und festgefressene Schrauben zu verfallen, nachzudenken, WARUM eine Schraube nach 20 Jahren nicht mehr aufgehen mag und der Hebel eines Seeventils beschließt einfach abzufallen. Das Zauberwort heißt „über Ursachen nachdenken“. Und dann Nachdenken, wie man seine Kraft einsetzen kann, um den Dingen beizukommen. In dieser Kunst werde ich zwar niemals so gut werden wie Sven, denn er hat von Kindesbeinen an, was Katrin und ich „Maschinenbauer-Augenbrauen“ nennen: Wo die Augenbrauen sind, eine leicht hervorspringende Neanderthaler-Wulst, wie sie seit der Steinzeit nur technisch begabte Menschen besitzen.
Oft Jedes Jahr ersinnt Sven ein neues Werkzeug fürs Boot, das ich dann begeistert zum „Tool of the Year“ küre. Diesmal ist es eine selbstgeschweißte Verlängerung für den Drehmoment-Schlüssel, um Levjes Kielbolzen exakt aufs vorgesehene Anzugsmoment zu bringen. Das übliche Werkzeug hierfür ist etwa 1,80m lang. Svens diesjähriges „Tool of the Year“ passte wunderbar ins Fluggepäck.

Bei besonders harten Problemen kann ich hören, wie es hinter Svens Augenbrauen arbeitet. Es ist ein Geräusch, das mich beruhigt und ist ähnlich dem Klang einer Schnecke, die sich in ihr Haus zurückzieht, um etwas ähnlich Gewichtiges denkend zu erledigen. Ein wortloses die Gesetze der Physik von Archimedes über Newton bis Watt aus dem All zu sich herabziehendes Nachdenken, mit welchen Kräften man jetzt ein seit 20 Jahren im Waschtisch-Schrank von Levjes rottendes Seeventil elegant aus einer Bordwand ausbrechen und durch ein neues ersetzen kann.


Immer wenn ich das Geräusch hinter Svens Maschinenbauer-Augenbrauen höre, weiß ich: Das widersetzliche Teil wird uns jetzt ärgern, hat aber längst verloren, ahnt es nur noch nicht. Kein Teil kann Sven widerstehen. Die Augenbrauen haben diesmal folgenden Masterplan entwickelt:
1. Den mit dem Seeventil verbackenen Schlauch durch eine Art „Waterboarding“ mit kochend heißen Geschirrtüchern so lange bandagieren, bis der Schlauch so weich wird, dass er aufgibt und man ihn unbeschädigt von Hand abziehen kann.
2. Das Seeventil mit der größten Wasserrohrzange, die Michael und Stephen auf der Werft haben, abzudrehen. 
3. Wenn das nicht geht, die ganze Unit von Außen an der Bordwand mit Michaels Flex abfräsen. Und nach innen rausbrechen. Michael verdreht bei dem Gedanken an eine malträtierte Bordwand die Augen – aber er kennt Svens Augenbrauen nicht so gut wie ich.
Genau drei Stunden später ist das widersetzliche Seeventil draußen. Für Sven ist das nicht der Rede wert. Doch allein über die Aufgabe, ein 20 Jahre festsitzendes daumendickes Gummi-Schläuchlein abzuziehen habe ich schon gestandene Männer weinen sehen – vor Frustration und Ohnmachtsgefühlen. Ein Boot warten ist eine Aufgabe für Schwererziehbare, die den Widerstand des Lebens spüren müssen – und etwas, das Demut lehrt. Ein Boot bietet ECHTEN Widerstand und harte Widersetzlichkeit, wie ich sie sonst im Leben nur bei Unbelehrbaren erlebte.


Als das Seeventil aus der Bordwand draußen ist, fühlen wir uns wie die Könige. Ich erzähle nun nicht, dass wir nach dem Zuwasserlassen den Motor starteten, den River Barrow hinterfuhren und der Motor wie eine munteres Zicklein in seinem Gehäuse fröhliche Sprünge vollführt, dass das Schiff bis zur Mastspitze vibrierte. Beim Wechsel der Stopfbuchse hatte ich die Welle einen Zentimeter zu tief in den Wellenflansch eingeführt. Also Michael anrufen, der Levje ein weiteres Mal geduldig aus dem Wasser krant und von einer Rechnung für 2 x Extrakranen nix wissen will. 
Vielleicht ist es das, was mir am Leben auf einer Bootswerft gefällt: Einfach immer wieder spüren, was uns als Fremde verbindet: Wir alle haben ein Boot.




Soeben erschienen. Mit noch mehr Geschichten vom Meer und Europas Küsten:


Worum gehts? Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen. „Ein Pageturner.“  Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt) „Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“.  Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.) „Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur, sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“ Magdalena (segelte auf dem See.) „Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“  Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte. Und was ich drüber denke?  Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts.



Rund Irland in 18 Tagen (1): Ankommen auf der Werft am River Barrow.

„Das Meer ist ein keimfreier Raum“, stellte Boris Herrmann im Interview für mein Buch IN SEENOT lange vor Corona klar. Also geh ich dieses Jahr Segeln. ;-)) Auf Levje und entlang der irischen Westküste. Im Folgenden ein erster Bericht. Die Werft NEW ROSS BOAT YARD im südirischen New Ross hatte ich im vergangenen Jahr am Oberlauf des River Barrow
eher zufällig entdeckt. Und hatte Levje hier für den irischen Winter in guten Händen zurückgelassen. Am 20. Juli unterbrach ich meine Arbeit an der Übersetzung des Sturm-Taktik-Handbuches von Lin und Larry Pardey, das im Herbst bei millemari. erscheinen wird, und fuhr zum Flughafen. Das Flugzeug nach Dublin war nur halb besetzt. Der Autoverleiher in Dublin sagt, wir wären mit die ersten Touristen. Der 20. Juli war der erste Tag nach dem irischen Covid-19-Lockdown, an dem man als Reisender in Irland wieder ohne Quarantäne einreisen durfte. Irland gehörte zu den Ländern, das die Krise dank sehr strenger Regeln gut gemeistert hatte und wie Mallorca mit niedrigen Fallzahlen gut durchgekommen war. Nur in den dünn besiedelten Countys im Norden an der Grenze zu Nordirland waren die Erkrankungen höher gewesen, die Grenze und die lockereren britischen Regelungen hatten zu mehr Erkrankungen geführt.
Zwei Autostunden weiter südlich stehe ich mit Sven auf der Werft in New Ross am Ufer des River Barrow in Südirland. Da, wo ich in der Werft von Michael und seinem Bruder Stephen LEVJE vor genau 11 Monaten nach der Rückkehr von den Hebriden zurückgelassen hatte. 11 Monate nicht auf LEVJE gewesen zu sein ist hart. Für mich jedenfalls. Ich bin nun mal ein „Kümmerer“, einer der sich kümmert um die Dinge, die ihm im Leben etwas bedeuten.  Ich kann
Iren sind Individualistenund Eigenbrötler. Und nichts gibt darüber mehr Auskunft als das Werftgebäude von Michael und Stephen, das ein überdimensionales Thermometer in Fahrenheit angibt. Damit man auch stets weiß, dass der Sommer da ist, wenn das Thermometer mal 16 Grad anzeigt.  mein Fahrrad nicht über Nacht am Bahnhof des kleinen Dorfes stehen lassen. Ich kann kein Buch wegwerfen. Und elf Monate nicht auf meinem Boot gewesen zu sein ertrage ich schlecht. Wilde Alpträume quälten mich beim Aufwachen. Dass ich nach dem letzten Törn vergaß, dass Salonluk ganz zu schließen und der irische Dauerregen das Innere meine LEVJE füllt, bis sie unter den Rand vollgelaufen mit einem Knall auf ihrem Cradle, dem Lagerbock, auseinanderbricht. Dass das Wasser, von dem es anders als in Mallorca in Irland im Überfluss gibt, wegen irgendeiner winzigen Undichtigkeit seinen Weg ins Schiffsinnere findet und Polster, Federbett den Holzboden tränkt, bis alles grünlich schimmelt und rottet.
„It has a lot of storms“, sagte Michael Kehoe im Winter, wenn ich gelegentlich mit ihm telefonierte. Ihm gehört zusammen mit seinem Bruder Stephen die Werft, New Ross Boat Yard. „Don’t worry. We look after her“, sagte Michael, der meine Sorge während des Lockdowns spürte. Manchmal sandte mir Mickayla vom Werftbüro ein Foto von LEVJE. Mickayla, die im Büro arbeitet und mir immer neue Brocken Gälischer Worte beibrachte, wenn Sie so nett war, mich im Herbst nach New Ross zur Reinigung zu fahren. Von der ich lernte, dass Dublin auf gälisch Baile atha Cliath heißt. Und dass man das aber „Bolja oha Klija“ spricht. Und New Ross „Ross Mic Truine“. Und Wexford „Loch Garman“. Und Waterford „Port Lairge“. Wenn der Südweststurm besonders arg wehte, schickte mir mein Bootsnachbar Gábor Fotos. Gábor gehört die SHEENANIGAN neben LEVJE und er erklärte mir lachend, dass SHENANIGAN das irische Wort für Aufschneider sei. Gábor ist Ungar. Weil er wie viele Ungarn unter dem dortigen Autokraten Orban die Hoffnung verlor, dass sich die Dinge zum Besseren wenden, hat er als Elektronik-Ingenieur einfach zusammen mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern Ungarn Lebewohl gesagt und die Sommerhitze Ungarns gegen die Unbeständigkeit des irischen Wetters eingetauscht.
Und dann stehe ich vor LEVJE. Einträchtig steht sie neben SHEENANIGAN, mein „Liebchen“ neben dem irisch weiß-grünen „Aufschneider“. Eigentlich sieht sie aus wie immer. Mickhayla vom Büro grinst von einem Ohr zum anderen. „Haben wir nicht gut auf sie aufgepasst?“ Unterm Arm schleppt sie die schwere Persenning, die der Wintersturm losriss und die sie auf der Werft für mich gerettet haben. Meine Erinnerung an Sciacca in Sizilien.
Am nächsten Tag machen sich Sven und ich an die Arbeit. Tatsächlich ist entlang des Wants etwas Wasser ins Bootsinnere gelaufen und trielte den langen Winterregen genau ins Werkzeug-Schapp. Meine Träume haben also nicht gelogen. Aber weil ich meine Schraubenzieher, Feilen, Hämmer, Sägeblätter sortiert in Bechern aus halbierten Wasserflaschen aufbewahre, ist nur der Becher mit den ausrangierten Schraubenziehern vollgelaufen. Die sind hin, allesamt verrostet – ein Verlust, der gemessen an meinen Alpträumen zu verschmerzen ist. Schlimmer ist das große Seeventil, dessen Hebel Sven bei der ersten Berührung in der Hand hält.
Männer sind schon komisch. Manchmal eitel. Manchmal pfeifen sie auf Bella Figura und die „Sockenfrage“. Männer sind die einzigen Lebewesen, die herausfinden können, ob sie noch in die Hosen passen, die sie vor 40 Jahren kauften. Am nächsten Morgen scheint die Sonne über dem River dem River Barrow. Also nutzen wir das schöne Wetter und machen uns ans Streichen des Unterwasserschiffs. Nur wer sein Unterwasserschiff selber streicht, ist wirklich Bootseigner. Weil nur einer mit dem Pinsel voller Antifouling in der Hand erfährt, wie rank und schnell der Bug seines Schiffes ist, den man im Nu gerollert hat. Und wie verflucht breit der Bauch seines Schiffes sein kann, wenn man über Kopf den Walbauch streicht. Rot soll das Unterwasserschiff diesmal werden, wo es vorher blau war 

und ganz zuvor schwarz. Damit man sieht, wo es nicht hält. Eigentlich ist Unterwascherschiff streichen eine schöne Arbeit. Nichts verändert ein Boot in seiner Substanz so wenig und optisch so viel wie zwei Eimer Farbe.

Sven und ich rechnen nach: Es dürfte jetzt das 22. Mal sein, dass wir zusammen ein Schiff streichen. Als ich Miteigner an seiner JUANITA wurde, strichen wir immer zusammen deren Bauch. Seit ich mein eigenes Schiff habe, streicht Sven eben den Bauch meines Schiffes mit. Es ist unser Ritus, eben einmal im Jar zusammen am Boot zu arbeiten. Manchmal an JUANITA in Livorno. Meistens an LEVJE, wo immer sie liegt. Ob in in Sizilien, der Türkei oder jetzt in Irland.  
Seit ich Sven kenne, halte ich gute Maschinenbauer längst mehr als Ärzte für Halbgötter. Sven weiß weiter, wenn Wasser ins Schiff läuft und eine Schraube festsitzt. Er weiß weiter, wo ich aufgebe. Von Sven habe ich ein Stück weit gelernt, was man „Zen oder die Kunst, ein Boot zu warten“ nennt: Die ganze Widersetzlichkeit, die ein Boot einem Menschen entgegenbringen kann, gelassen zu betrachten. Und statt in Zorn oder Verzweiflung über auseinanderfallende Seeventile und festgefressene Schrauben zu verfallen, nachzudenken, WARUM eine Schraube nach 20 Jahren nicht mehr aufgehen mag und der Hebel eines Seeventils beschließt einfach abzufallen. Das Zauberwort heißt „über Ursachen nachdenken“. Und dann Nachdenken, wie man seine Kraft einsetzen kann, um den Dingen beizukommen. In dieser Kunst werde ich zwar niemals so gut werden wie Sven, denn er hat von Kindesbeinen an, was Katrin und ich „Maschinenbauer-Augenbrauen“ nennen: Wo die Augenbrauen sind, eine leicht hervorspringende Neanderthaler-Wulst, wie sie seit der Steinzeit nur technisch begabte Menschen besitzen.
Oft Jedes Jahr ersinnt Sven ein neues Werkzeug fürs Boot, das ich dann begeistert zum „Tool of the Year“ küre. Diesmal ist es eine selbstgeschweißte Verlängerung für den Drehmoment-Schlüssel, um Levjes Kielbolzen exakt aufs vorgesehene Anzugsmoment zu bringen. Das übliche Werkzeug hierfür ist etwa 1,80m lang. Svens diesjähriges „Tool of the Year“ passte wunderbar ins Fluggepäck.

Bei besonders harten Problemen kann ich hören, wie es hinter Svens Augenbrauen arbeitet. Es ist ein Geräusch, das mich beruhigt und ist ähnlich dem Klang einer Schnecke, die sich in ihr Haus zurückzieht, um etwas ähnlich Gewichtiges denkend zu erledigen. Ein wortloses die Gesetze der Physik von Archimedes über Newton bis Watt aus dem All zu sich herabziehendes Nachdenken, mit welchen Kräften man jetzt ein seit 20 Jahren im Waschtisch-Schrank von Levjes rottendes Seeventil elegant aus einer Bordwand ausbrechen und durch ein neues ersetzen kann.


Immer wenn ich das Geräusch hinter Svens Maschinenbauer-Augenbrauen höre, weiß ich: Das widersetzliche Teil wird uns jetzt ärgern, hat aber längst verloren, ahnt es nur noch nicht. Kein Teil kann Sven widerstehen. Die Augenbrauen haben diesmal folgenden Masterplan entwickelt:
1. Den mit dem Seeventil verbackenen Schlauch durch eine Art „Waterboarding“ mit kochend heißen Geschirrtüchern so lange bandagieren, bis der Schlauch so weich wird, dass er aufgibt und man ihn unbeschädigt von Hand abziehen kann.
2. Das Seeventil mit der größten Wasserrohrzange, die Michael und Stephen auf der Werft haben, abzudrehen. 
3. Wenn das nicht geht, die ganze Unit von Außen an der Bordwand mit Michaels Flex abfräsen. Und nach innen rausbrechen. Michael verdreht bei dem Gedanken an eine malträtierte Bordwand die Augen – aber er kennt Svens Augenbrauen nicht so gut wie ich.
Genau drei Stunden später ist das widersetzliche Seeventil draußen. Für Sven ist das nicht der Rede wert. Doch allein über die Aufgabe, ein 20 Jahre festsitzendes daumendickes Gummi-Schläuchlein abzuziehen habe ich schon gestandene Männer weinen sehen – vor Frustration und Ohnmachtsgefühlen. Ein Boot warten ist eine Aufgabe für Schwererziehbare, die den Widerstand des Lebens spüren müssen – und etwas, das Demut lehrt. Ein Boot bietet ECHTEN Widerstand und harte Widersetzlichkeit, wie ich sie sonst im Leben nur bei Unbelehrbaren erlebte.


Als das Seeventil aus der Bordwand draußen ist, fühlen wir uns wie die Könige. Ich erzähle nun nicht, dass wir nach dem Zuwasserlassen den Motor starteten, den River Barrow hinterfuhren und der Motor wie eine munteres Zicklein in seinem Gehäuse fröhliche Sprünge vollführt, dass das Schiff bis zur Mastspitze vibrierte. Beim Wechsel der Stopfbuchse hatte ich die Welle einen Zentimeter zu tief in den Wellenflansch eingeführt. Also Michael anrufen, der Levje ein weiteres Mal geduldig aus dem Wasser krant und von einer Rechnung für 2 x Extrakranen nix wissen will. 
Vielleicht ist es das, was mir am Leben auf einer Bootswerft gefällt: Einfach immer wieder spüren, was uns als Fremde verbindet: Wir alle haben ein Boot.




Soeben erschienen. Mit noch mehr Geschichten vom Meer und Europas Küsten:


Worum gehts? Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen. „Ein Pageturner.“  Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt) „Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“.  Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.) „Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur, sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“ Magdalena (segelte auf dem See.) „Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“  Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte. Und was ich drüber denke?  Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts.



Wie ist es auf Mallorca im Juli?

Auf dem Sonntagsmarkt von Pollença. Seit einer Woche geht nichts mehr ohne „Mascarilla“, selbst im Freien auf dStraßen und Plätzen nicht. Doch das tut der Schönheit und Laune keinen Abbruch.

Trotz der Bilder, die vom Ballermann in den Medien transportiert wurden, geht Mallorca strenger und konsequenter vor als beispielsweise Deutschland. Kein Supermarkt kann betreten werden, ohne am Eingang die Hände gründlich zu desinfizieren und sich Plastikhandschuhe überzustreifen. Wers versäumt, dem ist in Sekundenschnelle das Personal hinterher. In dieser Hinsicht sind Länder wie Spanien oder Italien, die hart von Corona betroffen waren, in der Bewusstseinsbildung eindeutig nachdrücklicher. Mag ja sein, dass die Handübertragung nebensächlich sein mag. Aber in jedem Laden nachdrücklich daran erinnert werden, dass das Virus nicht aus der Welt ist, ist allemal besser.

Seit Montag letzter Woche ist Mallorca unter Maske. Wer sich durch die Gassen des kleinen Landstädtchens Pollença im Nordosten Mallorcas im Juli 2020, trägt die „mascarilla“, die kleine Maske. Die Insel, die bisher mit geringsten Infektions- und Mortalitätszahlen in Spanien aufwartete, weiß was auf dem Spiel steht. Die Angst, was passiert, wenn der Tourismus ausbleibt, ist zu spüren. „War schon richtig, hier auf der Insel für sechs Wochen strikt keinen mehr für die Haustür zu lassen“, sagt Pepe, der Gärtner Anfang Juli. „Dank der rigiden Ausgangssperre und Selbstisolation haben wir auf Mallorca die niedrigsten Infektionsraten und mit 225 Toten die niedrigste Sterblichkeit in ganz Spanien. Aber was passiert, wenn die Touristen ausbleiben? Wenn keiner kommt? Im Moment haben wir viele Leute ohne Arbeit wegen des Lockdowns. Weil Restaurants, Boutiquen bis diese Woche geschlossen blieben und viele Hotels gar nicht erst öffneten. Aber wenn die Touristen in den nächsten Wochen nicht kommen: Dann gibts im Herbst kein Geld. Und wenns kein Geld gibt, kann keiner Miete zahlen. Und zu essen? Dann ist hier Schicht.“ Um keinen Zweifel zu lassen, fährt sich Pepe mit der flachen Hand quer über die Kehle.

Pepe muss es wissen. Bevor er vor ein paar Jahren Gärtner wurde, hat er in den Hotels in und um Pollença gearbeitet. Er muss nicht die Zeitung aufschlagen, um zu wissen, wie sehr die Insel am Tropf des Tourismus hängt. Insel: Das bedeutet noch einmal etwas ganz anderes als Festlandsküste. Am Festland gibt es den Binnentourismus nach Rügen oder Sylt, den steten Wochenendtourismus an die Adriaküsten aus den Städten Norditaliens. Und in Mallorca? Können 930.000 Insulaner per Binnentourismus die 10,1 Millionen Besucher des Vorjahres auf der Insel wirtschaftlich kompensieren?

Am Strand von Picafort: Wo sonst im Sommer kein Platz zu finden ist, herrscht Mitte Juli Muße.

Kap Forrmentor, ein paar Kilometer weiter, am Strand des nordöstlichsten Gebirgszipfels Mallorcas. In den letzten Jahren musste ab Mai für den Sommer die Zufahrt zum Naturschutzgebiet gesperrt werden. Nichts ging mehr, als sich die Ströme blinkender Leihwagen und glattrasierter Radfahrerbeine in den engen Serpentinen in die Quere kamen. Bis die Inselregierung ab Mai jährlich die einzige Straße einfach sperrte und stündlich nur noch Linienbusse die Pass-Straße zum Strand bis zum Leuchtturm hinaufkriechen ließ. Jetzt im Juli 2020 ist die Straße zum ersten Mal seit Jahren wieder frei befahrbar. Das liegt an den Rennradfahrern, die gänzlich ausbleiben. Aber auch die Zahl der Mietwägen ist in Formentor überschaubar. Am Strand von Formentor hört man zum ersten Mal seit Jahren fast nur noch Mallorqui, den Inseldialekt. Familien mit Kindern. Ehepaare. Binnentourismus auch derer, die darauf warten, dass Hotels und Restaurants wieder öffnen, damit sie wie erhofft das halbe Jahr wieder Arbeit finden. Ab Herbst wäre dann eh wieder Pause.

Violetta ist 25 Jahren und in Pollença mit ihren beiden Brüdern aufgewachsen. Sie arbeitet im Service des Club Social de Pollença. Vor dem ehrwürdigen Gebäude des 1904 als Fahrradverein gegründeten ältesten Vereins von Pollença an der Plaza Mayor ist die Terrasse am Abend überwiegend mit älteren Einheimischen besetzt. Violetta ist froh: „Seit etwa 14 Tagen ist jeden Tag mehr los. Die Briten kommen langsam wieder, die Deutschen sowieso. Und jeden Abend öffnet hier im weiten Rund der Plaça Mayor ein weiteres Restaurant.“ Pollença lebt nicht vom Pauschaltourismus. Hotels gibt es in dem 8.000 Einwohner zählenden Landstädtchen gerade eine Handvoll. Dafür aber viele kleine Handwerksbetriebe, die nicht zuletzt von den zahllosen Ferienwohnungen ausländischer Wohnungsbesitzer leben. So wie die Supermärkte, Bäckereien und Restaurants.

Eine Woche später, Mitte Juli. In Pollença haben nun fast alle Restaurants und Geschäfte  geöffnet. Nur die Hotels haben überwiegend noch geschlossen. Ein Ort wie Pollença, der vom Individual-Tourismus lebt, scheint schneller auf die Beine zu kommen als das benachbarbarte Port de Pollença oder Alcudia oder Ca’n Picafort. Dort stehen die großen Hotels – und die sind überwiegend zu. Ca’n Picafort mit dem langen weißen Sandstrand ist ausgestorben wie eine Geisterstadt. Wer auf den Individualtourismus gesetzt hat als Kommune, hast gut. Pauschaltourismus – ob All-Inclusive-Hotels oder Rennradfahrer – ist out. Die Gründe sind vielschichtig.

Es ist Abend geworden über Pollença. Ein paar Schritte von der Plaça Mayor und dem Club Soçial befindet sich der neue Marktplatz. Aber da der architektonisch eher misslungen ist, verirren sich nur selten Touristen auf die mit einer Betonplatte bedeckte Tiefgarage ist. Es ist die Gegend der

Einheimischen, der kleinen Elektrogeräte und unscheinbaren Bars. Eine vierköpfige Band spielt an diesem Abend kubanische Gassenhauer, ein paar Anwohner haben sich auf die Betonbänke gesetzt und hören den fetzigen Songs zu. Die Musiker verstehen ihr Geschäft, vermutlich gehören sie zu denen, die im Sommer in Palmas Bars auftraten. Sie sind gut. Jetzt hat einer den Instrumentenkoffer für ein paar Münzen geöffnet, doch es ist keineswegs Not, die sie treibt. Eher der Spaß. Doch spätestens als sie „Guntanamera. Guajira Guantanamera“ schmettern, fällt mir ein, dass exakt diese Worte, die aus Kuba stammen, einst als Synonym für „schlechte Nachrichten“ standen, als der Refrain jahrelang in Castros Cuba als Einleitung einer Radiosendung genau dies bedeutete. Doch das stört weder die Musiker noch den eineinhalbjährigen Zuhörer, der sich ihnen auf wackligen Beinen nähert. Der Abend unter dem freien Himmel gilt der Schönheit. Und nichts anderem.

Denn eines ist immer noch wahr: Die Insel ist schön wie eh und je. Auch unter der Maske. Und ohne Ballermann.

PS: Ab nächster Woche berichte aus Irland.

Soeben erschienen. Mit drei Geschichten über Pollença, den Club und Kap Formentor:


Worum gehts? Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen. „Ein Pageturner.“  Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt) „Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“.  Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.) „Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur, sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“ Magdalena (segelte auf dem See.) „Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“  Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte. Und was ich drüber denke?  Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts.


Wie ist es auf Mallorca im Juli?

Auf dem Sonntagsmarkt von Pollença. Seit einer Woche geht nichts mehr ohne „Mascarilla“, selbst im Freien auf Straßen und Plätzen nicht. Doch das tut der Schönheit und Laune keinen Abbruch.

Trotz der Bilder, die vom Ballermann in den Medien transportiert wurden, geht Mallorca strenger und konsequenter vor als beispielsweise Deutschland. Kein Supermarkt kann betreten werden, ohne am Eingang die Hände gründlich zu desinfizieren und sich Plastikhandschuhe überzustreifen. Wers versäumt, dem ist in Sekundenschnelle das Personal hinterher. In dieser Hinsicht sind Länder wie Spanien oder Italien, die hart von Corona betroffen waren, in der Bewusstseinsbildung eindeutig nachdrücklicher. Mag ja sein, dass aus Virologen-Sicht die Übertragung per Hand nebensächlich ist. Aber in jedem Laden erinnert werden, dass das Virus nicht aus der Welt ist, ist allemal besser.

Seit Montag letzter Woche ist Mallorca unter Maske. Wer sich durch die Gassen des kleinen Landstädtchens Pollença im Nordosten Mallorcas im Juli 2020 bewegt, trägt die „mascarilla“, die kleine Maske. Die Insel, die bisher mit geringsten Infektions- und Mortalitätszahlen in Spanien überraschte, weiß was auf dem Spiel steht. Die Angst, was passiert, wenn der Tourismus ausbleibt, ist zu spüren. „War schon richtig, hier auf der Insel für sechs Wochen strikt keinen mehr für die Haustür zu lassen“, sagt Pepe, der Gärtner Anfang Juli. „Dank der rigiden Ausgangssperre und Selbstisolation haben wir auf Mallorca die niedrigsten Infektionsraten und mit 225 Toten die niedrigste Sterblichkeit in ganz Spanien. Aber was passiert, wenn die Touristen ausbleiben? Wenn keiner kommt? Im Moment haben wir viele Leute ohne Arbeit wegen des Lockdowns. Weil Restaurants, Boutiquen bis diese Woche geschlossen blieben und viele Hotels gar nicht erst öffneten. Aber wenn die Touristen in den nächsten Wochen nicht kommen: Dann gibts im Herbst kein Geld. Und wenns kein Geld gibt, kann keiner Miete zahlen. Und zu essen? Dann ist hier Schicht.“ Um keinen Zweifel zu lassen, fährt sich Pepe mit der flachen Hand quer über die Kehle.

Pepe muss es wissen. Bevor er vor ein paar Jahren Gärtner wurde, hat er in den Hotels in und um Pollença gearbeitet. Er muss nicht die Zeitung aufschlagen, um zu erfahren, wie sehr die Insel am Tropf des Tourismus hängt. Insel: Das bedeutet noch einmal etwas ganz anderes als Festlandsküste. Am Festland gibt es den Binnentourismus nach Rügen oder Sylt, den steten Wochenendtourismus an die Adriaküsten aus den Städten Norditaliens. Und in Mallorca? Können 930.000 Insulaner per Binnentourismus die 10,1 Millionen Besucher des Vorjahres auf der Insel wirtschaftlich kompensieren?

Am Strand von Picafort: Wo sonst im Sommer kein Platz zu finden ist, herrscht Mitte Juli Muße.

Kap Forrmentor, ein paar Kilometer weiter, am Strand des nordöstlichsten Gebirgszipfels Mallorcas. In den letzten Jahren musste ab Mai für den Sommer die Zufahrt zum Naturschutzgebiet gesperrt werden. Nichts ging mehr, als sich die Ströme blinkender Leihwagen und glattrasierter Radfahrerbeine in den engen Serpentinen in die Quere kamen. Bis die Inselregierung ab Mai jährlich die einzige Straße einfach sperrte und stündlich nur noch Linienbusse die Pass-Straße vom Strand bis zum Leuchtturm hinaufkriechen ließ. Jetzt im Juli 2020 ist die Straße zum ersten Mal seit Jahren wieder frei befahrbar. Das liegt an den Rennradfahrern, die gänzlich ausbleiben. Aber auch die Zahl der Mietwägen ist in Formentor überschaubar. Am Strand von Formentor hört man zum ersten Mal seit Jahren fast nur noch Mallorqui, den Inseldialekt. Familien mit Kindern. Ehepaare. Binnentourismus auch derer, die darauf warten, dass Hotels und Restaurants wieder öffnen, damit sie wie erhofft das halbe Jahr wieder Arbeit finden. Ab Herbst wäre dann eh wieder Pause.

Violetta ist 30 und in Pollença mit ihren beiden Brüdern aufgewachsen. Sie arbeitet im Service des Club Social de Pollença. Vor dem ehrwürdigen Gebäude des 1904 als Fahrradverein gegründeten ältesten Vereins von Pollença an der Plaza Mayor ist die Terrasse am Abend überwiegend mit älteren Einheimischen besetzt. Violetta ist froh: „Seit etwa 14 Tagen ist jeden Tag mehr los. Die Briten kommen langsam wieder, die Deutschen sowieso. Und jeden Abend öffnet hier im weiten Rund der Plaça Mayor ein weiteres Restaurant.“ Pollença lebt nicht vom Pauschaltourismus. Hotels gibt es in dem 8.000 Einwohner zählenden Landstädtchen gerade eine Handvoll. Dafür aber viele kleine Handwerksbetriebe, die nicht zuletzt von den zahllosen Ferienwohnungen ausländischer Wohnungsbesitzer leben. So wie die Supermärkte, Bäckereien und Restaurants.

Eine Woche später, Mitte Juli. In Pollença haben nun fast alle Restaurants und Geschäfte geöffnet. Nur die Hotels haben überwiegend noch geschlossen. Ein Ort wie Pollença, der vom Individual-Tourismus lebt, scheint schneller auf die Beine zu kommen als das benachbarbarte Port de Pollença oder Alcudia oder Ca’n Picafort. Dort stehen die großen Hotels – und die sind überwiegend zu. Ca’n Picafort mit dem langen weißen Sandstrand ist ausgestorben wie eine Geisterstadt. Wer auf den Individualtourismus gesetzt hat als Kommune, hats gut. Pauschaltourismus – ob All-Inclusive-Hotels oder Rennradfahrer – ist out. Die Gründe sind vielschichtig.

Es ist Abend geworden über Pollença. Ein paar Schritte von der Plaça Mayor und dem Club Soçial befindet sich der neue Marktplatz. Aber da der architektonisch eher misslungen ist, verirren sich nur selten Touristen auf die mit einer Betonplatte bedeckte Tiefgarage ist. Es ist die Gegend der

Einheimischen, der kleinen Hausgeräteshops und unscheinbaren Bars. Eine vierköpfige Band spielt an diesem Abend kubanische Gassenhauer, ein paar Anwohner haben sich auf die Betonbänke gesetzt und hören den fetzigen Songs zu. Die Musiker verstehen ihr Geschäft, vermutlich gehören sie zu denen, die im Sommer in Palmas Bars auftraten. Sie sind gut. Jetzt hat einer den Instrumentenkoffer für ein paar Münzen geöffnet, doch es ist keineswegs Not, die sie treibt. Eher der Spaß. Doch spätestens als sie „Guntanamera. Guajira Guantanamera“ schmettern, fällt mir ein, dass exakt diese Worte, die aus Kuba stammen, einst als Synonym für „schlechte Nachrichten“ standen, als der Refrain jahrelang in Castros Cuba als Einleitung einer Radiosendung genau dies symbolisierte. Doch das stört weder die Musiker noch den eineinhalbjährigen Zuhörer, der sich ihnen auf wackligen Beinen nähert. Der Abend unter dem freien Himmel gilt der Schönheit. Und nichts anderem.

Denn eines ist immer noch wahr: Die Insel ist schön wie eh und je. Auch unter der Maske. Und ohne Ballermann.

PS: Ab nächster Woche berichte ich aus Irland.

Soeben erschienen. Mit drei Geschichten über Pollença, den Club und Kap Formentor:


Worum gehts? Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen. „Ein Pageturner.“  Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt) „Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“.  Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.) „Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur, sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“ Magdalena (segelte auf dem See.) „Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“  Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte. Und was ich drüber denke?  Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts.


Unterwegs nach Mallorca im Juli. Am Airport.

Es ist beeindruckend und erschreckend, den Zusammenbruch einer ganzen Branche hautnah zu erleben.

Samstag Nachmittag, München Airport, Terminal 2, auf dem Weg nach Mallorca: Eine Halle voller LUFTHANSA-Abfertigungsschalter. Aber von den 30, 40 Schaltern, an denen vor einem Jahr eingecheckt, abgefertigt, Gepäck aufgegeben wurden, ist nur einer geöffnet. Keine Fluggäste. Kein Personal. Jetzt, Anfang Juli? An einem Samstag Nachmittag um 14 Uhr? Vor einem Jahr hätte hier schon morgens um acht Gedränge geherrscht um diese Zeit. Jetzt heben von Mittag bis Mitternacht gerade mal zwei Dutzend Flieger ab. Alle vom Terminal 2, für Terminal 1 zeigt die Anzeige im Zentralbereich nichts an. Terminal 1 scheint stillgelegt.

„Seit 14 Tagen geht es wieder aufwärts“, meint der Apotheker im Terminal 2, in dessen Laden ich plötzlich stehe. Er ist nicht verzweifelt. Er meint, was er sagt. Auch wenn die Apotheke einer der wenigen Läden im Terminal ist, die geöffnet haben. Wie bitte? Eine einsame Kundin vor mir kauft ein 10er Pack Masken. Die übrigen Geschäfte sind dunkel, mit Absperrbändern abgeklebt. Stillstand. „Seit 14 Tagen spüren wir, es geht aufwärts“, beharrt der Apotheker auf meine Frage, wie er das letzte Vierteljahr wirtschaftlich durchgestanden habe. So recht mag er nicht drüber reden. Aber ein Geheimnis ist es auch nicht. Was kann ein Ladeninhaber schon tun, der seinen Shop an einer der belebtesten Straßen einer Großstadt eröffnete, wenn er plötzlich feststellt: Nicht nur die Straße, sondern die ganze Großstadt ist weg. Er hat ja nur drei Möglichkeiten: Mit dem Vermieter über die Miete reden. Seinen Warenbestand klein halten, nur noch das Notwendigste einkaufen. Möglichst viel selber im Laden stehen, weil er sich kein Personal mehr leisten kann.

Und da erscheinen dann plötzlich die Folgen der Krise der letzten Monate vor meinem inneren Auge. Wie eine lange Kette der fallenden Dominosteine, die an einem Ort wie diesen ihren Anfang nimmt, ausgelöst von einem – oder mehreren – strauchelnden Luftfahrtriesen, scheinbar weit entfernt von meinem Leben. Wie die Reihe der fallenden Dominosteine einen nach dem anderen der nachfolgenden Stein umwirft und Steinchen um Steinchen fällt, bis die Kette irgendwann in meinem Dorf angekommen ist und quer durch mein Wohnzimmer läuft.

Mit dem Vermieter über die Miete reden? Wie reagiert eine Flughafenbetreibergesellschaft, wenn plötzlich nicht nur mehr ADIDAS nicht zahlt, sondern keiner der Mieter? Wenn die Umsätze wegbrechen? Und wie eine Stadt, wenn sie weniger Einnahmen hat, weil der Flughafenbetreiber keine Gewerbesteuern mehr bezahlt?

Den Warenbestand klein halten? Vernünftig. Wie reagieren Hersteller und Lieferanten, wenn Shops wie diese Apotheke von einem Tag auf den anderen nur noch OP-Masken einkaufen? Sie werden nur noch das notwendigste einkaufen und Personal abbauen.

Selber im Laden stehen? Gute Idee. Aber was tun die 7 Mitarbeiterinnen, die bisher die Apotheke rund um die Uhr am Laufen hielten? Und die 30 Köche und Servicekräfte aus der Gastronomie gegenüber? Auch weniger einkaufen.

„Die Lufthansa-Leute gehen davon aus, es wird 3-4 Jahre dauern, bis hier am Airport wieder die Kundenzahlen von 2019 erreicht werden.“ Der Apotheker ist nicht verzweifelt, als er das sagt. Er strahlt die Gewissheit aus, dass er sein Geschäft durchbringen wird. Obs die Sommerferien richten, die in Bayern in drei Wochen beginnen? „Das wird maximal 20%, 23% eines üblichen August erreichen“, erwartet der Apotheker. Auch ich bin nicht panisch. Mir ist nur an diesem Samstag Nachmittag klar, dass sich unsere Welt verändern wird. Und ganz sicher in vier Jahren nicht mehr dieselbe sein wird, in der wir 2019 lebten.

Alles ist offen – jedenfalls was die Zukunft angeht, und weniger die Grenzen. Später, beim Einchecken, herrscht Chaos. Nach Palma de Mallorca fliegen an diesem Samstag Nachmittag zwei Maschinen. Sie sind gut besetzt. Die meisten Passagiere haben mitbekommen, dass die spanische Regierung bei der Einreise eine Art Gesundheits-Erklärung jedes Reisenden fordert, um mögliche Infektionsketten sofort verfolgen zu können.. Es gibt eine „Spain Travel Health“, die SPTH-App, die einen Barcode erzeugt. Die meisten der Passagiere an diesem Nachmittag haben den Barcode, fallen dann aber doch aus allen Wolken, als die EUROWINGS-Mitarbeiter kopierte Zettel verteilen, die ausgefüllt werden müssen. Zusätzlich. Nein Barcode reicht nicht. Jeder muss einen Zettel haben und in Palma dort abgeben, wo bei der Einreise die Körpertemperatur gemessen wird.

Alles etwas chaotisch. Aber nach sieben Stunden ununterbrochen Maske tragen nehme ich dann doch vor dem Flughafengebäude von Palma zum ersten Mal die Maske ab. Ich hätte das doch vorher trainieren sollen zuhause, 7, 8 Stunden daheim. Wir hätten trainieren sollen, was der Purser beim Aussteigen ansagt, dass wir jetzt sitzenbleiben. Und „Reihe für Reihe aussteigen“. Und nicht alle gleichzeitig aufspringen und dichtgedrängt im Flugzeug warten aufs Öffnen der Türen, als wäre dies noch die Welt, wie sie 2019 war.

Aber dann stehe ich plötzlich unter dem Abendhimmel über Mallorca. Ich sehe diese unglaublichen Wolken, die alle unbändige Kraft des Meeres in sich eingefangen haben über der Insel. Und für einen Moment scheint es mir: Als könnte alles unserer Welt nichts anhaben.

Soeben erschienen:


Worum gehts? Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen. „Ein Pageturner.“  Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt) „Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“.  Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.) „Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur, sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“ Magdalena (segelte auf dem See.) „Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“  Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte. Und was ich drüber denke?  Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts.