Archiv der Kategorie: Atanga

Zurück nach Panama City

Sa., 05.Mai 2018, Panama/Panama City – La Playita, Tag 1435, 12.486 sm von HH

Wikipedia sagt, dass es ungefähr 300 Tausend Braun-Pelikane geben soll. Ich bin mir sicher, die wohnen alle auf den Las Perlas. Morgens kommen sie in endlosen Formationen aus Süden und ziehen Richtung Norden. Jeden Morgen kommen neue Vögel. Hunderte. Ein wunderschönes Schauspiel, wie sie in Ketten über das Wasser gleiten oder ein sauberes V-Format bilden.
Abends kommt allerdings kein einziger Vogel zurück. Sie verschwinden alle im Norden, im Nichts (ich muss dann immer sofort an den Titti-Twister-Abhang aus ‚From Dusk till Dawn‘ denken).
Wir verlassen morgens um 7:00 Uhr Contadora und werden noch lange von den Pelikanen begleitet.

Endlose Pelikan-Schlangen ziehen in den Norden

Endlose Pelikan-Schlangen ziehen in den Norden

faszinierende Formationen bilden

faszinierende Formationen bilden

Wie fast jeden Tag ist es windstill in der großen Bucht von Panama. Wir müssen die 37 Meilen motoren. Achim versucht sein Angler-Glück und ‚bingo‘, nach zwei Stunden ein Biss. Eine Makrele. Ich möchte mehr Fisch und bekomme ihn – nur fünfzehn Minuten später beißt die zweite Makrele.
Eine geht noch, entscheiden wir. Ich möchte testen, wie gut man Fisch einkochen kann.
Der nächste Fang lässt einige Zeit auf sich warten, entpuppt sich dann aber als prächtiger Thunfisch. Na, endlich mal wieder ‚Petri heil‘.

So viel Angler-Glück wird auf dem Fuß bestraft. Während Neptun sein Füllhorn an Fisch über uns auskehrt, entscheidet der Gott der Skipper: „Ist mal wieder Zeit für ein unbekanntes Problem :lol: „.
Die Pumpe des Wassermachers pumpt, baut allerdings keinen Druck auf. Grrrr. Geht es auch mal einen Tag ohne?

Nach sieben Stunden erreichen wir Panama, grade rechtzeitig vor dem Nachmittagsregen. Wenigstens etwas. Und abends gibt es lecker Fisch.

Thunfisch - oder Bonito - wer weiß es

Thunfisch – oder Bonito – wer weiß es?

Der Beginn von über 2 Kilo Filet

Der Beginn von über 2 Kilo Filet

Si, claro!

Fr., 04.Mai 2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1434, 12.486 sm von HH

Drei Wochen am gleichen Ankerplatz – was machen wir eigentlich den ganzen Tag? Hauptsächlich machen wir uns gegenseitig verrückt.

„Bist du soweit?“ „Si, claro!“ Das hat Achim aus Kolumbien mitgebracht. Die Standardantwort der Kolumbianer ist nun auch seine. „Gleich gibt’s Regen.“ „Si, claro!“
„Kommst du mit schwimmen?“ „Si, claro!“
Es ist nicht zum Aushalten. Nebenbei übt er neue Stücke auf der Gitarre. ‚Nothing else matters‘ mochte ich auch schon mal lieber. Oder er wühlt das Internet nach DSGVO-Fallen durch und verdirbt mir die Bloggerei: „Die Kommentarfunktion muss weg. Facebook-Button, so nicht mehr erlaubt. Youtube-Filme hochladen, sehr bedenklich.“ Er macht mich verrückt mit seiner Genauigkeit. Wo ist die, wenn es ums Aufräumen geht?

Kirk Hammett ;-)

Kirk Hammett

Aber ich kann auch nerven. Ich schneide grade einen neuen Film. Das ist für einen unbeteiligten Zuhörer kein Vergnügen. Die gleiche Stelle läuft unendlich oft durch: „Ich geh voran, weil Maya sowieso die Kamera umrennt“, kann ich nach kurzer Zeit selber nicht mehr hören. Die unterlegte Musik kommt uns beiden zu den Ohren raus. Achim rächt sich, geht nach hinten und quält mich mit ‚Metallica‘.

Ein großer Teil des Tages geht mit dem Sex älterer Ankerlieger drauf: dem Essen!
Das Thema wird von Tag zu Tag schwieriger. Einen richtigen Supermarkt habe ich zuletzt vor vier Wochen gesehen. Unsere frischen Sachen sind längst verbraucht. Ich bin vorbereitet und habe Fleisch eingekocht und Gurken eingemacht. Verhungern müssen wir nicht. Was frisch Gekochtes ist trotzdem etwas anderes.
Selbstgezogene Sprossen aus Mungbohnen werden misstrauisch beäugt: „Bäh, die mag ich nicht.“ Die Zucht gelingt, trotz einiger Sabotage-Akte, die ich beobachten konnte. In einer leckeren China-Pfanne finden sie dann doch noch Gnade.

Zuchterfolge - Mungosprossen

Zuchterfolge – Mungosprossen

Die beiden Supermärkte auf der Insel haben wenig: gummiartige Möhren oder Paprika Typ ‚Großmutter‘ – komplett mit Falten übersät. Mal bekommt man eine frische Mango oder ein paar Bananen.
Die Fleischauswahl ist klein. Es gibt Hähnchenschenkel. Oder Hühnchenbrust noch mit Knochen. Die Brust brate ich am ersten Tag als Filet und der Knochen wird nächsten Tag zu einer Hühnerbrühe abgekocht. Dann gibt es Hühnerfrikassee ohne Frikassee. Aber mit Spargel, passend zur Jahreszeit. Beim nächsten Mal gibt es eine Bohnensuppe auf der Brühe-Basis.

Frische-Abteilung im Supermarkt

Frische-Abteilung im Supermarkt

Ich gehe viel schwimmen. Nach dem Quallen-Unfall jetzt nur noch mit Tauchermaske, dann kann ich den Biestern ausweichen. Von den kleinen roten Feuerquallen haben wir nie wieder welche gesehen. Es gibt manchmal weiße Harmlose. Die will ich aber auch nicht testen.
Das Wasser ist herrlich sauber, aber nicht klar. Grünlich schimmert das Plankton, was der kalte Humboldt-Strom in Mengen mit sich bringt.
Es muss unglaublich viel Fisch geben, trotz der Fischerflotte vor der Haustür. Delphine ziehen vorbei, wir sehen Rochen springen, kleine Fisch-Schwärme stehen unter dem Schiff oder springen über die Wasseroberfläche, um sich vor Jägern zu retten. Unglaubliche Mengen an Seevögeln hauen sich den ganzen Tag den Bauch voll. Ab Juni kommen die Buckelwale aus der Antarktis. Bis zu 6.000 Tiere ziehen an der Küste Ecuadors und Panamas vorbei.

Neben Essen und Vergnügen, gibt es auch Arbeit: alle Mückennetzte über den Luken mussten neu genäht werden. Und Achim schnorchelt fast täglich den Rumpf ab und entfernt angedockte Pocken und Muscheln. Das nährstoffreiche Wasser sorgt für ordentlichen Bewuchs.
Edelstahl will poliert werden und Hausputz fällt auch an.

Bleiben noch die Abende. Ein paar Restaurants und Kneipen gibt es auf Contadora. Da zieht es uns nicht hin. Die Anlandung mit dem Dinghy ist ohne montierte Räder einfach eine Qual. Die ‚Alrisha‘ und ‚Kokopelli‘ sind fort, weitere gesellige Abende fallen somit aus.

Kleines Restaurant auf Contadora - gemütlich wie bei Oma auf der Veranda

Kleines Restaurant auf Contadora – gemütlich wie bei Oma auf der Veranda

Aber an Bord ist trotzdem für Unterhaltung gesorgt: „Der Winter ist da.“
Wir haben sieben Staffeln ‚Game of Thrones‘ auf Festplatte und wissen jetzt endlich, was es mit diesem Winter auf sich hat, der da naht. Wir wissen Bescheid über Westeros und die Lennisters.
Gierig ziehen wir uns die Staffeln rein. „Noch eine Folge?“, frage ich Achim. „Si, claro!“ :roll:

Langweilig? Nicht eine Minute. Wir könnten es noch gut hier aushalten.
Morgen geht es trotzdem nach Panama City zurück. Wir brauchen neue Batterien. In der jetzigen Situation haben wir einfach zu wenig Strom. Es reicht nicht, um den Wassermacher zu betreiben, grade dass wir ihn spülen können. Still legen möchten wir ihn nicht, also geht es Morgen, früher als geplant, zurück. Und es wartet ein Wäscheberg von vier Wochen auf eine Waschmaschine.

Idylle auf Contadora

Idylle auf Contadora

DSGVO …. mit Kanonen auch auf kleine Spatzen

Di., 03.Mai 2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1433, 12.486 sm von HH

Ja, auch wir sind etwas genervt. Ab 25 Mai müssen die Regeln der DSGVO (Datenschutz Grundverordnung) umgesetzt sein. Das gilt nicht nur für die großen Internetversandhäuser, sondern auch für uns kleine Blogger.

Im Rahmen der Umstellung unserer Seite (u.a. von http auf https (ssl)) wird es möglicherweise ein paar kleine Stolpersteine geben, die dazu führen, dass euer Browser euch auf unsicheren Inhalt hinweist. Keine Bange, nichts hat sich geändert, aber die Browser reagieren auf vermeintlich unsicheren Inhalt bei https:// Seiten sehr empfindlich.

Wir hoffen aber, dass wir das Projekt schnell abschließen werden, sofern uns das Hotel, dessen Internet wir vom Schiff anzapfen, nicht den Hahn abdreht.

Gruss,

Euer Admin

Umzug vom Anker an die Mooring

Di., 01.Mai 2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1431, 12.486 sm von HH

An unserem Anker zu hängen von dem wir nicht wissen, wie schnell wir ihn hoch bekommen, ist uns zu heikel. Wenn wieder so ein verrückter Fischer durchs Ankerfeld pflügt, sind wir im schlimmsten Fall an der eigenen Kette gefangen.
Ein paar Hundert Meter weiter sind Moorings ausgelegt. Die werden nur am Wochenende von einigen Motoryachten aus Panama City genutzt. Wie es scheint, gibt es genug davon, sodass wir wohl nicht verscheucht werden. Ein Segler hängt schon seit Wochen an einer Mooring ohne Ärger zu bekommen. Also heißt es ‚Anker auf‘, so eine Mooring soll es für uns sein.

Atanga jetzt an der Mooring vor leeren Stränden

Atanga jetzt an der Mooring vor leeren Stränden

Achim hat Glück, wider Erwarten, braucht er den Anker nicht von Hand noch oben pumpen. Die Lichtmaschine liefert bei 1800 Umdrehungen Strom an die kaputten Batterien. Das reicht grade aus, um den Anker langsam elektrisch zu heben. Cool für den Moment.

Ein Besuch von weiteren Inseln ist unter diesen Umständen ausgeschlossen. Sollten die Batterien noch ihre letzten 20 Prozent Ladekapazität verlieren, funktioniert das Lichtmaschinen-Prinzip nicht mehr. Wir würden ungerne probieren wollen, ob der Regler der Lichtmaschine das überlebt.

Wir sind nicht traurig drum. Wenn wir uns die Strände von Contadora so anschauen, besteht kein Erlebnisdruck unbedingt noch weitere Inseln besuchen zu müssen. Menschenleerer als menschenleer geht nicht.
Und näher am Internet liegen wir jetzt auch noch. ;-)

Unser neuer Vorgarten - auch nicht schlecht

Unser neuer Vorgarten – auch nicht schlecht

Doppeltes Batterie-Sterben

Mo., 30.Apr.2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1430, 12.486 sm von HH

Schon seit einigen Tagen schleicht Achim um die Batterie-Spannungs-Anzeige herum. „Warum laden wir so schlecht?“, brummt er in seinen Bart.
Kurz nach Sonnenuntergang zeigt die Spannung nur 12,5 Volt: „Ja, das kann ja jetzt nicht sein!“
Achim hängt die beiden, parallel geschalteten, Batterien unserer Hauptverbraucherbank ab. Jetzt kann er direkt die Spannung an den Batterien messen. Eine zeigt 11,5 Volt. Klinischer Tod einer Batterie. Batterie zwei lebt, zeigt schnell über 12,5 Volt Spannung an und wird wieder ans Netz genommen. Puh! Glück gehabt.
Unsere Hauptverbraucherbank ist jetzt um die Hälfte ihrer Kapazität beraubt. Nicht so schlimm, wenn wir sparsam mit Strom sind, sollte es reichen. Zusätzlich haben wir noch eine separate Verbraucherbatterie mit 180 Ampere-Stunden, die gut arbeitet.

Beim zu Bett gehen, flackert das Licht im Bad, wenn die Wasserpumpe läuft. Kein gutes Zeichen.
Die Ursache ist schnell gefunden: Exitus! Der plötzliche Batterie-Tod hat jetzt auch Nummer Zwei befallen. Wir vermuten noch eine späte Folgeerscheinung vom Blitzeinschlag.

Kaputt nach 2,5 Jahren - unsere Hauptverbraucherbank mit 280 Ampere-Stunden

Kaputt nach 2,5 Jahren – unsere Hauptverbraucherbank mit 280 Ampere-Stunden

 

Jetzt haben wir ein kleines Problem. Nicht nur, weil wir jetzt noch sparsamer mit dem Stromverbrauch sein müssen, sondern in erster Linie, weil die Ankerwinsch nur über die leblose Verbraucherbank läuft. Eine Restspannung von höchstens 20% zieht den Anker keinen Meter.

Wir ankern auf 10 Meter Wassertiefe – bei Flut. Der Anker wiegt 33 Kilo plus Kette von 200 Kilo. Die elektrische Winsch kann auch manuell betrieben werden mit einem Hebel. Im Handbetrieb schafft die Winsch nur zehn Zentimeter pro Hub. Na, das wird ja ein schöner Spaß. Ich bin froh, dass ich bei den Ankermanövern immer (!) am Ruder stehe. Das bietet keinen Spielraum, das System ganz plötzlich doch noch zu ändern. :mrgreen:
Die letzten Meter werden die schwersten sein, wenn der Anker schon schwebt und noch zehn Meter Kette dran hängen. Kommando ‚Anker auf‘ also schon mal nur bei Ebbe, das spart die ersten vier Meter.

Die Regenzeit ist da

Fr., 27.Apr.2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1426, 12.486 sm von HH

Plötzlich. Ohne Vorankündigung. Es gibt keine Vor-Regenzeit, die mit kleinen Schauern anzeigt, dass die schöne Zeit zu Ende geht. Nein, die Regenzeit kommt mit einem großem ‚Bang‘.
Es regnet mit unglaublicher Gewalt. Brutal und gnadenlos wird seit vier Tagen Hektoliter weise Wasser über uns ausgegossen.

Vom Festland rollen die Walzen bereits am frühen Nachmittag an.
Schon von weitem kann man das Elend erkennen, was auf einen zugedonnert kommt. Innerhalb von fünf Minuten geht die Sicht auf ‚Null‘. Boen peitschen den Regen über das Ankerfeld, ein einheimischer Kahn, kurz vor der Sinkgrenze, pflügt zwischen uns Seglern durch.
Ohne Kettenvorlauf hält der Anker den Dampfer nicht an der Stelle. Gespannt beobachten wir, wie der Anker zügig eingeholt wird. Selber können wir wenig unternehmen, außer die Hand am Zündschlüssel zu halten.

Beeindruckend ist die Regenfront erkennbar

Beeindruckend ist die Regenfront erkennbar

Eine Minute später

Eine Minute später

Zwei Minuten später - das soll für zwei Stunden so anhalten

Zwei Minuten später – das soll für zwei Stunden so anhalten

Jetzt aber hoch mit dem Anker, Männer
Der Kahn pflügt keine fünzig Meter an uns vorbei

 

Nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei. Wir haben mit ‚German Engineering‘ 200 Liter Wasser gefangen. Das freut das Seglerherz. Wir sind sicher, so einen Regen haben wir noch nicht erlebt.
Und wir haben eine neue Baustelle: Die Deckenluke im Salon ist undicht. Ist denn niemals Ruhe auf einem Schiff? Ich hoffe noch auf Selbstheilung. Vielleicht hat sich die Dichtung durch drei Monate Dauer-Trockenheit nur zusammengezogen? Achim ist nicht so optimistisch: „Da muss ich ran, wenn wir in Ecuador sind. Bei Regen kann ich nicht viel machen.“
Sehe ich ein, wir behelfen uns mit einer Regenabdeckung.

War was?

War was?

Wir hoffen, dass sich das Wetter noch einmal beruhigt. Wir wollen hier noch nicht weg. Contadora gefällt uns. Seit ein paar Tagen kennen wir auch das Passwort vom Hotel-Internet.
Das schont die teure lokale SIM-Karte.
Das Passwort zu bekommen,war nicht so einfach, denn die sind trickreich auf Contadora. Wenn man einen Kaffee im Hotel-Restaurant trinkt, gibt es keinen Passwort-Zettel, wie üblich, sondern die Bedienung tippt das Passwort selber in das eigene Handy.
Fies, hoffentlich spricht sich das nicht rum. ;-)

Außerdem gilt noch einsame, unbewohnte Inseln zu entdecken. Vier Wochen dürfen wir noch in Panama bleiben. Ja, müssen wir bleiben, sonst geht sich unser geplanter Aufenthalt in Ecuador nicht auf.
Also, lieber Regengott, halte dich bitte etwas zurück. Die Tanks sind voll.

Erste Bekanntschaft mit dem Pazifik

Mo., 23.Apr.2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1422, 12.486 sm von HH

„Ich geh‘ baden“, höre ich Achim von der Badeplattform rufen.
„Warte, ich komm‘ mit.“ Schnell bin ich im Cockpit, die paar Klamotten sind flink vom Leib gerissen. Meine Brille lege ich ordentlich auf den Cockpittisch. Achim steht noch immer auf der Badeplattform und versperrt den Hauptausgang. Was trödelt er denn da rum?
„Wer zuerst im Wasser ist“, denke ich und entscheide mich für einen Sprung vom Seitenschiff.
Ohne Brille sieht das Wasser verlockend wie immer aus.

Noch im Flug, mich der Wasseroberfläche nähernd, sehe ich sie dann auch. Zum Stoppen ist es zu spät, zum Durchstarten fehlen mir die Flügel. Ich lande in einer Armee von Quallen. Die Erkenntnis und der Schmerz kommen gleichzeitig. Schnell rette ich mich zur Badeleiter. Bloß raus aus dem Wasser. Achim ist mein Held: „Du, da sind viele Quallen im Wasser. Ich wollte dich grade warnen, da platscht es auch schon hinter mir. Ich bin mir nicht sicher, ob sie brennen“, kichert er.

„Es brennt wie Feuer, du Stinkfisch“, mache ich ihn schlau.
Mich hat es an beiden Armen und einem Bein erwischt. Dreißig Zentimeter lange Tentakeln kleben mir quer über die Brust. Schnell ziehe ich die Tentakeln ab und weg damit. Es brennt mehr.
Achim ist nun doch noch nett, rennt und holt Rasierschaum. Ich hatte mal gelesen, dass in Australien erste Hilfe Kästen am Strand mit Rasierschaum bestückt sein sollen. Fällt mir grad rechtzeitig ein, während ich in Flammen stehe. Bloß kein Süßwasser, erinnern wir uns beide. Essig soll auch gehen.
Mir hilft der Rasierschaum. Das Brennen lässt schnell nach.
Fassungslos starre ich ins Wasser, alle Quallen sind verschwunden. Ich bin wahrscheinlich in das einzige Nest im Umkreis von 100 Meilen gesprungen. Danke dafür, Gevatter Pazifik, wäre nicht nötig gewesen.

Contadora – der Osten

So., 22.Apr.2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1421, 12.486 sm von HH

Der Osten der kleinen Contadora – grad 3 Kilometer lang – fällt durch eine Anreihung von Fehlinvestitionen auf. An menschenleeren Stränden steht ein verlassener Hotelkomplex neben dem anderen. Große Anlagen sind dem Verfall preisgegeben.
In amerikanischen Urlaubskatalogen war Contadora als Traumurlaubsziel gelistet. Scheinbar war das nicht attraktiv genug. Eine gestrandete Fähre am Strand davor rundet das Bild der ‚Verlorenen Insel‘ ab.

Schöne Strände für uns allein

Schöne Strände für uns allein

 

Alle Hotels und Häuser stehen leer
und verfallen
Noch mehr Ruinen - eine alte Steganlage, deren Zweck nicht ersichtlich ist

Am Strand liegt ein Wrack - komplett aus Aluminium

Am Strand liegt ein Wrack – komplett aus Aluminium

Man kann rauf klettern und hat Wracktauchen ohne Gerödel

Man kann rauf klettern und hat Wracktauchen ohne Gerödel

Die Strände sind aus Puderzucker, die Felsen sind durch gefaltetes Vulkangestein in den verrücktesten Farben ungemein attraktiv. Lange Sandstrände werden durch kleine Buchten abgelöst. Viel besser kann man sich eine Insel nicht ausdenken.

Steinküste in türkis

Steinküste in türkis

Ein gemütlicher Ankerplatz. Die Grillen zirpen so laut, dass wir sie noch auf dem Schiff hören können. Andere Segler kommen und gehen, mehr als fünf Schiffe gleichzeitig sind kaum anwesend.
Nur ein Segler scheint schon mit der Insel verwachsen. An Land hat er sich seinen Thron gebaut.
Tag für Tag bastelt der Eigenbrötler an seinem Werk.

König von Takatuka Land

König von Takatuka Land

Uns Seglern wird das Leben schwer gemacht auf Contadora. Die Ebbe legt einen steilen Sandstrand frei. Ein Dinghy Dock existiert nicht, wer an Land will, muss sein Dinghy schleppen. Viele Meter schleppen. Eine schweißtreibende Angelegenheit. In Zukunft geht es nur noch bei Flut an Land.
Unser neues Dinghy wiegt mit Außenborder und vollem Benzintank über 60 Kilo. Die Räder für den bequemen Landgang fehlen noch. Die Reifen vom alten Dinghy passen bauart bedingt nicht an unser Caribe. Mist. Darüber hat vorher keiner nachgedacht.
Wenn wir wieder in der Zivilisation sind, muss eine Lösung her.

Keine Schildkrötenspur, sondern die Schleifspur unseres Dinghys

Keine Schildkrötenspur, sondern die Schleifspur unseres Dinghys

Blauwasser.de

Do., 19.Apr.2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1418, 12.486 sm von HH

Soenke Roever, Weltumsegler und dreifacher Buchautor, hält regelmäßig Seminare auf Messen und präsentiert erfolgreich seine Bilder-Show ‚1200 Tage Samstag‘ der eigenen Langfahrt.
Vor ein paar Jahren hat Sönke die Internet-Plattform Blauwasser.de ins Leben gerufen.
Verschiedene Autoren und er selber berichten über alles, was den Blauwassersegler interessiert: Technik, Alltag an Bord, Kommunikation und Ausrüstung.

Für mich bot sich jetzt die Möglichkeit einen Gastartikel auf Blauwasser.de zu schreiben.
Tipps für das Arbeiten auf Langfahrt.

Viel Spaß beim Lesen.

Contadora

Mo., 16.Apr.2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1416, 12.486 sm von HH

Contadora – genau meine Insel. Contadora heißt Buchhalterin und die Insel erhielt ihren Namen wegen der zahlreichen Verstecke, die sie für Raubgut von Piraten bot.
Bereits 1513 entdeckten die Spanier die vorgelagerten Inseln im Golf von Panama. Indios tauchten hier erfolgreich nach Perlen. Die Spanier rotteten in kurzen Kämpfen die gesamten Ureinwohner aus und besiedelten die ‚Las Perlas‘ – ‚Die Perlen‘ mit Sklaven, die fortan zum Tauchen nach den Perlen eingesetzt wurden.
Zunehmend diente die Inselgruppe auch Piraten und Freibeutern als Unterschlupf.

Die wohl berühmteste Perle der Welt ‚La Peregrina‘ stammt von hier. Sie war zunächst 15 Hundert Krug in Besitz der spanischen Krone, wurde Königin Maria I von England zur Hochzeit geschenkt und 1969 schließlich von Richard Burton für 37.000 USD ersteigert, der sie Liz Taylor zum Valentinstag schenkte.
Frau Taylor verlor die Perle als sie aus Freude über das Geschenk (wie Gollum am Schicksalsberg) durchs Wohnzimmer tanzte. Während sie noch vorsichtig den Teppich abtastete, kaute bereits einer ihrer Hunde darauf herum. Sie konnte die Perle retten und 2011 für 10,5 Millionen USD verkaufen. Ob der Hund überlebt hat, ist nicht überliefert. Der Sklave, der einst die Perle fand, soll seine Freiheit geschenkt bekommen haben.

Heute ist Contadora das Epizentrum des Tourismus auf den Las Perlas. Hier geht es trotzdem beschaulich zu. Am Wochenende kommen einige Boote aus Panama City. Private große Motoryachten und ein paar Ausflugs-Katamarane.
Sonntags ab 17:00 Uhr kehrt Ruhe ein, zurück bleiben ein paar Hotelgäste und eine Handvoll Segler.

"Überfüllte" Strände am Wochenende, wochentags ist es dann wirklich menschenleer

„Überfüllte“ Strände am Wochenende, wochentags ist es dann wirklich menschenleer

Die gepflegten Apartmenthäuser, Privatvillen und Hotels sehen zum größten Teil unbewohnt aus. Alles ist gut in Schuss, kein Müll liegt herum, nur ein paar Golf Carts knattern um die Insel. Keine 300 Einwohner hat Contadora. Zum Ende der Trockenzeit tragen die Bäume fast kein Laub mehr, eine herbstliche Stimmung herrscht im Inselinneren.
Die zwei Supermärkte haben weniger zu bieten als die kleinen Minimärkte auf den Antillen. Frisches Obst oder Gemüse sind Fehlanzeige. „Am Dienstag gibt es wieder Fleisch“, bekomme ich zu wissen.
Na, noch ist unser Gemüse-Netz halbvoll, der Hungertod noch abgewehrt.

Gediegen Urlaub machen auf Contadora

Gediegen Urlaub machen auf Contadora – nur die Gäste fehlen

Herbststimmung zum Ende der Trockenzeit

Herbststimmung zum Ende der Trockenzeit

Kirche und Schule in einem Gebäude für knapp 300 Einwohner

Kirche und Schule in einem Gebäude für knapp 300 Einwohner

Die Las Perlas unterscheiden sich komplett von den San Blas Inseln auf der karibischen Seite von Panama. Dort sind es nur palmenbewachsene, flache Sandhaufen, hier gibt es Steinküste, die sich mit malerischen Sandbuchten abwechselt. Bis 200 Meter erheben sich die Las Perlas und geben einen schönen Blick auf die nächsten Inseln frei.

Schon der Blick zur nächsten Insel

Schon der Blick zur nächsten Insel

Weiterfahrt auf die Las Perlas

Fr., 13.Apr.2018, Las Perlas/Cortadora, Tag 1413, 12.486 sm von HH

Die drei Meilen zum Ankerplatz ‚La Playita‘ noch am Kanaleingang sind schnell abgearbeitet. Die neuen Instrumente sind gewöhnungsbedürftig. Das Auge muss die richtige Stelle für Wassertiefe und Geschwindigkeit noch suchen. Da fällt mein Blick auf die Anzeige „22,3“. Was ist das denn für ein Wert? Ach du heiliger Strohsack, das kann doch unmöglich sein! Es ist die Wassertemperatur!
Wir können es nicht glauben und schicken den Tauchcomputer mit integriertem Thermometer auf Tauchstation. Er kommt mit dem gleichen Ergebnis an die Oberfläche.
Selbst wenn das Wasser am Ankerplatz sauber wäre, hiermit haben sich dann sämtliche Badefreuden erledigt. In der Shelter Bay und im Gatun See hatten wir noch brave 28 Grad.

Für das Wohnklima ist der große Eisschrank in dem wir schwimmen von Vorteil. Der Holzboden ist kühl, nachts fällt die Temperatur im Schiff auf 22 Grad. Achim braucht tatsächlich eine Decke.
Nach 48 Stunden ist sogar das Wasser in unseren Wassertanks deutlich kühler.

Am Ankerplatz treffen wir die ‚Alrisha‘ (unsere Not-Kühlschrank-Verleiher) wieder, die hier seit zwei Monaten krankheitsbedingt gefangen sind. Kein sehr schöner Platz für so einen langen Aufenthalt. Sie sind so nett und nehmen uns mit an Land. Gemeinsam gehen wir Pizza essen, dann trennen sich schon wieder unsere Wege.

Am Freitag entscheiden wir, nicht länger auf Wind zu warten. Die große Bucht von Panama City gilt als windarmes Loch. Da kann man warten bis man schwarz wird. Wir möchten jetzt endlich schöne Strände und klares Wasser.
Und es kommt, wie erwartet, wir müssen die 37 Meilen bis zu den Las Perlas motoren.

Unterwegs glauben wir schon wieder an eine Fehlfunktion der Instrumente. Nach nur wenigen Meilen Fahrt steigt die Wassertemperatur auf die tropen-normalen 28 Grad.
Wo kommt an der Küste nur dieses kalte Wasser her? Die einzige Erklärung, die wir haben, klingt unglaubwürdig: Ein schmaler Arm, sehr schmal, vom kalten Humboldtstrom muss von Ecuador direkt an der Küste bis nach Panama kriechen. Kalte Quellen wird es wohl kaum geben.

Kurz vor Erreichen der Inseln müssen wir uns im Zick-Zack einen Weg durch eine Flotte an Fischern bahnen. Mehr als fünfzig Boote können wir zählen. Fiese Meeresboden zerstörende Schleppnetzte grasen jeden Millimeter vom Grund ab.
Pelikane, Tölpel und Fregattvögel kämpfen ebenfalls um einen guten Brocken. Sogar eine große Schule Delphine ist dabei. Willkommen im fischreichen Pazifik. Wir hatten natürlich keinen an der Angel.

Fischer-Flotte vor den Las Perlas Islands

Fischer-Flotte vor den Las Perlas Islands

mit brutalen Schleppnetzen

mit brutalen Schleppnetzen

Dann fällt der Anker auf neun Meter. Nach drei Jahren haben wir das erste Mal wieder mit nennenswerter Tide zu tun. Bis zu sechs Meter beträgt der Unterschied, im Mittel sind es drei bis vier. Wer bei Hochwasser auf fünf Meter ankert, der sitzt auf. In La Playitas trafen wir Franzosen beschäftigt mit der Beseitigung des Schadens nach so einem Fehler.

Auf der anderen Seite

Mo., 09.Apr.2018, Panama City/Balboa, Tag 1402, 12.404 sm von HH

Jetzt sind wir auf der anderen Seite und wissen nicht, was wir machen sollen. Der Plan sah eine schnelle Weiterreise auf die Las Perlas Inseln vor. Nur knappe 40 sm entfernt, ein Tagestrip. Aber wir haben keinen Wind. Erst am Donnerstag soll es welchen geben.

Ich bin nicht böse drum. Wir liegen im verschrienen Balboa Yacht Club direkt hinter dem Kanalausgang: „der Platz ist schwellig, das Wasser hat schlechte Qualität.“ Stimmt beides. Und trotzdem gefällt es mir. Den ganzen Tag ziehen die großen Pötte dicht an uns vorbei, die durch die Schleusen kommen oder wollen. Lotsenboote und Schlepper düsen geschäftig hin und her und sorgen für den beklagten Schwell. Ich mag das den ganzen Tag beobachten. Nach drei Monaten Shelter Bay Marina freut sich das Auge über Abwechslung. Ich mochte im Nordostseekanal auch schon immer gerne in Brunsbüttel liegen.

Schlepphilfe vom Tug-Boot, die unglaublich Schwell verbreiten

Schlepphilfe vom Tug-Boot, die unglaublich Schwell verbreiten

Jakobsleitern sind auch nicht mehr das, was sie mal waren

Jakobsleitern sind auch nicht mehr das, was sie mal waren

Mit dem Kanal vor Augen können wir unsere eigene Fahrt stimmungsvoll verdauen. Das braucht einige Zeit. Am Samstag sind die Jungs und ihre Leinen plus Fender vom Wassertaxi abgeholt worden. „Thank you Ma’m, thank you Sir“, artig bedanken sie sich für ein extra Trinkgeld (300 USD beträgt übrigens der vereinbarte Lohn). Nette Jungs.
Wir sind trotzdem froh wieder allein zu sein. So ein Schiff wird zum Hühnerstall mit so vielen Menschen. Platt sinken wir in die Kissen.
Was für ein aufregendes Erlebnis durch dieses Wunderwerk der Technik auf eigenem Kiel zu reisen.
Seit 1914 läuft der Kanal störungsfrei – drei kleine Ausfälle hat es erst in über hundert Jahren Betrieb gegeben.

Wir hängen an der Boje mit Blick auf die ‚Brücke der Amerikas‘, einem Teil der berühmten Panamericana. Das Stück Brücke, das den durchgeschnittenen Kontinent wieder zusammenfügt; Nordamerika und Südamerika wieder zusammenkittet.
Die Panamericana verbindet über 27.000 Kilometer Alaska mit Feuerland. Wenn ich den Verkehr auf der Brücke so betrachte, fahren morgens mehr Leute nach Alaska. Die meisten kommen bereits abends wieder zurück.

Ein Stück Heimat kommt vorbei

Ein Stück Heimat kommt vorbei

 

Brücke der Amerikas - großartig

Brücke der Amerikas – großartig

Ein toller Liegeplatz, der in jeder Hinsicht nach der großen weiten Welt riecht.

Er hat nur einen Haken: er ist schweineteuer. Ankern ist verboten und die Bojen kosten schlappe 35 USD am Tag. Dafür gibt es gutes Internet und ein kostenloses Wassertaxi, was uns 24 Stunden am Tag an Land bringt.

Gleich um die Ecke gibt es zwei Ankerbuchten, die kosten nix. Die haben mehrere Haken: wir müssten das Dinghy zu Wasser lassen (okay, machbar, aber für zwei Tage sind wir nicht motiviert), das Dinghy Dock kostet 55 USD Miete in der Woche und ist nicht für einzelne Tage buchbar. Somit spart nur, wer nicht an Land geht. Ist doch verhext.
Und der Blick auf die Brücke ist weg. Dafür gäbe es allerdings einen Blick auf die sagenhafte Skyline von Panama Stadt. Wir wissen nicht, wozu wir uns durchringen sollen. eiern den ganzen Tag herum und dann fällt die Entscheidung: Morgen geht es um die Ecke zu den kostenlosen Ankerplätzen und falls Wind sein sollte, starten wir einfach zu den Perleninseln durch. :-)

Panama Stadt - Weltstadt

Panama Stadt – Weltstadt