Archiv der Kategorie: Atanga

Danke!

So., 06.Jan.19, Chile/Osterinsel/Hanga Roa, Tag 1680, 15.744 sm von HH Mit dem halb reparierten Außenborder kommen wir jetzt ganz gut zurecht und das bringt ein wenig Ruhe in den Laden. Ruhe und Muße im Internet-Café zu sitzen und Eure ganzen Kommentare, Mails und Gästebucheinträge zu lesen. Vielen Dank, dass Ihr unsere Überfahrt so mitfühlend verfolgt habt. Ihr habt die Klickzahlen zum Explodieren gebracht. Wow! Vielen Dank für jeden einzelnen Eintrag und jede Anmerkung. Es freut mich riesig zu lesen, dass ich Euch den Morgenkaffee versüßen kann. Gerne würde ich auf jeden Kommentar einzeln antworten, aber aufgrund der Fülle an Post und dazu das schwache Internet: das schaffe ich leider nicht. Daher hier ein kollektives fettes Dankeschön an Euch alle. Wir haben das erste Mal seit tausend Monden kein Internet an Bord. Daran muss man sich auch erst mal gewöhnen. Blogeinträge mit Bildern muss ich jetzt an Bord vorbereiten und kann sie erst an Land veröffentlichen. Im Schneckentempo laden Fotos hoch, genau das richtige für meinen Geduldsfaden. Und es gibt auch nicht jeden Tag Internet… oder nicht fürs Handy… oder, oder, oder. Leider funktioniert es mit dem bloggen per Funk auch nicht mehr so richtig gut. Bereits die letzten Tage auf See hatte Achim Probleme. Er findet noch einen einzigen Partner zum Verbinden. Und der sitzt in Costa Rica. Viertausend Kilometer entfernt. Wir merken nun doch, dass wir uns am Arm der Heide befinden. Aber es ist wunderschön hier. Die Hibiskus-Blüten sind groß wie Essteller und von Bord aus können wir die ersten Moais sehen. Die drehen uns geheimnisvoll, wie es ihre Art ist, den Rücken zu. Berichte und Bilder folgen. Versprochen. P.S. Ein paar Bilder von der Überfahrt habe ich zwei Berichte weiter unten eingefügt.
Moai von hinten
Moai von hinten
Hibiskus – groß wie eine Diskus-Scheibe

Vergaser Versager

Mi. bis Sa., 02.bis 05.Jan.19, Süd-Pazifik, Tag 1676-9, 15.744 sm von HH

Tag1: „Paddel als ob es um dein Leben geht“, schreit Achim mir zu. Ich gebe alles. Aber wir kommen Atanga nicht einen Meter näher. Wir sitzen zusammen in unserem Dinghy und benutzen die Riemen als Stechpaddel. Zwanzig Knoten Wind fegen über uns hinweg. Das Mutterschiff ist unerreichbar. Es sind nur lächerliche fünfundzwanzig Meter, aber wir stehen auf der Stelle. „Ich schwimme hin, kletter an Bord und werf dir eine Leine zu“, schlage ich zwischen zwei Stößen vor. „Keine gute Idee, die Badeleiter ist oben, du kommst nicht an Bord.“ Hinter uns kommt nur Wasser. Nächster Stopp Pitcairn, tausend Meilen entfernt. Es würde uns schon jemand finden, überlege ich so, während mir die Kraft ausgeht. Wir haben die Hand-Funke dabei und draußen fahren immer ein paar Fischer entlang. Da naht Hilfe herbei. Scottsman von der ‚Cool Change‘ ***hat uns gesehen. Es geht doch nichts über die Segler-Gemeinschaft. Einer passt immer auf.

Drei Minuten später sind wir sicher an Bord. Ich habe die Nase gestrichen voll. Der Tag fing schon bescheiden an. Am zweiten Morgen nach unserer Ankunft wollen wir etwas anderes als Wasser sehen. Ein ausgedehnter Landgang ist nicht geplant, wir wollen dem Anker noch etwas mehr Zeit geben, sich festzusetzen. Aber ein Blick in den ‚Hafen‘, den wollen wir uns gönnen.
Das Dinghy dümpelt im Wasser, der Motor ist montiert, ein Probelauf ist gemacht. Ich sitze erwartungsvoll vorne im Bug vom Dinghy. Der Motor stirbt, noch bevor ich die Leine losgetüttelt habe. „Klingt abgesoffen“, findet Achim. Alle Versuche den Motor erneut zu starten, schlagen fehl.

Er baut den Vergaser aus, reinigt, pustet und guckt wissenschaftlich. Eine halbe Stunde später höre ich den Motor brummen. „Kommst du?“ Schnell springe ich ins Dinghy. „Ich bleibe erst mal in der Nähe von Atanga.“ „Gute Idee, Skipper.“ Der Motor stirbt. „Klingt abgesoffen!“ Jedes Mal, wenn Achim etwas Gas zurück nimmt, füllt sich der Vergaser mit Sprit und säuft ab. Wir treiben direkt auf Atanga zu. Achim gibt mit den Riemen nur ein wenig Stützruder.

Das Cockpit wird erneut zur Werkstatt. Der Vergaser bekommt aus dem Reparatur-Kid eine neue Nadel und einen neuen Schwimmer.

Skipper gibt alles
Skipper gibt alles

Der Motor schnurrt wie ein Kätzchen. „Komm, wir versuchen es noch einmal“, fordert Achim mich auf. Nach ein paar gut funktionierenden Sicherheits-Schleifen um Atanga verrecken wir auf halber Strecke zum Hafen. „Klingt abgesoffen.“ Na, den Spruch kenne ich nun bereits. Achim beginnt zu rudern, aber das kann man bei unserem Schlauchboot und Wind komplett vergessen. Damit schaffen wir kaum einen Meter vorwärts. Die Stechpaddel-Methode kommt zum ersten Mal zum Einsatz. Mit Ach und Krach schaffen wir es, nicht vertrieben zu werden und erreichen Atanga.

Erneut liegt der Vergaser auf den OP-Tisch. Sogar ich werde zu Rate gezogen, ob ich an dem Ventil, dass von der neuen Nadel geschlossen wird, etwas erkennen kann. Nö, sieht gut aus. Beide schauen wir wissenschaftlich in das Gerät. Achim pustet, fummelt, probiert und baut den Vergaser erneut ein. „Jetzt aber“, freut sich der Skipper. Im Standgas läuft der Außenborder eine Viertelstunde neben dem Schiff. Achim dreht etliche Ehrenrunden, dann versuchen wir es noch einmal gemeinsam. Und, oh Wunder, wir kommen bis zu Hafen. Ein kurzer Blick und Orientierung, wie das hier wohl laufen mag und ein Schwätzchen mit unseren schwedischen Nachbarn. Der Außenborder springt danach problemlos an und wir düsen zum Schiff zurück. Hundert Meter davor säuft der Motor ab. Wir stechpaddeln bis Scottsman zur Hilfe eilt.

Tag2: „Mir reicht es“, lässt Achim mich wissen, „ich tausche jetzt noch alle Membranen und Dichtungen, die sich im Reparatur-Set befinden.“ Gesagt, getan und von Erfolg gekrönt. Achim düst durchs Ankerfeld, mit viel Gas, mit wenig Gas, alles super. Kurz bevor er stolz die ‚Cool Change‘ erreicht, ist der Ofen wieder aus. Allgemeine männliche Ratlosigkeit. Achims Diagnose lautet: die ‚Schwimmernadel‘ schließt nicht hundertprozentig das Ventil. Allerdings nur unter bestimmten Umständen, die noch im Dunkeln liegen.

Scottsman bringt Achim zu Martha. Martha ist eine junge Einheimische, die auf ihrem Segelboot wohnt und mit Touristen Sundowner-Segel-Touren unternimmt. Sie kennt zwei Mechaniker, die sie sofort anruft. Der eine lässt uns wissen, er habe keine Zeit, der andere ist gar nicht auf der Insel und wird erst am 11. Januar zurück erwartet. Wir sind ratlos. Mit unserem Dinghy können wir nicht an Land.
Scottsman fährt uns nachmittags mit seinem Dinghy. Wir sollen uns noch einmal bei der Armada (Marine) melden, wurde uns beim Einklarieren erklärt. Und einkaufen würden wir auch ganz gerne etwas. Bei der Armada läuft es super. Wir erklären, warum wir nicht bereits gestern vorbei gekommen sind. Da macht Señor Gomez ein wichtiges Gesicht. Drei Telefonate später strahlt er und erklärt er uns, dass Morgen Nachmittag im Hafen ein Mechaniker auf uns warten würde. Und, dass wir nun zwei Monate (statt nur 30 Tage) auf der Osterinsel bleiben dürfen. Na, das läuft ja! Ein erster Versuch, per Internet Kontakt mit dem Rest der Welt aufzunehmen, ist von kurzem Vergnügen. Es gibt ein öffentliches Netz, aber das so langsam, das kann man vergessen.

Tag3: Kein Mechaniker um 14:00 Uhr im Hafen. Ich warte am Dinghy, was Scottsman für uns in den Hafen geschleppt hat, um den Kerl nicht doch noch zu verpassen. Achim stiefelt zur Armada. Dreißig Minuten kommt Achim mit dem jungen Fabien zurück. Es stellt sich heraus, dass Fabien der Mechaniker der Armada ist und extra für unsere Reparatur ‚freigestellt‘ wurde. Er startet den Motor, fummelt an der Standgas-Schraube. Dann guckt er in den Vergaser, pustet, prüft, pustet wieder, spielt mit der Nadel und ist nach zwei Stunden der gleichen Meinung wie Achim: Die Nadel dichtet das Ventil nicht richtig ab.

Fabien gibt alles
Fabien gibt alles

Beherzt verbiegt er die Lasche am Schwimmer, um mehr/früher Druck auf die Nadel zu bringen. Eine gemeinsame Probefahrt läuft großartig. Fabien möchte für seine Arbeit 12,50 EUR. Alle sind happy: „Muchas gracias, amigo.“ Achim und ich kaufen noch etwas ein, finden ein Internet-Cafe mit sowas ähnlichem wie Internet. Vergaser gut, Ende gut.

Wir fahren mit schurrenden Motor durchs Ankerfeld und legen einen Stopp bei der ‚Cool Change‘ ein, um die frohe Kunde zu verbreiten. Nach einem kurzen Plausch, springt der Motor nur zögerlich an. Grrrrr. Und bei wenig Gas gibt es jetzt ein ungesundes Geräusch. Das ist neu.

Tag4: Achim dreht die Standgas-Schraube in die Ursprungs-Lage zurück. Jetzt springt das Baby wieder vernünftig an. Dieses Problem ist vom Tisch. Er schaut erneut wichtig in den Vergaser. Bei Probefahrten wird klar, der Vergaser säuft nicht mehr ab und funktioniert bei Vollgas hervorragend. Die Reparatur war erfolgreich. Bei Standgas und langsamen Tempo stirbt der Vagaser nun an Spritmangel. So als ob jetzt zu viel Druck auf das Ventil ausgeübt würde. Es ist zum Heulen. Wir brauchen einen verlässlichen Außenborder. Ausgerechnet am Arm der Heide stehen wir vor diesem Problem.
Plan A: wir wollen versuchen, einen neuen Vergaser zu bestellen. Fast täglich kommt ein Flieger auf die Osterinsel aus Santiago de Chile. Wir haben wenig Hoffnung. Hier fahren alle Yamaha, wir haben einen Tohatsu.
Plan B: Achim pumpt mit der kleinen Handpumpe vom Benzinschlauch manuell Sprit in den Vergaser, wenn der droht zu ersticken. Bei ersten Probefahren klappt die Methode gut. ‚Cool Change‘ ist ein halbes Jahr so durch die Gegend gefahren.
Plan C: gibt es nicht.

*** Kleine Nebengeschichte: Die ‚Cool Change‘ haben wir vor 2,5 Jahren auf Grenada kennen gelernt. Dort haben die beiden Filmemacher-Jungs unsere nagelneue Leine an der wir in der Marina an der Mooring hingen, kaputt gefahren. Dann haben wir uns aus den Augenverloren und vor zwei Monaten in Ecuador wieder getroffen.

Süßes Land nicht erreichbar
Süßes Land nicht erreichbar

Pacific Crossing – ein Fazit

Di., 01.Jan.19, Süd-Pazifik, Tag 1675, 15.744 sm von HH Es waren 2.410 Seemeilen (4.463 km), die wir im Schneckentempo mit 4,2 Knoten gesegelt sind. Es lag im wesentlichen am schwachen Wind in der Anfangsphase und der Fast-Flaute von zwei Tagen in der Mitte. Aber wir sind auch sehr konservativ gesegelt. Bei hoch am Wind brauchen wir beide keine Schräglage von 30 Grad. Am theoretisch errechneten Punkt setzte tatsächlich nach einer Woche der Süd-Ost-Passat ein, der uns mit halben Wild eine angenehme Überfahrt bescherte. Bereits heute sind die paar Squalls vergessen. Wer erinnert sich noch an die Rollerei? War da was mit der Mast-Kletterei? Alles Geschichte. Diese Tour wird uns als extrem wohlwollend in Erinnerung bleiben. Keinen Tropfen Regen, angenehmes Wetter. Das Aufregendste daran war die Aufregung vor dem Start. 24 Tage nur Wasser gucken, ist halt nicht sooo spannend. Ich würde nicht sagen, dass es langweilig war. Aber ermüdend. Der Schlafmangel setzt uns beiden zu. Und außer lesen, essen, abwaschen und schlafen gibt es nicht so viel zu tun. Zum Glück, denn gäbe es etwas zu tun, dann hat man schlechtes Wetter oder irgendein Teil ist kaputt. Wenn es auch nicht aufregend war, so hat mich der Törn doch beeindruckt. Dieses Alleinsein fasziniert. Abseits sämtlicher Schifffahrts-Ruten unterwegs. Kein anderes Boot weit und breit. Ja, nicht mal einen Kondensstreifen eines Flugzeugs haben wir gesehen. Am Ende brach sogar die Funkverbindung zur Alrisha auf Galapagos ab. Und Achim hatte Mühe die Blog-Beiträge per Funk senden zu können. Allein. Einsamer als allein. Gemeinsam allein. Gemeinsam zweisam. Abgeschnitten von der Welt. Wenn etwas passiert wäre, wäre eine Hilfe erst nach Tagen zu erwarten gewesen. Die Größe der Welt ist mir auf dem endlosen Pazifik klar geworden. Wie klein wir doch sind. Und du lieber Himmel, wir haben erst ein Drittel dieses großen Wassers hinter uns. Was mag da noch an philosophischen Erkenntnissen kommen? Drei Personen haben unseren Ankunftstag richtig getippt. Sabine, Stephan und Robert. Sabine ist Achims ehemalige Chefin. Ihr Tipp war besser als der vom Skipper. Das macht dann auch klar, warum sie die Chefin war. Stephan hat nur zwei Stunden daneben getippt, eine saubere Punktlandung hingelegt. Super. Die Postkarten an Euch sind jetzt nur noch eine Frage der Organisation. Denn an Land können wir nicht. Aber das ist eine Geschichte, die ich Morgen erzähle. Essen: Wir haben unglaubliche 50 Kilo Lebensmittel in uns rein gestopft. Ich habe mit geschrieben, was wir alles verdrückt haben: 24 Kilo Obst und Gemüse und nur 5,3 Kilo Fleisch und Wurst. Das wird das Herz eines jeden Ernährungsberater höher schlagen lassen. Brot, Tortillas und Kuchen: 6,1 Kilo – wir haben fünf Brote unterwegs gebacken. Nudeln und Reis 3,4 Kilo. Konserven und sonstiges (unter anderem  43 Eier): 4,5 Kilo. Milchprodukte 3,4 Kilo. Bleibt ein Rest von 3,3 Kilo, der auf Schnöcker-Kram entfällt: Kekse, Kräcker, Nüsse, Gummibärchen und Schokolade. Getrunken haben wir 75 Liter, fast ausschließlich Wasser, Kaffee und Tee, 4 Liter Cola (Achim) und 4 Liter Milch. Eine Tube Zahnpasta und 10 Rollen Klopapier sind ebenfalls weg.

Tag 24 =>Osterinsel – Prost Neujahr

Di., 01.Jan.19, Süd-Pazifik, Tag 1675, 15.747 sm von HH Das war wohl das leiseste, trockenste und einsamste Silvester an das ich mich erinnern kann. Keine Böller, keine Raketen, kein Sekt um Mitternacht und Achim hat mit unter Androhung von Strafe verboten, ihn um Mitternacht zu wecken. lso sitze ich allein im Cockpit und proste mir selber mit Wasser zu: „Happy New Year, altes Haus. Same procedure as last year?“ Kurz überlege ich, ob ich einen Limetten-Schnitz in mein Wasser geben soll. Nein, ohne Papier-Schirmchen ist das auch nur der halbe Spaß. Also setze ich mir ein lustiges Hütchen und eine rote Pappnase auf und schaue mir den Sternenhimmel an. Auch schön. Friedlich. Und garantiert keinen dicken Kopp Morgen früh. Die letzte Nacht und der Vormittag sind sensationell. Als ob Engel segeln gehen. Keine Böen, fünf Windstären, Passat-Wolken-Schäfchen am Himmel. Halleluja! In meiner Schicht dann, um 7:07 Uhr, die Erlösung: Laaaaand in Sicht! Mein Herz macht einen Hüpfer. Huch, das hätte ich nicht gedacht, dass es mich so berührt, aber es ist einfach schön, Land zu sehen. Achim verpennt den Big Moment. Das tut mir wirklich leid für ihn. Um 15:00 Uhr fällt der Anker. Auf 20 Meter. Alle Ankerplätze sind so tief auf der Osterinsel. Dazu kommt ein legendärer Schwell, der viele Segler davon abhält hierher zu kommen. Heute ist es jedoch sehr ruhig, wie uns das Zoll- und Immigration-Team erzählt, was zu uns an Bord kommt. Trotz Feiertag sind sie zwei Stunden nach unserer Ankunft zur Stelle. Ein formloser Akt. Es werden keine Vorräte kontrolliert und keine Gebühren erhoben. Wir dürfen 30 Tage bleiben. Für mich wird ein Traum wahr. Wir liegen, aus meiner Sicht, vor einer der abgefahrensten Inseln der Welt. Dass wir fast 24 Tage gebraucht haben, macht sie natürlich noch wertvoller. So wunderbar! Besser kann das neue Jahr nicht beginnen. Ich wünsche Euch allen so ein wunderbares Jahr 2019! Essen: Abendessen: Gemüsepfanne mit Kartoffeln, Zwiebeln, grünen Bohnen und Speck und etwas Frischkäse Frühstück: Brot mit Käse und Mortadella Mittag; Schnelle Pfanne: Ein paar Bratkartoffeln, etwas Kohl plus Würstchen. Schmeckt überraschend gut. Meilen: Tagesmeilen 100 – Rest auf direktem Weg: „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“

Tag 23 =>Osterinsel – Endspurt

Mo., Silvester 2018, Süd-Pazifik, Tag 1674, 15.647 sm von HH Den Abend und die Nacht haben wir nervigen Wind. Boenfelder mit 25 Knoten Wind für eine Stunde, gefolgt von drei Stunden Flaute, gefolgt von einem neuen Boenfeld. Seit dem Morgen läuft es flüssiger. Wir haben dauerhaft 18 Knoten, Windstärke 5. Gespannt schauen wir auf die Ankunftszeit. Werden wir Morgen im Hellen ankommen? Oder müssen wir uns noch eine Nacht mit angezogener Geschwindigkeit hier draußen die Zeit vertreiben? in jedem Fall hat sich die Frage erübrigt, was wir Silvester machen. Die viertausend Kilometer, die wir uns weiter Süd-westlich befinden, machen sich in den Tagesstunden deutlich bemerkbar. Es wird erst um 21:00 Uhr dunkel, was uns eine gute Reserve bei der morgigen Ankunft gäbe. Gemäß Längengrad-Überschreitung hätten wir die Uhr um mindestens zwei Stunden zurück stellen müssen. Das haben wir allerdings nicht gemacht, da wir vermuten, dass auf der Osterinsel die Zeiten an Chile Mutterland angepasst wurden. Leider haben wir versäumt, dies vor der Anreise zu prüfen. Die letzten zwei Nächte waren von Schlafmangel geprägt, da wir in den Schwachwind-Phasen heftig in der Dünung rollen. Es wird nun Zeit, dass wir ankommen. Die ersten Nerven fangen an blank zu liegen. Eine klappernde Flasche oder rutschendes Geschirr in der Spüle wird zum Staatsakt. Schuld hat nicht das System, sondern das jeweils andere Crew Mitglied. Essen: Abendessen: Ich hab keine rechte Lust zu kochen, daher Türkische Woche: Humus (Kichererbsen-Püree, ich hatte extra welche beim Veggie-Curry drüber gekocht), Joghurt-Ricotta-Mix mit Kreuzkümmel und Koriander, Krautsalat (jaaa  … das war aber dann auch schon der letzte Kohl) mit Ingwer und Tortillas, die wir als Fladenbrot-Ersatz dazu essen. Frühstück: Brot mit Käse und Mortadella Mittag: Türkische Reste und als Seelentröster und weil es wenig Schokolade an Bord gibt: Schokoladenpudding (aus dem besten Kakao der Welt gekocht – Eigenwerbung Ecuadors für seine Kakao-Produktion). Der wird noch warm direkt aus dem Topf gelöffelt. Die frischen Vorräte sind aufgebraucht. Vier Äpfel, ein Kilo Zwiebeln und ein paar Kartoffeln ist alles, was wir noch haben. Meilen: Tagesmeilen 110 , Rest 99 sm, Stand 16:00 Uhr Bordzeit – es sieht so aus, als ob wir Morgen schaffen können. Wir nehmen auf jeden Fall keine Geschwindigkeit raus.

Tag 22 =>Osterinsel – Butter bei die Fische

So., 30.Dez.18, Süd-Pazifik, Tag 1673, 15.537 sm von HH Wie läuft es denn Zwischenmenschlich nach über drei Wochen? Butter bei die Fische! Ich sag mal so, es hilft, wenn man sich sympathisch ist. Zumindest ein wenig. Ideal ist diese Veranstaltung vielleicht für frisch Verliebte. Sind wir nicht, die rosarote Brille ist weg und die positiven, besonders jedoch die negativen Eigenschaften der Mitsegler kommen an den Tag. Überdeutlich wird mir klar, warum ich Achim geheiratet habe und warum ich es besser gelassen hätte. Wir kommen trotzdem sehr gut miteinander klar. Fast besser als an Land. Gibt es an Land schon mal Gemecker in der Pantry ( „Muss du unbedingt jetzt an den Kühlschrank? Du siehst doch, dass ich alles in Beschlag habe … raus aus meiner Küche“) schaffen wir es einvernehmlich auf einem Viertelquadratmeter, der nicht sillstehen will, Töpfe in den Schrank zurück zu räumen. Wir sind überdurchschnittlich höflich und rücksichtsvoll. Friede, Freude, Butterkuchen. Vielleicht weil wir wissen, dass wir dem anderen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind. Der ganze Mist ist schon nervig genug, da braucht man keinen Streit. Gab es trotzdem. Ausgerechnet Heiligabend. Da sind wir statistisch aber wohl in guter Gesellschaft. Die meisten Ehekräche gibt es an den Feiertagen. Eine Theorie besagt, weil die Partner plötzlich den ganzen Tag Zeit miteinander verbringen. Das ‚plötzlich‘ trifft auf uns eher nicht zu. Aber dass Achim nerven kann, ist unbestritten. Ständig wirft er mir vor ich würde Wasser und Energie verschwenden. Wie ein Geier lungert er hinter jedem Liter hinterher: „Musst du das Spülbecken jetzt mit Frischwasser spülen? Warum öffnest Du jetzt den Kühlschrank?“ Was für eine Freak-Show. Da kann mir schon mal die Hutschnur platzen. Im Gegenzug kümmert er sich liebevoll darum, dass mein E-Reader und das iPad geladen werden. Natürlich gewissenhaft tagsüber, wenn genug Energie herein kommt. In meiner Schusseligkeit vergesse ich das regelmäßig und komme nachts mit meinem Stecker angewackelt, wenn die Batterien sowieso nicht mehr voll sind. Er sagt es nicht. Ist nicht seine Art, aber ich denke, er hätte mich nicht geheiratet, wenn er das vorher gewusst hätte. Niemals würde ich so einen Törn mit unbekannten Menschen unternehmen wollen. Essen: Abendessen: Nudelsalat (mit Oliven und getrockneten Tomaten) und diesen Hot Dog Würstchen. Ich finde die allerdings nur gebraten ganz lecker. Frühstück: Brot mit Salami, Käse und Mortadella Mittag: Rest vom Nudelsalat Meilen: Tagesmeilen 106 , Rest 206 sm auf direktem Weg. Rechnerisch nach den Durchschnittsmeilen der letzten Tage dauert es noch zwei Tage. Aber schon geht die Rechnerei los: Schaffen wir es rechtzeitig vor dem dunkel werden? Oder müssen wir eine Nacht dran hängen und Gas raus nehmen. Die Entscheidung fällt Morgen.

out of reach

… wir haben zur Zeit eine schlechte Funkanbindung, also keine Sorgen machen, wenn nichts neues im Blog ist. An Bord ist alles OK.

Tag 21 =>Osterinsel – Der Pazifik rockt

Sa., 29.Dez.18, Süd-Pazifik, Tag 1672, 15.431 sm von HH
Im Prinzip haben wir den gleichen Grundwind die letzten 24 Stunden. Vielleicht einen Tick mehr. Aber weit im Osten haben wir auf der Windkarte mehr Wind gesehen. Der schickt eine nervige Dünung zu uns, die nicht zur eigenen Geschwindigkeit passt. Vielleicht zwei Meter hoch. Wir rollen heftig in der Nacht. Ich bekomme kaum ein Auge zu. Dann heute Vormittag der erste Squall. Wow! Da meint aber einer, viel hilft viel. In der Spitze zeigt der Windmesser 33 Knoten wahren Wind. Die Dünung baut sich weiter auf. Am frühen Nachmittag der nächste Squall. Unsere Windsteueranlage macht das Theater ‚viel Wind, wenig Wind‘ großartig mit. Um das Anluven (höher am Wind fahren als wir möchten – ist aber vollkommen normal bei Segelbooten, wenn der Wind zunimmt) zu verhindern, gehe ich ans Ruder. Wir wollen ja auf Kurs bleiben, wenn wir schon übers Wasser fliegen. Außerdem ersparen wir uns das Verstellen der Wind-Herta und es macht einen Riesenspaß. Sieben Windstärken von schräg hinten. Genau die richtige Menge Tuch oben, reffen unnötig. Das Deck bleibt trocken, nur ein wenig Gischt fliegt durch die Luft. Strahlender Sonnenschein. Freunde der Sonne, das rockt. Die Wellen schauen nun bereits frech ins Cockpit rein. Auge in Auge stehen wir und gegenüber. Eine Welle, die bei uns rein gucken will, muss sich ganz schön recken. Wir schätzen sie auf gute drei Meter. Gurgelnd und fauchend laufen sie unter uns durch und schenken Spitzengeschwindigkeiten. Nach 45 Minuten ist der Spaß vorbei. Zurück bleibt bewegtes Wasser und eine eigene Geschwindigkeit, die nicht dazu passt. Wir rollen heftig. Alles im Leben hat seinen Preis.
Essen: Abendessen: Veggie-Curry! Mit Kürbis, Kichererbsen, roten Linsen, Zwiebeln und Knoblauch. „Das ist mir zu vegan“, sagt er. „Wo ist denn die Wurst?“, fragt er. „Oder der Speck, das Fleisch?“ Mimimimimi. Ich fand es lecker. Frühstück: Brot mit Salami, Käse und Mortadella Mittag: Den Rest vom veganen Curry mit ofenwarmen Brot. Auf Grund des großen Erfolges mit dem Orangen-Limetten-Sirup, koche ich diesen heute noch einmal. Dazu eine Ricotta-Joghurt-Sahne-Creme auf Apfelstückchen. Auch vegetarisch, aber hier wird nicht die Schnute verzogen. :-)
Meilen: Tagesmeilen 111 , Rest 308 sm auf direktem Weg

Tag 20 =>Osterinsel…es zieht sich

Fr., 28.Dez.18, Süd-Pazifik, Tag 1671, 15.320 sm von HH Wind- und Wellensituation sind unverändert. Süd-Ost-Passat mit 3 bis 4 Windstärken. Dazwischen mal ein Zeitraum von drei Stunden mit etwas mehr Wind, dann wieder eine Zeitlang weniger Wind. Die Dünung kommt achterlicher, wir fangen etwas das Rollen an. Auf dem Plotter steht das erste Mal ‚Ankunft in drei Tagen‘. Wir freuen uns noch verhalten und lassen den Freudentränen noch keinen Lauf. Südlich der Osterinsel steht ein Flautengebiet. Nicht, dass wir da noch hinein geraten. Sorge bereitet uns, dass wir noch keinen Fisch gefangen haben. Zwei Köder hängen achtern raus. Nicht mal einer der Gummifische wurde abgebissen. Auch ein Versuch mit einem fliegenden Fisch, den wir morgens auf dem Deck gefunden haben, war erfolglos. Gibt es keinen Fisch mehr im Pazifik? Haben die berüchtigten Fischerflotten der Japaner und Chinesen alles leer gefischt? In den Geschichten der Weltumsegler der 80er Jahre liest sich das anders: „Schwärme von Goldmakrelen begleiteten stundenlang das Schiff …“ Wir wünschen uns, dass es nur an unserem Anglerpech liegt. Ein Blick mit der GoPro auf das Unterwasserschiff hat gezeigt, der Pazifik lebt. Zumindest was die Krustentiere betrifft. Unser Rumpf ist gesprenkelt mit Pocken ähnlichem Ausschlag. Daumennagelgroß hocken Entenmuscheln dicht an dicht auf dem wirkungslosen Antifouling. Die berüchtigten Tiere des Pazifik können bis zwölf Zentimeter lang werden während einer vierwöchigen Passage. Der Teppich wird so dicht, dass die Geschwindigkeit eines Segelbootes erheblich abnimmt. Wir vermuten, dass unsere Tiere wegen des kalten Wassers noch vergleichsweise klein sind. Allerdings wird das Wasser täglich wärmer, 23 Grad haben wir zur Zeit. Sollen uns Badefreuden auf der Osterinsel vergönnt sein, muss da noch eine Schippe drauf gelegt werden. Essen: Abendessen: Spaghetti Bolognese Frühstück: Brot mit Salami, Käse und Mortadella Mittag: Bratnudeln mit Ei. Obstsalat aus Grapefruit (der letzten) und Apfel Welle und Wind gleich, Essen gleich. Meilen: Tagesmeilen 98 , Rest 417 sm auf direktem Weg

Tag 19 =>Osterinsel – Wasser Camping

Do., 27.Dez.18, Süd-Pazifik, Tag 1670, 15.222 sm von HH Im Grunde genommen ist so ein Langstreckentörn wie Campen in einem Zweimannzelt auf einer vom Regen durchgeweichten Wiese während eines Festivals: alles etwas primitiv und schmuddelig. Unseren Abwasch erledigen wir in einer Mikromenge Wasser (ein bis anderthalb Liter). Mehr können wir in unser flaches Abwaschbecken bei Schräglage nicht füllen. Eine echte Fehlkonstruktion auf dem Kahn. Mit so einer kleinen Menge Wasser kann man nicht vernünftig spülen. Stärkehaltige Speisereste, wie Kartoffeln, bleiben unweigerlich an den Tellern haften. Das trocknen wir mit dem Geschirrhandtuch einfach weg. Nach drei Tagen ist das Handtuch steif und nach fünf fängt es an zu müffeln. Ein Quell der Freude sind auch die Anti-Rutschmatten mit denen die Ablageflächen in der Pantry gepflastert sind. An den Farbflecken kann man die Speisefolge der letzten Tage erkennen. Einen Abklatsch-Test würde ich auf den Dingern nicht machen wollen. Im Salon liegt dick der Staub. Auf den Laptop Deckel steht Sau geschrieben. Im Cockpit wehen Brotkrümel in die Löcher der Gräting. Dort liegen sie in guter Gesellschaft mit Paprikakernen, verlorenen Reiskörnern und verschütteter Milch. Aus dem Waschbecken Haare fischen, das Cockpit von der Salzschicht befreien und die Pantry halbwegs in Ordnung halten, das liegt grade noch drin. Vor ein paar Tagen habe ich im Salon den Fußboden mit einem Handfeger gefegt. Das ist anstrengender als ein Marathon-Lauf, obwohl es schon echt schaukelfrei war. Der Rest muss bis zur Ankunft so schmuddelig bleiben. Auch bei dem Mahlzeiten verrohen die Sitten. Mit Messer und Gabel essen, ist die meiste Zeit unmöglich. Eine Hand hält den Teller (wir nehmen meistens Schüsseln, da flutschen die Eier nicht so leicht runter, wenn man mal eine halbe Sekunde nicht aufpasst), die andere Hand hält die Gabel. Brocken, die zu groß für den Mund sind, werden durchgebissen und der überschüssige Rest in die Schüssel zurück fallen lassen. Achim leckt schon mal einen Teller ab. „Du willst doch nicht so viel Sauce im Abwaschwasser haben“, guckt er mich unschuldig an. Und dann ist da noch die Geschichte mit dem Klopapier. Das sammeln wir in einem kleinen Eimer im Bad. Das Papier aus der Plastiktüte entleere ich dann außen Bords. Natürlich zur windabgewandten Seite. Das hat trotzdem seine Tücken. Man kann den Beutel nicht einfach über die Reling hängen und glauben, dass der brisante Inhalt in die Fluten gleitet. Wie kleine, weiße Drachen fliegt das Papier in die Höhe, gerät in Windwirbel neben dem Schiff und wird geschickt aufs Deck zurück geleitet. Selbst wenn ich mich ganz tief über die Fußreling beuge, gibt es diese Wind-Strudel. Da gilt es, den Kopf flach zu halten. Eine Tätigkeit, die Achim komplett verweigert. Wer einmal gebrauchtes Klopapier von Deck gesammelt hat, der weiß wie Langstrecke schmecken kann. :mrgreen: Wind und Wellen: In einem konstanten Süd-Ost-Passat von 12 bis 14 Knoten ziehen wir seit über 24 Stunden unsere Bahn. Squalls und Flautengebiete sind verschwunden. Perfektes Segelwetter, möchte ich sagen. Eine Dünung von zwei Meter hebt uns an, um uns im nächsten Wellental sanft wieder abzusetzen. Bei jeder zehnten Woge harmoniert das Zusammenspiel von Welle und Schiff nicht perfekt, dann werden wir garstig auf die Seite gedrückt. Wir haben trotzdem nichts auszustehen. Dazu das blaue Meer mit einem Blau so blau. Essen: Abendessen: Spaghetti Bolognese Frühstück: Brot mit Salami, Käse und Mortadella Mittag: Bratnudeln mit Ei. Unsere Orangen entpuppen sich als reine Saftorangen. Aus ihrem Saft plus dem einiger Limetten koche ich mit etwas Ingwer einen Sirup. Der kommt als Topping auf Apfelstücke mit Joghurt. Schleck! Meilen: Tagesmeilen 101 , Rest 515 sm auf direktem Weg. Noch fünf Tage, sagt die realistische Prognose. Vielleicht sechs.

Tag 18 =>Osterinsel – Wechselhafte Winde

Mi., 26.Dez.18, Süd-Pazifik, Tag 1669, 15.121 sm von HH
Wir hatten gehofft, dass zwei Tage mit wenig Wind uns einen flachen Ententeich bescheren würden. Aber der große Ozean beruht sich nicht so leicht. Die Windsee ist weg, aber sanft kommt die Dünung angerollt. Gutmütig werden wir auf die Seite gelegt. Das Groß haben wir zur Stabilisierung hoch gezogen. Der Baum ist zweifach auf den Klampen achtern belegt. Das Schlagen und Klappern hat dadurch ein Ende. Das ist zwar nicht seemännisch, aber notwendig.
Seit heute Morgen um 5:00 Uhr ist es zu Ende mit der Eierschaukel-Segelei. Noch vor Sonnenaufgang besucht uns ein heftiger Squall (das sind örtlich begrenzten Windfelder, die sich durch dunkle, tiefhängende Wolken ankündigen und selten länger als 30 Minuten andauern). Zum Glück regenfrei und, anders als auf dem Atlantik, ohne Winddreher. Von 11 auf 26 Knoten in zwei Minuten. Das passt ja prima zum dicht geholten Baum. Jetzt aber schnell weg mit der Sicherung, damit wir den Baum fieren können, um den Druck aus dem Segel zu nehmen. Dazu unsere ausgebaumte Genua. Mann, Mann, Mann. Das sind wir gar nicht mehr gewohnt. Wir sehen 8,5 Knoten Speed auf der Logge. Geschwindigkeitsrausch. Nicht, dass wir doch noch in diesem Jahr ankommen und uns die nervigste Frage des Jahres stellen müssen: „Was machen wir eigentlich Silvester?“ Geschwindigkeitsrausch. Nach 40 Minuten ist alles vorbei: „Achtung! Hol den Baum dicht, er kommt schon wieder über.“
Es ist enorm, was sich für eine hässliche See in der kurzen Zeit aufbaut. Atanga im Schleudergang. Die Wellen beruhigen sich, da kommt schon der nächste Squall. Die Wellen beruhigen sich, da kommt schon…
Essen: Abendessen: Bauernfrühstück mit Speck statt Schinken plus Gewürzgurke Frühstück: Frisches Brot mit Salami und Mortadella und ein kleiner Rest kaltes Bauernfrühstück Mittag: Cornflakes mit Milch und den restlichen Weihnachtskuchen
Meilen: Tagesmeilen 97 , Rest 615 sm auf direktem Weg

Tag 17 =>Osterinsel – Ein Tag auf See

Mo., 25.Dez.18, Süd-Pazifik, Tag 1668, 15.024 sm von HH Was machen wir eigentlich den ganzen Tag? Wir bewegen uns im Bermuda-Dreieck ‚Cockpit-Salon-Koje‘. Mit recht wenig Auslauf. Drei Schritte in die Pantry, acht Schritte nach hinten und fünf Stufen nach oben. Ein Ausflug nach achtern zum Gemüsenetz oder zur Angelkontrolle ist schon eine kleine Sensation im trägen Tagesablauf. Frühstück gibt es recht spät, so um 9.00 Uhr, sobald Achim aus der Koje gekrabbelt kommt. Das ist der geselligste Teil des Tages. Wir erzählen uns unsere Erlebnisse der Nacht. Ein Großereignis, wie ein Fischerboot auf dem AIS wird zum Tagesbrüller. Oder wir schmücken die Mast-Kletter-Aktion makaber aus: „Kennst du die Geschichte von der Frau, die mit ihrem toten Mann im Mast hunderte von Meilen segeln musste, weil er oben einen Herzanfall bekommen hat. Er hatte sich oben gesichert und sie ihn nicht wieder runter bekommen. “ Echte Schenkelklopfer-Geschichten. Nach dem Frühstück schleppen wir uns in den Salon. „Endlich mal eine Pause“, läutet Achim jeden (das kann auch nerven…) Tag eine Lese-Runde auf dem Sofa ein. Ich hau mich auf die andere Couch und lese ebenfalls. Oder ich bereite schon mal etwas fürs Abendessen vor: Kohl schnippeln, Pellkartoffel kochen und solche Dinge. Je nachdem wie ruppig es gerade ist. Und dann ist ja auch zum Glück schon Mittagessen-Zeit, so um 13:00 Uhr. Reste aufwärmen vom Vortag geht flink von der Hand. Der anschließende Abwasch ist lästig, hält er uns doch auf, sofort mit vollem Bauch erneut aufs Sofa zu sinken. Den Abwasch erledigen wir zu zweit. Logistisch ist das leichter zu handhaben. Wir haben nur ein Abwaschbecken, da können einem schon mal die Hände ausgehen. Und der Platz. Den Nachmittag verbringen wir lesend oder schlafend. Geschlafen wird natürlich nacheinander. Sonst wären unsere Nachtwachen ja total absurd. Alle zwanzig Minuten einen Rundblick und schnell zum Buch zurück. Und beide hoffen wir, dass der andere nicht auf die Idee kommt, irgendwelche Segelmanöver zur Geschwindigkeits-Verbesserung vorschlägt. Viel zu viel Stress, da muss man ja aufstehen. Abendessen gibt es um 18:00 Uhr, da ich zwei Stunden später bereits ins Bett gehe (endlich mal liegen). Somit sind die Tagesmahlzeiten recht eng beieinander und die Wartezeit bis zum Frühstück (da knurrt mir der Magen, wen der Skipper schon mal bis 9:30 Uhr durchpennt) recht lang. Aber besser geht es nicht. Es folgt der zweite Abwasch des Tages. Nach dem Abendessen wird es noch mal gesellig. Wir sitzen ohne Sundowner zum Sundowner im Cockpit. Viel Neues weiß Achim nicht zu berichten. Macht nichts, dann gibt es eben alte Stories. Aber Moment mal, die Geschichte, dass Achim damals den Nachbarn mit „Guten Tag, Herr Grasselschwein“, begrüßt hat und nachdem der diese Beleidigung gepetzt hat, samt seines Dreirades in den Keller gesperrt wurde, die kenne ich doch schon. Hat der Mann nicht einen unbekannten Schwank aus seiner Jugend drauf? Nein, hat er nicht. Es folgen erwartungsgemäß die Geschichte mit dem erschossenem Spatzen, der ein Stieglitz war…. Da gehe ich doch lieber schnell ins Bett, bevor noch mehr alte Kamellen auf den Tisch kommen: „Gute Nacht“, ein ereignisreicher Tag ist zu Ende. Essen: Abendessen: Eine Art Hühner-Frikassee mit grünem Spargel, Erbsen und selbst eingekochtem Hähnchen. Dazu wird Reis gereicht. Wir sind jetzt beim Dosengemüse angekommen. Ich habe noch zwei Kohlköpfe (bitte nicht schon wieder), Kürbis und eine Salatgurke. Zwiebeln, Knoblauch und Kartoffeln. Frühstück: Brot mit Salami, Käse und Mortadella Mittag: Leider ist der Spargel sehr zerfallen, daher gibt es den Rest vom Heiligabend mit Hilfe von Sahne und einem Stampfer als Spargel-Erbsen-Cremesuppe mit Reiseinlage. Als Nachtisch gibt es Grapefruit-Apfel-Obstsalat. Meilen: Tagesmeilen 76 , Rest 711 sm auf direktem Weg