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Cradle Mountain: Teufel, Moor und “Year-Year“-Mädchen

22.-25. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Cradle Mountain; Tag 15-18, Tageskilometer 91, gesamt 949 km

Wir wechseln von der Küste in die Berge. Wie vorher gesagt, gießt es wie aus Eimern an unserem Ankunftsnachmittag. Das sitzen wir mit Heizlüfter und Himbeer-Muffins locker in unserem Camper aus. Unser Vertrauen in den Wetterbericht wird belohnt: Am nächsten Morgen strahlt die Sonne vom blauen Himmel.

Wettervorhersage nach dem Regen. Die gefühlten Temperaturen waren zum Glück nicht so niedrig. Gute Decken im Auto und ein Heizlüfter haben uns gerettet.

Wir stehen im Cradle-Mountain-Nationalpark auf 900 Metern. Einem Touristen-Liebling. Trotzdem haben wir problemlos für drei Nächte einen Platz reservieren können. Das Informationszentrum und die Busse in den Park liegen nur 700 Meter vom Campingplatz entfernt. Das Bus-Ticket von 9,00 Euro ist nicht in unserem Parkpass enthalten. Es gilt allerdings für drei Tage, somit ist der Preis total okay.
Vor über 20 Jahren wurde ein Shuttle-Bus eingeführt, da die schmale Straße in den Nationalpark den zunehmenden Besuchermengen nicht mehr gewachsen war.
Ein tolles System. Auf der zehn Kilometer langen Strecke gibt es vier Möglichkeiten, um auszusteigen. Separate Wanderwege verbinden die Stationen. Man kann auf und abspringen nach eigenem Belieben. Alle fünf bis zehn Minuten kommt ein Bus.

Am ersten Tag wandern wir ein paar „Schnupperwege“ an der Talstation und laufen von Station drei einen der Bordwalks. Es ist phantastisch. Eine urwüchsige Landschaft. Im Hintergrund zeigen sich schon mal schüchtern der Cradle Mountain. Kaum jemand, der uns begegnet. Außer Wallabies und herzigen Mini-Beutler: ein paar Pademelons.
Wir sind begeistert und verlängern um eine Nacht.

Endlich ein Pademelon, was nicht sofort abhaut. Diese kleinen Kängurus sind grade groß wie eine dicke Katze.

Cradle Mountain im Hintergrund – die grüne Wiese besteht aus Farn.

Die Gräser wirken wie hingetupft – wie bei einer Modeleisenbahn-Landschaft.

 

Am nächsten Tag fahren wir bis zur Endstation. Die Kulisse ist der Hammer. Mutter Natur hat aus den Vollen geschöpft. Wunderschön angelegt.
Die Wanderung um den See ist Pflichtprogramm. Gehört dazu. Klar. Der Weg ist schmal und führt durch wechselnden Bewuchs. Mal offene Landschaft, mal Wald, mal Nadelholz, dann wieder Eukalyptus. Schön. Sehr schön.

Kaiserwetter für drei Tage. Ein seltenes Ereignis in den Bergen. Es überwiegt Regenwetter.

Der Weg um den See ist schmal – es ist nicht möglich nebeneinander zu laufen.

Cradle Mountain

Die Wanderung kann trotzdem nur drei von fünf Sternen bekommen: Man soll im Uhrzeigersinn laufen. Die zehn Prozent, die das nicht lesen können, kommen uns entgegen. Kurzer Blick. Selbsterkenntnis. Sie machen verlegen Platz. Oder auch nicht verlegen, sondern dümmlich grinsend. An Spitzentagen laufen bis zu 1.500 Leute um den See. :roll:
Wir haben hinter uns zwei junge Frauen, Schnatterlinchen und ihre beste Freundin. Die Freundin läuft hinten und gibt alle zehn Sekunden ein „year“ von sich, um zu zeigen, dass sie noch zuhört. Wir lassen die beiden mehrfach überholen. Müssen aber wieder an ihnen vorbei, weil sie Selfies, ein Picknick oder einen Kleiderwechsel vornehmen. Sie rücken dann von hinten wieder auf … „year, year“.

Deswegen wechseln wir an Tag drei wieder auf die Bordwalks zurück. Fünf von fünf Sternen. Ruhe, noch mehr Tiere. Moorlandschaft. Unwirklich schön. Viele Kilometer und nur zwei Dutzend Leute unterwegs. Die Bordwalks sind der Geheimtipp in Cradle Mountain.

Echidnas (Ameisenigel) sind zusammen mit dem Schnabeltier die einzigen Säugetiere der Welt, die Eier legen statt lebenden Nachwuchs zu gebären.

Sie sind recht scheu. Drehen einem sofort den Rücken zu und tun so, als könne man sie nicht mehr sehen.

Abwechslungsreiche Landschaft

Heide, Moor, Farne, Moose, Gräser.

Hier nur Farn.

Womats sind nachtaktiv. Manchmal scheint eins keinen Schlaf zu finden. Dann strolchen sie auch tagsüber auf den Wiesen umher.

Parallel zur Straße gibt es endlose Wanderwege – alle auf Holzwegen plus Karnickeldraht als Antirutsch.

Die Holzwege sind total sinnvoll – im Grunde läuft man durch Moorlandschaft

Teuflische Begegnung

Im Park befindet sich eine Tierschutz-Einrichtung für den Tasmanischen Teufel. Die armen Tiere leiden unter einer ungewöhnlichen und aggressiven Krankheit: Der „Devil Facial Tumour Disease“.
DFTD ist ein übertragbarer Krebs. Das ist extrem selten in der Natur. Bei den Teufeln verhalten sich die Krebszellen wie ein Parasit oder ein Virus. Die Krankheit wird durch Bisse übertragen. Da Tasmanische Teufel beim Fressen oder bei der Paarung sehr aggressiv sind und sich gegenseitig oft ins Gesicht beißen, gelangen die Krebszellen direkt in die Wunden des anderen Tieres.
Es bilden sich Tumore im Gesicht, am Kiefer und im Maul. Diese wachsen so schnell, dass die Tiere irgendwann nicht mehr fressen oder trinken können und qualvoll verhungern. Die Krankheit ist zu 100 % tödlich. Seit ihrem ersten Auftreten im Jahr 1996 ist die Population der wildlebenden Teufel um schätzungsweise 80 % bis 90 % zurückgegangen.

Ein großes Problem ist die geringe genetische Vielfalt der Teufel. Ihr Immunsystem erkennt die fremden Krebszellen nicht als „fremd“ an und bekämpft sie daher nicht.

Die ‚Devils@Cradle Sanctuary‘ im Park züchtet gesunde Teufel, die genetisch so vielfältig wie möglich sind. Falls die wilden Teufel aussterben sollten, dienen diese Tiere als „Backup“, um die Art später wieder auswildern zu können. Die Sanctuary kümmert sich um verwaiste oder verletzte Tiere. Wenn eine Teufelsmutter überfahren wird (leider ein häufiges Problem in Tasmanien), werden die Jungtiere im Beutel oft gerettet und in der Sanctuary von Hand aufgezogen.

Da für solche Rettungs-Einrichtungen immer zu wenig Geld zur Verfügung steht, zeigt ‚Devils@Cradle‘ zweimal am Tag eine Fütterung der Teufel. Einnahmen für die Züchtung. Wir gehen davon aus, dass wir in der Wildnis keinen Teufel sehen bekommen und nutzen die Gelegenheit.

Die Tiere wohnen in schön gemachten Gehegen. Alle haben Namen und man kann einzelne Tiere ‚adoptieren‘. Die Teufel müssen nichts anderes machen als fressen und sich vermehren. Kein schlechtes Leben. Die Vermehrung ist relativ erfolgreich, so dass die Sanctuary kontinuierlich wächst. Austausch mit anderen Einrichtungen und Zoos sorgt für genetischen Mix.
Während der Führung wird uns erst klar, wie knapp diese Art vor dem Aussterben steht.

In der Sanctuary gehört zum Eintrittspreis eine einstündige Führung mit Erklärung über die Teufel und Qualls und die Arbeit die dort geleistet wird Höhepunkt ist die Fütterung. Die Teufel sind überwiegend Aas-Fresser. Hier ein bisschen Wallaby.

Der Tasmanische Teufel ist nachtaktiv. Die Chancen ihn in der Natur zu sehen, gleich Null. Zumal er schwarz wie die Nacht ist, außer zwei individuelle Streifen an den Flanken und der Brust.

Das besondere am Devil sind seine Ohren: Sie werden feuerrot, wenn ihm warm ist. Er nutzt die haarlosen Ohren als Wärmetauscher, da er anders nicht schwitzen kann. Auch wenn er sauer ist und aggressiv sein Futter verteidigt, erröten die Ohren.
Eigentlich sind sie dauer-rot. :mrgreen:

Die zwei hatten ohne erkennbaren Grund Stress miteinander. Lauthals wurde gekreischt, geheult und geschrien.
Wegen dieser unheimlichen Laute nannten die ersten Siedler sie ‚Teufel‘.

Neben den Teufeln kümmert sich das Zentrum auch um ihre nahen Verwandten, die Beutelmarder (Quolls). In Tasmanien gibt es den Tüpfelbeutelmarder und den Riesenbeutelmarder, die ebenfalls bedroht sind. Hier ist die Zucht noch erfolgreicher. Regelmäßig können Tiere in die Natur entlassen werden. Verwilderte Hauskatzen sind ihre größten Feinde.

Die Quolls hüpfen in ihren Gehegen wie aufgezogene Plüschtiere umher. Der niedliche Eindruck mit großen Kulleraugen, dem rosa Näschen und gepunktetem Fell täuscht:  Quolls sind das perfekte Beispiel für das Prinzip „Small, but deadly“. Quolls sind hocheffiziente Raubtiere. Während ein Tasmanischer Teufel eher der „Panzer“ ist, der alles mit roher Gewalt zermalmt, ist der Quoll der „Ninja“.

Quoll mit Punkten auf dem Schwanz (Fleckschwanz-Beutelmarder). So niedlich, aber eine Kampfmaschine.

Dieser Tüpfelbeutelmarder – keine Punkte auf dem Schwanz – ist wie ein aufgezogenes Stofftier durch sein Gehege geflitzt.

Quolls haben eine extrem kräftige Kiefermuskulatur für ihre Größe. Ihre bevorzugte Jagdmethode ist ein gezielter, blitzschneller Biss in den Nacken oder den Hinterkopf der Beute, um das Rückgrat zu durchtrennen oder den Schädel zu knacken. Beutelmarder sind  furchtlos. Er jagt nicht nur kleine Echsen, sondern erlegt Tiere, die deutlich größer sind als er selbst, wie zum Beispiel Wallabys, junge Kängurus oder schwere Possums.
Ein Quoll im Hühnerstall ist ein Albtraum: Er tötet oft nicht nur ein Huhn zum Essen, sondern verfällt in einen Blutrausch und erlegt alle Vögel im Stall. Das hat ihnen in der Vergangenheit leider den Ruf eines Schädlings eingebracht.

– Campingplatz: 38 Euro pro Nacht, teuerster Platz bisher. Bäder sind beheizt und in den Campküchen brennt ein Kaminfeuer. Angenehme Details.

– Devils@Cradle: 18 Euro pro Person (Senior-Rabatt).

Eine tolle Camp-Küche mit Kamin.

 

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