Monatsarchive: Juni 2019

Leben auf Hao

Mi., 26.Jun.19, Franz.Polyn./Tuamotu/Insel Hao/d’Otepa, Tag 1851, 17.889 sm von HH

Das Wetter ist weniger ‚Südsee‘ als erwartet. Häufig haben wir Starkwindtage mit dicker Wolkendecke. Allerdings ist selten Regen dabei. Das Wasser schimmert grau und ins Nicht-Türkis zum Duschen zu springen kostet einiges an Überwindung bei einer Wassertemperatur, die auf unter 25 Grad gesunken ist. Der Wind-Chill ist nicht ohne. Er kommt vorwiegend aus Süd-Ost, direkt aus der Antarktis. Winter in der Südsee.
Dazwischen gibt es liebliche Abschnitte. Die nutzen wir zum Tauchen oder fahren mit dem Rad in den Süden der Insel. Kilometerlang führt eine Straße den 200 Meter breiten Inselschlauch entlang. Mal haben wir den Blick auf die Lagune, mal auf den offenen Pazifik.
Viele Häuser Richtung Süden stehen leer, die Menschen wollen im Dorfkern wohnen oder in Tahiti. Die Einwohnerzahlen schrumpfen auf fast allen Inseln in Französisch Polynesien.
Die Straße wird zum Feldweg, der Feldweg zur Huppelstrecke. Bis zum Ende der Insel schaffen wir es nicht, der Weg hört irgendwann auf. Die Perlenfarm am Ende von Hao wurde aufgegeben und Kokosnüsse für die Kopra-Produktion werden hier ebenfalls nicht mehr geerntet.

Mein eigener Nuss-Erntehelfer ist immer dabei



An einem andern Tag gibt es ein Grillfest für die Segler-Gemeinschaft und unsere einheimischen Nachbarn. Organisiert von Franzosen, die die notwendige Geheimsprache beherrschen. Es gibt zwei Vorurteile über segelnde Franzosen: 1. Sie rotten sich gerne untereinander zusammen und unternehmen ungern etwas mit anderen Nationen und 2. sie sind die schlechtesten Ankerer der Welt (wobei es sich bei Punkt zwei nicht um ein Vorurteil handelt :mrgreen: ).
„Unsere“ Franzosen sind anders. Sie organisieren einen Grill, halbe Hähnchen und tonnenweise Würstchen. Die Polynesier bringen einen Tisch und Bänke mit. Sie schleppen in großen Schüsseln ‚Poisson Cru‘ an – das Nationalgericht in Polynesien: roher Fisch mit Zitronensaft gebeizt und Kokosmilch übergossen. Je nach Verfügbarkeit kommen Tomaten, Gurken, Zwiebeln und Paprika dazu. Die Crews bringen Kuchen und Salate mit. Ein bunter Mix aus Essen und Sprache. Es wird Boile gespielt, die Kinder plantschen im Wasser, die Hunde bekommen die Knochen und zur Dämmerung wird Ukulele gespielt. Wir Segler bekommen den Text der Lieder beigebracht und unter viel Gelächter wird gemeinsam (falsch) gesungen. Wer mag, darf sich an der Ukulele versuchen, während eine andere Gruppe in vier Sprachen Schimpfwörter übt. Ein wunderbarer Nachmittag.

Ana, unsere Nachbarin auf Zeit



 

Das Leben ist schön

Die Tage mit schlechtem Wetter nutzen wir für den alltäglichen Wahnsinn auf einem Segelschiff. Die Nähmaschine wird raus geholt, sich leerende Schränke müssen umorganisiert werden und die großen Winschen brauchen eine Reinigung.

1000 Teile Puzzle- jetzt nur wieder richtig zusammenbauen

Und abends? Was macht man abends? Nichts. Es gibt keine Restaurants, keine Kneipe und mangels Touristen nicht mal eine öde Hotelbar. Abends schauen wir einen Film oder, noch lieber, zwei Folgen einer Serie: Desperate Housewives, Dr. House und Jack Bauer besuchen uns am Abend und bereits um neun Uhr fallen uns die Augen zu. Noch ein paar Zeilen lesen und dann ein aufregender Tag zu Ende. Zur gottlosen Zeit um 5:00 Uhr morgens erwacht das Schiff zum Leben und Achim holt uns frisches Baguette zum Frühstück. Wer um 6:00 Uhr beim Becker erscheint, schaut häufig in leere Körbe.
Leben auf Hao.

Den „J/80-König“ vom Thron geschubst

125. Kieler Woche: <p>
	Die Kieler-Woche-Sieger in der J/24 aus Amerika gewannen auch den Roosevelt-Pokal</p>

Nach neun Siegen in Folge mussten sich J/80-Abo-Sieger Martin Menzner und die „Pike“-Crew erstmals geschlagen geben. Kieler-Woche-Sieger ist das „Diva“-Team

Neuer J/80-Sieger nach neun Jahren

„Wir
freuen uns und sind erleichtert, dass es mit dem Sieg geklappt hat“, sagte Arne
Wilcken (Kiel), der mit seiner J/80-Crew auf der „Diva“ den Kieler-Woche-Dauersieger
Martin Menzner („Pike“/Kiel) mit bisher neun Siegen in Folge vom Thron gestoßen
hat.

Am
letzten Tag hatten es sich Wilcken und Crew mit zwei Fehlstarts noch einmal
schwer gemacht. „Den zweiten kann ich allerdings nicht nachvollziehen“, erklärte
Wilcken. „Wir dachten, dass wir das nach den vier Tagen, in denen wir konstant
vorne gesegelt sind, locker schaffen, aber so ist es noch einmal eng geworden.“
Vor vier Jahren sind sie neu in die Klasse gekommen, haben sich nach oben
gearbeitet und nun sei es schön, ganz oben angekommen zu sein. Martin Menzner
wurde hinter Torsten Voss („Frida“/Flensburg) Dritter.

„Heute
war ein genialer Tag“, freute sich auch Carsten Kemmling (Hamburg) über den
Sieg bei den J/70. Am Morgen hatten sie noch fünf Punkte hinter den Führenden
auf dem dritten Rang gelegen. „Uns war klar, dass wir noch gute Chancen haben,
da bei starkem Wind noch mal alles durcheinender gemischt wird“, erklärte
Kemmling. „Wir hatten guten Druck auf dem Wasser, die ersten beiden Rennen
waren gut kontrollierbar, am Ende waren wir dann am Limit und auch über dem
Limit“, sprach er den auffrischenden Wind an. Im letzten Rennen duellierte er
sich mit dem Zweitplatzierten Philipp Bruhns („Mezzoforte“/Berlin). „Aber es
war viel zu viel Wind, um sich noch gegenseitig zu kontrollieren.“

Siegreich
vom ersten bis zum letzten Tag war die J/24 Crew der „Furio“ aus Seattle.
Steuermann Keith Whittemore war von den Bedingungen begeistert. „Es ist
unglaublich.“ Die Kieler Woche wollten sie zur Vorbereitung auf die
Weltmeisterschaft nutzen und haben nicht nur gezeigt, dass sie ein bestens
aufeinander abgestimmtes Team bilden sondern auch, dass sie gewinnen können. Sieben
von elf Rennen konnten sie gewinnen und sicherten sich so auch den Gesamtsieg.
Als bestes deutsches Team sicherte sich Frithjof Schade (Berlin) mit der
„JJone“ den dritten Rang.

Für
die 420er war die Kieler Woche gleichzeitig der Abschluss des Eurosaf Circuit.
Allerdings hatten die Meldezahlen unter der eigenen Termindichte bei den 420er
mit parallel laufender Europameisterschaft und Weltmeisterschaft in nächster
Nähe gelitten. Daher wählten einige Teams die Zeit zur eigenen Vorbereitung und
waren nicht nach Kiel gekommen. Theresa Steinlein/Jonas Royla (Bayerischer YC)
sicherten sich den Silberrang im Gesamtklassement hinter Patryk
Kosmalski/Tomasz Lewandowski (Polen).

Ergebnisse:

49er: (11)
1. Logan Dunning Beck/Oscar Gunn (NZL,2/5/4/1/4/5/10/5/7(24)4) Punkte 47; 2. Łukasz Przybytek/Paweł Kołodziński (POL,7/6/5/4/1/4/1(15)11/3/10) 52;
3. James Peters/Fynn Sterritt (GBR,11/6/3/5/3/12(29)1/6/4/2) 53;
4. Diego Botin Le Chever/Iago López Marra (ESP,17/2(29)7/5/5/5/2/1/8/6) 58;
5. Peter Burling/Blair Tuke (NZL,3/1/8/3/1/2/6/14/14(15)8) 60;
6. Benjamin Bildstein/David Hussl (AUT,14/9/7/9/4/3/2/3(16)2/14) 67;
10. Tim Fischer/Fabian Graf (Kiel,5/11/4/2/2/1(29)19/8/9/20) 81;

49erFX: (10)
1. Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Kiel,4/4/3/3/1/2/5/6(28)8) Punkte 36;
2. Willemijn Offerman/Elise De Ruijter (NED,3/7/8/1/4/8(13)1/2/4) 38;
3. Anne-Julie Schütt/Iben Nielsby (DEN,4/6/14/5/1/5/4(21)3/2) 44;
4. Ida Marie Baad Nielsen/Marie Thusgaard Olsen (DEN,3/1(28)3/3/20/2/2/6/12) 52;
5. Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande,11/7/2/4/3/3/14/4(24)6) 54;
6. Vilma Bobeck/Malin Tengström (SWE,1/3/1/2/8/11(20)18/5/16)65;

Finn M: (9)
1. Phillip Kasueske; (Berlin,2(6)3/2/3/3/2/5/6) Punkte 26;
2. Ondrej Teply (CZE,1/5(9)4/5/2/3/6/2) 28;
3. Jake Lilley (AUS,3/4/1/1/6/4(26)8/4) 31;
4. Milan Vujasinovic (CRO,4(7)2/7/1/1/1/1/18) 35;
5. Max Kohlhoff (Kiel,5/2/5/5/2(7)7/2/12) 40;
6. Lachlan Gilham (AUS,(10)3/7/3/10/10/8/7/8) 56;
9. Simon Gorgels (Tutzing,(15)10/13/11/5/6/3/16) 73;

Laser Rad. W: (9)
1. Josefin Olsson (SWE,1/2/3/3/3/4/1(5)2) Punkte 19;
2. Manami Doi (JPN,4/3/1/5/15/1(45)2/4) 35;
3. Tuula Tenkanen (FIN,5/1/5/2/8/5/3(12)6) 35;
4. Magdalena Kwasna (POL,3/4/8/4/4/3(9)6/14) 46;
5. Anna Munch (DEN,11/5/2/6/5/9/4(15)8) 50;
6. Svenja Weger (Potsdam,7(15)6/11/1/6/15/1/16) 63;
10. Pia Kuhlmann (Wunstorf,6/10/15(27)22/8/17/14/12) 104;

Laser Std. M: (10) 1. Jack Cookson (GBR,(36)4/1/3/3/4/8/8/10/8) Punkte 49;
2. Wilhelm Kark (SWE,4/10/17/4/1/1(61)3/11/12) 63;
3. Daniel Whiteley (GBR,3/3/9/1/2/2(61)25/21/4) 70;
4. Joseph Mullan (GBR,12(61)2/5/9/14/7/17/8/6) 80;
5. Dawid Kania (POL,2/14/12/6/17/6(61)4/6/14) 81;
6. Ludde Lindqvist (SWE,16/11/8(20)6/19/1/1/5/20) 87;
7. Nico Naujock (Berlin,7/1/4/12/5/11/3(53)36/16) 95;

Nacra 17 Mix: (11)
1. Thomas Zajac/Barbara Matz (AUT,3/3/3/2/3/2(12)4/7/3/8) Punkte 38;
2. Vittorio Bissaro/Maelle Frascari (ITA,4/1/4/3(23)6/7/1/1/9/6) 42;
3. Lin Cenholt/Cp Lübeck (DEN,4/2/5/6/4(23)1/2/5/4/14) 47;
4. Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (Kiel,1/4/1/4/1/1/3/7(14)14/16) 52;
5. Tara Pacheco Van Rijnsoever/Florian Trittel (ESP,7(23)4/3/2/5/23/3/12/1/2) 62;
6. Natacha Violet Saouma-Pedersen/Mathias Bruun Borreskov (DEN,(23)7/8/5/6/8/8/5/2/5/12) 66;
10. Johannes Polgar/Carolina Werner (Hamburg/Kiel,8/11/9/7(23)9/6/12/10/7/18) 97;

J24: (11)
1. „Furio“ Keith Whittemore (USA,2/1/1/1/1/5/1/1/1/3(29) Punkte 17;
2. „Madeleine“ Duncan Mccarthy (GBR,1/2(29)2/9/10/16/2/3/4/1) 50;
3. „JJone“ Frithjof Schade (Berlin,6/3/6/3/13/2/11/3/13(29)3) 63;
4. „Schwere Jungs“, Stefan Karsunke (Hamburg,7/5/2/4/2/8/17/6/11(20)5) 67; 5. „Hungriger Wolf“ Fabian Damm (DEN,4/7/8/7/7/13/3/12/4(14)9) 74;
6. „hansa projekt“ Hauke Krüss (Helgoland,3/10/4/14/3/6/12/8/12(19)4) 76;

J70: (10)
1. Carsten Kemmling (Hamburg,4/5(7)1/3/2/4/1/1/2) Punkte 23;
2. „Mezzoforte“ Philipp Bruhns (Berlin,2/2/3/6/1/3/3/2(9)7) 29;
3. „Procedes Diva“ Björn Beilken (Berne,1/1/5/4/6/7/1/9(21)5) 39;
4. „Onkel Hanne“ Claas Lehmann (Hamburg,5/16/9/3/12(41)6/8/4/3) 66;
5. „Mylo“ Lukas Feuerherdt (Kiel,7/3/1(22)19/4/12/21/2/1) 70;
6. Christoph Cornelius (Berlin,13/14/6(16)9/1/2/15/7/8) 75;

J80: (11)
1. „Diva“ Arne Wilcken (Kiel,2/2/2/1/2/1/1/5(13)13/1) Punkte 30;
2. „Frida“ Torsten Voss (Flensburg,1/3/6/3/6/2/3/1/2(13)5) 32;
3. „Pike“ Martin Menzner (Stein,3/1/1/2/1/4/4/3(13)13/2) 34;
4. „Jip“ Louis Kanters (NED,6/4/4/4/7/6(11)4/1/1/6) 43;
5. „Ce-Ju“ Claus Rindom (DEN,8/5/7/8/4/5/7/8(13)4/3) 59;
6. „con peperoncino“ Harald Busch (Möhnesee,7/9/9/6/3/3/2/2/6(13)13) 60;

420 (Eurosaf Circuit): (8)
1. Patryk Kosmalski/Tomasz Lewandowski (POL,(12)3/1/1/1/4/1/4) Punkte 15; 2. Theresa Steinlein/Jonas Royla (Starnberg,4/1/4/2/2(10)4/3) 20;
3. Tom Rodet/Yael Maucuit (FRA,1/1/4/4(14)1/2/10) 23;
4. Bjarne Studt/Piet Strohm (Düsseldorf,5/2/3/3(8)2/7/2) 24;
5. Victor Le Penven/Iban Cornic (FRA,(8)4/8/2/5/7/6/1) 33;
6. Vincent Bahr/Lars Kleinwächter (Berlin,6/8/2/3/9/13/3(14)) 44.

Zwei Kieler-Woche-Siege motivieren deutsche Olympiasegler

125. Kieler Woche: <p>
	Jubel bei Vicky Jurczok und Anika Lorenz: Die Berliner Olympia-Neunten gewannen die Kieler Woche zum ersten Mal</p>

Vicky Jurczok und Anika Lorenz haben erstmals die Kieler Woche gewonnen. Eine gute Motivation für anstehende Aufgaben – wie auch für Finn-Sieger Phillip Kasüske

Kieler Woche als Werbung für Kiel

Kieler Woche 2019 – das hieß:
neun Tage strahlende Sonne, neun Tage Wind zwischen leichter und frischer
Brise, neun Tage Segeln auf allen Bahnen. Das Jubiläum hätte nicht glänzender
ausfallen können. In seinem Resümee zieht Regatta-Organisationsleiter Dirk
Ramhorst daher sehr zufrieden Bilanz, allerdings nicht ohne den
selbstkritischen Blick darauf zu verlieren, wo sich das weltgrößte Segelevent
noch verbessern kann, wo die Verflechtungen zu anderen Segelorganisationen intensiviert
werden müssen.

„Ich habe in diesen Tagen
auch Kieler-Woche-Experten mit Jahrzehnte langer Erfahrung gesprochen. Die
sagten, dass es solch ein Wetter in den vergangenen 40 Jahren nicht gegeben
hat. Ich kann so weit zwar nicht zurückblicken, habe aber in meiner Zeit noch
keine Kieler Woche in dieser Art erlebt“, so Ramhorst. Die 125. Kieler Woche
steigerte sich von Superlativ zu Superlativ, pendelte zwischen Kaiserwetter und
Champagner-Segeln, bot karibisches Flair, und die Förde erhielt von der internationalen
Presse den Beinamen „Kielifornia“. Der wichtigste Indiaktor für eine gelungene
Woche war aus Sicht von Dirk Ramhorst die Tatsache, dass an allen neun Tagen
gesegelt worden ist. „Es war auch mal grenzwertig. Natürlich wäre es schön, den
Nacra 17 zum Beispiel immer Foiling-Bedingungen zu bieten. Aber wir haben für
unsere Entscheidungen sehr positives Feedback bekommen. Auch für unseren späten
Start am Freitag. Schließlich kommen die Athleten aus aller Welt zum Segeln.
Und das wollen wir auch möglich machen.“

Der Blick auf die Meldezahlen
war im Gegensatz zu dem auf das Segelprogramm nicht komplett frei von
Sorgenfalten. Neben den Surfern, die bereits seit Jahren einen Bogen um Kiel
machen und nicht mehr im Programm sind, mussten in diesem Jahr mangels Masse
auch die 470er gestrichen werden. „Unsere Beziehungen zu den Klassen sind
unterschiedlich gut ausgeprägt. Bei den 470ern werden wir offenbar nicht so
wahrgenommen, da müssen wir präsenter sein. Überschneidungen zu Europa- und wie
jetzt zu den Weltmeisterschaften hat es hier in den vergangenen Jahren immer
wieder gegeben. Der künftige Eventkalender von World Sailing, der uns eine
Schutzzone einräumen wird, wird uns sicherlich helfen. Gut aufgestellt sind wir
bei den 49ern und Nacra17. Hier gibt es beste Verbindungen zum
Klassenmanagement“, erklärt Ramhorst.

Sven Christensen, Geschäftsführer von Point of Sailing, findet auch, dass die Veranstaltung in Schilksee in diesem Jahr vor allem durch den neuen Standort der Bühne dazu gewonnen hat. Foto: segel-bilder.de

Dennoch wird die Kieler Woche
2020 wohl durch eine Delle in den Meldezahlen gehen müssen. „Das ist etwas, das
wir alle vier Jahre erleben. Zeitlich ist Olympia zu dicht an der Kieler Woche,
und Tokio ist zu weit weg, als dass die Athleten Kiel mit in den
Vorbereitungskalender aufnehmen würden.“ Besserung ist ab 2021 ist Sicht. Das
bisherige Worldcup-Modell des Segelsports ist auch aus Sicht des
Kieler-Woche-Verantwortlichen gescheitert. Ramhorst geht davon aus, dass World
Sailing beschließen wird, zu den Wurzeln zurückzukehren. Das hieße, dass
Klassiker wie Miami, Mallorca, Medemblik, Hyeres und die Kieler Woche wieder
einen Status als Great Event oder Grand Slam erhalten. Hier werden die Punkte
für die Worldcup-Wertung verteilt, die dann zur Startberechtigung beim (noch zu
benennenden) Worldcup-Finale führen.

Der Klassen-Kanon der Kieler
Woche wird sich in Zukunft abhängig von den Olympiaklassen verändern. Mit der
Einführung des Kite-Boarding für die Spiele 2024 und eines neues Surfboards
sollen auch diese Formen des Segelns wieder in Kiel ausgetragen werden. Bei den
internationalen Klassen wird die Kieler Woche überprüfen, inwieweit deren
Auftritt zuletzt erfolgreich war. Einen kritischen Blick wird es daher geben
auf die Foiling Dinghys, die in dieser Form ihre Premiere vor Kiel gefeiert,
und die Musto Skiffs, die zu einem Comeback an der Förde angesetzt haben.

Auch das Seebahn-Programm
muss überprüft werden, nachdem es in diesem Jahr viele Angebote gab, die
teilweise aber nur von kleinen Flotten wahrgenommen worden sind. „Da bleiben
wir am Ball. Das Phänomen der abnehmenden Meldezahlen zieht sich durch die
gesamte deutsche Szene. Oft sind berufliche Gründe dafür verantwortlich, dass
die Eigner nicht ausreichend Crew zur Verfügung haben. Dem müssen wir in
unserem Angebot in Absprache mit der Regattavereinigung Seesegeln und dem
Deutschen Segler-Verband begegnen. Große Veranstaltungen in Dänemark zeigen,
dass es geht.“ Eine Idee auf der Agenda von Dirk Ramhorst ist es, den engen
Kontakt zu den Sportboothäfen – auch außerhalb Kiels – zu suchen und dort für
die Kieler-Woche-Seeregatten zu werben. „Meine Vision wäre es, mit dem Start
zur Aalregatta Bilder liefern zu können, wie sie von der Windjammer-Parade
selbst in der Tagesschau laufen“, so Ramhorst, der insgesamt zur 125. Kieler
Woche ein glänzendes Fazit ziehen kann: „Das Wetter hat sich auf die Stimmung
übertragen. Wir hatten eine grandiose Woche mit perfekten Segelmomenten. Die
Bilder, die in die Welt hinausgegangen sind, sprechen für sich. Das war eine
Werbung für den Segelsport und für Kiel!“

Änderungen bringen die Kieler
Woche voran – nicht nur auf dem Wasser, sondern auch in der Gestaltung des
Olympiazentrums von Schilksee. Und so war 2019 nicht alles ist wie immer auf
der Kieler Woche. Augenfällig war das Fehlen des großen Audi-Zeltes. Lediglich
durch den Shuttleservice sticht der Autokonzern mit den vier Ringen noch ins
Auge. Für Sven Christensen ist das in zweierlei Hinsicht kein Rückschritt. „Ich
finde, die Änderung des Layouts ist eine Bereicherung. Der neue Standort der
Bühne funktioniert bestens“, sagt der Geschäftsführer von Point of Sailing, der
Vermarktungsagentur des Kieler Yacht-Clubs (KYC). Audi sei weiterhin ein
Premium-Partner. „Audi hat lediglich seine eigene Promotion mit der
Kundenaktivierung und anderen Aktivitäten zurückgefahren.“ Ohnehin würde man in
der Vermarktung der Kieler Woche immer in einer Wellebewegung stecken. „Dieses
Jahr ist es eher eine Delle, in der wir uns bewegen, ohne allerdings
unterfinanziert zu sein“, sagte Christensen, der auf dem Gelände in Schilksee
meist nur mit Handy und Sprechfunkgerät anzutreffen ist.

Was Probleme verursachte, sei
der späte Wegfall der HSH Nordbank als Sponsor gewesen. „Die Entscheidung ist
kurzfristig erst Mitte Dezember gefallen. Darauf konnten wir nicht mehr
reagieren. Beim Bankenpaket sind wir zu spät dran gewesen. Aber ich bin da ganz
zuversichtlich“, meinte der aktive Segler auf der „Sydbank“ (X-41), der
allerdings vor, während und nach der Kieler Woche zum Landgang verurteilt ist.
Konsequenz aus der Delle im Jahr 2019. „Alles funktioniert. Wir brauchen neue
Partner, um nicht stehen zu bleiben.“

Bewegt habe sich auch einiges
in punkto Ehrenamt. Nach einer Befragung 2018 auf mehreren Ebenen und einer
umfangreichen Auswertung seien viele neue Aktivitäten umgesetzt worden. „Am
langen Donnerstag haben wir für die ungewollte Spätschicht aus der Hüfte heraus
ein Buffet für die Ehrenamtler organisiert, was großen Anklang fand“, erklärte
Christensen. Sein persönlicher Wunsch für die 126. Kieler Woche: „Ich würde den
Bühnenbereich noch etwas schöner gestalten wollen.“

Zweimal Gold für das German Sailing Team

Mit den spektakulären Medal-Races
setzte die 125. Kieler Woche den grandiosen Tagen auf der Außenförde die Krone
auf. Live im TV konnten die Zuschauer im Olympiazentrum mitverfolgen, wie
vehement in den sechs olympischen Disziplinen um Gold, Silber und Bronze
gestritten wurde. Grund zum Feiern hatten dabei auch Victoria Jurczok/Anika
Lorenz (49erFX) und Phillip Kasüske (Finn), die sich über Kieler Gold freuen
durften. Die übrigen vier Kieler-Woche-Goldmedaillen in den olympischen Klassen
gingen nach Großbritannien, Neuseeland, Österreich und Schweden.

Nacra 17

Schon der Start ins Rennen
sorgte für viel Aufregung. Während das Gros des Feldes auf Backbord-Bug über
die Linie rauschte, wählten Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (Kiel) die
gegensätzliche Variante und steuerten sich mit Kurs auf die rechte Bahnseite an
die Spitze des Feldes. Pech hatten die Finnen, die in ihrem Start an der
Ankerleine des Pin-End-Bootes hängenblieben und damit die Flotte nur noch vor
sich hertreiben konnte. Vorn setzten Kohlhoff/Stuhlemmer die Referenzmarke,
hatten aber auch immer einen Blick auf die Verfolger. Denn nur die
Platzierungen der Österreicher Thomas Zajac/Barbara Matz und der Dänen Lin
Cenholt/CP Lübeck entschieden darüber, ob es noch eine Chance auf Gold gab.
Doch dann platzte der Traum vom deutschen Kieler-Woche-Sieg urplötzlich. Beim
Versuch, den optimalen Leichtwind-Trimm zu finden, rutschte Alica Stuhlemmer
aus dem Trapez und fiel zwischen die Rümpfe. Eine Schrecksekunde, da die
scharfen Foilkanten für schwere Verletzungen sorgen können. Doch Alica
Stuhlemmer konnte wieder an Bord klettern, das Team weitersegeln. Der
Medaillenzug war damit aber abgefahren. Gold sicherten sich schließlich
Zajac/Matz, denen der vierte Platz reichte, um die Spitzenposition zu
verteidigen. Der Jubel an Bord der Österreicher war riesig: „Die Kieler Woche
zu gewinnen, ist ein Mega-Ding für uns. Es war wahnsinnig spannend. Ich habe
die Babsi die ganze Zeit angefeuert und sie hat einen Super-Job gemacht“,
feierte sich Zajac und seine Vorschoterin. Auf den weiteren Medaillenrängen
landeten sschließlich die Italiener Vittorio Bissaro/Maelle Frascari und die
Dänen Lin Cenholt/CP Lübeck. Kohlhoff/Stuhlemmer mussten mit Platz vier vorlieb
nehmen, Johannes Polgar/Carolina Werner (Hamburg/Kiel) wurden Zehnte.

Finn Dinghy

Phillip Kasüske startete auf einem starken zweiten Gesamtrang in das Medalrace und sicherte sich mit einem dritten Platz den Gesamtsieg der 125. Kieler Woche im Finn. Foto: segel-bilder.de

Anders als bei den Nacras
durfte sich das German Sailing Team, die deutsche Nationalmannschaft, noch über
Gold bei den Finns freuen. Phillip Kasüske (Berlin) war als Zweiter in das
Medal-Race gestartet und kämpfte dort intensiv um seine Goldchance. Während er
sich über fast den gesamten Rennverlauf in den Top-Five aufhielt und mit der
letzten Tonnenrundung sogar noch auf den dritten Platz bis ins Ziel vorsegelte,
musste der zuletzt so stark agierende Kroate Milan Vujasinovic einen schweren
Rückschlag hinnehmen: „Ich bin vor dem Start im Match-Race-Modus gegen ihn gesegelt.
Er hat dann einen Penalty kassiert“, berichtete Kasüske von seinen taktischen
Winkelzügen. Vujasinovic ging mit Verspätung ins Rennen, war an der ersten
Bahnmarke Letzter des zehnköpfigen Finalfeldes. Davon konnte sich nicht mehr
entscheidend befreien und rutschte als Vorletzter des Medal-Races noch auf Rang
vier im Gesamtranking ab. Kasüske sicherte dem deutschen Team die Goldmedaille,
Ondrej Teply (Tschechien) wurde Zweiter, der Australier Jake Lilley Dritter.
„Es war bis zum Ziel noch spannend, denn ich durfte nicht zu viel auf Lilley
und Teply verlieren. Aber mit Platz drei war alles klar“, so Kasüske.

49er FX

Victoria Jurczok und Anika Lorenz verteidigten im Medalrace ihren ersten Platz in der Gesamtwertung und dürfen sich verdient über ihren ersten Kieler Woche-Sieg freuen! Foto: segel-bilder.de 

Mit einem Sechs-Punkte-Vorsprung
gingen Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Berlin) in das Finale, und das versetzte
die Olympia-Teilnehmerinnen von 2016 in die Lage, mit einer konservativen
Verteidigungstaktik das Feld im Auge zu behalten. Aus der Mitte der Startlinie
heraus gingen sie in das Rennen, segelten sich dann zügig in den freien Wind
und spielten ihren guten Bootsspeed aus, um schließlich in den Top-Drei die
erste Bahnmarke zu runden. Da sie die Niederländerinnen Willemijn
Offerman/Elise de Ruijter im Kielwasser hatten, waren Jurczok/Lorenz in der
komfortablen Situation, einen Angriff auf Gold jederzeit kontern zu können.
Souverän kontrollierten die Deutschen zunächst das Geschehen, leisteten sich
dann aber das Risiko Offerman/de Ruijter aus den Augen zu lassen. An der
zweiten Luvmarke schien dennoch alles klar. Doch auf dem letzten Weg ins Ziel
wurde es noch einmal spannend. An der Spitze segelte die Dänen Anne-Julie
Schütt/Iben Nielsby, dahinter gab es ein Fotofinish von drei Booten. Das
verloren Jurczok/Lorenz zwar gegen Offerman/de Ruijter und auch noch Tina
Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande), doch Platz vier reichte zum Gold. „Wir
freuen uns riesig. Ein Medal-Race ist mental immer anstrengend. Eigentlich
wollten wir noch eine Top-Drei-Platzierung einfahren. Aber jetzt sind wir
glücklich, dass es mit dem Kieler-Woche-Sieg geklappt hat“, sagte Steuerfrau
Victoria Jurczok, und Anika Lorenz ergänzte: „Es war ein cooles Rennen!“ Neben
dem Gold für Jurczok Lorenz ging Silber an die Niederlande (Offerman/de Ruijter)
und Bronze nach Dänemark (Schütt/Nielsby).

49er

Dass die Medaillenvergabe bei
den 49ern ohne die in der Saison bisher so starken deutschen Teams verlaufen
würde, war bereits vor dem Finale weitgehend klar. Als dann die einzigen
GER-Teilnehmer am Medal-Race, Tim Fischer/Fabian Graf (Hamburg/Berlin), an der
ersten Bahnmarke nur Zehnter waren, ging der Fokus der Zuschauer auf die
internationalen Teams. Nur Beobachter am Rande waren ausgerechnet auf ihrem
Heimrevier die Kieler Justus Schmidt/Max Boehme. „Wir haben vor der Kieler
Woche vor allem Speed-Vergleiche mit internationalen Teams gemacht. Dass das zu
Lasten der Rennperformance gehen würde, wussten wir. Dass wir dann aber solch
eine Schelle bekommen würden, war schon krass“, so Schmidt nach dem 22. Platz.
Nicht nach Plan verlief allerdings auch der Auftritt der Olympiasieger von
2016, Peter Burling/Blair Tuke (Neuseeland). Die Superstars beendeten die
Kieler Woche lediglich auf dem 5. Rang. Gold ging an ihre Landsleute Logan
Dunning-Beck/Oscar Gunn, Silber gewannen die Polen Lukasz Przybytek/Pawel
Kolodzinski, Bronze das britische Team James Peters/Fynn Sterritt.

Laser Radial Frauen

Bei den Frauen der
olympischen Einhand-Klasse bestätigte das Medal-Race die vorherige Top-Position
der Schwedin Josefin Olsson noch einmal eindrucksvoll. Mit der ersten Wettfahrt
am Mittwoch lag die Stockholmerin an der Spitze, gab diesen Platz nie ab und
war auch im Medal-Race die Schnellste. Damit war die Gold-Vergabe eine klare
Sache. Dahinter gab es allerdings noch einen Wechsel. Die Japanerin Manami Doi
rutschte durch den zweiten Platz im finalen Rennen noch auf den Silberrang, die
Finnin Tuula Tenkanen musste daher mit Bronze zufrieden sein. Die Kielerin
Svenja Weger segelte im Medal-Race im Mittelfeld, wurde insgesamt Sechste. Pia
Kuhlmann (Schaumburg-Lippe) landete auf Platz zehn.

Laser Standard Männer

Der Brite Jack Cookson
liefert zwar nur ein mittleres Finale ab, aber sein Vorsprung auf die
Konkurrenz war groß genug, dass die Goldmedaille nicht mehr in Gefahr geriet.
Er wird zur Siegerehrung am Nachmittag auf der obersten Stufe des
Siegerpodestes stehen. Neben ihm gruppieren sich der Schwede Wilhelm Kark auf
Rang zwei und Daniel Whiteley (ebenfalls Großbritannien). Der Berliner Nico
Naujock wurde in einem Laser-Feld, bei dem die absoluten Top-Segler wegen der
nahen WM fehlten, Siebter.

Ankunft auf den Caymaninseln

Nikes Vlog II #53: <p>
	Nikes Vlog II #53</p>

Nach der kubanischen Erfahrung macht sich Nike auf den Rückweg gen Panama… und taucht auf den Caymans mit Schildkröten

Kieler Woche ganz oben auf der Wunschliste

„Freunde
haben mir erzählt, dass Kiel das Kälteste war, das sie erlebt haben. Und dann
kommen wir hierher, und es ist so warm“, berichtet Shelby Milne. Es ist das
erstes Mal für die Crew bei der Kieler Woche und es stand ganz oben auf der
Wunschliste der US-Amerikaner. „Ich habe noch nie so viele Boote an einem Ort
gesehen“, schwärmt Shelby Milne. „Wir haben uns auch schon den ersten Teil
angesehen. Wenn alle ins Wasser geströmt sind, hat das Wasser gebrodelt“,
berichtet Steuermann Keith Whittemore. „Es sind sehr kurze Rennen. Und es ist
ein gut besetztes Feld“, berichten sie von ihren ersten Eindrücken. „Wir hatten
zwischen den Rennen nur wenig Zeit zum Durchatmen.“

Dabei
bewiesen die Amerikaner, dass sie alle Windstärken beherrschen. Nach einem
windreichen Auftakt folgte ein Flautentag und dann der dritte Tag mit
Schwachwinden. Keith Whittemore und Crew waren in der J/24 nicht zu stoppen.
Mit sechs ersten und einem zweiten Platz liegen sie souverän in Front, bevor am
heutigen Abschlusstag ab 10.30 drei weitere Rennen auf dem Programm stehen.

„Ich
mag die großen Felder“, erklärt Willem van Waay seine Vorliebe für die „J“s,
egal ob J/24, J/70 oder J/80. „Lieber 50 langsame Boote als neun schnelle.“ Von
den mehreren hunderten Booten habe er gehört, und daher wollte er unbedingt zur
Kieler Woche. Klar, wollen sie diese auch gerne gewinnen. Aber eigentlich
nehmen sie die Regatta vor allem auch als Training. Im Oktober sind die
Weltmeisterschaften in Miami, dafür wollen sie sich noch weiter verbessern. Zuvor
geht es allerdings für Willem van Waay, der noch vor einer Woche mit dem
Vorsitzenden des DSV-Seesegelausschusses und Farr 40-Segler Wolfgang Schäfer in
Long Beach bei der Siegerehrung gemeinsam auf der Bühne stand,  gleich nach der Kieler Woche weiter, dann auf
der J/70 zur New England Championships in Newport.

Das
heutige Programm:

Geplante
Startzeiten für die Medal-Races:

11.00
Uhr: Nacra 17 und Finn

11.40
Uhr: Laser Radial

11.45
Uhr: Nacra 17

12.20
Uhr: Laser Standard

12.30
Uhr: 49er

10.30
Uhr: 420er, J/24, J/70 und J780 je drei Wettfahrten.

Letzte
Startmöglichkeit: 14 Uhr.

16
Uhr Siegerehrung.

Mit vier Titel-Hoffnungen ins Kieler-Woche-Finale

125. Kieler Woche: <p>
	125. Kieler Woche: Vicky Jurczok und Anika Lorenz starten im 49erFX als Spitzenreiterinnen in das Medaillenfinale am Sonntag</p>

Noch haben die deutschen Olympiasegler keinen Titel sicher. Aber: Sie haben sich Chancen erarbeitet. Allen voran die 49erFX-Crew Vicky Jurczok und Anika Lorenz

Heiße Luft, wenig Wind

Mit deutschen Fehltritten startete der vorletzte Tag der 125. Kieler Woche in den schnellen Olympiaklassen. Damit wird es bei den Nacra17 und 49erFX enger für deutsche Goldmedaillen zur Kieler Woche. Im Gegenzug setzten die Finn-Asse Phillip Kasüske und Max Kohlhoff Big Points im Kampf um die Medaillen und sind für das Finale hoffnungsfroh.

Nach einer Spätschicht am
Freitag kam der Samstag schwer in Fahrt. In der Strander Bucht arbeiteten
Thermik und Gradientwind gegeneinander und sorgten für löchrige Windfelder. Die
schnellen Klassen (49er, 49erFX und Nacra17) waren daher zwar früh auf dem
Wasser, nach einer Wettfahrt aber auch schon wieder im Hafen, um dort
abzuwarten, dass sich die Brise im Laufe des Tages stabilisieren würde. Das tat
sie aber nicht. Um 17.30 Uhr wurden schließlich alle weiteren Wettfahrten
abgesagt. Besser ging es auf den meisten der weiter außen gelegenen Bahnen. So
segelten die Laser und Finns jeweils zwei Wettfahrten, die J-Klassen sogar vier
und die 420er ein Rennen.

Früh auf der Bahn, zu früh
über die Linie: Die Berlinerinnen Victoria Jurczok/Anika Lorenz kassierten in
der einzigen Tageswettfahrt der 49erFX eine Frühstart-Disqualifikation und
haben damit nun das Streichresultat auf der Liste, das sie bisher so vehement
vermieden hatten. Dennoch verteidigten sie einen Sechs-Punkte-Vorsprung und
haben damit im Medal-Race, der einzigen Wettfahrt am Abschlusstag, alle Trümpfe
in der Hand, um ihren ersten Kieler-Woche-Sieg einzufahren. Ins Straucheln sind
die nationalen Konkurrentinnen Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande)
geraten. Durch ihren 24. Platz sind sie nun Fünfte, haben zwar noch eine Chance
auf eine Medaille vor Kiel, aber nicht mehr auf die goldene.

Für die neuseeländischen
Segelstars Peter Burling/Blair Tuke verlief der Tag ebenfalls nicht
wunschgemäß. Rang 16 warf die 49er-Olympiasieger von 2016 und Gewinner des
vergangenen America’s Cup auf den sechsten Rang zurück. Schon am Freitag fanden
die Kiwis nicht auf die Erfolgswelle. Peter Burling nahm es gelassen: „Das
Wetter ist super, der Wind schwierig. Aber es ist gut, hier zu sein und sich in
der starken Konkurrenz zu messen.“ Nach AC 2017 und Teilnahme am Volvo Ocean
Race 2017/18 ist der Fokus jetzt wieder in Richtung Olympia ausgerichtet. „Aber
wir müssen uns noch qualifizieren. Die nationale Konkurrenz ist stark, aber das
pusht einen ja nur nach oben.“ Burling/Tuke sind vor dem Medal Race Fünfte, die
Führung haben die Polen Lukasz Przybytek/Pawel Kolodzinski inne. Einzige
deutsche Mannschaft im Finale am Sonntag sind die zehnplatzierten Tim
Fischer/Fabian Graf.

Ein weiterer Ausrutscher im
Nacra17 kostete die bisher führenden Kieler Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer die
Spitzenposition. Der Abstand auf den Goldrang ist allerdings noch klein, so
dass es im Medal-Race möglich sein wird, die Österreicher Thomas Zajac/Barbara
Matz anzugreifen. Zajac, der Olympia-Dritte von Rio, ist in jedem Fall
glücklich mit seinem Auftritt: „Die Kieler Woche hat bei uns im
österreichischen Verband einen hohen Stellenwert, und es ist immer cool hier zu
segeln.“ Nach der Kieler Woche, die das Duo Zajac/Matz gern zum dritten Mal in
Folge auf einem Podiumsplatz beenden möchte, wird es für die Österreicher nach
Japan zum Olympia-Testevent gehen, anschließend nach Neuseeland zur WM-Vorbereitung.
„Das Nationenticket für die Spiele haben wir schon geholt. Jetzt geht es für
uns auch noch um die interne Qualifikation. Wir haben in Österreich durchaus
zwei, drei Mannschaft, die bei Olympia segeln könnten“, so Barbara Matz.

Gute deutsche Chancen auf
einen Podiumsplatz zur Kieler Woche gibt es im Finn. Phillip Kasüske (Berlin)
überzeugt durch eine beständige Serie von Top-Fünf-Ergebnisse und liegt
insgesamt auf dem zweiten Platz. „Es war anstrengend in den vergangenen Tagen,
aber es ist ganz gut gelaufen. Ich habe mir nur wenige Feher erlaubt. Der
Kroate Milan Vujasinovic hat in den letzten Wettfahrten einen super Job
gemacht, sich offenbar perfekt auf das Revier eingespielt“, sagte Kasüske und
wagte bereits einen Blick voraus auf das kommende Frühjahr: „In Genua wollen
wir die letzte Chance nutzen, um Deutschland für die Olympischen Spiele zu
qualifizieren. Max Kohlhoff und ich arbeiten dafür eng zusammen.“ Auch Kohlhoff
ist als Fünfter vor Kiel noch eng dran an den Medaillenplätzen.

Svenja Weger sicherte sich im schweren zweiten Rennen am Samstag den Sieg und damit Platz sechs in der Gesamtwertung. Foto: Kieler Woche / www.segel-bilder.de

Bei den Lasern ist dagegen
ein Podiumsplatz für Deutschland kaum mehr möglich. Bei den Radial-Frauen
erwischte Svenja Weger einen wechselhaften Tag mit einem 15. Platz und einem
Sieg zum Abschluss. „In der ersten Wettfahrt bin ich durch die Mitte gesegelt,
das wurde nicht belohnt. Es ging über links. Das zweite Rennen war schwierig,
da der Wind kurz vor dem Ziel einbrach und es eigentlich mehr Treiben als
Segeln war. Aber insgesamt war es okay“, so die Kielerin. „Wenn es im Laufe der
Serie der ein oder andere Ausrutscher nach unten weniger gewesen wäre, hätte es
noch besser sein können. Aber der sechste Platz aktuell ist okay, und
vielleicht geht ja noch ein bisschen was morgen.“ Neben Weger geht auch noch
Pia Kuhlmann als Zehnte in das Medal Race. Die Schwedin Josefin Olsson
verteidigte ihre Führung und hat mit zwölf Punkten Vorsprung gute Chancen, sich
das Gold von Kiel zu sichern.

Bei den Laser-Männern wurde
das bisher führende Trio aus Großbritannien durch den Schweden Wilhelm Kark
gesprengt. Er liegt jetzt zwischen Spitzenreiter Jack Cookson und dem
drittplatzierten Daniel Whiteley. Nico Naujock (Berlin) wird als einziger
Deutscher im Medal-Race segeln. Als Siebter sind seine Chancen auf eine
Top-Drei-Platzierung allerdings nur gering.

Die vier internationalen
Klassen hatten unterschiedlich intensive Segeltage. Nur zu einer Wettfahrt
reichte es bei den 420ern. Hier brachten sich Theresa Steinlein/Jonas Royla
(München) durch einen zweiten Platz auch in der Gesamtwertung auf Rang zwei. In
den internationalen Klassen wird kein Medal-Race gesegelt, so dass in den zwei
geplanten Wettfahrten am Sonntag auch noch der Angriff auf die führenden Polen
Patryk Kosmalski/Tomasz Lewandowski möglich ist.

Der Sieg in der J/24 ist
dagegen so gut wie vergeben. Mit einer beeindruckenden Siegesserie im Rücken
werden sich die US-Amerikaner um Keith Whittemore nicht mehr durch die
Hamburger (Stefan Karsunke) oder Berliner (Frithjof Schade) vom Thron stoßen
lassen.

In den fast ausschließlich
deutsch geprägten Klassen der J/70 und J/80 steuern Philipp Bruhns (Berlin,
J/70) und Arne Wilcken (Kiel, J/80) auf Siegkurs. Allerdings sind die
Punktabstände noch gering, so dass am Schlusstag noch Verschiebungen möglich
sind.

Geplante Startzeiten für die
Medal-Races:

11.00 Uhr: Nacra 17 und Finn

11.40 Uhr: Laser Radial

11.45 Uhr: Nacra 17

12.20 Uhr: Laser Standard

12.30 Uhr: 49er

Etwas kürzer als sonst: das Silberne Band der Kieler Woche

125. Kieler Woche: <p>
	Die Crew auf Max-Christian Habecks Diva 34 &quot;Riva&quot; von der Segelkameradschaft Das Wappen von Bremen e.V. segelte in ORC III + IV auf Platz sieben</p>

Flaue Winde haben die Wettfahtleitung bewogen, die den 120-Seemeilen-Klassiker um 20 Seemeilen zu verkürzen. „Desna“, „Piranha“ und „Quiron“ machen das Rennen

Verkürztes silbernes Band

Zehn
Knoten Wind schoben die „Desna“ als erstes Boot gegen 8 Uhr morgens beim
Silbernen Band der Kieler Woche durch das neu gelegte Zielgate. Die
Wettfahrtleitung hatte sich für eine Bahnverkürzung um etwa 20 Meilen
entschieden und die Dickschiffe nach 100 Meilen die Ziellinie bei Langeland Süd
passieren lassen. Die zweitschnellste Yacht war die „Farr-Laessig“.

„Wir
wollten sie sicher ins Ziel holen und nicht ins Windloch fahren lassen“, erklärte
Wettfahrtleiter Ralf Paulsen die Entscheidung. Zu dem Zeitpunkt hatten die
Segler bereits eine schwierige Nacht hinter sich. Im Svendborgsund hatten sie
mit starkem Gegenstrom zu kämpfen. Zwei Boote liefen auf Grund und mussten
freigeschleppt werden. Das bedeutete die Disqualifikation für „Harp8“, die in
der Wertung der Double Hand Offshore Challenge startete, und „Equity Kicker“.

Die
„Desna“ mit Sven Wackerhagen (Kiel) am Steuer brauchte 13 Stunden und 22
Minuten, bis sie die Ziellinie überquerte. Das reichte auch nach berechneter
Zeit für den Sieg in der ORC I Klasse. Anders sieht es bei Michael Schulz (Braunschweig)
und seiner Crew auf der „Farr-Laessig“ aus. Sie waren zwar mit 14 Stunden und
17 Minuten das zweite Boot im Ziel, mussten aber in der Berechnung einen
größeren Verlust als andere hinnehmen und landeten so auf dem siebten Platz. Sieger
in der ORC II Wertung wurde Christian Rönsch (Hamburg) mit der „Piranha“. Im
Feld der kleineren Yachten der ORC III+IV machte Hauke Moje (Kiel) mit der
„Quiron“ das Rennen. Unter den Yachten, die ohne ORC unterwegs waren, konnte Jochen Heinz (Flintbek) mit der „io“ den Sieg ersegeln. Mit dem
Silbernen Band ging auch die Double Hand Offshore Challenge zu Ende. Nach drei
gesegelten Rennen entschied Johannes Christophers (Hamburg) auf „Fliege“ die
Premiere für sich.

Eigentlich hatte auch Lina Rixgens mit ihrer neuen
Mini 6.5 bei der Double Hand Offshore Challenge starten wollen, doch die
Mastlieferung verzögerte sich. „Ich finde es super schade, da ich es fest
eingeplant hatte und bei diesem Event die ersten Teststrecken mit dem Boot
segeln wollte.“ Nun verschiebe sich alles bis zur Travemünder Woche. Am 19.
Juli sei die Bootstaufe geplant und danach gehe es zu den ersten
Segeleinheiten, zeigte sich Lina Rixgens optimistisch, dass der Mast bis dahin
angekommen ist. „Ich habe dann die Einladung zum Mitsegeln auf einer anderen
Mini zum Silbernen Band bekommen“, erklärt sie. Zusammen mit Fabian Buhse ging
sie auf die Strecke. „Es war insgesamt ganz gut. Aber der Kurs war für unseren
Mini nicht besonders tauglich.“ 

Um
18.35 Jahr am Abend zuvor waren 27 Yachten zur traditionellen
Langstrecken-Regatta über Nacht gestartet. Nicht mehr am Start war Konrad
Smolen. Der Pole hatte zwar mit seiner Crew gemeldet, hatte aber Angst, es bei
dem wenigen Wind zeitlich nicht mehr zurück in die Heimat zu schaffen. Während
die anderen Boote sich auf dem Regattakurs befanden, segelte die Caravela 950
bereits in Richtung Danzig. „Wir brauchen so in etwa 50 bis 60 Stunden für die
Strecke“, erklärte Konrad Smolen, der bereits zum zehnten Mal den langen Weg
nach Kiel auf sich genommen hatte. „Ich liebe die Stadt und die Regatta“,
schwärmt er. Auch wenn es in diesem Jahr für die Crew nicht so gut lief. „Unser
GPH ist schlimm. Das Boot ist nicht für das Crewsegeln geeignet sondern
eigentlich ein Doublehander. Wir wollten es ausprobieren und schauen, ob wir
damit im Feld konkurrieren können, mussten aber feststellen, dass wir das nicht
können.“

Hinzu kamen Probleme mit dem Spinnaker beim Kiel-Cup.
Als der alte Gennaker zum Senatspreis wieder als Vorwindsegel gesetzt wurde,
lief es besser. Montag müssen sie alle wieder bei der Arbeit sein, bis dahin
liegen noch viele Seemeilen vor ihnen.

Ergebnisse Silbernes Band:

ORC I: 1. „Desna“ Sven Wackerhagen (Kiel) Punkte 1; 2.
„Zukunft IV“ Niklas Schubert (Kiel) 2;

ORC II: 1. „Piranha“ Christian Rönsch (Hamburg) Punkte
1; 2. „Rarotonga“ Werner Lemmel (Berlin) 2; 3. „Dockenhuden“ Jan Krüger
(Hamburg) 3;

ORC III+IV: 1. „Quiron“ Hauke Moje (Kiel) Punkte 1; 2.
„Hinden“ (Strande) 2; 3. „Jalapeño“ Hinnerk Blenckner (Eckernförde) 3;

Kein ORC: 1. „io“ Jochen Heinz (Flintbek) Punkte 1; 2.
„Longo Mai“ Thomas Jung (Kiel) 2; 3. „Ellide“ Florian Maxeiner (Kiel) 3;

Ergebnisse Doublehand Offshore Challenge:

1. „Fliege“ Johannes Christophers (Hamburg,2/1/1)
Punkte 4; 2. „Sharifa“ Rasmus Töpsch (Strande,1/3/2) 6; 3. „Halbtrocken“ Dr.
Knut Freudenberg (Flensburg,3/2/5) 10; 4. „Harp8“ Joachim Harpprecht (Molfsee,4/5/5)
14;

Ergebnisse Senatspreis:

ORC I+II: 1. „Stardust“ Alf Henryk Wulf (Stuttgart)
Punkte 1; 2. „Equity Kicker“ Karsten Mau (Flensburg) 2; 3. „Resolute“ Andi
Lochbrunner (Lindau) 3;

ORC III+IV: 1. „Fakse“ Leif Kemmerich (Göttingen)
Punkte 1; 2. „Himmelblau“ Wilfried Heinen (Vettweiß) 2; 3. „Caravela 950“
Konrad Smolen (POL) 3;