Monatsarchive: Dezember 2018

Golden Oldies – 6 Gebrauchtboote unter Deck

6 Gebrauchtboote unter Deck: <p>
	Sechs gebrauchte Kleinkreuzer bieten unter Deck unterschiedlichste Optionen</p>

Erstaunlich, was unsere sechs Kandidatinnen im Vergleichstest der gebrauchten Kleinkreuzer um 22 Fuß unter Deck alles zu bieten haben

Tschüss 2018, Hallo 2019 (Video)

Es war ein, sagen wir mal, interessantes Jahr. Miserabler Start, super Endspurt. Immerhin hat es mich raus aus Deutschland und rauf auf mein Schiff geführt. So kann
und soll es weitergehen….

SV Selene – Kjell Litwin SE

HOTSPOT HOBART – ANDERS ALS GEDACHT 

Es herrscht Hochsaison in Tasmanien, weil zu X-Mas der Sommer am Start jeden Segler dort ans Wasser lockt, zumal Hobart als Ziel legendärer Regatten im Kalender steht, und auch als Stop Over Hafen für Weltumsegler seine Reize hat. Bislang sind dort 6 GGR Segler vorbeigekommen, weil der Veranstalter ihnen auferlegt, ein paar Stunden Minuten weise endlose Runden um eine Boje zu drehen, damit die Welt hautnah und Bilder trächtig erfahren möge, was die Einsamkeit auf See hier angerichtet hat: Erstaunliches! Weil man sehen konnte, wie sehr 5 der 6 Matadore ihre innere Ruhe gefunden haben, bevor sie zur zweiten Hälfte ihrer langen Reise aufgebrochen sind.

Ein Drama, das sie alle vereint, hat einen glitschigen Namen. Barnacles haben der Welt gezeigt, wer der Chef vom Ring ist, wenn man lange unterwegs. Es ist tragisch, wenn man in Hobart einem der GGR Segler verweigert hat, sein Schiff zu säubern, und er mit seiner segelnden Muschelfarm, im Schneckentempo, zum Weitersegeln gezwungen, noch viele einsame Monate vor sich hat, obwohl er eigentlich eines der schnellsten Schiffe hat. Das Hobart Interview von Tapio Lehtinen ist eindrucksvoll.

Kjell Litwin, ein schwedischer Weltumsegler, ist vor wenigen Tagen ebenfalls nach Hobart eingekehrt, auch er ein Opfer seiner glitschigen Begleiter, die ihn im Indischen Ocean derart abgebremst haben, dass im unterwegs das Wasser ausgegangen war, und er um Hilfe bitten musste. Istvan Kopar hatte ihm mit einem Kanister geholfen. Die SV Selene, eine schwedische Vagabond 31 – ähnlich einer OE 32 – ist im Mai in der Heimat aufgebrochen, um sich abseits aller Veranstaltungen seinen Traum einer Weltumsegelung zu erfüllen. Kjell ist 71 und hat sich entschlossen, seinen selbstgebauten Steuerautomaten gegen eine Windpilot auszutauschen, die am 4.Januar Hobart erreichen wird.

Familie Zapp unter Segeln

Die Top Ten Filme des Jahres bei YACHT tv

Performance-Cruiser-Vergleich: <p>
	Durchstarten unter Segeln: Performance-Cruiser im Vergleich</p>

Ob Kleinkreuzer-Vergleich, Volvo Ocean Race oder Bootstests der spannendsten Neuheiten: Wir blicken zurück auf 2018 und wünschen eine guten Start ins neue Jahr!

Tag 22 =>Osterinsel – Butter bei die Fische

So., 30.Dez.18, Süd-Pazifik, Tag 1673, 15.537 sm von HH
Wie läuft es denn Zwischenmenschlich nach über drei Wochen? Butter bei die Fische! Ich sag mal so, es hilft, wenn man sich sympathisch ist. Zumindest ein wenig. Ideal ist diese Veranstaltung vielleicht für frisch Verliebte. Sind wir nicht, die rosarote Brille ist weg und die positiven, besonders jedoch die negativen Eigenschaften der Mitsegler kommen an den Tag. Überdeutlich wird mir klar, warum ich Achim geheiratet habe und warum ich es besser gelassen hätte.
Wir kommen trotzdem sehr gut miteinander klar. Fast besser als an Land. Gibt es an Land schon mal Gemecker in der Pantry ( „Muss du unbedingt jetzt an den Kühlschrank? Du siehst doch, dass ich alles in Beschlag habe … raus aus meiner Küche“) schaffen wir es einvernehmlich auf einem Viertelquadratmeter, der nicht sillstehen will, Töpfe in den Schrank zurück zu räumen. Wir sind überdurchschnittlich höflich und rücksichtsvoll. Friede, Freude, Butterkuchen. Vielleicht weil wir wissen, dass wir dem anderen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind. Der ganze Mist ist schon nervig genug, da braucht man keinen Streit.
Gab es trotzdem. Ausgerechnet Heiligabend. Da sind wir statistisch aber wohl in guter Gesellschaft. Die meisten Ehekräche gibt es an den Feiertagen. Eine Theorie besagt, weil die Partner plötzlich den ganzen Tag Zeit miteinander verbringen. Das ‚plötzlich‘ trifft auf uns eher nicht zu. Aber dass Achim nerven kann, ist unbestritten. Ständig wirft er mir vor ich würde Wasser und Energie verschwenden. Wie ein Geier lungert er hinter jedem Liter hinterher: „Musst du das Spülbecken jetzt mit Frischwasser spülen? Warum öffnest Du jetzt den Kühlschrank?“ Was für eine Freak-Show. Da kann mir schon mal die Hutschnur platzen.
Im Gegenzug kümmert er sich liebevoll darum, dass mein E-Reader und das iPad geladen werden. Natürlich gewissenhaft tagsüber, wenn genug Energie herein kommt. In meiner Schusseligkeit vergesse ich das regelmäßig und komme nachts mit meinem Stecker angewackelt, wenn die Batterien sowieso nicht mehr voll sind. Er sagt es nicht. Ist nicht seine Art, aber ich denke, er hätte mich nicht geheiratet, wenn er das vorher gewusst hätte.
Niemals würde ich so einen Törn mit unbekannten Menschen unternehmen wollen.
Essen: Abendessen: Nudelsalat (mit Oliven und getrockneten Tomaten) und diesen Hot Dog Würstchen. Ich finde die allerdings nur gebraten ganz lecker. Frühstück: Brot mit Salami, Käse und Mortadella Mittag: Rest vom Nudelsalat
Meilen: Tagesmeilen 106 , Rest 206 sm auf direktem Weg. Rechnerisch nach den Durchschnittsmeilen der letzten Tage dauert es noch zwei Tage. Aber schon geht die Rechnerei los: Schaffen wir es rechtzeitig vor dem dunkel werden? Oder müssen wir eine Nacht dran hängen und Gas raus nehmen. Die Entscheidung fällt Morgen.

2018 Resümee

RESPEKT UND MENSCHLICHKEIT

2018 Resümee

 

Paul ist weg

{Time:16:50:00}
{Date:20181230}
{Position:14°12.080’N, 053°00.1990’W}
{Direction/Speed:280°/ 8,1kn}
{Place:Atlantico} 
{Target:Union Islands}
{Temp Air/Pressure:1020/28°C}
{TempWater:26,0°}
{Wind:16kn/ENE}
{Wave:3m}
{Vimeo:}
{Photo:20181230}
{Title:Paul ist weg}

Einfach über Bord gefallen

Paul, unserer treuer Mitsegler. Wir kennen ihn als beständigen Begleiter der immer da ist und keine Reden schwingt. Er ist eher der stille Begleiter, der Buddy an der deiner Seite bei dem man froh ist, wenn er einfach nur da ist. Er strahlt eine angenehme Ruhe aus und scheint immer Herr der Lage zu sein. Aber gerade heute ist es dann passiert. Er ist plötzlich nicht mehr an seinem Platz. Keiner hat gesehen was passiert ist und Lena wußte nur, dass er gerade eben mal kurz an die Reling pinkeln wollte. Das Wetter ist einfach wunderbar, blauer Himmel herrlich warm und in der Sonne schon fast zu heiß. Der Wind der uns die Nacht so gebeutelt hat und uns in den Kojen hat hin und herfliegen lassen ist auf 20 Knoten zurück und das Segeln ist wieder elegant sanft und ein dahin schweben zwischen dem Blau des Himmels und des Ozeans. Die Wellen wiegen uns sanft von rechts nach links in einem Rhythmus, der uns allen schon richtig in Fleisch und Blut übergegangen ist. Paul kennt diesen Rhythmus auch. Eigentlich kennt er ihn besser als alle von uns und so machen wir uns auch keine Sorgen, wenn er mal kurz an die Reling geht. Er ist da ja auch eigentlich immer. Aber mit der einen Welle, die quer kam, hat er nicht gerechnet. Sie hat ihn aus dem Gleichgewicht gehoben. Mit der einen Hand zur Sicherung an dem Aufbau konnte er sich auch nicht mehr halten.

Große Aufregung und erst einmal Verwirrung. Erst konnte Gerd ihn noch sehen, doch die Wellen haben ihn schnell aus dem Sichtfeld herausgetragen. Dann lief alles schnell und für alle gar nicht routiniert ab. Rettungswesten an, Genuaschot aus der Baumnock ziehen, Bullenstander lösen und Q-wende fahren und Ausschau halten. Die MOB Taste hatte der Micha am Ruder sofort gedrückt und so war die letzte Position bekannt. Dennoch war Paul nirgends zu sehen. So viel Zeit ist schon vergangen. Wo ist er nur. Zum Glück für ihn kann er sehr gut schwimmen. Hätte er doch eine Schwimmweste angehabt. Hätte er doch nur, dann wäre es ja ein Einfaches dem AIS Signal entgegen zu fahren. Aber nein, einfach mal so an die Reling zum Pinkeln gehen und Schwups, das war´s und weg ist er. Zumindest ist seine Blase leer, aber wem ist damit geholfen? Einige große Seglerleben haben so ein überraschendes Ende gefunden und so manch verlassene Segelyacht treibt führerlos auf den Weltmeeren. Wir geben Paul nicht auf und berechnen in welche Richtung der Strom und der Wind ihn abgetrieben hat und suchen verzweifelt weiter. Wir wollen unseren Mitsegler unter gar keinen Umständen aufgeben.

Nach einer gefühlten Ewigkeit sichtet ihn Andreas in der erwarteten Richtung am Horizont. Immer wieder taucht er aus den Wellentäler auf und leuchtet uns hell orange den Weg zur Rettung. Der erste Anlauf unter Segeln misslingt bei 3 Meter Welle und Wind, der ihn schnell vertreibt. Dem Bootshaken fehlte schlicht und einfach die dritte ausfahrbare Verlängerung. Motor an und rum im Schwung. Jetzt kommen wir näher und können Paul entkräftet und gut gelaunt aus dem Wasser ziehen. Bei 26 °C Wassertemperatur lief er auch nicht Gefahr zu unterkühlen. Was wäre aber bei unter 10°C? Wir wollen uns das gar nicht ausmalen und feiern einfach nur seine Rettung. Er verspricht auch hoch und heilig nie und nimmer wieder an der Reling zu pinkeln. Er wird wie alle von uns immer nur noch auf das wackelige Klo gehen. Er wird sich immer wie jeder von uns nur mit angelegter Schwimmweste eingepickt und gesichert außerhalb des Cockpits bewegen.

Soweit die Theorie. Jetzt hängt Paul unser knalloranger Rettungsring wieder an der Reling und wartet auf seinen nächsten großen Auftritt, der ganz bestimmt wieder aus dem Nichts kommt. Ich sehe wie er mir kurz zuzwinkert und weiß, er wird uns wieder überraschen, wenn wir am wenigsten damit rechnen?


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 52 Martinique – Antigua 02.03.2019 – 14.03.2019
CREW 53 Antigua – Martinique 23.03.2019 – 04.04.2019
CREW 54 Martinique – Grenada 06.04.2019 – 18.04.2019
CREW 55 Grenada – Antigua 27.04.2019 – 09.05.2019
CREW 56 Antigua – Bermudas 11.05.2019 – 23.05.2019
CREW 57 Bermudas – Azoren 01.06.2019 – 20.06.2019

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out of reach

… wir haben zur Zeit eine schlechte Funkanbindung, also keine Sorgen machen, wenn nichts neues im Blog ist. An Bord ist alles OK.

„Ein fantastisches Rennen!“

Rolex Sydney Hobart Race 2018

Die „Lunatix“-Crew hat das Rennen als schnellste reine Amateur-Mannschaft beendet – die gelungene Premiere feiern Freddie Böhnert und Team in Hobart

Tag 21 =>Osterinsel – Der Pazifik rockt

Sa., 29.Dez.18, Süd-Pazifik, Tag 1672, 15.431 sm von HH
Im Prinzip haben wir den gleichen Grundwind die letzten 24 Stunden. Vielleicht einen Tick mehr. Aber weit im Osten haben wir auf der Windkarte mehr Wind gesehen. Der schickt eine nervige Dünung zu uns, die nicht zur eigenen Geschwindigkeit passt. Vielleicht zwei Meter hoch. Wir rollen heftig in der Nacht. Ich bekomme kaum ein Auge zu. Dann heute Vormittag der erste Squall. Wow! Da meint aber einer, viel hilft viel. In der Spitze zeigt der Windmesser 33 Knoten wahren Wind. Die Dünung baut sich weiter auf. Am frühen Nachmittag der nächste Squall. Unsere Windsteueranlage macht das Theater ‚viel Wind, wenig Wind‘ großartig mit. Um das Anluven (höher am Wind fahren als wir möchten – ist aber vollkommen normal bei Segelbooten, wenn der Wind zunimmt) zu verhindern, gehe ich ans Ruder. Wir wollen ja auf Kurs bleiben, wenn wir schon übers Wasser fliegen. Außerdem ersparen wir uns das Verstellen der Wind-Herta und es macht einen Riesenspaß. Sieben Windstärken von schräg hinten. Genau die richtige Menge Tuch oben, reffen unnötig. Das Deck bleibt trocken, nur ein wenig Gischt fliegt durch die Luft. Strahlender Sonnenschein. Freunde der Sonne, das rockt. Die Wellen schauen nun bereits frech ins Cockpit rein. Auge in Auge stehen wir und gegenüber. Eine Welle, die bei uns rein gucken will, muss sich ganz schön recken. Wir schätzen sie auf gute drei Meter. Gurgelnd und fauchend laufen sie unter uns durch und schenken Spitzengeschwindigkeiten. Nach 45 Minuten ist der Spaß vorbei. Zurück bleibt bewegtes Wasser und eine eigene Geschwindigkeit, die nicht dazu passt. Wir rollen heftig. Alles im Leben hat seinen Preis.
Essen: Abendessen: Veggie-Curry! Mit Kürbis, Kichererbsen, roten Linsen, Zwiebeln und Knoblauch. „Das ist mir zu vegan“, sagt er. „Wo ist denn die Wurst?“, fragt er. „Oder der Speck, das Fleisch?“ Mimimimimi. Ich fand es lecker. Frühstück: Brot mit Salami, Käse und Mortadella Mittag: Den Rest vom veganen Curry mit ofenwarmen Brot. Auf Grund des großen Erfolges mit dem Orangen-Limetten-Sirup, koche ich diesen heute noch einmal. Dazu eine Ricotta-Joghurt-Sahne-Creme auf Apfelstückchen. Auch vegetarisch, aber hier wird nicht die Schnute verzogen. :-)
Meilen: Tagesmeilen 111 , Rest 308 sm auf direktem Weg

Kirmes-Krake MARLIN

{Time:18:00:00}
{Date:20181229}
{Position:13°59.8660’N, 050°05.5140’W}
{Direction/Speed:255°/ 8,0kn}
{Place:Atlantico} 
{Target:Union Islands}
{Temp Air/Pressure:1015/28°C}
{TempWater:26,0°}
{Wind:22kn/ENE}
{Wave:3m}
{Vimeo:}
{Photo:20181229}
{Title:Kirmes-Krake MARLIN }

Wie wir lernten das oben nicht gleich oben ist

Sollte es wirklich ein entfernt seemännisches Thema geben, zu dem Skipper Michael nichts schreiben kann? Der Mann, der alles weiß, alle schon Mal gesehen hat und sein Boot kennt wie kein Zweiter? Vielleicht. Deswegen heute: Schiffsbewegungen, ein Gastbeitrag. Denn ich denke manchmal, dass es hier schwankt und schaukelt, dass merkt Micha nicht mal mehr. Zu sehr ist er auf allen Ebenen, körperlich, seelisch, überhaupt mit der Marlin verwachsen, so sehr ist er eins geworden mit diesem Koloss aus 30 Tonnen Stahl, den er regelmäßig liebevoll küsst und tätschelt. Seebeine halt, auf tausenden von Meilen hart erarbeitet. Es schwankt? Wo?

Hi! Ich bin Lena und ich schreibe dies gerade mit einem Bein im 90 Grad Winkel an die Sitzeckenrückwand gepresst, damit es mich nicht im wahrsten Sinne des Wortes vom Hocker haut, hier in der Navigationsecke. Elegant geht anders. Und ja, es schwankt, und zwar gewaltig, und das schon seit Tagen. Das letzte Mal geschlafen, so richtig geschlafen, habe ich an Weihnachten, da ruhte sie noch still und klar, die See (auch wenn es im Lied wohl eher um DEN See ging). Mittlerweile haben wir konstant mindestens 25 Knoten Wind und eine ordentliche Welle, die auf den Weiten des Atlantiks viiiieeel Zeit hatte, sich schön aufzubauen. Und so tanzen wir hier Tag für Tag unseren seltsamen Stoptanz: wer den richtigen Moment der Schiffsbewegung abwartet, kann im besten Fall die Fliehkräfte für sich nutzen und fast elfengleich aus der Koje gehoben werden (gerade vor der Frühwache ein entscheidender Move). Wer den Moment verpasst … der bewegt sich entweder gar nicht oder … rumms! Aua! Es gibt kaum etwas Erniedrigerendes, als morgens um 5.30 Uhr total verschlafen zu versuchen, ein Bein im richtigen Moment in die Sternchen-Jogginghose zu stecken, nur um dann einbeinig und im Dunkeln mit einem erbarmungslosen „KLONK“ Kopf voran an die Kabinenwand geschleudert zu werden. Und ja, „schleudern“ habe ich sehr bewusst gewählt – denn, Mann, hier sind Kräfte am Werk. Ich bin ziemlich sicher, dass die Redewendung „mit der Tür in’s Haus fallen“ irgendwann im letzten Jahrhundert eigentlich auf einem Segelschiff entstanden ist.

Im Pilothaus sind Griffe an der Decke, da kann man den Primaten machen und sich einigermaßen sicher von a nach b hangeln. Handläufe helfen an den meisten Stellen unter Deck – obwohl es auch hier Aussetzer gibt, wie Mitsegler Harald berichten kann, der sich bei besonders starker Krängung mit der Griffleiste am Spülbecken angelegt hat. Harald: 1, vernagelte Holzleiste: 0. „Scheiß Schwerkraft“ murmelt Micha und ordert einen Schnaps für alle (eine Seltenheit und absolute Ausnahme, sind wir doch eigentlich alkoholfrei unterwegs. Warum auch Alkohol trinken, wenn man sich eh die ganze Zeit wie ein Betrunkener fortbewegt?) Ohne Griffe wird es schwieriger – in der Dusche zum Beispiel. Bewährt hat sich hier, was wir liebevoll als „den Sumo“ beschreiben können: breitbeinig und mit leicht angebeugten Knien den gesamten Rücken an die Kabine pressen, um die Hände wenigsten kurz zum waschen frei zu haben. Ich bin jedes Mal froh, dass es an Board tendenziell keine vollverspiegelten Bäder gibt, sondern nur einen einzigen mickrigen Kosmetikspiegel. Platz für Eitelkeiten ist halt nicht, wenn jede einzelne Bewegung geplant und sorgsam ausgeführt werden will. Dass Andreas sich in der Karibik (Rum! Weiße Strände! Frisches Essen!) am meisten auf „ein Klo, das nicht wackelt“ freut … das lassen wir dann einfach Mal so stehen.

Leben unter erschwerten Bedingungen – schlafen, essen, anziehen, besonders kochen (mit heißem Fett und kochendem Wasser und offener Flamme) – alles ist mühsamer, dauert länger und hat in den Haltungsnoten durchaus noch Luft nach oben. Gerd’s Theorie, dass der Spezies „Segler“ (lateinischen Namen weiß ich gerade nicht) in ein paar Millionen Jahren Evolution sicherlich ein dritter Arm wächst klingt erstmal plausibel. Mir würde es aktuell schon reichen, wenn sich in einer Rückwärts-Entwicklung unser verkümmertes Steißbein wie bei den Dinos wieder in eine Art menschliches Stützrad verwandelt.

Not gonna lie – die durchaus wilden Bewegungen der Marlin machen mich ein bisschen mürbe. Die Welle macht Ihr Ding und hat keinerlei Absicht, demnächst damit aufzuhören. Die Naturgewalt ist so erbarmungslos und unsere Reise so lang, dass man besser gar nicht erst damit anfängt, mit ihr zu hadern. Augen zu und durch – auch das eine Lektion des Atlantiks. Während ich viele Dinge aus der Ferne und in der Vorbereitung sicherlich überschätzt habe (3 Meter hohe Wellen z.B. sind in Wirklichkeit überhaupt nicht scary) … die konstante Schiffsbewegung habe ich definitiv unterschätzt. Wir praktizieren also yogische Gelassenheit – können wir nicht ändern, nehmen wir es also hin. Nützt ja nix, wie der Hamburger sagen würde.

Wer mit dem Gedanken spielt, ebenfalls einen längeren Törn zu versuchen: ich schlage als Vorbereitung diese Übung vor: örtlichen Jahrmarkt aufsuchen, Karussell finden, das oft „Breakdancer“ oder ähnlich heißt (entscheidend sind hier mehrere aufeinander aufbauende, kugelgelagerte Scheiben, die sich alle unabhängig voneinander in verschiedene Richtungen drehen, dabei aber auch vertikal und insgesamt recht ruckartig bewegt werden) und in der Fahrzelle entweder a) mit geschlossenen Augen einen BH an- und ausziehen oder b) drei mittelgroße Zwiebeln in feine Würfel schneiden. Kein Problem? Wunderbar! Sie sind wie geschaffen für eine Atlantiküberquerung. Wir, die stoptanzende Crew 50 der Marlin, wünschen allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 52 Martinique – Antigua 02.03.2019 – 14.03.2019
CREW 53 Antigua – Martinique 23.03.2019 – 04.04.2019
CREW 54 Martinique – Grenada 06.04.2019 – 18.04.2019
CREW 55 Grenada – Antigua 27.04.2019 – 09.05.2019
CREW 56 Antigua – Bermudas 11.05.2019 – 23.05.2019
CREW 57 Bermudas – Azoren 01.06.2019 – 20.06.2019

Buche Deinen Platz hier:
www.marlin-expeditions.com