Monatsarchive: Juli 2018

Markt in Otavalo

Sa.,21.Jul.18, Ecuador/Otavalo, Tag 1512, 13.337 sm von HH

Jeden Samstag ist etwas außerhalb des Zentrums Viehmarkt in Otavalo. Wer den sehen möchte, sollte schon vor dem Aufstehen dort auftauchen. Von 6:00 bis 10:00 Uhr werden Kühe, Schweine, Ziegen, Schafe und Kleintiere wie Hühner, Meerschweinchen und Hunde gehandelt. Alles zum Verzehr, außer die Hunde.

Uriger Viehmarkt in Otavalo

Uriger Viehmarkt in Otavalo

Die großen Tiere werden halbwegs liebevoll transportiert, gezogen, weiter verfrachtet und verladen. Quiekende Ferkel kauft man direkt von der Ladefläche. Ein unwilliger Bulle macht so viel Ärger, dass die Klappe vom Transporter abbricht. Wir nehmen Reißaus und bringen uns bei den Schweinen in Sicherheit. Am Band gezerrte Schweine quietschen nach Schweineart als wolle man sie abstechen, unwillig auch nur einen Meter weiter zu gehen. Menschen rufen Preise, Kühe blöken nach ihrem Kalb, es wird gehandelt und geschachert. Neue Viehtransporter rücken an, leere Wagen verlassen den Platz. Ein unvorstellbarer Lärm liegt über dem Markt.

Otavalo Viehmarkt, angeblich der größte Markt Ecuadors

Otavalo Viehmarkt, angeblich der größte Markt Ecuadors

 

mit einem unglaublichen Durcheinander

mit einem unglaublichen Durcheinander

Lämmer-Verkauf

Lämmer-Verkauf

Kälbchen-Wache

Kälbchen-Wache

Beim Kleintier-Handel geht es ruhiger, aber auch ruppiger zu. Hühner werden in fluchtsicheren Zweier- und Viererbündeln an den Beinen zusammengebunden und einfach auf die Erde gelegt.
Gekaufte Hühner kommen kopfüber in einen Sack. Übereinander gestapelt zu den Leidensgenossen. Sack zu, Bändsel drum, weiter geht’s. So ein Schicksal kann auch die Meerschweinchen ereilen. Das sind keine Kuscheltiere, sondern Essen. Wahrlich kein Markt für Tierschützer.
Faszinierend, exotisch, anders. Gewöhnungsbedürftig!

Meehrschweinchen sind Essen, keine Haustiere

Meehrschweinchen sind Essen, keine Haustiere

Den Hühnern geht's an den Kragen

Den Hühnern geht’s an den Kragen

Guter Kauf

Guter Kauf

Zum Frühstück gönnen wir uns ein Käsebrötchen mit heißen, gesüßten Pflaumen. Eine Köstlichkeit. Die Pflaumen werden im eigenem Saft mit Nelken und reichlich Panela gekocht. Panela wird aus verkochtem Zuckerrohrsaft gewonnen und ist ein Grundnahrungsmittel in Lateinamerika.
In Kolumbien wird Panela zum Frühstück als Zuckerwasser getrunken. Ein Schuss Limettensaft dazu, fertig.

Brötchen mit Käse und heißen Pflaumen

Brötchen mit Käse und heißen Pflaumen

Neben dem harmlosen Käsebrötchen stehen ‚wunderbare‘ Garküchen. Auf undefinierbare Innereien, Schweineköpfe oder fettigen, gebratenen Kartoffelbrei mit Käse gefüllt, fehlt uns so früh morgens noch die Laune. Die Dämpfe aus den Töpfen gehen direkt auf den Magen. :lol:

Suppentöpfe unklaren Inhalts

Suppentöpfe unklaren Inhalts

Frühstücks-Kantine

Frühstücks-Kantine

Neben den Viehmarkt schließt sich der Früchte-, Gemüse- und Blumenmarkt an. Alles, alles, was es an Veggie-Zeugt gibt, findet sich hier. In einer Menge, Vielfalt und Frische, wie wir es überhaupt noch nicht gesehen haben. Radieschen, Pastinaken, Drachenfrucht, Sternfrucht, was darf es sonst noch sein? Rosmarin, Petersilie, Koriander, endlich frische Kräuter, aber keine Pantry.
Alte Männer und junge Frauen palen frische Erbsen und unbekannte Bohnen aus ihren Schoten. Zehn, zwanzig, ach dreißig verschiedene Reissorten stehen in Säcken neben zehn verschiedenen Maissorten.

Wunderbarer Gemüse-Markt

Wunderbarer Gemüse-Markt

Einen Stand weiter gibt es Rosen. Zweite Wahl, die erste Güte geht ins Ausland. Ecuador ist einer der größten Schnittblumen-Exporteure der Welt. Ausgestattet mit allen Höhenlagen kann für jede Sorte Rosen das passende Anbaugebiet gefunden werden. Der ‚dornenlosen Teerose‘ bekommt 2.800 Meter nicht, kein Problem, wir haben da noch hektarweise 2.900 Meter im Angebot. Durch die konstanten Temperaturen wachsen die Rosen langsam und entwickeln große, gleichmäßige Köpfe. Ecuador ist Spezialist im Anbau extrem langstieliger roter Rosen, wie sie vor allem in Russland beliebt sind.

Rosen - zweite Wahl

Rosen – zweite Wahl

Wir sind auf dem Weg nach Otavalo an überreichlich vielen Gewächshäusern vorbei gefahren. Aus dem nördlichen Teil der ‚Avenida de los Volcanes‘ wurde vom Tourismus-Büro die ‚Ruta de las Flores‘ gemacht. Ein billiger Trick. Schnittblumen sind eine ziemliche Umweltsauerei: Kiloweise kommen Pestizide zum Einsatz, die den Boden und das Grundwasser versauen und die Arbeiter in den Gewächshäusern krank machen. Bereits 24 Stunden nach der Ernte stehen die Rosen weltweit in den Blumenläden.

Am Samstag ist auch Markt im Zentrum von Otavalo. Alle Nebenstraßen an der ‚Plaza de Poncho‘ sind vollgestellt mit Buden, Klapptischen und fliegenden Ständen. Noch mehr Alpaka-Decken. Noch mehr Ponchos und Schals.
Touristen-Tinneff steht neben Haushaltwaren und dem typischen Schmuck für die Indio-Frauen. Überwiegend mögen sie mehrreihige goldene Perlen um den Hals und Koralle an den Handgelenken. Es gibt hundertfach ihre Allzweck-Blusen mit den Gardinen-Ärmeln, die Unisex-Einheits-Schuhe, Töpfe und sagenhafte Heil-Pillen zu kaufen.

Die Otavalos sagen, sie seien die Nachkommen der Inkas

Die Otavalos sagen, sie seien die Nachkommen der Inkas

Goldkette, Rüschenbluse, und Koralle am Handgelenk - der Filzhut ist in Otavalo eher seltener

Goldkette, Rüschenbluse, und Koralle am Handgelenk – der Filzhut ist in Otavalo eher seltener

Schmuck der Otavalo-Frauen

Schmuck der Otavalo-Frauen

Universal-Klamotte für Feld, Stall und Stadtbummel

Universal-Klamotte für Feld, Stall und Stadtbummel

Klassiker: die Hundertjährigen, die aus dem Hafen fuhren…

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In Mariefred sind 20 Klassiker, alle über 100 Jahre alt, an den Start gegangen. Damit wurde der inoffizielle Rekord von Saint-Tropez gebrochen

Eine unglaubliche Rettungsaktion machte ihn zur Legende

Tony Bullimore

Vier Tage hielt der Brite Tony Bullimore in seiner gekenterten Yacht aus und wurde berühmt. Jetzt verstarb er mit 79 Jahren

62 Drachen-Crews segeln um den Deutschen Meistertitel auf der Alster

Die Internationale Deutsche Meisterschaft (IDM) der Drachen findet vom 01. bis zum 05. August 2018 auf dem Heimatrevier des großen deutschen Segelvereins mitten in der Hansestadt Hamburg statt.  Neben Seglern aus dem gesamten Bundesgebiet haben auch Teams aus der Schweiz für die Regatta gemeldet.

Der ehemals olympische Drachen, eine Kielbootklasse mit klassischen Linien, gilt für viele als Königsklasse des Segelns. Den ehrenvollen Titel haben die neun Meter langen Schiffe nicht nur, weil sie extrem aufmerksam gesegelt werden müssen und über zahlreiche Trimmmöglichkeiten verfügen, sondern auch, weil in der Vergangenheit zahlreiche Könige wie Olympiasieger König Konstantin II. von Griechenland, Juan Carlos von Spanien und der dänische Kronprinz Frederik auf Schiffen dieses Typs um Medaillen kämpften. Gesegelt werden die Schiffe zu dritt oder zu viert, wobei das Gesamtgewicht der Crew 285 kg nicht übersteigen darf.

Für die diesjährige Meisterschaft auf der Alster haben unter anderem Olympiamedaillen-Gewinner Ulli Libor, der mit Bundestrainer Bernd Zirkelbach an den Start geht,  Segel-Bundesliga-Steuermann und amtierender Meister in der Klasse 2.5mR Carsten Kemmling und die Brüder Sönke und Arnt Bruhns gemeldet, die erst vergangene Woche erfolgreich den Atlantik im Rahmen der Atlantic Anniversary Regatta überquerten. Ebenfalls an den Start geht NRV Präsident Andreas Christiansen: „Dass uns ein hochkarätiges großes Feld anlässlich unseres 150. Geburtstages die Ehre einer Meisterschaft auf der Alster gibt, ist für uns eine große Freude. Es drückt aus, welche Rolle der NRV in der internationalen Drachen-Segelei spielt. Sicher ist, dass die Wettsegelbedingungen auf der Alster für ein so großes Feld eine besondere Herausforderung darstellen.“ so Christiansen.

Als eine der Topfavoritinnen zählt die Deutsche Meisterin von 2016 Nicola Friesen, die mit  Vincent Hoesch und Frithjof Kleen segelt. Aufgrund des starken Windes wurde der Meistertitel 2017 bei der IDM auf dem Ammersee nicht vergeben werden, weil nur drei der mindestens vier vorgeschriebenen Wettfahrten gesegelt werden konnten. Aktuell geht NRV Wettfahrtleiter Klaus Lahme davon aus, dass die durchschnittlichen drei Windstärken aus Nordwest zwar keine idealen Regattabedingungen auf der Alster darstellen, aber eine gute Basis für spannende Wettfahrten bieten.

Das Startsignal zur ersten Wettfahrt wird voraussichtlich am Donnerstag, den 02. August, um 10 Uhr ertönen. Es folgen drei Tage spannender Segelsport. Am Sonntagnachmittag segeln dann die zehn besten Crews im finalen Rennen den Meister 2018 unter sich aus.

 

 

Die gesamte Meldeliste kann man unter folgendem Link einsehen: https://www.manage2sail.com/de-DE/event/IDM18Drachen#!/entries?classId=3df38df1-de96-45e6-b505-c9bf350f0f10

 

Dutzende Yachten feiern auf der Elbe

Es war ein spektakuläres Bild, als sich das elegante Luxusschiff EUROPA 2 am 29. Juli 2018 vor die Elbphilharmonie legte und rund 30 Yachten an Backbord im Rahmen der Auslaufparade der Atlantic Anniversary Regatta (AAR) auf der Norderelbe Richtung Landungsbrücken passierten. Allen voran Malizia – Yacht Club Monaco mit Skipper Boris Herrmann, der auch als erster die Regatta-Ziellinie überquert hatte. Direkt dahinter: Varuna, die schnellste Yacht nach berechneter Zeit und damit der Gewinner der Atlantikregatta. In den Tagen zuvor wurden die teilnehmenden Crews im Rahmen feierlicher Empfänge mit prominenter Unterstützung aus Gesellschaft und Politik geehrt. Ein ‘Grande Finale’ für diese einzigartige Transatlantikregatta, die zu Ehren des 150. Geburtstages des Norddeutschen Regatta Vereins initiiert wurde.

“Der maritime Hotspot Hamburg, und die deutsche Küste im Allgemeinen, werden überraschend selten von der internationalen Offshore-Elite und transatlantischen Regatten angesteuert.” kommentiert Arne Hirsch, Geschäftsführer der Atlantic Anniversary Regatta. “Der Geburtstag des Norddeutschen Regatta Vereins bot die ideale Möglichkeit, zu Ehren des in Hamburg ansässigen Yachtclubs diese Regatta auszurichten und Hamburgs HafenCity mit einer hochqualitativen Flotte anzusteuern.”

Von Empfängen in der stattlichen Residenz des bermudianischen Gouverneurs und im Royal Bermuda Yacht Club, über öffentliche Open Ship Veranstaltungen für Schulkinder, Nachwuchssegler und alle Interessierten, bis hin zu einem eigens eingerichteten Race Village im Hamburger Sandtorhafen: das Bermuda Hamburg Rennen der Atlantic Anniversary Regatta bot vielfältige Möglichkeiten, sich in die Feierlichkeiten einzubringen. Unter den Besuchern: zahlreiche Profi-Segler und prominente Gratulanten, wie zum Beispiel Pierre Casiraghi, Sohn von Prinzessin Caroline von Monaco, der als Gründer von Malizia – Yacht Club Monaco und in seiner Rolle als Vizepräsident des monegassischen Clubs vor Ort war. Senator Frank Horch (Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation) war als Ehrengast zur Siegerehrung auf der Cap San Diego geladen. Auch Andrew McIrvine, Admiral des Royal Ocean Racing Club (RORC) aus London, der die RORC Transatlantic Regatta im November 2017 von Lanzarote nach Grenada als erstes von insgesamt zwei Rennen ausrichtete, war mit von der Partie.

“Ein wundervoller Auftakt für die weiteren NRV Geburtstagsveranstaltungen in Hamburg auf der Alster bis Ende des Jubiläumsjahres”, freute sich Andreas Christiansen, Vorsitzender des Norddeutschen Regatta Vereins, von Bord der MS EUROPA 2. “Viele unserer Mitglieder, darunter Varunas Jens Kellinghusen und Malizias Boris Herrmann, aber auch alle anderen Skipper und Crews haben höchst erfolgreich an der Regatta teilgenommen.”

 

Die MS EUROPA 2 hatte an Bord eigens ein überdimensionales Plakat angebracht: ein maritimer Jubiläumsgruß anlässlich des 150. Geburtstags des Norddeutschen Regatta Vereins – von einer Hamburger Ikone an die andere. Und ein Fest für die Zuschauer: Für Hamburger, Besucher, Segelsportfreunde und Kreuzfahrtbegeisterte bot sich von der Steinwerder-Hafenseite gegenüber der Elbphilharmonie aus ein außergewöhnliches Bild. Wie auf einer Perlenkette aufgereiht, verließen die Yachten zunächst das AAR Race Village und zogen dann bei Sonnenuntergang gemeinsam in Formation gen Westen.

Am Abend zuvor fand vor dieser stimmungsvollen Kulisse die AAR Siegerehrung auf der Cap San Diego statt. Die Crews der Atlantic Anniversary Regatta gaben sich die Ehre und wurden von Senator Frank Horch, dem NRV Vorstand und dutzenden Mitgliedern gebührend empfangen. Hunderte Gäste zeigten Flagge für ihren Club und feierten bis in die tiefen Morgenstunden das Jubiläum – untermalt durch den Passat Chor, der mit Shanty Live Musik für Stimmung sorgte, und verköstigt durch ein schmackhaftes maritimes Büffet.

“Die Atlantic Anniversary Regatta war ein voller Erfolg und hat Mitglieder und Unterstützer des Norddeutschen Regatta Vereins noch näher zusammen gebracht”, resümiert Hirsch. “Die mehr als zweijährige Vorbereitungsphase hat sich ausgezahlt. Nun freut sich unser Regatta-Team, bei den weiteren Jubiläumsveranstaltungen dabei zu sein.”

Nach einem knapp 3.500 Seemeilen langen Zweikampf von Bermuda im Westen über den Atlantik und die Nordsee hatte Ker 56 Varuna in den frühen Morgenstunden des 18. Juli 2018  die Ziellinie erreicht, weniger als eine Stunde hinter der größeren IMOCA 60 Malizia. Während Boris Herrmanns Malizia und seine 4 Crewmitglieder damit das erste Boot im Ziel waren, siegte die 14-köpfige Profi-Crew von Varuna in der Bermuda-Hamburg Etappe nach berechneter Zeit.

 

Der erfolgreiche Abschluss der AAR bedeutet jedoch nicht das Ende der Feierlichkeiten: Im diesjährigen Jubiläumsjahr sind zahlreiche weitere Events geplant.

 

Weitere Veranstaltungen im 150. Jubiläumsjahr des NRV:

01.-05. August: Internationale Deutsche Meisterschaft der Drachen mit 62 Meldungen.

10.-12. August: Rennen der Legenden zu dem eingeladenen Olympiamedaillengewinner verschiedener Generationen im Drachen gegeneinander antreten werden.

16.-19. August: Internationale Deutsche Meisterschaft der 49er.

  1. August: „Wir segeln Hamburg“. Der NRV öffnet seine Türen: Mit traditionellen Jugendwanderkuttern kann sich jeder, der Lust hat, über die Alster schippern lassen. Es wird voraussichtlich drei Stop-over Punkte zum Ein- und Aussteigen geben. Im Clubhaus gibt es leckere Grillwurst.
  2. / 25. August: Hamburger Jugendseglertreffen – hier kommt der Seglernachwuchs aus verschiedenen Bootsklassen zusammen. Es wird in jeder Bootsklasse (420er, Opti A +B, Laser (Radial, 4.7), Pirat und Jugendwanderkutter) der Hamburger Meister ausgesegelt
  3. November: Senatsempfang für geladene Gäste sowie Jubiläumskonzert in der Elbphilharmonie für NRV Mitglieder mit den Symphonikern Hamburg und Werken von Händel, Dvorák und Tschaikowsky.
  4. November: Jubiläumsball mit festlichem Galadinner.

Zudem hat der NRV eigens eine Limited Edition Merchandising herausgebracht, die eine Marinepool Jubiläumskollektion, NRV Jubiläumswein sowie NRV Zigarren umfasst.

 

Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.nrv.de/ueber-uns/nrv-store/

Download: das Desktopmotiv für August 2018

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YACHT online bietet jeden Monat ein spektakuläres oder einfach nur schönes Bild für Ihren Rechner. Hier geht’s zum Bildschirmhintergrund für diesen Monat …

Sonne satt – Wo es im Juli am heißesten war

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Wie Mai und Juni hat auch der Juli Deutschland Temperaturen und Sonnenscheindauer nahe der Rekordwerte beschert. Fürs Boot ist das allerdings nicht immer gut

Philipp Buhl führt DSV-Flotte als Fahnenträger an

Sailing World Championships Aarhus 2018: <p>
	Sailing World Championships Aarhus 2018: Philipp Buhl steigt am Donnerstag in die WM ein</p>

Für das German Sailing Team ist die WM in Aarhus fast ein Heimspiel: In oft ähnlichen Bedingungen wie vor Kiel geht es um Medaillen und Olympiastartplätze

AAR: Kreuzfahrer “Europa” mit maritimem Jubiläumsgruß zum 150. NRV-Geburtstag

AAR

Es war ein spektakuläres Bild, als sich das Luxusschiff EUROPA 2 vor die Elbphilharmonie legte und rund 30 Yachten im Rahmen der Auslaufparade der (AAR) auf der Norderelbe Richtung Landungsbrücken passierten. Weiterlesen

Dehlya-Refit – Von der Schwierigkeit des Schieren

Refit Dehlya 25 Decklackierung Vorbereitung Wrede 2018 BSc_IMG_6147: <p>
	Markierung f&uuml;r Problemstellen &ndash; nur so entgeht den Lackierern bei der Vorbereitung des Decks nichts</p>

Nach dem Füllen von unzähligen Löchern, Haarrissen und Fehlstellen ist das Deck unserer Dehlya fast fertig für die Spritzpistole. Es war ein langer, harter Weg

Bei dieser TW blieben keine Wünsche offen

Eine kleine Unwetterzelle am zweiten Samstag konnte problemlos abgewettert werden, und die Besucher feierten in lockerer Atmosphäre über zehn Tage in die tropischen Nächte hinein. Über 800.000 Gäste besuchten das Festivalareal, das mit mehreren Bühnen, Aktionsflächen und Eventzelten rund 200 Programmpunkte bot. Mit dem feierlichen Höhenfeuerwerk am Sonntagabend verabschiedete sich die TW in das nächste Jahr, wenn vom 19. bis 28. Juli das 130. Jahr dieser größten wiederkehrenden Veranstaltung der Hansestadt gefeiert wird.

Aus sportlicher Sicht gab es kaum einen Makel an der Travemünder Woche. In den ersten Tagen bestimmte eine schwache Thermikbrise in den Nachmittagsstunden das Geschehen, mit dem Wechsel auf eine Ostwindlage gab es für die Meisterschaftsklassen sogar Tage mit Mittel- bis Starkwind. Ein etwas gezwängtes Programm gab es damit nur für die Kielbootklassen am ersten Wochenende – und am Abschlusssonntag mussten einige Rennen abgesagt werden. Die Quote der gesegelten zu den geplanten Rennen (ohne die Ligawettbewerbe) lag bei über 90 Prozent. „Wir haben 167 von 181 Wettfahrten segeln können“, berichtete der Sportliche Leiter Jens Kath, der mit einer weiteren beeindruckenden Zahl aufwarten konnte. Bei der riesigen Anzahl von 620 teilnehmenden Booten und 1400 Seglern aus 23 Nationen, für die es vielfach um Titel und Medaillen ging, gab es in den neun Regattatagen nur 32 Proteste, die die internationale Jury verhandeln musste. Die beiden Segel-Bundesligen segelten vor Travemünde jeweils sämtliche ihrer 48 geplanten Wettbewerbe – ein Programm, das bei den bisherigen Liga-Wettbewerben der Saison nicht annähernd erreicht wurde. Die Youth Champions League konnte nicht nur eine gelungene Premiere feiern, sondern kürte die Sieger in einem innovativen Final-Modus, der dem Weltseglerverband auch für künftige Olympia-Entscheidungen vorgeschlagen werden soll.

Gesamt-Wettfahrtleiter Anderl Denecke durfte sich daher über ein gelungenes Regattaprogramm freuen: „Was will der Segler mehr, als diese karibischen und fairen Bedingungen. Die Meisterschaften konnten alle ein komplettes Programm segeln. Das gibt es nur selten.“ Die Wettfahrtleitungen verstehen sich dabei als Dienstleister der Aktiven und reagieren auf entsprechende Wünsche: „Ich glaube, man erlebt es selten, dass Wünsche so schnell umgesetzt werden. Dafür gab es zum Beispiel bei der Siegerehrung der Weltmeisterschaft der Vaurien und der Europameisterschaft der Flying Junior Standing Ovations für die Crew von der Wettfahrtleitung“, freute sich Denecke für den Zuspruch, den seine Bahnchefs erhalten haben.

Diese Resonanz wird der Travemünder Woche weiter Auftrieb geben, um hochklassige Wettbewerbe in die Lübecker Bucht zu holen. „Es sind gute Gespräche in Vorbereitung“, so Denecke. Mit Blick auf die weitere Verbesserung der Wasserorganisation hat der Gesamt-Wettfahrtleiter die Ausrüstung der Crews in den Fokus genommen: „Wir müssen das Material in einigen Bereichen sicherlich modernisieren. Die Pläne zur Finanzierung laufen.“

Zum Programm in den künftigen Jahren konnte der Sportliche Leiter Jens Kath schon verkünden, dass die Europameisterschaft der O’pen Bic in 2019 mit einem Großaufgebot an Seglern nach Travemünde kommen wird. Die Deutschen Jugendmeisterschaften der Laser 4.7 und Laser Radial sind wie in den vergangenen fünf Jahren fest gesetzt, und auch die Gespräche mit anderen Klassenvereinigungen für die Austragung der nationalen Meisterschaften laufen. Eine Vergabe erfolgt im Herbst. Ein großer Fokus liegt dabei auch darauf, die Meisterschaft der Seesegler mal wieder nach Travemünde zu holen. „Mit unserem Programm in diesem Jahr auf der Seebahn haben wir eine starke Bewerbung vorgelegt. Wir hatten tolle Felder, und der Start der Langstrecke mit den Yachten war sicherlich ein Höhepunkt der Travemünder Woche“, so Kath. Das Inklusionssegeln soll auch 2019 eine Fortsetzung finden – vielleicht dann auch schon als offizieller Wettbewerb der RS Venture-Klasse. Und für 2020 wird es mit der Europameisterschaft der Laser 4.7 ein riesiges Event mit weit über 200 Teilnehmern geben.

In den Jubelchor stimmt auch TW-Geschäftsführer Frank Schärffe mit ein – aus gutem Grund: „An eine Travemünder Woche mit diesem Wetter kann sich kaum jemand erinnern. Die Besucher sind höchst zufrieden, es war wirklich eine tolle Travemünder Woche für die Gäste an Land.“ Mit dem veränderten Layout des Festivalgeländes konnten auch Treffpunkte für Generationen zwischen 25 und 65 Jahren zum Tanzen geschaffen werden. Wehrmutstropfen bleibt weiterhin die Park- und Verkehrssituation, an der die Gemeinde intensiv arbeiten muss, um nicht nur für die TW, sondern auch für weitere Veranstaltung eine Entlastung für die Einwohner und die Gäste zu schaffen.

Die Baumaßnahmen auf dem Priwall werden auch 2019 noch nicht abgeschlossen sein. Dann aber werden sich rund um den Passathafen neue Möglichkeiten ergeben. Die Freitreppe im Hafen könnte sich beispielsweise für die Austragung von Wettbewerben in den RC-Klassen eignen. Die ferngesteuerten Boote bilden eigene Klassen im Deutschen Segler-Verband und tragen offizielle Meisterschaften aus. Die neuen Restaurationen auf dem Priwall könnten zudem wie geschaffen sein, um Abende für die Klassen zu organisieren, die auf der Halbinsel campieren und ihre Boote liegen haben. Die Einbeziehung des neu geschaffenen Urlaubstadtteils in die Travemünder Woche wird eine Aufgabe der kommenden Jahre sein.
Schärffes Abschlussurteil zur TW 2018 lautete daher: „Es gab viele Höhepunkte. Das Wetter spielte mit, und die Menschen in dieser gelösten Atmosphäre an den Abenden zu sehen, sorgte für große Zufriedenheit. Wir haben ein tolles Team beisammen und können daher sehr zuversichtlich in die Zukunft blicken.“

Galiziens wilde Küsten. Durch den Nebel nach A Coruna. Zum ältesten Leuchtturm der Welt.

Seit Mitte Mai bin ich von Sizilien aus unterwegs, 
um einhand für mein neues Buchprojekt um die Westküste Europas 
bis in die Bretagne zu segeln. 
Fast bis Ende Juli war ich in Portugal unterwegs, bevor ich Spaniens Nordküste erreichte.

Kap Finisterre. Das Ende der Welt. Es gibt viele Kaps in vielen Sprachen, die diesen Namen tragen.
Meine Reise entlang Portugals Küste bis Mitte Juli war klimatisch so ganz anders, als ich erwartet hatte. Ich hatte mit vielem gerechnet. Hitze. Hohe Wellen. Starkwind und gleißendes Licht. Stattdessen war ich meist bei Windstille unterwegs. Und in Dunst und diesiger Sicht. Selbst den Portugiesen war ihr Wetter nicht geheuer: Seit Mai war kaum ein Sommertag, wie sie es eigentlich gewohnt waren.
In Nordspanien war das Wetter nicht anders. Im Gegenteil. Die Grenze, die Portugal von Nordspanien trennt, war nicht erkennbar. Nördlich von Vigo, am Kap Finisterre, das spanisch Cabo Fisterra heißt und Spaniens äußerster westlichster Zipfel ist, steuerte ich stundenlang durch dichten Nebel. Galizien, Spaniens regenreichste Ecke, hieß mich willkommen. Fahren war nur mit Radar möglich. Es sah, was ich nicht sehen konnte. Das Kap vor mir. Und ein Boot, das wenige 100 Meter im Nebel verborgen mich begleitete. Ich sah es nicht, doch es wich nicht, wie ein treuer Hund. Nach einer halben Stunde wurde es mir unheimlich, wie es einem unheimlich ist, wenn man eine Grenze überschritten hat. Ob es in Nordspanien Piraten gab? Das Boot blieb mein Radarschatten, es folgte mir. Als für einen kurzen Moment der Nebel aufriss, sah ich, dass es ein Segler war, der wie ich auf Cabo Fisterra zuhielt.
Das Kap selbst fand ich nur auf dem Radar: Eine gelb geriffelte Linie, die das Auge des Radars sah und auf den Bildschirm zeichnete, auf die ich zuhielt. Als ich näherkam eine Handvoll Felsen, die aus dem Nebel hervor wie Gespenster lugten. 

Wie so oft am Abend, lichtete sich der Küstennebel. Ich erreichte die Bucht von Camarinhos, ein traumhafter Platz, geschützt vor einem Sandstrand.
Am Morgen lag dichter Nebel über der Bucht. Kein Geräusch war von der noch am Abend lebhaften Kleinstadt am Ufer zu hören. Keine Lärm aus dem Hafen. Oder vom Volksfetsplatz. Alles war still, als wäre die Welt nicht nur in Nebel, sondern dick in Watte gehüllt.

Nur die Sonne war zu sehen, die an diesem Morgen irgendwo über den Wolken auf Levjes taunasses Deck schien. Taubehangene Spinnweben am Seezaun. Als wäre ich im September in meiner Heimat in Bayern unterwegs. Doch dies hier war zweifellos Spanien. Ich hatte es anders erwartet.

Als ich Camarinos am nächsten Mittag verließ, wurde das Wetter schlechter. Der Nebel verschwand nach kurzer Aufheiterung, Regenwolken zogen von Nordwesten heran. Der Himmel verdüsterte sich, die Sicht verringerte sich. Am späten Nachmittag zog ich mir Seestiefel und Regenjacke an. Feiner Nieselregen setzte ein, der englischen Herbstregen glich, während der Regenwind Levje weiter nach Nordosten Richtung A Coruna trieb, auf ein großes Bauwerk zu, das ich schon von weitem durch den Niesel sah. Und das irgendwie drohend im Grau aussah.

Es war Abend, als ich die Stadt erreichte. Genauer gesagt: Ich sah ihre Silhouette querab. Erst die Hochhäuser. Dann im Inneren einer Bucht den langen, nach Norden zugewandten Sandstrand. Und dann eine vorgelagerte einsame Insel, auf der jener riesige Turm stand, den ich seit Stunden vor mir durch den Nieselregen gesehen hatte.
Erst in den folgenden Tagen sollte ich ihn bei Tageslicht sehen. Und herausfinden, dass es der älteste Leuchtturm der Welt war, der noch in Betrieb war. Ich sollte herausfinden, dass der „Torre de Hercules“ Corunas Wahrzeichen war. Die Römer hatten den Turm errichtet, wenige Jahre, nachdem
im Osten ein Mann namens Jesus von Nazareth hingerichtet worden war. Davon wusste vermutlich im römischen Brigantium – so hieß die kleine Hafenstadt an der inneren Bucht – kaum jemand. Auch der Architekt nicht, den man mit dem Bau beauftragt hatte, Gaius Sevius Lupus. Er stammte aus Aeminium, dem portugiesischen Coimbra, und ließ in den 65 Meter hohen Bau alle Bau-Raffinesse seiner Zeit mit einfließen. Nicht ein einziger Turm sollte es werden, um dem Bauwerk Stabilität zu geben. Sondern an diesem extremen geografischen Punkt der römischen Welt, an der der Schiffsverkehr aus Gibraltar nach Britannien und zu den Rhein-Provinzen verlief, sollte etwas Dauerhaftes entstehen. Zwei Türme ersann der Architekt, beide von quadratischem Grundriss, doch ineinander gesteckt. Und verbunden durch eine Rampe, die zwischen dem Inneren und dem Äußeren Turm nach oben lief und die zugleich ähnlich einer Treppe als stufenloser Weg nach oben führte. 
Man weiß nicht, wieviele Sklaven nötig waren, wie lange sie schufteten, um das gigantische Bauwerk fertigzustellen. Roms Wirtschaft war eine Sklavenwirtschaft, die fortwährenden Kriege an den Grenzen spülten immer neue Sklaven ins Reich. Sie waren in Hülle und Fülle vorhanden. Ihre Geschichte kennt man nicht.
Heute führt der Weg über normale Treppen nach oben, von der früheren Rampe, die nach oben führte, haben die Jahrhunderte nichts übrig gelassen. Doch das Licht des römischen Leuchtturms, das ist noch vorhanden. Eine überdimensionale Öllampe, groß wie ein Wagenrad, die man bei Ausgrabungen

vor ein paar Jahren entdeckte. Ein Stein wie ein Mühlstein. Eine Mulde in der Mitte, deren Öl die Lichtquelle war und die über einen großen Hohlspiegel aus der Turmkammer nach draußen geleitet wurde. Versuche von Studenten ergaben, dass das Licht auf eine Distanz von 10 Seemeilen gut sichtbar war. Dass man hier derartigen Aufwand hatte einen guten Grund: Eine Seekarte im Museum des Torre de Hercules zeigt hunderte von Wracks, die unmittelbar vor den Kaps Galiziens liegen. Schon die Römer müssen die Verluste gespürt haben, die an dieser wilden Küste entstanden.

Nach den Römern verfiel das Gebäude. Weder die Germanenstämme, Sueben und Westgoten, die nach den Römern kamen, noch die Mauren hatten die Kraft oder das Interesse, den Turm instand zu halten. Die Schifffahrt, wie die Römer sie gekannt hatten, Massengütertransport und Massentransportweg für Waren, neue Ideen und Religionen: Diese Art von Schifffahrt brach zusammen. Was sich danach an Seefahrt erhielt, blieb für 1.000 Jahre das gefahrvolle Geschäft einzelner. Bis man sich im Zeitalter der Entdeckungsfahrten auch am Kap wieder an den Turm der Römer als Leuchtturm erinnerte. Und gelegentlich nachts einen eisernen Korb mit brennenden Kohlen an die Turmspitze hängte.
Das Bauwerk verfiel. Der Außenturm wurde als Steinbruch genutzt fürs nahe Coruna, seine Kirchen,  seine Festungen. Erst mit Napoleon kam das Interesse an einem Leuchtturm wieder in die Welt. Und seither ist das Licht auf dem Torre de Hercules nicht mehr erloschen. Allen Nebeln zum Trotz.