Monatsarchive: Mai 2018

Etappe 9: „Brunel“ dreht auf

VOR Etappe 9

Bouwe Bekkings Team ist genau rechtzeitig in bestechender Form… zur Zeit klappt bei den Holländern alles. Die Zusammenfassung der Ereignisse auf dem Atlantik

Volvo gibt Eigentümerschaft am Ocean Race ab

Denn das Unternehmen Volvo, das das Rennen in den vergangenen 20 Jahren geführt hat, wird seine Eigentümerschaft abgeben. Allerdings will der Autobauer als Sponsor an Bord bleiben. Die Organisatoren meldeten unterdessen, dass die nächste Ausgabe in 2021 gestartet werden soll. Dann sollen zwei Klassen in das Rennen gehen.

Richard Brisius und Johan Salén, ehemalige VOR-Segler, haben zu dieser Auflage des VOR das Management übernommen, nun werden sie mit dem Unternehmen Atlant Ocean Racing Spanien gemeinsam mit Jan Litborn die Eigentumsanteile von der Volvo Group und Volvo Cars übernehmen.

Brisius und Salén starteten 1989/90 als Segler, bevor sie als Teammanager Erfolge feierten, unter anderem bei EF Language (1997-98) und Ericsson 4 (2008-09). Zuletzt haben sie in der letzten Ausgabe das Team SCA, den rein weiblichen Einstieg, gemanagt.

„Die Geschichte dieses Rennens um die Welt ist inspirierend und die Zukunft ist sehr vielversprechend“, sagte Brisius. „Ich hatte Glück, da viele meiner Träume wahr geworden sind. Zuerst mein Traum, dieses Rennen zu segeln, dann mein Traum, ein Team-Manager zu werden, gefolgt von meinem Traum, das Rennen zu managen, und jetzt der Traum, die Zukunft des Rennens steuern zu können. Wir sind lange dabei und fest entschlossen, dass das Rennen weiterhin ein erfolgreiches Welt-Sportereignis sein wird. Ich freue mich darauf, mit den Teams, Städten, Volvo und all unseren Hauptbeteiligten zusammenarbeiten.“ Die Organisatoren des Rennens planen, zwei Klassen von Booten in 2021 starten zu lassen: die aktuellen VO 65 und eine andere, noch zu bestimmenden Klasse.

Die aktuelle Führungsriege des Volvo Ocean Race wird sich in den kommenden Wochen mit den Eigentümern austauschen, um das Rennen kommerziell und aus sportlicher Sicht auf die nächste Auflage vorzubereiten. Am Ende dieser Ausgabe sollen weitere Details veröffentlicht werden.

Volvo Cars wird auch weiterhin als Sponsor des Rennens 2021 fungieren, während bereits Gespräche mit bestehenden Gastgeberstädten und weiteren Sponsoren geführt wird. „Das Volvo Ocean Race war eine großartige Möglichkeit für den Aufbau von Kundenbeziehungen, die Stärkung der Marke Volvo und die Präsentation unseres Unternehmens und unserer Produkte für ein globales Publikum“, sagt Kina Wileke, Executive Vice President der Volvo Group. „Nach zwanzig Jahren haben wir aber das Gefühl, dass es an der Zeit ist, die Verantwortung für diesen prestigeträchtigen Wettbewerb an einen neuen Eigentümer mit Erfahrung und Knowhow zu übergeben, um es noch weiter zu entwickeln“, sagte Björn Annwall, Senior Vice President von Volvo Cars. „Volvo Cars wird das Rennens als Sponsor mit besonderem Fokus auf Nachhaltigkeit unterstützen.“

Dass die Übergabe der Eigentümeranteile mit den negativen Schlagzeilen zusammenhängt, die das Volvo Ocean Race in dieser Ausgabe durch zwei Todesfälle geschrieben hat, ist nicht belegt.

Der Sommer nimmt Fahrt auf – mit einer neuen YACHT classic

Schoner Atlantic Segeln 2012 JRT_JRT2943

Die Saison beginnt mit einer weiteren Ausgabe unseres beliebten Klassikermagazins. Wir verraten hier schon einmal, was unsere Leser erwartet

Volvo zieht sich vom Hochseerennen zurück!

Volvo Ocean Race künftig ohne Volvo

Es war nicht nur ein Sponsoring. Volvo war Veranstalter einer der bedeutendsten Hochseeregatten der Welt. Doch nun soll Schluss sein – zumindest teilweise

Nadelöhr Nord-Ostsee-Kanal

Herr Westphal, Sie sind eine an der Küste seltene Mischung: Berufs- und Sportbootskipper. Sie kennen also beide Seiten, und sie arbeiten vor Brunsbüttel auf der Elbe. Was erleben sie dort in der Wassersportsaison?
Nur zu oft erlebe ich in beiden Kreisen Unwissenheit und Unverständnis über die jeweils andere Seite. Vielleicht ist das vergleichbar mit Truckern und Autofahrern. Sowohl auf der Straße als auch auf dem Wasser führt dieses gegenseitige Unwissen zu teilweise sehr gefährlichen Situationen.

Sven Westphal fährt Lotsenversetzboote auf der Elbe und segelt in seiner Freizeit eine Marieholm 26

Woran zeigt sich das Unverständnis der Berufsschiffer für die Sportbootskipper?
Ob jemand auf seiner Brücke schimpft, bekommt ja niemand mit. Jedoch sind auch mal Kommentare im Funk zu hören, die nicht nur gegen die Funkdisziplin verstoßen, sondern einen ohnehin schon angespannten Sportskipper nicht gerade zum Besseren beeinflussen.

Wie sieht es auf der Seite der Sportbootskipper aus?
Es wird mit den falschen VHF-Kanälen hantiert, Boote kreuzen mitten über die Schleusenzufahrtswege und viele dümpeln mitten vor dem oder sogar im Vorhafen der großen neuen oder kleinen alten Schleusen. Ohne Übertreibung kann man hier teilweise von Lebensgefahr sprechen.

Der Reihe nach: Woher weiß der Sportbootskipper die richtigen VHF-Kanäle für den NOK?
Die richtigen Kanäle stehen nicht nur in den Handbüchern, sondern sind auch in den meisten Seekarten eingetragen.

Nehmen wir mal an, der Skipper hat nicht in die Karte geguckt oder einfach vergessen, sich die VHF-Kanäle zu notieren. Hat er vor Ort im Stress noch eine Chance, sich über die richtigen Kanäle zu informieren?
Leider beginnt das Problem oft schon ab der Schlüsseltonne. Da wird mit aller Kraft am Kanal 16 festgehalten. Hier erreicht man allerdings eher Bremen Rescue oder andere Yachties. Die Verkehrslenkung ist von Tonne 1 bis 53 auf Kanal 71 und ab da auf Kanal 68 zu erreichen. Um einen Überblick über die Verkehrssituation zu behalten, sollte man hier auf jeden Fall dabei sein. Wer dennoch auf Kanal 16 bleiben möchte, dem sei die Dual-Watch-Funktion seines Funkgerätes angeraten.
Nebenbei kann man die Verkehrslenkung auch als Yachtie um Hilfe bitten, wenn man zum Beispiel das Fahrwasser kreuzen will und sich nicht sicher ist, wohin die Schifffahrt aus den Schleusen oder hinter einem gerade will. Lieber einmal zu viel gefragt, als eine große Einheit zu einem gefährlichen Notstopp zu zwingen.

Zum nächsten Punkt: Woher weiß der Sportbootskipper, wo die Schleusenzufahrtswege verlaufen und wo er sich aufhalten darf?
Da sind wir wieder bei den Handbüchern und Seekarten. Und hier gibt es trauriger Weise auch keine echte Alternative. Am Molenkopf 4 in Brunsbüttel hängt ein einziges nicht aussagekräftiges Schild. Es ist völlig veraltet. Die Kennungsbezeichnung ‚Ubr weiß‘ gibt es schon sehr lange nicht mehr udn heitß heute internationalisiert ‚Occ‘. Zudem fehlt mindestens ein englischsprachiger Text. Aber wie dem auch sei: Der Wartebereich für Sportboote ist östlich der Linie Mole 1 – Tonne 60.

Wer von der Nordsee kommt, muss doch die Zufahrtswege kreuzen, um zur Wartezone zu gelangen.
Völlig richtig. Am stressärmsten ist es, schon ab der Kugelbake hinter dem roten Tonnenstrich zu fahren, also auf der Nordseite der Elbe. Aber auch auf der Nordwestreede ist viel los. Die Zugänge zu den Schleusen bekommen hier ihre Kanallotsen, sie drehen eventuell gegen den Strom, um auf ihre Schleuse zu warten oder gehen vor Anker. Hier bleibt man möglichst weit unter Land, um der Berufsschifffahrt aus dem Kinken zu gehen.
Wer die Elbe auf der grünen Seite aufkommt, der kann von der Südreede direkt zur Wartestelle auf der Nordostreede. Aber auch hier gilt: den Rundumblick für die Schifffahrt nicht verlieren. Auch auf dieser Reede werden Schiffe von Lotsenversetzbooten angefahren, Schiffe gehen vor Anker, Verkehr vom oder zum Elbehafen kreuzt die Reede.

An der Einfahrt zum NOK ist einiges los. Bei der Annäherung an die Wartezone sollte der Funk immer abgehört werden

Was ist das Problem damit, sich vor dem oder im Vorhafen aufzuhalten? Ist der nicht zum Warten da?
Abgesehen von der trägen Manövrierfähigkeit größerer Schiffe ist zu bedenken, dass diese durch den zeitweise sehr beachtlichen Strom auf der Elbe gezwungen sind, eine bestimmte Geschwindigkeit zu laufen. Ansonsten würden sie sich im Stromschnitt der Vorhäfen drehen und in der Böschung landen. Nicht zuletzt darum ist der Aufenthalt in den Vorhäfen nur nach Aufforderung erlaubt.

Sie haben bisher von der Einfahrt in den NOK in Brunsbüttel gesprochen. Wie sieht es denn bei der Ausfahrt in Brunsbüttel aus?
Hier ist es für alle Beteiligten sehr hilfreich, sich erst einmal auf den Reeden von den Schleusen zu entfernen. Da die Sportboote als erste aus den Schleusen ausfahren, laufen sie Gefahr, einen Moment später von den Großen eingeholt zu werden. Denn wenn die erst einmal in Fahrt sind, sind sie deutlich schneller als jedes Sportboot. Wer dann segelsetzender Weise die Elbe kreuzt, wird fast zwangsläufig zum Verkehrshindernis.

In Kiel-Holtenau steht ja kein Strom. Ist die Situation dort besser?
In Holtenau ist die Situation tatsächlich etwas entspannter. Seit ein paar Jahren noch verstärkt, weil die alten Schleusen außer Betrieb sind und damit der Wartebereich größer ist. Aber auch hier gilt: Funkgerät auf Kanal 12, Kielkanal 4 rufen und erst nach Aufforderung die Schleuse anlaufen.

Was sollten Sportbootskipper beim Schleusen mit der Berufsschifffahrt generell beachten?
Wenn die Berufsschiffe fest sind, dann werden die Sportboote rein und nach vorne gelassen, da sie ja als erste auslaufen sollen. Gerade bei Schiffen mit Verstellpropellern drehen die Schrauben weiter und sorgen zum Teil für beachtliche Strömungen. Wenn die Tore aufgehen, die Kammer zügig verlassen. Wer erst anfängt, seine Festmacher und Fender zu sortieren, wenn die Tore schon weit offenstehen, der zieht mit Sicherheit den Unmut anderer auf sich.

Was sollten Sportskipper sich unbedingt über die Berufsschifffahrt im NOK und in seinen Zufahrten merken, damit sie die Passage sicher meistern?
Es ist vor jeder Passage hilfreich, sich mit der grundsätzlichen Verkehrssituation vertraut zu machen: Von wo nach wo fahren Schiffe, gerade auf der Elbeseite. Alle Berufsschiffe fahren unter Zeitdruck. Ein Bulkcarrier im Ballast ohne Bugstrahl kann einfach nicht manövrieren wie eine Motoryacht. Darum sind Sicherheitsabstände rund um die Schiffe wichtig.

Und was können Sportbootskipper selbst tun, um sich nicht in Gefahr zu bringen?
Das besondere am NOK ist das sehr dichte und unmittelbare Zusammenkommen von Berufs- und Sportschifffahrt. Wer die Berufsschifffahrt beobachtet – und dabei kann auch das Mithören auf den entsprechenden Funkkanälen gut helfen – der wird vielleicht die eine oder andere Situation im Voraus kommen sehen.
Rechthaberei ist fehl am Platz. Sportboote sind die Schwächeren und so sollten sie sich defensiv verhalten.
Aufgestoppte Schiffe in den Weichen können die meisten Sportboote übrigens auch hinter den Dalben passieren. Das schützt einen selber und sorgt für ruhigen Puls bei Lotsen und Besatzungen der Berufsschiffe.

Unter welchen Umständen sind die Weichensignale überhaupt von Bedeutung für die Sportskipper?
Im Grunde ist das sehr einfach: Nur wenn alle Lampen rot zeigen, dürfen Sportboote nicht aus der Weiche auslaufen. In sehr seltenen Fällen kann einem auch ein rotes Funkelfeuer das Einfahren in die Weiche verbieten. Es kann allerdings nur von Nutzen sein, auch die Signale und zugehörigen Verkehrsgruppen der Berufsschifffahrt zu kennen. So weiß ich schon im Voraus, welcher der großen Pötte gleich aufstoppen oder sich in Bewegung setzen wird.

Was erwarten Sie vom Betreiber des NOK, um gefährliche Situationen gar nicht erst auftreten zu lassen?
Auf der Kieler Seite gibt es eine leuchtende Lauftextanzeige für aktuelle Informationen am Warteplatz für Sportboote. So ein relativ einfaches Mittel könnte bestimmt auch in Brunsbüttel eine Menge Probleme mildern. Wenn dann das Schleusenpersonal auch noch gut mit der englischen Sprache vertraut wäre, würde sich der Kaiser-Wilhelm-Kanal dem 21. Jahrhundert ein gutes Stück annähern.

Dreimal Invictus auf dem Lago Iseo

Es ist immer ein Vergnügen, gute Boote in schöner Umgebung, bei gutem Wetter und in angenehmer Gesellschaft zu testen. Nach dem letztjährigen Test-Event von Invictus in Porto Adriano auf Mallorca haben die italienischen Bootsbauer dieses Frühjahr zu Probefahrten mit Designchef Christian Grande ins eigene Heimatland eingeladen – an den Lago Iseo, dem Hausrevier der legendären klassischen Riva-Motorboote.

Drei neue Bootsmodelle, die Invictus seit dieser Saison im Programm hat, liegen für uns zum Testen am Steg. Angereist sind neben der Crew von float viele Juroren des Best of Boats Awards. Im November 2017 war die Invictus 370 GT als bestes Motorboot des Jahres 2017 in der Kategorie Best for Fun ausgezeichnet worden. Wir sind die Invictus 370 GT als Test gefahren und waren angetan vom schönen Layout, der qualitativ hochwertigen Verarbeitung und überzeugender Performance.

Zwei zum Sonnen, eins zum Angeln

Nun also als etwas kleinere Premieren die Invictus 280 CX und 250 CX und als kleinstes Modell die Invictus 200 HX, die wir alle in nächster Zeit ausführlich vorstellen werden. Die Buchstabenkürzel der Neuheiten stehen für den Zweck: CX zum Sonnen, HX fürs Angeln. Und alle drei sind fürs schnelle Fahren gemacht – ohne Krach, mit viel Komfort.

YouTube Video

Die beiden CX-Modelle sind Mittelkonsole-Boote, jeweils mit großem Sonnenpolster am Bug und einer Doppelkajüte unter Deck. Solche Overnighter (wobei faktisch kaum jemand an Bord übernachtet) werden heute häufig mit Außenbordmotoren ausgerüstet. Bei Invictus jedoch sind beide Boote mit Einzel-Innenbordern und Z-Antrieb motorisiert. Zu haben sind die Boote mit Diesel- und Benzinmotoren, die eine maximale Leistung von 350 PS (für das größere Modell) und 250 PS für die kleinere Invictus 250 CX bieten.

Rein äußerlich ist der Hauptunterschied zwischen den beiden CX neben der Rumpflänge eine separate Kabine für die Toilette bei der größeren Invictus 280 CX. Was die Fahreigenschaften betrifft, trennen die beiden CX-Boote Welten. Mehr dazu in Kürze im ausführlichen Test beider Boote.

Invictus 200 HX

Christian Grande auf der Invictus 200 HX© Kerstin Zillmer

Italienisches Design für Sportangler?

Interessanter als die CX-Sonnenboote mit Z-Antrieb ist meiner Ansicht nach die Invictus 200 HX, die erstmals zur boot Düsseldorf 2018 vorgestellt wurde. Das 20 Fuß kurze Boot ist mit einem Außenbordmotor mit 150 PS Leistung ausgestattet. Es wirkt wie die Kreuzung eines (soliden und strapazierbaren) Sportfischerboots und eines kompakten Beginner-Boots mit Invictus-typisch eleganter Gestaltung. Italienisches Design für Sportangler?

Es ist nicht leicht, ein Boot zu gestalten, das sowohl robust ist als auch den Stil eines Glamour-Boots besitzt. Aber wie ich vor ein paar Tagen am Lago Iseo gesehen habe: Es ist möglich. Und was noch wichtiger ist: Das Boot fährt wirklich gut. Die Invictus 200 HX war das Lieblingsboot der Juroren des Best of Boats Awards bei diesem Testevent.

Das zweite Design

Alle Invictus-Boote werden von Christian Grande entworfen. Der Bootsdesigner und Miteigner gibt den Booten eine spezielle, sehr italienische Design-Handschrift. Im float-Interview vor einem Jahr sagte er: „Ich wollte eine Form mit starker Identität, unverwechselbar im Stil. Ich habe mich sehr um die Linien gekümmert, damit das Licht auf eine diskrete und elegante Weise an den Kanten entlang gleitet.“

Was geschieht, wenn ein gut gestaltetes Boot wie die Invictus 370 GT von einem zweiten kreativen Geist bearbeitet wird, zeigt die Einzelanfertiung, die wir am Rande des Events kennenlernen – allerdings nicht auf dem Wasser. Die Sonderedition der Modeschöpferin Anna Fendi kommt mit einer kompletten neuen Inneneinrichtung. Die Designmotive, die Anna Fendi anderen Produkten wie Lederwaren und Reisetaschen entlehnt hat, geben dem 37-Fuß-Boot einen völlig neuen Look. Das muss man gesehen haben.

Der Beitrag Dreimal Invictus auf dem Lago Iseo erschien zuerst auf Float Magazin.

Falträder für den Bordgebrauch

Nicht immer liegen Supermarkt oder Bäcker direkt am Hafen. Auch der nächste Spielplatz oder das Ausflugsziel für ein abwechslungsreiches Landprogramm befinden sich in der Regel einige Kilometer vom Liegeplatz entfernt. Wer mehr als nur den Hafen sehen und sich nicht die Füße plattlaufen möchte, schwingt sich am besten auf ein Fahrrad. Schließlich radelt es sich viermal schneller, als einen die Füße tragen. So gesehen, stellt das Radfahren die effizienteste Methode dar, sich fortzubewegen. Obwohl in vielen Häfen Leihräder zur Verfügung stehen, bietet es sich an, sein eigenes kleines Velo in der Hundekoje oder Backskiste mit auf den Törn zu nehmen.

„Das Wort ‚Backskiste’ hören wir hier sehr oft“, sagt auch Maren Blum, Inhaberin des Brompton Store in Hamburg, in dem nur die namensgebenden Falträder angeboten werden. Das Brompton wird seit 30 Jahren beinahe unverändert gebaut und stellt noch immer die Referenz im Faltmaß dar. Kein Rad in unserem Test ließ sich so kompakt falten wie das Rad aus England. Dabei bekam es in den letzten Jahren zunehmend Konkurrenz. Kauften früher vornehmlich Segler und Wohnmobilfahrer die platzsparenden Velos, hat sich das heute geändert: „Mittlerweile haben wir eine deutlich urbanere Zielgruppe“, sagt Maren Blum. Gerade in Großstädten verkaufen einige Einwohner ihr Auto und nutzen als Alternative Car-Sharing-Modelle in Verbindung mit den faltbaren Rädern. Das Faltrad passt in jeden Kofferraum und darf sogar ohne Zusatzticket in den öffentlichen Verkehrsmitteln mitgenommen werden. Vor allem Pendler nutzen die Räder, um die letzten Kilometer zwischen S-Bahn und Arbeitsplatz zu überbrücken.

Gut für Segler

So hat die Eroberung der Stadt auch positive Auswirkungen auf die Erkundungen des Hafenhinterlandes, denn die Räder werden konsequent weiterentwickelt. Weltmarktführer Dahon listet gleich 25 verschiedene Modelle im aktuellen Katalog auf. Sohn und Ex-Frau des Dahon-Gründers schufen vor einigen Jahren aus dem Nichts die Firma Tern, die beinahe 30 verschiedene Räder anbietet. Zusätzlich zu den großen Markenherstellern führen Wassersportausrüster wie A.W. Niemeyer, SVB und Compass24 eigene Falträder. Gerade diese günstigen Räder sind bei Seglern anscheinend sehr beliebt.

Stahl oder Aluminium

Dass Stahlrahmen schwerer als ihre Pendants aus Aluminium sind, stimmt nur bedingt. Stahl ist zwar tatsächlich schwerer, aber um die gleiche Festigkeit des Rahmens zu erreichen, muss Alu großzügiger dimensioniert werden. Bei herkömmlichen Diamant­rahmen lässt sich das Material auf den ersten Blick identifizieren: Filigrane Rahmen mit kleinem Rohrdurchmesser sind aus Stahl, größere Durchmesser aus Aluminium. Falträder bilden allerdings eine Ausnahme, denn anders als bei einem Diamantrahmen trägt nur ein einziges Rohr die auftretenden Kräfte – noch dazu trennt ein Scharnier den Rahmen. Um die Konstruktion zu versteifen, wählen die Hersteller große Durchmesser und passen teilweise die Geometrie an. Bei unseren Testrädern konnten wir keinen Gewichtsunterschied zwischen Stahl und Aluminium feststellen. Gegen Aluminium spricht eine größere Anfälligkeit gegenüber mechanischer Beanspruchung. Beulen und Macken am Rahmen sollten sorgfältig beobachtet werden, da Alu an diesen Stellen unvermittelt brechen kann. Stahl ist zäher und verzeiht ein Anecken in Backskisten eher. Allerdings kann Stahl gerade in der Nähe von Salzwasser rosten, wenn die Pulverbeschichtung Lücken aufweist.

Antrieb

So gut wie alle Fahrräder verfügen über eine Gangschaltung. Die Übersetzung ermöglicht es auch, dass die Räder trotz ihrer kleinen Laufräder auf Touren kommen. Damit die Füße nicht ab Schrittgeschwindigkeit ins rotieren kommen, ist das Kettenblatt wesentlich größer als bei einem 28 Zoll-Trekkingrad. Zusätzlich ist die Übersetzung durch eine Kettenschaltung mit mehreren Ritzeln oder eine Nabenschaltung abgestuft. Ab drei Gängen wird das Radfahren wesentlich komfortabler und kleine Touren sind möglich. Allerdings zeigte sich, dass die Spreizung der Gänge bei den Rädern mit 3-Gang-Schaltung nicht ausreicht. Neue Geschwindigkeitsrekorde lassen sich mit den Rädern ebenfalls nicht aufstellen. Selbst im höchsten Gang der 7- oder 8-Gang-Schaltungen knacken die Falträder auf ebener Strecke nur so gerade eben die 30-Stundenkilometermarke.

Bei den Schaltungen konkurrieren die Naben- und die Kettenschaltung miteinander. Die Nabenschaltung besitzt für den Gebrauch als Bordrad einige Vorteile. Sie muss nicht regelmäßig gewartet werden und da kaum Bauteile wie Kettenwerfer abstehen, kann sich beim Stauen in der Backskiste und während des Segelns nichts verstellen oder gar verbiegen. Nachteile sind der höhere Preis und das ebenfalls hohe Gewicht des Getriebes. Eine gelungene Alternative hat sich Brompton ausgedacht. Sie kombinierten eine 3-Gang-Nabenschaltung mit einer 2-Gang-Kettenschaltung, sodass insgesamt sechs Gänge zur Verfügung stehen. Dennoch kommt der gesamte Schaltapparat sehr klein daher.

Seit einigen Jahren setzt sich außerdem der Gates-Riemen als Alternative zum Kettenantrieb durch. Im Zahnriemen laufen Fasern aus Kohlefaser, die verhindern, dass sich der Riemen dehnt. Der Riemen läuft leiser und muss nicht gefettet werden, was nicht nur für die Hosenbeine von Vorteil ist. Allerdings muss der Riemen immer eine gewisse Vorspannung aufweisen. Dadurch werden die Lager in den Naben angeblich zusätzlich belastet, so­dass sie Schaden nehmen. Das Bernds-Rad benutzt eine dünnere Eigenanfertigung, die laut Hersteller ohne Vorspannung auskommt. Eine Ausstattung mit Riemen treibt auch den Preis hoch, da zusätzlich noch spezielle Kettenblätter und Ritzel montiert werden müssen. Zudem lässt sich der Antrieb nur mit einer Nabenschaltung kombinieren. Deshalb werden Falträder fast ausschließlich mit einer Kette geliefert. Doch Neuentwicklungen setzen vermehrt auf einen Riemenantrieb.
Bei den schmierigen Ketten verwunderte uns außerdem, dass bis auf Brompton viele Hersteller den Faltmechanismus so angebracht haben, dass die Kette nach dem Falten außen und nicht innen liegt.

Beleuchtung

Der Nabendynamo verdrängte den Seitenläuferdynamo in den letzten Jahren vollständig. Zusammen mit Hochleistungs-LEDs eine der bedeutendsten Neuerungen bei Fahrrädern. Der Naben­dynamo läuft leiser und zuverlässiger, während LEDs die Straße großräumig hell ausleuchten und anders als Glühlampen nicht kaputt gehen können. Noch dazu sind die modernen Beleuchtungssysteme nahezu wartungsfrei. Bei Dahon und Tern versorgt der Nabendynamo allerdings nur die Frontleuchte mit Energie, das Rücklicht leuchtet nur über eine Batterie. Bei Brompton und Bernds betreibt der Dynamo hingegen Front- und Rücklicht.

Bremsen

Zumindest bei den Bremssystemen unterscheiden sich die Räder wenig. Bis auf das Rad von Bernds mit Scheibenbremsen, schicken fast alle Hersteller ihre Räder mit Felgenbremsen los. Leider mit teilweise großen Unterschieden. Gerade bei günstigen Bremsbelägen dauert es, bis das Rad steht. Bei den Rädern über 300 Euro sprechen die Bremsen insgesamt schneller und griffiger an. Mit neuen Bremsbelägen lässt sich das Stoppen mit Sicherheit verbessern, allerdings federn die Hinterradgabeln sichtbar, wenn der Bremshebel gezogen wird.

 

Fazit

Für den Weg zum Bäcker oder eine Runde durch den Ort eignen sich die Eigenmarken allemal, doch kleine bis große Radtouren werden schnell ermüdend. Zudem patzen sie in der eigentlichen Paradedisziplin: dem Falten selbst. Zwar lassen sich die Räder schnell zusammenklappen, doch das fertige Paket droht wieder auseinanderzufallen. Für das Stauen in der Backskiste ist es nicht ideal, wenn sich das Rad während des Rauswuchtens entfaltet. Ein anderes Bild ergibt es sich bei den Rädern über 300 Euro. Einmal zusammengefaltet, wackelt an den Rädern nichts mehr, und sie lassen sich gut tragen. Nur das Bernds fällt etwas aus der Reihe, da sich der Rahmen nicht falten lässt und Lenker und Sattel gezogen werden. Auch längere Touren lassen sich auf den Velos unternehmen, ohne schweißgebadet und mit Knieschmerzen an den Zielort zu gelangen.

 

Die besten Segelziele in Deutschland

Sonnenuntergang am Bodensee

Wo ist Segeln vor der Haustür am schönsten? In der neuen YACHT verraten 20 prominente Segler ihr Traumziel im Heimatrevier. Wir wollen wissen: Wo liegt Ihres?

Alte Damen unter karibischer Sonne

31. Antigua Classic Yacht Regatta 2018

Jedes Jahr geben sich die Klassiker ein Stelldichein in der Karibik. Beim Antigua Classic Yacht Race küren sie die Schönsten und Schnellsten aus ihren Reihen

Unglück: Mysteriöser Tod auf einer Yacht bei Mallorca – Schlag oder Sturz?

Zwischen Mallorca und Ibizia ist ein Segler tot auf seiner treibenden Yacht entdeckt worden. Seenotretter hatten ihn zuvor tagelang gesucht und schließlich unversehrt gefunden. Wenige Tage später starb er. Weiterlesen

Großes Kino unter freiem Himmel

Ocean Film Tour

Zwischen dem 8. Juni und dem 28. August zeigt die International Ocean Film Tour ihr Programm bundesweit 17-mal Open Air

Die Kornaten werden noch teurer!

Gajeta Kornaten Reise Kroatien 2015 AFr_IMG_9495: <p>
	Vrulje in den Kornaten. Der Zugang ist im Juni und September nun doppelt so teuer</p>

Kroatien legt in der Preisspirale eine weitere Schippe drauf: Still und leise wurde der Hochsaison-Aufschlag auf einen Zeitraum von vier Monaten ausgedehnt