Monatsarchive: März 2018

Sailing Conductors – Ben Schaschek GER

WILLKOMMEN IN PETER´S RUDEL

Sailing Conductors

SV Lucipara – Ivar Smits + Froris van Hees NED

ERST DIE ARBEIT – DANACH DAS VERGNÜGEN


Sailors for Sustainability

Mr. Strang und der Z-Antrieb

 

Charles Strang jr. ist nicht mehr. Mit 96 Jahren ist der US-Ingenieur in der vorigen Woche gestorben. Was von ihm bleibt, ist eine der bis heute wesentlichen Innovationen für moderne Bootsmotoren: der Z-Antrieb, auch Sterndrive genannt. Durch die Verbindung eines Innenbordmotors mit einem beweglichen, außen angebrachten Antrieb gelingt es dem 1921 in Brooklyn geborenen Maschinenbauer vor 70 Jahren erstmals, die Kraft und Laufruhe von Innenbordern mit der Manövrierfreudigkeit von Außenbordmotoren effektiv zu kombinieren.

Zeitlebens hält Charlie Strang sich für einen Außenbordmotor-Fanatiker. Im 11. Lebensjahr nimmt er mit seiner Mutter an einer New Yorker Bootsmesse teil. Er verliebt sich in ein Cyclone-Rennboot, auf dem ein Rennaußenborder montiert ist. Seine Mutter verspricht Charlie, dass sie ihm ein Rennboot kauft, wenn er 14 ist. Sein erstes Bootsrennen bestreitet er 1937 als jüngster Fahrer, der je am Marathon Albany – New York teilgenommen hat. Das Rennen endet für ihn, als sein Außenborder nach etwa 60 Meilen sinkt. Ein Studium am örtlichen Polytechnikum im Big Apple folgt.

 

1960: Charlie Strang (u. l.) bei Motorboat-Award-Gala© Christner Family Archiv, quincylooperracing.us

1948 verbindet der Ingenieur Charlie Strang einen PKW-Rennmotor aus Aluminium mit der unteren Einheit eines Außenbordmotors. Sein Marine-Antriebssystem ist stärker als alle Außenbordmotoren jener Zeit. Zu dieser Zeit ist er am Massachusetts Institute of Technology (MIT) beschäftigt. Zuvor war er beim NASA-Vorläufer Testingenieur, Spezialgebiet Flugzeugmotoren und frühe Jetmotoren.

Anfang der 1950er guckt er sich im Auftrag des Motoren-Moguls Carl Kiekhaefer in Europa um, um Technologie und Produktionsmethoden kennenzulernen. Seit 1951 offiziell in Diensten von Kiekhaefer Mercury Marine, entwickelt Charles Strang den Sterndrive mit seinem Kollegen Jim Wynne weiter. Das einzige Problem: Ihr Chef lehnt die Technologie anfangs ab, die wenige Jahre später 80 % des Markts erobern wird. Für Jahre bleibt Strangs Entwurf in der Schublade.

Geniale Kupplung

Technisch betrachtet ist der – wegen seiner Bauform so genannte – Z-Antrieb ein Getriebe mit Kupplung. Dieser Antrieb ist am Heckspiegel des Boots befestigt. Im Vergleich zu reinen Innenbordmotoren mit klassischen Wellenanlagen, die bis dahin üblich waren, sind Boote mit Z-Antrieben deutlich manövrierfreudiger. Im Vergleich zum Außenbordmotor sind Boote mit Innenbordmotor und Z-Antrieb wiederum wesentlich leiser.

1961: Der erste Z-Antrieb mit über 100 PS© Mercury Marine

Die erste kommerzielle Einführung eines Z-Antriebs kommt allerdings von der Konkurrenz: Volvo Penta stellt seinen Aquamatic auf der New York Motor Boat Show 1959 vor. Im selben Jahr verlässt Jim Wynne seinen Kollegen Strang und die Firma Kiekhaefers. In weniger als 90 Tagen entwickelt Wynne seinen eigenen Heckantrieb, den er sich später patentieren lässt. 1961 schließlich stellt Kiekhaefer auf der Chicago Boat Show den MerCruiser Outdrive vor. Schon 1962 produzierten 16 Hersteller Z-Antriebe. Zu Kiekhaefers Freude ist das eigene Modell stärker als alle Motoren der Mitbewerber.

Mit Wynne teilt er das „süße Geheimnis“, wie es in einer US-Motorenchronik heißt, dass sie beide mit Volvo Penta und anderen Motorenherstellern an ihrem Chef vorbei über die Nutzung ihrer Technologie verhandelt haben. 1964 verlässt Strang die Mercury und geht zur Konkurrenz OMC. Dort bringt er es bis um Aufsichtsratsvorsitzenden, wird Präsident der Motorboot-Rennvereinigung UIM und geht seinem Hobby nach: Nascar-Autorennen.

Charles Strang und Rennfahrer Manuel Carnakis© Christner Family Archiv, quincylooperracing.us

Faktor Mama

Charlie Strangs Mutter nimmt später noch einmal Einfluss auf die Geschichte der Bootsmotoren. Als Mercury den Außenborder 1000 Phantom baut, wird der Prototyp als weißer Motor mit silbernen und schwarzen Zierleisten lackiert. Carl Kiekhaefer findet den Motor insgesamt zu groß und sperrig. Der Legende nach erzählt Charles Strang seiner Mutter davon, und sie kommentiert: „Frauen tragen oft schwarz, um schlanker auszusehen. Warum also nicht den Motor schwarz lackieren?“ Carl Kiekhaefer ist begeistert. Seitdem sind Mercurys Motoren außen schwarz.

Paint it black: Mercury 1000 Phantom© Mercury Marine

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Wenn’s läuft…Part two

Sa.,17.Mrz.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1386, 12.404 sm von HH

Mit 30 Stunden Verzögerung geht es zurück ins Wasser.
Die verlängere Standzeit hat dem Antifouling auf der Sonnenseite nicht gut getan. Fast vollständig ist die Oberfläche blätterig. Es ist eine papierdünne Schicht. Wie viel Antifouling wir verloren haben, können wir schwer schätzen. Wir nehmen es wie es ist, können im Augenblick nichts dran ändern.

Der Travel-Lift setzt Atanga sanft ins Wasser. Die Gurte werden gelöst. Maschine läuft. Rückwärtsgang rein. Und nichts! Ein toter Antrieb. Die Diagnose ist schnell gefunden: der Gas-Seilzug ist gerissen.

Die Leinen-Jungs und der Kran-Fahrer hieven uns an den Wartesteg gleich um die Ecke.
Ruhe im Schiff und erst mal durchatmen. Nichts passiert. „Besser hier, als im Kanal“, reden wir uns selber die Sache schön.
Da fällt unser Blick auf den Tiefenmesser. Den neu eingebauten Tiefenmesser!
Die Anzeige zeigt drei hässliche Striche. Wassertemperatur und Geschwindigkeit (Null Knoten) werden brav angezeigt, nur die Tiefe fehlt. Im Trockentest, den Achim im Wassereimer vorgenommen hat, lief alles perfekt.

Ob es am Tiefenmesser liegt oder an dem Modul ITC-5, was alle Daten sammelt, um sie in das Bus-System einzuspeisen, ist nicht festzustellen. Der ITC-5 blinkt aufgeregt, was bedeutet, dass er den Tiefenmesser nicht erkennt. Es findet kein ‚handshake‘ zwischen den beiden statt. Achim fährt die Systeme runter, Systeme hoch, wackelt an diversen Kabeln und Steckverbindungen. Hilft alles nichts, die drei Striche bleiben.
Wir diskutieren, was das jetzt für uns bedeutet: Wir brauchen einen andern ITC-5, um die Fehlerquelle einzugrenzen. Wo gibt es eine Raymarine-Vertretung in Panama? Können die das übernehmen? Haben die überhaupt so ein Modul? Ausgerechnet auch noch am Wochenende.
„Ist doch Garantie“, wir müssen beide lachen. Der Händler aus den USA wird das Wort ‚Garantie‘ nicht kennen und uns schön an Raymarine verweisen. Und wer bezahlt das alles?
Falls es am Tiefenmesser liegt, müssten wir wieder aus dem Wasser. „Oh, nein, bitte nicht.“

Jetzt wird sogar Achim weich. Er sei soweit und möchte weinen. Ich formuliere im Geiste eine Verkaufs-Annonce: ‚Langfahrtschiff mit Seele, günstig abzugeben.‘

Mit Hilfe von zwei Schlauchbooten werden wir vom Wartesteg an unseren alten Liegeplatz zurück gebracht. Standgas und Bugstrahlruder funktionieren noch und die Jungs machen einen guten Job. Fehlerfrei (was jetzt nicht unbedingt zu erwarten war bei dem Lauf, den wir haben) parken wir ein.

Und dann ein kleines Wunder. Der Tiefenmesser zeigt plötzlich Tiefe. Selbstreparaturen sind ja mit Vorsicht zu genießen. Misstrauisch stellen wir die Kiste ab und schalten sie wieder ein. Die Anzeige bleibt. Eine Erklärung ist, dass der Tiefenmesser vom Kran bis zum Wartesteg noch zu wenig Informationen an das Modul gesendet hat. Diese Geräte gelten heutzutage als ‚lernfähig‘ – Skynet lässt grüßen. Vielleicht hat der Weg bis zum Liegeplatz dem ITC-5 gereicht, um zu lernen.
Wir hoffen das Beste und ich habe meine Annonce fürs erste wieder raus genommen.

Was bleibt ist der gerissene Gas-Seilzug.

Golden Globe Race 2018 – SOS – rudderless

DER ERNSTFALL – DER VERLUST DES RUDERS

SOS – Rudderless

Da dreht sich richtig was!

Tausche Auto gegen…

Angefangen hat das bei mir mit den Videos und Filmen, da war ich 12. Mein Opa hatte damals zum Geburtstag eine Videokamera bekommen und es hat nicht lange gedauert, da bin ich mehr mit dem Gerät durch die Umgebung getigert als mein Opa selbst. Mein erstes Filmchen ist auch in dem Alter entstanden. Um den zu schneiden, habe ich mir von meinen Eltern und Großeltern die Videorekorder ausgeliehen und damit simpelsten Schnitt praktiziert. Die Ergebnisse waren entsprechend bescheiden, aber so fing es eben an.
Weiter ging es mit der ersten eigenen Kamera. Irgendwas gebrauchtes von Sony, ich weiß es nicht mehr genau. Danach ein Hi8 Gerät, mit dem ich die beklopptesten Dinge gemacht habe. Damals fand ich das total geil, diese schuhkartongroße Maschine mit Panzertape an den Schweller meines Autos zu kleben oder mit Gurten auf den Tank der ZX-9R zu schnallen und auf der Nordschleife „Schumi zu spielen“…
Nach dieser Phase des Ausprobierens wurde es irgendwann ernsthafter und gesitteter. Die erste digitale Kamera zog ein, die Ausrüstung wuchs. Das meiste was ich angeschafft habe, war Equipment aus dem Consumer Bereich. Mehr war im Budget einfach nicht drin. Aber auch damit lassen sich, mit sehr viel Nacharbeit, durchaus ansehnliche Filme machen. Komfortabel ist das allerdings nicht und ich bin oft an die Grenzen der Technik gestoßen. Also zog die nächste Kamera ein, die das Manko der vorhandenen ausgleichen sollte. So ging das immer weiter. Dann kam Sonnensegler.net und es wurde wieder aufgerüstet. Zum Schluss habe ich mit 5 verschiedenen Modellen gefilmt, die allesamt nicht das hergaben, was mir vorschwebte. Besonders lange gehalten haben sie auch nicht. Dabei muss man allerdings auch bedenken, dass Kameras für den Hobbybereich nicht so gebaut sind, dass sie ewig halten, wenn sie fast jeden Tag im Einsatz sind. Dafür sind solche Geräte einfach nicht konzipiert.
Letztlich hatte ich sogar Glück, dass sie all die verschiedenen Reisen und Einsätze überhaupt so lange mitgemacht haben.
Nach der letzten Reise war dann aber das Ende bei fast allen erreicht. Hier der Bildstabi kaputt, dort das Objektiv…

Also stand seit langer Zeit die Frage im Raum, wo will ich in Zukunft hin? Wieder etwas günstiges, oder so langsam mal den Sprung in die nächste Liga wagen? Für Sabrina war die Antwort klar. Sie unterstützt mich da wirklich sehr!
Ich selbst war mir lange unsicher. Klar, eigentlich wollte ich mich schon länger verbessern. Vor den professionellen Geräten hatte ich aber auch eine gute Portion Ehrfurcht. Gar nicht mal vor der Technik selbst. Ich hatte in erster Linie Bammel vor dem Handling, welches doch einiges mehr an Aufwand erfordert als bei einem kleinen Camcorder mit Vollautomatik. Man findet im Netz nicht wenige Videos von Leuten, die dachten, dass sie mit einem Profigerät automatisch bessere Aufnahmen machen. Anfangs ist ohne Erfahrung eher das Gegenteil der Fall und die Lernkurve flach.

Nach Wochen der Grübelei hatte ich dann ein Konzept und die Idee mit der Crowdfunding Aktion. Denn mal eben eine High-End Kamera aus der Bordkasse abzweigen wäre einfach nicht drin gewesen.

Nunja, das Ergebnis des Crowdfundings ist bekannt. Was nicht bekannt ist, erzähle ich euch jetzt:

Nachdem die Kampagne bei Startnext eine Weile lief war absehbar, dass wir das Finanzierungsziel nicht schaffen werden. Zumindest nicht, wenn ich nicht massiv Marketing betreiben würde. Da Marketing aber eines der Dinge ist, die ich absolut nicht drauf habe, war die Aktion quasi gelaufen. Was Sabrina und ich allerdings extrem toll fanden, war die Tatsache, dass doch einige Leute mitgemacht haben und sich manch einer stark ins Zeug gelegt hat. Neben Startnext gab es auch noch Menschen, die anders Helfen wollten.

Diese positive Resonanz hat dazu geführt, dass (vor allem) Sabrina mich etwas angestachelt hat: „Du kannst nicht einfach aufhören, wenn das jetzt bei Startnext nicht klappt!“
Nico: „Ich kann aufhören wann ICH will!“
Sabrina: „Nö, kannste nicht!“
Nico: „Was?“
Sabrina: „Als wenn du so einfach aufhören könntest…“

Wenige Tage später hatte ich mein Auto verkauft! (Es zieht jetzt noch leicht im Bauch, wenn ich das hier tippe, aber es wird langsam besser.) Aber Prioritäten mussten nun mal neu gesetzt werden!

Machs gut Modus, du warst ein treuer Begleiter.

Am nächsten Tag die Kohle zum Einzahlautomaten gebracht und einen Tag nachdem klar war, dass wir das Ziel bei Startnext nicht erreicht hatten, auf den Bestellknopf DER Kamera gedrückt, die schon eine Weile ganz oben auf einer Liste mit möglichen Modellen stand.
Die Kohle vom Auto hat zwar nicht ganz gereicht, aber es hat die Last deutlich abgeschwächt. Und sowieso brauche ich ja demnächst kein Auto mehr… Und wenn ich wieder zurück bin, hab ich ich ja noch mein Fahrrad…
Ok, denken wir nicht weiter drüber nach! In den folgenden Tagen habe ich eine Liste von 21 zu besorgenden Posten der neuen Filmausrüstung abgearbeitet, die schon lange vorher (für den Fall der Fälle) feststand. Die Zeit drängte, denn es sind nur noch 3 Wochen bis zur Abreise…

Jetzt steht ein kleines Hardcase mit Inhalt vor mir, an dem ich in den letzten Tagen viel gebastelt habe. Das Konzept sieht so aus:

EINE Kamera und nicht Fünf! Das Zubehör optimal auf den Einsatzzweck abgestimmt, dazu ergänzend noch eine kleine Actioncam.

Die Kriterien für die neue Kamera waren folgende (unter anderem):

– spiegellose Systemkamera
– MFT Sensor (beste Objektivauswahl und guter Kompromiss zwischen „Look“ und „Handling“)
– Wetterfester Body, wetterfestes Objektiv
– manuelle Steuerung bis in die letzte Ecke
– hoher Dynamikumfang
– etabliertes System zum Filme machen (Zubehör)
– erstklassiger Ton
– kompakt, leicht und unscheinbar
– frei schwenkbares Display
– hochauflösender Sucher
– sehr guter Bildstabilisator
– C4K (Investition in die Zukunft)

Am liebsten wäre ich bei Canon oder Sony geblieben, denn damit bin ich groß geworden. Bei Canon gibt es für meinen Zweck allerdings aktuell leider nicht annähernd das was ich gebraucht hätte. Bei Sony schon eher, aber auch dort hätte es für meinen Fall einige Kompromisse gegeben.

Am Ende der Recherche blieb ein Gerät von Panasonic übrig, welches alle Anforderungen erfüllt. Die GH5 !

Als ich sie ausgepackt habe, musste ich aufpassen nicht zu sabbern. Dann das satte Klicken, als das 12-60er Leica Objektiv im Bajonett eingerastet ist. Herrlich… Mein erstes Leica, übrigens. Das schöne am MFT Bajonett ist für mich, dass ich all meine EF, EF-S Objektive und sogar die alten FD Linsen mit Adaptern weiter benutzen kann. Hätte ich alle Objektive neu besorgen müssen, wäre an einen solchen Systemwechsel nicht zu denken gewesen. Aber der größte Teil meines Zubehörs kann weiter verwendet werden. Trotzdem haben für dieses unscheinbare Explorer-Case mit Inhalt mehr als 3.000 Euronen ihren Besitzer gewechselt.
Dafür habe ich jetzt allerdings ein System, welches auf lange Zeit keine Wünsche mehr offen lässt und durch das der Schnitt wesentlich erleichtert wird.

Und noch eine gute Nachricht gibt es zu verkünden. Kurz nachdem die Bestellung der Kamera raus war, hat sich jemand bei mir gemeldet, der bereits das Crowdfunding unterstützt hat. Michael, den ich im Sommer 2016 im Rhein-Rhône-Kanal kennengelernt hatte. Wir waren damals Leidensgenossen und hingen zusammen vor dem Erdrutsch fest. In den etwa 3 Wochen war ich oft bei Michael an Bord. Wir haben viel gequascht, zusammen gegessen und sind fast täglich mit den Rädern zur Baustelle gefahren. Ich habe Michael als Macher kennengelernt. Jemand der anpackt, nicht viel um den heißen Brei herum redet und das durchzieht, was er sich vornimmt.
Ich weiß noch, wie er einmal zu mir meinte: „Wenn ihr irgendwann mal Hilfe braucht? Sag bescheid!“
Ok, den Satz hört man öfter und wer mich kennt weiß, dass ich nicht gerne um Hilfe frage.

Als der Erdrutsch dann irgendwann beseitigt war und es weiter ging, haben wir uns aus den Augen verloren.

Nachdem die Aktion bei Startnext gelaufen war, hätte ich tatsächlich etwas Unterstützung gut gebrauchen können, gefragt habe ich trotzdem nicht. Umso größer war die Überraschung als ich eine Nachricht von Michael in meinem Posteingang hatte und keine 24 Stunden später eine Überweisung auf meinem Bankkonto verbucht war! Keine Diskussion, keine Ankündigungen, einfach gemacht, bedingungslos!

Ich bin immer noch stark beeindruckt von dieser Aktion!

Dieses lichtstarke 20mm Pancake Objektiv für die GH5 geht übrigens komplett auf dich, Michael. Ohne deine Unterstützung hätten wir uns das definitiv verkniffen. Danke. :-)

H-H020A LUMIX G 20 mm / F1.7 II ASPH.

Und wenn ihr mal am rechten Bildschirmrand schaut (oder im Smartphone ganz unten), dann findet ihr dort bei unseren Partnern „MisterDotCom“. Das ist Michaels Unternehmen, welches er selbst aufgebaut hat. Anhängerkupplungen für den Smart hat er entwickelt, Elektronikmodule und vieles mehr. Ein Macher eben.

Im nächsten Beitrag stelle ich euch dann mal etwas ausführlicher die GH5 vor.

Trauer um William

Tod im Leuchtturm

Hört sich an, wie der Beginn eines Krimis. Es war wie ein Schlag mit der geballten Faust direkt ins Gesicht. „William ist tot. Er ist vom Leuchturm gefallen.“ Meine erste Reaktion war: „War das Selbstmord?“ Wie kann man vom Leuchtturm fallen? Frank schaut mit mit tränenerfüllten Augen an: „Nein. Er war betrunken, ist wohl auf der Treppe im Turm gestürzt und im Treppenhaus hinuntergefallen. Er selbst war beim Generator und hat grade die Batterien geprüft und William erst später gefunden. „Da war nicht mehr zu machen. Das war am letzten Sonntag. Die Polizei war per Hubschrauber auf der Insel und sie haben William auch direkt mitgenommen. William hinterläßt sein Frau. Kinder hatte er nicht.“ William war der erste Leuchtturmwärter mit dem ich mich 2015 bei meinem ersten Kubabesuch angefreundet habe. Sein Tod erschreckt mich und macht mich zutiefst betroffen. Alle die William kannten wussten, dass William gerne ein Glas Rum getrunken hat und auch gerne noch eins. So wie ich, haben auch viele andere ihm als Gastgeschenk ein Flasche Rum aus der Bilge mitgebracht. Da liegt es nahe, sich am Tod von William nicht ganz unbeteiligt zu fühlen, auch wenn es keinen direkten Zusammenhang gibt.

Es ist Freitag. Ich habe meinen freien Tag und am Morgen, sitze ich im Hotel Jaguar in der Empfangshalle. Bis auch die vereinzelten Mücken, ein angenehmer Platz, um ein Wasser und einen Saft zu trinken. Frisch gepresst, wäre mir lieber als mit Strohhalm aus der Tüte. Aber so ist das halt in Cuba. Man muss dieses Land geniessen, so wie es ist. Ich bin wegen dem guten Internet hier, denn hier sind nicht gleich alle Seiten gesperrt. Liberal habe die Damen und Herren Internetinspektoren für die Touristen die Türen zur Welt etwas offener gehalten. Wahrscheinlich gab es Beschwerden zu Hauf. Deshalb gibt es das Internet auch nur in der Halle und nicht in den Aussenbereichen. Ich telefonieren am längsten nicht mit meiner Frau, nein, auch nicht mit einer Freundin, sondern mit Eike, der das Büro in Flensburg managed. Ich telefoniere mit LUNATRONIC Kunden und es ist ein erfolgreicher Tag. Ein neuer Weltumsegler aus Rostock bestellt ein ICOM 802 und ein PACTOR Modem. Guter Tag. Zwei weitere Kunden berate ich und nehme mir Zeit. Denn wer bereit ist die Schutzgebühr zu bezahlen, der meint es ernst. Die beiden Kunden haben das getan. Gute Idee war das, so zu verfahren und zu wissen, dass man nicht mehr für lau arbeitet. Nur dumm, dass ich dass Antimückenspray vergessen habe mitzunehmen.

Ich lasse mich treiben und radle mit dem Bordfahrrad bis in die Innenstadt. Es ist heiß. Ein kurzer Blick in die Markthalle. Aber hier ist schon alles vorbei. Alles leer. Hmm. Also nehme ich am Palatino einen Tisch, genehmige mir ein Malzbier, klappe mein Macbook auf und bearbeite die Proviantierungsliste für die nächste CREW 42. Die kommen morgen und die geschrumpften Bestände auf der MARLIN werden noch reichen. Vieles was es in Cuba nicht gibt, habe ich aus Curracao mitgebracht, doch die Backskisten leeren sich mit jedem Tag mit Gästen. Und zum Auffüllen, ist Kuba nicht der richtige Ort. Auch die Bahamas und Bermudas sind da nicht viel besser. Erst auf den Azoren bekommt man wieder alles was das Herz begehrt. Bis zu den Azoren sind es noch ein paar Meilen. Die gutaussehende, freudliche Bedienung lässt mich verweilen und ich markiere das Gemüse, was ich heute bestellen muss, weil morgen früh meine neuen Gäste kommen und ich dann keine Zeit habe zum Markt zu gehen. Später treffe ich mich dann mit Frank, der mir die Bestellung abnimmt und irgendwie bekomme ich dann Morgen mittag, was ich brauche. Montags ist der Markt dummerweise geschlossen. Den Rest kaufe ich mit der Crew zusammen ein.

Der Abend wird wieder hektisch. Katrin, neuer Gast, ruft aus Varadero an. „Micha, die haben den Router gefunden, den ich Dir mitbringen sollte. Ich gebe Dir mal den Beamten.“ Ich darf nichts sagen, sondern darf einer netten Beamtin zuhören am Telefon, die mir quasi das Gesetzt vorliest. Ich kenne den Vorgang schon. Meine Anmerkungen mit den Worten YACHT IN TRANSIT werden geflissentlich überhört. Da hat mal wieder ein staatstreuer Sternchenjäger was gefunden. Ich wiederum spreche mit meinen Freunden vom Zoll in Cienfuegos und die mit dem Flughafenchef in Varadero. Jetzt verstehe ich auch nicht mehr so genau was vorgeht. Mit etwas Glück darf Katrin den Router wieder mit nach Deutschland nehmen, wenn sie in 14 Tagen wieder zurück fliegt. Ich kenne das schon. 2016 habe ich dem kubanischen Staat schon eine AIS Transponder vermacht. Den sollte ich auch zurück bekommen. Diesmal aber habe ich mir vorher überlegt ob ich das Risiko eingehe. Der Router kostet 100 Euro. Ist jetzt nicht schlimm. Verbuchen wir dann mal unter Entwicklungshilfe. Mein Freund Rolo meint, dass er den Router am Montag auf seinem Tisch in der Cienfuegos Marina liegen hat. „Nen Zehner dagegen!“, grinse ich. Rolo versteht mich nicht. Macht nix. Ich verstehe ihn auch nicht immer. Ich schreibe ein Mail an Katrin: „Herzlich Willkommen in Cuba. Dem Land der begrenzten Möglichkeiten. Danke für eure Zeit, die ihr für meine Belange am Flughafen verbracht habt.“

 

Der Teufel ist ein Eichhörnchen

Do.,15.Mrz.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1384, 12.404 sm von HH

Vor lauter schlechter Laune habe ich gestern das Wichtigste vergessen zu erwähnen: Unser Rumpf weist keine Schäden durch den Blitz auf. Das ist doch was. Ob wirklich die Erdungsplatte dafür gesorgt hat, lässt sich nicht beweisen. Wir sind trotzdem froh, dass wir sie haben.

Das Wellenlager zu tauschen, erweist sich ebenfalls als einfache Hausnummer. Die Werft-Jungs haben einen Abzieher, der den Propeller leicht von der Welle flutschen lässt. Eine Stunde und 65 USD später ist das Lager getauscht. Nicht zu vergleichen mit dem Drama auf La Palma.

Mit Abzieher ist es ein Kinderspiel das Wellenlager zu tauschen

Mit Abzieher ist es ein Kinderspiel das Wellenlager zu tauschen

Achim hält das Ausschlagen des Lagers für einen systematischen Fehler, der immer wieder auftreten wird. Die Welle ist zu lang, der Propeller zu schwer, der Hebel wahrscheinlich zu groß.
Da wir damit leben müssen, werden wir uns einen eigenen Abzieher kaufen, um überall das Wellenlager tauschen zu können.

So sieht übrigens die Welle nach drei Monaten aus, wenn niemand den Bewuchs abkratzt.

Etwas Bewuchs auf der Welle

Etwas Bewuchs auf der Welle

 

Die ölige Verschmutzung am Rumpf bekomme ich leichter runter als erwartet. Der Vorher-Nachher-Effekt hebt den Laune-Pegel. Das Restaurant hat geöffnet, der Burger ist lecker. Laune-Pegel im grünen Bereich.
Zufrieden gehen wir ins Bett. Morgen früh um 8:30 Uhr geht es ins Wasser zurück. Ein Glück, nur noch eine Nacht.

…zzzt zzzt zzzt
Wir schlafen schlecht. An Land ist es viel heißer an Bord als wenn das Schiff schwimmt. Die Kühlung vom Wasser fehlt. Unser Standplatz ist prima windgeschützt direkt hinter einer großen Halle. Die Wege zur Toilette sind lang.
Ich hab keine Angst vor Höhe, kann auch auf dem Yard an der Reling entlang spazieren. Aber ich mag nicht vom Schiff auf die Leiter umsteigen. Schon gar nicht im Dunkeln. Das macht mir immer ein unwohles Gefühl und Phantasien, die alle darin enden, dass ich verrenkt am Boden liege. Der Pipi-Eimer muss wieder her.

Morgens dann die schlechte Neuigkeit: der Travel-Lift ist kaputt. :shock:
Jetzt haben sie jemanden nach Panama City geschickt. Soviel ist klar, heute wird das nichts mehr.
Wie sagt Stromberg so schön?: „Als Chef musst du gegen Überraschungen imprägniert sein, der Teufel ist ein Eichhörnchen.“

Beeindruckender Impressionist

Wenn’s läuft…

Mi., 14.Mrz.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1383, 12.404 sm von HH

Wir stehen an Land.
Eigentlich wäre gestern unser Krantag gewesen, aber in Colón wird gestreikt für eine bessere Infrastruktur der Stadt. Kann ich verstehen, Colón sieht aus wie das New York aus der ‚Klapperschlange‘. Die Werft-Jungs wohnen zwar nicht in Colón, erscheinen aber ebenfalls nicht zur Arbeit.

Der Shoppingbus streikt auch. Na, macht nichts, ein paar frische Vorräte habe ich noch und sonst gehen wir einfach im Marina-Restaurant essen.

Heute hat es geklappt. Atanga steht sicher an Land.
Unser weiches Antifouling, keine vier Monate alt, ist für ein Schiff in Bewegung konzipiert.
Drei Monate Stillstand in der Marina haben da nicht gut getan. Wir verzichten trotzdem auf eine Reinigung mit Hochdruckreiniger. Zuviel von unserem neuen Antifouling würde dabei abgespült werden. Viel wirtschaftlicher ist es, das die Frau machen zu lassen.
Noch ist der Rumpf feucht und der Bewuchs kommt leicht herunter. Nur ein wenig mit dem Spachtel kratzen, fällt das Harte sofort ab. Der Schleim, der grün-grau eintrocknet, den werden wir uns sicher abfahren.

Warum eine Maschine etwas machen lassen, was ebenso von Hand zu leisten ist

Warum eine Maschine etwas machen lassen, was ebenso von Hand zu leisten ist

Viel schlimmer ist der ölverkustete Belag, der sich über der Wasserlinie gebildet hat. Die großen Schiffe, die draußen an uns vorbei ziehen, hinterlassen eine riesige Sauerei. Die kleinen Wellen, die Tag und Nacht an den Rumpf klatschen, bilden diese Ekel-Schicht. Außerdem hat der Gurt vom Kran das Antifouling auf dem Rumpf verteilt. Ich habe noch keine Ahnung, wie ich das je abbekommen soll. Auf der Laune-Skala von 1 bis 10, steht meine Laune spontan auf ‚Null‘.

ölige Schmierkruste

ölige Schmierkruste

Für den Einbau des Tiefenmessers holt Achim sich von Thorsten Hilfe. Die beiden haben Glück, der alte Tiefenmesser kommt fast freiwillig aus seiner Fassung. Der neue wird mit Sika, viel Sika, eingeklebt. Noch so eine Sauerei. Bislang konnte ich Fingerspuren davon im Cockpit, am Salontisch und Mülleimer finden. Ob sie von Thorsten oder Achim stammen, wird eine kriminaltechnische Untersuchung ergeben. Achtung! Laune-Skala!
Es wird sich bei der Wasserung zeigen, wie erfolgreich der Einbau war. Wir geben dem Zeug noch einen Tag, um abzubinden.

Das Loch vom Tiefenmesser-Sicht bis zur Decksluke

Das Loch vom Tiefenmesser-Sicht bis zur Decksluke

Dann wackelt Achim an unserer Welle. Warum macht der Mann so etwas? Natürlich, möchte man sagen, wackelt sie. Nicht gut, gar nicht gut. Achim hat es geahnt, gut verdrängt und deshalb vor vier Monaten nicht dran gewackelt.
Aber nun ist es zu spät. Jetzt wissen wir, dass die Welle erneut Spiel hat. Das Wellenlager ist ausgeschlagen. Nach nur 300 Motorstunden viel zu früh. Auch das hat Achim geahnt und vor zweieinhalb Jahren in Tazacorte gleich ein Ersatzteil mehr bestellt.
Auf der Werft ist Hilfe aufzutreiben. Morgen kommen zwei Jungs mit einem Abzieher und das Wellenlager wird getauscht.

In der Zwischenzeit ist das Antifouling getrocknet. Antifouling mag nicht gerne an Land stehen und zeigt uns dies mit großflächigen Abblätterungen. Ja, ist denn die Welt total bekloppt geworden? Ich glaube es nicht. Ich lasse es so. Mir ist grad alles egal.
Entweder es legt sich im Wasser wieder an oder fällt im Wasser ab. Da geht er hin, der Anstrich, der zwei Jahre halten sollte. Da hätten auch die Jungs mit dem Hochdruckreiniger kommen können. Meine Laune-Skala ist deutlich im negativen Bereich.

Das getrocknete Antifouling

Das getrocknete Antifouling

Zum Abschluss des Tages nur noch einen Happen Essen gehen. Das Marina-Restaurant hat Burger, Fritten und Pizza. Und eiskaltes Bier. Nach so einem Tag genau das richtige und zum Kochen hat an Land stehend sowieso keiner Lust.
Man hätte es ahnen können: das Restaurant ist ab 15:00 Uhr wegen Streik geschlossen! :shock: :cry:

Irgendwie ans Kap

Ich habe gerade eben auf den Knopf gedrückt. „Irgendwie ans Kap“ ist ab sofort im Sonnensegler – Shop als Download erhältlich.

Wir wünschen euch viel Spaß beim anschauen und sind natürlich sehr gespannt wie ihr den Film findet.

Während ihr mit downloaden und Film schauen beschäftigt seid, geh ich rüber in der Werkstatt. Da gibt es noch ein paar „kleine“ Aufgaben die erledigt werden müssen.

To be continued… ;-)