Monatsarchive: Juni 2017

Peter Burling: Wie gut ist der America’s Cup-Sieg-Steuermann aus Neuseeland?

Nach den Triumpf der Neuseeländer im America’s Cup wundern sich neue Fans über den jungen Star am Cup-Himmel. Dabei ist Peter Burling längst ein Großer. Wie gut er wirklich ist. Weiterlesen

Tallin – Traumstadt?

Hart am Wind. Klar zur Wende.

Die Sonne geht hier um 3:30 auf. Kein Wunder dass ich um vier Uhr dreißig aufgestanden bin. „Micha! Aufstehen!“ Es ist 23:00, ich habe mich für ein Stündchen aufs Ohr gehauen. Zu lang war mein Tag und gleich ist Partytime angesagt. Das geht natürlich nur in halbwegs aufgeladenen Zustand. Wenn Seeleute im Hafen sind… Mal nicht das es morgen einen dicken Kopf gibt.

Das Segeln war echt anstrengend heute. Anstrengend, weil schräg. Aufkreuzen halt. Für die Newbies eine neue Erfahrung, für mich und Jan anstrengend, weil bei so viel Schräglage immer viel kaputt gehen kann. In Tallin angekommen fahren wir in die Stadtmarina. Die hat zwar einen Steg für große Schiffe, der aber belegt ist. Also landen wir bei 25 Knoten Wind an der Hafenmauer. Die Hafencapitänin steht aufgeregt winkend auf der anderen Seite der Pier. „Da könnt ihr nicht anlegen.“ Doch. Können wir. Nachdem sich rausstellt, dass die Marina uns sonst keinen Platz anbieten kann, bleibt die MARLIN genau da liegen. Hab ich mir doch gleich gedacht. Der Vorteil der Marina ist lediglich, dass wir mitten im Stadtzentrum liegen, was für die Crew natürlich toll ist um in den nächsten zwei Tagen die Stadt zu erkunden. Es ist Starkwind angesagt. Regen. Kalt und ungemütlich. Hafentage. Aber nun zu Annett, die auch was zum heutigen Tag geschrieben hat.

Der Donnerstag begann sportlich, Caroline und Reinhold joggten durch den herrlichen Kiefernwald und entdeckten einen herrlichen feinsandigen Ostseestrand. Die 2 Frauen hatten Appetit auf frische Brötchen und fuhren mit dem Fahrrad durch den duftenden Wald zum 4,5 km entfernten Einkaufsladen. Mit frisch gebackenen Croissants schmeckte das Frühstück, welches die Männer in der Zwischenzeit vorbereitet hatten, umso besser. Annett nahm noch einmal ein kurzes erfrischendes Bad in der 13 °C warmen Ostsee. Gut gestärkt hieß es dann für die Crew 29 „Leinen los!“. Das Ablegemanöver klappte schon ganz gut. Durch Jan und Michael und die Crew 29 ging es in Windeseile hinaus aus der schönen Bucht von Lohusalu. Wir segeln gegen den Wind gen Tallin. Nach Anleitung der „Chefs“ steuerten Caroline, Reinhold und Martin das Boot gegen den Wind. Viele Kreuzfahrtschiffe, Fähren und Frachtschiffe kreuzten unseren Weg. Tallin war schon von weitem zu sehen, so dass die Spannung auf eine neue Stadt steigt. Keiner von uns war bisher hier. Nach dem leckeren Abendessen, welches wir wie immer gemeinsam zubereiteten, geht es zum ersten kleinen Stadtrundgang. Eine interessante Altstadt mit vielen Kneipen, schönen Frauen… morgen erleben wir mehr.

Wer mal mitsegeln will, der sollte sich unseren Schlag vom 08.07.2017 – 27.07.2017 Stockholm – Ålandinseln – Bottensee – Stockholm mal anschauen. Unser Expeditionstörn – Abenteuer pur. Mit der MARLIN bis ans Ende der Ostsee. Ein Platz wird verlost, wenn der Törn zustande kommt. Bisher haben wir immer noch nicht genügend Interessierte. Zwei fehlen noch. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Am besten einfach anrufen +49 157 51147894

 


 

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Estland erreicht

Büro, Sauna, Restaurant

“Was hast Du bezahlt?“ „350 Euro. Ne Quatsch. 35 Euro! Alles gut“ An der Pier steht einer, der winkt. Wir dürfen da anlegen, wo Platz für große Schiffe ist. Da ist das Büro. „Daneben ist die Saune. Daneben ist das Restaurant.“ Dann ist ja alles klar denke ich mir. Und jetzt könnte ich ja weiter und weiter schreiben. Aber Caroline drängelt sich an den Rechner. „Micha. Ich will heute Logbuchbericht schreiben.“ „Ok. Hier hast Du die Tastatur.“ Caro schreibt:

Nach unserem 18-stündigen Segeltörn vom Dienstag, lässt uns Micha ausschlafen und weckt uns deshalb erst gegen 09:00 Uhr sanft mit dem brummenden Generatorengeräusch. Nach dem Frühstück beschließen wir, erst einmal die Insel vor unserer Nase zu erkunden. Die Abenteuerlust ist geweckt und so stechen wir mit unserem Dinghy unauffällig in See. Micha ist zaghafter und folgt mit dem Stand-Up-Paddle. Zu unserer Überraschung präsentiert sich die Insel als kleines Paradies mit malerischem Steg, dazugehörigem Fischerboot, kleinem Haus mit einladender Sauna im Fass und mehreren dicken Wollschafen, die vertraut Jan anblicken. Später werde ich in meinem Tagebuch den Namen der Insel ergänzen „Osmussaal“ und vermerke noch nebenbei die vielen Wacholdersträucher. Ob da die Esten wohl ihren eigenen Gin brauen – wir werden es heute nicht mehr erfahren, denn die Sehnsucht nach Segelsetzen und aufs Meer gleiten überwiegt. Viele Handgriffe sind bereits vertraut und so übernimmt Crew 29 langsam das Kommando. Micha darf also entspannt seine Gedanken schweifen lassen und Jan sich eine Stunde aufs Ohr legen. Wir haben gelernt – zufriedene Skipper sind Balsam für die Mannschaftsseele. Glücklich lassen wir uns an Deck von der Sonne kitzeln. Tallinn wir kommen. Doch dann kam Zeus ins Spiel… die gnädigen Winde schlugen um in laue Flauten. Also hieß es Planänderung – wir legen einen lauschigen Zwischenstopp in Lohusalu ein – ein idyllischer Hafen mit Office, Restaurant und Sauna.

Doch erst einmal Kochen. Wieder hat unser Gourmet Micha die faszinierende Idee – Schweinefilet im Speckmantel mit Porree-Gemüse, Kartoffeln und Weißwein-Pilzsauce. Dazu gab es einen leichten Rosewein – Tim Mälzer wäre begeistert – sicher wird er demnächst hier anheuern. Naja noch ist ein Platz für den nächsten Törn frei. Wir sind erst einmal glücklich und zufrieden und werden jetzt den estnischen Sonnenuntergang und dann die Sauna genießen. Bis morgen dann.

Wer mal mitsegeln will, der sollte sich unseren Schlag vom 08.07.2017 – 27.07.2017 Stockholm – Ålandinseln – Bottensee – Stockholm mal anschauen. Unser Expeditionstörn – Abenteuer pur. Mit der MARLIN bis ans Ende der Ostsee. Ein Platz wird verlost, wenn der Törn zustande kommt. Bisher haben wir immer noch nicht genügend Interessierte. Zwei fehlen noch. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Am besten einfach anrufen +49 157 51147894

 


 

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Ein Rohr für die Dehlya

Refit-Blog: <p>
	Test am Objekt: So k&ouml;nnte der Gennakerbaum eingebaut werden</p>

Es sollen – hoffentlich – die letzten größeren Bootsbau-Umbauten an der 25er sein, mal abgesehen vom Innenausbau: Planung des Gennakerbaums

Glitsch-Video: Faszination Mini 6.50 – Mit Vollgas zum Fastnet Rock

Mini fastnet

Oliver Tessloff hat von seinem 600 Meilen langen Mini Fastnet Race ein schönes Glitsch-Video mitgebracht. Es zeigt, warum die Skipper ihre kleinen Kisten so lieben. Weiterlesen

SV Samira – Andrea + Jürgen Michel GER

WILLY, DER NEUE MANN AN BORD

Hallo Herr Foerthmann,
Die ersten Tests waren sehr vielversprechend. „Willy“ kümmert sich fortan um das Ruder, die Crew betreibt Navigation und Ausguck.
Bleibt die Frage, was machen wir eigentlich noch an Bord ?!
Grüße aus Berlin
Jürgen Michel

Moin nach Berlin,
endlich mal ein Windpilot, der tatsächlich funktioniert! Danke für Fotos, nix zu meckern oder zu quaken. Um Ihre Frage zu beantworten, was denn nun Ihr Job an Bord ist: keine Ahnung, vielleicht mit der Puppe spielen? Jedenfalls haben Sie es so gewollt, ich habe Sie zu nix gezwungen! Good Luck für einen schicken Segelsommer!
Peter Foerthmann WEITERLESEN

SV Lop to – Kerstin Neermann + Helmut Siebrecht GER

ZUCKER FÜR LOTHAR

Lieber Peter,
Vielen lieben Dank fuer deine Email zum Landfall. Und den Link auf deiner Homepage. Ist schon wieder vier Wochen her und du hast nix von uns gehoert. Asche auf unser Haupt.

Ja….gute 9000 sm sind schon ganz schoen lang…aber alles in allem hatten wir sowohl auf der Strecke von Mar del Plata nach St. Helena, als auch von St. Helena auf die Azoren sehr gute Bedingungen. Etwas flau am Ende, mit zwei Starkwindfronten ganz am Ende. Aber irgendwas ist ja immer 😉
LOP TO hat wie immer super durchgehalten. Der einzige ernsthafte Schaden bei Ankunft in Horta war unsere kaputte Pfeffermuehle ;-). Da kann man nicht wirklich meckern.

Den groessten Anteil am guten Toern hatte wie immer Lothar Foerthmann am Heck. Unsere alte Windpilot Pacific Plus duerfte inzwischen wohl eine der Dienstaeltesten sein, die hier rumschippern. Lothar ist ueber 20…..aber fit wie am ersten Tag.
Und wir haben mal grob ueberschlagen, er hat tatsaechlich an die 100 000 sm auf dem Buckel. Der Wahnsinn oder? Man vergisst unterwegs gerne mal, was Lothar da hinten am Heck uns so abnimmt. Ein bisschen Spueli zum schmieren ab und an und gut ist. Sonst hatten wir von einem nach 9 Jahren abgebrochenen Pendelruder (ersetzt in vier Minuten) keinen Aerger mit der Steuerung von LOP TO.

Sag mal wovon lebst du eigentlich? Von Ersatzteilen auf jeden Fall nicht 😉

In Horta stand sogar 2 Stunden nach unserer Ankunft dein Kollege Harry Schank von GOOD WOOD vorm Schiff und fragte uns, ob wir irgendetwas fuer unsere Windpilot brauchen, er arbeite fuer dich. Super. Aber wie gesagt, wir brauchten nix.

Also, an dieser Stelle einfach ein dickes Dankeschoen. An dich und deine Pacific Plus. Wer ohne losfaehrt ist selber Schuld 😉

Wir wollen am Samstag weiter in Richtung Falmouth und dann schlagen wir langsam die Richtung zum Heimathafen ein. Nach 18 Jahren…..wir sind sehr gespannt was sich auf der Ostsee alles veraendert hat. Schaun wir mal.

Wenn du Lust hast, mit uns zu feiern: kleine Stegparty zur Ankunft am 16.09., 14.00 am ASC Steg in Kappeln. Wir wuerden uns riesig freuen wenn ihr kommt.
Lothar auch 🙂

Herzliche Gruesse von den LOP TO’s,
Helmut und Kerstin WEITERLESEN

Welche Rettungsweste brauche ich wirklich?

Rettungswesten 150 N

Rettungswesten sind die wichtigsten Lebensretter für Segler. Wir sorgen für Durchblick im riesigen Angebot aus Modellen, Normen und Typen

Gesunken: Oldtimer sackt im Hafen ab – Das Refit hatte fünf Jahre gedauert

Im schottischen Hafen Burghead ist ein Oldtimer gesunken, kurz nachdem er gekrant worden war. Dahinter verbirgt sich eine erstaunliche Geschichte. Weiterlesen

Experiment: In 168 Tagen führerlos über den Atlantik -Odyssee des “kleinen Bootes”

Schüler einer High School in Kennebunk an der US-Ostküste haben ein führerloses Boot über den Atlantik geschickt. Die Überraschung war groß als es gefunden wurde. Weiterlesen

Beneteau greift an: Neue Oceanis-Reihe startet mit der 51.1

Oceanis 51.1: <p>
	Oceanis 51.1</p>

Die siebte Generation der Fahrtenboot-Linie verspricht zahlreiche attraktive Wahlmöglichkeiten – und überrascht mit hochwertigem Design

Russia 1

„Dobryy den“ aus Voznesen`e an den Toren zum Onega See. Gut 4 Tage haben wir für die Passage der ca. 200 km langen Swir gebraucht. Die Fahrt war hier und da doch recht abenteuerlich. Der Gegenstrom hielt sich mit 0,5 bis max 3 Knoten zwar zumeist in Grenzen. Eine anstrengende Nacht vor Anker sowie 4 Nächte längsseits an irgendwelchen Barkassen und Pontons stehen aber auch im Logbuch. Hinzu kommen einige knappe Brückendurchfahrten, diverse Harakiri-Anleger an Arbeitsplattformen und viel viel Regen. Die Gegend erinnert vielerorts an Kanada mit seinen dichten, tiefgrünen Wäldern. Nun stehen wir In Voznesene unmittelbar an der Zufahrt zum Onegasee, dem immerhin noch zweitgrößten Binnensee Europas. In Carpes Salon schwirren ein paar Mücken die uns nerven und draußen am Steg stehen die üblichen Angler und hoffen auf guten Fang. Gestern haben wir übrigens versucht an einem schönen neuen Steg mit Landstrom festzumachen, wurden aber sofort von einem uniformierten verscheucht. Wie wir heute morgen erfahren haben, handelt sich bei dem Inselchen um eine Datscha von Vladimir Putin (ungelogen), der sogenannten Vladimir-Burg … hoppla. Nun denn … Zeit für einen weiteren Blogeintrag.

St. Petersburg, wir sind nun also so richtig in Russland angekommen. Gute 3 Stunden hat der Weg von Kronstadt bis in die Metropole gedauert. Wegen des fehlenden Winds in der Lagune vor Petersburg haben wir die 15 km unter Maschine zurückgelegt. Zuvor hatte es noch die in der Nacht angekündigte Kontrolle durch den Zoll gegeben. Ein junger Mann kommt mit seiner brandneuen Digitalkamera an Bord und kontrolliert eher halbherzig die eine oder andere Stelle. Dann macht er ein Foto von Carpes Bug, Heck und letztlich der Maschine mit ihrer Motornummer. Wird wohl was mit den Ein- und Ausfuhrbestimmungen bzw. der Vorbeugung eines Verkaufs oder Tauschs in Russland zu tun haben. Dann müssen wir noch einmal in das Gebäude auf dem mächtigen Ponton. Über enge Gänge und steile Treppen geht es in sein Mini-Büro, wo wir Platz nehmen. Der ganze Bau ist innen in Hornhaut-Umbra gehalten und scheint seit Sowjet-Zeiten kaum eine Veränderung erfahren zu haben. Nur die Computer und zahlreichen Überwachungskameras haben neuen Standard. Obwohl überall Verbotschilder hängen, filme ich ein paar kurze Sequenzen und sehe später auf den Aufnahmen, dass ich dabei genau unter einer der 360 Grad Überwachungsobjektive gestanden habe :-). Im Büro werden die üblichen Kopien, Stempel und Forumlare gefertigt bevor wir endgültig eingereist sind und sogar kurz das an sich abgeschlossene Gelände für eine kurzen Rundgang verlassen dürfen. Viel gibt’s hier allerdings nicht zu sehen. Kronstadt selbst ist zu weit weg und das verfallene Fort haben wir in ein paar Miunten erkundet. Also los nach St. Petersburg.

Dort sind wir mit Vladimir – unserem Sail-Agent – verabredet. Er hat uns einen Platz in der Central River Marina in einem Seitenarm der Newa besorgt. Dort angekommen winkt er auch schon am Steg. Die Gastplätze liegen außerhalb des geschützten Marinabeckens mitten im Fluß. Das bedeutet nicht nur Schwell bei vorbeifahrenden Fahrzeugen, sondern auch einiges an Strom. Die Anfahrt an den Schimmmsteg ist daher auch gar nicht so einfach. Am Ende kriegen wir es aber trotzdem ganz gut hin, legen Leinen und Fender und sind da. Vladi ist ein älterer Herr um die 60 und ein scheinbar netter Kerl. Unentwegt klingelt sein Handy über das er Kontakt mit den zwei andern Yachten hält, die zur Zeit im Binnerevier unterwegs sind. Nach kurzem gegenseitigen beschnuppern bekommen wir dann auch unsere Karten für das russische Revier, welche wir zuvor bei ihm geordert hatten. Insgesamt 3 große Bücher in denen alle wesentlichen Informationen auf kyrillisch vermerkt sind. Alles ist per Hand auf den (fast) neusten Stand korrigiert. Viele Infos wo und wann wir wie anlegen können, hat Vladi allerdings leider nicht. Das würde sich erstens oft ändern und zweitens sei er selbst schon einige Jahre nicht mehr in dem Revier unterwegs gewesen. Nun denn .. wir wollten ja Abenteuer. Nach einer Nostalgie-Dusche im Keller eines angrenzenden Gebäudes und einem Abendessen in einem nahegelegenen Restaurant endet der Tag in der Koje. Die Marina an sich scheint übrigens recht mondän zu sein. Zumindest liegen dort ein paar ganze schöne Oschis und in den umgebenden Gasthäusern finden Feiern und Hochzeiten statt. Auch hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Die Gäste kommen mal im Bentley oder gleich per Hubschrauber. Die vorgenannte Dusche erinnert jedoch eher an eine Kaserne in den 60ern. Na ja .. die meisten werden sich wohl eher in ihrer eigenen Wellness-Oase amüsieren.

Für den nächsten Tag ist ein Ausflug in die Stadt sowie zum Peterhof geplant. Letzterer ist das russische Versailles und war die Residenz von Peter dem Großen. Die Fahrt wollen wir mit Alex, einem Bekannten von Viktor angehen. Der hatte sich angeboten uns in seinem alten GAS Wolga von 1985 zu kutschieren. Das war quasi die S-Klasse der Russen und ist somit ein echtes Stück Zeitgeschichte. Als wir ihn schließlich treffen ist die Begeisterung dann auch groß. Der Wagen ist echt der Hammer. Knallrote Plüschsitze, viel Kunstleder und eine dicke schwarze Karosserie lassen uns uns geich wie Erich Honecker auf Staatsbesuch fühlen. In der Stadt suchen wir dann zunächst mal einen Laden für eine SIM-Karte. Telefoniert man in Rssuland und darüber hinaus nämlich mit seiner deutschen Karte, können einen die Puff-Preise schnell in den Ruin treiben. Eine lokale Karte ist da deutlich günstiger und beinhaltet außerdem mit bis zu 40 GB eine nahezu unerschöpfliches Datenpotential. Bleibt abzuwarten wie die Abdeckung draußen in der Pampa ist. Dann gehts zur Bank. Am Geldautomat wird mir allerdings die Herausgabe von Barem verweigert. Also rein zum Schalter, Nummer gezogen und sich in die lange Reihe gesetzt. Wenig später sitzen wir am Schalter, erklären unser Problem und – zack- bekommen wir doch etwas cash. Warum den einfach wenns auch kompliziert geht .-) ?

Kreuz und quer durch die Stadt und entlang der Bucht von Petersburg geht’s zum Peterhof. Dort ist mächtig was los. Scheinbar hält sich gerade niemand mehr in China und Japan auf, denn so wie es aussieht sind die aller hier. Wahre Menschenmassen wälzen sich durch die prunkvollen Gärten und Anlagen. Besonders die vielen Brunnen und Fontänen sind eindrucksvoll. Später konne wir diese sogar noch auf einer separaten Führung „von unten“ besichtigen. Wirklich sehr schön hier. Und während ich so auf geschichtsträchtigem Grund wandele klingelt mein Handy. Es ist Michael aus Moskau. Michael war derjenige, der mich seinerzeit mit dem russischen Binnenfunkgerät versorgt hat. Nun ist er extra wegen uns aus Moskau her geflogen, um uns auch persönlich einen Besuch abzustatten. Er warte bereits in der Marina, in der wir uns für den frühen Abend verabreden. Im Hafen angekommen gibts dann ein nettes Hallo mit ein paar Bierchen und einem keinen Abendessen. Für den kommenden Tag verabreden wir uns außerdem für eine Tour durch die Innenstadt. Gute Nacht.

Die Nacht war mal wieder nix für schwache Nerven. Das hat gleich mehrere Gründe. Zum einen lieben es die Russen zu feiern. Und wenn, dann auch richtig. Soll heißen die ganze Nacht wummert die Musik aus den nahen Clubs und Feier-Sälen bis in die frühen Morgenstunden. Dazu der Riesenschwell der Carpe regelmäßig wie einen Angelschwimmer am Steg tanzen und uns in die Leinen einrucken lässt. Und dann gibt es da noch den kauzigen Mann, der direkt auf unserem Steg eine kleinen Leuchtturm aus Holz baut. Bis nachts um ein Uhr hat er direkt neben uns mit seiner Flex hantiert und mir den letzten Nerv geraubt. Heute morgen hat der um 7 weiter gearbeitete und dann auch noch die Tür seinen Turms geben Carpes Rumpf geschlagen, Da musste mir mal kurz der Hintern platzen und siehe da … nur 5 Minuten später verabschiedet sich der „Künstler“ ins Wochenende und wünscht uns alles Gute.

Zusammen mit Michael gehts dann gegen Mittag in die Stadt. Dazu nutzen wir eines der vielen Taxis die man hier per App in nullkommanix bestellen kann und die einen für nen Appel und ein Ei überall hin kutschieren. Was folgt ist ein gut 10 km langer Fußmarsch zu allen wesentlichen Sehenwswürdigkeiten, Prachtstraßen und Plätzen. St. Petersburg ist echter der Oberhammer. Eine bunte Kultur-Metrolpole mit viel Wasser und Prunk. Dazwischen ein Verkehr wie in Manhattan und natürlich viel lebendige Geschichte. Wir sehen beispielsweise das Winterpalais (Erimitage), das berühmte Peter der Große Denkmal, die Blutkirche, den Panzerkreuzer Aurora und und und. Allein in der Stadt könnte man sicher Tage und Wochen zubringen, um die unzähligen Dinge zu bestaunen die es hier gibt. Zwischendurch nehmen wir immer wieder mal nen Snack und nen Kaffee. Einmal in einem schönen Park für den wir sogar Eintritt zahlen mussten. Geld verdienen tun die Menschen hier wohl genauso gerne wie überall sonst auf der Welt. Manches ist zwar wirklich günstig, anderes hingegen hat europäischen Standard oder ist sogar noch teurer. Einmal mehr stelle ich mir die Frage, wie sich das die normalen Einheimischen leisten können. Eine Kellnerin zum Beispiel verdient im Monat ungefähr 25.000 Rubel. Das sind in etwa 400 bis 500 Euro.

Die Tage in Petersburg verstreichen in Windeseile. Nach dem Wochenende stellt sich in der Marina fast so etwas wie Ruhe ein und neben uns hat Thomas – ein ebenfalls deutscher Segler – festgemacht, der gerade allein hier ist und sich bald mit seiner Holden in Stockholm treffen will. Wir bereiten uns derweil auf die Weiterfahrt ins russische Binnenland vor. In der Nacht von Sonntag auf Montag soll es losgehen. Der Beginn eines echten Kabinettstückchens a la Russland. Denn zunächst heißt es, wir sollen uns schon spätesten um 1 Uhr vor der ersten Brücke einfinden, um den Lotsen an Bord zu nehmen. Dann plötzlich heißt es, dass sei viel zu früh und der Lotse käme erst um viertel vor zwei an Bord. Um zwei Uhr morgens seien dann die Brücke auf uns wir könnten los. Wir planen also um 1 Uhr die Leinen los zu werfen und die Aufnahmestelle für den Lotsen anzusteuern. Um halb eins klingelt dann plötzlich das Telefon. Der Lotse ist dran und meint, wir müssten SOFORT losfahren, da das Wasser steige und wir ansonsten nicht unter der neuen Brücke hindurch kämen. „Welche neue Brücke ?“, frage ich Viktor, der ebenso ahnungslos ist. Wie sich herausstellt, gibt es vor der ersten Klappbrücke eine neue Brücke, die weder in Karten verzeichnet ist, noch von Vladi irgendwie erwähnt worden ist. Durch die noch angebrachten Gerüste sei die Brücke derzeit irgendwas zwischen 14 mter und 15,50 Meter hoch. Eine insoweit verlässliche Auskunft zu bekommen ist zunächst nicht möglich. Wir gehen also von 14 Meter aus, was selbst bei normalem Wasserstand für uns zu wenig wäre. Vladi und Lotse meinen dennoch, wir sollen trotzdem los fahren. Das würde schon passen. Also los .. in leichter Hektik schmeißen wir die Leinen los und ab geht die Fahrt zu besagter neuer Brücke. In der dämmrigen Beleuchtung taucht der Bau bald auf. „Das ist zu knapp.“, sage ich zu Viktor, der wie ein Derwisch an Telefon und Funk hängt und versucht aktuelle Infos zu bekommen. 100 Meter vor der Brücke klärt sich dann: „Die Brücke hat gerade nur 13,22 Meter Durchfahrthöhe.“ Ich drehe sofort ab und fluche laut in die Nacht. Denn damit ist klar, heute kommen wir nicht mehr durch St. Peterburg. Morgen soll ein neuer Anlauf auf einer anderen Route stattfinden. Bald mehr …