Monatsarchive: März 2017

Joshi Nichell – Vblog

PER ANHALTER ÜBER DEN ATLANTIK – GEHT AUCH

Auf Reede. Microkosmos Ostseebad.

Darf man das?

Am Morgen wachen wir auf unserer MARLIN auf. Es wackelt nicht, kein Tatütata, keine Autos, kein Flensburg, ein paar Möven kreischen. Und das grade mal anderthalb Meilen weg von unserem Winterliegeplatz. Das lässt das Seglerherz höher schlagen. „Irgendwie habe ich die ganzen Nacht gewartet darauf, dass gleich irgendjemand anklopft mit den Worten: Hörnse mal, dass ist aber verboten. Hier einfach vor Anker liegen, das geht aber nicht. Husch, husch, ab in die Marina.“, Nathalie lacht. Dabei haben wir das mehr als ein Jahrzehnt auf der ganzen Welt gemacht. Hunderte Male, wenn nicht tausend Male ist unser Anker auf zehn Meter gefallen und hat uns Sicherheit und guten Schlaf in unserem Heim gegeben.“ „Nur das man hier nicht stundenlang zwischen anderen Schiffen umherfahren muss, um einen guten Platz zu finden. Hier gibt es keine anderen.“, ergänze ich. Lena hat sich zwischen uns in die Vorkabine gequetscht. „Nur ein bisschen wärmer könnte es sein.“

“Papa, lass uns fliegen.“ Tobias und ich haben den neuen Kran am Radarmast eingeweiht, der nun den schweren 30 PS Außenborder kinderleicht von der Reling Richtung Dinghy transportieren lässt. Wofür früher drei Leute notwendig waren, eine 10 minütige Einweisung, damit nix passiert und der AB nicht im Wasser oder an der Bordwand landet, machen das zwei Leute jetzt easy in ein paar Minuten. Wahrscheinlich geht es sogar Einhand recht flott von der Hand mit etwas Übung. Gute Optimierung. Und so schwimmt MAYALENA unser Naiad Beiboot aus Neuseeland mit dem dicken Motor am Heck hinter der MARLIN. Das reizt Maya. “Papa, lass uns endlich fliegen gehen.“ Endlich lasse ich alles andere fallen. Wer weiß ob ich morgen noch kann. Klar. Ich komme sofort mein Schatz. Maya und ich springen ins Dinghy. „Ich?“ „Na klar.“ „Aber ich bin den großen Außenborder noch nie gefahren.“ „Jetzt aber!“ Maya legt die Sicherungsleine um ihren Fuß, gibt vorsichtig Gas, bis sich der Bug des Tenders langsam wieder senkt und wir in Gleitfahrt kommen. „Fahr mal da hinten zu der kleinen Brücke hinter dem Wasserslebener Strand.“ Die kleine Holzbrücke markiert die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland. Kaum unter der kleinen Brücke hindurch sind wir im Land der Feen und Elfen. Hinter ein paar verlassenen Holzstegen, fahren wir zwischen mannshohem Schilf über kleine Seen. „Papa, nimm Du. Lass uns umdrehen. Da ist unheimlich. BITTE!“ Ich kenne meine Tochter. „Klar. Kein Problem.“

Brrrrrr. Der Wassermacher der MARLIN läuft. An dem Ostseewasser muss er nicht besonders arbeiten um klares gutschmeckendes Wasser zu erzeugen. Ich eröffne die Unabhängikeitssegelsaison 2017. Nicht ganz ohne Sorge, ob er denn nun die Zeit von July 2016 bis heute, den Frost und die Umstände, unbeschadet überlebt hat. Auf den Acoren haben Bootssjunge Micha und ich die Membranen und Leitungen mit Sodium Metabisulfite Lösung gefüllt, was das übliche Konservierungsmittel für Entsalzungsanlagen ist. Ein Jahr kann die Anlage dann ohne Nutzung, ohne Gammel stehen. Ich nippe nach 20 Minuten zum ersten Mal mit einem kleinen Schnappsglas am MARLIN Quellwasser. „Thats’s really good!“ Die Leitungen sind alle dicht. Das Marinawasser aus dem Tank pumpe ich ab, wegen dem Chlor. Generator und Wassermacher brauchen jetzt 5 Stunden um der einen Tank komplett zu füllen. „Komm Lars. Wir gehen spazieren!“, der arme Hund, immer noch kein Bootshund. Wird er auch irgendwie nie werden. Aber heute Abend ist Schiff angesagt, wegen der Übernachtungsgeburtstagsparty von Lena. Da ist er nämlich bewusst ausgeladen worden. Lars heult wieder rum, weil nur der Alte da ist und nicht sein Rudel.

Ich bin schon ein bisschen in St. Petersburg. Netz macht es möglich.


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SV Rasmus – Hein Garbers Windspiel IV – for sale € 340.000

GESCHICHTE UND NEBENWIRKUNGEN EINER LEGENDE

Von Natur aus mit einem stabilen Magen ausgestattet, habe ich den Würfelhusten – Neudeutsch das Kotzen – auf der SOTTJE beim Segeln kennengelernt, als wir unter Deck am kardanisch aufgehängtem Tisch unsere Suppe abwechselnd unter dem Kinn oder parallel mit unseren Knien zu löffeln hatten. Für mich bis dato eine neue Erfahrung, weil die Back – Neudeutsch Tische – in meinem Leben bislang am Schiff festgeschraubt gewesen ist, weshalb mein Magen hier brutal gegen meinen Stolz rebellierte – ich habe es jedenfalls nur noch haarscharf bis zum Lee Zaun geschafft.

Die SOTTJE hatte im Hamburger Yachthafen Wedel ihren Liegeplatz am Pfahl, weil sie auf Grund ihrer erhabenen Grösse ansonsten, an der Tonne in der Tide liegend, den Nussschalen auf beiden Seiten die Rippen gebrochen hätte.

Auch die WINDSPIEL, namensgebend für die legendären WINDSPIEL IV Doppelender aus der Feder von HEIN GARBERS, hatte in Wedel ihren Liegeplatz. Beides Schiffe im Fokus einer bewundernden Segler Gemeinde, die bis heute stetig grösser geworden ist.

HEIN GARBERS
Der Name der Hamburger Segler und Schiffbauer Legende hat auch in meinem Leben multiple Spuren hinterlassen, weil der blosse Anblick dieser segelnden Monumente genügte, um mich in Ehrfurcht auf die Knie zu zwingen, ob der visuellen Seetüchtigkeit und Unzerstörbarkeit dieser Schiffe, die auf so seltsame Weise die Sinne von Menschen gefangen nehmen, wenn sie denn die Werte von Segeljachten gleichermassen ähnlich definierten, immerhin in gerader Linie mit Schiffen wie der

JOSHUA von BERNARD MOITESSIER,

SUHAILI von ROBIN KNOX-JOHNSTON oder jenen legendären

COLIN ARCHER, mit denen die Nordmänner notleidenden Fischern dereinst das Leben unter Segeln gerettet haben

SEGELNDE LEGENDEN
die allesamt ähnlich solide für das Segeln unter allen Herausforderungen ausgestattet sind: Never ending langem Kiel mit daran solide verankertem Ruder, tiefem Vorfuss für angenehm weiches Schlaf und See Verhalten und einem Heck, das so unvergleichlich keck auflaufenden Seen von achtern den geringsten Widerstand entgegen reckt, und notfalls den schlanken Achtersteven durch die brechende Welle gesteckt. Schiffe, die für mich bis heute State of the Art, mein Segler Leben prägen sollten. Schiffs Legenden, die für alle Zeiten ein würdiges Statement für Schiffsbaukunst darstellen werden… so ganz gegensätzlich anders, als die massenhaft preiswert hergestellten Knick Spant Yachten aus der Feder eines KURT REINKE, die international ein so ganz differentes Bild Deutscher Schiffsbaukunst reflektieren.

Was HEIN GARBERS in seinem nur 54 Jahre langem Leben so bescheiden wie visionär und unprätentiös auf die Beine gestellt hat, ist bis heute eine Sensation: er hat Schiffe realisiert und mit blossen Händen gebaut, die für alle Zeiten ihren Legenden Platz behalten werden. Unvergessen, dass dieser unerschrockene Segler im Zweiten Weltkrieg sechsmal unter Segeln Abenteuerliches vollbrachte, indem er Agenten in militärischem Auftrag von Europa mach Südamerika segelte. Das Buch DIE GEISTERSCHIFFE HITLERS zeugt von seiner unglaublichen Seemannschaft, die er gleichwohl unpolitisch erbrachte, weil ihn insbesondere die seglerische Herausforderung reizte. Mit einer WINDSPIEL III hat Garbers im Jahre 1958 den Nordatlantik Einhand überquert.

Die 7 Rümpfe der WINDSPIEL IV Klasse wurden in Siemens Martin Stahl von Hand gedengelt, vernietet und hernach die Spanten eingepasst, was spätere Eigner graue Haare kosten sollte, weil diese Bauweise Rost anfällig, Schweiss und Blut Tribut von ihren Eignern fordern sollte. Allerdings galten Schiffe damals generell nicht als Pflege leicht, was sich erst mit der „Erfindung“ von GFK Schiffen ändern sollte. Segeln und Arbeiten, so lautete damals die Devise.

Ich erinnere mich an jene Geschichte, als Knut Eiko Petersen, langjähriger WINDIGO ( ex KASPAR OHM ) Eigner, und Vereinskamerad im JKN, dereinst mit der Flex im Kockpit Bereich ein Loch zu machen suchte, sich der Stahl als zu zäh erwies, und nur die Flex zum Glühen brachte. Knut hatte die Herausforderung seines Schiffes begriffen. Als er die WINDIGO im Jahre 1972 unter seine Fittiche genommen hatte, konnte ich jahrelang hautnah erleben, was es bedeutete, sich den Wünschen eines Schiffes unterzuordnen, seinen Lebens Jahres Fahrplan Sommers und Winters darauf einzurichten … und zuzugestehen, dass die Winter generell zu kurz gewesen sind, abgesehen davon, dass eine ganze Familie die winterlichen Wochenend Ausflüge des Häuptlings in die kalte Winterlager Halle zu akzeptieren hatte. In der Familie Petersen sind dennoch alle Familienmitglieder dem Segeln treu geblieben, allerdings wurde die WINDIGO später durch eine Aluminium WINDIGO ersetzt, was den Erhaltungsaufwand kolossal verkürzte.

Garbers Schiffe waren stets eine Herausforderung für ganze Männer, weil sie handwerkliches Geschick, alternativ solide Ressourcen erforderten, wollte man nicht den Kampf gegen den Zahn der Zeit verlieren. Rümpfe aus genietetem Sonderstahl bergen lebenslange Geheimnisse, die heute nur mit Durchhaltewillen und finanzieller Wärmedecke zu bestehen sind, wollte man seine Reliquien nicht dem Rost zum Frasse überlassen. Mancher Eigner Wechsel mag belegen, dass hier und dort die Leidens – und Leistungsbereitschaft wohl überschätzt wurde und am Ende dann die schwimmenden Legenden an neue Protagonisten mit noch unverbrauchtem Optimismus, weiter gegeben wurden.

PROJEKT RAPUNGA
Eines dieser Projekte wird seit kurzem bei EBAY angeboten: ein grundsaniertes Kasko für einen Enthusiasten mit Visionen.

Die RAPUNGA wurde im Jahre 2008 vom heutigen Eigner MICHAEL HAGNER voller Optimismus von Kiel ins Saarland transportiert, um dort mit aller Kraft und Energie eine Entkernung bester Qualität und anschliessender Grundsanierung des Rumpfes durchzuführen, für einen Fachmann mit Wissen und Ressourcen fernab der Küste, allerbeste Voraussetzungen, diesem Schiff wieder neues Leben einzuhauchen. Allerdings haben sich im Verlauf von nunmehr 9 Jahren die persönlichen Umstände verändert, was den Eigner veranlasst, sich von seinem engagierten Projekt zu trennen.

EIGNER GESUCHT
Hier wird ein Eigner gesucht, der in die Fussstapfen von Michael Hagner tritt und den heute kerngesunden Kasko wieder mit den sämtlich vorhandenen Komponenten bestückt, um diesem Schiff dereinst wieder zum Schwimmen zu verhelfen. Ein Projekt, das sich lohnen wird, weil es als segelndes Denkmal fortan unsterblich werden wird. Zu den besonderen Umstände dieses Projektes passt es, wenn hier nicht mit einem Preisschild gewunken wird, weil dies am besten zwischen zwei Menschen einvernehmlich zu regeln ist, weil hier Herzblut fliesst, insbesondere auf Verkäuferseite. Die Kontaktdaten von MICHAEL HAGNER info@7achtel.de +49 175 16 59 649

WINDSPIEL BAZILLUS
Der Bazillus hatte mich damals voll erwischt, kein Wunder, hatte ich doch immer wieder die Chance bekommen, hier und dort mit zu segeln.

KAPITÄN FEDDERSEN NIEBÜLL
Als Kapitän Feddersen aus Niebüll seine JANNE inserierte, raste ich auf glühenden Reifen meiner Döschwo Ente nach Flensburg, um dort an die Grenzen meines Egos zu gelangen: diese Windspiel war mit einem überschweren MAK Diesel mit offenen Kipphebeln ausgestattet, weshalb das Schiff merkwürdig tief im Gatt hing … und meinen Respekt erhielt: ohne eine handfeste Crew traute ich mir das Handling dieses Schiffes nicht zu … was mein Glück werden sollte, denn ich war fortan im Papp Kartei Kasten von Kapt. Feddersen als glühender Interessent für ein solides Fährtenschiff vermerkt.

Dieser Glücksfall sollte mir wenig später die LILOFEE einbringen und damit mein Glück zum Erwerb der Firma WINDPILOT in die Wege leiten, weil ich beide miteinander vertauschte. So gesehen, ein perfektes Ende eines Plans, man muss die Dinge im eigenen Kopf nur richtig interpretieren.

Die Garbers Yachten hatten mich lebenslang im Griff: immer wieder, wenn eine Windspiel zu verkaufen war, juckte es mich kolossal, auch wenn das Schiff dann neue Eigner bekommen sollte, die mir hier und dort zu Freunden oder Bekannten wurden. Ich habe hautnah die Begeisterung von Werner-Alfons Nöfer in Oberndorf mit erlebt, der sein Herz und seine Hose samt Geldbörse willig an die WINDIGO verloren hatte, habe die familiären Regenwolken mit angesehen, als die WINDSPIEL unter ihren Eignern Illa und Wolfgang Schütte querab Cuxhaven eine stabile Fahrwasser Tonne im Vorschiff zart getroffen hatte, die dann Sekunden später – mit Wumms – querab im Kockpit zu Besuch gekommen ist … und die Schanz ruinierte, gleichwohl das Schiff ansonsten unbeschadet weiter segeln liess. Das Schiff stand wenig später erneut zum Verkauf, zumal das Manövrieren nix für Anfenger ist, weil die Masse von Schiff bei Hafenmanöver schon sorgfältige Planung erforderlich macht, wollte man nicht nach dem Motto verfahren: kernig gerammt ist besser als lahm angelegt.

Es konnte nicht ausbleiben, dass die besondere Form des Canoe Sterns meine Windpilot Konstruktion beeinflussen sollte, denn ich hatte im Sinn, dass die Montage an diesen Schiffen unproblematisch werden sollte. Immerhin sind heute einige dieser Schiffe mit meinen System ausgestattet.

Erst vor wenigen Tagen kam Detlef Eden, der heutige Eigner der WINDSPIEL zu uns in die Werkstatt, um seine vorhandene Windpilot Anlage auf sein neues Schiff anzupassen. Sein Plan: eine Atlantik Runde.

DIE ANDEREN KLASSENSCHIFFE
Die SOTTJE vom langjährigen Eigner Dröge hat zwischenzeitlich in Herrn PRÜSSE einen glühenden Enthusiasten gefunden, sie wird derzeit in Rendsburg einem gründlichen Refit unterzogen.
Die ETMAL von Herrn Deharde scheint nach Venezuela gegangen und segelt heute unter Schweizer Eigner
Die KASPAR OHM, später WINDIGO wechselte häufiger Namen und Eigner, wurde als HELA an der Schlei gesichtet.
Die NIS RAANDERS von Herrn Dädler segelt vermutlich unter US Flagge
Der Verbleib der JANNE ist mir unbekannt
Die WANADIS II, eine etwas grössere Version segelt vermutlich an der Weser

Die EILAND ist ein ähnlicher Riss, der von ERICH KÖPPEN in Bremen gezeichnet wurde. Das Schiff befindet sich seit vielen Jahren auf Grosser Reise mit seinen Eignern Imke Backenköhler und Ulrich Politt.

SV RASMUS
Dieses Schiff ist meines Wissens die einzige nach Original Plänen bei der FELTZ WERFT in Finkenwerder je gebaute REPLICA für den Hamburger Eigner Herrn Krefis. Das Schiff wurde im Gegensatz zu seinen Urahnen, die sämtlich vernietet waren, vollverschweisst und somit Verrottungs sicher gebaut, was sich bis heute als segensreich erwiesen hat.

Mit der RASMUS verbindet mich eine besondere Geschichte, die stets gleich – wie die Geschichte vom täglichen Murmeltier – sich auf dem östlichen Steg im Hamburger Yachthafen wiederholte. Das Schiff befindet sich seit Jahrzehnten in den Händen von KORNELIA und JÜRGEN RADDE, einem besonderen Eigner Paar, das sein Schiff vergleichbar dem eigenen Augapfel behütet, verbessert und gepflegt und seine Sommerreisen unternommen hat. Die Geschichte verlief immer gleich:

Wann wollt Ihr Euer Schiff verkaufen? Bitte daran denken, dies Schiff zuerst mir anzubieten!

Und so vergingen die Jahre, wir sind darüber im Gleichschritt ein wenig älter geworden sind. Kornelia und Jürgen haben zwischenzeitlich bereits ihre zweite Windpilot Anlage am markanten Heck, nachdem ihnen im vergangenen Sommer von einem schneidigen Charterskipper in Greifswald das vorherige System bös lädiert worden ist.

Und nun also kommt kürzlich die erlösenden Bemerkung, auf die ich Jahrzehnte gewartet hatte:

Wir wollen nun unser Schiff verkaufen!

Für mich kommt dies nun glatt zu spät, weil meine Lebenspläne und Wünsche andere Wege eingeschlagen haben und die RASMUS mich hier auf dem falschen Fuss erwischte.

Aber ich möchte hier mit besonderer Freude ein Leckerbissen Schiff der besonderen Art vorstellen, dessen Details nur zu verstehen sind, wenn man reflektierte, welch besonderer Eigner samt seiner Frau, hier Jahrzehnte damit verbracht haben, ihr Schiff mit unglaublicher Detailversessenheit zu verbessern. Dies kann man nur verstehen, wenn man das persönliche und berufliche Umfeld dieser Eigner kennt. Jürgen hat sein Leben als Konstrukteur im Flugzeugbau gearbeitet. Dies spiegelt sich von Bug bis Heck der RASMUS, die sich in einem Zustand befindet, der erheblich besser als der Neuzustand zu bezeichnen ist, zudem Details aufweist, die in ihrer Präzision und zeitgleich Einfachheit, sprachlos machen. Ein Schiff, dass obgleich heute 45 Jahre alt, innen wie aussen in perfektem Zustand gehalten, dass man jederzeit aus der Bilge seine Suppe würde löffeln können.

Ohne mich hier nun selbst sprachlich rechts zu überholen, lasse ich einfach die Bilder sprechen, sie belegen wortlos, dass es sich hier um ein einmaliges Prunkstück handelt, dass heute herzustellen, nahezu unbezahlbar ist.

Unbezahlbar? Ja, exakt an diesem Punkt habe ich mich lange mit Kornelia und Jürgen unterhalten. Wir kennen die Situation am Markt, wir kennen die Werftpreise, Stundenlöhne, Wertigkeiten von segelnden Legenden … und sind überein gekommen, dies Schiff zu einem Preis von € 340.000 hier anzubieten.

Für Detailfragen werden die beiden Eigner jede Antwort geben. Das Schiff liegt im Hamburger Yachthafen. Kornelia + Jürgen Radde tel 04103 14428 email: kgstaro@gmx.de

Meine Kunden. Starke Segler.

Und los geht es.

Meinen Blog täglich zu pflegen, dazu komme ich im Moment nicht. Anderer Segler Probleme zu lösen ist mein Job, mit meiner Firma LUNATRONIC. Ich verkaufe aber nicht nur Hardware sondern auch Zeit. Meine Zeit. Training & Support. Ich habe gut zu tun, sehr gut zu tun. Vielleicht ist auch die Jahreszeit. Nach dem letzten Schnuppertörn im Winter 2017 am letzten Wochenende, gönne ich mir einen Tag zu Hause, dann mit der V70 Schleuder nach Greifswald. Kunde Christian hat tief in die Tasche gegriffen für sein Furuno FS-2575, ich soll sein PACTOR Modem DR7400 anschließen. Ein bisschen holprig, bis ich die Informationen zusammen habe. Furuno tut sich schwer, das Setup des KW Gerät ist mit einem Passwort geschützt, dass sie mir nicht geben wollen, so dass zwar der Anschluss gelingt, aber die schlussendliche Inbetriebnahme nur durch Furuno gemacht werden kann. Die haben aber keine Ahnung von den Modems. Vielleicht sollte Furuno da mal seinen Vertriebsprozess optimieren, ansonsten werden die Blauwassersegler wohl nicht diese eigentlich guten Anlagen kaufen.

Am nächsten Tag geht es weiter zu Kunde Andreas in Rostock, der ebenfalls eine Kurzwellenanlage hat, einen ICOM M802. Diesen aber von mir, also von LUNATRONIC. Ich soll die Erst-Inbetriebnahme machen. Der Katamaran steht an Land. Nun gut. Andreas ist nett, die Hardware hat er selbst verbaut und das perfekt. „Hätte ich nicht besser machen können. Glückwunsch Andreas.“ Ich schließe das DR7400 Modem mit zwei fertigen Kabeln an, pfeife einmal ins Mikro, schaue einmal auf das Amperemeter. „Alles gut.“ Nebenbei stecke ich zu Testzwecken die LunaWLANnet zusammen, die Andreas auch noch auf seinen Mast installieren wird. Die folgenden zwei Stunden texte ich Andreas zu. Ich mache die Schritte vor, er sitzt selbst am Rechner und macht alles nach, schreibt mit. Altes Wnuk’sches IHK Ausbilderwissen. Gelernt ist gelernt. Genauso schnell wie ich gekommen bin, schlage ich in Andreas Hand ein und bin wieder weg. „Ich schicke Dir eine Rechnung. Wenn Du noch Fragen hast. Telefonsupport ist kostenlos. Ruf mich an.“ Ich habe genug Erfahrung, dass ich weiß, dass Andreas wohl maximal noch mal zwei Mal anrufen wird, aber wegen dem MiniPlexer, den ich ihm nebenbei auch noch verkauft habe.

Am Nachmittag schlage ich an der Hohen Düne in Warnemünde auf. Kunde Frank, siehe Photo, habe ich schon 2015 ein komplettes Paket verkauft und zum Teil installiert. Vom B&G Naviagtions-N2K-Netzwerk, Fischer Panda Generator, über Wassermacher, diversen anderen Sachen bis hin zum MAC Bordrechner und natürlich dem PACTOR Modem mit ICOM M802 Funkanlage. Alles läuft. Frank hat mich gebucht, weil seine Pläne ins Mittelmeer zu gehen sich, etwas verirrt hatten, um nun wieder zielstrebig zu werden. Ja. So kann es gehen. Ich kenne solche Schicksalsschläge ja nun auch. Zwischenzeitlich steht ein umfangreiches AIS Update des Vesper Marine Fusion AIS an, diverse Software Updates und Netzwerkprobleme, in der recht komplex gewordenen Navigations- und Kommunikationselektronik. Frank ist nicht mehr so ganz vertraut mit der Bedienung, weil er sich seit zwei Jahren nicht, wie ursprünglich geplant, täglich mit der ganzen Technik beschäftigt hat. Das betrifft vor allen Dingen die Kurzwellenthematik, Händling von e-mail und Wetter an Bord. Ich versinke erst mal ein paar Stunden in die Firmware- und Update-Welt seiner Gerätschaften, bis alles wieder zusammenspielt. Dann übt Frank, so wie am Vormittag Andreas. Es geht schnell und gut, dauert dann aber doch alles wieder länger. Am frühen Abend verlassen wir das Schiff um im totenstillen Warnemünde noch einen Fisch an Salat zu finden. Das gelingt. Eine Flasche Wein an Bord schafft die Bettschwere. „Ne. Heute fahre ich nicht mehr Heim.“

Der nächste Tag ist von der Rückfahrt geprägt, bis ich schlussendlich am Nachmittag wieder zu Hause bin. Kennt ja jeder. Für die nächsten Tage liegen keine Termine an. Der Wetterbericht fürs Wochenende sieht gut aus. Sonnenschein ist angesagt. Frühlingserwachen. Am Samstag feiert Lena mit 12 Kindern Geburtstag mit Übernachtung. Da liegt eins nahe: „Leinen los!“ Am frühen Morgen läuft die MARLIN mit mir und Tobias aus. Das weite Ziel: Ostseebad. Die 2 Meilen sind schnell geschafft. Wir gehen auf Reede. Auf 10 Meter fällt der Anker. Alles gut. Karibikfeeling live. Es fehlen nur andere Ankerlieger. Hier liegen alle in der Marina.


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SV 7Seas – Anett, Hendrik, Marie, Maximilian, Dominik Pilz GER

ELTERNZEIT MIT 6 PILZEN + WINDPILOT


Vielen Dank Familie Pilz, für dies nette Geschenk zum Samstag Frühstück!
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Letzte Vorbereitungen

Koffer ist gepackt, Rucksack ebenso und drei Pakete mit Ausrüstung sind bereits seit letzter Woche mit der Post auf dem Weg nach Griechenland.
Heute war ich noch zur Kontrolle bei meiner Zahnärztin. Alles bestens!
Jetzt sind es nur noch zwei Tage, bevor die Reise wieder beginnt und so langsam werde ich wirklich hibbelig.
Der Aufbruch ins Ungewisse, zum wiederholten Male und diesmal doch ganz anders. Im Gegensatz zu den Reisen mit Eos in den letzten drei Jahren weiß ich nicht was mich mit Nomade erwartet. Alles ist graue Theorie, vieles noch nicht genau bekannt. Denn auch wenn ich bereits zweimal im Shipyard an Bord war, so ist Nomade doch um einiges komplexer als Eos und ich habe noch nicht alles zu einhundert Prozent durchleuchtet.
Bevor Nomade allerdings zurück in ihr Element kommt, habe ich noch zwei Wochen Zeit, um sie dafür fit zu machen. Wenn nicht irgendetwas ganz gravierendes dazwischen kommt, sollte das auch gut machbar sein.
Am 7. April wird sie dann mit dem Travellift ins Wasser gesetzt. Beim Gedanken daran kribbelt es bereits. Eine Mischung aus großer Anspannung und riesiger Vorfreude.
Sobald der Volvo dann läuft und die Leinen los sind beginnt das Abenteuer. Ich werde am Anfang mit Nomade allein sein und bin schon sehr gespannt wie die ersten Manöver mit ihr so gehen. Ich hab einen riesigen Respekt vor diesem Schiff, das kann ich euch sagen!

Eine Woche nachdem Nomade ins Meer gesetzt wurde, wird Sabrina in Athen ankommen. Dann bringe ich den Mietwagen zurück zum Flughafen und wir werden gemeinsam mit einer Fähre, dem Flying Dolphin, zurück zum Schiff fahren.
Anschließend steht ein längerer Törn nach Norden an. Wir wollen zusammen in den Golf von Euböa segeln, um Filou abzuholen. Die lange Autofahrt auf die Peloponnes bleibt ihm so erspart. Sabrina kann es kaum erwarten ihn endlich zu sehen.
Ab dann ist alles offen und vieles wird davon abhängen wie sich Filou an Bord fühlt. Alles step by step und nichts überstürzen…
Vermutlich werden wir die drei Wochen, in denen Sabrina an Bord ist, überwiegend im Golf verbringen und kleine, sehr kleine Törns bei ruhigem Wetter segeln, um Filou langsam an das Bordleben zu gewöhnen.

Am Samstag bringt mich Sabrina zum Flughafen. Wird Zeit dass es endlich los geht!

ADAC Nordbayern verleiht Langfahrtpokal für Freizeitskipper

ADAC Nordbayern e.V. verleiht im Rahmen der Ortsclub-Vorsitzenden-Tagung erneut den begehrten Langfahrtpokal für Binnen-Skipper. Alle dem ADAC Nordbayern e.V. angeschlossenen Ortsclubs, die Bootstouristik betreiben, hatten auch in der Saison 2016 die Möglichkeit um den Pokal mitzufahren.

Bei der Neuauflage des Wettkampfes konnten die Teilnehmer wieder durch gefahrene Kilometer bzw. Seemeilen, passierte Schleusen und der Teilnahme an Veranstaltungen punkten und sich so mit ihren Rivalen messen.

ADAC Nordbayern verleiht Bootlangfahrtpokal.

ADAC Nordbayern verleiht Bootlangfahrtpokal. V.l.n.r: Herbert Behlert (Vorsitzender ADAC Nordbayern e.V.); Manfred Klein (1. Fürther WSC); Jürgen Pensel (MYC Ansbach); Harald Walter (Vorstandsmitglied Ortsclubangelegenheiten ADAC Nordbayern e.V.).

Den 1. Platz im Jahr 2016 hat Herr Jürgen Pensel vom Motor Yacht Club Ansbach belegt, welcher ebenfalls den Pokal für die beste Teamwertung erhielt.  Platz 2 und 3 gingen an den 1. Fürther Wassersport Club.

Videoupdate #38

Gasflaschen auf Weltumsegelung füllen

von Sönke Roever

Auf nahezu jeder Blauwasseryacht kommt Gas zum Einsatz. Zum Kochen, zum Backen, zum Grillen oder um eine Brennstoffzelle zu betreiben. Wer Gas an Bord einsetzt und auf eine Langfahrt geht – wie beispielsweise eine Weltumsegelung – muss sich früher oder später damit beschäftigen, wie Nachschub an Bord kommt.

Auf fast allen Blauwasseryachten wird mit Gas gekocht.

Dabei muss zunächst mit einem Missverständnis aufgeräumt werden. Während wir aus der Heimat gewöhnt sind, eine leere Gasflasche an der nächsten Station gegen eine volle auszutauschen, funktioniert das außerhalb Deutschlands etwas anders. Auf einem Blauwassertörn wird die eigene Flasche die ganze Törndauer über behalten und immer wieder aufgefüllt. Daher sollten vor Fahrtantritt Flaschen mit einer langen TÜV-Laufzeit erworben werden. Andernfalls kann es passieren, dass ein Befüllen abgelehnt wird.

Der deutsche Gasanschluss.

Adapter zum Befüllen der Gasflaschen beim Blauwassersegeln

Damit die eigene Flasche weltweit befüllt werden kann, gibt es ein Adapter-Set, das für kleines Geld im Fachhandel erworben werden kann. Achtung! Es gibt zwei Versionen des Sets. Blauwassersegler brauchen das vierteilige „Euro-Füllset“ zum Befüllen deutscher Gasflaschen im Ausland – nicht das „Euro-Set“, welches erlauben würde, ausländische Flaschen in Deutschland zu füllen, und folglich an Bord eher keinen Sinn ergibt.

Das Euro-Füllset mit den vier Adaptern.

Das Set enthält vier Adapter:

  • Übergangsstutzen 1: Italien, Schweiz
  • Übergangsstutzen 2: Italien
  • Übergangsstutzen 3: Belgien, Dänemark, Finnland, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Portugal, Schottland, Schweiz, Italien, Schweden
  • Übergangsstutzen 4: Dänemark, England, Frankreich, Niederlande, Italien, Österreich, Schweiz, Spanien

Der Clou ist, dass die meisten Länder weltweit in irgendeiner Form in Bezug zu den genannten stehen — beispielsweise, weil es sich um ehemalige Kolonien handelt. So kann auf den Niederländischen Antillen Aruba, Bonaire und Curaçao der Adapter Übergangsstutzen 4 benutzt werden, in Australien und Neuseeland der englische (ebenfalls Nr. 4) und in Brasilien oder auf den Kapverden der portugiesische Adapter (Nr. 3).

Für die USA und Kanada wird dieser Adapter benötigt.

Wer in die USA oder nach Kanada segelt, benötigt unabhängig vom Euro-Füllset einen weiteren Adapter, da das Euro-Füllset dort aufgrund anderer Anschlüsse nicht weiterhilft. Um den Adapter zu finden, wird nach „LPG Adapter POL“ gegoogelt. Achtung: Es gibt zwei verschiedene Adapter. Benötigt wird der, der es erlaubt eine deutsche Flasche in den USA zu befüllen. Nicht anders herum.

Gasflaschen mit Butan bzw. Campingaz.

Welches Gas? Propan oder Butan?

Damit dies alles so reibungslos funktioniert, wie es hier klingt, sollte besser Propangas (graue Flasche) genutzt werden. Die Alternative Butangas (blaue Flasche) – auch Campingaz genannt – ist nicht in allen Ländern verfügbar.

Typenschild einer Butan-Gasflasche. 2,75 Kilogramm sind fürs Blauwassersegeln eher zu wenig.

Größe der Gasflasche

Zudem sind die blauen Flaschen zu klein, um lange Strecken damit zu überbrücken. Da müssten dann deutlich mehr Flaschen an Bord vorrätig sein, um nicht einen Versorgungsengpass zu riskieren. Man darf ja nicht vergessen, dass der Verbrauch auf einer Weltumsegelung ein anderer ist als bei einem Sommerurlaub auf der Ostsee – vor allem auch durch das zeitintensive Brotbacken im Ofen.

Brotbacken ist zeitintensiv und verbraucht entsprechend viel Gas.

Anzahl der Gasflaschen

Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, sollten mindestens zwei Gasflaschen an Bord mitgeführt werden. Ist die erste leer, wird die zweite Gasflasche angeschlossen und die erste bei der nächsten Gelegenheit gefüllt. Fünf Kilogramm pro Flasche sind in meinen Augen das Minimum. Eine Fünf-Kilo-Flasche reicht bei normalem Verbrauch (Kochen und Backen) für mindestens eineinhalb Monate – eher mehr. Auf unserer Weltumsegelung hatten wir für zwei Personen zwei Elf-Kilo-Flaschen an Bord und haben im Schnitt alle vier bis fünf Monate eine Flasche aufgefüllt.

Wohin mit den vielen Flaschen? Hier wurde eine Flasche an Deck gestaut.

Natürlich bedarf es auch an Platz, um zwei Elf-Kilo-Flaschen zu verstauen. Auf den meisten Serienyachten ist das eher eine Herausforderung. Bei uns an Bord haben wir vor der Abfahrt zu unserer Weltumsegelung eine kleinere Backskiste zu einer Gasbox umgebaut.

Eine unserer Backskisten haben wir zur  Gasbox umgebaut.

Die Praxis – Gasflaschen im Ausland füllen

Doch wie läuft das Befüllen in der Praxis ab? Im Idealfall kann die Flasche in einer Marina abgegeben werden, und ein paar Tage später erhält man sie wieder zurück. Dies war auf unserer Weltumsegelung beispielsweise in Indonesien oder Panama der Fall. Dafür sollte die Flasche unbedingt mit dem Bootsnamen versehen, die rote Schutzkappe aufgesteckt und der Adapter gegebenenfalls fest aufgeschraubt werden. In vielen Ländern ist der Adapter inzwischen nicht mehr zwingend erforderlich, da die Füllstationen selber über passende Anschlüsse verfügen. Man könnte so gesehen das Geld sparen. Da der Preis aber nicht sehr hoch ist, würde ich die Adapter vorsichtshalber mitnehmen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Gut sichtbar: Der Bootsname auf der Gasflasche.

Alternativ kann man auch selbst den Weg zum Gaswerk auf sich nehmen, was mitunter jedoch recht abenteuerlich sein kann. Auf den Cook-Inseln mussten wir die volle Flasche auf dem Rücksitz eines Motorrads transportieren. In Vanuatu hingegen konnten wir mit dem Schlauchboot direkt zum Gaswerk fahren und dort anlegen.

Leider stehen dem Befüllen hin und wieder auch die Vorschriften eines Landes im Wege. So berichten Segler zunehmend davon, dass es beispielsweise in Französisch-Polynesien oder Portugal Probleme gibt, deutsche Flaschen zu befüllen (siehe auch Länderliste am Ende des Artikels). Noch ein Grund mehr, möglichst große Flaschen mitzunehmen. Das schafft Freiräume und Flexibilität bei der Überbrückung solcher Fahrtgebiete.

Gasflaschen umfüllen

Sollte es mit dem Befüllen gar nicht funktionieren und Gas dringend benötigt werden, muss umgefüllt werden. Dazu wird eine volle Gasflasche erworben und diese mit der eigenen leeren Flasche über einen Schlauch miteinander verbunden – ohne Druckminderer dazwischen! Bitte beachten: Der Schlauch muss dem Druck standhalten. Am besten verwendet man dafür einen so genannten „Hochdruck Umfüllschlauch PB30“, der bis 30 Bar Druck gedacht ist.

Einsatz eines Umfüllschlauches an Bord einer Blauwasseryacht – Foto: SY AKKA.

Das Umfüllen erfolgt wie folgt: Die volle Flasche wird kopfüber aufgehängt. Die leere Flasche steht richtig herum darunter. Der Schlauch verbindet die beiden Flaschen. Logischerweise gelingt es nicht immer, den Umfüllschlauch auf die ausländische Flasche aufzuschrauben, da diese meistens ein anderes Gewinde hat. Hierfür gibt es auch ein Adapterset. Es funktioniert sozusagen anders herum als das oben genannte. Es heißt in dem Fall nur „Euro-Set“ – also ohne den Zusatz „Füll“.

Nach dem Öffnen der Absperrhähne strömt das Gas von der einen in die andere Flasche. Je nach Umgebungstemperatur wird erreicht, dass hinterher beide Flaschen gleich voll sind. Dies kann über eine Federwaage kontrolliert werden.

Wichtig: Der Vorgang dauert ein paar Stunden. Einfach hängen lassen und warten.

Von der vollen Flasche (oben) läuft das Flüssiggas in die leere Flasche (unten) – Foto: SY AKKA.

Das Ergebnis wird verbessert, indem die obere Flasche erwärmt und die untere Flasche gekühlt wird. Erwärmung funktioniert in der Sonne mit schwarzen Tüchern oder warmem/heißem Wasser; kühlen mit nassen, kalten Tüchern im Wind. Je größer das Temperaturgefälle ist, desto schneller fließt das Flüssiggas von oben nach unten.

Bitte beachten:

  1. Das Umfüllen sollte an einem luftigen Ort erfolgen und – je nach Zustand des Verbindungsschlauchs – auch nicht an Bord, da bei einem Unfall oder auch Leck unter Umständen durch einen offenen Niedergang oder eine offene Luke Gas ins Schiffsinnere strömen könnte (Explosionsgefahr). Gas ist schwerer als Luft und die Schiffe sind tief.
  2. Nie den Inhalt einer großen Flasche in eine kleine füllen. Wer mit einer Elf-Kilo-Flasche eine Fünf-Kilo-Flasche füllt, beseitigt mit hoher Wahrscheinlichkeit die erforderliche Gasphase, die zum Vergasen des Flüssiggases benötigt wird.

Material der Gasflasche

Bei der Wahl der Flasche stehen drei Optionen zur Auswahl: Stahl, Aluminium oder Kunststoff. Da Stahl-Gasflaschen mit der Zeit rosten und ziemlich schwer sind, setzen viele Segler auf leichte, rostfreie Aluminiumgasflaschen. Mit Kunststoffflaschen habe ich selber keine Erfahrungswerte gesammelt.

Elf-Kilo-Flasche aus Aluminium.

Wartung und Sicherheit der Gasanlage

Der Form halber noch ein kleiner Hinweis: Wird an Bord mit Gas gekocht, sollte die Anlage regelmäßig durch einen Fachmann auf Dichtigkeit geprüft werden. Bei Nichtgebrauch ist es ratsam, das Gas direkt an der Flasche abzudrehen – sei es manuell oder durch einen Fernschalter. Ein Gaswarner in Bodennähe oder der Bilge (Gas ist schwerer als Luft) ist zusätzlich sinnvoll. Siehe hierzu auch diesen Artikel über „Umgang mit Feuer an Bord“.

Gasbox mit Prüfplakette und zertifiziertem Schlauch.

Gasflaschen auf Weltumsegelung – Länderübersicht

Abschließend habe ich noch eine Liste mit Ländern erstellt (siehe auch interaktive Karte). Sie gibt Aufschluss darüber, wo deutsche Flaschen befüllt werden können und wo nicht. Ich freue mich über Ergänzungen, da die Liste noch unvollständig ist.

Hier hat das Befüllen deutscher Flaschen funktioniert:

  • Belgien: gleicher Anschluss wie in Deutschland
  • Brasilien: in Cabedelo
  • Cook Inseln: in Rarotonga – Gaswerk am Hafen
  • Ecuador
  • Estland
  • Griechenland: mit Glück an Tankstellen
  • Indonesien: Bali in der Bali Marina oder Bali Serangan
  • Irland: siehe www.calorgas.ie
  • Island: in Reykjavík bei Esso
  • Italien
  • Kanada
  • Kroatien: bei INA (Flaschen dürfen nicht älter als fünf Jahre sein)
  • Kolumbien
  • Lettland
  • Litauen
  • Marokko: in Mohammedia
  • Namibia
  • Niederlande: gleicher Anschluss wie in Deutschland
  • Niederländische Antillen: in Curacao
  • Norwegen: bei LPG Norge
  • Panama: Colon in der Shelterbay Marina oder bei TropiGaz
  • Polen: gleicher Anschluss wie in Deutschland
  • Slowenien
  • Südafrika
  • Tonga
  • Trinidad
  • USA
  • Vanuatu: in Port Vila – Gaswerk am Hafen

Hier hat das Befüllen deutscher Flaschen nicht funktioniert:

  • Dänemark
  • Frankreich
  • Französisch-Polynesien
  • Großbritannien
  • Neuseeland
  • Portugal
  • Schweden
  • Spanien

Auf der Karte sieht das dann so aus:

Deutsche Flaschen mit Gas füllen Placeholder
Deutsche Flaschen mit Gas füllen

Fazit

Die Versorgung mit Gas auf einer Weltumsegelung ist in der Regel keine große Herausforderung wenn man etwas Geduld für die Suche nach einer Füllgelegenheit mitbringt, sich im Vorwege die passenden Adapter besorgt und darauf achtet, dass die Flaschen groß genug dimensioniert werden.

Abschließend sei noch eine kleine Anekdote erwähnt: Ein Fallschirmspringer springt aus dem Flugzeug. Nach einer Weile zieht er die Reißleine, aber der Fallschirm öffnet sich nicht. Als er nur noch 1.000 Meter vom Boden entfernt ist, kommt ihm plötzlich von unten jemand entgegen und er ruft: „Reparieren Sie Fallschirme?” Im Vorbeifliegen ruft der Andere: „Nein, Gasflaschen!”

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Houston, wir haben ein Problem

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. So ist das scheinbar nicht nur beim Segeln, sondern auch im wahren Leben. Es gibt nämlich leider eine keine Hiobsbotschaft, über die ich hier kurz informieren möchte. Ahoi !





EDIT 22.03.2017:

Wow Leute. Seit gestern haben mich über hundert Mails, Nachrichten und Posts mit Guten Wünschen und Hilfsangeboten erreicht. Vielen vielen Dank dafür. Datt hilft ! Morgen gehts nach Bonn .. Ahoi!


EDIT 23.03.2017:

Jeden Tach watt Neues ;-). Komme gerade aus der Uni-Klinik in Bonn. Ein Top-Laden mit fähigen & obendrein netten Leuten. Also dann .. am kommenden Dienstag gehts unters Messer und Mittwoch kann ich wohl schon wieder nach Hause. Sieht gut aus. Ahoi!

Viertes Schnuppersegeln auf der Förde

Mehr ein Starkwindtraining

Wir wachen am heutigen Morgen schräg auf. Die MARLIN will am Anker segeln und schwoit an der Kette was das Zeug hält. Von 15° Schräglage auf steuerbord, nach 15° backbord, fast rolle ich aus der Koje. „Wir laufen nicht aus! Der Anker bleibt da wo er ist. Windstärke acht ist Sturm“, verkünde ich unseren Mitseglern, die währenddessen die Tassen festhalten die ansonsten ins Rutschen kommen. Schon gestern sind wir bei Windstärke 7 aus dem Flensburger Hafen raus und raumschots mit 9-10 Knoten, nur mit dem zweiten Reff im Groß, bis nach Vemmingbund bei Sonderburg gekommen. Ordentlich Fisch, ordentlich Weinchen hat ebenfalls ordentlich Stimmung aufkommen lassen. Ich lasse mit NavMonPC die Winddaten mitschreiben. Am Horizont kommt eine schwarze Wolke nach der anderen und zieht über uns her. Aus dem geschützten Ankerplatz gegen W ist ein ungeschützter offen NW geworden. In den Böen sind 40 Knoten Wind, der Durchschnitt liegt bei 35 Knoten. Nicht das richtige Wetter um mit einer Crew loszusegeln, die das Schiff bisher nur flüchtig kennt.

Lange Gesichter. Pelle und Lars legen sich noch eine Runde auf’s Ohr. Dorit werkelt in der Küche. Wim und Jan sitzen vertieft mit ihren Handys im Salon. Die Stimmung ist nicht grade gut. „Schweinekalt ist es auch noch.“ „So ein Mistwetter hatte ich nicht gebucht.“ Da entdecke ich den ersten blauen Fleck am Himmel. Auch am Horizont tut sich was. Der Starkwind bleibt. Auf NavmonPC können wir die Windentwicklung live mitverfolgen. Gegen Mittag pendelt sich der Wind auf 30 Knoten ein. „Dann mal los!“, entscheide ich und ziehe mir meine Segelsachen an. Long John, Stiefel, warme Unterwäsche und natürlich die gute Musto Jacke bis unter die Nasenspitze. Außentemperatur 5°. Innentemperatur 19°. Im Pilothaus sitzt es sich gemütlich. Durch die großen Scheiben kann man die aufgepeitschte See beobachten. „Dann mal raus. Jan, Du bleibst am Steuerrad. Den ROCNA hebe ich mit Pelle. Alle anderen können schon mal die Leinen klar machen.“ Alles läuft wie am Schnürchen. Der 70kg ROCNA Anker an 30 Meter Kette kommt leicht hoch. Sofort legt sich MARLIN auf die Seite und segelt los. „Viereinhalb Knoten bei Halbwind. Ohne Segel.“ Ich schaue zum Horizont. Ein neues schwarzes Ungetüm taucht am Himmel auf. „Da sind noch mal vierzig Knoten drin. Wir warten noch mit dem Großsegel bis die Gewitter-Wolke durch ist. Dann gehen wir ins dritte Reff. Das sind ja Verhältnisse wie in Patagonien. Kap Hoorn liegt auf 56°S. Wir segeln grade auf 53°N.“ Pelle, Pille auf dem Raumschiff MARLIN, lacht. „Kap Hoorn hatte ich aber nicht auf dem Plan!“ Das Manöver zum Segelsetzen fahre ich selbst. Kaputt brauchen wir jetzt nicht. Ein paar Minuten später steht das Segel im kleinsten Reff, was wir haben. Ich falle ab. Jan schlägt den Bullenstander an. MARLIN segelt Richtung Kalkgrund mit Rumpfgeschwindigkeit. „Was ist Rumpfgeschwindigkeit?“, fragt Lehrer Lars. „Aehm. Da gibt es eine Formel für. Habe ich vergessen. Wim? Kennst Du die?“ „Wurzel der Wasserlinie mal 2,43“, kommt aus der Pistole geschossen! Ich zeige Wim den Daumen nach oben. Wim ist Profisegler, an Bord weil er besonders mich und die MARLIN mal kennenlernen wollte. Da passte der kurze Schnuppertörn bestens in seine Freizeitplanung. Überhaupt: Es hat sich wieder mal eine besonders stimmige Crew auf der MARLIN zusammengefunden.

Eigentlich sollte Skipper Jan das Segelzepter heute in der Hand halten, aber auf Grund der Windverhältnisse schalte ich mich ein. Es geht flott mit Rumpfgeschwindigkeit Richtung Leuchtturm Kalkgrund in den kleinen Belt. Schnuppersegeln. Downwind ist das ja alles gut und einfach, spaßig. Zwischenzeitlich haben wir durchgängig blauen Himmel und Sonne. „So hatte ich das bestellt.“ Die berühmt berüchtigte, steile, kabbelige Ostseewelle kommt ungebremst aus Norden, als wir in den Belt kommen. Die Insel Aero liegt zum Greifen nah vor uns und die Zeiger der Uhr im Salon der MARLIN dreht sich unweigerlich weiter. „Jan, ich koche mal ne Spagetti mit Sauce, bevor wir eine Wende fahren. Wir haben 20 Meilen bis nach Hoerup Havn, die wir gegen 30 Knoten aufkreuzen müssen.“ „Jou! Mach mal. Ich pass auf dass keiner über Bord geht.“ Am Steuer steht Dorit, die mutige Krankenschwester aus dem Spreewald. Als langjährige Leserin unseres Blogs, kennt sie mich vielleicht besser als ich mich selbst. „Irgendwie konnte ich es nicht sein lassen. Die Maus am Computer ist beim Buchen Button für diesen Schnuppertörn festgeklebt und ich habe gedrückt“, stellt sich sie die junge Krankenschwester mit Berliner Akzent vor. „Ich war noch nie auf einem Segelboot.“ „Na dann hast Du ja die richtige Wahl gemacht. Hast Du den Starkwind extra bestellt, damit es uns nicht langweilig wird?“ Dorit lacht mich mit strahlend blauen Augen an. Ja. Alle haben Fun ohne Ende, stehen abwechselnd am Ruder und in Rauschefahrt genießen sie die MARLIN. Ich verschwinde in der Kombüse. Spagetti a la Nathalie gibt es zum verspäteten Mittagessen.

“Klar zu Wende?“ Der Bug der MARLIN dreht sich Richtung Schlei Mündung, dann wieder Richtung Kalkgrund. Es wird ruppig und schräg. Sehr schräg. Jetzt kommen zu dem Wind, mit immer noch 25 Knoten, der Fahrtwind. Wieder steht die Nadel auf fast dreißig Knoten. Das Schiff zeigt was es kann. Der Rumpf schneidet den Belt in zwei Teile. Mit dreißig Tonnen liegen wir relativ ruhig im Wasser. Strömung gibt es hier kaum, die Schläge werden immer kürzer, die Sonne neigt sich immer weiter Richtung Westen und kaum verschwunden wird es eisig kalt draußen. Keine Diskussion. Nur noch für die Wenden gehen wir raus, den Rest der Zeit sitzen wir alle im warmen Pilothaus und schauen MARLIN beim Segeln zu, genießen die mollige Wärme, sind froh jetzt nicht am Steuer stehen zu müssen. Plötzlich ein Geräusch, ein Krachen, als wenn wir in einen Container gefahren sind. Ich kann es nicht lokalisieren. Chaos an Bord. „Was ist los?“ Skipper Jan wieselt über das Deck und findet schnell die Ursache: Die Ankerwinsch ist plötzlich angesprungen und hat versucht den Anker hochzuziehen, der aber bereis festgebunden in seiner Halterung liegt. Die Rutschkupplung ist mit einem irren Krach durchgedreht. „Mach schnell die Ankerwinschsicherung aus!“, Jan findet auch direkt die Ursache. Vom Fußschalter ist das Gummi kaputt gegangen, Seewasser eingedrungen und hat den Schaltimpuls ausgelöst. Gut gemacht Jan. Sehr gut.

Der Tag endet, wie er enden muss nach so viel Abenteuer. In Hoerup Havn fällt der ROCNA auf 10 Meter Wassertiefe, die Buddel Rum kommt aufn Tisch und der Skipper zaubert am Herd. „Heute habe ich Seeteufel beim Segeln gefangen.“ Keiner glaubt mir mehr, als ich den Fisch im Eimer zeige. Komisch. Es ist spät geworden. Und ich bin der erste, der schon mal das Nachtkonzert in der Steuerbordkabine anschnarcht. Tolle Crew. Toller Tag. Tolles Segeln. Unvergesslich.

 


 

Du willst auch mal mit? www.marlin-expeditions.com

 

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Zurück ins Wasser II

Wie versprochen, hier noch ein paar Bilder & Eindrücke vom einkranen und den entsprechenden Vorbereitungen. Viel Spaß damit und Ahoi!