Monatsarchive: September 2015

Alles für’s Wohlbefinden der Kreuzfahrtgäste

20150929

Know How

Das ist Ricardo mit seinem Kleinadler Frank. Die beiden waren die ersten, die wir von Puerto Rosario gesehen haben. Ricardo steht gerne in der Abendsonne auf dem Ende der Mole und lässt seinen Kleinadler ein paar Runden drehen. Schon des Öfteren habe ich Ricardo vom Schiff aus zugeschaut – Gut, ich gebe zu, mit dem Steiner Fernglas spioniert.

Bootsjunge Jan ist seit gestern vom Boot weg. Er hat das Kilo Seranoschinken im Kühlschrank vergessen, was er eigentlich seinen Berliner Mitbewohnern mitbringen wollte. Hmm. Jan, das tut mir jetzt aber leid. Das muss ich jetzt aufessen. Mit der Post schicke ich das nicht.

Den Montag haben wir noch gemeinsam mit der Organisation des Anker-Winschersatzteils, dem Getriebe, verbracht. Zumindest ich. Die kommen jetzt zeitgerecht nach Aachen und Markus bringt die am Freitag mit. Jan durfte nochmal das Deck der MARLIN von einer gefühlten zwei Zentimeter dicken Salzkruste befreien. Dazu haben wir dann den Kärcher aus’m Keller geholt. Schon ne prima Sache, wenn man einen großen Wassermacher hat und einen Generator. Sonst hätten wir für solche Sachen in die Marina gemusst. Die Problematik kommt hier gar nicht erst auf. Hier gibt es keine Marina wo Segelboote reinpassen.

Vor mir geht Ricardo mit seinem Kleinadler über die neue Mole. Ich, neugierig wie ich ja nun mal bin, direkt hinterher. Ein kurzes Warum, Wieso und das übliche Woher: „Ich bin Michael. Darf ich Dich beim Üben fotografieren? Tolles Hobby hast Du da.“ Ricardo grinst breit und ein bisschen frech. Er ist Uruguayer, von einigen Jahren nach Spanien gekommen und sein Hobby ist das gar nicht. „Das ist mein Beruf.“ „O.K. Du bist Kleinadlerzüchter. Auch toll.“ „Nein, ich züchte keine Kleinadler Ich lasse sie hier fliegen.“ „Ja. Prima. Und dafür gibt es Geld? Wer bezahlt Dir Dein Hobby, aehm Beruf?“ „Die Hafenverwaltung.“ „Wofür?“ „Ich vertreibe mit Karl dem Kleinadler, die Möven.“ „Greift der die an?“ „Nein. Sie kommen nicht.“ „Warum sollen sie denn nicht kommen? Gibt doch überall Möven.“ „Na, weil die alles vollscheißen.“ „Aaaaaaahhh. Weil die den Anleger hier nicht vollkacken. Der ist nämlich für die Kreuzfahrtschiffe . Richtig. Und wenn die Touristen aussteigen, soll alles schön sauber sein.“ „Geeeeeeeennnauuu!“ In dem Moment hebt Karl seine Schwanzfedern und kackt zwischen uns.

Ich liege direkt hinter dem Anleger, aber Kreuzfahrtschiffe sind im Moment keine da. Soll mir Recht sein. Is klar. Wir können uns eh nicht bewegen, weil ohne Ankerwinsch kann ich den Anker eh nicht alleine heben. Morgen geht es endlich zum Zahnarzt. So. Mir gefällt es prima hier. Es ist warm, der Himmel ist blau, der Ankerplatz ist kostenlos, geschützt und zentral. Ich habe eine Edelstahlleiter um auf den Steg zu kommen. Keiner da der mich stört. Nur mit dem Internet war etwas schwierig. Nun. Jetzt habe ich eine SIM Karte von Orange und das ist gut. Endlich kann ich Berge von virtueller Arbeit für Lunatronic abarbeiten. Wenn meine neue Crew nicht am Freitag hier auftauchen würde, ich würde erst mal mindestens zwei Wochen hier bleiben.

 


Mitsegeln auf der MARLIN. Bewerbe Dich hier! Vom 20.10-13.11 sind noch zwei Plätze frei um die Kapverden zu erobern. Dann wieder im Februar.www.marlin-expeditions.com

 

Willkommen in Europa

Nur noch ein Monat und wir sind mit unserem schwimmendes Schneckenhaus im Exil zu Hause! Nach mehr als vier Jahren kommen wir unserer Heimat spürbar dichter und doch ist irgendwie alles anders als gedacht. Weniger als fünfhundert Kilometer von zu Hause entfernt, sind es die … Willkommen in Europa weiterlesen

Unter Segeln: Nachts in der Mündung des Acheron.

Der Wind hatte aufgefrischt, als es Nacht wurde. Er war den ganzen Tag von vorn gekommen, seit ich die Drehbrücke von Santa Mavra auf Lefkas passiert hatte. Den Nachmittag über ein leichter Nordwest, gerade so, um dagegen anzumotoren auf dem Weg nach Paxi, der vergessenen Insel. Aber in der Abenddämmerung hatte er aufgedreht, nicht viel, aber genug, dass LEVJE sich in der Welle feststampfte. Sollte ich aufkreuzen? Dann käm ich in Paxi erst um Mitternacht an. Nein. Aber querab lag die Mündung des Acheron, mit halbem Wind bei schneller Fahrt in zwei Stunden zu erreichen. Also: neuer Kurs 80 Grad. Ruder gelegt. Genua ausgerollt. Und LEVJE schoß in der Abenddämmerung los. Was vorher stundenlange Qual unter Motor war, wurde jetzt Lust. Ein Dahinstürmen entlang der seitlich anrollenden Wellen. Ein ruhiges Dahingleiten durch lange Wellentäler und über Wellengipfel. Ein unbewegtes schnelles Dahinschnüren von dreieinhalb Tonnen Boot. LEVJE spielte ihr Halbwind-Spiel: Immer wenn von quer ein Wellenkamm heranrauschte und genau an LEVJE’s Rumpf gischtend, spritzend brechen wollte, war sie einen Tick schneller. Ließ den Wellenkamm gerade eben hinter sich vorbeiziehen, wo er kraftlos brach, statt an die Bordwand zu klatschen. Das ging viele Male so, und ich liebe das Spiel.

Jetzt, im späten September, fällt die Nacht schnell. Während im frühen August der Felsen von Monemvasia noch stundenlang brauchte, um vom Dämmer ins Dunkel zu gehen, geht jetzt alles ganz schnell. Kaum dass die Sonne verschwunden ist, noch ein bisschen Abendrot. Und dann ist es: Nacht. Finsternis. Der Mond war noch nicht aufgegangen, ich navigierte unter Segeln nur mit dem iPAD und NAVIONICS auf die Mündung des Acheron zu, zur Sicherheit ließ ich die Seekarte auf dem iPHONE mitlaufen. Rechts tauchten in der Dunkelheit Felsen auf, an denen sich die Wellen brachen. Links war noch alles frei. Die Tiefe sank rapide: 19 Meter, wo laut Seekarte 50 sein sollten. Zeit, die Segel zu bergen und LEVJE’s rauschende Fahrt zu beenden.

Acheron. Ein paar Häuser in der Dunkelheit. Lichter. Der Mond, der sich hinter einer Wolkenbank versteckt und nicht recht hervor will. Das Donnern der brechenden Wellen auf den Klippen rechts von mir, da wo die Flußmündung sein müsste. Langsam tuckern wir in die Bucht. Zwei Yachten liegen da, wiegen mächtig im Schwell, beide. Ein Nachtvogel, der herüberschreit, melodisch vom Ufer. Das Rauschen der Brecher rechts von mir, unentwegt und mächtig. Links von mir ein langsames, rythmisches Aufrauschen. Ein Sandstrand also. Langsam, langsam tuckern wir hinein in die Bucht. Noch fünf Meter Tiefe zwischen den beiden Ankerliegern. Ich will weiter hinein, in die Dunkelheit. Es muss doch ein ruhiges Plätzchen geben in dieser Bucht, in der der Schwell offensichtlich keinem Ruhe lässt. Das Licht einer Taschenlampe auf LEVJE, von der Charteryacht herüber. Noch vier Meter Tiefe. Noch drei einhalb. Noch drei. Langsam, fast eine Minute lang lasse ich LEVJE in einem Kreis auslaufen. Langsam einen Kreis gedreht, langsam, um festzustellen, ob nicht doch eine Untiefe, ein Fels herausragt, irgendetwas, das LEVJE bei mehr Wind ernsthaft beschädigen könnte. Nein, nichts. Alles frei. Dann los. Polternd fällt LEVJE’s Anker ins Dunkel, ich ziehe langsam rückwärts, von der hinter mir liegenden Yacht aus dem Dunkel kommt in deutschem Englisch der Ruf, ob ich seinen Anker sähe, als ich näherkomme. Und kurz Vollgas gebe, um festzustellen: ob LEVJE’s Anker hält im Stockdunkel. Er hält. Motor aus. Fahrtlichter aus. Ankerlicht an. Acheron.
Der Mond, der endlich aus seinem Wolkenversteck hervorkriecht. Acheron. Glaubt man dem Mythos, dann ist es dieser Fluß, der Ober- und Unterwelt voneinander trennt. Der Acheron oder auch Styx bildet den Übergang von der einen in die andere Welt, den Hades, in den nach Vorstellung der alten Griechen nach seinem Ableben ausnahmslos jeder kam, ohne Unterschied, ob arm, ob reich, ob gut, ob böse. Um dort weiter als scheuer Schatten zu existieren, Schatten unter Schatten im Reich der Toten, ohne Schmerz, und nur ein Schatten. Nicht eben die Hölle. Doch auch nicht das Paradies. Über den Acheron hinüber brachte einen Charon, der Fährmann. Und damit der seinen Dienst ordentlich versah, legte man den Toten eine Münze unter die Zunge, den Obolus, für den Fährmann. War man hinüber, über den Acheron, dann gab es keine Rückkehr aus dem Hades, dafür sorgte Kerberus, der der dreiköpfige Höllenhund. Er bewachte den Eingang, ließ keinen hinein und keine Seele heraus.

Nur einer hat es gewagt, als Lebender in die Unterwelt hinabzusteigen: Orpheus, der Sänger, dem Apollon eine Lyra schenkte. So schön war sein Gesang, dass er Feinde damit besiegen und das Meer besänftigen konnte. Und weil er so schön spielte, gewährte ihm auch Persephone, die Göttin der Unterwelt einen Wunsch, auf der Suche nach seiner verstorbenen Geliebten Eurydike im Totenreich. Er dürfe hinüber, über den Acheron und unter den Schatten nach ihr suchen. Aber wenn er sie gefunden hätte, dann müsse er vorausgehen und dürfe kein einziges Mal sich nach ihr umsehen. Sonst sei sie für immer verloren. Und Orpheus fuhr hinüber, mit Charon. Und fand Eurydike, zu seiner Freude.

Der Mond ist weiter aufgegangen, über dem Acheron. Die Straße, die er übers Meer auf LEVJE hin zeichnet, ist schwächer geworden, je höher er stieg. Die Brecher rauschen rechts in der Dunkelheit an die Felsen. Es ist Mitternacht geworden, in der Bucht des Acheron.

Was aus all dem wurde?

Orpheus, Eurydike?
Natürlich konnte der Sänger nicht wiederstehen und drehte sich um zu seiner Geliebten, als er ihre Schritte nicht mehr hörte. Und dann – verschwand sie. Und wurde wieder Schatten unter Schatten, für immer. 
Aber weil die Geschichte gar zu schön ist, entstanden zahllose Kunstwerke aus Orpheus‘ und Eurydikes‘ traurigem Schicksal. Mosaiken in der römischen Antike, die immer wieder den Sänger mit der Lyra zeigen, Literatur, aber vor allem unzählige Opern, darunter so unvergleichliche wie Monteverdi’s ORFEO oder Christoph Willibald Gluck’s ORFEUS UND EURYDIKE.

Der Hades?
Für den war schon in römischer Zeit kein Platz mehr auf der Welt. Er verschwand aus unserem Glauben. Himmel und Hölle, das Paradies nahmen seinen Platz ein. Aber wer weiß schon, was danach kommt. Wenn wir nicht mehr an Himmel und Hölle glauben

Der Acheron?
Den gibt es immer noch. Er liegt an der Westküste Griechenlands zwischen Lefkas und Parga in einer wunderschönen Bucht mit langem Sandstrand und acht Liegestühlen darauf. Die Bucht des Acheron, in der man unruhig liegt, weil hier immer, immer der Schwell hineinsteht und die Boote schaukeln lässt. Und dafür sorgt, dass man intensiv träumt, des nachts bis in den Morgen.


Unter Segeln: Nachts in der Mündung des Acheron.

Der Wind hatte aufgefrischt, als es Nacht wurde. Er war den ganzen Tag von vorn gekommen, seit ich die Drehbrücke von Santa Mavra auf Lefkas passiert hatte. Den Nachmittag über ein leichter Nordwest, gerade so, um dagegen anzumotoren auf dem Weg nach Paxi, der vergessenen Insel. Aber in der Abenddämmerung hatte er aufgedreht, nicht viel, aber genug, dass LEVJE sich in der Welle feststampfte. Sollte ich aufkreuzen? Dann käm ich in Paxi erst um Mitternacht an. Nein. Aber querab lag die Mündung des Acheron, mit halbem Wind bei schneller Fahrt in zwei Stunden zu erreichen. Also: neuer Kurs 80 Grad. Ruder gelegt. Genua ausgerollt. Und LEVJE schoß in der Abenddämmerung los. Was vorher stundenlange Qual unter Motor war, wurde jetzt Lust. Ein Dahinstürmen entlang der seitlich anrollenden Wellen. Ein ruhiges Dahingleiten durch lange Wellentäler und über Wellengipfel. Ein unbewegtes schnelles Dahinschnüren von dreieinhalb Tonnen Boot. LEVJE spielte ihr Halbwind-Spiel: Immer wenn von quer ein Wellenkamm heranrauschte und genau an LEVJE’s Rumpf gischtend, spritzend brechen wollte, war sie einen Tick schneller. Ließ den Wellenkamm gerade eben hinter sich vorbeiziehen, wo er kraftlos brach, statt an die Bordwand zu klatschen. Das ging viele Male so, und ich liebe das Spiel.

Jetzt, im späten September, fällt die Nacht schnell. Während im frühen August der Felsen von Monemvasia noch stundenlang brauchte, um vom Dämmer ins Dunkel zu gehen, geht jetzt alles ganz schnell. Kaum dass die Sonne verschwunden ist, noch ein bisschen Abendrot. Und dann ist es: Nacht. Finsternis. Der Mond war noch nicht aufgegangen, ich navigierte unter Segeln nur mit dem iPAD und NAVIONICS auf die Mündung des Acheron zu, zur Sicherheit ließ ich die Seekarte auf dem iPHONE mitlaufen. Rechts tauchten in der Dunkelheit Felsen auf, an denen sich die Wellen brachen. Links war noch alles frei. Die Tiefe sank rapide: 19 Meter, wo laut Seekarte 50 sein sollten. Zeit, die Segel zu bergen und LEVJE’s rauschende Fahrt zu beenden.

Acheron. Ein paar Häuser in der Dunkelheit. Lichter. Der Mond, der sich hinter einer Wolkenbank versteckt und nicht recht hervor will. Das Donnern der brechenden Wellen auf den Klippen rechts von mir, da wo die Flußmündung sein müsste. Langsam tuckern wir in die Bucht. Zwei Yachten liegen da, wiegen mächtig im Schwell, beide. Ein Nachtvogel, der herüberschreit, melodisch vom Ufer. Das Rauschen der Brecher rechts von mir, unentwegt und mächtig. Links von mir ein langsames, rythmisches Aufrauschen. Ein Sandstrand also. Langsam, langsam tuckern wir hinein in die Bucht. Noch fünf Meter Tiefe zwischen den beiden Ankerliegern. Ich will weiter hinein, in die Dunkelheit. Es muss doch ein ruhiges Plätzchen geben in dieser Bucht, in der der Schwell offensichtlich keinem Ruhe lässt. Das Licht einer Taschenlampe auf LEVJE, von der Charteryacht herüber. Noch vier Meter Tiefe. Noch drei einhalb. Noch drei. Langsam, fast eine Minute lang lasse ich LEVJE in einem Kreis auslaufen. Langsam einen Kreis gedreht, langsam, um festzustellen, ob nicht doch eine Untiefe, ein Fels herausragt, irgendetwas, das LEVJE bei mehr Wind ernsthaft beschädigen könnte. Nein, nichts. Alles frei. Dann los. Polternd fällt LEVJE’s Anker ins Dunkel, ich ziehe langsam rückwärts, von der hinter mir liegenden Yacht aus dem Dunkel kommt in deutschem Englisch der Ruf, ob ich seinen Anker sähe, als ich näherkomme. Und kurz Vollgas gebe, um festzustellen: ob LEVJE’s Anker hält im Stockdunkel. Er hält. Motor aus. Fahrtlichter aus. Ankerlicht an. Acheron.
Der Mond, der endlich aus seinem Wolkenversteck hervorkriecht. Acheron. Glaubt man dem Mythos, dann ist es dieser Fluß, der Ober- und Unterwelt voneinander trennt. Der Acheron oder auch Styx bildet den Übergang von der einen in die andere Welt, den Hades, in den nach Vorstellung der alten Griechen nach seinem Ableben ausnahmslos jeder kam, ohne Unterschied, ob arm, ob reich, ob gut, ob böse. Um dort weiter als scheuer Schatten zu existieren, Schatten unter Schatten im Reich der Toten, ohne Schmerz, und nur ein Schatten. Nicht eben die Hölle. Doch auch nicht das Paradies. Über den Acheron hinüber brachte einen Charon, der Fährmann. Und damit der seinen Dienst ordentlich versah, legte man den Toten eine Münze unter die Zunge, den Obolus, für den Fährmann…
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Soeben erschienen vom Autor von Mare Piu: 
Ein Film darüber: Was Segeln ist.

                         Als Download und auf DVD: € 19,99
Was passiert, wenn das Leben die gewohnten Bahnen verlässt? 
Was geschieht, wenn man sich einfach aufmacht und fünf Monate Segeln geht? 
Darf man das? Und wie ändert sich das Leben?
Der Film einer ungewöhnlichen Reise, der Mut macht, seinen Traum zu leben.



Der Film entstand nach diesem Buch: 
Geschichten über die Entschleunigung, übers langsam Reisen 
und die Kunst, wieder sehen zu lernen
Einmal München – Antalya, bitte. 

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… War man hinüber, über den Acheron, dann gab es keine Rückkehr aus dem Hades, dafür sorgte Kerberus, der der dreiköpfige Höllenhund. Er bewachte den Eingang, ließ keinen hinein und keine Seele heraus.

Nur einer hat es gewagt, als Lebender in die Unterwelt hinabzusteigen: Orpheus, der Sänger, dem Apollon eine Lyra schenkte. So schön war sein Gesang, dass er Feinde damit besiegen und das Meer besänftigen konnte. Und weil er so schön spielte, gewährte ihm auch Persephone, die Göttin der Unterwelt einen Wunsch, auf der Suche nach seiner verstorbenen Geliebten Eurydike im Totenreich. Er dürfe hinüber, über den Acheron und unter den Schatten nach ihr suchen. Aber wenn er sie gefunden hätte, dann müsse er vorausgehen und dürfe kein einziges Mal sich nach ihr umsehen. Sonst sei sie für immer verloren. Und Orpheus fuhr hinüber, mit Charon. Und fand Eurydike, zu seiner Freude.

Der Mond ist weiter aufgegangen, über dem Acheron. Die Straße, die er übers Meer auf LEVJE hin zeichnet, ist schwächer geworden, je höher er stieg. Die Brecher rauschen rechts in der Dunkelheit an die Felsen. Es ist Mitternacht geworden, in der Bucht des Acheron.


Was aus all dem wurde?

Orpheus, Eurydike?
Natürlich konnte der Sänger nicht wiederstehen und drehte sich um zu seiner Geliebten, als er ihre Schritte nicht mehr hörte. Und dann – verschwand sie. Und wurde wieder Schatten unter Schatten, für immer. 
Aber weil die Geschichte gar zu schön ist, entstanden zahllose Kunstwerke aus Orpheus‘ und Eurydikes‘ traurigem Schicksal. Mosaiken in der römischen Antike, die immer wieder den Sänger mit der Lyra zeigen, Literatur, aber vor allem unzählige Opern, darunter so unvergleichliche wie Monteverdi’s ORFEO oder Christoph Willibald Gluck’s ORFEO ED EURIDICE.

Der Hades?
Für den war schon in römischer Zeit kein Platz mehr auf der Welt. Er verschwand aus unserem Glauben. Himmel und Hölle, das Paradies nahmen seinen Platz ein. Aber wer weiß schon, was danach kommt. Wenn wir nicht mehr an Himmel und Hölle glauben.

Der Acheron?
Den gibt es immer noch. Er ist ein nettes Flüßchen und liegt an der Westküste Griechenlands zwischen Lefkas und Parga in einer wunderschönen Bucht mit langem Sandstrand und acht Liegestühlen darauf. Die Bucht des Acheron, in ihr liegt man unruhig , weil hier immer, immer der Schwell hineinsteht und die Boote schaukeln lässt. Und dafür sorgt, dass man intensiv träumt, des nachts bis in den frühen Morgen.







Back in the game

Liebe Leser, am Montagmorgen sind Cati und ich nach einigen arbeitsreichen (aber schönen!) Wochen in Deutschland zurück in den USA angekommen. Für die Rückreise haben wir nicht den Weg per Flieger genommen, sondern sind auf dem Wasserweg über den Atlantik…

Die Ochseninseln – Das verlorene Paradies

Mein letzter Kurztörn brachte mich zu den Ochseninseln in der Flensburger Förde. Sie standen schon länger auf meiner Liste der zu besuchenden Ziele. Laut Törnführer gehört der einzige Steg zur Werft und ist privat. Ich wollte daher einfach nur zwischen der kleinen und der großen Insel für eine Stunde ankern, bevor es weiter nach Flensburg gehen sollte. Aber es kam anders:
Kaum berührte der Anker den Grund rief jemand von der Werft lautstark hinüber. Ich konnte kein Wort verstehen, aber Lautstärke und Gestik deuteten darauf hin, das meine Ankeridee wohl nicht so willkommen war. Ausserdem deutete der Rufende auf den Steg der Werft. Ich nahm das als Einladung und freute mich darauf, die Insel dann wohl auch betreten zu können. Der Steg war glitschig und ziemlich heruntergekommen, aber ich konnte dort gut längsseits festmachen. Kein Boot weit und breit. Der Segen der Nachsaison. In was für eine Idylle war ich gekommen. Alleine an einem einsamen Holzsteg. Das erinnerte mich an ein paar Stationen auf den Aland Inseln im letzten Jahr. Ich hatte ja schon fast vergessen, wie es sich anfühlt einfach mal irgendwo im Nirgendwo an einem Steg festzumachen. Die deutsche und dänische Ostsee bietet ja nur Marinas oder kleine Häfen, und natürlich Ankerbuchten, aber so ein privater Steg ist schon toll. Die Fotos geben das sehr gut wieder, denke ich.

Das Boot war fest, nun wollte ich auf die Insel. Ich war mir nicht ganz sicher, ob das etwas unhöflich ist wegen des Privatbesitzes. Egal, erstmal langsam vorpirschen. Ein Schild heisst einen Willkommen und bittet um Respekt des Privatbesitzes, man könne sich aber gerne umsehen. Na also. Schon kommt auch eine Frau im Rotmann (analog zum Blaumann) samt Hund auf mich zu und begrüßt mich mit einem Schwall von Worten. Ein offenes Ohr scheint hier in der Einsamkeit also sehr willkommen. So erfahre ich von der genauen Ansteuerung und vor allem dem Unterwasserkabel. Daher also kein Ankern erlaubt. Macht natürlich Sinn. Dann geht es um Einhandsegeln, lohnende Ziele in der Ostsee und so weiter. Eine gefühlte Ewigkeit später darf ich dann meinen Weg fortsetzen. Aber gerate sofort in die Fänge des nächsten Insulaners. Der der mich so lautstark am Ankern gehindert hat. Blaumann, Handverband, verwettertes Gesicht und ein Hauch von Alkohol. Das Original eines Inselbewohners und Bootsbauers denke ich mir. Hier sind meine Ohren noch willkommener und ich merke schon, das es mit einem einsamen Inselrundgang wohl nichts werden wird. Aber nett sind sie hier. Und sehr gastfreundlich. Ich erfahre von ein paar Leuten, die sich vor ein Jahren zusammengetan haben um ihren Traum vom Inselleben zu erfüllen. Bootswerft, Gastronomie und Live Musik. Mein Werftarbeiter entpuppt sich als Gitarrist, interessant. Das sehr schöne Restaurant ist voller Instrumente und Plakate vergangener Konzerte.

Abgelegener könnte eine Konzertlocation kaum liegen. Es gefällt mir hier immer besser. Allerdings scheint sich das beengte Inselleben negativ auf die Freundschaften ausgewirkt zu haben, klagt mir der musizierende Blaumann vorsichtig sein Leid. Aber ich schlucke den Köder nicht. Das wäre mir jetzt wirklich zu viel Information auf dieser doch so einladend wirkenden Insel. Ich mache ein paar Fotos und bewundere dieses abgelegene Idyll mitten in der Flensburger Förde. Es soll am 6.10. noch ein Saisonabschlusskonzert mit 3 irischen Musikerinnen geben. Allerdings würde die Fähre nicht mehr fahren und so ist eine Anreise nur auf eigenem Kiel möglich. Angesichts der kleinen und teilweise desolaten Stege wird das dann dort wohl nicht wirklich voll werden. Ich nehme mir jedenfalls vor zu kommen. Falls es meine Zeit erlaubt. Der Blaumann schwelgt mittlerweile in musikalischen Erinnerungen an Ton, Steine und Scherben. Und wer jetzt von denen genau was macht und wie die Rechte verteilt sind. Meine Ohren machen dicht. Zeit zu gehen. Auf dem Rückweg zum Boot geniesse ich noch die Stille und magische Atmosphäre dieser Inseln. Toll. Aber es wird dunkel und beginnt zu regnen. Ich will weiter.

Später erfahre ich dann von den Streitereien der Bewohner, die es bis in die Presse geschafft haben. Von entführten Booten und körperlicher Gewalt ist hier die Rede. Und das von den einstigen Freunden wohl nur einer überblieb. Mein Blaumann. Schade, aber irgendwie auch vorhersehbar. Ich glaube es gibt kaum ein Modell von mehreren Freunden mit einer Geschäfts- bzw. Lebensidee, die nicht irgendwann zerbrochen ist. Häufig am Geld. Ob Zuwenig oder Zuviel…es führt wohl stets zum Streit. Aufgrund der Situation hat sich die dänische Regierung nun offenbar entschieden den Pachtvertrag vorzeitig zu beenden. Schade, aber verständlich. So sympathisch ich das etwas marode Erscheinungsbild auch fand, wird so sicher nicht viel zu verdienen sein und irgendwann droht dann der Verfall. Es wäre schade. Denn mir hat es hier richtig gut gefallen. Über facebook komme ich mit einem Bekannten ins Grübeln. Was hier alles machbar wäre. Mir hat es die Eventlocation angetan, er träumt von einer Werftidee. Und Gastonomie würde hier sicher auch funktionieren mitten in der vielbefahrenen Förde. In Schleimünde habe ich schon einmal viel Potential gesehen, die dortige Giftbude läuft doch extrem unter ihren Möglichkeiten. Gastronomie und Betreiber dort sind ein Witz. Aber hier in der Flensburger Förde. Das wäre doch DAS Ausflugsziel.

Aber möchte ich mir wirklich eine Gastronomie ans Bein binden, auf einer stets pflegebedürftigen Insel. Mit drohendem Inselkoller und Freundesverlust. Ich denke eher nicht. Aber der Traum gefällt mir trotzdem irgendwie…

Die Ochseninseln – Das verlorene Paradies

Mein letzter Kurztörn brachte mich zu den Ochseninseln in der Flensburger Förde. Sie standen schon länger auf meiner Liste der zu besuchenden Ziele. Laut Törnführer gehört der einzige Steg zur Werft und ist privat. Ich wollte daher einfach nur zwischen der kleinen und der großen Insel für eine Stunde ankern, bevor es weiter nach Flensburg gehen sollte. Aber es kam anders:
Kaum berührte der Anker den Grund rief jemand von der Werft lautstark hinüber. Ich konnte kein Wort verstehen, aber Lautstärke und Gestik deuteten darauf hin, das meine Ankeridee wohl nicht so willkommen war. Ausserdem deutete der Rufende auf den Steg der Werft. Ich nahm das als Einladung und freute mich darauf, die Insel dann wohl auch betreten zu können. Der Steg war glitschig und ziemlich heruntergekommen, aber ich konnte dort gut längsseits festmachen. Kein Boot weit und breit. Der Segen der Nachsaison. In was für eine Idylle war ich gekommen. Alleine an einem einsamen Holzsteg. Das erinnerte mich an ein paar Stationen auf den Aland Inseln im letzten Jahr. Ich hatte ja schon fast vergessen, wie es sich anfühlt einfach mal irgendwo im Nirgendwo an einem Steg festzumachen. Die deutsche und dänische Ostsee bietet ja nur Marinas oder kleine Häfen, und natürlich Ankerbuchten, aber so ein privater Steg ist schon toll. Die Fotos geben das sehr gut wieder, denke ich.

Das Boot war fest, nun wollte ich auf die Insel. Ich war mir nicht ganz sicher, ob das etwas unhöflich ist wegen des Privatbesitzes. Egal, erstmal langsam vorpirschen. Ein Schild heisst einen Willkommen und bittet um Respekt des Privatbesitzes, man könne sich aber gerne umsehen. Na also. Schon kommt auch eine Frau im Rotmann (analog zum Blaumann) samt Hund auf mich zu und begrüßt mich mit einem Schwall von Worten. Ein offenes Ohr scheint hier in der Einsamkeit also sehr willkommen. So erfahre ich von der genauen Ansteuerung und vor allem dem Unterwasserkabel. Daher also kein Ankern erlaubt. Macht natürlich Sinn. Dann geht es um Einhandsegeln, lohnende Ziele in der Ostsee und so weiter. Eine gefühlte Ewigkeit später darf ich dann meinen Weg fortsetzen. Aber gerate sofort in die Fänge des nächsten Insulaners. Der der mich so lautstark am Ankern gehindert hat. Blaumann, Handverband, verwettertes Gesicht und ein Hauch von Alkohol. Das Original eines Inselbewohners und Bootsbauers denke ich mir. Hier sind meine Ohren noch willkommener und ich merke schon, das es mit einem einsamen Inselrundgang wohl nichts werden wird. Aber nett sind sie hier. Und sehr gastfreundlich. Ich erfahre von ein paar Leuten, die sich vor ein Jahren zusammengetan haben um ihren Traum vom Inselleben zu erfüllen. Bootswerft, Gastronomie und Live Musik. Mein Werftarbeiter entpuppt sich als Gitarrist, interessant. Das sehr schöne Restaurant ist voller Instrumente und Plakate vergangener Konzerte.

Abgelegener könnte eine Konzertlocation kaum liegen. Es gefällt mir hier immer besser. Allerdings scheint sich das beengte Inselleben negativ auf die Freundschaften ausgewirkt zu haben, klagt mir der musizierende Blaumann vorsichtig sein Leid. Aber ich schlucke den Köder nicht. Das wäre mir jetzt wirklich zu viel Information auf dieser doch so einladend wirkenden Insel. Ich mache ein paar Fotos und bewundere dieses abgelegene Idyll mitten in der Flensburger Förde. Es soll am 6.10. noch ein Saisonabschlusskonzert mit 3 irischen Musikerinnen geben. Allerdings würde die Fähre nicht mehr fahren und so ist eine Anreise nur auf eigenem Kiel möglich. Angesichts der kleinen und teilweise desolaten Stege wird das dann dort wohl nicht wirklich voll werden. Ich nehme mir jedenfalls vor zu kommen. Falls es meine Zeit erlaubt. Der Blaumann schwelgt mittlerweile in musikalischen Erinnerungen an Ton, Steine und Scherben. Und wer jetzt von denen genau was macht und wie die Rechte verteilt sind. Meine Ohren machen dicht. Zeit zu gehen. Auf dem Rückweg zum Boot geniesse ich noch die Stille und magische Atmosphäre dieser Inseln. Toll. Aber es wird dunkel und beginnt zu regnen. Ich will weiter.

Später erfahre ich dann von den Streitereien der Bewohner, die es bis in die Presse geschafft haben. Von entführten Booten und körperlicher Gewalt ist hier die Rede. Und das von den einstigen Freunden wohl nur einer überblieb. Mein Blaumann. Schade, aber irgendwie auch vorhersehbar. Ich glaube es gibt kaum ein Modell von mehreren Freunden mit einer Geschäfts- bzw. Lebensidee, die nicht irgendwann zerbrochen ist. Häufig am Geld. Ob Zuwenig oder Zuviel…es führt wohl stets zum Streit. Aufgrund der Situation hat sich die dänische Regierung nun offenbar entschieden den Pachtvertrag vorzeitig zu beenden. Schade, aber verständlich. So sympathisch ich das etwas marode Erscheinungsbild auch fand, wird so sicher nicht viel zu verdienen sein und irgendwann droht dann der Verfall. Es wäre schade. Denn mir hat es hier richtig gut gefallen. Über facebook komme ich mit einem Bekannten ins Grübeln. Was hier alles machbar wäre. Mir hat es die Eventlocation angetan, er träumt von einer Werftidee. Und Gastonomie würde hier sicher auch funktionieren mitten in der vielbefahrenen Förde. In Schleimünde habe ich schon einmal viel Potential gesehen, die dortige Giftbude läuft doch extrem unter ihren Möglichkeiten. Gastronomie und Betreiber dort sind ein Witz. Aber hier in der Flensburger Förde. Das wäre doch DAS Ausflugsziel.

Aber möchte ich mir wirklich eine Gastronomie ans Bein binden, auf einer stets pflegebedürftigen Insel. Mit drohendem Inselkoller und Freundesverlust. Ich denke eher nicht. Aber der Traum gefällt mir trotzdem irgendwie…

Wer keine Arbeit hat, der macht sich welche.

20150927

Neue Baustelle: Ankerwinsch

Ich hab’s eigentlich schon lange im Urin gehabt. Die Lewmar Ankerwinde ist nen bisschen klein für unseren 70kg Rocna mit der 13mm Kette. Schon in Galicien gab es Ärger. Aber auch schon letztes Jahr mit dem alten Delta Anker und der 10mm Kette. Da ansonsten grade alle Baustellen behoben sind, passierte es natürlich jetzt wo ich am Freitag neue Crew bekomme, Full House habe und auf die Kapverden aufbrechen will…

Nach dem Abschied von den Selvagen Islands segeln wir genüsslich und mit viel Reff Richtung Fuerte Ventura. Das ich da schon mal war und früher alles besser war, peilen wir den Hafen Puerto Rosario an. Da ist auch der Flughafen und da war ich noch nicht, weil das wie ein dreckiger Industriehafen aussieht. Wir haben natürlich wieder Gegenwind, schaffen es aber so eben noch ohne Wenden bis in den rettenden Hafen. Siehe da. Es gibt ein seitliches Becken wo sogar ein anderes Schiff ankert. Die Stadt ruft mit Musik. Jan und ich sind voller Vorfreude an einem Samstag Abend anzukommen. Der Anker fällt, die Kette rauscht ins Wasser, auch als Jan den Knopf loslässt. Im letzten Moment kann ich vorsichtig mit meiner Fußsohle die restlichen 40 Meter stoppen (Das ist jedem Gast bei Strafandrohung verboten!). Auf jeden Fall hängen wir jetzt am Haken und die Winsch ist im Eimer. Jan greift sofort zum Werkzeug. „Ich würde das sein lassen Jan. Lass uns lieber in die nächste Kne ipe gehen und nen Bier trinken gehen. Das stinkt nach Frust.“ Jan aber kann es nicht sein lassen. Die gesteckte Welle sitzt komplett fest. Da muss ne neue Winsch her und dadrüber muss der Skipper erst mal schlafen. Ob nun die gleiche wieder? Oder was Vernünftiges? Und woher nehmen?

Also gehen wir in die Stadt, besser Dorf, und schauen mal was geht. Gehen tut gar nichs, Laufen tun die. Direkt an der Kirche ist eine Basketballhalle und da kommt die Musik her. Eintritt frei. Klein und groß sind hier. Es gibt Musik und Bier aus Plastikgläsern und Frauenmannschaften die wirklich gut und interessant spielen. Wir sind die einzigen Touristen. Mit offenen Mündern schauen wir dem Tun zu. Nicht nur den hübschen Damen, die allesamt meine Töchter sein könnten, sondern auch den Zuschauern auf den Rängen. Geht ab wie bei einem Fussballspiel. Zumindest stelle ich mir das so vor.

Irgendwann werden wir wirklich durstig und spielen das Spiel: Nachhause gehen und in jeder Kneipe die man passiert ,ein Bier trinken. Nun. Es waren dann doch noch ziemlich viele Kneipen auf und schlussendlich eine Salsa Disko mit vielen alten Männern, die gutaussehende Frauen über die Tanzfläche schlurften. Da konnten wir aber nicht mitmachen. Ordentliche Segler haben halt Schräglage ;-) Die Barfrau meinte es dann auch gut mit uns und stellte uns das fast volle Glas Gin auf den Tresen und die volle Flasche Tonic daneben. Prost Jan – Das haben wir uns verdient. Die netten Polizisten haben wir dann auch noch kennengelernt. „Seid ihr sicher, dass ihr das zum Boot schafft ohne ins Wasser zu fallen?“ Der Weg von der letzten Kneipe zum Hafenmole war dann doch schon wieder Aufkreuzen, da sind die netten Helfer dann wohl auf uns aufmerksam geworden. Das war ein schöner Abend und dringend notwendig.

Nachdem ich dann heute den ganzen Tag mit dem Lesen der e-Mails verbracht habe, gönne ich mir grade etwas Ruhe und entspanne mich mit diesem Logbuchbericht.

Hab ich eigentlich erzählt, dass unser seewassergekühlter Tiefkühler sich entschieden hat nicht mehr genügend Leistung zu haben um mit der Außentemperatur von 28 Grad und der Wassertemperatur von 24 Grad klarzukommen und mir die untere Hälfte von meinen teuren Fleischvorräten angetaut ist? Bestimmt nicht. Auch das habe ich einfach verdrängt. Jan und ich haben in einer wilden Nachtaktion, den Freezer abgetaut, neu mit Silikon neu verfugt und einen Abfluss für das Tauwasser in die Bilge gelegt. Zur Belohnung gibt es jetzt jeden Tag, beste uruguayische Rindersteaks von glücklichen Kühen. „Schon wieder Fleisch?“, so guckt Jan.

So. Jetzt aber mal in die Heia. Morgen früh ist Winsch und Entscheidung angesagt. 7:30 geht die Sonne auf. Am Dienstag ist Jan weg und dann habe ich den ganzen Kack selber am Arsch. Sorry für den Ton. Muss grade mal raus.

Selten. Aber wahr: Danke an Stephanie, die uns eine Spende geschickt hat. Habe ich mich super drüber gefreut!

 


Mitsegeln auf der MARLIN. Bewerbe Dich hier! Vom 20.10-13.11 sind noch zwei Plätze frei um die Kapverden zu erobern. Dann wieder im Februar.www.marlin-expeditions.com

 

Fuerte Ventura Voraus. Kurs liegt an.

20150925

Ein Happen Abschied

Ich pfeife. Der ROCNA ist wieder oben. Jan dreht den Bug der MARLIN Richtung Süd und an Land winken Sandro und Carlos. Carlos hat mir noch ein Ranger T-Shirt geschenkt. Jan hat gehofft, dass es mir nicht passt… Passt aber. Schwein gehabt. So sind die kleinen Freuden der Segelschiffwelt. Wir sind inzwischen 77 Meilen nordwestlich von Fuerte Ventura. Der Mond steht am Himmel und der nächste Hafen wartet schon auf uns. Crewwechsel. Jan geht. Der einzige der bleibt, bin ich. Da ist schon ein Happen Abschied am Start. Aber so soll es sein und ich will es auch nicht anders. Wir quälen uns etwas am Wind kneifend nach Ost. Ne, jetzt nicht noch aufkreuzen, dann lieber etwas langsamer. Der Wind soll ja drehen in der Nacht. Und das tut er auch. Gleich kann ich mal 5 Grad abfallen und das Tuch vor und an dem 27 Meter hohen Mast wird seinen Sog weit verbessern. Es ist still in meiner Wache. So schräg sitze ich nicht gerne am Rechner. Ich lese ein Buch. Endlich. Und ich genieße es.

 


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Die vergessenen Inseln: Neues aus Trizonia!

Der Tag, er war anstrengend im Golf von Korinth. Morgens eine halbe Stunde nach dem Ablegen fünf Windstärken von vorn, ein böig-fauchiger Wind aus West-Nordwest, der den Golf entlang aus Patras im Westen genau auf uns zu pfeifft. Nach sechs, sieben Stunden gegenan aufkreuzen gerade mal 17 Seemeilen Weg zurückgelegt. Aber das immerhin mit Lust und auf der Backe liegend. Am späten Nachmittag stehe ich dann vor einer der wenigen Inseln im Golf von Korinth: Trizonia. Haben Sie nie gehört? Da geht es Ihnen wie mir. Aber als ich kurz überlege: Wo heute übernachten? Inselhafen? Festlandshafen? Fällt die Entscheidung schnell: Natürlich auf der Insel!
Soweit so gut. Aber kurz mal nachgehakt: Warum treffe ich diese Entscheidung so? Ist das Leben auf einer Insel denn wirklich so anders? Alles Einbildung? Oder gibt es tatsächlich objektive Gründe, warum auf-einer-Insel-sein soviel entspannender ist als auf dem Festland?
Nehmen wir nach einem langen Sommer voller vergessener Inseln Trizonia, das unbekannte Eiland, das Griechen [Tri:sonja:], mit kurzem „o“ und weichem „s“ sprechen. Wer über das Besondere dieser Insel recherchiert, findet – wenig. Nein, statt googeln führt ein Spaziergang von der Marina in den 54 Meter entfernt liegenden Hauptort mit Namen Trizonia zu Erkenntnissen. Man stößt einfach alle naselang auf das Thema „Entschleunigung“ in hunderterlei Formen. 
Zum Beispiel: Meine Ankunft in der Marina der Insel: entspannt. Die „Marina“: ein Betondenkmal, geschaffen mit EU-Geldern, um Griechenland in die „Wettbewerbsfähigkeit“ zu katapultieren. Aber weil sich im schönen Trizonia niemand findet, der mit Betonmolen Wettbewerb aufzuziehen Lust hätte: Drum rotten sie vor sich hin, zur Freude von etwa 20, 30 Fahrtenseglern wie mir. Und so liegen denn an die 30 Fahrtenyachten in Sonnenschein und klarem Wasser. Motorbootfahrer, Katsegler, Monos. Engländer, Finnen, Dänen, Schweizer, Franzosen. Nettes Völkchen. Niemand, der irgendwelche Bootspapiere sehen will, kein Marina-Office, kein Hafenmeister, keiner, der den Stromzähler abliest. Weil es Strom halt einfach nicht gibt.  Einfach nur gemütlich liegen, solange man will. Und gern auch über den Winter. 
Meine erste Begegnung: Die Besatzung der großen 42er, mit der wir uns draußen in den Böen über eineinhalb Stunden ein Rennen lieferten – „Faster, LEVJE! Go faster!“ wie im vorigen Post also auch hier. LEVJE wehrte sich tapfer, aber nach der Wende war Schluß, die 42 Fuß hängten LEVJE einfach ab. Jetzt stehen die beiden freundlich auf der Pier, nehmen meine Leinen an. Ein Pärchen aus Landsberg, fast meiner Heimat. Das Umfeld, die Kleinheit des Hafens, sie zwingt zum Miteinander auch unter Fremden. Wer hierher kommt, erkennt im anderen den Gleichgesinnten, auch wenn man sich vorher nie begegnet ist.
Kaum ist der Schwatz mit den Landsbergern vorbei, steht ein junges Pärchen auf der Pier: Endzwanziger beide, aus der Schweiz, die mir erklären: Dass sie noch viel langsamer reisen als ich mit LEVJE. Und während sie erzählen, komme ich mir fast wie ein bekloppter Raser vor: Die beiden sind seit Frühjahr im ihrer alten HALLBERG-RASSY 35 von Korfu bis hierher gesegelt. Gerade mal 150 Meilen. In 6 Monaten. Sind überall lange geblieben. Und finden Trizonia „ganz wunderbar zum Abhängen“. Beide arbeiten den Winter über im Skitourismus der Schweiz – und wenn die Skisaison am Schlepplift vorbei ist: verschwinden die beiden ab Frühjahr wieder auf ihr Boot, um bis in den Herbst langsam zu reisen. Und eine Insel ist der Ort, an dem sie sich austoben. ‚Nissomanie‘, die Inselsucht, von der Bloggerin Katharina auf ihrem gleichnamigen Blog schreibt: Sie grassiert nicht nur bei mir. 

Inseln widersetzen sich dem überall greifbaren Hang zur Beschleunigung unseres Alltags. Während in meinem Heimatland die Straßen immer gerader gemacht werden, damit wir noch schneller von A nach B kommen und dadurch noch „effektiver“ sein können, sind auf Trizonia Autos verboten. Genau so wie auf Spetses, auf Hydra, oder in Venedig und anderen Inseln. Der Effekt ist enorm, wenn man nach einer Woche „Insel“ wieder an einer vielbefahrenen Straße auf dem Festland steht.
Entschleunigung auch am Ufer. Drei Frauen, augenscheinlich drei der insgesamt 64 Bewohner, die die letzte Volkszählung auf Trizonia 2011 zählte. Frauen, die am Ufer sitzen und fischen, in dem sie immer wieder die auf ein knallbunter Plastik-Rädchen aufgewickelte Schnur geduldig ins Meer werfen und einholen. Fischen mit einem 1,50 €-Artikel. Den Frauen scheint das großen Spaß zu machen, sie sitzen auch am folgenden Abend am Ufer. Eigentlich traue ich ihren knallbunten Angel-Dinger ja nicht viel zu – aber zumindest eine der Frauen zeigt einem Fischer ihren Eimer-Inhalt, als die Sonne langsam verschwindet, und der Fischer nickt anerkennend. Die anderen beiden gönnen sich nach dem Fischen ein Eis in der Taverne. Und am nächsten Tag stehen auch meine Schweizer auf ihrem Boot, mit so einem knallbunten Angel-Dings in der Hand. Und werfen die Schnur wieder und wieder ins Wasser.
Zwei Fischer, die in der Dämmerung gemächlich hinaus in die Bucht tuckern, in ihren einfachen offenen Booten. Bis spät in die Nacht hinein sehe ich ihre Lichter draußen auf dem Meer. Sie sind nicht weit draußen, haben ihre Anker fallen lassen und Fischen offensichtlich mit der Leine. Für Menschen, die gerne bei jedem Wetter auf dem Meer sind, kann es nicht viel Schöneres geben, als hinauszufahren, nicht weil der Wecker klingelt, sondern weil der richtige Moment dafür da ist.
Ach ja: Und Neues aus Trizonia? Da muss ich Sie enttäuschen. Das gibt es hier auch nicht. Natürlich den Dorfschwatz, das ja. Aber sonst: Kein Zeitungsständer, der uns mit neuesten Krisen und Katastrophen kitzelt, auf die wir eh ohne Einfluß sind. Outlook, Excel? Hat man schon mal gehört, aber auf Trizonia geht es ohne. Der Wirt schreibt die Rechnung noch schön auf den Block. Tsatsiki und Auberginenpaste waren dafür umwerfend.

Nein, damit wir uns recht verstehen: Ich bin nicht für die Abschaffung von Autos, Outlook, Weckern oder gerader Straßen. Aber dafür: Ein bisschen mehr Trizonia, etwas mehr Insel-Dasein in unseren Alltag zu bringen – dafür bin ich allemal.


Die vergessenen Inseln: Neues aus Trizonia!

Der Tag, er war anstrengend im Golf von Korinth. Morgens eine halbe Stunde nach dem Ablegen fünf Windstärken von vorn, ein böig-fauchiger Wind aus West-Nordwest, der den Golf entlang aus Patras im Westen genau auf uns zu pfeifft. Nach sechs, sieben Stunden gegenan aufkreuzen gerade mal 17 Seemeilen Weg zurückgelegt. Aber das immerhin mit Lust und auf der Backe liegend. Am späten Nachmittag stehe ich dann vor einer der wenigen Inseln im Golf von Korinth: Trizonia. Haben Sie nie gehört? Da geht es Ihnen wie mir. Aber als ich kurz überlege: Wo heute übernachten? Inselhafen? Festlandshafen? Fällt die Entscheidung schnell: Natürlich auf der Insel!
Soweit so gut. Aber kurz mal nachgehakt: Warum treffe ich diese Entscheidung so? Ist das Leben auf einer Insel denn wirklich so anders? Alles Einbildung? Oder gibt es tatsächlich objektive Gründe, warum auf-einer-Insel-sein soviel entspannender ist als auf dem Festland?
Nehmen wir nach einem langen Sommer voller vergessener Inseln Trizonia, das unbekannte Eiland, das Griechen [Tri:sonja:], mit kurzem „o“ und weichem „s“ sprechen. Wer über das Besondere dieser Insel recherchiert, findet – wenig. Nein, statt googeln führt ein Spaziergang von der Marina in den 54 Meter entfernt liegenden Hauptort mit Namen Trizonia zu Erkenntnissen. Man stößt einfach alle naselang auf das Thema „Entschleunigung“ in hunderterlei Formen. 
Zum Beispiel: Meine Ankunft in der Marina der Insel: entspannt. Die „Marina“: ein Betondenkmal, geschaffen mit EU-Geldern, um Griechenland in die „Wettbewerbsfähigkeit“ zu katapultieren. Aber weil sich im schönen Trizonia niemand findet, der mit Betonmolen Wettbewerb aufzuziehen Lust hätte: Drum rotten sie vor sich hin, zur Freude von etwa 20, 30 Fahrtenseglern wie mir. Und so liegen denn an die 30 Fahrtenyachten in Sonnenschein und klarem Wasser. Motorbootfahrer, Katsegler, Monos. Engländer, Finnen, Dänen, Schweizer, Franzosen, Griechen. Nettes Völkchen. Niemand, der irgendwelche Bootspapiere sehen will, kein Marina-Office, kein Hafenmeister, keiner, der den Stromzähler abliest. Weil es Strom halt einfach nicht gibt.  Einfach nur gemütlich liegen, solange man will. Und gern auch über den Winter. 
Meine erste Begegnung: Die Besatzung der großen 42er, mit der wir uns draußen in den Böen über eineinhalb Stunden ein Rennen lieferten – „Faster, LEVJE! Go faster!“ wie im vorigen Post also auch hier. LEVJE wehrte sich tapfer, aber nach der Wende war Schluß, die 42 Fuß hängten LEVJE einfach ab. Jetzt stehen die beiden freundlich auf der Pier, nehmen meine Leinen an. Ein Pärchen aus Landsberg, fast meiner Heimat. Das Umfeld, die Kleinheit des Hafens, sie zwingt zum Miteinander auch unter Fremden. Wer hierher kommt, erkennt im anderen den Gleichgesinnten, auch wenn man sich vorher nie begegnet ist.
Kaum ist der Schwatz mit den Landsbergern vorbei, steht ein junges Pärchen auf der Pier: Endzwanziger beide, aus der Schweiz, die mir erklären: Dass sie noch viel langsamer reisen als ich mit LEVJE. Und während sie erzählen, komme ich mir fast wie ein bekloppter Raser vor: Die beiden sind seit Frühjahr im ihrer alten HALLBERG-RASSY 35 von Korfu bis hierher gesegelt. Gerade mal 150 Meilen. In 6 Monaten. Sind überall lange geblieben. Und finden Trizonia „ganz wunderbar zum Abhängen“. Beide arbeiten den Winter über im Skitourismus der Schweiz – und wenn die Skisaison am Schlepplift vorbei ist: verschwinden die beiden ab Frühjahr wieder auf ihr Boot, um bis in den Herbst langsam zu reisen. Und eine Insel ist der Ort, an dem sie sich austoben. ‚Nissomanie‘, die Inselsucht, von der Bloggerin Katharina auf ihrem gleichnamigen Blog schreibt: Sie grassiert nicht nur bei mir. 

Inseln widersetzen sich dem überall greifbaren Hang zur Beschleunigung unseres Alltags. Während in meinem Heimatland die Straßen immer gerader gemacht werden, damit wir noch schneller von A nach B kommen und dadurch noch „effektiver“ sein können, sind auf Trizonia Autos verboten. Genau so wie auf Spetses, auf Hydra, oder in Venedig und anderen Inseln. Der Effekt ist enorm, wenn man nach einer Woche „Insel“ wieder an einer vielbefahrenen Straße auf dem Festland steht.
Entschleunigung auch am Ufer. Drei Frauen, augenscheinlich drei der insgesamt 64 Bewohner, die die letzte Volkszählung auf Trizonia 2011 zählte. Frauen, die am Ufer sitzen und fischen, in dem sie immer wieder die auf ein knallbunter Plastik-Rädchen aufgewickelte Schnur geduldig ins Meer werfen und einholen. Fischen mit einem 1,50 €-Artikel. Den Frauen scheint das großen Spaß zu machen, sie sitzen auch am folgenden Abend am Ufer. Eigentlich traue ich ihren knallbunten Angel-Dinger ja nicht viel zu – aber zumindest eine der Frauen zeigt einem Fischer ihren Eimer-Inhalt, als die Sonne langsam verschwindet, und der Fischer nickt anerkennend. Die anderen beiden gönnen sich nach dem Fischen ein Eis in der Taverne. Und am nächsten Tag stehen auch meine Schweizer auf ihrem Boot, mit so einem knallbunten Angel-Dings in der Hand. Und werfen die Schnur wieder und wieder ins Wasser.
Zwei Fischer, die in der Dämmerung gemächlich hinaus in die Bucht tuckern, in ihren einfachen offenen Booten. Bis spät in die Nacht hinein sehe ich ihre Lichter draußen auf dem Meer. Sie sind nicht weit draußen, haben ihre Anker fallen lassen und Fischen offensichtlich mit der Leine. Für Menschen, die gerne bei jedem Wetter auf dem Meer sind, kann es nicht viel Schöneres geben, als hinauszufahren, nicht weil der Wecker klingelt, sondern weil der richtige Moment dafür da ist.
Ach ja: Und Neues aus Trizonia? Da muss ich Sie enttäuschen. Das gibt es hier auch nicht. Natürlich den Dorfschwatz, das ja. Aber sonst: Kein Zeitungsständer, der uns mit neuesten Krisen und Katastrophen kitzelt, auf die wir eh ohne Einfluß sind. Outlook, Excel? Hat man schon mal gehört, aber auf Trizonia geht es ohne. Der Wirt schreibt die Rechnung noch schön auf den Block. Tsatsiki und Auberginenpaste waren dafür umwerfend.

Nein, damit wir uns recht verstehen: Ich bin nicht für die Abschaffung von Autos, Outlook, Weckern oder gerader Straßen. Aber dafür: Ein bisschen mehr Trizonia, etwas mehr Insel-Dasein in unseren Alltag zu bringen – dafür bin ich allemal.


Und wenn Ihnen diese Geschichte gefallen hat:
Soeben erschienen als Film
für Download und auf DVD:
                         Als Download und auf DVD: € 19,99
Was passiert, wenn das Leben die gewohnten Bahnen verlässt? 
Was geschieht, wenn man sich einfach aufmacht und fünf Monate Segeln geht? 
Darf man das? Und wie ändert sich das Leben?
Der Film einer ungewöhnlichen Reise, der Mut macht, seinen Traum zu leben.



Der Film entstand nach diesem Buch: 
Geschichten über die Entschleunigung, übers langsam Reisen 
und die Kunst, wieder sehen zu lernen
Einmal München – Antalya, bitte. 

Segeln, Arbeiten und Leben unter Segeln

20150923

Der Sprung ins Wasser

…ist das schönste an den Subtropen. Ist Dir warm, springst Du einfach über Bord. Am Ankerplatz natürlich. Beim Segeln vielleicht nicht grade so angebracht. Schöner als hier auf den Selvagens können wir eigentlich nicht liegen. Wasser, Strom, alles kein Problem. Nur die Versorgung mit Internet lässt zu wünschen übrig. Nun, eigentlich wäre das auch kein Problem, wenn die Shadow-Mail Funktion von Sailmail nicht grade ausgefallen wäre und ich dadurch weder meine privaten noch geschäftlichen e-Mails empfangen kann. Hmm. Das geht mal ein paar Tage, aber nicht auf Dauer. Das Wetterfenster öffnet sich erst am Freitag. O.K. Dann muss mein persönliches Hamsterrad eben mal warten. Am Freitag morgen werden wir weiter segeln und am Samstag wieder in den Fängen der Zivilisation sein.

20150923-2

Wir schaffen was. Die kaputte Schlauchtülle klebe ich wie angekündigt mit Epoyx und zwar so gut, dass selbst der kritische Jan meint: „Die hält ewig“ Doch dann finde ich eine 100%tig passend in der Grabbelkiste ganz aus grauem Kunststoff, so wie geplant. Hatte sich nur in einer Reduziermuffe versteckt. Lachend schrauben Jan und ich die in den Wasserfilter, die Schläuche wieder dran und… Immer noch Luft in der Kühlleitung des Yanmars. Aber auch das Problem bekommen wir zumindest analysiert. Es ist ein maroder O-Ring in der Kühlwasserpumpe. Wieder was für die Liste. Hoffentlich finden wir einen Shop in Fuerte Ventura oder können das Ding noch rechtzeitig in Deutschland bestellen und der kommenden Crew zum Mitbringen unterjubeln. Erst einmal läuft der Yanmar aber auch mit ein paar Luftblasen im Kühlwasser – deutlich weniger als vorher. Gut gemacht Jan.

Weiter geht es mit unserem laufenden Gut. Die Genua braucht noch neue Schoten, bevor es über den Atlantik geht und neue Reffleinen hätte ich gerne zumindest an Bord. 16.000 Meilen seit Januar 2013 gehen eben nicht unmerklich an uns vorüber. Auch die Dirk muss neu und zumindest zwei Fallen als Reserve brauchen wir. Unser Bullenstandersystem hat sich inzwischen bewährt und benötigt aber noch vier hochqualitative Blöcke, ein Bremsenblock braucht neue Federn und und und… Nicht das wir uns langweilen hier auf den Selvagens… Nennen wir es mal Arbeitscamp Selvagems.

20150923-3

Bis zum Sonnenuntergang schaffen wir es grade noch die neuen Fallen für unser Lazybag einzufädeln, zwei neue Blöcke unter der Saling anzubringen. Seit Wochen schon liegt das Material im Pilothaus rum. Zum Abschluss des Tages fallen wir dann ins kristallklare Wasser. Die Heißwasserdusche hat den Vorrang verloren. Die kalte Süßwasserdusche an der Badeplattform ist nun die Nr. 1. Denn es ist heiß und es wird nicht mehr kälter werden für die nächsten sieben Monate ;-) Gut so. Ich freue mich schon auf meine neuen Mitsegler.

 


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