Monatsarchive: August 2015

Begegnungen auf See

20150831

Was geht? Geht was?

In Peniche möchte man uns nicht. Vor allen Dingen nicht, weil wir mitten im Hafenbecken lagen. „Allgemeine Fahrzeugkontrolle. Ihren Führerschein bitte. Habe Sie Alkohol oder Drogen zu sich genommen?“, na ja, es war nicht ganz so schlimm. Auf jeden Fall lagen wir ab 11 Uhr auf Reede vorm Hafen, ungeschützt, gegen den thermischen Wind des Tages. Jan ist in die Stadt gegangen und ich hab das Schiff gehütet. Am Nachmittag soll der Wind drehen und langsam stärker werden. So war es dann auch und wir haben das Eisen aus dem Sand gehoben, Peniche, Peniche sein lassen und 30 Tonnen MARLIN langsam mit Windhauchkraft und Diesel Richtung Süd bewegt. Inzwischen segeln wir sogar.

“Da ist ein Dreimaster am Horizont. Oder ist das ein Frachter mit drei Kränen. Ne. Der ist ja noch langsamer als wir. Ein Knoten machen die. Das ist die NPR Sagres sagt das AIS. Als wir näher kommen, brav unter Segeln, sehen wir die Bestimmung. Eine portugiesische Galeere. „Die kriegen den Hals nie voll!“ „Pass auf, sonst geben die uns jetzt die Breitseite!“ Also ein Segelschulschiff. Die Matrosen bekommen grade an Deck eine Unterweisung. Oder Einlauf. Wer weiß. Schickes Schiff. Endlich passiert mal was.

 


Nächste Abfahrtmöglichkeit mit der MARLIN: Atlantiküberquerung 2016 von Kuba über Bahamas zu den Azoren – buchst Du jetzt.www.marlin-expeditions.com

 

Kurzentschlossen kurzgeschlossen!

20150830

Johann hatte doch ne Schraube locker

Das mit dem Schlüssel drehen hat auch heute Mittag noch nicht geklappt. Aber ich bin endlich ausgeschlafen. Ein Blick in das Werkstattbuch mit dem Schaltplan hilft. Entweder es muss das Trennrelay des YANMAR’s sein, denn dieser ist massefrei installiert oder aber das Startmagnet. Mit einem dicken Kabel rücke ich dem faulen Zahn zu Leibe. Das Trennrelay ist es nicht. Also gebe ich Saft direkt auf das Startmagnet. In der Erwartung eines dicken Knalls schließe ich dabei mal vorsichthalber die Augen. Wie früher in Duisburg, wenn man seinen Autoschlüssel nachts im Old Daddy verloren hat und das eigene Auto aufbrechen muss. Das Magnet zieht an, der Anlasser rüttelt los und Johann schuckelt wieder. Mir fällt ein Stein vom Herzen. „Give me five!“ Jan steht oben verschlafen im Cockpit. „Gut gemacht Skipper.“ Nen Lob vom Bootsjungen tut ja auch mal gut. Nach zwei Stunden Motorfahrt funktioniert alles wieder wie neu! Die losen Kontakte an der Lichtmaschine waren doch das Übel. Motor wieder aus. „Sechs Knoten Wind. Das können wir in Schleichfahrt. Drück mal auf’s GPS und aktiviere Faro.“

 


Nächste Abfahrtmöglichkeit mit der MARLIN: Derzeit ist fast alles dicht bis April 2016. Am 6ten September segeln wir Faro nach Madeira. Da sind noch zwei Plätze frei. Die Überfahrt zu den Kapverden ist ausgebucht. Im Oktober kannst Du noch auf den Kapverden mitsegeln. Ein Platz ist noch frei. Die Atlantiküberquerung ist ausgebucht. Der Törn mit der Rennmaschine MARLIN: Cuba 1000. Wir brechen den 200 Meilen Rekord! Von Curacao nach Cuba, hat noch eine Koje frei. Meine persönliche Empfehlung: Atlantiküberquerung 2016 buchst Du jetzt.www.marlin-expeditions.com

 

Sunbeam 42 DS – zu verkaufen – for sale – € 220.000

EINE UNGEWÖHNLICHE LIEBESGESCHICHTE

_DSC0080

Es ist zwei Jahre her, dass ich eine Windpilot Heckverzierung in Grömitz ausgeliefert habe. Sie wurde dort an eine nahezu unbenutzte Sunbeam 42 DS angeschraubt, deren Eigner ich wenig später im Hafen kennen lernen durfte: Ein Ehepaar aus Süddeutschland mit geringer See Erfahrung, aber enormen Sehnsüchten und noch grösseren Plänen, sowie dem Willen, das Schiff mit allen „bells and whistles“ aufzurüsten, damit es auf See an nichts mehr fehlt. Immerhin stockte mir der Atem. weil ich vergleichbar investitions freudige Eigner selten erlebt. Wie hätte ich ahnen können, dass es eine Fortsetzungs Geschichte werden würde?

Ich erhielt kurz nach der Ausreise im Sommer 2013 diese Mail:

Die Anlage hat nach eine kurzen „Test und Einstellphase“ jetzt Ihren Dienst übernommen.
Unauffällig, zuverlässig einfach nur eine große Freude! Ich war wirklich skeptisch und bin jetzt
umso mehr begeistert. Die Anlage steuert und ich schreibe Ihnen am Kartentisch eine Mail über SSB.
Einfach cool. Meine Frau hat die Windpilot-Anlage „Liselotte die Zuverlässige“ genannt. Unser Autopilot heißt „Otto“ und ist heute schon 3x ausgestiegen :-( Jetzt raten Sie mal, weshalb der AP von meiner Frau einen Männernamen bekommen hat :-) ?
Wir freuen uns jedenfalls über unsere neue „Steuerfrau“ und wünschen Ihnen und Ihrer Frau weiterhin alles Gute und viel Erfolg!
Katja + Dietmar Henke SV Summer

7000 sm europäische Küstenlandschaften später, erreicht mich ein Alarm von den Azoren: Mann hatte sich in eine wunderschöne klassische SWAN Yawl verknallt, Frau hat sich mit beiden Füssen auf die Bremse gestellt – ein Konflikt, der nicht mit dem Holzhammer zu lösen ist, zumal man sich an die SV Summer perfekt gewöhnt. Siehe auch im Blog

KHX_2364

Wir haben lange Mails und noch längere Telefonate geführt, insbesondere weil mir die neue – fast ausserirdisch hübsche Geliebte – persönlich bekannt. Hier einen kühlen Kopf zu behalten, gerät zur Schwerstarbeit, zumal wenn das Herz in der Birne immer dazwischen funkt. Darum kürze ich die Geschichte an dieser Stelle einmal ab: Katja und Dietmar haben sich entschieden und werden ihre Reisen nun mit der klassischen Yawl „Cesarina“ fortsetzen.

Die SY Summer, eine SUNBEAM 42 DS im Neuzustand, mit nur 560 Betriebs Std auf der Maschine, darf man getrost als einen Leckerbissen bezeichnen, fix und fertig erprobt und ausgerüstet mit allem, was Geld hat kaufen können.

Exif_JPEG_PICTURE

Exif_JPEG_PICTURE

SUNBEAM 42DS, BJ 2006,  Länge 12,60m, Breite 4,40m, Tiefgang 1,95m,
YANMAR 75PS mit nur 560 Motorstunden,
Rollanlage Fock 2014, Roll-Groß/Genua Laminatsegel 2013, Genacker 130qm 2013, Fock Dracon 2014, Maststufen klappbar, Eignerkabine, Spezialmatratzen waschbar, Komplette Beleuchtung innen LED, doppelte Navigationsbeleuchtung LED Hella Marine, Lotsenkoje, Kocher 2-flammig ENO mit Backofen, 2x 12KG Alugasflaschen Kühlschrank el., Spüle, 2x WC manuell, 2x Waschbecken, separate Duschkabine , komplette Nautik Raymarine E-Serie neu in 2013, Radar 4KW HD , UKW-Funk Ray 260, Autopilot Linearantrieb 2012, Selbststeueranlage Windpilot Pacific, Fishfinder/Sonar Ray Downvision, Kartenplotter E125 E7 2013, NAVTEX, Meteoman Wetterstation, SSB/Kurzwelle ICOM 78 ist vorinstalliert mit Achterstagantenne/Groundpaint/elektr.Installation, Ganzpersenning Maßanfertigung 2014, Sprayhood mit Macrolonscheibe 2014, Bimini-Top 2014, Landanschluss 220 Volt, Generator Diesel Fischer Panda AGT 4000 neu 2013, plus zusätzlichem 60l Dieseltank, Vitron Inverter 4 KW 220V, Top Batterieladegerät, Gasspürgerät Bilge f. Propan, Ankerkasten/Kollisionsschott mit Segellast, Rettungsinsel 6 Personen, E-Ankerwinde, Waschmaschine Bosch 6 Kg neu 2013, 9x VETUS Gel-Batterie a 90 Ah in 2013, Batteriewächter Philippi, 2x SUPERWIND 2013/2015 Bug-Ankerwinde el., massive Seereling Edelstahl mit Handlauf, Warmwasseranlage, Heckdusche warm/kalt, 3x Bilgepumpe automatisch Alarm, Bugstrahlruder Vetus, Geräteträger Niro Petersen mit 130W Solarpanel und Kran für Außenborder, gr. Watermaker von H2O Factory vollautomatisch DK4, 1x Bilgepumpe mechanisch, CD-Player, Polsterbezüge Alcantara mit Frottee Schonbezug, überall sind die Böden mit Teppich/Kugelgarn belegt, der Teakboden ist in einem sehr gutem Zustand Cockpittisch, Unterwasseranstrich neu in 2/2015 Hempel Globic 9000 Badeplattform, Badeleiter, 2x 6KG Feuerlöscher, Diesel Heizung Warmluft Webasto, TV Antenne, Radio, 2x Dieselfilter SEPAR umschaltbar, stehendes Gut (Wanten/Stagen) neu in 2014, Ruderlager und Dichtungen neu in 2015, 1x Heckanker mit Ausleger, SPW 4 Blatt Drehflügel-Propeller 20″ und sehr viele weitere Extras.
EU Steuern bezahlt
Liegeplatz Villamoura Portugal
Anfragen an den Eigner:
Dietmar Henke
+49 171 3474107
dh.dietmar.henke@gmail.com

IMG_5260IMG_5276IMG_5292IMG_5258IMG_5256IMG_5251IMG_3569DSC_5921

Fuzzack! Wind streikt!

Ruhe bewahren

Die erste Nacht auf See haben wir hinter uns gebracht. Wir wachen von 8-12, 12-4, 4-8 usw. Draußen: Suppe. Nebel. Gestern auch schon. Ein sicheres Zeichen für lokale Hochdruckkerne. Und somit ist auch kein Wind. Kein Wind für die Genua, kein Wind für den Genacker. 100qm Großsegel, mit Bullenstander in Position gehalten, bewegen uns mit grade mal 3 Knoten in die richtige Richtung. Zeit für ein Selfie. Zeit um übers Leben nachzudenken und im Werkstatthandbuch den YANMAR’s zu blättern. Den Fehler sollten wir selber finden können. Die Literatur ist ausgiebig, aber wahrscheinlich müssen wir den Anlasser ausbauen und zerlegen. Will ich das auf See machen? Bei diesen Windverhältnissen und auf See setzt die Motivationsdepression ein. Jede Aktion wird hundert mal überdacht. Soll ich oder soll ich nicht? Heute Nachmittag soll es wieder Wind geben, sagt die Elektronik, die Grib’s über PACTOR. Glauben tue ich nur was ich habe. Noch schlägt das Segel nicht und solange das Segel nicht schlägt ist mir alles egal. Erst wenn die Segel schlagen, greife ich zum Zündschlüssel. Aber das geht ja nun nicht mehr. Also doch ab in den Keller und ran an die Arbeit? Motivationsschwäche.

 


Nächste Abfahrtmöglichkeit mit der MARLIN: Derzeit ist fast alles dicht bis September. Dann geht es von Faro nach Madeira. Da sind wieder Plätze frei und von Madeira zu den kanarischen Inseln. Im Oktober kannst Du noch auf den Kapverden mitsegeln. Die Atlantiküberquerung ist ausgebucht. www.marlin-expeditions.com

 

Fuzzack! Johann streikt!

20150829

Auf und weg!

Im Hafen war heute Morgen kein Windhauch. Eigentlich hätten wir bis Dienstag warten sollen, wenn es nach den Wetterprognosen hätte gehen sollen. Aber das Spiel kennen wir schon. Am Dienstag heißt es dann, dass am Freitag Wind ist Und so weiter. Am Nachmittag kräuselt sich das Wasser. Anker auf und los. Nicht grade in bester Verfassung, muss ich zugeben, denn der nette Abend mit Jan und den anderen deutschen Seglern, war mit einem vielen Gläsern guten lokalen Wein gespickt. „Willst Du denn heute Abend in eine Marina?“, fragt mich Jan mit hoffendem Blick. „Nö!“ Eine Stunde später stehen wir auf der Stelle mitten dem Meer mit schlagendem Großsegel. „Komm wir nehmen den Lappen runter!“ Doch auf den Startbefehl, mittels Zündschlüssel, antwortet Johann nur mit einem leisen Klick. Klar, dass ich natürlich sofort die Suppe auf habe. Auch das noch zu meinem dicken Kopf von gestern. Also bleibt der 100qm Lappen oben und ich verschwinde mit Headlamp im Motorraum. „Bestimmt ist die Starterbatterie leer.“ Ich finde zwei lose Kontakte an der Lichtmaschine, was die Sache erklären würde. Aber. Die Starterbatterie ist voll. Der Magnetschalter, der das Starterritzel in das Gehäuse schieben soll macht keinen Mucks mehr. „Komm wir kochen erst mal ne ordentliche Spagetti. Dir steht der Hunger ja im Gesicht geschrieben.“ Der Wettergott schickt uns eine leichte Brise von achtern und so bleibt die Situation erträglich. „Ich hatte eh nicht vor nach Lissabon zu motoren. Sicherheitshalber schließe ich die Starter-Batterie an ein 24V Ladegerät an, aber ohne weiteren Erfolg. „Jan, ich geh schlafen. Vielleicht fällt mir was im Traum ein.“ Gefährlich ist die Situation nicht, denn unsere Energie machen wir mit dem Generator. Zur Fortbewegung haben wir ja, Gott sei es gedankt: Segel! Solange wir das Problem nicht mit Bordmitteln hinbekommen, steht Cascais auf dem Plan. Das sollten wir unter Segeln anlaufen können, ist ein Vorort von Lissabon und dort finden wir am ehesten einen Mechaniker oder notwendige Ersatzteile. 157 Meilen bis dahin. Hoffentlich bleibt uns der Wind erhalten.

 


Nächste Abfahrtmöglichkeit mit der MARLIN: Derzeit ist fast alles dicht bis September. Dann geht es von Faro nach Madeira. Da sind wieder Plätze frei und von Madeira zu den kanarischen Inseln. Im Oktober kannst Du noch auf den Kapverden mitsegeln. Die Atlantiküberquerung ist ausgebucht. www.marlin-expeditions.com

 

Die vergessenen Inseln: Heute auf Spetses. Oder: Reich und Arm, engbeieinander.

 

Ganz ohne Zweifel überrascht die Insel Spetses wie kaum eine andere Insel – und das gleich in vielerlei Hinsicht.
 
Monemvasia verließ ich, weil der Wetterbericht für die folgenden Tage Starkwind aus Nord ankündigte. Aber kaum, dass ich den Hafen von Monemvasia verlassen hatte, und voller Freude, dass endlich mal Wind wehte: schlief er auch schon wieder ein, der Wind. Die Ostseite des Peloponnes – ein Windloch, zumindest in diesem Jahr. 
 
Am nächsten Tag das selbe Spiel: Wetterbericht 5 bft. aus Nord. In der Bucht von Kiparission wehte es – also nix wie raus, 1. Reff. Kaum hatten wir sechs Seemeilen von der Küste weg zurückgelegt: Aus. Flaute. LEVJE liegt klappernd weit vor der Küste in den Kalmen – und in sich überschlagenden Wellen, die meine LEVJE elend hin und herwerfen. Mein Schiff, ein wehrloser Spielball dieser mutwilligen Wellenbrüder aus allen Richtungen. Also Motor.
 
Und weil mich der kürzeste Weg an die Ostseite von Spetses führte, genau zwischen Spetses und dem kleinen, östlich vorgelagerten Inselchen Spetsopoula (ja. Genau so.) hindurchführte, kam ich an einer unwiderstehlichen Bucht vorbei. Windgeschützt nach Norden. Nur einer dieser Schiff gewordenen Segelträume vor Anker. Und das wunderschöne RIVA-Boot eines Deutschen, der im Strohhut in den Himmel schaut. Ich konnte nicht anders. Hier mußte ich sein. Und blieb drei Tage, bis mich der Wind scheuchte, der so garstig am Spätnachmittag des dritten Tages die Wellen in die Bucht trieb: dass ich LEVJE fast auf den Strand setzte, nur um im aller-allerinnersten Winkel der Bucht eine halbwegs geschützte Ecke für uns zwei zu finden.
 
Aber RIVA-Boot und Riesenyacht: Das hatte es in sich. Das mußte ich rauskriegen. Also ruderte ich am am späten Nachmittag mit meinem Dinghi an Land, ließ LEVJE allein schaukelnd in der Bucht zurück und machte mich zu Fuß auf den Weg nach Spetses, etwa drei Kilometer im Norden. 
 
Überraschung Nummer 2:
Während ich in der Hitze des Spätnachmittags auf der kleinen Teerstraße hügelauf, hügelab, nach Norden wackle, stelle ich zweierlei fest: Wunderschöne Villen zuhauf. Nein nicht „Neureichs“, sondern wunderschöner alter Bestand. Keine einzige Architektur, die das Auge stört. Fast Südfrankreich: kleine, verschachtelte Gebäude in parkähnlichen Landschaften. Hinter hohen Mauern plötzlich ein bisschen Bretagne. Wo bin ich hier im Osten von Spetses bloß hingetreten?
Das andere: Dass auf meiner Straße zwar Verkehr ist: Oh ja, jede Menge Roller, Scooter, kleiner Motorräder – aber keine Autos. Spetses gebührt nach Venedig der Ruhm, Insel ohne Auto zu sein. Jedenfalls fast. Sie sind offiziell verboten, auf Spetses. Ein paar Taxen drücken sich schamlos durch engste Gassen, zusammen mit ein, zwei Lieferwagen. Aber das war es dann fast schon. Und noch etwas gibt es zuhauf: Golfcarts. Kleine Elektromobile vom Golfplatz, auf meiner Straße geht es eher zu wie auf einem Golfplatz, sie begegnen mir mehrfach. Und gerade als ich überlege, den Daumen zu recken, hält auch schon eins an. Roberta, mit dem Golfcart ihrer Herrschaft auf Einkaufsfahrt, nimmt mich einfach mit. Und weil sie Philippinin ist und seit 13 Jahren im Dienst ihrer Herrschaft ist, hat sie die Ehre, mir als Erste zu nahezubringen: Was es denn mit Spetses, das die Venezianer „Le Isole delle Spezie“, die Insel der Gewürze tauften, so auf sich hat. Während wir also im kleinen Elektromobil holpernd gen Norden rollen, erklärt mir Roberta: Einmal im Jahr kommt die Familie, für die sie arbeitet, in ihr Sommerhaus hierher nach Spetses. Diesmal für 10 Tage. Aber jetzt, im August, würden das auch die anderen reichen Athener Familien so machen. Jede, ausnahmslos jede der reichen Athener Familien hätte ein Haus, eine Villa auf Spetses, aber in den nächsten Tagen wäre noch besonders viel los, weil die Sprößlinge zweier der reichsten Athener Familien heiraten würden – und das würde wirklich alle, alle anlocken. Auf dem kleinen Betonfeld, direkt an der Straße, auf der wir rumpelnd vorbeirollen, landet gerade ein Hubschrauber, ein Mann im Business-Anzug steigt aus, der Hubschrauber hebt gleich wieder ab. „Time es Money, so leben hier die meisten“, sagt Roberta, ohne ihre kleinen Füße vom Gaspedal zu nehmen, und Klein Tomi reibt sich die Augen, denn eigentlich wähnte er sich in Griechenland und nicht in New York.
 
 
Stotternd läßt Roberta das kleine Gefährt rechts zum Hafen abbiegen. Und da wartet die nächste Überraschung: Kein Hafen, wie man ihn kennt: Sondern ein enger Wasserschlauch, doppelt, dreifach in Reihen vollgestopft mit Booten aller Art: Kleine Fischerboote. Überdachte superschnelle Schlauchboote. Hochmotorisierte Speedboote. Segelyachten. Kaiken und Kunststoffboote, Holzyachten und Was-weiß-ich-noch. Selbst die große Autofähre zur Nachbarinsel – auf dem Foto oben im Hintergrund – schiebt sich hinein in das Gedrängel und läßt ihre stählernde Bugklappe mitten auf den Strand knallen. Ein unglaubliches Durcheinander, augenscheinlich angerührt vom Gott des Chaos, aber – und auch das ist eine Überraschung – es steckt Ordnung drin. Was man im Bild oben sieht, ist nichts anderes als einer jener Werftbetriebe, die vor 200, 300 Jahren mit ihren dort gebauten Kaiken Furore machten. Und im Befreiungskrieg vor 200 Jahren mit ihrer Flotte das Zünglein auf der Waage im Kampf gegen die Türken waren.
 
 
Aber weil heutzutage ja niemand mehr die Kaiken braucht, liegt so manches angefangene Schmuckstück einfach am Wegrand. Und die Werftbesitzer – seelig-lieblich-wohlig gefangen in griechischem Klein-Klein – vermieten einfach ihren knapp bemessenen Platz an Bootsbesitzer. Und so beschließe ich noch am Nachmittag, mit LEVJE genau hierher zu tuckern, mitten hinein in dies Chaos, und mein Glück zu versuchen, hier, wo nichts, aber auch gar nichts aussieht nach einem freien Liegeplatz.
 
 
Und so verschlägt ein launenhaftes Schicksal mich im Hafen von Spetses zum alten Kostas. Der betreibt die Betonmole im engen Hafen, genau gegenüber der weißen Autofähre. Aber: was heißt denn schon „betreiben“? Kostas hat Platz, wo kein Platz ist. Toiletten, Waschgelegenheit? Gibts nicht. Landstrom? Auch nicht. Wasser? Da bringt Kostas einfach seinen schönen blauen Schlauch und schließt ihn irgendwo an einer geheimen Öffnung an, die nur er kennt. Duschen? „Use the shower of your boat“, sagt George, der aussieht wie Kojack und mit seinem Boot neben mir liegt. Sportboot-Marina la-Spetses: Die Fischerboote liegen in zwei, drei Reihen links an der Mole. Und LEVJE wird irgendwo vorne am Molenkopf reingequetscht. Nach zähem „den-armen-Kostas-nerven“ habe ich es auch geschafft, eine von Kostas drei Murings zu ergattern. Denn meine Ankerwinsch will nicht mehr, wie ich will, und um sie zu reparieren, brauche ich einen sicheren Halt. Und für den Morgen ist Starkwind im Hafen angesagt.
 
Und weil das Leben auf Spetses ja voller Überraschungen ist, drum dirigiert Kostas eine der am Abend hereindrängenden Superyachten dahin, wo ja eigentlich nun überhaupt kein Platz mehr ist: Nämlich im Foto oben genau rückwärts an die Spitze seines Molenkopfes.
 
Also liegt plötzlich die BILMAR Zentimeter neben LEVJE. Der Auslass der sirrenden Klima-Anlage ist so groß wie LEVJEs Fock. Ich schaue die stählerne Wand drei Stockwerke hinauf, auf die Brücke. Die BILMAR: 376 Tonnen Gewicht (LEVJE: 3,76 Tonnen), 43 Meter Länge (LEVJE: 9,40 Meter) und 10 Meter Breite (LEVJE: 3,05 Meter), der Eigner der BILMAR ein echt chicer Endfünfziger im feschen Marine-Style (LEVJE-Eigner: steht gerade halbnackt auf der Pier, duscht aus seinem Wasserkanister, die Shampoo-Flasche knallt zum dritten Mal aufs Pflaster).
Vielleicht ist dies ja der Zauber von Spetses, oder einer davon: Reich und arm. Eng beieinander. Zumindest für ein paar Wochen im August.

 

Old Friends – New Friends

20150828

Spanische Genügsamkeit

Es war nicht anders zu erwarten. Nathalies letzten Urlaubstage waren dann doch eher ein bisschen hektisch. Unsere spanischen Freunde Elena, Vicente und ihre entzückenden Töchter Lena und Nerena sind für zwei Nächte an Bord. Auch Jan kehrt aus Porto zurück auf die MARLIN. Leider zieht grade eine Front zur gleichen Zeit über Bayona durch und lässt die MARLIN ordentlich am Anker ziehen. Neun Freunde in der MARLIN. Da geht ordentlich die Party ab. Wir kochen, essen fürstlich, spülen, schlafen, kochen, essen fürstlich… Zwischendurch versuchen wir dem verregneten Bayona seine Schönheit abzugewinnen. Klar, dass sonst nichts geht auf der MARLIN. Aber es ist total schön. Immer wieder gerne.

Jetzt sind alle weg. Unsere Freunde, meine Familie. Nur Jan ist noch da und die Sonne kommt raus. Is klar. Kein Wind. Heute Abend gehen wir mit dem deutschen Seglerklan in die Stadt, feiern noch mal ordentlich, bevor es weiter geht nach Süden. In Faro nehmen wir in ein paar Tagen neue Mitsegler auf.

 


Nächste Abfahrtmöglichkeit mit der MARLIN: Derzeit ist fast alles dicht bis September. Dann geht es von Faro nach Madeira. Da sind wieder Plätze frei und von Madeira zu den kanarischen Inseln. Im Oktober kannst Du noch auf den Kapverden mitsegeln. Die Atlantiküberquerung ist ausgebucht. www.marlin-expeditions.com

 

Extended Familienurlaub

20150823

13 Stockwerke

Nathalie hat heute Abend auf ihr iPhone geschaut. „Wow! 13 Stockwerke habe ich heute erklommen!“ Ich starre sie ungläubig an. „Wir waren doch gar nicht wandern!“ „Dafür haben die MARLIN und wir bis zu 40 Knoten Wind am Ankerplatz abgewettert. Das iPhone interpretiert das Rauf und Runter der MARLIN wohl als Treppensteigen.“ Wir sind heute alle etwas genervt von diesem Tief, was vollkommen untypisch für diese Jahreszeit von Süd nach Nord Richtung La Coruna durchzieht. Nicht nur Rock & Roll sondern auch viel Regen steckt da drin.

Die Tage davor haben wir hauptsächlich mit Wandern und Sight-Seeing auf der Insel Ons verbracht. Dazu gab es viel Sonnenschein. Also ist das mit dem einen Tag Regen schon vollkommen o.k. Ich habe einen Knoten in der rechten Hand. Schreibfehler. Zu viele Sachen, dass mir die Muße fehlt zu schreiben. Familie an Bord ist komplett anders als Mitsegler an Bord. Schön ist beides, in beiden Fällen bleibt mehr an wichtigen Sachen liegen, als der Skipper das gerne hätte. Aber nicht genug. Morgen sehen wir unseren alten Freund Agustin hier aus Pontevedra, am Dienstag geht es weiter auf die Insel Cies, Mittwoch bekommen wir Besuch in Baiona von unseren Freunden Elena und Vicente und Kindern aus Valencia. „Gut das das nicht alles meine Freunde sind“, meint Nathalie nur ironisch.

Zumindest habe ich den Regentag genutzt um für Kunde Dani seinen MACmini zum 12V Bordrechner umzubauen. Das war gar nicht so einfach, denn Apple hat sein Modell „Late 2014“ nicht nur mit ganz besonderen Schrauben ausgestattet, sondern noch ein paar anderen Tricks um Modifikationen zu verhindern. Aber es hat geklappt. Dani: „Dein Bordrechner läuft. Am liebsten würde ich ihn hier behalten. So schnell ist das Teil. Mega!“

 


Nächste Abfahrtmöglichkeit mit der MARLIN: Derzeit ist fast alles dicht bis September. Dann geht es von Faro nach Madeira. Da sind wieder Plätze frei und von Madeira zu den kanarischen Inseln. Im Oktober kannst Du noch auf den Kapverden mitsegeln. Die Atlantiküberquerung ist ausgebucht. www.marlin-expeditions.com

 

Die vergessenen Inseln: Monemvasia. Am Tag.

Übers Meer sind es nach Monemvasia nur drei Stunden vom Ak Maleas, dem Kap der Stürme, der Südost-Spitze des Peloponnes. Und von Kithira im Süden acht. Und von Kreta 18. Monemvasia, der Felsen mitten im Meer mit der Stadt, über den ich gestern schrieb, liegt günstig, gleich ob man von Ost nach West oder Nord nach Süd will. Entsprechend groß ist auch der Traffic auf dem Meer. Tanker die kreuzen. Containerschiffe, die am Ak Maleas den Kurs ändern, Kreuzfahrtschiffe auf dem Weg vom Bosporus nach Olympia. Es lohnt sich, an dieser Ecke die App von MARINETRAFFIC laufen zu lassen, um auf dem iPAD zu sehen, wer da gerade wohin will, um zu vermeiden, dass LEVJE und ich gerade dumm im Weg irgendeines dahinrauschenden Ozeanriesen herumstehen.
                                                          Weiterlesen bei: Monemvasia. Die Nacht am Meer. Hier.
                                                          Weiterlesen bei: Kithira. Wo Aphrodite dem Meer entstieg. Hier.
Der Fels von Monemvasia: Keine zwei Kilometer lang und wohl nur ein Viertel so breit. An der Südseite, wo der Hang mit 45 Grad ins Meer abfällt: da bauten die Byzantiner ihre Stadt, die an dieser Stelle sicher nicht die erste war. Und sie nannten sie „Moni Emvasi“, „Einziger Zugang“, denn auf die Insel kam man nur über eine 14bogige Brücke, ich schrieb im gestrigen Beitrag darüber.
Vom Meer hinauf zur Felswand sicherten sie ihre Stadt „Moni Emvasi“ mit Stadtmauern, die steil vom  Meer hinaufsteigen. Und ganz oben, auf der Krone, dem Plateau des Felsens, mit einer Festung, die nur über einen einzigen Weg zugänglich ist. Und wüßte ich nicht ganz genau, dass „Helm’s Klamm“ in Tolkien’s HERR DER RINGE ganz woanders liegt: Ich würde hier, genau hier denken: Ich stünde davor, so verschlungen, so verschachtelt, so uneinnehmbar mutet auch heute noch der Zugang an.
Eine Weile war „Moni Emvasi“ Dreh- und Angelpunkt in den Plänen der frühen Byzantiner, das römische Reich zurückzuerobern von den Horden der Völkerwanderung, denen kein Limeswall und kein Alpenkamm zu hoch war, um nicht aus allen Ecken über das römische Europa hereinzubrechen. Was den Peloponnes, was Süditalien anging, gingen diese Pläne zunächst auf. Aber bald war Byzanz zu kraftlos, geschwächt in innere Zwistigkeiten verstrickt und konnte nicht einmal Monemvasia vor weiterer Verwüstung und Verheerung bewahren. Die Stadt war auf sich allein gestellt, bis sich Venedig der Felseninsel im 13. Jahrhundert annahm, nicht uneigennützig, wie immer, und nur bedacht, was sein Reich auf dem Meer, den „Stato da Mar“ von der Adria bis zum Bosporus mehren und sichern könnte.
Die Stadt unter dem rötlichen Felsen gedieh. Monemvasia verlieh dem wichtigsten Mittelalterlichen Wein seinen Namen, er hieß  nur „Malvasier“, weil er hier verladen und nach Nordeuropa verschifft wurde. Venedig baute Kirchen in Monemvasia, noch heute steht fast eine an der anderen und sei es nur als Ruine. Selbst, als die Stadt dann öfter den Besitzer wechselte und von den Venezianern an die Türken und von den Türken wieder an die Venzianer und wieder zurück ging: die Kirchen blieben, als wollte man den heidnischen Geist ausräuchern an jeder Ecke mit Weihwasser und Weihrauch und Sanctus.

Monemvasia: ein Ort der verwinkelten Gassen, in denen man sich leicht zurecht findet, weil die Stadt auf steilem Grund steht: Der Stadtplan kennt nur „nach rechts“, „nach links“, „nach oben“, „nach unten“: ein Labyrinth, das keines ist, die winkeligen Wege führen von Kirche zu Kirche. In der kleinen Basilika sitze ich ein Weilchen. Es war ein traumhafter Moment letztes Jahr: Die alte Küsterin, die die abgebrannten Bienenwachskerzen einsammelte, summte leise, leise einen gregorianischen Choral, ein leises Summen, das im Tonnengewölbe hallte, der Schlag eines Schmetterlingsflügels hier in der Kirche gegen den Lärm der Welt. Wenn ich ehrlich bin: wollte ich ja nur das wieder erleben. Aber wir sind ein Jahr weiter. Die Welt: Sie ist nicht stehengeblieben, sie hat sich weitergedreht. Statt der alten Küsterin ist es nun eine junge Frau, die die Bienenwachs-Kerzen, kaum dass sie entzündet, wieder herausnimmt und wegwirft. Als ich sie frage, nach der alten Frau, mehrfach, versteht sie mich nicht. So bleibt mir nur, für die alte Küsterin mit dem Choral zu beten, dass die Welt es gut gemeint hat mit ihr.
Und vielleicht ist es ein bisschen so auch mit Monemvasia heute: Die Stadt, sie verjüngt sich ständig. Der gelungene Relaunch einer Stadt, die noch vor 40 Jahren von Altern und Aussterben bedroht war, weil gerade noch ein paar Handvoll Leuten in den alten Mauern lebte. Heute: Einladende Hotels, kleine Bars, alles geschmackvoll, selbst die Kreuzfahrtschiffe ankern wieder auf der Reede und bringen mit kleinen Rettungsbooten im Pendelverkehr ihre Gäste an Land, auf die Felseninsel.
Mich aber treibt es aus den Mauern hinaus, auf abgelegene Wege, uralt, von wem auch immer zwischen den Felsen mit Meisseln hindurch geschlagen. Es ist ein alter Weg, der aus dem westlichen Stadttor genau unter dem Felsen entlang in die Abendsonne führt. Wieder einmal streift mein Fuß über Unmengen von Tonscherben, 1.500, 2.000, 3.000 Jahre, die da vor mir auf dem heute selten benutzten Weg liegen.
Der felsige, alte Weg im Abendlicht, hoch über dem Meer, ich könnte ihn ewig gehen in meinen Flipflops im Licht des Abends. Und bevor ich jetzt schon wieder in Jubel ausbreche: Wie schön die Felseninsel im Licht der untergehenden Sonne aussieht, verweise ich jetzt einfach auf meinen letzten Post. Denn der handelt ja nur von einem: Wie sie aussieht, die vergessene Insel: Wenn die Nacht hereinbricht. Über Monemvasia.
_________________________________________________________________________________

Vom Autor von MARE PIU: 
Ein Mann verliert seinen Job.
Aber statt zu resignieren, begibt er sich einfach auf sein kleines Segelboot.
Und reist in fünf Monaten: Von München nach Antalya.


_________________________________________________________________________________


Wer keinen Post von Mare Piu versäumen und  jeden neuen Artikel gleich bei Erscheinen erhalten will: 
                             1. Einfach E-Mail-Adresse oben rechts bei „News & neue Artikel… eintragen“. 
                             2. Bestätigungsmail von FEEDBURNER abwarten.

                             3. Den Link im FEEDBURNER-Mail einfach anklicken. Fertig.



Die vergessenen Inseln. Monemvasia. Eine Nacht am Meer.

Zu den schönsten unter den vergessenen Inseln gehört ganz sicher Monemvasia vor der Ostküste des Peloponnes. Ein Felsen, der im Meer liegt, an den sich eine mittelalterliche Stadt schmiegt, jahrhundertelang nur erreichbar über eine Brücke, deren Mittelteil aus Holz bestand und das die Einwohner im Gefahrenfall einfach hochzogen. Und damit war die Insel – wieder eine Insel.
 
Das ging so, bis die Insel um die Jahrhundertwende verwaiste. Und 1971 gerade noch 31 Einwohner zählte. Heute ist Monemvasia wieder „in“: Cafes, Galerien, Tavernen haben in den alten Mauern geöffnet, die Straße entlang des Felsens hoch zur autofreien Stadt ist vollgeparkt bis in die Nacht. „Wir sind nichts ohne ihn“, sagt die Besitzerin der Taverne, die eigentlich aus Kanada stammt, aber seit Jahren hier in der Heimat ihrer Eltern glücklich ist, und deutet mit dem Kopf hinüber ins Dunkel zum Felsen, zur alten Festung von Monemvasia.
Womit wir dann auch beim Thema wären: Der Nacht über Monemvasia. Wenn die Sonne hinter den Bergen des Peloponnes versinkt, dann werfen die Berge ihre Schatten auf den Felsen von Monemvasia. Sie klettern höher und höher am Felsen von Monemvasia, bis die Insel schließlich vollkommen im Dunkel liegt.
Das geht ganz schnell – es dauert keine halbe Stunde vom ersten Schatten am Fuß des Felsen bis zum letzten Zipfelchen Abendröte oben.
Wenn die Nacht fällt, im Sommer, am Meer: Das ist kein gleichmässiges Verdunkeln des Himmels, wie wenn man eine Lampe herunterdimmt. Dämmerung – das ist ein Theaterstück in mehreren Akten. Da gibt es schnelle Akte und dramatische. Und langsame.
Schnell liegt der Felsen im Schatten. Aber dann liegt er lange, lange im Abendlicht, ein schartiger Klotz vor hell erleuchtetem Abendhimmel, während unten, in den Häusern, die ersten Lichter angehen.

 

Vielleicht ist dies das Beständigste an einem Sommerabend am Meer: Wie lange der Himmel sich in Helligkeit hüllt. Kein schnelles Fallen des Dunkels, als ob die Welt unter ein großes Handtuch geriete. Der Himmel: er bewahrt lange, lange sein Leuchten, auch wenn der Rest schon im Dunkel liegt.

 

Und dann, irgendwann: geht alles doch ganz schnell: Das Licht des Tages schwindet. Die Lichter der Nacht kommen: Die Lichter des kleinen Vorortes, die Lichter der Tavernen, die die Nacht zum Tag machen und die der Fels und das Meer von Monemvasia begierig spiegeln, fast wie ein Feuer. Und: die Sterne im tiefen Dunkelblau über uns.
Die Nacht am Meer: Ein Schauspiel.

 

Beinah in die Luft geflogen – und dann überfahren

Die USA sind nun wahrlich kein Fußgängerland. Auch mit Bussen und Bahnen hapert es hierzulande überall. Großstädte wie New York oder Washington DC haben gute öffentliche Verkehrsmittel – aber wer hier auf dem Land von A nach B will, hat keine…

Schönes Schiff unter blauem Himmel

20150818

Dauersonne

Mein Versprechen gilt. Sonne habe ich meinen Damen versprochen. Und das nicht nur einen Tag. So soll es sein. Blauer Himmel, angenehme 20° und ein stetiger Wind aus Nord. Das mag auch die MARLIN und vor lauter Entspannung komme ich kaum dazu die Tasten zum Schwingen zu bringen. Urlaub. Meine Kinder wollen mit mir lieber an den Strand, als das ich in die Glotze gucke.

Jan hat es geschafft, hat seinen Rucksack geschultert und Bootflucht begannen. Ziel unbekannt. Jetzt haben wir den Salat: Alle vermissen Jan. Besonders Lena. Kleines Herz – Große Liebe. So kann es gehen auf Schiffen. Man gewöhnt sich schneller als man denkt aneinander.

Dafür haben wir endlich Erika & Erich kennengelernt. Erich fährt mich durch die Stadt. An der Tankstelle soll es Gas geben. Autogas brennt auch. Die sollen eine Kiste mit Adaptern haben. Haben sie auch und sind auch gewillt meine Flaschen zu füllen. Aber den amerikanischen haben sie nicht. War klar. Julio soll helfen. Der hat eine Drehmaschine und meint bis morgen früh einen Adapter für uns zu machen. 25 Tacken. Geht. Kommt dann zu meiner Gas Adaptersammlung. „Bist Du Dir sicher, dass Du den morgen früh fertig hast? Soll ich noch mal anrufen, bevor ich komme?“ Julio schaut mich ganz entsetzt an: „Nein, Du brauchst mich nicht anrufen. Der ist morgen früh fertig.“ OK. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren.

Zurück auf dem Schiff ist keiner das. Ausgeflogen. Jetzt bin ich ganz einsam und verloren. Na gut. Siesta! Schlafen ist Teil der Entschleunigung. Geht immer. Dann geht es in den Supermarkt. Ein Pulpo, Zutaten für Albondigas, Gambas, Piperones… Das volle Programm. Erich und Erika kommen zum Abendessen. Also stelle ich mich in die Küche un mache meinen ersten Pulpo Gallego. Neben den Albondigas in Tomatensoße ist der Pulpo der Hit! Davon kommen noch zwei in den Tiefkühler für die Atlantiküberquerung! Auf jeden Fall. Meine abendliche Gäste sind begeistert. Erika meint sogar, dass meine Aioli, an der ich mir seit drei Tagen den Arm verdrehe, auf jeden Fall so bleiben kann. Ich finde die noch etwas verbesserungswürdig. Da muss ich noch mal irgendwo in die Lehre gehen. Nachteil der ganzen Sache. Der neu erstandenen Neopren Anzug sitzt verdammt eng. Leben wie Gott in Spanien.

 


Nächste Abfahrtmöglichkeit mit der MARLIN: Derzeit ist fast alles dicht bis September. Dann geht es von Faro nach Madeira. Da sind wieder Plätze frei und von Madeira zu den kanarischen Inseln. Im Oktober kannst Du noch auf den Kapverden mitsegeln. Die Atlantiküberquerung ist ausgebucht. www.marlin-expeditions.com