Monatsarchive: Mai 2015

SV SantaPaz – Lucas Tauil de Freitag Brazil

SV Santapaz.com

WELTUMSEGELUNG IN BILDERN und MIT KINDERN
Man muss die Sprache nicht verstehen, denn wenn professionelle Fotografen auf Weltreise gehen, sprechen die Bilder die beste Sprache. HIER SIND SIE ZU SEHEN

SV Tamata – Kate MacBain + Matt Lansdown US

WindPilot from Kate MacBain on Vimeo.

Schritt für Schritt zum Soundtrack

Und wieder geht eine arbeitsreiche und abwechslungsreiche Woche zu Ende. Ich habe meine Songs ja schon bereits einmal als meine Kinder beschrieben. Ich habe sie auf die Welt gebracht und nun werden sie erwachsen und ich muss sie ziehen lassen. Und eines dieser Kinder wollte unbedingt Seemann werden. So einer wie Hans Albers oder Freddy Quinn aus den 50ern. Das war eigentlich nicht so gedacht und hat mich selbst überrascht, aber was soll man machen. Der Name „Pure Lonesome Cowboy“ wurde auf „Der einsame Seemann“ geändert und es soll natürlich  alles mit auf den Weg mitbekommen, was es  in der Zukunft brauchen könnte. Und dazu gehört nun mal auch ein Akkordeon. Und so bekam ich Anfang der Woche diese Aufnahme von Uwe Steger, einer der besten mir bekannten Akkordeonisten, zugeschickt. Und war sofort begeistert. Mit dem Akkordeon und der Stimme von John Barron ist der Song einfach perfekt umgesetzt. Ich hätte nie gedacht, das ich mal so einen Titel in die Welt setze, aber was soll man machen. So wie er geworden ist, ist er schlicht perfekt!!
  Video zum Beitrag
Der nächste Tag ist für meine aufsässigen Kinder. Die Rock’n’Roller und Rebellen, denen seit jeher mein Herz gehört. Also machte ich mich auf den Weg vor die Tore Hamburgs zu Mr. Rock’n’Roll persönlich. Jürgen „Das Brett“ Gleba, gerade zurückgekehrt aus den Südstaaten der USA. Vintage, wohin das Auge blickt. Amps, Gitarren und Effekte; nichts ist hier neu oder von der Stange. Selbst das Aufnahmemikro ist ein uralter Klassiker. Und genau diesen Schmutz brauche ich noch für meine fast noch zu sauberen Racker. 
Jürgen Gleba
Und wieder einen Tag später das volle Kontrastprogramm. Der Saxophonist Michael Prott hat die lang ersehnten Arrangements für die Bläsersätze zweier Songs geschickt. Nächste Woche nehmen wir mit einer richtigen Bläsersection auf und das muss gut vorbereitet sein. Also wühlte ich mich durch Notenblätter und rief mir die Theorie der Notation transponierender Instrumente wieder ins Gedächtnis (mein Musikleistungskurs für Abitur liegt doch einige Jahrzehnte zurück). Und programmierte Noten in die Audioworkstation um die Bläsersätze auch „wie in echt“ hören zu können. Ich bin begeistert. Michael hat sich da richtig etwas einfallen lassen. Denn eines meiner Kinder träumt von Mexico, ein weiteres wäre gerne ein Teenie zu den Anfängen der Motown Ära in den Sixties. Und beide brauchen natürlich dringend die Bläser; ach ja und mein Möchtegern-Jamaicaner möchte davon auch noch etwas abhaben. So habe ich mich dann einmal selber an mein erstes Bläserarrangement gemacht…bin gespannt, ob man es mir um die Ohren haut.

Jetzt ist erstmal Wochenende und ich spiele am Samstag, ab 1900h auf dem Folkeboottreffen in Arnis und am Sonntag, ab 1900h im Weinland Waterfront am Hamburger Hafen, um auch mal wieder vor die Tür zu kommen.
Am Montag geht es dann im Studio weiter. Mit Mr. Bluesharp Christian Hönniger persönlich um meinen melancholischen Kindern etwas Blues mit auf den Weg zu geben. Und am Mittwoch spielt mir der Celllist Rolf Herbrechtsmeyer ein paar Takte für einen Romantiker unter den Gören. Abends singt dann Andreas Pappert einen Song und wird damit der vierte Sänger auf dem Soundtrack….ich freu mich drauf. Donnerstag geht es weiter mit Akustikgitarren und den besagten Bläsersätzen. Freitag und Sonntag sind voll mit Aufnahmen der Backgroundvocals von Kati und Mario. Dann heisst es ein paar Tage durchschnaufen, bevor Caro den letzten Aufnahmetag der Produktion mit weiteren Backgroundvocals beschliesst und ich definitv ein paar Tage auf das Wasser muss um zu entspannen. Ein Tag auf dem Wasser fühlt sich dabei immer noch an wie drei Tage Urlaub.

 Christian Hönniger
Rolf Herbrechtsmeyer

Dann fehlt nur noch ein Gitarrensolo von Daniel Palmquist aus Schweden, ein Vocaltrack aus Australien, weitere Gitarren aus dem Studio von Olli Sparing und ein paar Keyboardtracks vom Reggae-Spezi Sebastian Stank und dann, ich mag es kaum glauben, ist in der Tat alles aufgenommen!! Ein großer, großer Schritt auf dem Weg zum Soundtrack ist damit getan. Es muss dann nur noch gemischt und gemastert werden, aber das Jurik Maretzki gut im Griff, so daß ich es sicher geniessen kann.
 Daniel Palmquist
Das Ganze ist natürlich ein Riesenberg Arbeit, aber ich habe mich auch lange nicht mehr so lebendig und kreativ gefühlt. Das Erlebnis etwas Neues zu erschaffen und wachsen zu sehen ist einzigartig. Und es entsteht nicht einsam vor der Schreibmaschine sitzend, sondern immer mit anderen Musiker zusammen. Und jeder fügt dabei einen Teil von sich dem Ergebnis hinzu. Coole Sache. Mein Dank geht daher auch an alle bisher involvierten Musiker (ich hoffe ich habe niemanden vergessen).
Merih Aktoprak
Caro Leuzinger
Kati Schulmann Reisener
Karen Adolf
Oliver Steinwede
Yorck Mennich
Michel Grimm
Ralf Hartmann
Michael Prott
Nicolas Boysen
Sebastian Stank
Jochen Topp
Dara McNamara
John Barron
Uwe Steger
Mario Schulmann
Thomas Wolff
Oliver Sparing
Daniel Palmquist
Christian Hönniger
Mickey Wolff
Andreas Pappert
Peter Caulton
Jürgen Gleba
Kai Wiener
Rolf Herbrechtsmeyer
Jurik Maretzki

Ankerfall in Spitzbergen – Longyearbyen

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Kaiserschmarrn um 2 Uhr nachts

Wir haben es geschafft. YEAH! Wir sind angekommen. Wir haben überlebt. Wir haben es geschafft. Wir sind die Helden. Als Belohnung zaubert Bene Kaiserschmarrn und zieht eine Flasche Talisker Skye aus der Manteltasche. „Bene – Du darfst immer wieder kommen!“

Jetzt geht es um nichts mehr als endlich mal wieder horizontal zu schlafen und nicht an die Bordwand gedrückt zu werden. Aber erst heben wir noch einen. Morgen ist Samstag. Feiertag. Dann schauen wir aus dem Fenster und gehen den Eisbären suchen.

 


Der Zug nach Spitzbergen ist ohne Dich abgefahren. Ätsch!… Bene ist dabei. www.sy-marlin.de/mitsegeln

 

 

Menschen am Meer: Feisal, der Fischausnehmer auf dem Fischmarkt vonFethiye. Oder: Wie man seinen Job mit Würde macht.

Mitten im bunten Lichtermeer des Fischmarkts von Fethiye hat auch Feisal seinen kleinen Fischstand. Eigentlich übersieht man Feisals Stand leicht, denn ganz in der Mitte ist der große Stand, das Rondell, aus dem heraus 20 Fischverkäufer aus 14 Ständen heraus dem Besucher ihre Waren lauthals anbieten, die der Kunde dann ein paar Meter weiter in ein Restaurant seiner Wahl zur Zubereitung trägt – ich schrieb darüber.
                                           Weiterlesen bei: Wie der Zackenbarsch doch noch auf den Grill kam. Hier.

Feisal also hätte ich fast übersehen an seinem kleinen Stand. Seine Auslage ist kleiner, und er und sein Helfer sprechen auch die unschlüssigen Käufer nicht an wie die übrigen Fischkäufer. Feisal kann warten. Und im Übrigen: hat Feisal immer etwas zu tun, im Gegensatz zu den Fischverkäufern, die ihr Geld mit guten Worten machen. Und dazwischen auf iPhone oder Zigarettenschachtel kucken.
Feisal ist Fischausnehmer. Den ganzen Abend über bringen ihm die Restaurants die Fische herüber, die die Kunden bei den Fischhändler gekauft haben. Im Minutentakt steht ein Küchenhelfer an Feisals Stand, stellt ihm wortlos eine hellblaue Tupperschüssel hin mit etwas drin, was bloß totes Tier und noch nicht Tafelfreude ist. Wortlos nimmt Feisal die Tupperschüsseln an, mal ist es eine Dorade, mal drei Wolfsbarsche, mal 15 riesige Garnellen. Wortlos weiß Feisal, was zu tun ist: Er nimmt aus, er filettiert, er schneidet in Scheiben, tranchiert, häutet, säubert, zerlegt. Entgrätet, entschuppt. Woher Feisal eigentlich weiß, wann er nur schuppen und ausnehmen, wann er filettieren muss, blieb mir an dem langen Abend, an dem ich ihn beobachtete, ein Rätsel. Worte fallen an seinem Stand wenige. Feisal ist beschäftigt. Vielleicht gibt es ja ein geheimes Signal, die Art und Weise, wie der Fisch in der Tupperschüssel liegt, die Feisal mitteilt, was diesmal zu machen ist. Vielleicht ist es aber auch so: Man kennt sich, Feisal und die Jungs aus den Restaurants.

Feisal ist konzentriert und mit Freude bei der Arbeit. Eigentlich ist es keine schöne Arbeit. Feisal hat die Hände stundenlang in eiskaltem fließenden Wasser. Den glitschenden Fischen die Gedärme aus dem Leib nehmen, ist ebenso wenig jedermanns Sache wie im eisigen Geglitsche kraftvoll mit scharfem Stahl zu hantieren. Doch Feisal macht es mit einer Kunstfertigkeit und Hingabe, die den Betrachter überrascht. Allein das scharfe Messer hält Feisal in gefühlt 22 verschiedenen Positionen in der Hand, je nachdem, ob er ausnimmt, schuppt, entgrätet oder filettiert: je nach Zweck liegt das Messer anders in seiner Hand. Es geht Ritsch-Ratsch, während Feisals Blick langsam über den Markt schweift, die Bewegungen kommen automatisch, er muss gar nicht mehr hinsehen, was er macht, die Bewegungen, in denen das scharfe Messer an der Hand vorbeigeht, sind lange trainiert. All dies erinnert mich an die beiläufig geübte Kunstfertigkeit, mit der venezianische Gondoliere die Gondola rudern. Es sieht einfach aus, ist aber sehr schwierig.

                                                                     Weiterlesen bei: Wie man eine Gondola rudert. Hier.
                                                                     Weiterlesen bei: Beim Meister der Forcòla. Hier.

Hinzu kommt, dass Feisal ja auch gar nicht wie ein Kellner, sondern wie ein König an seinem Stand steht und seine Arbeit verrichtet. Feisal trägt ein teures Hemd, eine geschmackvolle Cordhose und feine, hellbraune Slipper. Was er trägt, ist ein feiner Hinweis darauf, dass alles, was er macht, mit Bewußtsein macht, in jedem Augenblick bewußt tut. Schürze benutzt Feisal keine. Irgend so ein pseudo-praktisches, degradierendes Arbeitshosen-Etwas mit absurd vielen Taschen wäre fehl an ihm. Er hat die Ärmel seines Hemdes einfach aufgekrempelt, sauber und macht seine Arbeit. Und trotzdem: So sehr auch die Schuppen beim raschen Streifen des Messers in hohem Bogen umherfliegen mögen, so sehr auch Wasser und Fisch-Spritzer beim Ausweiden herumfliegen: Keine Schuppe landet auf Feisals Hemd, kein Fleck ist auf Feisals Cordhose, kein Tropfen fällt auf Feisals Slipper. Unverletzt und ohne Narben sind die gepflegten Hände.
Wie lange er das denn schon mache, frage ich Feisal. Über 32 Jahre, sagt er. Eigentlich sei er Fischer gewesen, aber irgendwie hätten sie halt auf dem Fischmarkt einen Fischausnehmer gebraucht, und so sei er halt Cleaner geworden. Als ich Feisal frage, wieviele Fische er denn in seinem Leben schon ausgenommen habe, stutzt er. Das habe er sich nie überlegt. Er weiß auch nicht, wieviele Fische er an einem Abend in der Hand hat, als ich versuche, mit ihm eine kleine Hochrechnung über sein Lebenswerk anzustellen. 16, schätzt er. Aber die habe ich alleine in der letzten halben Sunde schon gezählt. Wie merkwürdig, dass Feisals Können so gar nichts mit Zahlen und Mengengerüsten zu tun hat. Feisal macht einfach bewußt. Jeden Tag. An seinem kleinen Stand auf dem Fischmarkt von Fethiye, vom Nachmittag an, jeden Abend fast bis Mitternacht. Und, wie Feisal schmunzelnd sagt, noch zehn Jahre lang. 
Wer also will: der kann Feisal, den Fischausnehmer also noch eine zeitlang beobachten. Auf seinem kleinen, unscheinbaren Fischstand auf dem Fischmarkt von Fethiye.

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Menschen am Meer: Feisal, der Fischausnehmer auf dem Fischmarkt vonFethiye. Oder: Wie man seinen Job mit Würde macht.

Mitten im bunten Lichtermeer des Fischmarkts von Fethiye hat auch Feisal seinen kleinen Fischstand. Eigentlich übersieht man Feisals Stand leicht, denn ganz in der Mitte ist der große Stand, das Rondell, aus dem heraus 20 Fischverkäufer aus 14 Ständen heraus dem Besucher ihre Waren lauthals anbieten, die der Kunde dann ein paar Meter weiter in ein Restaurant seiner Wahl zur Zubereitung trägt – ich schrieb darüber.
Feisal also hätte ich fast übersehen an seinem kleinen Stand. Seine Auslage ist kleiner, und er und sein Helfer sprechen auch die unschlüssigen Käufer nicht an wie die übrigen Fischkäufer. Feisal kann warten. Und im Übrigen: hat Feisal immer etwas zu tun, im Gegensatz zu den Fischverkäufern, die ihr Geld mit guten Worten machen. Und dazwischen auf iPhone oder Zigarettenschachtel kucken.
Feisal ist Fischausnehmer. Den ganzen Abend über bringen ihm die Restaurants die Fische herüber, die die Kunden bei den Fischhändler gekauft haben. Im Minutentakt steht ein Küchenhelfer an Feisals Stand, stellt ihm wortlos eine hellblaue Tupperschüssel hin mit etwas drin, was bloß totes Tier und noch nicht Tafelfreude ist. Wortlos nimmt Feisal die Tupperschüsseln an, mal ist es eine Dorade, mal drei Wolfsbarsche, mal 15 riesige Garnellen. Wortlos weiß Feisal, was zu tun ist: Er nimmt aus, er filettiert, er schneidet in Scheiben, tranchiert, häutet, säubert, zerlegt. Entgrätet, entschuppt. Woher Feisal eigentlich weiß, wann er nur schuppen und ausnehmen, wann er filettieren muss, blieb mir an dem langen Abend, an dem ich ihn beobachtete, ein Rätsel. Worte fallen an seinem Stand wenige. Feisal ist beschäftigt. Vielleicht gibt es ja ein geheimes Signal, die Art und Weise, wie der Fisch in der Tupperschüssel liegt, die Feisal mitteilt, was diesmal zu machen ist. Vielleicht ist es aber auch so: Man kennt sich, Feisal und die Jungs aus den Restaurants.

Feisal ist konzentriert und mit Freude bei der Arbeit. Eigentlich ist es keine schöne Arbeit. Feisal hat die Hände stundenlang in eiskaltem fließenden Wasser. Den glitschenden Fischen die Gedärme aus dem Leib nehmen, ist ebenso wenig jedermanns Sache wie im eisigen Geglitsche kraftvoll mit scharfem Stahl zu hantieren. Doch Feisal macht es mit einer Kunstfertigkeit und Hingabe, die den Betrachter überrascht. Allein das scharfe Messer hält Feisal in gefühlt 22 verschiedenen Positionen in der Hand, je nachdem, ob er ausnimmt, schuppt, entgrätet oder filettiert: je nach Zweck liegt das Messer anders in seiner Hand. Es geht Ritsch-Ratsch, während Feisals Blick langsam über den Markt schweift, die Bewegungen kommen automatisch, er muss gar nicht mehr hinsehen, was er macht, die Bewegungen, in denen das scharfe Messer an der Hand vorbeigeht, sind lange trainiert. All dies erinnert mich an die Kunstfertigkeit, mit der venezianische Gondoliere die Gondola rudern. Es sieht einfach aus, ist aber sehr schwierig.

Hinzu kommt, dass Feisal ja auch gar nicht wie ein Kellner, sondern wie ein König an seinem Stand steht und seine Arbeit verrichtet. Feisal trägt ein teures Hemd, eine geschmackvolle Cordhose und feine, hellbraune Slipper. Was er trägt, ist ein feiner Hinweis darauf, dass alles, was er macht, mit Bewußtsein macht, in jedem Augenblick bewußt tut. Schürze benutzt Feisal keine. Irgend so ein pseudo-praktisches, degradierendes Arbeitshosen-Etwas mit absurd vielen Taschen wäre fehl an ihm. Er hat die Ärmel seines Hemdes einfach aufgekrempelt, sauber und macht seine Arbeit. Und trotzdem: So sehr auch die Schuppen beim raschen Streifen des Messers in hohem Bogen umherfliegen mögen, so sehr auch Wasser und Fisch-Spritzer beim Ausweiden herumfliegen: Keine Schuppe landet auf Feisals Hemd, kein Fleck ist auf Feisals Cordhose, kein Tropfen fällt auf Feisals Slipper. Unverletzt und ohne Narben sind die gepflegten Hände.
Wie lange er das denn schon mache, frage ich Feisal. Über 32 Jahre, sagt er. Eigentlich sei er Fischer gewesen, aber irgendwie hätten sie halt auf dem Fischmarkt einen Fischausnehmer gebraucht, und so sei er halt Cleaner geworden. Als ich Feisal frage, wieviele Fische er denn in seinem Leben schon ausgenommen habe, stutzt er. Das habe er sich nie überlegt. Er weiß auch nicht, wieviele Fische er an einem Abend in der Hand hat, als ich versuche, mit ihm eine kleine Hochrechnung über sein Lebenswerk anzustellen. 16, schätzt er. Aber die habe ich alleine in der letzten halben Sunde schon gezählt. Wie merkwürdig, dass Feisals Können so gar nichts mit Zahlen und Mengengerüsten zu tun hat. Feisal macht einfach bewußt. Jeden Tag. An seinem kleinen Stand auf dem Fischmarkt von Fethiye, vom Nachmittag an, jeden Abend fast bis Mitternacht. Und, wie Feisal schmunzelnd sagt, noch zehn Jahre lang.
Wer also will: der kann Feisal, den Fischausnehmer also noch eine zeitlang beobachten. Auf seinem kleinen, unscheinbaren Fischstand auf dem Fischmarkt von Fethiye.

Angekommen an der Südküste Spitzbergens

 

Hochgefühl

Gemäß Fahrplan erreichen wir nach 72 Stunden die Südküste Spitzbergens. Der Wind ist binnen einer Stunde wie ausgeschaltet. Murmel aus dem Eis Meer. Verwandlungskünstler Natur. Gespickt mit Papagei Tauchern die auf den Packeis rund um uns herum sitzen. Skurrile Eisfiguren bilden sich aus dem Eis, dass der Ostwind aus den Fjorden in die Küstenregion rausgeblasen hat. Vorsichtig versuchen wir einen Weg Richtung Longyearbyen zu finden. Es ist Mitten in der Nacht und tageshell. Tag und Nacht wird hier endgültig zu einem. Wir sind still, beeindruckt, von dem Bergen am Horizont vom Himmel, dem Eis und einfach der Tatsache, dass wir es geschafft haben. Wir sind jetzt hier.

In den letzten 24 Stunden hat es noch einmal ordentlich aufgefrischt. Der Wind in Böen mit bis zu 30 Knoten und einer hohen Welle, Schnee statt Regen. Den Grund für das Wasser kann ich nicht finden. Alle Aggregate sind o.k. Keine Schäden. War wohl ein bisschen zu schräg und das Wasser ist durch die Lenzrohre und die Bilgenpumpe übergelaufen. Kann man absperren. Jetzt weiß ich warum. Sonst nur kleine Schäden. Ein Deckenpanel hatten wir noch nicht gesichert und es ist runter gefallen. Meine Bettkante hat meinem stämmigen Gewicht in einer Schleuderbewegung nicht standgehalten und muss neu ein geleimt werden. Alle Schäden also in Grenzen. So. Ich hab gleich Wache. Jetzt muss ich erst einmal noch eine Stunde schlafen, bevor ich die MARLIN am Packeis vorbeimanövriere.

 


Der Zug nach Spitzbergen ist ohne Dich abgefahren. Ätsch!… Bene ist dabei. www.sy-marlin.de/mitsegeln

 

 

Frauensache

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das folgende Thema eher Frauen interessiert als Männer. Noch nie hat mich ein Mann gefragt, ob ich mir vor dem Törn meine Haare abschneiden werde, da sie sicher verfilzen würden. Wohl aber mehr als…

Vassilingalou – Vinod – St.Maarten

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CARRIBEAN CAMERA CENTER – NUR DAS BESTE FÜR DEN KUNDEN
Am frühen Morgen steigen wir in den Bus und fahren, gequetscht zwischen freundlichen, frisch in bunte Leggins gepressten Mamasitas nach Philippsburg. Große Aufregung herrscht in unseren Herzen. St. Martin sei eine phantastische Insel, hat man uns erzählt, und zollfrei sei sie auch. Dieses Zeugnis für die Beliebtheit des Zolls ist ein schlagendes Argument. Nicht nur für Handel und Steuersünder, auch für uns einfache Brüderchen, die einen jeden Silberling zehn mal wenden, bevor sie ihn aus den Fingern gleiten lassen. Sei es auch nur zurück in die eigene Tasche. Also, bewaffnet mit der Zuversicht von Kosmonauten, der endlosen Liebe für einander und der Entschlossenheit ein Vermögen von dreihundert Euro auszugeben, fahren wir zum besagten Paradies. Fünfzehn Kasinos gibt es dort, aus den Hähnen fließt Honig und Butter, eine geile Insel ist das!

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Die letzte Kurve vor der Stadt öffnet den Blick auf einen riesigen Berg Müll. Hier und da rauchend, eine ganze Lagune bequem ausgefüllt, beschäftigt der Berg viele winzige Menschen. Ihre Matchbox Maschinchen fahren hoch und runter, glätten liebevoll den Berg, pflegen ihn und geben ihm eine Vulkankegel Form. Den zwei Regierungen liegt sehr viel dran, dass auch diese Insel einen Vulkan hat. Drei der größten Passagierschiffe der Welt liegen auf der Reede von Philippsburg, der Flughafen wird im Minutentakt von den schwersten Maschinen angeflogen.

Ein buntes Gedränge empfängt uns. Aus jedem Laden tönt lautstark Musik und Gesichter aller Rassen tanzen im Blickfeld. In gehobener Stimmung, wie Heliumballons auf einer Kirmes.

Der Laden ist geräumig und die vielen Firmenlogos und Werbeposter versprechen Traumhaftes. Hinter den drei polierten Tresen – drei makellose Verkäufer. Wir richten uns an den, der gerade nicht angibt beschäftigt zu sein. Schlank und elegant, mit langen, teils beringten Fingern und samt-olivbrauner Haut. Gold gerahmte Brille über seidenem Hemd, das jede Bewegung geheimnisvoll umhüllt, steht er uns zur Verfügung. Er erkennt schnell, dass wir nicht das Geld ausgeben wollen, um das zu kaufen, was man „die erste Wahl“ nennt. So stehen wir ihm zur Verfügung, und er bringt eine hervorragende Präsentation diverser Geräte, die preis-orientiert gekauft werden. Die Spitzen seiner Finger berühren die Kameras wie Musikinstrumente. Seine Worte fließen kompetent, schnell und zielgenau wie die Schläge eines erfahrenen Boxers. Sein Atem ist so Zigaretten-schwer, dass man das Nachfragen lieber lässt.

Binnen kürzester Zeit verkauft er uns eine schicke, aber unauffällige, semiprofessionelle Kamera, die nur so nach Motiven unserer zukünftigen Reise lechzt. Der Preis sei kein Problem, meint er, und wir glauben es, denn er kommt bereitwillig auf uns zu. Für einen sehr geringen Aufschlag bekommen wir eine Ersatzbatterie und ein Ladegerät. Ah, und eine Speicherkarte besonderer Güte. Da ich die Verhandlung führe, lebt Tarzan in mir auf, und die Begeisterung in den Augen meiner Jane verleiht mir Flügel. Ich bin stolz wie ein Storch.

An der kilometerlangen Uferpromenade findet sich eine Holzbank für uns. Im windigen Schatten genießen wir ein kleines, kühles Bier, während Inga verschiedene Einstellungen der neuen Kamera ausprobiert und die ersten Fotos seit Monaten schießt. Wir sind unermesslich glücklich miteinander, laufen noch eine Weile ziellos durch die bunte Gegend und fahren mit dem Bus zu unsrem kleinen schwimmenden Paradies zurück.
Am Abend beglückwünschen wir uns zur erfolgreichen Jagd, laden die Batterie voll und erklären das gelegentliche Verlangen nach einem Neustart seitens des Photoapparats, mit seinem Wunsch sich an uns anzupassen.

Am Morgen darauf hat er sich noch nicht genug angepasst und verlangt sofort nach jedem Start einen neuen. Da Er hartnäckig nichts anderes machen will, sitzen wir im Handumdrehen im Bus nach Philippsburg. Um neun Uhr betreten wir das Carribean Camera Center und legen die eigenwillige Kamera auf den Tresen. Um halb eins verlassen wir den Laden . Ingas Augen rot vom Weinen, ich, Tarzan hin, Storch her, benebelt wie nach einem unsinnigen Alptraum, mit dem kaputten Apparat in der Hand.
Einerlei wie ich dreieinhalb Stunden argumentiert habe, hieß es:

„Sir, ich habe Ihnen gestern eine funktionierende Kamera verkauft. Sie ist bei Ihnen kaputt gegangen. Sie hat eine Verstellung der Linse. So was kann passieren. Sie, oder Ihre Frau, müssen die Kamera nur etwas unvorsichtiger abgestellt haben, das reicht. Es gibt keine Spuren von einem Schlag? Es erscheint keine Fehlermeldung? Das bedeutet nichts, es ist eine Verstellung der Linse. Leider können wir den Apparat nur einschicken und das dauert drei bis vier Monate, denn die Vertretung von Sony sitzt in Miami. Die Kosten dafür werden Sie tragen müssen, ich kann Ihnen nur beim Einschicken assistieren. Wenn der Hersteller die Schäden als Garantiefall ansieht, kriegen Sie einen Ersatz, sonst müssen Sie die Reparaturkosten tragen. Ich würde Sie gern an meinen Boss weiterleiten, aber er sitzt leider auch in Miami. Ich habe alles für Sie getan, Sir, aber jetzt ist meine Geduld auch am Ende und ich werde Ihnen auch nicht beim Einschicken helfen. Machen Sie was immer Sie wollen mit Ihrer Kamera, ich wollte Ihnen helfen, Sie wollen sich nicht helfen lassen. Hören Sie Sir, wenn Sie ein ehrlicher Mensch sind, würden Sie nach St. Martin zurück kommen, wenn Sie von Sony gehört haben. Sie würden, wenn Sie ein ehrlicher Mensch sind, zu mir kommen und sagen: Vinod, es war eine Verstellung der Linse!“

Rational denken können wir lange nicht. Schleppen uns irgendeine Straße entlang und schweigen. Es ist klar, Fotos von der Reise wird es nicht geben! Zwei besonders kräftig gebaute Ordnungshüterinnen kommen uns entgegen. Sie sind nicht von der Polizei, aber die sei nicht weit – da, hinter der zweiten Straßenecke. Meine Gedanken waren schon beim Beschwerdezentrum des Sonnensystems, aber die Polizei wird es auch tun. Schon sind wir da, legen die Quittung vor, übergeben den unglücklichen Apparat, der nicht genug Neustarts bekommen kann, erklären die Lage aus unserer Sicht. Die Beamtin hinter der Theke ist so mächtig, dass ich bezweifele, dass während ihrer Schicht noch irgendein Polizist arbeiten muss. Die Nähte ihrer Uniform arbeiten dagegen sehr hart. Dennoch schafft Sie es nicht Vinod zu überzeugen, dass er die Kamera gefälligst sofort umzutauschen hat. Das Telefongespräch dauert immerhin eine viertel Stunde und als Resultat wechselt die Gesichtsfarbe der Beamtin von dunkelbraun in auberginenlila. Inga und ich werden unverzüglich mit einem Dienst Caddy, samt zwei durchtrainierten, uniformierten Athleten an Bord, wieder zurück zum CCC gefahren. Vinods Widerstand dauert nicht lange, obwohl er es tapfer versucht. Sein Hemd ist nicht mehr so sauber und faltenfrei. Zehn Minuten später steht der Oberboss an der Tür und bietet uns an, die Kamera beim Sony Kundendienst im benachbarten Industriegebiet bis morgen checken zu lassen…

Es ist siebzehn Uhr. Wir haben etwas dazu bezahlt, aber Ingas Arbeiten und die Reisefotos werden ab sofort mit einer Canon gemacht. Unsere erste Wahl von Anfang an. Die Kamera ist klein und unauffällig, lässt aber sämtliche Einstellungen von Hand machen und ist das Nachfolgemodell von Ingas treuem alten.

„Vinod, das heute, das hättest Du uns allen sparen können!“ – sage ich zum Abschied. In seinen Obsidian-Augen sehe ich neben unermesslicher Müdigkeit, eine gerechte Antwort:
„Sir, Sie hätten es uns schon gestern sparen können.“

30.01.2015, Martinique

Cayman Island – Kiss the Stingray

ALLEIN MIT DEM STINGRAY – WIRKLICH, WIRKLICH !

Erstes Etmal 150 Meilen hoch am Wind

20150527

Traumtänzer

Als kleiner Junge mit kurzen blonden Haaren und bayrischer Lederhose bin ich gerne auf hohe Bäume geklettert. Das Problem an der romantischen Erinnerung ist, dass ich mich dann nicht mehr runter getraut habe und meine Eltern unter dem Baum standen und mich mit gut zureden wieder runter geholt haben. Spitzbergen ist auch hoch oben. Meine Eltern gibt es aber nicht mehr. Nicht das sich das zu einem Problem entwickelt.

Wir segeln recht zügig hoch am Wind und haben zwischenzeitlich die Bäreninsel querab und sind auf 77°29N und 15°49E. Das mit dem Logbuchschreiben gestaltet sich schwer, weil wir zum Teil unglaublich schräg segeln um Spitzbergen anzuliegen. Der Wind dreht ständig weiter nach Nord. Grade eben habe ich 40 Liter Wasser aus dem Motorraum gepumpt. Zum Teil Heizungswasser, also kein Salzwasser. Durch die Wachen geschwächt funktioniert mein Kopf nur sehr langsam. Ich brauche für jede Entscheidung Stunden. Alle sind wohl auf. Meine Crew schläft, während ich mit heißem Wasser und Spüli das Cockpit von dem glitschigen Glykol befreie und nachdenke wo dieses blöde Wasser denn wohl herkommt. Wir laufen im zweiten Reff Main und drittem Reff Fock, also eher etwas ausgebremst. Gestern Abend gab es eine heißes vorgekochtes Chili con Carne. Der Spruch des Tages ist: „Scheiß Schwerkraft!“ Während die MARLIN die Wellen hoch und runter tanzt werden wir aus allen gewollten Lagen in ungewollte geschleudert. Am Wind Kurs halt. So. Ich geh mal wieder denken, segeln und den Möven zugucken.

 


Der Zug nach Spitzbergen ist ohne Dich abgefahren. Ätsch!… Bene ist dabei. www.sy-marlin.de/mitsegeln

 

 

Underway to Spitzbergen

Wir tun es ja aus freiem Willen

Gestern Abend um 22:00 war es dann so weit. Nach einem vorerst letzten warmen Essen für die nächsten 24 Stunden. Wir bekommen was auf die Nase. Das war mir von vornherein klar. Aber jetzt oder vielleicht nie. „Seid ihr bereit Jungs? Die MARLIN ist klar.“ Meinen Jungs ist schummrig. Sie sind nervös wegen der bevorstehenden 600 Meilen durchs Nordmeer. Ich sehe es ihnen an. Kurz denke ich drüber nach den Anker vielleicht doch besser auf sieben Meter Grund zu lassen und mir mit Bene zwei Wochen Fjorde anzusehen. „Nein wir wollen los.“ „O.K. Dann mal tau!“

Was kommt ist kein Zuckerschlecken. Hart am Wind mit 24 Knoten scheinbaren Wind und 20° Grad Schräglage wird es sportlich. Jetzt muss ich die beiden die ersten 24 Stunden über den Berg bringen, was mir sonnenklar ist. Die Sonne hilft. Um 24 Uhr versucht sie einen tropischen Sonnenuntergang hinzubekommen mit den klassischen Aquarellfarben nass in nass. Aber es gelingt ihr nicht den Horizont zu berühren, schon geht es wieder aufwärts. Willkommen im Land des ewigen Lichtes! Zwischenzeitlich habe alle abwechselnd geschlafen. Bene sah blass und unglücklich aus. Ich habe ihn ans Steuer gestellt. Jetzt lacht er wieder und hat eine gesunde Gesichtsfarbe und steuert die 30 Tonnen Schiff durch die 3 Meter hohen Wellen, als wenn er noch nie in seinem Leben etwas anderes gemacht hätte. Arved ist auch grade aufgestanden. Das Groß steht im ersten Reff, die Genua im zweiten. Uns MARLIN macht das gut. Am Bug ist es ordentlich nass. Für die nächsten 24 Stunden ist ordentlich Wind mit BFT 5-6 angesagt. Jetzt reicht es mir aber mit dem Schreiben am Rechner.

 


Der Zug nach Spitzbergen ist ohne Dich abgefahren. Ätsch!… Bene ist dabei. www.sy-marlin.de/mitsegeln