Monatsarchive: Mai 2015

Neuer Blogeintrag auf yacht.de

Liebe Leser, wir haben in den vergangenen Wochen viele Meilen abgerissen und sind nun gestern Abend auf Exuma angekommen. Mitten in den Bahamas. Ein traumhaftes Fleckchen. Für YACHT-Online habe ich gerade zusammengefasst, was die letzten Wochen so alles passiert ist ……

SV Josi – Ingrid + Jürgen Mohns GER

Josi

METHUSALEM DER MEERE AUF HEIMATKURS
Es ist geschätzte 25 – 30 Jahre her, dass ich eine meiner ersten PACIFIC PLUS an der SV JOSI, einer MOTIVA 42, montierte. Kurze Zeit später ist das Schiff samt Brückenpersonal aus deutschen Gewässern verschwunden. Hinaus in die grosse weite Welt, haben Schiff und Besatzung seitdem der Heimat stets nur das Hinterteil gezeigt.

Vermutlich taugt die Josi zum Rekordhalter für langjährige Abwesenheit von der Heimat, denn sie kehrt erst in diesem Sommer wieder zurück.

Buch UK KopieFür mich besitzen Schiff und Eigner Symbolcharakter, weil hier beispielhaft aufgezeigt, wie überaus seetüchtig ein solides Stahlschiff im Langzeitbetrieb seinen Dienst versehen kann. Darüberhinaus haben Ingrid und Jürgen den Beweis erbracht, wie eng das Band einer Familie geknüpft und wie harmonisch die Zusammenarbeit der Generatoren in einem Familienunternehmen funktionieren kann.

Meine ganz eigene Bewunderung habe ich darin ausgedrückt, dass die JOSI zwischenzeitlich ca 1,2 millionen mal auf dem Titel meines Buches SELFSTEERING UNDER SAIL unter die Segler gekommen ist und somit weltweit verbreitet ist.

Heute erreicht mich der folgende Bericht von Ingrid und Jürgen:

Liebe Freunde,
wir sind seit dem 21.5. unterwegs von Antigua zu den Azoren und haben bis jetzt ca 400 sm zurück gelegt und noch 1770 sm vor uns. Mussten bei Ost bis OstSüdOst die meiste Zeit hart am Wind segeln, kamen aber mit ca 5kn recht gut voran. Langsam wird der Wind weniger, da wir in die berühmten Rossbreiten kommen, also Flautengebiete in ´Höhe des Azorenhochs. Wenn  wir dann nördlich davon sind, kommen wir in die Zone der wechselnden Winde. D.h. sie werden aus allen Himmelsrichtungen mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit wehen. Wir hoffen natürlich, dass sie aus allen Richtungen wehen, die uns zu unserem Ziel den Azoren in NE voranbringen. Wir hoffen, dort in der ersten Junihälfte anzukommen.

Sonst geht´s uns gut. Man muß Geduld haben, da es bis zum Ziel noch eine ganz schöne Strecke ist. Seit heute morgen um 5 Uhr laufen wir jetzt unter Maschine und haben die Segel geborgen, da der Wind völlig weg blieb. Die See hat sich beruhigt. Wir haben hier bestes Hochdruckwetter fast ohne Wolken. Die See ist tiefblau. Wenn man überlegt, dass wir unter uns einige tausend Meter Wasser haben…..! Das Schiff zieht ruhig seine Bahn. Dadurch lebt es sich an Bord recht komfortabel. Gestern Mittag, wir haben Pfingsten, gab es Schweinebraten, Karotten, Zukini und Kartoffeln und heute Frikadellen und Kartoffelsalat. Wir leben also auf der Josi nicht schlecht. Ingrid zaubert jeden Tag etwas, hat sich bei der Schaukelei aber auch schon so manchen blauen Fleck geholt. Wir haben jetzt jeden Tag Funkverbindung über Winlink für die Emails. Mit Sprechfunk habe ich auch jeden Tag Kontakt mit anderen Seglern sowie auch mit Intermar, einer Amateurfunkgruppe, von denen ich immer die neuesten Wetterprognosen bekomme.

Wir werden noch bis übermorgen mit Ostkurs motoren müssen, bevor wir das Flautengebiet hinter uns haben. Dann werden wir wohl mit günstigen Winden direkten Kurs auf die Azoren nehmen.

Liebe Grüße von Ingrid und Jürgen
SV Josi

SV Worlddancer II – Heike + Herwig Muench GER

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VOM KLEINEN IN DEN GROSSEN RAUM
nach einem Viertel Jahrhundert der Gestaltung von umbauten Räumen, sind diese jetzt allesamt zu klein geworden. Heike + Herwig verlegen ihre Aktivitäten ab sofort ins Freie, um ihren Träumen hinterher … oder entgegen zu segeln. Ein glatter Lebensschnitt – mutig und entschlossen, gleichwohl leise und unaufgeregt.

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Der Umzug aus altem Gemäuer in moderne Alu Wände ist vollzogen: Die schnieke Allures 44 liegt im Hamburger City Sportboothafen auf der Lauer nach Wind von achtern, den Bug bereits zur grausamen Nordsee hin ausgerichtet. Der Schiffsname erzählt Bände: das Programm der kommenden Jahre. Was zurück bleibt: ein paar Kartons auf Warteschleife im Hinterzimmer bei Verwandten – und die Idee, ganz lange – oder für immer? – unterwegs zu bleiben.

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Auffällig für mich: ein Schiff in Perfektion, sorgfältigst ausgerüstet bis zum Flaggenknopf, eine bestens präparierte Crew, zeitweise vom daheim viechernden Sohn komplettiert, allesamt Menschen, die entspannt und froh nur noch für die Zukunft brennen. Es sei ihnen von Herzen gegönnt, zudem zu Hause nix mehr brennt und sie ungehemmt dem Horizont entgegen rennen können.

Mal schaun´, was das Blog zu erzählen haben wird.

Peter Foerthmann

Eine Nacht vor Nagel in der Wand

20150525

1.000 Meter Steilwand über Dir

“Mann über Bord!“ Bene erwischt es genau in der engsten Stelle des Trollfjordeingangs. Hannes, der Rettungsring fällt über Bord. Einige Minuten später ist Hannes wieder an Bord und hat überlebt. „Gott sei Dank. Aber sag mal Bene, der Ablauf der Bergungsaktion ist aber anscheinend in Österreich ein ganz anderer als nach internationalen Regeln. Oder? Das üben wir aber noch mal unter Segeln.“ Ist ja kein Ausbildungstörn. Aber wir wollen ja schon wissen mit wem wir hier nach Spitzbergen segeln wollen.

Vorsichtig manövrieren wir an die Steilwand im Trollfjord. Es ist tageshell um Mitternacht, die Norderkap von den Hurtigruten kommt genau in diesem Moment rein und ein Blitzlichgewitter fällt über uns her. Falls einer der Gäste uns ein paar Fotos schicken würde, das wäre doch nett. Demnächst machen wir ein Banner „Please send us your pictures by email!“ Wir brauchen ein bisschen, bis wir einen Felsspalt finden um die MARLIN für die Nacht zu vertäuen. Es gibt zwei Gläser „Tres Hombres Rum“ und allen fallen die Augenlieder zu. Skippers Schnarchen lässt den Mast leise im Rhythmus vibrieren. Na? Gibt es etwas, was romantischer sein kann, als eine Nacht vor Nagel? Nein.

Das Wetter bleibt weiter spannend. Spitzbergen oder nicht? Die Entscheidung macht ein Tiefdrucksystem, dass sich hoffentlich südlich von uns über Land langsam füllt und ein Hoch über Spitzbergen. Das hieße Starkwind aus Ost und das GO MARLIN! für uns. Jetzt mal schnell Johann einkuppeln, damit wir die Astartlinie rechtzeitig erreichen.

 


Der Zug nach Spitzbergen ist ohne Dich abgefahren. Ätsch!… Bene ist dabei. www.sy-marlin.de/mitsegeln

 

 

SV Blue Sky – Grisel + Tino Schumann GER

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LEBENSZEICHEN VON DEN SCHUMANNS
„Vor welcher Insel legt die Blue Sky-Crew gerade den frischgefangenen Fisch auf den Grill?“ werden sich vielleicht diejenigen fragen,  die immer wieder einmal Kontakt zu uns hatten oder deren Gedanken uns gelegentlich gefolgt sind.
„Schumanns? …. waren das nicht die Verrückten mit….? könnten jetzt einige denken, die schon lange nichts mehr von uns gehört haben.

 
Ich habe aber auch wirklich seit einer kleinen Ewigkeit nichts mehr auf diesem Wege von mir hören lassen. Das bedeutet aber keineswegs, dass nicht unsere Gedanken immer wieder schneller als wir um die Welt kreisen und bei allen, die wir kennen, auch einmal verweilen.
 
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Wir segeln immer noch. Die „Blue Sky“ ist ein alter Haudegen der Meere geworden. Für Enya ist mit ihren fünf Jahren der Alltag voller „Erste Male“. Das erste Mal das Schiff ein paar Seemeilen alleine steuern, den ersten Fisch selber fangen, die erste Schildkröte beim Schnorcheln sehen, das erste Mal ein Ei in die Pfanne hauen, das erste Mal einen Falter näher untersuchen und festgestellen, das Schmetterlinge gelbes Blut haben,…. und nun fängt sie an in ihren beiden Muttersprachen Lesen uns Schreiben zu lernen. Das Englisch fließt ihr als Bonus beim Toben mit den Inselkindern oder beim Snacken mit den Schiffsnachbarn nebenbei zu. 

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Grisel ist mit ihrer lateinamerikanischen Art und dem Sonnenschein zwischen den Zähnen immer noch unser Menschenfänger in anderen Kulturen und der Schlüssel bei so mancher tiefergehenden Begegnung.

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Ich habe mich an Abenteuern über und unter Wasser immer noch nicht sattgegessen und bin noch nicht müde über neue Farben und Töne in der Natur zu staunen. Ich freue mich immer noch über ungewohnte lokale Gerichte und bin auch vor gegrillter Fledermaus und Heuschrecken nicht zurückgeschreckt. Einige neue Rezepte schaffen es dann auch bis in die Bordküche, die hin und wieder auch einmal wie ein Experimentierlabor anmutet.
Uns geht es gut und die Welt ist herrlich.
 
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Wind und Strömung haben uns bis an die australische Küste getrieben. Zur Zeit segeln wir am Great Barrier Reef entlang.  Vor wenigen Tagen konnten wir den dritten Jahrestag des Beginns unseres Segelabenteuers feiern und beim letzten Törn haben wir die 20.000ste Seemeile auf dieser Weltumsegelung begossen.

IMG_3474Wer möchte, kann HIER vieles davon miterleben. Die Galerie ist proppenvoll  mit Augenblicken. Unter „Wo segeln wir gerade“ kann jede Meile verfolgt werden und an fast allen Positionen sind beim Anklicken Kurzberichte hinterlegt. Im „Logbuch“ findet man gelegentlich ein paar Erlebnisse, Gedankengänge und Emotionen.
Viel Spaß beim Abtauchen in die Weltmeere und beim Stranden an die entlegenen Küsten!
 
Als kleiner kulinarischer Gruß von uns das letzte Experiment aus der Bordküche:
 
Bananenkaffee
 2 Bananen
200ml Milch
200ml Sahne
6 TL Zucker (am besten brauner)
je ½ TL Zimt, gemahlenen Kardamom und gemahlene Nelken
300ml heißer Kaffee
Zucker zum Süßen (wenn gewünscht)
 
Bananen in Scheiben schneiden und mit Sahne und Milch in einem Topf aufkochen und zugedeckt 5 min köcheln lassen.
Vom Herd nehmen, Gewürze und Zucker untermischen und alles mit Pürierstab pürieren.
Bananensahne auf vier Gläser verteilen. Kaffee nach Belieben süßen und vorsichtig ( am Besten über einen Löffelstiel) über die Sahne gießen so, dass zwei Schichten entstehen (gelingt mir nicht immer). Sofort servieren. Vor dem Trinken mit einem Löffel umrühren.
Lecker!!
 
Wir wünschen allen erholsame und sonnige Pfingsttage und ein paar exotische Momente
 
die Blue Sky-Crew
Tino, Grisel und Enya

Wieder mit dem Bug in den Wind

20150524

Mitten in Österreich

Ich fühl mich mehr wie auf der MUKTUK als auf der MARLIN. Häh? Wieso? Die MUKTUK sind eines unserer Lieblingsboote, die mit ihren beiden Söhnen unterwegs sind. Der ganz aufmerksame Segler weiß natürlich sofort Bescheid. Brasilien 2010. Jetzt ist Bene an Bord der MARLIN und quasselt den ganzen lieben Tag in seinem Österreichischem Akzent. Genau wie Carl & Alex, eben von der MUKTUK. Schön, man fühlt sich fast wie zeit- und ortversetzt. Carl und Alex hätte ich jetzt auch gerne um mich herum. Aber die sind in Alaska.

Zu dem „Passt schon!“ gibt es den lieblichen Klang unseres Yanmars. Is nämlich keine Wind. Ein kleines Hoch zwischen den ganzen Tiefdruckgebieten um uns herum beschert uns, laute Musik im Cockpit um den Yanmar zu übertönen, einen klaren blauen Himmel und Sonnenschein. Das Thermometer im Cockpit zeigt 23 Grad. Schein aber auch die Sonne drauf. Ich mache Wasser und taue ne Ladung Dorsch für den Mittagstisch auf. Wir halten auf die Lofoten zu. Da ist Wind für für Spitzbergen angesagt. Na. Ich mach mir halt mal grade keine falschen Hoffnungen. Heute Nachmittag gibt es Nordwind auf die Nase. Können wir. Kreuzen wir. Genießen wir. Hauptsache wieder raus aus dem Hafen von Bodö. Zwei Tage waren schon wieder viel zu viel. Die Natur der Lofoten ist viel zu schön, als dass man auch nur einen Tag im Hafen verweilen sollte.

 


Mitsegeln auf der MARLIN? Am 22.5.15 – Letzter Aufruf: Ab Bodoe kannst Du mitsegeln in den Lofoten und weiter nach Spitzbergen. Im Juni kannst Du Spitzbergen mit uns erkunden. Plätze sind noch frei… www.sy-marlin.de/mitsegeln AIS Life schaust Du hier. Was und wie viel Tracking über das AIS Netz bringt. Der direkte Link auf die AIS Meldungen der MARLIN MARLIN on AIS Life! Du willst selber einen AIS Transponder um die Position Deines Bootes über das Internet zu sehen? LUNATRONIC hat den besten AIS Transponer als eigenständiges System

 

 

Mitsegeln nach Spitzbergen

 

20150522

Bene ist da!

Der am Wind Trip vom Trollfjord nach Bode war pura vida. Superschönes am Wind Segeln bei leichten Winden aus SW. Eigentlich nicht zu beschreiben. Mitten in der Nacht um 23 Uhr erreichen wir Bodö. Es ist taghell. Ganz hinten im Hafen möchte ich die MARLIN an einer Spundwand einparken in der Hoffnung das die Marina-Politesse uns dort in Ruhe lässt und nicht gleich wieder 40 Euro für die Nacht abknüpft. Ganz langsam gleitet die MARLIN an den Ort ihrer Bestimmung. Dann wird es flach und flacher. „Arved ich gehe rückwärts. Es wird zu flach.“ Mit dem Popo zuerst, versuchen wir aus dem Mauselock wieder rauszukommen. Und dann passiert es. „Ich kann nicht mehr rückwärts Fahrt aufnehmen, der Motor stirbt ab.“ Arved versteht nur Bahnhof. Mit leichter Fahrt steuert der 70kg ROCNA auf das Pilothaus eines Seelenverkäufers zu, der an besagter Spundwand verlassen vertäut ist. „Nimm Dir einen Fender. Ich kann keine Fahrt rückwärts aufnehmen.“ In letzter Minute bringt Arved uns zum stehen und ich am Ruder die MARLIN längsseits des Holzkutters. „Wir haben einen Tampen in der Schraube“, vermute ich, springe in den Motorraum. Die Welle lässt sich in beiden Richtungen frei drehen. „Hmm. Komm wir gehen schlafen. Der MAXPROP kann seine Flügel nicht auf Rückwärtsfahrt stellen.“

Der Tag beginnt mit der Politesse. „Ihr müsst da auch bezahlen!“ „Ja aber wir nehmen keine Wasser, kein Strom und haben einen Tampen im Propeller.“ ´Die Polin in norwegischer Uniform lässt sich nicht erweichen. Wir wollen uns an einer anderen Stelle im Hafen an einer anderen Spundwand trocken fallen lassen. Nach einer Ortsbesichtigung und Tidenkalkulation ist alles super. Das sollte gehen. Doch der Hafenkapitän gibt uns keine Erlaubnis. Schade. Hätten wir direkt mal das UW Schiff sauber machen können für unsere Gast Bene, den wir am frühen Abend erwarten. Aber so ist das. Also taper ich zum Rettungsboot der Redningsselskapet. „Könnt ihr mir helfen. Ich habe einen Tampen in der Schraube.“ Drei Jungs haben 28 Tage 24h Dienst auf dem fully equiped Seenotrettungskreuzer mit 2×1000 PS. O.K. Wir kommen, aber Du musst Mitglied werden. Dann kostet es nix. MARLIN ist jetzt mit Glied beim Norwegischen RS. Na dann kann ja nix passieren.

Ich stehe grade beim Schweißer, dem Fischer, der mit letztens so einfach sein Auto geliehen hat, der sich mit der verbogenen Dinghyhalterung abmüht, als der Rettungskreuzer bei der MARLIN längsseits geht. Der Kapitän taucht selber auf dem Dampfer. Trockentauchanzug mit Vollgesichtsmaske und Gegensprechanlage an Bord. Nach fünf Minuten hat er den Tampen rausgeholt und die MARLIN kann auch wieder rückwärts eindampfen. Ende gut alles gut. Ich installiere die Dinghyhalterung, die aber nicht mehr ganz passt nach der Modifikation. Ach. Ich ärgere mich, dass ich Thorsten, dem Erschaffer aus Flensburg die nicht gleich, als nicht ausreichend dimensioniert, um die Ohren gehauen habe. Das ist das, wenn Landratten was für Segelschiffe konstruieren. Schrott.

Am Abend kommt Bene pünktlich an. Die MARLIN ist fertig, funktionstüchtig , sauber und ready. Wir gehen jetzt in die Stadt. Abschied feiern von der Zivilisation.

 


Mitsegeln auf der MARLIN? Am 22.5.15 – Letzter Aufruf: Ab Bodoe kannst Du mitsegeln in den Lofoten und weiter nach Spitzbergen. Im Juni kannst Du Spitzbergen mit uns erkunden. Plätze sind noch frei… www.sy-marlin.de/mitsegeln AIS Life schaust Du hier. Was und wie viel Tracking über das AIS Netz bringt. Der direkte Link auf die AIS Meldungen der MARLIN MARLIN on AIS Life! Du willst selber einen AIS Transponder um die Position Deines Bootes über das Internet zu sehen? LUNATRONIC hat den besten AIS Transponer als eigenständiges System

 

 

SV Kairos – Menno van Loon NED

Sweden34, van Loon

LONG LIVE THE WINDPILOT
Dear Peter,
I just wanted to send you a quick note to let you know that I safely crossed the Pacific singlehanded, mainly thanks to my excellently working, several decades old, pacific windpilot (which you very helpfully provided me with advice about, a few times last year). What a great piece of engineering!
Kind regards,
Menno van Loon (From Oa Pou, Marquesas) WEITERLESEN

Arved springt ins 3,5 Grad kalte Wasser

Arved springt ins 3,5 Grad kalte Wasser

Wieder nach Bodoe morgen

Die Hochphase mit Sonnenschein ist vorbei. Am Freitag kommt Bene in Bodoe an und somit ergibt sich keine Diskussion was weiter zu tun ist. „Ich spring ins Wasser. Willst Du mich filmen?“ Ich schaue Arved entgeistert an. „In das 3 Grad kalte Wasser, dass aus dem Kraftwerk vom Bergsee herunter kommt? Da musst Du alleine springen!“ Dieses Jungvolk, dass die sich und der Welt immer was beweisen müssen, grinse ich mir in die Backe. Es war eine schöne Zeit im Trollfjord. Wird mir in sehr guter Erinnerung bleiben. Immer wieder gerne. Wir haben echt viel von unserer ToDo Liste abgearbeitet. Die Stufe zur Backbord Achterkabine mit Epoxi geklebt, die Kühlschranktür geklebt, den Salontisch neu geölt, Anker, Kette und Ankerkasten geklärt und und und viele Kleinigkeiten… Jetzt habe wir schon den Rocna geworfen um über Nacht an der OEyhellesrand die Nacht zu verbringen. Es nieselt, es ist kalt und nachdem Arved nur Kleinzeug gefangen hat, verdrückt auch er sich nach einer indischen Kürbissuppe mit Kokusnussmilch in die Koje. Das Dinghy gibt mir in der Vorkoje etwas Schatten vor der Nachtsonne. Da werde ich endlich mal besser schlafen. Ich kauf mir noch ne Schlafbrille hier für die Nacht. Ich steh sonst morgens immer auf mit dem Gefühl am letzten Abend ne Valium genommen zu haben. Ganz komisch.


Mitsegeln auf der MARLIN? Am 22.5.15 – Letzter Aufruf: Ab Bodoe kannst Du mitsegeln in den Lofoten und eventuell weiter nach Spitzbergen. Im Juni kannst Du Spitzbergen mit uns erkunden. Plätze sind noch frei… www.sy-marlin.de/mitsegeln AIS Life schaust Du hier. Was und wie viel Tracking über das AIS Netz bringt. Der direkte Link auf die AIS Meldungen der MARLIN MARLIN on AIS Life! Du willst selber einen AIS Transponder um die Position Deines Bootes über das Internet zu sehen? LUNATRONIC hat den besten AIS Transponer als eigenständiges System

 

Schlimmer geht immer

Gestern auf dem Weg die Flensburger Förde hinaus frischte der Wind immer weiter auf und die Wellen nahmen schnell an Höhe zu. Das liegt wohl auch an der Lage und der damit verbundenen Düse. Mir war es egal,denn ich hatte mir so etwas schon gedacht und war sowieso auf Krawall gebürstet. Außerdem finde ich es immer wieder beruhigend auch in solchen Situationen unterwegs zu sein und das Boot im Griff zu haben. Im 2.ten Reff macht „La Mer“ eigentlich alles mit, aber es waren doch sieben lange Kreuzschläge und am Ende ein paar Stunden nötig um die 12 Meilen zu abzureißen. Bei der Welle und dem Strom in die Förde auch kein Wunder. Aber aufgeben zählt nicht, auch wenn ich von allen unter Motor überholt wurde. Nur noch ums Kap und dann mit halbem Wind Kurs Alssund. Seit Stunden regnet es ununterbrochen, selbst mein T-Shirt ist schon nass. Schlimmer kann es ja nicht mehr werden, dachte ich mir. Und prompt legte der Wind so zu, wie ich es nie vorher erlebt hatte. Am Ende hatte ich  nur noch ein Stück Fock in Badehandtuchgröße stehen und krängte trotzdem um 30 Grad. Zum ersten Mal hörte ich das berühmte Tosen des Sturmes. Unheimlich, aber auch großartig sich dem Wind zu stellen. „La Mer“ hielt die Höhe bei guten 5 Knoten, kein Grund zur Sorge. Wie wild schlingerte ich mit dem bißchen Fock quer zu den Wellen, die das Boot zusätzlich auf die Seite drückten. Aber das Boot machte alles mit und es tat gut einmal auszuprobieren was möglich ist. Denn wenn man seine Skala des Schreckens nach oben erweitert hat, fühlt sich alles vorher erlebte später harmlos an. Ja ja, ihr lacht. Ihr, die schon Schlimmeres erlebt habt. Alle anderen vielleicht auch nicht. 
Heute ging es dann weiter in die Dyvig, wieder gegen enorme Windböen und weisses Wasser. Machte mir nun heute nichts mehr aus, hatte ich ja gerade Schlimmeres erlebt. Und so lässig  fuhr ich mir dann ich dann beim Anlegen in einer Riesenbox bei brutaler Böe einen Festmacher in den Propeller. Man lernt eben nie aus. Schlimmer geht es wohl kaum noch, dachte ich mir, als das Boot endlich fest lag und ich erstmal zu Beruhigung in der Plicht saß, bevor ich weitere Dummheiten mache. Doch dann sehe ich, wie ein Segelboot ein anderes Boot einschleppt, dem ebenfalls ein Tampen von der Bugklampe in der Schraube hängt…nur fehlt diesem Boot auch noch der gesamte Mast. 
Schlimmer geht immer…der Wind soll heute auch vor der deutschen Ostseeküste ziemlich gewütet haben. Und ich frage mich gerade, ob ich morgen Vormittag bei 10 Grad Wassertemperatur  schwimmen gehen sollte. Der Neoprenanzug liegt leider trocken in der Garage. Na mal sehen, was sich morgen noch so ergibt. Zwei 5 Kronen Stücke für die warme Dusche danach liegen jedenfalls schon bereit.

Eingemacht und Eingemachtes

20150518

Zwei sitzen fest

Ich muss die Situation mal kurz festhalten. Wir wollten eigentlich… Jaja… Eigentlich NUR mal kurz durch den Trollfjord um zu sehen, ob der was ist. Dann war das der neue Schwimmsteg vor dem kleinen Wasserkraftwerksgebäude mit der aufdringlichen Einladung doch mal festzumachen. Sonst. Kein Schwein hier. Ab und an kommt mal nen Aussichtsboot und wir werden geknipst. Dann so nen Hurtigrutenboot. Wir werden geknippst. Aber das war es auch schon. So wollten wir nur eine Nacht bleiben, bis Arved meinte: „Micha, da ist ne Steckdose in der Toilette. Ein Wasserschlauch ist auch da.“ Also erst mal ran. Strom ist ja genug da vom Kraftwerk. Da kann man doch nicht nein sagen, wenn man grade keine Gäste und ein lange ToDo Liste hat. Die LunaWLANnet hatte ich bisher noch gar nicht angeschaltet. Da fällt mein Blick auf das Schild am Häuschen: Internett, SSID und Kennwort. „Ich glaub ich werde verrückt. Ich messe mal eben. 6Mbit/s für uns ganz alleine. Ohne Limit. Na. Ob wir hier so schnell wieder weg kommen?“

To Do Liste raus. Spotify Musik an und los geht es. Der Anker wird optimiert. Der KONG Wirbel verklemmt sich immer beim Einholen des Ankers. Da kommt noch ein dicker Schäkel rein. Besser. Aber noch nicht perfekt. Von den 80 Metern Kette lagern wir 30 Meter außerhalb des Kettenkastens, damit es keinen Ketten-Berg mehr beim reinholen gibt. Problem ist auch gelöst. Kein zweiter Mann muss mehr in die Segellast um die Kette zu legen. Schlussendlich installiere ich endlich die Funksteuerung für die Winsch. Halb gelöstes Problem. Leider hat die Elektronik eine Macke. Hochziehgen geht. Runterlassen nur mit Fußschalter. Kann ich grade im Moment mit leben. Ist eh mehr eine Einhandseglernotwendigkeit die Ankerwinde aus dem Cockpit fernbedienen zu können.

Weil mal wieder die Sonne scheint und der Himmel blau ist packen wir den Gennacker raus. Der ist zwischenzeitlich von Carsten@Holm Segel repariert und wir hatten bisher noch nicht die Gelegenheit diesen mal in Augenschein zu nehmen. Heute ist der Tag um das zu tun. Carsten hat ganze Arbeit geleistet: “Gut gemacht Carsten.“ Der Sack bleibt direkt an Deck stehen. Ich zeige Arved wie man den 220qm Lappen setzt und wieder runter holt. Werden wir bestimmt in den nächsten Wochen brauchen. Es wird sommerlich in Nordnorwegen. Tagsüber liegen die Temperaturen deutlich über 12 Grad.

 


Mitsegeln auf der MARLIN? Am 22.5.15 – Letzter Aufruf: Ab Bodoe kannst Du mitsegeln in den Lofoten und eventuell weiter nach Spitzbergen. Im Juni kannst Du Spitzbergen mit uns erkunden. Plätze sind noch frei… www.sy-marlin.de/mitsegeln AIS Life schaust Du hier. Was und wie viel Tracking über das AIS Netz bringt. Der direkte Link auf die AIS Meldungen der MARLIN MARLIN on AIS Life! Du willst selber einen AIS Transponder um die Position Deines Bootes über das Internet zu sehen? LUNATRONIC hat den besten AIS Transponer als eigenständiges System

 

 

Lust statt Last: Der Weg zurück vom Boot zum Flugplatz. Oder: Die Geschichte von Dolmus und Otogar.

Meist ist der Weg zurück nach dem Törn kein fröhlicher. Lag auf dem Hinweg noch alles Schöne in froher Erwartung vor einem, geht jetzt der Weg zurück. Die Aussichten, in den engen Flieger gepfercht zu werden und am Montag am noch engeren Schreibtisch zu sitzen, tun ein übriges. Aber statt in ein Taxi zu steigen, was in der Türkei stets teures Vergnügen ist, das sich die normale Bevölkerung niemals leistet, kann man ja mal das Alltagsgefährt von Otto-Normal-Türkin und -Türke besteigen: den Kleinbus, den man dort liebevoll „Dolmus“ nennt (gesprochen: Dolmusch). Und das ist allemal ein günstiges Vergnügen mitten drin im Leben: Kostet die fünfminütige Fahrt mit dem Taxi hinein nach Marmaris etwa 22 Lira (umgerechnet 7 Euro), besteigt man den Dolmus für denselben Weg nur für 2 Lira – 65 Cent. Aber etwas Zeit muss man schon mitbringen, für den Dolmus.

                                                              Weiterlesen bei: Wie sieht eigentlich so ein Dolmus aus? Hier.

Meine Reise beginnt dort, wo nachts die Dolmuse schlafen: Im Otogar, dem Busbahnhof. Ein Otogar ist – wie unser deutscher Bahnhof und unsere Raststätten – ein Ort, an dem man viel über eine Gesellschaft lernen und erfahren kann. Wie verhält sich eine Gesellschaft? Wie organisiert sie sich und ihr „unterwegs-sein“, das Lust und Broterwerb gleichermaßen dient? Ist eine Gesellschaft mit sich selbst beschäftigt? Oder hilfsbereit? Nach welchen Regeln kommt man vorwärts?
Nehmen wir mal einen x-beliebigen deutschen Großstadtbahnhof. Den von Köln. Oder Hannover. Oder von München. Das ist gleich, denn wesentlich unterscheiden tun sie sich, außer dass in Hannover ein Ernst-August davor steht, in Köln ein Dom und in München ein HERTIE, nicht sonderlich. Zwei Dinge fallen sofort ins Auge: Hektik ist angesagt. Menschen, die schnellen Schritts von A nach B eilen, nach geheimem Plan und Marschbefehl wie Ameisen eines Waldameisen-Baus. Ein organisiertes Durcheinander, ein Vorbeihasten, ein vor Schnelligkeit den eigenen Weg berechnen, gebremst nur, wenn man sich verrechnet hat und in einen zur gleichen Seite ausweichenden Entgegenkommer rennt. Ein rasches „Time is money“, in dem Verweilen schon gar nicht angesagt ist, in dem das „ich muss aber doch heute noch…“ unseres Alltags über den Perons regiert.

Das zweite, was auffällt: Ausschließlich systemgastronomisch organisierte Ess-Meilen, die den Reisenden auf seiner Hatz durch bundesrepublikanische Bahnhofszentren begleiten. Systemgastronomie von BACKWERK bis BURGER KING, von GOSCH bis HUSSEL, von McDONALDS bis DUNKIN‘ DONUTS. Alles, alles folgt den Gesetzen der Effizienz. Effizienz ist unser aller Kundenwunsch, das geht bei ALDI los und reicht bis „Bahnhof“. In der Diktiertheit unseres Lebens kommt der Zauber des Reisens und Verreisens unter die Räder.

Leichter hat man es da, ist man einmal außerhalb von Raum und Zeit, wie im Urlaub. Zum Beispiel in einem türkischen Otogar. Das Wort allein ist in der an Pragmatismus reichen türkischen Sprache schon ein Witz. Eine Kreuzung aus „Auto“ und „La Gare“. Nicht genug damit: jedes Dorf hat seinen Otogar. Eisenbahn gibt es hier in der Südtürkei nicht. Das Land ist überzogen von einem feinmaschigen Netz von Buslinien: Die kleinen Busse, mit denen man für zwei Lira, umgerechnet 66 Cent, aus den Vorstädten hineinrollt. Den mittelgroßen Bussen, die im Stundentakt zwischen den Städten hin hund herpendeln und in denen die dreistündige Reise von Fethiye nach Marmaris 28 Lira kostet, etwas mehr als neun Euro. Sie alle treffen sich im Otogar. 
Männer stehen dort in geschäftigen Grüppchen herum, palavern. Der Himmel weiß, worüber. Ein Mann, der auf altem Roller am Straßenrand Frau und Kind abliefert, für die Fahrt in die große Stadt, eine junge Mutter mit ihrer kleinen Tochter. Großmütter, die am Straßenrand stehen, mit großen Packen. Die Türkei ist ein Land, in dem gerne viel transportiert wird, werktags und feiertags, irgendwer steht immer am Straßenrand, irgendwer hat immer einen Ballen geschultert, um ihn von links nach rechts oder rechts nach links zu transportieren, Ameisen, doch statt mit effizienz-getrimmten Räderkoffern mit Ballen, Packen, Packeten bepackt. Aber anders als die Waldameisen bei uns daheim stehen die Menschen hier. Und warten. Ich habe aber noch nicht herausbekommen, worauf. Irgendwer – ob alt, ob jung – steht immer mitten im gottvrlassenen „nowhere“ am Straßenrand. Und wartet auf irgendwas.
Blickt man auf weitere Unterschiede, wird man schnell fündig. Ein Otogar ist, dank südlichen Klimas, immer unter freiem Himmel. Im wesentlichen ist ein Otogar eine Männerwelt, ein kleines bisschen getragen wie in Italien von der Männer-Bündelei untereinander. Ein Beispiel: Aushängende Fahrpläne gibt es nicht. Wer irgendwo in will: der fragt einfach einen Mann, der meist im weißen Hemd und schwarzer Hose vor einem Dolmus steht. Als ich neulich herumirrte auf der Suche nach einer passenden Verbindung schwankend zwischen Bus, Leihwagen und sonstwas für die sechsstündige Reise von Marmaris nach Antalya, traf ich im Otogar auf Mehmet. Als ich ihn – ratlos, wie denn das lange Stück am besten zu bewältigen sei, genervt von räuberischen Taxifahrern – als ich Mehmet also entnervt im Gewühl des Otogars von Marmaris ansprach, wie ich denn am besten mein Wegstück zurücklege, lautete seine lapidare Antwort aus dem Stegreif und ohne irgendwo nachzublättern:
„8.15 tomorrow to Fethiye. 
10.30 from there 3 hours to Antalya. 
Half an hour Taxi to Havalimane.“ 
Das saß. Ein bisschen Mut gehört allerdings dann schon dazu, sich dem Wort eines Weißhemds wie Mehmet anzuvertrauen und vielleicht den mühsam ergatterten Flieger zu versäumen. Aber dies lernte ich schnell in der Türkei: Ein Wort ist ein Wort. Und so ließ ich also Leihwagen und Taxi getrost sein. Und begab mich mit geschultertem Seesack zum Otogar. Kaufe von irgendjemand im weißen Hemd, der vor einem Dolmus steht und ein Bündel mit Banknoten in der Hand hält, mein Ticket. Denn Schalter gibt es auch nicht. Dafür aber Männer im weißen Hemd. 
Der Bus fuhr pünktlich ab. Aber just, als wir in den Otogar von Fethiye einrollen, passiert uns ein Bus mit der Aufschrift „Antalya“. „Mist. Der ist weg. Mein Flieger? Winke, winke???“ Fragezeichen purzeln reißenden Bächen gleich durch meinen Kopf. Aber kaum bin ich meinem Bus entstiegen, steht ungefragt ein Mann in weißem Hemd vor mir: „Antalya?“ fragt er. Ich bejahe. „Come“, sagte er, „bus leaving.“ Ungefragt schreitet er voran, wieder einmal ist hier in der Türkei mein Vertrauen ins Leben gefragt. Der Mann verläßt den Busbahnhof, geht schnellen Schrittes um den Häuserblock, ich hasste ihm nach mit geschultertem Seesack, hinterher, einmal ums Karree. Auf die Hauptstraße. Dort ist eine Ampel. Die steht auf Rot. Davor steht gerade der Bus nach Antalya. 
Der Fahrer steigt aus, nimmt meinen Seesack. Öffnet die Tür. Ungefragt. Und schon bin ich drin.
Noch einen Unterschied gibt es, der mich in den Ländern des Mittelmeers und auch hier in der Türkei fasziniert: Handy-Netz und Internet funktionieren. Lückenlos. Auf vielen Fahrten mit Dolmus und Bus quer durch die südliche Türkei war dies immer ein großes Erlebnis, vom kleinen Bus aus überall im Internet sein und arbeiten zu können. Ein echtes Aha-Erlebnis für den, der mit dem ICE von München nach Hannover reist. Denn kaum hat dies Wunderwerk der Technik den Münchner Hauptbahnhof verlassen: Schon ists vorbei mit Netz – für Stunden. Sind wir wirklich so effizient, wie wir uns gebärden?

Auch im türkischen Dolmus trifft sich „tout-le-monde“, Hauptsache mit Ballen und Säcken bepackt. Und während ich diesen kleinen Post schreibe, interessiert sich ein kleiner Junge auf dem Nachbarsitz neben mir, er barfuß wie sein Vater, für das, was ich da treibe. Und weil er mir so interessiert bei der Arbeit auf dem iPAD zusieht, stelle ich mein iPAD mal ganz schnell um und zeige ihm darauf sein Spiegelbild: Was Vater und Sohn höchlich amüsiert und die übrigen Angehörigen der Fahrgemeinschaft im Dolmus erst mal mit verhaltener Begeisterung betrachten. Das Leben ist einfach, der Kleine hat Freude mit seinem Spiegelbild, erklärt es seinem Vater. Er ist noch frei von sehnenden Gedanken an HALO 3 und WORLD-OF-WARCRAFT. Scheinbar. Denn er und sein Vater und das kleine behinderte Mädchen, das mit den beiden reist, sind Syrer. Drei von 1,7 Millionen, die die Türkei seit Ausbruch des Krieges aufgenommen hat. Wie bitte? Das wäre ja fast so: als würden die 80 Millionen Einwohner Deutschlands mal eben die Bevölkerung Sloweniens bei sich aufnehmen?
Vater und Sohn sprechen kein Englisch, kein Türkisch, irren auf wer-weiß welchen Wegen durch die Türkei. Kurz vor Antalya bittet mich der Vater um einen Stift. Auf einem kleinen Zettel kritzelt er Ziffern, eine Telefonnummer. Ich verstehe nicht, was er von mir möchte. Aber dann begreife ich: ich möge doch diese Nummer für ihn anrufen. Ich wähle die Nummer, gebe ihm das Handy, er telefoniert, reicht es quer durch Bus zum Fahrer, damit der mit der Person am anderen Ende der Leitung spricht. Offensicht weiß der Familienvater nicht, wo er jetzt mit den Kindern in Antalya hin soll. Aber das ist schnell geklärt. Am Otogar von Antalya, groß, überdacht, modern, trennen sich die Wege. Es ist so schrecklich wenig, was ich für die drei tun kann.

Und so widme ich diesen Post, während in Deutschland die Bahn nicht funktioniert, dem türkischen Dolmus und den Menschen, die mit ihm reisen. Ich schrieb diesen Post während dreistündiger Fahrt von Fethiye nach Antalya, durch mongolische Steppen, entlang an schneebedeckten Dreitausendern und antiken Hügelfestungen. Vorbei an Pappelhainen und menschenleerer Ödnis. Dem türkischen Bussystem, das sich – wiewohl auf den ersten Blick etwas rückständig – doch als ausgesprochen „effizient“ erweist: was Zuverlässigkeit und Internet und Arbeiten von unterwegs angeht. Und: den Blick aufs wirkliche Leben.


                                       Weiterlesen über: Segeln in der Türkei. Hier. 

                                       Weiterlesen über: Die vergessenen Inseln. Hier.

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